Skip to main content

Full text of "Christlicher seelenschatz in predigten über die ganze evangelische glaubens- und sittenlehre"

See other formats


I  ^ 


■'*, 


Qass. 
Book 


4  /^/&Vt/7'Z/rL 


/  ?  c       (A/fL 


'  a     cy/  ^ 


S  -V  > 


£j 


>y&£zr  ? '  £ 


^y;;/(^ 


v? 


yt£U/i    cZ^0-ß^7J-  })  '^   -C,  /Vg^// 


/#£/ 


££c^&:, 


°va;i  ?u:j 


tfttc}    <&£> 


in 

9 

|  r  e  H  j  t  e  n 

;  über  bte 
gan^e  ctHingeIif$e  (&lanbcn&  tmfc  ©ittetüefcte 

oon 

M>  £i)H(ticm  Jenaer, 

einfl  ^etnger  in  gftflaDeOurg ,  jule^t  Dbecfyofptttfiger  unb  (SonWotialtatf} 
in  £lueblinburg. 


SBotf  jtönbtg  Jjerauggegekn 


i>on 


fcem  £erau§ge*er  fce§  $#üma§  fcött  $em*i& 


Zwölfte  Auflage. 


g?  t  u  1 1 0  a  r  t 

«  (11  a  n  1 1  it  n  9    oon    <£♦    $♦    @|fet 

6463 


'        5 


ß^ 


NOV  1  9  1940 


Jlnjjaitst»  et$tid)iiit*. 


(Seite 
lte  sprebigt    S?on  ber  SSortrepcfyfeit  unb  äBurbe  beriete, 

in  2Cnfel)ung  i^>rer  (Scfybpfung      1 

2te  9)rebigt.    SSon  ber  fyofyen  SBürbe  ber  (Seele,  in  2Cnfel)ung 

iljrer  Unjfcrblic^eit 18 

3te  $p  r  e  b  i  9 1.    SSon  ber  S&ürbe  ber  «Seele ,  in  2Cnfe§ung  ityrer  Sa* 

lofung .       35 

4te  $p  rebigt.    SSon  ber  äBurbe  ber  (Seele,  in  2Cnfel)ung  ü)rer 

Heiligung 55 

Ste-^rebigt.    SSon  bem  flaglid&en  galt  ber  Seele  unb  bem  83er* 

berben  ber  (Sünbe 77 

6te  ^prebigt.    S3on  ber  nnrflidfjen  «Sünbe,  beren  Urfadje  unb 

SDtcmnigfaltigfett .......      104 

7U  ty  r  e  b  i  g  t.    SSon  bem  äßatfjStfyum  ber  «Sunbe 132 

8te  $p  rebigt.    S3on  ben  flagltäjen  grumten  ber  (Sünbe  unb  bem 

bejammernSroürbigen  3ujtanb  ber  in  «Sünben  vertieften  (Seelen      160 

lte  9)rebigt.  SSon  ber  33e£el)rung   ber  Seele  unb  ber  ©nabe 

©ottes 183 

2te$prebigt.  SSon  ben  Mitteln  jur  S5elel)rung    .....  213 

3te$rebigt.    SSon  ber  S5efd)offenl)eit  ber  SSuf  e 265 

4te  $>rebigt.    SSon  ber  Uebung  ber  SSufe 310 

5te  ^rebigt.  SSon  bem  Verlangen  ber  bußfertigen  «Seele  nadl) 

ber  ©nabe  ®ctk$  in  (Sfyxtfto      348 

6te  sprebigt.  SSon  ber  Ergreifung  unb  ßuetgnung  beö  Serbiens 

ffceS  @&rtjii 376 

rte  sprebigt.  Son  ber  Verfertigung  burdj  ben  ©lauben      .  408 

8te  ^rebigt    2Son  ber  Vergebung  ber  <Sünben 444 

9te  «prebigt.  25on  ber  SSaterltebe  ©otteS   .......  473 

lote  ^ptebigt.  S5on  ber  ^errlicpit  ber  ^inbfe^aft  ©otteö     .  497 


(Seite 
Ute  $>rebigt.    SSon  ber  SSereinigung  ber  gläubigen  (Seelen  mit 

<5l;rijto 519 

12te  ^prebigt.    SSon  bem  3eugmf|e  beS  ^eiligen  ©eijteS  .    .    .  534 

®vitttt  %%tit 

ltz  §)rebigt.    SSom  ^eiligen  ßeben  bei:  bußfertigen  (Seelen,  unb 

%voat  son  beffen  9fa>tl)tt>enbigt"eit 552 

2te  sprebigt.    SSon  ber  &efcfyaffenf)eit  biefeö  ßebenö   ....  581 

3te  sprebigt.    SSon  ber  Uebung  ber  ©ottfeiigfeit      ....  607 
4te  sprebigt.    SSon  i>zm  inneren  ßic^t  unb  ber  (Srfenntnijj  ber 

(Seele 638 

6te  $)  rebigt.    SSon  ber  SSewunberung  ber  ©üte  @otte§     .    .  665 

6U  $)rebtgt.    &on  ber  SSetracfytung  be$  Saufbunbeö     .    .    .  684 

yte  ^rebigt.    SSon  bem  ^eiligen  tfbenbmafyl 710 

8te  $p  r  e  b  i  g  t.    SSon  ber  ewigen  ©nabenroaf)l 1737 

9te  $>rebigt.    SSon  bem  grieben  mit  ©Ott 771 

lOte  $3reb igt.    SSon  ber  greube  in  (Sott 791 

llte^rebigt.    SSon  ber  ßiebe  $u  ©Ott  . 821 

12te  sprebigt.    25on  ebenberfeiben 868 

13te  $>rebigt.    S5om  ßobe  ©otteö      894 

14te  sprebigt.    SSon  ber  (Ergebung  in  ©otteö  SBtUen     .    .    .  940 

15te^)rebigt.    SSon  bem  ^eiligen  ßifer  in  ber  grbmmigfeit     .  976 
16te  sprebigt.    SSon  bem  vertrauten  Umgang  ber  (Seele  mit 

©Ott      1010 

17te  sprebigt.    25on  ber  £)emut$ :    .  1035 

18te  $p  rebigt.    SSon  ber  9<lacfc;ttenliebe     . 1078 

19te  sprebigt.    SSon  ber  S3arml)er$igfeit      .......  1100 

20te  sprebigt.    SSon  ber  griebfertigleit  unb  SSerfotynlicfcf  eit .    .  1128 

21te  9>rebigt.    SSon  ber  Äeuf^eit  unb  SDtafigfeit    ....  1174 

22te  9>rebigt.    SSon  ber  ©enügfamteit   ,    ......    ,  H97 

23te  $  x  e  b  i  g  t.    SSon  ber  20tfrid)tigf  eit,  ßauterf eit  unb  SBafyrtyeit  1236 
24te  ^)  r  ei  igt.    SSom  Söad&Sttyum  im  ©lauben  unb  in  ber  ©Ott* 

feltgfeit 1273 

25te  3)tebtgt.  t  SSon  bem  üorjtdjtigen  äöanbel.  —    ....  1306 


®  int  &  eiluna 

ber  in  @cri*>ev'£  ©eelenftyafc  befmbftdjen  95rebtQten, 
um  jte  bei  £au$  *  2lnbac^ten  an  ©onn*  unb  gemäßen  nügfta) 
$u  gebrautem 

£>er  dmftfta)e  ^?efer  fann  /eboa)  nad)  belieben  au$  eine 
anbete  2luStt>afrt  treffen* 

©cite 
Um  l.  tfboent. 

25on  ber  Sßürbe  ber  (Seele  in  2fnfe^)un9  tyrer  (Srtofung    ....     35 

lni2.  tfbüent. 
SSon  ber  Äeuf^elt  unb  SOlaftgfrft    . 1174 

Em  3.  2Cboent. 
SSon  bem  ^eiligen  @ifer  in  ber  grbmmigfeit 976 

Um  4.  tfboent. 
2$on  ber  Semutf) ,    .    .    .    1035 

Um  Gfjrijtfeft. 
SSon  ber  greube  in  ©Ott      791 

Em  (SteptyanuSsg  eiertage. 
SSon  bem  SÖadjSttyum  bec  (Sünbe 132 

Um  Sofyanntösgeiertage; 
SSon  bec  Siebe  gu  ©Ott 821 

Um  (Sonntag  nadj  bem  (Sfyrift  fcjt 
S5on  ber  Uebung  ber  ©ottfeligfeit 607 

2Cm  SK.eujafyröfeft. 
SSon  ber  SSemunberung  ber  ©üte  ©otteö 665 

Um  «Sonntag  nactj  bem  SReuja^r. 
SSpn  bem  oertrauten  Umgang  ber  <See(e  mit  ©Ott 1010 

Um  fsfejfc  ber  (Srfcfyeinung  <5$rtjU 
SSon  ber  ©rgreifung  unb  3ueignung  beö  Serbien  jteö  @f)rifti    .    .      376 

Um  1.  Sonntag  naefy  (Spijpfyaniä. 
SBon  bem  äßacfyst^um  im  ©lauben  unb  ber  ©ottfeligleit     .    ,    .    127$ 

Um  2.  (Sonntag  nadj  (Spiptyania. 
SBon  ber  Betrachtung  be$  SaufbunbeS 684 

Um  3.  ©onntag  naefj  ©ptpfyania. 
j2Jon  ber  greube  in  ©ott       .............      791 


VI 

©eite 

Ttm  4.  (Sonntag  naü)  ©ptpi&anid. 
SSon  ber  ©rgebung  in  ©otteS  SBillen .     940 

2Cm5.  (Sonntag  nat^  (Spipfyanid. 
SSon  ber  SSefefyrung  unb  ©nabe  ©otteö 183 

2Cm  6.  (Sonntag  nad}  ©piplmnid. 
SSon  ber  ^Rechtfertigung  burcfy  btn  ©tauben      .......      408 

2£m  (Sonntag  (Septuagefimd. 
SSon  ber  ©nabemt>ai)l 73^ 

2Cm  (Sonntag  «Seragefimd. 
SSon  ber  witflidjen  (Sünbe,  beten  Urfaclje  unb  SKannigfaltigfeit  .      104 

2Cm  ©onntag  ©ftomi^i. 
SSon  bec  (Srgreifung  be$  SSerbienfteS  ©tyrijii     ........      3^6 

2Cm  (Sonntag  Snoocac-it. 
SSon  ber  Bereinigung  ber  glaubigen  (Seele  mit  ©tyrifto   ....      519 

2Cm  (Sonntag  Slemtrtifcere. 
23on  ber  ©emutfy .    .    1035 

2Cm  (Sonntag  £)culi. 
SSon  bem  fldglidjen  galt  ber  ©eele     .    .    . 77 

2Cm  (Sonntag  ßdtare. 
SSon  ber  ©enügfamtat    • 1197 

%m  (Sonntag  Subica. 
SSon  ber  Uebung  ber  ©ottfeligfeit 607 

%m  spalmfonntag. 
SSom  ßobe  ©otteS  ........»» «     894 

Um  ©rünbonnerfiag. 
SSon  bem  Zeitigen  2Cbenbmaf)l no 

2Cm  ©Karfreitag. 
SSon  ber  SBürbe  ber  @eele  in  2Cnfef)ung  ityrer  @rl6fung      ...       35 

2fm  Djlcrfejt 
SSon  ber  SDBurbe  ber  (Seele  in  tfnfeljung  tfyrer  Unffcerblic^feit    .    .       18 

2Cm  (Sonntag  £iuafimob  ogeniti. 

SSon  bem  ^rieben  mit  ©ott .      771 

'     Um  (So  nntag  95Hf  ericorb. 

SSon  ber  SSeretnigung  ber  glaubigen  (Seele  mit  ©fyrifto  ....      519 

2Cm  (Sonntag  Subilate. 
SSon  bem  3wgni£  öeö  ^eiligen  ©eiffceS    .........      534 

2£m  (Sonntag  ©antäte. 
SSon  ber  Ergebung  in  ©otteö  SBillen 940 

2Cm  ©onntag  SRogate. 
SSon  ber  SSaterliebe  ©otteö 473 

2Cm  £immelfatyrt$feft. 
SSon  ben  SOZitteln  ber  SSele|)rung .    .      213 

2£m  (Sonntag  ©raubt. 
SSon  htm  inneren  ßicfyt  unb  ber  ©rlenntntß  ber  (Seele    ....      638 


VII 

Seite 
Um  spftngftfeft. 

SSon  bec  ßtebe  gu  ©ott * 821 

Um  «Sonntag  5Ectnttatt§. 
SSon  bec  SSefdjaffentyeit  bec  33ufe .    .    .    .     265 

2fm  i.  (Sonntag  nad)  SnnttattS. 
SSon  bec  Mcfyfienttebe     .    .    .    ♦    . 1078 

Um  2.  (Sonn tag  nacfy  &x tnttat tö. 
SSon  bec  SSatecltebe  ©otteS  .    .    .    . 473 

Um  3.  (Sonntag  nacfy  Sctnttatiö. 
SSon  bec  Uebung  bec  ©ottfeltgfett 607 

Um  4.  (Sonntag  nacfy  SSctnttattg. 
SSon  bec  gctetfecttgfett    .    .    .    . 1128 

2Cm  5.  «Sonntag  na<$  Sctnttattö. 
SSon  bec  SSacmfyecjtgfett  .    .    ♦    . 1100 

2Cm  6.  (Sonntag  na  §  Sein  ttatB. 
SSon  bem  ^eiligen  unb  gottfeltgen  ßeben      97  ß 

Um  7*  (Sonntag  na$  SEctnttatU. 
SSon  bec  Stacfyftenttebe     ...♦....♦ 1078 

Um  8.  (Sonntag  naefy  Srtnttattö. 
SSon  bem  oocftcfyttgen  äBanbel   .    .    .    . .    1306 

2Cm  9.  (Sonntag  naefy  SctnUattö. 
SSon  bec  tfufctcfyttgfett 1236 

2(m  10.  (Sonntag  naefy  SctnttattS. 
SSon  ben  flägltd&en  geübten  bec  (Sünbe 160 

Um  11.  (Sonntag  nad)  SrtnttattS. 
SSon  bec  SSecgebung  bec  (Sanben 444 

Um  12.  «Sonntag  nadj  Sctnttattl. 
SSom  ßobe  ©otteS       .    .    . '■  .    . 894 

2Cm  13.  «Sonntag  nad>  SrtnttattS. 
SSon  bec  SSacml)ec^glett      ♦ 1100 

Um  14.  (Sonntag  nad)  SEctnttattS. 
SSon  bec  SSeroimbecung  bec  ©ttte  ©otteS 665 

Um  15.  (Sonntag  na<$  Srtnttattö. 
S5on  bec  Ätnbfäaft  ©otteS 497 

Um  16.  (Sonntag  naü)  Sctnttatti. 
SSon  bec  Begebung  tn  (Bottiä  SBtUen 940 

Um  17.  (Sonntag  nad)  SctnttatU. 
SSon  bec  Semutf) 1035 

Um  18.  (Sonntag  nad)  Sctnttatis. 
SSon  bec  ßtebe  gu  ©ott 821 

Um  19.  ©onntag  nad)  StinitatiS. 
SSon  bec  Uebung  bec  SSuf  e    ..." 310 

Um  20.  (Sonntag  nadj  SErtnttattS. 
SSon  bec  ©nabenwaf)l   .    .    .    .    .( 737 


VIII 

(Seite 
2Cm  21.  ©onntag  nacfy  SSnnttattS. 

SSom  äBadjStyum  im  ©tauben 1273 

2Cm  22.  ©onntag  nad?  StinttatiS. 
SSon  ber  griebfertigfeft 1128 

2Cm  23.  ©onntag  nadj  SrtnttattS. 
SJon  ber  tfufrid&ttgfett 1236 

2Cm  24.  ©onntag  nadj  SrtnttattS. 
SJom  SBetfangen  ber  buffetttgen  ^Seele  nad)  ber  ©nabe  ©otteö     .      348 

2Cm  25.  ©onntag  nad)  Srtnttatiö. 
SSon  ber  SRot^wenbigfeit  eines  ^eiligen  SebenS  •    ....,..      552 

2Cm  26.  ©onntag  na$  SErinitatiö. 
SSon  ber  SSefc^affen^ctt  eines  ^eiligen  ßebenö 581 

Am  27.  «Sonntag  nad)  SErinitatiS. 
SSon  bem  fcorjufctigen  SBanbel *    1306 


2$  ti  im»  e  b  e» 

@nbli$  iffc  e$  bur$  (Sottet  ©nabe  bafjin  gefom* 
men,  baß  meine  ©eelen^r  ebigten  jum  ©ienjte 
ber  Ätrdjje  @otte$  in  bte  SBett  ausgeben  fonnem  @$ 
|>at  wegen  mancherlei  ^inberniffen ,  welche  mir  ber 
£err  felbjt,  nacf>  ©einem  ^eiligen  SRatf)  unb  SBiHen, 
ober  mein  fcfjwereS  unb  müfjfeligeä  2lmt,  ober,  nnter 
göttlicher  3utajfung,  ber  Teufel  unb  bie  SBelt  in  ben 
SBeg  gelegt  £aben,  etwas  lange  gewährt  ©Ott  gebe 
nur ,  baß  Jrier  auty  ba$  ©prüc|wort  wafjr  werbe: 
wa$  lange  wä£rt,  wirb  gut!  — 

Veraltet  btefe  @$rift  xivfyt,  meine  lieben  £efer, 
unb  faget  nid^t  mit  ber  3Belt:  ©S  finb  ja  nur 
55rebigten!  —  3$  f$äme  midj  be$  ^JrebigenS 
nt$t,  f>at  ja  audj  ber  ©ofm  ©otteS  in  ben  £agen 
©ehteS  gleif$e$  geprebigt  unb  ber  f>eilige  ©eifl:  ließ 
un$  t>ic  b]3rebigten  £>effelben  bur$  bte  Söangeliften 
vorlegen.  —  O  me  glücfüd?  iß  ein  *)3rebtger,  bur$ 
welken  3efuS  prebtgt,  burc|  welchen  baS  ewige 
SBort  rebet,  Ue  ewige  j?raft  wtrfet,  ba$  fjimmltfcfie 
8t$t  lenktet,  ber  göttliche  Zvoft  tröftet  unb  ber  Sr^ 
Jjirte  ©eine  liebe  beerbe  reibet!  Die  SBelt  mi$ 
freiließ  einen  folgen  2Äann  nic^t  ^u  fragen;  benn 
waö  weiß  ber  fyofyn  tton  ber  ^erle,  ber  ^)unb  t)om 
,!peiligtfmm  unb  ber  Sauer  tton  Sbelfteinen?  Sie 
rec^tfefjaffenen  ^rebiger  gehören  unter  tiz  Verborgenen 
©otteS  unb  ber  £ag  ber  Offenbarung  berÄinber  ©otteS 
wirb  e3  lehren,  wtef>o$  fie  $or  ©Ott geartet  gewefen  ftnb* 
5BaS  biefe  ^rebigten  betrifft,  (o  fte(le  i$  eu$ 
jwar,  wenn  ti)x  ßfmjii  ©eifl  unv>  ©inn  fyaht,  baS 
Urteil  t>on  benfelben  anfjeim;  aber  i$  tterfidjere  eu$, 
^  fte  mir  mannen  &d)mi$  unv  mannen  Seufzer 
ausgepreßt,  mittele  unb  große  9Äü^e,  $iel  SBadjen  unb 


Seien  getoflet  jwben,  ef>e  jie  in  eure  ,£)änbe  famem 
Unb  icf  fyabe  burdj  ßfcrifhtm  ein  fot$e$  Vertrauen 
gu  ©Ott,  baß  tyx  f>ier  fein  leeres s®efd?wä£,  fonbern 
einen  £erjlic$en,  treuen  Unterricht  unb  Xxofi  für  eure 
©eeten  fmben  werbet  —  G$  liegt  f>ier  ein  23tumenfelb 
ttor  eu$,  auf  welchem  bte  gläubigen  ©eeten,  gleich 
ben  dienen,  ben  füllen  ^onigtfmu  ber  ^eitfamen  £ef>re 
unb  be$  göttlichen  Xxofe$  fammeln  fönnen*  ©ieje* 
nigen,  welche  ben  Flamen  @otte$  ern|Ut$  $u  fürchten 
begehren,  unb  welche  einen  junger  unb  ©urjl  £aben 
na$  ber  ©erectyttgfeit,  werben  mit  ©otte$  £ütfe  ftn* 
ben,  tt>a$  jte  fucf)em  Senn  tdj  Jwbe,  wie  ein  treuer 
£au$t>ater  tfyun  fott,  2llte$  unb  9teue$  gefammelt 
unb  jner  mit  einanber  oerbunben,  bamit  bie  frommen 
£erjen,  welche,  na$  ©otteS  3Bitlen,  biefeS  SBerf  lefen 
werben,  feine  Urfad;e  f)aben  barüber  ju  ftagen, 
baß  fte  jt$  t>ergebti$e  Hoffnung  baoon  gemacht  f>aben* 
3$  Raufte  manchmal  hei  einem  ©egenftanb  ©prü$e 
auf  ©prücfie,  unb  erftärie  biefetben,  wie  i$  ^offe,  grünb* 
ti$,  tdj  oerbanb  bisweilen  aud?  mehrere  33eweggrünbe 
unb  ©teiefrniffe  mit  einanber  unb  beljanbette  manche 
£e£re  3iem(i(^  weitläufig;  —  2ltle$  aber  in  ber  %fa 
jt$t,  um  bie  ftcfjern  £erjen  bejto  ef>er  ju  gewinnen, 
bie  hungrigen  ©eeten  $u  fättigen,  ben  £efern  $ergnü* 
gen  ju  machen  unb  benen,  welche  ftcf)  btefeS  SBerfS 
jur  Erbauung  Ruberer  bebienen  wollen,  einen  guten 
SBorratf)  $u  geben*  — 3$  wollte  für  bie  glaubigen  unb 
gottfetigen  Seelen  mdjt  btoS  eine  gewöhnliche  SKatyl* 
jeit,  fonbern  ein  ©aßmafrt  »eranjktten,  hei  welkem 
man  mit  »ollen  ©Rüffeln  aufträgt  unb  feinen  lieben 
©äffen  mef>r  »orfe^t,  als  notfwenbtg  ift,  —  unb  i# 
£offe,  baß  biefe  meine  SKitbe  iftiemanb  unter 
eu$  juwiber  fepn  werbe*  —  ©otlte  aber  3emanb 
meinen,  bie  SBeitiäuftgfeit  ermübe  beim  £efen,  fo 
bezeugt  bie  Srfa^rung,  baß  hei  gottfetigen  ©eeten 
ber  junger  im  Ueberfluß  wäc^öt  unb  baß  bie  93egierbe 
na$  göttlichen  unb  ^immtifc^en  fingen  beim  ©enuffe 
annimmt  £>o$  f>abe  ify  um  be$  f$wa$en  gteifdjeS  \x>iU 
ten,    welches  ber  geiftfi^en  £)inge  batb  mübe  wirb, 


XI 

wenn  e$  feinen  2ötlleu  £at,  bie  ^3tebigten  mit  gutem 
23ebacf)t  in  gewiffe  2lbfcfmitte  eingeteilt,  unb  |wbe  na* 
mentltd)  fcei  ber  2lnwenbung  mehrere  Unterabteilungen 
gemacht,  ^amit  ber  geneigte  £efer  allenthalben  ©elegen* 
f>eit  jjaben  möchte,  abzubrechen,  unb  ein  anbermal  mit 
neuer  2Jnba$t  im  £efen  fortzufahren.  —  Slußerbem 
f>abe  ify  rnief)  allenthalben  befUffen,  ber  @d?rtft  unb 
ben33efenntniß==33üdjernunferer  ettangelifc^  lut£erif$en 
Äirc^e  gemäß  zu  reben,  unb  führte  zum  Xfyeil  ba, 
wo  e$  tfmnltd)  mar,  bie  eigenen  SBorte  »on  £ut|jer 
ober  anbem  bewährten  unb  berühmten  ©otte$gele|>r* 
ten  an,  Unb  ob  ity  gleich  ntdjt  f>offe,  baß  jtdj  in 
biefem  33u$e  ba$  ©ering^e  ftnbet,  n>a$  bem  SSorbtlb 
ber  |>eilfamen  £e£re  niebt  gemäß  ift,  unb  ba  tdj  au$ 
furz  ttorfier  »or  ©Ott  bezeugte,  baß  ity  nie  ben  33or* 
fa£  gehabt  fmbe  ,  etwa*  zu  ftfjreiben,  wa$  t>on  bet 
einjlimmigen  .Meinung  ©einer  rechtgläubigen  Sirene 
abweisen  unb  biefelbe  bur$  Neuerungen  betrüben 
fönnte,  fo  erfläre  icf>  bocf>  noep  zum  Ueberfluß  juemit 
öffentlich,  baß,  wenn  mir,  aU  einem  f$  wachen  Sften* 
f$en,  irgenb  etwat  in  bie  geber  gefommen  wäre, 
was  mit  ber  fyeiL  ©$rtft,  ben  alten  ©laubenSbefennt* 
niffen,  ber  augsburgtfdjen  Sonfefjton  unb  bem  c^rifb* 
liefen  Soncorbienbucf)  ni$t  übereinjftmmt ,  i$  \>ie^ 
tti^tfürbaS -Keine  ernennen,  fonbern  folc^eg,  auf  bie  erpe 
Erinnerung  eines  frommen  ^erjenö  fnn,  gerne  änbern 
will  3U  ^m  ßtt^f  übergebe  i$  biefeS  2öerf,  wie  alle 
meine  übrigen  @$riften,  ber  eoangelif$  rechtgläubig 
gen  Sirene  zur  £)urcf>fuf>t  unb  Beurteilung. 

@c$lteßli$  wünf$e  tcf>  oon  ganzem  Jperjen,  baß 
ber  barmherzige  ©ott  biefe  3^m  geweifte  Arbeit  alfo 
fegnen  wolle,  baß  babur$  ©ein  ^eiliger  Name  son 
fielen  taufenb  ©eelen  j?odjgepriefen  werbe! 

«mag  be  buvQ  26  2fpnt  16?5. 

@$¥iftian  @c*ifeer, 

Pfarrer  $u  ©t.  3a?o&. 

liefern  Vorwort  fiaben  wir  nur  no$  beizufügen, 
baß  wir  e$  un$  zur  ®ewijfengfac|e  matten,  ben  ©ee^ 


XII 

lenfdjaf  treu  wieberjugeben  unb  nur  ba  etwa$  ju 
^»erbeffern,  wo  eg  ber  .©pracfgebraudj  unumgänglich 
^ erfordert,  ober  tt>o  Silber  ttorfommen,  bte  ni$t  mejjr 
für  unfere  3e*t  taugen.  9Rttf>in  ermatten  bie  £efer 
biefeS  fierrlt$e  33u$,  baS  ein  Qauytbwfy  unferer  $ir$e 
tfi:  unb  bleiben  wirb,  unoerjlümmelt  3war  Hirn 
wir  »or  ber  $anb  nur  1>ie  erfte  Hälfte  f>erau$gege* 
ben,  —  worin  t>on  ber  fjojjen  SBürbe  ber  ©eele,  if>rem 
unbef<f>reiblt$en  ölenb  bur$  t)en  ©ünbenfall,  ifjrer 
fftüäh^x  »on  bem  ©taub  ber  Serbammnij?  in  ben 
©taub  ber  ©nabe  ©otteS  bur$  @j>riftom  unb  »on 
einem  wafwjjaft  gottfeligen  SebenSwanbel  Ue  9fabe  tjl; 
allem  mir  werben,  fo  ber  $err  tviU,  bie  jweite  größere 
Hälfte  — »on  bem  t>ielfa$en  Äreuj  unb£roft  im  Äreuj, 
t>ou  bem  feltgen  2lbf$ieb  au$  biefem  Sehen  unb  »on 
ber  unau3fpre$li$en  §errlicf>feit  ber  Äinber  ©otte$, 
Mb  nachfolgen  (äffen,  ßinftweilen  aber  wünfcfjen 
wir,  baf  2ltle,  welche  biefen  Xfyeil  mit  einem  %ei\§* 
begierigen  ^er^en  benü^en,  re$t  oiel  Srofi  unb  @r* 
bauung  barin  ft'nben  mögen.  —  £)er  $)exx  aber,  ber 
überf$wängltcf>  me|)r  tfmn  fann,  aU  wir  hüten 
unb  oerffcpen,  walte  babei  mit  ©einer  ©nabe  über 
un£,  baf?  wir  baburc^  im  ©lauben  je  mefjr  unb  mef>r 
gejlarft,  befefttgt,  gegrünbet  unt>  mit  grüßten  ber 
@ere$tigfeit  erfüllt  werben,  bie  ge*f$efjen  burd;  3e* 
fum  (S^riftum  ^ur  (5j>re  unb  gum  £obe  @otte$l 

<&tuttQatt,  im  gtowmbw  1841. 


®er  ägetan§&th*t. 


$!J*m  €\niQmf  §8tii$tnf  Mm'dd)tx^m1  £Ulti»*iftftj 

Unter,  JMju  nntsf  fjetltgen  ®.ctfi, 

^djopftr  un&  €rl)alUr  aller  Pmg*,  ahläfer  unt>  Großer  bes 
menf4)Ud)en  (ifofdjledjts , 

^onig  aller  J^onia,*  un*  gerat  aäer  §txxtnf 

^L einem    flnä&igfn   §exxn 

6ott      u  n  *     lötcr! 


SSlein  ®ottl 

3$  kinge  a&ermaB  eine  $xu$t  ©einer  @nabe, 
unb  ein  Serf/  baS  bur$  Seinem  @eifte$  fräftigen 
Seiftanb  U$  fjtefjer  ge&radjt  ift;  iä)  opfere  ©ir  eine 
@afce,  bie  aus  ©einem  @$a£  fomtnt,  ©enn  n>a£ 
fcin  i$,  unt?  \x>a$  ift  mein  Vermögen,  baff  i^)  ein 
angenehmes (Steffen!  für  ©i$  Bereiten  fonnte,  3$ 
Un  ein  g-rembling  unb  @ajt  »or  ©ir,  wie  afte  meine 
93äter*  9Wetn  £et>en  auf  Srben  ift  wie  ein  ©Ratten, 
unb  ift  fein  2iufi?alten  t>a.  —  $err,  mein  (Sott,  biefe 
gan$e  @$rift,  bie  itf;  verfallt,   um  ©einen  fjeifigen 


TV 

Tanten  gu  greifen  unb  ©eine  Srfenntmf*,  T)eine 
Siebe  unb  T)ein  Sob  in  tnet  taufenb  bergen  gu  verbreiten, 
iji  »on  ©einer  Jpanb  unb  ©nabe,  unb  eg  tf*  2We$ 
©ein»  #©u  £afi  bie  ,3eit  »erliefen ,  tt>ie  bte  Gräfte 
be$  Seiten  unb  ©etflte*,  unb  ©u  Itefefl  ©eine  Rxaft 
mächtig  fetm  in  meiner  @cfwa#eit  —  3$  Behalte  mir 
nic^t6  an  biefer  Schrift  »or,  als  bie  (5^re^  ba#  \<fy 
fte  in  ©emut£  fuemtt  gu  ©einen  aller|>eiltgflett  güfien 
nteberlege  unb  ©ir  mein  ©elübbe  begaste,  wie  ity 
meine  £tppen  aufgetl?an  unb  mein  9Äunb  gerebet  £at 
tu  meiner  9lofy.  Sie  fep  ©ir  geheiligt,  geopfert  unb 
übergeben,  mein  (Sott!  Saf  fte  ©ir  in  ©naben  gefallen 
unb  eine  angenehme  ®abe  fe$)n ,  weil  i$  fte  ©ir  mit 
Slufrtcfrtigfeit  be$  ^>ergenS,  in  lauterer  2lbft$t,  gu 
©eines  alterf>eiltgßen  Samens  @f)re,  unb  in  reinem 
©lauben  barbringe»  ^eilige  unb  fegne  biefe£  SBerf, 
unb  laf?  e$  burd)  Steine*  ©eijleS  Äraft  melen  (Seelen 
gur  33ufSe,  gum  Unterricht,  gum  Sroft,  gur  (Erbauung 
unb  S3efferung  btenen*  —  ©eelen^^rebigten  ftnb 
e£,  mein  SSater;  Seelen  fyabe  i$  gu  gewinnet  gefugt 
©önne  mir  bie  greube,  ba£  ify  erfahren  möge,  baf* 
fte  »on  Sielen  mit  9ln%en  gelefen  unb  gebraust  mx* 
ben*  £a£  biefeS  Sßerf  einen  Srunnen  fepn,  au*  ber 
£luelle  ©einer  Siehe  gefüllt,  unb  !a$  ©einen  ©arten  f)in 
unb  lieber  batton  befeuchtet  werben ,  bamit  1)ie  SBlumen 
unb  ^flangen  bejfa  meljr  warfen,  blühen  unb  %xu<fyt 
tragen  mögen,  —  ©c|>ü£e,  2Wmäcf>tiger ,  biefe  Sirbett 
wtber  ben  9Mb  unb  bie  23o3j?eit  be$  (Satans  unb  ber 
gottlofen  SBelt,  ©u  n>et£t,  $err,  baf?  t$  nie  t>en 
33orfa£  gehabt  fjabe,  etrx>a$  gu  fdjretben,  ba$  im 
©eringflen  »on  ber  fjeiffamen  £ef>re  unb  von  ber  ein*» 
ftimmigen  Meinung  ©einer  gläubigen  Äirc^e  abwiche; 


V 


mir  genüget  an  ber  SBafcrpeit,  W*  ©um  ©einem 
^eiligen  Sßorte  geoffenbart  unb  ©einer  Äirdje  als  eine 
tf>eure  Seilage  anvertraut  l?ajh  28ie  fönnte  t$  e$ 
über  mein  £erj  bringen,  baß  ify  ©ein  o$|$tn  jer* 
rütteteS  3ion  mit  Neuerungen  verunreinigen  fottte  ? 
Ö  ^afr  wir  nur  ba$  2tlte,  ba$  wir  von  ©ir,  bura) 
bie  £anb  ©einer  *ßropf>eten  unb  s2lpoftel  unb  beren 
getreuen  Nachfolgern  empfangen  fjaben,  mit  immer 
neuer  5lnba$t  befjer^igen,  mit  neuem  ©lauben  faffen, 
unb  mit  einem  neuen  Sehen  gieren  motzten!  ©aß 
wir  bodj)  2We,  bie  wir  bie  apoftolifdje  £e|?re  f>aben 
nnb  benennen,  bur$  biefelbe  neue  ßreaturen  in  Qfyvifto 
3efu  würben!  —  5ld> ^  me*n  ®ottr  faß  ^^u  biefe 
©djirift  burdj  T)eine  ©nabe  etwas  beitragen!  ®ih, 
baß  2We,  bie  jte  lefen,  ©eine  Sraft  in  berfelben 
empfrnben,  ©einen  (Seif!  füllen,  ©einen  Xxoft  genießen, 
unb  aufgemuntert  werben  mögen ,  ©einen  allerfieiltgflen 
SBiKen  31t  tfmn!  3$  £abe  Slumen  gefammelt,  unb 
fte  in  verriebene  gelber  unb  Seete  verpflanjt;  laß 
bie  d?rifHid)en  Seelen  ben  Sienen  gleiten,  welche 
ben  iponig,  ber  vom  ^immel  barein  gefloßen  ift,  mit 
greuben  fammeln*  ©tb  ©einen  ©egen,  baß  T)ein 
Name,  0  ©ott,  ©eine  ©üte,  ©eine  Ziehe,  £angmut£ 
unb  ©armfrerjigfeit,  ©eine  2lllma$t  unb  SQeifyeit, 
unb  alle  SIBunber,  bie  ©u  an  un$  armen  Wlenfäen 
tyuft,  allenthalben,  no$  rnefn:  aU  vorhin,  gepriefen 
werben*  £aß  bur$  biefe$  SBerf  ©eine  ßrfenntniß  an 
allen  Orten  geoffenbart  werben*  £aß  cö  ein  ©ebädjtniß 
fet)n  ©einer  Siehe,  bie  ©u  mir  erwiefen  fmft;  —  ein 
3eugniß  meiner  ©anfbarfeit,  bie  id)  ©ir  fdmlbig  hinl  -— 
Unb,  wa$  foll  ify  me£r  reben  mit  ©ir?  ©u 
fennj*  ©einen  Änecbt,  ^err,   £err!  *-*■  3$ 


VI 


tterf:precf>e  fnemtt,  mein  ®ott,  wenn  eg  Dir  gefallen 
follte,  micjj  no$  länger  in  ber  ffcettenben  $tr$e  auf 
(Srben  ^u  laffen  unb  mir  @nabe  ju  »erleiden ,  baf 
td>  nocfjxtnefir  gumS3au  berfelBen  Beitragen  tonnte,— 
$ä$  i$  2lfte$,  n>a3  Du  mir  giBft,  Dir  wiebergeBen, 
unb  in  ünbli^er  3^erftcf>t  unb  £er$li$er  Demutfj  ju 
Deinen  grüfkn  nieberlegen  milL  —  3nbeffen,  o  $ater, 
nimm  ben  guten  SBißen  Deinem  J?ned?t3  für  bie  Xfyat 
an,  unb  laß  mtd?  allezeit  ein  SBert^eug  Deiner  @nabe 
unb  ein  @efä$  Deiner  Sarmjjerjigfeit  fepn*  ,!pilf, 
ba$  ify  meine  ^eit,  meine  Ärdfte,  mein  Sehen  ni$t 
£>ergeMicf?  anwenbe  unb  ^uBringe!  —  3$  weif,  baf 
t)n  @ro$e$  an  mir  getrau  unb  micf)  armen/  fünb* 
tifyen  3)?enf$en  mit  |>errlicf>en  ®ahen  au^gerüflet  f>ajt 
t>or  fielen  meiner  ©ruber.  3a ,  wenn  tcf>  alle  leiBlic|e 
28o|>ltf)aten,  unb  bie  sielen  2Bunber  Deiner  ®üte, 
£angmut|>  unb  Sarm^erjigf eit,  bie  T)U  mir  Unnmr* 
bigen  erzeigt  Jjafi,  er^dfrten  mMe  t  m  füllte  i^  anfangen, 
wo  enbigen?  3$  !ann  unb  «ntf  nichts  tnefir  fagen, 
ate:  SUleS,  n>a3  t$  |>aBe  unb  Bin,  ba£  f>a6e 
ttnb  Bin  i$  $on  meinem  ®ott;  unb  bur$ 
(Sottet  ®nabe  hin  i$,  wa#  i$  Bin!  2Öie  fottte 
i<$  e$  benn  anberS  anwenden,  aU  $xm  3htf>me  unb 
greife  meinet  ©otteS?  —  3$  fef)e  bie  33  htm  e,  wie 
fte  in  tyxex  cfxaä)t  baftefyt,  unb  ftd)  gegen  ben  Jpimmel 
unb  gegen  bie  ©onne  ausbreitet,  als  sollte  fte  $u 
»erflehen  geBen,  baf  fte  gn>ar  in  ber  (£rbe  tfn'e  28ur* 
^eln,  *>om  £>itnmel  aBer  ©$ön£eit  unb  Gräfte  f>a6e, 
Wlü$te  ii$  mid?  alfo  ni$t  flauten,  n>enn  t$  unbanf* 
Barer  wäre,  als  ein  leBlofeS  @efd?öpf  ?  ©o  fei)  benn 
bieg  mein  Befldnbiger  Sal;lfpruc| :  „2ille$  »on  @ott, 
3Ute*in@ott,  Site*  für  (Sott !"  —  3#  null  alle 


VII 


meine  Gräfte  ju  ©einem  greife  anwenden ,  o  ©Ott, 
fo  fange  tdj  lefce  anfärben;  \§  nutf  mit  ©einer  £ütfe 
bie  ©afcen,  bte  ©tt  mir  cmS  ©naben  »erliefen  £ajl, 
gegen  SKorgen  nnb  316  enb,  gegen  Mittag  nnb  SWitter* 
nad;t,  fo  ttiet  mogfi$,  t>ertf)etten,  nnb2lfte£,  fo  t>iet 
ity  fann,  mit  ©einer  ©rfenntniß  erfüllen*  £a$  ©ir 
meinen  $orfa§  nnb  meinen  2Bnnf$  Wohlgefallen, 
o  $ater,  nnb  gi6  ©einem  Äned;t  jnm  Sollen  ba$ 
$otl6ringen*     Slmen ! 


(£$vifüan  Scrim\ 


$on  ber  S3ortreffUcf>f ett  unb  Süvbe  ber  <5eele 
in  Slnfejjung  tprer  6d)ö>fung* 


SaS  $ütfe  eä  »cm  2Renfc|>en  2c.  je.    (2Raity.  16,  26.) 


(5 1  n  g  a  tt  g. 
3m  tarnen  Sefu.    Slmen! 

2)er  2lpofM  faßt:  „®e£ovdjet  euern  Syrern  unb  folget 
tj?nen;  beim  fte  wachen  über  euer  ©eelen,  afö  bie  ba 
^e^enfc^aft  bafür  geben  fotfen*"  —  @tn  wichtiges  28ort  für 
£el?rer  unb  3ufwrer*  — 

1)  £)ie  £eprer  werben  erinnert,  baß  fte  mcfjt  für  unver* 
nünftige  £jnere  forgen  fotten>  fonbern  für  bte  ©erneute,  bte 
3efu6  mit  feinem  eigenen  23utt  erworben  fyat  Wifyt  ©olb 
unb  ©Über,  nicjjt  perlen  ober  Grbeljkine  ftnb  t£nen  anoer* 
txautf  fonbern  bie  ©eelen  ber  2flenfc$en,  bie  ©Ott  ^um 
ewigen  £efcen  erraffen,  unb  3efu$  jtdj  mit  feinem  treuem 
25utt  ^um  ßrigentjmm  erfauft  pat  ©ie  fotten  baoon  9?ed;en* 
fd;aft  geben,  als  von  einem  foftbaren  ^leinob*  diejenigen, 
welche  burd)  ü)re  B^ufo  verloren  ge^en,  wirb  ©Ott  von 
tljren  £änben  forbenu  2)arum  fotten  fte  wadjen  über  bie 
©eefen,  b*  u  fte  fotten  fify  ü)r  2lmt  mit  bem  größten  gleiß 
angelegen  fepn  taffen,  fotten  beten,  Uttmf  flehen,  ermahnen, 
warnen,  lehren,  trögen,  ü)rer  fc^weren  fflityt  £ag  unb 


ftafyt  obliegen,  unb  fo  siel  an  tjmen  ift,  mit  (5mp  unt» 
SBa^famfeit  ^erpüten,  tag  ntd^t  &inz  ©eele  oerloren gepe. 

£)  tin  fa)were£  2lmt,  eine  übermenfcfjliaje  ©orge!  (Ein 
3eber  j>.at  ja  genug  mit  feiner  eigenen  (Seele  au  tfwn,  wie 
alle  £)ie  erfahren,  beuen  e3  mit  tjprer  ©eügf  eit  ein  (£rnft  ifl 
2)a$  eigene  #er$  m'aajt  einem  waljren  Ctfmften  ba£  2eben 
fauer,  weil  e3  eine  fiete  5lufjta)t,  einen  beftänbigen  3wang, 
tin  immerwäfjrenbe^  Straften,  eine  täglia)e  33efferung  nötfHg 
pal;  unb  ein^rebiger  foll  für  fo  siele  ©eelen  waa)en,  beten, 
forgen  unt>  oon  ijmen  ^edjenfdjaft  geben?  Saprlia),  wenn 
ia)  bieg  rea)t  erwäge  unb  ^u  £er^en  neunte,  fo  fä)aubert  mir 
bie  £aut,  ber  2lngftfd)weig  Witt  mir  au£breä)en  unb  ia) 
wünfa)e  oft,  bag  ia)  nie  ein  $rebiger  g^orben  wäre* 

SSon  einem  23ifa)of  ju  £rier  fagt  t>k  ©efa;ia)te:  bag 
er  f>ü  Sßorlefung  ber  ©ä)rift  bemerft  j)abe,  bag  ij?m  etwas 
<Sä)wereS  auf  baS  #aupt  fiel,  unb  af$  er  einigemal  barnaa) 
gegriffen,  aber  nia)tS  gewapr  würbe,  fonbern  einen  lieblichen 
©erua)  empfanb,  fo  fep  t£m  eingefallen,  bieg  bebeute  bie 
Stürbe,  aber  auä)  bte  Saft  feinet  2fatte&  Crbenfo  £orte  ta) 
son  einem  ^rebiger,  bag  tyn  Ui  ber  (Einführung  in  fein 
2lmt  eine  foldje  Slngfl  befallen  ipabe,  wie  wenn  tfmt  SÖaffer 
über  ben  ganzen  Zäh  gegoffen  worben  wäre,  fo  bag  er  ft'a) 
ber  tränen'  niä)t  enthalten  fonnte*  —  2)emnaä)  bringt  ba$ 
53rebigtamt,  gu  welchem  fta)  bie  unerfahrene  3ugenb  meiftenS 
aus  unlauterer  2lbfta)t  Einbringt,  nid)t  £uft,  fonbern  §ajt, 
nia)t  (£{?re,  fonbern  33efa)werbe*  3«,  man  möchte  *>on  jiebem 
SlmtSrocf  fagen,  m$  jener  $tfnig  »ort  feinem  @a)mucf: 
SßSenn  9D?ana)er  wügte,  wela)e  ©orge,  5Etfüt)e  unb  SSerant* 
wortung  barin  ftecft,  er  würbe  tyn  nia)t  oon  ber  (Erbe 
aufgeben*  $at  aber  Je'baS  ^rebtgtamt  eine  große  £ajt  unb 
Üftüt)e  mit  fta)  gebracht,  fo  ift  bk$  befonberS  in  tiefen  legten, 
böfen  3eiten  ber  galt,  ba  bie  Soweit  ber  SQßelt  fo  $rog, 
bie  Slergerniffe  fo  mannigfaltig,  unb  ber  £inberniffe  fo  oiel 
finb,  bag  tin  treuer  ©eelenlpirte  faft  nimmer  weig,  mt  er 
fein  ©ewiffen  beliebigen  unb  feinem  Berufe  ©enüge  leiten 
foll*  2)er  Unglaube  unb  bie  ©ottloftgfeit  reigt  allenthalben 
ein*    Sie  $ira)en$ua)t  ijl  verfallen,  unb  wenn  an  eifriger 


s)Jrebiger  ft'o)  vornimmt,  etwas  jur  (H;rc  ©otieS  unb  $ax 
Rettung  ber  ©eelen  $u  tpun,  fo  fiept  ü)m  ber  «Satan  unb 
bte  Söclt  im  2Öege,  unb  fte  wehren  mit  9ftaa)t,  bag  ja  m$t 
ju  viel  feltg  werben,  2)afjer  fommt  e$,  baß  bte  getreuen 
©eeleupirten  tpv  Statt  mit  ©euften  unb  Magen  verrieten, 
unb  fetten  fröpltd)  gefeljen  Werbern  —  2>o$  pafcen  fte  ben 
£ro)t,  bag  bem  Slüwiffenben,  ber  $er^en  unb  Vieren  prüft, 
\{)x  gleig  unb  ifjn  Arbeit  wopfgefätfk  3d;  weig  bein  2ßerf, 
unb  beute  Arbeit ,  beine  £rübfaf ,  beute  Slrmutp ,  beute 
©ebulb,  unb  ba£  bu  bie  33öfen  nid;t  bulben  famtfl,  fyrid;t 
unfer  ^etfartb  31t  feinen  Wienern,  dx  ftept  bie  Streuten, 
wetd)e  fte  im  Verborgenen  weinen  über  baS  verwüjtete  3ion, 
@r  fort  tfjre  klagen,  3j)m  tfl  ü)re  Arbeit  angenehm,  unb 
(£r  roi((  fte  mct)t  unbefopnt  laffen,  obgleia)  mä)t  immer  ba3 
erwünfa)te  3itt  erreia)t  wirb, 

23  2taa)  bie  3nprer  paben  bie  55fu'd)t,  ben  treuen 
©eelenpirten  31t  geji>ord;en,  welä)e  tlmen  ©Ott  aug  ©naben 
gegeben  pat  ©ie  fotfen  biefelben  nia)t  burd;  Ungeporfam 
äum  ©euften  bringen,  2)er  ^)err  $at  bit  ^eprer  ^u  ü)rem 
23ejlen  berufen,  unb  wenn  fte  reä)ter  $rt  ftnb,  fo  fua)en 
fte  nid;t  ba$  ©olb  unb  ©über  iprer  anvertrauten  ©d)afe, 
fonbern  roünfa)en  ijnten  von  $zxftn  bie  eroige  ©eligfeit; 
unb  barüber  road;en  fte,  barum  tampfen  fte  mit  i>tm  Teufel 
unb  ber  böfen  SQSelt,  barum  liegen  fte  teigfia)  vor  ©Ott  mit 
<&mfotn  itnb  Metern  Söenn  uun  bie  ^rebiger  au$  £tebe 
tvad)cn  unb  forgen  für  Ut  ©eelen  iprer  3u£orerr  wie  viel 
mepr  fotften  biefe  e$  felbp  tpun ,  t>a  fit  fein  teureres 
SUemob Jjaben,  aU  ü;re©eefen?  ©eefe  behalten,  %Ut$ 
bepalten,  ©ee(e  verloren,  2lUe3  verloren!  2ßa$ 
Jnttfe  e$  bem  9ftenfa)en,  fagt  ber  <£x$\xtt,  wenn  er  bie 
gan^e  Sßelt  gewänne,  unb  näpme  bod)  ©a)aben  an  feiner 
©eele?  —  golgen  wir  bem  Staate,  ber  für  bie  ©efunbpeit 
be3  $orper3  forgt,  warum  wotften  wir  nid)t  gerne  benen 
gepora)en,  bie  über  unfere  ©eelen  waa)eu?  3war  paben 
alle  btejienigen,  benen  ba$  Söort  ©otteg  geprebigt  wirb, 
eine  fa)were  9?ea;enfa;aft  abzulegen  vor  bem  Dftcpterjtupf 
(Sbrijtt,  boa)  wirb  t>it  befonberg  tint  fa)were  ©träfe  treffen, 

1* 


4 


welche  ben  gleiß  geijfreid;er,  treuer  unb  wad;famer  £e£rer 
an  ft$  vergeblicl;  feipn  ließen,  3e  mein*  Mittel  unb  ©ele* 
gen^eit,  bejto  größer  bte  Verantwortung*  —  Um  nun  meinem 
^eiligen  2lmte  fo  viel  möglich  (Genüge  ^u  leifien  unb  mein 
Verlangen,  eure  Seelen  ^u  retten,  öffentlich  baqulegen, 
£afce  iü)  ntt(^  entfd;loffen,  Seelenprebigten  $u-  galten. 
3n  benfelben  will  i(^  auerft  reben:  von  bem  21  bei  unb 
ber  Bürbe  ber  menfd;lid;en  (Seele,  bann  von  if>rem 
fläglicfjen  Sünbenfall  unb  bem  barau£  entfian* 
benen  (£lenb,  ferner  von  ijjrer  ßrrlöfung  burd) 
3efum  Gtjmftum,  von  iljrer  2lnfecj)tung,  von 
tjjrem  $reua  unb  Reiben,  unb  enbli$  von  ifjrem 
feiigen  5lbfc^ieb  au$  bem  jterbltc^en  ?eioe  unb 
ti^rem  Eingang  in  t>tn  Fimmel  ^um  @enuß  bel- 
edigen £errli$feit  unb  Seligfeit*  ffiit  ©otteS 
£ülfe  wollen  wir  ba$  gan^e  ßjmfientfmm ,  unb  wa3  3ur 
Erlangung  beS  ewigen  £eben3  notfjwenbig  ift,  barin  betrau- 
ten, hiüm  abn  bm  2lllgütigen,  baß  (Er,  ber  bag  SÖollen 
gegeben,  uns  au$  ba£  Vollbringen  ni$i  verfagen  wolle, 
um  3efu  (grifft  willen*    Eimern 

Slfc^anblung* 

$Jlanti)t$  $inb  wirb  von  feinen  Altern  mit  einer  perlen* 
fdjnur  gefdmtüdt;  weil  e$  aber  if>ren  SBertl?  nicf)t  fennt,  fo 
lägt  e$  ft4  biefelbe  um  eine  Meinigleit  abf$wä|en*  60 
ging  eS  leiber  von  2lbam  M$  fyfytx.  ©Ott  begabte  bie  erßen 
5^enf^en  mit  £eiligfeit  unb  ©ered-tigfeit,  unb  verlief  tjmen 
fein  ©benbifb;  allein  fte  ließen  ftcg>  vom  Satan  biefen  Sdnnucf 
rauben  unb  gaben  tyn  um  einen  2lvfel  Jim  Unb  bieß  jjängt 
ber  verborbenen  menfc^lic^en  Sftatur  fyzutz  nofy  an,  baß  fte 
i^re  Seele  gering  achtet  unb  leic^tftnnig  auf  $  Spiel  fe£t, 
au$  nac^bem  ber  Sojw  ©ottes  fo  viel  9ttüpe  unb  Arbeit 
barauf  verwenbet  f>at,  fte  31t  erlöfen.  £>arum  wollen  wir 
in  biefen  ^rebigten  auerji  von  ber  jjofjen  äöürbe  ber 
Seele  reben* 

2)er  £eilanb  legt  in  unferem  Xext  bie  menfcfjlidje  Seele 
gleicpfam  in  t>iz  eine  unb  i>n  gan^e  SÖelt  in  bie  anbere 


2Bagfct)aate,  unb  faßt:  wenn  tin  SDtatfa)  auct)  bie  garue 
2Mt  mit  it)rer  $ract)t  unb  £errlict)fett  gewinnen  formte,  % 
r)ättc  er  boct)  nifytö  gewonnen,  wenn  ev  feine  (Seele  barüber 
vertieren  würbe»  Q£$  vcrr)ä(t  ftet)  gerabe  fo,  wie  wenn  tet) 
3emanb  eine  große  (Summe  für  fein  $erj  geben  wollte» 
2Sa$  nügte  tpn  ba3  (Mb,  wenn  it)m  gleict)  barauf  ba3  £er$ 
aus  bem  €et6e  geriffen  würbe?  2öa$  ijt  ©elb  ot)ne  geben) 
unb  was  ftnb  alle  ©üter  ber  Seit  oi)ne  bie  (Seele?  2ßa3 
i)ilft  bie  GiitttUit,  \x>tö  pfiff* ,  wenn  iä)  SliTeg  t)abe  unb 
be|t#e  nur  eine  fTcine  3eit  unb  verliere  mi et)  felbß  unb  meine 
(Seele  in  (ürwigfeit? 

£>ie  SSelt  itl  ein  t)errlict)e3  ©ebeiube  mit  allerlei  (Mtern 
unb©aben;  jtetji  ein  üXttetjlerjlütf  be$  großen  ©otte$,  barauS 
feine  9#act)t,  2Öet$i)ett  unb  ©üte  t)en>orleuct)tet;  aber  fte 
muß  ber  (Seele  ttact)jkt)en,  *>on  weiter  ein  alter  £et)rer 
fagt:  fte  t)abe  tnet)r  ©öttlicfjeg  in  ftet),  als  bie  gan$e  Seit. 
(£üt  £au£,  baS  t)errlict)  gebaut  unb  foftbar  eingerichtet  i% 
3eugt  $war  »ort  bem  $eict)tfmm,  feinet  £errn;  attein  tiefer 
fct)ä£t  boct)  wot)l  ein  gutgeartetes,  mit  fct)önen  ©aben  beS 
©eijleS  unb  ^er^enS  serfejjetteS  ®inb  ml  t)öt)er,  ai$  ein  ganzes 
£auö.  SaS  ift  ein  $#ii8  gegen  ein  $inb  unb  was  bie 
Seit  gegen  bie  (Seele?  —  <£$  giebtSöeifpiele,  baß  Stoffen, 
bk  tt)r  £eben  erttweber  buret)  einen  9?ict)terft;ruct)  ober  buret) 
fernbliebe  (Gewalt  verlieren  folTten,  ein  ungeheures  £ofegelb 
bellten,  um  it)r  ^eben  ju  ermatten*  ütfem,  wenn  bte  (Seele, 
biefeS  unfct)ct£bare  Meitrob,  buret)  ©otteS  Urtt)etT,  einft  bem 
ewigen  SSerberben  übergeben  wirb,  wa$  Witt  ber  teufet) 
bann  hkten  ober  geben,  um  fte  ju  retten?  So  will  er  ein 
£öfegelb  fmbett,  baS  mit  tt)r  nur  einigermaßen  »ergltct)en 
werben  fönnte?  <Sie.f?t1:  bu  alfo,  o  teufet),  wie  t)oct) 
beine  (Seele  *>on  3efu  gefct)ä£t  wirb  unb  wie  tt)euer  fte 
bir  bittig  fepn  fotX  —  2)ie  (Seele  i(!  göttlichen  UrfprungS, 
fte  würbe  bem  $knfct)en  son  bem  <Sct)b>fer  unmittelbar 
einget)auct)t,  wie  bie  ©ct)rift  fagt:  „©Ott  ber  £err  mact)te 
ben  50?enfct)en  aus  einem  (£rbenfloß,  unb  er  blies 
ti)m  ein  ben  lebertbigen  £)bem  in  feine  -Iftafe,  unb 
alfo  warb  ber  teufet)  eine  lebeubige  (Seele*"  £>er 


6 


Mb  iß  gwar  au$  (irbe  unb  mu§  $u  @rbe  werben;  bie 
<9eele  aber  £at  tytm.  Urfprung  au3  einer  befonbem  göttlichen 
SSirfung,  fte  iß  eines  von  ben  perrlicbften  ©efd;öpfen  ©otte£, 
an  engelgleia;e3  SSefen,  eine  jh'mmftfc^e  $raft  23on  ben 
gieren  fagt  9ttofe£  blo3:  ©Ott  fprad;:  bie  (£rbe  bringe 
persor  lebenbige  Spiere  :c*  28on  bem  SÄcnf^en  aber 
ji>ei£t  e£:  ©Ott  felbß  btlbete  tm  Körper  au£  (Erbe,  unb 
bann  MteS  er  ijnn  bie  (Seele  ein*  —  2£er  vermag  aber  bie 
£errlia)feit  ber  menfdjlidjen  Seele,  womit  fte  in  bem  Staube 
ber  Unfdjulb  gefdmtüdt  war,  au^ufpreajen  unb  gehörig  ^u 
befd;reiben  ?  Sie  war  gegiert  mit  göttlicher  Söeiäjjett,  $cU 
liofitit  unb  allerlei  SMfommenlmt*  Sie  war  ein  Spiegel, 
barin  ba3  ewige  2ifyt  mit  feinem  ©lar^  wieberßraDlte,  ein 
irbif^er  ßmgel  mit  gletfdj  angetan,  barin  fte  mit  &tfi 
wopnte  unb  perrfa)te*  Sie  würbe  $on  ©Ott  an  ber  £anb 
geleitet,  »on  feinem  ?$$te  erleuchtet,  von  ben  anbern  ©e* 
feppfen  al$  ba3  ^benbilb  be3  Sd;öpfer3  bewunbert  unb 
geeprt»  $ur£  fte  war  eine  peiltge  Sßofmung  be3  £öa)ften 
auf  (Erben,  barin  er  rufjen  unb  fta)  Ijerrlidj  geigen  wollte* 
©arum  l)at  er  fte  aua;  anlegt  erfa)affen  unb^bann  gerujjt*  — 
©er  2ftenftt)  fant,  fagt  Werfet,  lauter,  imbefledt,  mit  allen 
$äU$*  unb  Seelen=^räften  begabt,  au#  ber  £anb  ©otte3, 
tag  man  fein  23üb  an  tpm  fepen  follte,  nitt)t  aber  wie  einen 
tobten  ©chatten  im  Spiegel,  fonbern  aH  ein  lebenbtgeg, 
getreues  2lbbüb,  —  an  23ilb  feiner  2Bei££eit  im  SSerftanbe  beä 
5Wenf^en,  —  einSBilb  feiner  ©üte,  Sanftmut!;  unb  ©ebulb 
in  bem©emütf>e  beS  9ttenf$en,  —  ein23ilb  feiner  £tebe  unb 
23arml?  entgleit  in  bem  ^er^en  be$  9ftenfd)en,  —  ein  23tlb 
feiner  ©erea)tig!eit  unb  £eiltgfeit  in  bem  Sitten  beS  ^enfd)en, 
—  ein  23ifb  ber  greunbltcpeit,  £olbfeügfeit,  £tebüd)feit  unb 
28ajn1?eit  in  allen  ©eberben  unb  SSorten,  —  ein  23ilb  ber 
2Ulmaa)t  in  ber  £errfcpaft  über  ben  ganzen  (£rbb  oben,  —  Hn 
33tlb  ber  (£wigfeit  in  ber  Unfterblia)leit  be$  2D?enfd)em  — 
fSon  anbern  @efd)öpfen  !ann  man  fagen:  ©Ott  l?abe  i^nen 
einige  3eid)en  eingebrüdt,  baran  feine  2lilmad)t,  %Qätyät 
unb  ©üte  %u  erfennem  ©er  SJknfd;  aber  l)at  ben  Slbbrud 
be$  göttliä)en  2lntlige$  empfangen  unb  an  ipm  ftnben  wir 


fola)e  3eia)en,  bie  m*  ©ottetf  £>afet)n  ttiel  flarer  »orftellen, 
als  alles  Rubere,  tva^  in  ber  303elt  ift*  2Ba3  ©ott  »on 
9tatur  ift  m  feinem  Sßefen,  ba$  folltc  'bie  Seele  fep  im 
$3  übe-,  naa)  ber  ©nabe;  fte  follte  gwar  uttt)t  ©Ott  fclBft 
fe^n,  boa)  ©otteS  £errlicf)feit  aufs  Sa)önfte  sorfklfen;  fte 
follte  eine  £eucf)te  fep  allen  übrigen  Kreaturen  gur  SBewun* 
berung  unb  gum  heften,  —  ein  ©efdg  mit  allerlei  ©aBeu 
©otte^  gefüllet  —  DBgleia)  nun  ber  «Satan  aus  -fteib  unb 
t&otyät  fta)  an  biefeS  eble  23ilb  ©otteä  gemalt,  unb  baf* 
felBe  bura)  bie  Simbe,  ^u  welcher  er  ben  Sttenfdjen  verleitet, 
entheiligt  f?at,  fo  $at  bieg  boa)  bie  unenblid;e  £ieBe  be3' 
@a)o>fer$  nia)t  vertilgen  fönuen,  fonbern  ber  Barmherzige  ©Ott 
pat  lieBer  ben  ganzen  3?eid)tfmm  feiner  ©nabe  aufgetj)an, 
unb  barauf  tterwenbet,  aU  t>k  Seele  beg  9ttenfa)en,  bie  er 
fo  reidj  Begabt  unb  gelieBt  j>at,  im  $erberBen  ^u  feiert» 
(£r  wollte  fein  23ilb  in  iljr  erneuen,  feinen  Stempel  wieber 
einnehmen  unb  ^eiligen,  follte  e3  ü)n  au a)  feinen  lieBften 
Sojm  fojfen,  welcher  ijj  ber  ©lan^  feiner  §errlid)fett  unb 
baS  GEBenBilb  feinet  SÖefenS*  2)arum  Ijat  uns  ©Ott  fein 
Söort  gegeBen  unb  jta)  barin  ber  Seele  geoffenBart,  bie 
feine  (£rfenntni§  verloren  |>alte*  (Ex  rebet  fte  freunblitt)  un'o 
tröftlia)  an:  3d)  Bin  beut  ©ott  unb  Witt  bein  ©ott  fet;n; 
3a)  Bin  bein  J}öd)ße3,  einiget  Qoutf  auf  er  bem  bu  fein 
©ut,  feinen  £rop,  feine  Seligfeit  ftnbefi;  3a)  Bin  bie  Duelle 
be$  £eBen3,  ber  Urfprung  alles  Segens;  Bin  hm\  ©ott, 
ber  beiner  nia)t  Bebarf,  boa)  will  3d)  aus  £ieBe  Uin  ©ott 
fesm,  will  mia)  bein  er  treulitt)  annehmen,  x>o&  beinern 
gatt  bia)  aufrichten,  pon  beiner  Sünbe  bia)  reinigen,  beS 
Teufels  SGSerf  ^erftöreu,  bia)  erleuchten  unb  feiig  maa)en, 
unb  ba  bu  fä)on  sorper  ein  SBerf  meiner  2tllmatt)t  unb 
©üte  warft ,  fo  follft  bu  eS  jie£t  noa)  mepr  werben,  3a) 
Witt  meine  ©nabe  an  bir  £errlia)  unb  i>m  Satan  31t 
Sa)anben  maa)en*  — -  SBon  biefem  @ifer  ber  £teBe  ©otteS 
um  bie  Seele  zeugen  fctele  Stellen  ber  Schrift,  BefonberS 
aBer  aua)  bie:  „2)u  fottfl:  ben  £erm  beinen  ©ott  lieBen 
tton  ganzer  Seele,  *>ou  ganzem  ©emütp  unb  aus  allen 
ßräftau"    Um  m$  tft  es  bem  JieBen  ©ott  pier  £u  tytxni 


8 


2Ba3  nüfct  3pn  unferc  %kltf  wenn  wir  3£m  aua;  imfer 
ganzes  £er&  unb  unferc  @eele.  mit  atten  Gräften  Eingeben? 
2öaS  ift  bieg  für3K  unb  wag  fann  e3  3pn  Reifen?  35(o$ 
weil  er  un3  fo  fepr  licht  unb  woltf  weig,  bag  wir  ofme 
feine  $kbc  nia;t  feiig  werben  tonnen,  barum  verlangt  er  fo 
ernftfidj  von  ung,  bag  wir  un$  feiner  £tebe  gan$  jungeben 
fotfen.  ©otdje  ©ebote  ftnb  alfo  ebenfo  viele  Saugen  von 
ber  Ijofjen  Stürbe  ber  menfd;tia)en  (Seele,  welche  ©Ott  fo 
poa)  fd/ä&t,  bag  er  von  ij?r  geliebt  unb  geehrt  fepn  Witt. 
(£$  tji  3£m  nia;t  genug,  bag  3pn  bie  gan^e  6djaar  ber 
(£ngel  anbete,  nia)t  genug,  bag  3!w  etile  ©efttjöpfe  greifen, 
unb  bag  Fimmel  unb  (Erbe  feiner  ©üter  voll  ftnb;  fonbern 
er  will  aua)  bie  vom  (Satan  abtrünnig  gemachte  ©eete  $u 
feinem  ©ienfte  paben:  barum  fynt  er  fo  groge  £)inge,  bie 
Wir  nia)t  begreifen  fönnen.  3uweiten  fd)etnt  e3  freilia), 
bag  ber  #err  au£  ^iebe  mej>r  tjme,  als  wir  mit  feiner 
2ttaj[eftcit  vereinigen  fönnen;  §.  33.  wenn  er  mit  feiner  ©üte 
unb  ^Barm^er^igfeit  bem  9ftenfa)en  fein  £ebenlang  naa;folgt; 
wenn  er  gu  benen,  bie  3!w  nia)t  fennen  unb  nid)t  anrufen, 
fagt:  £ier  bin  3$ !  £ier  bin3$!unb  feine  £änbe 
ben  ganzen  £ag  ausjlretft  $u  einem  ungeljorfa* 
men  SBott;  wenn  er  um  t>ic  $inber  3fraet  eifert,  wenn 
er  fpria)t:  2BaS  pab'  3$  btr  getrau,  mein  SSolf, 
womit  £ab1  3$  t>td>  beteibigt?  baS  fage  $?ir; 
wenn  er,  obgleia)  fetbft  fo  j>od)  beteibigt,  uns  bie  S3erfö> 
nung  jüerji  anbietet  unb  fogar  bitten  lägt,  bag  wir  un$ 
boä)  mit  ipm  verföfjnen  laffen;  wenn  er  enblia)  vor 
ber  ££itre  jte£t  unb  anftopft,  unb  wartet,  bi$ 
3pm  aufgetjjan  wirb.  —  2)oä)  bieg  SllleS  aeugt  nia)t 
blo$  von  ber  unenblia)en  %klt  be3  Ewigen,  fonbern  aua) 
von  bem  popen  2öert£  unferer  6eete  in  feinen  klugen.  SSott 
JBerwunberung  barüber  riefen  aud)  feine  ^eiligen  aus :  „2Bie 
$at  boa)  @ott  bie  $?enfa)en  fo  lieb!  £err,  was  i(t  ber 
Sttenfa),  bag  £)u  fein  fo  gebenfft,  m$  beS  Steffen  Ämb, 
bag  2)u  £)id)  feiner  atfo  annimm  jt? 

9ftöa)ten  wir  von  unferem  ©ott  Kernen,  unfere  «Seele 
£o(^ufcpctgen,  unb  btefeS  tfeinob  naa)  SBürbeu  $u  bewahren ! 


1) 


2)en  Mb  unb  bie  ©efunbpeit  achtet  t>cr  ©?cnfc^  fo  bod), 
unb  lägt  ftd;  feine  $cüpe  verbriefen,  bemfelben  Sftujie  unb 
23equemlid;feit  gtt  verfd;affen;  aber  ber  eblen  ©eefe  wirb 
wenig  gebaut,  nnb  fte  $u  erpalten  geringer  gleig  angewenbet 
—  33etrad;tet  ba3  Söefen  ber  heutigen  Söelt,  wie  befd;werlicf) 
ift  e$,  wie  viel  kaufen  unb  kennen,  wie  viel  <Bd)\vä$  unb 
SJcüpe,  Arbeit  unb  £er$eleib  bringt  e£  mit  fid) !  Um  was 
ijt  e$  aber  31t  tpun  ?  Um  $eitlict)e$  ®nt,  vergängliche  (£pre, 
unb  eitle  dufh  5In  bie  (Seele  wirb  nid)t  gebaut  SSttana^er 
tput,  als  fjätte  er  gar  feine,  Sftandjer,  aU  fyätte  er  mepr 
als  (Eine,  lötete  finb  fo  feicptftnntg  unb  gottlob,  unb  fegen 
tpre  6eete  aufs  ©piel,  als  Ratten  fte,  wenn  fepon  Gnne 
verloren  wäre,  nod;  ein  paar  Rubere  $u  vertieren*  —  gerner, 
\vk  teid;tftnnig  fcpwören  Tland)t  bei  iprer  @eete?*2Öie  Mb 
(äffen  fte  ftd;  bapin  bringen,  bag  fte  burcp  fcpredtid;e3  gtud;en 
ftd;  bem  Teufel  mit  £eib  unb  ©eete  pingeben*  3uba3  ver* 
laufte  Uc  feurige  um  30  ©ilberlinge,  unb  pat  fte,  nad)  ber 
heutigen  2ßett$u  urteilen,  nod;  tpeuer  genug  angebracht  Senn 
5}?and;er  fegt  30  ©ilbcrlinge  31t  gewinnen  wüßte,  icp  glaube, 
er  verlaufte  niept  nur  Eine  (Beete,  fonbern  wopt  breifug, 
wenn  er  fo  viel  pätte*  —  Söetracpiet  bie  wanbelbare  9ftobe,  unb 
\x>a$  für  5lttüpe,  gleig  unb  Soften  Uc  Siftenfcpen  auf  ipren  fterb* 
tid;en  Körper  verwenben*  Sie  manche  ©tunbe  wirb  vor  bem 
(Spiegel  £ugebrad)t,  unb  man  zwingt  ben  £etb  in  bk  unbequemfte 
Äteibung,  um  ftd)  unb  Zubern  ^u  gefallen*  Slber  um  ber 
6eele  willen  will  9ciemanb  etwas  tpun  ober  leiben;  bie 
Sßerläugnung  feiner  felbjt,  bie  ^reu^igung  beS  gteifcpeS,  bie 
(£rtöbtung  be£  alten  SCtfenfdjen,  bie  23ewaprung  eines  guten 
©ewiffenS  i(t  ^um  ©efvött  geworben,  unb  ^k  überftuge 
Seit  pat  SlnbereS  31t  tpun,  als  fiep  um  fotepe  Meinigfeiten 
$u  befümmew*  —  £)ie  Siffenfcpaft  ber  heutigen  Seit  i(i 
^war  pod;  gejtiegen,  bod;  wirb  hei  ben  Senigfien  auf  hk 
©eele,  beren  Heiligung,  Erleuchtung,  Bereinigung  mit  ©Ott 
unb  Erhaltung  ^um  ewigen  £eben  gead;tet,  baS  5Qcei)te  ift 
ein  ©efepwäg  opne  ^raft,  eüt  ©epein  opne  Sefen*  £)ie 
(Maprtpeit  ber  Seit  gleid;t  bem£icpte  beSSttonbeS,  welcpeS 
äwar  einen  @lan$,  aber  leine  Särme  pat*  3«  vielen  «Schulen 


10 


wirb  ber  3ugenb  md;t  recfjt  beigebracht ,  welcfy*  tljeurcS 
üleinob  bie  ©eele  fei),  unb  \m  man  sor  allen  Dingen 
barnad;  trachten  muffe,  biefe  $u  erhalten*  %ud)  bte,  weldje 
etnft  ©eelenpirten  werben  wollen,  leben  oft  fo  in  bm  6cijulen, 
baß  man  zweifeln  mochte,  ob  fte  Riffen,  baß  bte  «Seele  nad) 
bem  £obe  sor  bem  9?id;terftupl  @otte$  erfreuten  muffe* 
2öeld;er  (£tfer  für  frembe  Seelen  ift  $on  benen  $u  erwarten, 
bie  il)r  eigene^  ©ewtffen  mit  foldjen  «Sünben  gebranbmarft 
IpaBen?  —  £)od),  wie  tonnte  i$  bie  große  ©orgloftgfeit  unb 
©tdjerpeit  biefer  3?it  in  $lnfef)ung  ber  eblen  ©eele  genug 
befragen!  ©Ott  erbarme  ftd;  unfer  unb  gebe  unö  ni$t  Un 
©etjt  ber  2Mt,  fonbern  feinen  J)  eiligen  ©eift,  baß  wir  redjt 
b&tritm  lernen,  welcy  tljeureS  $leinob  wir  beft^em  3j)r 
aber,  tyx  frommen  £er$en,  Ijabt  nidjt  @emetnfd;aft  mit  ber 
9?ud;(oftg!eit  ber  2öelt,  fonbern  trautet  $or  eitlem  barnac^, 
baß  tyx  eure  ©eelen  retten  unb  burc^bringen  möget  sunt 
ewigen  Gebern 

Ungefähr  1000  3apre  nad;  @£rtjtuS  lebte  ein  Sttond;, 
ber  jic^  feinet  {^eiligen  &fon$  wegen  einen  großen  tarnen 
erworben  Ijatte»  %U  biefen  $atfer  £)tto  befugte  unb  über 
allerlei  reltgiöfe  (^kgenftänbe  mit  ipm  gcfprocf)en  jjatte, 
unb  (Jw  bei'm  $bfd;teb  nötpigte,  er  folle  ftd)  eine  ©nabe 
anritten,  fo  befann  ftdj  ber  fromme  SDfann  nidjt  lange, 
fonbern  trat  £um  ^aifer,  legte  t>k  £anb  auf  feine  23ruft 
jmb  fprad):  „Qu  fannfi  mir  nia)t3  2lngenefjmere3  erweifeti, 
aU  baß  bu  fleißig  auf  beine  ©eele  adjteft,  bamit  fte  nia)t 
serloren  gef?e;  benn  ob  bu  gleia)  ^aifer  bifi,  fo  mußt  bu 
fcod)  mt  anbere  SDZeiifc^en  jlerben*"  Qabti  txattn  bem 
$atfer-bie  greinen  in  bte  Slugem  —  £)ieß  ift  aua)  meine 
^ttte  an  eua),  ij)r  fromme  £>er&en!  (£$  jnlft  eua)  fein 
HRäfytymn,  feine  £uffc  ber  Seit,  wenn  eure  (Seele  yer* 
fdumt  unb  serwaprlo^t  wirb*  2öa$  nügt  e3  eu$,  wenn 
fjft  2lfle$  behaltet  im  £eben,  unb  am  (£nbe  erfahret,  baß 
eure  ©eefe  verloren  ift?  — 

graget  tyx,  \x>a$  in  einer  fo  wichtigen  <&aa)c  au  tjjun 
fet; ,  fo  antworte  id) :  13  ©teilet  barüber  jjduftge  Betrachtungen 
an,  unb  bebenfet  mit  (£rnft  ben  $u$fyrud)  be$  (£rlöferc3: 


11 


„2Öa3  §ütfe  c3  bem  9ttenfa)en"  2C»  (Bc^retSet  tiefet  28ort 
unb  anbere  ©teKeu  ttom  £obe,  ttom  ©crta)t  unb  tton  ber 
(frötgfeit  an  eure  öftren  unb  2Bänbe,  in  eure  Sftegtfter  unb 
33iia)er,  rebet  be£  Borgens  baoon  unb  enifa)lteßet  eua),  vor* 
ftd;ttg  3U  roanbetn  am  £age,  ein  gutes  ©ennffen  $u  bewahren 
unb  euer  <5ee(enj)etf  31t  koketten,  eS  fojte,  wag  eö  roofte, 
©tettet  am  2lbenb  euer  £er$  aur  9?ebe,  prüfet  euern  SBaubef, 
unb  fraget  euer  ©ewiffen,  ob  fia)  nifytö  eingefa)lia)en  5>abe, 
wa$  eurer  ©eele  @a)aben  bringen  famu  ;  diufytt  nia)t,  H^ 
tief  gcfa)cben,  M$  ipr  mit  bem  SBater  bura)  (Sfjrijtum  $er* 
fopnt  unb  v>erfta)ert  fet;b,  baß  ipr  in  ber  ©nabe  ©otteS 
fdrtafen  gepet  unb  eure  ©eele  in  ber  £anb  3efu  roopt 
bewahret  fep. 

2)  Raffet  e3  euren  feflen  SBorfa#  fe^n,  ©Ott  31t  gefeit, 
was  ©otteS  tjl,  unb  weil  eure  ©eele  ©Ott  gebort,  bie  er 
fta)  jur  Sofmung  erwählt  pat,  fo  *>erfa)Iießet  3pnt  bie 
S££üre  be6  §er$n3  nia)t*  Raffet  euern  SBerfianb  bie  |>od)jte 
2öet^t>ett  in  ©ott  fud;en,  unb  glaubet,  baß  bie  größte 
SßeiSjmt  ber  SöSelt  ojme  3£n  eine  £f?orl)ett  fep*  glittet 
euer  @ebäa)tntß  mit  göttlia)en  Erinnerungen  unb  laffet 
eua)  bie  unenbtta)e  ©üte  beS  $#d)ffen  nie  aus  bem  ©ümc 
fommen,  bamit  if)r  eua)  felföft  pt  £)anfbarfeit  ermuntert 
gaffet  euren  $SMm  fammt  atten  Gräften  auf  ©ott  ftetS 
gerta)tet  fet;n;  benn  bie^eele  pat  mä)t$,  um  ijjre  2lnJ)äug* 
iifyUit  an  ©ott  au^ubritden,  aU  tjfte  ©eitler  unb  ij)r 
Verlangen*  3e  netter  fte  aber  ©ott  ijt,  je  beffer  ift  fte 
verwahrt,  wie  bie@ä)rift  fagt:  „2)a$  ijt  meine  greube, 
$>a$  ta)  mia)  31t  ©Ott  palte  unb  meine  3uoerfid;t 
fe§e  auf  hen  £errn,  £ernt."  —  Söenn  ein  $inb  fta) 
$u  feinen  Aftern  palt  unb  nia)t  aus  ijjren  klugen  gept, 
fo  f>at  eS  ben  ©ä)u£  berfelben  ^u  genießen;  ebenfo  ift 
unfere  @eele  wojrt  verwahrt,  wenn  fte  fta)  an  ©ott  anfd)licßt* 
£)arum  jjaben  fta)  bie  ^eiligen  gewöljmt,  baß  fte  fta)  in 
ipren  ©ebanten  nia)t  r>on  ©ott  entfernten,  unb  allezeit  t>or 
feinem  peiligen  2tngeftä)t  wanbeltem  $ou  (£noa)  unb  -ftoap 
wirb  gefagt:  fte  paben  ein-a,öttlid)e$  geben- geführt,  ober 
fet;en  flets  mit  ©ott  gewanbelt,  &♦  u  im  greunbe  gerne 


12 


beifammen  finb  unb  2Ute£  mit  einanber  gemein  pabcn,  fo 
paben  Jene  fia)  im  ©lauben  unb  in  ber  ^tebe  an  ©Ott 
gehalten.  —  2)avtb  fprtc^t :  „3d;  pabc  ben  #errn  alle* 
gcit  vor  Slugen;  benn  (£r  ijl  mir  jur  Sftedjten; 
barum  werbe  ia)  wo|)l  bleiben»"  £)e$gleta)en  Sefataö : 
„(So  fpria)t  ber  £err  ju  mir,  als  faffete  (fr  mid) 
bei  ber  £anb  unb  unterweifeie  mid),  bafj  ia)  nia)t 
n>anbeln  foll  auf  bem  2öege  biefeS  Söolff,"  £>ent* 
naa)  fapen  bie  ^eiligen  ©otteS  nia)t  bloö  beftänbig  auf 
i^ren  £errn  unb  23ater,  fonbern  e$  festen  ipnen  aua),  als 
würben  fte  von  3pm,  wie  $inber,  an  ber  £aub,  geleitet 
3n  einer  cuttern  ©teile  faßt  2)avib:  „2ßenn  ia)  mia)  $u 
23ette  lege,  fo  benfe  id)  an  2)ia);  wenn  ia)  erwaa)e, 
fo  rebe  ia)  von  Sir/'  gerner:  „2Benn  ia)  erwad)e, 
fo  bin  ia)  noa)  bei  Sül'r/f  £arau£  folgt,  baf?  er  fta) 
mit  guten  ©ebanfen  befd)äftigte ,  bis  er  barüber  einfa)lief, 
bamit  fein  <Sa)laf  peilig  wäre  unb  t>k  gurä)t  ©otteS  ij)m 
aua)  im  Traume  nia)t  aus  bem  (Sinne  lommen  möd)te* 
SQ3emt  er  erwadne,  fo  war  feine  (Seele  noa)  bei  ©Ott, 
wo  er  fte  gelaffen  §&tte. 

3)  driften!  SBetf  man  fo  viel  3eit  unb  Wltyt  auf  ben 
%cih  unb  beffen  Pflege  verwenbet,  fo  vergeffet  nia)t,  wenn 
tjjr  eure  (Seele  retten  wollet,  ber  (Erbauung  berfelben  aua) 

-einige  3«t  ^u  wibmem  (£$  wäre  $u  wünfa)en,  bap  Me 
täglta)  Grine  ober  wentgftenS  eine  jjalbe  (Stunbe  aufs 
QbtUt,  auf  gottfeltge  ^Betrauungen,  auf  baS  £efen  guter 
23üa)er  u»  f.  w.  verwenben  möa)ten,  unb  ^war  beS  SEftor* 
genS,  epe  bie  ©ebanfen  ^erftreut  werben,  bamit  fte  fia)  mit 
guten  SBorfä^en  wiber  bie  «Sünbe  waffnen*  3lud)  be£  2lbenb3 
follte  fia)  ein  3eber  fo  viel  Sät  nehmen,  t>a$  er  9toa)frage 
pielte  über  feinen  Söanbel  am  £age,  unb  nia)t  bälber  ^ur 
^ujje  ginge,  als  bis  bie  (Seele  iljrer  $uf>e  in  ber  ©nabe 
©otteS  bura)  @j)riftum  verftd)ert  fep  bürfte»  3uvörberft 
aber  muf  ber  £ag  beS  £errn  benügt  werben,  wela)en  ber 
gute  ©Ott  in  ber  2lbfta)t  eingefe^t  j)at,  baß  wir  uns  loS* 
maa)en  follen  von  trbifapen  ©efd)äften  unb  für  ba$  §ti\ 

.jmferev  (Seele  forgem    Leiber  aber  ift  e$  ein  fa)recflia)er 


13 


Sflißbrauo)  in  t>er  @fmjteu£eu,  ba$  biefer  £ag  fo  fa)vinblta) 
entheiligt  wirb,  uub  faft  an  feinem  bie  ©eete  mepr  ©efapr 
lauft,  al$  gerate  an  jenem/  £)ie  frommen  bef  lagen  bteß 
unb  ftnb  befto  eifriger,  an  bemfelben  tpre  ©eligfett  au  fa)affeiu 
33illtg  foll  man  ja  um  fo  emftger  fe^n,  bie  ijtmmltfdje  ©petfe 
gu  fammetn,  ba  ©Ott  ben  ftebenten  £ag  gefeguet  unb  mit 
einer  Sßerjjeijmng  verfepen  jmt*  3^ar  ftnb  alle  £age  jjeilig, 
itnb  bie  f>etligen  Hebungen  jjaben  alleaeit  if?ren  ©egen  unb 
9cui3en;  boa)  ift  e3  pauptfda)lia)  ber  £ag  be3  £errtt,  wela)en 
er  au  feinem  Stenjk  erwählt,  unb  benen,  t>k  ijnt  rea)r 
fetern,  aettltdjen  unb  eroigen  ©egen  verfproa)en  $at  2tua) 
Uc  (ürrfaprttng  le£rt  e$,  baj?  bie,  wela)e  ben  Drupetag  be£ 
£errn  gut  anwenben,  unb  benf elften  mit  23eten  unb  anbem 
gottfeligen  Hebungen  anbringen,  gufepenbö  wad)fen  im  ©lau* 
ben,  in  ber  tiefte  unb  in  ber  Hoffnung*  —  Ser  fta) 
um  fein  ©eelenjjeit  bemühen  will,  muß  großen  gletfjj 
anwenben,  rote  e3  fta)  bei  fingen,  [t>k  ba$  (£wige 
angeben,  gekernt*  @x  foU  au  fta)  felbjt  fagen:  wohlan, 
mein  £era,  wir  pabeit  bt$l)er  im  3eitlid)ett  fo  viel  ©orge 
unb  2Dcü|>e  gehabt,  nun  tft  e£  3ei*/  aua)  an  ba$  (£wtge  31t 
benfett;  Iner  settlia),  bort  ewig,  bantaä)  rta)te  btd;.  —  2ötr 
muffen  3ät  fyabcn  au  jterben,  fo  wollet  wir  un3  auo)  Seit 
nehmen,  uns  aum©terben  geprig  31t  bereiten*  2Sa3  $ilft% 
wenn  wir  viel  fammeln,  wa3  un£  au$  ber  Seit  nta)t  folgen, 
unb  unferer  ©eele  nta)t3  nü^en  fann?  2  äffet  un3  ©ä)ä£e 
fammeltt  auf3  3nfüttftige  uttb  ba3  ewige  Sebcn 
ergreifen]  —  bleibet  aurüd,  i£r  aeitlia)en  ©orgen,  tjjr 
irbtfa)en  ©ebatrfett,  maa)et  mta)  nta)t  irre  in  ber  Untermal* 
hing  mit  ®ott,  ia)  Ijabe  für  wia)tigere  Singe  31t  forgen, — 
für  bie  ewige  £errltd;feit  unb  ©eligfeit,  taffet  mta)  babei 
aufrieben*  — 

4)  $abt  feinen  ©tola  aufbaS3rbifa)e,  aber  einen  rra)t 
großen  auf  bie  SOSürbe  eurer  ©eele*  ©ie  pat  vermöge 
tyrer  Sibfunft  nta)t3  an  fd;affcn  mit  vergäuglto)en  Singen, 
am  allerwentaften  aber  }\xit  bett  fa)ttöben  lüften  beg  §Ietfa)e$  l 
tylnfytt  un£  ber  ©atan  ober  bte  Seit  etwaö  %ü,  \va$  tjn'em 
Slbel  auwiber  ift,   fo  taffet  nn$  fprea)en;   (BotlU  td;  ben 


14 


Sßor^tg,  ©ottc5  .ftinb  $u  feyu,  aufgeben  unb  bte  Gfttelfeit 
bafür  erwählen  ?  „©ollte  ia)  folä)1  großem  Uebel  tpun 
uttl>  n>it>cv  ben£errn  meinen  ©Ott  fünbigen?"  2öilt 
ber  ©atan  euä)  mit  £)em  locfen,  was  bte "  SQSeXt  fonß  |)oa) 
fä)äjt,  fo  faget:  wie  nia)t3würbig  iß  ba3  gegen  meine 
(Seele,  tt>a£  iß  bte  £errlia)feit  ber  ganzen  SBelt  gegen 
biejentge,  welche  tä)  bura)  ®otte$  ©nabe  in  @jmßo  3efu 
£afce?  2Ba£  iß  bie  ßrttelfeit  gegen  t>k  Grwtgfeit?  — 
23on  £fjemißofle3,  einem  grtea)tfä)en  Reiben,  lefen  wir, 
baf  er  unter  ber  fernblieben  23eute  eine  golbene  ®Htc  von 
großem  Söertjj  gefunben  unb  ^u  feinem,  ©flauen  gefagt  f>abe: 
„■fttmmbuße,  bu  friß  fein  S^enußofleS/'  gto'$  a^  wollte  er 
fagen:  ta)  |>abe  an  meinem  krümmten  tarnen  genug»  — 
Itm  wie  viel  ntepr  follen  wir  @j)rtßen,  bie  wir  bura)  ©otte3 
©nabe  -(Exten  ber  fünftigen  ©eligfett  fmb,  alle  irbifa)en 
£)inge  unferer  ©eltgfeit  gegenüber  geringfa)ä£en  unb  bie* 
felben  niä)t  für  fo  wertj?  galten,  baß  wir  unö  um  tpretwitfen 
verfünbigen.  Raffet  un£  freubig  fagen:  nimm  bu  ba$  pin, 
0  2ßelt,  tä)  bin  ein  djm'ß  unb  t?abe  bejfere  ©d;ä£e,  an 
benen  ia)  mein  Vergnügen  ß'nbe. 

5)  Gümblia)  btent  ^ur  25ewal)rung  eurer  ©eele,  t>a$ 
ü)x  euä)  ferne  paltet  von  benen,  bie  nur  irbtfa)  geftnnt 
ftnb,  unb  feine  ©emeinfa)aft  mit  ifmen  Ijabet*  3n  ber  SBelt 
treibt  ber  (Batan  fein  ©piel  unb  fuä)t  bura)  bie  böfen  ©efefc 
fa)aften  berfelben  unbewachte  ©eelen  ^u  berücfen*  ©0  ßiefjet 
fotä)e,  unb  laffet  euä)  bura)  tljren  ©a)cr$  unb  3ci*wtreib 
niä)t  verleiten;  benn  t£r  £aa)en  enbigt  mit  ewigem  SBe^ 
f fagen  unb  Sßctnen.  (Eine  Äopfe  jünbet  bie  anbere  an  unb 
ein  grüner  3weig,  mit  bürrem  £ol$  vermifä)t,  brennt  mit 
bemfelbem  ©el)r  fa)ön  fagt  baljer  Stomas  a  Äemptä: 
„(Eine  anbädjttge  ©eele  nimmt  ^u  unb  bejfert  fta)  im  <Bd)mv 
„gen,  in  ber  ©tilie  unb  in  ber  dtufye*  £)a  lernt  fte  biel 
„©efjeimnijfe  ber  ©a)rift,  ba  ß'nbet  fte  bie  £f>rcmenquelien 
„unb  wirb  mit  iprem  ©ä)opfer  um  fo  befannter,  je  mejm 
„fte  fta)  von  bem  Ungeßüm  ber  Söelt  abfonbert;  benn  wer 
„fta)  von  ber  greunbfa)aft  ber  335 elt  absieht,  bem  najjt  fta) 
„©Ott  mit.  feinen  (ürngeim   &  iß  beffer,  verborgen  fetm  unb 


15 


„für  feine  Seele  forden,  cilö  ?Xuf)"epen  erregen  unb  ntc^t 
„auf  feine  (Beltgfeit  ad;ten.  Selten  au3gej>en  unb  böfe 
„©efefffd;aft  fliegen  ijt  tSMifa  unb  für  einen  gottfeligen 
„9ttenfa)en  £od;fl  nötjng*  SOSenn  bie  Stunbe  ber  (Erholung 
„vorüber  ijt,  fo  bringt  bu  nur  ein  befä)tt>erteg  ©enuffeu 
„unb  ein  aerftreuteö  $ex%  naä)  £aufe*  £)ft  bringt  ein  frö^ 
„Tia)er  Ausgang  einen  traurigen  Eingang,  unb  ein  frof)lia)er 
„2lbenb  einen  traurigen  borgen;  fo  gept  äffe  leibltd)e  greubc 
„fanft  ein,  aber  am  (£nbe  verttmnbet  unb  tobtet  ft'e/'  — 
Raffet  ung  aber  aud;  babei  bebenden,  wie  j>od)  wir  frembe 
Seelen  fa)ä£en  foffen,  Ue  uns  anvertraut  fmk  Dteg  Jaben 
befonberä  bie  £ef?rer  an  ßtrdjen  unb  Sd)ulen  woltf  $t  bepet- 
Stgen,  welche  über  bie  Seelen  Wadjeu  unb  9^ea)enfd)aft 
bavon  geben  foffen;  ferner  bie  Regenten,  welche  ©Ott  über 
fein  treuer  erfaufteä  S5oXf  gefegt  l)at,  ebenfo  äffe  Altern, 
äffe  £errfa;aften  unb  Rubere,  welaje  einige  2tufjtd)t  über 
bag  $olf  ©ofteg  labern  —  3a)  glaube  nia)t,  bag  einen  §3re* 
biger  auger  ber  Zieh  gu  3efu  ß^rifto  noa)  fonft  etwa£  gum 
gleig  unb  gur  25Sad)famfeit  in  feinem  2Imte  ermuntern  tonne, 
aU  eben  bie  Sorge  für  bie  tjmt  anvertrauten  Seelen*  Qafyex 
rief  einjt  ein  Steuer  (grifft,  ber  einen  2lmt£genoffen  in 
fein  2lmt  einseifen  wollte,  öffentlid)  an$:  „2ld;  lieben  23rü* 
„ber,  laffet  ung  waa)en,  heten,  forgen  unb  treu  fe^n  in 
„äffen  fingen,  vx>etl  un^  nia)t  ©olb  ober  Silber  anvertraut 
„ift,  fonbern  «Seelen,  Seelen,  Seelen,  bie  ©Ott  gu 
„feinem  33ilbe  gefdjaffen,  He  %e\n$  mit  feinem  35lut  erlöfet 
„unb  ber  Zeitige  ©eift  gu  feinem  Tempel  erwählt  fyaU  ©el)t 
„(£ine  bavon  bura)  uufere  Sd;ulb  verloren,  fo  foff  unfere 
„Seele  für  fie  einfielen/'  £)abura)  rührte  er  Einige  fo, 
bag  fie  bekannten:  e£  fe#  tynen  bei  beut  breimal  wieber* 
polten Söorte  „Seelen"  wie  faltet  Söaffer  über  ben£eib 
gefloffem  —  ©Ott  verleibe  äffen  feinen  Qienexn  bie  ©nabe, 
bag  fte  fia)  ftet3  baran  erinnern  unb  if>r  2lmt  befio  eifriger 
vcrria)tem  Vlifyt  umfonfi  mugte  ber  £o|)epriejter  be$  alten 
£eftament£  t>ie  Warnen  ber  «Stämme  SfraefS  auf  feinem 
bergen  tragen,  wenn  er  in  ba$  Slfferpeiligfte  ging*  Dfyne 
3weifcl  foffte  bieg  anzeigen,  bag  einem  rea)tfd;affenen  Seelen* 


16 


btrtcn  bie  ibm  anvertraute  beerbe  gleia)fam  auf  ba$  Sjevz 
gr bunten  unb  fo  in  feinen  ©inn  gegraben  fep,  tag  er  nie 
vergeffen  fotf,  für  fte  gu  waa)en,  gu  beten  unb  31t  fämpfen.  — 
(£tn  $arbinal  ^atte  einjt  einen  (Ebelftein ,  fcer  feinet  ®lan$e£ 
wegen  von  augerorbentlicfjem  2Berti?  mar,  unb  baljer  von 
feinem  33ejt$er  f>oa)  gefragt  würbe,  liefen  gab  er  erneut 
feiner  Wiener  in  SSerwaljrung ,  ber  Diener  aber,  wela)er 
ein  fola)e£  ®leinob  nirgenbö  für  fta)er  bielt,  trug  e$  jtetS 
unter  ben  Kleibern  auf  bem  £erjen.  SBenn  nun  ba3  bte 
2Sttenfd;en  mit  irbifdjen  ©a)ä£en  tpun,  [wie  vielmehr  follen 
e3  bie  $rebiger  tfmn  mit  t>en  ©eelen,  bie  vom  göttlia;en 
%id)t  ibren  (£lan$  unb  von  bem  feuern  $3lut  3efu  @fmjtt 
trjren  3Sert£  j?aben?  —  (££riftlia)e  Regenten  fönnen  barau3 
lernen,  roie  jjoa)  fte  it)re  Untertfwnen  aajten  unb  wie  fte  bie 
seittidje  unb  ewige  SBoIfa^rtberfclben^u  beförbem  fua)en  follen. 
Dem  Beugern  naa;  ift  3Wifct)en  i|men  unb  einem  armen  dauern 
ein  groger  llntcrfa)ieb,  bem  3nnem  naa;  aber  feiner.  Denn 
biefer  l)at  aua)  eine  unjterblia)e  ©eele,  bie  3efu3  mit  feinem 
23lut  erlauft  |>ar.  Darum  foll  man  ftd)  fo  gegen  ijim  betrat 
gen,  ba§  er  feine  Urfaa)e  j?abe  51t  feufeen.  —  £ebwtg,  bie 
fromme  £od;ter  be£  $ömgg  £ubwig  in  Ungarn,  braa)te  e$ 
hei  ijjrem  ©emafjl  bajn'n,  bag  er  feinen  Untertanen,  benen 
er  einige  (Mter  weggenommen  Ijatte,  biefelben  wieber  ^urütf* 
geben  lieg.  2113  bieg  gefd;a£ ,  fagte  fte :  „28ir  geben  tiefen 
gwar  ipre  ©itter;  aber  wer  gibt  iljnen  ipre  £J;ränen  unb 
©eufter  wieber  V  Seil  fte  atfo  bie  grauen  ber  Firmen 
gu  fdjäöen  wugte,  fo  Ijatte  fte  ofnte  3roeifel  ciua)  gelernt, 
wie  j)oa)  t£re  ©eelen  $u  galten  feyen.  —  303  te  abfa)eulia) 
bagegen  war  bie  £anblung£weife  eine£  vornehmen  £erm 
in  granfreia),  welcher  bie  Sfteformirten,  bie  ex  bura)  £ift 
unb  ©ewalt  in  feine  £änbe  befam,  in  einen  tiefen  ©ee 
werfen  lieg,  ben  er  fdjer^weife  feinen  grogen  23ea)er  nannte. 
5113  er  einjt  vom  ßönig  $arl  IX.  gefragt  würbe,  me  vielen 
$le%exn  ex  feinen  grogen  23ea;er  vorgefe£t  f?abe,  antwortete 
ber  Unmenfa) :  er  Ijahe  über  fola)e  Meinigfettcn  fein  Seegtfter 
gefitbrt.  —  ©0  wenig  galten  hei  biefem  9ftenfa)enfeelen,  bie 
boa)  von  ©Ott  fo  t}oa)  geaa)tet  ftnb. 


1 


3a)  fann  nify  umjrin,  aua)  bie  (Htevn  noa)  ju  ermahnen, 
bag  fte  tpve  $inber  nia)t  Hoö  naa)  bem  greif  a)  rieften  fotfen, 
fonbern  pauptfäc^ttd>  nac^  bem  ©eijh  £>ie  Reiben  rieften 
bie  3j)rigen  aua),  after  Ctfjriften  f ollen  weiter  gelmt  unb 
bteferoen  $unäa)jt  aU  ©otteä  tinber  ftetraa)ten;  bemt  jte 
fmb  ein  tj;eure$  fieinob,  wera)e$  ©Ott  einft  von  t^ren 
£>cinben  forbern  wirb.  £)ie  Altern  fjaften  atfo  a((e  Urfaä)e, 
gletg  au^uwenben,  bag  bura)  tfjre  6a)urb  feine  (Seele  ver* 
ioren  gejje.  ©Ott  pat  bie  ^inber  in  ber  £aufe  ate  ein  mit 
bem  23fut3eju  @l)rijti  erraufte£  (Eigentum  fte^eic^net;  welje 
bem,  ber  ein  fora)e3  (But  bura)  3?aa)räfngfeit,  bura)  ftöfe 
^eifpteie  ober  bura)  eine  fa)rea)te  (Sqiejjung  feinem  Gerrit 
aftwenbig  maa)t! 

Sind)  i|)r  £el)rer,  an  Ijojmt  unb  meber.t6a)uren,  i?aftt 
eine  fa)were  Verantwortung  wegen  ber  garten  ©eelen,  bie 
eurer  2luffta)t  anvertraut  finb !  (Erftarmet  eua)  üfter  ben 
faft  verwüfteten  ^flan^garten  ©otteä !  —  £)te  Jungen  $tutc 
gfeia)en  ben  funken  Räumen,  um  wela)e  fta),  epe  ftc  red;t 
erjtorfen,  frembe  ©ewädjfe  fa)ringen,  bie  fte  $u  ©runbe 
ria)tetu  2)a£  gottfofe  2öefen  nimmt  fepr  $u,  unb  Ue  garten 
^cqen  werben  frü^eitig  bamit  angefochten.  2ta),  fteuret, 
weftret,  rettet,  fo  vier  ijjir  fonnet  unb  vermöget!  ^ffan^et 
in  bie  Jungen  ^er^en  neften  ben  wertfia)en  2Biffenfa)aften 
aua)  bie  ferigmaa)enbe  @rfenntnif?  ©otte£  unb  3efu  @£rifti; 
lehret  fte  nia)t  aüein,  m$  sur  SSeit  gehört,  fonbern  aua), 
wa$  $um  Zimmer  füf)rt.  ßrtnen  geteerten  Wlann  ^u  er^iepen, 
tjt  vier;  after  einen  frommen  unb  gottfettgen,  noa)  vier  mel)r. 
2£a3  ift  baSSÖßiffeu  ofme  ©ewiffen?  Sa3  pirft  e^ ,  wenni^r 
©ott  unb  ben  £tmmer  in  vieien  @praa)en  au^brücfen  reftret, 
unb  refjret  t>k  8a)ürer  boa)  nta)t,  mc  fte  Jenen  rea)t  erfen* 
neu,  füra)ten,  IkUn,  unb  in  biefen  gerangen  fotfen?  — 
ßrnbrta)  f>erfe  jner,  wer  Reifen  fann,  unb  raffe  fta)  9tfemanb 
einige  tyltyt  Verbriegen  wegen  ber  ebkn  menfa)ria)en  beeren. 
Raffet  uns  unter  einanber  ermuntern  ^u  guten  Serien  unb 
antreiften  $ur  tiefte,  raffet  uns  fleißig  barauf  fej?en,  baß 
9ttemanb  ©otteS  ©nabe  verfäume*  Raffet  un$  einanber 
ftrüberrid;  erinnern,  freuubria)  (trafen,  warnen  unb  ermahnen 


18 


aU  m  einer  6ao;e  von  poi?er  Sötdjtigfeit»  Sie  ber  Styofkl 
3afobu3  fagt:  ,,©o  3entanb  unter  eua)  irren  würbe 
von  ber  Saprjjeit,  unb  (üriner  befeljret  tj?n,  ber 
foU  wiffen,  bag,  wer  ben  ©ünber  befel?rt  |jat 
von  bem  3rrt{ium  feines  Segeg,  ber  |>at  einer 
Seele  vom  £obe  geholfen/'  —  @ie£t  man  einen 
geringen  Pfennig  ober  ein  ©tücffein  23rob  auf  ber  (£rbe 
liegen,  fo  benft  man,  e$  fe£  <Sa)abe,  ba£  e£  verloren  getye 
unb  mit  gügen  getreten  werbe»  Sttan  bildet  fta)  unb  fyeht 
cß  auf»  3ft  aber  eine  Seefe  nia)t  mef>r  wertl),  aU  atteS 
(Mb  ber  Seit,  als  atteS  33rob?  Sarum  wollten  wir 
einige  Wltyt  fd;euen,  biefelbe  vor  ewigem  $erberben  311 
bewahren?—  £)er  £err  unfer  ©Ott  lefjre  uns  burd;  feinen 
^eiligen  ©etjt  verfielen,  toa$  eine  @eele  fep  unb  mc  J>od; 
fte  gefragt  werben  muffe»  3ü>m  fe#  (££re  in  Gtwigfeit !  2lmen. 


8  »  t  i  tt  iJ  r  e  M  ö  t 

33on  ber  £o£en  Sürbe  ber  <5eele,  in  2lnfe|>ung 
ifjrer  Unfterblidjfeit» 


(5  i  tt  g  a  n  g» 

Sm  Flamen  3efu.   Slrnen ! 

(Sejjr  fa)ön  fmben  einige  fromme  Männer  gefagt:  £)er 
$?enfa)  jtirbt  nia)t,  Wenn  er  ftirbt,  fonbem  feine  ©ünbe  unb 
(£lenb;  waä£utü>er  alfogiebt;  „Sir  wiffeu,  trogen  unb 
finb  freubig,  bafi  G>I?riftu3  ift  auferftanben,  unb 
ber  £ob  nufytö  mej)r  fei;,  aU  ein  (£nbe  ber  ©ünbe 
unb  fein  felbft»"  2)amtt  wollten  fte  fagen:  13  2)a£  ber 
Hnfang  beö  menfä)lia)en  £eben£  fep  ein  Anfang  alles  GElenbS ; 
benn  baS  $inb,  febafb  e£  ben  erften  Dbem  fd)b>ft,  fängt  an 
gu  weinen,  aU  wollte  e$  ben  Anfang  feinet  vielfaa)en  k'lenbS 
beweinen»    25aljer  fa)rteb  aua)  tin  93rebiger  $u  Strasburg 


19 


in  feinen  $alenber,  in  welchem  er  fonfl  tnel  $)?erfwürbige$ 
aufzeichnete ,  su  feinem  ©eburt^tag  md;t$  anberS  £in,  aU: 
„£ag  meinet  (£lenb£  unb  mübfeltgen  gebend" 
(£benfo  faßte  ein  berühmter  23ifa;of  3«  tonftantinopel,  ber 
felbft  tnel  £rübfal  erfahren  mußte:  2)a3  mcnftt)li$c  geben 
fep  eine  ^ettc,  $on  x>teten  ©efotfen  au3  mancherlei  9toijj 
unb  ßrlenb  3ufammengefej3t  —  £)a£  geben  unb  t>a$  (Henb 
be£  $?enfa)en  fmb  3wtfftna,e,  bie  $u  gleicher  3^it  geboren 
werben  unb  jlerbem  £>er  9ttenf$  fängt  fein  geben  mit 
Steinen  an,  unb  eubtgt  e3  mit  Siechen;  c3  J>at  febcr  £ag 
feine  eigene  ?5lage,  unb  ba$  Unglücf  ij*  meiften£  be£  50?en* 
fa)en  tctglid;e3  33rob»  —  $iele  glauben  .^war  tti  ben  (Ergog* 
ltdtfetten  biefer  SQSelt,  in  ber  (££re,  in  SÖollujt  unb  ^eidjtjwm 
£roft  unb  ginberung  ^u  ftnben;  allein  bte,  welche  2ltfe$ 
gur  ©enüge  t>erfucl)t  Jjaben,  muffen  boa)  geftej?en,  ba$  ba$ 
23efte  unb  $öftlia)fte  biefeS  gebeng  SÄüjje  unb  Arbeit,  Sammer 
unb  £eqeletb  gewefen  fepe*  £)arum  feufete  ber  M%te 
3a!ob:  SSenig  unb  böfe  iji  bie  Seit  biefeg  gebend; 
unb  ©iraa)  ftimmt  ijjm  bei:  (&$  ijt  ein  elenb  jicimmerlia; 
2)ing  um  aller  9ttenf  eingeben,  son  $?utterleibe  an,  biö  jte 
lieber  in  bie  (£rbe  begraben  werben,  bie  unfer  2lller  Butter 
ijt,  ba  tfi  immer  @orge,  gura)t,  Hoffnung,  unb  ^ule^t  ber 
£ob.  —  &$  ift  alfo  ein  Sßunber,  baß  ber  f0?enfc^  bte'feS 
muffelige  geben  fo  liebgewinnen  fann,  baß  er  e£  meijtenö 
ungern  »erlaßt»  (Ex  fua)t  feine  greube  in  ber  (Eitelfeit,  wie 
bie  gifa)e  in  bem  bittern  ^eerwaffer»  ©0  blinb  Ijat  tyn 
bie  (Sünbe  gemacht,  baß  er  t>k  9ttüj?feligfeit  für  ^errlidtfeit 
Mit,  unb  ftd)  an  feinen  geffeln  unb  Rauben  ergö|t,  ber 
göttlichen  Slnorbnung  ^uwiber,  welche  barum  biefeS  geben 
mit  fo  vielen  £rübfalen  i>ermtfa)t,  baß  wir  erf  ernten,  in 
welches  ßrlenb  wir  burd)  t)ie  6ünbe  geraden,  unb  baß  wir 
un£  um  fo  mejjr  naa)  ber  Irimmlifdjen  #ülfe  fernen,  unb 
naa)  einem  beffern  geben  trachten  fotlem 

2)  Sollten  fte  hamit  anbeuten,  ba$  ber  2luggang  biefeS 
muffeligen  unb  betrübten  gebend  ber  Anfang  be£  ewigen  unb 
feiigen  fep.  3m  £obe  taufa)t  ber  gromme  für  t>ie  SBelt 
ben  Fimmel,  für  tie  6ünbe  bie  SSollfommenj?  eit,   für  ba$ 


20 


£eib  bte  greube,  unb  für  bte  (üEitelfeit  bie  <£wigfeit  ein. 
£)er  £ob  $>at  awar  an  fä)recflia)e3  Slnfepen,  unb  eS  will 
un6  fd; einen,  als  wäre  mit  bem  Sterben  Sitten  auS.  £>enn 
wir  fejjen  nic^tö  aU  einen  »erunftalteten  ?ei6,  unb  nad? 
einigen  £agen  wünfa)en  wir  i£n  nia)t  einmal  me£r  an^ubliden. 
9ftan  tili,  benfelben  unter  bie  (£rbe  $u  bringen,  baff  er,  wie 
er  angefangen,  »ollcnbs  »erwefe,  unb  ^u  Staub  unb  2lfä)e 
werbe.  2)oa)  ber  ©taube  m\%,  bafi  ber  beffere  £l)eit  beä 
Sttenfdjen  bem  £obe  ntc^t  unterworfen  fe^,  ba$  ber  £etb 
gwar  wieber  in  t>k  (£rbe  fommen  muffe,  ber  ©etft  aber 
wteberfepre  $u  ®ott,  ber  ijm  gegeben  fmk  —  $on  ben 
©ottfeligen  {jeifit  eS :  geftorben  5  um  Gebern  @teia)wie 
bei  einer  »erfe^ten  $ffan$e  bie  äußeren  Blätter  »erwetfen, 
bte  Herzblätter  aber  grün  bleiben,  —  \x>k  ba$  Samenforn 
^war  in  ber  (Erbe  »erweSt,  unb  boa)  einen  grünen  £alm 
ixtiU,  —  tok  ber  23aum  im  hinter  erftorben  fa)emt,  aber 
immer  »oll  Saft  iftA  —  fo  ftirbt  ber  gromme  bem  £etbe 
naa),  bie  «Seele  bagegen  lebt  in  unb  hü  ©Ott,  unb  erwartet 
bk  2luferwecfung  unb  SSerftärung  ij?re£  Körpers,  um  mit 
ti)m  »ereinigt  ^u  leben  anf  ewig.  —  diu  neuer  33ewei£  »on 
ber  Stürbe  ber  Seele  tft  alfo  iljre  Unperblia)feit. 

2l6f>ant>fung* 

£>a$  ©olb  wirb  unter  bm  Metallen  für.  baS  fofibarjk 
gehalten;  ojme  3weifel  weil  e£  fe£r  bauerpaft  ift,  unb  im 
geuer  fafi  feinen  Abgang  fwt.  So  fann  eS  aua)  3U  ber  Süibe 
unb  £o|?eit  ber  Seele  gerechnet  werben,  baf?  fte  unfterbtta) 
ijt,  unb  im  £obe  feinen  Sdjaben  leibet.  £)ie  Seit  ijt  »er* 
gänglia),  ber  £immel  wirb  mt  ein  9?aua)  »ergeben,  unb 
bie  Grrbe  tok  ein  £tetb  »eralten.  £)a£  Sefen  biefer 
Seit  »ergebt  mit  ij>rer  £uß;,  t>ic  Seele  aber 
lltxltt  in  (Ewigfeit.  £)a{>er  fagt  ber  £eilanb:  „2ßa6 
j)ütfe  eS  bem  $?enfa)en,  wenn  er  bte  gan^e  Seit  gewänne?" 
SaS  ift  altes  23ergängtta)e  gegen  ba$  Un»ergänglta)e,  unb 
m$  fann  unter  allen  Sa)ä£en  ber  Seit  ber  unfterbtta)eu 
Seele  gleia)gejtellt  werben?  Senn  ber  SÄenfa)  aua)  bie 
£errfa)aft  über  bie  gan$e  Seit  befommen  fönnte,  unb  würbe 


21 


tarübcr  ferne  ©eltgfett  verfäumeu,  fo  müßte  man  bod;  fagcn, 
bafj  er  n\d)t$  gewonnen,  fonbern  2lfle$  verloren  pcitte,  weit 
alleä  irr  ber  2Bctt  ber  ßrttelfett  unterworfen  ift.  9?od;  beut* 
lieber  erflärt  bieg  ber  Gnrtöfer  mit  ben  Porten:  „gurrtet 
eud;  nid; t  vor  benen,  n)eld;e  ben  ?eib  tobten,  bie 
(Seele  aber  nid)t  tobten  fönnetu"  (Ex  meint  bamtt 
bte  getnbe  feiner  £ebre,  weta;e  $war  ben  £etb  feiner  Jünger  auf 
bte  ßraufamfte  Söeife  martern  unb  tobten,  aber  it)rer  (Seele 
fernen  ©d;aben  zufügen  tonnten*  &U  alfo  tiefe  naa;  bem 
£obe  be£  £etbe3  nod;  fort,  fo  mug  fie  nid)t  btoS  unverle^Iia), 
fonbern  aua)  unfterbütt)  fe^m  3war  fe$t  3efttS  in  ber  gtet^ 
a;en  ©teile  l)tnnt:  „baß  ©Ott  ?eib  unb  ©eete  derber* 
ben  fönne  in  bit  £ölle;/y  boa)  ijt  ntd)t  von  einer 
völligen  $ewtd)tung  berfelben,  fonbern  blo$  von  tjjrer  s}3emi* 
gung  bie  3kbe*  £>enn  e3  t)et|t  ferner:  „2)ie  ©otttofen 
werben  in  bie  ewige  tytin  gefimt;  aber  bie  ®e* 
red)ten  in  ba$  ewige  £eben,"  £>er  @eefe  SSerberbeu 
ijt  ber  anbere  £ob,  ober  bte  Dual  in  ber  £ölle.  —  3efuö 
verfpraa)  bem  ©d;äd)er  am  $ven$c,  bafi  er  nod;  an  bemfet* 
hm  £age  mit  it)m  im  $arabte$  fei;n  folle;  bk$  fonnte 
fta;  aber  nur  auf  bie  ©eele  be^iepen ,  wie  bag,  \x>a$  er 
von  bem  armen  £a$aru£  fagt:  ,0t  fei;  getragen  wor* 
ben  von  ben  Engeln  in  $brat)am3  ©a)oof^/y  — 
Qmblid;  wünfd;t  aud;  ber  Slpoftel  $autu$,  bto£  ber  ©eele 
naa)  Ui  dprtjto  31t  fet;u,  unb  ©tept)amt3  Uttct;  „£err 
3efu,  nimm  meinen  @etft  auf!"  —  Ueberljaupt  ift  bie  gan$c 
petltge  6d;rift  voll  von  3eugniffen ,  ba$  e£  ift  pauptfatylia) 
um  unfere  eble  ©eele  $u  tt)un  fet;*  SBürbe  ber  SDceufa; 
vergeben  wk  ba3  £lner*  unb  würbe  fein  @etft  mc  ein 
Sftebel  verfd;winben  vor  ber  ©onne  ©fan^,  fo  wäre  nia)t 
fo  viel  (£ifer  unb  (Ernft  nött)ig  gewefen,  aU  wir  pt  ®ot* 
te$  äöort  ftnbem  2Bie  t)ätte  ber  2lltert)ött;jte  von  etwasS 
Sßergängüdjem  fo  viel  2luft)ebenS  mad)en  fönnen,  oX$  er  $u 
alten  3^it^«  von  ber  menftt)lid;en  (Seele  gemad)t  t)at?  3nm 
23ewei£  nur  einige  £auptftellen  ber  Reuigen  ©d)rtft,  bte 
bavou  t)anbeftu  'Senn  $cofe£  bie  <Sa;ö>fung  befd)reibt,  fo 
fagt  er :  £)ie  (^rbe  mugte  auf  @otie3  löefe^I  allerlei  ^^iere 


99 


per» orbringen  k.  w*  ;  von  bem  9Jcenfd;en  aber  fagt  er:  „©ott 

fcpuf  ben  üttenfcpen  ipm  jnm  23ilbc,   $um  33ilbe 

©otteö  fc^uf  er  ipn*"    (Er  fagt  aber  wopl  niajt  opne 

©runb  ba$  ^äm(ia)e  zweimal;  er  toift  barauf  piubeuten, 

bag   ber  $cenfd>    einen    grogen   $oqug    vor    ben   £pie* 

ren   pabe  r    weil   er    ein  ftcptbares   Grbenbitb    be$  unftcpt* 

baren  @otte£  geworben  fe#*    gerner:  „(3 Ott  macpte  ben 

Ü3)cenfa)en   aus   einem  (Erbenftog,   unb  btieö  tpm 

ein  ben  lebenbigen  Dbem  in  feine  9cafe,  unb  alfo 

warb  ber  9Jcenfa)  eine  lebenbige  (Seele*"    £>iefe  ift 

nun  5  war  fein  XI) eil  beS  göttlichen  SBefenS,  weil  ftd;  biefeS 

md;t  tbetlen  lägt,  boep  gepört  fte  niept  unter  bie  3<*pl  ber 

tptertfepen  Seelen,  ba  ©Ott  fte  befonberS  erfepaffen  unb  mit 

bem  Mht  »erbunben  pat*    3ft  aber  ipr  Urfyrung  fo  Wim* 

berbar,  unb  ift  fte  ein  23i(b  beä  unflerblicpen  ©otteS,  fo 

fann  e$  ipr  aud)  an  Unfterbtidjfett  niept  fehlem     ßrbenfo 

folgt  bieg  au£  ben  Sorten  bes  $rebiger3 :  „3)  er  S,taub 

muß  wieber  §ur  (£rbe  fommen,   xcic  er  gewefen 

ift,  unb  ber  ©eift  wieber  $u  ©Ott,  ber  ipn  gegeben 

pat."    Unfer  Mb  muß  als  ein  irbeneS  ©efäg  ^erbrodjen 

unb  wieber  ju  ©taub  werben;  bie  Seele  bagegen  wirb  niept 

vernichtet,  fonbern  burd;  H$  25lut  3efu  @prifti  gereinigt 

unb  aufgenommen  in  beS  Katers  £au£*    £)aper  fagt  bie 

Sd;rift  r»on  ben  abgefepiebenen  Seelen,  bag  fte  serfammelt 

werben  ^u  ipren  SBätern,  baß  fte  su  3efu  fommen,  unb  bei 

tpm  fe^en,  bag  fte  ipm  bienen  £ag  unb  -ftaept,  unb  bag 

ipre  Serie  tpnen  nad;folgen  in  ^)ic  (Ewigfett*  —  3n  biefem 

«Sinn  nennt  fiep  auep  ©ott  änm  ©Ott  2lbrapam$,  3faaf^ 

unb  SafobS,  obgleid)  ipr  ^et6  fdjon  lange  verwebt  unb  gu 

Staub  unb  2lfcpe  geworben  war*    -ftun  aber  ift  ©ott  nid)t 

ein  ©ott  ber  lobten,  fonbern  ber  Sebenbtgen*   2tffo  muffen 

bie  Seelen  ber  (Er^äter  unb  aller  anbem  9ttenfd;eu,  tk 

iprert  ©lauben  gehabt  paben,   leben  unb  in   ber  fetigen 

©emetnfepaft  ©ottee  ftepen*  ©ott  tpeilt  fta;  tpnen  mit  unb 

lä£t  fte  feine  unenblicpe  ©nabe  gemegen,  beffen  Uc  lobten 

niept  mepr  fäpig  waren*   Söenn  e$  aber  tton£priftu$peigt: 

<£r  fe$  tin  £err  über  Ut  lobten,   fo  liegt  hierin   fein 


23 


SGiberfyrutf; ;  benn  ber  Slpoßel  rebet  von  benen,  wclcpe  $war 
beut  Körper  nacp  gefiorben  ftnb,  aber  ber  ©eele  nacp  leben. 
ßpriftu£  ift  ipr  $err,  tpre  ©eelen  ftnb  unb  (eben  bei  3pm, 
fte  fepen  feine  ^errltdjfeit,  werben  von  3pm  geführt  unb 
mit  pimmlifcpem  £rofte  erfüllt  —  £)amit  läßt  fiep  nun  tin 
gottfelige^  £er$,  welcpeS  bie  peilige  ©cprift  für  pimmlifcpe 
SBaprpeit  päU,  gerne  genügen;  bocp  ift  e$  ipm  um  ber 
©pötter  unb  Ungläubigen  Witten  erwünfcpt,  wenn  nocp 
anbere  ©rünbe  pin^u  gefügt  werben*  33etracptet  ftcp  bie 
©eele  nacp  ipren  Gräften  unb  Sßirfungen,  fo  muß  fte  ft'a) 
felbft  für  ein  popeS  unb  pimmlifcpe^  SBefen  galten,  ©ie 
fä)wtngt  ftcp  auf  ^um  £immel  unb  wanbelt  mittm  unter  ben 
Sternen,  fte  erforfcpt  bte  liefen  ber  (£rbe  unb  be$  9tteere3, 
fte  betrachtet  unb  »erficht  bie  pimmlifcpen  £>inge,  ©ie  burd;* 
fucpt  bie  gan^e  Statur  oft  opne  3utpun  be£  fterblicpen  Mb?$, 
fte  wirb  bisweilen  entlud*  unb  fiept,  wa$  leibliche  klugen 
nicpt  fepen,  pört,  wa£  leibliche  Dpren  nicpt  pörem  233ttC 
fte  ftrenge  nacpbenfen,  fo  m%v$t  fte  ftcp  eine  3eülang  ben 
äußerlicpen  ©innen*  £)apcr  wiffen  bie  (Meprten,  wenn 
fte  tn  ipren  Betrachtungen  vertieft  ftnb,  manchmal  nid; t, 
wa#  um  fte  per  vorgeht»  —  (ümtft  vertiefte  ftdt)  ein  großer 
(Meprter  fo  fepr,  baß  er  brei  volle  £age  lang  an  feinem 
fceitötiftf e  opne  ©veife  unb  ©cplaf,  auf  ben  2lrm  geftüfct, 
3itbraa)te*  Sluct)  im  gemeinen  £eben  fommt  eS  pctujtg  vor, 
baß  ber  $?enfd),  wenn  er  über  etwaö  ernftlia)  uacpbenlen 
will,  klugen  unb  £>prcn  verfä)ließt,  wk  ein  £auövater  feine 
Spüre,  wenn  er  allein  fcmt  Witt  unb  etwaö  äßtcptigetf 
ab^umacpen  pah  —  2)apin  gehören  aucp  bie  Traume,  baS 
C^eben  unb  Sßanbeln  im  ©cplaf*  ©ort  felbft  unb  feine  (£ngel 
rebeten  mit  ben  ^eiligen  unb  unterrichteten  biefelben  von 
wichtigen  fingen.  Obgleicp  ipr  5luge  nia)t£  fap,  unb  ipr 
£)pr  nidjtS  pörte,  fo  unterhielten  fte  fiep  bocp  mit  ipnem  — 
£>ie  33eifytele  ber  ©eprift  bavon  ftnb  befannt;  aber  wir 
tonnen  niept  unberüprt  lajfen,  m$  ber  peilige  Sluguftin  von 
einem  2lqt  #t  tartpago  er^äplt  tiefer  war  von  Sugenfc 
an  ein  SJÖopltpäter  ber  Firmen  unb  gerietp  einft  in  3weifel 
barüber,  ob  auep  nacp  bem  £obe  ein  anbere^£eben  aupoffen 


24 


fc^  ?  23alb  barauf  ersten  tym  im  £raum  em  fa)oner  3ü"8' 
ling,  ber  iljm  aufforderte,  ifym  ^u  folgen,  (£r  führte  il?n  in 
eine  ©tabt,  wo  er  eine  fe£r  lieble  Sttujtf  pörte,  2113 
biefer  fiä)  barüber  verwunberte,  faßte  iljm  fein  güprer: 
3)teß  fe#  ber  ©efang  per  ^eiligen  unb  ©eitlen  im  £ummeL 
darüber  erwaa)te  er  unb  baa)te  weiter  nia)t  über  feinen 
£raum  naa).  ©Väter  erfa)ien  i£m  ber  gleia)c  3üngling 
wieber,  unb  fragte  iljm:  ob  er  ijjn  f  ernte?  %U  biefer  eS 
befaßte,  fo  fragte  er  ifm,  wojjer,  unb  ba  er  fta)  auf  ben 
früpern  Vorfall  berief  unb  bemerfte:  2)teß  fe»  tj»m  int 
©a)laf  begegnet ,  fo  verfemte  ber  Sünglmg :  d$  ift  rea)t, 
aber  wiffe,  baß  bu  je§t  aua)  im  ©a)laf  bift.  2öie  nun 
beute  klugen  verfa)loffen  fi'nb  unb  mia)  boa)  fejjen,  fo  wirft 
bu,  wenn  beut  $äh  im  £obe  entfa)lafen  ift,  boa)  ein  &Un 
unb  eine  $raft  £aben,  baß  bu  fejmt  fannft.  2)arum  ^üte 
bia),  baran  gu  zweifeln,  baß  bie  ©eele  naa)  beut  £obe 
fortbaure*  —  Sie  oft  gefa)iel)t  e£  noa)  ^tntt,  t>a$  bk 
grommcn  Jnmmlifa)e  träume  jjaben,  in  benen  jte  eine  unver* 
gteiä)lia)e  greube  genießen.  60  ging  einf*  ein  Gtf>rift  mit 
vielen  f^wermütfngen  ©ebanfen  31t  33ette  unb  feufjte  31t 
feinem  ©Ott  3m  £raum  erfa)ien  ü)m  tin  glän^enber  3üng* 
ling  unb  führte  ü)n  einen  Jjojjen  23erg  J?inau,  auf  wela)em 
ein  prächtiger  $alajt  mit  einer  außerorbentlia)  fa)onen  Pforte 
war,  2)tefe3  Zfyox  jjatte  bovpelte  £fmren,  eine  vor  ber 
anbern.  $LU  ber  Süngling  bie  vorberjte  an  wenig  öffnete, 
pörte  fein  Begleiter  einen  lieblichen  ©efang,  unb  war  fo 
voll  greuben,  baß  er  gan$  hinein  3U  gepen.wunfa)te;  ber 
3üngling  aber  pielt  ifm  gurüd  unb  fagte:  greunb,  eä  ift 
noa)  nia)t  3tit,  tu  mußt  bia)  noa)  eine  Seile  gebulbem  — 
Sa3  anberS  fönnenwir  barauf  fa)ließen,  al$  baß  bie  ©eele 
ojme  bie  äußeren  ©inne  fe^en,  Jjören,  reben,  fia)  freuen, 
unb  aua)  außer  bem  Mht  leben  unb  wirfen  fann?  60 
fagt  au^)  $aulu£:  er  fep  M$  in  ben  britten  £tmmel  entgücft 
worben  unb  |>abe  unau$fvreä)lia)e  Sorte  gehört;  aber  nur 
©Ott  fe^  eS  belannt,  ob  "er  in  ober  außer  bem  £eibe  gewefen 
fei?,  -—  2)emnaa)  fann  gottergebenen  ©eelen  $canä)e3  wiber* 
fahren,  m$  fte  nia)t  begreifen  Fennen,  unb  fte  erhalten  fa)on 


zo 


pter  einen  93orfa)matf  von  ber  £errlid;feit  ©otte$,  wie  viel 
mepr  naa)  tiefem  geben,,  wenn  fte  befreit  fe$n  gerben  von 
t>en  23anben  tiefet  MU$.  —  2lua)  bie  Reiben  redeten  von 
ber  Unfterblicpfeit  ber  ©eele,  unb  fcfbft  nnfere  SBorfapren, 
bie  alten  £>eutfd)en,  fo  unwiffenb  fte  fünft  waren,  paben 
an  bie  Unfterbtia)feit  ber  ©eele  unb  an  ein  anbereS  ?ekn 
gebaa)t,  woraus  man  fiept,  wie  tief  ber  <5a)öpfer  bem  menfa> 
lta)en  £er$en  biefen  (kauften  eingeprägt  pat,  fo  baf?  er 
felbft  in  ber  größten  231inbpeit  nia)t  ausgetilgt  werben  fann.  — 
$Mtfyin  ftnb  bie  |>euttßen  ©pötter  unb  ©otteSläugner  ärger 
als  bie  Reiben,  unb  wollen  aus  vorfä£lia)er  23oSpeit  baS 
pelle  £ia)t  nia)t  fepen,  welcpeS  boa)  in  i>k  ftnftern  £er^en 
bercr,  bie  von  ©Ott  nia)tS  wiffen,  gebrungen  ift  ©ie  paben 
fepr  alte  Vorgänger;  benn  ber  ©atan  bemüpt  fta)  von  jieper, 
alle  Hoffnung  eines  2ebeuS  naa)  bem  £obe  auS  ben  £eqen 
ber  Sttenfa)en  ju  nehmen,  bamit  fte  befto  fta)erer  leben  unb 
gleta)fam  mit  verbunbenen  fingen  in  bte  £ölle  rennen  möa> 
ten.  £aS  23ua)  ber  SetSpeit  weiß  fa)on  von  biefen  $?enfa)en 
Sit  fagen:  „(ES  ift  ein  fur^eS  unb  müpfeligeS  £eben, 
unb  wenn  ein  Sttenfa)  bapin  ift,  fo  iß  es  aus  mit 
ipm;  von  ungefähr  finb  wir  geboren  unb  fahren 
wieber  bapin,  als  wären  wir  nie  gewefen  iL"  — 
tiefer  ©laube  verbreitete  fta)  fo  unter  ben  3uben,  S>a§  eS 
3U  ßpriftt  3eiten  eine  eigene  <£efte  unter  bem  tarnen 
©abbueäer  gab,  wela)e  bte  Sluferftepung.  ber  lobten  laug* 
neten ;  fte  ria)teten  aud;  barüber  mehrmals  gragen  an  3efiu 
9?aa)folger  berfelben  ftnb  bie  heutigen  ©otteSveräa)ter,  weld)e 
von  feinem  £eben  naa)  bem  £obe  etwas  wiffen  wollen«  — 
SQSie  ift  eS  aber  möglia),  bag  t>k  9#enfa)en,  wela)e  ©Ott 
mit  einer  vernünftigen,  unfierblia)en  ©eele  begabt  pat,  fta) 
mit  ©ewalt  ^um  Spiere  per  ab  würbigen  wollen?!  £)  ipr 
tollen  ßpriften,  ipr  verblendeten  Beutel  Sie  gering  aa)tet 
ipr  eua)  fefbft,  ba  boa)  ©Ott  eua)  fo  poo)  geaa)tet,  baß 
fr  eua)  mit  bem  tpeuern  231ute  feinet  ©opneS  auS  beS 
Teufels  ©ewalt  erlogt  pat!  Sie  gering  paltet  ipr  eure 
<Scele,  bie  3efuS  ber  ganzen  Seit  unb  Willem,  was  barin 
ift,    voqog !  —  SBen  eua)  fann  man  fagen:  „Sie  bift 


26 


2)ii  soan  £>ünmel  gefallen,  £>u  fa)öner  borgen* 
ftern!"  3£r  gleichet  bem  verlornen  ©o|me,  ber  feines 
Katers  £auS  mutwillig  serlieg  unb  bura)  ©cfjwelgeret  in 
bie  größte  9lofy  gertetp*  £)  wie  fa)wer  unb  fa)recflicf>  wirb 
eure  SSerbammnig  fe^n !  2)enn  fo  bie  Reiben  feine  dnU 
fdmtbigung  l?aben,  weil  fte  t>k  25apr|>ett  aufhielten,  baS 
£ta)t  ber  9catur  unterbrächen  unb  iljm  nia)t  folgten,  wie 
wirb  eS  euer;  ergeben,  bie  iljr  arger  fe^b  als  bie  Reiben, 
unb  mutwillig  nia)t  fepen,  noa)  glauben  wollt,  was  ©Ott 
fetbjt  gelehrt  unb  mit  sielen  SSunbern  beftätigt  $<xt,  unb 
was  fo  siele  taufenb  gromme  mit  iljrem  231ut  unb  ^ekn 
serftegett  J>aben!  —  $üttt  tufy  alfo,  ij?r  a)riftttd)en  ©eelen, 
sor  biefer  fa)äblia)en  £e|>re,  bie  aus  ber  £ötle  ftammt  unb 
bis  j(e§t  fo  siele  $öpfe  unb  £er$en  eingenommen  l?at*  $er* 
wahret  eua)  täglid;  mit  ©eoet  unb  hütet  ©Ott,  bag  er 
fola)e  gottlofe  ©ebanfen  nia)t  in  euren  $er$cn  2Bur$el  faffen 
laffe»  Reibet  bie  ©efellfa)aft  biefer  £eute,  benn  fte  gleichen 
tollen  §unben,  bereit  33if?  nia)t  allein,  fonbern  beren  £>bem  unb 
©peidjel  fogar  giftig  ift.  33ewa|)ret  euer  £eq  mit  allem  gleig 
unb  laffet  bie  ^äftequngen  ferne  son  eua)  femt;  lajfet  eure 
51ugen  gerabe  sor  eua)  feljen  unb  wanfet  weber  $ur  dtefyten 
noa)  sur  Miniem  ©e£et  ber  i-üge  beS  Teufels  bie  3öajr^eit 
©otteS  entgegen,  unb  Jjaltet  eS  für  6atanS*@timme,  wenn 
man  fragt:  3ft  es  aua)  waf>r,  bag  ®olt2)iefeS  ober3eneS 
geoffenbart  l?at;  ift  eS  waf)r,  bag  bk  @eele  unfterbtiä)  ift, 
bag  eS  ein  jungfteS  @eria)t,  eine  £ötle  unb  einen  Fimmel 
gtebt?  ©o  jjat  ber  Teufel  son  jefier  gefproa)en,  fo  fpria)t 
er  noa),  3uerft  l?at  er  fta)  in  einer  @a)lange  serborgen,  je£t 
wofmt  er  in  ben  ^er^en  ber  ©ottcSläugner,  wela)e  manchmal 
polje,  weife  unb  groge  Banner  sor  ber  Söelt  fmk  (£r  bietet 
fein  ©ift  ben  (Einfältigen  bar,  niä)t  «t  irbenen,  fa)mu£igen 
£öpfen,  fonbern  in  golbenen33e$erm  Raffet  eua)  bieg  nia)t  irren 
unb  blenben,  laffet  eua)  bie  Stenge  ber  ©pötter  son  ber  lnmm* 
lifa)en  äBaprljeit  nia)t  abbringen*  Seil  je£t  fo  Sßiele  auS  biefem 
©iftbea)er  trinfen  unb  aus  (£prifti  Nachfolgern  feine  ©pötter 
werben,  fo  wijfet,  bag  dx  aua)  eua)  frage:  wollt  ij?r  mia)  aua) 
serlaffen,  wollt  i(;r  aua)  weggeben?  —  antwortet  bann  mit 


27 


greubigfett :   „£err,  wopin  follten  wir  gepen?  2)u 
paß:  SßSorte  be$  ewigen  £eben£  unb  wir  paben  e£ 
erfannt  unb  geglaubt,  baß  £)u  bift  GpriftuS,  ber 
(Sopn  beS  lebenbigen  ©otteS;"  —  ©epet!   2luf  ber 
einen  ©eite  j*ept3efu$,  bie  ewige  Saprpeit  unb  alle  peiligen 
Männer  ©otteS,   alle  feine  23fut$eugen  unb  33efemter,  alle 
gottfcligen,  frommen  ^er^en,  aus  beren  ^eben  unb  £puu 
man  beutlicp  ernennen  fann,  bag  ©otteS  ©eift  in  ipnen  wohnet, 
unb  3eugen,  baff  bie  ©eele  unfterbltcp,  baff  aller  Seit  ©cpci£c 
gegen  fte  für  ntcptS  31t  achten,   baß  tpr  Verlujt  mit  niepts 
in  ber  2öelt  3U  vergleichen  fep.     2luf  ber  anbern  Seite 
tji   ber    Sater    ber   £ügen    unb    eine    $?enge    gottlofer, 
fleifcplia)  gefmnter,  ungereepter  £eute,  beren  ©Ott  ber  5Cftam= 
mon  ift,  unb  bie  tpr  ©ewiffen  mit  vielen  ©ünben  beflecft 
paben  unb  fpreepen:  £)ie  ©eele  ift  blo£  tin  £aucp,  wel* 
eper  mit  bem  $äh  entßept  unb   vergebt,    mau  muj?  alfo 
biefc$  £eben  gebrauchen  unb  in  ben  irbifd)en  fingen  fein 
Vergnügen  fuepen,  weil  fonft  nicptS  3U  poffen  ift  —  2öem 
wollet  ipr,  nun   glauben ,   mit  welcher  Partei  e$  palten  ? 
£>pne  3weifel  werbet  ffcc  auf  bie  <Sette  be$  £erm  3efu 
treten,   in  beffen  2D?unb  nie  ein  betrug  gefunben  worben 
tji  —  3efuö  ermahnt  un$  3U  einem  peiligen  unb  gottfeligen 
&Un,  unb  leprt  uns  einen  reeptfepaffenen  Söanbel  führen, 
baß  wir  ©Ott  Wohlgefallen,   £>er  ©atan  aber  verleitet  un$ 
3ur  Ungerecptigf  eit  unb  $ur  ©ünbe,  unb  fiepet  nicpt$  lieber, 
als  baß  ber  Teufel;  bem  Spiere  gleicl;  werbe  unb  fiep  burcp 
©cpanbtpaten  unb  £after  verberbe,    3efu^  treibt  un$  jur 
©anftmuip,   greunblicpfeit ,   2)emutp ,   ^eufeppeit,   TOlbe, 
©ereeptigfeit  unb  Saptpeit;  ber  ©atan  aber  3ur  Unbarm* 
peqigleit,  ©raufamleit,  geinbfeligfeit,  3um  £ocpmutp,  3ur 
Unfeufcppeit,  3um  ©ei$  unb  3ur  Ungerecptigfeit,  tok  man 
bk$  täglicp  fepen  fann*    Söelcper  Vernünftige  aber  wollte 
bas  £e#te  erwäplen  unb  bie  £ugenben  fapren  laffen,  bie  er 
in  ber  ©cpule  feinet  £etlanbe3  lernt?  —  3u  allen  Seiten 
aber  pat  man  gefunben,  bajü  5^iemanb  bie  Unfterblicpfeit  ber 
,  ©celc  unb  ba$  jungte  ©et'icpt  läugnet,  al6  berjienige,  bem 
tmit  gebleut  ift   £>cnu  bie  ©ottlofen,  welcpe  geinbe  ©otte£ 


28 


ftnb,  wetten  freilief;,  bag  Fem  ©ott  wäre,  unb  weil  fte  tl?re 
<Seele  bem  ©atan  übergeben  jwben,  fo  wünfdjen  fte,  baß 
fte  vergängliä)  fe^,  unb  wa$  fte  wünfa)en,  bag  glauben  fte 
gerne,  —  £)ad)  fann  man  an  ijmen  bemerken,  baß  fte  nttt)t 
m  ber  £f)at  glauben  tonnen,  wa$  fte  gerne  glauben  möchten. 
Denn,  ob  fte  gtetdj  barauf  au^gefjen,  bag  fte  alle  gurd;t 
vor  @ott,  alle  ©ebanfen  von  bem  2Seltgeria)t  unb  von  ber 
Unfterbltd;Feit,  von  £immel  unb  £ölle  gan$  aus  tfjrer  ©eele 
vertilgen  unb  wegraffen  wollen,  fo  fönnen  fte  e3  boct)  nia)i 
bafnn  bringen.  £)af>er  reben  fte  fo  gerne  mit  Slnbern  bar* 
über,  behaupten  unb  vertfjeibigen  i^re  Meinung,  weil  fte 
jtcf;  felbft  nid;t  trauen  unb  boa)  wegen  ber  ewigen  Vorwürfe 
t£re$  ©ewiffeng  burdj  ben  33eifatt  Hnberer  ^u  einer  (Smiffitit 
kommen  möchten.  Sßenn  e$  übrigen^  fold;e  geben  würbe, 
bie  in  tprer  Meinung  gan$  fefl  geworben  ftnb  unb  ftd)  ber 
©ewifjljeil  rühmen  wollten,  fo  if*  bieg  nia)t$  anberS,  aU 
eine  2Bir!ung  beS  £eufel$,  ber  fte  in  ifjrer  23o3f>etl  pärft 
unb  fte  gleid)fam  fd)lafenb  ^ur  £ölle  führen  will.  —  Solche 
mug  man  $war  etlid)emal  warnen  unb  ermahnen,  bann 
aber  fliegen  unb  meiben,  wk  3efu6  fagt:  „SBerfet  eure 
perlen  nia)t  vor  bie  ©d)Weine  unb  ba$  £eiligtfntm  nia)t 
vor  bie  £unbe,  tyx  fd;abet  baburd;  ber  guten  ©aa)e  nur 
um  fo  mepr,  unb  gebet  9?aum  bem  £äfterer,"  2Seil  fte  be3 
£errn  2Öort  verwerfen,  fo  bürfen  wir  Uinc  ©emeinfa)aft 
mit  ipnen  pabem  —  (£e  tft  $war  löblia),  bajü  manche  ©elefjrtc 
mit  allerlei  vernünftigen  ©rünben  Jene  gottlofen  9ERenfd;en 
auf  ben  2öeg  ber  2Sa^r^eit  jurüd^ubringen  fudjen;  aber  e$ 
bürfte  nod)  beffer  fet;n,  wenn  man  ijmen  mit  jenem  frommen 
Wlann  auf  ber  $ird)enverfammlung  $u  9facäa,  mit  @ifer  unb 
greubigfeit  be$  ©elftes  ba$  fd)litt)te  33efenntni£  au$  ©ottetf 
28ort  entgegen  geltet  ,,3d)  glaube  von  ^er^en,  bafj  ber 
ewige,  peilige  unb  gered;te  ©Ott  thun  £ag  gefegt  £at, 
an  wettern  er  richten  will  ben  $rei£  be3  (Erbbo* 
benS  bura)  einen  9ftann,  in  welchem  er'3  befdjlof* 
fen  \)at  3a)  glaube,  bag  3efu3  ßjmftuä  wieberfommen 
wirb  vom  Fimmel,  $u  ria)ten  bie  £ebenbigen  unb  bie  lobten ; 
id)  glaube,  bafj  bie  ©eele  unfterblia)  ift  unb  nad)  bem  £obe 


29 


fortlebt;  ia)  glaube  eine  Sluferftepung  be£  gteifa)eS  unb  ein 
ewiges  Seben,  unb  bieg  glauben  mit  mir  alle  $inber  ©otteä 
unb  freuen  fta)  beffen,  bie  teufet  aber  unb  ipre  ©enoffen 
gittern  batton  2Ber  tiefen  ©lauben  *>erlaa)t,  ben  laffe  man 
einen  ©pötter  fep  unb  Meißen,  U$  er  bajnn  gelangt,  ba 
er  erfahren  wirb,  wa$  er  nia)t  glauben  wollte*  —  Unb  fo 
tft  es  biefen  aua)  am  tiebften,  fte  motten  gemeiniglia)  unbe* 
läftigt  auf  bem  breiten  2öege  fortgeben  unb  laffen  fta)  nia)t 
gerne  einrebetu  (£t'nft  lam  tin  SDfthta)  $u  bem  $abft  $aut  III., 
um  ijm  auf  feinem  Iranfenbette  $u  tröften  unb  i^rfc-  auf  bie 
Hoffnung  eineö  befferen  £eben$  Jun^uweifen.  %U  ber  $abjt 
fragte:  gibt  e£  benn  wopl  aua)  ein  fota)e3,  antwortete  3ener 
in  aller  Sßefdjeibenljeit :  ba£  werbe  er  wopl  am  beften 
wiffen,  —  unb  fuf>r  in  feinem  3ufynta)e  fort  Der  tranfe 
aber  würbe  ^ornig  unb  fagte :  Wlafy  mir  ben  Jlopf  mit  fol* 
a)em  ©efa)wä£  nid)t  irre,  ia)  werbe  e3  balb  erfahren.  — 
Dod)  genug  pieson;  id)  will  lieber  nod)  einen  Einwurf 
beantworten,  ber  mir  einmal  »Ott  einer  einfältigen  ^erfon, 
gemaa)t  würbe*  —  Senn  man  bei  ©terbenben  ijt,  fagte 
fte:  fo  ftept  man  nia)t3,  wenn  bie  ©eete  weggebt,  unb  e£ 
fa)eint,  aU  fe^>  mit  bem  legten  £>bem  Me3  au£+  —  Der 
£)bem,  lieber  (Sprift,  ift  nta)t  bie  ©eete,  fonbern  blo£  eine 
Söirfung  berfetben,  ber  fe£te  Dbem  oerfa)winbet  in  ber 
£uft,  bie  ©eete  aber  gept  mit  bem  testen  ©eufeer  $u  bem, 
ber  fte  gegeben  |mt,  fte  ift  ein  ©eift,  beffen  Seggepen  man 
mit  leiblichen  klugen  nia)t  fetjen  fann*  Die  ©eete  wirb 
überhaupt  nur  aug  ipren  Sirlungen  erfanntunb  nid;t  gefepen, 
baper  ber  ©a)fufi  faffa)  ijt:  ia)  fepe  bie  ©eete  nia)t;  alfo 
iß  fte  aua)  nia)t  SSenn  man  ein  gtäfa)a)en  mit  9tofen* 
waffer  öffnet,  fo  fiept  man  nia)t£  perau£gej?en,  unb  boa) 
$eugt  bertiebtia)e@erua),  ben  wir  empftnben,  bafjefne  große 
$raft  baraug  fomme*  Söenn  ber  Magnet  ba3  @ifen  an^iept, 
ober  in  Bewegung  fe£t,  fo  fepcn  unfere  Slugen  bie  Äraft 
nia)t,  ^k  fofd)e3  tjutt,  aber  fte  fepen  ipre  Sirfung,  — 
fo  ijt  e£  .and)  hü  ber  ©eete*  —  dbm  fo  fatfd;  ijt  aua)  ber 
©a)tufi:  Die  ©eete  ift  $om  Körper  gefa)teben;  barum  *>er* 
fa)winbet  fte,    (£$  fann  ja  bura)  bie  ©a)eibefunft  bie  $raft 


30 


eines  Krautes  —  alfo  gleia)fam  beffen  ©eele  —  fo  abge* 
fonbert  werben,  bag  nur  2lfa)e  unb  $otfj  aurücfbleibt,  bie 
ßraft  aber  in  bie  $>öpe  jieigt  unb  in  einem  befonbern  ©efcife 
aufgefangen  wirb»  Söarum  fotttc  nun  ©ott  nia)t  aua)  bie 
©eele  vom  ?eibe  abfonbern,  tiefen  in  ©taub  unb  2Ifa)e 
verwanbeln,  ben  ©eift  aber  in  feiner  £anb  bewahren  formen? 
Raffet  unS  aber  nun  fet)en,  was  wir  au$  beut  23iöt)e* 
rigen  lernen  fönnen.  —  SÖe'mt  bie  ©eele  mit  beut  £eibc 
fterben  würbe,  fo  Imtten  bie  wojtf  ben  beften  £i)etT  erwägt, 
Ut  biefeS  £eben  naa)  ^er^ensluft  gebrauchen,  unb  mit  bem 
reichen  SPcamt  alle  £age  t)errlia)  unb  in  greuben  leben,  xi>k 
bie  ©pötter  fagen:  laffet  uns  effen  unb  trinfen;  benn  morgen 
imb  wir  tobt  2Bo$u  fo  viel  Wlüpt  unb  ©orge  für  eine 
©act)e,  bie  mt  ein  ©chatten  verfa)winbet  ?  Seil  aber  hk 
©eele  naa)  bem  £obe  in  bie  (£wigfeit  verfemt  wirb,  um 
tt)ren  £ot)n  $u  empfangen,  je  nad;bem  fte  gei)anbelt  pat  M 
£etbeSleben,  weil  fte  eine  fct)were  ^ectjenfcijaft  abzulegen  t)at 
vor  ©ott  über  t>k  21nwenbung  t^rer  Stil,  fo  tjt  eS  fe^r  $u 
bellagen,  bag  bie  $?enfct)en  fo  leict)tftnmg  bamtt  »erfahren, 
unb  um  einer  vergänglichen  £uft  willen  fta)  in  ewige  Unlujt 
pqem  —  23ebenfet  alfo  ben  unwieberbringlia)en  (Begaben, 
welchen  ba$  gottlofe  SSefen  mit  ftet)  bringt.  23eflecft  fta)  bie 
©eele  mit  mutwilligen  ©ünben  unb  verwidelt  fta)  in  t>m 
©triefen  beS  ©atcmS,  fo  muf?  fte  einft  ewig  feine  ©f lavin 
bleiben*  £>ort  aber  wirb  er  it)r  nia)t  met)r  fa)meia)eln  mt 
in  biefem  %ehm,  fonbern  fte  immerbar  quälen  unb  peinigen. 
2>er  ©atan  ift  einem  Sßolfe  gleia),  ber  ein  geraubtes  £amm 
unbefa)äbigt  trägt,  fo  lange- ber  £irte  tfnn  nacheilt;  wenn 
er  eS  aber  in  htn  Sßalb  gebrad)t  t)at  unb  ungeftört  tft,  fo 
erwürgt  unb  ver^ret  er  baffelbe.  £>ie  Dual  einer  ver* 
bammten  ©eele  wirb  alfo  unenblia)  unb  ewig  fepn.  —  tommt 
ber  SCtfenfd)  aua)  in  ©flaveret  unb  ftefjt  fta)  aller  Hoffnung 
beraubt,  frei  $u  werben,  fo  ift  eS  boa)  ber  £ob,  ber  tt)n 
aua)  von  bem  graufamj^en  £errn  frei  maa)t;  bamit  aber 
fann  fta)  bie  ©eele  nia)t  trögen  in  ber  £ötle.  ©ie  wirb 
3war  au  fterben  wünfd)en,  wirb  mit  beulen  unb  2Bet)f lagen 
hitttn:  tyx  33erge  fallet  über  mia),  tpr  £ügel  beefet  mia); 


31 


fte  wirb  verlangen,  bafs  ba£9fteer  fte  verfdjlinge,  ba£geuev 
fte  ver^re,  bag  ©otteS  2ll(mad)t  fte  vertilge;  aber  äffe* 
umfonft,  'fte  wirb  im  £obe  leben  muffen,  i£r  3öurm  wirb 
nid)t  jterben  mtb  ipr  geuer  Wirb  nia)t  verlören,  —  X)ie 
©efd;td)te  liefert  fa)redlio)e  23eif»iele  von  ber  ©raufamfett 
ber  Timmen  gegen  einanber;  aber  wag  ift  baS  gegen  bie 
ewige  $ein?  £)er  Zoi>  ober  eine  anbere  günftige  ©dridung 
©otteö  maa)t  ber  großen  Dual  oft  fdjnell  ein  (ünibe,  —  din 
Kaufmann  31t  2ftailanb  geriet!?  einft  mit  einem  vornehmen 
ÜÄann  in  geinbfa)aft  ÜU  er  auf  ber  Steife  war,  wnrbe 
er  aufgefangen  unb  auf  ba$  @a)log  feinet  geinbeg  gebracht; 
fein  5)ferb  aber  lieg  man  mit  23lut  befpri^t  laufen,  um  bie 
$tutc  glauben  ^u  maa)en,  bag  er  ermorbet  worben  fep*  2)er 
<5ä)logbeft£er  begehrte  tjm  nia)t  ^u  tobten,  fonbern  tfm  in 
einem  fola)en  £eben  gü  laffen,  welä)eS  arger  wäre,  al$  ber 
£ob,  dx  lieg  ijm  begpalb  in  ein  Keines,  ftnftereö  ©efängnig 
bringen  unb  t£m  täglia)  partes  33rob  unb  ftinfenbeS  SBaffer 
reia)em  3n  biefem  fa)aub  ervollen  3uflanb  mußte  ber  $auf* 
mann  19  3a|>rc  lang  zubringen,  fajj  Weber  <3onne  noa) 
9ftonb  unb  fonnte  feine  Kleiber  nia)t  wea)felm  28ie  viel 
taufenbmal  mag  er  fta)  ben  £ob  gewünfa)t  paben,  U$  i£mt 
enblia)  bie  gnetbige  6d;idung  ©otteS  unvermutet  bte  gret- 
£ett  wieber  gab*  <&tin  Reiniger  fiarb  unt>  als  beffett  ©ofm 
an  bem  ©a)loffe  ctn>a$  änbern  lieg,  würbe  ber  2lufent(mlt 
beg  (befangenen  entbedt,  unb  fein  langwieriges  (Jlenb  geen^ 
bigt.  —  @o  lefen  wir  von  Slnbern,  bag  fte  um  beS  ©lau* 
benS  willen  auf  bie  fd)redlia)fte  Söeife  gemartert  würben, 
bi$  enblia;  ber  Stob  ij?rem  3ammer  ein  (£nbe  maa)te;  aber 
bie  verbammte  <5eele  wirb  aus  ij;rer  tyän  in  (£\vi$kit 
nia)t  entrinnen, 

.©0  lang  ein  @ott  im  Fimmel  lebt,  Unb  über  olle  ©tnge  fa)weM, 
Strb  fold)e  harter  währen;  <£$  wirb  fte  plaQtxt  MW  nnb  £i$, 
Sfogjt,  £rübfat,  ©a)recfen,  ften'r  unb  ©lif,  Unb  fte  bo#  niebt 
»erfreu;  ©cum  wirb  ft#  enben  ü)re  $ein,  Sßemi  ©Ott  xiityt 
meljr  wirb  ewig  fepn. 

O  mt  fläglia)  ift   eS,   wenn   ün  SÖtatfa)  lange  im 
£obeSfampf  liegt  unb  Weber. leben  noa)  jterben  fann;  mt 


32 


.pflegt  ev  felbfl  unb  feine  grcunbe  mit  i£m  ju  freie»,  baß 
®ott  feine  $ein  abtuqen  unb  bura)  ein  feligeg  (£nbe  <wn 
alter  Sfagfl  befreien  möge,  SÖie  lange  bünfet  ben  Sterbenben 
eine  yiaityt,  wie  ängftlid)  ^äplen  fle  bie  Stunben,  in  wela)en 
tönen,  wenn  fte  aua)  noa)  fo  fa)mer$lia)  ftnb,  boa)  ber  £rofl 
bleibt,  baß  fle  niö)t  ewig  wahren*  Sie  fa)redtia)  aber  ifl  es, 
von  ©otte3$ngefta)t  verflogen,  von  ber  @efellfa)aft  ber  Grngel 
unb  aller  Seligen  au£gefa)toffen,  ofme  allen  £rofl  unb  Hoff- 
nung unter  ben  Skrbammten  leben  31t  muffen  in  ewiger 
Dual  unb  $ein!  2öen  i>k$  nia)t  rüjjrt,  beffen  Her^  muß 
verwartet  fep*'  £)arum  fage  ia)  x>cn  ©runb  meiner  Seele: 
Herr  3^fu,  mein  (£rlöfer,  fyut  mit  mir,  wa$  £)ir  wobl* 
gefällt,  laß  mia)  in1 3  (£lenb  geraden,  lag  mia)  arm  werben, 
laß  eine  fa)mer$tta)c  £ranfji>  eit  mia)  plagen  mein  £ebentang, 
laß  mia)  gefa)mäf)t,  befa)impft,  veraa)tet  unb  geläftert  wer* 
ben,  laß  mia)  beS  (Satans  (£ngel  mit  gäuften  fa)lagen,  laß 
mia)  von  witben  Spieren  griffen,  ober  von  graufamen 
3}?enfa)en  unter  entfe§lia)en  Martern  l?mgeria)tet,  laß  meinen 
Mh  31t  21fd)e  verbrannt  werben,  ober  verfüge  fonft  über 
mia),  wa3  £)u  willfl;  nur  laß  meine  arme  Seele  nia)t  ver* 
leren  gepen,  laß  mia)  von  deinem  ^eiligen  2Ingefta)t  nta)t 
verftoßen  werben,  9ttaa)1$  wunberbar,  nur  feliglia)!  Keffer 
nie  geboren,  aU  ewig  verloren.  Keffer  bura)  viel  £rübfal 
in1 3  dläd)  ©otte3  eingeben,  äi$  bura)  viel  greube  unb  jett- 
lia)e$  ©lud  in  bie  Helle  rennen.  3d>  frage  naa)  Willem 
ma)t£,  ia)  aa)te  Sitten  für  $otf),  nur  baß  ia)  ^eil  an  bem 
Herrn  3efu  unb  feinem  9?eia)e  paben  unb  meine  Seele 
erretten  möge.  —  £iefe  ©eftnnung  wünfa)e  ia)  aua)  Hden, 
t>k  bieß  lefen.  2ld),  liebe  (^riften,  tfmt,  was  tpr  möget; 
aber  bebenlet  eS  woj?l  unb  rettet  eure  (Seele!  — 

din  gottfe liger  2D?ann  maa)te  einfl  ben  $orfa)lag,  ber  mir 
fe^r  gefiel,  baß  man  alle  £age  ftd)  einen  £>entTprua)  wallen 
unb  benfelben  vorlügen  fwben  folle,  3. 2*.  „G>£riflu3  £a*| 
mia)  geliebt  unb  fia)  felbfl  für  mia)  gegeben."  — , 
„&fmflu6  meine  (?ie^e  ifl  gefreu^igt."  —  „2)u| 
mußt  flerben."  —  „£)em  $cenfa)en  ifl  gefegt,  ein 
mal  s«   flerben,  barnaa)   aber  baS   ©cua)t."  — I 


33 


„Die  ©ottlofen  werben  gepen  in  tue  ewige  ^ein, 
aber  bie  ©ered)ten  in  ba3  ewige  £eben."  — 
„SÖtffe,  baß  btd)  ®ott  um  bieg  2Ille$  wirb  *>or 
@eria)t  führen/'  —  „Sa^  Enbe  fommt,  eS  lommt 
ba£  Enbe*"  —  „Du  £l)or,  biefe  %lad)t  wirb  man 
beine  ©eele  x>on  bir  nehmen,  unb  weffen  wirb 
fe^n,  baS  bu  gefammelt  jjaji?"  &  je.  —  £)  gewiß 
ein  guter  Vorfd;lag !  %d)  baß  er  $on  un£  Sitten  angeuom* 
meri  unb  befolgt  würbe!  £>  baß  id)  bod)  alle  eure  Spüren, 
Sänbe,  genfter,  £iftt)e  mit  ctj?nlid)en  Erinnerungen  über* 
fa)retben,  ja  baß  id;  fte  tief  in  eure  #er$eu  Stäben  fönnte! 
Sollte  ©ctt,  baß  alle  ©teine  unb  halfen  reben  unb  un$ 
ojjne  Unterlaß  zurufen  tonnten:  $ier  ^titlid) ,  bort 
ewig,  barnad)  rid)te  Dia)*  —  Sem  alfo  feine  ©eele 
lieb  unb  wem  e3  um  t>k  ©eligfett  ^u  tyun  ift,  ber  wirb 
fot$e  Erinnerungen  überall  fuc^en,  finben  unb  in  21$  t  ne^ 
men,  unb  wirb  um  eitler  fünblid;er  Vergnügungen  willen 
feine  eble  ©eele  unb  bereu  ewiges  £eil  nityi  »erf$er$en. 
Die  Seit  Witt  \mß  tintn  ©tropljalm  für  eine  golbene 
®ttttf  einen  Dfcdjenpfennig  für  ein  ©olbftücf ,  tin  ©tücf  ©las 
für  einen  Diamant,  —  fte  hkttt  uns  hk  Eitelfeit  für  tk 
Ewigfeit,  unb  wir  wollten  unfere  unterbliebe  ©eele  für  ijnre 
unfmnigen  ©ajeqe  unb  f$einbaren  Ergö#lia)feiten  Eingeben? 
Sdren  wir  nia)t  bie  größten  £f?oren,  wenn  wir  barein 
willigten?  —  Doa)  leiber  finben  fia)  nur  all^u  Viele,  bie 
fia)  biefen  £aufd)  gefallen  lajfen*  3$  entfette  midj  über  hk 
9?ad;rid)t,  t>a^  früher  ein  Sauberer  nad)  Venebig  gefommen 
fe^,  welker  ben  ©aleeren=<5ffatten  ipre  Seelen  mitbem  Ver= 
fpredjen,  iijnen  bie  greij)eit  ^u  serfdjaffen,  abfaufte*  Er 
gab  3ebem  für  feine  ©eele  10  Dufaten,  worüber  fte  ijmt 
einen  @d;ein,  mit  ij?rem  23lut  unterfa) rieben,  anbellen  unb 
barin  biefelbe  i£m  unb  bem  ©atan  £erfa)reiben  mußten* 
©obalb  biefer  fc^recftidje  $auf  abgesoffen  war,  berührte 
er  fte  mit  einem  gewiffen  ©ift,  baß  fte  pUlß$  jforben*  Qk$ 
unb  2lnbere$  fann  man  freiließ  nid;t  o{me  ©djauber  lefen, 
muß  ftd;  aber  l)txi\iti)  barüber  betrüben,  baß  %klc  baS,  m$ 
3ene  öffentlich  traten,    Immltd;  tfmn  unb  um  ber  Seit* 

<2cri\>er'$  6<?efmfd)a$.  3 


34 


Inft,  um  (Epre  vmb  seitlichen  ©ewinnS  willen  ü)xe  Seele  ber 
ewigen  $erbammmg  übergeben*  —  9limm  h>k$  $u  ^er^en, 
o  (Eprift,  unb  prüfe  bt$  wopf,  wie  im  bisher  beute  Seele 
geachtet  paft?  Sep  nia;t  fidjer  Bei  einer  fo  wichtigen  <Sac^e* 
23erfcpiebe  beute  23uße  ntc^t  von  einem  Sage  gum  anbem, 
eile  £U  ©Ott  unb  feinem  ©nabenfa)oof?,  eile  ^u  ben  Sßunbeu 
3efu  dpriftt,  welche  bir  \e%t  nod)  offen  ftepem  «Später 
möchte  viclleid;t  fein  SSieberfepren  fe$n;  e3  fann  gefa)wütb 
fommen,  baß  ba^  geitfid;e  £ad)en  in  ewiges  Söeinen,  bie 
greube  in  %ek,  hie  vergängliche  £ufi  in  ewige  Unluft  ver< 
feprt  wirb.  ge$t  ^etßt  eS  ki  $?ana;en:  fein  luftig  unb 
tieberlid);  balb  möchte  e3  feigen:  aa),  ad),  welj,  wcf> 
meiner  armen  Seele  in  (Ewigfeit!  3ft  aber  hie  (Beck 
einmal  verloren,  fo  ift  fte  ewig  verloren,  wie  ber  (Erföfer 
fagt:  „2SaS  fann  ber  9ttenfd;  geben,  '\eine  Seele 
wieber  jit  lofen?"  Silber  unb  ©olb  mag  fte  nid; t  erretten 
am  Sage  beS  3oxn#,  au$  ber  £ö(le  ift  feine  (Erlöfurtg*  — 
2Ber  von  einem  £fmrm  herabfallt,  ber  pat  nia)t3,  woran 
er  ftd)  palten  fann,  er  fällt  fort,  bis  er  bte  (Erbe  erreicht 
unb  3erfa)mettert ;  alfo  ift  eS  mit  bem,  ber  in  feinen  Sün* 
hen  ftirbt  unb  aus  ber  Seit  in  hie  (Ewigfeit  fällt,  ha  iß 
fein  51uf galten,  feine  £ülfe,  fein  Mittel,  U$  er  bie  £ölle 
erreicht*  2Öer  eine  ^eife  maa)t  unb  etxoaö  vergeben  \)at, 
ober  wem  auf  bem  SBege  etxoaö  SöibrigeS  begegnet,  ber 
fann  umfepren,  aua)  wenn  er  nod;  fo  mit  gegangen  ift; 
aber  hie  «Seele  fann  nid)t  ^urücf,  wenn  hie  von  ©Ott  beftünmte 
Seit  ba  ift,  unb  wenn  fte  aud;  hie  £ölle  vor  ftd;  fiept, 
hie  ©naben^eit  ift  au$ ,  e3  $ä$tx  fort,  fort  bu  Un* 
glücffelige,  naa)  was  bu  gerungen,  ha$  ift  bir 
gelungen  ic.  :c+ 

So  ernft  unb  ergreifenb  aber  hie  £epre  von  ber  Unjterb* 
lid)feit  ber  «Seele  ift,  fo  tröftlid;  ift  fte  ana)  für  uns*  Sie 
$eigt  un#  ©otteS  unbegreifliche  ©üte,  ber  uns  3U  ©efäfen 
feiner  ewigen  ^Barmpeqigfeit  hexeitet  §at  (Er  iß  $war  ber 
allein  feiige  unb  gewaltige  ©ott,  ber  Unfterbltd;feit  fyat,  ber 
ba  wofmet  in  einem  £ia)t,  ba^u  9ciemanb  fommen  fann; 
bod>  wollte  er   aud)  unfern  Seelen  hie  Unfterblid;feit  au$ 


35 


(Knaben  geben  unb  fte  £peil  nehmen  laffen  an  feiner  ewigen 
S?cxxttd)hit,  tt)ie  bie  Schrift  fagt;  ,,©ott  Jjat  un£  nidjt 
^efe|t  $um3orn,  fonbern  bie  (Scttgf ctt  gu  befi#en 
|Rtr$  unfern  £errn  Sefunt  ßprijtunu"  <So  pat  nun 
fuerjt  unfere  (Seele  unb  Ijernacf)  ber  wieber  erweefte,  ver* 
Karte  ?eib  ein  ewtcje^  £eben  Bei  ©Ott  $u  hoffen,  unb  btefr 
maß  Innreren,  um  bie  23itterfeit  biefee  £eben$  ^u  verfügen* 
„Unfere  £rübfal,  bie  jeitltc^  unb  Ket^t  tft,  fä)af* 
fet  eine  ewige  unb  über  alle  Wlaa$  wichtige  £err* 
lia)!eit  uns,  bie  wir  nid)t  fefmt  auf ba$  Sichtbare, 
fonbern  auf  bag  Unficf)tbare;  benn  wa$  fic^tbar 
tft,  ba$  tjt  geitltd),  wa3  aber  unfidjtbar  i ft r  ba$ 
ift  ewig/'  Püffen  wir  gtetc^  manchmal  flagen  mit  £iob: 
„3$  will  reben  von  ber  2lngjt  meines  ^er^entf;" 
mit  ©avtb:  „9ttetn  ©ott!  ^^txüht  tft  meine  Seele 
in  mir;"  mit  3efu:  „Steine  Seele  ift  betrübt  bi$ 
in  ben  £ob;/y  fo  wrffen  wir  botf>,  baß  ©Ott  unfere  Seele 
vom  £obe  erretten  unb  unfere  otogen  von  Wn  £pränen 
befreien  wirb;  wir  wiffen,  baß  unfere  £rübfal  aufhören,  bie 
(Seele  aber  mit  einem  unvergänglichen,  unbeflecften  unb  unver* 
welfli^en  @rbe  im  £immel  beglücft  werben  folL  ©ort  wirb 
fte  leben  unb  tpren  <Sä)öpfer  lieben  unb  loben  in  (ürwigfeit 
©ott  fep  gebanft,  ber  au$  lauter  ©nabe  unfere  Seele  ber 
Unfterblictyfeit  fetpig  gemalt  f>at,  3^tn  fep  (££re  unb  $rci3 
immer  unb  ewiglich  !    Slmen, 


©  x  i  t  t  e     SP  t?  c  fc  i  3  t* 

3Son   ber   Stürbe  ber  Seele  in  Slnfepung 
tf)rer   (ürrlöfung* 


S  i  n  g  a  n  g+ 
gm  Planten  3>efu,   Wmenl 

©er  £err  tft  retct).über  Sllle,  bie  3jjn  anrufen. 
—  ©a$  ®cUt  beS  ©laubigen  tjt  biömihn  fo  arm,  er  lann 
m  ben  größten  9?öt|>en  faum  etliche  Seufzer  hervorbringen, 

3  * 


36n 

t 


36 


unb  in  ber  #eqen3angjl  Blicft  ber  $cenfa)  Bios  auf  $u  feinem 
©Ott,  wk  ba3  $mb  in  feinem  Sammer  gu  feinem  23ater ; 
ber  £err  aBcr  geigt  fta)  bennoa)  reia)  üBer  3ltle,  bie  3P 
anrufen,  unb  tfmt  mef>r,  als  wir  Utkn  unb  »erffeljeiu 
Bitten  wir  nid)t;  benn  wir  »erfteben  n:a)t,  waö  un£  gut 
unb  ©ott  tjmt  mepr,  al£  wir  Bitten,  wie  man  an  ben  Keinen 
~^inbemftef)t,  bie  nid)t  wiffen,  xvk  unb  wa£  fte  Bitten  f offen, 
unb  boa)  tctglia)  bie  ©üte  ifjre£  @otte£  erfahren*  £>ft  »er* 
flehen  wir  e3  wopl  unb  Bitten  boa)  nia)t,  wie  man  an  un3 
Sitten  wahrnimmt,  hk  wir  un$  im  3«tlic^en  fo  »icl  gu 
tjnm  mad;en,  baj?  wir  baS  rea)te,  l?er$lia)e  ©eBet  barüBer 
»ergeffen  unb  meinen,  wir  Wolfen  Sltteä  mit  unfern  <Sor gen, 
mit  unf er em.  kaufen  unb  kennen  erlangen.  ©Ott  aBer  jjai 
mit  unferer  Sa)waa)l)eit  ©ebulb  unb  füjjrt  wiber  23ermu* 
tfym  Mt$  fo  wunberBar  unb  Ijerrlia)  f>inau£,  ba%  wir  feijen 
muffen,  (?r  jmBe  me|>r  getrau,  äl$  wir  geBeten  unb  »erftan* 
hm  I?aBen,  —  ©Ott  ift  reia),  entweber  für  un$  ober  für 
fia)  felBjh  gür  uns  jjat  (Er  »erfa)iebene  <Sa)ä£e  unb 
großen  $Rpi$tfvtäi*  Fimmel  unb  (£rbe  ift  fein,  mit  Willem, 
\x>a$  barin  ift;  barum  wirb  dx  aud)  feine  ^inber  »erforgen 
tonnen,  bie  3^n  um  ein  ©tücffein  23rob  Bitten*  Sir  bürfen 
beftyalB  nia)t  traurig  fe^n,  fonbern  unferem  reicBen  Sßater 
M  Fimmel  »ertrauen,  dx  wirb  un£  nid)t  »erlaffen,  noa) 
»erfdumen.  £)oa)  folten  wir  un3  genügen  laffen,  unb  mit 
ber  5Zu£tl)eilung  aufrieben  feipn;  benn  (£r  muß  mana)mal  feine 
IteBften  ^inber  in  ber  Söelt  fwrt  galten,  hamit  fte  nia)t  in 
ttefcpigfeit  geraden  unb  arm  werben  an  ber  ©eele*  —  gerner 
Ijat  ©Ott  aud)  geiftigen  9$eid)tf?um,  —  mana)erlei  ©aBen  unb 
©üter,  womit  (ix  bie  ©eele  Bereichert*  (£r  j)at  ©üte,  ©ebulb, 
£angmutl),  unb  ber  D^eidjtlutm  feiner  ©nabe  ift  üBerfa)wänglia)* 
23et  un3  ift  »tel  (Bünbe,  unb  Bei3j)m  »iet  SSergeBung,  oB  @r 
gleia)  täglia)  »iel  ©ünben  »ergieBt,  fo  wirb  boa)  ber  ©a)a£ 
feiner  ©nabe  nid)t  erfa)öfcft,  unb  (Er  wirb  beo  (ErBarmen^  nid)t 
mübe*  2öir  fmben©nabe,  fo  oft  wir  biefelBe  mit  Bußfertigem 
J^er^en  fua)en,  unb  aua)  Slnbern,  bie  naa)  un3  fommen  unb 
biefelBe  »erlangen,  wirb  e$  nia)t  baran  mangeln*  £>aln'n 
gehört  aud)  ber  unerforfa)lia)e  3teia)tJ)um  Gjmfti,  »on  welcfiem 


37 


95aufu$  fyrio)t:  3etttic^en  9?eia)tjwm  unb  trbifd;e  <3o)ä£e 
pat  Seftfö  nia)t  gebabt  unb  pat  fte  aua;  nia)t  begehrt; 
aber  (£r  ift  reia)  an  Siebe,  @üte,  §reunblia)f  eit  unb  Sanfte 
mut£,  reta)  an  ©erea)tigfeit,  Sßet^ßett  unb  £eifigfeit,  reta) 
an  gjriebe,  greube  unb  £roft  im  fettigen  ©eift,  reta)  an 
altertet  ©nabengaben,  bte  er  unter  feinen  Zeitigen  au$tytilt  — 
2lä),  £err  3efu,  lag  mia)  biefe3  beutet  9teia)tt)um3  aud) 
ilmttjaftig  fet;n  unb  Reiben,  fo  genüget  mir,  maä)e  'mta; 
reta)  an  ber  ©eele,  fo  l^abe  ta)  genug  jh'er,  unb  bort  ewigtia).  — 
(£nbtta)  bat  unfer  ©ott  aua)  l)immlifa)en  9?eia)tfjum.  „Sie 
gro£  ift  £)eine  ©üte,  bie  2)u  verborgen  Ijaft  beneu, 
t>ic  £)id)  füra)ten!  ©ie  werben  trunfen  von  ben 
reia)en  ©ütern  2)eine$  £>aufe3,  unb  £)u  tränfeft 
fie  mit  Sßoltuft,  wie  mit  einem  ©trom*"  <Sei)b 
geiroft,  tf>r  djmften!  ber  gan^e  £immel  ift  für  un$,  wir 
jjaben  nod)  nia)t,  \va$  wir  ermatten  fotlen,  wir  Jmben  aber 
ba3  9teä)t  unb  ben  3ugang  ^u  alten  @a)ä$en  unb  ©ettg^ 
feiten*  2£ir  ftnb  $inber  unb  (Erben  ©otte3,  Sterben  ber 
©etigfeit  unfern  (£rtöfer$  3efu  dfjrtffct:  bod)  fönnen  wir 
gu  bem  völligen  23eft'ö  fota)er  ©üter  nid)t  gelangen,  bis  auf 
bte  beftimmte,  3ett.  Raffet  un$  atfo  nia)t  fagen,  ba§  wir 
arm  feiert;  benn  wir  ftnb  reia)  in  ©ott,  unb  ber  Fimmel 
tft  unfeiv  —  ©o  ift  nun  ^war  ©Ott  reia),  boa)  für  un£, 
dx  felbft  mit  alter  fetner  ©nabe,  ©üte,  %kbt,  2ltfmaa)t, 
^Bet^pett,  ©erea)tigfeit  unb  <Setigfeit  gehört  un3  31t»  SÖorin 
beftejt  aber  fein  eigener  ^ceidjttntm,  t>m  Q£v  für  fta)  felbft 
l>at?  3a)  wügte  nia>3,  beffen  fta)  ©ott  rühmen  fotlte,  aU 
ber  ©eelen  ber  5Dcenfa)em  £)ie  5!)cenfa)en  galten  fta)  für 
reia),  wenn  fie  $tet  ©otb  unb  (Silber  j?abem  ©Ott  aber, 
wennGrr  x>id  ©eelen  pat,  bie  3fw  für  tjjren  ©Ott  ernennen 
unb  feine  ©üter  im  ©tauben  genießen.  Unb  wie  'ok  $ten= 
fa)en  fta)  naa)  irbifa)en  6a)ä£en  fernen  unb  fte  eifrig  hmap 
ren,  fo  fejutt  fta)  ©ott  naa)  ben  ©eelen,  (Er  fua)t  fte  mit 
eifriger  ZkU,  htwafyxt  fte  mit  Derber  £reue  unb  fa)ä#t 
fte  über  Sitten  Sa^rtia),  fein  9)cenfä)  in  ber  SDSctt  wirb 
um  ber  jeirtiä)ett  ©üter  willen  fo  m'el  ifmn,  als  ©ott  um 
ber  ©eeten  willen  getrau  l)at  unb  noa)  töut  (Er  ijat  feinen 


38 


@opn  in  bte  Seit  gefanbt,  nid;t  (Mb  ober  Silber  31t 
fammeln,  nia;t  ein  Jtönigreid;  einaunejjmen ,  fonbern  tte 
Günter  feiig  au  machen*  £)arum  fagte  SefwS:  „2)ie 
güdjfe  paben  ©ruben  unb  bte,  $ögel  unter  bem 
£tmmel  -iftejkr;  beS  2D?enfd)en  (5o£n  aber  bat 
nid)t,  wo  er  fein  £aupt  Einlegen  f  anm"  (£r  begehrte 
es  aud;  ni$t,  wenn  dv  aber  eine  (Seele  gewinnen  fonnte, 
fo  vergaß  <£r  @ffen  unb  £rinfen  barüber,  sergaf  fta)  felbft 
3ule|t  unb  gab  fein  tljeureS  23lut  ^um  £öfegelb  bajnn. 
2öie  poa)  iß  alfo  bie  @eele  ju  fragen !  Raffet  uns  bief? 
weiter  ausführen,  unb  @ott  Ijeilige  unb  fegne  unfere  23e* 
traa)tung  um  beS  £erm  3efu  Witten.    2lmen. 

2l6f>ant>f  ung* 

SOBill  man  ben  SBertl?  einer  ©aä)e  wiffen,  fo  mug  man 
unwiffenbe  unb  unerfahrene  &ulz  nta)t  barüber  fragen*  Gnn 
Ungeleljrter  weif?  ein  gutes  23ua)  nia)t  $u  fragen,  fo  wenig 
als  ber  gemeine  SSflann  über  Grbelfteine,  ber  33auer  über 
bie  tetft  urtpeilen  famt*  £>al?er  serfaufte  auä)  Jener  ©a)weiaer 
ben  t oftbaren  Diamant  beS  £er$ogS  $on  23urgunb,  ber  ^ 
ber  6a)laa)t  gefallen  war,  um  einen  ©ulben*  Söollen  wir 
alfo  wiffen,  was  bk  unfterblia)e  Seele  beS  9#enfd)en  wertf) 
fep,  fo  bürfen  wir  bie  ^inber  biefer  2öelt  nia)t  fragen,  fte 
wiffen  btefeS  JHeütob  ma)t  au  fd)ä^en,  fte  fennen  ftd;  felbft 
nidjt.  fSon  bem  £errn  Sefu  lagt  uns  lernen,  welcher  fagt, 
biefelbe  fep  meljr  wertj),  als  bie  gan^e  SSelt,  unb  es  fe# 
nidjtS  unter  ben  irbifa;en  fingen,  baS  ber  SERenfa)  als  ein 
2efegelb  für  fte  geben  fönne.  Raffet  uns  £ören,  was  ber 
ewige  ©o£n  ©otteS  um  ihretwillen  gerebet,  getrau  unb 
gelitten  $aU  @r  tarn  $om  Fimmel  auf  bie  (£rbe,  unb  £at 
jta)  in  unfer  (£lenb  perabgelaffen,  tt>k  wir  (tngen : 
<3c9  wtltfömm,  £)u  ebler  ©aft!  Seit  ©ünber  ntc^t  »erfcfjmäfjet  $aft; 
2)u  fommfi  m*$  <£tmt>  $er  31t  mir,     Sie  fotf  i($  immer  banfen  £)ir? 

£)  wela)*  jjopen  $reis  muß  alfo  im  Fimmel  W 
menfajlidje  ©eele  haben,  $>a  um  ihretwillen  3efuS  fta) 
fo  tief  erniebrigt  unb  in  baS  menfd)lid)e  (£lenb  £erabgelaffen 
j>ai!  2)er  ©o|m  ©otteS  j>at  tm  ?eib  ber  Sungfrau  md)t 


39 


x>cx\d)mäpt,  um  bie  «Seelen  ber  9)cenfa)eu  5U  fachen;  beim 
weil  fcaö  $erberben  ber  Seele  in  SDcutlerletb  angept,  fo  pat 
3efu$  aua)  bafelbft  ijjre  Reinigung  unb  tyx  £eil  $u  wtrfen 
anfangen  wollen*  @r  würbe  in  einem  Stalle,  ober  in  einer 
£o£Ie  geboren*  28a6  maü)te  aber  bieg  göttttc^e  $inb  in 
ber  fnftern  £öple?  (£6  fua)t  bie  (Seelen  ber  $cenfa)em 
SGßie  fa)ön  vergleicht  fta)  3efa3  felbjt  mit  einem  $ßäbt,  bie 
einen  ©rofä)en  verloren  jwt  nnb  benfelben  fua)t,  bi^  bap  fie  tyn 
(tnbet  SÖenn  man  etwa$  verloren  £ctf,  fo  mug  man  fta)  nia)t 
fa)ämen,  baffelbe  an  allen  Orten  ^n  fua)em  2ßenn  aber  an  einem 
£ofe  ma)t  blo3  bie  vorne|)mften  Siener,  fonbern  aua)  ber^önig^ 
fofm  felbft  etwa£  mit  großem  (Eifer  fua)en  würbe,  könnte  man 
nia)t  barau£  fa)liefien,  baf?  ein  foftbare^  Meinob  verloren  gegan* 
gen  femt  muffe?  golglia)  mügen  'ok  Seelen  ber  $0tafa)en fepr 
J)oä)  geachtet  fet;n,  ba  ber  $ömg  aller  Zottige  fta;  Ijerablieg, 
um  ft'e  ^u  fta)  ^u  rufen  nnb  felig  ju  maa)em  —  Saö 
SSort  warb  #letfa);  fagt  3ol?anne3,  _  ber  3ixn$ev  ber 
i'iebe*  Ser  ewige  Sojm  ©otte6  wollte  unter  'om  3Jienfa)cn 
eine  3tit  lang  wohnen,  mit  ifynm  reben  nnb  umgeben*  (£r 
glia),  ivk  er  felbft  in  einem  ©leia)ni§  anbeutet,  einem  £auf- 
mann,  ber  gute  perlen  fua)te,  unb  ba  er  eine  f oftbare  9j3erle 
fanb,  Me3  verfaufte,  wa3  er  fyatte,  unb.btefelbe  faufte. 
3efus  {>ielt  fta)  eine  Söeile  in  ber  argen  2Mt  auf,  unb  fein 
@efd;äft  war;  Seelen  ^u  gewinnen,  Ut  er  über  alle 
perlen  fä)ä#te,  fta)  aller  Singe  begab  unb  enblia)  fein  tl)äu 
re£  23lut  baran  gewagt  |>at+  dx,  ber  (£rlofer,  ift  unenblia) 
treuer  unb  wertl),  ba£  £ofegelb  ift  mit  nia)t$  in  ber  2öelt 
$u  vergleia)en,  folglia)  muß  aua)  ba£,  um  vqci$  e3  ju  ijntn 
war,  —  bie  menfa)lid)e  Seele,  im  £immel  f>od)  geaa)tet 
femu  —  Sa3  SBort  wo^uete  unter  un£,  hqkfyt  fta) 
aber  aua)  auf  bie  Stift^jmtte  be3  alten  geftament^  Sa 
©Ott  fein  SSoff ,  $>a$  (ix  fta)  ^um  Gjrigentljum  erwählt  ^atte, 
eljren  wollte,  fo  lieg  (£r  feine  2Bofmung  unter  bemfelben 
aufria)tem  Sarum  J?etgle3;  ,,3a)  will  meine  2Öofmung  unter 
eua)  jjaben,  unb  Steine  Seele  foll  eua)  nia)t  verwerfen,  ob 
ifjr  wo£l  ein  fünbigeä  33olf  fe^b,  unb  will  unter  eua)  wan* 
ijeln,  3$  Witt  mit  eua)  umgeben  wie  ein  vertrauter,  lieber 


40 


greunb,  will  um  unb  bei  ettd)  fet;n,  eufy  petzen,  fernen, 
leiten,  regieren  unb  bewahren;  will  euer  @ott  fc^n  unb  il;r 
fottt  mein  $olf  fepn»"  SllleS  bieg  aber  ift  nur  ein  Vorbilb 
auf  Glmftum  gewefen,  beffen  f> eiliger  Mh  ein  Tempel  war, 
barin  bie  gülle  ber  (Bctfyät  wofmte:  So  Ipat  nun  ©ott 
unter  ben  Slftenfajen  gewohnt,  liifyt  in  einer  vergängfia)cn 
glitte,  fonbern  in  feinem  gleifä)e,  unb  Ijat  fta;  mit  fielen 
Sßunbern  feiner  2t(tmaa)t,  SBeiSjjeit  unb  Siebe  ^errlia)  unter 
tj?nen  gezeigt,  bag  wir  SDtafcfjen  feine  größere  (£jjre  fytöm 
föunen,  aU  biefe,  unb  voll  Verwunberung  aufrufen:  „21a; 
£>err,  wag  ift  ber  SDfenfa),  bag  2)u  fein  fo  geben* 
feft,  tt)aö  be$  5D?enfa)en  $inb,  bag  Du  Dia;  feiner 
alfo  artnimm jt!"  —  (£$  war  bem  £erm3efu  wirfltd)  um 
bie  Seelen  ber  9ftenfd;en3u  tjjun,  baS  geigte  ftcr)  gleta)  bei  feinem 
(Eintritt  in  bie  2Öelt  Die  Siebe  lägt  fta;  nid)t  lange  verbergen, 
2tt$3efuS,  ber  50?enfa)enfreunb,  in  bie  SGSelt  gefommen  war, 
mußten  eS  feine  (£ngel  ben  Wirten  alSbalb  funb  tjjun,  bamit 
fte  £U  feiner  Grippe  eilen  mortem  Diefe  freuten  fta)  fef?r, 
bag  fte  enblid;  ben  £roft  aller  Reiben  unb  ben  $rei£  be$ 
Joffes  3fraelö  fafjen*  3efu£  Ijatte  feine  greube  an  ben 
Wirten,  unb  e6  war  feine  erfte  Sujt,  bk  er  in  ber  28elt 
pattc,  bag  er  9ftenfa)en  fal?,  bereu  Seelen  er  feiig  machen 
feilte ;  baran  war  e3  aber  nid)t  genug,  fonbern  ein  auger* 
eigentlicher  Stern  mugte  eS  aua;  ben  Söetfen  im  borgen* 
lanb  anzeigen,  tag  aua;  fte  fjerbeifamem  Von  ifyxn  war 
geweiffagt:  „dö  ift  ein  ©eringeS,  bag  Du  mein 
$nea)t  bij^,  bie  Stämme- 3<tf ob  aufzurichten  unb 
ba$  Verwahrloste  in  Sfrael  wieber  aured;t  $u 
bringen;  fonbern  ia)  jjabeDta;  aua;  ^um  S?ia;t  ber 
Reiben  gemacht,  bag  Du  fet;eft  mein  £>eil  hi$  an 
ber  2ßelt@:nbe+"  —  Sefjet  biegroge^enfa)enliebe@otte^! 
@r  achtete  eS  viel  $u  gering  für  feine  @üte,  bag  er  bloS 
ba$  fSolt  Sfrael  3U  feinem  3?eio)e  berufen  lieg,  er  wollte 
auo)  ben  Reiben  inSgefammt  bie  Seligfeit  anbieten  laffem 
(£benfo  war  aua;  bag  £er$  3efu  befa)affeu,  i^m  genügte 
mä;t,  bag  er  bie  (£rftlinge  ber  3uben  an  feiner  Irippe  fal), 
er  wollte  aua;  bit  Späten  ^u  fta;  $te1)em    Sie  traten  ii;m 


41 


groctr  iljre  6$cige  auf unb  fünften  ipm  ©olb,  3Sei£raud;  unb 
9Äi;rrj;en;  i£r  befiel  unb  ItebfieS  ©efdjenf  aber  war  ij?r 
£er$  unb  ij?re  ©eele,  bie  er  mit  groger  greube  aunafmt 
aU  bte  (Erfttinge  aller  Reiben,  bte  burd;  fein  tj?eureS  3Ser^ 
btenft  bte  ©efigfeit  erlangen  feilten*  —  Raffet  bie  $tub* 
(ein  $u  mir  fommenünb  wehret  ifjnen  nifyt,  fprad) 
er,  als  er  ein  Sittamt  war;  mta)  bünfet,  aU  Ijöre  tef)  tfm, 
ba  er  nod)  an  $inb  war,  aus  feiner  Grippe  rufen:  Raffet 
^ic  9Jtenfa)en  311  mir  fommen  unb  wehret  iljnen 
nidjt;  benn  ihretwillen  bin  tef)  in  bie  SQSelt  gefommen  unb 
ein  SWenfd)  geworben»  £>a$  ©leid)e  nimmt  man  bei  feiner 
Darfteilung  im  Tempel  wajjr*  Den  alten  ©imeon,  ber 
fejmltd)  auf  ben  £roft  SfraelS  Jjojfie,  trieb  ber  ^eilige  ©eift 
ba£  er  ^ur  nämlict;en  Seit  in  ben  £empel  tarn,  aU  baS 
$inb  3efu3  bajnn  gebraut  würbe»  9hm  ging  e£  bem  alten 
Spanne  tt>k  einem  Dürftenben,  ber,  wenn  er  gur  Duelle 
fommt,  fo  jwftig  trinlt,  als  wolle  er  biefelbe  gan^  aus* 
feböpfem  (£r  fap  nid)t  nur,  waö  er  fo  felmlid)  verlangt 
|>aite,  fonbern  er  naf>m  aua)  ben  £ettanb  berSBelt  auf  feine 
Slrme,  lobte  ©Ott  unb  wünfdjte  nid;ts  me^r,  als  aufgeloht 
SU  fep  unb  im  grieben  3U  f^etben*  @in  |)errlid;eS  23etfpiel 
beS  ©laubenS,  welker  Sefunt  fo  gan$  als  fein  (ürtgentlnnn 
betrachtet ,  mc  wenn  fonft  5^iemanb  in  ber  2Mt  wäre, 
bem  er  ^ugeljorte,  —  ein23eifotel  ber  größten  3ufrieben^eit, 
tk  fonft  nichts  mepr,  weber  im  Fimmel,  noa)  auf  (Erben 
begehrte ,  als  Sefum  ^u  l)aben ,  unb  tyn  gu  behalten» 
(Solche  gxeube  warb  bem  ©imeon  in  feinem  ganzen  Meu 
ntcfyt  p  £j?eil,  unb  er  würbe  fte  nid)t  um  bie  gan^e  2Öelt 
Eingegeben  paben*  SefuS  lag  aber  aufy  ntd)t  leid)t  fanfter, 
als  in  ben  Firmen  btefeS  ©reifet,  welker  sugleid)  eine  $robe 
9on  bem  gab,  was  fo\£tele  £aufenbe  nafy  ipm  tjmn  werben, 
inbem  fte  ben  £erm  in  ü)Xt  ©laubensanne  fajfen,  in  tyx  #er$ 
ftpegen,  unb  für  ben  |)öd)ften  <Bfyat*>  tjjrer  ©eele  |>alten> 
SSäprenb  ©tmeon  baS  Jjöcpfte  Äleinob  ber  SSelt  auf  feinen 
Firmen  Jnelt  unb  Sebermann  mit  greuben  geigte,  trat  aud? 
t>k  alte  £anna  ptn^u ,  najnn  Streit  an  biefer  grettbe  unb 
ftenaan,  ©ott  m  greifen;  bamitSßiele  Muten  unb  baS  Öolbe 


42 


Jft'nb  gleid)  anfangt  rca)t  viele  Seelen  um  fta)  fepen  moa)te, 
wie  gefa)rieben  ftej>t :  „9tt eine  £ujt  tjt  bei  ben  9tten^ 
fa)enfinberm"  —  2Sie  wert!)  bem  £errn  3efu  bte  Seelen 
ber  SO?cnfd)en  gewefen  fet;en,  fefjeu  wir  weiter  aus  ber 
Betrachtung  feinet  peiligen  £eben$  unb  2öanbet&  £)oa) 
tonnen  wir  nia)t  Wt$  anführen,  fonbern  machen  t§,  wie 
<£mer,  ber  in  einen  ©arten  fommt,  unb  bort  nur  einige 
Blumen  gu  feinem  Vergnügen  fammelt  unb  mit  fta)  nimmt  — 
2)a  3efu6  in  feinem  zwölften  3af>re  mitten  unter  ben  £eprem 
im  Tempel  war,  ilnten  äußerte  unb  fte  fragte,  fommt  er 
mir  vor,  wie  an  junger  IBaum,  ber  frü^eitig  feinen  ©ärtuer 
mit  SBltttben  unb  grüa)ten  erfreut  Der  53aum  be3  Qchmö 
blühte  zeitig,  unb  ber  £err  geigte  fein  eifrige^  Verlangen, 
ber  SBelt  ben  SSillen  feinet  j?immtifd)en  33ater$  funb  $u 
tjwm  Sd)on  bamalg  regte  fta)  in  feinem  3nnern  ber  ©ebanfe: 
,,3a)  hin  gekommen,  bag  ta)  ein  geuer  (ber  £icbe 
3Wifa)en  ©Ott  unb  ben  $?eufa)en;)  an,$ünbe,  watf 
wollte  ta)  Heber,  als  brennete  e3  fa)on?  5lber 
ta)  muff  mid)  ^uvor  taufen  laffen  mit  einer  £aufc, 
unb  wie  ift  mir  fo  bange,  bi^  fie  vollenbet  werbe!7' 
—  33ei'm  antritt  feinet  £  eiligen  2lmte3  würbe  er  vom  ©eifte 
in  bte  SBüfte  geführt,  $>a$  er  vom  Teufel  verfua)t  würbe» 
$8a$  mad)te  er  in  ber  2ßüfte  ?  (£r  bereitete  fta)  mit  gaften 
unb  23eten  31t  feinem  S5or^aben,  ba£  bie  Seelen  ber  S)ten= 
fa)en  unb  iljre  (Seligfeit  anging;,  unb  mad)te  ben  Anfang 
bamit,  baf?  er  burd)  fein  Sort  ben  Seelenfeinb  überwanb, 
bamit  feine  ©laubigen  fünftig  mit  mef>r  greubigfett  wiber 
beffen  liftige  Anläufe  Befte^en  möa)tem  Grr  ging  am  gali* 
läifd;en  Speere  auf  unb  abf  nia)t  um  ^u  ftfa)en,  fonbern 
um  ©efmlfen  $u  erwählen,  Ut,  befeett  burd;  feinen  ©eift, 
mitwirfen  follten,  um  Seelen  3U  fasern  2)ajjer  rief  er; 
„golget  mir,  iä)  will  eud)  $t  9#enfa)enftfa)ern  machen!" 
dx  bura)wanberte  ba$  gan^e  jiübifa)e  £anb  unb  näherte  fta) 
aud)  ben  ©renken  ber  Reiben,  er  lehrte  allenthalben,  t£at 
Sunber  unb  lieg  fta)  feine  SD?üj?e  verbriefen,  nur  um  Seelen 
gu  gewinnen  unb  feiig  31t  maa)en*  —  Grtnfi  fam  er  in  bte 
©egenb  von  $tyvu$  unb  Sibon,  um  ausgruben  von  feiner 


43 


Arbeit,  befonberS  aber  aua),  um  fein  ©erlangen  nad;  ber 
^cfejjrung  ber  Reiben  $u  bezeugen  unb  fein  £ia)t  Keuchten 
31t  laffcn  in  ü)rer  gmjlenufj.  €r  fa£  bie  yiofy  eines  SQSei* 
beS,  bte  genötigt  war,  [eine  #ülfe  ^u  fud;en,  er  fam  u)r 
auf  p  albern  Sege  entgegen,  bannt  fte  ü)n  nia)t  weit  31t 
fua)cn  pdtte;  benn  er  wollte  biefe  ©elegenjmt,  eine  Seele 
$u  gewinnen,  nia)t  aus  ben  Rauben  lajfen*  —  @leia)  ann^enb 
ift  feine  Unterrebung  mit  bem  $8eiU  aus  Samarta*  $LU 
uämlia)  3efu£  von  ber  Steife  mübe,  hungrig  unb  burftig 
war,  fegte  er  fta)  an  einen  Brunnen;  feine  Sünger  aber 
gingen  in  bte  Stabt  (Samaria),  um  Spetfe  3U  faufem 
Unterbejfen  fam  ein  $3eib,  um  SBaffer  ^u  fajöpfen,  berget* 
lanb  lieg  fta)  mit  u)r  in  ein  ©efpräd)  ein,  unb  vergaß 
baritber  junger  unb  £>urft,  um  ipre  Seele  $u  retten  unb 
babura)  noa)  anbere  $u  gewinnen*  „Steine  Speife  ift 
bie,  fagte  er,  baß  ia)  tfyne  ben  äötUen  beffen,  ber 
mia)  gefanbt  fiat,  unb  vollenbe  fein  Söert"  — 
<Se£et,  ü)r  Triften,  i^k  Heb  eine  «Seele  bem  $erm  3efu 
war*  dx  ließ  fta)  leine  Wltye  verbrteßen,  unb  fegte  SttteS 
bei  ©,eiie,  wenn  er  nur  ben  9ttenfa)en  $ur  Seligfeit  führen 
fonnte*  —  -ftifobemuS  fam  fyi  -ftaa)t  gu  3efu  unb  würbe 
nia)t  abgewiefen*  (£r  lieg  fta)  bie  Shtjje  ftören;  benn  e3 
betraf  eine  Seele,  unb  biefe  $u  gewinnen,  wollte  er  gerne 
eine  9tad)t  wad)en,  vok  er  ja  fonft  einige  Vläfyte  im  ©ebet 
3ubraä)te  unb  befonberS  in  ber  legten  9lad)t  nia)t3  anberS 
tpat,  afö  baß  er  für  i>k  Seelen  ber  SD?enfa)en  forgte,  rang 
unb  betete*  —  2113  er  auf  einer  ^eife  nad)  3erid)o  von 
bem  3ctd)äu3,  einem  Oberften  ber  Saliner ,  |)örte,  baß  il)n 
berfelbe  gerne  fepen  wolle  (weßf)alb  jener  aua)  auf  einen  Sföauk 
beerbaum  geftiegen  war),  empfanb  fein  liebreid)e3  £er$balb 
Verlangen  nad)  biefem  Sünber,  unb  er  lehrte  hei  ihm 
tin.  Obgleia)  t>k  metften  feiner  Begleiter  fta)  baritber  wun^ 
berten  unb  mehrere  fogar  murrten,  ba$  er  M  einem  bekannten 
Sünber  einfe^re,  ließ  er  jta)  bod)  nid)t  irre  maa)en,  fonbern 
freute  fta)  baritber,  ba$  er  eine  Seele  gewonnen  l?atte. 
„£)e$  $?enfa)eu  Sobn  ift  gefontmen,  31t  fua)en  unb  feltg 
in  mad)en,   waö  verloren  ift."  —  2la)  liebfter  3efu!  tck 


44 


tröftlia)  ift  e^,  H$  2)u  bie  ©uttber  unb  t£r  £au£  nia)t 
verfdmtäpft !  21$  fepre  bod;  aitd;  bei  mir  ein !  2)tt  n>etf tr 
bag  ftd)  meine  avme  Seele  j?er$lia)  naa;  2)ir  fepnt!  — 
2Öie  liebreia)  beljanbelte  ber  £eilanb  feinen  ungläubigen 
Jünger  £jjoma3;  er  fam  meprmate  ju  ben  ©einigen,  hi$ 
er  benfclben  fanb,  unt>  al3  er  tyn  gefunben  patte,  tj>at  er, 
wa$  Jener  verlangte,  um  ijm  für  fta;  ^u  gewinnen»  Qx 
reichte  ijjm  £änbe  unb  güge,  geigte  ilrm  bie  bura)ftod;ene 
(Seite  unb  rief:  „fep  nid;t  ungläubig,  fonbern  gläubig/'  9licl)t 
ojjne  Urfaa)e  alfo  f?atte  fia)  ber  #err  mit  einem  gurten 
verglichen,  ber  jmnbert  ©dwfe  §at,  unb  wenn  er  etne$  bavon 
verliert,  bie  anbem  fo  lange  in  ber  2Öüfte  läffet  unb  bem 
einzigen  nad;ge£t,  bte  baß  er  e£  ftnbet  &$  fua;t  ja  aua) 
eine  Jungfrau,  wenn  t^re  55erlenfdmur  greift,  fo  lauge, 
bi£  fte  jebe  einzelne  $erle  wieberfmbet,  weil  ft'e  feine  gerne  ver* 
liert;  —  fo  ift  3efu3,  ber  9tteufd;enfreuub,  unb  fo  ift  fein 
£er^  —  3a,  e£  war  bem  £erm  3efn  fef>r  barnm  $u  tpun, 
(Seelen  ju  gewinnen;  beim  er  rief  t>k  %mlt  $u  fta):  „$om= 
inet  J>er  ^u  mir  5llle,  bie  tpr  muffelig  unb  belaben 
'feipb;  id)  will  euer;  erquiden;  ober:  wen  ba  bürftet, 
ber  fomme  ^u  mir  unb  txirittl"  —  (Sie  famen  unb 
fa)opften  au6  feiner  gütte  ©nabe  um  ©nabe*  —  51m  beutlta> 
ften  aber  leua)tet  feine  %itlt  $u  uns  9Jcenftt)en  au£  feinem 
Reiben  unb  (Sterben  pervor*  5113  er  im  ©arten  ©etjjfemane 
auf  feinem  2lngeficr;t  lag  unb  fo  fjeftig  feimrfte,  baß  ij?m  ber 
blutige  (Sdjweig  barüber  ambrad),  —  um  w<x$  anberö  war 
e3  ifmt  babei  $u  tfmn,  al£  um  unfere  «Seelen?  (£r  würbe 
fo  fe£r  von  2lngft  unb  £raurigfeit  befallen,  baß  er  fagte: 
„Steine  (Seele  ift  httxiiht  hi$  in  t>tn  £ob,"  —  2llle3 
barum,  bag  er  unfere  (Seelen  mit  ber  gülle  ber  greuben 
ewigüd;  überfa)ütten  möa)te.  —  Sie  liebreia),  tok  überaus 
freunbltd)  bepanbelte  er  feinen  Skrrcttljer,  a!£  biefer  fam, 
um  tyw  hm  3nben  auszuliefern:  „9}tein  greunb,  fo 
fragte  er,  warum  bift  bu  gefommen?  3uba,  ver* 
rätfjft  bu  be$  9#enfcr;en  <Sof>n  mit  einem  Äug?" 
gleia)  als?  wollte  er  fagen:  „3la)3uba,  3nba,  waStljuftbu? 
3a)  l^abe  bir  bi££er  manchen  Auf  au$  £er3iia)er  $hhz  gegeben, 


45 


witljt  bu  mm  bicfe  meine  grcimblutjfeü  311  beiner  gcttlofen 
SSerrat^crei  migbraudjen?  2ld;,  befmne  bia)  boa)  unb  benfe/ 
warum,  mt'o  wolnn  bu  gefommen  ^ift  ?  "  £>jmc  3weifel  patte 
er  bie  arme  ©eele  be3  Süngerg  nod;  gerne  gerettet  unb 
biefen  elenben  ^enfajen,  ben  ber  ©etj  oerbleubete,  auf 
33ußgebanfen  gebracht.  —  (Ebenfo  Xtebretct)  bejjanbelte  3efu3 
ben  gefallenen  $etru3,  bejfen  Rettung  tfmt  wirflid)  gelungen 
tjfc  —  Slcfj,  liebfter  £eilanb,  fagte  hierüber  ein  gottfeliger 
l'e^rer,  fyatteft  £>u  beim  nod;  Seit,  als  2)u  vor  bem  urt&ß* 
rechten  6erid;t  ftanbeft,  unb,  von  lauter  SÖölfen  umgeben, 
nid;t3  afö  einen  fd;mäplia;en  £ob  sor  Slugen  fajjeft,  —  ba# 
2)u  2)ta)  naa)  einem  $?enfa;en  umfeljen  fonnteft,  ber  fta) 
verfluchte,  bag  er  £)id;  nid;t  fenne  ?  —  2)od),  e£  war  um  eine 
©cele  31t  tjmn,  bie  Sefuö  nid;t  verfäumen  ober  gering[a;ä£en 
formte*  —  $?erfwürbig  i\t  ferner,  bag  ber  $err  unter  anbem 
£obeearten  ba3  ®xtu$  erwählte*  G?r  wollte  erfandet  fe^n 
von  ber  (£rbe,  um  un3  2llle  ju  ftd;  ^u  giepern  (ix  wollte 
3Wifd;en  Fimmel  unb  (£rbe  fterben,  um  anzeigen,  ba$  er 
ber  Mittler  fet>  ^wifeben  @ott  unb  ben  9)?enfd)em  £r  vergog 
fein  23lut  gum  £öfegelb  für  unfere  «Seelen,  um  fte  vom 
ewigen  $erberben  51t  erretten»  —  £auptfäa;lid;  aber  ift  bieg 
^u  beachten,  bafi  3efuo  fetbft  am  $reu$e  t>m  ©ct)cid;er  befebrt 
unb  tt)m  ba£  $arabieä  verfprod;en  fyat,  um  bamit  anzeigen, 
baf  tym  feine  ©eele  ju  gering  fei;,  feine  ^u  fpät  fomme, 
wenn  fie  nur  fommt  unb  ü)nx  vertraut  —  £ier  möd;te 
ta;  abermals  auerufen :  £err  3efu ,  fonnteft  Qu  in  ber 
£obe3angjt  £)ia)  nod;  um  einen  5D?enfd;en  befömmern,  ber 
fia)  fein  2ebenlang  nid;t^  um  £)td;  befümmert  unb  £)tct)  mit 
fo  vielen  ©ünben  beleibigt  Htte?  £)od;  e£  war  eine  unfterb* 
lid;e  ©eele,  unb  tiefe  51t  retten,  war  beine  greube  aua; 
mitten  in  ber  IBitterfeit  be3  £obe£*  —  (Enblia;  befahl  ber 
£eilanb  feine  ©eele  in  bie  #änbe  feines  i)immlifa;en  $ater$ 
unb  gab  feinen  ©etjt  auf*  £)ieg  gefa)al?  gewig  nia)t  fowopl 
um  feinetwillen;  beim  er  war  allezeit  in  feinem  SBater  unb 
ber  $ater  in  ü)m,  aU  vielmehr  um  unfertwillem  2£a$  er 
am  ^reu^e  tt)at,  rebete  unb  litt,  bau  tt)at,  rebete  unb  litt 
er,  als  ber  £oi)e:priefter  be£  neuen  £eftaments,  anstatt  feiner 


46 


©laubigen.  2ßte  er  anber^roo  für  biefelben  htlü  unb  fia)  für  fte 
_  feinem  lnmmlifa)en  $ater  aU  Skrföjmovfer  barftellt,  fo  Befiehlt 
'er  mit  feinem  legten  ©eußer  alle  ©eelen  berer,  bte  an  tyn 
glauben,  in  beffen  £änbe  unb  ftellt  fte  feinem  6ä)u£eanjmnu 
©omit  fiat  er  feine  £iek  gegen  un3  gleia)  am  Anfang  feinet 
£eben3,  in  ber  Wlittz  beffelben  unb  am  (ürnbe  beroetfen  rooften, 
(£r  ijt  al$  ein  ©eelenfreunb  geftorben,  lieber  auferftanben 
unb  gen  £immel  gefahren,  unb  bleibt  e3  aud)  in  alte  Grroig* 
feit  —  £)arum,  ttjr  Triften,  fa)ä£et  eure  (Seelen  fo  j?oa), 
wie  ©Ott  unb  3efu3  Gpriftug  felbft  fte  fragen,  unb  jjabet 
2la)t  auf  biefelben*    $on  jieljer  baben  bie  ^eiligen  Männer 
©otte3  feinen  ftdrferen  23eroeggrunb  $ur  ©oitfeligfeit  gelaunt, 
aU  ben,   roela)er  in  ber  Grrlofung  liegt,   bie  burä)  3efum 
£fjriftum  gefa)e|>en  tft  £)arin  ftimmten  Slfle  ein,  roa3  $aulu£ 
fagte:  „2>ie  ?iebe  @jmfti  bringet  unb  treibet  un£, 
[internal  wir  bafür  galten,  $>a$  fo  dincv  für  2tlle 
geftorben  ift,   fo  finb  2llle  geftorben;  unb  dv  ift 
bar  um  fürSllle  geftorben,  auf  baf?  bie,  bie  ba  leben, 
binfort  ntä)t  if>nen  felbjt  leben,  fonbern  bem,  ber 
für  fie  geftorben  unb  auferftanben  ift"  £)ber  rote  er 
fonftfagt:  „31>*  f eipb  treuer  erlauft,  barum  fo  vrei* 
fet  ©ott  an  eurem ^eibe  unb  in  eurem  ©eifte,  roela)e 
finb  ©ottes*"    3a)  lebe;  aber  boä)  nun  nia)t  ta), 
fonbern  £Jmftu3  lebet  in  mir,  ber  mia)  geliebt 
unb  fiä)  felbft  für  mia)   bargegeben  j?at     betrug 
aber  fegt  jnnpt  „Sßiffet,  baß  ifjr  nid)t  mit  vergäng* 
litt)em  ©otb   ober  Silber   erlöfet  fepb,   fonbern 
mit  bem  tpeuern  33lut  @{>rifti,  aU  eine£  unfa)ul* 
bigen  unb  unbeftetften  2amme3+"  —  23ebenfe  alfo, 
o  Sttenfa),  roeta)'  tin  ^leinob  beine  ©eele  fet),  unb  ver= 
naa)läßige  bas  nicjjt  im  £eia)tftnn,  roag  ber  ©o{m  ©otteS 
mit  feinem  23lute  erfauft  pat     „<£{>re  beinen  Söater 
von  ganzem  £er$en,  fagt  ©iraa),  unb  vergiß  nia)t, 
roie  treuer  bu  beiner  Butter  geroorben  bift"  :c+:c* 
2öarum  follte  ia)   einen  Q^riften  nia)t  aua)  alfo  anreben: 
Grjjre  beinen  Grrlöfer  von  ganzem  ^er^en,  unb  vergiß  nia)t, 
roie  fauer  bu  ifmt  geroorben  bijt,  unb  roaS  fannft  tu  tf»m 


bafür  tpnn,  \va$  er  bir  geifjan  Ijat?  Unfcrc  ©eefe  ifi  bie 
23rant  be$  (Sopneö  ®otie$,  um  hk  er  gegen  34  3apre  in 
ber  SQSelt  gearbeitet,  nnb  bie  er  ftd)  enbfid;  'bm$  feinen 
£ob  erworben  $af»  Sie  tjt  alfo  fein  (£igentfmm,  ba$  er, 
wie  ftd;  felbft,  liebt,  wie  fatm  fte  ftd;  bem  (Satan  nnb  ber 
©üttbe  Eingeben,  ttue,  ojme  feie  gröfHc  Itnbanfbarfett,  tyxem 
unb  feinem  geinb  anfangen?  —  2Bitf  bia;  alfo,  o  §j>rij| 
ber  ©atan  ober  bie  Seit  $ur  ©ünbe  verleiten,  fo  fprid;: 
mc,  id)  aU  ein  tob  ®otte$,  mit  (Slmfti  teurem  f&lut 
erfanft,  nnb  yon  be£  Sttufelä  ©ewalt  errettet,  feilte  mid; 
wieber  freiwillig  nnter  fein  3od;  begeben?  ©elfte  id)  ben 
©o{m  @otte$  mit  gngen  treten  nnb  ba$  53 Int  feinet  33im* 
beS,  bnrd;  mttytä  id)  geheiligt  bin,  für  nnrein  palten? 
©eilte  ia),  \va$  %e\u$  *m  ^obeSfamof  erworben  bat,  in 
fd;nöber  £nß  nnb  eitler  grenbe  oerfd)wenbcn  ?  ©eilte  id) 
für  bie  reine  £tcbc  be3  ©o{me£  ©otteg  Ue  nnretne  $kbt 
ber  2Mt  erweisen?  £)a$  fep  ferne!  SaS  mutfjcji  bn  mir 
31t,  mein  gleifd)  ?  3$  foll  tanfd;en,  t>en  £tmmel  fabren 
(äffen  nnb  ^k  £ollc  nel;men?  3d)  foll  ben  23nnb  ber  (Knaben, 
ben  id)  mit  ©Ott  bnrd)  3efum  l)abe,  ttertaffen  nnb  mid;  an 
bie  SÖelt  imb  ©ünbe  Rängen?  $erfutd;t  fey  Sltfeä,  \va$ 
mid;  r>on  meinem  (£rlefer  abwenbig  madjen  will,  meinen 
3efnm  lag  id)  nid;t,  babei  bleibt  es?  in  (£wigfeit!  —  SBtllft 
bn  bin;  in  biefem  fjeitigen  SBorfag  befiärfen,  mein  (Elnift,  fo 
lieg  oft  bie  ©cfü)ia;te  be3  %eben$,  SeibenS  nnb  ©terben^ 
beutet  £cilanbe3,  nnb  nimm  gu  £er$en,  \x>a$  bir  bie  3^tt 
nnb  bie  jjojjcn  gejte  an  bie  £anb  geben»  %n  2Seil)nad)ten 
betxad)te  iljn  aU  l?olbfeltge3  tob  in  ftiller  21nbad;t,  x>erfe^e 
biet)  im  ©eift  an  feine  Grippe,  nnb  fpria;:  28er  bift  2)u, 
mein  tob?  fo  wirb  es  bir  antworten:  3$  bin  bie  ^ie^e 
nnb  ber  grennb  beiner  ©eele*  —  2öa6  für  ein  Ort 
tfi  ba$,  in  welchem  id;  £>id)  antrefe?  —  (£$  tjl  eine 
2Bof>nnng  nnb  ©d;nle  ber  Ziehe*  —  2öol?er  fommft 
£>n  beim?  —  SSom  £immet,  an3  bem  ©d)ooß  ber 
ewigen  Ziehe.  —  SQSavum  bift  £)n  gefommen,  nnb  wa$ 
bringft  £)n  ©nte$  mit?  —  3$  &tn  gefommen,  end) 
^Jtcnfdjen   |u    lieben    nnb    enre   ©eelen    felig   ^n 


48 


machen.  3d)  bringe  mit  ein  £er3  voll  reiner, 
c>öttlia)er  £tebe.  —  2öa3  willft  Sn,  baff  man  Sir  tbun 
foll?  —  9lixl)t$,  als  baf?  ipr  meine  Ziehe  mit  greu* 
ben  annehmet,  unb  fflid)  unb  encfy  untereinander 
liebet '—  Sann  fa^re'fort  unb  fprid;:  £)  jjolbfeiigeS  $inb, 
mc  lieb  bift  Su  mir!  33ie  fd)ä£e  id)  Sid>  fo  fjott)!  Su 
fcift  mir  vom  Fimmel  gefd;enft;  wäre  mir  bk  gan$e  SQSelt 
mit  all'  tf)rer  £uft,  ^3racr)t  unb  £errlid)feit  gegeben  worben, 
tva^  wäre  baS  gegen  Sid) ,  nnb  was  nü^te  mid)  alle  (£itel* 
hü,  wenn  ia)  Sid)  nid)t  Ijätte?  3$  Beenge  es  bei  meiner 
(Seele,  bag,  wenn  id)  Sid)  nidjt  jmtte,  nnb  alle  <Sd;ä#e 
ber  SÖett  befäge  nnb  Sta)  bafür  lanfen  fonnte,  fo  wollte  id)  fte 
willig  jungeben,  nnr  nm  Sid)  nnb  Seine  Zkhc  jupabem  2ld) 
3efn,  Wie  £od)  nnb  treuer  fd)äße  i<$  Seine  @eburt  nnb  Slnfunft 
in  ber  Seit !  Sie  SBelt  achtet  Seine  Wcmvtfy  nnb  fiebrig!  eit  md)t, 
nnb  l?ält  Seine Grippe  nnb  Sein  armfeligeS  Slnfc^en  für  ein  @e< 
fpott;  mir  aber  ift  biefeS  lieber  aU  viel  tanfenb  ©tücf  ©olb  nnb 
©ilber*  Senn  Sn  warft  reid;,  bift  aber  arm  geworben  nm  met* 
netwillen,  bamit  Sn  mid;  im£immel  an  meiner  Seele  rei$ 
machen  mögeft  —  3d)  beenge  eS,  liebfter  3cfu,  baf?,  wenn 
mir  alle  fronen  nnb  ©cepter  ber  SQSelt  ^u  @ebot  ftdnben, 
id)  fte  willig  $n  Seinen  güßen  nieberlegen,  nnb  mit  ben 
Söerflärienfagen  wollte:  ^err,  Sn  bift  würbig  ^n  ne^ 
men  $reis,  ßrfjre  nnb  Anbetung!  28eil  id)  aber  folc^e 
Singe  nid)t  jjabe,  fo  gebe  id)  Sir,  £err,  m$  id)  beft£e, 
mein  £eq  nnb  meine  Seele»  SiefeS  $leinob  wäre  mir  nm 
alle  ©ä)ä£e  ber  2öelt  nic^t  feil;  benn  \x>a$  nützten  mir  biefe, 
wenn  id)  meine  Seele  verloren  f)ätte  ?  Sir  aber  will  id) 
e$  umfouj*  geben,  nnb  beenge  abermals,  bap  id)  nidjtmefjr 
fagen  will,  baß  meine  Seele  mir  gehöre,  fonbem  baß  fte  Sein 
(Eigentum  fep,  £err  3efn,  nnb  baj?  mid)  Weber  %kh  nod;  2eib, 
weber  £ujt  nodj@$mer$  von  Sir  unb  Seiner  $kht  trennen  fo& 
$Jltin  &UtaQt  null  ity  2M#  Slttö  meinem  ©um  nü$t  laffen, 
3$. Witt  £>i#  jletä,  gleichwie  2)u  mid)  5D?tt  Siebeöarmen  f  äffen, 
£>u  foüfl  fepn  meines  £ergen3  Zityt,  Unb  wenn  mein  £erj  im 
Sobe  bricht,  ©ottft  2)u  mein  £er$e  Metben.  3$  will  mt#  £)ir, 
mein  fw^fier  3?utym  £iemtt  git  ©einem  <£igenu)um  SSeflättbtglt# 
tterfdjretben. 


49 


Sßprenb  ber  gaflcn^ett  gewönne  bia),  bic  ©cfa)ia)te  von 
bem  Reiben  «nb  Sterben  betneS  (Mofertf  anbätt)ttg  31t  betraf 
ten.  Siepe,  wie  @r  int  ©arten  am  Defberge  auf  feinem 
2lttgcfta)t  liegt,  wie  (£r  unter  ber  ©ünbenfafi,  bie  (£r  beutet* 
wegen  übernommen  pat,  feufet  unb  fta)  cingjii^  Sottteia) 
bic  Sünbc  lieben,  bie  meinen  3efum  fo  befa)wert  pat? 
Sottte  mir  baS  eine  greube  fet;n,  was  meinen  (Srlöfer  fo 
betrübte  ?  $?ußte  mein  £ei(anb  ber  fremben  <5ünben  Witten 
fo  23iele£  bulben,  wa$  würbe  mir  wiberfapren,  wenn  ia) 
feine  ^tebe  pmtanfe^en  unb  mutwillig  Sünbe  auf  ©ünbc 
ijä'ufen  würbe?  „©efa)tel)t  baö  am  grünen  £ol$e, 
wa$  wilV$  am  bürren  werben?"  —  2la)  3efu,  um 
3)etneö  blutigen  $ampfe$  Witten  |i|  mir  wiber  bic  Sünbc 
feimpfen,  unb  überwinben,  wie  3)u  überwunben  paft*  ~  gertter 
ftebe,  wie  dt  im  D^icptpaufe  gegeißelt  würbe,  2öa£  für  ©etßetit 
nnb#eun)en  waren  eS.aber  eigeutlid),  bie ben^eibSefu irrigen? 
—  Unfere  ©ünben  waren  e$,  um  weld)er  Witten  er  jene  große 
Slngjt  leiben  mußte,  23ebenfe  atfo  wopl,  0  &p\$,  ob  bu  beinett 
£>etlanb  auf  3  Gleite  geißeln  unb  bir  felbft  bie  ewige  Ungnabe  bei* 
ne$  ©otte$  sujiepen  wittjt?  —  3Me©eftt)ia)te  fagt  »onßarlV., 
ber  3ur  3?ü  ber  Deformation  lebte,  baß  er  fta)  felbft  $u  geißeln 
pflegte,  unb  baß  fein  @ofm  g3pttt^3p  II.,  $önig  von  Spanien,  biefe 
©eißel,  gefärbt  mit  bem  23Iute  feinet  SS'aterä,.  aU  ein  $(eineb 
aufbewahrt  unb  in  feinem  £eftamente  an  feinen  <Sofm  $pt* 
lipp  III.  überliefert  pabe*  2)arum  bewahre  aua)  bu,  0  $?enfa), 
in  beinern  £er$en  ba3  5lnbenfen  an  bie  ©eißcf,  weld;e  mit 
bem  teuren  231ute  3efu  Gbrijti  gefärbt  tjl,  palte  fte  beinern 
fünbtiä)eu  gteifct)e  vor,  unb  be^äpme  e$,  fo  oft  bie  8ü$  ^ur 
©ünbe  fta)  regen  Witt.  —  33etraa)te  3efum  enblia),  wie  (fr 
an  feinem  ^reu^e  pängt  unb  unter  SBlut  unb  SBunben  ben 
©eift  aufgibt,  ©ewiß,  ein  einziger  ernfter  Qinblid  auf  ben 
©efrett^tgten  ift  pinreta)enb,  um  atte  £uft  jur  Sünbe  in  bir 
$u  tilgen.  £)enn  wer  bie  Ziehe  feinet  @tlofer$  red;t  bebenft, 
beffen  £er$  wirb  sott  SHcbe  ent^ünbet  unb  ift  bereit,  lieber 
§lttc£  ^u  tyun  unb  $u  leiben,  al$  im  ©eringften  von  ber 
Brette  gegen  3fm  ab$uweiä)cn.  Leiber  aber  gibt  cS  fo  SÖem'sc, 
an  wela)ett  man  fo(a)en  Gftfev  wahrnimmt,    ©ei  ben  Reiften 

Scri\>ev'g  6eelenfcfyn$.  4 


50 


iß  tfaltßtm  ober  gar  $erad[)tung  ju  bemerfen,  fte  benfen 
nifyt  baran,  was  eS  £eiße,  baß  ber  einige  ©ojm  ©otteS 
um  unferer  ©eligfeit  willen  vom£immel  gefommeniß  unb  unS 
burcl)  fein  Reiben  unb  Sterben  vom  £obe  erlöst  jwt  3$ 
fannte  mehrere  gotteSfürc^tige  £eute,  bie  mir  öftere  bezeugten, 
fte  fe^en  In  2lbßngung  beS  befannten  fvangelifcl)en  ©lau* 
benSbelenntniffeS  niemel)r  gerüprt  korben,  als  bei  ber  (Steife: 
wahrer  OTenf c^  geboren,  burcf>  ben  j>etligen  ©eiß 
im  ©lauben,  für  unS,  bte  wir  waren  verloren  jc. 
2)enn,  fagten  fte,  was  für  eine  unerhörte,  unbegreifliche  fr'ebe 
iß  eS,  baß  ©Ott  Sttenfcl;  würbe,  um  ber  5D?enfc^en  Witten. 
£)  baß  wir  bieg  von  ganzem  Sptxttn  glauben  unb  ©Ott  bafür 
banfen  lönnten*  2lber  ac§,  xck  2Öenige  nehmen  baS  $u  £eqen  ? 
23ei  bem  großen  Raufen  iß  bieß  eine  fo  gewöhnliche  ©aa)e, 
baß  eS  ifimen,  xok  £utljer  fagt,  fo  viel  iß,  als  wenn  ein 
23auer  j)ört,  i>a^  ein  £ujm  ein  <Ey  gelegt  |>at*  —  2)al>er 
fommt  eS  auc$,  baß  bte  heutige  SBelt  Weber  3efum  unb 
feine  %Ufo,  nod;  ifjre  ©eele,  baS  eble  $letnob,  achtet,  unb 
eS  fo  letcfjtßnnig  Eingibt,  als  wäre  eS  eine  <&afyt  oj?ne 
allen  5Ber#;  wegJjalb  unfer  #eilanb  wo|>l  ausrufen  mag: 
„£>öret  ifjr  Fimmel!  unb  bu(£rbe  nimm  $u  £)ljren! 
3$  f>abe,$inber  erlogen  unb  er^öpet,  unb  fte 
finb  von  20? tr  abgef allen ;"  3$  Ijabe  bie  menfcpdjen 
©eelen  fo  $zx$iti)  geliebt,  baß  3$  ße  mit  meinem  23lut 
erfaufte,  unb  Ijabe  ße  mir  burefy  viele  Arbeit  jum  Grigen* 
ijmm  erworben,  unb  ße  Jjaben  Tlify  verlaßen  unb  ßnb  bem 
geinbe  nachgelaufen:  „£)  wefj  beS  fünbigen  SßolfeS, 
beS  SSolfS  von  großer  2fliffetljat,  beS  boshaften 
©amenS,  ber  f cf> anblicken  tinber,  bie  ben  £errn 
verlaffen!"  —  Erwäge  wo^l,  o  @fmß!  was  bu  pöreß 
unb  liefeß,  unb  prüfe  bid),  $u  welchem  Raufen  bu  gefjörß, 
^»aft  bu  bisher  beine  ©eele  gering  gefegt,  fo  fange  peute 
noej)  an,  btefeS  ^letnob  nad;  2öürbe  su  fc^ä^en  unb  $u 
bewahren»  Söanble  vorßc^tig  unb  bemühe  bi$  beine  ©eele 
rein  $u  erhalten,  ©et)  eifrig  im  ©ebet  unb  hittc  beinen 
£etlanb,  baß  er  fein  @igentbum,  baS  tyn  fo  viel  gefoßet 
$Mf  bur<$  feine  Wafyt  sur  6eltgf  eit  Umhxcn  unb  ßd> 


51 


nimmer  entreißen  laffen  möge.  —  21a;  £err  3efu !  ©u  f»d^fler 
£roft  unb  eingtgeö  ©ut  meiner  ©eete,  wenn  ta)  ben  £eia)tfmn 
be$  gletf^eö  bebenfe,  bte  mana)ertet  9*e§e  be$  ©atan$, 
ba$  vielfad;e  2Iergerntß  ber  Söelt,  unb  bte  große  ©efapr, 
bie  mia)  überall  umgibt,  fo  wirb  mir  oft  bange,  unb  i$ 
benfe,  wie  ©ein  Jünger:  wer  fann  benn  feiig  werben? 
©od;,  ta;  freue  mia),  baß  meine  ©eete  ©ein  (£igetttj?um  tjt, 
mit  ©einem  23tut  erfauft;  nnb  wa$  nun  ©ein  tjt,  ba$  wirf* 
©u  $u  fräßen  unb  $u  erhalten  wiffen  wiber  be$  £eufef$ 
5ftaa)t  unb  £ift,  unb  gegen  bie  33o$I?eit  ber  Seit,  ©o  Witt 
ta)  nun  von  meiner  ©eele  nia)t  mepr  fagen,  baß  fte  mein 
fe$;  benn,  wenn  fte  mein  wäre,  würbe  ia)  fte  taufenbmal 
vertieren,  ©ie  ijt  ©etn  unb  fott  ©ein  hUxbm  in  (£wtg* 
feit !  ©u  mein  Grrtöfer  wirft  am  bejten  wiffen,  vek  ©u  ba$, 
teaö  Qtin  eigen  tjt  unb  xoa$  ©u  ©ir  fo  tfjeuer  erfauft  fmfi, 
mitten  bura)  ©efaj?r  jur  ©etigfeit  Innburä)bringefL  Mittel 
unb  2öege  will  ia)  ©ir  nia)t  vortreiben,  ia)  bin  aufrieben, 
wenn  nur  meine  ©eete  ermatten  wirb.  —  Sela)1  ein  fräftiger 
£roji  liegt  in  biefer  33etraa)tung  für  alle  gottfetigen  unb 
betrübten  ©eelen,  welche  in  ijjrem  $reu$,  bei1m  ©pott  ber 
$3dtf  in  2lrmutl>  unb  Kummer,  wo  fte,  von  3ebermann 
verlajfen,  if)re  greube  in  £j?ränen  fua)en,  oftaufben©ebanfen 
geraden,  aU  wären  fte  aua)  von  ©Ott  gering  geartet,  aU  bäbt 
3efu£  t^rer  vergeffen  unb  begehre  fte  ma)t.  Slttein,  ij>r  (£{m* 
jten,  richtet  ntd;t  naa)  bem  äußertta)en  Slnfepen,  nia)t  naa)  bem 
Urteile  ber  Seit,  auä)  nia)t  naa)  eurer  eigenen  Meinung. 
„©aSUneble  vor  ber 2ßett  unb  bas  23eräd;tete  fyat 
©Ott  erwäget  unb  ba3  ba  nia)t$  ijt,  —  baß  er  gu 
nta)temaa)e,  wa$  etwas  tft."—3efu$gteia)t  einem  $auf* 
mann,  ber  feine  f  oftbar  jten  Saaren  in  hatten  unb  geringe 
©egenjtänbe  einwiefett;  benn  bie  lieben  ©eelen  be$  $eilan* 
be$  ftnb  oft  unter  bem  23ettlergewanb  verborgen  unb  mit  fo  viel 
©a)maa),  2lrmutj),  @tenb  unb  $eraa)tung  verhüllt,  baß  ein 
lcibtta)e$  2luge  fte  nia)t  ernennen  fann.  2öie  Grr  felbjt,  als 
@r  im  gteifa)  wanbette,  bura)  feine  armfelige  ©ejtatt,  bura) 
fein  $reu$  unb  feinen  £ob,  eine  $eraa)tung  be$  23olf£, 
ein  ©vott  ber  £eute  unb  an  SSurm  geworben  tjt,  unb  boa) 

b 


if 


^3  4* 


52 


feinet  Jnmmlifcpen  äSaterö  tiefer  ©ofm,  t»te  greube  ber 
(£ngel,  ber  ©d;recfen  ber  Teufel,  unb  baS  £eil  aller  Seit 
blieb,  fo  tft  eS  audj  mit  feinen  ©täubigen»  Sie  (£r  felbjl, 
als  (£r  in  bie  Seit  fam,  mit  einem  ©tall  aufrieben  War, 
itnb  feiner  £errlid)feit  baburd)  ntdjtS  abging,  fo  bleiben 
aua)  feine  9cad)folger,  fte  mögen  fepn,  wo  fte  wollen,  fein 
Grigentljum,  itnb  behalten  bie  ^)errlid)feit  ber  Äinber  ©otteS, 
W  tarnen  burd)  fein25lut  erworben  worben  iji  Gtine  $erle  ober 
ein  Diamant  bepalten  ben  Sertfj,  aucf>  wenn  fte  unter  Wn 
£tfd;  fallen  unb  fegar  im  ^otlj  Hegen.  SaS  bie  Seit  bis* 
weilen  für  ein  ^erbrochenes  ©efäg  pctlt,  Weld;eS  31t  ntd;ts 
me£r  tauge,  als  baf  man  eS  auf  bie  ©träfe  werfe,  baS 
tjt  vor  ©Ott  ein  ©efeif  ber  (£l?re,  ein  ©efäp  feiner  23 arm* 
J?eqigfeit  unb  ein  Sei%ug  feiner  ©nabe.  —  2)ie  Seit 
greift  bem  lieben  ©Ott  gleicpfam  vor  in  ber  Saf>l,  unb 
nimmt  baS  ^eiajjte,  baS  $cäa;tige,  baS  £of?e  unb  Vornehme 
guerft  weg,  liebt  unb  achtet  baffelbe  IjocIk  £)a£er  bleiben  ^cm 
fßattx  im  Fimmel  bloS  bie  (£lenben,  bk  Firmen,  bie  SBer* 
laffenen  unb  Verachteten,  unb  er  nimmt  fte  mit  greuben 
auf,  verforgt  unb  verpflegt  biefelben.  2)enn  fte  ftnb  eS,  an 
welchen  ftd§>  feine  2lllmad)t,  SeiSljeit  unb  ©üte  am  £crr* 
liefen  ^eigt,  unb  von  ipnen  $at  er  aua)  i>k  größte  (£f>re, 
wenn  er  etwas  ©ro£  eS  unb  #errlia)eS  aus  t'ljnen  maa)t  — 
2)emnadj  fann  deiner  unter  ben  ©laubigen,  er  mag  fo 
elenb  unb  verachtet  vor  ber  Seit  fe^n,  als  er  will,  von 
©Ott  verachtet  ober  vergeffen  fetm.  ©ollte  ©ott  bie  ©eelen, 
wela)e  er  von  ßrwigfeit  bura)  @{mjtum  erwäblt  l)at,  wegen 
tpreS  äußeren  3uf*anbeS  verwerfen?  Sollte  ber  £err  bem 
äußeren  ©d)ein  naa)  richten,  mc  bie  Seit  rietet?  S?at  es 
nid)t  bie  (£rfa|>rung  aller  3eiten  gelehrt,  ba$  dv  erwäb* 
let,  was  tJ?oria)t  tft  vor  ber  Seit,  was  fa)waa), 
was  unebel,  was  veraebtet  unb  was  nia)ts  tft? 
Sie  follte  3efuS  gering  afytm,  verlaffen  unb  vergeffen, 
was  G£r  mit  feinem  $lut  fo  treuer  erfauft  li>at?  Sie  follten 
3fmt  bie  ©eelen  feiner  ©laubigen  gering  fepn,  um  welcher 
willen  (£r  fo  viel  gelitten  f?at?  Sie  follte  3pm  baS  fo 
unwert^  geworben  fepn ,  was  3pw  pet^  fo  tbeuer  unb  wertb 

\  II 


53 


war?  Grüt  ßrbeljtefn  fann  einem  gürften  $on  ber£anb  falten, 
unb  fia)  in  ©taub  unb  $otf>  verlieren,  baß  er  nia)t  tt>etg, 
wo  er  {mtgefommen  ijt,  unb  aufhören  muß  $u  fua)eu;  eine 
aTaubtge  Seele  aber  fann  nie  in  fola)eä  (Hettb,  2trmutl),  fiebrig* 
fett  unb  S8eraa)tuug  fallen,  baß  3efug  fte  nia)t  barin  bemerfte. 
(Sie  fann  mrgen&i^ro  tterjtoßen  unb  verworfen  werben,  optte 
ba$  fein  2luge  auf  fte  gerietet  wäre*  £)arum  bu  betrübter, 
glaube  nta)t,  ber  £eilanb  werbe  bia)  ttergejfen,  wenn  bu  in 
ber  (£infamfett  ftfcefl,  feufseft  unb  weinejt,  —  nein,  (Er  5cu)lt 
steinte^  beine  Streuten  unb  merft  auf  beute  (Seufzer*  (E3 
pci$t  bei  3{mt:  „3(t  nia)t  (Ephraim  ntein  tpeurer 
<SoJ?n  unb  mein  trautet  $inb;  benn  ta)  b.enfe  noa) 
wof>t  baran,  was  ia)  ij?m  serpeißen  l?abe,  barum 
bricht  mir  mein  £er$  gegen  il)n,  baß  ia)  mia)  fei* 
«er  erbarmen  muß/'  £)alnn  gehört  aua),  waS  ber  $err, 
unfer  ©Ott,  51t  bem  $ropf?eten  Jona  fagte,  \vk  er  um  feinen 
verborrten  Kürbis  Jammerte:  £)ia)  jammert  be$  $ür* 
bi$,  an  bem  bu  nia)t  gearbeitet  Ijaft,  l?ajt  t£n 
aua)  nid)t  aufgewogen,  wela)er  in  (Einer  9?aa)t 
warb,  unb  in  (Einer  9caa)t  serbarb,  unb  mia)  folltc 
uta)t  jammern  fola)  großer  <Stabt?  —  <Seji>et,  wie 
@ott  feinen  Wiener  fo  fräftig  überzeugt,  baß  er  mit  Unred;t 
bie  $erfa)ommg  ber  bußfertigen  (Stabt  9cinioe  table;  benn, 
fpria)t  (Er,  wenn  bia)  baS  $erwelfen  einer  §3flan$e  fränft, 
mit  wela)er  bu  boa)  feine  Sttülje  gehabt  £ajt,  wie  fannft 
bu  es  übel  beuten,  baß  id)  eine  (Stabt  nid)t  serberben  will, 
in  wela)er  fo  siel  taufenb  (Seelen-  jtnb,  i>it  ia)  erfa)affen, 
bisher  ernährt,  üerforgt  unb  erpalten  I)abe?  <So  fann  aua) 
SefuS  fagen:  betrübt  fta)  ber  Sftenfa)  über  eine  serborrte 
^Pflan^e,  t^ie  boa)  opue  feine  Sfltyt  aufgewaa)fen  i(t;  wie 
follte  mia)  nia)t  eine  (Seele  jammern,  um  wela)e  ia)  fo  ml 
gearbeitet,  bie  mia)  fo  ttiele  9M{>e  gefojtet  fmt,  unb  wegen 
tbrer  Unfterbtia)feit  mit  feiner  ^(Tan^e  ber  2ßelt  .$u  bellen 
ift?  2ßeg  alfo  mit  fota)en  betrübten  ©ebanfen,  bie  Mißtrauen 
gu  bem  £errn  3efu  unb  bem  liebreia)en  ©ott  in  uns  erweden! 
(Eine  (Seele  fann  3j>m  nie  gering  unb  unwert^  fe^n*  Senn 
btefetbe  and)  in  einem  fted;eu  Körper  wofmt,  wenn  fte  gleia) 


54 


mit  feieren  2lnfea)tungen ,  mit  £raurigfeit  unb  borgen 
umgeben,  tn  Slrmutp  unb  Sürftigfeit  verfunfen,  unb  von 
ber  folgen  Sßelt  veraltet  ift,  fo  bleibt  fte  boa)  eine  ©eele, 
bie  mit  bem  Stute  be$  ©ojmeö  ©otteS  erlöst  ijt;  tyv  (Elenb 
fann  bie  ?iebe  be$  (£rlöferg  nia)t  abgalten,  fonbern  %kf}t 
biefetbe  vielmehr  an,  gleta)wie  bie  ^ranfpeit  eines  $inbe$ 
t>k  %kU  ber  Butter,  SBenn  ia)  in  ein  £au£  fomme,  in 
wela)em  ein  franfeS  $inb  tjt,  fo  treffe  ia)  bie  Butter 
nirgenbS  gewiffer,  als  an  beffen  23ette;  fo  aua),  wenn  ia) 
meinen  3efum  fua)e,  tt)ei§  ia)  gewiß,  baß  ia)  tpn  $uer|t  bei 
ben  elenben  unb  trojftofen  ©eeten  ftnben  werbe»  —  (üntbtid) 
folgt  Jn'erauS,  baß  wir  aud)  untereinanber  unfere  Seelen 
pod),  treuer  unb  wertjj  palten  follen;  namentlid)  ijt  e$  bie 
$flia)t  berer,  welchen  Ut  2luffta)t  über  Rubere  befohlen  ijh 
3a)  wüfytz  nia)t,  xok  ia)  3emanb  eine  ©eele  pöper  empfehlen 
fönnte,  als  wenn  ia)  fage :  )Te  fep  mit  bem  tpeuren  23lute 
beS  ©opneS  ©otteS  erlauft  Unb  wenn  bieg  bie  Steuer 
beS  SlöorteS,  bie  £eprer  in  ben  ©a)ulen,  bie  Regenten  unb 
Dbrigfeiten,  bie  Altern,  bie  £errfa)aften  nia)t  bewegt,  auf 
t>k  tpnen  anvertrauten  ©eelen  genau  5la)t  $u  Jwben,  fo 
mi$  ia)  nia)t,  was  e$  fonjt  tf)un  foü\  Sollten  wir  baS 
gering  aa)ten  ober  verwaprlofen,  wa$  3ef«3  fo  treuer  erfauft 
unb  fo  fauer  erworben  jwt?  ^Sollten  wir  baS  unferer^Mpe 
nia)t  wertp  palten,  um  weld)e$  Witten  (Ex  bi$  in  ben  £ob 
gearbeitet  fyat?  Ser  muß  fürwapr  an  leia)tftnniger  Sttenfä) 
fepn,  welcher  mit  fo  tpeuren,  foftbaren  Singen  gleia)gültig 
umgejjt;  unb  er  foltte  boa)  wiffen,  ba$  ber  ©opn  ©otteS 
baS  einß  von  feiner  £anb  forbern  wirb,  m$  bura)  feine 
©a)ulb  verloren  gept.  —  2lä)  $txx  3efu,  Su  ©eetenfreunb ! 
lejjre  unS  verfielen,  m$  dm  ©eele  fep,  fonjt  ijt  unfer 
gteifa)  unb  23tut  viel  $u  unverftänbig ,  biefeS  Äteinob  naa) 
feinem  SSertp  $u  fragen.  Sir  fep  Sauf  für  ade  Seine 
Sfttüpe,  Siebe  unb  £reue,  bie  Su  auf  unfere  ©eele  verwen* 
bet  paft!  £obe  ben  £errn  meine  ©eele,  unb  vergiß 
nid)t,  waä  <£r  bir  ®ntc$  getpan  fyatl 


55 


SBicrte    V  t  e  M  j  t. 

5öou  ber  popelt  unb  Söüvbe  ber  menfd>fia)en 
Seele,  in  2lnfe£ung  tj?rer  £etfiguug. 


(5  i  n  g  a  n  g, 
Sm  Flamen  Sefa«  2*men ! 
2ötr  (efen  von  einem  weifen  Jftmtg,  ber  einen  jungen 
unerfajjrnen  ©oj?n  sunt  9?aa;fofger  aurücftteß,  baß  er  auf 
feinem  £obtenbette  befohlen  l?abe,  biefer  fotte  nidjt  früher 
$ur  Regierung  fommen,  aU  M$  er  einen  gotbenen  Sfyfel, 
ben  ber  SSater  31t  bem  Crnbe  ijatte  verfertigen  laffen,  beut 
großen  Darren,  ben  er  fmben  fönnte,  gefdjenft  fyätte,  \\fep 
\ätf>  er  in  frembe  £änber  reifen  unb  einen  fof  d;en  Sporen 
fudjen  fette.  £)er  ftuge  $ater  wußte  wofrt,  baß  bas5  Reifen 
von  großem  9ht£en  wäre,  unb  baß  bie  12öeiöpeit  nid;t  blotf 
von  Skrftanbigen  unb  klugen,  fonbern  auo)  von  Unweifen 
unb  Sporen  gelernt  werben  fönne,  mit  jene  teuren,  waö 
man  t^un  unb  wie  man  fta)  vorftajtig  verhaften,  biefe,  was 
man  meiben  unb  untertaffen  muffe»  £)arum  antwortete  ein 
fluger  $erfer  auf  bie  grage:  woljer  er  fo  große  %8titytit 
fjabe?  —  „^on  ben  Darren  unbUnverfMnbigen,  Dura)  beren 
6a)aben  ia)  flug  geworben  bin,  unb  \va$  ta)  ££örid;te$  au 
ipnen  fap,  ba$  fyahc  ia)  fleißig  vermieben/'  —  2Sir  wetten 
uns  übrigens  nidjt  tauge  aufhatten  mit  weitläufigen  (£r$äp* 
fangen  ber  mand;erlei  ££0  Reiten,  mtd)c  jenem  grinsen  auf 
ber  ^eife  vorfamen,  U$  er  enblid;  feinen  Slpfel  an  ben 
SJttann  braute;  baS  aber  wetten  wir  bemerfen,  ^  o{me 
3 weifet  ber  2tyfet  vor  atten  Zubern  bem  aU  bem  größten  £po* 
reu  l^ätte  gegeben  werben  muffen,  weiter  feine  ebte  <Seefe  um 
$etttia;er  £)inge  Witten  bajjin  gibt,  baS  3rbif$e  für  baS  £imm* 
fifdje  erwägt  unb  wegen  ber  ditätcit  ber  Sßett  niä)t  an  bie 
(£wtgfett  benft*  Sir  Ratten  bafür,  ber£errunfer  ©ettbeftättgc 


56 


felbft  tmfere  Stteinung,  tnbem  ev  e£  folgen  beuten,  bte  nur 
baS  SBergänglidje  fuo)en,  gelingen  läßt,  ijwen  gleia)fam  beu 
golbenen  2tyfel  barreiä)t,  im  £eben  ilmen  ij?ren  £l?eil  gibt, 
imb  tpre  Mafien,  iBöben  unb  fetter  mit  ©a)ä£en  füllet,  tok 
man  an  bem  reia)en  ÜQcanne  feben  fann,  ber,  als  er  aus 
ber  £ölle  um  GErbarmung  rief,  $ur  Antwort  erhielt :  ©ebenfe 
Sopn,  baß  bu  bein  (Buttä  empfangen  pajt  in  bei* 
nem  geben i  —  2$ir  motten  aber  aua)  füqlia)  ^u  setzen 
finden,  baß  man  fola)e  tote  nid;t  mit  Unrecht  bie  größten 
Sporen  nenne,  aua)  wenn  |te  bte  SBetfefiert  in  ber  Seit 
wären,  —  Unvetfäubtg  fyifyt  man  bie  $inber,  wela)e  fta) 
ein  ©olbfmtf  um  einen  2lpfef  abfa)wägen  (äffen,  ©o  war 
QEfau  ein  leic^tjtnmger  $c*enfä) ,  weil  er  fein  (£rf*geburt3rea)t 
für  ein  £tnfengerid)t  jnngab.  (ü:benfo  unbefonnen  war  2la)an, 
ber  fta)  beS  <3\tt$  gelüfkn  ließ,  baranf  ber  glua)  ©otteS 
baftete  unb  fta)  fammt  feinem  ganzen  £aufe  babura)  in'S  23er* 
berben  ftüqte.  SSarum  follte  man  nia)t  aua)  btejenigen  für 
unbefonnene  Sporen  galten,  wela)e  um  eines  geringen  ©e* 
wt'nnS  unb  fdmöber  £uft,  um  vergänglicher  Grljre  unb  £err* 
lta)fett  willen,  tyre  Seltgf  eit  auS  ben  5lugen  fegen,  bte  baS 
3eitlia)e  gewinnen,  aber  ijjre  ©eele  verlieren?  —  SSürbe 
man  Umfrage  palten,  ob  Semanb  fein  £ers  um  eine  große 
Summe  verfaufen  wolle,  fo  baß  man  t£m  $war  btefelbe 
bellen,  aber  tyn  gleia)  barauf  an  £änben  unb  güßen  bin* 
ben,  feine  S3rufl  öffnen  unb  baS  J&erj  perauSneJjmen  wollte,  — 
fo  würbe  fta)  woljl  Dliemanb  ftnben,  wenn  er  nia)t  gleia)  jie* 
nem  t£örta)ten  ©ei^alS,  von  bem  bie  @efa)ia)te  fagt,  fia) 
felbjt  naa)  feinem  £obe  $um  Grrben  einfegen  wollte.  3eber 
würbe  vielmehr  fagen:  \va$  nügt  mia)  baS  (Mb  ofme  £eben 
unb  was  pilft  btefer  D?eta)t{mm,  wenn  mein  £eq  verloren 
gtnge,  fann  iä)  mix  wojjl  wteber  ein  anbereS  Soex$  faufen, 
ober  ein  anbereS  £eben  für  ©elb  fa)affeu?  3a)  wäre  wobl 
ber  größte  Zfyox,  wenn  ia)  biefeS  tbun  würbe.  9hm,  wie 
fommt  eS  benn,  baß  bte  ©eele  fo  vielen  9£ftenfa)en  um  @elb 
unb  auberc£)tnge  feil  ift,  baß  fte  ba$  ©elb  nehmen  unb  bie 
•3eele  bem  ewigen  £obe  übergeben?  9ßaS  Reifen  bte  6a)äge 
bev  gai^eu  Seit,  wenn  fte  tbre  ©eele  verloren  paben,  ober 


57 


tonnen  fic  wiebet  eine  anbete  faufen,  wenn  btefe  DttWten 
tft,  ober  bte  verlorene  mit  ©olb  nnb  Silbet  wiebet  löfen? 
Soll  man  btefe  ^ente  nia)t  bie  größten  Sporen  nennen  ?  — 
£>ie  ©Äget  geraden  in  bie  Sa)linge  um  bet  totpen  beeren 
Witten;  fte  wiffen  aber  nia)t,  baß  e£  if>r  £eben  gilt  2)ic 
Söettfmber  aber  wiffen  e£,  baß  fte  bie  ^citltoje  £uft  unb 
Söeltfrcube  mit  bem  $erluft  be3  ewigen  ^eoen^  büßen  wer* 
ben,  nnb  laffen  fta)  boa)  nia)t  bason  abgalten»  Sinb  fte 
\\id)t  t£oria)ter  als  bie  $ogel?  —  £äa)erlia)  ijt  e$,  baß  bte 
2)ople  ober  Ärctye,  t>k  in  ben  Käufern  gehalten  wirb, 
allerlei  Saa)en  Jjeimlia)  entwenbet  nnb  $ufammentragt,  wie 
einft  eine  fola)e  ©elb,  3fcinge:c*  jtaljl,  un^  babura)  mehrere 
i'eute  im£aufe  $erbäa)tig  maa)ter  bt3  man  tj?r  enblid)  auf  bie 
Spur  fam  unt>  ben  Sa)a£  ju  intern  großen  SSerbruß  weg* 
itajjnu  —  D  alberner  23ogel,  wa$  nützte  bia)  bein  geftojjle- 
ne$  @ut?  2)oa)  noa)  meljr,  i£r  tpöria)ten  $cenfa)en,  wa3 
pilft  eua)  ba3  £eitlia)e  @ut,  ba$  ibr  mit  $erle£ung  eure$ 
©ewtffenä  fammelt?  Unb  wa£  fott  eua)  ber  bettitglid;e 
9?eia)t{mm,  ber  fo  mana)e3  £>er$  verleitet,  im  £obe  Reifen? 
#at  nia)t  unfer  ßrrlöfer  fola)e  £eute  mit  allem  Sftea)t  Darren 
genannt,  wenn  et  31t  einem  Sftenfdjen,  ber  fein  Vertrauen 
auf ö  3eitlia;e  fefcte  unb  fta)  nia)t  befliß,  in  @ott  reia)  au 
fe^n,  fprio)t:  „£>u  9catt,  biefe  9caa)t  wirb  man 
betne  «Seele  t-on  bir  fotbetn,  unb  weffen  wirb 
feipn,  \va$  bu  gefammelt  ljafi?"  —  £)ie  $inbet  tiefet 
Sßelt  ftub  fo  flug  in  tyxen  itbifa)en  Angelegenheiten,  aber 
meiftene  fepr  tj?öria)t  in  ber  «Sorge  für  ifyx  Seelenheil 
£)er  Satan  fua)t  fte  in  fein  9?e#  31t  fiepen,  o|)ne  baß  fte 
wiffeu,  wie  iljnen  gefa)iejjt.  (£r  fa)meia)elt  unb  fpria)t  tpnen 
gans  freunblid)  $u:  (B  pat  feine  9?ot£,  eS  tft  noa)  3^tt 
genug»  ©ott  ijt  barm^eqig,  er  vergibt  alle  Sünben,  unb 
tyx  fönnet  eua)  $or  eurem  Gntbe  noa)  wojrt  belebten*  — 
5luf  fola)e  Seife  tterwicfeln  fte  fta)  immer  mef)r,  M$  fte 
all$u  t-iel  getraut  jjwben  unb  Ui  t£rer  großen  ^lugbeit  boa) 
bie  größten  Sporen  gewefen  ftnb.  Se£r  paffenb  läßt  bajjer 
t>a$  33ua)  ber  Setzen  t)ic  ©ottlofcn  fageu:  „2Ötr  Sporen 
hielten  bas  Vebert  bc£  frommen  für  unftnnig  unb  fein  <£nbc 


58 


fftr  eine  ©o)anbe,  wie  f(l  er  nun  geilet  unter  bie  $inber 
©otteä  unb  fein  @rbe  tft  unter  ben  fertigen?  Darum  paben 
wir  ben  rechten  Sßeg  verfehlt,  waö  püft  nun  alle  $raa)t, 
was  jutft  unfer  9?eia)tfutm  unb  ©tol$?  —  Grine  auffallenbe 
$robe  von  menfa)litt)em  £eia)tfmn  würbe  etnft  in  einer  £an* 
beigabt  ©panienS  gegeben,  Der  $atlj  bort  wollte  in  aller 
(£ile  einige  ©aleeren  ober  *ftuberfa;iffe  auSrüjkn  lajfen,  unb 
ba  e$  an  3tuberfnett)ten  fehlte,  fo  würbe  auf  bem  Sfttarft* 
plag  ein  ©pieltifa)  aufgehellt  unb  mit  viel  ©elb  verfemen. 
S03er  £ujt  $atttt  ber  fonnte  mit  bem  Sluffeper  fpielen;  wenn 
er  gewann,  fo  erhielt  er  eine  ©umme  ©elbeS;  ^erfpiette  er 
aber,  fo  war  bk  greif)  eit  verloren  unb  er  mußte  auf  ba$ 
<&a)iff.  Dort  wartete  feiner  ein  fepr  müfjfeligeS,  elenbeS 
£eben;  benn  in  ber  pfleget  werben  nur  Diejenigen,  bie  ein 
grobes  Söerbrea)en  begangen  ober  aua;  baS  £ebxen  verwirft 
jjaben,  jur  ©träfe  auf  fola)e  ©a)iffe  gefcfjicft,  yiifyt  feiten 
aber  wünfcfyen  ftä)  bie  ©aleerenfflaven  lieber  ben  £ob,  als 
in  einem  folgen  erbärmlidjen  3ujlanbe  fortzuleben,  —  Dem* 
opngeaa)tet  fanben  fta)  fepr  SBtele,  bie  baS  gefährliche  Spiel 
wagten  unb  in  ber  Hoffnung  eines  geringen  ©ewinnS  ifjre 
greiijeit  unb  ijjr  zeitliches  ©lücf  baran  fegten,  fo  baß  in 
wenigen  £agen  bk  gewünfa)te  5ln^a^l  gefunben  war,  —  ©inb 
baS  nid;t  Sporen  gewefen,  bie  i^re  greil)eit  fo  leia)tjinnig 
verfd)er$t  paben,  wirb  9ftana;er  benfen?  2lber,  o  ßf)riji, 
ftnb  biejenigen  nid)t  bie  größten  Sporen,  welche  um  zeit* 
lia)en  ©ewinnS,  vergänglicher  Girpre,  vorübergejjenber  £ujt 
unb  greube  willen  t'^re  ©eligfeit  auf  baS  ©piel  fegen?  — 
Unb  eS  finb  if>rer  boa;  fo  viele,  bie  eS  täglia)  tpun!  Dieß  fommt 
wol?l  ba^er,  baß  t>it  5D?enftf;en  bie  fjoj?e  SMrbe  il)rer  unfterb* 
lia)en  ©eele  nia)t  rea)t  fennen  unb  fcfjägen,  ©ie  palten 
biefelbe  für  gering,  bagegen  laffen  jte  fta;  von- bem  irbifa)en 
£anb  ganj  verblenben,  wo$u  ber  ©atan  baS  ©einige  treulia) 
beiträgt.  Deßwegen  ijt  es  |>öa;(t  nötfng,  baß  man  auf  bie 
£o|jeit  ber  ©eele  naa)  allen  feilen  aufmerffam  maa;e, 
was  wir  fa)on  im  23or]?ergefjenben  getpan  Ijaben  unb  aua) 
bießmat  fyun  wollen,  ©Ott  fegne  unfer  23or{>aben  um  3efit 
(grifft  willen,    kirnen. 


59 


2lt>  f>  a  n  b  I  u  n  g* 

Sie  einem  giirjtenfofm,  welcher  2lnroartfd;aft  auf  bie 
Regierung  fyat,  nia)t  bto$  Wiener  unb  aufwartet  beigegeben 
werben,  fonbern  $uoörberjt  and)  ein  £ofmeifter,  ber  fein 
beftänbiger  ^Begleiter  iji  unb  ifjm  bie  Regeln  be$  2lnjtanb£ 
beibringt,  fo  $at  ©Ott  nia)t  &fo$  atte  @efa)ö»fe,  fetbft 
feine  Grngef  51t  Wienern  ber  menfa;tia)en  (Seele  tterorbnet, 
fonbern  er  gibt  berfelben,  nacfybem  er  fte  bura)  baä  23(ut 
feinet  ©opneä  oon  beS  £eufel$  ©eroaft  errettet  unb  an  ßtnbeö* 
ftott  angenommen  fyat,  aua)  feinen  peiligen  ©eift,  ber  (te  feitet, 
regiert  unb  jta)  iprer  treuiia)  annimmt,  bi^  er  jte  $ur  8etig* 
feit  bringt.  203te  nun  an$  bem,  roaS  ber  ©ofm  ©otteS  an 
ber  ©eele  beS  9ttenfa;en  getpan  fiat,  ipre  Sürbe  erfannt 
roirb,  fo  erpetft  biefetbe  gleichfalls  aug  bem,  roaS  ber  fyti* 
lige  ©eijt  an  ipr  fyut,  unb  e$  roirb  bem  grommen  greube 
maa)en,  barüber  naa)3ubenfem  „£err  mein  ©Ott!  grofj 
finb  bie  Sunber  deiner  ©üte,  ^\t  Du  an  un$ 
beroeifeft,  Dir  tft  nia)t$  gteicfj,  ia;  roiH  fie  »er* 
fünbigen  unb  bar>on  fagen,  roterooljl  fie  yidjt  $u 

Säpfen  finb/' Die  ©a)rift  fagt:/©ott  Ja'&e  $cüpe 

mit  unä  Sttenfcpen,  er  befümmere  jTa)  um  unö,  unb  nepme 
fia;  unfer  an,  fua)e  uns  täg(ia)  Jjeim,  erforfa)e  unfer  £er$ 
unb  fyabt  5la)t  auf  unfer  SBorpaben  $u  jeber  ©tunbe.  — 
<$epet,  fo  lieb  jtnb  roir  bem  breieinigen  ©Ott  unb  fo  poa) 
ftnb  roir  geachtet  in  feinen  5lugen!  Der  $ater  ift  bie  %itlt, 
ber  ©ojw  ijt  bie  Siebe  unb  ber  ^eilige  ©eift  tjt  bie  Zieht, 
unb  biefe  Drei  finb  (£in$  —  äuoörberji  ijjrem  SBefen  naa); 
benn  eö  ijt  nur  ein  einiger  ©Ott;  aber  aua;  iprer  Ziehe 
$u  ben  2)cenfa;en  naa),  baper  roir  fa)on  in  ber  petfigett 
£aufe  einen  SBunb  mit  atten  brei  ^erfonen  maa;en  unb  be$ 
33ater$  gürforge,  be$  @oj)ne$  Siebe  unb  £reue  unb  be$ 
peiligen  ©eijteS  Regierung,  Zxoft  unb  23eijtanb  unfer  Zehen* 
lang  empfmben.  —  Den  peiligen  ©eijt  nennt  bie  ©ä)rtft 
unfern  Segroeifer  unb  güprer.  „£)tin  guter  ©etft, 
fagt  Daoib,  füpre  mtd;  auf  ebener  23apn,"  unb  3efu^ 
felbft  ?erfyria)t:  „Der  ©etft  ber  Saprpeit  wirb  eud) 


60 


in  alle  &ßaprf>eit  leiten. "  $at  nun  bte  Seele  einen 
folgen  güjjrcr,  fo  mag  jte  in  ber  ££at  von  ©Ott  £oa> 
geachtet  fe^n.  —  Der  peilte  ©eijt  ift  unfer  großer,  er 
wirb  aber  ntrgenbä  fo  genannt,  aU  in  ber  legten  9tebe  be$ 
£eilanbe£  an  feine  Sünder,  unb  Ui  3o|>anne^  in  feinem 
evften  23rief,  wo  baS  2Bort  ben  Gerrit  3efum  felbjt  lt$ify* 
uer,  .weit  wir  ofme  3weifel  barauS  lernen  follen,  bag  ein 
fola)cr  Größer  nia)t  unter  ben  ©efdwpfen  fep  unb  t>a$  nid;t$ 
in  ber  2$elt  fep,  von  bem  wir  baS  erwarten  fönnen,  rvtö 
biefer  9?ame  in  fta)  fa)liej?i,  als  3efu^  unb  ber  ^eilige  ©eifh 
Das  SBort  bebeutet  aber  einen  33eijtanb,  einen  greunb, 
einen  D^at^geber  unb  gürfpred;er,  ber  in  9cötl)en  freunblia) 
3ufpria)t,  ffiutfy  mad)t  unb  immer  M  uns  iß,  ba£  wir  uns 
feinet  diatfü,  Zxcftt$  unb  BeijknbS  getröjten  fönnen,  28te 
ijoa;  gefragt  mug  aber  bie  Seele  im  Fimmel  fe^n,  weil 
©Ott  felbjt  i£r  23eijfonb,  diatp,  greunb  unb  gürfpred;er  ifH 
—  2113  etnj!  an  berühmter  ^rebiger  von  einem  fremben 
gürten  ttm$  %u  bittm  Ipatte  unb  bemfelben  biefen  2ÖunftJ) 
burd;  feinen  £anbe3f?erw,  Ui  bem  er  fejjr  in  ©naben  jtanb, 
vortragen  lieg,  fo  erwieberte  jener:  er  fyättt  feinen  beffern 
Sad;walter  £aben  fönnen,  unb  oerfprad),  t>k  23itte  $u  erfüllen» 
Sßie  aber  {mite  unfere  Seele  in  fo  mancherlei  ©efapr  unb 
$$ibcrwärtigfeiten  einen  beffern  Sachwalter  fyaUn  fönnen, 
als  3efum  (£{mftum  gur  9^ea)ten  ©otteS  unb  ben  ^eiligen 
©etft  auf  (Erben?  —  Die  GSrrfaprung  aller  ©laubigen  bezeugt 
c$  laut,  bag  biefer  23eiftanb  unb  gürfprea;er  treulia)  für 
uns  forge*  3tt>ar  reben  naa)  ber  Sd;rift  bie  grommen  M$* 
weilen  fejjr  dngftlia)  in  i\)ttx  33efümmernif! ;  aber  fte  finb 
balb  wteber  voll  greubtgfeit  unb  bezeugen  tpre  fejte  3woex* 
fta)t  auf  ©otteS  gnäbige  £ülfe.  So  fd)lief?t  S)ax>ü>,  naa)* 
bem  er  baS  £ange,  Mangel  weld;eS  bem  Spcx^tn  bange 
maä)tf  mehrmals  wieberj)olt  Ijatte,  mit  ben  Sorten:  „3$ 
(Joffe  aber  barauf,  ba§  Du  fo  guäbig  biftl"  3wet* 
mal  unterbricht  er  bie  Betrachtung  feinet  (£lenbS  auf  ber 
gluckt  mit  ben  tröftlia)en  Sorten:  „2ßa3  betrübjt  bu 
hi&>,  meine  Seele,  unb  hi\t  fo  uiuubig  in  mir? 
Spaxxt  auf  ©Ott;  beim  td)  werbe  3£n*  uod)  banfeu, 


61 


bafü  Qrr  meinet  Stngcfia)tö  £füfe  **n&  metn  @ott 
tfl"  Söenn  er  baS  ©lücf  ber  ©ottfofen  unb  bao  beftdnbige 
$reu$  ber  grommen  mit  einanber  ttergleia)t  unb  $u(e$t  au&< 
tuft:  //Sfrael  fyat  bennoa)  ©Ott  $um  Profil  £>err, 
wenn  ia)  nur  5Öt$  £abe,  fo  frage  ia)  nta)t$  naa) 
£immel  unb  (Erbe!"  wenn  Spioh  enblta)  atfe  feine  IIa* 
gen  bannt  unterbricht:  „SQSoHte  mia)  glcia)  ber  £err 
tobten,  fo  will  ta)  boa)  auf  3pn  hoffen:  3a)  weif, 
baß  mein  (ürrlöfer  lebt ! /y  fo  erpetft  barau$,  baß  fte  ber 
getreue  23eijtanb  mitten  in  t'^rer  £rübfal  nia)t  t>ertaffen, 
fonbern  tn  ber  größten  5lngfi  unb  -ftotp  mit  greubigfeit  unb 
Wlutf  crfüttt  pat  £)ieß  empfmben  noa)  tägtia)  atfe  grom* 
mem  £)  wie  oft  jt#en  wir  ba,  forgen,  feuften,  weinen, 
benfen  fyin  unb  per  unb  fönnen  feinen  SluSgang  unfereS 
treu^eö  finben;  balb  aber  füllen  wir  einen  fräftigen  £rojt, 
jtepen  mit  greuben  unb  x>oü  3w>erfta)t  auf  unb  fprea)en: 

SBeit  £)u  mein  ®ott  unb  SSater&ift,  ©ein  Ätnb  rötrjt£u  tterf äffen 
ntc^t;  3$  bin  bo#  ja  ©ein  riebet  ßinb,  Xxo%  Teufel,  SGßeft  unb 
atter  ©ünb!  ©'rum  Witt  i#,  weil  ity  lebe  no#,  SKetn  $reuj 
fcter  fröf)tt$  tragen  bo$ !  9ttein  ©Ott,  mac^  mii$  baju  bereit,  &6 
bient  jum  Seften  aUcftit ! 

©eben  wir  ung  manchmal  traurigen  ©ebanfen  unb 
6orgen  ptn,  unb  wiffen  un6  nta)t  mebr  $u  ratjjen  noa)  311 
betfen,  fo  erinnert  un3  ber  ^eilige  ©eijt  an  eine  ©tcttc  ber 
<3a)rift,  ftärft  bamit  unfer  betrübtet  p*x&  baß  e$  *ftu£  unb 
Srojt  erapfrabei  unb  fta)  aufrieben  gibt  —  ©0  geriet!? 
einjt  ein  Sttamt,  ber  fta)  auf  einer  Steife  hä  üftaa)t  an  einem 
abgelegenen  £>rte  unter  gottiofen  2J?enfa)en  befanb,  beinahe 
in  £obe3angfi  $IU  ihm  in  feiner  Traurigkeit  t>k  klugen 
ein  wenig  suftelen,  wnapm.  er  beutfta)  ik  Söorte:  „$0 
wiU  bia)  nia)t  tterlaffen  noa)  tterfäumen  (wie  ©Ott 
eiuft  3U  Safob  fagte);  fiepe,  ia)  bin  mit  bir  unb  will 
bia)  behüten,  wo  bu  pingepft,  ia)  wiU  bia)  nia)t 
laffen."  £)ieß  gab  ibm  Hoffnung,  unb  fte  würbe  uia)t  $u 
©a)anfcen.  —  (Ein  Märtyrer  in  Gniglanb  fa)rieb  aus  bem 
©efängniß  an  feine  grcunbe,  ba$  er  einen  befonbern  Zw$ 
cmr-funben  \)aU  unb   eine  lieblia)e  (^rquidung  bura)  feinen 


62 


ganjcn  ßtfrper  gebrungen  fe^,  al$  man  tyn  vor  feine  SRifyttx 
pellte.  (£in  anberer  tn  granfreia)  fa)rieb :  (£r  fep  in  feinem 
£eben  nie  peiterer  unb  gefimber  gewefen  an  Mh  unb  Seele, 
als  in  feinem  ©efängniß,  unb  pabe  fein  £ebenlang  bie  ©üte 
be$  £errn  nia)t  beffer  empfunben,  aB  in  bemfelben.  — 
Sepet  alfo,  wela)1  tin  getreuer  23eijfanb  ber  petlige  ©eifi 
i%  unb  wie  poo)  er  bie  (Seelen  ber  9ttenfa)en  fa)äfct!  Söenn 
ein  greunb  bem  anbern  überall  nachfolgt,  in  ^ranfpetten 
vor  feinem  23ette  ftgt,  tpn  in  £rübfal  unb  9?otp  befugt, 
tpm  tröftlia)  sufyrtcpt  unb  fta)  feiner  peqlia)  annimmt,  wer 
fann  läugnen,  baß  pier  große  ^iebe  unb  £oa)fa)ä$ung  Statt 
ftnbet?  —  $k$tx  geboren  aua)  bie  Sorte  be$  2tyoftel$: 
„2)er  Zeitige  O etft  gibt  3eugniß  unferem  ©eift, 
baß  wir  ©ottes  $inber  ftnb."  ©ott  pat  un$  bie 
$errlid;feit  feiner  $inbfa)aft  in  @prißo  gefa)enft,  unfer  armeä 
£era  fann  fia)  nia)t  barein  fa)itfen,  bie  @pre  ift  gu  groß, 
e$  barf  fta)  berfelben  nia)t  anmaßen,  befonberS  wenn  ber 
Satan  ipm  feine  Unwürbtgfeit  vorpält  unb  e$  bura)  äußere 
unb  innere  Einfettungen  vertagt  maa)t.  2)er  peilige  ©eifl 
aber  wtberfpria)t  biefem,  überzeugt  un$,  baß  wir  wirflia) 
©otteä  ßinber  fmb,  unb  bringt  un$  bapin,  baß  wir  un$ 
biefeS  Sftea)t$  mit  großer  ftreubigfeit  bebienen,  bem  Satan 
trogen  itnb  unfern  ©Ott  loben.  —  ©leia)  wichtig  finb  aua) 
bieSöorte:  „£>er  peilige  ©eifl  pilft  unferer  Sa)waa> 
peit  auf."  2öenn  un$  eine  £aft  gu  fcpwer  werben  will, 
fo  pilft  fte  un$  ber  p eilige  © ei ft  tragen,  er  fommt  unö  in 
9*otp  unb  Elnfecptung  $u  £ülfe,  unb  wenn  wir  fcpwaa)  wer* 
ben  wollen,  fo  pält  unb  fMrft  er  un£,  baß  wir  nia)t  fallen, 
er  erquitft  un$  mit  £rojl  unb  Äraft,  baß  wir  überwinben 
unb  ben  Sieg  bepalten.  —  2)ie  Seele  ift  aua)  Ut  Sa)ule 
beö  peiligen  ©eifteS,  barin  er  Sefum  dprtjlum  erflärt,  3pn 
groß  unb  perrlid;  vorpellt  unb  nebjt  feinen  Sßopltpaten  bem 
£er$en  einträgt;  bannt  e$  mi$,  wa$  es  an  feinem  Grrlöfer 
pat,  —  nämlia)  bie  ©erea)tigfeit  unb  ba$  ewige  £eben.  Sic 
tft  feine  SÖopnung,  barin  er  opne  Unterlaß  arbeitet,  baran 
er  immer  beffert,  unb  fte  mit  feinen  ©aben  augfa)mütft. 
Sic  xft  fein  Tempel,  barin  er  fta)  perrlid;  unb  fräfttg  erweist, 


03 


welken  er  mit  femer  ©nabe  erfüllt,  unb  wo  er  leprt,  feufoet, 
btttt,  eifert  unb  wirft.  Daper  fagt  2lrnbt  tm  wapren  Gpn* 
jientpum  fepr  fcpön:  „Der  (Seelen  Sürbe  befielt  barin, 
„baß  fte  eine  Sopnung  ©otte$  ift,  barin  ©Ott  lieber  wopnt, 
„al$  im  Fimmel  unb  auf  Gnrben,  unb  bie  gläubige  «Seele 
„pat  mepr  von  ©Ott  in  fiep ,  als  alle  £immel  unb  alle 
„irbtfcpe  Tempel  unb  2llleS,  tt)a^  ©ott  je  gefcpaffen  pat; 
„benn  ba$  £er$  unb  Soplgefallen  ©otteS  ijt  in  ber  (Seele 
„mit  all1  feiner  ©nabe  unb  Zieht."  —  darauf  beutet  aucp 
$etrus  mit  ben  Sorten  pin:  „35er  ©etjt,  ber  ein  ©eifl 
ber  #errlicpfeit  unb  ©otteS  ijt,  rupet  auf  eucp." 
Sie  peilig  aber  unb  ergaben  muß  bie  (Seele  fep,  in  wel* 
cper  ©ott  feine  9?upe  ftnbet !  —  Der  peil,  ©eift  ijt  glei»p* 
fam  aucp  ber  Sein  für  bie  «Seele,  burd;  welchen  fte  erquicft 
wirb.  ,,^)te  ?te6 e  ©otteS  ijt  auSgegoffen  in  unfer 
^>er 3,  faßt  *paulu3,  burcp  ben  peil,  ©eijt,  weld;er 
un$  gegeben  tfi."  Diefe$  fügen  SetnS  waren  bie^lpojM 
soft  an  jenem  spfmgpfejte.  —  Unb  bieg  war  be$  fliepenben 
DavibS  £abfal,  wenn  er  fepen  mußte,  wie  Slnbere  Cnmbte 
unb  Seinlefe  hielten,  wäprenb  er  ftcb  in  ber  Süfte  auf* 
palten,  in  Kopien  ifttp  verjtecfen  unb  fümmerlicp  leben  mußte : 
„Du  erfreuejt  mein  £er$,  mein  ©ott,  ob  3ene 
gleid;  viel  Sein  unb  $orn  paben.  Du  fättigejt 
meine  (Seele  fo  gut,  baß  id)  liege  unb  fcplafe  gan$ 
im  grieben."  £)  pope  Sürbe  ber  «Seele !  Der  ebeljk 
Sein,  bie  befte  «Speife  ber  Seit  ijt  $u  gering  für  fte,  ©ott 
felbjt  ijt  tpre  (Speife,  bie  Ziehe  unb  ber  ©eijt  ©otteS  ifl 
ipr  Sein,  ber  fte  erquicft  unb  mit  $http  unb  greube  erfüllt. 
Dtefe  £errlicpfeit  aber  fann  ba$  fleifdjlicp  geftnnte  £er$ 
nid;t  verftepen,  unb  bie  eö  wiffen,  wa$  ba$  peißt:  voll 
peiligen  ©etjte$  fe^n,  in  ber  Zieht  ©otteS  fiepen 
unb  fid;  berfelben  erfreuen,  bie  fönnen  e$  niept  au^ 
fpreepen.     Dieß  ijt   ber  23orfcpmacf   unb   ber  Anfang  be$ 

ewigen  £eben3. Der  peilige  ©eijt  wirb  enbltcp  anä) 

bie  «Salbung  ber  «Seele  genannt.  Sie  im  alten  £ejkment 
bte  ^riefter,  ^roppeten,  Könige  mit  bem  peiltgen  «Salböl 
gefalbt  würben,  fo  werben  bie  gläubigen  (Seelen,  weldje 


64 


Gtfmfto  vor  ©Ott  in  Röntgen  unb  ^neftern  gemalt  bat, 
mit  bem  ^eiligen  ©eij!  gefalbt  £)iefeä  peilige  Del,  tvelc^eö 
über  3efunt,  unfer  ^aupt,  auggegoffen  würbe,  fliegt  perab 
auf  ung,  feine  ©lieber;  beim  ©Ott  f?at  in  ber  £aufeüber  un3 
reiä)lia)  au^gegoffen  feinen  Zeitigen  ©eift  bura)  Gtprijmm, 
unfern  £eilanb.  SOßaren  nun  im  alten  £ejtament  bie  ©efalbten 
be6  £errn  in  ^opem  Slnfefjen,  tvie  vielnvepr  t>k  im  neuen 
£eflament?  —  ferner  ijtber  ©eijt©otte£  einbieget  ber  ©eelen 
unb  ba3$fanb  iljreS  (h'beS,  weil  er  tjimen  bie  $erfta)erung 
ber  ©nabe  be£  Jnmmlifa)en  23ater3 ,  ber  Vergebung  ber 
©ünben  unb  bee  ewigen  £eben$  in'S  $mi  brütft  2Öie  lieb 
unb  treuer  mug  aber  unferem  ©Ott  baä  ©efctg  fc$n,  baö 
er  alfo  verftegelt,  unb  mit  einem  fo  poben  ^fanbe  feiner 
©nabe  verfta)ert!  —  S3on  3efu  fagt  bie  ©a;rift:  berSSater 
tyabt  3^n  verftegelt,  ober  3fw  mit  fola)en  ©eingaben  aus* 
gerüftct,  bag  man  3pn  für  ben  einigen  Mittler  jwifdjen 
©Ott  unb  ben  9ttenfd;en  annehmen  müfFe.  SSie  nun  ber 
Gnrlöfer  von  feinem  35ater  verftegelt  ift,  fo  tragen  aua)  feine 
©laubigen  ba£  Siegel  bes?  lebenbigen  ©otte3  an  iprem 
$an$t  unb  auf  iljrem  £er$en,  unb  barum  finb  fte  aU  Grigen* 
tpum  bc$  2lllerböa)ften  fo  poa)  $u  fa)ct§en.  —  25on  tbm 
tiefem  ©iegel  ©otte3  fagt  aua)  ber  Sipofiel":  „betrübet 
nia)t  t>en  peiligen  ©eift,  bamit  ipr  verftegelt 
fepb  auf  ben  £ag  ber  Gürlöfung."  Unfern  ©Ott  tarnt 
nid;t3  fo  fepr  betrüben,  al3  wenn  3£n  t>ie  ©eele  burd) 
©ünbe  verlägt  unb  bem  ©atan  Dtaum  gibt  Sie  e3  fd)en 
bei  9Jcofe$  Ijeigt:  „£)a  aber  ber  £>err  fape,  bag  ber 
9ftenfd;en  SBoäpeit  grog  war  auf  Arbeit  unb  alles 
Qifyten  unb  £raa)ten  ipreö  £er$en$  nur  böfe 
immerbar  von  3ugenb  auf;  ba  reuete  es  3£fl, 
bag(£r  bie  2ttenfdjen  gemad;t  Jjatte  auf  Grrben  unb 
c$  fümmerte  3bn  in  feinem  £  erlern"  SSemt  aud) 
Fimmel  unb  Grrbe  vergeben  würbe,  fammt  Slllem,  \va$ 
tartn  ift,  fo  fönnte  man  wopl  von  (Bon  nidjt  fagen,  bag 
e&3£tt  betrübe;  wenn  <£r  aber  fepen  mug,  bag  eine  geliebte 
©eele  3N  abtrünnig  wirb  unb  jta;  ber  23oöl?eit  ergibt, 
ba  fagt  Örr  von  ©ta>  felbjt,  bag  e$  3j?m  $u  bergen  gebe, 


65 


3fm  befümmere  unb  Ut&xxU.  £)teg  war  aua)  bte  Urfadje, 
warum  ber  £eifanb  weinte,  aU  er  bte  unbugfertige  ©tabt 
3erufa(em  fafj  unb  bemerfen  mußte,  wie  bief elfte  fammt 
vielen  taufenb  Seelen,  tk  barin  wofmten,  bie  3^t  t^rcr 
£etmfud;ung  rttcr)t  erfannten,  unb  3pn  mit  feinem  ^eile 
verfdmtätjfetu  21a;!  backte  (£r,  foll  3$  ba3  $erberben  fo 
vieler  £aufenbe  fepen,  mu£3d)  erfahren,  bag  bie,  $u  wel* 
d;en  3d;  guerft  gefanbt  worben  Bin,  jta;  nict)t  Reifen  raffen 
wollen,  unb  bie  ginfternig  mepr  lieben  afö  ba3  £ia)t?  £>ar* 
über  flogen  3£m  Streuten  über  bie  Sangen,  unb  manbarf 
wojrt  fagen,  wie  bie  3uben,  ^k  3ptt  bei  bem  ©rabe  £a* 
gart  weinen  faßert:  ,,©te|)e,  rote  Ueft  £at  (£r  tl?n  ge* 
i?abt!"  ©teje,  wie  tieft  ©Ott  ber  $ater,  ber  ©opn  unb 
ber  ^eilige  ©eijt  bie  ©eelen  j)at,  üfter  bereu  ©ünbe  unb 
SBerberben  er  fta)  befümmert,  ftetrüftt  unb  weint!  —  ©a)on 
barau3  erljeltt  $ur  ©enüge,  tok  treuer  unb  wertl?  bie  ©eete 
tprem  ©ott  fep;  boa)  wollen  wir  noa;  mehrere  23eweife 
anführen.  £)ie  Qmgel  fmb  reine  ©eifter,  voll  £ia)t  unb 
Söei^^ett.  £)od)  £at  fte  ©Ott  jum  Dienfle  ber  Seelen  ver* 
orbnet,  wk  bie  jjeilige  ©a)rift  fagt:  ,,©inb  nia)t  bie  Qrn* 
gel  allzumal  bienftftare  ©elfter,  au^gefanbt  gum  2)ten|t  um 
berer  willen,  bie  ererften  follen  bie  ©eligfeit?  2)ie  @mgel 
pe^en  gwar  alle  ^tit  vor  ©Ott,  um  feine  £errtia)feit  $u 
fa)auen  unb  3pw  mit  greuben  gu  lobftngen;  boa)  paften  fte 
noa)  ein  anbere£  ©efa)äft;  —  fte  ftnb  um  bie  ^enfd)en, 
beobachten  fte,  unb  feiert  barauf,  m$  gtt  tfjrer  gcitlia)en 
unb  ewigen  2G3oJ>lfalj>rt  btent*  2Son  Jefjer  glauftt  bie  $ir$e, 
bag  jtebem  Sftenfdjen  ein  (Enget  fteigegeften  fe^e,  ber  tyn  von 
^ttutterteibe  an  ftegleiten  unb  behüten  muffe»  ©a)on  bkfy  wäre 
timö  ©rofie^,  unb  mejir,  aU  wir  SD?enfa)en  verbienten;  allein 
wir  lefen  bisweilen  nia)t  btos  von  einem,  fonbern  von  vielen 
Gngetn,  i)k  fta)  Ui  einem  $?enfa)en  aufhalten*  2lt£  3a* 
fob  auf  ber  efteife  war,  faf>  er  im  £raum  ein  gan^ 
£eer  fotd;er  SSefen,  eben  fo  aud;  ber  $ro^et  (£ltfa-  — 
£>avib  fagt:  „<£r  fyat  feinen  Engeln  befohlen,  baß 
fie  bid)  htfyüttn  auf  allen  beinen  Segen,  baß  fte 
bieft  auf  ben  Rauben  tragen   unb   b\x  beinen  gujj 


66 


nifyt  an  einen  Gteitt  jtojjefh"  „2)er  <£ngel  beg 
Gerrit  lagert  fi$  um  bie  £er,  fo  ii?n  fürchten,  unb 
pitft  tpnen  au#."  ©erabe  ttue  bte(Ettern,  wenn  jte  etwas 
auf  er  bem  £aufe  gu  »errieten  f>aben,  bem  ©eft'nbe  tljr  Keinem 
tinb,  ba£  no$  ber  meiften  2lufju$t  bebarf,  mit  ben  Sorten 
empfehlen:  Xfyut,  m$  tpr  t|mt,  nehmet  nur  ba$  $inb  in 
%$)if  baf  e£  feinen  ©traben  leibe*  —  2ldj  £err,  wa^  ift  ber 
Sftenfd;,  baß  £)u  3)tc$  fein  fo  annimmft,  unb  beS  SWenfc^cn 
$inb,  ba$  2)u  baffelbe  fo  £0$  ac^teft?  2)ie  (£ngel,  bie 
reinen  ©eifter,  follen  m\$  arme,  fünbfjafte,  gebrechliche  5^en* 
fdjen  auf  ben  Rauben  tragen?  —  £)od;,  J>at  ©Ott  feinen  ©olm 
für  un$  bajjingegeben ,  voie  foftte  (Er  uns  mit  3|>m  ntcJ>t 
SltteS  fc^enlen ;  f>at  ber  ©ojm  ©otteg  um  unfertwitlen  tnec^ 
gefratt  angenommen ,  warum  fottten  nifyt  alte  (Enget  $u  un* 
ferem  ©teufte  bereit  fepn?  —  2Sir  fönnten  nod;  mehrere 
33etfpiele  *>on  ifjrer  £ilfe  au$  bem  alten  £ejtament  anfüp* 
ren;  aber  wir  wollen  5undct)ft  fefjen,  wa$  im  neuen  £efta* 
ment  von  biefen  böfjeren  ©eiftern  gefagt  wirb,  Ski  ber 
©eburt  3efu  bezeugten  fie  groge  greube  über  ber  3ttenfc$cn' 
&cit  unb  ©eligfeit;  benn  nü$t  bloS  (Ein  (Enget  tferlünbigte 
ben  Wirten  t>k  groge  greube,  bie  allem  33olfe  wieberfap* 
ren  fep,  fonbern  Uc  gan^e  2D?enge  ber  jjimmlifc^en  £eer? 
fd;aaren  fauchte  barüber  unb  preifete  ©Ott.  (Einfl  J>atte 
ber  Sfyoftet  $autug  auf  einer  9?eife  eine  (Erfd;etnung ,  er 
fajj  bie  ©ejtalt  eineö  Wlanntö  auö  Sttacebomen,  ber  ijm 
Bat:  er  fette  nad;  Sfttacebonien  fommen  unb  ijmen  Reifen. 
(Einige  galten  tiefe  (Erlernung  für  einen  £raum,  ify  möchte 
aber  ber  Meinung  eines  alten  gottfettgen  £ef>rer3  beiftim* 
men,  welker  biefen  Wlann  für  einen  (Engel  jnelt,  ber  ben 
Slpoftet  lat:  er  möd;te  lommen  unb  ipm  mit  bem  SBorte 
beS  (EoangetiumS  unb  mit  feinem  ®tbtt  ffcreiten  Reifen  wiber 
W  böfen  ©elfter*  —  (ES  bezeugt  ja  aud)  ber  $Jroppet 
3ad)artaS,  baj?  i>k  (Enget  ba$  (Etenb  eincS  tabeS  in  getft*- 
ltdjen  unb  leiblichen  fingen  ^u  «^er^en  nehmen  unb  um 
£tlfe  unb  Rettung  bitten  mit  ben  Borten:  „£err  3e* 
baotfj,  xoiz  lange  wiltft  2)u  Qify  nicf)t  erbarm 
men  über  3erufatem  unb  über   t>ic  ©täbte  3«tf 


67 


bas,  über  wefcpe  2)u  zornig  gewefen  btft  fielen* 
Ztg  3  apre?"  #ierau$  fepen  wir,  wie  fepr  eS  bie  J>ei* 
(igen  @ngel  wünfdjen,  baf?  ein  Sanb  mit  ber  ^rebtgt  beö 
göttlichen  SQSorteS  erfüllt,  ßirc^en  unb  ©cpulen  errietet,  unb  bie 
feligmad;enbe  (^rfenntnipSefu  (grifft  fortgepflanzt  werbe,  weil 
fte  wopl  wiffen,  ba§  baburcp  beS  ©atang  9?etd)  gerpört  wirb  nnb 
mele  ©eelen  gerettet  werben*  5(ucr)  ber  £eilanb  felbft  faßt 
au^brücflid) ,  baff  bei  ben  Engeln  ©otteS  im  £immel  greube 
fet)  über  einen  ©ünber,  ber  35ufie  fyue.  2)te  (£ngel  paben 
in  ©Ott  greube  bie  gülle,  unb  icf)  möchte  ntc^t  fagen,  bafi 
nodj  etm$  hinzugefügt  werben  fönne,  wenn  nidjt  ber£err 
felbft  gefagt  pätte  ,  ba£  ipnen  eine  belehrte  (Seele  neue 
greuben  bereite*  —  ©epet  alfo,  'toie  poa)  bie  menfd)ltd;en 
©eelen  im  £immel  angetrieben  ftnb!  £)ie  (Engel  freuen 
fiel)  tpeilS  au3  Ziehe  31t  ©Ott,  weil  fte  wijfen,  ba§  (Er  bie 
©eelen  fo  ^er^Xtc^  liebt,  fte  für  feinen  ^eidrtpum  pält,  aud> 
ftd)  über  bereu  23ufe  unb  ©eltgfett  freut,  fo  freuen  fte  ftd? 
mit  3pnt.  ©ie  freuen  ftdj  mit  bem  ©opn  ©otteS,  baß 
fein  tpeure3  35tut  abermals  einer  ©eele  zu  gut  fommt,  unb 
baf  ber  getreue  £irte  fein  ©cpäflein  enbtia)  wieber  gefun* 
ben  pat  ©ie  freuen  ftd)  mit  bem  peiltgen  ©eift,  ba§  fein 
SSort  wopl  geraden  ift  unb  feine  ©nabe  abermals  ein 
erwünfc|)te3  ©efäp  gefunben  $<&  2öie  follten  ftd)  bie  2)ie* 
ner  nidjt  freuen,  wenn  fte  fepen,  baß  ber  SBater  einen  vex* 
lornen  ©opn,  ben  man  für  tobt  gehalten  pat,  umarmt,  an 
fein  #er$  t'vücft  unb  mit  greube  aufnimmt?  3)ie  Gntgef 
freuen  ftep  aber  auep  aus  Zieht  zu  unö  Sttenfcpen  felbjt,  fte 
apmen  ©Ott  naep,  sor  bem  fte  fiepen,  unb  gönnen  Sebem 
bie  ©eligfett ;  [e  mepr  neue  ©eelen  gewonnen  werben, 
beflo  größer  ijt  bie  greube.  —  ©epr  paffenb  fagte  einjt  ein 
£eibe:  „Sßenn  ein  9D?enfd;  mitten  unter  ben  ©ternen  wan* 
„beln  imb  ^ie  SÖunber  be3  £immel3  nad;  £erzen$luft  be* 
„trauten  tonnte,  fo  würbe  er  boep  babei  hin  folcpe$  $er* 
„gnügen  ftnben,  att  wenn  er  einen  greunb  um  ftep  pätte, 
„bem  er  feine  greube  mittpeilen  tonnte*  2Benn  bie©ounen* 
„ftraplen  *>on  einem  ©Riegel  zurücfpraUen,  fo  ftnb  fie  ftar* 
„fer  aU  an  ftd;  felbjt,  unb  bie  greube  ijt  größer,  wenn  fte 

5  * 


68 


,,fio)  in  eines  JreunbeS  ^er^  ergiegen  fann*"  ~  ©0  iß  e$ 
mit  ben  9ftenfa)enfreunben ,  ben  Engeln  ©otte3 ;  fte  tt>ait* 
fceln  j[a  mitten  unter  ben  Sternen  unb  geniegen  alle  greu* 
ben  be3  £tmmet$ ;  aber  fte  wünfa)en  boä)  t>k  9flenfa)en 
Bei  ß'a)  31t  fwkn,  um  mit  tjjnen  feiig  $u  fe^iu  £)enn 
gleich  wie  bte  greube  bei*  2luSerwä}?Iten  im  £immel  in  fta) 
felfcß  wcta)fet,  wenn  eine  ©eele  ber  anbern  aU  ein  Ieua> 
tenber  ©tern  entgegenßraf>Ien  unb  ein  ^erflctrter  $tih  bura) 
feinen  ©Ian$  ben  anbern  ergoßen  wirb,  alfo  iß  e3  and)  mit  bcn 
Engeln,  unfere  greube  ift  aua)  i^regreube,  unfere  ©eligfeit 
mboppeltbie  irrige,  ©ie  freuen  fta)  barüfcer,  ba£  fte  bura; 
©otteS  ©nabe  täglia)  mepr  ©efetffä)after  klommen  im 
©enug  ber  £iek  unb  in  ber  Huefcreitung  be$  £ofce£  ©ot* 
te3*  ©ie  freuen  fta) ,  baf?  ipre  3c$I,  weld)e  bura)  ben 
2Ibfatf  ber  fcöfen  ©eißer  t>erminbert  würbe,  bura)  bie  menfa> 
lta)en  ©celen  ergänzt  wirb,  unb  ba$  fte  an  tiefen  reia)Iia) 
wieber  fcefommen,  m$  fte  an  jenen  verloren  Jmfcen*  23e* 
beulet  baljer,  \x>k  f>oa)  bie  Seelen  im  £immel  angefa)riekn 
finb ,  wela)e  ©Ott  unb  feine  (üntgel  erfreuen  lönnen ,  unb 
wela)e  würbig  geachtet  werben,  ber  (Enget  ©teilen  $u  erfe^en 
unb  ben  Engeln  gleia)  ^u  werben!  —  £)ie£  Iel)rt  aua)  93etru3, 
wenn  er  fagt:  baß  bie  (Engel  mit  £uß  flauen  in  ba3  ©e= 
f>etmniß  beS  (Evangeliums  unb  hen  3?eia)tfmm  ber  ©nabe 
©otteS,  weld)er  bura)  bie  $ro!pf>eten  9erf>eißen  unb  bura) 
bie  2tyoßeI  ber  Seit  bargeooten  worben  iß*  2)ie  ^eilige 
©a)rtft  iß  ein©d)a#  *>otf  mancherlei  Sei£j)eit  unb  Söunber 
ber  £iefce  ©otte£;  bura)  bie  $rebigt  beS  Sorten  wirb 
berfelfce  geöffnet,  unb  3efu£  mit  feinem  teuren  Sßerbicnß 
unb  23Iut,  wk  aua)  bte  mana)eriet  ©nabe  ©otteS  unb  ber 
reta)e  £roß  be3  ^eiligen  ©eiße3  umfonß  unb  opne 
©elb  ben  2D?enfa)en  angeboten»  liefen  ©a)a§  wünfa)en 
aua)  bie  (Enget  ^u  fa)auen,  'oamit  fte  babura)  ^ur  5Inoetung 
ber  2lltmaä)t,  SÖet^^eit  unb  ©üte  ©otteS  ermuntert  werben* 
©ie  Jjafcen  akr  aua)  bie  $0?enfa)en  fo  liefc,  unb  fej>en  tj?re 
©eligfeit  in  (Sjmßo  fo  gerne,  tok  ein  Vorüber  an  be3  an* 
bern  ©lücf  mit  ?nß  unb  greube  £f»eil  nimmt  £)te  (Engel 
ergoßen  fta)   baran,  wk  fo  üiele  taufenb  arme,  fünblia)e 


69 


Seelen  bei  3efu,  bem  ©nabenftuble,  Vergebung  ber  Sünbeu, 
£eil  unb  ewigem  ?ekn  fuc^en  unb  ftnbem  —  £)en  gleia)en 
Sinn  paben  bie  28orte$ault;  „3pm,  bem  Allergertng* 
fiert  unter  benJpeiligen,  f e p  gegeben  biefe  ©nabe, 
unter  ben  Reiben  31t  serfünbigen  ben  unau^ 
fprea)lia)en  Sfteia)tl)um  (£Jj>rifti,  bamit  nun  funb 
würbe  ben  gürftentfjümem  unb  £errfa)aften  üt 
bem  £>immel  bte  mannigfaltige  %§ti$$eit  ©ot* 
teö  an  ber  Gemeine/'  ©er  2tyoftel  will  fagen:  „er 
fwbe  ben  33efefrt  *>on  bem  barmherzigen,  gütigen  ©Ott,  alle 
Sa)ä£e  unb  bie  gütfe  ber  ©nabe,  ber  ©erea)tigfeit,  ber 
WStitytit  unb  ber  Seligfeit,  bie  er  in  G^rtfio,  feinem  lieben 
Sojm,  bargelegt  J)abe,  ben  Reiben  zu  eröffnen  unb  bura)  bie 
^rebigt  be$  (£$angeliumg  anzubieten,  unb  zwar  nid)t  blo£, 
bamit  alle  Wienern  bk  ifmen  angebotene  Seligfeit  bura) 
ben  ©lauben  annehmen,  fonbern  aua)  ba$  ten  (Engeln  ba* 
bura)  um  fo  meljr  Urfaa)e  zum  £ob  unb  %ux  %kte  ©otle3 
gegeben  werbe*  £)en  Engeln  war  zwar  jieneS  ©epeinmig 
üon  ber  Berufung  ber  $tibm  fti  Gfmfto  fa)on  früher  be* 
lannt;  aber  fte  fapen  jegt  erjt  bie  Erfüllung  beffelben  unb 
Ratten  tpre  £ujt  baram  £)te  $ira)e  3efu  ijt  gleid)fam  Uer 
Spiegel,  barin  jene  feiigen  ©eijler  ben  fRtifyfyum  ber  göttlt* 
d;en  ©nabe  aufbauen  unb  fia)  barüber  serwunberm  %U  2Bda)* 
ter  unb  33eförberer  ber  ©ottfeligfeit  finb  fte  in  ben  ^eiligen 
SSerfammlungen  tu^m,  ermuntern  Uc  unaa)tfamen  mb 
fd)läfrigen  ©emütper  z^w  ®t^tt  unb  $um  2lnl?ören  be£ 
göttlia)en  SÖorteg,  unb  pelfen  un3  ©Ott  loben  unb  greifen. 
Sie  beförbern  bie  ^rebigt  be3  (£oangelium$ ,  unb  räumen 
alle  iMnbermjfe  aus  bem  Sege,  fte  freuen  ftd),  baß  ©Ott 
an  Mittel  gefunben  l)at,  bie  in  ber  Abgötterei  unb  in 
anbem  Sünben  $erfunfenen  Späten  zu  belehren,  unb  wün- 
fd)en,  baß  bie  ganze  Sßelt  feiig  werben  möchte.  £)  wela) 
eine  große  (££re  ijt  eS  für  ba$  9ttenfa)engefa)lea)t,  ba$  wir 
fd;on  in  biefem  £eben  ©emeinfdjaft  mit  ben  Engeln  fabelt, 
unb  fte  jta)  unfer  ntc^t  fdjämem  3Öir  treten  mitten  unter 
tfjuen  Ipirr  yor  ©Ott,  um  3jm  anzubeten  unb  zu  loben,  vok 
t$  im  ^falm   £eij?t:  „3a)   banfe  £)ir  son   ganzem 


70 


$zx%zn,  t>or  ben  ©öttern  0>or  t>en  Engeln)  will 
t(^  hix  lobfingen."  —  D  £errrlta)feit  unb  ©eligfeit 
ber  menfo)lio)en  ©eelen!  —  2>er  £err  unfer  ©Ott  Jjctt 
aber  aua)  ßerblia)e  GEngel  auf  (£rben,  nctmlia)  £ejjrer  unb 
53rebiger,  bie  (£r  felbß  tiefet  Samens  gewürbigt  l?at  £)b* 
gleia)  (£r  biefelben  auSerwajjlt  imb  mit  |>errlta)en  ©aben 
au^gerüftet  jjat,  fo  gefa)alj  eS  boa)  nur  um  be$  £)ienfie3  ber 
Beeten  willen*  „(5ie  waä)en  über  biefelben,  al$  bie 
ba  ^eajenfajaft  bafür  geben  follem"  ©ie  ft'nb 
©otteSbiener  unb  ©ejwlfen  in  feinem  ©arten,  bie  ©eelen 
ft'nb  bie  ebeln  ^flan^en,  wela)e  von  jenen  verpflegt,  begoffen, 
vom  Unfraut  gereinigt  unb  mit  großem  gleiß  bewahrt  wer* 
ben  follen*  £>aji>er  fagte  $aulu3:  „2öer  bin  iä),  wer 
tft  Slpollo?  Wiener  finb  wir,  bura)  wela)ci£r 
glaubig  geworben  fet;b,  tä)  £abe  gepflanzt, 
2lpollo  fjat  begoffen;  aber  ©ott  Ijat  ba6  ©e* 
beiden  gegeben/'  ©ie  ftnb  £ta)ter,  bk  fta)  felbft  in 
Qttüpe  unb  Arbeit  w^pren,  unb  ben  ©eelen  ^um  Fimmel 
leiteten  muffen;  fte  gehören  mit  allen  ipren  ©aben,  Gräf- 
ten unb  Vermögen  nia)t  fta)  felbß,  fonbern  ber  ©emeine  ^u, 
wie  ber  2fyoftel  abermals  fagt:  „&$  ift  alle£  euer,  e$ 
fe$  Paulus  ober  Apollo,  e$  f esp  $epl)a£  ober  bie 
2Selt,  e$  f e 9  ba$  Ztltn  ober  ber  £ob,  ?llle$  ift 
euer/'  £>ie  $rebiger  jtnb  tterbunben,  eua)  nid)t  blo3  fo 
lange  fte  leben,  $u  bleuen;  fonbern  auä)  mit  i^rem  £obe, 
wenn  fte  eua)  baburä)  im  ©lauben  befejtigen  unb  in  ber 
©ottfeltgfeit  weiter  bringen  fönneu*  £)af)er  ^auluS  x>tx* 
fta)ert:  iä)  will  feljr  gerne  barlegen  unb  bargelegt  werben 
für  eure  «Seele,  2  $or.  12,  15;  —  2We$,  m$  ia)  £abc, 
will  ia)  baran  fe£en,  will  mein£eben  gerne  wagen  nnb  ba* 
£in  geben  für  eure  ©eligleit  —  2)ie  £e|>rer  follen  weber 
Sflüpe  noa)  Arbeit,  j[a  felbft  ben  £ob  nid)t  fd)euen,  bamit 
ber  ^ame  beS  £errn  gepriefen  unb  bk  (£xftnntni$  3efu 
(grifft  beförbert  werben  möge  in  ber  ©emeine,  —  <Sk  ft'nb 
©otteS  £au#alter  über  feine  ©e^eimntffe,  benen  <£x  bk 
<5a)lüffel  au  allen  feinen  ©a)ägen  anvertraut,  boa)  fo,  ba$ 
fte  feine  tinber  mit  bem  ^ot^wenbigen  serforgen  unb  t>u 


71 


rechter  Seit  mit  ©peife  t>erfef>en  fetten,  ©teidjwte  ©Ott 
ben  dikxn  eine  augerorbentltä)e  Stete  31t  ben  ttnberu  ein* 
gepflanzt  bat,  weswegen  fte  jtd;  alte  SWü^i  unb  WcUit  um 
bcrfelben  Witten  gefältelt  laffett,  fo  pat  (£r  aua)  ben  Cejjrern 
Siebe  3U  ifjren  3uprern  eingeprägt,  bafj  fte  feine  Söiber* 
wärtigfeit  unb  feine  2lnjtrengung  fd;euen,  fonbern  Sitten  gerne 
übernehmen,  um  einigen  üftugeu  $u  fd;affen  unb  etliche  jur 
©eligfeit  31t  führen*  „2öir  leiben  junger  unb  Surft, 
fagt5)aufug,  unb  finb  bieg,  unb  werben  gefa)lagen, 
unb  paben  feine  gewtffe  ©tätte,  unb  arbeiten  unb 
wirfen  mit  unfern  eigenen  £änbeiu  Sir  finb 
ßetä  al3  ein  glua)  ber  Söelt  unb  al$  ein  2lu3fe£* 
rid;t  aller  Seute*"  —  D  wie  mana;e  fromme  Steuer 
fJtifK  in  Dörfern,  $tarftf(eden  unb  ©täbten  leiben  «ftotp 
bei  iprent  müjjfeltgen  SlnUe!  SKau  betrübt  biefelben  burcl) 
gotflofen  iüßanbel,  quält  unb  bebrängt  fte,  unb  legt  ijntcn 
allerlei  £iuberntffe  in  ben  2Öeg,  ©ie  bringen  ü)r  Seben 
mit  ©ergeu,  Kummer,  Mangel,  Arbeit  unb  Sßiberwärtigfeiten 
3u;  aber  fte  werben  bod;  nid)t  mübe,  für  bie  ©erneute  ^u 
beten,  3U  wad;en  unb  fte  Jfer^lid)  $u  lieben;  beim  ©Ott,  ber 
©eelenfreimb,  jtärft  ü)re  |)eqen  in  ber  %khe  3efu  Gtprtftt, 
unb  maa)t  fte  freubig  in  atterlei  £rübfal,  hamit  bk  ilmen 
anvertrauten  (Seelen  gerettet  unb  buref)  tyxtn  Sienj:  jum 
f>immel  geführt  werben.  —  Ser  ^o^eprtefter  beS  alten 
£eftament£  trug  einen  ©a)tlb  mit  12  <£belfteinen  befe^t,  in 
wela)e  bie  Tanten  ber  12  Stämme  3fvael^  -  eingegraben  \x>a* 
ren,  auf  feiner  23rufi  (Ein  fdjöne^  SSorbilb  für  t>k  xtfyu 
fdwffenen  Steuer  ber  ©erneute  im  neuen  £ejtament+  Sie 
Flamen  würben  in  (£belfteine  gegraben,  um  ben  £o|>en  SBertt) 
ber  ©eelen  an^ubeuten,  fte  Ipat  ©Ott  feinen  Sienern  gleia;* 
fam  auf  3  £er$  gebunben,  unb  ^iüf  baß  fte  geliebt  werben, 
ix>k  baS  eigene  £er^  Sa^u  erwf eft  (Ex  fte  buref)  feinen 
©eift,  unb  bte  Siebe  @j)rijti  bringet  fte  ba$u*  Sernuaa)  bie* 
uet  %lk$  ben  ©eeten  ber  ^enfajen,  ©Ott  felbjt  unb  wa$ 
im  #immcl  unb  auf  Arbeit  ifh  Ser  Sßenfd;  fprtdjt: 
„Hlles,  rvaö  £)bem  fyat,  lobe  ben  £errn!"  — 
©Ott    bagegen    fagt  ;     „2llle$,    \va$    Seben     unb 


72 


Gräfte  f>at,  biene  ber  ©eele!"  D  tt)te  pod^ge^ 
fa)ägt  tffc  alfo  biefelbe  bei  bem  Gerrit,  tljrem  ©ott!  — 
Raffet  eua)  aber  md^t  »erbriegen,  tag  id)  fo  oft  auf  bie 
|>oJ)e  2Öürt>e  ber  ©eele  aufmerffam  maa)e;  eg  tp  vx>op!  bei* 
SD^ü^e  tt>ert^,  aud;  wäre  $u  wünfd)eu,  bag  alle  ßjmften 
bieg  wopl  beherzigten,  unb  bag  e$  allen  von  £inbjjeit  an  ein* 
geprägt  würbe*  2We  follten  kviffen,  wo^u  fte  ©ott  erfa)affen 
unb  mit  einer  vernünftigen,  unfterblid)en  ©eele  begabt  jjat; 
warum  (£r  fte  burd;  ba$  tj)eure23lut  feinet  ©oj)ne£  erlauft, 
mit  feinem  j)eiL  ® eifi  verftegelt,  mit  feinen  Gntgetn  umgeben 
unb  einer  fo  großen  ©nabe  unb  ©üte  gewürbigt  £at*  — 
Leiber  aber  fennt  fta)  bie  ©eele  oft  felbft  nia)t*  ©ie  $er* 
ftept  ifjren  ÜHl  unb  £errltd)feit  nid)t,  unb  lagt  fta)  foleia)t 
3U  nia)t3  würbigen  fingen  verleiten,  —  £)ie  fleinen  ^inber 
fegen  ftd;  mit  ben  foftbarflen  tteibern  in  ben  ©anb,  unb 
fpielen  in  ü)rer  Unwiffenljeit  mit  ©gerben  ober  puppern 
(£benfo  »ergigt  aud)  unfere  ©eele  gar  oft  ü)re  £ol)eit,  fjängt 
fta)  an  zeitlitt)e$  unb  s>ergänglid)e3  ®ut,  fud)t  ü)re  greube  an 
bem  3rbifa)en,  unb  will  in  ü)rer  £fjorl)eit  ipren  ©d;mud  gegen 
eiteln  £anb  ttertaufd;en*  —  £)arum  merfe  auf,  bu  eble  ©eele, 
unb  ftelje,  wo£in  bia)  bein  ©ott  gefegt  unb  wie  Ijoa)  (£r 
bia)  erhoben  l?al?  £)u  bift  tterftegelt  mit  bem  ©iegel  be$ 
lebenbigen  ©ottes,  Uft  bit  2öoJ)nung  be£  £od)ften,  bie  (£r 
fta)  gur  ^upe  erwägt  j)at  ©eine  (£ngel  begleiten  bia)  auf 
allen  beinen  Sßegen,  wad;en  um  bein  23ette,  wenn  bu  fd)läfft, 
trauern  mit  bir,  wenn  t)U  httxüht  bift,  unb  ftärfen  bia)  in 
§lng(t  unb  9lotf>,  fie  nehmen  gpeil  an  beiner  greube,  frören 
unb  feljen  bir  ^u,  wenn  bu  beinern  ©ott  bienft,  3j?n  anbetet 
unb  feine  ©üte  preifeft,  fte  wünfa)en  aud)  nid)t3  anberg  aU 
beine  ^eitlid)e  unb  ewige  2öoJ)lfa1?rt*  liefen  ©inn  fyat  ber 
gute  ©ott  t>m  ytytxn  ©elftem  eingepflanzt,  bag  fte  fta) 
gan$  beinern  2Menfte  wibmen;  t^re  ©aben,  i£re  Sei^ett, 
i|>ve  ©orge,  ü)r  ©ebet,  ü)r  &im  ift  beut,  fte  ftnb  bereit, 
2llle$  gu  iljun,  nur  bannt  bu  ^u  ©otte£  $rei$  im  ©lauben, 
in  ber  ZkU,  in  ber  Hoffnung  befeftigt  unb  $ur  ©eligfeit 
erhalten  werbet  —  2öa$  willj!  bu  alfo  tjmn,  o  Qifyxift, 
unb  tca$  erwdijlft  bu  für  bia)?   3fl  bie  ©ünbe  ober  bie 


73 


©ottfcltgfcit  bejfer  ?  SZÖtttft  bu  nidjt  tiefer  ein  Tempel  be£ 
fceiL  ©etfteg  al$  eine  SSopmmg  beg  ©atan3  fe^n?  3ft  e£ 
nid;t  beffer,  ben  ©etft  ©otte£  3um  greunb,  gum  Softer,  gutn 
33etftartb  $u  £aben,  als  ben  pltifdjeu  ©eijt,  ber  um  gum 
23öfeu  verführt  ?  3)!  niä)t  hk  ©efetCfc^aft  ber  £ngel  beffer, 
al$  bie  ber  Teufel?  3(t  e£  ntc^t  beffer,  ben  Wienern  ber 
©erneute  eine  grenbe  gu  machen,  aU  fte  gu  betrüben  unb  t£r 
<3euf$cn  wotber  ftd;  ^u  jwben  ?  SBarum  wolltet  bu  beine  |)oi>e 
«Befttmmung  verlaffen  nnb  $>ify  in£  (£lenb  fluten  ?  3ft  e^ 
bie  fcfmcbe  £ujt  ber  @ünbe  unb  bk  vergängliche  greube  ber 
2Mt  wern),  bag  man  um  ihretwillen  Uc  ©nabe  3efu  (Ejmftt, 
bie  $kht  ©otte£  unb  bie  ©emeinfd)aft  be3  ^eiligen  ©eifte3 
verfdjer^t  unb  ftd)  $u  abgefagten  getnben  be£  menfd;ltd;en 
®e$jtfedj$  gefeilt?  —  £)a£  fep  ferne!  —  Darum  füljre 
allezeit  einen  guten  Söanbel  unb  betrage  bi$  fo,  wie  e$ 
einem  $inbe  ©otteg  gujiepk  ©treibe  bie  SÖorte  be£  2tyoftel$ 
in  bein  £erg:  „SBiffet  ij)r  nid;t,  ba§  euer  ^ei^  ein 
Stemmet  be$  ^eiligen  ©etfte$  tjt,  welken  i£r  jjabt 
von  ©ott,  unb  fe^b  nid;t  euer  felbft?  3^  feyb 
treuer  erlauft*  ^Betrübet  nictyt  ben  ©eift  ©otteg, 
bamit  ipr  verfiegelt  fe^b  auf  ben  Sag  ber  &x* 
löfung*"  gliejjet  ba$  gottlofe  SöSefen  ber  SOSelt  unb  meibet 
jebeÖeiegenljeitgur  ©ünbe:  „£)ein£ebenlang  f>abe©ott 
vor  klugen  unb  im^er^cn,  unb  Jute  bid),  bafj  bu  in 
feine  ©ünbe  voiXttgeft/'  S8erwal?re  bidj  tctglid)  vor  bem 
33öfen  burd)  bie  ^Betrachtung  beiner  po£en  2ßürbe,  i>k  bu  burd; 
©otte3  ©nabe  in  3efu  ^prifto  erlangt  £afL  Unb,  weil  bu  weifit, 
ba$  bie  fmligen(£ngel  Überali  um  bid)  ftnb,  fo  lebe  aU  einenge! 
unter  t>cn  (üntgeln,  in  ber  gurc^t  @otte3,  in  ^eufc^peit  unb 
$?c$igfeit,  |mte  Uü)  mit  allem  gTeif ,  baß  bu  biefe  beine 
gfreunbe  nid;t  betrübjt  unb  bagegen  ben  bofen  ©eiftern  eine 
greube  mcufyfi.  betrübe  aud)  bk  £eprer  nidjt,  bie  über 
beine  ©eele  wachen,  fte  ftnb  ojmeljtn  geklagt  genug;  benn 
c£  ijt  leiber  ba^in  gefommen,  bajü  bie  eifrigen  Diener 
(Sfmfti  if>r  Slmt  mit  beftänbigem  ©euften  führen,  unb  traurig 
leben  unb  fterben  muffen,  weil  fte  feljeu,  b<x$  ba$  gottlofe 
Söefen  mit  üftadjt  annimmt,  unb  ba$  wa^re  ^^riftent|>um 


74 


täglid;  mepr  verfc^winbet.  ©eitbem  ber  Satan  bie  ©otte$* 
täugner  gefanbt  J>at,  ift  (S£rifht$  unb  fett\  Sßort  unb  feine 
Diener  ^ei  fielen  gutn  ©efpötte  geworben,  D  gefeite  bic$ 
nifyt  gu  fetten  gottlofen  beuten,  unb  betrübe  nia;t  nodj 
mebr  bie  re$tfd>affenen  £)iener  3efu  Gtjmftt;  fonbern  gef?ord>e 
iftten,  $>a$  fte  iljrem  ©Ott  taufen  tonnen,  fo  oft  fte  bein 
gebenfett,  unb  baf?  fte  bicj)  mit  9?e$t  bte  $rone  i£re$  Wufymö, 
tyxt  (Efyxe  unb  greube  nennen,  unb  bify  aU  eine  gefegnete 
grud;t  iljrer  Arbeit  bem  £errn  3efu  bei  feiner  3ufunft 
barftellett  mögen»  —  —  prüfet  bajjer  and)  euren  hityexi* 
gen  Söanbel,  meine  liebe  ßjmjlen,  ob  berfelbe  eurem  Sauf* 
bunb  unb  ber  #errlid;feit  eures  33erufS  gemäß  gewefen  fei) 
ober  nidjt?  £)  tt)te  $iele  ^er^en  ftnbet  man  unter  ben 
(Ejmfkn,  bk  nidjt  Riffen,  warum  fte  (£jmften  ftnb,  unb  tte 
in  iljren  ©üttbett  unb  in  ber  größten  ©idjerjmt  bafjin  leben, 
wie  bie  Reiben*  —  £)a3  Slrier  achtet  nid)t  auf  beS  £immel3  Sauf, 
Wenn  es  nur  feine  Grippe  voll  jjat,  unb  mancher  $äfer  ergäbt 
ftd)  an  bem  ©üngerpaufen,  wenn  atäd)  über  bemfetben  Dtofen 
in  voller  ^lütpeftefjen;  fo  gibt  e3  leiber  x>tetc  Triften,  beuen 
ber  ©d;lamm  ber  ©ünbe  lieber  ift,  aU  ber  lautere  ©trom 
ber  ©nabe  ©otteg,  fte  achten  nid;t  auf  bie  äßürbe  iprer 
©eele,  m#f  auf  bk  £errlid;feit,  weldje  biefelbe  hei  ©Ott  burd; 
@j)riftum  $at,  wenn  fte  ft$  nur  mit  ber  greube,  £uft  unb  @$re 
ber  SBelt  fättigen  fönnen,  2ld),  wk  mancher  $?enfd;  Utxixht 
täglich  ben  ^eiligen  Seift,  verunreinigt  beffen  Tempel  in 
jtd),  »ertreibt  bte  dntget,  unb  quält  bie  #er$en  berer,  bie 
für  feine  ©eele  wadjen!  ^3rüfe  biä)  wopl,  o  ^Ocenfa)!  ob  bu 
niefit  au$  ju  biefer  3cij)l  sejorefl,  unb  bisher  beine  ©eele 
gum  fd;mä£lic$en  £)ienfte  beS  ©atanS  unb  ber  ©ünbe  tyn* 
gegeben  paft  ?  2ld),  fe£re  wieber!  $e£re  wieber  bu 
abtrünniger,  gebenfe,  bur$  wag  bu  gefallen 
bijt,  unb  tl;ue  23uf?e!  tßkUcia)t  |>aft  bu  bt^er  an$  Un* 
wiffen^eit  unb  Utroerftanb  gefünbigt,  unb  baa)k\t  nid)t  an 
bk  £  errlia)f  eit  ber  £inbfd;aft  ©otteS,  bie  bir  in  ber  Saufe 
gefa)enft  würbe?  %$küäd)t  Ijaft  bu  bk  mancherlei  2So£l* 
traten  unb  bie  ©üte  ©otteS,  bie  dx  an  bid;  gewenbet  £at, 
nid)t  wrftonben?     Nun  aber,  naä)bem  bu  biefeg  pbr(t  unb 


75 


liefefi,  fannft  bu  bta)  mit  ber  Unw>iff^np ext  md)t  mejjr  ent* 
fcfjulbigen,  unb  barfft  glauben,  baff  alle  Sünben,  bie  bu 
nun  kge£ft  um  einen  Zentner  fdjwerer  ftnb  als  bie  vorigen, 
£)arum  fef?re  lieber  gu  beinern  ©Ott  unb  fetner  ©nabe, 
fcjjre  wteber  bu  verlorner  ©opn,  $u  beinern  liebreichen  SBater, 
ber  Icingft  naä)  bir  fielet,  unb  bia)  mit  offenen  Firmen  erwartet ! 
$e|>re  jurfitf,  bu  2krfül?rter,  unb  bringe  bein  unreine^  £er$ 
3u  ben  SBunben  3efu  @f)rifti,  unb  benfe  an  bie  28orte  bes? 
gnäbtgen  unb  barm|>er3igen©otte3:  „3a;  will  reinSöaf- 
fer  (ben  Jjetltgen  ©eift)  über  eua)  fprengen,  baß 
tyx  rein  werbet  $on  aller  eurer  Unreintgfeit, 
unb  will  ein  neu  £er$  unb  einen  neuen  ©eift  in 
eua;  geben/'  —  Söarum,  o  Sfflenfd;,  willjt  bu  nod)  länger 
ein  geinb  beineS  gnäbigen  unb  gütigen  ©otte£  Utihcn^ 
SBarum  foll  ba3  tfjeure  £ofegelb  %tfn  langer  an  bir  ver* 
loren  fepn?  SBarum  verfagjt  bu  bem  ^eiligen  ©eijt  bie 
SÖßopnung  in  beinern  «"perlen?  3(i  e3  benn  beffer,  ben  ©atan, 
als  tiefen  £röfter  M  fta;  $u  Ijaben?  3ft  z$  xefyt,  einen 
geinb  £u  beherbergen  unb  ben  treuen  greunb  |>inau^ufi:ofmt? 
©ief?e,  noä)  j[e<3t  fa)webt  ber  ©eift  Qoctteö  als  23ote  beS 
griebenS  über  beinern  ^er^en,  warum  witlft  bn  bia)  weigern, 
3J?n  an^une^men?  £af  es  genug  fe^n,  bag  bu  bie 
vergangene  Seit  betneS  SebenS  ^ugebraa)t  Jjaft 
naä;  bem  |>eibnifd)en  Sötllen,  baj?  bu  gewanbelt 
£afi  in  Un^uc^t,  lüften,  Völlerei  unb  £runfenfjett, 
unb  lebe  bie  2>tit,  bie  bu  uoa)  $u  leben  jjaft  im 
gleifd;,  bem  SSillen  beineS  gütigen  unb  lieb* 
reichen  ©otteS!  (Erfreue  bie  (£ngel,  bie  bu  bisher  mit 
beinen  ©ünben  hetxüht  Ijajt,  nun  aiify  mit  beiner  ©inneS* 
emberung/  Siefje,  bie  SBotm  ©otteS  bieten  bir  ben  grteben 
an,  fte  hüten  bia)  an  dprifti &tatt :  „£af{  bia)  $erföj>nen 
mit  ©Ott/'  £)u  follteft  billig  ben  grieben  fudjen,  unb  wenn 
©Ott  bir  bie  SBerföjmung  nid;t  anbieten  würbe,  berfclben  naä;* 
geljen,  wie  ein  |rirfd;  bem  frifa)en  Söaffer;  bu  follteft  3U 
ber  ©nabe  beS  gefrcu$tgicn  3efu  auf  ben  $nieen  frieden, 
mit  bort  Skrföbnung  31t  ftnben  tjh  £>u  follteft  fte  mit  all 
beinern  ©ut,  fa  mit  ben  6a)ci^en  ber  ganzen  Seit  erfaufen; 


76 


unb  tu  wotfteft  bto)  lange  bebenfen,  (te  an$unej?men,  ba  fte 
bir  au$  lauter  göttlicher  ©üte  unb  SBarmpeqigf eit  umfonft 
angeboten  wirb  ?  ©iepe,  bte  ^rebiger  bieten  bir  von  ©Ott 
einen  Del^weig  an,  unb  bu  witfft  fo!a)en  mit  einem  £)or* 
nenjfraua)  erwiebern?  ©ie  palten  bir  bte.  S3armper^'g!et't 
©otte3  vor,  unb  bu  fegefl:  berfetben  beute  £artf)eräigfett  ent* 
gegen  ?  ©ie  geigen  btr  bte  offenen  SOßunben  3efu,  unb  ha 
fcpefefi  bein  £eq  fejl  ^u  vor  benfelben?  ©tc  Getuen,  fte 
rufen,  fte  hüten  bia),  unb  t>n  fpotteft  iljrer?  2Btc  lange 
nnttffc  bu  fo  rafenb  fe^n,  unb  wiber  beine  ©eele  ftretten? 
SSte  lange  foft  man  bta;  noa)  hüten ,  bu  möa)tefl  btr  boä) 
gum  £immel  unb  ^ur  ©eligfeit  Reifen  (äffen?  2t  ä)  #err, 
£err  ©ott!  25armf?er3tg,  gnäbtg,  gebutbtg  unb 
von  großer  ©nabe  unb  Greuel  Späht  noa)  eine  3«t* 
lang  ©ebufb  mit  benen,  bie  beine  ©nabe  bt^er  veraa)tet 
paben!  2Bir  motten  biefe  unfruchtbaren  Zäunte  noa)  fleißig 
umgraben,  fte  bebüngen  unb  begießen,  ob  fte  nia)t  noa)  gtüajte 
bringen  würben!  28ir  wotten  nta)t  nad)Iaffen,  fte  $u  hütmf 
au  ermahnen,  unb  tj?nen  beine  ®ntt  in  d^rifto  burä)3  Bort 
vorftetfen,  ob  fte  fta)  vietfeid)t  nia)t  erbitten  nnb  gewinnen 
Jaffen!  2la)  ©ott!  gebenle,  baß  e£  ©eelen  ftnb,  bk&u  ^um 
ewigen  Zthtn  erfa)affen,  mit  bem  2tfut  beutet  ©ojme3  er* 
föst,  unb  bura)  beinen  ©eift  ^u  beinern  D^eiä)  berufen  j?aft! 
&  finb  verirrte  unb  verführte  ©a)afe,  £err  3efu,  2)u 
treuer  unb  guter  #irte!  ©ua)e  unb  bringe  fte  aured)t,  fo 
wollen  wir  bir  banfen  in  (Ewigfeit*    2tmen» 


77 


fünfte    spre&igt 

$en  bem  fläg»io)en  %all  ber  @eefe  unb  bem 
SB  erb  erben  ber  ©ünbe» 

3?öm.  5,  12«    £)ur#  ©tnen  ^enfe^en  ift  fcte  ©tinbe  in  btc 
SBeft  gekommen  ?.c» 


Eingang» 
^m  Stuten  gefu.   bitten ! 

2öte  bijt  bu  sem  £immet  gefallen,  bu  fa)ener  $Jcer* 
genftern!  ruft  (£fata$,  als  er  ben  gall  be6  ^enigS  p 
23abel  im  ®etft  x>or^erfap.  Zottige  unb  gürften  ftnb  von 
©ott  £oä)  über  Slnbere  erhoben,  unb  mit  (£f>re,  Wtatyt, 
9teia)t£um  unb  £errlia)fett  au^gejfattet ,  bafü  fte,  wie  ber 
9ftergenftern  $or  anbern  ©ternen,  9  er  anbern  9J?enfa)en 
glänzen  unb  leua)ien  fetten»  Söenn  fte  fta)  aber  if)rer  ?(ftad)t 
unb  #errlia)f  eit  wegen  ergeben,  unb  biefelben  gur  3Serac^- 
tung  <&ctte$ ,  sur  Uepeigfeit  unb  $ur  Ungeredjttgfei»  nu> 
Brausen,  fe  ift  e3  3Jm  ein  £eid)te6,  bag  (Er  fte  ^runter* 
ftür^t  $en  tprer  £öf)e,  bag  (Er  @ä)maa)  fommen  lagt  über 
W  gürften,  unb  fte  gu  einem  $eraä)tcten  Qifytkin ,  ja  311 
9cia)  t3  ntaa)t»  2)te  ^afeten  (»eigen  gefa)winb  in  bie  £o£e  unb 
geben  einen  leua)tenben  ©lan^  sen  fta);  wenn  fte  aber  auf  $ 
£ea)f»e  gefemmen  finb,  fo  f>aben  fte  fta)  felbjt  aufgegeljrt, 
unb  e$  bleibt  ma)t$  übrig,  afe  aufgebrannte^  Rapier,  bag 
herunterfällt  unb  vertreten  wirb»  Sin  tiefen  fingen  Pfle- 
gen fta)  bie  ijeljen  Häupter  ber  SQSelt  31t  ergeben,  wenn  fte 
fta)  rea)t  f>errlia)  unb  frepä)  geigen  wettern  Sla),  baß  bea) 
Sitte  biefe  £errliä)fett  fo  anfefjen  mochten,  ^k  einjl  an 
greger  5D?enara),  ber  furg  x>ox  feinem  (£nbe  fta)  mit  einer 
SRafete  tterglta),  unb  feine  ©ebanfen  über  t>k  Gritelfett  ber 
irbifa)en  ^3raa)t  fa)r»ftlia)  unterlieg»  Sld),  bag  fte  fta)  ftet$ 
an  bie  28orte  t^re^  eberften  £ejj>n^errtt,  beffen  dltid)$an\U 
lettte  fte  nur  ftnb,  erinnerten:   ,,3a)  j>abe  wef>l  gefagt, 


78 


t£r  fc^b  ©^tter,  unb  allzumal  Jhnber  beS  £öa> 
Pen;  aber  i£r  werbet  jterben,  wie  bie  Sflenf^en, 
unb  wie  ein  Xyxattn  31t  ©runbe  geljen!"  £>  mc 
mancher  Regent  fallt  vom  £ünmel  0>e*  weltlichen  $raa)t 
unb  £errli(|)feit)  in  bte£ölle,  in  bie  ewige  £iual  unb  ^ein, 
au$  bem  9?eiä)tl)um  in  tk  ewige  2lrmutJ>,  aus  ber  pödjftot 
(£pre  in  i>k  itefjle  Sftaverei  be6  £eufel$ !  £)o$  wir  wollen 
biefen  ©ebanfen  ni$t  weiter  verfolgen,  fonbern  fagen  Uo$ : 
ba  e3  fo  ftäglia)  fjt,  unb  fo  große  Söeftärjung  bei  3?^* 
mann  verurfaa)t,  wenn  ein  f>olje$  $awpt  von  feiner  #öl)e 
unb  £errtiä)feit  in  @a)maa),  $eraa;tung,  2lrmutl>  unb  Grlenb 
verfällt,  um  wie  viel  me£r  ijt  eg  ju  beflagen,  baß  bie  eble 
menfa)li$e  (Seele  bur$  be$  £eufet$  Siji  verleitet,  au3  iprer 
angefd)affenen  großen  £errlia;feit  in  $>k  £iefe  be$  äußer* 
jten  (£lenb$,  aus  ber  ©erea)tigfeit  in  bk  Sirnbe,  au^  ber 
©nabe  @otte£  in  feine  Ungnabe,  au£  bem  £ia)t  in  bie  gin* 
fkrniß,  aus  bem  £eben  in  t>m  £ob,  vom  Fimmel  in  bie 
£ölle  gefallen  iji  —  SSaJjrlidj,  wenn  wir  un£  an  $>a$,  wa$ 
wir  in  ben  vorigen  ^rebigten  gehört  Baben,  erinnern,  unb 
e$  mit  bem,  wa$  nun  folgen  wirb,  ^ufammen  galten,  fo 
mögen  wir  woljl  fagen:  „Sie  bift  £)u  vom  Fimmel 
gefallen,  bu  fä)öner  %fl  orgenfiern  !"  T>k  ^eiligen 
(Enget  werben  i^rer  ^larpeit  unb  £eitigfeit  wegen  borgen* 
{krne  genannt,  mc  ber  £err  $u  £iob  fagt:  „So  warft 
bu,  ba  tylify  bte  Sttorgenfterne  miteinanber  lob* 
ten,  unb  alte  ^inber  ©otteS  jauchten?"  £>en 
gleichen  yianun  fann  man  aua)  ber  menfd)tia;en  Seele  in 
bem  <&tanbz  ber  Unfa;utb  beilegen*  ©er  ^orgenpern  iß  ber 
fc^onjle  unter  allen,  er  Ijeißi  billig  ein  Sunber  be$  £im* 
mel$,  fein  liebliches,  £elle$  ?ia)t  fpielt  fo  anmutig  mit 
ben  ftlber^ellen  Strahlen,  baß  man  fta)  baran  faft  nia)t  fatt 
fejjen  fann,  er  geljt  vor  ber  Sonne,  gleta;fam  al$  fteine 
Sonne  vorder ,  unb  ift  eine  3ierbe  be£  ganzen  £immeR  — 
80  war  bie  Seele  vor  bem  galt,  voll  göttlichen  £ta)t3, 
voll  Setejjeit,  @erecf>tigfeit,  £eitigfeit,  greunbli^feit,  Sanft* 
mutp  unb  2)emut£,  voll  pimmtifc^er  £iebe  unb  ®larl)eit 
Sic  leuchtete  mit  ijjren  ©aben  vor  allen  fta)tbaren  ®efa)öpfen, 


79 


war  mit  kern  <Scpöpfcr  vereinigt,  unb  ein  erfc^affencö  (Jktv 
bilb  feiner  £errlicpfeit.  <Sie  war  eine  greube  ber  tilget 
unb  aller  Kreaturen*  2iber  a$!  weld)  eine  fa)re<flicpe  23er* 
änberung  pat  fte  erlitten!  3pr  %ifyt  serwanbelte  fia)  in 
ginfternift,  ipre  %8titytit  in  23linbpeit  nnb  £porpeit,  ipre 
©ered;tigfeit  in  ©ünbe,  ifjre  greunbltd;fett  nnb  £iefce  in 
3om  nnb  geinbfeligf  eit,  t^re  Semutf)  in  £offart,  iijre 
©efigfeit  in  23erbammniß*  <5ie  ift  leiber  bnrej)  bie  ©ünbe 
au$  einem  23ilbe  ©otte£  ein  25ilb  beS  £eufel3,  au6  ber 
(Engel  £uf*  ipre  geinbin,  an^  einem  £empel  be3  ImTtgen 
©eifte$  eine  Sojmuug  ber  j?öllifa)en  ©etfter  geworben! 
£)  wie  bif}  2)u  *>om  Jpimmet  gefallen,  bn  fd)öner 
Sftorgenjtern!  —  {£$  tjt  alfo  fepr  nötpig,  baß  wir  ba£ 
Elenb  ber  menfd)lia)en  ©eele,  in  welches  fte  burcf>  ben  ©ün* 
benfall  gertetp,  genan  betrautem  Senn  wenn  wir  biefelbe 
^ur  Erneuerung  in  Eprtfto  führen  wollen,  fo  muß  fte  31t* 
erjt  tpren  ©d;aben  unb  ifyx  SÖerberben  fennen  lernen*  £)er 
2tr$t  fann  feine  Jlraufpeit  peilen ,  wenn  er  nid;t  ipve  Ur* 
fad;e,  3ufätte  unb  gan^e  SBefajaffenp  eit  \vei$;  fo  fann  auep 
Uc  ©eele  md)t  3U  iprer  Söiebergeburt  unb  Erneuerung  ge* 
hxafyt  werben,  e£  fei;  benn,  baß  man  ipren  gall  wopl  $er* 
fiepe*  Sie  Erfenntniß  ber  göttlichen  ©nabe  unb  23arm* 
peqigfeit,  unb  i>a$  SQSunber  betriebe,  wel$e3  bura)  Sefum 
gefd;epen  ift,  wirb  um  fo  perrlicper,  \t  mepr  wir  un3  ba3 
Elenb,  au6  weld;em  bie  Seele  errettet  würbe,  ttergegenwär* 
ttgen*  Safcon  wollen  wir  weiter  reben,  unb  ber£err,  un* 
fer  ©Ott,  leite  unfere  ©ebanfen  $u  feiner  Efjre,  \vk  $u  un* 
fever  Erbauung  burd;  Ebvifium  Sefum*    2lmen. 

%  fc  f>  a  n  jD  |;ii tf  gl 

2öenn  :£>avub  feuftt:  „% u£  ber  £tefc  rufe  icf, 
£err,  ^u  2>t*,i"  fo  nennt  er  bie  ©imbe  eine  £iefe,  unb  er* 
innert  uns  bamit  an  unfern  fa)weren,  tiefen  gall,  burd;  welchen 
wir  r»on  bem  ewigen  unb  allerjjödjften  (3utf  x>vn  £eben  unb 
©eligfeit  abgefallen,  unt>  in  ba$  größte  Uebel,  in  bie  pöc$ße 
Unglüdfcligfeit ,  in  ben  bittern  £ob,  in  ben  tiefen  2lbgumb 
ber  £öl(e  geratben  fmb.  £)teß  alles  gefdmp  burd)  bie  ©itnbe 


80 


unfern*  erften  Litern,  fte  tjl  bte  Butter  aller  ©unten,  bte 
Duette  atteS  @lenb3.  2)te  Vernunft  fann  tief  freiließ  nia)t 
begreifen,  unb  e£  gefiort  mit  %u  bem  menfa)ltd)en  (£lenb, 
tag  wir  unfer  Verberben  ma;t  ^erpe^en  r  uns  fel^ffe  wof>l* 
gefallen,  unb  bei  beut  größten  ©eelenfdjaben  noa;  fta)er  ftnb, 
Von  Sftatur  ftnb  wir  elenb,  arm,  blinb  unb  Hof,  unb  fo 
lange  ©Ott  un£  bura)  feinen  ©eift  i>k  klugen  nid;t  öffnet, 
fpred;en  n>tr :  SÖtr  ftnb  reid),  fmben  fatt,  unb  bebürfen 
rtic^t^*  (Ben  belegen  ftellt  un£  ber  gnäbige  unb  barm* 
bergige  ©Ott  ben  erfkn  ©ünbenfatf  unb  feine  traurigen 
golgen  in  feinem  SBorte  fo  oft  $or  Hugen,  bamü  wir 
flug  derben,  unb  unfer e  ©eligfeit  nur  in  feiner  ©nabe  f%* 

fym.  ■ £>urd>  Eilten  3ttenfa;en   ift  t>ie  ©ünbe 

tn  bte  Sßelt  gelommen,  fagt  $aulu$,  unb  beutet  ba* 
M  auf  2lbam*  3war  ift,  (£oa,  bie  SDhttter  aller  £ebenbigen, 
feine  Verführerin  gewefen,  baj)er  ber  2tyoftel  in  einer  an* 
bern  ©teile  fagt:  „2)a$  %ßeih  warb  serfüfjrt  unb 
hat  bte  Uebertretung  eingeführt;  —  mit  er  aber 
fuer  I)auptfäe|)lidj  *oon  ber  Fortpflanzung  ber  ©ünbe  fpria)t, 
fo  fd)reibt  er  fte  $unä$ft  bem  2lbam,  aU  bem  ©tamm* 
sater  ber  5D?enfa)en,  31t.  2)ie  ©efa)id;te  biefe£  gall£  Hefen 
wir  auefü^tlid)  Ui  2ttofe&  —  £refflia)  fagten  "ok  bitten : 
in  ber  Jjetligeu  ©d;rift  fe^en  brei  Kapitel  befonberS 
inerfwürbig,  —  baS  brüte  be$  erften  23ua)3  3>?ofi3,  wela)e3 
ben  fläglia)en  gall  be6  ^enfd)engefd;lea)tg  enthält,  —  ba$ 
.brüte  be£  (£oangeliften  3o£anni3,  in  welchem  fta)  ber 
©ünbentilger  unb  Gnrtöfer  felbft  porftellt,  —  unb  ba$  brüte 
be£  53rief^  an  bie  Körner,  weld)e$  von  ber  ^edjtfertigung 
be3  armen  ©ünberS  sor  ©ott  Janbelt,  hk  au£  lauter 
©nabe  bura)  baS  35lut  unb  Verbienjt  (grifft  bem  ©lau* 
ben  gugeredmet  wirb*  —  2)a3  erße  fann  ein  d)riftlia)e^  £erj 
olme  £eib  unb  greinen  ber  SSeue,  bie  betten  anbern  aber 
nia)t  wojrt  o|me  ordnen  ber  ^t'ebe  unb  greube  lefem  — 
3(13  ber  ©atan  au£  ©tol$  von  ©Ott  abgefallen,  unb  oon 
3{mt  gur  ewigen  Verbammniß  serjtogen  war,  fa£  er  ben 
2)?cnfa)ett,  welchen  ©ott  $um  (Benbilb  gefa)affen  l;atte,  mit 
netbifeben  fingen  au,     (£4  serbrofi  ifjn,  ba$  ber  Sttenfa)  in 


81 


ter  SGSa^rpeit  beftepen  follte,  au$  welker  er  feTCbft  gefallen 
war,  unb  weil  er  trog  feiner  gembfeligfett  gegen  ©Ott  fei» 
nen  <3ximm  an  3pm  nia)t  anblaffen  fonnte,  fo  wollte  er 
et  an  ben  9ttenfa)en  tfmn*  2tua)  Jjielt  er  e$  in  feiner  23er* 
bammmfü  für  einen  Xxo%  (bie  £ölle  pat  fonft  feinen,  aua; 
ntd)t  einen  Kröpfen),  wenn  er  noä)  ttiele  Rubere  mit  fta)  üfg  (Efenb 
fluten  fonnte*  2)icß  fann  man  an  bem  teuflifa)en  betragen 
aller  23öfewia)te  beutlia)  fepen.  ©o  $♦  53.  wünfa)te  ber  grau- 
fame  ft'aifer  Migula,  ba$  gan^e  römifa)e  23olf  mod)ic  nur 
@inen  £al£  paben,  um  benfefben  mit  Einern  ©treid;  abflauen 
gu  fonnem  gerner  würbe  *wr  wenigen  3apren  in  ©a)lc* 
ften  ein  Sßilbfdmgc  Eingerichtet,  ber  einige  punbert  Wien* 
fa)cn  ermorbet  patte*  tiefer  befannte,  baff,  wenn  er  an  einen 
£)rt  gekommen  fe$,  wo  viele  Sittenfcpen  verfammelt  waren, 
3*  33*  in  bertira)e,  er  fta)  felmlia)  gewünfa)t  pabe,  alle  $u 
erwürgen,  unb  e3  fe#  eine  große  £ujt  für  i|>ix  gewefen,  ba$ 
Stimmern  unb  t>k  <&a)mer$en  ber  verwunbeten  unb  fterkn* 
ben  3ttenfa)en  anrufe  Jen*  £)ieg  ijl  bie  2lrt  be3  £cufe(3, 
er  tft  ein  ^örber  von  Anfang  an.  @x  fua)t  feine  £ufi  unb 
feinen  £roft  im  Herberten  ber  $tafä)en*  3um  SSerl^eug 
feiner  Hrglijl  wählte  er  eine  ©ä)lange*  Einige  palten  ba* 
für,  $>a$  biefelbe  vor  bem  ©ünbenfaß  an  lieblia)e3  SEpter 
gewefen  fe#,  welche  fta)  befonber^  §u  ben  5Dcenfa)en  gepal- 
Un  pabc,  weswegen  bie  (Eva  um  fo  weniger  einen  betrug 
vermut pete»  —  9coa)  jegt  tji  e3  fo,  bag  ber  ©afan  fta) 
gerne  unter  einem  fa)önen  kantet  verbirgt  unb  fein  ©tft 
au$  golbenen  33ea)ern  einfa)enlt;  barum  follen  wir  bei2)in* 
gen,  bie  in  bie  klugen  fallen  unb  unferem  gleifa)  angenehm 
ftnb,  um  fo  belwtfamer  fet;n.  ©an$  unnüg  aber  tjt  bie 
grage,  wa$  für  eine  ©a)lang»  e£  gewefen  fep ;  unb  e3  bringt  of* 
fenbar  mepr  otogen,  über  ben  ©a)aben,  ben  fte  angerichtet,  ^u 
feufien,  unb  ben  p tmmltfa) en  2tr$t  um£ülfe  anzurufen*—-  — 
2)er  ©atan  pat  in  ©a)langengeftalt  bura)  £iß:  unb  betrug 
t>k  $D?enfa)en  in*®  SSerberben  geftüqt,  inbem  er  ©otteö  aixö* 
brüdlia)eg  Verbot  in  3weifet  30g,  unb  fyrad):  „©ollte 
©ott  gefagt  paben,  ipr  follt  nia)t  effen  von  at* 
lerlei  Räumen  im  ©arten,   befonber^  von  ben 


82 


et> elften  unb  beften?  3pr  werbet  e£  sietleidjt  nicf)t 
red^t  veif  anben  Imben,  ober  gönnt  eud;  ©ott  bie  ©luctfetig* 
feit  nia)t,  bte  eu^  bur$  ben  ©enuß  biefer  grud;t  $u  £j)eil 
würbe:  dx  wetg  Fgar  wojjt,  weta;e3  £ag3  t^r 
ba:$on  effet,  fo  werben  enre  2lugenaufget|)an, 
unb  U)X  werbet  fepn  wie  ©ott,  unb  wtffen,  \va$ 
gut  unb  böfe  ift"  —  €e£et,  fo  mußte  ber  getreue  unb 
wahrhaftige  ©Ott  bem  (ün^tügner  ein  Lügner,  unb  bem  neibi* 
fa;en  geinb  an  mißgünfiiger  #err  fepm  2)er  $cenfü)  ließ 
fta)  überreben,  baß  eS  ber  (Satan  gut,  ©oft  aber  übet  mit 
$nt-  meine.  £)ie  ewige  greue  unb  2ßaf>rpeit  mußte  £üge, 
unb  bie  £üge  SBafjrJjett  fepn*  9coä;  je£t  $at  er  bie  ©e* 
wofm^eit,  ftä)  freunbtid;  $u  [teilen,  unb  unter  bem  ©a)eine 
be$  2öof?tmeinen3  ^>k  $Zenfd;en  g«  verführen*  2)arum 
taffet  un£  waa)fam  unb  vorfta)tig  fei;n;  benn  wenn  ber£cu* 
[et  brültt,  \vk  ein  hungriger  £öwe,  wenn  er  geuer*  unb 
Safferßreme  auSfpeit,  \^k  ein  £)rad;e,  fo  ijl  er  nta)t  fo 
gefäljrlid),  als  wenn  er  ftdj  verfielet,  unb  aU  Grnget  be$ 
gtcljtS  ben  SCftenfäjen  fd)meia)ett  unb  fte  Iteofofet.  —  £)iefe 
(Sd;meia)etei  gefiel  ber  fa)waä;en  (£oa,  fte  ließ  ftc^  »erführen, 
unb  herleitete  bura;  freunbltdjeS  3uveben  and)  ijjren  5D?ann, 
fo,  t>a^  Mbt  von  ^.er  verbotenen  grud;t  aßem—  2)ieß  be* 
traute  man  aber  nid)t  att  tin>a$  ©eringeS*  £)ie  23er* 
nunft  benlt,  wa3  liegt  an  einem  2tyfet?  @ott  e$  wojtf  eine 
fo  große  Sünbe  fe^n,  einen  2tyfet  311  bred;en  unb  311  effen, 
baß  e3  ta*  Mißfallen  ©otteS  nad;  jt^iept?  £>  2Jfcnf4 
e$  tffc  nid)t  um  ben  bloßen  3mbiß  3U  tjjjun,  fonbern  in  biefer 
Uebertretung  tiegt  eine  folaje  Stenge  anberer  ©ünben,  baß 
e$  faum  31t  fagen  %%  53ei  biefem  Slpfetbtß  war  Unglaube 
unb  Unge^orfam  gegen  ©ott.  £)er  Sftenfa)  ließ  bas  SSort 
©otte£  aus  bem  £eqen,  unb  räumte  fein  3nnere£  bem 
Satan  unb  feinen  £ügen  eüu  dx  traute  bem  betrügenden 
geinbmeljr,  aU  feinem  treuen  6a)bpfer,  er  fiel  von  biefem 
ab  unb  J>ing  ftdj  an  t>m  ©atan.  £offart  unb  Ht  IBegierbe 
naa)  göttlicher  (££re  trieb  ben  2)?enfd;en  an,  baß  er  jtdj 
gegen  feinen  ©Ott  empörte,  aU  wotfte  er  fein  eigener  f>m 
fepn,  fta)  feloft  regieren  unb  verforgen,  unb  ojme  l>k  gür* 


83 


forge  imb  ^tufftc^t  ©ottcS  glüdlidj  burd;  fl$  fettj»  wer* 
ben.  £>amit  war  eine  große  Unbanfbarfeit  gegen  ben  gütigen 
@ott  verbunben,  ber  tyn  ntc^t  allein  mit  (o  fielen  perrTfic^ert 
®>cibm  auSgeftattet,  fonbern  au$  in  ben23eft£  aller  ©efd)ö>fe 
gefegt  unb  fte  \t)m  $um  £)ienfte  gegeben  Jjatte*  (56  war  eine 
große  ^ac^läßigf  eit,  ba$  er  feine  gäfngf  eiten  nid;t  bejfer 
anwenbete,  itm  ben  Einfettungen  be3  ©atans?  $u  wiberftepen. 

Sluf  biefen  Betrübten  gall  folgte  balb  eine  fragliche 

SSeranbermtg*  ©obalb  fid;  ber  Slttenfd;  burd)  Unglauben  unb 
Itngeporfam  von  ©Ott  wenbete,  ging  baS  (£benbilb  ©otte£, 
weld>e£  in  £eiftgfeit  unb  ©ered;tigfeit,  in  2öet$£eit,  Stxfyt, 
griebe  unb  greube  ber  ©eele  beftanb,  verloren,  unb  be£ 
©atanS  25ilb  —  Unreintgfeit,  33o$£eit,  23linblmt,  geinb* 
fcligf  eit  gegen  ©Ott,  gurdjt  unb  ©$re(fen  trat  an  beffen 
(Stelle.  2)er  ©atan  wußte  jt<$  burd)  feine  trügerifdjen  SSorte 
in  beut  menfd)li$en  £eqen  (Eingang  31t  verfcfyaff en,  er  Jaulte 
bemfelben  bie  ©ünbe  ein,  unb  erfüllte  e£  gan^  mit  feiner 
33o${jeit*  2)er  SBerftanb  tft  nun  verblenbet,  unb  voll  ginjter«* 
niß,  ber^Öille  von  ©ott  abgewenbet,  ungeljorfam  unb  wiber* 
fpenjHg,  bie  £tebe  ju  ©Ott  ijt  in  £aß  unb  geinbfeligfett, 
bie  ©ememfdjaft  mit  ©Ott  in  ein  glichen  vor  bemfelben,  ber 
griebe in  Unfrieben  unb  ©d;reden  verwanbelt  worbem  Bte  (Seele 
würbe  aus  einem  göttlichen,  geiftigen  unb  !?immltfcl)ett  23ilb 
gan$  trbifdj,  fleifcpcty  unb  tjnertfd)*  ©ie  fyat  ft$,  ofjne  ^u 
wiffen  wie,  gleid;fam  mit  verbunbenen  klugen,  verleitet 
burdj  Elugenlujt  unb  £offart,  bem  (Batan  Jiingegebem  <Sie 
war  ein  jjellcr  Spiegel,  au$  welkem  bie  ^larfmt  ©otteS 
wieberftrajlte;  ber  Batan  aber  jmt  benfelben  ^erftnpert. 
(Sie  war  m  ferner  33aum;  aber  ber  Teufel  Jjat  tpn  fo 
vergiftet,  baß  er  nun  3U  allem  ®utcn  erworben  iji  9hm 
ijl  bie  (Seele,  bie  von  ©ott  ^um  ewigen  £eben  erfdjaf* 
fen  war,  in  ben  ewigen  £ob  gefallen,  fte  J?at  burd;  ©ünbe 
Sltfeä  verloren,  unb  nichts  blatten  aU  2Ingft  unb  ©Freden, 
£rübfal  unb  Ungnabe.  £)arum  rief  aud)  ber  gnäbige  unb 
barmherzige  ©ott,  balb  na$  bm  gall,  bem  Slbam  gu: 
Slbam,  wo  bift  bu?  2ld;  5lbam !  m$  ^afi  bu  getpan?  3n 
welkes  <£fenb  paji  bu  bid)  gejMr^t?  SöBarum  wtllj*  bu  btc^ 

6* 


84 


vor  meinen  Hugen  verbergen?  D  bu  biß  letber  fc^on  $u 
weit  von  mir  gewi^en,  mocpteft  tu  boa)  mit  9?eue  unb  Ztib 
gurücffeprett,  unb  um  ©nabe  bitten !  —  (£3  wäre  genug,  ba$ 
ber  erjie  SEtfenfa),  welchen  ©Ott  in  ©ereajtigfeit  unb  £eiltg* 
fett  erraffen  unb  mit  ©lücffeltgfeit  Begabt  pat ,  einen  fo 
fc^weren  gall  getpan  unb  ftdj  in  ein  fola;e3  (Henb  geführt 
pätte ;  aber  ©a)recfen  unb  grauern  erfüllt  ba$  $tx$,  unb 
man  möchte  weinen,  wenn  man  bebenft,  wa3  ber  Sipofiel 
fagt:  t>k  ©ünbe  fc^>  nid;t  M  einem  9tteuf$en  geblieben, 
fonbern  fep  bur$  tpn  in  b t e  Sßelt  gefommen,  unb 
burd)  bie  ©ünbe  ber  £ob,  unb  e£  fep  alfo  ber 
£ob  gu  allen  9ttenfa)en  f>inbura;gebrungem  2)te 
©ünbe,  mtfyt  W  Sftatur  be£  30?enfd)en  eingenommen,  (einen 
SBerffanb  serftnftert,  feinen  SÖttfen  x>erfeprt  unb  fein  £er$  tfer* 
giftet  |>atr  pflanzte  fta)  fort,  unb  bie  (£rbe  würbe  mit  fünbt* 
gen  ^enfd)en  angefügt»  2öie  ber  ©tamm  unb  bie  SStor* 
gel,  fo  bie  3^eige*  SSon  bem  unreinen  2lbam  fonnte  hin 
deiner  gezeugt  werben,  2)er  verborbene  23ater  geugte  tfer* 
borbene  $inber,  ber  fünbigeSlbam  geugte  ©ünber,  er  felbjt 
war  ein  $inb  be3  3orn£,  unb  fo  fonnten  aud>  blo3$mber 
be$  3orn£  entfpringen*  —  ©aper  fommt  e3 .  baß  ©ünber 
$on  ©ünbern  geboren  werben,  bafy  bie  @rbfünbe  mit  un£ 
auf  bieSSelt  fommt,  unb  un3  big  itf$  ©rab  anfängt;  benn 
wa$  $om  gleifdj  geboren  wirb,  ba$  t ft  gteifcf), 
fein  SDtafa;  ijl  alfo  frei  $on  ber  ©ünbe*  Unb  wenn 
©Ott  vorn  £immel  fcpaut  auf  bie  9#enfd)enftnber, 
baf  dx  fepe,  ob  Semanb  fing  fep,  unb  naä)©ott 
frage,  fo  finbet  (£r,  baß  fie  alle  abgewia)en  unb 
allefammt  untüchtig  geworben  finb;  baijt^einer, 
ber  ©ute£  tpue,  aua)  nta)t@iner*  Stile  SWenf^en 
finb  soll  £eud)clei,  £rug,  Slrglift  unb  23o3peit; 
fie  finb  allzumal  ©ünber,  unb  mangeln  be$ 
Sftupme,  b  en  fie  $or  ©o  tt  paben  f  ollen,  unb  werben 
opne  58 er bienft  gerecht  au  3  feiner  ©n ab ebura)  bie 
(£rlofung,  bie  bur^  3efum  Gpriflum  gefa)epen 
ifi  —  2)iefele£ie  £auptfte(fc  machte  auf  einen  ber  fatpolifd;en 
£eprer,  bie  fenjt  fo  viel  Söertp  auf  ber  $?eufd;en  Skrbienjl 


85 


unb  SBetfe  legen,  einen  folgen  @inbrucf,  baß  er  faßte: 
„£>tefer  ©prua)  fd;lägt  ben  £odmuttf)  aller  9)?enfd)en  nie* 
berA  benimmt  ifimen  allen  3mj)m,  erlfärt  fte  alle  für  €5ünber 
itnb  ber  Ungnabe  ©otteS  f^ulbig,  mad;t  alle  gu  23ett* 
lern,  bie  ber  ©nabe  ©otteS  Würfen,  wirft  fte  alle  ©Ott 
3U  güjmt,  baß  fte  auf  9cic()t£,  als  auf  feine  ©nabe,  ©üte 
unb  33armper$tgfett  ftd;  Berufen  unb  wlaffen  fonnen."  — 
31$  ja,  wir  Sitte  bebürfen  ber  ©nabe  imfereS  ©otteä  jur 
©eligfeit;  benn,  wenn  ©f  nad;  D^ec^t  ntit  un3  panbelrtunb  uns 
unfere  ©ünben  jure^nen  wollte,  wer  fimnte  sor  3£m  bejte* 
pen?  &ab?i  bleibe  e3;  ftetsbenfe  man  baran,  unb  lege  ftd) 
mit  aden  armen  ©ünbevn  p  ben  güßen  be$  getreusten 
3efu,  unb  rufe:  ©nabe,  ©nabe,  £err!  unb  nid)t 
ba$  fRctyt.  ;*r  >,Ser  $tenfd)  £#>  wie  Cutter  fd;reibt, 
au$  in  feinem  heften  Ceben  yiifytö,  beffen  er  ftd)  $or  ©Ott 
unb  feinem  ©erid;t  rühmen  tonnte,  unb  il?m  gehört,  wenn 
©Ott  in' 3  ©erid)t  gej)en  Witt,  nichts  aU  ©d;mad;  unb 
©$anbe'  unb  Ue  ewige  SSerbammmf*"  —  £)ie$  aber  tjt  bie 
größte  Cpre  unb  ber  perrltc^fte  dlufym  ©ofte£,  ba$  dx  bie 
©ünben  ausS  ©nabe  vergibt,  \vk  ber  tyxofött  fagt:  „So 
ifi  ein  ©Ott,  wie  2)u  bift,  ber  bie  ©ünbe  vergibt 
unt>  erläffet  bie  [Sfttffetp  at,  ber  feineu  3orn 
nid;t  ewiglich  behalt?  Du  allein  bijt  barmper^ig/' 
—  £>ie  @ünbe  gej?t  aber  nid;t  allein  über  alle  $?enfd)en, 
fonbem  fte  burcfybringt  aud;  ^cn  ganzen  Sttenfc^en.  <3ie 
fjat  alle  Gräfte  be3  £eibc3  unb  ber  ©eele  angejtedt  unb 
eingenommen;  wir  ftnb  in  (Sünben  empfangen,  unfere  ©e* 
burt  ijt  unrein,  fo  aud)  ba3  gan^e.  geben;  gleifd;  unb  33lut 
tjt  vergiftet,  felbft  bie  (Seele  unt>  ber  ©etjt"  tjt  nifyt  frei  x>on 
biefer  Unreinigfeit*  Vernunft  unb  2Öille  ftnb  fo  burd;  bk 
©ünbe  gef$wäd;t,  bag  fte  nid;t  blo£  ©Ott  nid;t  mepr lie* 
ben,  fonbem  3£n  fliegen,  unb  lieber  cfme  ©Ott  fepn  unb 
leben  wollen,  ©aper  fagt  bie  ©$rtft:  „%IU$  £>id;t,en 
unb  £rad;ten  be'$  menfdjlidjen  ^er^en^  ijt  nur 
böfe  tmmerbar  von  Sugenb  auf/'— -2)ieß  hqkfyt  fta) 
aber  nid;t  blo$  auf  jene  gottlofen  2ftenf$en,  welche  bur$ 
ipre  33o31)eit  ^k  ©ünbflutp  herbeiführten,  fonbem  e$  wirb 
anfy  na$per  von  sJcoa£  unb  feinen  6ö£nen  $tfa&t,  um  ju 


86 


aeigen,  baß  felbft  bie  ^er^en  ber  grommen  voll  fe^en  von 
fünblicpen  Regierten,  welche  jeben  2lugenbltcf  $um2luc&rudj 
fämen,  wenn  ©otteS  (Setfl  nicpt  Äraft  unb  ©tctrfe  verleben 
würbe.  Unb  tiefe  Neigungen  regen  jtd)  tägttc^  wieber, 
verurfacf>enviel$anvvf,  erhalten  bie  ©laubigen  in  beftän* 
biger  £j?ätigfeit,  unb  machen  t^nen  ipr  £eben  re$t  fauer*  — 
&  ijt  wie  mit  ber  (Erbe;  —  feitbem  fte  um  ber  Sünbe  Witten  von 
©Ott  verflucht  tft,  bag  fte  Unfraut,  £>orn  unb  2)if}eln;  tragen  foll, 
behält  fte  bieg  immer  fcei,  2Benn  aucp  ein  gürffc  einen  fronen 
©arten  anlegt,  unb  benfelben  mit  ben  präcftigften  23lumen 
unb  ^jlan^en  giert,  fo  lagt  bo$  bie  (Erbe  niept  von  iprer 
Seife;  fte  bringt  tpr  Unfraut  unb  gibt  bem  ©ärtner  unauf* 
pörlicp  gu  tl)un.  60  vergalt  e3  fiep  mit  bem  ^er^en  ber 
Sßiebergeborenen ;  bte  ©imbe  bleibt  in  ifmen,  fo  lang  fte 
leben,  unb  ^eigt  ftep  täglicp  in  ©ebanfen,  33egierben,  2Bor* 
tm  unb  Sßerfen,  fo,  baß  fte  immer  $u  (freiten,  gu  fämpfen  unb 
$u  Ititn  pa&etu  —  £)arum  fagt  unfer  #eilanb;  „21  u  3 
bem  £eraen  fommen  arge  ©ebanfen,  Sttorb, 
(El^ebrucp,  £ureret,  Dieberei,  falf^eS  3eugniß, 
Säuerung."  *2>a$  £er$  be$  9ttenfd;en  ift  gleicpfam  ber 
£auptft§  unb  bie  Duelle  be££eben£  unb  aller  £ebenefräfte* 
SBenn  nun  bie  Duelle  vergiftet  ijt,  fo  ijt  alles  Sßaffer  ver* 
giftet,  welcpeS  barauS  fliegt*  —  SltteS  ift  burcp  bie  ©ünbe 
beflecf  i ,  fo  lange  e$  triebt  burcp  t>a$  23lut  £i?rifti  unb  ben 
©eiji  ©oite$  gereinigt  unb  erneuert  wirb*  2)egwegeu  bezeugt 
auep  ^auluS,  bag  ber  $cih  beS  9ttenf(pen,  wie  bte  <Seele 
verborben,  unb  mit  ginftewig  unb  33o6peit  erfüllt  fep.  3m 
£inblicf  auf  jenen  fagt  er  namentlich :  „2)  er  9ttenf  cp  en 
©cplunbijt  ein  offene^  ©rab,  ipre  Bungenfinb  voll 
betrug,  ipre£ip:pen  voll  Dtterngift,  ipr  ÜÄunb 
voll  glucpenö  unb  33itterfeit,  ip re  klugen  voll 
9cetb  unb  SBoSpett,  unb  ipre  güße  eilen  gum 
33lutvergießen/'  2lucp  ber  SSerfianb  tji  fein  pellet  £icpt 
tnepr,  tok  er  vor  bem  galle  war,  fonbern  fo  verftnftert, 
bag  er  i>k  göttlichen  unb  pimmlifepen  £)tnge  nict)t  be* 
greifen  ober  faffen  fann,  fonbern  tfe  für  £porpett  palt 
2)er  Stile  ijt  verfeprt  unb  bem  Stilen  ©otteS  entgegen, 


87 


er  läßt  fta)  von  ben  bofen  SBegierbcn  beS  gtctfa)eS  teufen, 
unb  will  ftd;  von  ©olteS  ©eift  nid;t  regieren  laffen ;  to<x$ 
bie  Erfahrung  Keffer  teprt,  als  man  es  befd)rciben  fann*    2)a* 
per  bringt  bte  ©d)rift,   wenn  fte  von  ber  Erneuerung  beS 
SDZenfd;en  rebet,  ^uvörberft  auf  baS  ^er^,   auf  ben  ©eift 
unb  auf  baS  ©emütjj,  ES  ift  atfo  nid;ts  an  bem  2Dtafa)en, 
baS  burd;  bte  ©ünbe  nid;t  verborben  unb  vergiftet  wäre*  — 
2)te  golgen  ber  ©ünbe  aber,  in   mld)t  ber   erfte  SDtafa) 
g  erteil),  unb  bte  fta)   auf  alle  $?enf  d;en  fortpflanze,   ftnb 
grenzenlos.    £)aS  Etenb,  ber  3ammer  unb   bie  fRot^ ,  bte 
fte  mit  fta)  brad;te,  ift  ma)t  aussprechen,  wie  ber  StpojM 
anbeutet:  ,,£)urd)  bie  ©ünbe  ift  ber  £ob  (b.  i.  allerlei 
leibliches  unb  geiftige^,  ^eitlid)e^  unb  ewiges  Etenb),  in  bie 
Söett  gekommen  unbäuatten  $cenfd)en  lunburä)ge* 
brungen";  —  ©d;redtta)  ift  es,  bafi  ber  Sftenfa),  baS  dhmUlb 
©otteS,  bie  anerfdmffene  ©ered)tigfeit,  #etfigfeit  unb  SÖet^^eit 
verloren,  aus  ber  ©emeinfa)aft  be^$öd;ften  gefallen,  unb  bafür 
ein  ,finb  beS  3ontS  geworben  ift,  ba$  aus  feinem  <!per£en 
23oSf>eit  quillt,  ba$   bie  ©eete  verfef>rt,  blinb,  unb  eine 
geinbin  ©otteS  geworben  ift.     <Sd;redtid;  ift  eS,  $>a$  ber 
*Dtafa),  fobalb  er  geboren  wirb,  bem  gtud)  ©otfeS,  unb 
bem  taufenbfad;en  Etenb  tiefet  SebenS  unterworfen  ift   2Bir 
fangen  unfer  Seben  mit  SÖetnen  anf  fegen  eS  mit  klagen 
unb  (Seufzen  fort,  unb  enbtgen   eS  mit  Stngfi  unb  @a)mer= 
$en.    £)as  geben  unb   baS  Etenb  ftnb  3wtlltnge,  bie  31t 
gleicher  3?it  geboren  werben,  beifamnten  leben,  unb  enblic^ 
mit  einanber  jterben.    £>oa),  wenn  ber  33tafa)  nia)t  burd; 
Eljrtftum  erneuert  wirb,  fo  fttrbt  fein  Etenb  fetbft  im  £obe 
nia)t;  fonbern  fängt  bann  erft  red;t   an.     £)   wie  paffenb 
fagt  ©irad):  „ES  ift  ein  etenb  jiämmertid;  £)ing  um 
alter  9D?enfa)en  geben,  von  9ttu  tterteibe  an,  bis  fte 
wieber  in  bie  Erbe  begraben  werben,  t>ic  unfer 
Sitter  Butter  ift"  —   2Öoj>m  fann  ber  $?enfa)   feine 
Singen  wenben,  ba  tym  uia)t  ein  ttägtttt)er  Slublicf  entgegen* 
txitt^    ©tept  er  fta)  felbfi  an,  fo  ift  er  me|>r  Brautzeiten 
unb  Söiberwärtigfeiten  unterworfen,    als  er  ©lieber   an 
feinem  Selbe  fyat,  unh  wenn  man  fein  Seben  fojtfia)  nennt, 


88 


fo  tfi  c3  TOtJJe  unb  Arbeit  £)ft  fommt  eö  fo  tt)ett  mit 
ipm,  tag  er,  wenn  er  gleia)  9h'emanb  betrübt,  fta)  felbj* 
3ur  £afi  wirb,  unb  fta;  mit  traurigen  ©ebanfen  plagt.  2ßir 
fitib  manchmal  voll  Unmut£  unb  £raurigleit,  olme  ^u  Riffen 
warum;  benn  bieUrfaäje  ber  23etrübnig  ijt  nid;t  ble3  auger 
mt$,  fonbern  gimädjjl  in  un3,  unb  entfielt  au$  ber  Erb* 
fünbe.  3n  wie  viel^cotf?  unb  ®efa|jr  bringt  fta)  ber$cenfä), 
bag  man  ijm  oft  nia;t  opne  Sföitleiben  unb  ordnen  anfe|?en 
fann;  m$  anberS  ijt  bie  Urfadje  bavon,  als  bie  Erbfünbe, 
bie  ijjn  immer  ^um  23ofen  treibt  ?  <&k$t  er  Rubere  an,  fo 
tjt  überall  Äranf^eit,  ©tt)mer^,  £raurigfeit,  Sßiberwärtig* 
feit,  SRotfc  unb  £ob,  diu  9#enfa)  tjt  be3  anbern  Teufel, 
einer  »erfolgt  unb  betrübt  btn  anbern,  fie  rechten  unb  fea> 
ten,  fte  ftreiten  unb  triegen  mit  etnanber,  unb  einer  madjt 
bem  anbern  ba3  %&tn  fauer;  unb  bk$  tyun  nia)t  aMn 
grembe  unb  SfaSfoärtige ,  fonbern  aua)  greunbe  unb  Ein* 
peimifdje,  naa;  btvx  2Bort:  „£)e£  3ttenfd;en  geinbe 
finb  feine  eigene  £au£geuoffeiu;/  diu  begatte  iß 
oft  ber  ^lagegeijt  be$  anbern,  obgleia;  &Qtt  bm  Efjeftanb 
jur  Erleichterung  ber  SDtü^feligfeiten  biefeg  betrübten  Sebenö 
angeorbnet  J?a/.  £)te  ^inber,  welä)e  ben  Eltern  ojmejnn 
fo  viele  SttüjSe  unb  ©orgen  maa)en,  follten  tpre  greube 
fepn,  unb  machen  tynm  meifienS  ntd)t$  aU  ^)erjeletb*  2ßa6 
eine  23lume  fet;n  follte,  wirb  eine  £)tftel,  unb  ber  28einftoc?, 
von  bem  bk  Eltern  füge  Trauben  pofften,  wirb  nn  2)orn* 
ftraudj  unb  trägt  nur  faure  unb  perbe  grüa)te*  Unter 
ben  2ftenfa;en  follte  einer  an  bem  anbern  einen  grofter  Ija* 
ben,  tok  benn  ®ott  einem  Seben  feinen  VI ädjjten 
empfohlen  £at;  einer  follte  be3  anbern  greunb  unb 
<&tab  fesm,  worauf  fta)  fein  £er$  verlafjen  tonnte;  allein 
bie  meijten  greunbe  ftnb  wie  Sftoprftäbe,  weld)e,  wenn  fta) 
Semanb  barauf  lepnt,  ^erbrea)en  unb  ij)n  venvunben.  — 
2)oa)  e6  gehört  mepr  3?it  un$>  33erebtfamfeit  ba^u,  ba3 
menfa)lta)e  Elenb  au$füj>rlia)  ^u  befd)reiben;  bafjer  wollte 
ia)  nur  mit  Wenigem  anbeuten,  tok  viel  £rübfal  unb  £er* 
jeleib  bk  6ünbe  in  bk  S33elt  gebracht  Jjabe.  —  £>a$ 
6a)retfli#e,  \va$  au$  biefer  giftigen  SÖSur^el  entf^ringt,  ifl 


89 


ber  seitliche  unb  ewige  £ob*  ©er  Sflenfo)  fangt  an  31t 
fterben,  wenn  er  $1  leben  beginnt,  er  trägt  bte  <Stmbe, 
unb  ber  ©ünben  6olb  in  t>er  25rujt,  aua)  wenn  er  fta) 
wojjl  befmbet,  unb  weit  ttom  £ob  entfernt  tji,  $aulu6 
nennt  ben  gefunben  nnb  lebenbigen  %eib  einen  £etb  be3 
£obeS,  unb  fpria)t:  £>er£eib  ift  tobt  um  ber©üube 
willen.  @r  ift  bem  £obe  unterworfen,  ber  £ob  pat  fta) 
in  atte  feine  ©Heber  gefegt,  nnb  nagt  täglia)  an  feinem 
£er$en,  wie  ein  SBuvm  im  Slpfet*  ©tejjt  man  einen  ©djwtnb* 
füa)tigen,  ber  Meid)  unb  fraftloä  einpergefjt,  fo  fagt  man: 
ber  tji  be3  £obe&  2)a6  ©Ieid)e  fann  man  aua)  sott  einem 
(SJefunbcn  fagen,  ber  fo  gut  aU  3ener  ben  £ob  im  33u* 
fen  trägt,  obgleia)  berfelbe  nia)t  fo  fta)tbariji  £ier  ift  hin 
Unterfdneb,  aU  ber,  ber  swifd)en  einer  fjatfwerwelfteu  unb 
nod)  frifdjen  33Ittme  ftattftnbet;  biefe  »erweift,  wie  jiene, 
nur  etwaü  fpäter;  t>ie  ©itnbe  ift  ein  ©ift,  ba$  ben  einen 
fcälber,  ben  anbern  fpäter  ^u  ©runbe  xid)tet  SBie  ber 
£ob  ben  menfa)Iia)en  Körper  $uria)tet,  bezeugt  ber  %n$,en* 
fd)etn;  er  aerretfüt  ba6  23anb  ber  natürlichen  Bereinigung 
bc£  %eihe$  unb  ber  Seele,  atnb,  wenn  biefe  2lbfa)ieb  genom* 
men  jiat,  fo  bleibt  nid;t3  aU  eine  hinfällige  glitte,  Ue 
bura)  SBerwefung  eine  £anb  *>oIC'3tfa)e  wirb*  2)ie£  atteS 
Wäre  ^u  ertragen,  unb,  weil  e3  nid;t  $u  anbern  ift,  aua) 
einen  wie  ben  anbern  trifft,  gebulbig  an$une£men ;  aber  ba3 
ift  ba$  fa)red(itt)fie,  i>a$  bie  ©eele,  wenn  fte  o|me  ©oticö 
©nabe  in  iprent  natürltä)en  3uftanbe  Ueiht  unb  fo  abfd)et* 
bet,  ben  glud)  ©oite£  auf  fta)  behält  in  (Swigfeit  3ft  "oie 
Seele  ntct)t  bura)  (grifft  33Iut  gereinigt,  fo  nimmt  fte  t>ie 
Stmbe  mit  sor  ©oiie£  ©eria)t,  unb  wirb  um  berfelben 
willen  ^um  ewigen  gobe  »erbammt*  Sie  |>at  fta)  bem 
Satan  ergeben ,  unb  mufj  feine  Sflasin  fepn  in  '(Ewigfett, 
fte  bleibt  son  ©Ott  gefa)ieben  unb  ewiglid)  »erftofüen  Joon 
feinem  2lngefta)t  Siejje  alfo,  0  Sftenfa),  was  ber  galt 
unferer  erften  Altern,  unb  wa$  bie  Sünbe  fep,  bte  leiber 
in  uns  Sitten  woljmt! 

21$  Slbamö  %aU  unb  3Htffetyaf,  ©ott  gänättd)  auf  un§  etben,  %$ 
@ott,  fc&afp  £)u  $ter  guten  Stoty,     £>af  wir  nü$t  ewig  fterben. 


90 


&tß  uns  m$t  Mütb  unb  ftd;er  fe^n,    3n  atfer  Stübfal,  Stngft  unb 
gjetn,    O  £err,  erbarm  ©i#  unfer! 

Raffet  un3  alfo  tiefe  wichtige  £el)re  ftet$  wofrt  ^u  £>eqen 
nehmen,  kern  £eufef  mit  atfen  [einen  SBerfen  unb  SGSefen 
abfagen  unb  ttorfidpttg  wanbein,  tag  wir  feinen  3umu* 
jungen,  wenn  jte  aua)  noa)  fo  liebtia)  ftn!>,  niä)t  trauen, 
fonbern  uns  tl?m,  bem  ewigen  getnb  unfereS  ©otte$  unb 
unferer  Seelen,  mit  greubigfeit,  in  ber  Greift  be$  5e^^3en 
©ei)ie3,  wiberfegem  28a$  ber  ©atan  s>on  Anfang  war, 
ba$  t(t  er  noa),  ein  ?ügner*  (£r  rebete  au3  ber  ©erlange 
aI3  greunb,  unb  war  unterlief)  ber  erbtttertfte  getnb ;  erjmite 
£onig  auf  ber  3^ge,  aber  ©ift  unb  ©atte  im  Spcx^n;  — 
fo  gef?t  e£  noa)  jjeute.  25er  teufet  rebet  ^war  nia)t  mepr 
aug  ber  6a)tange,  fonbern  aus  ben  $?enfd)en,  bie  er  *>er* 
Kettet,  unb  bereu  ^er^  er  eingenommen  unb  befeffen  jjat; 
unb  biefe  ftnb  oft  unfere  näa)fien  greuube  unb  2tngel?örige» 
£>ft  rebet  er  bura)  weltliä)geftnnte  unb  gottfofe  (Regatten, 
oft  burd)  einen  irbifd)geftnnten  greunb,  oft  au£  einem  gelejjr* 
ien,  geehrten  unb  angefel?enen  Tlann.  —  £ier  gilt  e£ !  l^ter 
ift  9?otI),  *>orftd)tig  gu  wanbein,  ^u  Ukn,  ^u  wad)en,  unb 
SU  fämpfen,  t>amit  wir  nia)t  x>om  <&at<xn  mwerfcfjenS  berücft 
werben*  @r-ift  in  biefer  legten  3^tt  tbtn  fo  u)cttig,  wie 
immer,  wiewojrt  fepr  peimltd; ;  er  ftettt  fta),  at3  fe^  er  über 
taufenb  teilen  weg,  unb  ffgt  bod)  einem  angefepenen,  mäa> 
tigen  unb  bo£l)aften  ©otteetdugner  im  £eqen  unb  auf  ber 
3unge,  unb  fud)t  burd)  benfelben  bk  unfa)ulbtgen  ^eqen 
3u  wfüljrem  @r  würbe  e£  gerne  fejjen,  wenn  wir  unö 
überreben  liefen,  bag  entweber  gar  fein  teufet  ober  feine 
£otfe,  ober  ba$  er  nid)t  fo  feinbfelig,  fo  Itju'g  unb  begierig 
naa)  ber  2D?enftt)eu  33erberben  fep,  als  er  betrieben  wirb* 
Unb  um  biefe3  ber  2ßelt  beizubringen,  lägt  er  e6  fta)  in  feinen 
lieben  ©etreuen,  ben  heutigen  ©pottern,  fe^r  fauer  werben» 
—  din  berühmter  SWann  bemerft:  bag  t>ic  ©otte^laugner 
fo  gar  gerne  son  i^rer  gottlofen  Meinung  reben,  unb  tit* 
felbe  £u  $ertt)etbigen  fta)  bemühen,  unb  glaubt:  fte  u)un 
e$  bef wegen,  mit  fte  ü)rer  @ad)e  nid)t  gana  gewiß  fe^en, 
(wa$  nia)t  fehlen  fann;  benn  ba$  ©ewiffen  wiberfyritt)t 


91 


tpnen),  unb  mit  bcm  Beifall  Ruberer  fta;  gu  beruhigen 
fud;en,  3$  öe^c  e^  3lt/  C^au^e  jtebod;,  baß  ber  (Satan,  ber 
tpr  £er$  beperrfcpt,  jte  fktS  antreibe,  nad)  feinem  ©efallcu 
gu  reben  unb  anbete  gu  verführen*  —  ^ftanaje  fäugnen  ^war, 
baß  e3  einen  teufet  gebe;  attem  berdprtjt  fantt  biefer9D?ei* 
mutg  wopl  Begegnen;  opne  mid)  auf  bte  3^wgttiffe  ber  pet^ 
ligen  ©d)rift  unb  t>ie  päuftgen  (Erfahrungen  31t  Berufen,  will 
id;  bloS  auf  baS  (Elenb  pinweifen,  in  welcpeä  wir  burd; 
beä  £cufel3  £ift  geraden  fmb.  <^t^t  e£  feinen  £eufel, 
woper  fommt  benn  fo  mandjerlei  6ünbe  unb  ©cpanbe,  fo 
große  ©raufamfett  unb  BoSpeit  ber  $cenfcpen?  SSoper 
fommt  fo  viel  $rieg  unb  Blutvergießen,  fo  viel  Söerwüftung, 
fo  viel  Söib  er  willen,  gtiubfeligfeit  unb  23itterfeit,  aud)  unter 
(Regatten,  Altern  unb  $mbem,  ©djweftem  unb  Brübern?  <£$ 
tjt  gerabe,  wie  wenn  mau  auf  bem  gelbe  eine  gerjfreute 
beerbe  ©cpafe  fmben  würbe,  von  benen  einige  voll  2lngft 
pin  unb  per  liefen,  anbere  aber  in  iprem  Blute  lagen,  unb 
3emanb  wollte  ben  Wirten  glauben  machen,  e3  fei;  fein 
SÖotf  mepr  im  £anbe.  —  3Bie  wollten  wir  zweifeln,  baß 
e$  einen  Teufel  gebe,  t>a  wir  bod)  feine  Bosheit,  ©rau* 
famfeit,  geinbfeligf eit ,  unb  51rgli(t  in  feinen  S&er^ettgen 
täglicp  waprnepmen,  unb  fo  viel  Unglücf  unb  (Elenb,  baö 
Weber  von  bem  gütigen  unb  peiligen  ©Ott,  nod;  von  ber 
•ftatur,  tt>k  fte  von  ©Ott  erfcpaffen  i%  perrüpren  fann  ?  Xxxmit 
tm  aber,  0  (Eprift,  tm  liftigeu  unb  rei^enben  Söerfudmngcn 
be£  £eufel$  $u  begegnen  wiffeft,  fo  ftelle  bir  öftere  ben 
betrübten  ©ünbenfall  unferer  erjten  (Eltern  vor,  unb  benfe 
an  ba$  (Elenb,  in  wela)eS  fte  unb  wir  baburcp  geratpen 
ftnb*  Unb  laß  bir  bi^  ^um  $Bemi$  bienen,  wie  liftig  unb 
boSpaft  ber  <5atan  fe^  —  Mc$,  was  biä)  vom  Söorte 
unb  ®eporfam  ©otteS,  von  ber  %uU  unb  £od)fcpd§ung 
be£  ©efreu^igten,  von  ber  ©ottfeligfeit,  von  ber  gurcpt  vor 
bem  göttlichen  ©eriept  unb  ber  £ölle,  von  ber  Hoffnung 
beS  Fimmels  unb  ber  ©eligfeit  abbringen  will,  baä  rüpri 
vom  Teufel  per,  unb  wenn  er  aud)  in  ber  ©eftalt  eines 
(Engeln  rebete*  2öenn  3emanb  ©otteS  2Öort  in  Sweifel 
äiept,  fo  palte  benfelben  für  ein  SDSerf^eug  beS  <5atan3,  unb 


92 


glaube  fefl,  bag  t£m  berfelbe  im  £e^en  unb  auf  ber  3unge 
ft^e,  unb  eben  fo  gewiß  au$  i£m  rebe,  afö  er  einjt  im 
55arabte3  au3  ber  «Solange  gerebet  £at*  Söiberfprid;  ipm, 
unb  wenn  feine  Hoffnung  ba  ijt,  t^n  $u  gewinnen,  fo  meibe 
tjjn  wie  bie  ^ep,  unb  maa)e  $>ia)  feiner  ©ottlojtgfeit  auf 
feinerfei  SBeife  tpeiljiaftig*  SSerfcpefjen  t>k  ©ottlofen  tjjre 
£>f)ren,  wenn  bie  grommen  von  ijjrem  ßrrlöfer  unb  i£rer 
Hoffnung  auf  ein  anbereg  £efcen  reben,  fo  laffet  ung  x>kh 
mel)r  t>k  £){?ren  serf fliegen,  wenn  ber  «Satan  aug  einem 
vjottlofen  S^enfc^en  fpridjjk,  Raffet  un$  aud)  bem  Teufel, 
als  bem  £aupturj)eber  unfere£  ganzen  ©tenb^,  x>on  ^er^en 
feinb  fep,  unb  täglid)  unfern  ^aufSunb  erneuern,  unb  mit 
ber  alten  $ird;e  fpred)en:  „3$  fage  bir  ab,  Satan,  unb 
Jjalte  n\xä)  p  2)ir,  mein  £err  3efu  !"  Raffet  ung  au$  allen 
Gräften  be3  Satans  dleia)  ^er^ören,  unb  baS  ^eicf)  (grifft 
vermehren  Reifen,  unb  ©Ott  j)er$ftd)  bitten,  baß  er  uns  t>or 
be$  Teufels  Sftac^t  unb  €iji  bewahren  möge, 

©ebrattdj  ber  ?e£re  tton  ber  Grrfcfünbe. 

3n  biefer  wichtigen  Se^re  ftnbet  ftd)  fefjr  ml,  m$  wir 
tytiW  auf  uns  felbß,  tl)t\U  auf  Rubere  anwenben  tonnen* 
Siel),  o  5lflenfd; ,  ia)  unb  bu  unb  wir  2t(le  fmb  leiber  auc$ 
mit  bfefem  ©ift  beredt  2)ie  (ürrbfünbe,  bie  SSur^el  aller 
wirfli^en  Simben,  f>at  tijjren  <St^  aua)  in  unferem  £er£en, 
unb  baffelbe  ijt  $on  9latur  nid;t£  anberS,  aU  eine  »ergif* 
ttit  £iuelle,  unb  ein  2lder  soller  Unfraut,  unb  eö  ijt  feine 
Sünbe  fo  grog,  beren  (Samen  ni$t  in  unferem  £>er$en 
»erborgen  liegt  bleibt  $>a$  £era  ftd;  felbfi  überlaffen,  fo 
fiept  es  mit  bem  Satan  im  (EinoerjMnbmß,  unb  lägt  ftd) 
*>on  bemfelben  $u  f glimmen  £anblungen  pinreifmu  £)ie 
bofen  £üfte  fütb  bie  betrügerifd;en  9?atf>geber,  bie  bofen  ©e* 
banfen  finb  t>k  Unterpänbler  unb  bie  Seit  ijt  bie  Buträ* 
gerin;  bajjer  fommt  e3,  baf  wir  pciujtg  oon  unferem  etge* 
nen  ^er^en  Serratien  werben,  ef>e  wir  baran  benfem  £)ieg 
Jjaben  von  jej?er  bk  grommen  unb  ^eiligen  eingefepen  unb 
über  bie  23erborben£eit  ipre$'3nnern  fo  f^mer^li^  geflagt 
Seremiaö  nennt  ba$  £era  ein  iro$ig  unb    »eraagt 


03 


£ing;  unb  $autu$  befemtt:  ,,3o)  wetg,  tag  in  mir, 
b.  t.  ttt  meinem  Jleifdje  nia)t£  ($utt$  wojjnt;  ta) 
pabe  £uft  an  ©otteä  ©efe£,  ic^  felje  aber  ein  an* 
bere$  ©efeg  in  meinen  ©liebern,  ba$  ba  wiber* 
ftrettet  bem  ©efe§  in  meinem  ©emütj),  unb  nimmt 
miä)  gefangen  in  ber  ©ünben  ©.efe^  £>  ia)  eten* 
ber  SDtenfa),  wer  wirb  mia)  erlofen  von  bem£etbc 
biefeä  £obc3?!  Grbenfo  bezeugt  ein  Grütftebler :  „er  I)abe 
3 war  2Itfe3  verfaffen ,  aber  feineö  böfen  £>er$en3  rönne  er 
boa)  nia)tlo$  werten/'  £utj?erfa)retbt:  „er  fürdjte  fta)  m$t 
vor  feinem  eigenen  £er$en,  aU  vor  bem  $abft  mit  allen 
feinen  (£arbut  eilen."  Gzin  anberer  berühmter  Seprev  fagt: 
„deiner  famt  fein  §er$  rea)t  fejmt  ober  f  ernten;  ja  i>a$ 
£er$  tfr  ofQunfer  größter  geinb ,  unb  e$  j)at  ein  3eber, 
er  fep,  wer  er  wolle,  genug  ju  tpun  für  ftä),  um  baffelbe 
gu  jdpmen  unb  31t  jKften ,  wa3  alle  ^eiligen  bte  tn'ä  ©rao 
erfahren  Ijaben  unb  Bezeugen  muffen/'  £)amit  jttmmt  aua) 
ber  geiftreia)e  Slmbt  überein:  -„&  ijt  deiner,"  fagt  er,  „fo 
beiüg,  fo  fromm,  fo  reut,  baß  er  nid;t  täglta)  an  feinem 
böfen  fersen  etwas  31t  beffern  jjaitev"  — -  D  wie  mana)em 
gottfeligen  9)ienfa)en  entleibet  ba3  ?eoen  fo  fejt,  bag.  er 
fta)  lieber  ben  £ob  wünfa)t,  um  feinet  geinbe3  einmal  lo3 
gu  werben!  2>enn  ebgleia)  bie  SBtebcrgebornen  mit  bem* 
felben  täglia)  rampfett  unb  ringen,  fo  bünfet  ilnten  boa), 
afö  fei;  alle  ü)re  Stufte  unb  Arbeit  umfonji  ©ie  meinen 
^war,  ftc  paben  bie  23egterbert  be3  £er$en3  unterbrüdt,  pa* 
ben  baffelbe  gereinigt,  bamit  e3  bem  ©eijr  opne  Söiber* 
fprua)  ge£erä)en  möge;  aber  e3  läßt  boa)  feine  Unart  balb 
wieber  bilden.  (ES  gleid)t  einem  ©efäge  mit  trübem  2öaf* 
fer,  in  welchem  ber  @a)Iamm  ftnft  unb  ba3  SSaffer  llar 
wirb,  fo  lang  e3  jtili  ftel)t;  aber  eine  flehte  ^Bewegung 
fann  2llle3  wieber  trüb  unb  unrein  maa)en.  d$  mifa)t  oft 
feine  Unart  unter  hie  Jmligjtcn  Uebungen,  ba$  aua)  ba$ 
©efcef  t  hk  2Inbaa)t ,  t>ie  gottfeltgen  ^Betrachtungen ,  tk 
SBerfe  ber  $itf>e  :c.  nid;t  gartj  frei  fiub  von  ©genliebe  jurtb 
geiftigem  Stallt  Oft,  wenn  man  am  brünftigfteu  betet! 
will,   friert  fta)  ba$  £er$  gleia)fam  weg,   wie  ein  mutfj* 


94 


williger  ®nabe,  ber  wdjprenb  beS  ©ottc^bfcnjled  auS  ber 
^trc^e  fcf)(etd)t  unb  feinem  ©piel  nachläuft.  £)  tt)ie  viel 
!SWü£e  fojiet  e$,  wenn  man  eine  gottfeltge  Betrachtung  über 
pimmlifdje  Dinge  ober  eine  ©ewiffen&iprüfung  amMen  will! 
Sßgte  imftdt  unb  flüchtig  ^eigt  ft$  ba£  £er$  bei  folgen  fiet* 
ligen  Unternehmungen,  unb  wie  richtig  tjt  bie  Meinung  ei* 
neS  (£ngldnber6,  welcher  bk  geiftlic^en  Betrachtungen  ber 
Zeitigen  mit  einem  gernro^r  vergleicht,  ba3  ^war  gen  £im* 
tuet  gerichtet  ift,  aber  von  einer  gitternden  £anb  gehalten 
wirb,  fo  b<x$  man  eigentlich  nichts  erlernte«  fanin  2lu$ 
Davib  beutet  auf  bte  Söanfelmutlj  feinet  -£er$en$ ,  wenn 
er  btttt:  „(Erhalte  mein^erg  bei  bem  (Einigen,  baj? 
tä)  deinen  tarnen  fürdjte;"  b»  i  ber  £err  möge  bk 
mancherlei  flüchtigen  ©ebanlen  feinet  $et$ett$  fammeln,  t>a$ 
fte  ijjm  in  feinen  gottfeligen  Hebungen  nifyt  Innberlid)  wä* 
rem  Deswegen  fagt  er  and;  in  einer  auberu  ©teile:  „Dein 
Änedjt  Ijat  fein  £er£  gefunben,  ba£  er  bieg  ©e* 
bei  $u  Dir  betete  Damit  gibt  er  gu  verfielen,  bag 
man  vor  bem  ©ebet  ober  vor  irgenb  einer  anbern  jjeiligeu 
Hebung  ba£  unftdte  unb  flatterhafte  £er$  gleid)fam  fuc^en 
unb  von  btn  irbifd)en  Dingen  gurücf rufen  muffe,  xok  man 
bk  $mber,  bie  ftd)  gum  ©viel  ^erftreut  fyaUn,  jum  ©e* 
htt  unb  jur  ©clmle  fuc^en  mug*  —  ©e£et!  ba£  gangerer* 
Serben  unfere£  £eqen  rüjjrt  von1  ber  GErbfünbe  ljer.  Daper 
ifl  e3  bie  größte  S^orl?  eit,  wenn  ber  SDcenfcJ)  ftd)  vor  ©Ott 
feiner  £eiligfett  unb  grömmigf eit  rühmen,  unb  bur<#  ei* 
gene  ©ered)tigfeit  ben  Fimmel  erlangen  wi(L  <£$  ifl  gerabe, 
tvie  wenn  ein  Bettler  in  feinen  Pumpen  prangen,  ober  tin 
Silberner  fiel)  einbitben  wollte:  er  fep  ein  foniglidjer  $rin^ 
3$  glaube  vielmehr,  ba£  eine  grünblidje  Betrachtung  ber 
Crrbfünbe  unb  eine  genaue  (Erfenntnift  unferer  felbfl  ptn^ 
retd;enb  fep,  alle  Eigenliebe,  alle  (Eütbilbungen  be3  alten 
5D^enfd)en ,  allen  geiftigen  ©tol^  unb  jjeudjlerifdje  drapieret 
mit  eigenen  guten  SÖerfen  3U  unterbrüden*  2ßer  aber  bie* 
fem  nodj  ergeben  tjt,  ber  mag  fonjt  red)t  vtelwiffeu;  allein 
ftd)  felbjt  unb  bie  £iefe  feinet  «£)er$en^  |?at  er  nodj  md)t 
erlannt,  unb  fo  lange  er  in  biefem  3uflanbe  hkiht,   ift  er 


95 


t>or  ©Ott  et'n  ©reuet,  unb  weit  er  fto)  für  (£twas3  ^dlt, 
tjt  er9Hd)tö,  unb  wenn  glei$  bie  gan^e  Seit  tpn  für  einen 

Zeitigen  Ratten  würbe* 

i 

9?i$t$  $ifft  fein  eigen  £eittgfett,  ©ein  £t;un  tjt  gan^  »erloren, 
£>te  ^rbfünb'  tttac^t^  gut  SRt^ttgfeit,  ©arin  er  tfl  geboren,  <£r 
lann  ft#  fet&ft  mefit  Reifen» 

£)arum,  o  d^rtft,  gewogne  btd)  baran ,  beut  £er$  oft 
^u  unterfud;en  unb  eine  genaue  Prüfung  betner  ©cbanfeu, 
Neigungen  unb  23egierben  auaujfrtten ,  bannt  ftd)  fein  SSer^ 
trauen  auf  bid;  fetbjt  unb  leine  fatfa;e  (ürinbilbung  von  heilig- 
feit  bei  bir  einf  erleid;  e*  ©dpone  bta)  ntdjr,  fonbern  ^üdjiige  beitt 
£er$  mit  ©otte$  2ßort,  unb  rid;te  e3  nidjt  naa)  eigenem 
©utbünfen,  fonbern  na$  bem  ©efe§  be3  £errn  —  bu 
wirft  gar  Mb  ftuben,  ba$  md)x  ©reuet  unb  Unreintgfeiten 
tn  bemfelben  fmb,  als  bu  glaubji  de  werben  bir  ©ebatt* 
fen  begegnen,  vor  benen  t>u  erfc^reefen  wirf!,  unb  bie  bu 
vor  ©d;aam  feinem  5D?enfc|)en  gu  entbeefen  wagft,  weldje 
aber  bod;  bem  atlwiffenben  unb  ^eiligen  ©Ott  befannt  ftnb, 
2)u  wirft  einen  f>etmtid>en  £a$  wiber  bett  #errn,  dn  be^ 
jMnbige^  Nabeln  feiner  2öege,  eine  unaufhörliche  Hn3ufrie* 
bent)eit,  ja  einen  SBibcrwitlen,  if>m  51t  bienen,  in  birfmben; 

—  lauter  ©ünben  wiber  ba3  erfte  ©;eM,  —  um  r&fyß 
von  ber  (Eigenliebe,  bem  (Eigenwillen  ,  ber  |)offart , 
ber  geinbfetigfeit  unb  23oöj>eit  gu  fagem  2ßie  fönntc  alfo 
ein  £er$,  ba3  von  üftatur  voll  fünblid;cr  23egierben  unb 
getnbfdmft  wiber  ©Ott  ijt,  ftd)  rühmen  unb  auf  feine  grom* 
migleit  pod;eu?  ,,©ie$>e,  unter  feinen  £  eiligen  ijt 
feiner  opne  gäbet  unb  bie  £>immet  finb  nicf)t 
rein  vor  3jjm,  wie -viel  weniger  ber  5Q?enfd;,  ber 
ein  ©reuet  unb  fdntobe  ijt,  ber  Unrea)t  txxnft 
wie  Söaffer?"  £)ie  (Mfünbe  erregt  in  ü)m  eine  immer* 
wäfjrenbe  23egterbe,  33öfe£  gu  tjjun,  fo,  baß  er  oft  nid)t 
ruimt   fann1,   bt3   er   feinen  fünblidjen  SÖillen  erfüllt  Jjat* 

—  23ebenfft  bu  bk$,  0  <££rift,  fo  .wirft  ^>u  be3  SSftg* 
meiuS  wo^t  vergeffen,  unb  auf -ftid)i3  aU  auf  ©otte3  ©nabe 
unb  ^Barm^er^igfett  in  3efu  (^Jrijto  bauen*     £>enn  wenn 


96 


mi'<$>  bte  Erneuerung  tn  bir  burd)  bie  ©nabe  bes3  £öcf)ftot 
tljren  Anfang  genommen  I)at,  unb  wenn  bu  gleid)  täglich 
mit  ber  ©ünbe  ftreiteft  unb  fte  nid)t  tri  btr  J)errfa;en  läffeft; 
ja,  wenn  bu  fd;on  nad)  bem  inwenbigen  SDtafcljen  beginnft, 
£nft  ^u  J>aben  an  (13otte^  ©efe#  unb  feinen  {»eiligen  SStlten 
mit  greuben  ^u  sollbringeu,  aua)  burd)  be^  ^eiligen  ©ei* 
jte$  33eijtonb  anfangt,  bid;  in  ber  wahren  ©ottfeligfeit  $u 
üben,  unb  ©Ott 'unb  $totfä)eu  $on  £er$en  ^u  bleuen,  fo 
wirft  bu  e$  bod)  nid;t  weiter  bringen  aU  ber  SfycfW  ^3au* 
lu£*  tiefer  bezeugt  mitten  im  Saufe  feinet  2lmt$  unb 
<££njleni£um$:  „£)a3  Söollen  ji>abe  er  gwar  woljl; 
aber  ba£  SSotlbringen  finbe  er  nidjt,  er  fül)le  ein 
anbereS  ©efe£  in  feinen  ©Hebern,  weld)e$  bem 
©efe#  be3  ©emütJM  wiberjtrebe  unb  ifyn  unter 
ba$  ©efe£  ber  (Bixnbt  gefangen  neunte/'  —  £)bgleia) 
er  ftd;  alfo  leiner  mutwilligen  ©üube  hmu$t  war,  fo  Inelt 
er  fta)  bod;  pierin  nia)t  für  gerecht ,  wollte  ftd;  aud)  9ctd;ti$ 
rühmen,  al£  be$  $reu$e$  3efu  dprifti,  aud;  $on  leiner 
eigenen  ©erecptiglcil  wiffen,  fonbern  ftd;  altem  auf  bie  ©e* 
red}ligleit  3efu  ttertajfen,  t>k  bem  ©lauben  jugerec^net 
wirb*  £)arunt,  o  'Qtjjrifi,  lerne  woljl  unterfd;eiben,  \va$ 
beut  eigene^  unb  frembeö  Qout  ijt,  waö  bir  unb.waä  bei* 
nem  ©Ott  aujtel;t  Senn  bu2Ule$  wo£l  bebenljt,  fo  UäU 
bir  yiifytü  aU  bie  ©itnbe,  ©djmtad;  unb  ©d)anbe,  ©Ott 
aber  gehört  alie$  Rubere,  %ßmn  ©Ott  ba3  wegnimmt,  wa$ 
er  bir  au$  ©naben  gegeben  £at,  fo '  bleibt  bir  91id)t^  al£  ein 
unreine^  £er$  voller  ©reuel  unb  33esf)eu\  —  tene  baper 
aud;  bentütfug  unb  fanftmütfug  feipn  gegen  beuten  9?äa;(len, 
jjabe  ©ebulb  mit  feinen  gestern  unb  @a)waa;^eiten  unb 
enthalte  bid;  aite£  lieblofen  dtifyttnö ,  l?abe  TOtleiben  mit 
tjnn,  wenn  er  jtraud;ett  unb  fallt,  Utt  für.  #n  unb  f>itf  ijmt, 
fo  viel  an  bir  i%  mit  fanftmüt^igem  ©eifte  wieber  ^urea)t> 
2)er  irrenbe  ^ebenmenfd)  ijt  ein  ©pieget,  barin  bu  beine 
eigene  Unarten  fepen  fannji  £)te  ©ünbe,  t>k  in  ü)m  wojjnt, 
l;at  ü)n  $u  ga^e  gebracht,  fte  wohnet  aud;  in  bir;  %k$t 
©Ott  bie£anb  ahf  fo  lannjt  aud;  bu  falten,  ^eute  fallt  er, 
morgen  wUtifyt  id;  ober  t>u ,   I?eute  bebarf  er  meiner  unb 


97 


beincr  (Sanftmut!?  unb  ©ebulb,  morgen  bebürfen  wir  wU 
Uid)t  berfelben.  ©tejji  bu  beuten  9ftta)fkn  fünbigen,  fo 
lag  e$  bir  eine  2Barnung  fet;n  unb  bia)  ju  größerer  33or* 
ftc|>t  unb  $u  mef>r  (£ifer  tm  ©ekt  antreiben«  (£r  tjt  gefal* 
ten ,  bu  fle^ft  aber  noa)  auf  bem  gleiten  fa)lüpfrigen  33o* 
ben;  ^ajt  bu  aua)  nia)t  bie  nämlidjen  <5ünben  begangen 
wie  er,  fo  btft  bu  tnelfeia)t  ein  ©ftoe  :oon  £eimlta)en,  ober 
l>aft  bu  einige  geiler  an  bir,  bte  bu  au$  ©ewojmfjeit  nidjt 
me^r  aa)tefi,  unb  bijl  alfo  ttor@ott  in  einem  gefährlicheren 
3uftanb,  al$  ein  offenbarer  ©ünber.  —  2)oa),  wenn  bu 
bia)  and)  ber  Unfa)ulb  unb  £etligfeit  naa)  Gräften  befleißtgjl, 
wenn  man  ba$  £eben  d^rifti  an  bir  wahrnimmt,  fo  mußt 
bu  wiffen,  baß  ^wifa)en  bem  größten  Sünbeu  unb  bir  fein 
Unterfa)ieb  ift,  aU  ber  $wifa)en  einem  gepfropften  unb  un* 
gepfropften  wilben  (Stamme;  jener  bringt  gutegrüa)te,  aber 
nta)t  an$  ftct)  f eXbft ,  fonbern  burä)  ba$  gute  Sfoifj,  wela)e$ 
tfmt  eingepfropft  würbe;  würbe  taö  Dfciß  abgefa)nitten,  fo 
bürfte  fta)  balb  geigen,  baß  er  eben  fo  wilb  tft,  wie  biefer* 
3n  2lbam  finb  wir  Sitte  gleia),  ber  größte  ^eilige  ift  nid;t 
beffer  als  ber  größte  ©ünber;  ber  SSoqug  fommt  tton  ©ot* 
te$  @eift  unb  ©nabe,  wenn  biefe  verloren  jtnb ,  fo  ift  jener 
fo  gut  ein  $tnb  ber  $ölfe,  al$  biefer. 

2lu$  ber  2el?re  r<on  ber  (£rbfünbe  folgt  ferner  eine  (£x* 
ma^nung  an  alle  a)riftlia)e  (Altern,  baß  fie  auf  tpre  Äinber 
um  fo  fleißiger  2la)t  Ijaben  unb  um  fo  me^r  für  i£re  gott* 
feiige  (ürr$iefmng  forgen  follen»  —  2)ie  mciften  (Altern  lieben 
tfjre  ^tnber  b(o$  fleifa)lia),  nta)t  in  (Sott  unb  naa)  ©Ott; 
fte  lieben  bie  $inber  unb  $ugleta)  bte  ©ünbe,  bie  in  tjjneu 
wofmt,  fte  laffen  biefelben  aufwaa)fen,  oljne  ifjnen  einen 
3wang  an^ut^un,  unb  ftnb  vergnügt,  wenn  fte  am  5etbe 
gefunb,  bem  ©eifk  naa)  fäfng,  in  t>cn  <&itten  anftctnbtg  unb 
in  allen  Dingen  nad)  bem  Sunfa)e  ber  SÖelt  geartet  finb» 
3ft  ein  iTtnb  wo^lgeftaltet,  fd;ön  gefleibet,  freuublia)  unb 
munter,  fo  tu  ff  et  man  es  unb  fmlt  c$  n)k  feinen  Augapfel; 
aber  mn  ben  ©reuel,  ber  in  bcjfen  $erjen  ftedt,  befümmert 
fta)  9ftnnanb.     $?an  liebt  bie  $inber,  weil  fte  unfer  gleifa) 

6crit>er'$  S*e(ertfd)a$.  7 


98 


unb  53lut  fmb,  efme  barem  $u  benfen,  bag  wir  bas  ®tfi 
t>er  ©ünbe  auf  fte  fortgepflanzt  fmben,  unb  bag  biefelben 
fä)on  Sh'nber  beS  3orn^  gewefen  ftnb,  e£e  fte  geboren  wur* 
ben»  3^«r  werben  fte  in  ber  ^eiligen  £aufe  $um  9?eia)e 
@otte6  wiebergeboren,  bte  ©iinbenfa)ulb  wirb  vergeben, 
unb  ber  fettige  ®etjt  fängt  bag  2Ber!  ber  Erneuerung  tn 
££riffa  3^fu  an;  bod)  bleibt  bte  SBuqel  tm  bergen,  unb  ber 
Sftenfa)  bebarf  einer  guten  2luffta;t  unb  einer  a)riftlia)en  Er* 
Ziehung*  —  £)a£er  ift  vor  alten  fingen  notbwenbig,  bag 
bte  Eltern  bte  Unarten  tjjrer  ^tnber  genau  fennen  $u  lernen 
fua;en,  unb  bann  auf  Wättd  bebaut  ftnb,  um  benfelben 
$uvor$ufommen  unb  fte  ju  unterbvüden»  Sßenn  ipx  alfo, 
ipr  a;riftlta)en  Ottern,  euer  ^inb  mit  wahrer  £iebe  anfeilet, 
unb  greube  Ijabt  an  beffen  ©a)önl?eit,  $kM\d)Uit  unb 
Sftunterfett,  fo  vergejfet  niä)t,  bag  aus  biefer  greube  leia)i 
ein  £etb  unb  au£  eurer  £ufi  eine  Unlujl  entfielen  fann» 
£>ieg  liebe,  fa)öne  $inb,  bas  tf>r  jefct  peqet,  ba$  t£r  euern 
Engel  nennet,  !ann  ein  geinb  ©ottee  unb  ber  $tenfa)en, 
ein  Teufel,  ein  ©otteäläugner,  fur$  ein  $inb  ber  Jpölle 
werben»  £)ie  tägliche  Erfahrung  bezeugt  e$  gur  ©enüge, 
unb  man  feilte  nia)t  glauben ,  bag  in  einem  fo  flehten, 
polbfeligen  $tnbe  ein  fola)e3  böfeS  £er§  verborgen  fe^e, 
wenn  e3  fta)  nia)t  mit  ber  3eü  felbft  offenbarte»  —  £)arum 
liebet  eure  $inber,  aber  mit  gura;t;  bte  linber  follet  tj?r 
lieben,  aber  bie  <5ünbe  Raffen,  bte  in  t^rem  fytx$tn  fteeft» 
ES  tjt  eine  falfdje,  £öa)ft  fa)äbltä)e  %UU,  welche  bie  Unart 
be$  ^er^enö  nta)t  fepen  unb  betrafen  will,  um  baS  ßinb 
bamit  nia)t  gu  betrüben»  (£$  i(t  eine  falfdje  ^}tebe,  bie  baä 
Jltnb  in  fetner  33o3l?eit  lad)en  lägt,  unb  tbm  felbft  narf^er 
ein  Seinen  bereitet»  £)emnaä)  gebet  fleigig  2ld;t  auf  bie 
allgemeinen  grüajte  ber  Erbfünbe,  nämlia)  auf  ben  Eigen* 
willen,  ben  Eigenjmn,  Ungelporfam,  23itterfeit,  £ügenu»  f»  w. 
Ueberfe^et  nid;t,  bag  bau  ©ute  mit  grogem  gleig  in  bte 
garten  £eqen  gepflanzt  werben  mug  unb  bod)  nia)t  2B  *$el 
faffen  will»  E$  wirb  langfam  unb  mit  SStberwillen  aufge* 
genommen,  unb  gefa)winb  wieber  vergeffen.  2)a3  53öfe  aber 
wäa)öt  ojme  9ttü£e  von  3nnen  £erau$  unb  verbreitet  ftd) 


99 


gefdjwinb,  befonberS  ba  e$  noa)  *>on  ber  gottlofen  SBctt 
bura)  Hergerniffe  gleia)fam  bewäffert  unb  unterfiü^t  wirb* 
3a,  wenn  man  aua)  immer  bagegen  arbeitet  unb  ftd)9ttüfjc 
gibt,  ba$  Unfraut  au^ujäten,  fo  aeigt  eä  fia)  boa)  balo 
wieber  unb  fa)lägt  Ijauftg  wieber  aus*  —  (Ein  woploerbienter 
l*ej?rer  erflärte  bieg  bura)  ein  23eifpiel,  wela)eS  ia)  nä£er 
angeben  will :  „£>a$  21  23  (£,  fagt  er,  weites  bie  Knaben 
tn  ber  6a)ule  lernen  muffen,  tjt  nia)t  fo  fa)wer,  wie  9ttan* 
d;er  glaubt ;  benn  e$  ftnb  nur  24  23ud;ftaben.  2lber  weif 
baffelbe,  wenn  e$  redjt  angewenbet  wirb,  bem  Sftenfdjen 
uü§lia)  ift,  $ü  ($otte3  @fjre  bient  unb  bem  Teufel  feinen 
geringen  6a)aben  sufügt,  fo  gejjt  e$  ben  $inbern  äugerfi 
fa)wer  ein.  gerner  gibt  e$  mehrere  6ptele  mit  SBürfeln 
unb  harten,  —  bie  Blätter,  bie  Silber,  bie  garben,  bie 
3abten  :c.  jc.  auf  benfelben  ftnb  fefjr  serfdueben,  aud>  tfi 
mit  meljr  Slufmerffamf  eit  unb  (Einfielt  nörtjig,  als  bei'm 
fernen  be$  21  23  (S ;  boa;  tjl  bieg  feinem  $inb  $u  viel,  fei* 
uem  $u  fdjwer.  2ötr  2ille  fabelt  folajeg  fa)nell  gelernt  unb 
greube  baran  gefunbem"  —  Grbenfo  get?t  e$  mit  bem 
23eten.  —  Qrin  $inb  lernt  mana)mal  balb  reben  unb  £at 
eine  geläufige  3«nge,  bieg  unb  jenes  $u  fagen,  ju  forbern, 
ober  naa)$ufd;wä|en ;  foll  e3  aber  ein  furjeä  ©prüajleüt 
lernen  unb  nadjbeten,  fo  lägt  es  fia)  fauer  an,  tfi  metjten^ 
Höbe,  rebet  langfam,  unb  e£  fojtet  viel  *MI)e,  U$  man  e$ 
mit  guten  SÖSorten  ober  mit  Drohungen  ba$u  bringt  2)ar* 
über  barf  man  nia)t  gleid;gültig  weggeben,  gefa)wetge  benn 
e$  für  $inberei  palten;  fonbern  wir  follen  e$  mit  ©euften 
als  eine  grua)t  ber  (Ürrbfünbe  betrauten,  unb  bemfelben  naa) 
Gräften  ju  fteuern  fud;en.  —  ^eben  bem  ijt  aber  noa)  ju 
bebenfen,  bag  jene  böfe  SSur^el  im  £eqen  gwar  einerlei 
Slrt  ift,  boa;  ftcj>  in  mand;erlei  grüa)ten  $eigt,  unb  bei  bem 
einen  -Xtfenfdjen  auf  biefe,  Ui  bem  anbern  auf  eine  anbere 
fffieife  jutn  33orfa)ein  fommt.  (£tn  Sftenfa)  l)at  3.  53.  siel  GSrigen* 
ftnn  unb  ein  unbänbigeS,  fred;e3  2Öefen,  ber  anbere  jeigt  einen 
grogen  £eta)tfmn,  viel  Unbeftänbigfeit  unb  Sßanfelmutjj.  (£in 
britter  befi£t  an  ftotseö  £er$,  ba$  alle  2lnbere  neben  fic& 
veraltet,  unb  immer   poa)  j)inau$  will,  ober  $at  er  51ei* 

,7* 


100 


gung  $ur  iBötteret,  $ur  Uepptgf  eit  unb  SBottufL  %>ty 
anbere  ftnb  geneigt  $ur  Untreue,  $ur  Unreblia)feit,  $ur  galfä> 
tyit,  $um  Eugen,  gum  (Seelen  u.  bergt  —  5luf  fola)e  grüßte 
ber  (Erbfünbe  muffen  serjMnbige,  gottfeltge  Altern  Ui  %ti* 
len  genau  2la)t  £aben,  bte  böfen  Neigungen  i£rer  $inber 
grünbliä)  fennen  lernen  unb  benfelben  bura)  Unterria)t,  bura) 
liebreta)e  Ermahnungen,  bura)  SQBarnungen  unb  ©trafen,  $u* 
sörberjt  aber  bura)  ein  ij>erslia)e$  ©ebet  $u  begegnen  fua)en. 
@$  mufj  tlmen  baran  liegen,  baj?  bie  £tnber  früfoetttg  mit 
t^ren  Unarten  befannt  unb  angehalten  werben,  nriber  biefel* 
ben  ju  fämpfen,  ben  eigenen  Sitten  gu  brea)en  unb  bem 
ju  entfagen,  toaö  fte  oft  am  fe{mlia)ften  wünfa)en.  £)a* 
£er  tfl  notpwenbig,  ijmen  ben  £aufbunb  beutlia)  $u  er* 
Karen,  unb  bie  ©ünbe  aU  einen  ©reuel  t>or  ©Ott,  unb 
als  ein  ©ift  ber  ©eele  bar$u(kttem  —  ©o  £ielt  e$  bie 
fromme  Butter  be£  ^eiligen  Subwig,  Königs  son  granfreia), 
wela)e  öftere  fagte:  „fte  trotte  lieber  i|>ren  ©ojm  umfommen 
fe^en,  al$  ba$  er  eine  ©ünbe  begebe."  — •  2)ie  $inber  ber 
Triften  fottten  bittig,  sott  üftutterleibe  an,  bem  $fccra 
geheiligt  unb  geopfert  werben;  benn  bie  Erfahrung  bezeugt 
eö,  bag  auö  fo!a)en  wtrflia)  oortrefflia)e  2ttenfa)en  geworben  ftnb. 
din  fprea)enbeS  23eifpiel  f>aben  wir  an  bem  ©amuel,  wela)en 
feine  Butter,  £anna,  bem  £errn  gelobte.  £)a$  ©leta)e  lefen  wir 
aua)  von  ben  füttern  anberer  berühmten  Männer ;  namentlia) 
wirb  son  ber  Butter  be$  frommen  33ernparb  eqäjrtt,  baß 
fte  bie  ©ewo^n^eit  gehabt  Ijabe,  t^re  neugebornen  ßinber 
auf  bie  5lrme ju  nehmen,  unb  fte  bem  £errn  3efa  ^  et« 
Opfer  $u  übergeben»  ©te  betrachtete  biefe  fortan  nid)tme£r 
bloö  als  ibre  hinter,  fonbern  alö  (£igentfmm  be£  @rlöferö 
unb  als  ein  anvertrautet  ®ut,  ba$  jle  innigft  liebte,  unb 
forgfälttg  in  2la)t  nafjm.  £)abura)  erlebte  fte  aua)  bie  greube, 
bafj  fie  t£re  fteben  itinber  $u  frommen  unb  rea)tfa)affenen  WUn* 
fa)en  l?eranwaa)fen  fa£>.  —  @nblia)  ijt  e$  eine  fromme  unb  löblia)e 
©tue,  wenn  a)riftlta)e  Mütter  felbft  unter  bem  ©tttten  ijjrer 
$tnber  einige  6ei*fjcr  ^um  Fimmel  fa)icfen  unb  fta)  etwa 
auf  folgenbe  Seife  auäbrücfen :  ,,2la),  mein  £err  ^qu! 
,,ia)  banfe  £)tr,   ba£  £u  mia)  gewürbigt  £ajt,   Butter  $u 


101 


„werben,  unb  mir  bte  ©nabe  verletf>ft,  bag  ia)  mein  ßinb 
„felbft  ftillen  famt.  3$  ge&e  bemfelben  bte  SWuttermila), 
„flöge  Du  il?m,  mein  Erlöfer,  Deine  Siebe  unb  Reuige 
„gttrdjt  ein,  2la) ,  lag  e$  allezeit  ein  lebenbigeä  ©Heb  an 
„Deinem  %eibe  bleiben!  Dämpfe  in  tjjm  bte  Erbfünbe  unb 
„alle  33o$!jeit,  gib  tfmt  Deinen  ©eijt  unb  ©tnn;  bewahre 
„e$  »or  bem  2lergernig  unb  ber  $erfü£rung  ber  böfen  Seit, 
„^eilige  unb  fegne  eä  an  Mb  unb  ©eele,  unb  lag  e$  tag* 
,,lta)  $une£men  an  2öet$f>eit,  2llter  unb  ©nabe  bei  ©ott 
„unb  ben  $?enfa)en."  — -  Ein  berühmter  ^rebiger  in  $5  ölen 
eqäfjlt  tton  fta):  bag  er  tton  feinem  23ater  m'djt  nur  t>on 
Kinbpett  an  felbjt  unterria)tet  unb  bem  Dienjte  ©otteS  unb 
feiner  $ira)e  gewibmet  worben  fep  ,  fonbern  baß  biefer  tfm 
aua)  an  bem£age,ba  er  $ur  (Sa)ule  gebraa)t  werben  feilte, 
mit  fta)  $ur  $ira)e  genommen  unb  auf  ben  Knieen  ©Ott  bargen 
fiellt  unb  übergeben  pabe.  Ebenfo  rannte  ta)  einen  33ater, 
wela)er  bte  ©ewoljnljeit  ^atte,  bag  er  feine  $inber,  wenn 
jte  ba$  gehörige  2Ilter  erreicht  Ratten  unb  $um  £ifa)e  be$ 
£errn  ge^en  follten,  guerft  über  if?ren  £aufbunb  unb  beffen 
Erneuerung  unb  55eftdtigung  im  ^eiligen  2lbenbma£l  forg* 
faltig  belebrte,  bann  aber  in  ein  Kämmerlein  führte,  wo 
er  fte  »or  fta)  nieberfnieen  lief.  Er  felbß  tmete  btnter 
tynen,  legte  feine  £änbe  auf  tyx  $a\\pt  unb  opferte  jte  mit 
Sutanen  unb  einem  £er$lia)en  ddebet  feinem  unb  ijjrem  jnmm* 
lifa)en$ater.--2la),  bag  alle  a)riftlia)e  Eltern  folgen  gleig 
unb  fola)e  2lnbaa)t  seigen,  bag  alle  fo  ernfilia)  unb  pexßa) 
mit  unb  für  tfjre  Kinber  beten  möa)ten!  D  tyx  Eltern,  bte 
tyx  btefeä  lefet  unb  boret,  ta)  bitte  eua)  *>or©ott  unb  bem 
£errn  3efu,  ber  ba  sufünftig  tft  ju  rta)ten  bie  £ebenbigen 
unb  bie  lobten,  bag  i£r  eua)  babura)  bewegen  lafiet,  über 
eure  Kinber  fleißig  $u  waa)en,  unb  bieg  mit  aufria)tigem 
£er$en,  im  ©lauben,  $u  tljun.  ©ebraua)et  bie  fRutfe  gu 
rea)ter  Seit,  eingeben!  beffen,  n>a$  ©alomo  fagt:  „Zfyox* 
tyeit  fteeft  bem^naben  tm£er$en;  aber  bie^utpe 
ber  3ua)t  wirb  fte  ferne  öon  i£m  treiben."  Doa) 
nehmet  babei  zweierlei  in  2la)t.  Einmal  Rubelt  nia)t  im 
3orn  unb  Ungeftüm ;   bann  sergeffet  ba$  ©ebei  ma)t.  — 


102 


Wlanfyt  (Eltern  fönnen  ijjren  ßinbern  lange  gufefjen,  unb 
tlmen,  wenn  fte  gerabe  guter  tone  ftnb,  fogar  Tlufyroiiim 
genauen;  ftnb  fie  aber  über(£twa$  erzürnt  unb  bura)  trgenb 
einen  3ufall  unwillig  gemalt,  fo  migbanbeln  fie  i£re  $m* 
ber  bisweilen  ofme  Sflaag  unb  3*'eL  Dabura)  werben  fte 
erbittert  unb  fa)eu  gemalt,  bag  fte  leine  rechte  Kitte  unb 
lein  Vertrauen  me£r  $u  beugtem  £aben,  nitfjre  bejbweni* 
ger  aber  bo$£aft  hUiten  unb  mit  größerer  23orjtd)t  fünbigen  ler* 
nen»  2Sie  t$  überhaupt  fein  löeifptel  gibt,  baß  a#$u(kenge  ©Item 
bura)  ijjren  un^eitigen  ©rimm  woltfgeratbenc  iHnber  erregen 
£aben.  —  Wlit  einer  georbneten  3ufyt  muß  aber  aua)  ba£ 
(Betet  £anb  tn  £anb  ge£en;  benn  bie  atferjtrengfte  3ua)t 
olme  ©otteS  ©nabe  taugt  ntdjtS.  Darum  rufet  ten  $ater 
im  £>immel  an,  baß  <£r  eure  %Rtyt  unb  Arbeit  fegnen  unb 
t\x6)  ba$  erwünfa)te  3^^  erreia)en  laffen  möge,  2Iua)  $au* 
IttS  fajreibt,  wenn  er  von  ben  $flia)ten  gegen  ©Ott,  gegen 
fta)  felbji  unb  ben  9?ebenmenfa)eu  fpria)t,  Wt$  ber  f>etlfa^ 
men  ©nabe  ©otteg  §u.  „(ES  iß  erfa)ienen,"  fprtajt  er, 
„bie  öetlfame  ©nabe@otteS  allen  9ttenf<$en,  unb 
3üa)ttget  uns,  baß  wir  follen  serläugnen  ba£ 
ungöitlta;e  2Öefen  unb  bte  weltlichen  2üfte,  unb 
gültig,  geregt  unb  gottfelig  leben  in  biefer 
23elt."  So  tjl  nun  ©otteS  ©nabe  bie  rea)te  3u$tmeifte* 
rin,  welü)e  ba$  £er$  änbern,  erneuern  unb  reinigen  fann. — 
Dieß  serfianb  jener  gottfelige  Skter  wol)l,  welcher,  wenn 
bie  ®inber  festen ,  nia)t  fogleidj  tm  erjten  (Eifer  ,  flrafte, 
fonbern  jta)  ßtit  na£m,  in  fein  Kämmerlein  ging,  ©ott 
um  23etjknb  anrief  unb  fta)  wofjl  bebaute.  Dann  erffc  $üa> 
tigte  er  feine  Kinber  öäterlia),  unb  lieg  fie  babei  feine  Kitte 

unb  feine  guten  2Ibfta)ten  empfinbem  - Woö}  ifi  übrig, 

baß  wir  benen  (£t\va$  §um  £rofte  geben,  wela)e  über  tyr 
serberbteä  <&er$  unb  bie  SDtfadjt  ber  Grrbfünbe  fe^nlia)  Ilagen 
unb  oft  feijr  tetxixbt  ftnb.  2ta),  fprea)en  fte,  wo|>er  lommen 
benn  ade  bie  gottlofen  unb  unreinen  ©ebanlen,  bie  taglia) 
unb  (lünblia)  in  uns  aufzeigen?  £)  ta)  elenber  Sflenfa), 
wa$  t'ft  boa)  mein  Gtyriftentljum !  3a;  fyate  genug  31t  tfmn, 
um   ben  fünb lieben  £üjlen  unb  5?egierben  $u  webren;  wa$ 


103 


foll  iü)  ©ute6  t£un,  ba  id)  ba$  23öfe  ntc^t  meiben  fann, 
wela)e$  ftd)  aucf)  in  meine  beften  ©ebanfen  mtfc^t  ?  SSte 
foll  mein  Ctjmftentlwm  ©Ott  gefallen,  ba  e$  mir  armen, 
elenben  9ttenfd)en  felbjt  nid;t  gefallen  fann?  —  £)  Gtyrtjr, 
glaube  e$  mir,  e$  ijt  gewifj  feine  geringe  ©nabe,  wenn 
wir  bie  tn  un$  wofmenbe  ©ünbe  erfennen,  fte  für  ben  ge* 
fä^rltc^ften  geinb  galten  unb  mit  tbr  täglich  im  Kampfe  be* 
griffen  fmb.  ©ei?en  wir  nnfer  (£lenb  nnb  beflagen  baffelbe,  fo 
tfi  e$  ein  23ewei3,  ba$  ©otteä  ©nabe  an  unferem  £>er£en 
axMtet;  beim  bei  bem  Unwiebergebornen  unb  Unbugfertigen 
iji  bie  ßxbfünbe  eine  unerfannte  ©ünbe*  2)arum  nennt  aud; 
Qavib  bk  GrrfentUnifj  feiner  r>erberbien  9?atur  eine  l)eim* 
fid)e  2Öei6{>eit,  unb  eine  &abt  beS  £öa)ften.  —  Grbenfo  ift 
e$  eine  ©nabe  ©otteg,  wenn  nur  feinen  ©efallen  an  un£ 
felbjt  fmbern  £)er  (Henbejle  unb  $crad)tetfte  in  feinem  £er* 
gen  iß  ber  £iebfte  unb  ^Ingene^mfte  Iti  ©Ott,  unb  barf  fid) 
beffen  freuen,  wa$  ber  £err  &u  bem  35ro#)eten  fprid)t:  „3$ 
fef>e  an  ben  (ürlenben  unb  ben  ber  $erbrod)enen 
©eijteg  ift,  unb  ber  fia)  fürd)tetsor  meinem  2Bort" 
3nbem  wir  mit  ber  ©ünbe  fämpfen  unb  einen  £>ag  wiber 
biefelbe  geigen,  bienen  wir  gugleidj  ©Ott,  unb  fa)on  unfer 
guter  SQStlle  gefällt  3!mt  wo£l  £)  i^k  angenehm  finb  3N 
bie  £$ränen,  t)k  in  einem  folgen  ©treite  vergoffen  werben! 
2)oa)  follen  wir  bahti  niü)i  blo$  auf  ung  felbft  unb  auf 
unfer  £er$.,feljen,  fonbern  guvörberp  auf  S^fum  Qtyrifhmt, 
ber.  ©efreu^igten,  unb  beffen  retnfteS  £er$,  an$  welchem 
wir  bag  nehmen  muffen,  wa$  unö  feljlt,  (üben  begwegen 
lägt  ja  ©ott  bie  ©ünbe  in  unferem  gleifd)e,  bag  wir 
erfennen  mögen,  voit  fef>r  wir  einer  fremben  ©ered;tigfeit 
unb  £eiligfeit  bebürfen,  unb  bafrwir  3efum  Qilmftum,  ben 
©efreu^igten,  bie  ©abe  ©otteg,  über  2l(leS  J)öd)fa)ä§en  fer* 
neu.  tiefer  muß  wad)fen,  wir  aber  abnehmen,  tiefet  muß 
Sllieg,  wir  follen  yiid)t$  fetm»  Sir  muffen  ung  3 war  eine$ 
reinen  ^er^enä  nad)  Gräften  befleißigen;  bod)  wenn  wir 
eine  greubigfeit  *>or  ©Ott  fjaben  wollen,  fo  ijt  es  um* 
fonjt,  baß  wir  biefelbe  in  uns  fua;en«  £>tefe  fann  unä  nur 
ta$  gän$lid)e  Vertrauen  auf  3efum  Gtyrijium  $erfa)ajfem 


104 


beffen  SBlut  un£  rein  mad)t  son  atfen  6ünben.  ~  3eretm'ag 
fpria)t:  „<So  wafa)e  nun  3erufaUm  bein  £er$  $on 
ber  $o$£eit,  auf  baß  bir  geholfen  werbe."  2ia) 
ja,  £err!  alte  unfere  £eqen  ftnb  unreine  ©efäße,  fte  be= 
bürfen  be£  2ßajfer$  wo $1  2Bo  finbeit  wir  aber  ein  SSaf* 
fer,  welä)e$  biefe  tiefft^enbe  Unreinheit  wegnebmen  fonnte? 
—  &ä  gibt  fem  anbereä,  aB  ba$  Strömlein,  wela)eS  aus  ber 
©eite  3efu  geflojfen  ift;  bort  motten  wir  unfer  £er$  Waffen, 
bamit  e$  3)ir  gefätttg  werbe,  (£ntfünbige  un$  £err 
3efu!  mit  deinem  33!ute,  baß  wir  rein  werben, 
wafa)e  un$,  bamit  wir  fa)neeweig  werben;  2>u 
bijt  unä  gemalt  tton  ©Ott  $ur  SBSet^^ eit ,  $ur 
@erea)tigfeit,  $ur  Heiligung  unb  $ur  (Erlofung. 
deinem  tarnen  fep  £ob  unb  (£pre  in  Ctwigfeit!  2Imen. 


$on   ber  wirffta)en  ©ünbe,    beren  Urfadie  unb 
SCftannigfaUtgfett. 

2:.  3af.  1,  14.  15.    (Sin  3^9ttc^er  wirb  »erfaßt,  wenn  er  t>on  fet* 
n?r  eigenen  SufJ  geredet  unb  gelocfet  nntt>  jc.  je. 

D^ 

Eingang. 

3m  Flamen  ^efu.    Staien! 

9tad)bem  2)?ofe^  ba$  28erf  ber  ©djöpfung  befa)rieben 
Iwtte,  fefcte  er  £inju:  „®ott  fa£  an  $We3,  wa$  @r 
gemaa)t  batte,  unb  fiepe  ba,  e'ä  war  fcpr  gut.« 
©er  groge  SBerfmeifkr  prüft  gleia)fam  fein  SBerf,  unb  über* 
blirft  noa)mal$  feine  ©efa)ö>fe.  2Q3ie  ber  ßünfiter  feine  Arbeit, 
e£e  er  jte  unter  bie  2eute  fommen  lägt,  noa)  einmal  genau 
betrautet,  ob  baran  nia)t  noa)  (ftwaS  $u  dnbem  fepn  möa)te, 
fo  lägt  OTofcö  ben  2ltferboa)jkn  ©ein  SSerf  auä)  noa)  ein* 
mal  anfeben,  naä)bem  <£r  baffetbe  in  fea)$  £agen  sotfenbet 


105 


£atte.  Senn  bieg  ber  attein  weife  unb  ^eilige  ©ott  timf,  wie 
viel  mef>r  gebührt  eg  ung  ,  baß  wir  unfere  Sorte  unb 
Serfe  öftere  unterfud;en  unb  fleißig  nad)fel?en,  ob  fte  aua) 
bem  Sitten  ©otteS  gemäß,  gut  unb  rea)tfa)affen  feiern  Der 
voßfommene  ©ott  ftnbet  freiließ  in  feinen  Werfen  nia)ts  Un? 
votlfommeneS,  weil  2itfe3  weife,  Ijerrlid)  unb  gut  femi  mußte, 
was  bie  ewige  Seiebeit  unb  ba$  j>öa)fte  &ut  gemacht  ijatte. 
—  Sa£  fann  von  -Jca^aretf)  Qdnteö  fommen?  fagte 
bort  9catf>anaet ,  ber  aufrichtige  3fraeu'te;  unb  wir  fageu 
bitfig:  Sa3  fann  t>on  ber  ewigen  ©üte  23ofes  fom* 
men?  —  Darum,  wenn  $cofe6  fyridjt:  „Unb  fiel>e,  e£ 
war  febr  gut;"  fo  gt6t  er  babura)  ben  $cenfd)en,  ja 
fogar  ben  (ürngeln,  $eranlaffung ,  bte  Serfe  ber  Htfmadjt 
unb  Setefjeit  ©ottes  su  unterfua)en,  unb  bezeugt ,  baß  fte 
barin  nid)t$  Hnbere£  aH  ©Utes  fmbeu  werben.  3^ar  fann 
man  nia)t  Idugnen,  baß  in  bem  großen  Seltgebdube  $cam 
a)e$  angetroffen  wirb,  wa$  bei'm  elften  $l\Mid  unnü£e,  ja 
fa)dbtia)  unb  böfe  $u  fepn  fa)eint.  Wein  es  jtefrt  bem  fflen* 
fa)en  nid>t  $uv  foldje  Dinge  für  böfe  ju  balten,  efje  er  ftcb 
bemüht,  t£ren  9htöen  genau  31t  unterfud^en.  Daf>er  faßt 
5luguftin  fefjr  riebtig :  „(£s  ift  9cü1)t3  fo  gering  unter  ben 
©efd)ö>fen  ©otteö,  welcbes  nidjt  mit  einem  £ropfen  feiner 
©üte  befyrengt  wäre  unb  feinen  ^cu|en  hätte.  Der  Unge* 
lehrte  Mit  $canä)e$  für  fa)äb(ia),  n?aö  ber  ©elejjrte  mit 
großem  SBortbeil  gu  benü£en  wci^i.  Die  Kröten  fc  23. 
ftnb  giftige  unb  abfa)eulia)e  Spiere,  unb  bod)  würben  fie 
fa)on  infranf  Reiten  mit  großem  9cutjeu  angewenbet.  „Senn," 
fd£rt  Slugufrin  fort :  ffän  unerfahrener  $?enfd;  in  bie  Serf* 
ftätte  eines  tünftfers  tritt  ,  unb  bort  man&erlei  fettfame 
Sert^euge  fte^t,  bereu  ©ebraua)  er  nia)t  seiftest,  fo  glaubt 
er,  biefelben  fe^en  umritte.  ©efd)ief>t  es  aber,  oa^  ein 
folcDer  fid)  aus"  Unflorjtdjtigfeit  mit  benfelben  verlebt,  fo 
wirb  er  fagen,  ber  ^ünftler  fcejttje  viele  bofe  unb  fcbäV 
lta)e  Dinge,  wäfjrenb  boa)  biefer  atte  a,ut  unb  ttortljeifyaft 
ju  gebrauchen  mi%.  @o  gefjt  e£  aud)  mit  ber  33etrad;tung 
ber  göttlichen  Serfe.  Der  tj>örid;te  9Jcenfd)  erfüfwt  fia)  ben 
<3a)öpfer  $u  tabeln,    er  vergebt  ben  3wecf  unb  ben  9cu$en 


106 


ber  ©efa)opfe  nid)t,  unb  gibt  fia)  nid)t  einmal  9ftü£e,  Mcö 
genau  $u  unierfua)en."  —  £>te  D^abbinen  er^d^Ien  von  ^)a^ 
vib ,  ba§  fta)  berfelbe  m  feiner  3ugenb  über  breierlei  Dinge, 
bereu  3?u#en  unb  Urfad^e  ev  nia)t  begreifen  fonnte,  ver* 
wunbert  pahe.  (ü:r  fragte  nämlia):  warum  ©Ott  eine  Sttücfe, 
einen  Darren  unb  eine  ©pinne  erfa)affen  jjabe?  —  Der 
©a)öpfer  Imbe  ibm  aber  ben  9ht£en  berfelben  in  brei  23ege^ 
beizeiten  entbedt.  Grine  2DMcfe  l?abe  feine  ©attin  03ttia)al) 
ouö-  bem  ©djlaf  gewecft,  afö  ©aul  feine  SSobnung  umfiel 
len  lieg,  fo  bag  fte  ben  Davtb  warnen  unb  von  ber  ©e* 
fa^v  befreien  fonnte*  2Öas  bte -ftarrpeit  nügen  fönue,  l^abe 
berfelbe  $u  ©atj;  gelernt,  ba  er  fia)  vor  beut  föönig  2la)iä 
albern  unb  närrifa)  (teilte,  um  fein  £eben  $u  retten,  Den 
9cu^en  ber  ©pinne  enblia)  Ijabe  Davib  erfahren,  aU  er 
vor  ©aul  in  eine  Spty'ie  flolj,  unb  eine  ©pinne  ben  G£ip? 
gang  mit  iijrem  ©ewebe  überwog,  fo  bag  ©aul  glaubte, 
3ener  f§#  nia)t  barin  verborgen,  Dai)er  mug  man 
ftü)  wopl  Ritten,  über  bie  Serfe  ©otteg  voreilig  gu  urtbei^ 
(en,  weil  ^Rtcr)t^  fo  gering  ijt,  baS  nia)t  3U  feiner  %tit 
Dingen  bringen  fönnte,  —  £ter  mag  aua)  noa)  folgenbe  gabel 
fielen:  @infi  verachteten  mehrere  Blumen  in  einem  ©arten 
bie  Dornen  unb  Difteut,  weil  fte  gu  nta)t£  nü#en  unb  ben 
SD^enfd^en  vertagt  wären.  Der  Dornftraua;  aber  antwortete 
iljnen :  er  habt  ©ruber,  wela)e  fa)önere  Blumen  tragen,  alö  fie, 
—  bk  Dvofenftauben.  Slua)  follen  fie  bebenfen,  t>a$  wenn  man 
t>k  Blumen  im  ©arten  verwahren  wolle,  eine  Dornende 
um  benfelben gemaa)t au  werben  pflege;  unb  ba§ bie Slütben 
unb  grüa)te  ber  Dornen  mancherlei  *ftufcen  in  $ranf  Reiten  j?aben, 
waj?renb  bk  präa)tigjten  Blumen,  Pulpen  tu  a*  oft  au  nia)t$ 
anberg  nü£e  fe^en,  al3  ba$  2luge  $u  ergoßen,  ^)k  Qtftü 
fe£te  inn^u:  fie  fep  von  bem  ©a)bpfer  mit  ©tackeln  ver* 
fe^en  worben,  unb  jre^e  mitten  unter  ben  Blumen,  um  fie 
Sit  erinnern,  ba$  fie  ipre  <Sd)örifyät  nia)t  von  fia)  felbjl, 
fonbern  5llle^  von  ©ott  £aben,  ber  einem  3eben  baö  ©ei* 
uige  gutpeile,  mt  (£r  wolle;  ferner  le£re  fte  bk  9D£enfa)en, 
ba%  es  auf  ßrrben  feine  greube  olme  £eib  gebe,  unb 
ba$    man    fia)    ftetä    naa)    bem   £immel    fernen    folle. 


107 


darüber  vermummten  bie  231umen  unb  liegen  bie  dornen 
unb  £)ifieln  aufrieben.  —  Söetter  wirb  von  einem  Äöntg  au$ 
©panien  erjagt,  tag  ev  einft  tie  SSerfe  ber  ©d;ö>fung  ßarf 
gefabelt  unb  gefagt  ^abe :  wenn  er  am  Anfang  ber  £)inge 
babei  gewefen  wäre,  fo  beitte  er  5Dcand)e3  anberä  angeord- 
net unb  beffer  eingerichtet«  2Ö3äf?renb  bem  fet;  ein  (Senritter 
über  fein  $aupt  Eingesogen,  unb  ein  33fig,  ber  neben  ii;m 
einfä)lug  unb  fein  Äleib  verbrannte,  habe  ijjn  fo  febr  in 
©d)recfen  gefegt,  tag  er  in  ftcfr  gegangen  fei;,  feine  ©ünben 
erfannt  unb  t>m  allmächtigen  ©djöpfer  unb  Grrljalter  aller 
£)inge  um  ©nabe  gebeten  jjabe.  —  3f*  e^  n^t  fo,  roie  wenn 
ein  $calerjunge  ben  fünftlia)en  SUceificr  tabeln,  unb  ein  bren* 
nenber  ©ä)wefelfaben  fiä)  wiber  bie  pftk  ©onue  rübmen 
wollte?  2)emnaä)  fpreeben  ade  ßrngel  unb  2Jcenfc6en  mit 
SDcofeö:  £)er©a)ö>fer  ift  gut  unb  alle  feine  Serfe 
finb  gut,  dx  pat  2llle3  wol;l  gemacht!  —  SSon  ben 
Werfen  ber  2Jcenfd)en  freiliä)  lautet  e3  gan$  anberg»  9caa> 
bem  ber  weife  ©alomo  alte  feine  SÖerfe  anfab,  bie  er  ge* 
maa)t,  unb  feine  2)cü£e,  bie  er  gebabt  patte;  fielje,  ba  war 
Me$  eitel  unb  Sammer,  unb  niä)t$  mepr  unter  ber  ©enne. 
(B  war  vergängfid),  votier  9jtübfeltgfeit,  unb  lonnte  t!>m 
feine  #cuj>e  ber  «Seele  unb  fein  beftänbigees  ©lud  vevfcbaf? 
fen.  £>ennoa)  waren  e6  feine  geringen  2)inge,  mit  welchen 
/euer  ßönig  jtä)  befa)äftigt  Jjatte»  ,,3ä)  tpat  große 
2>inge,"  fpria)t  er,  ,,td)  baute  Käufer,  pflanzte 
SSeinberge,  maa)te  mir  ©arten  unb  2ujtgärten, 
unb  pflanzte  allerlei  fruchtbare  Säume  barein; 
ia)  maa)te  mir  £etä)e,  um  311  wäffern  ben  28alb 
ber  grünenben  Rannte-  3a)  fammelte  mir  ©über 
unb  ©olb,  unb  einen  ©a)a^  von  ben  Königen  unb 
Räubern,  icf)  fa)affte  mir  ©änger  unb  ©angerin^ 
neu,  unb  alle  greuben,  bie  ber  SÄenfä)  nur  erfin* 
nen  fann,  Sllleg,  wa$  meine  klugen  wünfebten, 
lieg  id)  i^nen  $u,  unb  verfagte  meinem  £er$en 
feine  greube."  £>ieg  Sitte«  aber  lief  auf  @itelfeit  unb 
9)cüf>fetigfeit  Innaue,  unb  obgleia)  ©alomo  2We$  Ijatte,  fo 
fehlte  itjm  boa)  ba$  ^orgügficbfte  noa),  nämtia)  ^ie  reebte, 


108 


wabre  ©lütffeligfetf,  weltöe  in  ber  ®emeinfa)aft  mit  ©ott 
imb  £fmfto  beftefjt.  2Bal?rfa)einlia)  aber  wollte  Salomo 
mit  ben  Söorten  „  d  i  t  e  1  unb  3  a  m  m  e  r, "  bie  ©ünbe 
be^eidmen,  wela)e  fta)  bei  allen  menfa)lia)en  Unternehmun- 
gen einfa)leid)t,  unb  2llle$  in  ßritelfett  unb  $?ül?felig* 
feit  »erwanbelt.  Denn  wäre  bie  ©ünbe  itia)t  in  bie  SOSelt 
gefommen,  fo  fyätte  ber  9ttenfa)  bie  ©üter  ber  (£rbe  mit 
großem  Vergnügen,  ebne  alle  $?üf>feltgf  eit  unb  (£ttelf eit 
genießen  fönnen.  Die  $ettlia)e  (£rgö£lia)feit,  welche  er  an 
ben  SSerfen  ©otteg  gehabt  Iwtte,  wäre  tin  SSorfa)macf  ber 
ewigen  £uft  unb  greube  gewefen,  $u  weldjer  tyn  ©Ott  $u 
feiner  3*ü  lebenbtg  aufnehmen  wollte.  9hm  aber  bat  bie 
Sünbe  2llle3  verborben,  unb  e$  balnn  gebraa)t,  baß  ber 
9)?enfa)  bura)  lauter  2lngjt,  9cotlj  unb  £ob,  bura)  lauter 
£rübfal,  löef anwerbe  unb  ßritelfeit  fia)  bura)brtngen  muß, 
unb  tk  ewige  ^u^e  feiner  Seele  nur  bura)  ©otteö  große 
33armf)er$igfeit  unb  bura)  ben  Serföfmungetob  3^fu  ßjmfH 
erlangen  fann.  —  Raffet  un3  alfo  ©ottes  SSerfe  unb  unfere 
SSerfe  mana)mal  vergleia)en  unb  betbe  genau  unterfua)en.  — 
Qk  SSerfe  beS  £oa)ßen  |mb  jeijt  noa)  »ollfommcn  gut,  unb 
ob  (£r  gleia)  bura)  bie  <3ünbe  frfjwer  beleibigt  unb  büxixbt 
würbe,  fo  läßt  Qrr  boa)  von  feiner  ©üte  nia)t  ab!  (£r  fann 
nia)t$  anberä,  alä  lieben,  fta)  erbarmen,  ratzen,  au^elfen,  er* 
retten  unb  bie  ©eligfeit  ber  gefallenen  9Äenfa)en  £er$lia) 
fua)en.  Die  Söerfe  ber  9ttenfa)eu  aber  fmb  ftetä 
böfe;  wenn  fie  meinen ,  fte  verrieten  große,  ljerrlia)e 
Dinge,  fo  läuft  eS  auf  Xpoxfoit,  Gntelfeit  unb  ©unb e  jnn- 
au$.  SSir  leben  baber  blo£  von  ber  ©üte  unfereä  ©otte$, 
unb  o^ne  biefe  wären  wir  nia)t  wert£,  baß  un$  bie  (£rbe 
tragen  würbe,  ©ott  allein  gebührt  aller  Sftufmt  unb  alle 
(£bre,  un$  ©ünbern  aber  ©a)maa)  unb  ©a)anbe.  SBollen 
wir  unä  rübmen,  fo  muffen  wir  uns  ber  8ünbe  unb  unfe- 
ve$  (HenbS  rühmen.  <£$  bkibt  babei,  baß  unfere  ganje 
©lütffeligfeit  nur  in  ©otteS  ©nabe  unb  SBarm£er$igfeit  be* 
f*ef?t  @ine  näbere  33etraa)tung  unferer  ©ünben  mag  bieß 
un$  beutlia)er  maa)en;  ber  gütige  ©Ott  unb  Sater  fegne 
biefelbe  um  3efu  willen,    Slmen. 


109 


2lfc£attblung. 

2ßtr  £aben  früher  tue  ©ünbe  ijjrem  Urfprung  naä)  be* 
txatyttt;  nun  motten  wir  fe£en,  tt)te  bieg  unruhige  Hebel 
fta)  in  bem  £er$en  be$  9ttenfa)en  attmctylig  ju  regen 
beginnt,  wie  bte  <£rbfünbe  auffeimt  imb  aU  eine  böfe 
2$ur$el  taufenb  fünb(ta)e  ©ebanfen,  Söorte  unb  Sßerfe  $u 
treiben  pflegt.  2)er  2lpoftel  fagt  in  unferem  £crte:  t^re 
erfie  $raft  fep  eine  ret^enbe,  bofe  £ufi,  tiefe  wo£ne  im 
gleifa)e,  $ie£e  ben  9ttenfa)en  tton  @ott  ah  unb  ftette  t£m 
bie  ©ünbe  unter  einer  feljr  locfenben  ©eftalt  ttor  Slugen. 
£emnaa)  bleibt  alfo  jenes  angeborne  Uebel  nicfyt  ru^ig  in 
bem  5)?enfa)en,  fonbern  erregt  bafb  in  i{?m  eine  fünblia)e 
33egierbe  unb  maa)t  fein  £er$  ^um  IBöfen  geneigt.  & 
wirft  tton  3«nen  £erau3,  wie  aua)  bie  ©ebanfen,  SSorte 
unb  SSerfe  be$  9ftenfa)en  t>on  Snnen  IjerauS  fommen,  unb 
ifi  eine  golge  beg  ©iftö,  baS  in  bem  menfa)Iia)en  £er$en 
»erborgen  liegt.  2)iefer  böfe  steint  ijt  fo  wenig  au6$urot* 
ten,  baß ,  wenn  tin  9D?enfa)  aua)  in  ber  (Einfamf ett,  ent* 
fernt  sott  atten  2legerniffen  ber  2ßeft,  erlogen  werben  fömtte, 
fta)  boa)  bie  ©ünbe  in  ijjm  regen  unb  aua)  ciußerlta)  funo 
geben  würbe.  9ttana)eä  ilinb  l?at  fromme  Altern,  wela)e 
tyrem  £aufe  wofjl  ttorjteljen  unb  ma)t6  33öfes  butben.  2>en* 
noa)  jtnbet  fta)  aua)  an  biefem  manä)e  Unart,  über  bie  man 
fia)  £er$fta)  betrüben  muß.  2Boj>er~  fommt  ber  (£igenftnn, 
ber  Weib  unb  ber  9ttut{>witfe,  bie  wir  an  unfern  ^Keinen 
fa)on  fo  frü^eitig  waj?rne£men ,  ob  fte  gleta)  nia)t$  bei- 
rrt an  5lnbem  gefeiten,  ober  boa)  nia)t  »erjtanben 
fiaben?  —  £)iefeg  bürfen  wir  gar  wofrt  beliebigen;  benn 
wir  9Dtafa)en  jjaben  neben  bieten  anbern  geilem  aua)  ben, 
baß  wir  un$  nia)t  für  fo  böfe  galten,  aU  wir  wirftia)  ftnb, 
baß  wir  unö  gerne  entfa)utbigen ,  ober  bie  ©rfyulb  auf  ben 
©atan,  bie  SQßelt  unb  bereu  SSerfülprungen  wä^en;  unb  wenn 
wir  je  zugeben  müjfen,  ba$  wir  aua)  Xtytit  an  ber  ©ünbe 
Jaben,  fo  glauben  wir,  biefe  fönne  un$  nia)t  zugerechnet 
werben.  2lbcr,  o  SDtafa),  wenn  aua)  ber  ©atan  unb  bie 
Seit  baö  3^rtge  $ur  ©ünbe  beitragen,  unb  wenn  aua)  ber 


110 


SBtebergeborne  mit  $aulu3  fagen  fann:  ,,3a)  t$\xt  ba$ 
35öfe  nia)t,  fonbern  bie  ©ünbe,  t>ie  in  mir  wo^nt;" 
fo  barf  fta)  boä)  bev  Unwiebergebowe,  ber  mit  allem  Sitten 
fünbigt,  niä)t  barauf  berufen.  (£r  ifi  »telme^r  bte  Raufet* 
urfaä)e  ber  <Sünbe,  unb  bura)  feine  innere  böfe  £u{t  fommt 
er  bem  «Satan  unb  ber  Seit  manchmal  $uoor,  ®tejü  er* 
flärie  £utt>cr  febr  fcbön  bura)  folgenbe  (£r£äf)tung:  „<5m 
alter  5ftöna)  wollte  ma)t  länger  im  Softer  Metben,  weil  er 
glaubte ,  ba§  er  in  ©efellfa)aft  Ruberer  all^uotel  jur  Sünbe 
verleitet  werbe,  @r  nabm  fta)  ba^er  vor,  feinem  ©Ott  in 
ber  Sßüfte  gu.btcnen.  $13  er  nun  bort  war,  fiel  tlnn  einfl 
fein  SBafferfrua,  um;  er  richtete  ihn  wieber  auf;  ba  er  aber 
noä)  einmal  itmftel,  würbe  er  z>ovni$  uu^  warf  ^en  ®XH 
in  «Stade,  Tarn  ging,  er  in  fta)  unb  fagte:  3&)  ton  aua) 
mit  mir  allein  ma)t  grtebc  ljaben;  unb  fe£e,  baf)  in 
mir  fetbft  baä  ©ebrea)en  ift.  darauf  feljrte  er  itfö  Ilofkr 
jurüd,  unb  lernte  fortbin  feine  ISegterben  nta)t  burd)  bte 
glua)t  >  fonbern  bura)  GFntfagung  unb  Selbftoerläugnung 
überwtnben."  gerner  er$äf)lt  ein  frommer  $?ann,  bag  er  etnfi 
in  feiner  3ugenb  einen  2ttenfa)en  gefeiten  jjabe,  ber  eine 
tterfa)loffene  ££üre  rafa)  öffnen  wollte,  unb  alt  bteg  nia)i 
fo  fa)uell  ging,  wie  er  wünfa)te,  fep  berfelbe  fo  $ormg 
geworben,  bag  er  reit  ein  3?afenber  in  ben  Sa)lüffel  ge* 
biffen,  mit  ben  giigeu  wiber  bte  ££üre  gefprungen  unb  ©ott 
ün£immelgeläftertlwbe,-— Raffet  un3  ^abei  bebenfen,  wie  päuftg 
eg  gu  gefa) eben  pflegt,  baf?  ber  SDtafdj,  wenn  er  allein  ift  unb 
von  ^temanb  geärgert  wirb,  fo  in  3^rn  gerätl),  bag  er 
eine  geber  ober  etwaö  Ruberes,  voaä  nia)t  naa)  feinem 
Stnn  ift,  ^erfnidt,  jufammenfa)lägt  ober  wegwirft.  SSir 
werben  gar  oft  in  ber  GEinfamfeit  über  etne  5D?üde  er* 
boöt,  ober  bringen  unfere  S^t  mit  böfen  ©ebanfen  fyin, 
unb  empfmben  $ur  (Genüge,  ba$  bte  (ürrbfünbe  in  m\8  ift, 
unb  an<i)  o&ne  frembeö  3ut£un  tj>re  $raf*  äugert.  —  233emi 
bu  alfo  fünbigjt,  o  5^cnfa),  fo  f>aft  bu  feine  @ntfa)ulbigung ; 
bu  bifi  ber  «Kann  beg  £obe3,  bu  btft  ber  faule  Saum,  ber 
fetner  eigenen  böfen  33efa)affen£ett  naa)  aua)  faule  grüa)te 
trägt  unb  m13  geuer  gehört.     <£$  ift  beute  eigene  Cuji,  bie 


ili 


bta)  ret^t  unb  lodt;  barum  tft  bte  Sünbe  au$  bein  eigen. 
(D  3ammer!  wir  arme  $?enfd;en  baben,  fo  lange  wir 
außer  C^prtfto  ft'nb,  iu$t$  Eigene^,  als  bie  ©ünbe.)  £)eitt 
£er$  ijt  »oder  23oej?eit,  unb  eitle,  unnü£e,  fünblid)e  23e* 
gierben  finb  feine  grüdjte,  ober  fein^aab  unb  @ut.  2Bela)' 
eine  ^or^ett  ijt  e$  alfo,  wenn  mancher  Sftenfü)  ju  feiner 
Entfa)ulbtgung  fagt:  man  tjcitte  mid)  aufrieben  laffen  follen, 
ta)  würbe  fein  $inb  beleibigt  £abcn,  unb  e$  wäijrt  lange, 
Big  ta)  Semanb  wiberfpredje  ober  et\va$  $3öfeS  tfjue;  wer 
mid)  aber  berübrt,  ber  hat  e3  ^u  bügen.  3fi  e3  nta;t,  me 
wenn  ftd)  ber  üöolf  in  ber  gabel  bamit  entfdntlbigen  will, 
t>a$  er  ba$  £amm,  wela)e$  oberhalb  tfnn  aus  einem  gluffe 
tranf,  begroegen  erwürgte,  weil  e3  ipm  baS  SBajfer  getrübt, 
unb  t£n  alfo  jum  3<>nte  gereift  Ijabe;  ober,  wie  wenn 
bte£)iftel  fagen  wollte:  fte  fyabe  feine  6a)ulb,  wenn  Semanb 
$on  ifjr  »erlebt  würbe,  man  folle  fte  gufrteben  laffen  unb 
iljrmdjt  $unaf>e  fommcn?  — 6tel;eft  bunia)t,  o  Sftenfa) ,  bag 
bu  bta)  babura)  sor  ©Ott  ttia)t  eutfa)ulbigft,  fonbern  siel* 
me£r  befa)ulbtgjt ;  bu  gibft  git,  ba£  bie  Soweit  tn  bir  liege, 
biö  fte  tton  5lnbern  aufgeregt  werbe.  £)emnad/bift  bu  an  unb 
tn  bir  felbjt  böfe;  Rubere  mad;en  nur,  ba$  bu  beute  23oä* 
%eit  auSläjfejh  ©o  lange  bu  nun  in  biefem  3uftanb  bleibfi, 
fällffc  bu  bem  göttlia)en  ©ertöte  anleint,  unb  barfft  feine 
3ett  verlieren,  um  bte  ©nabe  ©otteS  tn  E^rifto  unb  hie 
Erneuerung  be$  ^eiligen  ©etfteö  ernftltd)  unb  bemütbtg  31t 
fud)en.  —  Set  ber  ©ünbe  tjt  fretlta;  ber  8atan  unb  bte 
böfe  SBelt  fepr  befdjäfttgt.  3ener  tyat  feine  greube  an  ber 
Soweit,- unb  weil  er  mi§,  baß  ©Ott  berSünbe  r>on£er* 
§en  geinb  tfi,  btefelbe  aua;  ^eitlia)  unb  ewig  ftraft,  fo  julft 
er  aus  allen  Gräften  ba,$u.  Er  tjmt  e£  meijtenS  Ijeimlta) 
unb  «erborgen,  erregt  böfe  ©ebanfen  tu  bem  menfdjliäjen 
v^eqe-n,  unb  tjt  fo  lange  tlwtig,  U$  ber  fletnpe  gunfe  gur 
bellen  glamme  wirb.  Er  fennt  bte  Neigungen  unb  Sedier* 
ben  ber  SDknfajen,  unb  mi$  /eben  an  feiner  fa)wäa)jlen  <Beite 
$u  faffen.  SBie  ber  Vogelfänger  feine  33eute  bura)  Mityw* 
bene  £otf fyeifen  förnt,  fo  fua)t  and)  ber  j?öllifa)e  geinb  ei* 
ntgc  2ttenfa)en   bura)  SBollujt,  anbere   bura)  E£rgei$,  ober 


112 


bard;  93er£eigung  son  seitlichen  ©ütem  in  fem  9ceg  $u 
Stetem  $cenfa)en  oon  fetterem  ©emütlj  herleitet  er  $ur 
üppigen  ©efellfc|)aft,  ober  $ur  £runfenfjeit,  unb  baburd)  oon 
einer  @ünbe  $ur  antern,  diejenigen  aber,  welche  $ur 
graurtgfett  geneigt  fint,  unb  gerne  ein  büjiereg,  aurücfge* 
£Ogene6  £eben  führen,  fua)t  er  in  £iefjtnn  unb  33er$weif* 
"lung  31t  ftür$etu  £eut$u.age  serfdjafft  er  fta;  gewöfmttdj  ba^ 
bura)  ki  ben  3rbt(d;geftnnten  Eingang,  t>a$  er  tk  $ettlta)en 
£)ingc  £0$  anpreist.  „(£m  ©tücf  ©elb,  ein  ]>ol)e$  2Imt, 
ein  erwünfdjter  Sßoljljtonb  für  fta)  unb  bie  ©einigen/'  fagt 
er,  „ijt  bca)  wobl  wertlj,  tag  man  barum  (£tm&  wagt, 
£eua)elt,  lügt,  trügt  nnb  nidjt  attju  eifrig  in  ber  ©ottee* 
fura)t  tft.  3ßa*>  £at  ber  $cenfa)  mejjr,  aU  was  er  in  bie* 
fem  geben  baoon  bringt?  £)aS  ©egenwärttge  ijt  ba$  ©£ 
^erfte;  wer  will  jta)  mit  ber  Hoffnung  be$  3u!ünftigen 
befdjwidjtigen  lajfen?  ($$  ifi  boa)  um  bie  ©ottfeligfett  tau* 
rer  9*ia)tg,  fte  rü£mt  fta)  ber  ©nabe  unb  ber  £inbfü)aft 
©otte£,  unb  leitet  oft  junger  unb  9toty*  diu  fd;öneö 
©otteSfinb,  wela)eS  ta$  33rob  ma)t  im  £aufe  jmt!"  ~ 
33efonber$  aber  fud)t  ber  ©atan  ben  $cenfa)en  ^umUnglau* 
ben  $u  bewegen,  unb  flogt  tym  allerlei  3wetfel  tin,  er 
nimmt  t£tn  baS  Söort  ©otteS  auä  bem  £er$en,  unb  wenn 
tf?m  bieg  nia)t  gan$  gelingt,  fo  madjt  er  ben  $?enfa)en 
wenigfienä  gleichgültig  gegen  ba$  £o£ere,  bag  er  blo£ 
feinen  lüften  naa)bängt,  nur  feinen  Sitten  $u  erfüllen  fua)t, 
ba$  ©ewijfen  einfa)täfert  unb  nia)t  an  bie  (£wigfeit  benft 
2öenn  bann  aua)  bisweilen  eine  ^rebigt  ober  irgenb  tin 
augerorbeutlidjer  Vorfall  einen  (£inbrud  auf  unfer  3«nereö 
maa)t,  fo  mi$  ber  geinb  benfetben  gleia)  wieber  $u  fdjwä* 
d;en.  (Er  wirb  auf  einmal  ein  Sröjter,  mxt>  fagt:  ©Ott 
fe$  ein  barmherziger  ©ott,  ta$  £eben  wäre  lange,  wir 
£abcn  noa)  3ät  genug,  un$  31t  befe^ren,  unb  bie  ©naten* 
tpre  fielje  immer  offen,  fflit  biefer  2Serfua)ung  richtet  aber 
ter  8atan  um  fo  mef>r  au$,  ba  nur  wenige  9J?enfa)en  ocn 
3'ugenb  an  §ur  £oa)fd;ä$ung  ber  ^immlifd;en  unb  gur  23er* 
aa)tung  ter  ütifa)en  ©üter  angehalten  weiten»  —  SÖSte  tie 
Ottern,  fe  tie  hinter.   —    SIber  mt  oielc  ton  tiefen 


113 


e£  woltf,  bte  frül^etttg  auf  tue  $Qid)tiafeit  tl)re$£aufbunbeg,auf 
hat  f>errlitt)e  dlca)t  ber  ^inbfa)aft  ®otM,  auf  bte  fRtfy* 
fertigung  burd;  ben  ©tauben  an  3efum  djmfhtm  unb  bte 
©cmeinfdwft  beS  fettigen  ©eifteS  aufmerffatn  gemalt  wer* 
ben,  unb  btej?  liebgewinnen?  —  (£in  fa)öne$  IBeifptet  gab 
etnfi  ein  frommet  Äönig  t>on  ßmgtanb,  weldjer  feine  £oa)* 
te?  fo  früpe  $ur  ©ottfeligfeit  gewöhnte,  baß  fte  fa)on  m 
ifjrem  brüten  3^re  eine  ljerrlta)e  $robe  baoon  ablegte, 
$?an  führte  fte  in  einen  großen  ©aal,  in  weldjemein  SEifa) 
war,  auf  beffen  einer  Bätt  allerlei  <5pielfaa)en,  aua; 
fd)öne  ©efdnneibe,  Letten,  2lrmbctnber  :c.  lagen,  2luf  ber 
anbern  (Bäte  aber  war  eiue  33ibel  unb  ein  iMa)  für  ba$ 
^eilige  5Ibenbmajjl  aufgehellt.  <Sobalb  fte  bie  ©egenftänbe 
anfta)tig  würbe,  wählte  fte  bie  lederen  unb  bezeugte  ben* 
felben  eine  große  (ü^rerbietung*  —  2öo  ftnb  nun  bie  Altern, 
tt)o  Ut  $inber,  weld;e  biefeS  t£un?  £)ie$inber  ftnb  ojjne* 
lun  $ur  £offart  fo  geneigt,  prangen  gern  in  bunten  ®fet* 
bern,  werben  balb  ftol$  auf  ifjre  Slbfunft  unb  fa)ä£en  bie 
trbifa;en  ©itter  £00);  aber  von  ber  po^en  HÖürbe  ber^tnb* 
fa)aft  ©otte$,  von  bem  ©d;mutfe  ber  ©erea;ttgfett  3efu  ?c. 
wiffen  fte  wenig  ober  gar  nia)t$.  3(1  e$  ba^er  ein  2Öun* 
ber,  bag  ber  ©atan  ^eut^utage  bie  meiften  2D£enfü)en 
mit  folgen  v>ergdnglttt)en  unb  ztiüitym  fingen  locfen  fann, 
wol)in  er  will?  —  £)ie  £auptftjr  enblta),  wela)e  ber  $er* 
fiterer  in  biefen  legten  3eiten  mit  fo  oiel  ©lücf  an  ben 
©eelen  ber  5Q?enfd;en  anwenbet,  bejlef>t  barin,  baß  er  ^»tele 
bura)  ben  äußern  ©$em  beä  £f>rijlentfmm£  tdufa)t 
unb  überrebet:  „weil  fte  getauft  feipen,  in  bie  3h'ra;e 
ge£cn,  bie  sJ5rebtgt  Jjören,  gur  Sät  beichten,  baS  fertige 
2lbenbmal?l  genießen,  9ftorgen3  unb  2lbenb3  fingen  unb  beten, 
unb  fonft  ein  e£rbare$  £cben  führen,  fo  fle£e  e$  rea)t  gut 
um  fte»  (£$  ^abe  gerabe  nid)t  oiel  $u  fagen,  wenn  baneben 
aua)  mana;e  mutwillige,  wtjfentlia)e  ©ünben  oorfommen, 
wenn  fte  l?ie  unb  ba  flua)en,  ber  Völlerei  ergeben  fepen,  in 
Ungereajtigfett  unb  Uno  erfö|mlid;  feit  leben,  unb  von  ber 
%kit,  ©anftmutjj  unb  2)emutl)  3efu  d^rijti  in  ber  £fmt 
mfyt$  wijfen.    2lua)  fomme  gerabe  nid;t  viel  barauf  an,  ob 

©cvtöer'S  SccTcnfcf>ai?.  8 


114 


fte  gelernt  J?aben,  fta)  felbjt  ^u  serlctugnen,  fyx  $reuz  lag* 
lia)  auf  fta)  ju  nehmen  unb  @prtfto  naa)zufolgen/'  —  3$ 
felbfi  pak  btefe  Gnrfafjrung  gemacht;  benn,  als  ia)  einen 
£runfenbolb  wegen  ber  ©efafjr  feiner  ©eele  ernftlia)  warnte, 
fo  entgegnete  er  mir:  „ob  ia)  glaube,  baß  er  ber  größte 
£rinfer  fe^,  man  jjabe  immer  nur  mit  if>m  zufa)affen,  unb 
er  fep  boa)  ein  ebrlta)er  Bürger,  fein  ©a)elm  unb  fein  £>kh" 
£a  ia)  aber  weiter  in  i|>n  brang,  unb  ijjm  wrftellte,  baß 
3emanb  gar  leia)t  ein  guter  Bürger  unb  ein  böfer  @jjriß 
fepn  fönne,  unb  ba$  eine  einzige  l?errfa)enbe  ©ünbe  £in* 
reia)e,  ben  $?enfa)en  in  bie  £ölle  zu'ßürzen,  fo  gab  er  mir 
^ur  Antwort :  „er  glaube  boa)  an  3efum  @!?riftum  unb  wiffe, 
b&$  ©Ott  bie  SSelt  alfo  geliebt  J?abe,  baß  er  feinen  einge* 
bornen  ©ojjn  bafrin  gegeben,  bamit  2llle,  bie  an  tyn  gtau* 
ben,  nta)t  verloren  werben,  fonbern  baS  ewige  hebert  fmben." 

—  Jener  meinte  alfo,  baß  fein  Söiffen  bem  23ua)ftaben 
naa)  fa)on  ber  feligmaa)enbe  ©laube  fe#,  unb-  baß  biefer 
neben  ber  täglichen  £runfen|>eit  unb  anbern  bamit  serbun? 
benen  ©üuben  gar  wo|)l  befkjjen  fönne*  £)b  ia)  gleia) 
bagegen  feljr  eiferte  unb  ben  Sittann  eines  33effern  zu  be* 
lepren  fua)te,  fo  war  boa)  allem  2lnfa)ein  naa)  wenig  an$* 
Zurta)ten.  —  Sie  mt  taufenb  älmlta)e  $?enfa)eu  gibt  e£ 
nun  in  ber  (Efmjlen!?  eit,  unb  wie  gefa)äftig  ift  ber  ©atan, 
um  fte  in  biefer  Meinung  zu  beftärfen !  SSie  SStete  fü£rt 
er  mit  Hoffnungen  be$  Himmeln  gur  £>ölle!  (£r  überrebet 
fte,  aU  fe^e  mit  bem  äußerlichen  ©otteSbienße  2illeS  ge* 
tljan,  unb  maa)t  ifmen  gleia)fam  aus  einigen  ©prüa)en,  bie 
fte  anzuführen  wiffen,  ein  ^olfter,  cinf  wela)em  fte  in  ber 
£öa)fien  ©efaf>r  tljrer  (Seele  fta)er  fa)lafen,  —  Raffet  uns 
©Ott  Uttmr  baß  er  tiefen  falfa)en  Sßafm  au$  ben  £erzen 
ber  djmften  immer  mej)r  entfernen  möge*  —  £)er  <Satan 
t(i  alfo  ein  unserbr offener,  unermübeter  ©eift,  ber  ftetä  bie 
©ünbe  fortzupflanzen  unb  fein  3?eia)  überall  auszubreiten  fua)t. 
2)arum  w  a  a)  e  t  u  n  b  b  e  t  e  t,  baß  ij?r  nia)t  in  2lnfea)timg  fallet, 

—  2Ba3  t^ut  aber  bie  SBelt  zur  Verbreitung  ber  ©ünbe? 
©ie^tümt  babei  noa)  mel?r,  aU  ber  Teufel  felbft,  weil  an 
gftenfa)  x>on  btm  anbern  me£r  ©uteS  erwartet,  unb  ba^er 


115 


um  fo  bälber  betrogen  ttrirb,  £>er  teufet  barf  ftcp  mcpt 
fepen  laffen,  nicpt  blo£  barum,  mit  er  opne  ®otte$  3u* 
laffung  nicpts  tpun  fann,  fonbern  aua),  tveil  er  weiß,  baß 
Sebermann  vor  ipm  fliegt;  belegen  pält  er  ftcp  verborgen, 
unb  lauert,  bi$  bte  Seit,  feine  treue  ©efäprttn,  ipm 
eine  33eute  ^ufüprt* 

Sobatb   ber  SDJenfa)   ben  erften  £ritt  in  bie  Seit  tput, 
fo  fe$t  er  t>m  gfufj  auf  taufenberiet  9tege  unb  Striae;  bie 
35oSpeit  unb  ba$  mannigfacpe  Slergerniß  ber  Seit  bringt  jtcp 
gleicpfam  mit  ber  £uft   in  ipn  ein»     Senn  baS  $inb  an* 
fangt,  feine  Sinne  $u  gebrauten,  fiept  unb  pört  e$  met* 
j*en$   lauter  ärgerliche  unb   gottlofe  Dinge,     £>ie   Ottern 
fetbjt  j!nb  größtentpeilS  leicptftnmg  in  Sorten  unb  Serfen, 
fachen   gemeiniglich   guerft  ben  gltmmenben  3unber  in  ben 
verborgenen  £er$en  iprer  $inber  an,  unb  maa)en  bie  böfe 
£uft  rege,  Sic  fluten  unb  freiten,  ftc  fireiten  unb  $anfen; 
baS  $inb  fiept  unb  pört  $u,   faßt   e$  fcpnell  unb  lernt  oft 
bälber  fluten,  al$  recpt  reben  ober  beten,    2)iefe  traurige 
Grrfaprung  machte  ia)  fetfcji    2113  icp  nämlicp  in  einer  be* 
nacpbarten  Stabt  über  bie  Strafe  ging,  napm  micp  ein$inb 
von  ungefähr  3  Sapren  bei'm  Hantel,  ainb  rief:  $riejter, 
baß  bia)  ber  Teufel  pole!    3a;  erfcpracf  von  £er$en,  baff 
ein  fo  fleineg  ®tnb,   tvelcpeg  vielleicpt  feinen  Grrlöfer  noa) 
nicpt  nennen  fonnte,   fcpon  im  Stanbc   war,  3emanb  ben 
Teufel  an$immnfcpen,  —  Ser  aber  patte  bie  angeborne  23o$* 
peit  be3  föinbe£  fo  fertig   gemacpt,    als  feine  Altern  ober 
anbere   £au3genojfen,    von  tvelcpen  bajfetbe  opne  3wetfel 
folcpe  SSerwünfcpungen  gepört  patte.?  —  Senn    aber    aucp 
bie  (Eltern  fromm,  getviffenpaft  unb  eifrig  ftnb  im  (£priften* 
ipum,  fo  läßt  fiep  meijtens   ba$  ©efinbe   aU  Serfyeug  be3 
£eufel$  gebrauchen  unb  maept  bie  GErbfünbe  in  einem  $ar* 
ten  £er$en  rege,    (Gelingt  e£  jeboep  ben  Altern,  bieg  burcp 
Sacpfamleit  unb  Sorgfalt  $u  verpüten,  fo  fommen  bie  $in* 
ber  gar  balb  vor  bie  ££üre,  auf  bie  Straße,  unb  pören  ba 
von    einem  $orüoergepenben  ein   ärgertiepeg    Sort,   einen 
fcpänblicpen  Scper$,  einen  glucp,  ober  fonjl  bergleicpen,  $om* 
men  fte  in  bie  Scpule,  fo  treffen   fie  leiber  mancpmal   eine 

8* 


118 


födnbltdjen  Gebern    unb  Silbern  £errüf)rt,  welkes  bejto 
fa)äblia)er  wirft,  je   anmutiger  bie  erklungen  ftnb  unb 
je  fetner  unb  ftnnreia)er  ba$  53öfe  eingefTeibet  i%     darauf 
befonber$  legt  ftd)  bte  fe§ige  2Bc#  mit  vielem  gleiß .,  unb 
ber  ©atan  trägt  oa$  ©einige  reblta)ba$u  bei«  —  2utf>er  fagt 
von  feiner  3eit:  „bie  Sugenb  lernt  nict>t  me^r  wiber  bie 
fleifcpdje  £uft  unb  $nfea)tung  ftretten,  fte  fällt  babüt,  ba£ 
e$  £infur  feine  ©a)anbe  mejn*  tjt;   alte  28ett  ifi  voll  von 
Uebetn  unb  Wohin  über  bie  ttn$uä)t,  att  fc^  e$  wobl  ge* 
t£an."    2öa£  mürbe  er  fageu,   wenn  er  ben  ©reuet   be$ 
gegenwärtigen  3eitalter£  fe£en  würbe?  3u  fetner  3«'*  roa* 
reu  bie  ©Triften  unb  lieber,  welche  Sfagerniß  geben  fonn* 
ten,  albern  unb  einfältig;   je§t  aber  werben  fte  mit  aller 
©orgfalt,  auf  3  getnjte  aufgearbeitet,  bamit  fte  um  fo  fa;nel* 
(er  Eingang  ftnben.    3a,  j^eut^utage  »erfreut  man  bteftunfi, 
Süa)er  unb  Briefe  fo  ju  vergiften,  baß   ber  £efer  Ui  bem 
Eröffnen    berfelben   in   £eben$gefaf)r   fornmt.  —   £>ie§  ifr 
fa)timm  genug»  —  $ber  viel  ärger  ifi  e$ ,  fo   »tele  Süa)er 
unb  ©a)riften  mit  bem  ®ift  ber  (Bixnot  anzufüllen,  bura) 
wela)e$  bie  Sugenb  jum  33öfen  verführt  wirb  unb  in  ©e* 
fal?r  fornmt,  iijr  ©eelenljeil  ^u  verlieren.  —  Dbgteta)   lei* 
ber  biefe  &a$e  ganj  allgemein  geworben  iji,   fo  weif?   ia> 
boa)  nia)t,  ob  e$  eine  größere  ©ünbe  geben  fonne,  al$  biefe, 
—  ein  ärgerlta)e$,  gottlofeö  Sua),  ober  tin  fa)änblia)e£  £ieb 
3U  fdjretben  unb  unjüajtige  Silber  $u  verfertigen.     ©ola)e 
Hergerniffe  werben  niä)t  blo$   weit  verbreitet,  fonbern  fte 
währen  aua)  fo  lange,  aU  tin  einiges  (£remplar  von  bte*» 
fer  gottlofen  ©a)rtft  ober  von  biefen  Silbern  übrig  ifi.  2)er 
^eilige   Sluguflin   glaubte  beßwegen,    bie   £öllenpein   jenes 
$e£er$  im  vierten  3al?r{mnbert,  wela)er  bie  (Bottyät  (grifft 
läugnete,  iteljme  immer  $a,  fo  lange   btefer   3*r#um  fort* 
wä^re  unb  verbreitet  werbe.  £)a$  9tämlia)e  gilt   von  allen 
gottlofen  ©ajriftßeu'ern ;  benn  fte  geben  nta)t   bloö  Slerger* 
niß  unb  Reifen  ba$  Sfteta)  be$  ©atanS  erweitern,  fo  lange 
fte  leben,  fonbern  fte  tjmn  bieg  aua;  uoa)  naa>  i£rem  £obe. 
©o  oft  nun  tin  armeä  §txi  bura)  i$re  ©a)riften  verführt 
wirb;  ebenfo  oft  wirb  ber  3orn  be$  gerechten  unb  ^eiligen 


119 


©otteS  gleia)fam  auf  3  neue  erwecft  unb  vergrößert*  Unb 
wenn  unfer  £>eilanb  ba$  SÖefje  aufruft  über  ben,  welker 
t>k  3ugenb  einmal  ärgert,  waä  wirb  berjenige  $u  erwarten 
fabelt,  weld;er  bieg  ojme  Unterlag  unb  aua;  noa)  naa)  fei* 
uem  £obe  tl)ut?  ©ewig,  eä  wäre  einem  folgen  9ftenfa)en, 
fo  Mkht  unb  fo  berühmt  er  aua)  in  ber  2Öelt  gewefen 
femt  mag,  beffer,  baß  er  bie  <Sa)weine  gehütet,  ober  bag 
er  nie  geboren  wäre*  23erflua)t  ijt  ba3  fyanpt,  barin  fola)e 
2)tnge  gefa)miebet  werben;  verflua)t  bie  #anb,  wela)e  fte 
nieberfa)retbt;  verflucht  ber  £>rutf,  ber  fte  um  fdmöben 
©ewmnä  willen  verbreitet;  verflua)t  baS  ©elb,  wela)e3  bar* 
aus  erlöst  wirb!  —  3u  biefer  Mafie  gehören  aua)  bie* 
jemgen,  weta)e  vorgeben,  fte  wollen  einen  Srrtpum  wiber* 
legen,  unb  boa)  ben  beften  $orfa#  l?aben,  benfelben  fort^u* 
pflanzen»  <&k  führen  ifjn  mit  alten  erbenflia)en  ©rünben 
an  unb  laffen  barauf  eine  fola)e  feta)te  Sßiberlegung  folgen, 
bag  ber  £efer,  wenn  er  eine  SIrpei  ^u  |>aben  meint,  ©tft 
finbet  unb  unverfe{)en3  babura)  angeftedt  wirb*  2Ief?nlia)er 
Üunftgrijfe  bebienten  fta)  $ftejjrere  in  älterer,  neuerer  unb 
neuefter  Seit,  unb  wenn  man  ba$  treiben  unb  Xfyun  ber 
jefcigen  Söelt  anfielt,  fo  mug  man  fta)  wunbem  unb  enU 
fegen,  bag  bie  £üge  unter  fo  mancherlei  ©a)em  unb  23or* 
wanb  verbreitet  unb  bem  gottlofen  SOßefen  ba$  SGSort  gere* 
tu  wirb*     ©ewig  ein  fa)recflia)e3  ©eria)t  wirb  über  bie 

ergeben,  bie  alfo  fjanbeln* £ier  will  ta)  aua)  noa) 

ber  griea)tfa)en  unb  lateinifa)en  @a)riften  gebeten,  wela)e, 
ob  fte  woj?l  fe^v  ärgerlia)e  unb  un$üa)tige  2)inge  enthalten, 
boa)  in  unfern  (5ä)ulen  gelefen  unb  von  hm  (Mehrten  ^duftg 
gebraucht  werben*  S^e^rere  jtnb  baljer  ber  Meinung,  man 
folle  biefelben  lieJber  gan$  au$  ben  6a)ulen  weglaffen,  als 
tk  6eele  um  tfjrer  gierlia)en  Lebensarten  willen  mit  <5ün* 
ben  befleden*  &$  werbe  an  jenem  £age  nia)t  gefragt  wer* 
ben,  ob  unfere  2lrt  $u  reben  unb  $u  fa)retben  äierlia),  fon* 
bern  ob  fte  a)ri(tlia)  unb  gottfelig  gewefen  fep?  ©ewig  tff 
babei  groge  58orfta)t  nötljig  unb  wünfd;en$wert£ ,  bag  bie 
523orfie^er  unb  £ej?rer  biefem  ©egenfknb  alle  Slufmerffam* 
feit  wibmen*     Einige  <5a)riften  follten  gar  ma)t  me£r  ge* 


118 


fäänbKdjen  liebem    unb  Silbern  foxxfyxt,  welä)e$  be(to 

f$äblia)er  wirft,  je  anmutfnger  bie  (*r$äl?lungen  jtnb  unb 

je  femer  unb  fmnreidjer  baS  SBöfe  eingefleibet  tfL     üDarauf 

befonberg  legt  ftä)  bie  je^ige  28e#  mit  vielem  gleiß .,  unb 

ber  Satan  trägt  ba$  ©einige  rebliä)  ba$u  bei«  —  2ut£er  fagt 

von  fetner  3^it:  „bie  Sugenb  lernt  niä)t  meljr  wtber  t>k 

fletfä;lta)e  ^?ufi  unb  $nfeä)tung  ffreiten,  fte  fällt  bajnn,  bag 

e$  pinfur  feine  ©d)anbe  mefjr  tjt;   ade  SBelt  tjt  voll  von 

Hebeln  unb  ^iebletn  über  bie  ltn$ua)t,  aU  fcp  e$  wofjl  ge* 

i£an/'    2Ba£  mürbe  er  fageu,   wenn  er  ben  @reuel   beä 

gegenwärtigen  3eitalter$  fe£en  würbe?  3u  feiner  3zü  wa* 

ren  bie  <5ä)riften  unb  lieber,  wela)e  2lergernig  geben  fonn* 

ten,  albern  unb  einfältig;   je#t  aber  werben  fte  imt  aller 

Sorgfalt,  au?$  gemfte  aufgearbeitet,  bamit  fte  um  fo  fa;nel* 

ter  Eingang  ftnbem    3a,  ^eut^utage  »erfreut  man  bie&unjt, 

23üä)er  unb  Briefe  fo  $u  vergiften,  baß   ber  £efer  M  bem 

Eröffnen   berfelben  tn   £eben$gefa£r   fommt.  —  2)ieß  ifz 

fä)ltmm  genug»  —  Sfber  viel  ärger  tjl  e$,  fo   viele  Süd)er 

unb(Bä)riftenmtt  bem  ®ift  ber  ©ünbe  anzufüllen,  bura) 

welä)e$  bie  Sugenb  aum  Söfen  »erführt  wirb  unb  in  ©e* 

faljr  fommt,  ifjr  Seelenheil  ^u  verlieren.  —  Dbgletä)   lei* 

ber  biefe  &a$t  gan$  allgemein  geworben  ifl,   fo  wetg  tä) 

boä)  nta)t,  ob  eä  eine  größere  ©unbe  geben  fönne,  als  biefe, 

—  ein  ärgerliches,  gottlofeS  23ua),  ober  ein  fa)änblia)e3  £ieb 

$&  fdjretben  unb  un$üä)tige  Silber  su  verfertigen,     <3olä)e 

Hergerniffe  werben  niä)t  bloö   mit  verbreitet,  fonbern  fte 

währen  aua)  fo  lange,  aU  ein  einiges  Grremplar  von  bie* 

fer  gottlofen  ©a)rift  ober  von  biefen  Silbern  übrig  tft.  2)er 

^eilige   Sluguftin   glaubte  beßwegen,   bte   £öllenpein   jenes 

$e£er£  im  vierten  3aj?r{mnbert,  welcher  bie  ©ottljeit  dfyxifti 

läugnete,  nepme  immer  $u,  fo  lange   biefer   3**#um  fort* 

wä£re  unb  verbreitet  werbe.  £)a$  9cämlta)e  gilt  von  allen 

gottlofen  <ga)riftßel(ern ;  benn  fte  geben  nia)t  bloS  Sierger* 

nig  unb  Reifen  baö  Sfteta)  be$  ©atanS  erweitern,  fo  lange 

fte  leben,  fonbern  fte  tljun  bieg  aua;  uoä)  naa)  t^rem  £obe. 

60  oft  nun  iin  armeä  £er$  bura)  i£re  Sa)riften  verführt 

wirb;  ebenfo  oft  wirb  ber  3om  be$  geredeten  unb  ^eiligen 


119 


@otteg  gtei#fam  auf$  neue  erwecft  unb  »ergrögert  Unb 
wenn  unfer  £eilanb  ba$  SOS  e  ^  e  aufruft  über  ben,  wela)er 
bit  3"Öcn^  einmal  ärgert,  toa$  wirb  beseitige  gu  erwarten 
ljaben,  welcher  bieg  ofjne  Unterlag  unb  aua;  noa)  naa)  fei* 
uent  £obe  t|>ut  ?  ©ewig,  e$  wäre  einem  folgen  9)cenfa;en, 
fo  beliebt  unb  fo  berühmt  er  aua)  m  ber  Sßelt  gewefen 
fepn  mag,  beffer,  bag  er  bie  <Sa)wetne  gefmtet,  ober  bag 
er  nie  geboren  wäre,  2krflua)t  ijt  ba3  £aupt,  barin  fola)e 
2)inge  gefa)miebet  werben;  oerf!ud;t  bte  £anb,  wela)e  fte 
meberfa)reibt;  oerfluajt  ber  £)rucf,  ber  fte  um  fdmöben 
©ewtnnä  willen  verbreitet ;  oerflua)t  t>a$  ®elb,  wela)e3  bar* 
au3  erlöst  wirb!  —  3«  tiefer  klaffe  gehören  aua)  bte* 
jentgen,  wela)e  »orgeben,  fte  wollen  einen  Srrtjmm  wiber* 
legen,  unb  boa)  ben  beften  $orfa#  §<xbm,  benfelben  fort^u* 
pflanzen.  <&k  führen  ijm  mit  allen  erbenfliajen  ©rünben 
an  uno  laffen  barauf  eine  fola)e  feiajte  SÖiberlegung  folgen, 
bag  ber  ^efer,  wenn  er  eine  Slrpet  ^u  fyabm  meint,  @ift 
fmbet  unb  unverfe^enS  babura)  angejtecft  wirb.  21el?nlid;er 
$unftgriffe  bebienten  fta)  $cef>rere  tn  älterer,  neuerer  unb 
neuefter  3eit,  unb  wenn  man  t>a$  treiben  unb  £J)un  ber 
j  ewigen  SÖelt  anfleht,  fo  mug  man  fta)  wunbern  unb  ent* 
fe£en,  bag  bie  £üge  unter  fo  mana)erlei  ©a)em  unb  SBor* 
wanb  »erbreitet  unb  bem  gottlofen  2Öefen  ba$  2Bort  gere* 
tit  wirb.     ©ewig  ein  fa)recflia;e3  @eria)t  wirb  über  bte 

ergeben,  bie  alfo  ^anbeln. £ier  will  ta)  aua)  noa) 

ber  griea)ifa)en  unb  lateinifa)en  <Sa)riften  geb^nfen,  welche, 
ob  fte  woljl  fepr  ärgerliche  unb  unsüdjtige  2)tnge  enthalten, 
boa;  in  unfern  ©a)ulen  gelefen  unb  »on  hm  ©eleprten  jjäuftg 
gebraucht  werben.  Wlefyxtvc  ftub  baijer  ber  Meinung,  man 
folle  biefelben  lieber  gan$  aus  ben  ©a)ulen  weglaffen,  al$ 
bte  ©eele  um  ifjrer  gierlia)en  Lebensarten  willen  mit  <5ün* 
ben  befielen.  (£$  werbe  an  jenem  £age  nia)t  gefragt  wer* 
ben,  ob  unfere  5lrt  $u  reben  unb  $u  fa)reiben  gterlia),  fon* 
bem  ob  fte  a)riftlia)  unb  gottfelig  gewefen  fep?  ©ewig  tfi 
babet  groge  $orfta)t  nötlng  unb  wünfd;en$wert!?,  bag  bie 
löorfteper  unb  ^e^rer  biefem  ©egenjknb  alle  Slufmerffam* 
fett  wibmen*     Einige  <Sa)riften  follten  gar  nia)t  me£r  ge* 


120 


&rucft  unb  gan$  vernichtet  werben,  au$  anbern  follte  baö 
Slnpogtge  wegbleiben,  epe  man  jte  ber  Sugenb  in  bie£änbe 
gibt  (£$  würbe  viel  Keffer  fepn,  baS  23ua)  wäre  mangelhaft, 
alä  baß  bie  empfänglichen  £er$en  ber  Jünglinge  einen  Slnftofj 
barin  fänbem  3nbeffen  werben  e$  fta)  alle  a)rtftlia)en  £e£rer  $ur 
Aufgabe  maa)en ,  i^re  ©a)üler  bei  äjmlid)en  verfänglichen 
©teilen  $u  warnen,  Üa$  fte  fta)  babura)  nt$t  verführen  laf* 
fem  2Benn  fte  aber  bieg  verfäumen,  fo  laben  fte  eine  fa)were 
Verantwortung  auf  fta),  unb  tragen  Ue  ©a)ulb  an  aller  ©im* 
be,  wela)e  hü  ber  3ugenb  auö  fola)em  fünb liefen  ©aamen  entfielt. 
2Bemt  nun,  xoie  wir  bteper  gefepen  {mben,  unfer  ver* 
borbeneS  £er$  ber  25oben  iffc,  in  we(d)en  ber  ©atan  feinen 
©amen  fäet,  unb  ben  naa)l)er  bie  2öelt  fo  treulich  begießt,  fo 
barf  man  fta)  nia)t  wunbern,  wenn  bie  ©ünbe  fo  überfwnb 
nimmt,  bafj  man  bie  verfa)iebenen  Arten  ijjrer  grüßte  fajt 
nia)t  me|ir  gdplen  fann.  Paulus  füfjrt  einige  namentlia) 
auf,  wenn  er  fagt:  „Offenbar  finb  bie  Sßerfe  be$ 
gleifa)e£,  aH  ba  finb  (Sjjebrua),  ^urerei,  Unreif 
nigfeit,  Un$ua)t,  Abgötterei,  3auberei,  geinb* 
fa)aft,  £aber,  9ietb,  3orn,  3anf,  3wtetraa)t, 
Motten,  §i%  9ttorb,  greffen,  ©aufen/'  dx  fegt 
aber  $rin$u  unb  bergleia)en,  um  anjubeuten,  baß  t>it$ 
bei  weitem  noa)  nia)t  alle  fe^en.  £)iefe  fönne  man  offenbare 
©ünben  nennen,  e$  gebe  aber  beren  noa)  weit  mepr,  bie  ver* 
borgen  unb  unerfanntunb  alfoum  fo  gefährlicher  festen;  wie 
eö  in  einem  hinten  peigt:  „Unfere  unerfannte  ©ünbe 
ftelleft£)u  in'3  "Sia)t  vor  beinern  Angefia)t"  £)iefer 
legte  Au^fyrucfj  fann  von  ber  (£rbfünbe  erflärt  werben  unb  %u* 
gleia)  aua)  von  ben  ljeimlia)en  grüßten  berfelben,  welche 
bie  meijien  2)?enfa)en  ni$t  verfielen,  al$  ba  jtnb:  ber  Un* 
glaube,  ber  3weifel  an  ber  2ÖaprJ>eit  be$  göttlichen  2Bort$, 
bie  Verachtung  unb  ber  |>eimlitt)e  £a£i  gegen  @ott,  ber  Vor* 
wifc  in  ben  göttlichen  ©ejjetmniffen,  bie  uneljrerbietige  unb 
leta)t(tnnige  Öejjanblung  beö  göttlichen  SßortS,  bie  (Gering* 
fa)ägung  ber  göttlichen  2) inge,  bie  Unbanfbarfeit  gegen  ©Ott, 
bie  £oa)fa)ä§ung  feiner  felbß,  tk  %kbc  jurSßelt,  ber  (££r* 
gei$,  ber  (£igemtu§  unb   viele  anbere»    2ki$vl  fommen  noa) 


121 


fcte  fünblta)en  flatterhaften  ©ebanfen  ber  2D?cnfa)en,  welche 
$war  t>k  %Stlt  für  unfünblia)  erftärt,  bte  aber  ©Ott,  ber 
£er3en$fünbiger,  an  Jenem  großen  £age  offenbaren  wirb, 
(£benfo  gehören  bapin  fcte  Stelen  unnü^en  Sorte,  wela)e  ber 
£err  mit  gerechter  ©träfe  bebroljt,  nnb  enblia)  alle  bie  <Biin^ 
ben,  wela)e  man  bura)  Unterlajfung  be$  ©uten  unb  @e* 
meinfa)aft  mit  fremben  9)ctffet!?aten  begebt»  —  SÖenn  $♦  23* 
3emanb  ma)t  felbft  flua)t,  ober  tetc^tftnntß  fa)wört, 
aber  bieg  t?on  feinen  £au3genoffen  ober  r>cn  2lnbern  bul* 
berer,  fo  maa)t  er  fta)  gleicher  ©ünbe  t£eitf?aftig.  (£in  2ln* 
ber  fann  $war  $ur  $ira)e  ge£en  unb  bie  $rebigt  be3  göti* 
Ita)en  SSortS  anhören;  aber  er  lägt  e$  bei  bem  blogen 
£ören  bewenben,  unb  maa)t  jta)  alfo  ber  ©leia)gü(tigfeit 
fa)ulbtg,  Grtn  dritter  mag  Sftemanb  mit  Stffen  nnb  23it* 
len  Unrea)t  tjwn;  attein  er  jnlft  hm  23eleibigtcn  nta)t  unb 
nimmt  fia)  aua)  ber  dürftigen  nia)t  an  —  er  x>erfeplt  fta) 
alfo  gegen  hk  53jfta)t  ber  9läa)ften(iebe.  9coa)  5lnbere  ent* 
galten  fta)  beg  ©omttagS  $war  son  groben  ©ünben;  (te 
bringen  jeboa)  tk  Stil  im  Sttügiggang  unb  weltlichen  Q£x* 
gö§liä)feiten,  oj?ne  ^eilige  Uebungen  $ur  Sefferung  i£rer 
©eele,  $u,  —  Ijeigt  ba$  ben  ©abatj?  ^eiligen  ?  (Enblia)  gibt 
e$  fola)e,  bie  fa)einbar  feinen  ©efallen  finben  an  bem  ©Öfen, 
aber  jte  ftnb  entweber  £eua)ler,  ober  fa)weigen  ba^u  auö 

2ftenfa)enfura)t   unb  um  seitlichen   ©ewinn$  willen; 

werben  jte  nia)t  ebenfo  ftrafbar  fepn,  xok  biejenigen, 
wela)e  abjtä)tlia)  lödfe^  tfjun?  3a  man  fönnte  ein  gan$e3 
SBua)  fa)reiben  über  bie  unerfannten  ©ünben  ber  $ftenfa)en, 
unb  es  wäre  $u  wünfa)en,  bag  fta)  ein  erfahrener  Sejjrer 
biefer  serbienjHia)en  Arbeit  unterbieten  möa)te*  —  £>a£ 
5ßer$eidmig  ber  offenbaren  ©ünben  würbe  wo|>(  gleta) 
grog  auffallen,  unb  e3  ijt  waljrfia)  nia)t  übertrieben, 
wenn  ein  ^eiliger  flagt:  „Steine  ©ünben  ge£en  über 
mein  Spaupt,  wie  eine  fa)were  £aß  finb  fie  mir 
gu  fa)wer  worben,  e3  f>aben  mta)  meine  ©ünben 
ergriffen,  bag  ta)  nia)t  fejen  fantu"  C©te  maa)en 
mir  fo  bange,  bag  mir  baä  ©efta)t  vergebt)  „3£t 
tfi    me£r,  benn   $aax  auf  meinem  Raupte,  unb 


122 


mein  £er§  $ai  mt^  tterlaffen/'  (3a)  werbe  gan$ 
tteqagt)  ,/9ttetner  ©ünbe  ijt  me|r  als  ber  ©anb 
am  Sfteer,  wir  f tnt>  allefammt  wie  bie  Unreinen, 
unb  alle  unfere  ©erea)tigfeit  tji  wie  ein  unflätig 
$leib/'  £)iefe  2öorte  werben  wol?l  für  einen  3eben  paf* 
fenb  fepn  unb  er  wirb  Urfaa)e  f>aben,  fte  mit  allem  Gmtjt 
auf  jta)  $u  be$iepem  —  Unfer  £eilanb  ^attc  gewiß  ©runb 
genug,  wenn  er  bie  ©ünbenfa)ulb  nia)t  mit  einer  geringen, 
fonbern  überaus  j?oji>en  ©umme  $on  ^e^entaufenb  $funb, 
ober  fea)S$ig  Tonnen  ©olbeS,  serglia).  2)enn  ber 
2D?enfa)  fängt  in  ber  frü^eften  ®intytit  an  ^u  fünbigen  unb 
bringt  feine  ©tunbe  31t,  in  wela)er  er  ft'a)  nia)t  serfej?lt  unb 
wiber  Ootteö  ©ebote  ^anbelt  SBenn  wir  nun  auf  jiebe 
^ebenSjtunbe  nur  eine  ©ünbe  rechnen,  fo  belaufen  ft cf>  bie 
©ünben  eines  SapreS  auf  8760,,  in  10  Sauren  auf  876,000; 
wer  fann  aber  fagen,  baß  es  in  feiner  3ugenb  hti  (£iner 
©ünbe  in  (£iner  ©tunbe  geblieben  fe^»  2öie  oft  werben  in 
fo  fuqer  grijt  wojjl  100  begangen,  fo  baß  man  mit  bem 
^eiligen  Slugujtin  fagen  muß:  „(Ein  fleineS  $tnb,  tin 
fo  groger  ©unb er/'  Dber,  wie  er  jia)  fonjt  auSbrütft: 
„Senn  wir  alle  unfere  ©ünben  $ä£len  wollen,  t>ic  wir  mit  ben 
Singen,  mit  ben  £)£ren,  in  ©ebanfen  u.  f*  w*  begeben,  fo 
wä$  ia)  nia)t,  ob  wir  jemals  c|me  ein  $funb  fa)lafen  geljen 
tonnen  unb  aua)  im  ©a)lafe  nott)  ein  Talent  fa)ulbig  wer* 
ben?  2)amit  man  bieg  um  fo  meljr  befjer^igen  unb  *>or  ber 
üDtatge  feiner  ©ünben  erfa)retfen  möge,  wollte  ia)  3ebem 
xafyzn,  nur  (£ine  28oa)e  lang  auf  feinen  Söanbel,  auf  fein 
£er$  unb  beffen  ©ebanfen,  auf  feinen  Sftunb  unb  beffen 
Söorte,  auf  fein  23er£alten  gegen  ©Ott  unb  t>k  2ttenfä)en 
fleißig  2la)i  $u  £aben,  unb  feine  ©ünben  $u  Rapier  ^u  brin* 
gen,  bann  würbe  er  ojme  3«>eifel  tin  großes  Sftegijter 
befommen!  2öaS  ijt  aber  unfere  £fteä)nung  gegen  biejenige, 
w-ela)e  ber  allwiffenbe,  geregte  unb  ^eilige  ©Ott  anftetfen 
wirb?  £>er  Sflenfa)  felbjt  fann  nia)tmerfen,  wie  oft  er  fejrtt, 
unb  wenn  er  mit  ©Ott  rea)ten  unb  rechnen  will,  fann  er 
3jnn  auf  £aufenb  nia)t  (£ineS  antworten/'  —  <£nblta)  tji 
noa)  $u  erinnern  ,  baß  bie  ©ünben  tua)t  nur  mannigfaltig 


123 


fmb,  fonbern  aua)  vt>ett  um  fta;  greifen,  unb  wenn  fte  fic^ 
aua)  Bei  bem  einen  3ttenfrf)en  häufiger  ftnben,  als  bei  bem 
anbern,  fo  wirb  boa;  deiner  fe^n,  ber  fta)  vor  ©oft  eiltet 
befonbern  S8or$ugS  rühmen  fonnte.     Einige    genofkn   $war 
eine  gan$  vor$üglia)e  <£r$ie|?ung  unb  würben  von  ijjren  (£U 
tern  nia)t  bloS   vor   ciufiierlia)en,   groben   £ajtern  gewarnt, 
fonbern  aua)  $u  allem  <3uten  angehalten;  bennoa)  wirb  es 
wenige   geben,   bie  mit  £iob   von   £er$en  fagen   fönnen: 
„Ttcin  ©ewiffen  beißt  mia)  nia)t  meines  ganzen 
Gebens  falber  V  2)te  alten  ©otteSgele^rten   fagen:   es 
fep   feiten  ein   SDZenfa),  beffen  ©ewiffen  ber  ©atan   nia)t 
verwunbet  Ijabe,  ba£er  man  oft  ben  ©eüfjer  j?öre:  „%  a), 
wenn  nur  baS  nia)t  gefa)eljen  wäre!"     £)te  jetzigen 
Seiten  finb  überhaupt  fo  fa)limm  unb  baS  gottlofe  SOSefen 
$at  an  allen  £)rten  fo  überfjanb  genommen,  bajj  emüÄeufa), 
wela)er  baS  swanjtgfte  3#$  erreicht,  ojme  ba$  er  fein  ©e* 
wiffen  auffallenb  verlebt,  fagen  fann,   ©Ott  fmbe  an  ijmt, 
ein  ä|mlia)eS  Sßunber  get^an,  me  an  ben  brei  Männern r 
bk  Er  im  geuerofen  erhielt  —  SQStrb   aber    eine  gehörige 
©ewiffenSprüfung  naa)  ber   erften  gafel  ber  ^e^eu  ©ebote 
angejtellt,  betrachtet  man  bie  innerliche  SSeffecfung  beS  ©et* 
(kS  unb  bie  verborgenen,  vor  berSÖSelt  unbefannten  ©razel 
beS  £er$enS,  $♦  53«  ben  Unglauben,  gotteSläfterlidje  ©eban* 
fen,  ben  Eigenwillen,   tie  Eigenliebe,  bie  ©eringfa)cü>ung, 
ber  geiftliä)en  unb  fummtifdjen  Dinge  unb  bie  |)oa)fd)äjung 
alles  3rbifd)en  :c.  :cv  fo  wirb  Sebermann  t>k  #anb   auf 
ben  Sftunb  legen  unb  mit  bem  Slpojkt  befennen  muffen,  ba£ 
er  unter  allen  ©ünbew  ber  23ornefjmjre  fe^*     £)iefeS  Sk* 
fenntnifü   werben  wir   ablegen  muffen,  ob  wir  gleia)    unfer 
£erj  felbft  nidjt  rea)t  lennen  unb  feine  £ücfe  ma)t  gehörig 
verfielen*    3n  jungen  3a^ren,  wo  wir  noa)    unerfahren 
finb,  begreifen  wir  oft  t>ie  größten  ©ünben  nid)t  unb  paben 
es  für  eine  befonbere  ©nabe  ©otteS  $u  galten,  wenn  er 
uns  bura)  feinen  ^eiligen  ©eijt  unb  bura)  fein  2Bort  leprt, 
ba§  wir  unfere  <5ünben  gritnblia)  erfennen  unb  ofme  £eu* 
a)elet  beurteilen*  —   ©ie£  wirb  wofrt  nöt^ig    fe$n,   $u 
bemerfen,   bamit    deiner   fta)er    wirb    unb   glaubt,    eine 


124 


fofd;e  Betrachtung  ber  ©ünben  gel)e  tyxt  nia)t  an;  benn 
wen  tue  ©imbe  nid;t  angebt,  ben  geljet  aua)  3efa3  Gl?ri* 
jhtg,  ber  ©efreu$igte,  nicfjt  an,  mtb  bie  Erfenntnig 
unfereö  QS:ienb$  tft  bie  Vorbereitung  unb  ber 
Eingang  ju  ber  Orrfenntnig  Gtfrrtjti.  £>ie  Star* 
fen  bebürfen  be$  Slr^teö  niä)t,  fonbern  bie  $ran* 
fen.  Höcr  ben  ©reuef  unb  bie  £iefe  ber  ©ünben  nia)t 
verfielt,  fann  bie  feftgmadjenbe  ©nabe  ©otte£,  bie  in 
(Sfjrifto  atten  5ttenfa)en  erfa)ienen  ift,  nia)t  j?oa)aa;ten;  Wer 
fein  (sBitnbenelenb  noa)  nia)i  rec^t  füljift,  ber  wirb  jta)  nia)t 
son  ganzem  £er$en  naa)  bem  $reu$  unb  23(ut  feinet  £ei* 
lanbe£  fefmen.  SBenn  atfo  $autu$  atten  2Sttenfa)en  gleia)* 
fam  einen  <s$a)ein  vorlegt,  be$  3nl?alt$:  „(£$  ift  £ier 
fein  Un  terfa)ieb,  fie  finb  allzumal  <5ünber,  unb 
mangeln  be3  dtufymä,  ben  fie  ttor  ©Ott  £aben 
folten  jc."  fo  lagt  unä  benfefben  nur  wittig  unb  bemütjrig 
unterf abreiben,  unb  3 war  nta)t  im  £eia)tfmn,  forbern  *>on 
ganzem  £er$en,  im  Spinblid  auf  baS,  xoaä  Slugufiin  fagt: 
M2öe}>e  aua;  bem  beften  £eben  ber  $ftenfa)en,  wenn 
Du,  0  ©Ott,  baffelbe  auffer  ber  ^öarm^eraigfeit 
u.nterfua)en  wUlft!" 

£)amit  wir  nun  aua)  unferer  ©ewopnfjeit  naa)  von 
bem  Bisherigen  t>k  nötl;ige  9Zu£anwenbung  maa)en,  fo  lajfet 
unä  1)  lernen,  bag  wir  un$  t>or  <5ia)erj?eit  filtert  fotfem  — 
2Btr  ftnben  in  ©otte$  SBort  mehrere  ernfte  Ermahnungen, 
bie  im3  $u  einem  t>orfta)tigen  SBanbet  unt}  $u  anjjatabem 
gletg  im  @f?riftent£um  antreiben,  „finget  barnaa),  fagt 
unfirr  «&et(anb,  bag  i£r  bura)  bie  enge  Pforte  ein* 
$e£ei."  „©0  feilet  nun  $u,  erinnert Paulus,  wie  i$x 
t>orfia)tig  wanbelt,  nia)t  at£  bie  Unweifen,  fon* 
ber  u  aU  bieSBeifen,  unb  fa)i<fet  eua)  in  t>ie  3  ^it> 
benn  e$  tjl  bofe3eit.  ©a)affet,  bag  i#r  feiig  wer* 
bet  mit  gura)t  unb  3ittern,"  2Bemt  es  nun  )[e  nötjn'g 
war,,  fia)  unb  Slnberu  fora)e  ©prücfce  t-orauj?  alten,  fo  ijt  e£ 
£ewi;&  £öa)jt  nötfug  in  biefen  legten  böfen  3eiten,  in  wel* 
<|en  bat  (£l)riftent£um  hei  Sßtclen  $ur  gabel ,  bie  ©ottfe* 
ligfetf  jum  ©efpötte,  bie  £ugenb  &ur   ££or£ett  geworben 


125 


tjl,  unb  t>a$  gottlofe  SOBefen  eine  fajl  unglaubliche  £ö£e  er* 
reicht  f>at  —  £)arum  o  @j>rift,  glaube  ftä)er,  bag  bu  tag? 
lia)  unter  lauter  ©triefen  unb  -ifte^en  be$  ©atang  wanbeljt, 
unb  bag  bu  bie  legten  gottlofen  3etten  erlebt  fiajt,  in  mU 
cf)en  SÖentge,  Söenige  feiig  werben,  £)amit  bu  aber  un* 
ter  ben  Wenigen  fe^ejt,  fo  ringe  unb  fämpfe  täglta)  mit  bir 
felbft,  mit  bem  ©atan  unb  ber  gottlofen  28elt  Tratte  bir 
felbft  nia)t  al^usie!,  fonbern  wiffe,  bag  bu  einen  großen 
Betrüger  im  SBufen  trägfL  2öer  fta)  auf  fein  £er$ 
t> erläßt,  fagt  ©alonrö,  ber  ift  ein  9?arr,  £)aS  £er$, 
wie  fromm  e£  fta)  aua)  zuweilen  ftellt,  ift  boa)  immer  x>oU 
böfer  Xixde.  &  Jwi  son  9catur  meljr  £ufi  $ur  SBett  unb 
tljrer  fünblta)en  greube,  als  ^u  ber  geift(ia)en  unb  göttlichen 
£raurigfeit;  eS  tragt  lieber  t>m  D^ofenfran^  ber  2Öelt,  al£ 
bie  £)omenfrone  beS  gefreu^igten  3efu;  e$  will  lieber  auf 
bem  breiten  ©ünbenwege  mitgreuben  geljen,  als  ba£$reu$ 
auf  fta;  nehmen  unb  auf  bem  fa)malen  2$ege  mit  ©euf^en 
unb  £jjränen  bem  £errn  3efu  nachfolgen,  2Öer  gern 
*cm$t,  fagt  t>a$  ©prüa)wort,  bem  ift  leicht  gepfiffen»  2)er 
gottfelige  23orfa£,  ben  wir  je£t  oietteia)t  im  $t%w  Ijaben, 
tjl  eine  au£länbifa)e,  feltene  231ume,  welche  baffelbe  gleich 
fam  wiber  Sßillen  jjegt  unb  trägt;  bie  böfen  £üjle  aber 
jinb  feine  natürlichen  ©ewädjfe*  — 

£>aper,  o  Gifmjt,  waa)e,  eifere  über  bein^er^,  unb  be* 
wafjre  e$  ttor  Witm,  fttö  ^u  bewapren  ift,  @$  ift  ein 
£entpel  be£  Jpöd;jten,  fie£e  ju,  bag  nichts  Unreine^  funein* 
fomme;  e£  ift  eine  Duette,  fep  sorftdjtig,  bag  fie  nidjt  t>er# 
giftet  werbe;  e£  ift  ein  ©arten,  ftefje  wopl  $u,  bag  er  nia)t 
soll  Unfraut  werbe  unb  serwilbere,  33itte  ©ott  alle  borgen, 
bag  dx  bem  £er$  bewahren  möge,  Uüe  3pn  eifrig,  unb  me£r 
als  um  alles  Rubere,  wa$  bu  ju  hittm  £ajt,  um  ben  $tU 
ligen  ©eifL  (£meure  aua)  naa)  einem  folgen  ®tUt  beuten 
guten  23orfa£,  unb  nimm  bir  fejt  sor,  bag  bu  nid)t  mit 
Söiffen  unb  Söillen  wiber  ben  £errn,  beinen  ©Ott,  fünbigen 
wollejt,  —  9tterfwürbig  tji.eS,  bag  bie  Sipofiel  $etru£  unb 
JkmtuS  baS  SOßort  w  äff  neu  gebraueben,  wenn  fte  t?on  bem 
gletg  in  ber  ©ottfeligfeit  reben.    „Raffet  unö  ablegen 


126 


t>ie  SBerf  e  ber  ginjterntg  unb  anlegen  bte  Söaffen 
be$  €t$t$*  —  SBeir  £!?rtjtu$  im  gletfdj  für  un$ 
gelitten  fyat,  fo  waffnet  eudj  audj  mit  bemfelben 
<Sinn."  £)amit  roßten  fte  oI)ne  3wetfet  anbeuten,  ba$  ein 
€£rijt  nifyt  blo£  $ur  3ferbe  gefclmtücft,  fonbern  au$  gegen 
bte  lijtigen  anlaufe  bc£  ©atan£,  unb  gegen  bte  Einreibungen 
be$  gleifcfjes  unb  ber  Söelt  wotrt  verwahrt  fepn  feile*  <5ol$e 
Waffen  aber  jtnb  ba$  Qotbü,  Ut  Betrachtung  be$  ^reu^eS 
unb  £obe3  Q^rifH,  bte  Erinnerung  an  einige  £aupt|tellen 
ber  ^eiligen  Schrift,  bte  tägliche  Erneuerung  be$  £aufbunbe£ 
unb  bgl»  Wfltite  gugleta)  auefy  jebe  (Gelegenheit  jur  ©ünbe, 
nnl)  fliege  bie  bofen  ©efeüfd^aften,  betrachte  alle  Orte,  in 
welken  gottlofe^  Söefen  £errfcf)t,  als  Sdtfupfwinfel  be$ 
Satans,  unb  fcf)ö>fe  Berbad;t  gegen  2llle£,  wa$  bia)  von 
ber  9?ad)folge  3efu  abwenbig  mad;en  unb  gur  ©ünbe  ver* 
führen  will  £ap  bidj  burd>  feine  fügen  Sßorte  einfc^läfern, 
ober  jur  28oliujt  bewegen,  unb  ebenfo  wenig  burdj,  eine 
lrid;tftnnige  ©efettf^aft  von  bem  ©e^orfam  gegen  ©Ott  ab* 
bringen,  Btelmepr  tvenbe  beine  5lugen  ab,  verjtopfe  beine 
£)£ren,  unb  verfliege  bein  £er$,  unb  bebenfe  allezeit,  bog 
auf  fold>e  £uft  Unluft  unb  auf  biefe  f$  einbar  glücflia)e  3«* 
bte  unfeltge  Cnvtgfett  folgt  3uvörberfl  aber  Iwte  bid)  vor 
fallen,  irbtfd)  geftnnten  greunben,  fte  ftnb  bie  Unterbänbler 
be$  <5atan$,  um  beine  @eele  $u  »erführen,  ju  »erraten 
unb  gu  verfaufem  $eingeinb,  felbjt  ber  Teufel  nidjt,  ift  fo 
gefäprlicb,  als  ein  irbtfa)  gejtnnter,  falfc^er  greunb,  ber  bia) 
mit  ©ctwbenfreube  in  ba$  9?e$  be$  SatanS  füijrt:  2)teg 
i#  bie  Beraub  er ung  ober  ?8 erb lenbung  ber  Bereit, 
von  wela)er  ba$  53uct)  ber  2G3et^pett  fprid)t.  —  Werfet  bieg 
befonfcere,  t'fjr  Jünglinge!  3£r  fe^b  bie  jungen  Bäume  in 
bem  ^flan^garten  ber  $ird)e,  fe^et  $u,  waa)et  unb  UtH, 
bag  eud)  bte  böfe  SSelt  ntdjt  mit  i£rem  $ergerntg  verführe. 
Senn  eine  3*ege  einen  jungen  Baum  benagt,  fo  ifi  e$  meifteng 
um  fein  2öad)3n;um  gefc^eben,  ebenfo  verfü)er$t  hie  £ugenb 
gemeiniglid;  ü)re  2ßo^lfa|>rt,  wenn  fte  fta)  von  ber  böfen 
£ufl  unb  bem  2lergerntg  ber  SÖelt  $ur  Sünbe  verleiten  lägt,. 
£>ie  jungen  Bäume  ftnb  am  bejten  an  einem  ^fa^l  verwahrt, 


127 


weil  fie  noa)  $u  fdjwaa)  ftnb,  ben  SQBmben  allem  31t  nuber* 
fielen»  Sluf  gleite  Sßetfe  muß  aua)  bie  Sugenb  von  $inb* 
|>ett  an  lernen ,  fta)  an  ba$  $reu$  ^^rtfti  ^u  galten,  unb 
bura)  %$n  ifyx  gleifa)  31t  freudigen  famt  ben  Süften 
unb  23egierbem  Sluf  bte  a)rt(tlta)e  3ugenb  fann 
mit  allem  Sftea)t  angewenbet  werben,  m$  in  ber  £>f<* 
fenbarung  Sofjannte  gefaxt  wirb:  „baß  fie  t>ic  3ung* 
frauen  fet>en,  bie  bem  2amme  nachfolgen,  wo  e$ 
£inge£t,  unb  baß  fie  erfauft  fe^en  au$  ben  9ften* 
fa)en  $u  Girrftlingen  ©Ott  unb  bem  £amme*"  Stilig 
follten  alle  junge  £eute  baS  unbefledte  £amm  ©otteS  ßetg 
vor  5lugen  unb  im  £>er$en  Ijaben,  unb  3|>m  in  einem  $eili* 
gen  Sßanbel  unoerrüdt  nachfolgen»  ©ie  ftnb  bie  rechten 
9Zafiräer,  bie  Verlobten  ©otte$,  welche  baS  ©elübbe  ber 
^eiligen  £aufe  auf  fta)  j)aben,  unb  iijrem  ©ott  gleia)fam 
au  (£rjtltngen  au^erforen  ftnb*  £)arum  follen  fie  fta)  be- 
fleißigen, reiner  ju  fe$n  (in  einem  ^eiligen  äöanbel,  in  ber 
gura)t  ©otteö,  ml  ber  $eufa)£eti,  £)em*ttp  unb  Sanftmut^) 
aU  ber  <5a)nee;  unb  flarer  aU  TOla).  —  (Ein  weifer  $eit>t 
war  ber  Meinung,  ein  junger  SDtonfcf)  fep  ber  Sittenlehre 
noa)  nid)t  fcüjig ,  weil  bie  33egierben  feinet  gletfa)e$  noa) 
$u  fiarf  unb  unbcmbig  fepen ;  allein  ba$  SOßori  ©otteS  ver* 
langt  von  uns  @fmfien  ba$  ©egentfieil.  SSir  follen  bie 
3ugenb  fritpjeitig  $ur  5^ad;folge  (grifft  anweifen,  unb  fie 
in  ber  ©ottfeltgfeit  unterrichten,  unb  bie  (Erfahrung  leprt 
aua)  wirflia),  baß  bei  jungen  beuten  burdj  ©otteä  ©nabe, 
Söort  unb  ©eift  am  metften  au^urid;ten  fep*  3#?«  $arten 
£erjen  ftnb  in  ber  33oöpett  noa)  Jtia)t  vergärtet,  unb  ftnb 
alfo  be$  23ilbeS  (££riftt  am  meinen  fä£ig,  Denn,  fo  lange 
baS  2ßaa)3  xoäfy  ift,  muß  man  ba$  <Sigi(l  barein  brüden» 
—  ©ebt  eua)  alfo  SDcütje,  tpr  tinber,  fromm  unb  gottfelig 
$u  werben,  fo  lange  ifjr  noa)  jung  fe$b,  unb  beuget  euern 
$äl$  frü^eitig  unter  ba$  fanfte  3<>d?  Gtfmjtt.  Tlan  erfahrt 
e$  letber  täglia),  xok  viel  eg  $u  tfwn  gibt,  wenn  man  fta) 
erjt  im  Sitter  beeren  will,  Gan  junger  33aum  lägt  fta) 
noa)  ausgraben  unb  von  ber  Sßttbniß  in  einen  ©arten  ver* 
pflanzen;  wer  will  aber  einen  alten  fortbringen?  —  tylan 


128 


fagt,  bte3ugenb  fep  bem  neuen  Söeine  gteia),  welcher  brauet 
unb  geirrt,  aua)  fta)  nia)t  einfpünben  lägt.  2)ieg  mtgbrau* 
eben  $?ana)e  unb  fua)en  bamtt  bie  ©ünben  tjirer  3«9^b 
$u  entfa)utbigen.  SlKem  wer  bieg  genau  überlegt,  ber  wirb 
bte  Sejjre  barm  ftnben,  bag  fta)  bte  3ugenb  von  ber  ©ünbe 
unb  von  ber  2Bett  unbeflecft  ermatten  muffe*  £)er  junge 
Söem  arhättt  unb  geirrt  r  bag  er  bte  Unretnigf  eit,  welche 
er  von  Statur  mit  fta)  füjjrt,  von  fta)  entferne,  unb  £ernaa) 
aU  flarer  Sßetn  erfunben  werbe,  ©o  fte^t  e6  ber  Sugenb 
ju,  bag  fte  mit  ber  £ülfe  unb  bem  33eiftanb  be3  fettigen 
©etfte3  täglia)  arbeite,  um  fta)  von  aller  23ef(etfung  beS 
gleifa)e$  unb  ©eijkg  $u  reinigen,  unb  fta)  gefa)id:t 
gu  ntaa)en,  ©Ott  tpr  £ebenlang  $u  bienen  in  £eiltgfeit  unb 
©erea)ttgfett.  ®e£ora)et  mir,  ijjr  $inber!  unb  wa^ 
fet,  wie  3?ofen  an  ben  23äa)lein  gcvffan^et,  unb 
gebet  einen  Iieblia)en  ©erua)  von  eua),  wie  ber 
Sei^raua),  unb  blüfjet  wie  bie  Zilien.  — - 

2)  Raffet  un$  barauö  lernen,  bog  wir  9ttemanb  ein  2ler* 
gemig  geben  unb  jiets  bk  SÖorte  be$  £errn  vor  Slugen  Ijaben 
fotfen:  „üöer  aber  ärgert  biefer  ©ertngßen  einen,  bie 
anmia)  glauben,  tem  wäre  beffer,  bag  ein9ttü£lftein 
an  feinen  $at$  gelängt  unb  er  erfäufet  würbe  im 
9fleer,  ba  e$  am  tiefften  ifl  S&eljje  ber  2Be(t,  ber 
2lergernig  falber !  (£$  muß  ja  2lergernig  fom* 
nun,  (weil  bte33o3bett  ber  2ßelt  fej?r  grogift)  boa),  we£e 
bem  ;3ftenfa)en,  bura)  wela)en  2lergernig  fommt!" 
—  3ebe  ©ünbe  tfi  ofmepm  ttwaä  ©a)retflta)e3 ,  mil  fte 
©otte$  3orn  unb  Ungnabe  naa)  fta)  ^te|>t ;  fte  wirb  aber 
noa)  fa)retflia)er,  wenn  fte  Slnbern  $um  SIergernig  unb  galt 
gereicht.  2öemt  ein  groger  33aum  faßt  unb  viele  junge 
33äume  mit  ftc^>  nieberretgt,  fo  ift  ber  6a)aben  um  fo  gröger. 
(£in  9ttann,  ber  junge  SBäume  mit  groger  Wltyc  unb  @org* 
falt  gevflanjt  l?at,  freut  fta)  fej?r  barüber,  wenn  er  £rag* 
fnofven  an  ijjnen  wahrnimmt  unb  bait>  t>ic  erften  grüa)te 
hoffen  barf;  aber  auf  ber  anbern  <&titc  UtxüU  er  fta)  aua) 
fe£r,  wenn  er  feine  Hoffnung  bura)  bie  Raupen  unvermu* 
tytt  vcrnia)tet  fte^t.    ©age  alfo,  o  SDfonfa),  wie   wirb   e$ 


129 


©ott  gefallen,  wenn  3N  bte  etelflen  *Pffan$en  feiner  $irä)e, 

bte  jungen  garten  ©eelen,  von  wela)en  er  bie  grüßte  tjjreä 

SEaufbunbeä  erwartet,  burä)  bie  23o$pett  ber  Seit  verbor* 

Ben  werben.  —  D ,  bag  bte  2öelt  bieg  bebenfen  unb  er* 

fennen  möchte,  wie  fa)retflia)  ba$  Hergernifj  ijt?     203er  bte 

3ugenb  bura)   fein  53etfptet  $ur  33ogpeit  verfettet,  ber  tjl 

ein  Sttörber  unb  £obtfa)läger ,  ber  bte  £ölle  boppelt  ver* 

bient,  weil  er  nia)t  allein  ben  $cib,  fonbern  aua)  bte  ©eele 

erntorbet.    @r  begebt  bie  ©ünbe  3oab$  unb  3uba$,   weil 

er  unter  bem  <5a)eine    ber  ?iebe,   ber   greunbfa)aft  unb 

©unft,  ein  unfa)ulbigeS,  einfältiges  £er$  verleitet,  unb  bem 

teufet  in  bie  #änbe  liefert    ©  tck  viele  fola)er  ©ünben 

l)at  5ttana)er  auf  feinem  ©ewtffen,  opne  baß  er  e$  glaubt! 

2öie  fdjrecflia)  wirb  baä  ©eria)t  ©otteS  über  einen  folgen 

9ttenfa)en  fepn!     (£r  pat  ben  glua)  feinet  £eilanbe$   auf 

ftä)  gelaben,  weiter  iljn  ängjtigen  unb  nieberbrütfen  wirb 

in  (£wigfeit.  —  $rüfe  bia)  baper,  o@fmft,  ob  aua)  bu  cttoa 

biefe  fa)retflia)e  ©ünbe  begangen  unb  über  biefelbe  biSper 

leta)tftnnig  weggefepen  paft?  33itte  ©Ott,  im   tarnen  3efu 

(grifft ,  bag  er   bir   biefelbe   au$  ©naben  veqeipen,  ben 

©eärgerten  bura)  feinen  peiligen  @etft  auf  ben  rea)ten  2öeg 

verhelfen,  unb  wieber  gut  maa)en  möge,  was  bu  verborben 

]pajt*    Söenbe  aber  aua)  felbfi  allen  $tei$  an,  ben  ©aamen 

ber  SBoSpett,  welchen  bu  in  ein  junges  £er$  gefhreut  paß, 

wteber   auszurotten,   unb  wenn  bia)  ©Ott  $ur  23uge  unb 

33efferung   pingeleitet   $<xt,    fo  fua)e  aua)   Slnbere  $u  ge* 

winnen,  unb  wieber  $u  ©Ott  ^u  bringen,     darauf  beutet 

wopl  aua)  £)avib  pin,  wenn  er  ©ott  verfprta)t:  er  wolle 

bie  Uebertreter  ©eine  SÖSege  lepren,  bag  fia)  bie 

©ünbeV  $u  3pw  befepren;  wie  wenn  er  fagen  wollte: 

„Sfflein  ©ott,  ta)  erfenne,  tag  t'a)  bura)  meine  fcpwere  @ün= 

ben  unter  Deinem  $olfe  ein  grogeS  Slergernig  gegeben  pabe; 

ta)  will  mia)  aber  mein  £ebenlang  eifrig  bemühen,  bajfelbe 

wieber  ^u  vertilgen/'  —  2)ieg  apme  naa),  o  2flenfa),  wenn 

man  glauben  foll,  ha$  beine  23uße  ernftlia)   fep.     ©cpäme 

bia)  nta)t,  bia)  felbjt  ^u  befa)ulbfgcn,  unb  beine  ©ünben  51t 

verbammen;  unb  bemüpebta),  wie  bu  früher  ein  SÖerfüprer 

6  er  i»  er 'S  ©celctifc§a$.  9 


130 


gewefen,  nun  em  93orbiIb  ber  £ugenb  mit  SBorien  unb 
Serfen  gu  fe^n.  £)enn  bie  (£rfal?rung  leljrt,  bag  nia;t$  auf 
bie  verführten  ^er^en  einen  fo  (Warfen  (£inbrucf  maa)e,  als 
wenn  fte  fepen,  baf?  eben  ber,  welker  fte  vorder  $ur  ©iinbe 
verleitete,  fte  fpäter  vor  berfelben  warnt  unb  mit  freuten 
feinen  vorigen  3uftonb  Bereut*  2)er  ©titt)  eines  ©corvionS 
wirb  nia)t  leichter  geseilt,  als  wenn  man  benfelben  gerquetfe^t 
unb  iljn  auf  bie  Söunbe  legt;  eben  fo  wirb  bas  2iergernig  ntc^t 
beffer  geljoben,  als  burä)  bie  23uj?e  bejfen,  ber  es  gegeben 
fyat  —  2)al?er  fuä)e  ein  Seber  naa)  feinem  Vermögen  bem 
manntgfaajen  2lergernig  ber  SÖeltgu  feuern.  Raffet  uns  bie 
(Steine  aus  bem  Sßege  räumen,  an  wela)en  fta)  bie  garte 
Sugenb  flogen  fann,  unb  bie  bergen  burä)  fletgige  (£rma£* 
nungen  vor  bem  fa)leia)enben  ©ift  ber  23oSfmt  bewahren-  — 
Q£in  naä)al?mungSwitrbigeS  33eifpiel  gab  einft  ein  reia)er 
Wlam  p  @ent  2)ort  würbe  auf  bem  Saprmarft  eine 
SBube  aufgehellt  mit  allerfei  fa)änblia)en  ©emälben.  211S 
biefer  biefelben  fal),  faufte  er  baS  ©an$e  unb  verbrannte 
SllleS,  bamit  es  9ttemanb  $um  Slergernig  gereta)en  möä)te. 
D  woljl  angelegtes  ©elb !  ©Ott  erwede  S3iele  feinet  ©let* 
$en  unb  verleibe  uns  Sitten  bk  ©nabe,  baß  wir  wiber  baS 
gottlofe  SQSefen  mit  (£tfer  beten,  teuren,  fa)retben,  reben, 
ftretten,  unb  baS  SReta)  beS  £eufels,  fo  viel  an  uns  i%  $er* 
ßören  Reifem  Raffet  uns  mit  3efataS  fvrea)en:  ,,2la),  bag 
ta)  möa)te  mit  ben  Seelen  unb2)ornen  (ber  23oSf>eit 
unb  beS  gottlofen  SefenS}  friegen,  fo  wollte  ia)unte* 
fte  reifen,  unb  fie  auf  einem  Raufen  anfteden!" 
33  SOßotlen  wir  aus  bem  33tS£erigen  aua)  noa)  einige 
£rofigrünbe  für  btejentgen  ausgeben,  wela)e  wegen  ber 
©ünben  i£rer  Sugenb  betrübt  ftnb»  (£S  ift  wal?r,  Was  ber 
^eilige  Slugufttn  fagt:  Söenige  ftnb  fo  glüdlia),  H$  jte  von 
Sugenb  an  feine  fa)were  ©ünbe  begeben  ober  fta)  feines 
£af*erS  ober  einer  Uebeltfwt  tjjeilfjaftig  maä)en,  unb  mit 
allem  @ifer  bie  £üfte  t'^reö  gletfd)eS  unterbrüden.  2)ie 
Reiften  werben  von  ber  gottlofen  SÖSelt  au  fola)en  fingen 
verleitet,  bie  zeitlebens  ein  nagenber  SSurm  im  £er$en  finb, 
unb  fte,  fo  oft  ftebaran  benfen,  $u  ££ränen  rühren.  SibereS 


131 

tfl  eine  große  ©nabe  ©otteä,  wenn  e$  mit  bem  9ttenfa)eft 

baljin  fommt,  bajü   er  bte  ©ünben  feiner  Sugenb  erfennt 

unb  fein  Sebenlang  J>erälia)  bereut    <£$  gibt  rua)lofe  %cutt, 

welche  ft$  berfelbeti  mit  Cufl  erinnern,  befonberä,  wenn  ftc 

einige  von  iljren  früheren  ©efelffa)aftern  antreffen.  Sttögen  btefe 

bebenfen,  bag  fte  iljre  ©ünben  von  neuem  vor  ©Ott  begeben, 

fo  oft  fte  fta)  berfelben  mit  £uft  erinnern  unb  bag  tynen 

btefelben  fo  lange  ma)t  »ergeben  ftnb,  wenn  fte  glei$  fdjon 

Jmnbertmal  gebeichtet  unb  ba$  Ijetlige  2lbenbma£l  empfangen 

fabelt.    Sie  fann  ba  eine  aufrichtige  33ufje  fepn,  wo  man 

an  ber  ©ünbe  feine  greube  $at,  unb  wie  fann  un$  ©ott 

ba$  »ergeben,  wa$  wir  noa)  fegt  mit  greuben  erwähnen/ 

unb  bamit  bezeugen,  baß  e$  uns  nia)t  am  Sßilfen  $u  fün* 

bigen,  fonbern  nur  an  Gelegenheit  unb  Gräften  feplt?  — 

2)arum ,  o  (Eljrift  ,  wenn   es  mit  bir  ba£in  gekommen  ijl, 

baf?  bu  Ijerstiä)  betrübt  wirft  wenn  bu  an  bte  ©ünben  beiner 

$inbljeit  unb  Jugenb  benljt,  wenn  bu  bia)  ntc^t  opne  Zfyxä* 

nen  unb  ©eufjen  baran  erinnern  fannft,  fo  banfe  ©Ott  für 

feine  groge  £angmutl>  unb  ©üte,  bag  er  bia)  nityt  in  betnen 

©ünben  weggerafft  unb  ber  ewigen  Sßerbammnig  übergeben 

$at     £alte  fola)e   ©ebulb   ©otteS  für  beine  ©e* 

Hg  feit,  banfe  3f>m,  bag  Grr  bia)  $ur  (£rfenntnifj  gebracht, 

unb  bir  Gelegenheit  $ur  33uf?e   gegeben   fyat.     SBerfäumet 

nia)t  mit  2)a»tb  gu beten:  „©ebcnfe,  o  ©Ott,  nta)t  ber 

©ünben  meiner3ugenb  unb  meiner  Uebertretung, 

gebenfe  aber  mein  naa)   beiner  23arm£er$igfeit 

um  beiner  ©üte  willen!''  £ege  bia)  täglich  beinern 3efu 

gu  güfjen,  ne#e  fte  mit  beinen  ££ränen,  unb  l>ittt  3£num 

©nabe,  um  bie  Regierung  unb  ben  £roß  be$  ^eiligen  ©ei* 

fkö  unb  um  bie  völlige  Erneuerung  beineä  oerberbten  £er* 

$en$,  fo  wirft  bu  erlangen,  was  ou  fua)fl,  wenn  gleich 

bie  »ötltge  SBerftcfjerung  ber  Vergebung   nidjt  fogleidj  er* 

folgt.  —  ©otteS  ©üte  wetg  nä'mfia)  aua)  aus  bem  Uebel 

ber  <Sünbc  ttwtö  ®ute$  au  Muffen.     $?ana)em  mug   ba$ 

befiänbige  5lnbenfen  an  feine  ©ünben  gur  immerwä'fjrenben 

33ufje,  $um  fortbauernben  Verlangen  naa)  ber  ©nabe  ©ot* 

tes   $ur  %kbt  gegen  3efum,  ben  ©ünbcntilger ,  ju  große* 

9* 


132 


ter  $orfta%  wie  $u  (Mrferem  £afü  gegen  baS  85fe ,  $ut 
©ebulb  in  £rübfal ,  $ur  £emut£  unb  (Sanftmut!)  bienen. 
—  @e'9  ba£er  getroft,  bu  Betrübtes,  bußfertiges  £er$,  unb 
ttuffe,  bafj  unfev  ©Ott  nia;t  anfielt,  was  wir  gewefen,  fon* 
bern  was  wir  j[e$t  ftnb  unb  gerne  fe^n  möchten/' —  303  enn 
fia)  ber  ©ottfofe  befe#ret,  fpria)t  (£r,  von  aüen 
feinen  ©ünben,  t>it  er  getljan  Ijat,  fo  foll  er  \i* 
fcen  unb  aller  feiner Uebertretung,  bie  er  began* 
gen  $at,  foU  nia)t  gebaa)t  werben/7  £)ie  ©ünben, 
beren  ber  Üttenfa)  mit  Streuten  gebenft,  ftnb  frei  ©Ott  »er* 
gejfen;  was  unS  unfer  ©ewijfen  »orljält,  um  unS  gura)t 
einzuflößen  unb  $u  betrüben,  baS  ifi  im33uä)e  ©otteS  bura) 
baS  531ut  3efu  CtjjrijH  längft  auSget$>an  unb  getilgt;  was 
bagegen  bei  ftd)ern  unb  rua)fofen  9ftenfä)en  »ergeffen  iji,  baS 
Meibt  Ui  ©Ott  aufgefajrieben.  ©Ott  fep  unS  gnäbig,  unb 
lajfe  atte  unfere  ©ünben  um  3efu  Witten  »ergeben  unb 
sergeffen  fepn!    2lmen. 


Siebente    SPrefcigt* 

S8on  bem  3Ö3aa)Stpum  ber  6ünbe. 

2:.   2  £im.  3,  13.     3Ktt  ben  böfen  Stfenföen  unb  ben  3Serfü$retrt 
wirb  e$  je  länger,  je  ärger,  fie  »erführen  unb  werben  »erführt. 


S  i  n  g  a  n  g. 

3m  Stamm  3»efu*  Slmart! 

3a)  trage  meine@eefe  immer  in  meinen  £än* 
ben  unb  sergeffe  deines  ©efegN  nia)t,  fagt 
2)atrib,  £>iefe  SÖorte  werben  t>erfa)teben  erftärt,  unb  SDlep 
rere  be*ief>en  jie  3unäa)jt  auf  bie  Lebensgefahr,  barin  (ta) 
3ener  auf  fetner  glua)t  befanb  —  als  ob  er  jjätte  fagen 
wotfen:  wenn  i^  aua)  in  beftänbiger  £obeSgefaj>r  fa)webe, 
fo  ttergeffe  ia)  boa)  beines  SßorteS  ma)t,  wela)eS  mir  £rofi 
unb  traft  gibt  in  ben  £oa)fien  9W>#en,  barum  fott  es  mir 


133 


auo)  fein  geinb  aus  beut  £er$en  reißen.    2)er©tnn  wäre: 
je  größer  bte  9?ot£,  t>epo  fefter  fott  man   jt$  an  ©Ott  £al* 
ten.    3e  me{>r  ber   ©atan  wütljet,  bejto  fefter   muß  man 
fta)  an  ©ottes"  Zerreißungen  anfa)ltcßen ;  ift  bie  Siebe  sum 
28ort  ©ottetf  verloren,  fo   ift  e$  balb   um  bie  ©eele  ge* 
fa)epen.  —  untere  ftnb  ber  Meinung,  £>cfoib  £abe  son  ber 
fleißigen  5luf(id;t  unb  23ewaj>rimg  ber  «Seele  gefproa)en.  — 
3o)  ^abe  auf  meine  ©eele,  bas  tpeuerfre  Slleinob,  genau 
2la)t,  unb  weil  ta)  weiß,  baß  ia)  fterblia)  bin,  unb  gu  allen 
3eiten  \>m  £ob  erwarten  muß,  fo  will  id)  um  fo  me£r  gleiß 
auf  2)em  2Bort  wenben,  bamit  \6)  babura)  geftärft  unb  er* 
Unstet  unb  gum  ewigen  £eben  bewahrt  werbe-  —  £)iefj 
gefjt  uns  Htle  an,  unb  wir  follen  über  unfere  ©eele  waa)en, 
aß  über  unfern  £öa)jten  ©$a$*  —  Ziele  9Jcenfa)en  tragen 
Dringe  an  ben  gingern,  fa)ä$en  fte  ungemein  j>oa)  unb  nelj* 
men  fta)  in  2la)t,  baß  fte  biefelben  nia)t  verlieren.    SJJcö^ten 
boa)  alle  biefe  fta)  an  jene  2öorte  £)ar>ibs"  erinnern:    din 
Üting  £at  oft  einen  großen  2öert£ ;  aber  bie  ©eele  ift  fofi* 
barer  als  alle  SKtnge  ber  ganzen  2öelt.    Sßas  £ilft  e$  nun, 
f  oftbare  Dringe  tragen  unb  bewahren,  roenn  man  gleidjgültia, 
ift  in  ber  Sorge  für  feine  ©eele?  3«/  was  jnift  es",  2llles  £aben, 
unb  bie  ©eele  verlieren?  —  £rägt  3emanb  tin  ©efäß  mit 
föjtlia)en  SBajfern   ober   einem   treuem  23alfam,  fo  iji   er 
fe£r  r>or|7a)tig,  baß  er  es  nta)t  jerbrea)e.     SBenn  bu  alfo 
o  Üffrifl,  beine  ©eele  täglia)  in  £änben  trägjt,  unb  nia)t 
weißt,  wann  fte  bir  abgeforbert  wirb,   —   ba  fte  ein  ®e* 
faß  tjt,   bas  ©ott  mit  fo  £errlta)en  ©aben  angefüllt  unb 
3efus  mit  feinem  SBlute  erfauft  £at,  fo  £ajt  bu  a(leUrfaa)e, 
beine  ©djritte   unb  dritte  naa)  ©ottes   Sort   einzurichten 
unb  r>orjta)tig  3U  wanbeln,  bamit  beine  ©eele  nia)t  in  ©e* 
fa£r  fomme  unb  bas  S3lut  @jmfti  an  tyx  nia)t  verloren 
ge£e.    23itte  ©ott  tdglia),  baß  dx  bir  ©nabe  gebe,   beine 
fünblia)en  ©egierben  ju  bezwingen,  beuten  Tillen  ju  bre* 
<$en,  unb  bie  ©ünbe,  wela)e  in  bir  wolmt,  $u  überwütben* 
SBor  Willem  aber  übergib  beine  ©eele  täglia)  ©Ott  unb  bei* 
nem  £eiianb  3efu  @f?rijto,  unb  bittt  3fm,  baß  (£r  fte  als 
©ein  <£igent£um  in  ©einen  ©a)u&  nehmen,   unb  an  tyx 


134 


«fußen  wolle,  wa$GEr  »erzeigen  Ijat:  „3$  gebe  meinen 
<Sa)aafen  baö  ewige£eben,unbfie  werben  nimmer 
meijr  umfommen,  unb  Sftiemanb  wirb  fie  au£  met* 
net  #anb  reißen/'  2Benn  (£r  bie  «Seele  nta)t  bewahrt, 
fo  ift  fte,  aua)  Ui  unferer  größten  Sorgfalt,  fa)lea)t  be* 
wajjrt.  £>ieß  wollen  wir  naa)  Anleitung  unfereä  £erte$  wei* 
ter  erwägen  ,  unb  ©Ott  £elfe  un$  bura)  (£f>rijtum  3efunu 
2lmem 

abf>ant>lung, 

3)ie  menfa)lia)e  (Seele  ift,  wie  wir  obenbemerft  £aben, 
von  ber  (Sünbe  gan3  verborben,  unb  ob  fte  gleia)  von  ©Ott 
in  £eiligfeit  unb  ©ereä)ttgfeit  erraffen  würbe,  fo  pat  boä) 
ber  ©atan  gleia)fam  t£re  2öur$el  vergiftet  unb  mit  ©alle 
unb  SÖermutlj  übergoffen,  baljer  alle  ifjre  SQSorte,  Serie 
unb  ©ebanfen  fünblia),  bitter  unb  giftig  ftnb,  fo  baß  ber 
£err  von  ipr  fagen  fann:  3ä)  patte  bia)  gepflangt 
3U  einem  fußen  2Öeinftotf,  au$  einem  ganj  guten 
©aamen,  wie  bift  bu  mir  benn  geraden  ju  einem 
wtlben  SBetnjtotf?  —  Cetber  aber  tjt  e$  nia)t  genug, 
baß  bie  (Seele  verborben  unb  von  bem  ©ift  ber  (Sünbe 
angeftetft  ift;  fonbern  e$  tfi  noa)  me£r  $u  bef lagen,  baß  bie 
6ünbe  eine  fo  frua)tbare  Butter  ift,  unb  fta)  fo  fa)nell 
vermehrt.  £)ie  @rbfünbe  verbreitet  fta)  in  taufenb  2lrten, 
unb  wenn  eine  5lrt  ber  (Sünbe  im  £er$en  über£anb  nimmt, 
ba  bUiU  fte  nia)t  allein,  fonbern  %it1)t  viele  anbere  naa) 
fia);  fie  ijt  xt>k  tyx  Später,  ber  Teufel,  ber,  wo  er  3)la$  in 
einem  9ttenfa)en  ftnbet,  fieben  anbere  btffe  ©eijter 
3U  fia;  nimmt,  bie  arger  finb,  al$  er  felbft,  alfo, 
t>a^  e$  mit  folgern  9)?enfa)en  immer  ärger  wirb. 
—  SPSenn  alfo  ber  <Satan  ba$  £er$  be$  2ttenfa)en  eingenom* 
men  $at,  fo  fe£t  er  fia)  in  bemfelben  immer  feffcr,  lenft  unb 
be£errfa)t  e$  naa)  fein>m  SOSillen.  (£r  treibt  bie  ©ottlofen 
von  einer  (Sünbe  aur  anbern,  fte  verführen  Slnbere  bura) 
ärgerlia)e  Sieben  unb  33eifpiele  unb  laffen  fta)  von  Slnbern, 
tie  e$  ijmen  in  ber  33o$fjeit  $uvor  tlmn,  immer  weiter  ver* 
leite«»    Sie  bei  ben  grommen,  bura)  ben  £rieb  be$  fieilt* 


135 


gen  ©eifteS,  eine  petlige  23egierbe  ber  anbern,  ein  ©eufjer 
bem  anbern,  ein  £ob  ©otteä  bem  anbern  unb  eine  £ugenb 
ber  anbern  folgt ,  fo  baß  fte  erfüllt  werben  mit  allerlei 
©otteS*gülle,  mit  grüßten  ber  ©ercdjttgfeü, 
unb  reia)  an  guten  Sßerfen;  ebenfo  wäa)St  bei  ben 
©ottlofen,  bura)  bie  Sirfitng  be£  ©atanS,  eine  ©ünbe  au$ 
ber  anbern,  eS  folgt  eine  böfe  £ujt  ber  anbern ,  ein  §Tuü)  bem 
anbern,  eine  IBoöpett  ber  anbern,  hi$  fte  mit  allerlei  grüa> 
ten  ber  Ungerea)ttgfett  erfüllt,  ein  ©reuel  vor  ©Ott  unb 
feinen  peiligen  Engeln  werben.  —  @$  gibt  fogenannte  2öu* 
djerblumen,  welche  fia)  überaus  fcpnetl  verbreiten,  unb  wenn 
man  in  einem  3ap*  nur  einige  auf  bem  Bieter  fiepen  lägt, 
fo  vermepren  fie  jta)  fo  ungemein,  baß  fte  gar  balb  baS 
ganje  gelb  einnehmen  unb  alle  ©aat  erjHtfen.  —  ©o 
t>erpält  e$  fta)  aua)  mit  ber  ©ünbe ;  wenn  biefelbe  in 
bem  menfa)fia)en  bergen  gehegt  wirb,  fo  ift  in  wenigen 
3abren  ba$  £er$  fo  serwübert,  baß  man  fta)  Wun* 
bem  muß,  wie  ber  9ttenfa)  in  fuqer  3«t  fo  gottlob  wer«* 
ben  fann,  £)avon  fpria)t  bie  peilige  ©a)rift  in  mehreren 
33eifrnelen ;  namentlia)  fagt  £)avib :  „2öopf  bem,  b ei- 
nigt wanbelt  im  Sftatp  ber  ©ottlofen,  noa)  tritt 
auf  benSßeg  ber  ©ünber,  noa)  ft#t,  ba  bie  ©pöt* 
ter  ftf  en!"  —  3nerji  wirb  ber  5!)?enfa)  verleitet,  mit  hm 
©ottlofen  9?atp  31t  palten,  an  iprer  33o3pett  £uft  31t  paben 
unb  mit  ipnen  bavon  jtt  reben;  naa)per  bringen  fte  ipn  fo 
weit,  baß  er  mit  ipnen  auf  einem  Sßege  wanbelt,  baß  er 
©emeinfa)aft  mit  ipnen  pat,  unb  2llle$  mitmadjt,  wa$  fte 
53dfeö  treiben  unb  tpun.  Gmbfta)  fe§t  er  fta)  mit  ipnen  auf 
ben  ©tupl  ber  ©pötter,  unb  wirb  fo  gefa)itft  in  ber 
93oSpeit,  baß  er  öffentlich  mit  ©otteS  2® ort  ©pott  txtiU 
unb  fta)  bemüpt,  ba$  gottlofe  SSefen  ausbreiten.  —  ©0  pat 
ba$  £eiligtpum  unb  ber  Fimmel  feine  ©tufen,  bura)  wela)e 
man  pinaufftetgt,  unb  bie  £blle  aua),  bura)  wela)e  man 
pinabfteigt.  SQSie  bie  ©laubigen  in  ber  ©ottfeligfeit  ftufen* 
weife  $unepmen,  fo  aua)  bie  Ungläubigen  in  ber  23oSpett, 
9flan  folfte  nia)t  meinen ,  baß  e$  $tenfa)en  gebe,  bie  fia) 
rea)t  eigentlia)  bemüpen,  tn  ber  ©ottloftgf eit  fo  au$unepmen, 


136 


tag  fte  a(le$  2lnbenfen  an  ©ott  unb  gottlta)e  Dinge  au$  tyxem 
£er$en  vertilgen.  6te  fdnnett  ben  SStberfvrua)  tljreS  ©e^ 
wiffenä  nia)t  ertragen  unb  fua)en  bajfelbe  ein$ufa)läfern ; 
ij>re  (Seele  aber  Wolfen  fte  bamit  aufrieben  fkllen,  tag  fte 
gar  ma)t$  tne£r  glauben«  5Dtefe  fint>  mit  $ea)t  bie  ^rften 
in  ber  (Sa)ule  be$  £eufel$,  unb  fönnen  aU  2lnfüf>rer  unter 
ben  ©pottern  ftgen,  um  Slnbere  gu  verführen.  SBüfcg  mt* 
fegt  fta)  barüber  ein  a)rtftlia)e$  £>er3,  unb  wunbert  fta),  bag 
ber  @atan  bie  menfa)lta)e  <Seele  fo  mit  bringen  fann,  bafj 
fte  nia)t£  me£r  von  ©ott  Riffen,  ma)tg  von  3£w  poren  unb 
nia)t  me£r  an  3£n  benfen  will,  Sttan  jfount  barüber,  ba%  ber 
9ttenfa)  fein  natürüa)e$  ?ia)t  gan$  auSlöfa)en  unb  ein  Unmenfa), 
ein  wahrer  Teufel  werben  will.  —  2la)  §err,  mein  ©Ott!  ijt 
e$  ein  SGßunber,  ba§  eä  bta)  gereuet,  baß  jDu  $?en* 
fa)en  gemalt  l?ap?  (£in  SSunber  ijt  e$,  baß  Du  folgen 
23errua)ten  fo  lange  3ufef>en  fannjt!  2la)  errette  balb  beine 
$ira)e  von  fola)en  ©reuein  unb  Teufeln!  2la)  eile!  $la) 
fomm,  £err  3efu!  —  9ttofe£  vergleia)t  einen  fola)en  böfen 
5Wenfa)en  mit  einem  £runfenbolb,  ber  auf  allerlei  bittet 
ftnnt,  um  feinen  Dürft  noa)  $u  vermehren,  bte  er  enblia)  ganj 
toll  wirb,  ©o  ijt  e$  aua)  wtrilitt)  bei  ben  ©ottlofen,  fte  ge£en 
von  einer  IBo^^ett  $ur  anbern,  fte  lefen  unb  £ören  gerne  fola)e 
Dinge,  bie  fte  in  tj)rem  gottlofen  2öajm  bewarfen,  fte  paben 
gerne  fola)e  ©efellfa)after,  bie  mit  ifmen  gleiten  (Sinnes  ftnbr 
jinben  iljre  ?ufi  an  fa)limmen  Sieben,  unb  nehmen  begierig 
an,  roa$  ijjrem  ©ewiffen  in  ber  £3o$peit  SRupe  verfa)afft. 
Dtefe  jtnb  e$,  von  benen  £iob  bezeugt,  baß  fte  $u  ©Ott 
fagen:  „£ebe  Dia)  von  un$,  wir  wollen  von  bei* 
nen  Söegen  nta)t$  wiffen!  2Öer  ij*  ber  $Wmäa> 
tige,  baß  wir3£m  bienen  follen?  £>ber  voa$  nügt 
e$  un$,  wenn  wir  3£n  anrufen  ?"  „©ott  ifl  nta)t#, 
unb  e£  ifi  fein  ©Ott,  ober  wenn  eä  bitten  gibt,  fo  aa)tet 
er  boa)  nia)t  auf  bie  9ttenfa)en,  unb  e$  nü£t  nia)t$,  wenn 
man  aua)  gleia)  be$  ©otteöbtenfteä  Vflegt;  -—  bie  Religion 
tf*  barum  erbaa)t  worben,  ba§  man  unverßänbige  £eute  ba* 
mit  im  ©eporfam  erpalte."  —  Dieß  ifl  wojrt  t>k  j?oa)j*e 
«Stufe  ber  <5ünbe,  unb  wenn  e$  einmal  fo  mit  mit  bera 


137 


9ftenf$cn  gefommen  ift,  fo  ift  ber  $öunfa)  unt>  ba$  95er* 
langen  be$  ©atanS  erfüllt.  ©Ott  bewahre  uns  vor  einem  folgen 
3ujtonb  um  be$  £errn  %tfu  nutten!  —  —  S3on  bem 
28aa)3tl)um  bev  ©ünbe  banbelt  awt>  ber  Sludfpruc^  be£ 
(ürrlöferä:  „31  u$  bem  £ergen  fommen  arge  ©eban* 
fen  2C.  jc."  £)ie  ©ünben  fangen  oft  wie  bie  ©lieber  einer 
Rette  aneinanber.  3uerft  geigen  fiel;  böfe  Neigungen  unb 
33egierben  im  fyxytok  £>ie  ©eele  ftnbet  ©efallen  baran, 
{mngt  benfelben  mit  £uft  naa)  unb  £egt  bie  ©<$  langend  ritt* 
23alb  folgt  baS  Verlangen  naa;  (Gelegenheit,  53öfe^  gu  tjmn, 
unb  bann  bie  fünblia)e  Zpat  felbft,  n>ela)e  ber  ©atan  fo 
gu  verfügen  weiß,  bagbaä  verleitete  £erg  eine  große  ©e£n* 
fua)t  naa)  ber  verbotenen  grua)t  befommt.  £>iefetf  Verlan* 
gen  nimmt  aber  bei  bem  ©enuf)  nia)t  ab,  fonbern  wäa)gt 
vielmehr,  weil  ba3  Verbotene  bura)  be£  ©atane  Sßirrung 
immer  füger  ijt,  aU  ba£,  wa$  erlaubt  ijt.  £>a!?er  fagt  ©a* 
lomo:  „2)ie  verhohlenen  SBaffer  ftnb  füge,  unb 
ba$  verborgene  23rob  ift  lieblia)."  2>ie  Xtyat  wirb 
mehrmals  wieberjjolt,  barauä  entfielt  eine  ©ewo£n£eit, 
bann  ein  SBebürfnig,  baß  ber  2D?enfa)  meint,  er  fönne  nia)t 
leben,  wenn  er  nia)t  naa)  feinem  fünblia)en  Sitten  jjanbelt* 
2)agu  fommt  bie  (£ntfa)ulbigung  unb  Bemäntelung  ber 
©ünbe,  am  <£nbe  noa)  bie  Sßertpeibigung  ber  23o$j>eit.  2)er 
3ttenfa)  fiettt  jta)  fromm  unb  gibt  fta)  ben  ©a)ein  ber  ©ott* 
feligfeit,  er  ge£t  in  bie  $ira)e,  beichtet,  genießt  ba$  ^eilige 
2lbenbma£l  ojme  ernfiltc^e  33uße,  unb  ofme  ten  fejkn  23or* 
fa$,  von  feinen  üieblinggfünben  abgulaffen.  3ule#t  geigt 
fia)  völlige  ©ia)er!?eit,  23eraa)tung  ©otteä,  unb  ein  rua)lo* 
fe$,  verfejjrteö  unb  verjtocto  £erg.  —  ^auluä  fagt  von 
ben  ©ottlofen,  ba$  fie  ©flaven  ber  ©ünbe  fepen, 
unb  baß  fie  tljre  ©lieber  gum  3)ien(te  ber  Unreif 
nigfeit  ^ergeben  unb  von  einer  ttngevea)tigfeit  gu  ber 
anbern  eilen.  (£in  £err  gewöhnt  feinen  $nea)t  immer 
me£r  naa)  feinem  ©inn  unb  Sitten  unb  pält  tyn  in  bejMn* 
biger  Arbeit;  ijt  bie  eine  vollbracht,  fo  ijt  fa)on  tvieber  eine 
anbere  ba ;  ebenfo  verhält  eS  fta)  mit  bem  2)ienjt  ber  ©ünbe. 
anfangs  fünbigt  ber  2Äenfa)  mit©a)aam  unb  5ura)t;  naa)* 


138 


$er  aber  gavojmt  t£n  ber  <&atan  gan$  naa)  fernem  Sitten,  baf? 
tym  t>te  Sttijfetljat  eine  waf>re  £uft  unb  greube  wirb*  (£r 
fa)reitet  von  einer  Söo^eit  $ur  anbern  unb  wirb  enbfia)  tin 
Stteijter  bann.  Sie  ©a)nft  nennt  folc^e  SWenf  d;en  Uebel* 
tf>äier,  tünfHer  in  ber  33oS£eit,  welä)e  mit  gleig  unb 
2fM£e,  bem  Teufel  $um  Dienfl,  ©Ott  $um  $erbrufi  unb  ty* 
rem  9Ma)ften  ^um  ©a)aben,  gleia)fam  ein  £anbwerf  auä  ber 
©iinbe  mad;en.  darauf  beutet  ojme  3weifel  ber  Slpoßel 
$>in,  wenn  er  fprid)t:  ber  gürfi  ber  ginjlermjj  i?abe  fein 
Sßerf  in  ben  tinbcrn  beg  Unglaubens  2)a£  £er$ 
ber  ©ottlofen  ift  bte  SÖerfftätte  be£  <&atan$,  er  if*  ber  9ttei* 
Per,  unb  bie  ©ottlofen  finb  feine  ©efetten.  ©ie  arbeiten 
fo  eifrig  an  ber  ©ünbe,  aU  Ratten  fte  einen  großen  ©e^ 
winn  bason  gu  erwarten»  —  2ln  einer  anbern  ©teile  nennt 
er  btefelben  @rfinber  t>on  fa)äblia)en  fingen,  unb 
©alomofagt;  „ein  loferSflenfa)  gräbt  naa)Unglücf." 
3>er  ©ottlofe  benft  bem33öfen  immer  weiter  naa)  unb  *>er* 
tieft  jta)  je  me£r  unb  meljir  in  ber  IBoSjjeit  Sag  unb 
fftaa)t  ge£en  fola)e  £eute  barauf  um,  SInbern  ©a)abert  p* 
3Ufügen,  finb  fdjlau  unb  wiffen  t|>re  9flaaßregeln  feljr  gut  $u 
nehmen»  ©ie  trauten  auf  ij?rem  £ager  naa)  ©a)aben,  unb 
fönnen  Weber  rajten  noa)  ruf>en,  hiö  fte  ipre  böfen  5Hane 
ausgeführt  Jjabem  —  ©ewöfwlia)  aber  ijt  e$  nia)t  (2Fine  ©ünbe, 
wela)er  ber  Sttenfa)  ergeben  ijt,  fonbern  e$  £ängt  gleia)fam 
eine  an  ber  anbern,  xt>k  Ui  ©imon  bem  3&uberer,  w.n 
wertem  ftixuö  fagte:  ,,3a)  fepe,  baf  bu  bift  »oll  btt* 
terer  ©alle  unb  serfnüpft  mit  Ungerea)tigfeit*" 
53ei  bemfelben  fanb  jta)  nämlia)  3a«berei,  £eua)elei,  £of= 
fart,  ©eij,  $*ifjgunft  unb  bergt  Der  ©atan  £atte  t$n 
bura)  bie  fange  ©ewofm^eit  fo  in  fein  9kg  serwidelt,  baß  er 
fta)  olme  ©otteS  befonbere  ©nabe  unb  traft  nia)t  mei?r  bat>on 
loSmaa)en  fonntc.  —  SOStr  wollen  bieg  bura)  einige  23eifpiele 
erklären.  Die  trüber  3ofepl)$  nahmen  t>on  einem  Heinen 
$or$ug,  wela)en  ber  SSater  tfjrem  trüber  gegeben  patte, 
SBeranlajfung,  tyn  $u  beneiben.  Darauf  entftonb  atlmctylig 
ein  groger  £aj?,  weswegen  jie  fein  freunblia)e$  Söort  meljr 
mit  itwt  fprea)en  fonnten ;  immer  fua)te  ifm  @iner  bem  Sin* 


139 


bern  r»erbd$tig  $u  ma$en,  nnbate  er  einige  £rdume  ^attc, 
vertrug  e£  fte,  baßnid;t  bloS  ber$ater,  fonbern  aua)  ©ott 
fetbfi  tl)m  einen  33oqug  $u  geben  fd;ien,  unb  fte  Ratten  gerne 
au$  -fteib  ben  9?atl)ftt)fu£  ©otteS  gcjjinbert,  wtewofrt  fie 
benfelben  naa)j?er  wtber  ijjren  SGSilten  beforbern  mußten. 
<S>te  fd)tndf?ten  i^ren  23ruber  unb  nannten  t^n  ben  £rdu* 
in  er,  bann  folgte  ber  fd)recflia)e  93orfa#,  tyn  tNt'1  £eben 
gu  bringen.  211$  Stuben  bte  2lusfüfmtng  verfütterte,  wur* 
ben  fte  üttenfdjenbiebe  unb  vertauften  tljn !  2)abur$  betro* 
gen  unb  betrübten  fte  i^ren  alten  2$ater,  preßten  tf>m  viele 
££rdnen  au$,  unb  ftellten  fta)  boa),  alt  Ratten  fte  fein  2Ö# 
fer  getrübt,  unb  wollten  t^n  fogar  troften,  Btföt,  wela)' 
eine  Ä'ctte  von  $3o3bett,  bte  ber  «Satan  pter  gefa)mtebet 
£at!  —  2tuf  gleidje  2£eife  ging  e$  aua)  mit  £)avib,  mit 
$etru$  unb  mehreren  $(nbern,  bereu  bte  ©ä)rift  erwähnt; 
immer  entfprang  eine  ©ünbe  m$  ber  anbern  unb  enbigte 
juleöt  mit  einem  fa;weren  ftatf.  —  ©ejjen  wir  auf  bie 
§8orfdlle  unferer  £age,  fo  ftnben  wir  ba$  9tdmlia)e  M  bem 
eingeriffenen  Safter  ber  £runfenj?eit,  Ui  bem  gtua)en, 
@$wören  jc.  jc.  £)ie  £runfenj>eit,  t>k  bti  jungen  unb 
Sitten  fo  gemein  ifl,  jjat  bura;  lange  ©ewofmljeit  gleidjfam 
ein  9?ea)t  befommen,  unb  man  pält  fte  entweber  für  feine 
©ünbe  mejjr,  ober  nur  für  eine  geringe,  wdljrenb  fte  einen 
6a)warm  von©ünben  naa)  ftd)  %k$t  unb  unter  bie£aupt* 
unb  £obfünben  ge$dl>lt  werben  fotlte.  £)iefelbe  treibt  bie 
0ura)t  ©otteg  unb  ben  ^eiligen  ©eift  aus  bem  £er$en,  er* 
jHtft  unb  erfduft  ben  ebten  ©amen  be$  2öort$  ©otte$,  läßt 
ben  9ttenfa)en  nidjt  me£r  jum  -iftadjbcnfen  fommen,  unb  palt 
ipn  in  befMnbiger  Betäubung,  baß  er  ftd)  nta)t  beftnnen  unb 
gu  fta)  felbjt  fagen  fann:  was  treibe  i§  boa)?  6ie 
verjnnbert  tyn  im  (Stbtt,  maa;t,  baj?  er  fyit,  ©elb  unb 
Gräfte  verfdjwenbet,  maa)t  ijm  rudtfoS,  wtlo,  frea),  verwe* 
gen,  lüftern,  un$üd)ttg.  ©ie  erregt  £aber,  3*nf,  ©treit, 
9ttorb  unb  £obtfa;lag,  unb  nimmt  ifjm  autelt  ade  ^tebe  ju 
ben  ©einigen  au$  bem  £eqen,  ba§  er  biefelben  nia)t  mepr 
verforgt,  fonbern  verfdumt,  unb  alfo  drger  wirb,  aU  tin 
£eibe,  —  £)a$  gtua)en  ijt  gleia)fal($  eine  fd?were  ©ünbe, 


140 


atö  welker  alles  mögfta)e  53öfc  entfvrtngt  (£3  ift  gerabe$u 
gegen  ba$  erjle  ($ebot  unb  fe£t  ben  ©atan  an  ®otte£ 
©teile;  benn  ber^ttenfa),  weiter  flu a)t,  überträgt  bie  3?aa)e, 
wefa)e  nur  ©Ott  anfleht,  bem  Teufel  unb  fest  biefen  $um 
9fta)ter  über  bie  2ttenfa)en.  Gr3  ift  ferner  gegen  unferen 
£auffrunb,  in  welo)em  nur  bem  Satan  xv.\o  allen  feinen 
SSerfen  unb  Sßefen  abgefaßt  fmben.  &$  maa)t  bie  3unge 
be£  9ttenfa)en  $u  einem  SSerf^eug  be$  £öllifa)en  geinte^ 
unb  einer  Sßelt  voll  Ungerea)tigfeit.  (£$  morbet  ben  5D?en* 
fa)en,  fo  viel  an  if?m  tft  —  mit  £etb  unb  ©eele;  e$  är* 
gert  enblia)  bie  3ugenb,  betrübt  ade  frommen  Q^riften,  bie 
^eiligen  @ngel  unb  hm  Zeitigen  ©eift.  — •  2lu$  biefem  er* 
jjetlt  nun  $ur  ©enüge,  t>a%  eine  ©ünbe  ber  anbern  Butter 
tft,  ba§  fetten  eine  allein  ift,  fonbern  immer -eine  ber  an« 
bem  ben  2öeg  bereitet  Qahti  aber  tft  noa)  ju  bebenfen, 
baß  bie  ©ünbe  nia)t  bloä  ber  3a£l  naa)  rntt  ber  3^tt  $u* 
nimmt,  fonbern  aua)  an  ©röfje  unb  ©tärfe.  3e  länger  ber 
9ttenfa)  t>k  ©ünbe  in  fta)  £errfa)en  lägt,  bejto  mächtiger 
wirb  ftc,  von  tyv  £eif?t  e$  mit  ^ea)t:  „3e  länger,  j[e 
fa)  timmer,"  23ie  eö  fta)  mit  einem  rauften  2ltfer  »erhält, 
fo  ifl  e$  aua)  mit  bem  fünbtia)en  bergen.  3nt  erften  3a£re 
ftnbet  man  auf  bemfetben  £ie  unb  ba  2)ijtetn  unb  dornen, 
im  folgenben  vermehrt  fia)  ba$  Unlraut  nid;t  nur,  fonbern  es 
wirb  aua)  größer  unb  ftärfer,  bi$  enblia)  eine  völlige  2öifb* 
ni§  barauS  entfielt  £emnaa)  fojtet  e$  weit  größere  2ftüf>e, 
einen  Slder,  ber  viele  3apre  lang  ganj  versilbert  war, 
wieber  ju  reinigen.  (£benfo  ift  e$  mit  ber  ©ünbe,  je  län* 
ger  ber  Sttenfa)  berfetben  ojme  Dteue  unb  ©a)aam  naa)£ängt, 
befto  meljr  be£errfa)t  fte  fein  £era,  befto  gefäj>rlia)er  ift  fein 
3uftanb.  (ürnblta)  entfielt  eine  @ewoj?ni?cü  barau$,  wela)e 
maa)t,  baf?  er  bie  ©ünbe  nia)t  me£r  aa)tet  unb  nia)t  me£r 
für  ©ünbe  {»alt.  £)a£er  fagt  3eremia^:  „$ann  aua)  ein 
9ttol>r  feine  £aut  änbern,  unb  ein  sJ3arber  feine 
gletfen?"  ßrbenfowenig  fönnt  i£r  ©ute$  t£un, 
ba  ifyx  be$  23öfen  gewohnt  fe^b,"  £>ieß  ftnb  t>it 
ftoljen  unb  ftarfen  ©ünben,  von  benen  tk  ©a)rift  re* 
bet,  weta)e  bura)  lange  ©ewolm^eit  in  grea)£  eit,  6ia)er£ett 


141 


unb  SBerfiocfung  ausarten ;  unb  cm  c^rtfiltc^eö  £er$  pat  alle 
Urfadje,  ©Ott  $u  bitten,  bag  (£r  e$  vor  benfelben  in  ©naben 
bewahren  trotte.  —  1)  Waty  tiefem  follmmSeber  eine  *prü« 
fung  mit  ftd)  anketten,  um  genau  $u  erforfdjen,  in  welchem 
3uftanbe  er  ft$  beftnbe.  (£$  lägt  ftd)  pter  nidjt  fc$er$en, 
eä  ijt  audj  umfonft,  bag  man  ftdj  felbft  Ijeudjle  unb  feine 
©ünben  entfc^ulbige;  t>enn  ®otte$  ©eridjt  unterfucfjt  ben 
tnnerften  ©runb  be$  £er$en$  unb  vor  (Beinen  2lugen  tft 
2Ille$  aufgebeeft.  $rüfe  bic$  alfo  W#$>  o  @£rift,  ob  bu 
^teUetc^t  eine  £ieblütgäfünbe  £aft,  von  ber  bu  glaubft,  jte 
fyabt  nityt  viel  $u  bebeuten.  &$  £aben  $war  audj>  bie 
frommen  6eelen  meiftenö  ipre  eigene  ©ünbe,  welche  ijmen 
befonberS  auflebt  unb  von  welcher  fte  nid>t  fo  balb  ganj 
befreit  werben  tonnen.  Dfme  3weifel  beutet  2)avtb  barauf 
inn,  wenn  er  fagt:  „3$  £ü*e  mi$  »or  meiner 
©ünbe."  (£r  war  vorftd?tig  in  feinem  SSanbel,  unb  fyatte 
ba$  ©efe#  fetneö  ©otte$  ftetS  vor  Slugen;  bod?  fanb  er  bü 
Unterfudmng  feinet  £eben$  einige  geiler,  gu  welchen  feine 
9?atur  befonberS  geneigt  war,  barum  nennet  er  fte  feine 
<Sünbe.  203 eil  er  aber  biefelbe  erfannte,  ft$  i£r  wiberfe£te, 
unb  feinen  ©Ott  um  Vergebung  anrief,  würbe  fte  i£m  um 
be$  fünftigen  ©ünbentilgevS  willen  ntcfyt  zugerechnet.  — 
S3on  foldjjer  ©ünbe  aber  reben  wir  biegmal  nidjt,  fonbern 
von  folgen  böfen  ©ewojnt^eifcen ,  über  welche  ber  Süttenfcfy 
fo  gerne  weggebt,  t>k  er  ni$t  mejjr  achtet,  unter  bem  <5djein, 
aU  Ratten  fte  nichts  $u  bebeuten.  @x  gerett^  3.  33.  o£ne 
befonbere  Urfactye  plö$lidj  in  3o*n,  ereifert  ftdj  unfertig, 
flucht,  ijt  bem  £runf  ergeben,  fdjeqt  leicfytftnnig  unb  liebt 
unnüge  ©efcf)Wä£e  :c.  :c.  6olc$e  ©ünben  werben  von 
ben  Sßenigjkn  na$  iljrem  SSßert^  erfannt,  viel  weniger 
bereut  unb  bd  ©Ott  abgebeten.  2)enn  ber  2ttenf$ 
fprid[)t  ftd)  felbft  bavon  frei,  unb  weil  fte  in  feinen  klugen 
gering  ftnb,  fo  muffen  fte  in  ben  Slugen  ©otte$  auety  gering 
fepn.  £ag  bia)  aber  bavon  rec^t  unterrichten,  unb  benfe 
ber  <5ad)c  in  ber  gurd>t  ©otteä  fleigig  naefj,  fo  wirft  bu 
ofme  3 rt> etfel  anbern  ©inne$  werben.  3n  6adjen, 
weld;e  bie  (Seligfeit   ober  bie  33erbammnig  betreffen,  foll 


142 


man  nü$t$  gering  aalten;  fyut  man  fa  tteß  auc^  m  bem, 
wa$  ben  i*eib  angebt.  —  2öer  Witt  fta)  entfetteten,  mit 
SBiffen  unb  Sitten  aua)  nur  ein  wenig  ®ift  $u  nennen? 
SSenn  eine  SERütfe  itf$  ©etränf  fdUt,  fo  etfelt  e$  9ttana)em 
bavor,  unb  er  Witt  eS  nia)t  trinfen,  ©ottten  mir  benn  für 
imfere  ©eele  weniger  forgen,  äl$  für  ben  £eifc?  —  £>te 
©ünbe  £at  einen  gan$  Keinen  Anfang ;  aber  t£r  @:nbe  tft 
fa;re(Kia),  —  Senn  bu  3,  ©,  verwunbet  wirft,  fo  iji  e$ 
guerft  eine  gan$  feine  ©ptge,  welche  beine  £aut  burdjbojjrt 
unb  bem  größeren  £l?ei(  be$  £>egen$  2kjm  maa)t,  GEbenfo 
3te!?t  fta)  ba$  2öaffer  anfangt  bura)  eine  Keine  $iöe  tn  ba$ 
©a)iff,  boa)  wenn  biefelbe  nia)t  »erftopft  wirb,  fo  tfi  fte 
ßarf  genug,  ba$  ©a)iff  ju  verfenfen,  —  £)ie  ©a)rift  ver* 
gleicht  bie  ©ünbe  mit  ©tritfen  unb  ©eilen»  (£$  tji 
aber  befannt,  baf  biefelben  nta)t  fo  groß  unb  bicf  au$  ber 
<£rbe  waa)fen ,  fonbern  aug  Keinen  unb  fa)waa)en  gäben 
$ebre£t  werben,  viele  gufammen  aber  geben  enblia)  ein 
ftarfe^  ©eil*  ©o  verhält  e$  fta)  mit  ber  ©ünbe;  »tele  Keine 
©ünben  maa)en  einen  großen  ©trief,  womit  ber  ©ünber  an 
£änben  unb  güßen  gebunben  m'$  ljötttfa)e  Jeuer  geworfen 
wirb,  —  2Sa£  tffc  feiner,  aB  ber  gaben  einer  ©pmne? 
3eboa),  wenn  fte  eine  fliege  tn  iljrem  <3twhz  er£afa)t, 
fann  fte  biefelbe  fo  barein  verwirfein,  baß  fte  fta)  nia)t  mejjr 
bewegen  fann,  5luf  gleiche  SSeife  »erfährt  ber  ©atan  mit 
ben  2D?enfa)en,  dv  ftettt  tbnen  bie  ©ünben  Kein  vor  Hugen 
unb  verbfenbet  fte,  baß  fte  t^re  ©ia)erf>eit  nia)t  bemerfen; 
nnb  9ttana)er  wirb,  ojme  baran  $u  benfen,  in  beö  ©atanS 
yitfyt  fo  verwief  ett,  baß  er  nur  bura)  ®otteS  gnäbige  £anb 
barauä  befreit  werben  fann, 

(£benfo  tjt,  xait  wir  oben  bemerften,  nta)t  aus  ber2la)t 
$u  taffen,  baß  feine  ©ünbe  attein  tjt,  feine  attein  MäU, 
wenn  man  nia)t  barauf  aa)tet,  2)aS  Unfraut  gebt  anfangt 
Kein  unb  eingeht  auf,  wenn  e$  aber  einige  28oa)en  S^t 
fyat,  fo  hxcitet  e$  fta)  aus,  unb  nimmt  fo  $u,  baß  e3  hk 
guten  ^fl'an^ert  erftieft  unb  verberbt,  2)ie  Keinen  £)iebe  fa)Iüpfen 
öftere  bura)  eine  Keine  £>effnung  in  ba$.  £au£,  fte  maa)en 
aber  ben  großen  bie  £{mre  auf;  ^k  Keinen  ©ünben  bereiten 


143 


ben  größeren  ben  2Beg.  SBer  gegen  feine  Cieblmg^fftnbett^ 
bie  er  für  gering  palt,  naa)fta)tig  tji,  ber  $at  oft  fiebeu 
©reuet,  ja  fieben  £eufet  im  ^er^cn,  opne  ba§  er 
e$  glaubt  (ürben  baä  maa)t  bie  Heine  ©ünbe  groß,  weil 
fte  nia)t  geartet,  nia)t  bereut,  fonbern  geliebt  unb  entfa)utbigt 
wirb»  Darum  fagt  ber  peitige  (SpripfoßomuS  fepr  fa)ön; 
„Watt  pat  fta)  nia)t  mit  fo  großem  gleiß  sor  ben  großen 
©ünben  ju  püten,  alä  sor  ben  f leinen;  benn  jene  frprecfen 
un$  bura)  tpre  2tbfa)eulta)f  eit  fetbß  db  ,  biefe  aber  macpett 
un$  nacptäßig,  weil  fte  gering  in  unfern  Stugen  fcpemen. 
2Btr  wiberfegen  un$  benfelben  nia)t  mit  bem  gehörigen  (£rnf*, 
unb  weil  wir  fte  x>eraa)ten,  bemüpen  wir  uns  aua)  nia)t, 
tl?rer  lo$  $u  werben/'  —  ßrnblia)  muffen  wir  aber  aua)  be* 
benfen,  baß  feine  ©ünbe  an  unb  für  fta)  unb  t>or  ©ott  flein 
tftr  wie  gering  fte  aua)  bem  fta)ern  menfa)lia)en  £er$en  bünfen 
mag*  3^ar  ftnb  nia)t  alle  ©ünben  gteia),  boa)  ift  feine  fo 
gering,  wela)e  nia)t  ben  $etttia)en  unb  ewigen  Stob  naa)  fta) 
3tept,  wenn  ©Ott  naa)  feiner  ©erea)tigfeit  richten  will.  SBie 
fotlte  ba$  für  eine  a)rijtlia)e  ©eele  gering  unb  flein  fepn, 
wa$  bem  peiligen  Stilen  be$  großen  ©otteS  entgegen  ift?  — 
5llle  ©ünbe  tfl  unrea)t  unb  wiber  ©otteö  ©efe$,  unb 
$iept  alfo  ben  glua)  be$  ©efe$c$  nad)  fta).  £)aß  aber  einige 
©ünben  für  unfcpäbtia)  erffärt  werben,  ba$  fommt  nia)t  »on 
ber  33etraa)tung  iprer  9tatur,  ober  son  iprer  ©röße  unt> 
©eringfügigfeit  per,  fonbern  man  fann  bieg  in  53e$iepung 
auf  bie  $erfon  fagen ,  wela)e  fota)e  gepler  an  fta)  pat. 
2)ie  SGßiebergebornen  paben  ndmlia)  aua)  noa)  ipre  gepler 
unb  Mängel,  wela)e  ipnen  aber  nia)t  $ugerea)net  werben, 
unb  alfo  unfa)äblid)  ftnb,  weil  fte  bura)  ben  Qdlauhm  mit 
(Eprifto  vereinigt  in  fteter  IBuße  leben  unb  bie  ©ünbe  in  fta) 
nia)t  perrfa)en  laffen,  tok  $5autug  fagt:  ,,©o  iß  nun 
nta)t$  J33erbammlia)e£  an  benen,  bie  in  ßprtjto 
3efu  finb,  wetcpe  ntcpt  naa)  bem  gteifcpe,  fonbern 
naa)  bem  ©elfte  leben/'  3pre  ©ünben  ftnb  $war  ser* 
bammlia),  ober  ber  Söerbammniß  wopt  wertp,  fle  werben 
tpnen  aber  um  be£  £errn  3efu  willen,  bem  fte  im  ©lauben 
anhängen  unb  im  $cbm  nachzufolgen  (heben,  nia)t  $uge* 


144 


rea)net  2)ieg  lägt  jto)  buro)  ein  ©letc^uif  erffären.  —  23on 
bem  2tyoftef  ^autuS  wirb  befanntfia)  er^tt,  bag  tljm  auf 
ber  3nfet  Blattei  eine  Otter  an  bie  #anb  gefahren  fe^,  ba 
er  eben  Reifer  fammeln  unb  tn'6  geuer  werfen  wollte.  <£r 
blieb  uubefa)äbigt,  obgteia)  alle  Umfte^enben  glaubten,  er 
werbe  tobt  nieberfatten.  2)a$  Xtyiex  war  giftig  unb  fä)äbftä); 
aber  eö  fonnte  bem  2lpojtet  nia)t$  angaben,  weit  ba$  $eben 
unb  bie  $raft  3efu  in  tf>m  war.  —  60  ftnb  aua)  bie  ©ünben 
unb  genfer  ber  ©laubigen  an  unb  für  ftä)  fa)äbfiä)  unb 
\>erbammtia) ,  boa)  nia)t  ijmen,  um  tjjrer  ^Bereinigung  mit 
(££rifto  willen.  2Ber  aber  auger  d^rtfto  unb  auger  bem 
©tanbe  ber  ©nabe  tfif  ■  ber  barf  jta)  nta)t  barauf  berufen. 
Sluger  (Eljrijto  ftnb  alle  biefenigen,  weta)e  noa)  greube  an 
trgenb  einer  ©ünbe  fjaben  unb  fte  mit  £ufi  »ollbringen.  — 
3a)  fage  abfta)ttia)  an  (£  in  er  ©ünbe;  benn  gefegt  aua;,  ein 
SDtenfa)  wäre  fromm,  ginge  fleigig  $ur  $ira)e,  aur  23eid)te 
unb  $um  ^eiligen  Sibenbmaljt  unb  füjjrte  einen  ehrbaren, 
unjrräftia)en  SÖSanbel;  er  würbe  ftä)  aber  einer  einzigen 
©ünbe  fa)utbtg  maä)en,  biefelbe  ma)t  bereuen,  fonbern  barin 
fortfahren  bi$  an'S  (£nbe,  fo  reia)t  biefe  allein  fyn,  um  ifyn 
in  ber  ©ewatt  be$  ©atanS  $u  erhalten  unb  in  ba$  ewige 
Sßerberben  $u  frühen.  (£ine  jjerrfa)enbe  ©ünbe  fann  mit 
bem  ©tauben  nia)t  befielen;  auger  bem  ©tauben  aber  tji 
nia)t$  al$  £öt(e  unb  SBerbammnig.  £ier  £ilft  fein  äugerer 
©otteäbienft,  fein  23eten,  fein  23eia)ten;  fo  lange  noa)  eine 
£tebttnggfünbe  im  £eqen  jjerrfdjt,  iß  bajfelbe  an  ©reuet 
vor  ©ott  unb  maa)t  atle$  Slnbere  $um  ©reuet.  ©ofä)e 
5Q?enfa)en  gteia)en  einem  $ogef,  wefa)en  $tnber  gefangen 
unb  tynx  einen  gaben  an  ben  gug  gemacht  paben.  (£r  flattert 
swar  unb  möchte  (ta)  gerne  loa  maa)en,  er  fann  aber  mä)t, 
fonbern  wirb  immer  wieber  nieberge^ogen  unb  bleibt  feiner 
Slnffrengung  oI?ngeaa)tet  immer  in  ben  Rauben  ber  ßtnber.  — 
2la)ab,  ber  gotttofe^önig,  war  an  feinem  ganzen  ?etbe  bewaffnet, 
bod)  war  eö  $u  feinem  £obe  genug,  bag  ber  $feit  nur  eine 
bfoge  ©teile  $wifa)en  feinem  $an$er  fanb  unb  babura)  in 
feinen  $eib  brang.  (£in  ©corpton  ffta)t  ben  3Äenfa)en  Mo3 
an  (£iner  ©teile;  aber  t>a$  ©tft  bringt  batb  in  ben  ganzen 


145 


Körper.  <Bo  gept  e3  aua)  mit  einer  einigen,  unbereuten 
(Sünbe.  —  2)iefe  33epauptung  fommt  aber  nicpt  blo$  von 
SSttenfdjen  per,  fonbern  Beruht  ausbrücfTia)  aufbeutlta)en2IuS= 
fprücpen  ber  fettigen  ©a)rift.  Unfer  £etlanb  fajt:  ber  3orn 
allein  ober  ba3  fetnbfelige  #er$  gegen  bcn  9Ma)ften  fcp  pin* 
retajenb,  um  unfer  Opfer,  unb  unfern  ganzen  ©otte^bienji 
verwerflich  $u  machen,  unb  uns  in  bie  #ölle  ju  jiürjen. 
3afobuS  fpricpt:  ,,©o  fiep  3etnanb  (äffet  bünfen, 
er  biene©ott,  unb  peilt  fetne3unge  nt^t  im  3«um, 
fonbern  verführet  fein  $ptv%,  beffen  ©otte^bienft 
ifi  eitel,  gerner:  <So  3emanb  ba£  ganje  ©efeö 
palt,  unb  fünbigt  anginem,  ber  ift  e3  gan$  fcpul* 
big/'  —  -—  2)arau$  erpellt,  bajr  wir  in  unferem  @pri* 
ftentpum  nicpt  fa)läfrig  unb  jtcper  fcpn  bürfen,  fonbern 
unfere  28 ege  fleißig  betrachten  unb  2llleö  genau  unterfud;en 
f  ollen,  bamit  e3  un£  nicpt  gepe,  wie  bem  33ifcpof  ju  £ao* 
bicea,  ber  ba  fagte:  ,,3a)  bin  reia),  unb  pabe  gar 
fatt,  unb  bebarf  nia)t$;"  ba  er  boct)  vor©ott  eleu}), 
jämmerlicp,  arm,  blinb  unb  bto3  war.  Raffet  un$ 
©Ott  bitten,  baß  er  unä  bie  ©nabe  verleibe,  unfere  unerkannten 
©ünben  unb  unfere  verborgenen  geiler  31t  erfennen  unb  fie 
in  ber  traft  3^fu  $u  überwtnben.  Söffet  uns  ben  feften 
$orfa£  faffen ,  unfere  £iebfing3fünben  unter  bem  33eiftanb 
be6  peiligen  ©eijleä  abzulegen  unb  Weber  im  (Großen 
noa)  im  kleinen  bem  Zeitigen  bitten  ©otte£  ^uwiber  j_u 
leben.  &$  fojk,  waö  c$  Wolle,  es  fep  bem  fmtbltcpen  gleifa) 
lieb  ober  leib,  bie  SÖelt  fepe  füg  ober  fauer  ba^u,  e£  mug 
fa)lea)terbing3  peigen:  2öeia)et  von  mir,  tpr  23o3paften,  ia) 
Will  palten  bie  ©ebote  meinet  ©otteg.  (£$  barf  leine  einzige 
6ünbe  in  unferer  ©eele  perrfa)en;  fonbern  3efu^  allein, 
mit  feiner  ©nabe  unb  feinem  ©eifte,  foll  in  und  leben  unb 
regieren.  —  Dabei  ift  ^u  erinnern,  baß  e$  unö  nia)t  befremben, 
viel  weniger  vertagt  macpen  barf,  wenn  wir  tk  ©ünben 
nicpt  fogleia)  gang  überwtnben  fönnen.  £>enn  ber  Sieg  bee* 
(£prijten  befkpt  im  ©lau6en  m\b  im  Kampfe  bes  ©laubenä ; 
bie  Sünbe  wirb  überwunben,  aber  jte  fann  nie  gan$  anfc 
gerottet  werben;  fte  wirb  vou&ag  311  £ag  mepr  gefa)wäa)t 


146 


unb  tpr  fletö  ber  neue  peiltge  SBorfafc  unb  bte  ßraft  3efu 
Ctyrißi  entgegengefefct.  SBenn  auä)  bie  ©ünbe  ftä)  no# 
m anomal  in  ben  ©laubigen  regt,  unb  fte  übereilt,  fo  pat 
fte  boa)  bie  £errfa)aft  ma)t,  weif  fte  fa)nett  erfannt,  bereut, 
beweint  unb  Ui  ©Ott  abgebeten  wirb*  ©o  lange  ber  ^enfä 
bie  ©ünbe  für  6ünbe  palt  unb  biefelbe  tpm  fo  wia)tig  ift, 
bag  er  fte  feinem  ©Ott  mit  ordnen  flagt,  um  ©nabe  unb 
um  ben  23etftanb  beS  peiligen  ©eifteS  hitttt,  fo  lange  tji  er 
in  einem  guten  3uf*anb,  unb  feine  33efferung  wirb  opne 
3weifel  Ui  einer  folgen  Uebung  täglia)  warfen.  —  £ut£er 
f  treibt  barüber  fepr  treffenb:  „£>ieg  £  eben  iß  nia)t  grbm* 
migfeit,  fonbern  ein  grommwerben,  niä)t  eine  ©e* 
funbpett,  fonbern  ein  ©ef  unb  werben,  nia)t  eine*ftupe, 
fonbern  eine  Uebung,  wir  finb  eS  noa)  nia)t,  wir  wer* 
ben  eS  aber;  eS  tft  noa)  nia)t  getpan  unb  gefa)el>en, 
eS  tj!  aber  im  ©ang/'  gerner:  „£>aS  iß  bie  reia)e  ©nabe 
$eS  neuen  £ejhmentS,  unb  eine  übergütige  33armpersigfeit 
beS  pimmlifa)en  Katers,  bafü  wir  bura)  bte  £aufe  unb  25uge 
anfangen,  fromm  unb  rein  $u  »erben;  bie  ©ünben  aber,  bie 
noa)  in  uns  ftnb,  bie  ausgetrieben  werben  muffen,  pält  er 
un$  §u  gut,  um  ber  angefangenen  gromraigf  eit,  ber  bejMn* 
bigen  Uebung  unb  beS  fortwäprenben  Kampfes  Witten,  unb 
Witt  uns  biefelben  nia)t  $urea)nen,  wie  er  wopl  oon  !fteä)tS* 
wegen  fönnte*  £amit  wir  aber  ttottfommen  rein  werben, 
barum  fyat  er  uns  einen  23ifa)of  gegeben,  (£prifhtm,  ber 
opne  8ünbe  ift,  unb  biefer  fott  für  unS  fiepen,  fo  lange, 
bis  wir  aua)  3pm  gleia),  ganj  rein  werben." 

T)  können  wir  auS  ber,  £el?re  »on  bem  2öaä)Stfmm  ber 
<Sünbe lernen,  baf  es  überaus  gefäprlia)  unb  pöa)f* 
fa)äblia)  fep,  feine  S3efeprung  in  bie  Sänge  $u 
fiepen,  öon  einem  £ag  $um  anbern  ju  $erfa)ie* 
ben,  unb  in  wiffentlta)en  ©ünben  $u  serparren. 
—  ©in  berühmter  £e£rer  beS  Mittelalters  pflegte  $u  fagen: 
CrineS  fonne  er  nia)t  serftepen,  noa)  begreifen:  wie  ein 
SDcenfa),  ber  in  einer  £obfünbe  auger  bem  ©nabenfkmb 
lebe,  laa)en  ober  noa)  eine  greube  inberSßelt  paben  fönne? 
2>iefer  gute  Sföann  |>at  fta)  wopl  nia)(  ojme  Urfaa)e  bar* 


147 


über  serwunbert,  weil  ein  foldjer  9ttenfd>  ftdj  in  ben  £än* 
ben  be$  @atan$  beftnbet ,  auger  ber  ©  emeinfdjaft  3efu  GtyrifH 
lebt  unb  lebenbig  in1 3  3?ei$  be$  XtufeU  gehört,  unb  nur 
bura;  bie  groge  ©üte  unb  £angmutb  ©otteö  btSper  r>or  ber 
£ölle  bewahrt  worben  tf*.  £)ag  ein  3ttenf$  ber  2lrt  lachen,  effen, 
trinfen,  fcplafen,  jta)er  unb  fröplta)  fe^n  fann,  ba$  ift  eine 
Söirfpg  beS  ©atan$,  ber  ifjn  serblenbet,  bag  er  bie  ©e* 
fapv  feiner  armen  ©eele  nicpt  fiept  ©Ott  erleua)te  folcpe 
Unglücflia)e,  unb  bewahre  un$  in  ©naben  sor  biefem 
3uftanb.  —  ©ollte  e$  aber  gefcbepen,  o  Cf ^rifl,  bag 
bu  burö)  hie  Skrfüjjrung  be$  £eufel£  in  eine  ©ünbe 
wtttigft,  fo  t>erjte^e  nidjt,  bitfy  $u  bem  £errn  $u  befepren, 
unb  fcpiebe  e$  nio)t  von  einem  £age  gum  anbern  auf,  33e* 
benfe,  bag  bu  in  hie  9le§e  be$  ©atanS  gefallen  U%  unb 
lag  il?m  nidjt  Seit,  btcf)  immer  mepr  ju  beffriefetu  3e  länger 
bu  in  ber  23ugferttgfeit  bapin  gepjt,  befto  mejjr  wirb  bte  ©ünbe 
tn  beinern  £er$en  überjjanb  nejjmen  unb  bie  guro)t  ©otteä 
jtc§  tterlieim  SÖenn  man  einigemal  über  einen  gepflügten 
unb  eingefäten  2lcfer  fäprt,  fo  fiept  man,  wopin  man  ge* 
fahren  ift;  gefa)iept  eö  aber  oft,  fo  wirb  enblicp  eingebajm* 
ter  2£eg  barauS*  £)o$  gewöpnlicp  bleibt  e$  ntept  babei; 
fonbern  wenn  ber  erjte  2Öeg  ausgefahren  unb  $u  tief  ge* 
werben  i%  fo  maa)t  man  nodj  anbere  baneben,  bi$  enbltd) 
ber  2lcfer  gan$  tterborben  x%  Grbenfo  gept  e$  audj  mit 
unferem  £er$en ;  e$  ijt  gefäprficf),  einmal  ^ufünbigen,  wenn 
aber  ber  ©atan  buvc§  wieberpolie  Uefcertretungen  Wlatyt 
befommt  über  unfer  £er$,  fo  wirb  eä  täglicf)  mein*  serpär* 
tet,  unb  gerätp  t)on  einer  23o$j)eit  in  bie  anbere.  2)er$Ber* 
jfonb  wirb  tä$lify  mepr  t^erftriftert,  ber  SBille  wfeprt,  bte 
böfen  53egierben  werben  geftärft/  bas  ©ewiffen  wirb  einge* 
fa)läfert  unb  ber  gan$e  Üflenfcp  entfernt  fia)  \e  mepr  unb 
mepr  von  (Sott.  2)enn  ber  Slpoftei  leprt,  wenn  ber  23er* 
jfonb  tterjtnjtert  fcp  unb  bie  331inbf)eit  unb  S3erpärtung  be3 
^erjenö  überpanb  genommen  pabe,  fo  werbe  ber  5ftenfcp  nid;t 
allein  $on  bem  göttlichen  £eben  enifrembet,  fonbern  er  werbe 
audj  rutt)lo^,  unempjrnblia)  unb  oerftoeft  Btin  ©ewiffen 
erinnere  ijm  niept  mepr,  ba$  er  gan$  böfe  fe^,  unb  allerlei 

10  * 


148 


<3ünben  mit  £uf*  begejje,  2)aljer  fagt  ber  £eilanb:  „£) er 
Teufel  nepme  ba$  203 ort  von  bem  £er$en,  ba# 
foldje^cenfdjen  ni$t  glauben  unb  feltg  werben." 
£)  me  eutfe£fia),  bag  e£  $cana)e  bajjin  fommen  laffen !  —  — 
gättt  ber  $?enfa)  in  eine  vorfä$tia)e  (Sünbe,  fo  muß  ber 
(Glaube,  welcher  in  bem  $uoerjta)tlid)en  Vertrauen  auf 
dfmftt  Skrbicnft  befte^t^  wetzen  unb  bie  Söereiniguna  mit 
CHmfto  muf  aufhören.  Denn  mutfjwiü'ige  ©ünben  rinnen 
mit  bem  (Glauben  fo  wenig  befteljen,  aU  baS  £ia)t  mit  ber 
gtnfterniß*  3lua)  ber  ^eilige  ©eift  wirb  babura)  betrübt 
unb  in  fofern  verloren,  aU  er  fia)  in  bem  innerlichen  3eugnif* 
von  ber  $tnbfa)aft  ©otteg  unb  anbern  grüßten  be$  ©lau* 
beng,  —  in  ber  $kbe  unb  gura)t  ©otfeg,  in  bem  <&tltt,  in 
bem  grieben  beg  ©ewiffeng  unb  ber  greubigfeit  be$  Sptx* 
^enS  nia)t  mef;r  fo  fräftig  geigt,  wie  früher.  £)oa)  Uäht 
baä  2Öort  unb  bte  ©nabe  ©otteg  noa)  M  bem  9)?enfdjen, 
nia)t  allein  innerlia)  im  ©ebäa)tm£,  fonbern  aua)  äuperlia), 
bura)  getreue  ©eelenljirten  vorgetragen,  wobura)  ber  Zeitige 
©etft  noa)  immer  fortarbeitet  unb  benfelben  gur  23uge  ruft. 
SBiberjrrebt  er  tiefer  SBirfrmg  nid)t,  fonbern  ge|)t  er  in 
jta),  errennt  unb  bereut  feine  <Sünbe,  fo  faf>rt  ber  beih'ge 
©eift  in  bem  angefangenen  SOSerfe  fort  unb  $ünbet  aßmä^ig 
ben  erfofa)enen  ©tauben  wieber  an.  ginbet  er  aber  feine 
greube  an  ber  begangenen  ©ünbe  unb  fa)eut  fi'a)  nia)t  bte* 
felbe  fortlegen,  fo  wirb  ber  noa)  übrige  ©aame  be3  gott* 
liefen  SöortS  vollenbS  erjfc'dt,  ber  ^eilige  ©eift  tritt  gurüd, 
bte  inneren  Anregungen  pören  auf  unb  ber  SDfenfa)  fällt  je 
länger  je  mejjr  au$  ber  ©nabe  ©otteö  in  bie  ^tefe  ber 
<5ünbe  unb  ©ia)erl)eit;  ober  wie  Q^rijmö  fagt:  fein  £er$ 
wirb  3U  einem  garten,  gebahnten  SSege,  unb  ber  Teufel 
nimmt  baöSBort  von  feinem  bergen.  2Mfo  nimmt  bie<Sünbe 
unb  ©ia)er£ett  Ui  bem  9Jcenfa)en  $u,  unb  bie  Ungnabe  unb 
ber  3om©otteS  aua),  wie55au(ug  lefjrt:  „2)u  aber  nach 
beinern  verfioeften  unb  unbugferttgen  bergen  — 
t)äufeft  bir  felbftben3om,  auf  beu£ag  be^3orn^ 
unb  ber  Offenbarung  be$  geredeten  ©ertöte 
©otte$."    £>a$  «Sünbenregtjrer  wirb  immer  größer,  unb 


149 


fctc  9?etf;mmg  fernerer,  wie  aud)  bie  33u§e  unb  33efejmmg. 

ÜDarum  eile  unb   rette  beine  Seele!     (£ile, 

bränge  uttb  treibe  bia)  fetbjt,  Ia6  betne  klugen 
ma)t  fa)lafen,  nocf»  beine  Hugentieber  f c^ tum* 
incru,  errette  bia)  wie  einlief?  »Ott  ber  £anb  be# 
Jägers,  unb  U)te  ein  $ogel  aus  ber  £>an1>  beö 
53cg cXfän öc rs»  feilte,  ba  bu  beö  Gerrit  Stimme 
pöre(t,  »erftotfe  b e t n ^) e r 3  nia)t;  fitere  ben£errn, 
weil  er  $u  finben  ift,  rufe  3£"  *»/  »eil  er  na^e 
ijh  ^tbue  ©utes,  weil  bit  noa)  3 ctt  jjaji."  ©tefje, 
j'e#t  noa)  wirb  bir  bte  ©nabe  angeboten,  jefct  noa)  flejt  bir 
bie  £tmmefätlmre  offen,  je£t  £afi  bu  noa)  3eit  unb  ütttttef, 
53uge  $u  tbun  imb  bia)  $u  ©Ott  gu  befepren.  SSirji  bu 
ba^  nia)t  erfennen,  unb  ^k  angebotene  ©nabe  nia)t  amtefc* 
men,  f 0  wiffe,  bag  eine  3eit  kommen  wirb,  ba  feine  3eit 
me£r  fei>n  unb  bie  ©nabent  jui  re  »erfa)loffen 
wirb.  £>er  barmherzige  unb/ langmütige  ©Ott,  ber  bir 
Je^t  bte  23erföjmung  anbieten  lägt,  ijt  nia)t  fa)ulbig,  btefjf 
allezeit  $u  n)un.  (£r  ljat  nirgenbö  »erf? eigen,  bir  bie  £)im* 
melätfmre  fo  lange  offen  ju  laffen,  hi$  bu  bia;  genug  in 
Sünben  gewägt,  bie  £u|t  ber  böf&n  SBett  jum  Ueberbrug 
genoffen  £aft  unt>  i£rer  nun  fatt  geworben  bift.  —  Sie 
tuele  33eifptele  hat  man,  t>a$  ben  tlnbugfertigen  tic 
früher  r>eraa)tete  ©elegenf>eit  $ur  33ugc  entgangen  ift,  unb 
bag  fie  ber  £ob  in  allen  tyren  ©ünben  übereilt  %at,  epe 
jte  baran  baa)ten?  Söer  gibt  bix  nun  bie  23erjta)erung,  bag 
bir  ma)t  auc^  baä  ©leia)e  wiberfajjren  werbe  ?  Spare 
alfo  beine  SBujje  nia)t  hU  itf$  SUter;  benn  wie  tvirft  bu 
bann  erft  Slugen  unb  £änbe  $u  ©ott  ergeben  unt)  3j?n  um 
©nabe  bitten  bürfen,  M  bu  beut  £ebenlang  nie  rea)t  an 
3^n  gcbad)t,  SeinSOBort  »eraa)tet  unb  ©eine  ©nabenmittel 
»erfpottet  £afi?  2)a  bu  ben  $ern  beineS  £ebenäbem  Teufel 
geopfert  |wft,  wie  wirft  bu  e$  wagen  bürfen,  bem  peiligen 
unb  geregten  ©ott  bie  hülfen  $u  bringen?  $at  bia)  benn 
©ott  ba$u  erfa)affen,  unb  'cein  Eebenlang  ernährt,  befa)ü§i 
unb  erhalten  ?  $at  dv  bia)  begwegen  fo  treuer  bura)  ba$ 
Sölut  Seines  SolmeS  erlöfet,  bag  bu  beine  bejte  Cefeen^ett 


150 


im  2)ienft  t>er  ©ünbe  gubrtngen,  unb  wenn  bu  $u  nia)t$ 

me£r  taugft,  bia)  3!?m  Eingeben  follft?  £but  Er  bir  Un* 

rea)t,  wenn  Er  bia)  in  beiner  ©ia)erpeit  ba£in  gefjen  lägt?  — 

3$  will  ^war  Öerne  SuÖe^en/  *><$  kie  ©nabe  unb  33arm* 

Ijersigfeit  ©otteS  fo  grog  ift,  ba£  Er  t>te  aufrichtige  Sinnet 

änberung  ber  Sllten  gnäbtg  anfielt;  boa)  ift  fein  3weifel, 

ba#  bte  35uge  berer,  t)k  in  ©ünben  alt  geworben  fmb,  fef>r 

fa)wer  werbe.    2)enn  weil  Ui  ijmen  au$  ber  23o^ett  eine 

©ewo|ml?eit  geworben  ift,    weil  eS  iljnen  an  ber  nötigen 

23efanntfa)aft  mit  ©otteS  Söort  feljlt,  weil  fte  nie  recht  gelernt 

ijaben,  ibre  <5ünben,   fta)  felbjt  unb  t|»ren  Erlöfer  3efum 

Ctyrijtum  ju  erfennen,  weil  enblia)  tpr  £er$  oerwilbert,  I?ari 

unb  tterjtotft  ift  fo  ftnb  meiftenS  alle  Ermahnungen  umfonft 

unb  wenn  man  fte  aua)  balnn  bringt,  bafj  fte  beten,  beichten 

unb  ba$  Zeitige  2lbenbmaljl  genießen,  fo  ifi  boa)  ju  befüra)ten, 

baß  biefeS  tf>rer  vorigen  ©ewojjm^eit  naa)   in   £eua)elei, 

<Sia)erljett  unb  Unbußfertigfeit  gefa)el>e.    Ein  junger  25aum 

lägt  fia)  wo£l  »trpjfanaen;  aber  mit  einem  alten,  ber  feine 

2öur$eln  tief  eingetragen  unb  ausgebreitet  l)at,  gept  e3  feiten 

an,  ÜESie  tl)öria)t  panbeln  ba£er  biejenigen,  wela)e  ijjretjjeure 

6eele  fo   auf d  (Spiel  fegen  ?  —  ©pare  aua)  beine  33uße 

nia)t  bis  auf  baS  ®tea)bett,  ober  bis  $um  £ob;  benn  bu 

weißt  nia)t,  wie  e£  mit  bem  Enbe  beineö  Gebens  gelten 

wirb.  D  wie  SStele  flon  benen,  mit  welchen  bu  umgegangen 

bift,  fiai  ber  £ob  um>ermutj)et  weggerafft!    $tele  £aufenbe 

übereilte  ber  £ob,  ojme  fte  r>orl?er  bura)  $ranfi?eiten  auf  feine 

9caf?e  aufmerlfam  gemacht  au  jjaben.  .9ton  bift  bu  aber  nia)t 

tterfta)ert,  baß  bir  ba$  ©letc^e  nia)t  aua;  begegnen  werbe. 

Höenn  eS  alfo  ein&ugenbltcf  ift,  an  welchem  bie  Ewig* 

feit  jjängt,  wa$  für  eine  S^or^ett  ift  es,  t><x$  ber  9ttenfa) 

fo  fta)er  ba£m  gef>t  unb  feine  ©eele  fo  leia)tfinnig  baran  wagt ! 

—  ©ie£e,  o  E£rift,  ia)  muß  bereit  feyn,  inbem  ta)  bieg 

fa)reibe,  auf  ben  SBinf  ©otteS  biefe  2öelt  $u  ser* 

laffen,  unb  in  tit  Ewigfeit  g.a  gepen,  unb  bu 

aua),  inbem  bu  biefeS  liefeft.     2Sir  pabtn  son  ber 

3ufunft  feine  ©ewtßljeit;  warum  wollen  wir  alfobaS,  wo* 

son  unfere  ©eligfeit  ober  SSerbammnig  abfängt,  auf  ö  Un^ 


151 


gewiffe  wagen  ?  —  ©efefct  aber,  ba§  bu  auf  beinern  ßtan* 
fenbette  nol)  3eit  pättejr,  biä)  $u  befmnen,  unb  an  beut  vori* 
ge$  ^eben  511  beulen;  biß  bu  benn  t>erftc^crt ,  baf?  bu  auä) 
bieönabe  $cr33ufüe  £aben  tvirp  ?  23uße  t£un,  an  Gt£rifhim 
glauben,  jta)  $u  ©Ott  befetyren,  ftnb  feine  SSerfe,  bte  in  be$ 
2ttenfä)en  ß)raft  unb  SSillen  jteljen,  fonbern  m 
©otteä  ©nabe,  weldje  (£r  giebt,  wem  <£r  will;  wenn 
(£r  jte  bir  ahet  wegen  betner  beharrlichen  Unbufferttgfeit 
nia)t  geben  wotfie,  würbe  (£r  bir  Unrecht  tfmn?  2D3te,  wenn 
bia)  baä  treffen  fcürbe,  wa$  bu  fo  oft  in  ber$ira)e  gefun* 
gen,  aber  nie  rety  beper^igt  Jjaft: 

Unb  wenn  er  (b?r  ©otttofe)  niö)t  ntetjr  leben  mag,  ©0  ^ebt 
er  an  eine  grefe  Stoß,  SBilt  ftc^  erfi  ©Ott  ergeben.  3a)  fürest* 
fürwahr,  bte  göttli#  @nab\  £te  er  att'jeit  »erfpoitet  $at/  SBtrb 
fü)n>eru'a)  ob  tf>m  freien. 

2Bie,  wenn  e$  tir  alSbann  ginge,  wie  vielen  SInbern, 
welchen  auf  ifpvent  ^ebtenbette  nia)t$  anberS  in  ben  ©inn 
fant,  als  wa$  fte  in  i^rent  £eben  wünfa)ten  unb  liebten, 
nämlia)  ©elb,  ©ptel,  SSolluft  &  bergL  ?  — Jener  ©eiaJ>af$ 
Jwtte  fur$  vor  feinem  £obe  300  £)ufaten,  binnen  3  Sauren 
jajjlbar,  ausgeliehen*  £)bipngleia)feiniBeia;tvater,  wie  feine 
greunbe  unb  23efannte  ermahnten,  an  ©Ott  $u  benfen,  unb 
jta)  um  feine  <5eligfeit  $u  befümmern,  fo  rebete  er  boa)  im* 
mer  von  feinen  300  £)ufaten  unb  wieber  §  ölte  e$  fo  oft, 
U$  er  jtarb.  S3on  einen  ruä)lofen  3}?enfa)en  au$  SRcm 
melbet  bie  ©efa)ia)te,  ba$  er  jta)  mit  bem  Teufel  in  ein 
23ünbni§  eingelaffen  f?abe.  SDtefeö  enthielt  unter  2ln* 
bereu  aua)  bie  33ebtngung,  bafj  ber  ©atan  i£m  brei  £age 
vorder  fein  Grnbe  anzeigen  foüe,  2)iefer  £ielt  2Bort  unb 
maa)te  tf?m  auf  hie  beftimntfe  3tü  feinen  £ob  befannt. 
darauf  ließ  Jener  bie  ©eiftlic^en  $u  (td)  rufen  —  entbeefte 
t£nen  bie  ©efafjr  feiner  ©eele  unb  bat  um  dtafy  unb  ^ülfe» 
%U  jta)  btefe  feiner  eifrig  annahmen,  um  ijm  von  ber£ölle 
ju  befreien,  überjtel  ben  ©ottlofen  ein  tiefer  ©a)laf,  au$ 
welchem  er  burä)  feine  gewöhnlichen  Mittel  31t  erweefen 
war.  Sobalb  aber  bie  Slnwefenben  von  fa)änblia)en  2)in* 
gen,  von  ber  SSelt  unb  beren  ^iijien  rebeten,   fo   erwaa)tc 


152 


er,  ©tn^en  fte  bann  anf  ben  3ufianb  fetner  6eele ,  auf 
bte  9iotI?wenbigfeit  ber  Ißuge  unb  Sinneeänberung  über,  fo 
fa)lief  er  fa)ncll  wieber  ein,  bi$.  er  enbli$  tn  biefem  un* 
feiigen  3uftonbe  am  britten  £age  ben  ©eift  anf  gab.  2>aä 
fyti$t  auf  ©nabe  fünbigen  unb  mit  Ungnabe  belobnt  wer* 
ben;  baö  fjetgt  feine  $3uge  biö  auf  0  £obtenfott  verfd)teben, 
unb  alebann  o£me  23uge  fterben.  SGßennbu  nun,  0  9ttenfa), 
fola)en  beuten  in  ibrem  gottlofen  Söefen  gleichen  wiilft, 
fönnte  es  bify  befremben,  wenn  ©Ott  bein  (£nbe  bem  i£ri* 
gen  gleia)  fepn  liege?  —  hierüber  fagt  ftttper:  „2Btewo£( 
©ott  ©nabe  unb  Vergebung  verneigen  £<tt,  fo  £at  er  boa; 
nia)t  oerljeigen,  bag  bu  tUn  fo  genug  naa)  bem  gall  wte^ 
ber  fommen  werbeji  &  fte^t  nta)t  m  unferer  üttadjt,  bte 
©nabe  $u .  ergreifen,  unb  bu  weigt  nid/t,  ob  bu  and)  tk 
Vergebung,  Welcl;e  bir  angeboten  wirb ,  annehmen  fannft. 
£)arum  fotf  man  ©Ott  fürd)ten,  weltfer  ber  SBermeffenpett 
wie  ber  Verzweiflung  geinb  ifL"  gerner:  „3e  größer 
bte  ©nabe  unb  33armf?er$igfett  ©otfcs  ijt,  Je  weniger  fott 
man  biefelbe  migbrauajen.  2ßer  gefallen  ijt,  ber  foll  ju 
©ottes  ©nabe  feine  3ufiua)t  nehmen,  ba  wirb  er  fe^en, 
mc  fa)wer  es  fe$,  U$  man  fia)  triften  unb  aufrichten  lägt; 
wenn  man  aber  ben  £roft  ergriffen  Jjat,  fo  i]t  bie  ©ünbe 
fa)on  gepeilt.  Silljt  bu  bia)  ab«r  auf  ©ottes  ©üte  unb 
©nabe  oerlaffen,  unb  wiffentlia)  unb  oorfä^Iia)  feine  ©e* 
böte  übertreten,  fo  ijt  groge  ©eftfjr  babei,  ob  bu  ana)  bie 
Vergebung  in  feinem  ©opn  erl?ältß;  gleta)  wie  3ubaS, 
©aul,  2lbfalon  :e.  berfelben  nia)t  l?aben  begehren  fönnen, 
weil  fte  zuvor  fo  verftoeft  gewefen  ftnb,  bag  fte  auf  ©ottes 
©nabf  uno  löarmperatgfett  pin  gefünbigt  Ijaben."  (£nbtia): 
„©e^  begf>alb  nia)t  fia)er,  23cfes  $u  tfjun,  bag  ©Utes  bar* 
aus  fomtne;  benn  obwohl  viele  33eifviele  von  ©ottes  ©nabe 
unb  SSarmpeqigfett  in  ber  Scf;rtft  fielen,  fo  ift  boa)  ©e* 
fa£r  babei,  bag  btejenigen,  bte  fo  gan$  ofme  gura)t  ftnb, 
vom  £obe  übereilt  werben,  unb  in  bte£ölie  fahren,  ej?e  fte 
3uflua)t  nehmen  fönnen  ju  ber  SJavm^crgigfeit  if>re3  ©otteo. 
2)u  wirji  aber  babei  noa),  obfa)on  bu  loiö)  naa)  ber  ©nabe  fel;neft, 
SUgleia)  einen  fa)recflia)en  $amvf  mit  bem  ©efefce,  mit  ber 


153 


Watnx  unb  ber  ©ewo^npeit  füllen,  \a  mit  ber  ganzen  SBelt, 
welche  biefem  ©lauben  unb  Vertrauen  auf  bie  ©eltgfett  wiber* 
firebt.  2)arum  fönnen  wir  benfelben  mit  unfern  Gräften  nia)t 
hervorbringen;  eS  tjt  fem  felbfi  erworbener  ©laube,  fonbern 
wie  Paulus  faßt;  (£S  ift  ©otteS  ©abe,  unb  tommt 
nia)t  aus  uns  felbfi."  @o  weit  ^ut^er ;  btefem  ftimmt 
ber  gottfelige  ©erwarb  hei,  intern  er  fagt:  „5öarum  ver$iej>en 
wir,  bag  wir  unfere  53u§e  fo  'coeit  verfdneben,  unb  wollen 
immer  morgen,  morgen  erft  fromm  werben?  8tc£t  cS 
boa)  nia)t  in  unferer  Wfrityt,  ben  morgenben  £ag  $u  erleben, 
fo  vermögen  wir  aua)  niebt  aus  eigener  $raft  von  ©ünben 
abjuftejjen,  unb  rett)tf$affeue  33u§e  ^u  tj^un.  ©ort  $&t 
benen  ©nabe  unb  Vergebung  ber  ©ünben  jugefagt,  bie  fta) 
31t  3£m  beteten,  aber  nia)t  jebem  jta)em  ©ünber  gerabe$u 
verneigen,  bag  er  if?m  tiefe  ©nabe  geben  wolle,  bamtt  er  ftd? 
belehren  folle  unb  muffe/'  £)arum  muffen  wir  bejMn* 
big  feuften,  bie  ©ic$er£eit  ablegen,  unb  uns  jnften,  bafj  wir 
nta)t  in  beS  Teufels  ©ewalt  fommen,  unb  von  ©Ott  ver* 
laffen  werben  mögen."  —  £>amit  aber  bie  rua)lofen  ©im* 
ber,  welchen  biefe  £el)re  £art  febeint,  nia)t  meinen,  als  oft 
bloS  einige  Eiferer  bie  ©acbe  fo  genau  nehmen,  wäprenb 
©otteS  Söort  nia)t  fo  flrenge  fep,  fo  geben  wir  ijmen  fol* 
genbe  @prüa)e  $u  erwägen:  „Wl ein  35  otf  ge£ora)t  tyleu 
ner  Stimme  ntd)t,  unb3Srael  will9)cein  nia)t,  fo 
bab'  3d)  fie  gelaffen  in  ipreS  £er3cnS  £)ün£el, 
bag  fie  wanbeln  naa)  ibrem#tat£.  SB  eil  3u)  benn 
rufe  unb  ibr  weigert  eufy,  kleine  £anb  auSrecfe, 
unb  9Ziemaub  achtet  barauf,  unb  ibr  laffer 
fahren  allen  deinen  $iat£,  unb  wollet  deiner 
(Strafe,  (meines  Unterrichts  unb  meiner  Ermahnung) 
nia)t,  fo  will  34)  clvlö)  lachen  über  euren  Unfall, 
unb  eurer  fpotten,  wenn  ba  fommt,  was  ibr  furo)* 
tet,  wie  ein  ©türm,  wenn  Slngjt  unb  9cotl>  über 
eua)  hereinbricht.  SÜSbann  werben  fie$?ir  rufen, 
aberScp  werbe  n i et; t  antworten,  fie  werben  Wid) 
frü^e  fitzen  unb  nia)t  finben  :c.  2c."  „(£s  ijt  baS 
Zid)t,   fagt    ber    @rlöfer,  noa)   eine  f leine  Seit  hei 


154 


eu$.  SÖBanbelt,  biewett  i£r  ba$  £ia)t  pabt,  bag 
eua)  bie  ginjternifj  nia)t  überfalle;  wer  in  gin* 
jlemifj  wanbelt,  weig  nia)t  wojHn  er  gel?*;  glau* 
bei  an  baS,2ia)t,  biewetl  i£r'$  ijabet,  auf  baf? 
t£r  be$  £ia)t$  ^inber  fepb.  £>arum  laffet  un$ 
fa)affen,  baf?  wir  feiig  »erben,  mit  gura)t  unb 
Sittern!''—  3war  pflegen  hk  unbufjfertigen  ©ünber  ft<f> 
auf  ben  befeljrten  ©a)äa)er  $u  berufen,  aber  eg  mag  fte 
wenig  Reifen;  benn  wag  mit  i£m  vorging,  iß  ein  befonbe* 
re$  S3eifptel  ber  göttlichen  ©üte  unb  ^öarm^eqigfeit,  au$ 
bem  man  nicl;t  fa)liegen  fann,  baf?  ber  gerechte  ©Ott  t>it* 
/enigen  Sitte,  wela)e  i£re  23uge  bt^.  an  i^r  Qatbe  serfa)ie* 
ben  unb  feine  ©nabe  *>eraa)ten,  auf  gleiche  28eife  befjan* 
beln  werbe,  SSenn  taufenb  ^erfonen  eine  giftige  ©peife 
genojfen  Ratten  unb  alle  bte  auf  einen  baran  geworben  wa- 
ren, wollteft  bu  btefelbe  aua>  foften  unb  t>iv  Hoffnung 
gum  £eben  maa)en?  3ubem  tji  gwif^en  bem©d?äa)er  unb 
ben  heutigen  ©otte^5oerda)tern  ein  groger  Unterfa)ieb.  3ener 
patte  hi$  ba^in  entweber  nifytä  $on  (£i?rtffc>  gehört,  ober  feine 
(Gelegenheit  gehabt,  3j?m  nalje  $u  fe$n;  er  Ijtelt  fta)  al$ 
2krbrea)er  in  einfamen  ©egenben  auf  unb  burfte  fta)  t>af 
wo  Gt£rijtu6  lehrte,  nia)t  öffentlia)  fejjen  (äffen.  ©0  balb 
er  aber  ben  £erm  fa£  unb  jjörte,  na£m  er  bie  ©nabe 
an,  bte  il>m  angeboten  warb,  liefen  bagegen  iß  t>k  ©nabe 
©otteö  in  @j?rtjto  $on  3ugenb  auf  angetragen,  fte  fwben  in 
ber  Xaufe  mit  ©Ott  einen  23unb  gemacht,  tyabtn  bte  Glittet 
jur  ©eltgfett,  ba$  2öort  unb  bte  jj  eiligen  ©aframente,  unb 
veralten  boa)  3ttle$.  2Bie  tonnen  fte  jta)  alfo  mit  bem 
SSeifptet  be£  ©a)äa)er$  trögen?  genter  bebenfe  man: 
1)  (£rfannte  ber  ©a)äa)er  feine  ©iinbe  mit  D^eue  unb  2etb. 
2j  £ägt  er  fta)  ba$  ©erta)t  ©ottes,  $>a$  um  feiner  ©iinbe 
willen  ü6er  ityn  fam,  in  £)emut£  gefallen,  unb  gibt  ju,  baß 
er  bie  ©träfe  wo£l  serbient  £abe.  3)  ©ua)t  er  nia)t  beä 
Strenget  uno  ber  ©träfe,  fonbern  nur  feiner  ©ünben  unb 
ber  göttlichen  Ungnabe  los$uwerben.  4)  ©traft  unb  warnt 
er  feinen  Sttttgenoffcn.  öj  Sßenbet  er  fta)  mit  ganzem  £er* 
gen  r>on  Mem  ab,  wag  in  ber  SBelt  iß,  $u  bem  gefreu$ig* 


155 


ien  £errn  3efu,  nennt  3j?n  einen  £errn,  ob  er-.wopl  in 
t>er  größten  23eraa)tung  am  $reu$e  |>ing ;  bittet,  baß  £>er 
fetner  am  23ejkn  gebenfen  wolle,  welchen  atteg  SBotf  für 
einen  glua)  t)ielt,  fa)reibt£)em  ein  ^omgreia)  $x,  ber  nic^tö 
tn  ber  2öelt,  als  ba$  fa)mät?lia)e  $reu$  i)atte,  unb  fuc^t 
feine  Seligfeit  bei£)em,  ber  mit  ifmt  $um  £obe  tterurtjjeilt 
war»  —  £)ieß  waren  3eia)en  eineö  großen  ©laubenS,  geige 
mir  einen  folgen  bei  einem  ©ottlofen,  ber  fein  £ebenlang 
in  ©imben,  @ia)ert)eit  unb  Unbußfertigfeit  jugebradjt  t)at 
unb  fia)  iuU§t  befe^ren  Witt,  fo  wetten  wir  it)n  in  t>k 
gleite  klaffe  mit  jenem  <Sa)äa)er  fejjen.  £>u  wirft  feiten 
©inen  fmben;  barum  fa)ließe  id)  mit  ben  SiBorten  ©iraa)'3: 
„©pare  beine23uße  nitt)t,  bi^  bu  franf  wirft;  fon* 
bern  beffere  bia),  fo  lange  ^u  noa)  fünbigen 
fannjt.  SSergie^e  uia)t,  fromm  51t  werben,  unb 
warte  nia)t  mir  ber  23eff  e  rung  beineS£eben$ 
bi$  $um  Stob;  wiUfi  bu  ©ott  bienen,  fo  laß  e$ 
bir  ein^rnjt  fe$n,  auf  t>a$  bu  ©Ott  nia)t  »er* 
fua)e(t." 

3j  Püffen  wir  un3  mit  attem  gleiß  sor  ber  Söieber? 
jjofung  ber  einmal  bereuten  ©ünben  t)üten,  weil  mt  in 
Jeiblia)en,  alfo  auet)  in  geijtiia)en  Äranfyeiten  nia)tg  gefäljr* 
(ia)er  ijl,  al£  ber  [Mcffall,  £)ie  ©a)rift  fpria)t  barüber 
feijr  ernjtlia):  ,,3ö)  bin  be3  Erbarmen ö  mübe,  fagt 
®ott  bura)  ben  *pror>£eten  Stxtmitö."  3a)  jjatte  oft  be* 
fa)loffen  eua)  um  eurer  ©ünben  Witten  $u  (trafen ;  aber  au£ 
(auter  ©nabe  unb  ^öarm^eqigfeit  unb  in  ber  Hoffnung, 
baß  i£r  eua)  beffern  werbet,  verfa)ome  ia)  eud;  bisher,  3pr 
afyttt  aber  auf  Steine  £angmutt)  nia)t  unb  gießet  Steine  ©nabe 
auf  2ttut£ Witten;  t^v  ftettt  eua)  bisweilen,  als  wären  eua) 
eure  ©ünben  leib,  allein  .e$  ift  ma)ts  atö  £eua)elei.  SSeil 
it)r  nun  nia)t  mübe  werbet  $u  fünbigen,  fo  will  3a)  enblia) 
be$  (Erbarmens  unb  2}erfa)onene  mübe  werben  unb  meine 
©nabe  son  eua)  wenben.  —  2)arau$  folgt,  ^f  fo  groß 
aua)  bte  23armj?er$igfeit  ©otteö  ift,  bennoa)  biejenigen, 
wela)e  fte  mißbraua)en  unb  in  it)re  vorigen  Sünben  $urütf* 
fallen,  befüra)ten  muffen,  baß  Gtv  enblia)   beS   Erbarmens 


156 


mübe  werbe  unb  jic  von  (einem  ^eiligen  2lngefia)t  verflöge. 
SDenn  wer  Witt  emern  rüdfälligen  ©unter  bte  $erfta)erung 
geben,  bag  er,  fo  lange  er  in  feinem  £eia)iftnn  beparrt, 
immer  hie  ©nabe  $ur  SBefe^rung  fwben  werte?  SSie,  wenn 
©Ott  be3  (Sxfeavmenä  mübe  würbe  nnb  tyn  in  feinen  ©üu* 
ben  plögtia)  ßerben  liege  ?  Swav  ift  ©otteä  groge  ©iite 
unb£angmut£  anfielen  fef)r  ^ubewunbern  unb  ^u  greifen; 
boa)  pflegt  (£r,  bamit  jte  nia)t  eubltcf;  gar  vergottet  werbe, 
aua)  feine  ©eredjtigfett  an  (Einigen  ^u  geigen,  wie  bk  (Erfahrung 
le£rt.  —  $itya  gehört  ber  2lu3fprua)  (grifft ;  „23enn  ber 
unfaubere  ©eift  von  bem  Üttenfdjen  ausfährt,  fo 
burä)wanbelt  er  bür re©tätte,  fachet  Sftulpe  nnb  fin* 
betfic  nio)t,  fo  fprio)t  er:  io)  will  Wieb  er  umfepren 
in  mein  £au$,  baraug  i(^  gegangen  hin.  Unb 
wenn  er  fommt,  fo  finbet  er>$  mit  23efemen  ge* 
fe^ret  unb  gefa)mü  det.  2>ann  gept  er  l?iu  unb 
nimmt  fieben  ©elfter  ju  fia),  bie  ärger  finb  alä 
er  felbjt,  unb  wenn  fie  hinein! ontmen,  wohnen 
fie  ba,  unb  e£  wirb  naa)J>er  mit  bemfelben  Wltn* 
fa)en  ärger,  benn  vorhin/'  ©leia)  ftarf  fpria)t  fia) 
betrug  barüber  au£ :  ,,©enn  fo  fie  entflogen  finb, 
ber  Unreinigfeit  ber  SSelt  bura)  hit  (Erf  enn  tnig 
be$  £>errn  unb  $eilaube$  3efu  d^rifti;  werben 
aber  wieber  in  biefelbeverfloa)tenunb  überwuu* 
ben,  fo  ijl  mit  tönten  ha$  £e#te  ärger  geworben, 
al£  bae  GErfte.  2)enn  e£  wäre  beffer,  ba§  fie  ben 
Sßeg  ber  ©erea)tigfeit  nie  erfannt  Ivätten,  als 
bag  fie  i^n  erlernten  unb  fia)  wenben  von  bem 
betltgeu@ebot,  %>a$  tfjnen  gegeben  ift  2c.  k."  2)em* 
uaa)ift  allcö  SÖiebetfejjreu  ^u  ber  einmal  verlaffenen  ©iinbefe^r 
gefä^r(ia),  audl)  ift  bie  Söcrbammmp  berer,  wela)e  mehrmals 
bura)  ben  ^eiligen  ©eifi  von  bem  Sege  ber  <Sünbe  abge* 
wenbet  würben,  unb  i£re  3"futa)t  Su  @Nf*°  genommen, 
fta)  feiner  ©nabenmittel  bedient ,  füren  £aufbunb  erneuert, 
unb  t£rem  £errn  verfproa)en  ijaben,  bag  (le  3£m  ptnfort 
btenen  wollen,  viel  fa)werer,  wenn  jte  wieber  rüdfätlig  wer- 
ben unb  alfe$  frühere   £mtanfe$en*     2Ber  fein  erneuertet 


157 


£aufgelübbe  balb  lieber  vergibt  unb  bei  ber  erflen  ©efe-- 
getieft  bem  (Satan  unb  ber  SDBett  bieni,  in  wiffenittc^e, 
mutwillige  ©ünben  ojm'e  stampf  unb  SQBtberjhinb  fallt  unb 
barm  mit  Cuffc  belparrt,  bis  U)n  abermals  eine  wriibergepenbe 
Slnbaci)t  anfemmt,  ober  bis  er  auS  bem  ^alenber  fiejrt, 
ba§  eS  3«t  fc9,  ^um  ^eiligen  2lbenbma£l  $u  ge£en,  ber  wirb 
billig  für  einen  leia)iftmtigen,  gcttlofen  SWenfcbcn  gehalten  unb 
man  tjwt  ü)m  nia)t  Unrea)t,  wenn  man  feine  33uße  für 
©pott  unb  feinen  ©otteSbicnft  für  £eu$elei  £ä(t.  £)enn 
tt)ie  fann  eS  bemfenigen  (Ernft  fepn  mit  ber  23u£e,  wetdjer 
faum  son  ber  83eia)te  fommt,  unb  alsbalb  wieber  mutp 
willig  fünbigt?  ^u§  man  m$f  glauben,  baf?  er  fta)  nur 
mit  bem  5ftunbe  $u  ©Ott  na^e,  unb  mit  feinen 
kippen  3£n  eljre,  ba  baS  £er$  ferne  tton  3^m 
tft?  CDa§  er  ©ott  ben  $htnb,  bem  ©atan  aber  baS  £er^ 
ergeben  £abe,  bag  er  ftet)  firqe  36t  ben  @$em  als  ein  £iub 
©otteS  gebe,  unb  naa)f>er  bie  größte  Seit  feines  Gebens  willig 
unb  wiffentlia)  im£)ienjte  ber  ©ünbeunb  beS  ©aianS  ^bringe?) 
SSaS  fann  aber  fa)retflia)er  fepn,  als  ebenbiefeS?  3$  bieg 
b aS  r  e a) tf$ äff ene2ß e f  en  in  3efu?3ßbiegb er©treii 
beS©eijkS  mit  bemgleif^e?  £et(3tbaSberSünbe 
abfterben,  unb@ott  leben  in  £Jmfto3efu,  unferem 
£errn?  fytifyt  baS  würbig  wanbeln,  bem  £errn  3U 
©efallen,  unb  frua)tbar  fe*)n  in  guten  Sßerfen? 
£  eig  t  baS  b  er  ©  er  ecbtigf  ei  t,  bem©  lau  ben,  ber  £tebe, 
ber  ©ebulb,  ber  ©anfimutjj  naa)jagen,  ben  guten 
$ampf  beS  ©laubenS  fämpfen,  unb  baS  ewige 
£eben  ergreifen?— 3a)  gebe  ^war  gerne  $u,  ba§  au$ 
biejenigen,  weläje  eS  mit  i^rer  SBuge  reblia)  meinen,  unb 
beren  £er$  aufria>tig  tf,  buru)  bie  SSoSjmt  beS  (BatanS  ber 
2Belt  unb  i£reS  fünblia)en  gleifa)eS  wieber  verleitet  werben 
tonnen;  aber  bieg  geftfneljt  nio)t  $orfä$licfj  ober  mutwillig, 
fonbern  eS  tf.  ein  $ampf  beS  ©eifteS  babeu  <3;e  werben 
oft  r>on  i^ren  23egierben  übereilt  unb  bmgeriffen,  e£e  ftc 
fta;  rea)t  beftnnen  fönnen.  2ßtewo£l  nun  biefe  t^re  wieber? 
polten  (Sünbemgälle  nia)t  gleia)gül.tig  bebautem  bürfen  twa$ 
jte  aua)  nia)t  tbun),  vielmehr  biefelben  täglich  mit  grauen 


158 


unb  Seufzen  bei  ©ott  abUttm,  auty  belegen  um  fo  ttotjtd^ 
tiger  wanbeln,  fo  fönnen  bodj  jene  let^tfutmgen  f$enfa;ett, 
tt>eta)e  ftd)  batb  nad)  ijjrer  33eid)te  lieber  mit  SSiffen  unb 
SBilten  *>on  bem  ©atan  leiten  laffen,  ftd)  ni$t  auf  btefelben 
berufen.  2>er  Sfofenfbcf  ^at  2)ortten,  bie  £)ornenpe(fe  aufy; 
allein  jener  tragt  liebliche  Sfyfen,  btefe  aber  fann  blo$ 
flehen,  2Sie  fann  fte  ftc§  atfo  mit  jenem  in  gleite  klaffe 
fMen?  £aben  bie  bußfertigen  tinber  ©otteö  ü)re  geiler, 
unb  ffraua)eln  bisweilen,  trol^  tprer  ernfttidjen  2$orfä£e,  fo 
paben  fte  aud)  ernftfidje  Diene  ,  waljre  unb  tägli^e  S3uße, 
greinen,  <&zbtt,  ($taubm,  ©efferung.  £)ie  Sichern  unb 
©otttofen  aber  paben  nichts,  aU  ben  ©<$eüt  ber  ©ottfeltg* 
feit,  unb  awar  nur  eine  3ettlang;  fte  fünbigen  beftänbig 
unb  eilen  t>on  einem  £after  jum  anbeut.  SQSelc^*  ein  Untere 
fdu'eb  ift  alfo  annfdjen  beiben?  2)iefe  jtnb  große  ©euerer 
unb  tt>apre  Spotter ,  bie  ft$  in  einem  fepr  gefährlichen 
3ujianb  bejtnben  unb  ber  SSerpodung  natje  fmb.  3d)  fyättt 
bafür,  baß  ber  ^atan  fetbfi  biefe  SDtafdjen  ju  folc^er  £eu* 
fytki  antreibe,  bamit  er  fte  in  ber  ©ia)er£eit  ermatten  unb 
auf  btn  ©ebanfen  bringen  möchte,  aU  ob  i£r  befwrrli$e$ 
©ünbenteben  iljrem  @ij>riftent£um,  ij>rem  ©tauben  unb  iljrer 
©eligfeit  nia)t  nac^t^eiltg  fe$,  weil  fte  ftd^  ja  wie  anbere 
Qtyriften  hti  bem  öffentlichen  ©otteäbienjle  einfmben,  beichten 
unb  gu  bem  ^eiligen  Slbenbmapt  ge£en.  Slucf)  liegt  ipm 
ojme  3^eife(  baran,  baß  fte  bur$  öftern  SD?ißbrau$  eine£ 
fo  treuem  ©aframents,  welches  fte  oljne  toafjre  53uße  unb 
©tauben  au  ijjrem  ©eri$t  empfahlt,  bejto  tiefer  irC$  23er* 
berben  fallen  mögen.  —  ©o  laß  eö  bir,  o  Gtijrijt,  mit  beiner 
33uße  unb  Söefferung  Cmtfl  feipn.  *ßlit  trbifd;en  fingen 
läßt  e£  ftc§  etwa  fpielen  unb  fd;er§en;  fyat  man  eö  aber  mit 
©Ott  au  tj)un,  fo  ruft  uns  ber  Slpoflef  $u:  „Stret  tuü) 
nidjt,  ©ott  läßt  Seiner  nidjt  fpotten!  Uebeqeugt 
l>id)  bein  ©ennffen  »on  einem  ferneren  ©ünbenfall,  unb 
merf ft  bu,  t>a^  beut  £er$  teid;tftnnig  unb  fatt  babei  hkibt, 
fo  bitU  ©ott  um  bie  redete  (Jrfenntniß  ber  ©ünbe  unb  um 
bie  göttliche  £raurigf  eit,  welche  tturfet  $ur  ©elig* 
feit  eine  dient,  bte  9liemanb  gereuet.    33itte  Sjjn, 


159 


tag  (£r  bein  Jjarteg  £erg  erweia)e  unb  gevfmrfa)e,  unb  bia) 
uor  8ia)erjjeit  bewapre.  -~  (£ntfä)ließt  tu  bia)  wirftiä), 
bie  6ünben  gu  meiben  unb  baburä)  ben  lieben  SSater  im 
Fimmel  nia)t  mepr  gu  Betrüben  unb  gu  beteiligen,  fo  faji 
e$  bir  ja  bamit  (£rnjt  fepm  9ttmm  von  beinen  ©ünben 
nia)t  2lbfa)teb,  tt)te  t>on  beinen  guten  greunben,  welche  bu 
balb  lieber  gu  fepen  poffjl,  fonbern  tok  »on  beinen  ärgjten 
geinbem  Skrlafj  bity  aua)  nia)t  auf  beine  guten  SBorfäfce, 
wenn  jie  noa)  fo  gut  unb  reb(ta)  gemeint  ftnb;  fonbern 
ergib  beut  £erg  ®ott,  unb  bitte  %$n,  ba$  (Er  bta)  t{>utt 
lepre  naa)  feinem  SöopfgefaUen,  unb  baß  fein 
guter  (Seift  bia)  tiuf  ebener  23apn  füpre,  ©prtä) 
nia)t:  ta)  will  eä  tpun,  ia)  tvitt  fromm  werben;  fonbern 
fege  pingu:  mit  ber  £ülfe  meinet  @otte£  unb 
bura)  ben  23eiftanb  be3  ^eiligen  ©eifteä.  —  Unfer 
£erg  tfi  oft  fo  eifrig,  wenn  e$  son  ber  gurd)t  ttor  ber^ötfe 
gebrängt  wirb,  baß  e$  fta)  mit  tauf enb  (Eiben  gu  bem  @e* 
porfam  gegen  ©Ott  tterbinblia)  maa)t  2)0(1;,  wenn  bie 
Slngjt  vorüber  ift,  läßt  e$  son  feinen,  fünblia)en  23egier* 
ben  unb  feinem  2eia)tfmn  nia)t,  unb  fo  entflammt  e$  gm>or  war, 
fo  fatt  wirb  e$  naa)!?er.  £)arum  fott  man  fta)  nia)t  auf 
fein  £erg,  fonbern  bloä  auf  ©otteö  ©nabe  unb  £ütfe  tter* 
laffen,  —  33efte^I  bem  £errn  3efu  tägliä)  beinen  2ßanbel  unb 
weü)e  3j)m  bein£erg,  baß  (£r  e$  bewahre,  reinige,  erleua)te, 
befepre  unb  regiere*  23itte  3{>n,  baß  (£r  beingleifa)  fammt 
ben  lüften  unb  33egierben  freudigen,  bid)  t>on  ber  ©ünbe 
abpalten  unb  in  ber  ©tunbe  ber  S3erfua)ung  (Mrfen  möge» 
£aufctfäa)iiä)  aber  nimm  biä)  in  2la)t,  wenn  bu  mit  per^ 
lia)er  2Inbaa)t  gum  £ifa)e  be$  £erm  gegangen  biß;  benn 
waprlia),  gu  feiner  3zü  fallt  bir  ber  Teufel  mefjr  naa). 
(Er  weiß  wopf,  baß  bein  gatf  beßo  fd)werer,  beine  Unbanf* 
barfeit  befto  größer,  unb  bein  3«f^nb  befto  gefäprfta)er, 
fein  ©teg  aber  befto  anfefmlicber  feyn  werbe,  wenn  er  bia) 
gu  neuen  ober  gar  wieber  gu  ben  früheren  ©ünben  verleiten 
fann.  (gelingt  e$  ipm,  wieber  au$  ber  ©emeinfä)aft  3efu 
(grifft  bia)  gu  entfernen,  fo  wirb  er  bia)  um  fo  fefier 
palten,  baß  bir  naa)  per  beine  SSefeprung  um  fo  fa)werer 


160 


fällt.  3«  er  wirb  barnaa;  trauten,...  bia)  von  einer  ©ünbe 
in  tie  anbere  $u  führen,  bia)  rea)t  fta)er  unb  gleichgültig  $u 
machen,  gän^Iia)  su  verfiocfen,  unb  wenn  es  ©oft  guläfit, 
in  bte  @tvtgleit  31t  verfemen,  epe  bu  $ur  33efmmmg  fommett, 
unb-  §u  ber  ©nabe  ©otteä  in  (Slmfto  fliegen  Fannfh  2)aJ>er 
tvaa)e  unb  bete,  unb  fprid)  oft:  ^)err  3efu  £)u  in  mir, 
ia)  in  2>ir!  £a§  mia)  feine  £uft  noa)  gurdjt  in  ber  SQSelt 
von  2)ir  abtvenben  unb  gieb  mir  $raft,  befMnbig  $u  fepn 
big  an'£  ßmbe.  3$  l*e3  im  ©treit  unb  ttnberjireb,  jnlf  0 
£err,  Qtyrifi,  mir  ©cfjroad&en!  Sin  beiner  ©nab  allein  tct> 
fleb,  2)u  fannji  micty  ftärfer  maa)en!    Slmen. 


21  A  t  f    $p  *  e  fc  i  g  t. 

Söon  ben  Möglichen  grüßten   ber  ©ünben,   unb 

bem  traurigen  3njtanb  ber   in    ©ünben 

vertieften  ©eelem 

3:.  fftönt.  6,  20.  21.    £)a  t$r  ber  ©ünben  Änecfcte  wäret,  ba  wäret 
i$r  frei  fcon  ber  ©erec^ttgfeit  :c.  2c. 


G  i  n  3  a "n  3. 

Sm  Flamen  Sefu.   Slmen! 

<£in  ©panier  faßt  von  einem  £runfenbolb:  er  muffe 
ein  fuv$e'$  ©ebätt)tnig  £aben;  benn  fobalber  getrunfen  £abe, 
fo  vergeffe  er  eä,  unb  trinfe  gleia)  tvieber.  $)lit  die&t 
Jann  man  von  allen  ©ünberu  fagen,  bag  fte  fe£r  ver* 
gegliä)  fegen.  —  33etraa)te  einmal  einen  9ftenfa)en,  u\ 
weldjem  bie  ©ünbe  perrfa)t,  er  vergibt  feinet  ©otteä  uno 
©djöipfertf,  ber  i£m  ba$  lieben  gegeben,  ipn  von  2ftutter* 
leib  an  ernährt,  verforgt,  befa)ü£t  unb  erhalten  bat. 
£>btvo£l  alle  Kreaturen,  bie  um  ijjn  ftnb,  unb  beren 
er  jia)  täglia)  su  fttne*  9Zotbburft  unb  £ujt  bebient, 
von  i^rem  ©a)ö>fer  unb  feiner  ©üfe  seugen,  fo  aa)tet  er 
e$  boa)  nia)t  unb  nimmt  e3  nia)t  gu  £er$en.  (£r  vergißt 
feines  (£rlöfer£,  feiner  £iebe  unb  £reue,  ^k  (£v  boa)  mit 


161 


feinem  ip euren  23lut  unb  mit  feinem  Utkxn  gob  bezeugt 
jjat  dv  £ort  ^war  ben  tarnen  feinet  £eilanbeS  oft  nennen 
unb  feine  Söo^aten  greifen,  fobalb  aber  ber  ©a)all  ttor* 
über  ift,  fo  ift  Sitten  bei  ifjm  ttergeffen,  unb  bie  erpe  ©ele* 
gen^eit,  t>k  (fjm  ^ur  ©ünbe  bargeboten  wirb,  maa)t,  bafi 
er  an  feinen  (£rlöfer  fo  wenig  benft,  al£  an  einen  anbern 
$?ettfa)en,  ber  längft  geftorben,  begraben  unb  ttergeffen  ift 
—  @r  vergißt  aua)  feinet  &aufbunbe$,  in  wettern  er  fia) 
©ott,  bera  SBater,  bem  ©ofme  unb  beut  ^eiligen  ©eift  er* 
geben  unb  bem  teufet  unb  alt1  feinen  Sßerfen  unb  SBefen 
entfagt  l)at  dx  vergißt,  baf?  fein  %äh  ein  £empel  be£ 
^eiligen  ©eifM  fepn  folt,  unb  lä$t  tiefen  bura)  ben  ©atan 
mit  ^rieben  beft^en*  dx  vergißt  feinet  oft  Wteberl) ölten 
©elübbeS  —  wenn  er  in  ßranfpett  unb  anbern  3ufälfen,  — 
hä  ber  33eia)te,  ober  wenn  fein  £er^  fonf*  gerüprt  würbe, 
feinem  ©Ott  SBefferung  tterfpraa) ;~  unb  glaubt,  ber  2liler* 
pöa)fie  foKe  tton  tljm  bulben,  wa$  ein  fterblia)er  SDtfenfa)  nimmer 
bulben  würbe*  -iftiemanb  ifi  mit  leeren  SBorten  aufrieben,  unb 
man  nennt  £)en  einen  Betrüger,  ber  viü  ^ufagt  unb  nia)t3  fyätt. 
2Bie  barf  fia)  alfo  ber  ©taub  erfü^nen,  feinem  ©Ott,  ber  ^er^en 
unb  Vieren  prüft,  etwa£  %ü  geloben ,  tvaö  er  nia)t  galten 
will;  wie  e$  bort  jjetfjt:  „©ie  j?eua)etten  3£w  mit 
i|>rem  9!ftunb,  unb  logen  3jjm  mit  ipren  3ungen; 
aber  i§x  £er$  war  nia)t  feft  an  3£w,  unb  fie 
gleiten  niä)t  treulia)  an  ©einem  SBunbe/'  — 
$tam  ein  fola)  er  ^enfa)  noa)  ein  £et*3  ober  ein  wenig 
SBerftanb  t?aben,  weil  er  fo  btinb  unb  fta)er  ift,  unb  feinet 
£obe£,  feinet  ©eria)t$  unb  feiner  armen  ©eele  barüber 
vergißt  ?  Wlu$  man  nia)t  *>on  i!?m  fagen,  wie  ber  2tyofiel 
$on  ben  ©alatern:  ,3er  §at  eudj  bezaubert,  baf? 
ijjr  ber  Baljrpeit  nia)t  gefjora)et?"  ~  £)er  ©atan 
ift  in  ben  £er$en  berer,  bie  fta)  t^m  Eingeben,  fo  tpätig,  baj? 
er  fte  gleia)fam  bezaubert,  toll  unb  blinb  maa)t,  ba§ 
fie  mit  fepenben  klugen  nia)t  fe£en ,  mit  ^örenben 
Djjren.  nia)t  jwren,  bei  gefunbem  Söerftanbe  mtytö  x>ex? 
ftepen,  hei  gutem  ©ebda)tnig  ©ott,  fia)  felbft  unb  t>en 
3?äa)ften  ttergeffen,  unb  bei  lebenbigem  Zeih  tobt  ftnb*  Sie 


162 


fannbaS  aud)  anberg  fe^n?—  £)te  menfa)liä)e  Seele  muß  wo£l 
bltnb,  taub,  toll  unb  rafenb  fepn,  wenn  fte  ftd)  t>on  ©ott 
losfagen  unb  bem  ©atan  anhängen,  wenn  fte  bte  ©Ott* 
feligfeit  serlaffen  unb  ber  ©ünbe  naä)ge£en,  ben  ^tmmel 
|>tntanfe|en  unb  bte  ewige  SSerbammmß  bafür  erwählen 
tarnt.  —  2Son  biefem  llägltdjen  3#anbe  wollen  wir  biegmal 
reben,  unb  ©Ott  Htten,  ba$  er  un$  benfelben^ur  2öarnung 
unb  33uße  btencn  laffen  möge,  burd)  3efum  ßjmjfttm,  unfern 
£errm    2lmem 

Sl&fjanblung* 

SBenn  man  in  einem  SHlbe  wrftellen  würbe,  lieber  ©atan 
in  feiner  fc^recfli^en  ©effcalt  einer  eblen,  3üd)tigen  3ungfrau 
hk  £anb  gäbe,  fo  Würbe  bieß  wo£l  Sftemanb  ofme  ©ä)aubern 
anfejjen,  sielwentger  genau  betrachten  fönnen*  2Öte  oft  aber 
gefd)ie£t  e$  (eiber  nid)t  blo$  im  33tlbe,  fonbern  in  ber  ££at, 
baß  bte  ©eele  fta)  mit  bem  ©atan  verlobt,  baß  fte  ©ott, 
ben  Urquell  alles  ©Uten,  verlaßt  unb  fta)  au  bem  Slbgnmb 
aller  3$o3j?eit  wenbet,  baß  fte  fta)  *>on  bem  £td)te  ju  ber 
gtnf.erniß  fe£rt  unb  anftatt  be3  Wirten  mit  bem  SBolf  in 
greunbfä)aft  tritt*  2)teß  ift  aber  nta)t  bloS  ber  gall  bei 
benen,  wela)e  einen  eigentlichen  33unb  mit  bem  ©atan  machen, 
3*  $8.  Sauberer  unb  anbere  rua)lofe  £eute,  fonbern  aua)  bei 
Stilen,  bie  in  mutwilligen  ©ünben  wiffentlta)  unb  beljarr* 
lia;  leben*  —  ©olä)e  9D?enfd)en  leben  in  bem  2)ienfle  be£ 
©atanS,  ob  fte  e$  woljl  nid)t  glauben;  benn  bte  ©d)rift 
fagt:  „2Öer  ©ünbe  t£ut,  ber  ift  »ont  Teufel  unb 
ein  £eufelSfinb;  ber  Teufel  iji  in  t£n  gefahren 
unb  fyat  fein  £er$  erfüllt,  er  £at  fein  SQSerf  in 
tpnu"  £)aj)er  j^eift  mutf?wM3>  $orfct£lia)  unb  be^arrlia) 
in  ©ünben  leben,  —  in  ber  ©emeinfd)aft  beS  £eufels  leben, 
bem  ©atan  bienen,  iJjn  in  feinem  bergen  beherbergen,  som 
Teufel  gefangen  fepn,  unb  nad)  feinem  SBillen  wanbelm  2Ber 
bem£errn  anfängt,  fagt^auluS,  ber  ift  ein©etft  mit  i$mt$ 
ebenfo  wer  fta)  an  ben  Teufel  Jjängt  60  lange  ber  ^enfö) 
außer  bem  ©tanbe  ber  ©nabe  kht,  ift  er  ein  $nea)t  ber 
(Bünbe,  unb  mithin  tin  ©flave  be$  ©atanS,  ber  in  ber 


163 


©ünbe  ferne  ®ett>att  fjat  —  2Öte  fann  fta)  aber  ber  $?enfa), 
ba^  ebelfte  unter  ben  fta)tbaren  ©efa)o>fen  ©otteä,  vor 
Welchem,  wenn  er  in  ber  ©nabe  ©otie3  fiefvt,  felbjt  bie£eu* 
fei  gittern  muffen,  fo  weit  sergeffen,  bag  er  bem  ©atan 
bient?  2Ba3  fann  fa)red:liä)er  fepn,  aU  au£  einem  $inbe 
©otte$  ein  $inb  be$  ©atan£  ^u  werben?  2)tc  türfifa)e 
25ienftöarfeit  fommt  bamit  in  gar  feinen  $ergfeia);  benn 
biefe  frinbert  wentgfien£  an  ber  ©nabe  ©otteä,  an  ber 
©emeinfa)aft  feinet  ©ofmeö  unb  an  ber  Hoffnung  be$  ttvu 
gen  £ebeng  nia)t;  bura)  ben  ©ünbenbienft  aber  geljt  atfeS 
Ut$  verloren,  —  &&$  ©a)ftmmfte  babti  jeboa)  ift,  bag  fta) 
ber  Sftenfa)  in  folgern  3ujtanbe  gefällt  unb  fta)  glürflia) 
fa)ä£t,  bag  er  frei  ifl  *>on  ber  ©ereä)tigfeit  2Bie 
eg  einem  ungeratenen,  gottlofen  $inbe,  ba£  feinen  (Eltern 
entlaufen  ift,  unter  böfen  ©efellfa)aftern  rea)t  woltf  gefällt, 
weil  e&  fta)  allem  3wang  unb  aller  2luffta)t  entriffcn  $at, 
fta)  vor  ijjrer  ©träfe  nid)t  meljr  fürajten  barf,  unb  nia)t 
weiß,  ba§  eS  gerabe  bann  im  gefä])rlia)ften  3ufianb  ift,  unb 
anfiatt  ber  (Aftern  be$  £enfer3  gewartig  fepn  muf  —  fo 
witnfa)t  bie  gottlofe  ©eele,  Weber  an  göttlta)e  noa)  an 
menfa)lia)e  9?ea)te  gebunben  pt  fe^n  unb  in  allen  fingen 
i^ren  SBillen  gu  fiabem  ©ie  wünfa)t,  ba§  fein  ©ott  Ware, 
ttor  £)em  fte  fta)  fürchten  mug;  fte  ift  3fmt  unb  feinen  ©eboten 
feinb,  weil  biefe  tjjr  im  2Bege  fielen*  £)efjwegen  fua)t  fte  fta) 
*>on  ©ott  immer  mel?r  gu  entfernen  unb  ©ein  ©efe§  unb  ©e* 
rta)t  au3  bem  ^er^en  $u  verbannen»  2)er  2Biberj>rua)  beS 
©ewiffen^  wirb  »eraa)tet,  ber  §D?enfa)  gibt  fta)  tägliä)  be* 
raufcfjenben,  greubeu  Jnn  unb  will  nia)t  nüa)tem  werben; 
er  will  kon  feiner  Qrinrebe,  $on  feiner  Gmnafmung  unb 
SBarnung  ti\va$  pren,  Witt  frei  fep  von  ©Ott,  von  aller 
gura)t  t>or  ber  £ölle  :c+ ,  will  nngelnnbert  rea)t  eigentlia) 
ber  £ölle  guwanbern,  unb  wenn  er  bieg  erlangt,  fo  glaubt 
er:  e£  fep  eine  f>errltä)e  ©aa)e,  ein  erwünfa)te3  lieben, —  fo 
fönne  er  rea)t  fröljlia)  fepn  unb  biefe  SÖelt  naa)  #er$en$* 
luft  genießen*  Unfer  ^>eitant>  maa)t  barauf  aufmetffam  in 
bem  ©leia)niß  *>on  bem  verlorenen  ©oljn,  t>on  bem  (^rfagt: 
f,(£x  {>abe  ba$  ©einige  genommen,  fe^  ferne  über 

11* 


164 


£ant>  gebogen  unb  £abe  bafelbft  fein  ©ut  bura> 
gebraa)t  mit  $  raffen/'  tiefer  ungeratene  3üng* 
fing  Jmiie  wofrt  aua)  in  feiner  löaterfiabt  frojrtia)  fepn  unb 
©efettfd)after  fmben  tonnen,  bte  iljm  geholfen  Ratten,  baS 
©einige  mit  greuben  ^u  ver^el?ren;  aber  fo  Jmtte  er 
feinet  23ater$  (£inrebe  unb  Sarnung  gewärtig  fe^n  muffen, 
baper  wollte  er  lieber  ferne  von  iljm  fep  unb  allen  dxmap 
nungen  au£weia)en*  Unb  W%  ift  ba£  greiwerben  von  ber 
©erea)tigfeit,  von  we^er  ber  2lpoftel  in  unferem  £erte 
ftma)t*  —  Sber  aa),  elenbe  gret^eit,  wenn  man  vom  ©e* 
fjorfam  gegen  ©ort  unb  feine  ^eiligen  ©ebote  jta)  losreißt 
unb  ein  ©ftave  ber  ©ünbe  unb  bee  ©atan£  wirb!  3ft  e$ 
nia)t  fo,  wie  wenn  ein  ©a)tff,  ba£  of?ne  ©teuermann  auf 
bem  Speere  vom  ©türm  herumgetrieben  wirb,  fta)  feiner 
grei^eit  rühmen,  ober  wenn  an  ©a)aaf,  ba$  fta)  von  feiner 
beerbe  verlaufen,  fagen  wollte :  e$  bürfe  fta)  nun  nia)t  meljr 
vor  be$  Wirten  ©ttmme,  <Btab  unb  £mnbcn  fiira)ten;  weil?* 
renb  jeneg  alle  Slugenblicfe  auf  einen  gelfen  getrieben,  biefeg 
aber  vom  2ßolf  erj)afa)t  unb  ^erriffen  werben  tan?  25et 
verlorene  ©ofm  war  nie  in  einem  gefälligeren  3uftanbe, 
als  ba  er  fta)  ber  2luffta)t  feinet  SBaterS  entzogen  l?atte* 
3e  weiter  vomSBater,  befto  näj>er  bem23erberben; 
—frei  von@ott,  gefangen  vom  Teufel,  — frei  von 
ber  ©erea)tigfeit ,  frei  von  b^m  fanften  3oa) 
(£f>rifti;  aber  feft  in  ben  Letten  ber  ginftemifL 
£)  unfelige  gretf>eit,  beren  @nbe  ©a)aam,  ©a)anbe, , 
unb  ber  £ob  ift!  21a),  mein  ©Ott!  be|mte  mia)  vor  fola)er 
greift;  £>ir  in  finblia)em  ©ejjorfam  ^u  btenen  ift  bie  w  a£  r  e 
grei^eit    £>  £err!  ia)  bin  bein  $nea)t!  —  ia)  bin  beut 

$nea)t,  unb  will  e£  gerne  bleiben  in  (Ewigfeit! Raffet 

un$  aber  biefen  wichtigen  ©egenftanb  aufy  noa)  aue  anbern 
©teilen  ber  ©a)rtft  erörtern*  £)ie  ©ünbe  wirb  nämlia)  ein 
§lbweia)en  von  ©ott  genannt.  SBenn  ber  Sftonb  von 
bem  £ia)te  ber  ©onne  fta)  wenbet,  fo  ift  unb  $at  er  nia)t£ 
als  ginfternij?;  unb  wenn  ber  Sttenfa)  von  feinem  ©Ott 
weia)t,  fo  jfat  er  nia)t6  als  ©a)aben  unb  ©a)anbe, 
(£r  wanbelt  in  ginftemifj  unb  wetg  ma)t,  wojrin  er  gept; 


165 


beim  bie  ginjlernig  fjat  feine  otogen  gebtcnbct  kluger  ©Ott 
unb  fetner  ©nabe  ift  ntd^tö  aU  (Elenb,  *ftot$>  unb  &ob*  ©o 
lange  ber  3weia  am  33aum  bleibt,  fyat  er  ©aft  unb  traft 
au$  bemfelben;   wenn   er   aber  abgevtffen  wirb,  fo  mug  er 
verborren  unb  f>at  nidjts  als  baS  geuer  $u  erwarten*.  (Ebenfo 
ift  ber  50?enfa)  auger  ber  ©nabe  ©otieö  unb  ber  ©entern* 
fd>aft  3efu  (grifft;  er  §at  hin  göttliches  2eben  tu  fta)  unb 
gehört  in  baS  |ölltfd;e  geuer*    2öer  nid;t  in  $Hr  bUU 
bet,  fagt  Gtjjrtjluä,  ber  wirb  weggeworfen  wie  eine 
Sftebe,  unb  verborret,  unb   man  fammelt  fie  unb 
wirft   fie  tn'3  geuer  unb  mug  brennen*  (Ein  fold)er 
Sfftenfd)  ift  lebenbigtobi  ;   beim   bura)  mutwillige  ©ünben 
wirb  ber  ©laube  unterbrücft,  t>k  ©emeinfdjaft  mit  Ctyrifto, 
ber  unferer  ©eele  £eben  ift,  vernichtet,    ber    fieilige  ©eijl 
wirb  vertrieben,  unb  bafjer  iß  ber  ©ünber   vor  ©Ott   unb 
ben  tjeiltgen  Engeln  xt)k  tobt*     2Bie  e3   von  bem  23ifa)ofe 
$u  ©arbeS  jm'gt:  „25 u  Ijajt  ben  tarnen,  bag  bu  lebj}, 
unb  bift  tobt/'  —  Dem  fleifa)lia)^  irbifa)geftnnten  5^enfa)en 
ift  bieg  freilief?  eine  g^orpeit*  (Er  benft:  (Effen  unb  £rinfen 
fdjmecfi  mir  woljl,  ia)  ge^e  unb  ftelje,  ia)  finge  unb  fvringe, 
ta)  maa)e  mid)  täglta)   luftig,  tä)  Ijanble  unb   wanble,  ia) 
rea)te  unb  fea)te,  ia)  friege  unb  ftege  :c*  unb  foll  boa)  tobt 
fe^n?   Hber,  bu   elenber  ^Henfa),  wiffe,  bag  eben  bieg  etn 
3eia)en  betne^  getfitgen  £obe£  ift,  weil  bu  bein  Grlenb  nia)t 
einfielt*    Du  lebft  naa)  bem  gtetfa)  unb  bift  tobt  naa)  bem 
©ei(i;  'du   lebft   wie  ein  fauler  33aum,  wela)en   an   einer 
©eite  bie  Sffiürmer  faß:  biö  aufs  Wlaxt  auSgefreffen  fyabm, 
unb  ber  auf  ber  anbern  &äte  nur  noa)  ein  wenig  grün  ift. 
2Beil  bu  nia)t  in  @?rifto  lebft,  fo  ift  bein  £eben,  \x>k  föftlia) 
e3  aud;  ift,  für  fein  Men  ^u  galten*  —  (Einige  graufame  Sfte* 
genten  liegen  lebenbige  9)?enfa)en  an  tobte  hint>mf   fo  bag 
bie  Türmer  von  'otn  SSevwefenben   aud)  in   ben  %tib   ber 
2ebenben  fanten ;  —  ftelje,  fo  vergalt  e3  ftd)  mit  bir*    ©o 
lange  hn  in  ber   ©ünbe  unb  Unbugfertigfeit   baijmt   kh% 
tragft  bu  baS  SBerberben  unb  ben  £ob  an  bir,  unb  bifi  vor 
©Ott  ein  ©reuel,  aua)  wenn  bu  ber  gefünbefte  9ftenfa)  wä* 
reji    £)aj>er  nennt  t>k  ©a)rift  hk  mutwilligen  ©ünber 


168 


£abe  3$  beute  tinber  serfammetn  wollen,  tx^ie 
eine  £enne  serfammett  ifire  ®üa)lein  unter  ijjre 
gtügel,  unb  ij> r  babt  niä)t  gesollt;  wenn  bu  em 
toüfieß,  fo  würbeft  bu  aua)  bebenfen  $u  biefer 
beiner3eit,  wam  %u  beinemgrtebenbienet!"  SÖßaö tfi 
bieg  anberm,  atm  wenn  tt>tr  einen  j)oä)betrübten  $ater  über 
fein  ungeratenem  $inb  feuften  unb  ftagen  |>örten:  o  bu 
armer,  serblenbeter  SDcenfa),  tx>a$  für  ^er^eleib  maa)ft  bu 
mir!  SDSte  btft  bu  fo  tl)önd)t,  bag  bu  bia)  mutwillig  tn'm 
SSerberben  ftüqejt,  wie  wirb  em  bir  plegt  noa)  ge^en;  fott 
benn  meine  $äterliä)e  Siebe  unb  Sreue  gan^  an  bir  verloren 
fe^n?  —  3ft  em  niä)t  fo,  wie  wenn  ein  liebreicher  greunb 
einem  Unbanfbaren  mit  befümmertem  £er$en  fein  Unrecht 
$orl?atten  mu$  ?  2la) !  fpria)t  er,  ift  benn  Sitten  sergeffen, 
wam  ia)  an  bir  getrau?  3ft  ba$  mein  '25anf  für  fo  stete 
2BopttJ>aten,  bk  ia)  bir  erwiefen  fyaht?  Sie  Sofern  fagt : 
„2)anfefi:  bu  alfo  bem  £errn,  deinem  ©Ott,  bu 
tollem  unb  t£bria)tem  SSoXf ?  3 ft-  CEr  nia)t  bein 
SBater  unb  bein~£err?  3ft  (5r  em<nia)t  allein,  ber 
bia)  gefa)affen  unb  bereitet  t>at?"  —  ©ie£e,  Sttenfa), 
tt>a#  ©ünbe  i%  unb  Wie  wef>e  beinern  ©Ott  bte  Unbufferttg!eit< 
unb  IBoöpett  ©einem  Vollem  tynt  £>u  ge|>ft  ba^in,  btft" 
frb|>tia)  unb  ftnbeft  beine  £uft  au  bem  ©reuet  ber  ©ünbe; 
tnbejfen  ftef?t  bein  <$ott  beiner  23omi?eit  mit  betrübtem  #eqen 
3U  unb  bebauert  beine  IBlittbfjeit  unb  £i?orf>eit*  £>u  betetbtgft 
beinen  ©a)öpfer  unb  (Sri?  alter,  $eraa)teft  bam  ©tut  bem 
©ojmem  ©ottem,  betrübft  ben  fettigen  ©eijt,  maa)ft  bem 
©atan  greube  unb  gtbft  tym  ©etegenfmt,  ftd)  wtber  ©Ott 
gu  rühmen  unb  ^u  fagen:  bam  ftnb  bte  9Jtenfa)en,  bk  @r 
$u  feinem  ^3ilbe  erfa)afen  unb  fo  treuer  erlernt  l?at,  bie  ia) 
nun  in  meiner  ©ewatt  £abe,  bäg  fte  mir  bienen  naa)  meinem 
Sßtüm  —  Dbgteta)  nun  ber  langmütige  ©Ott  naa)  feiner 
großen  Siebe  unb  33arm£er$tgf eit  bem  Unbußfertigen  eine 
3eittang  ^ufte^t,  fo  bürfen  wir  boa)  nid)t  glauben,  ba$  bte 
©ünben  oergeffen  unb  au$  ber  2ta)t  getaffen  werben,  2)er 
|ta)cre  SDcenfa)  meint  ^war,  feine  2Jctffet£at  gef>e  vorüber  )x>k 
ein  <Sa)ati,  ber  in  ber  fiuft  t>erf  a)winbet ;   aber  bk  6d)rift 


169 


fagt:  jte  fä)reie  jum  £immcl  unb  rufe  gletd;fant  21  dj  imb 
2öel>  über  ben  ©ünber  £erab,  fte  fontme  hinauf  *>or  ©Ott 
unb  zeuge  wiber  itljtt;  unb  werbe  in  ein  SBua)  serzeidmet* 
£ieß  liest  unb  |>ört  freiließ  mancher  ^Jcenfa);  allein  er  be* 
benft  nid)t,  wa$  eS  auf  ftd;  £abe*  Söte  e$  ftd;  mitgewölm* 
liefen  ©Bulben  »erhält,  baß  fte  täglid;  warfen  unb  fta) 
aufhäufen,  ef?e  man  e$  glaubt;  fo  ge£t  eS  mit  ber  ©ünbe* 
SBiele  freuen  ftd;  barüber,  baß  fte  trebit  {jafcen,  fte  ntp 
men  immer  ©elb  auf  unb  fragen  nia)t  barnaa) ,  wie 
groß  if>re  Dtedmung  fet;,  bi$  fte  tfmen  vorgelegt  wirb,  baß 
fte  erfa)recfen  unb  felbft  geftepen  muffen,  bk$  Ratten  fte 
nia)t  »ermuttjet  (Bcnfo  gejjt  e$  ben  ©ottlofen,  fte  (äffen 
e$  auf  ©etteä  ©nabe  unb  SSarmperztgfett  anfommen,  fün* 
bigen  immer  fort  unb  glauben  nia)t,  baß  fte  eine  fo  große 
unb  fd;were  Sftedmung  hä  bem  gerechten  unb  ^eiligen  ©ott 
jmben  werben»  ~  2lber  ia)  r>erftd;ere  bia),  o  9!ttenfa),  bu 
lannft  nta)t  ba$  geringfte  Unredjt  tl?un,  rannft  hin  unnütz 
28ort  reben,  j[a  nia)t  einmal  einen  fünblia)en  ©ebanfen  fabelt, 
ber  nia)t  t>on  ©ott  aufgezeichnet  unb  nia)t  e£er  getilgt  wirb, 
att  bi$  bu  mit  fjerzlidjer  3teue  im  ©lauben  um  Vergebung 
bitteft  (£$  ift  immer,  wo  wir  aua)  ft'nb,  eine  £anb  ba, 
wela)e  uufere  ©ünben  aufzeichnet  könnte  fie  5Ctfana)er  fe^en, 
wie  33elfa$er,  er  würbe  ftd;  eben  fo  entfärben,  gittern  unb 
erfa)reden,  wie  jiener,  zumal,  wenn  er  bie  @a)rift  lefen  unb 
t>ie  '3&l;l  feiner  Uebertretungen  erfahren  fönnte.  2Bie  e$ 
nun  ein  großem  Unglüd  ift,  in  fd;weren  ©d)ulben  ^u  fteden, 
fo  ift  ber  3ammer  noa)  viel  größer,  mit  @ünbenfd;ulben  über* 
l;äuft  31t  fet;n. 

£)ie  ©ünbc  ijt  aber  nidjt  feloä  im  £immel  angefdjrieben, 
fonbern  aua;  im  £er$en  be6  $?enfd;en+  (£r  glaubt  e3  zwar 
nia)t,  boa)  le^rt  hie  (Erfahrung,  ba$  manchmal  ba$  ©ewif* 
fen  ift,  wie  ber  33rief,  welcher  bem  $ro$?eten  d^ed)iet  ttorge* 
Ratten  warb,  eine  3ettlang  emgewidelt  unb  zufammengelegi, 
wenn  er  aber  geöffnet  wirb,  fo  ift  er  innen  unb  außen  mit  2la)  unb 
;2öe£  überfdjriebem  3e  länger  ber  öerblenbete  SJceufa;  fünbigt, 
befto  me^r  Unglüd  £äuft  er  über  feine  arme  6eele;  er 
gteta)t  einem  £ruufeubolb,   ber  »iel  ftarfeä  ©etrcmfe  mit 


170 


£uji  geniest  unb  erft  naa)ljer  ben  ©djaben  emöfmbet,  welken 
er  jt$  an  feiner  ©efunbpeit  getrau  jjat.  25ie  33eifpiele  berer, 
wela)en,  ba£  befa)werte  ©ewiffen  große  ^eqenSangjt  $erur* 
faa)t  £at,  tonnen  ba$on  3eugen.  Sßte  fläglia)  fpria)t  SDcunb 
baoon:  „9^eine  ©ünbe  iß  immer  x>ox  mir,  errette 
miä)x>  on  ben  IBtutf Bulben V  Errette  mia),  barmljer* 
3tger  unb  gnäbiger  ©ott,  meine  ©ünben  l?aben  mify  ergriffen; 
fte  machen  mir  angß  nnb  bange,  baß  ia)  o^ne  Deine  ^>ütfe 
erliegen  unb  serberben  muß*  —  28ie  ging  e$  bem  3uba3, 
ber,  bura)  ba$  ©elb  t>erblenbet,  ftc^  ntc^t  freute,  feinen  £errn 
3u  $erratljen  ?  £rieb  ifyn  nia)t  feine  £er3engangß  unb  baS 
t>on  ber  £ölle  ent3imbete  ©ewiffen  3ur  S8er3Weifluttg  ?  Unb 
fo  gel?t  e^  feitf?er  noa)  fielen  anbern  rua)lofen  30?enfa)en ;  fobalb 
bte  innere  ©timme  erwägt,  Ijaben  fte  weber  9^a(t  noa)  $tu£e, 
fte  mögen  gefjen,  wof>in  fte  wollen,  überall  derben  fte  t>on 
tfjrem  ©ewiffen  verfolgt  -  unb  ftnben  nirgenbä  £roß,  e$ 
fep  benn,  baß  fte  3U  bem  getreusten  3efu  ü)re  3ußua;t 
nehmen,  welken  ©ott  aU  einen  ©nabenßu^l  $>orgeftellt  §at  für 
alle  ©ünber.  SQBenn  e$  aua)  gleia)  noa)  nidjt  mit  Tillen, 
bie  in  beharrlichen  ©ünben  leben,  bapin  gefommen  iß,  fo 
fönnen  fte  boa)  au6  folgen  23eifpielen  lernen,  tt>a£  fie  Jjier 
unb  bort  31t  erwarten  Ijaben.  Die  ©ünbe  iß  ein  fa)leta)enbe3 
©tft,  baö  niü)t  aBbalb  wirft.  %kU  greifen  mit  £ußbamaa), 
weil  fte  nia)ts  <Sa)äblici)e£  tabei  füllen;  aber  wenn  ba$ 
©ewiffen  erwaa)t,  fo  wirb  bte  ©üßigfett  in  lauter  ©alle 
tterwanbelt,  baße^ljeißt:  (£$  tft  b  ein  er  33o££ett@tt)ulb, 
baß  bu  fogeßctupet  wirß  unb  b e in e 3 Ung e Ij orf am $, 
baß  bu  fo  geßrafei  wirft;  bu  mußt  erfahren,  wa3 
für  3ammer  unb  ^ergeletb  e6  bringet,  ben  £errn, 
beinen  ©ott,  31t  »erlaffen  unb  ijjn  nia)t  $u  füra> 
tem  —  3wifa)en  einem  fiebern  unb  geängfteten  ©ewiffen  iß 
ber  gleite  Unterfa)teb,  wie  3Wifa)en  3Wei  Uebelt^ätern,  wela)e 
in  hk  £>änbe  ber  Dbrigleit  geraden  ftnb,  unb  oon  benen 
ber  (£ine  fa)on  auf  ber  golter  liegt  unb  bem  Hnbem,  weiter 
gufte^t,  3eigen  muß,  wa$  aua)  er  naa)  einer  ©tunbe  3U 
erwarten  f>abe.  60  iß  nun  ein  ruä)lofer  ©ünber  ein  rea)t 
elenber  9tflenfa),  wenn  er  auä)  fein  (£lenb  noa)  niä)t  erfennt, 


171 


weil  er  ben  Soxn  ($otte3  täglicf)  über  ftä)  pciuft*  3uba3 
würbe  nic^t  erft  etenb,  aU  ba$  ©ift  ber  ©ünbe  in  ijwt  ^u 
Wirten  anfing,  fonbern  bamat$  fa)on,  at$  er  fta)  tton  ©Ott 
abwanbte,  ging  fein  Etenb  an  unb  würbe  nad;f>er  nur  offene 
bar*  —  Wlan  fann  mit  9?e$t  son  ben  ($ottlofen  fagen, 
-baß  fte  fa)on  in  biefem  £eben  ber  Spotte  angehören,  unb  wie 
bie  ©laubigen  fa)on  fetig  unb  mit  d^rifto  in  baö  fnmmttfdje 
SÖSefen  »erfe£t  ftnb,  alfo  ftnb  bie  ©otttofen,  fo  tange  fte  fo 
Heiben,  fa)on  gerietet  unb  tragen  ok  £öt(e  in  i£rem  33ufen, 
wiewohl  fte  eS  nia)t  gtaatben  ober  wiffem  könnten  wir 
Wirttia)  eine  unbugferttge  ©eete  feigen,  fo  würben  wir  x>ov 
iprer  2lbfa)eutia)feit  erfa)re(fen  unb  fte  mit  ben  Rauben  be$ 
©atang  beftrteft  ftnben,  je  naa)bem  bie  ©ünbe  in  tyx:$tn* 
fa)enb  geworben  ift  —  ©tnb  bie  ©otttofen  froljliä)  bei  ipren 
3ed)en,  fo  ftnb  bie  j>öllifa)en  ©eijler  zugegen  unb  ermuntern 
fte  ättr  £runfen|jeit,  geben  irrten  allerlei  teia)tfertige,  unfeufaje, 
fa)timme  ©ebanfen  ein,  tteranlaffen  fie  ^u  t|>öria)ten,  fa)cinb* 
tid)en  ^eben  unb  treiben  fte  $on  einer  ©ünbe  $ur  anberm 
tyRafyt  ein  Unbuf fertiger  eine  Steife,  fo  ijt  auä)  oa  ber  ©atan 
bei  ijjm  fammt  aljen  ben  £aftern  unb  ©itnben,  benen  er 
fonft  ergeben  tji;  ©tubirt,  fa)reibt  berfetbe,  ober  jt$t  er 
über  feinen  9?ea)nungen,  fo  ftnb  ok  fjö(tifa)en  ©elfter  gleiä> 
wojrt  feine  ©efettfdjafter,  bewarfen  tyn  in  feiner  23o£peit, 
bringen  ij)m  altertet  tiftige  2Infa)läge  hä  unb  unterfingen  il?n 
in  feinem  gotttofen  SBorjjaben,  bie  Einfältigen  ^u  fangen* 
Söenn  er  in  $>k  $ira)e  gejjt,  fo  begleiten  fte  tjm  aua;  bajnn, 
gerftreuen  fein  #er$  wä^renb  be£  ©otteefotenfteä  auf  altertet 
SÖetfe,  wiegen  tyn  in  ben  ©tt)taf,fo  ha$  ber  SDtenfa)  $war 
in  ber  $trä)e  tft,  aber  ofme  £er$,  ofme  2lnbaa)t,  ofme 
gura)t  SÖitt  er  aber  wtrfltd)  auf  bie  f  rebigt  2lä)t  jjaben, 
unb  bringt  ber  Zeitige  ©etffc  mit  bem  203 ort  ^u  feinem  ^eqen, 
fo  tommt  ber  ©atan  unb  nimmt  baffetbe  wieber,  bamit  er 
nia)t  glaube  unb  feiig  werbe«  Söitt  er  beten,  fo  mi$  e$ 
ber  33erfftj?rer  fo  $u  leiten,  baß  va$  Qbchtt  tin  teeret  fitip* 
pern  mit  bem  2ttunbe  wirb,  wiewofrt  er  e$  metftenö  bainn 
bringt,  va$  ber  SD^enfa)  ba$  ®täet  gan$  sergigt,  ober  fein 
©efoött  bamit  treibt.  —  ©epet  er  $u  0ette ,  fo  ftnb  bie 


172 


böfen  ©eifter  aua)  ba  zugegen,  Reifen,  tag  er  red)t  j!a)er 
einfc^Cdft  unb  fdjänblidje  unb  fünblia)e  Traume  in  ij?m  ent* 
fiepen«.  28enn  er  erwägt,  fo  machen  jte,  bag  er  auf  feinem 
Sager  naa)  6d)aben  trautet,  fta)  an  feinen  begangenen 
©ünben  ergoßt  ober  auf  fünftige  fmnt*  S8on  einem  folgen 
9ttenfd)en  fann  man  nidjtS  anberS  fagen,  als  bag  er  in  tm 
Firmen  beS  Teufels  fa)lafe;  e£  ift  nur  (Ein  <&tyxitt  awifa)en 
ifmt  unb  bem  ewigen  gebe*  5^ur  etwas  ift  es  nod),  baS 
t£n  erhält  unb  bem  <5atan  md;t  geftattet,  feinen  SBillen  an 
tfmt  $u  sollbringen,  —  bie  götttia)e  Langmut!)  unb  ©üte, 
wela)e  immer  unb  immer  zuwartet,  ob  er  nia)t  33uge  tlme* 
SSenn  aber  bie  ©naben^eit  balnngept  unb  ber  rudjlofe  @ünber 
alle  ©nabenmiitel  beparrlia)  *>eraa)tet,  fo  erreicht  fein  Girleub 
ben  £ba)ften  ©rab,.bag  eS  tton  i£m,  wie  t>on  bem  $ömg 
<5aul  peigt:  „<$x  fiarb  in  feinen  ©ünben*"  —  9D?e* 
lanc^on  l?ält  eS  für  bie  fd)recflia)ften  Sorte  ber  ©a)rift, 
wenn  *>on  Subas  gefagt  wirb:  ber  teufet  fupr  in  tf>n, 
ober  oon  anbern  ©otttofen:  dv  naf>m  baS  2Öori  $on 
tpren  ^er^en*  £>benan aber  ftefjen  gewig  biejenigen:  „fie 
ftarben  in  ipren  Sünben";  benn  naa)  bem  £ofce  ift  feine 
©nabe,  leine  23uge,  feine  Hoffnung  me£r*  2ßaS  ber  Sttenfa) 
in  ber  3ät  gefeiet  £at,  baS  wirb  er  ernbten  in  (Ewigfeit; 
mt  ber  33aum  fällt,  fo  Uciht  er  liegen;  wer  in  feinen 
©ünben  ftirbt,  über  bem  bleibt  ber  ßvxn  ©otteS  ewtglia), 
2)a  wirb  e£  feigen:  wie  ttiel  er  fia)  perrlia)  gemacht 
unb  feinen  SHut^willen  gehabt  j?at,  (weld/  groge 
£ujt  unb  greube  er  in  feinen  ©ünben  fanb),  fo  ttiel 
fa)enft  tym  dual  unb  ^Oe it>  ein!"  — 

Raffet  uns  nun,  meine  SBrüber  unb  @a)wefkrn,  ben 
flägliajen  3uftanb  ber  fünbliajen  ©eele  ^ufammenfaffen*  ©ie 
iß  eine  geinbtn  ©otteS  unb  ein  ©reuel  »or  feinen  klugen, 
ein  @a)eufal  ber  (Engel,  eine  greunbin  ber  Teufel  unb  tin 
<5a)anbflecf  ber  $ird;e  ©oiteS,  auSgefa)loffen  son  ber  ©e* 
meinftt)aft  ber  ^eiligen,  aller  ©nabengaben  ber  ®inber 
©otteS  beraubt,  gefa)änbet  in  i^rer  pcd)jten  (£f?re,  arm  Ui 
aW  t^rem  ^eidjtjmm,  abfc^eulia;  hä  alT  iprer  95rad;t  ift  fie 
ber  (£rbe   eine  £aft  unb   allen  Kreaturen  $ur  SSetrübnig* 


173 


2Bo  fte  gept  unb  ftel)t,  tfi  fte  *>on  ber  £olte  umgeben,  arm, 
elenb,  nadt,  blinb  unb  bloß,  t>erfhtd)t  iß  tyx  Eingang  unb 
Ausgang,  t£r  ©ebet  unb  ©oticSbienft  tft  ©ünbe*  ©ie  tjl 
lebenbig  tobt,  lebt  im  £cbe  unb  ift  tobt  in  ifjrem  befkn 
£ebem  £)al>er  ein  angefef>ener  £ef>rer  mit  9?ca)t  fagt:  2)a$ 
2öort  ©ünbe  begreift  bcn  3orn  >®otteö  unb  ba$  gan$e 
Sfteta)  be£  ©atanS  in  fta)  unb  tfi  an  fa)redlia)  £)ing,  ntepr, 
aU  man  auSfprea)en  fann*  —  (£inanberer:  wenn  er  $wifa)en 
ber  £>ölle  unb  ber  ©ünbe  wählen  follte,  fo  wollte  er  lieber 
in  ber  £Me  ojjne  ©ünbe  aU  in  ber  ©ünbe  ojme  ©ott  unb 
feiner  ($nabe  fepn*  £)aper  fagte  aua)  jene  gottfelige  Butter 
3U  i^rem  ©oljn :  ©ie  wolle  i{m  lieber  $or  ipren  lugen  jterben, 
aU  eine  £obfünbe  begeben  feiern  — 

©teile  nun,  o  @fmjl,  ber  bu  biefeS  Ijörfi  unb  tfefcft,  eine 
genaue  Prüfung  an,  unb  forfa)e  fleißig  naa),  ob  bu  bid) 
nid;t  in  einem  folgen  gefährlichen 3uftanb  beftnbeft?  ©a)meia)le 
bir  ma)"t  felbß,  fa)one  bia)  nid)t,  e£  gilt  pier  nid;t  (3ut 
unb  (£(?re,  nia)t  $eih  unb  £eben,  fonbem  ©eele  unb  ©eligfetf, 
£)enfe  x>on  bir  nia)t  all^ugut,  unb  traue  bir  ma)t  gu  »te( 
Stu  2)a3  lergjte,  wa$  bk  ©ünbe  mit  fta)  bringt,  ip  baS, 
baß  fte  bie£eute  $erblenbet  unb  fta)er  mad;t,  baf?  bie,  welche 
am  tiefften  in  bem  ©ünbenelenb  fmb,  e$  am  wenigen  mei* 
neu ,  befonberS  wenn  noa)  geitlid;e^  ©lud ,  weltltd)e  <£$xt 
unb  ^o^eit,  SEeiajtfmnt  unb  ©unft  Ui  3&eufa)en  ba^u 
lommt  2öer  will  (bem  ©ottlofen)  fagen,  waö  er 
^erbtent,  fagt  £iob,  wer  barf  i£m  feinen  28eg  x>ox 
lugen  legen;  unb  wer  will  tf>m  vergelten,  wenn 
er  etwas  S3öfe3  tjjut?  — Jener  tönig  fragte,  baß  er 
2We3  an  feinem  £ofe  fyätte,  nur  bie  2öa£rf)eit  nia)t,  unb 
beffen  ©o|m  fragte  einmal  feinen  2föunbfa)enfen,  ob  er  nia)t 
glaube,  baß  wenig  Regenten  in  ben  Fimmel  fommen,  unb 
wa$  bie  Urfad)e  fep?  IIS  nun  biefer  mit  ber  Antwort 
zögerte,  ful?r  er  fort:  (£$  ift  fein2öunber,  baß  wenige  feiig 
werben,  fte  Jmben  gu  wenig  ^erfonen  um  fta),  bie  ifmen 
bie  SBaJjrljeit  fagen»  £)tefer  Mangel  ftnbet.  nia)t  allein  bei 
^o^en  £>ciuptern  ftaü,  fonbem  aua)  bei  niebern  (Btänben, 
wenn  fie  einen  SSorjug  an  ©ütern,  Wlafyt  unb  (£fare  Ijabem 


174 


(Sie  ftnb  $war  felbfi  größtenteils  ©d;ulb  baran,  fcaß  fte 
bte  SSaprfjeit  nid)t  Ijören;  bemt  fte  werben  bem  gram,  ber 
nitf)t  nad)  tf?rem  (Sinne  rebet ,  obgleta)  fte  pm  £eil  iprer 
(Seele  nia)t£  23effere$  tlmn  tonnten,  als  baß  fte  trgenb  einem 
aufrichtigen  Sftenfajen,— befonberS  benen,  bie  bap  berufen  ftnb, 
erlauben  würben,  fte  ojjme  ftuvfyt  ungefa)eutoon  ij>rem3uftanbe 
gu  unterria)ten+  2tua)  wäre  e$  t|men  fejjr  Jeilfam,  wenn 
fte  öftere  naa)  ©otteS  Sßort  tim  genaue  Prüfung  t^re^ 
@Jmjtentf)umS  anketten  würben,  bamit  fte  ni$t  mit  ber 
Hoffnung  be3  fyimmtU  pr  £oße  wanberten*  —  Partim, 
wohlan  meine  £efer,  wer  tf>r  aud?  fet;b,  gebt  ©Ott  bie  (£§xt 
unb  tjrnt  eS  ^um  heften  eurer  (Seele,  unb  unterfua)et  bmtt 
genau  euer  £eben,  euern  SBanbel,  euer  2lmt,  eure  Sßege, 
ob  fte  bem  SSitlen  ©otteS  gemäß  unb  bem  peiligen  23orbilb 
3efu  (£f>rtftt  angemejfen  ftnb  ober  nta;t,  ob  t>k  (Sünbe,  ber 
(Eigenwille,  t>k  £offart,  t>k  Unfeufa)jj  eit,  ber  ©ei$,  t>k 
geinbfeltgfeit  in  eua)  f?errfc|)e,  ob  if?r  gelernt  jwbt,  eud) 
felbft  £u  serläugnen,  ob  ipx  ber  Söelt  abgeftorben  fepb,  euer 
gfeifa;  famt  ben  lüften  unb  25egierben  freu^igt,  ob  ij?r  tag* 
ItcJ)  euer  $reu$  auf  eutt)  nejmet,  unb  bem  £errn  3efu  naa> 
folget,  ob  ifyv  auf  bem  fd>malen  SBege,  ber  $um  £eben,  ober 
ben  breiten  2öeg,  ber  gur  Skrbammniß  füljrt,  wanbelt?  £)ieß 
§u  wiffen,  tjt  nia)t  fd>wer*  Dffenbar  ftnb  bie  28erfe 
be$  gtetfd;e$,  fagt  $aulu3  im  33rief  an  bk  ©alater  5, 
19»  unb  füjrt  fte  ber  8?eipe  nad;  auf.  SBer  biefe  (Stelle 
mit  31ad)ben!en  liest,  Ui  bem  wirb  es  nia)t  fehlen,  baß 
tj?n  fein  £er$  entweber  anf lagt  ober  entfdmlbigt;  eS  wirb 
tf?m  gletajfam  eine  (Stimme  prüfen:  —  bu  Uft  ein 
fSHann  beS  £obe$!  ein  $inb  beS  3orn^;  ober:  bu  bift  ein 
$tnb  ©otteS  unb  ber  ©nabe!  2Benn  ibr  nun  baS  erfte 
pöret,  fo  laffet  eud)  $on  eurem  äußerlid;en,  glüdlid;en 
3ujtanbe  nia;t  blenben,  fonbern  benfet  an'S  (£nbe,  unb  wo 
e$  $inau$ttritt*  2Bas  jnlft  eu$  alle  $raa)t  ber  SBeft,  £fjre, 
£of>eit,  ^eiajtfjum  unb  SÖBolluß,  wenn  eure  (Seele  *>or  ©ott 
elenb,  jämmerlia),  arm,  blinb  unb  bloß  ift?  SaS  jnlft  e$, 
baß  euer£eib,  naa)  ber  neueften  Siftobe  gefteibet,  mit  ©olb, 
perlen  unb  (£beljteinen  gefa)müdt,  bte  klugen  ber  Seltlia)* 


175 


geftnnten  auf  eu$  vtc^tet,  wenn  eure  ©eele  um  ber  ©ünbe 
willen,  in  welker  ifyx  Itbti,  ein  ©reuel  sor  ©Ott  unb 
feinen  (Engeln  ift?  2Ba3  Ijilft  es,  wenn  \l)x  sielen  £aufen* 
ben  ^u  befehlen  fjabt,  unb  siele  £dnber  unb  £eute  naa)  eu= 
rem  ©inn  bel;errfc!)et,  wenn  t^r  eua;  son  euren  fünblia)en 
lüften  bef>errfa)en  taffet  unb  eure  «Seele  eine  ©Häsin  be$ 
©atanS  ift?  2BaS  nügt  eure  Sßtityät ,  ©elaprtjjeit  unb 
©efa)icflia)feit ,  wenn  ©Ott  euä)  in  feinem  SSort  für 
Sporen  erflcirt,  benen  man  Mb  bie  Seele  unb  2llle$ 
nehmen  werbe?  SößaS  jritft  alle  ©unjt  Ui  Sftenf  a)en 
unb  tin  groger  Warnt  sor  ber  Sßelt,  wenn  t£r  bie  ©nabe 
©otteS  verloren  fyaht,  unb  man  im  Fimmel  son  eurem 
Warnen  nia)t$  wiffen  will?  2BaS  ^ilft  e$,  wenn  eS  eua) 
nad?  SÖunfa)  unb  Tillen  in  ber  SBelt  gefjt,  wenn  eure 
(gfyxt  jur  <Sa)anbe  wirb  unb  euer  Grube  bie  58er* 
bammnig  ift?  —  ©laubet  mir,  baß  $iele  euresgleichen, 
bk  bei  il?rem  ^eitltc^en  ©lud  ber  gura)t  ©otteS  sergeffen 
£aben,  fegt  fo  beulen  unb  fTagen,  xok  baS  IBucf>  ber  2Sei3* 
fjeit  faßt:  3Btr  finb  eitel  unrechte  unb  fc^äblia)c 
2öege  gegangen  unb  fjaben  gewanbelt  wüfte  Um* 
wege;  aber  beS  £errn  Sßege  fjaben  wir  nia)t  ge* 
wu^t  2öaS  IHlft  unö  nun  bie$raa)t?  2Ba3  bringt 
uns  nun  ber  ^eiäjtljum  fammt  benw&oa/mutlj?  (£$ 
tj!  5llleS  baf>tugefaj?ren,  wie  ein  «Schatten,  unb 
wie  ein  ©efd)rei,  baS  sorüber  fäjjrt?  —©leiere  %x- 
bat,  gleicher  £o£n,  gleiche  <3aat,  gleiche  ^rnbte*  —  2ßie  ipx 
Seben  war,  fo  ift  t>a$  eure,  xx>k  tpr  (£nbe,  fo  baS  eure, 
wenn  iljr  nia)t  M  Stittn  umfe^ret  —  3e  beflfer  e$  eu$ 
bei  eurem  gottlofen  Söefen  ge£t,  \t  me£r  $abt  tyx  Urfaä)e, 
eua)  gu  fürchten.  (£ine3  ber  fa)werften  ©eria)te  ©otteS  ijt 
e3,  wenn  (£r  einem  9}?enfd;en  feinen  Wlnfymttcn  glücflia; 
fortgeben  läjfet,  wenn  dx  ijjn  mit  allerlei  seitlichem  ©egen 
überfd)üttet,  tro#  feiner  © ottloffgf dt  3pr  wiffet,  mt  e3 
bem  £aman  ging,  ber  au$  feiner  @J?re  unb  £errlia)feit  son 
ber  föntglidjen  £afel  weggenommen  unb  an  ben  ©algen, 
ben  er  einem  frommen  Spanne  errieten  lieg,  gelängt  würbe. 
2)a$  ©lütf  ber  ©ottlofen  ift  ein  Vorbote  ifjreö  ewigen  Un* 


176 


gtücfg,  eS  ift  fem  3eia)en  ber  göttlichen  ©nabe,  fonbern  be3 
3orn3*—  %U  man  einem  berühmten  $?arfcf)atl  in  granfreia), 
ber  mit  ber  Religion  unb  mit  bem  ©ottesbienft  feinen 
<5pott  trieb,  er$ä£lte ,  ba$  tin  $?önd)  bem  GEqbifdjof  oou 
C^on  auf  feinem  £obbette  gefagt  fjabe,  wenn  ©ott  feine 
25efferung  Ui  bem  $?enfa)en  roajjrne^me,  fo  tterlaffe  <£r 
benfeiten,  »erteile  tjjm  aber  aeitlidjeS  ©lücf  unb  2Bof?lfaJ?rt, 
fo  bafi  2l(le3  naa)  feinem  ©inn  ge|>e  unb  er  im  Ueberfluf) 
bajnn  lebe,  —  erwieberte  Jener,  ba$  er  unter  biefer  33ebingung 
autt)  t>erlaffen  ju  werben  wimfa)e*  —  28ie  wapr  fwt  ber 
SDccmd)  gefproa)en;  bem  ©pötter  aber  ging  e$,  wie  er  be* 
gefjrte,  er  war  unter  benen,  oon  welken  ber$ropi?et  fagt: 
„£)u,  o@ott,  fe^eft  fie  auf's  ©d;lüpfnge  unb  ftür* 
3 efi  fie  $u  23oben,  wie  werben  fie  plö^iia)  $u 
nickte;  fie  gej?en  unter  unbnepmen  eingrübe  mit 
©a)recfen,  wie  ein  £raum,  wenn  dintx  erwadjt, 
fo  maa;ß  bu,  £>err,  t£r  lö üb  in  ber  ©tabt  »er? 
fa)m ä£t"  £)en  ©iinbern  gibt  ©Ott  meiftenS  seitliche  ©üter 
im  Ueberflug,  weil  ba3  if>r  einiger  SBimfä)  ijt';  aber  5U  fei? 
ner  3eit  rafft  (£r  fie  J>tn  ^um  ewigen  SSerberbem  Sla)  elenbeS 
©lücf,  ba$  ewigem  Unglücf  naä)  fta)  %itytl  —  23et  einer 
anbern  Gelegenheit  £afce  ia)  bie  grage  aufgeworfen:  2Öer 
wofrt  ber  elenbejle  Sftenfa)  fei;,  unb  antwortete  barauf,  bag 
bie  $war  elenb  ^u  nennen  fe^en,  weld;e  arm,  franf,  tjrer 
<5inne  h^xauht  unb  ^abä  *>erlafjen,  seracfjtet  ftnb,  aud)  bie, 
wela)e  in  Letten  unb  Rauben  gehalten  werben,  ober  mit 
allerlei  f^weren  Anfechtungen  ^u  fämpfen  £aben;  boa)  fep 
9tiemanb  elenber,  als  ein  gottlofer  $cenfa),  ber  münbug* 
fertigfeit,  *>orfä$fta)en  ©ünben  unb  in  ©ia)erljeit  balunlebe, 
unb  beffen  ^u^loftgfeit  mit  geitlidjem  ©tue!  tterbunben  fep, 
fo  bag  er  um  ©otteö  ©nabe  unb  um  feine^  ©eligfeit  un* 
befünfmert,  gleid)fam  frof?lia)  unb  ladjenb  ^ur  £ötle  eile. 
®mi%  ein  fola)er  5Dtafa),  wenn  er  aua)  ©cepter  unb 
^rone  tragt,  in  6ammt  unb  <Seibe  prangt,  täglia)  j?errlia) 
unb  in  greuben  lebt,  twn  3ebermann  £oa)gefa)ä£t  unb  glücf* 
Itct)  gepriefen  wirb,  möa)te  boa)  am  (£nbe  wünfd)en,  baß 
er  nie  geboren  wäre*    Unb  man  jmt  siele  23eifpiele,  ba$ 


177 


bicfe  &utt ,  wenn  fie  *>on  tljrer  (iittlhit  in  tue  Qrwigfeit 
gefjen  mufften,  wünfdjten,  fie  möchten  i£r  £ebcnlang  £ag* 
Jöj?ner,  ja  Bettler  gewefen  fcpn,  nur  um  einige  Hoffnung 
3ur  Seligfeit  gu  paben.  --  80  fef>et  alfo  barauf,  ba£  tf»r 
»or  Willem  naa)  bem  Sianbe  ber  ©nabe  traa)tet,  unb  wenn 
t&r  ftnbet,  ba§  ipr  bura)  bie  Sünbe  a\\$  bemfelben  gefallen 
fetpb,  fo  eilet  unb  rettet  eure  Seele!  9cel?met  baS,  wag  oben 
son  ber  fünbpaften  Seele  gefagt  worben  ift,  noa)  einmal 
x>ox  eua),  überleget  es  wopl,  unb  benfet  ntc^t,  baj?  e$  eine 
bloS  gehievte  9?ebe,  ober  leere  Sßorte  fepen,  fonbern  tin 
ivixHityeö,  wahres  33tlb  eurer  armen  «Seele.  2ßenn  e$  einen 
©ptegel  gäbe,  in  bem  if>r  cuern  innerlichen,  unbugfertigen 
3uftanb  betrachten  fönnet,  fo  würbet  if>r  erfdjrecfen,  als  ob 
il?r  ben  Teufel  fepet;  benn  xcaö  anberS  ijt  eine  unbuf fertige 
Seele,  als  ein  33ilb  beS  £eufelS?  —  £)oa)  wo^u  einen  folgen 
Spiegel?  ©otteS  ^eiliges  unb  unfehlbares  2Bort  ift  ber  bejie 
Spiegel,  in  bem  tpr  eua)  befdjauen  fönnet,  wenn  tyx  nur 
wollet.  £>arum  eilet,  (ify  hüte  eua)  um  ber  SSunben  3efu 
willen,)  wenn  i£r  bieg  gelefen  fjabt,  laffet  bie  Sonne  nia)t 
nocfy  einmal  über  eurer  Unbugfertigfeit  untergeben;  leget  eua) 
nid;t  noa)  einmal  mit  euren  Sünben  ju  23ette.  diä$et  eua) 
loS  aus  ben  Stricfen  beS  Satans,  fepet,  bie  ©nabentfmre 
pe|jet  eua)  nod)  offen,  unb  ber  barmherzige  ©ott,  ber 
nia)t  ben  Stob  beS  SünberS  will,  fonbern  baf?  er 
fia)  belehre  unb  lebe,  ruft:  IMer  bin  3a)!  £ier 
bin  3$!  Se^et,  ^ ter  ijt  ber  ©nab  enftupl,  3efn3 
£l)riftuS  ber  ©efreu^igte,  31t  3N  flieget  unb  fua)et 
©nabe,  tyx  werbet  fie  ftnben!  £ier  ift  ber  freie,  offene 
Brunnen  wiber  Sünbe  unbUnreinigfeit;  wafa)et 
eua),  reiniget  eua),  tl)\it  euer  böfeS  Sefen  öon 
©otteS  Slugen,  laffet  ab  t>om  23öfen  unb  lernet 
©uteö  tljun!  SSenn  gleia)  eureSünbe  blutrot^  ift] 
foll  fie  boa)  fcf>necwei§  werben,  unb  wenn  fie 
gleta)  ift  toie  bie  D^oftnfarbe,  foll  fie  boa)  imt 
mifyt)  2öolle  werben!  —  (£f)e  wir  biefe  £ef>re  fa)lief?en, 
wollen  wir  noa)  einer  Gegebenheit  erwähnen,  bie  rea)t  gut 
für  unfern  ©egenfknb  paßt.    <£ixi  reia)er  ,$camt,  ber  fia) 


m 


m  bte  ©üter  ber  SBelt  unb  in  bie  SBotfufi  be$  SebenS  fo 
vertieft  ^attc,  ba£  er  naa)  ©ott  unb  bem  £tmmel,  naa) 
bem  teufet  unb  ber  £ölle  gleichviel  fragte,  aua)  nie  in  bie 
$ira)e  ging,  unb  fein  3ureben  ber  @etjtlia)en  geftatten  wollte, 
um  nia)t  in  feiner  greube  gefrört  gu  werben,  patte  einen 
gelehrten  unb  frommen  greunb,  ber  ifm  gerne  auf  anbere 
©ebanfen  gebracht  parte,  unb  tpn  begpalb  befugte.  ®leia) 
Mm  (Empfang  fagte  3ener,  er  möa)te  ir)m  nur  von  geift* 
lia)en  2)ingen  nia)t$  fagen,  er  trotte  nia)t$  bavon  pörem 
3)iefer  antwortete:  er  fep  aus  greunbfä)aft  $u  ir)m  gefom* 
men,  unb  fyabt  fonft  allerlei  mit  tp.m  §u  reben,  Er  blieb 
eine  3^tlang  unb  fpraa)  wtrflta)  über  verfa)tebene  ©egen* 
ßänbe*  33eim  SSeggepen  aber  bat  er  feinen  greunb ,  bag 
er  ipm  erlaube,  weil  fi'e  nun  fo  lange  von  weltlta)en  £>in* 
gen  gerebet  pätten,  nur  wenige  SBorte  über  ba£  £eil  feiner 
©eele  f)in$u$ufügen.  Obgleta)  Jener  bieg  nia)t  pgeben  wollte, 
fo  fupr  er  boa)  fort  unb  fagte :  ia)  bitte  bia),  mein  greunb, 
um  ©otteä  willen,  wenn  bu  be$  2lbenbg  ju  53ettz  gepejr, 
fo  benfe  boa;  baran,  wag  für  ein  böfeS  £ager  bte  ©ottlo* 
fen  unb  SSerbammten  in  ber  £ölle  pafres  werben  —  ba$ 
Unterbette  werben  ©anlangen  unb  SOSürmer  fe^n,  bag£)ber* 
lett  ein  brennenber  *Pfujrt  von  $ea),  geuer  unb  8a)wefel. 
2)er  ©ottlofe  entrüjiete  fta)  $war  barüber,  unb  lieg  feinen 
greunb  im  3orn  von  fta);  boa)  fonnte  er  naa)t)er  biefer 
Erinnerung  nia)t  lo3  werben.  £)ie  SSürmer,  bie  ©a)lan* 
gen,  ba$  $ea)  unb  ber  6a)wefel  ftanben  tym  immer  vor 
Slugcn;  er  ging  in  fta),  lieg  feinen  woplmeinenben  greunb 
rufen ,  unb  verlangte  von  tfmt  ju  wtffen :  voie  er  ber 
ewigen  Söerbammnig  entrinnen  möge.  Er  befolgte  aud) 
beffen  guten  Sftatp,  tyat  23uge,  unb  fing  an  ein  a)rtftlta)e$ 
£eben  $u  führen.  —  9ctmm  aua)  bu,  mein  £efer,  bieg  51t 
£er$en,  unb  faffe  ben  gleichen  Entfdjfug;  benn  morgen  möa)te 
e$  vtefteiept  $u  fpät  fepn!  — 

Raffet  un$  nun  aus  bem  Söteperigen  lernen,  wie  wir  über 
ba$  ©lütf  unbUnglütf,  über  bte  Girpre  unb  ©a)anbe,  über  ben 
*fteia)tpum  unb  bie  Slrmutp  Ruberer  rea)t  a)riftlia)  urteilen 
fotteru    Sßir  irren  barin  manchmal  fepr;  wir  fepen  oft  t>k 


179 


«Pracht  ber  ©ottlofen  mit  Sewunberung, ,  unb  ba$  (£lenb 
ber  grommen  mit  $eraa)tung  an;  wir  wünfa)en  bem  ©lud, 
ben  wir  besagen  follten,  unb  beflagen  ben,  bem  wir 
©lud  wünfa)en  füllten,  Un$  gefallt  ein  bunteö  Äletb,  mit 
weldjem  ein  frerbltc^er  SCRenfa)  feine  @a)anbe  bebeeft,  unb 
ba3  $fetb  ber  ©ererätigfeit  unb  ber  SRod  beä  £eil$,  mit 
weitem  3efu$  feine  ©laubigen  angetljan  $at,  achten  wir 
nta)t;  bie  perlen  ber  ©ottlofen  fa)ä#en  wir  £oa);  bte££rä* 
nen  ber  $inber  ©otteä  aber  wiffen  wir  nia)t  au  fd^df  en»  — - 
9htn,  liebe  2ftita)rijkn,  glaubet  fta)erli$,  baß  9?iemanb  glütf* 
feiig,  alä  wer  auä)  gottfelig  ifl,  2ßer  im  ©lauben  be3 
©o£neö  ©otte£,  ntdjt  naa)  bem  gletfa),  fonbern  naa)  bem 
©eij*  lebet,  unb  alfo  bei  ©Ott  in  ©naben  i%  ber  fkf>t  fjoa), 
wenn  er  aua)  ber  Sftebrigjte  in  ber  2Belt  iß,  er  ifl  glücffia) 
im  äußerten  GElenb,  er  iß  fa)ön  gefdmtücft,  wenn  er  in  feinen 
$erriffenen  Pumpen  fta)  faum  me£r  verhüllen  fann.  —  ©eü>et 
t>m  reichen  Sttann  unb  ben  £a$aru3,  —  Paulus,  ben  gebunbe* 
nen  unb  t>on  ber  Söelt  gesagten  2lpoftel,  unb  gelir,  tm 
römtfdjen  £anbpfleger  in  3ubäa,  —  bie  ©ünberin,  wela)e  bem 
£errn  3efu  $u  Süßen  liegt,  unb  jie  mit  £j?ränen  bene$t, 
unb  bie23ernice,  welche  in  $raa)t  unb  Gritelf  eiterfa)eint;  — 
weld)e  galtet  i|>r  für  bie© lücf  fetigften  ?  SSenn  wir  tneileia)t 
gu  jener  Sät  gelebt  Ratten,  wären  wir,  eingenommen  son 
bem  äußerlia)en  ©a)eine,  verleitet  worben,  ein  falfa)e3  Ur* 
tjjeil  $u  fällen;  allein  ber  2Iu$gang  §at  m$  gelehrt,  wer 
feltg  $u  greifen  tji  2)ie  2lrmutj>  be$  £a$aruä  ifi  ewiger 
!fteia;tf)um,  bie  £jjränen  ber  (Bünberin  jtnb  in  2öein,  bie 
23anben  beä  Paulus  ftnb  in  fronen  unb  *ßa!m$wetge,  — 
baS  SSofjlleben  beg  ^eia)en  bagegen  iß  in  ewigem 
beulen  unb  3ä£nflap£ern ,  ber  eitle  ©a)mutf  ber  Söer* 
nice  in  2Bürmer,  bie  seitlicbe  (ürljre  beä  geltr  in  <Sa)maa; 
unb  6a)anbe  serwanbeli  worben,  —  <£in  mäa)tiger  9ftonar$ 
ließ,  al$  er  auf  feinem  Stobbette  lag,  feinen  ££ronfelger 
$u  fta)  rufen,  unb  geigte  ü)m  feinen  jämmetlia)  3itgeria)teten 
Körper,  mit  ben  SB  orten :  ©tef?e,  mein  Sefm,  xca$  wir  unter 
unfern  föniglia)en  Kleibern  beefen;  ia)  bitte  bia),  wenn  bu 
bieb   in   <££re  unb  Sßßiivbe  beß'nbejt,   fo  erinnere  bi$   au 

12* 


180 


meinen  fraglichen  3uflanb  unb  oergij?  meinet  elenben  £ager$ 
nia)t.  —  ©epet,  ba£  ift  btc  ©tüdfeltgfeit  unb  £errlia)feti 
ber  Seit!  Urteilet  nun  felbfi,  ob  2)ie  oor  Slnbern  feiig  $u 
greifen  fc^en,  wcfa)e  ^war  im  3rbtfd;en  alle  SBorgüge  beft^cn, 
bocfj  ber  ©ünbe,  bem  Gftcnbe  biefeS  £ebeng  unb  bcm  £cbe 
ebenfo  unterworfen  ftnb,  als  ber  geplagtefte  S5auer  unb  ber 
elenbefie  Bettler,  —  befonber£,  wenn  aud)  nod;  bte  Verbamm* 
ni§  ba$u  fommt  gaffet  un$  bte  ©aa)e  xtfyt  bebenfen,  unb 
fte  nia)t  naa)  bem  äugern  ©a)ein,  nia)t  naa)  bem  gleifa), 
fonbern  naa)  bem  ©etft,  niä)t  naa)  bem  ©tun  ber  Seit, 
fonbern  naa)  bem,  m$  ©ott  gefällt,  beurteilen.  £>ie 
grommen  werben  nia)t  bto^  barum  bie  Verborgenen 
(Sottet  genannt,  weil  fte  ©Ott  3ur  3ett  ber^etfj  aufnimmt 
unb  fa)ü£t,  fonbern  aua),  weil  er  fte  unter  oiel  Slrmutlj, 
£rübfal,  ©a)maa)  unb  Verachtung  $u  oerfteden  pflegt.  £)enn 
Wie  er  in  ber  9catur  ben  fügen  ®em  in  raupen,  bittern  $üU 
fen,  bie  $ofe  unter  ben  dornen,  i>a$  ©ofb  in  ©a)faden 
unb  ben  ^Diamant  in  geifert  oerbirgt,  eben  fo  oer^üllt  er  bie 
©einigen  in  £riibfal.  Ser  fyättt  unter  bem  armfcligen 
$leib  unb  in  bem  elenben  Körper  be$  ^a^arue  eine  fola)e 
tjjeure  ©ecle  gefua)t,  um  beren  ^etmpolung  fta)  felbft  bte  (üntgel 
ffritten?  £)tefer  war  ein  Verborgener  ©otte£.  Raffet  m\$ 
baf)er  gleif?  anwenben,  ba$  wir  biefetben  fennen  lernen,  laffet 
greunbfa)aft  mit  ifjnen  machen,  naa)  bem  Sort  be$  (Exlö* 
fer$:  „50caa)et  eua)  greunbe  mit  bem  ungerechten 
Mammon,  auf  baß,  wenn  ij?r  nun  barbet,  fie  eua) 
aufnehmen  in  bie  ewigen  Bütten.  —  £>te  frommen  %x* 
men  befommen  $caa)t  oon  ©Ott,  i£re  Sofrttpäter  in  ben  Fim- 
mel aufzunehmen,  fte  ftnb  arm  in  ber  Seit  unb  wir  reia), 
naa)l)er  änbert  fta)  bk$t  fte  ftnb  reid)  unb  wir  barben.  — 
Darum  fott  un£  1)  bie  greunbfa)aft  eines  im  ©fauben  mit 
(££rifto  »ereinigten  Bettlers  mel;r  gelten ,  als  ok  l?öa)fte 
©nabe  etneS  gotttofen  Regenten.  Die  £jjränen  ber  ©ott* 
feiigen  ftnb  beffer,  als  alle  ©a)ä|e  ber  Seit,  ein  ©eufter 
etneS  ©laubigen  ift  beffer,  aiß  baS  ©elb  unb  ©ut  ber 
sfteidjem  Senn  uns  ein  gottlofer  9eeia)er  ein  ©tücf  ©etb 
fa)enft,  fo  muffen  wir  befürchten,  baß  e^  ben  glua)  mit  jta; 


181 


bringt;  aber  bte  gürbitte  eines  grommen,  ber  unter  bte 
greunbe  ©cttee  gehört,  bringt  reichen  Segen,  n)te  £tob 
fagt:  „©er  ©egen  beffen,  ber  serberben  follte, 
tarn  über  mta)/'  2Öenn  un$  tin  frommer  £eibenber  für 
eine  2Öo£ltl;at  Segen  wünfcjrt,  fo  fa)eint  bte§  ein  leeres 
2öort  of?ne  $raft  gn  feyn,  aua)  wä()rt  e3  oft  lange ,  U$ 
wir  einen  9cu£en  baoon  fejjen;  aber  es  tfi  wie  mit  ben 
£)iinjkn,  bte  von  ber  (Erbe  anffteigen  unb  erjt  einige 
3ett  naa)j?er  wieber  alö  Stegen  herabfallen,  um  bte  (£rbe  $u 
erquicken,  2)  Collen  wir  aber  aua)  bte  ©ottfeligfeit  lieben, 
ej>reu  unb  lwd)fa)ci£en  an  unfern  $inbern,  unb  bem  gottlo* 
fen  Sefen  überall  31t  fteuern  fua)en.  ©efe#t  u)r  £abt  3wet 
^inber,  son  benen  ta$  eine  gefunb,  munter,  fafng,  artig 
unb  gan3  naa)  bem  2Öunfa)e  ber  38elt  tft;  bag  anbere  aber 
fa)lta)t,  gerabe,  fromm,  bemütjng  unb  im  (&thtt  anbäa)tig» 
2öela)e3  ift  eua)  ba$  liebfte?  bem  gleifa)  naa)  werbet  ipr 
b<x$  erfte,  bem  ©eift  naa)  aber  baä  zweite  mefjr  lieben»  ~ 
£)cr  (Er^ater  3faaf  30g  ben  füllen ,  frommen  3afob  bem 
witben,  freien  (£fau  vor«  £)cnn  wenn  W  ©aben  ber  9?a* 
tur  aua)  noa)  fo  sorsüglia)  ftnb,  aber  bie  ®otte$fura)t  fejlt, 
fo  muffen  fie  ber  grommigfeit  naa)gefe£t  werben»  Sitte  ©a* 
ben,  aller  2Bi£,  ade  gertigfeit,  23erebtfamfeit,  ©djönjjeit, 
©cfa)idlia)feit  unb  Slnfejjen  eines  unwiebergebornen  5D^en* 
fa)*n  ftnb  nia)tä  als  2Bert53euge  be£  ©atanS,  um  fein  ^eia) 
babura)  31t  »ermebren.  £)a£er  mu§  e3  feigen:  ba^frömmfte 
$inb,  baS  liebfte;  wo  baö  33tlb  3efu  fta)  3eigt,  bafnn 
muffen  fia)  unfere  klugen  unb  $er^en  ria)ten.  —  £)ie  fa)önfte 
^ün^c  "ber  Triften  ift  bie,  wela)e  baS  ©eprdge  beö  gütt* 
gen,  fanftmütjjigen,  feufdjen,  bemütjngen  £errn  3efu  £at, 
unb  mit  bem  fre^e  geftempelt  ijt.  ©eine  äa)ten  9?aa)folger 
wählen  mit  SM;t  nia)t  bie  2Öaagfa)ale,  bie  gur  (Erbe 
3tef?t,  fonbern  biejenige,  wela)e  in  bie  £öj?e  Cgen  £immeO 
gefjt  —  3)  (Jbenfo  follen  wir  cS  aua)  mit  bem  ©eftnbe, 
mit  ben  9caa)barn  unb  greunben  {»alten,  £>em  muffen  wir 
feinb  fet;n,  bti  wela)em  fta)  35osf>eit  unb  gottlofeS  SSefen  ft'nbet; 
t>k  ©ottfeligteit  aber  lieben  unb  ef?ren.  —  <£m  ganzes  Spau$, 
tin  ©efa)lea)t,  ja  ein  gatt3eg  £anb  pat  oft  ben  ©egen  um 


180 


weinen  flägltdjen  3uftanb  unb  bergig  meinet  elenben  £ager$ 
nia;r.  —  ©el;et,  ba3  ift  bie  ©lüdfetigfeit  unb  £errlia)feit 
ber  Seit!  Urteilet  nun  felbft,  ob  Die  oor  Stnbent  feiig  $ü 
greifen  fepen,  wefd;e  $war  im  3rbifd;en  alle  Vorzüge  beftgen, 
bo<$  ber  ©ünbe,  bem  Grlenbe  biefeg  £eben$  unb  bcm  £cbe 
ebenfo  unterworfen  ftnb,  ale  ber  geplagtefte  SBauer  unb  ber 
elenbejie  ©eitler,  —  befonber£,  wenn  au$  noa)  bte  Verbamm* 
nig  ba^u  fommi,  Raffet  ung  bie  6aa)e  rea)t  bebenfen,  unb 
fte  nia)t  naa)  bem  äußern  ©a)ein,  nia)t  naa)  bem  gletfa), 
fonbern  naa)  bem  ©eifi,  nia)t  naa)  bem  ©inn  ber  Seit, 
fonbern  naa)  bem,  wa$  ©Ott  gefaßt,  beurteilen*  2)ie 
grommen  werben  nia)t  blo£  barum  bie  Verborgenen 
©otte$  genannt,  weil  fte  ©ott  ^ur  3^it  ber  Vlcty  aufnimmt 
unb  fa)ü$t,  fonbern  aua),  mit  er  fte  unter  siel  2lrmutf), 
£rtibfal,  ©a)maa)  unb  53eraa)tung  51t  oerfteden  pflegt  Denn 
Wie  er  in  ber  Ttatur  ben fügendem  in  raupen,  bittern  $ixU 
fen,  bie  SÄofe  unter  ben  Dornen,  ba3  ©olb  in  (Beladen 
unb  ben  Diamant  in  geifert  verbirgt,  eben  fo  vtxpüUt  er  bie 
©einigen  in  £rübfal  Ser  fyätte  unter  bem  armfeligen 
$leib  unb  in  bem  elenben  ffifaptt  be$  Cajaruö  eine  fola)e 
tjjeure  ©ecle  gefua)t,  um  beren  £eimf)oiung  fta)  felbft  bte  (Engel 
ftritten?  Diefer  war  tin  Verborgener  ©otte$.  Raffet  un$ 
ba£er  gleif?  anwenben,  baß  wir  biefetben  fennen  lernen,  laffet 
greunbfa)aft  mit  i^nen  madjen,  naa)  bem  Sort  beö  (£rlö= 
ferS:  „$caa)et  eua)  greunbe  mit  bem  ungerechten 
«Dcammon,  auf  bajj,  wenn  ijjr  nun  barbet,  fie  eudj 
aufnehmen  in  ^ie  ewigen  füttern —  Die  frommend 
men  befommen  9Jcaa)t  son  ©Ott,  if>re  Sofrttyäter  in  ben  £im* 
ntel  aufzunehmen,  fte  ftnb  arm  in  ber  Seit  unb  wir  reia), 
naa)l?er  änbert  fta)  biefj,  fte  ftnb  reia)  unb  wir  barben,  -~ 
Darum  foü  un$  1)  bie  greunbfa)aft  eines  im  ®iauhen  mit 
ßfjrifto  »ereinigten  ©ettlers  mefjr  gelten ,  als  lic  j?öa)fte 
©nabe  eine^  gottlofen  Regenten.  ^)it  £f?ränen  ber  ©ott* 
feiigen  ftnb  beffer,  al$  alle  ©a)ä£e  ber  Seit,  ein  ©euf^er 
etneS  ©laubigen  ift  beffer,  aiß  baS  ©elb  unb  ©ut  ber 
*fteia)em  Senn  uns  ein  gottlofer  dttidjtx  ein  'Sind  ©elb 
fdjenft,  fo  muffen  wir  befürchten,  baß  e£  ben  giua)  mit  jta; 


181 


bringt;  aber  bie  gürbitte  eines  grommen,  ber  unter  bie 
greunbe  ($ctteö  gehört,  bringt  reiben  ©egen,  wie  £iob 
fagt:  „£)er  «Segen  beffen,  ber  serberben  follte, 
fam  über  miay  Senn  un$  ein  frommer  £eibenber  für 
eine  $So£ltf>at  Segen  wünfa)t,  fo  fa)eint  bie§  ein  leeres 
SGSort  o£ne '  $raft  $u  fet;n,  aua)  meiert  e£  oft  lange ,  bte 
wir  einen  9?u$en  baoon  fepen;  aber  es  ifl  wie  mit  ben 
Diutfien,  bte  son  ber  <5rbe  -  aufftetgen  unb  erft  einige 
Seh  naa)ijer  wieber  atö  diesen  ^erabfaKen,  um  bte  (ürrbe  $u 
erquicken,  2)  ^Sollen  wir  aber  aua)  bte  ®ottfeligfeit  lieben, 
ejjren  unb  fwa)fa)ä£en  an  unfern  $inbern,  unb  bem  gottlo* 
fen  Sefen  überall  ju  fteuern  fua)en.  ®efet$t  ü)r  Ijabt  $wet 
£einber,  son  benen  bau  eine  gefunb,  munter,  fapig,  artig 
unb  ganj  nad)  bem  28unfa)e  ber  SBelt  ift;  ba$  anbere  aber 
fa)lta)t,  gerabe,  fromm,  bemütjug  unb  im  ®ehet  anbäa)tig* 
2öela)e3  ift  eua)  ba$  liebfte?  bem  gletfa)  naa)  werbet  tl?r 
ba$  erfte,  bem  ©eift  naa)  aber  baä  zweite  me£r  liebem  -^ 
£)cr  (Eqoater  3faaf  30g  ben  füllen,  frommeu  3afob  bem 
wttben,  frea)en  (ürfau  vor*  2)cnn  wenn  bie  @aben  ber  $Icl* 
tur  aua)  noa)  fo  sor^üglia)  ft'nb,  aber  bie  ©otteSfura;t  fe|>lt, 
fo  muffen  fte  ber  grömmtgfett  nachgefeilt  werben»  Stile  ©a* 
ben,  aller  2Bi£,  ade  gertigfeit,  23erebtfamfeit,  ©a)ön£eit, 
©cfa)idlta)feit  unb  2lnfej>en  eines  unwiebergebornen  Wien* 
fa)en  ftnb  nia)t3  aU  SBerr^euge  beS  ©atanS,  um  fein  9^eia) 
babura)  $u  vermehren.  Qafyev  mu£  e3  feigen:  baö  frömmle 
$inb,  baS  liebfte;  wo  baS  53tlb  3efu  fta)  ^eigt,  bafyin 
muffen  fta)  uufere  klugen  unb  §eqen  ria)ten*  —-  £)te  fa)önfte 
SDfttnsc  "ber  (£j?riften  ift  bie,  wela)e  baS  ©epräge  beS  güti* 
gen,  fanftmütlngen,  feufa)en,  bemütfngen  £errn  3efu  £at, 
unb  mit  bem  freute  geftempelt  ift,  ©eine  äa)ten  5^aa)folger 
wählen  mit  3?ea)t  nia)t  bie  2öaagfa)ale ,  bte  gur  (Erbe 
liefyt,  fonbern  biejientge,  wela)e  in  bie  $öpe  (gen  Fimmel) 
gef>t  —  3)  Grbenfo  follen  wir  eS  aua)  mit  bem  ®ejtnbe, 
mit  ben  9caa)barn  unb  greuuben  palten,  £)em  muffen  wir 
feinb  fe^n,  bei  wela)em  fta)  23o0l;eit  unb  gottlofeS  Sefen  ftnbet; 
bie  ©ottfeligfeit  aber  lieben  unb  efjrem  —  din  ganzes  £auS, 
ein  <$efa)lea)t,  ja  ein  gat^eS  £anb  j?at   oft  ben  ©egen  um 


182 


etne$  einigen  frommen  S^enf^cn  willen.  £aban  mufte 
erfennen,  ba§  ber£err  ifm  fegnete  um  3afob£  willen;  3o* 
fep£  kackte  ©lue!,  £eil  unb  ©egen  in  ^oti^arö  £au$; 
bem  $aulu$  würben  alle  Seelen  gefcfyenft,  bte  mit  i!)m  im 
©djiffe  waren,  welche  etenbtglicfy  fwtten  umfommen  muffen. 
Sßir  £aben  alfo  Urfadje,  bte  ©ottfeltgfett  ni$t  nur  um 
ü)rer  felbj*,  fonbern  au$  um  ü)re£  9htgen$  willen 
£o(^ufd)ä§en ,  unb  ber  IBo^pett ,  tt>ie  anfe^nitd^ ,  wie 
nüglid)  fte  aud)  ijt,  jletö  »or^ugteljen.  4)  IBemerfen  wir 
an  einem  geinbe  re$tf$affene  grüßte  be$  ©laubenö,  <£ifer 
unb  Slnbadjt  im  ©ebet,  ©ebulb,  2)emuü;  unb  ©elaffen  j>eit, 
fo  (äffet  un$  nic^t  ruljen,  U$  wir  iljn  wieber  jum  greunb 
#aben.  Keffer  triel  gottlofe  geinbe,  aU  einen  greunb  ©otteö 
3um  2Btberfad?er  ^u  paben.  3ene  fönnen  broljen,  freiten, 
fceleibigen  unb  ftd>  rächen;  biefer  aber  fann  weinen,  feufeen,  beten 
unb  bie  Stocke  ©otteS  wiber  un$  erweefen.  (£3  Mtibt  alfo  Ui 
bem,  wa$  Uxtyxopfyü  faßt:  ein  ®tnb  ©otteä  foH  bie 
©ottlofen  nifyt  achten,  fonbern  t>it  ©otte$fürc$* 
tigen  e£ren,"  wenn  jene  gfeief)  retd?  unb  mächtig,  biefe 
aber  arm  unb  r>era$tet  fmb.  2)enn  diejenigen  ijaben  feinen 
Xfyäl  am  SRäfyt  ©otteä ,  welche  ben  ©ottlofen  um  ipxeö 
©ut$  unb  unterer  ©ewalt  willen  f$meic£eln,  bie  grom* 
men  aber  i£rer  2lrmua)  wegen  x>era<$ten.  £)er  £err  unfer 
©Ott  le£re  un$  burdj  feinen  ©eift,  ben  rechten  Unterfdjieb 
machen,  unb  nidjt  na$  bem  äugem  6$ein  urteilen.  3N 
fep  @£re  in  (£wigfeit!  Slmen. 


$on  ber  £aupturfa$e  ber  SBefe^rung,  nemlt$ 
son  ber  ©nabe  ©otteö. 


3:.  <5je<$.  18,  31.  32.  Sßetfet  »on  eu#  aöe  eure  Uebettretung, 
unb  machet  eu#  ein  neu  f>etj  unb  einen  neuen  ©eifi  ic. 


S  t  it  g  a  n  9» 

3m  Stamen  3>efu!    SKtnen. 

Senn  ber  2tyojM  ^aulu£  son  einer  glauben  (Seele 
fprtdjt,  fo  nennt  er  biefelbe  eine  neue  Kreatur:  „3ft 
3emanb  in  dfmjlo,  fö  tjt  er  eine  neue  Kreatur, 
ober:  3n  dfyxifio  3cfu  gilt  Weber  23efd)netbung 
noa)$or!>aut  etwas,  fonbern  eine  neuedreatur." 
(£r  verfielt  barunter  ba£,  was  er  fonjt  einen  neuen  Stten* 
fa)en  nennt,  ber  nacb  ©Ott  gefa)affen  tft,  in  rea)tfc|>affener 
©eredjtigfett  unb  £ei%fett  £)attib  £eigt  eS  ein  retneä 
^>ers,  unb  einen  neuen  gewtffeu  ©eijt;  unfer  $>ti* 
fanb  aber  unb  ber  3üna,er,  ben  er  lieb  $<xt\tf  bie  neue 
©eburt  unb  au$  ©Ott  geboren  fepn.  £)ie  SBorte 
jtnb  $war  \)erfd;teben;  ber  ©inn  aber  ifi  ber  gtei^e:  ber 
burd>  ©unbe  wborkne  Sßenfa)   muffe   gan$   umgeändert 


184 


werben  unb  bura)  bie  ©nabe  ©otteg  ein  neues  £eq  unb 
einen  nenen  Sinn  befommen.  —  Der  Sfflenfd)  wirb  $war 
fernem  Sßefen  nad>  fein  Slnberer,  aber  er  befommt  einen 
neuen  ©eijt  unb  Stnm  ©feia)wie  ein  wilber  Stamm,  ber 
tn  einen  ©arten  tter»flan$t  unb  mit  guten  Geifern 
gepfropft  wirb,  immer  ber  alte  SBaum  bleibt  unb  bod)  fepr 
tteränbert  ift,  fo  ijt  e$  mit  ein£m  befe^rten  unb  wieberge* 
Bornen  5ERenfa)en.  (ix  ift  errettet  oon  ber  Dbrigfeit 
ber  gtnfternig,  unb  oerfe^t  in  ba$  9^eia)  be3 
Sofjneg  ©otteS,  welken  er  in  ber  £aufe  ange^o* 
gen  fyat,  fo  t>a$  er  naa)  feiner  alten  SXrt  nia)t  mepr  lebt, 
fonbern  GtlmftuS  lebt  unb  perrf^i  in  ipm.  dx  gibt  jwar  bie 
natürTia)en  £eben$fräfte,  ben  2Men,  ba$  ©ebäajtnij?,  bie 
23egierben,  baS  £er$,  ben  üttunb,  bie  3unge  unb  anbere 
innere  unb  äußere  Sinnen  per ;  3efu£  aber  gibt  ben 
©eift  unb  bie^raft,  woburd)  fte  erneuert,  geheiligt  unb^um 
Dienfte  ©otteS  unb  be$  ^da)ften  angewenbet  werben»  £)a* 
per  fagt  ber  Slpoftel:  ,,3d)  bin  mit  (Eprifto  gefreu* 
gigt,  idj  lebe,  aber  bocp  nun  nia)ttd;,  fonbern 
(£priftu$  tcht  in  mir."  3d;  bin  $war  meinem  SSefen 
nad)  noa)  ber  alte  95aulu$,  id)  |>abe  feinen  anbern  Ceib,  feine 
neue  Seele,  fein  anbereö  £er$,  feinen  anbern  SBerftanb  :e. 
befommen;  aber  meiner  ©eftnnung  naa)  bin  ta)  nimmer  ber 
Slfte,  benn  meiner  (Seele  Seele  ift  (£priftu$  geworben,  ber 
mit  feiner  lebenbig  mad;enben  $raft  in  mir  ift,  ber  mia) 
bura)  feinen  ©eift  regiert  unb  füprt.  Man  £er£  ift  ba$ 
alte  £er$;  aber  e6  f>at  einen  neuen  Sinn  befommen,  meine 
3unge  ift  bie  alte  3«nge,  aber  fte  rebet  nun  anbere,  nemlta) 
peilige  unb  göttliche  Dinge.  —  2lu3  bördelten  ©rünben  j>a: 
aber  ber  peilige  ©eift  fo  naajbrüdlid)  baoon  gefproa)en.  (ix 
Will  nemlitt)  1)  geigen,  baß  ba$  SOßerf  ber  Sötebergeburt 
eine  lautere  ©nabe,  unb  ein  befonbereS  SBerf  ©otteS  fet>, 
bei  wela)em  ber  $?enfa)  niajtS  ttyut.  S6  wenig  fta)  ber 
£immel,  bie  (£rbe  unb  ba$  Wlecx  felbft  peroorbringen 
fonnten,  ebenfo  wenig  fann  ber  9D?enfa>  felbft  einen  neuen 
9ftenfa)en  au$  ft'd;  mad>em  (Ex  wirb  opne  fein  3utpun 
geboren  unb  cjme  fein  SDfttwirfen  in  bem  ©naben*Sa)oop 


185 


©ottcö  au  einer  neuen  Kreatur  bereitet  2)aj}er  ber  $lpojM 
serfta)ert:  ber  sD?enfa)  muffe  guerft  unb  ^usor  wi  Gfmjto 
fet;n,  el?e  er  eine  neue  Kreatur  werben  fönne,  —  2lu$ 
@£rifto,  burd)  (Sfmjntm  unb  in  @jmftum  muß  Me3  gefien 
unb  gefc^epen,  wa$  peilig,  neu  unb  ©Ott  gefällig  fet;n  folt 
tyxi\tu$  ijt  $tte$,  wir  finb  9cia)t£.  —  2)  Sollte  er  teuren, 
t>a$  bie  25uße  unb  35efef)rüng  be£  Steffen  feine  geringe 
<5aa)e  fep,  bie  nur  oben  Jnn  unb  naa)  bem  äußerlichen 
©a)ein  gefa)ej?en  bürfe,  fonbern  baß  fte  eine  gän^littje  Um* 
änberung  unb  völlige  (Erneuerung  mit  fia)  bringe*  £)er 
3!ttenfdj  wirb  nia)t  erneuert,  wie  ein  alteä ,  wurmftid;ige$ 
£0*3,  baö  man  mit  garbe  überjtreid;t  unb  fo  gut  auöbeffert, 
al3  man  fann,  —  aua)  ma)t,  voie  ein  ©efäß,  baS  man  sott  auf* 
fen  reinigt,  wä^renb  e£  inwenbt'g  soll  Unremigfeit  bleibt,  unb 
einen  faulen  ©efdjmad  behalt;  fonbern  er  wirb  m$  bem 
©runbe  gebe(fert,  ba3  SBlut(^>rifti  mit  feiner  Jtraft  bringet 
bura)  hi$  in  ten  innerften  ©runb  ber  ©eele,  $>a$  £er£  Wirb 
burä)  ba$  geuer  be£  ^eiligen  @eifte$  gleia)fam  umgefd;mol$en 
unb  aufgebrannt  —  g)er  Sflenfd;  befommt  einen  neuen  tarnen, 
ein  neue£  £eben,  neue  $raft,  neuen  Wluty  unb  ©inn,  2)er 
©faube,  aU  ba3  sornelmtfie  6tücf  ber  wahren  23uße,  tji 
ein  lebenbig  wefentlia)  £>ing,  wie  £utf>er  fagt,  feljrt  ben 
$?enfa)en  gan$  unb  gar  um,  unb  maa)t  ifm  gan$  neu;  er 
gejjt  in  ben  ©runb  unb  wirft  ba  eine  sättige  Erneuerung. 
-—  Sir  lernen  barauv,  3 u e r ft,  voie  tief  la$  Berber* 
ben  ber  menfd)lid)eu  D^atur  bura)  bie  <Sünbe  fet;. 
£enn  gleid)  xoie  ber  23iß  einer  ©anlange  ober  ber  <5tia) 
eineö  ©corptonä  nid)t  blo£  ba£  ©lieb  vergiftet  unb  ent* 
$ünbet,  wela)e3  getroffen  werben  ift,  fonbern  voie  ba$  ©ift 
in'3  33lut,  ja  bi&  in1ö  ^>er§  bringt,  worauf  tylaüicfieit  in 
allen  ©liebem,  ^eqen^angft,  ein  falter  @d)wet$  unb  enb* 
lia)  ber  £ob  erfolgt,  fo  jjat  ber  bellifdje  ©d;langenbig  lei* 
ber  t>ie  gan*e  menfa)lta)e  Statur  bura)  unb  burd)  serberbt, 
$>&$  ©ift  ber  ©ünbe  ift  hi$  i\\'$  $er^,  ja  in  bie  ©eele  gebrun* 
gen,  fo  $>a$  man  feinen  Kröpfen  23lut,  ja  feine  Bewegung 
in  bem  Wlenfyen  finden  fann,  wela)e  nia)t  babura)  serun* 
reinigt  unb  ent^ünbet  wäre.  £>arum  fnlft  l?ier  Weber  $raut 


18d 


«od?  $ffafler,  weber  £ündjen,  nocfj  glicfen,  noc£  gctr&eit, 
fonbem  bie  Signet,  weldje  tiefen  Schaben  feilen  foll,  muß 
buro)bringenb ,  frcxfiig,  göttlia)  feyn,  bamit  fte  bura)  ben 
ganaen  5^enf$en  ge|>en  uttb  t£n  son  ©runb  aus  fetten 
fann.  —  SGßtr  lernen  aber  aua)  bie  unbegretf* 
Ii$e  ©üte  unb  $3arml?eratgfeit  unfereä  ©otteg 
erfennen,  welche  ein  Mittel  gefunben  Ijat,  t>k  m  Sünben 
erworbene  Seele  lebenbig  an  magert,  ben  Sttenfcfjen  $u  et* 
nenern ,  nnb  son  feinem  galle  lieber  aufauria)ten*  £>ieß  ift 
ein  Sßerf,  ba3  größer  ijt  als  bie  Schöpfung  beS  £immelä 
unb  ber  (£rbe,  wie  alle  alte  unb  neue  rechtgläubige  £el)rer 
gefielen,  2>emt  ©Ott  |mt  Sltteö  bur$  fein  fräfttgeg  Sort 
erraffen;  ben  5D?enfa)en  aber  px  erneuern  I?at  @r  t>tel  re* 
ben  unb  tj?un  muffen,  ja  e£  ^ättc  ofme  ben  bittern  £ob 
feinet  lieben  SofmeS  nid;t  gefd?e£en  fönnen.  3e  größer 
nun  ber  Schaben  unb  tk  ^ranfbeit  ijt,  je  größer  ip  ber 
2ftu|>m  beS  2lrate3,  ber  biefelbe  geseilt  £at.  SQSie  wir  nun 
bisher  bae  SSerberben  unb  ben  fläglia)en  3uftanb  ber  menfa)? 
liefen  «Seele,  in  welchen  fte  bura)  ben  Sünbenfall  geriet^ 
mit  33etrübniß  betrautet  fjaben,  fo  wollen  wir  uuSnunmebr 
an  ber  ©nabe  unt>  33armf>  eratgf  eit  imfcreä  ©otteS,  burd) 
welche  fte  erneuert,  geheiligt  unb  wiebet  au  rea)t  gebracht 
wirb,  ergoßen.  23t££er  £aben  wir  nur  in  bie  tiefe  ginfter* 
niß  be$  tnenfc$ltc§en  (£lenb0  jnneingefeljen;  je£t  aber  wollen 
wir  tag  wunberbare  ?ia)t  ber  ©nabe  ©otteS  anfa)auen, 
unb  unfere  £uft  baran  £aben.  ©ott  pelfe  uns  bura)  fei* 
neu  ^eiligen  ©etfl,  unb  fegne  unfer  SSor^aben,  bura)  3efum 
(£{?rifium.  2lmen! 

2l6£anbluttg, 

Obgleich  aKent^ialben,  im  Fimmel  unb  auf(£rben,  siele 
üßunber  ber  göttlichen  2Hfoiaä)t,  SöeiSfjeit  unb  ©üte  au 
fe!?en  finb,  fo  toä$  ify  boa)  ni$t,  ob  unter  allen  ein 
größeres  fe$,  als  eine  oon  Sünben  befe^rte  Seele? 
Blumen,  Kräuter,  23äume,  giföe,  23ögel  unb  alle  Spiere, 
Sonne,  5D?onb  unb  Sterne  aeugen  son  ber  unbegreiflichen 
©üte  iijreS  So)öpferS ;  ber  Sftenfa)  aber  am  metßen,  befon^ 


187 


berS  wenn  er  aus  ben  Tanten  beS  ©atanS  errettet,  von 
©ünben  befreit,  unb  $ur  ©emeinfdjaft  beS  ©oljneS  ©otteS 
gebracht  tft  Sind)  fann  uns  fein  2Berf  ©otteS  fo  ftar 
unt>  beutlia)  lehren,  was  ber  ^IKer^öc^fte  fet;,  —  nemlicb 
bte  ewige  £tebe,  eine  £iefe  aller  ©üte,  voll  i'angmutl)  unb 
©ebulb,  x>ol(  2lllmad)t  unb  3öei$£eit  £>arum  fagt  ber 
SKpojto:  „©Ott  greifet  feine  ?iebe  gegen  uns,  baß 
ßljrtftuS  für  uns  geftorben  ijt,  ba  wir  nod> 
©ünber  waren/'  (£r  getgt  uns  feine  ?iebe,  fMt  fte  uns 
$ur  33ewunberung  vor,  unb  empft'e^lt  fte  unS,  ba£  wir  fte  über 
5ltteS  f Reißen  f  ollen,  weit  Grr  feinen  ©ojim  für  unS  ©ün*- 
ber  ba^in  gegeben  $<zt  —  ©er  5l(Ier^dc^fte  £at  $war  ber 
menf$li$en  ©eele  feine  SitU  vielfältig  $u  erfennen  gege* 
ben;  aber  am  meiften  unb  auf  eine  unvergletd;lid)e  SZBeife, 
als  dx  u)r  feinen  eingeboruen  ©ofm  gefdjenft,  bafj  Grr  fte 
erlöfen  unb  feiig  machen  follte.  „Qkfr  ijt,  fagt  £utl?er,  bie 
unbegreifliche  unb  unenblia)e  23arm£  er$tgf  eit  ©otteS,  welche 
Paulus  gerne  mit  überflief}enben  unb  reichlichen  SÖorten 
vorteilen  wollte;  aber  baS  menfd;lid)e  $tx%  fann  biefe 
unergrünblid;e  £iefe  unb  ben  brennenben  (£tfer  ber  göttlichen 
%\&t  nia)t  begreifen,  viel  weniger  auSfprea)en.  3a,  bie 
©röge  ber  göttlichen  33arm^er^tgfeit  madjt,  bafj  wir  nid)t  allein 
fdjwer,  fonbern  aud?  fajt  gar  nidjt  glauben  fönnen;  benn  ity 
pöre  nicfyt  allein,  baß  ber  allmäd)itge  ©ort  unb  ©djöpfer  aller 
2)inge  gütig  unb  barmj?er$ig  fe£,  fonbern  aua),  ba$  bk 
fyofyt  33?aj[eftät  um  mid?  verlornen  ©ünber,  um  mid),  als 
ein  $inb  t>z6  3ornS  unb  ber  ewigen  23etbammni§ ,  fo  be* 
forgt  gewefen  ijt,  ba$  fte  t^reS  eigenen  ©opneS  nidjt  »er* 
fct)ont  fax,  fonbern  3Jn  in  tm  fdjutäj>lic$jtot  £ob  gegeben, 
ba%  (Ex  %mföm  %mi  SÄörbern  am  $reu^e  ^ängenb,  für 
mid)  Verworfenen,  an  ©ünber  unb  ein  gtud?  geworben  i% 
bamit  i$  gefegnet,  b»  L  geredet,  unb  ein  $inb  ©otteS 
würbe.  2ßer  ijt  im  Staube  biefe  ©üte  ©otteS  genug  aus* 
^ufprec^cn,  felbft  t>k  Gntgel  vermögen  eS  nid?t?" 

2ld>  £err!  gib  uns  and)  einige  £ropfen  von  beiner 
£tebe  gu  foften!  £afj  uns  fa)mecten,  toit  gütig  unb  freunb* 
Ii$  £>u   bijt!    Cag    uns   bie  SBunber   beiner  Zieht  unb 


188 


I8awu)er$igfett  an  unferer  unb  an  anbern  ©eefen  fe£en  un& 
greifen.  —  £a3  crjlc  28unber  ber  ©üte  ©otteS  tfi  feine 
Langmut!?,  weil  (£r  bie  in  ©ünben  vertiefte  Seele  butber. 
£)iefe  ift,  wie  tt?-r  eben  fagten,  gan$  bltnb  unb  taub,  fte 
gleicht  nia)t  allein  einem  irrenben  unb  verlornen  Sa)aafe, 
fonbern  einem  fteberfranfen  $cenfa)en,  ber  bie  £obe£* 
gefaljr,  in  welcher  er  ift,  nia)t  bemerft,  ber,  wenn  feine 
greunbe  um  tfm  £er  weinen,  fogar  laa)t  £>ie  fünbUa)e 
«Seele  wanbelt  i^rett  ©ebanfen  naa)  auf  einem 
SBege,  ber  nia) t  gut  ift,  fte  läßt  fta)  von  bem  Satan 
leiten  naa)  feinem  2Silten  unb  freut  fta)  in  ü)rem  Berber* 
ben.  Bit  jjmt  fein  Verlangen  naa)  ber  £ülfe  unb  @nabe 
©oites ,  femti  biefelbe  aua)  nia)t ,  fonbern  fpettet  ifjrer 
täglid).  £>emnaa)  iß  fte  nia)t  adein  von  ®ott  getrennt, 
fonbern  aua)  feine  geinbin,  fte  J?at  ben  2lller|>öa)jten  nid)t 
nur  sergejfen,  fonbern  begehrt  nia)t  einmal,  an  3N  $u 
beulen»  23etraa)ten  wir  ijjren  elenben  3uftanb,  wie  er  in 
ber  aa)ten  ^rebigt  be3  erfien  XtyäU  vorfommt,  noa)ma(S, 
bann  erft  werben  wir  einfepen,  xt>it  groß  unb  unbegreiflia) 
X)it  gott(ia)e  ©üte  unb  23arml?eqigfeit  fer;,  bafj  fte  eine 
fola)e  Seele  nia)t  allein  bulben  unb  leben  lägt,  fonbern 
aua)  noa)  befa)ü£t,  verforgt  unb  mit  Soldaten  überhäuft* 
Sltta)  ber  Obern  ber  ©otttofen  wirb  bura)  ©otteä  2luffta)t 
erhalten,  unb  fte  paben  feine  allgemeine  ©üte  täglia)  $u 
geniegen.  —  2ßtrb  nia)t  ber  SSurm,  wenn  er  bem  %ktn* 
fa)en  guwtber  ift,  fa)neU  gertreten ?  Sie,  würben  wir  ij>m 
gebulbig  $ufe£en,  wenn  er  fta)  gegen  uns  auflehnte,  ober 
tl?m  $uf?ören,  wenn  er  eine  Stimme  Jjätte,  unb  un3  £o£n 
fprea)en  wollte  ?  —  26a6  anberS  aber  \\t  ber  SDfenfa)  gegen 
ben  altmäa)tigen  Sa)ö»fer,  al$  tin  nia)ttger  SSurm?  Unb  er 
barf  e$  boa)  wagen,  benfefben  31t  beleibigen,  unb  fta)  nia)t 
bfo$  einmal,  fonbern  öfters  gegen  3j?n  in  Sünben  unb 
Sia)erl>eit  aufzulehnen.  (£r  barf  feiner  fyotten  unb  feine 
angebotene  ©naben^anb  gurütfweifen,  unb  ber  £>öa)fte  leibet, 
bulbet  e3,  unb  fte^t  tlm  mit  erbarmenben  Stugen  an?  211$ 
bort  Slbifai,  £)a»ib'S  SSerwanbter,  tit  £äfterworte  Stmei 
£örte,   founte   er  fia)  nia)t  enthalten,  51t  rufen ;  „S  0 U t e 


189 


tiefer  meinem  £errn,  bem  Könige  flua)en?    3d; 

will  f)ingel)en  unb  il?m  ben^opf  abreißen."  28äre 

eö  ein  SBunbcr,  wenn  atte  Kreaturen  um   ifjren  betetbigten 

©a)  Opfer  eiferten,  unb  @incr  von  ben  Engeln  ©otte£  faßte: 

©ottte  ber  $?enfa),  btefe  arme  5D?abe,   tiefer  elenbe  SOSurm 

meinen  ©a)öpfer  beleibigen,  unb  fta)  feinem  ^Bitten  wiber* 

feigen?  3a)  Witt  f?in,  t£n  vertreten  unb  aufreiben,    ia)  tritt 

ten  2lfa)enl?aufen  $erjtäuben,  ba$  man  nta)t  wiffen  foft,  ob 

er  je  gewefen  ijt!  £)ie  3uben  behaupten,  ba§  t^k  185,000 

2flann  be$  Königs    von   Offerten,    wela)e   ber   Grngel   be£ 

£errn  in  ber  9?aa)t   fa)lug,   plö$fia)   in   §lfa)e   verwanbett 

Worten  fepen*    £>ie  peifige  ©a;>rift  meibet  ^nnar  nia)tS  ba* 

von ;  boa)  wäre  e$  bem  Ghtget  leta)t  gewefen,  bk$  $u  tfmn, 

um  wie  viel  Ieia)ter  würbe  es  aber  für  ij?n  fetm,  (Einen 

©ünber,  ber  feinem  ©Ott  in  Unbugferttgfett  trogt,  aufjju* 

reiben.   2ßie  wittig  würbe  t>k  @rbe  fe^n,  i^ren  SWunt  auf* 

3Utt?un,  um  i£n  ^u  Verfügungen  ?  2öie  gern  würbe  ifyn  ba$ 

9D?eer  erfäufen,  bie  Spiere  serreifkn,  bte  2öinbe  wegführen, 

tag  geuer  verbrennen?    <£$  bebürfte  nur  einem  Sßinfm  von 

©Ott  unb  e£  wäre  auänut  bem  frea)en  unb  fta)ern  ©ünber; 

aber  dx  fa)ont  fein  unb  fud)t  i£n  bura)  feine  £angmutl? 

unb  ©üte  $ur  23ufie  ^u  leiten*    ©Ott  will  ba£  £ebeu 

ma)twegne£men,  fagte  jene  fluge  grau,  f  o  n  b  e r  n  (Er  b  e* 

benft  fia).  —  Söenn  ber  verblenbete  Wlttfd)  feinen  fünb(id;en 

lüften  in  großer  ©ia)er{>eit  naa)l?ängt,    unb  ma)t  an  ©ott 

beult,  fo  benft  boa)  ©ott  an  ifw,  er  benft  auf  Wlittel,  x$k 

er  ifm  von  feinem  3n*wege  befepren  unb  auS  ben  ©triden 

te$  ©atanS  lo3maa)en  möge,  er  $at  ©ebanfen  be£  grie* 

benS  unb  nia)t  bes  £eibe£  über  tjm,    9ttan  fann   t'pn   mit 

einem  23ater  vergleichen,    ber   ein  ungeratenem  $inb   %at, 

beffen  33o£f?ett  er  $war  von  £er$en  getnb  ift,  ba£  er  jebod? 

in  ber  Hoffnung  feiner  23efferung,   von  feiner   Zkbe   unb 

gürforge  nia)t  au£fa)(ief?en  fann.    @r  rebet  gwar  bart  mit 

bemfelben,  fyxfyt  es  weggeben  unb  nimmer  vor  ferne  klugen 

fommen,  befielt  feboa)  bem  ©efinbe,  ober  feinen  greunben 

unb  9taa)barn,  tag   fie  2la)t  auf  baffelbe  baben,  e£  sum 

©uten   ermuntern   unb   vergüten   möcbten,    baj?    eö   nicto 


190 


in'g  ^erberben  geratf>e.  (£benfo  tft  ber  gnäbige  unb  Jaug^ 
müßige  ©Ott  jwar  allem  gottlofen  SSefen  t>on 
bergen  feinb,  boa)  bleibt  er  ein  greunb  bei*  9D?citfä)en 
imb  £üier  berfelben*  Grr  rebet  $war  bart  mit  bem  ©ott* 
lofen  in  feinem  ©efe£  unb  brof>et  benfelben  auf  ewig  von  feinem 
2lngefta)t  $u  tterftoßen,  boa)  nötigt  3f>n  feine  ^er^tcfce  Siebe 
unb  fein  Ijer$lia)eg  (Erbarmen  jur  ©ebulb,  unb  (£r  befiehlt 
feinen  Gntgeln,  baß  jte  ba$  verirrte  ©a)af  bewahren  unb 
tjmt  gleiä)fam  $on  gerne  folgen,  bamit  e3  ber  (Satan  nia)t 
plö^lia)  m'd  S3erberben  ftüqen  möge,  Q£x  gebietet  feinen 
Wienern,  ben  £el;rern  ber  IHrä)e,  baß  jte  tym  mit  alter 
£iebe  unb  ©anfmtuflj  naa)gel)en,  ob  e$  ftä)  nia)t  etwa  »on 
tjmen  gewinnen  taffe*  —  #iejjer  gehört  bie  fef>nfua)t$t>otfe  D^ebe 
unfereä  ©otteä,  bie  ein  bußfertige^  £er$  nia)t  wofjl  o£nt  grauen 
lefen  fann:  „Söae  foll  ta)  au$  bir  maa)en,  (Epfjratm? 
©oll  ia)  bia)  fa)ü§en,  3frael?  ©oll  ia)  nta)t  btl* 
lig  ein  $bama  au$  Dir  machen  unb  bia)  wie  3^ 
boim  $uriä)ten?  — Siber  mein£er$  tj*  anbern  ©in* 
nc^,  meine  33arm^ergigleit  tffc  31t  brünjHg,  baß 
3a)  nia)t  tjjun  will  na a)  meinem  grimmigen  3orn 
—  benn3a)  btn©ott  unb  nia)t  ein$?enfa)!  —  2ia), 
freilia)  ©ott,  bte  ewige  $kbe,  bie  wefentlia)e  ©üte,  ber  $a* 
ter  ber  IBarm^er^gfeit  unb  nia)t  etn  2)?enfä)!  —  Dennber 
serborbene,  ja^ornige  SEftenfä)  fann  nia)t£  leiben*  2Benn  t$>* 
rer  fo  viel  (ja  wenn  nur  $ei>en)  wären,  bie  un$  beleibigten, 
fagt  ein  erteud;teter  £e£rer,  als  berer  ftnb,  ^it  ©Ott  be* 
leibigen,  unb  es  fäme  je^t  (Einer,  bann  ber  Slnbere,  balb 
aud)  ber  Dritte,  unb  fo  fort,  fo  würbe  fein  $ttenfa)  auf 
£rben  fo  große  ©ebulb  Ijaben,  baß  er  nia)t  bloä  vergeben, 
fonbern  2lÄen  aua)  noa)  ©uteg  iljun  femtte;  —  feljet  aber, 
©Ott  tput  e$!  2Bie  gebulbig  muß  (Sr  alfo  fe?n?  —  2la), 
laß  bia)  boa)  bie  große  £angmut{?  ©otteS  $ur$3uße  reiaen! 
SStßß:  bu  wiffen,  mt  weit  ber  SDtafa)  aua)  fnerin  unter 
©Ott  fep,  fo  bebenfe,  baß  wir  un$  mana)mal  über  ein  un* 
vernünftiges  Sßiel?,  fa  über  ein  leblofeS  Ding,  ba3  feinen 
Sßillen  pat  ober  tyahen  fann,  un$  $u  beleibigen,  entrüften, 
wie33ileam  über  feine  (£felin.  Späben  wir  einegeber,  wela)e 


191 


ttidjt  gut  ijt,  fo  $erftof?en  wir  fte  im  3<>nt  :<:♦  Sie  gut  märe  es 
aber,  wenn  wir  mt$  ftet3  baran  erinnerten,  ba§  wir  felbft  ver* 
dienten,  von  ©Ott  verberbt  unb  aufgerieben  $u  werben,  unb  bafj 
umS  nur  bt'e  £angmut|>  unb  ©nie  be3  liebreichen  83ater$  erhalte* ' 
£)a3  zweite  Söunber  ber  göttlichen  £icbe 
ift  bie  ^ex^ttc^e  Gmnal?nung  unb  (£inlabung  jur 
53uge,  welche  nia)t  blo$  in  unferem  Sterte,  fonbem  aua) 
in  anbern  ©teilen  ber  (Schrift  angeführt  wirb»  Söerfet 
von  eud;  ade  eurellebertretung,  bamit  ifjr  über* 
treten  £  ab  t  —  £)er  liebe  ©Ott  begegnet  ber  fünblta)en 
8eele  gleta)fam  auf  bem  2Bege,  unb  ftnbet  fte  mit  einer 
fa)wercn  ©ünbenlaft  ber  £ötle  ^uwanbern;  obwoBI  fte  fta) 
nicf)t  um  3£n  bekümmert  unb  3pn  ma)t  tarnen  will,  fo  fann 
(£r  boa)  aus  23arml?erstgfett  nia)t  unterlagen,  tjjr  $u$ureben: 
2öa$  wtftjt  bu  bia)  nod)  länger  mit  ber  £ajt  beiner  ©iinben 
Viagen,  bu  verlornes  $inb?  £)u  glaubft,  es  fyahc  bamit 
nia)t6  ju  bebeuten;  aber  ta)  fej?e,  ba%  fie  bia)  in  t>aö  ewige 
Sßerberben  bringen  wirb.  SBirf  boa)  biefe  £ajt  ah,  unb 
maa)e  bia)  lo$  von  beinen  Uebertretungen ,  wirf  fte  burdj 
re$tfa)affene  53uge  auf  meinen  lieben  ©opn  Sefura  QfyxU 
jhtm,  fo  wirb  er  fte  wegtragen  unb  m's  Wletv  werfen: 
SSarum  will):  bu  alfo  fterben,  bu  verblenbete^  £er$  ? 
SBarum  willft  bu  mutwillig  $ur  SSerbammnifi  laufen?  ©ie£ß 
bu  nia)t  bie  offene  £blfe  vor  bir?  3$  tonnte  bia)  jwar 
wofjl  ljingeljen  laffen,  unb  bia)  qiü$  ©erea)tigfeit  einem  ver? 
festen  6itm  Eingeben;  aber  mein  £er$  gibt  e£  nia)t  giu 
3d)  I?abe  leinen  ©efaüen  am  £obe  be$  ©ottlc* 
fen;  barum  befe^re  bia),  bag  bu  leben  mögejh — 
£>ie§  meint  ofme  Bweifel  £avtb,  wenn  erfagt:  Der  £err 
tji  gut  unb  fromm,  ba^ er  unterweifet  er  bie  ©ün* 
ber  auf  bem  Söege;  gieia)  als  wollte  er  fagen:  wenn 
ber  $ftenfa)  jtdj  vom  <Satan  auf  fünblia)e  2öege  |>abe  ver? 
leiten  laffen,  fo  tonnte  ©Ott  ibn  woljt  £ingel)en  unb  ftnben 
laffen,  was  er  gefua)t,  aMn,  mil  (£r  fo  fromm  unb  gut 
feip,  fo  fcnne  G£x  es  nicbt  über  bas  Mper^  bringen,  bag  dv 
31t  feinem  SBerberben  (tili  fa)weige,  barum  begegne  (£r  ifym 
mit  fetner   ©nabe  auf  bem  2Sege,   lej?re  tj?n,   wie  ße* 


192 


fä^rtia)  ber  $fab  fep,  ben  er  gef>e,  unb  jetge  ipm ,  wie  er 
wieber  auf  ben  rechten  2ßeg  forcme,  unbäur35uße  gelangen 
fonne,  —  $13  bte  £agar  au£  bem  £aufe  t£re$  £erm  geflogen 
war,  fanb  fte  ber  Ginget  ©otteS  bei  einem  Brunnen  in  ber 
SOBüfte  unbfpraa)  ju  i£r:  „£agar,  wo  fommft  bu  |>er? 
nnb  wo  willft  bu  fyint  —  (£benfo  fmbet  ©Ott ben  ©ünber 
auf  bem  SBege  ber  ^ötte  unb  fyrta)t:  Du  elenber  3Q?enfa)! 
wo  fommft  bu  £  er,  unb  wo  witfft  bu  fyint  Qu  paft  W<$, 
beinen  ©oft  tterlajfen  unb  bia)  an  betnen  geinb  gelängt, 
bu  jjaft  baS  dlM)  ber  ©nabe  tterlaffen  unb  ftüqeft  bia)  in 
ben" ewigen  3ont,  bu  fommft  au£  bem  Fimmel  unb  rennjl 
in  bie  £ötfe  ?  bu  eilft  au$  $eitlia)er  £uft  in  ewige  Un* 
lufr  aus  ber  greube  in  £eib,  au£  £aa)en  in  ewigem  beulen 
unb  SBeinen*  —  Diefe  £iebe  ©otte£  wirb  ung  noa)  beut* 
fia)er,  wenn  wir  bebenfen,  baß  (£r  bem  $rop£eten  befohlen 
pat,  in  bag  £f>or  beS  £empel$  $u  treten  unb  $u  fagen: 
„«^öret  be$  $txxn  28  ort,  ij?r  21  Ue  son  3«ba,  bie 
t£r  ^u  biefen  Sporen  eingebet,  ben  £errn  an$u* 
beten,  fo  fpria)t  ber  £err  3ebaot|>,  ber  ©ott 
3frael;  53  e  ff  er  t  euer£eben  unb  Sßefen!"— ©e£et! 
ber  35u§prebiger  mußte  |>inge!?en  an  ben  £)rt,  wo  ba$  23olf 
Jjäuftg  au$*  unb  einging,  unb  baffetbe  aurSBuße  unb  23efef>* 
rung  ermahnen ;  alfo  unterweifet  ©ott  bie  @ünber  auf  bem 
SBege.  —  fautuü  ruft:  „wir  ftnb  23otfa)after  an  (£f>vijti 
©tatt,  (äffet  eua)  oerföpnen  mit  ©ott/'  —  £)  xoic  groß  ift 
t>k  ©üte  beS  barmherzigen  ©otte^I  dx  ift  twn  ung  auf  6 
£öa)jte  beseitigt  unb  betrübt,  unb  boa)  mad)t  Grr  ben  Anfang 
^ur  SBerföjjmung,  (£r  Witt  un$  biefetoe  nia)t  allein  an ,  fon* 
bem  (£r  bittet  uns  aua),  wir  motten  boa)  bie  SBerföfmung 
annehmen*  —  2la) ,  mein  ©ott ,  wk  unbegreiflia)  ift  beine 
©üte!  wir  fjaben  Dia)  beleibigt,  unb  Du  btttefi  un£,  wir 
möa)ten  uns  boa)  tterföjmen  taffen !  Du  hicttft  un$  Uc  £>anb 
guerft  unb  trägft  fein  33ebenfen,  un6  £ut>or  p  fommen,  nur 
um  unfere  Seele  ^u  gewinnen,  unb  beute  £iefce  $u  fättigen, 
Daä  petgt :  3a)bin  ©ott  unb  nia)t  ein  Sflenfa),  — 
Sftan  barf  jeboa)  nia)t  glauben,  baß  ©ott  $war  efjemafö 
fo  gütig  gewefen,  j'e£t  aber,  wegen  ber  übergroßen  löo^pett 


193 


ber  Seit,  cuttern  ©tnneg  geworben  fe^   —    Slo)    nein, 
@r  bleibt,  rote  @r  alleaeit  war,  —  bie  ewige  £tebe,  <£r 
fenbet  noa)  jegt  feine  23otfd;after  aus,    unb    bietet   feine 
©nabe  nnb  bie  23erföfmung  aua)  ben  größten  ©ünbern  an* 
2)ie  Wiener  @£rifti  paben  23efe{>l,  bi$  an  t*tn  jüngjten  £ag 
33uße  nnb  Vergebung  ber  ©ünben  ^n  verfünbt* 
gen  nnter  allen  33 öKferm  Sitten  ift ; befohlen,  2lä)t  au 
jjaben  auf  bte  ganae  beerbe,  (unb  auf  jiebeä  einzelne 
©ajäfieirt  befonberf)    unb    bte     ©emetne    3efu    $u 
weiben,  wela)e  (£r  bura)  fein  eigen  23(ut  erwor* 
ben  fyat    ©ie  follen  nia)t  mübe  werben,   unb  ftd;  nia)t$ 
verbriefen  (äffen,  fte  follen  immer  anpalten  mit  (^rmalmen, 
bitten,  gießen,  mit  Söarnen,  £)ro!?en,  ©trafen,  ob  fie  noa) 
(Einen  ober  ben  Slnbern  von  bem  2Bege  ber  ©ünbe  ah  unb 
Su  ©ott  bringen  fönnen,     2)aljer  bemerft  man  aua)  bei 
allen  rea)tfa)ajfenen  Wienern  Gtjmjti  einen  £  eiligen  (£ifer  unb 
eine  j)er$litt)e  33egterbe,  viele  ©eelen  §u  geroinnen»  Dfi  pa* 
ben  jte  jroar  fa)lea)ten  2)anf,  ja  wof>l£ofm  unb  ©pottvon 
ber  2Qßelt  aum  2oIjn;  aber  fte  laffen  boa)  nia)t  naa),  iljr  bte 
SSerföpnung  mit  ©Ott  bura)  Gtljrijfttm  anjnbieten»     ©elütgt 
e$  ifmen,  fo  (tnb  fte  £od)  erfreut;    gelingt   e$   ipnen  nid)t, 
fo  beflagen   fte   e3   mit   £j?ränen,    unb   jjören  nid)t  auf 
für  bie  Unbugfertigen  au  beten,  —  3(1  bie§  nid;t  eben  bie 
bringenbe  £tebe  be3  langmütigen  ©otteS,  ber  feinen  2)ie* 
nern  einen  fola)en  ©tun  gibt?  wa3  ^auluö  mit  ben  Soor* 
ten  anbeutet:   bte  Zieht  (£{;riftt  bringet  un£  alfo«. 
2)iefer   Sluöfprua)    aber    hqit^t  fta)   nia)t  allein  auf  t>k 
$kU ,   wcla)e  bie  Wiener  ©otte£   $u  (Sjmfto   Jjaben,   unb 
woburd)  fte  genötigt  werben,  3jw  viele  ©eelen  auaufüljren, 
fonbern  aud)  auf  bie  Zkbc  (£fmftt,  bie  (£r  au  ben  Steffen 
§at     2Beil  3efu$  unfere  ©eelen   fo   liebt,    bap  (£r  fein 
33lut  für  fte  vergoffen  f>at,  fo  lebt,  rebet  unb   wirft  @r 
aua)  in  feinen  Wienern  unb   bringet  fte  aum  unermübeten 
gleiß  in  ü)rem  2Jmte*    Grr  tljeilt  iljmen  feinen  ©inn   unb 
©eift  mit,  baß  fte  allenthalben  unb  auf  allerlei  Seife  Einige 
feiig  au  mad;en  fud;em  —  SBetl  übrigen^  bte  fünblia)e  ©eele 
nitt)t  glettt)  folgt,  wenn  ©Ott  fte  $ur  23uße  ruft,  weil  fte 


194 


jt$  oft  lange  weigert,  bie  ©nabenpanb  be$  Inrnmlif^en  93a* 
UX$ ,  bie  ü)r  $ur  Söerföjmung  bargeboten  wirb ,  anjune^ 
men,  fo  iji  babei  ba$  brüte  28unber  ber  göttlichen 
©üte  ni$t  auger  2ld?t  $u  laffen,  —  bag  fte  nemltd? 
beg  Erbarmens  unb  2Barten6  nidjt  gleidj  mübe  wirb,  fon* 
bern  anhält,  um  ft$  unfere  ©egenltebe  auf  alle  erftnnlictye  5lrt 
unb  Seife  ju  erwerben,  Dft  pört  ein  böfer  9ttenf$  Steife 
per$lt$e  Ermahnungen  unb  eifrige  ^rebigten,  bie  tjjn  bäfyin 
Bringen,  bag  er  mit  Sigrippa  gefiept,  eg  feple  nictjt  ^tel, 
bag  er  berebet  würbe,  23uge  $u  tljun  unb  ein  Efjriji  gu 
werben;  aber  er  ftnbet  bod)  no$  greube  an  ber  weltlichen 
£ufi,  unb  fein  £er$  iji  nidjt  ree^tfc^affen  vor  ©Ott  Er 
f$iebt  feine  23uge  von  einem  £ag  gutn  anbern  auf  unb  iji 
wie  ein  gauler,  ber  ftd)  erzürnt,  wenn  er  gewebt  wirb* 
SWein  ber  gütige  ©Ott  lägt  nic^t  na$  anpfropfen,  ipn  $u 
rütteln  unb  gu  Werfern    ©aljer  fagt  SefaiaS:  „©er  £err 

parret  (unb  wartet)  bag  Er  euty  gnäbig  f e^ 

E$  iji  befannt,  bag  ©Ott  ber  erften  2Belt,  obgleich  fte  e$  fepr 
arg  madjte,  fmnbert  unb  awan^ig  3af>re  grift  gab  gurSöuge, 
wäfjrenb  bem  9?oaf>  t>k  Unbugferttgen  päuftg  ermahnte,  bag  fte 
33uge  tfmn  follten,  SBela)1  ein  SSunber  ber  göttlichen  £angmutj> 
unb  ©üte  war  e$,  bag  Er  bem  großen  Raufen  ber  ©ott* 
lofen,  welche  fify  bur$  fein  28ort  unb  feinen  ©eift  nicfjt 
me£r  jirafen  laffen  wollten,  no$  fo  lange  ^ufap  unb  ipnen 
feine  ©nabe  unaufhörlich  anbieten  lieg !  2lejmli$e3  tljut  ber 
IBarmper^ige  au$  an  einzelnen  ^erfonen  unb  wartet  10, 
20,  30  unb  mehrere  3a£re  auf  bie  33efe£rung  beg  dlufy 
lofen,  m$  bit  tägliche  Erfahrung  lejjrt  2)ieg  feljen  wir 
aucfj  aus  bem  frönen  ©leic^nijfe  von  bem  unfruchtbaren 
geigenbaum,  für  welken  ber  ©ärtner  nod)  mit  ben  Sorten 
hat:  „£err  lag  t£n  bocf  biegst*  fielen,  hi$  bag 
tdj  i£n  umgrabe  unb  tjjn  bünge,  ob  er  wojjl 
gru^t  bringe,  wo  ntdjt,  fo  paue  tpn  ab/'  Ober 
nacfy  bem  55ro^eten:  ,,3d)  rede  meine  £änbe  au$ 
ben  ganzen  £ag  $u  einem  ungejjorfamen  $olfe 
—  aucty  $u  ben  Reiben,  bie  meinen  tarnen  ni$t 
anriefen,  fage3^:  —  £ier  btn33v  £ier  bin  3$!" 


195 


Der  langmütige  ©Ott  fiept  gletcpfam  täglia)  an  ber 
£immel$tpüre  unb  ruft  ben  <5ünbern  ^u:  £ier  bin  3<P, 
pier  ift  meine  ©nabe,  pier  ift  euer  Mittler,  pier  ift  fein 
SBlut  unb  bie  Vergebung  ber  ©ünben!  dx  hütet  bk  2D?en* 
fepen,  tag  fte  boa)  von  ©ünben  ablaffen  unb  fta)  belehren 
foften,  @x  wfmfcpe  ijtre  S3uge  unb  fe#  bereit,  fte  mit  feiner 
©üte  $u  umfa|jen.  —  $on  2lbrapam  unb  £otp  wirb  er* 
Säplt,  ba£  jiener  vor  ber  £püre  feiner  glitte  gefeffen,  wann 
ber  £ag  am  peigeften  war,  unb  biefer  im  £pore  feiner 
©tabt  unb  auf  (&ä[te  gewartet  unb  fite  genötigt  pabe,  bei 
ipm  einzuleiten,  (Bcnfo  panbelt  unfer  ©Ott,  (£r  wartet 
ben  ganzen  £ag  auf  bk  Bugfertigen  ©ünber  unb  gept  ipnen 
mit  greuben  entgegen,  wenn  fte  wieber  lommen  unb  ©nabe 
fua)eu;  —  wa$  aua)  unfer  lieber  Girrlöfer  im©leta)nig  von 
bem  verlornen  ©opne  fagen  wollte.  —  9Ha)t  genug ;  — 
gar  oft  feprt  bie  fünblia)e  ©eele  tptem  ©ott  ben  dlüäm  gty 
will  nia)t$  von  3bm  pören  unb  fliegt;  aber  @r  lägt  fiep 
babura)  niept  abwenbig  maa)en,  fonbern  folgt  ipr  unb  ruft: 
„$epre  wieber,  fepre  n>i eber!"  —  3efu3  ift  ber  gute 
£irte,  ber  einem  verlornen  ©cp  äffe  in  naepgept, 
hi$  bag  (£r  e$  finbet. —  2la)!  \vk  mancher  böfe  9ttenfa) 
vernapm  fa)on  bie  ©timme  feines  Wirten  pinter  ipm  per: 
„SBarum  willftbu  benn  fterben,  bu  verfüprteS  unb  verblei 
btttö  |>er3,  ia)  pabe  feinen  ©efalten  an  beinern  £obe,  be* 
fepre  bia)  boa),  bafj  bu  leben  mögeft!  2ÖaS  pabe  ia)  bir 
getpan,  mein  $inb,  unb  womit  pabe  ia)  bi6)  beleibigt,  — 
baS  fage  mir?  Du  liebet  tinb,  wopin  willft  bu  fiepen, 
wo  3a)  nia)t  wäre?  güpreft  bu  gen  Fimmel,  fo  hin  3cp 
ba,  gingeft  bu  in  bie  giefe,  fo  hin  3a)  aud)  baf  näpmeft  bu 
glügel  ber  Sfttorgenrötpe  unb  bliebeft  am  äugerften  Speere, 
fo  würbe  bia)  boa)  meine  £anb  bafelbft  ftnben.  Darum 
fomme  gu  mir,  erfenne  meine  %kht  unb  ©nabe,  mit  ber 
3a)  bir  atlentpalben  begegne.  £aft  bu  gefünbigt ,  hü  mir 
ift  viel  ©nabe,  paft  bu  mia)  verlaffen,  fo  pat  bia)  boa) 
meine  £iebe  unb  £reue  nia)t  verlaffen,  nod)  verftogen,  fon* 
bem  ift  bir  immer  naepgeiaufen,  pat  bia)  gefua)t  unb  bir 
gerufen,"  —  £ter  mag  eine  lieblid)e  ©efa)ia)te  fiepen,  welcpe 

13* 


196 


eitrige  alte  £eprer  wn  beut  <£»angeltfien  Sojjamtes  er* 
gäpfen*  2)iefer  l^atte  einem  25ifcf)of  einen  artigen  Süngltng 
empfohlen,  baß  er  benf elften  im  (Spriftentjjum  unterrichten 
unb  $ur  ©ottesfnrcpt  anhalten  foöe.  Der  Süngftng  würbe 
wixtlity  balb  barauf  getauft,  geriet!?  aber  nad$er,  al$  man 
ipm  au  »tel  greipeit  geftattete,  in  böfe  ©efellfcpaften*  (£r 
gab  ftcp  einem  äußerf*  f glimmen  ?eben  ptn,  gefeilte  jtcp  3U 
ben  ©tragenräubern  unb  würbe  ^ulegt  tpr  2lnfiu)rer*  M$ 
ber  2tyoßel  einige  Safjre  fpäter  wieber  in  bie  ©egenb 
!am  unb  porte,  baß  e$  fo  fdjlimm  um  ben  jungen  9ttenfa)en 
fiepe,  erfä)ract  er  fejjr;  machte  ftcp  aber  au$  wahrer  djrtfc 
lieber  £tebe  fogleicp  auf  ben  Sößeg ,  um  ba£  verlorne  ©cpäf* 
lein  wieber  $u  fuepen,  (£r  tarn  bapin,  wo  X>k  Räuber  ftdj 
aufhielten,  ließ  ftep  t>on  ijmen  wittig  gefangen  nehmen  unb 
hat  nur,  baß  fte  tyn  ju  iprem  Hauptmann  bringen  follen* 
211$  biefer  tjm  fap  unb  erfannte,  ftng  er  an  $u  fliegen,  ber 
alte  Styoftel  lief  ipm  au$  £eibe3fräften  naep  unb  rief:  „wa* 
rum  mein  ©opn,  lauf)!  bu  »or  beinern  $atcr  bason,  warum 
fliepß  bu  als  (bewaffneter  *>or  einem  wegriefen  ©reife? 
güra)te  bidj  nicfjt,  t&  if*  no$  Hoffnung  ba  $u'  beiner  ©elig* 
Uit,  t$  will  ben  £errn  3efum  für  btcfj  bitten,  ja,  wenn  e$ 
nötpig  if*,  für  biep  fierben,  fiepe  boep  ftftt,  mein  ©opn, 
ßfmftuä  jjiat  miep  $u  bir  gefanbt!  2)aburdj  würbe  ber 
gliepenbe  enblicp  $um  <&tfytn  gebracht,  er  warf  feine  $3af* 
fen  weg  unb  empfing  ben  StyojM  mit  Stpränen  im  Sluge, 
welcher  ipn  fobann  mit  ftc^  najjm  unb  mit  ©Ott  unb  ber 
$trcpe  auöföpnte*  —  liefen  CFifer,  ba6  Verlorne  ju  fudjen, 
ljatte  ber  Jünger  ber  ^tebe  gleicffam  au$  ber  33rufi  feinet 
£erm  gefogen,  beffen  £era  ber  $ropf>et  in  folgenben  2Bor* 
ten  betreibt:  „©tepe,  tep  will  mtep  meiner  beerbe 
felbf*  annehmen  unb  fte  fua)en,  wie  ein  «gurte 
feine  ©a)aafe  fuept,  wenn  fte  *>on  fetner  beerbe 
verirrt  ftnb.  3d)  will  ba$  Verlorne  wieber 
fuepen,  ba$  Verirrte  wieber  bringen  unb  ba$ 
Sßerwunbete  serbinben."  —  9?odj  j[e£t  eiltSefu^  febem 
»erlernen  ©cpäflein  mit  ZkU  unb  33armper$igfeit  naep 
unb  ruft:  „2ld)  liebet  $inb,   warum  fu'epfi  bu  vor  mir, 


197 


beinern  £irten,  beinern  23ruber  unb  ^h'ttfer?  3$  bin 
m$t  gefommen,  bt'cij  gu  verbergen,  fonbern  gu  fud)en  unb 
feiig  3U  machen!  3$  bringe  feine  Sajfen  mit,  btcfr  gu  »er* 
wunben,  fonbern  £)el  nnb  Sein,  um  beute  Smtben  $u 
»erbütbem  ©iepe,  pier  tfi  mein  treues  #er$,  Iner  ft'nb 
meine  Sunbeny  frier  iß  mein  23(ut,  baS  £öfegelb  für  beute 
@eele!  £ier  tft  i>k  ©nabe  (Bottee  nnb  bie  Vergebung  aller 
beiner  ©ünben,  wie  lange  willft  bu  nod;  in  ber  3rre  gelten 
unb  mir  2lrbeit  nnb  TOtjje  machen  in  beuten  <5ünben?  3$ 
tilge  beute  Uebertretung  nm  meinetwillen  unb  gebende  beiner 
©ünben  nia)*."  —  ©lanbet  md)t,  meine  liebe  9ftitd;rijten, 
b&$  bieg  eine  au3geftt)müdte  9?ebe  fep  unb  ein  eitlem  Sort* 
gelänge;  e£  ift  SaJu'pett,  unb  fo  wie  tpr  e£  frier  lefet, 
jjat  eS  ber  getreue  £irte  unferer  «Seelen,  3efu$  tyxi* 
fht$,  allezeit  gepaltem  Die  ©eelen  ftnb  treuer  in  feinen 
2lugem  —  Senn  eine  $erlenfdmur  |errei£t,  fo  Mdt  fttt) 
ber  S^enfd)  unb  fammelt  hk  serftreuten  perlen  mit  gleiß; 
ebenfo  fdjeut  ber  liebe  £eilant>  feine  Sftitfje,  bte  verlornen 
©eelen  Wieb  er  gu  fuä)em  Sie  machte  (£r  e$  mit  betrug  ? 
Diefer  »erläugnete  feinen  heißer  unb  fdjwur  noa)  ba$u, 
bafi  er  nichts  »on  3N  wijfe,  —  unb  ber  £err  wanbte 
fta;  unb  fabe  Metrum  am  —  $tt),  (tebfter  £err!  fo 
ruft  Riebet  mit  9^ea)t  ein  frommer  £eljrer  au$,  £atteft  3)u 
benn  3eit,  als  Du  »or  blutbürjtigen  geinben  ftanbeft  unb 
nichts  als  ben  £ob  »or  Slugen  fapeft,  Dia)  naa)  bem  um^u* 
fetjen,  welker  Didj  fo  fä)änbli$  »erläugnet  l^atte  ?  D  un* 
begreiflitt)  große  23arml)er£igfeit ,  ba§  Du  Dein  felbft  »er* 
giffeft  unb  an  einen  @ünber  benfji  baj?  Du  GEinen  gur  33uße 
$u  bringen  fud;ft,  eben  als  Du  im  begriffe  ftanbeft,  Dein 
£eben  für  Sllle  gu  (äffen!—  60  ging  es  audj  mit  ^auluS; 
er  »erfolgte  3efum  unb  feine  ©erneute,  unbSefnS  »erfolgte 
ijjm  dx  »erfolgte  3efnm  im  3orn  unb  ©rimm  unb  fua)te 
feinen  tarnen,  fein  Sort,  feine  ©erneute  auszurotten. 
3efu3  aber  »erfolgte  tyn  mit  SBarmJjeqigfeit  unb  ©nabe 
unb  rieft-  „@aul,  <&aut,  wa$  »erfolgfi  bu  mia)?" 
©leid;  als  wollte  (ix  fagen :  was  fmbe  3$  tyx  8c#an/  kafj 
bu   SDfttt)    in    meinen   ©liebern   fo    blutbürjtig    »erfolgji? 


198 


©iepe,  wie  leia)t  wäre  es  tyflix ,  Ufy  yityUfy  $u  »erberben 
unb  mit  einem  ©onnerftreicp  in  bie  £ölte  $u  Werfen?  3<P 
will  bir  aber  mä)t  vergelten,  wie  bu  verbienet  paft;  3<P/  ben 
bu  feiger  gepaffet  paft,  Jak  Ud)  von  (£wtgfeit  per  geliebt; 
3a)  pabe  mein  SBlut  aua)  für  bta)  »ergoffen,  wiewopl  bu 
nacp  bem  lölut  meiner  2inpänger  bürfteji  —  $aulu£  felbft  fagt 
barüber:3cp  fcin  »onSe'fudpriifto  ergriffen  korben; 
ba  icp  am  wenigften  barem  backte,  unb  auf  meinen  ©ünben* 
Wegen  aU  an  eerblenbeter  9Dtafa)  ber  £ölle  geilte,  ba 
pat  miep  mein  (Erlofer  angehalten,  pat  mir  bte  Slugen  ge* 
jöffnet,  mm  £er^  geänbert  unb  mifyaU  einen  23ranb  au$ 
bem  gtuer  gerettet  5D?t r  ift  SBarmper^igfeit  wiber* 
fahren,  auf  baj?  an  mir  sornemlia)  3efu$  (Epri* 
jtuö  er^eigete  alle  ©ebulb  gum  23eifpiel  benen, 
bte  an  3pn  glauben  feilen  gum  ewig.en  £eben*  — * 
2öie  ^>£el  2lepnlicpe$  gefä)iept  bte  auf  biefe  ©tunbe!  2öie 
man^em  ;3ttenfa)en  folgt  bie  ®nabe  ®otte£  allenthalben 
»on  einem  Drt  aum  anbern,  wo  er  gept  uub  ftept;  benn 
\va$  anberS  erpätt  ipn  in,  fo  manä)er  ®efapr  unb  üftotp? 
D  wie  wenig  bebenft  bieg  t;k  flatterhafte  3«genb !  — 
Raffet  e$  un£  wopl  beper^tgen,  melleicpt  waren  aua)  wir 
unter  benen,  welcpe  in  ber  3*re  umherliefen  unb  fia)  von 
ber  argen  2Belt  verleiten  unb  »erführen  liefen;  eö  war 
manchmal  nur  din  ©abritt  jwtfcpen  nn$  unb  bem  ttx>U 
gen  £obe;  aber  t>k  (Mte  beS  £>errn  ift  e£,  ba§  wir  noa) 
leben*  (Er  pat  un$  mit  feiner  mächtigen  |)anb  ergriffen, 
fonft  pätten  wir  un$  längft  in  bie  £ölle  geftür^t  @elobt 
fe#  ber  gütige  unb  barmherzige  @ott  unb  gepriefen  fep  fein 
peiliger  -ftame  immer  unb  ewtgltcp!  ~-  %U  33etfpiel,  \yk 
ber  weife  SSater  im  Fimmel  oft  fo  fcpnell  ba^  -^eq  etne£ 
irregepenben  $inbe3  31t  rüpren  weiß,  mag  folgenbe  ©efcplcpte 
bieneru  Grinft  lieg  ein  ^rebiger  einen  jungen  SDtafcpen,  ber 
fiä)  ber  £runfenpeii  Unb  bem  Spiel  gan$  ergeben  patte, 
ju  ftep  fommen  unb  matt)te  ipm  emftlia)e  SBorjtellungem 
Unter  Ruberem  vok$  er  ipn  auf  bte  Unge  wipp  eit  be£  menfa> 
lia)en  CebenS  pin  unb  fagte,  tine  gefdprlitt)  e£  fei;,  feine 
33ufe  von  einem  £age  $um  Woern  außufa)ieben,  bie  ©na>- 
ben^eit  gepe  enblia)  vorüber,  unb  auf  t>k  flettltcpe  ,greube 


199 


folge  ewigem  Seit»,  3)er  3üngling  en£fa)ulbigte  ftd>  jwar, 
fo  gut  er  fonnte;  aber  er  ging  bod;  voll  innern  ©rünm$ 
weg  unb  napm  fta)  vor,  in  ber  näa)jkn  (Sc^enfe  feinen  Un* 
mutlj  ^tt  vertreiben,  2Birfli$  traf  er  aud;  bort  eine  frölj* 
lia)e  ©efcttfc^aft  unb  begann  frifa)  ju  trtnlen;  boa)  tt>ottte 
fid)  bie  gefugte  greube  nid)t  fmberu  25te  ©tubenuljr  fing 
an  ju  fragen  unb  eg  famen  i{mt  unwillfüjjrlia)  bie  nem* 
lia)en  SBorte  wieber  in  Wn  ©inn,  wela)e  ber  ©eelforger 
ijjm  vorgehalten  fwtte:  „£tn  gef?t  bie3eit,  Jjer  fommt 
ber£ob!  £>$*enfd>,  belehre  bid)  a«  ©Ott!"  —  2>tc 
©efeflfa)aft  raua)te,  er  wollte  e$  aua)  verfugen;  er  erm* 
nerte  fta)  aber  ber  SBerbammten,  von  welchen  gefagt  wirb: 
„£>er  D^aua)  tljrer  Dual  wüo  auffteigcn  von 
(£wi$ttit  %u  (£wigfeit"  ©o  oft  er  ein  ®la3  füllen 
fal),  ertönte  e^  in  feinen  £)J?ren:  38  te  viel  bie  gott* 
lofe  SQSelt  $?ut£willen  gehabt  Ijat,  fo  viel 
fdjenfet  ipr  Dual  unb  $tib  eim  Sieg  maa)te  i£m 
ba$  -£>aug  $u  enge  unb  alle  £uft  verbrieflia),  barum  riß  er 
fid>  log  unb  eilte  ^ur  ©tabt  jjinauS,  um  auf  freiem  gelbe 
bte  verlorne  Sflulje  wieber  $u  erlangen;  ~  aber  umfonff, 
<£x  fa£  3emanb,  ber  in  einem  £etdje  gifd)e  fing  unb  backte 
an  bk  Sorte  ber  ©a)rift:  „Der  $?enfd)  weiß  feine 
3eit  nid;t,  fonbern  wie  bie  gifdje  gefangen  wer? 
ben  mit  einem  fa)ablia)en  tarnen,  fo  werben 
aua)  bie  3ftenfd>en  berücft  ^ur  böfen  3eü,  wenn 
fie  plöglia)  über  fie  fallt/'  dx  bemerkte  einen  23aum, 
unb  e3  war  ilnn,  al£  wäre  barauf  gefa)rieben :  „(Ein  je  ber 
33aum,  ber  nia)t  gute  grüa)te  bringt,  wirb  abge* 
jjauen  unb  in'$  geuer  geworfen/'  din  dlabt  flog  über 
ü)n  J>in  unb  fa)rie;  t>a  fiel  tym  ba£  ©prüa)wort  ein:  2)ie 
SftabenjHmm  bringt  ©otteggrtmm.  3ta  tonnte  er 
fta)  ber  greinen  nia)t  mepr  enthalten ,  ging  in  fta)  unb 
faßte  ben  Qmtfa)luß,  feinem  getreuen  ©eelen^irten  $u  folgen, 
mit  ®otte31?ülfe  von  ber  ©ünbe  gu  Haffen  unb  ein  neue$ 
Seben  anzufangen,  %l$  ber  ^ßrebiger  bieß  fjörte,  würbe  er 
feljr  erfreut  unb  baufte  mit  if?m  feinem  ©ott  —  ©epet  meine 
Triften,  fo  liebreia)  gefjt  ber  getreue  |>irte  bem  Verlornen 


200 


nac^  (Er  Iwnbelt  $war  nicf)t  mit  allen  auf  gleite  Sßetfe, 
bo$  feplt  e$  deinem  an  feiner  ©nabe,  3?ber  fann  He 
©iimme  jjören :  $e£re  wteber,  bu  abtrünniger !  Sarumwilljt 
bu  jkrben?    SMeljre  bicf),  fo  wirft  bu  leben! 

Raffet  uns  nun  aufy  nod?  ben  21u3gang  biefer  unbe- 
greiflichen ©üte  ©otteS  betrauten.  Senn  biefelbe  lange  an 
unferer  (Seele  gearbeitet  unb  fte  enblicf)  bafnngebractyt  jjat,  bag 
fte  ipren  fünblid)en  SOSanbel  bereut  unb  ft$  nadj  ber  SBerge* 
£ung  fefmt,  fo  freut  jtcf)  ber  gange  £immel  unb  3efuS  tyut 
e$  ben  (Engeln  tunb  unb  f»rirf)t:  „greuet  tufy  mit  $fliv; 
benn  ify  j>abe  mein  ©cjjaaf  gefunben,  ka$  verlo- 
ren war!7'  2Bie  bieg  ber  £err  felbft  in  bem  15,  $av. 
£ucä  leprt,  tveXcr)e^  man  mit  Stecht  t>k  £rofique£le  ber  bug* 
fertigen  ©ünber  nennen  mag,  23efonberS  erfreulich  ift  ba$ 
©leic^nig  von  bem  verlornen  ©ojme,  mtfytäMtt  enthält, 
wa$  wir  über  bie  ©üte  ©otte$  bisher  gefagt  Ipaben  unb 
nocfj  gu  fagen  l)aben,  —  2113  ber  ©o|?n  nodj  ferne 
war,  fielet  ijjn  ber  23ater,  ©obalb  ftdj  Ui  bem  ©im* 
ber  nur  Ut  erften  ©ebanfen  pr  SBuge  ft'nben,  ftef>t  fte  ©ott, 
ber  £ergengfünbtger ,  j[a  nocf  früher,  e£e  fie  ft$  bei  bem 
Sttenfcpen  geigen,  epe  er  fie  felbft  weig,  fenntfte  ©ottf^on, 
Wie  £>avib  fagt;  „£>u  verftejjeft  meine  ©ebanfen 
von  ferne/'  SQSenn  ©ott  ftefrt,  bag  ftcj)  bei  bem  ©ünber 
erjt  nadj  vielen  3a|>ren  folc^e  bugfertige  ©ebanfen  geigen 
werben,  fo  wartet  (Er  mit  ©ebulb  bi$  auf  biefe  3cü>  ©inb 
fte  aber  bereite  oaF  fo  ftärft  unb  beförbert  er  fte,  3a,  wenn 
ber  ©ünber  nur  anfangt  gu  feufgen  über  feine  $8o$fyät  unb 
ft$  nad>  #ülfe  unb  £rofi  fe£nt ,  fo  ftept  $n  ber  gute  $a* 
ter  fd?on  in©nabcn  an  unb  eilt  tym  entgegen,  —  (Es  fam* 
mert  3jJn*  —  £>te  ©mibe  bringt  eine  abfc^eulic^e  herein* 
berung  bei  bem  9#enfa)en  bervor  unb  fdjcmbei  ijm  vor  ©ott, 
fo  bag  (Er  woj>l  Urfaa)e  JKitte,  foldje  ungeratbene  Jttnber 
von  feinem  2lngeft$t  31t  verftogen,  2iber  e£  jammert  ben 
S3arm£ ergigen,  fein  £erg  bricht  3N/  it)etm  ^r  feme  ®e* 
fctjöpfe  in  einem  fold;en  3uftanbe  flept  (Er  eilt  bem  armen 
©ünber  entgegen,  biefer  aber  fommt  langfam  unb  mit  ver* 
gagtem  £er$em  %fyr  b&ät  er,  foilte  ber  gerechte  unb  peiltge 


201 


©Ott  mtd)  ungefjorfame^  $ütb  wolrt  annehmen?  £)arf  ia) 
e$  wagen,  31t  bem  $u  fommen,  befreit  ©nabe  ttf)  fo  oft  ser* 
achtet,  ben  ia)  fo  oft  mutwillig  befeibigt  fmbe?  Sie  barf 
ia)  meine  klugen  $um£immel  aufgeben,  \va$  fott  ta)fagen? 
—  £ier  pofft  unb  gtvetfett  bcr  (ghnbc  sugleia).  —  £)ie 
©nabe  ©otteö  %k%  locft  unb  refuifm;  aber  ba£  ©ewiffen 
maa)t  feine  ©a)ritte  langfam  unb  fein  i^er^  fa)wer.  (£r 
freut  jta),  wenn  ijjm  ein  ©nabenblicf  x>on  3efu  @brifto  ent* 
gegenfommt;  aber  er  erfa)rictt  über  Ue  9D?enge  feiner  ©ün* 
ben,  baß  er  nia)t  weiter  fort  fann.  ©Ott,  ber  liebreiche 
23ater  eilt  ipm  baper  entgegen,  £)enn  (£r  ift  mel  be* 
reitwitliger,  bie  bußfertigen  angitnefjmen,  aU  fie  e£  ftnb,  3U 
3jjm  $u  fommen.—  9htr  gum  ©trafen  ift  ©Ott  langfam;  (£r 
ift  roie  ein  SSater,  ber  guerft  bro|?t,  auf  ben  Ztffy  fajlägt, 
um  bie  ^inber  ^u  erfa)recfen;  (£r  btnbet  eine  diutfye  $ufam* 
men  unb  ftectt  fte  auf  ben  £eud)ter,  ejje  er  fie  gebraust. 
£)a$  ©trafen  ift  bem  Sitfgütigen  ein  frembeS  Serf,  unb  <$x 
lommt  mit  23etrübnifj  ba^u;  ®utt$  tjmn  aber  ift  ipm  £uft 
unb  greube.  —  2Benn  ber  barmherzige  ©Ott  im  begriff  ift, 
bie  ©ünber  ^u  [trafen,  fo  peilt  3jm  feine  $khe  ab,  baß  dt 
bie  ©träfe  noa)  eine  3eitlang  $erfä)iebt.  ©uä)t  aber  ein 
bußfertiger  feine  ©nabe,  fo  eilt  Girr  iljm  entgegen  unb  em* 
pfängt  ifm  mit  greuben,  baper  ruft  ©iraa;  auS;  „£>  wie 
ift  bie  ^öarm^er^igleit  bes  £errn  fo  groß,  unb 
laß t  fia)  gnäbig  finben,  benen,  biefta)$u3|>mbe* 
f  efjren!"  —  (£nblia)  peigt  e3  in  bem  ®leta)niß  $om  verlornen 
©ojwe:  „ber  SBater  fiel  if?m  um  ben£al$  unb  füf* 
fete  ipn."  —  £en  lieben  ©Ott  ^lt  bie  Unreinigfett  ber  fünb* 
lia)en  ©eele  nicf)t  aurwf,  fte  gleia)  feine  ^iebe  füllen  ju 
laffen  unb  ijjr  ben  &uß  t>eS  griebenf  $u  geben.  Qaptx 
fcpeßt  2)a^tb>  ben  32.  ?5falm,  welcher  t>on  ber  Vergebung 
ber  ©ünben  fmnbelt,  unter  anberem  mit  ben  äßorten:  „2Öer 
auf  ben  #errn  hoffet,  ben  wirb  bie  ©üte  um« 
fafmi." —  $11$  unfer  (Ürrlefer  nur  einige  gute  ©ebanfen  imb 
fel?nlia)e  ©eufter  in  bem  bergen  be£  ©ia)tbrüa)igen  fal>e, 
fpraa)  (£r  $u  il?m;  „©et;  getroft  mein  ©oJ?n,  beine 
©iinben  finb  bir  vergeben/'    Unb  bieg  ift  abermals 


202 


einSBunber  ber  göttlichen  ©üte,  baß  berHtler|>öd;fte  nia;t  attem 
»ergeben,  fonbern  aua;  oergeffen  unb  lieben  fann,  baß  (£r 
ba$  £er$,  baS  oft  lange  ber  ©i#  be$  (Satanö  war,  ^u  feiner 
SQßoIjnung  ntad^t,  unb  baf  (£r  ben  Wlnnb  füffet,  ber  3{m 
fo  oft  geldwert,  baß  Grr  ben  äi$  greunb  aufnimmt,  ber  fo 
lange  fein  gcmb  gewefen  tji,  unb  feiner  ©unben  nid)t  ge* 
benfen  Witt,  afö  wären  fte  nia)t  gefeiten*  Unb  um  alle 
3weifel  ju  entfernen,  gibt  ©Ott  bem  befejjrten  5Renfc$en 
mancherlei  innere  unb  äußere  3Ser(ta)erungen  oon  feiner 
©nabe,  toie  wir  weiter  fepen  werben*  —  Dieß  nun  ift  ber 
I)oa)j*e  ^utjm  beS  großen  ®otte£ ,  unb  feine  größte  £err* 
Kdjfeit,  baß  <Ex  auf  fo(a)e  2Beife  bie  ©ünber  jjitt  33uße 
treibt  unb  gu  ©naben  annimmt  Dafür  fingen  3j)*n  ciua; 
alle  fjeiligen  (£ngel  unb  bie  Seelen  im  Fimmel  ein  ewigem 
£allelujaj? ;  barum  beten  3fm  alle  ^eiligen  auf  (£rben  an, 
barüber  ift  3£m  ba$  9?eia;  be$  <Satan3  feinb;  benn  ©otteS 
33arm|>er£igfeit  entreißt  ipm  bie  (Seelen  unb  fiu)rt  biejenigen 
in  ben  |>immel,  welche  bie  ^)ötte  fdjon  in  ij?rem  33ep^e 
glaubte»  Dieß  iffc  ba$  !?errliä)e  SQSerf,  baran  ber  breieinige 
©ott  täglich  feine  2uft  fmbet;  ber  58ater  ruft,  ber  @ojm 
ergreift,  ber  Zeitige  ©eiji  erneuert  bie  serfüfjrte  ©eele. 
Darum  fa)mecfet  unb  feljet,  fvk  freunblidj  ber  £err  ift, 
woj?t  bem,  ber  auf  3fw  trauet!—  Darauf  folgt  alfo,  baß 
bk  33efeljrung  bec3  @ünber$  ein  reinem  ©nabenwerf  ©otteS 
fep,  X>a^u  ber  $?enfa)  au$  natürlichen  Gräften  ma)t$  btU 
tragen  fann.  —  2öa£  fonnte  bie  bürre  dlutyt  SlaronS  gu  ibrer 
wunberbaren  gruajtbarfeit  tlmn;  war  e$  nia)t  tin  2öerf 
ber  göttlichen  2Iftmaa)t  unb  %gäß$ät,  ba$  fte  in  einer  ^aa)t 
grünte,  blühte  unb  $?anbeln  trug?  3Ba$  fonnte  ber  3üng* 
ling  au  Sftain,  ober  £a5aru£  $u  feiner  Sluferwecfung  beitrat 
gen?  $am  nia)t  bie  Straft  allein  son  bem  dürften  be$ 
£ebenS,  (Efyxifto  3^fu,  unb  son  feinem  lebenbigmacfenben 
Sorte?  —  SBerwunbert  euä)  mdjt,  baß  icf)  bie  fünblidje 
©eele  mit  ben  lobten  »ergleia)e.  Die  ©ctyrtffc  fagt  j[a  aug* 
brücfltc^,  baß  bie  ©ünber  lebenbig  tobt  fepen.  —  ©ott,  ber  t>a 
reia)  ift  an  SSarmfjeraigfeit ,  l?at  un3,  ba  wir  tobt  waren 
in  ©ünben,  fammt  £fmjb  lebenbig  gemacht—  Der  Statur 


203 


naa)  lebt  $war  t>er  Onber,  aber  er  ift  tobt  bem  ©eifte 
naa),  er  tfl  beraubt  beS  göttlichen  £eben£,  verfielt  unb  ver* 
mag  nia)t$  m  getftlicfjen  ^Dingen,  tft  aujjer  ber  ©emeinfdjaft 
©otteö  unb  @fmfti,  unb  kbt  wie  ein  vom  Raunte  gehauener 
3*veig,  ber  eine  SKetle  $u  grünen  fdjetnt,  balb  naä)^er  aber 
verb.Trt*  —  £)er  gütige  ©Ott  fommt  bem  ?OZenfa)en  mit 
feiner  ©nabe  zuvor  unb  lägt  fid;  ftnben  von  bem,  ber 
3pn  nia)t  fua)t,  j[a  von  bem, .  welker  3pm  feinb  ift  unb 
feiner  ©nabe  von  Statur  wiberjkebt  £)enn  wa^  anberS 
fann  ber  £>ornftraua) ,  al$  ftea)en,  unb  voa$  anber3  fann 
man  von  einem  unwiebergebornen  5^enfa)en  erwarten,  äi$ 
Ungeljorfam  unb  SOSiberfpenftigfeit  gegen  feinen  ©cfjöpfer? 
2)e$  gleifdjeS  2)ia)ten  unb  £ra$ten  ift  böfe  unb  eine  gtutb* 
fa)aft  gegen  ©Ott  <£$  Witt  bem  ©efeg  ©otteS  nid)t  unter? 
tl)an  fe^n  unb  vermag  e£  aua)  nia)t,  weil  e3  bur$  bie 
©ünbe  verborben  tfL  £)arum  muß  ber  barmherzige  ©Ott 
ba$  Sßerf  anfangen  unb  bem  verblenbeten  9D?enfa;en  bie 
Slugen  öffnen,  (£r  muß  ibm  ben  <3tnn  cmbern  unb  ein  neue$ 
£er$  geben*  Grr  mug  bura)  feine  ($nat>t,  burd)  fein  SÖort 
unb  feinen  peil,  ©eift  ben  verftnfterten  SBerjhnb  erleuchten, 
ben  verfef?rten  ^Bitten  zurechtbringen  unb  bie  natürliche  2Bt* 
berfpenftigfeit  wegnehmen,  fenft  Uäht  ber  $?enfd&  verjinftert, 
^erfe^rt  unb  wiberfpenftig  ewtglic^  £)em  natürlichen  Wien* 
fepen  ift  ©otteS  9?atpfa)luß  zu  unferer  (Seligfeit  eine  £f?or= 
fytit;  barum  verachtet  er  benfelben  unb  faljvt  in  feinen  <5ün* 
benwegen  fort,  wenn  iuc$t  bie  lnmmlifa)e  SBetäjjett  einen 
©nabenblic!  in  fein  ^>er^  fallen  läßt,  ba$  er  bie  ©efjeimniffe 
be£  3teia)e3  ©otteg  anberg  anfeben  unb  bk  unter  ber  Xfyov* 
|>eit  verborgene  %8mptit  ernennen  _  lernt,  ^urz,  bie  in 
Sünben  tobte  (Seele  liegt  unter  btm  Soxn  (&f>tt?$,  fie  fann 
ftd;  felbfi  Weber  ratzen  noa;  pelfen,  e^  ijt  nia)t3  in  ipr  von 
bem  Seben,  ba$  au$  ©Ott  ift  £)a  erniebrigt  fia)  ber  @o£n 
©ottee,  er  liegt  am  Delberg  auf  feinen  ^nieen  unb  e3  $k$m 
nia)t  nur  ordnen  über  feine  Sangen,  fonbern  aua)  hluti^c 
(Schweißtropfen  von  feinem  ganzen  Körper  J?erab*  dx  fjauä)t 
ben  erworbenen  2D?enfä)en  an  mit  bemDbem  feinet  $tunbe£, 
gibt  tym  feinen  ©eijt,   berübrt  fein  faltet  £er$  mit  feinem 


204 


von  Ste&e  flammenden  £er$en  unb  ruft  ijjm  $u:  „2Baa)e 
auf,  ber  bu  fa)läfefi:  unb  ftejje  auf  von  ben  Zob* 
ten!"  <5o  fommt  ba$  getftige  £eben  von  aufjen  in  ben 
9ftenfa)en,  fo  if*  e$  eine  ©nabengabe  ©otteS,  unb  ber  be* 
fe^rte  Ottenfa)  Jjat  fta)  feiner  TOtwtrfung,  fonbern  Wo$  ber 
23armljeraigfeit  unb  ©üte  3efu  GTfmjtf  au  rühmen.  3n>ar  $ti$t 
e$  in  unferem  £ert:  „Wladjtt  eua)  ein  neu  £er$  unb 
einen  neuen  ©eift;"  aber  ber  weife  ©ott  bat  feine 
©rünbe,  warum  dv  fo  rebet,  unb  babura)  wirb  ber  £epre: 
ba$  bk  33efe£rung  ein  ©nabenwerf  beS  £öa)ftot  fep  unb 
von  ben  natürlia)en  Gräften  feine  £ülfe  gu  erwarten  fie^e, 
nia)t  wiberfproä)en.  £)ie§  wirb  um  fo  beutlta)er,  wenn 
wir  einige  anbere  ©teilen  betrauten,  wela)e  bae,  wa$  £ier 
von  bem  2ttenfa)en  geforbert  wirb,  ©Ott  allein  auftreiben. 
,,3a)  will  reineä  Saffer  über  eua)  fprengen, 
fpridjt  (£r,  ba§  ijjr  rein  werbet  von  aller  eurer 
Unreinigfeit.  3$  w>üt  eua)  ein  aeu  £er$  unb 
einen  neuen  ©eift  geben  unb  will  baS  jtetnerne 
£er$  au$  eurem  gleifa)  wegnehmen  k.  3a)  will 
meinen  ©eift  in  eua)  geben  unb  will  fola)e  Seute 
au$  eua)  maa)en,  bie  in  meinen  ©eboten  wan* 
beln  unb  meinecftea)te  galten  unb  barnaa)  tj>un." 
£)amit  fKmmt  aua)  ^auluS  iiberetn,  wennerfagt:  ,,©a)af* 
fet,  bag  ibr  feiig  werbet  mitgura)t  unb3ittern; 
benn  ©Ott  ijl  e$,  ber  in  eua)  wirfet  23eibe3,  ba$ 
Collen  unb  Vollbringen,  naa)  feinem  2ßol?lge* 
fallen/'  anfangs  fa)eint  $war  ber  2lpofiel  aua)'  bem 
3Äenfa)en  einige  Iraft  beizulegen;  aber  ber  @a)lufj  ^ebt 
2Ille$  wieber  auf;  beim  er  will  fagen:  tradjtet  mit  allem 
gleiß  naa)  eurer  ©eligfeit  unb  gebrauchet  t>k  Wlitttl,  bie 
©Ott  eua)  ta^vi  gegeben  bat  £)amit  jt'eboa)  bie  Sitten* 
fa)en  bei  fola)em  %iti§  nia)t  jtol$  werben  unb  fta)  auf  fta) 
felbft  unb  tbre  Gräfte  nia)t  verlaffen  möa)ten,  fe$t  Paulus 
^tn^u:  mit  gura)t  unb  3ittern,  b*  L  mit  aller  £>e* 
mutl?  unb  finbtia)en  gura)t  finget  barnaa),  ba§  tj?r  ein* 
gej?cn  möget  bura)  bie  enge  Pforte,  Mmpfet  ben  ^ampf  beö 
©laubenS,  boa)  fo,  baß  t£r  nia)t  glaubet,  eS  f cp  an  eu* 


205 


rem  SBoUen  unb  kaufen,  fonbem  vielmehr  aU 
lein  an  ©otteö  Erbarmen  gelegen»  ©ott  tft'g,  von 
£)em  tf»r  bie  Greifte  fyabt  $u  folgern  Sötrfen,  kaufen  unb 
fingen;  benn  dt  wirft  23etbe$,  ba$  Sßotten  unb  SBott* 
bringen,  naa)  feinem  2Öoü>Igefaften,  ©Ott  atfein  tfi  e3, 
ber  ben  SBtberfpenftigen  23uge  gibt  unb  ©nabe,  bie 
2Ba()rf>eit  p  erfennen;  @r  iji  e$,  ber  baä  £eq  aerfnirfa)t 
unb  \>ie  ©eele  in'$  ©ebränge  bringt  £>ie§  fyaben  von 
je^ct  bie  ^inber  ©otteS  eingefef>en,  barum  feufeen  fte  aua): 
,,©a)affe  in  mir,  ©Ott,  ein  reines  £er$,  unb  gib 
mir  einen  neuen,  gewiffen  ©eift!  23efe£re  2)u 
mia),  fo  werbe  i^  befe^ret;  benn  £)u,  £err,  bift 
mein  ©Ott!"  —  3öei(  aber  boa)  von  ben  9ttenfa)en  gefor* 
bert  wirb,  bag  fte  fta)  gu  ©ott  feljren  fotten,  bann  werbe 
dv  fta)  auä)  $u  ijwen  lehren,  —  fo  be$te£t  ftd;  bieg  ent^ 
Weber  auf  fola)e,  benen  bie  ©nabenmittef  reia)(ta)  gegeben 
unb  baö  2Bort  ©otteS  tägliä)  vorgehalten  wirb,  ober  Witt 
ber  33armf>er$ige  un$  babura)  erinnern ,  wa$  unS  feljfe, 
wie  Ieiä)t  wir  unä  in  bie  ©ünbe  unb  in'3  $erberben  gejrüqt 
ijaben,  wie  fa)wer  e$  aber  fe^,  wieber  J?crau£$ufommen. 
dx  Witt  uns  bapin  bringen,  baf?  wir  erfennen,  wie  fe£r 
wir  ber  33efeprung  bebürfen ;  weit  wir  aber  bie$  au$  eigener 
$raft  nia)t  f  etften  fönnen ,  fotten  wir  bewogen  werben,  aus* 
prüfen:  „$efe£re  3)u  mia),  £err,  fo  werbe  ta) 
befejjret!"  —  Söenn  Semanb  gu  bem  9)?enfa)en,  ber 
38  3aj?re  lang  am  £eta)e  23etl?e$ba  franf  lag,  gefagt  fyätte: 
wittjl  bu  nia)t  gefunb  werben,  ftelje,  bag  SSaffer  bewegt 
fta),  maä)e  bia)  auf  unb  fteige  hinein,  —  fo  würbe  er  olme 
3weifel  geantwortet  j?aben:  aa),  ify  (Henber,  wottte  gerne 
gefunb  werben;  aber  iä)  fann  nia)t  fortfommen,  o  ba$  iä) 
einen  $ienfa)en  £ätte,  ber  (ta)  meiner  erbarmte  unb  mia) 
gumSBaffer  trüge,  —  wenn  bu  ef  tfmn  woftteft,  wie  wür* 
befi  bu  bia)  fo  fe£r  itm  mia)  verbient  maa)cn !  ©erabe  fo 
feufgt  unb  fefmt  fta)  ber  5D?enfa)  naa)  ©ottee  ^)ülfe,  wenn 
er  bura)  bie  2(mnajmungen  be$  jjeil*  ©eifteS  gut  (ürrfenninif? 
feinet  (£Ienb£  unb  Unvermögend  gebraa)t  worben  tfh  —  £>er 
Anfang  gur  Söefferung  ijt  affo  ein  ©nabenwerf  ©otte$,  unb 


206 


ber  Imlige  ©eifi  fegt  fte  fort  unb  vollenbet  btefelbe,  «Der 
sSttenfa)  beginnt  $war  mitsuwirfen,  boa)  nia)t  burdj  eigene, 
natürliche  traft,  f entern  bura)  bte  neuen  Gräfte,  bie  i£m 
ber  barmf>eraige  ©Ott  verliefen  J?at,  wie  ^aulu«  rüpmt: 
,,£)ura)  ©otte«  ©nabe  bin  ia),  wo«  iä)  bin,  unb 
feine  ©nabe  tji  in  mir  nia)t  vergeblta)  gewefen, 
fonbem  ia)  f>abe  viel  mefyx  gearbeitet,  benn  fie 
atUy  nia)t  aber  ia),  fonbern  ©otte«  ©nabe,  bit 
in  mir  tjh" 

25arau«  folgt  nun  1)  eine  (ümnajjmmg  gutn  £obe  beS 
barmpeqigen  ©otte«,  ber  un«  noa)  täglia)  fola)e  2Bunber 
feiner  ©nabe  an  im«  felbfi  unb  an  Slnbern  waljnteljmeu 
lägt*  SEßenn  man  %a)t  bar  auf  £at,  fo  Ijat  man  an  ben 
Werfen  ber  ©üte  unb  £angmutt)  ©otte«,  bie  @:r  immerbar 
unter  ben  9Dknfa)en  ipai,  eitel  £uft  unb  gxeube*  —  2)ie 
SSelt  gleist  einem  versilberten  vieler,  voll  von  dornen 
unb  £)tfteln ;  boa)  wanbelt  ber  gnäbtge  ©Ott  mitten  barunter 
unb  fua)t  fte  bura)  ben  Xfyau  feiner  ©nabe  in  SBeütftocfe 
unb  33lumen  §u  verwanbelm  Siewofjl  bie  33o«J?eit  ber 
9ftenftt)en  grog  ijt,  fo  wirb  (£r  boa)  nia)t  mübe;  (£r  läßt 
fein  fteilige«  2Bort  fräftig  prebigen  unb  wirft  bura)  baffetbe, 
bag  jrie  unb  ba  eine  ©eele  gewonnen,  erleuchtet  unb  befe£* 
ret  werbe,  60  oft  un«  alfo  ein  33eifpiel  bavon  befannt 
wirb,  follen  wir  mit  ber  triumpl)trenben  $ira)e  fanden: 
„©elobt  fei;  ber  £err  täglia),  gelobt  fep  feine  ©üte  immer 
unb  ewigtia)  V  —  %U  bk  £errliä)feit  ©otte«,  b.  u  feine  ©üte, 
an  $?ofe«  vorüberging,  rief  er  3Jmt  naa):  „£err,  £err, 
©Ott,  barm^erjig  unb  gnäbig  unb  gebulbig,  unb 
von  groger  ©nabe  unb  greue;  ber  2)u  beweifeft 
©nabe  hi$  tn'«  taufenbfte  ©lieb,  unb  vergibfi 
SDHffetjjat,  Uebertretung  unb  ©ünbe!"  (£benfo  geljt 
noa)  jtegt  bk  £errlta)e  ©üte  be«  Ewigen  an  un«  vorüber 
unb  geigt  fta)  an  ben  bugfertigen  unb  belehrten  ©ünberm 
2)er  getreue  unb  gute  £irte  fua)t  noa)  täglta),  wa$  ver* 
loren  ijt,  unb  bringt  Ine  unb  ba  ein  irre«  ©a)äflein  mit 
greuben  wieber  $u  feiner  beerbe*  SBarum  fottten  wir  3£nt 
nia)t  $uutfcn:    „£)u  langmütiger,    gnäbiger    unb 


207 


&arm£er$tger  ®ottl  ES  wirb  2Ule$  alt  in  ber 
2Belt,  Seine  ©üte  aber  ift  alle  borgen  neu  unb 
Seine  breite  ift  groft;  Seine  33arm£er$tgfett  ift 
unfere  ©eltgfeit,  Sir  fep  San!  in  Ewigfett"  — 
2Bo  ift  ein  folget  ©ort,  wie  Su,  ber  bie  ©ünben  vergibt  unb 
erläffet  bie  9ttiffetl?at  ben  tlebrigen  feinet  Erbteils?  ©ottte 
man  Sta)  ma)t  tiefen  unb  preifen,  ber  Su  unbcgreiflia)  fcift 
in  allen  Seinen  Söerfen,  an  ben  9ftenfa)en  2öunber  ber 
S3arnu)er$igf  eit  tjmft  unb  bie  ©ünber  geregt  unb  feiig  maa)ft? 
—  Sie  Reiben  erfannten  ©otieS  2lllmaä)t  unb  2Betä$ett 
juöörberft  an  bem  wunderbaren  23au  be£  menfdjlia)en  $ör* 
perS,  baper  ein  berühmter  2lr$t  unter  ijjnen  fagt:  fein 
Opfer  fönne  ben  ©Ottern  angenehmer  fe^n,  als  wenn  man 
bk  fünftlia)e  Einrichtung  ber  tnenfa)lia)en  ©lieber  betrachte* 
Er  ermahnte  aua)  alte  2ier$te  unb  anbere  weife  Männer, 
bag  fte  meljr  gleig  unb  3zü  barauf  wwenben  unb  fta)  ba* 
bura)  jur  Bewunberung  ber  Söete^ett  beS  grogen  $ünftler$ 
unb  §u  feinem  £obe  aufmuntern  foKen,  Ein  Slnberer  ertn* 
nert,  man  fotle  bei  ber  Arbeit  ben  £obgefang  anftimmen: 
,,©rog  ift  ©Ott,  ber  unS  bk  Spante  gegeben,  ber  bie  Äraft 
verletzt,  bie  ©peifen  $u  fa)tucfen  unb  ju  verbauen,  ber 
maa)t,  bag  wir  allmäljlig  wad)fen  unb  aua)  im  ©$Iaf 
£>bem  polen  ^  ber  uns  S3erftanb  gegeben  unb  benfelben  ge* 
brausen  lägt*  2Öäre  ia)  ein  SBogel,  fegt  er  pin^u,  fo 
wollte  ia)  u)un,  n>a$  emSBogel  tfyut,  nun  ia)  aber  ein  »er* 
nünftiger  5D?enfa)  bin,  will  ia)  ©Ott  loben,  bieg  ift  meine 
$ftia)t,  bieg  tljve  ia),  fo  lange  ia)  fann,  unb  ia)  ermahne 
eua)  Sllle,  beggleia)en  $u  tpmu"  —  Söurben  biefe  Reiben 
bura)  bk  Betrachtung  ber  Statur  alfo  jum  £obe  ©otteS 
angetrieben,  wa$  fyättcn  fte  wo£l  getpan,  wenn  fte  feine 
©nabenwerle  erfannt  fjaben  würben?  2Berben  fte  uns  aber 
an  jenem  £age  nia)t  befa)ctmen,  wenn  wir  Weber  bura)  bie 
9iatur  nod)  bura)  ©nabe  $um  Ütuljm  ber  göttlichen  ©üte 
gebracht  werben  tonnen?  —  Raffet  uns  aber  nia)t  auf  2In= 
bere,  fonbern  ^uerft  auf  uns  felbft  fefjem  Raffet  unS  2llleS, 
xotö  wir  bieder  twn  ber  ©nabe  unb  £angmutj?  ©otteS 
gehört  £aben,   mit  unferem  eigenen  Lebenslauf  ttergteitt)en, 


208 


bann  wirb  e$  ftd>  geigen,  tag  wir  Urfaa)e  ijaben,  nut£>mri& 
$u  fagen:  „2obe  ben  £errn,  meine  ©eele  unb  was 
in   mir    ijt,    feinen   ^eiligen  tarnen*     £obe   ben 
Gerrit,  meine  ©eele,   unb  r>ergif  nia)t,   tt>a^  Grr 
bir  ®ntt$  getfjan  pat,  ber  bir  alle  beine@ünben 
»ergibt  unb   fjeilet   alle    beine   ©ebrea)en,    ber 
bein  £eben  r>om  SBerberben  erlöfet  unb  bify  frö* 
net  mit  ©nabe  unb  33arml)er3tgfett!"  —    Denfe 
äurücf,  o  @jmfl,  unb  erinnere  bia)  beiner  SSege,  burdjlaufe 
beine  3eiten  unb  3apre,  unb  betraa)te,  ttrie  bt$  bie  ©üte 
be$  barmherzigen  ©otteg  begleitet,  erhalten,  gebulbet,  ge* 
rufen,    erleuchtet  unb  befe^ret  jjat     £J?ue  es  aber  nia)t 
obenjnn,  fonbern  mit  fcer$lia)er  2lnbaa)t,  fo  wirft  bu,  wie 
ia)  Ijoffe,  $u  grauen  gerührt  unb  $ur  %kbt  unb  gum  £obe 
©otteä  ermuntert  derbem  ©iefje,  sor  wenigen  S^ren  warft 
t>n  tterftridt  in  bie  9te£e  beä  ©atan$,  bie  ©üte©otteö  hat 
bia)  baoon  befreit    £)u  wanbeltejt  in  ginjternig,  nun  aber 
f>at  bia)  ©otte$  ©üte  erleua)tet;  bu  warft  wie  ein  trrenbe$ 
©d;aaf,   je£t  aber  bijt  bu  befe^rt  $u  bem  Wirten  unb  $3i* 
fa)of  beiner  6eele.     Du  lieffl  in  beiner  2Serb(enbung  ber 
£ölle  3U  unb  bie  ©üte  ©otteS  fam  bir  entgegen,   f>at  bia) 
ergriffen  unb  £u  ©naben  angenommen*     ©ollteft  bu  wofjl 
umjjin  tonnen,  ojme  fola)e  unoerbiente  ©üte  $u  greifen?  — 
2öol)lan  benn,  i£r  bugfertigen  ©unter,  if>r  ^inber  ber  ©nabe 
©otte$,  greifet  mit  mir  ben  £errn  unb  laffet  uns  mit  ein* 
anber  feinen  tarnen  erljöfjen!    3a)  fa)liege  mia)  oon  euet) 
nia)t  au$;   benn  ia)  bin  aua)  ein  SBunber  ber   göttlichen 
©üte  in  leiblichen  unb  geiftlid)en  Dingen,  £>  langmütiger, 
gndbiger  ©Ott,  Du  fwft  aua)  an  mir  erzeigt  ben  9?eia)tpum 
Deiner  unbegreiflichen  ^iebe*     2la),    wie  oft  bin  ia)  in  ber 
3rre  gegangen,  tok  oft  |>abe  ia)  Dir  ben  Sauden  ^ugewanbt, 
unb  bin  flor  Dir,   mein  treuer  £irte,   geflogen,   Du  aber 
folgteft  mir  soll  ©nabe  unb  ©üte!    2lu£  jugenblia)em  Un* 
serftanb  unb  bura)  $erfüj?rung  ber  gottlofen  2öelt,  wählte 
ia)  oft  gefährliche  unb  fc^äbltdje  SÖege,  Du  aber  famft  mir 
entgegen  unb  fr>raa)ft :  „wo  lommft  bu  fax  unb  wo  witlft  bu 
pitt?"  Du  naljmj*  mia)  aua)  bet  ber£anb  unble^rtejt  mia), 


209 


bct§  id)  md)t  wanbeln  foüte  auf  ben  Segen  beS  fünblia)en 
%$clh$.  9hm,  mein  ©Ott ,  fo  lange  ein  £)bem  in  mir  ift, 
will  ta)  nia)t  »ergeben,  wa$  Du  an  mir  geif>an  f>aft;  fo 
lange  ta)  lebe,  Witt  ia)  Deine  ©üte  unb  IBarm^ergtgfett  preis 
fen,  jia  in  (£wigfeit  will  ia)  Deine  ©nabe  rühmen!  3a; 
greife  Dia),  ©u  SSater  ber  IBarm^eratgfett,  bag  Du  mtä) 
armes,  verführtes  $tnb  geliebt,  gebulbet,  befe^rt  unb  $u 
©naben  angenommen  £aft  3a)  pretfe  Dia),  Jg>crr  3efu, 
baf?  2)u  mir  naa)gegangen ,  mia)  gefua)t,  gefunben  unb  mit 
deinem  23lute  gereinigt  £aft  3$  greife  ®iä)>  0  ^eiliger 
©ei#,  baj?  Du  mta)  fo  oft  bura)  Dein  SQSort  getarnt,  be* 
lebrt,  unterria)tet  unb  ^ttm  ©lattben  gebracht  Ijaji  £>  £err, 
id)  hin  Dein  $nea)t,  —  ia)  bleibe  Dein$nea)t  in  <£wigfettl 
2)  Diefe  23etraa)tung  bewahrt  m\$  aua)  vor  <Stol§ 
unb  Uebermut^  X)cnn  vor  ©Ott  paben  wir  ma)t£  ju  rüj>* 
men,  fonbern  fo  oft  wir  vor  3{>m  beten,  unfer  2lmt  »er* 
ria)ten,  fo  oft  uns  begpalb  eine  @j)re  wiberfäljrt,  ober  fo 
oft  cS  uns  wof>l  ge|jt,  muffen  mir  mit  bem  $cunbfa)enfen 
^arao^  auerufen:  ,,id)  gebenfe  Ijeute  an  meine  ©ünben!" 
Söenn  wir  aua)  von  ber  ©nabe  ©otteS  verfia)ert  unb  un* 
fever  ^efe^rung  gewij?  ftnb ,  fo  bürfen  wir  boä)  unfere 
©ünben  zeitlebens  nia)t  vergeben,  nia)t  als  ob  wir  an  ber 
©nabe  beS  £erm  zweifeln  wollten,  fonbern  bamit  wir  in 
ber  ^eiligen  gura)t  beS  £errn  unb  in  wahrer  Demutl)  wan* 
beln  unb  ftetS  banfbar  gegen  ©ott  geftnnt  bleiben»  —  (Eine 
bugfertige  @eele  ift  md)t  (tol^,  fonbern  benft  in  Demutl? 
an  ifjreu  früheren  @tanb,  unb  aua)  ber  weife  ©Ott  fügt  eS 
fo,  baß  if?re  ©ünben  iljr  beftembig  im  ©ebää)tnig  bleiben, 
Dafjer  fagt  Davib:  „meine  ©ünben  ftnb  immer  vor  mir;" 
unb  $auluS  erwähnt  feinet  früheren  £ebenS  hü  jeber  ©es 
legen^eit,  wit  folgenbeS  25efenntmfi  von  ifmt  leljrt:  „3efuS 
t|*  naa)  feiner  5luferftebung  aua)  von  mir  als  einer 
un^eitigen  ©eburt  gefetjen  worben;  benn  id)  hin 
ber  ©eringfte  unter  ben  51)) oftein,  als  ber  ia)  nta)t 
wertj?  bin,  b<x%  ia)  ein  2lpoftel  jmge,  barum,  baf? 
ia)  bie  ©erneute  ©otteS  verfolgt  £a&e."  —  Grinjt 
nal?m  ein  vornehmer  Grbelmann  ein  armes,  aber  tugenbljafteS 


210 


IBauemmäbcpen  jur  grau.  £)amit  fte  aber  ipres  vorigen 
©taubes  nicpt  vergeffen  unb  etwa  jtoI$  werben  möchte ,  lieg 
er  bte  geringe  Reibung,  bte  ftc  früher  getragen,  an  einem 
Ort  aufhängen,  n>o  fte  »tcl  aueV  unb  einging,  ©benfo  macpt 
e$  ber  33ater  im  #immcl  mit  bem  belehrten  ©ünber,  dt 
pettt  ipm  feinen  früheren  3uftanb  oft  vor  Slugen,  bamtt  er 
ftcp  an  feine  ©nabe  erinnern  unb  in  £)emutp  etnpergepen 
möge,  ^la^  ber  ©ebefferte  ijt  nod)  bieten  geilem  unb 
©cpwaippeiten  unterworfen,   unb  bebarf  alfo  tägttip  unb 

ßünblicp  ber  ©nabe  feinet  ©otteS* (Eben  fo  wenig 

fiept  e$  aber  autp  bem  ausfertigen  ^u,  ftcp  vor  ^ftenfepen 
ju  erpeben;  benn  eS  ift  $wifcpen  bem  grömmjkn  unb  bem 
größten  ©ünber  fein  Unterfcpieb,  <xi$  berfenige,  welken 
©otte$  ©nabe  macpt.  ©tept  ein  geimpfter  ©tamm  neben 
einem  wilben  in  einem  ©arten,  fo  fann  ftcp  j[ener  wiber 
biefen  nicpt  rüpmen,  weil  er  früher  auep  wilb  war,  unb  bte 
£anb,  hk  ipn  befcpnttten  unb  geimpft  pat,  fann  an  bem 
anbern  baä  ©leiepe  tpun.  ©aper  ift  ber  23ugfertige  fanft* 
mütpig  unb  fcponenb  gegen  bie  geplenben,  unb^bemüpt  ftcp, 
t>k  Uebertreter  ®otte$  2Sege  gu  lepren,  baf?  fte  ftcp  auep 
$u  3pm  befepren.  Ueberpaupt  pat  ber  (£prt(i  mit  bem 
£obe  feinet  ©otteS,  mit  ber  Uebung  be3  ©laubenS,  mit  ber 
Dämpfung  ber£üfte  feinet  gleifcpeS  fo  viel  $u  tpun,  bag  er 
weber  Seit  noep  ^Bitten  pat,  feinen  -ftäcpften  $u  rieten  unb 
gu  veralten,  unb  wenn  er  ipn  je  in  feinen  ©ünben  fiept,  fo 
gefepiept  eä  mit  wepmütpigem  £eqen  unb  mit  ber  53itte: 
„©Ott  befepre  biep  auep  unb  erbarme  ftcp  bein,  tt>k  (ix  fiep 
meiner  erbarmt  pat!"  — 

3)  23iSper  rebete  i(p  bloS  von  ben  ausfertigen,  tep 
barf  aber  auep  bie  Unbuf fertigen  nicpt  vergeffen,  unb  Witt 
verfugen,  ob  icp  ipre  falten  $eqen  mit  bem  geuer  ber 
göttltcpen  $kte  niept  einigermaßen  erwärmen  unb  fte  auf 
gute©ebanfen  bringen  fönne.  —  $rüfe  biep  alfo,  oSERenfcp, 
ob  H  nicpt  biSper  in  wiffentlicpen  ©ünben  gelebt  paß,  unb 
noep  j[e|t  in  Unbufjfertigfeit  unb  ©ieperpeit  bapingepft.  £)a$ 
SQ3ort  ©otteS  unb  bein  ©ewiffen  fonnen  biep  barüber  am 
befien  beleprem  —  SSeftnbeft  bu  biep  wirfliep  in  einem  folgen 


211 


unfeltgen  3uflanbe,  fo  bitte  ta)  bid>  um  £f?rifH  willen,  ber 
aus  Ctcbc  fein  33lut  für  bia)  ^ergoffen  l)at,  bag  tu  obige 
Ce^rc  $on  ber  ©nabe  unb  £angmutf>  betrieb  ©otteS  tt>o^t 
erwägen  unb  3We$  auf  bia)  be$te£en  wolleft  233te  leia)t 
wäre  es  bem  Slllmäcptigen,  btd)  plö^lid)  £üt$uretfüen  imb 
beine  arme  ©eele  m  bte  SpcUt  ^u  tterjbgen!  (£r  Jjat  bia) 
aber  Bt^per  serfa)ont;  benn  <£r  fa)ät$t  beine  ©cele  ^u  f>oa), 
al$  baj?  <£v  fte  verlieren  möa)ie*  £)ein  £>eilanb  |>at  für 
bia)  gebeten  unb  bir  nod)  einige  3^it  ^urSBuge  auswirft; 
wi((j}  bu  ben  ^eia)tfnmt  ber  ©üte  unb  £angmut£  beutet 
©otteg  noa)  länger  seradjten?  %8ti$t  bu  nia)t,  bag  bia) 
©otteS  ©üte  $ur  25uge  leiten  fo((?  SÖittfl  bu  bir  lieber  bte 
Ungnabe  ©otie3  ju^iepen,  al$  feine  ©nabe  annehmen;  willffc 
bu  ben  Sftlgewaltigen  lieber  jum  SRityUx  als  $um  SSater 
{laben?  33ebenfe  boa),  wie  bir  bi^^er  bie  ©üte  beg  (5wi* 
gen  allenthalben  folgte,  wie  manchmal  fte  an  beinern  ^per^en 
auf  topfte,  tok  oft  fte  bid)  bura)  bie  öffentliche  ^3rebigt  unb 
bura)  bie  Stimme  beineg  ©ewiffen£  ermalmte,  mt  viel 
©ute3  tu  inbeffen  aug  feiner  SBaierbanb  empfangen  fjafi«. 
<Soll  2We$  au  bir  verloren  fepn,  x(i  benn  beut  £er$  bura) 
fo  t>tel  $kbz  tttcr)t  su  gewinnen?  ©te£e,  ta)  fe^e  ben 
Fimmel  offen  unb  ben  barmber^igcn,  liebreichen  ©Ott,  ber 
beiner  wartet,  —  ta)  fel?e  3efum,  ben  (Möfer  be£  9ttenfa)ett* 
gefa)ted?t6,  gur  9?ea)ten  ©otteö  flehen  unb  für  bia)  Btt^= 
ten,  —  t$  fe£e  ben  ^eiligen  ©etfl  fjerabfommen ,  um  jta) 
eine  Sofmung  in  beinern  |>er$en  3U  bereiten,  203a$  fäu* 
meft  bu,  unb  mc  lange  bebenfeft  bu  bia),  ob  bu  $erbammt 
ober  feiig  fepn  wi((ft?  Sie  wtllfi  bu  entfliegen,  wenn  bu 
eine  fola)e  ©eligfeit  ma)t  afyteft?  —  £ag  bia)  ma)t  90m 
©atan  bereben,  „bu  jwbefi  Stit  genug,  unb  weil  bie  33arm* 
£er$igfeit  ©otteS  fo  grog  fep,  fönneft  bu  immer  ba$u  ge* 
langen/'  Senn  3?iemanb  ift  ber  SSerftocfung  nä^er,  <xU  wer 
mutt>  willig  auf  ©nabe  fünbigt;  (e  gröfjer  bie  ©nabe  war, 
bte  bem  (Bünber  angeboten  würbe,  bejlo  größer  wirb  ber 
3orn  fcpn,  ber  auf  bie  2Seraa)tung  folgt,  @o  barrntjer^ig 
©ott  aua)  ifl,  fo  lägt  dt  (ta)  boa)  nid?t  fpotten.  2lua)  tf* 
<£r  nia)t  barum  gnäbig,  bag  wir  um  fo  breiter  fünbigen, 

14* 


212 


unb  in  unferer  SöoSjjeit  fortfahren  fetten*  203er  fo  gejtnni 
tjt,  fyat  e$  nidjt  mit  bem  barmherzigen,  fonbern  mit  bem 
geregten  ©Ott  gu  tfjun,  ber  ba$  23ofe  nicfjt  ungejtraft  taffen 
Witt  noa)  fanm  Wufy  ift  ©ort  nid)t  fa)utbtg  immer  auf  bia) 
gu  warten,  bis  bu  etwa  beine  ©ünbentuft  gebügt,  unb  ber 
Gritetfeit  biefer  Sett  fatt  unb  überbrügig  geworben  bijL 
Sßenn  bu  nadjljer  bie  £l?ürc  tterfa)toffen  fmbejt,  barffi  bu 
nia)t  über  Unrea)t  Hagen»  Unb  ba  bie  23uge  ein  SSerf  ber 
©nabe  be$£öa)jien  ift,  baäCEr  fa)afft,  wie,  wo  unb  wann 
(Er  wilt,  we(ä)e$  bei  3fjm  allein  unb  nia)t  bei  un$  9ttenf$en 
fiejjt;  wie  bürfen  wir  e3  wagen  gu  fpredjen:  3(t)  Witt 
wojjt  einft  no<$  5?uge  t£un!  28a$  für  eine  Hoffnung 
Jwben  wir  ba$u,  wenn  wir  bie  meijte  &it  unfereg  2eben3 
in  ©ünben  $ugebraa;t  unb  um  bie  ©nabe,  bie  ba^u  nötjn'g 
i(J,  nie  gebeten  £aben?  Unfer  £eitanb,  ber  b'oä)  t>otf  ^?tebe 
gegen  ba$  menfdrtidje  ©ef$lea)t  ifi,  bropt  bem  unbugfertigen 
3erufatem,  wela)e$  fict)  ni$t  unter  bie  ©nabemgfüget  wottte 
fammetft  taffen,  dv  werbe  e$  serlaffen,  unb  nia)t  e£er  aU 
am  £age  be$  ©eriä)t3  wieber  feiern  —  £)arum,  o  ßjjriji, 
wirf  fytute  von  bir  atte  beineUebertretung,  maa)e 
bir  ein  neue^^erj  unb  einen  neuen  ©ei jh  SBarum 
wittft  t>n  atfo  fterben,  bu  tblt  ©eete?  3$  £abe 
feinen  ©efatten  am£obe  be$  ©otttofen,  f#ritt)t 
ber  £err  £err,  barum  belehre  bid),  fo  wirji  t>u 
leben»  ©Ott  t)eife  bir  ba%u  bura;  feine  ©nabe,  tn  (^prtjto 
3efu!  Slmem 

(23ete  barauf  auö  2trnb1$  $arabte$  *  ©ärttein :  1)  ba$ 
©ebet  um  @otte$  ©nabe  unb  ^arm^er^igteit;  2)  um  htn 
fyiL  ©eijt  unb  feine  ©aben;  3)  um  wafwe  33uge  unb  <£r* 
fenntnig  ber  @ünben). 


213 

Streite    S$  t  e  *  i  9 1 

$on  ben  Wlittetn  p.t  CBcfeprung. 


@  i  n  g  a  n  3* 

!3m  Flamen  <$eful    5*nten. 

2)er  $ropf>et  3efaia3  ie^etft,  baß  ber  £err  bie  Utt* 
teinigfeit  ber  £od)ter  3ton  wafa)en  unb  bte  33lutfc!julben  3e* 
rufalem^  wegnehmen  wolle  buref;  ben  ©etft,  ber  richten  unb 
ein  geuer  an^ünben  werbe*  —  (£r  fMt  babura)  fowopX  bte 
©ünbe,  äi$  auä)  bte  ^O^ittel  bagegen  vor*  2Bte  ber  2P?enftt), 
mit  $0$  beworfen  ober  mit  23lut  bejubelt,  abfdjeulia)  i% 
fo  ijt  ber  ©ünber  $or  ©Ott  unb  naa)  feinem  inneren  3u* 
fianbe*  SDfandjer  gef>t  in  ©amntt  unb  ©eibe  gefleibet,  unb 
3iept  bura)  feinen  prächtigen  2Injug  2l(ler  klugen  auf  fiel); 
aber  vor  ©Ott  unb  feinen  Engeln  iß  er  ein  ©reuel.  ©eine 
£anblungen  ffnb  softer  SBofytit,  Ungereäjtigfeit,  Unreinig* 
feit,  ©a)anbe  unb£after;  e$  ift  feine  ©otteSfurc^t  unb  «apre 
©ottfeligfett  in  ifmu  SBaS  Jtfft  alfo  ber  fä)6njk  ©a)mucf, 
wenn  bu  in  ©ünben  lebjl?  2>anun  prüfe  beinen  3ujtenb 
wofrt,  bamit  bu  nia)i  in  beiner  Unretnigfeit  von  jner  fd;et* 
beft;  benn  nia)t3  Unf?eilige3  unb  t*a$  ba  ©reuel  t|>ut  unb 
i*ügen,  wirb  eingeben  in  bte  fnmmltfdje  ©tabt  ©ottetf,  fon* 

bern  fein  gjjetl  wirb  fep  in  bem  fjöftifa)en  *Pfu|>l. 

£>aS  SSJHitel  gegen  t>k  ©ünbe  ifl  ber  ©eift  be3  ©eriä)t3 
unb  beS  geuerS,  unb  obgleich  ber  gerechte  ©Ott  alleUrfad;e 
peitte,  mit  bem  verunreinigten  3ion  fireng  ju  verfahren,  fo 
erbietet  dx  fttt)  boa),  bie  ausfertigen  $u  wafa)en  unb  $u 
reinigen  bura)  feinen  ^eiligen  ©eift,  welker  an  einer  anbern 
©teile  einem  reinen  SBaffer  verglichen,  J?ier  aber  ein  ©eijl 
beg  ©eria)tg  unb  be£  geuer^  genannt  wirb.  —  (£m  ©eift 
be$  ©eridjtg,  mii  dx  im  5D?enfa)en  tytiU  erleuchtet,  t>a$ 
er  fta)  prüfen  lernt,  feine  ©ünben  erfennt  unb©nabe  fua)t, 


214 


tyeiU  i£n  ttorftd)tig  hanteln  unb  baß  ©ute  tton  bem  33ofen 
unterfa)etben  lefjrt,  bamit  er  bas  £immlifd)e  unb  (£wige 
bem  3*bifa)en  unb  SBergcingfic^en  »oqtejen  möge»  —  (£m 
©etjt  be3  geuerS,  wet!  er  bie  f(eifc^id;*geftmrten,  unreinen 
£ergen  gteicfyfam  ausbrennt,  bte  ?tefce  @oite6  unb  be£ 
fftä^jlen  m  ifnten  entgünbet  unb  baburd)  bte  ?iebe  gur  C^itel- 
feit  »ertitgt.  —  £)emnad>  tjl  bte  23u£je  unb  23efe£rung  btß 
menfdjfidpen  #ergen$  fein  geringe^  SGBerf,  fonbern  ein  SQSuuber 
ber  göttlichen  Mmafy,  Söeis^cit  unb  ©üte.  ©Ott  fetbjt 
unb  ber  peiftge  ©eift  muß  ba3  ©er^  tfon  after  SBeflecfung 
reinigen  unb  baß  ©tut  3efu  (Tprifti  gehört  bagu,  ba£  wir 
rein  werben  $on  unfern  Sünben.  2)er  ©a)abe  ijt  gu  böfe, 
tj?m  fönnen  feine  menf$l:d?en  Wlittd  abhelfen,  barum  l?at  fiel) 
bk  fettige  £)reieintgfeit  felbjt  biefe<3  Söerfä  angenommen. 
3war  gebraust  ber  liebe  ©Ott  folc^e  bittet,  bte  bei  irbtfd;* 
gefmnten  9#enf$en  wenig  SBertjj  £aben,  neimlid;  baß  2Bort, 
ben  £)ienft  ber  $rebtger,  bk  ^eiligen  ^aframente  jc.;  aber 
fte  afte  ftnb  ttotf  föxaft  uns  I)immlifd)er  %ßzißi)tit,  fte  führen 
©ottes  ®xitöz,  baß  S3Iut  3efu  (grifft  unb  bas  geuer  be* 
|?eif.  ©eifte$  mit  fi$.  gerner  folgt  baraue,  ba$  bk  (£x* 
neuerung  bes"  £ergens  nifyt  blos  äufjerfid)  geftt)eji>e,  fonbern 
burd/bringe  hiß  in  ben  innerften  ©nmb  unb  eine  gcmgtidje 
SBeränberung  mit  ftd)  bringe,  3war  bleiben  audj  hä  ben 
grommen  noa)  mandje  fünbtia;e  Stifte  gurücf  unb  mad;en 
tfjnen,  wie  bae  33eifpiel  bes  Ipoftefs  Paulus  lejjrt,  rea)t 
vkl  gu  fdjaffen;  allein  bk  £errfa)aft  ift  ij?nen  genommen, 
fie  Werben  oom  (Stifte  ©otteö  fktß  unterbrücft,  hiß  fit  enbüa), 
wenn  ber  %tih  btß  Xvbtß  gur  (£rbe  wirb,  sotfig  öernia)tet 
unb  auegerottet  werben.  Sott  biefem  ©neben werf  ©otteö 
£aben  wir  in  ber  vorigen  ^Jrebtgt  gefmnbclt,  jie^t  wollen 
wir  uttfere  ^Betrachtung  fortfetjen  unb  oon  ben  Mitteln 
gur  S5efe£rung  reben.  ©Ott  ^eilige  unb  fegne  fte  in 
ßpvijto  3efu  bura)  feinen  petltgen  ©etjt!   2lmen. 

2lbf>ant>fung* 
gier  Anfang  bes  menfd)lid;en  (£knbß  ift  5)on  b  e  m 
2Bort,  baö  ber^atan  burc^  bie  Solange  mit  unfern  erften 


215 


altera  gerebet  pat  2)fcfe$  war  soft  &a§,  galfd^eit  unb 
Suiten  unb  maa)te  bem  ©atan  felbfi  ^31a^  in  iprem  £er$en. 
2>aper  pat  e$  bem  barmherzigen  ©ott  gefallen,  bura)  fein 
2öort  bie  5ttenfa)en  aua)  lieber  su  Reiten,  wela)e$  eine 
göttliche  Greift  ift,  feiig  $umaa)en2llle,  bie  baran  glauben* -— 
diu  Sßaffer  fa)medt  naa)  feiner  Duelle  unb  füprt  bie  $raft 
ber  albern  mit  fta),  über  wela)e  e$  fliegt  ®a$  2Bort  ©otteS 
quillt  aus  ber  £iefe  ber  ewigen  $kU,  barum  führet  e$  (auter 
göttliche  2Bei$I?eit,  Ärafi,  Siebe,  ©nabe  unb  ©eij*  mit  fta). 
2öie  ®ott  felfcjl  ein  lebenbtgeS,  tpättgeg,  ewigem  Söefen  iji, 
alfr  ift  aua)  fein  2Bort  eine  peilfame,  tätige  unb  lebenbig* 
maa)enbe  $raft,  unb  gleichwie  bort  ber  Dbem  be$  £errn 
ben  ^eiligen  ©etfx  mit  fta)  führte,  äl$  (ix  bie  3ünger  anblies 
unb  fyraa):  „S^epmet  J>in  ben  peiligen  ©ei|t,"  fo  iftnoa)je§t 
fein  3ßort  ber  £>bem,  wobura)  (£r  ber  $ird;e  ben  peiL  ©eift 
mitteilt,  bie  £eqen  erleuchtet,  heiligt  unb  befeligt  £)ie 
SBorte,  bie  ia)  rebe,  fagt  (ix  felbjt,  finb  ©etf.  unb 
Seben;  unb  im  eilten  £effoment  ruft  t>it  pimmlifcpe  2Bei$* 
peit  ben  ©pöttern,  welche  fte  gerne  auf  anbere  ©ebanfen 
bringen  wollte,  ju;  „©iepe,  ia)  will  eud)  peraugfagen 
meinen  ©eifi  unb  eua)  mein  2Bort  funb  tpun." — 
Sttitpin  ift  ©otteS  SBort  üxi  Wittü  aur  33efeprung  unb  pat 
biefe  große  &\aft,  weil  e$  au$  bem  ^er^en  3efu  fommt 
unb  feine  %kbef  feinen  (Bäft  mit  fta)  füprt  —  2)a$  SBort  pat 
aber  bie  $raft  nia)t  au$  fta)  felbft,  fonbern  son  ©Ott. 
2)aper  fagt  Sutper:  „Dbwopl  ba$  leibliche  Sffiort  an  fia) 
felbjt  nia)t  ba$  Seben  gibt,  fo  mn$  e3  bod)  babei  fepn  unb 
gehört  werben,  ber  peil,  ©etjt  muß  bura)  baffelbe  im  £eqen 
wirfen,  unt>  ba$  £eq  mufü  fta)  bura)  ba£  2Sort  im  ©lauben 
erholen  wiber  hm  teufet  unb  alle  2lnfea)tung."  —  &er  peil, 
©eift  wirft  nia)t  opne  ba$  SSort  unb  ba$  Sößort  nia)t  opne 
ben  peil*  ©etjh  3war  fönnte  Jener  5Iüteö  bura)  fia)  tpun; 
aber  es  pat  ©Ott  gefallen,  ba$  (ix  opne  fein  SÖort  nia)t 
wirfen  will.  £>e3  SBorteo  traft,  ©eele  unb  £eben  ift  ber 
peil,  ©eijt,  ber  in,  mit  unb  hti  bem  20 orte  ift,  Kit  2Irnb 
fa)reibt:  „©Ott  fyat  jta)  itf$  SBort  »erwidelt  mit  aller  feiner 
©nabe  unb  Siebe;  benn  wenn  e$  nur  ein  bloge^  SBort  wäre, 


216 


o£ne  ©otteS  ßraft  unb  £eben,  fönnte  ee  nidjt  btc  ©petfe 
unferer  ©eele  unb  alfo  aua;  lein  !>J?ttteI  51t  unferer  33efe£* 
rung  fepn;  weil  aber  ©Ott  im  Borte  ift,  fveifet  GEr  bie  ©eele, 
erquidt  fie  unb  mad)t  ji'e  lebenbig/'  —  Segen  biefer  Jtraft 
nun  werben  bem  Borte  ©ottes  merfwürbige  tarnen  gegeben. 
(£0  fyifyt  ein  Bort  bee  Mene  unb  be$  $tit$,  ein  leben- 
bigee  Bort,  ba$  ba  ewigtia)  bleibt,  an  unvergangltdjer 
©aamen,  baraue  wir  wiebergeboren  ftnb.  (ürin  £ta)t,  ba$ 
im$  erleuchtet,  ein  geuer,  ein  Jammer-,  ber  bie  felfenbarten 
£er^en  jerfc^Idgt  Begen  (einer  burd>bringenben  Äraft  wirb 
ee  aud)  mit  einem  Sauerteige,  mit  einem  burc^feuc^tenben 
Pflegen,  einem  ^weifdmeibigen  «Schwerte,  mit  fdjarfen  Pfeilen  :c* 
verglichen,  unb  biefe  $raft  fann  in  vielen  SBeifvielen  waj?r* 
genommen  werben*  —  -iftatjjan  Um  31t  2)avib  —  an  armer 
$rov£et  $u  einem  mächtigen  $onig,  —  er  brachte  weber 
©vie£  no$  ©djwert  mit  fta>,  unb  bod)  bewog  er  ben  $önig, 
boi$  er  ft$  in  £)emutfj  vor  ©Ott  nieberwarf  unb  ©nabe 
fud)te*  2113  ber  jmlige  ©eift  über  bie  Jünger  bee  £erm 
au^gegoffen  würbe,  fc  $>a$  fte  in  mancherlei  ©Vraa)en  bie 
großen  Staaten  ©ottee  rühmten,  würben  einige  3u£örer  irre 
barüber,  anbere  bagegen  fvotteten  unb  fpraa)en: 
„<Ste  finb  voll  füfjen  SB  eine/'  ©obalb  aber  $etru3 
t^nen  in  ber  $raft  beS  {»eil  ©etftee  baö  Borl  ©ottee  vor* 
|>telt,  ging  ee  ijmen  bura)1e  £>er$  unb  fte  fvraa)en:  „3!?r 
Banner,  lieben  trüber,  wae  f  ollen  wir  tjhtn?"  — 
<&tyti  alfo,  t^ok  ©ottee  Bort  in  bae  3nnerfte  bringt,  wie 
ee  ben  SDfcnfdjen  f$r  edt,  änbert,  überzeugt  unb  feinem  £errn 
3U  gügen  legt,  ba§  er  diafy,  £filfe  unb  £roß:  begehrt  80 
ging  ee  mit  ben  Jüngern,  welchen  ber  Wläfkx  auf  bem 
Bege  naa)  (£mmaue  t>k  <3a)rift  auelegte.  ^Brannte  nia)t 
unfer  £  e  r  $  in  u  n  e ,  fprac^en  fte ,  t>a  <£  r  mit  u  n  e" 
rebete  auf  bem  Bege,  ale  dt  uns  bie  ©d;rift 
öffnete?  —  3a,  felbft  hk  ©ottlofen  fönnen,  wenn  fte  fta) 
aua)  bem  Borte  mutwillig  wiberfefjen,  bod;  feiner  hirc^ 
bringenben  $raft  nid;t  gan$  wiberftel)em  2)enn  gleichwie 
bae  £ta)t  ber  ©onne  bur$  bie  gefd;loffenen  klugen  bringt, 
fo  ge£t  ee  aua)  mit  bem  Sorte  bee  £crrn!   £>iefj  erpeüt 


217 


namentlich  au6  bem  33etfpiel  be£  gottlofen  $ötug£  ^ob, 
üou  welchem  bte  Schrift  fagt:  „<£$  war  9Hemanb,  ber 
fo  gar  »erfauft  wäre,  übel  gu  t|>un  vor  b  ein 
£>errn,  al$  2t  J>  ab/'  £)oä)  gerrtg  er  feine  Kleiber,  aU 
tjmt  <£fta$  ba$  SQSort  beS  £errn  anfünbigte,  unb  faflete  nnb 
ging  jämmerlia)  einher*  (£benfo  erfc^racf  aua)  gelir,  jener 
wollüftige  nnb  geizige  ?anty)fleger  in  3ubcia,  als  ipm  $aulu$ 
son'ber  ©erea)tigfett  nnb  von  ber  ^eufd)l?eit  nnb  x>on  bent 
jufünfttgen  ©eric^>t  prebigte,  baf  er  bem  2Ipoftel  nia)t  länger 
gu^öven  fonnte.  Sfterfwürbig  tjt  aua)  ba$  3eugni$  beS 
Königs  2lgri:p:pa,  als  berfelbe  2tyoftel  fta)  t-or  i£m  serant* 
wertete  nnb  au$  ber  ©a)rtft  Ctfmftt  Seiben  nnb  2iuferfief?ung 
Betätigte ;  beim  er  fprad; :  „(£$  fe^It  nia)t  ^>teXr  bn  überrebeft 
mia),  baß  id;  ein  üimjl  würbe/'  —  (§:$  gibt  ferner  noc$ 
$iele  anbere  33eifyiele  au$  allen  3eiten,  wela)e  bte  wunber* 
bare  $raft  be£  göttlichen  SQSortö  beengen*  Der  Sttärtyrer 
Suftm,  ein  berühmter  Selber  ber  a)riftticf)en  ®tr$e,  ergabt 
*>on  jta)  felbjt,  bag  er  früher,  aU  er  noa)  ein  ^)etbe  war, 
ein  Verlangen  gehabt,  bie  rea)te  2öei$J)ett,  bte  ^u  ©Ott  füljrt, 
fennen  ju  lernen,  wef^alb  er  bie  :p!nlofoplnfa)en  «Schulen 
feiner  3^  befugt  f>abe;  als  er  aber  nirgenb^  ba$  gefnnben, 
was  er  fua)te  nnb  toaö  feine  ©eete  beruhigen  fonnte,  haht 
er  einen  a)rifttia)en  £.ef>rer,  ben  er  fyäter  nie  wteber  gefel;en, 
angetroffen.  2)iefer  tjabe  i£m  ben  diatfy  gegeben,  oa$  er 
2ltte$  bei  «Seite  laffen  nnb  bk  ©a)riften  ber  ^ropjjeten  lefen 
folle,  welche  über  alle  $ernunftfa)lüfie  nnb  weltltd;e  SBcts* 
l?eit  nid)t  nur  ergaben  fepen,  fonbern  and)  bk  wafire  2Bei3beit 
in  fta)  begreifen,  ©obalb  er  bk$  geifjan,  Jmbe  er  feinen 
Sinn  geänoert  unb  fep  bura)  ®otte$  ©nabe  ein  Sekret*  ber 
£ira)e  geworben.  —  ©benfo  fam  ber  krümmte  $ira)em>ater 
2luguftin,  ber  früher  auf  ber  <&eiic  ber  3rrte£rer  ßanb,  auf 
eine  merfwürbige  Sßeife  aum  wahren  $riftfic$en  (8lanUn 
unb  änberte  feinen  ©tmu  <^r  lernte  ben  SlmbroftuS,  33ifa)of 
$u  ^ailanb,  ber  aU  Sftebner  einen  großen  dlamen  fyattt, 
fennen  unb  gewann  tjjn  lieb.  Sänge  Jjörte  er  feine  ^rebigten 
gerne,  aber  nia)t  um  beS  3n^altö  willen,  fonbern  weil 
er   fta)   an  bem   anmutigen   ©tyl   unb   Vortrag   evgö^te. 


218 


(Enbltä)  wirfte  ©Ott,  ber  bfc  ©eufeer  feiner  frommen  Tluttev 
erljört  fyattt,  burd)  ba3  28ort  fo  auf  fem  £er$,  baß  er  über* 
aeugt  würbe  von  ber  Inmmlifßjen  2Bal?rf>eit  unb  ben  (£ntfd)tuß 
faßte,  jtä)  ^u  bem  £errn  $u  befefjrem  @r  jjatte  fid)  aber  in  bie 
92e$e  ber  2ßelt  fo  verjtricft,  baß  er  fajt  niä)t  me£r  bavon 
logwerben  fonnte.  £)afjer  fä)ob  er  ba$  SBerf  ber  33efferung 
von  einem  £age  $um  anbern  hinauf,  unb  geriet^  $ute#t  in 
einen  garten  ^arnvf,  in  welchem  er  ©Ott  brtngenb  hat,  baß 
(£r  t^n  von  biefen  brücfenben  33anbcn  befreien  unb  fein  £er$ 
gän^lia)  auf  baS  ©ute  rid;ten  möge»  darauf  foll  er  eine 
(stimme  gejjört  £aben,  «oetdje  rief:  „dlimm  unb  lies."  33aft> 
merfte  er,  baß  ba$  -Ifteue  £eftament  gemeint  fepe,  welä)e£ 
er  bei  feinem  greunbe  unter  einem  SBaum  l)atte  liegen  laffen* 
dv  nafjm  ba$  35ud)  unb  al$  er  eg  auffä)lug,  frei  ij?m  ber  ©pruä) 
in  bie  Slugen:  „Raffet  un£  eprbarltä)  wanbeln,  als 
am  £age,  niä)t  in  treffen  unb  ©aufen,  niä)t  in 
$ammernunbltn£ua)t2c*"  2)iefe3  ging if?m burä)' 3 Jpeq, 
fein  fa)wanfenber  3ujknb  J»örte  auf  unb  er  würbe  jur  greube 
feiner  Butter  von  nun  an  ein  befferer  $knfa%  —  2luä)  von 
ten  3uben,  bie  fpäter  sunt  ä)rijttiä)en  ©tauben  übergingen, 
fyat  bie  ©efä)iä)te  manche  33eifvielc  von  ber  $raft  bee  (Evan* 
geliumS  aufbewahrt  (Eine  arme  d)riftlia)e  Söitttve  fyattt 
einem  3frae(iten  bag  beutfd;e  -fteue  £ejkment  für  8  Schilling 
verfemt  tiefer  war  begierig,  bie  3rrt£ümer  fennen  $u 
lernen,  burd)  welä)e  jtä)  t>k  dprtftcn,  feiner  Meinung  naä),  ver* 
leiten  ließen.  £)arum  la€  er  in  ©efetffä)aft  feiner  häbm 
<5ä)wäger  in  biefem  33uä)e  unb  Rottete  barüber.  SlKein  bie 
<3nabe,  bk  in  unb  hei  bem  Sporte  tjt,  begann  an  feinem 
£eraen  $u  wirfen,  ba^  er  eS  noä)mal3  in  aller  ©rille  unb 
mit  yiafytenUn  burä)lag.  %U  er  nun  fa£,  baß  @Jmjht$ 
unb  feine  Slpojto  ftd)  fo  oft  auf  bie  ©d)riften  5ttoft£  unb 
ber  5Jrü$)eten  berufen,  verglitt)  er  bie  ©prüd)e  unb  fanb 
barin  ein  folä)eg  2tä)t,  bem  er  niä)t  ju  wtberjkt)en  vermochte. 
Sofort  feinte  er  jtä)  aud)  naä)  ber  ©emeinfä)aft  ber  d)rift* 
liä)en  $trä)e  unb  würbe  burd)  bie  t)eilige  £aufe  in  biefelbe 
aufgenommen.  —  Sluf  gteicbe  SSeife  traten  noä)  Slnbere  vom 
3ubent£um  sunt  (£i?rijteiabum  über,  unb  Gnncr  von  ijmen, 


219 


ein  ©eleprter  tu  SBten,  eqctytt  felbfi  feine  53efe£rung  mit 
tiefen  SBorten:  „£a  ta)  alö  2lqt  au6  Stalten  naa)  $ärntf>en 
berufen  würbe  unb  bort  fea)3  3al?re  lang  ntgcbraa)t  fyattt,  ge* 
rietjj  ia)  bura)  ©otte3  @üte  auf  ben@ebanfen,  wela)eö  wo£t 
bte  waljre  Religion  tu  ber  Söelt  fey  ?  Um  bieg  ju  erfahren, 
fing  ia)  an,  bte  petf*  ©a)rift  fleigig  gu  tefen,  verglia)  ba$ 
Sitte  £ejlameni  mit  bem  9kuen,  feiste  aber  bie  verfd^ebenen 
Auflegungen  ber  alten  SJtabbinen  auf  bte  <&ätc.  £äglia)  würbe 
e$  mir  beuttia)er,  bag  bie  a)rifilta)e  Religion  bte  allein 
wafjre  fe#  unb  bag  t>k  Suben  nur  au$  ^a^ftarrtgfeit  @£rifto 
wiberfyrea)en.  (£in  gan^eö  3<n)r  lang,  fo  lange  ta)  nämlia) 
noa)  uia)t  gan$  im  deinen  war,  verharrte  ta)  im  füllen 
9taa)benfen  unb  lag  t>k  23üa)er  bes  Sllten  unb  9ceuen  X?* 
ftamentS  £ag  unb  9laa)t,  (£nDlta)  verlieg  ta),  o£nge* 
aa)tet  vieler  ©efabr  unb  9lotl>,  meine  (Eltern,  @efa)wijter 
unb  greunbe,  ging  naa)  SSten  unb  trat  bort  mit  meiner 
grau  unb  viertinbern  gum  (ifmftentfjum  über/'  —  2)arau$ 
erhellt  wo£l  ^ur  ©enüge,  bag  $>a$  2öort  beg  £errn  ein  ljelleS 
£ia)l  unb  eine  göttlia)e  traft  fep,  i>k  ginfiernig  beg  menfa)lia)ett 
£eraen3  $u  vertreiben.  2)af)er  fagt  aua)  Paulus  $u  feinem 
(Brüter £imot!?eu$ :  „£)ie  fettige  (5a)rtft  fann  bta) 
unterweifen  $ur  ©eltgfett,  fie  ift  von  @ott  ein- 
gegeben unb  nitg  $ur  Sejjre,  $ur  Strafe,  ^ur  23ef* 
ferung,  $ur  3üa)tigung  in  ber  ©erea)tigfeit,  bag 
ein  SCftenfa)  ©otteg  fet;  $u  allen  guten  Söerfen 
gefa)t  dt/'  2luS  biefem  ®runb  wirb  aua)  von  ber  <8a)rift 
fo  gefproa)en,  wie  wenn  fonjt  fein  anberes  35ua)  ober  SBort 
in  ber  2Selt  51t  ftnben  wäre.  ,,©te£e  ta)  fomme,  fpria)t 
ber  £err,  im  23ua)  ift  von  mir  gefa)rteben  i&"  3a, 
bieg  tjt  ba3  $ua)  aller  33üa)er,  aus  wela)em  ade  anbere, 
bte  etwas  @öttlia)eg  in  fta)  fjaben,  fliegen,  unb  gegen  wela)e3 
alle  anbere  weltliche  33üa)er  für  9lia)tS  $u  aa)ten  ftnb*  2)iefe 
|mben  bloS  ben  ©chatten,  j[enc$  baS  Söefen;  biefe  ftnb  voll 
£j?orf>eit  unb  3vrtf?um,  jieneg  aber  voll  f?immlifa)er  2Seie* 
Ijeit  uttb  ewiger  2öal;rljett  £)iefe  ftnb  wU  bie  ^egenbäa)e, 
bie  eine  3«tlang  Sßaffer  palten  unb  $ur  3en  bet  grögten 


220 


£t$e  »ertrocfnen;  jenes  aber  ttrie  eine  frtfa)e  Ouetfe,  welker 
e$  nie  an  SOSaffer  fefjlt. 

2)a3  jroette  Mittel  $ur  ©efeprung  ijt  ba^  ^rebigtamt, 
ba$  von  @ott  verorbnet  tft,  fein  2öort  jtt  verfünbtgen,  bte 
©ottlofen  sur  23uge  ju  rufen,  bte  ausfertigen  an$une£men 
unb  fte  mit  ber  ©nabenprebigt  von  £f?rijb  $u  trbften  unb 
aufturiajtem  —  £>ie  @a)rift  nennt  bte  $rebiger  ©e^ülfen 
©otte^,  tt)te  Paulus  gletdmigweife  fagt:  ,,ia)  l?abe  ge* 
pflangi,  Apollo  Ht  begoffen;  ©Ott  aber  pat  bag 
©ebeijjen  gegeben/'  ©Ott  bleibt  awar  jktS  bie  £aupt* 
urfaa)e,  wie  £u«)er  fagt:  (Er  tonnte  Wt$  allein  au3ria)ten, 
ofme  ben  Stenfl  ber  Seljrer;  aber  (Er  will  bie  ^rebtger  $u 
Mitarbeitern  Ijaben  unb  bura)  ü)r  Söort  wtrfen,  wo  unb 
wann  Grr  will,  hierüber  ftnben  jtä)  nun  mehrere  wia)tige 
2luefprü$e  in  ber  ©a)rift  Unfer  (Erlöfer  fagt:  ,,3tt)  bitte 
nta)t  allein  für  fte  (meine  Jünger),  fonbern  auä) 
für  bie,  wela)e  bura)  ijjr  Sort  an  miä)  glauben 
werben/'  2krgleia)en  wir  bamit  t>k  anbere  «Steile  im 
ttämlia)en  <&tfot:  „£)ie  SBorte,  bie  bu  mir  gegeben 
£ajt,  pabe  iä)  ipnen  gegeben  unb  fie  baben'S  an* 
genommen/'  fo  ftnben  wir  folgenben  fa)bnen  Stammen* 
pang.  2) er  ©opn  jjat  ba£  2öort  be3  £eben<>  vom  23ater 
empfangen,  unb  fein  (Evangelium  gleiä)t  einem  Strome,  ber 
au3  ber  £tefe  ber  ewigen  Siebe  pervorfommt  in  bk  £er$en 
anberer  5D?enfa)en.  2)aijer  fönnen  wir  überzeugt  fe$n,  baj? 
wir  in  bem  geprebigten  SSorte  ben  gnäbigen,  unwanbelbaren 
SÖttten  ©otfeä  unb  feine  Siebe,  feine  U3arm£er$tgfett,  feine 
$raft,  feinen  ©eift  unb  fein  Seben  Ijaben;  fo  trotten  wir 
alfo  rägita)  axiä  ber  lebenbigen  Duelle  unb  fomten  1>amit 
unfere  Seele  laben.  —  Sfterfwürbig  ift-auä),  bag  ber  £err 
ba6  Söort,  wela)eö  (Er  ben  SlpofMn  anvertraut  £atte,  t  p  r 
23 ort  nennt  (Er  will  wolrt  bamit  fagen,  bag  ein  $rebiger 
ba$  203ort  ^uerft  felbjl  im  ©lauben  annehmen  unb  fta)  $u 
^u^en  maa)en  folle,  e£e  er  baffelbe  Hnbern  verfünbige;  —  er 
bürfe  es  nia)t  prebtgen,  als  ein  frembeö  28ort,  von  wela)em 
fem  $m  m'ä)t$  wiffe,  fonbern  gleia)fant  a(6  fein  SBort,  ba$ 
er  fta)  im  ©lauben  $u  eigen  gemaa)t  unb  beffen  itraft  er 


221 


an  ftd)  fetbft  erfahren  £abe,  —  gerner  will  G£x,  baj?  wir 
bag  28ort,  welches  feine  Diener  serfünbigen,  nia)t  veralten, 
weil  babura)  tte  5Dtafa)en  pm  ©lauben  gebraut  werben 
f ollem  Damit  jtünmt  aua)  $auluö  überein,  wenn  er  ben 
£ljeffaloma;em  [abreibt:  „Da  tjjr  empfinget  son  un£ 
ba^  äßort  göttlicher  ^rebigt,  nähmet  i$x'$  auf, 
nidjt  at$  9ftenfcf>en*2Sort,  fonbern  (wie  eS  benn 
aud)  wa£r|iaftig  ijt,)  al£  ©otteö  28ort,  welches 
aud?  wirf  et  in  eud),  bie  iijr  glaubet/'  Darauf 
erhellt,  baf?  bat  SQßort  bennoa)  (ifotteS  2Sort  tft,  obgleich 
e$  bie  Diener  (grifft  mit  menfdjlicfjer  «Stimme  wfün* 
bigen,  unb  baf  e$  in  ben  ^er^en  ber  ©täubigen  immer 
9ht£en  bringt  £>a$  Gaffer,  ba$  au$  (Einer  Duelle  fommt, 
bleibt  fta)  gletd),  ob  es  $ur  25ewäfferung  ber  ^flan^eu  inn* 
getragen  wirb,  ober  felbft  Einläuft;  ebenfo  ift  e$  baffelbe 
SSort,  e3  mag  ttou  Gtf>rtftu3  ober  $on  feinen  Dienern  gepre* 
bigt  werben*  —  Deswegen  fa)reibt  audj  $aulu3  bem  $rebigt* 
amte  bie  $raft  ^u:  bag  eS  ben  ©eijt  gebe,  ober  baf? 
babura)  ber  jjeiL  ©eijt  auf  bk  ^er^en  ber  3ftenftt)en  wirfe, 
unb  fte  $um  Dienjte  ©otteS  ^bereite,  £>bne  3^eifel  würbe 
bieg  burd)  bk  feurigen  3nngen  ber  2tyojM  angebellter.  Denn 
ba3  fummltfä)e  geuer,  mla)c$  bie  menfa)lid)en  &eqen  er* 
leuchtet  unb  bk  glamme  ber  göttlichen  Ctebe  erwecft,  ijattc 
jta)  mit  i^nen  »ereinigt,  um  51t  feigen,  ba£  wir  bura)  ber 
Sfyoftel  Sttunb  belehrt  werben  fottetu  Darum  bezeugt  ber 
Stpoftet abermals:  ©Ott,  ber  ba  bieg  ba0£tct)tau$b  er 
gtnjternif  £er»orleuci}tett,  ber  fyat  einen  gellen 
<Ba)tin  in  unfere  $er^en  gegeben,  baf*  burd)  un£ 
entfiänbe  bit  Erleuchtung  son  ber  (£rfenntnij2 
ber  $  l  a  r  £  e  i  t  ©  0  1 1  e  $  in  bem  21  n  g  e  f  i  ä)  i  3  e  f  u 
(££rtjit;  ober:  „SDHr  ift  gegeben  bie  ©nabe,  unter 
ben  Reiben  $u  serfünbigen  ben  unerforfd?ttc§en 
S^eictjtijum  (£jjrtjH,  unb  $u  erleuchten  3ebermann/' 
Daljin  gehört  auct),  wa$  ber  #err  hei  feiner  33efebrung  $u 
i£m  fagte:  „3$  fenbe  biet)  unter  bie  Reiben,  aufsu* 
t£un  ipre  Singen,  ba$  fie  fia)  belehren  t>on  ber 
gtnjternif?  ju  bem  2ia)t  unb  \>on  ber  ©ewalt  beä 


222 


'•Satans  $u  ©Ott,  ya  empfa!?en  Vergebung  b er  (Sün^ 
ben,"  unb  enbttcr)  was  Paulus  an  ben  £tmetl?eu6  fa)reibt: 
„wenn  erfetnSlmt  tren  »erriete,  fo  werbe  er  fia) 
felbft  fefigmaa)enunb  bie,  wela)e  tfjn  Ijören."  Dar* 
au£  folgt,  t>a$  bag  ^rebigtamt  ein  fräftige$  Wlittd  fep, 
bte  ©ünber  511  befeljren  unb  ijnten  $ur  ©eligfeit  ^u  Reifen»  — 
Dtef  rennten  wir  bura)  »tele  SSeifpiele  betätigen,  wir  führen 
aber  nur  einige  an.  din  ^rofeffor  $u  Sftoftocf  er^äplt,  er 
jmbe  einen  gotifefen  2P?enfa)en  gelaunt,  ber  baS  2ßert  ©etteS 
unb  bte  Zeitigen  6aframente  tteradjtete,  gerne  fluct)te  unb 
überhaupt  ein  Jeinb  ber  5)rebiger  war.  %U  nun  ein  frember 
£et)rer  an  feinem  £)rt  prebtgen  feilte,  fagte  er:  er  wette 
benfelben  aua)  t?bren,  unb  ging  Wirfita)  gur  $ira)e.  Der 
*Prebiger  fpraa)  über  bie  ^efe^rung  $culi  unb  ermahnte 
bie  3ul?örer,  bag  fte  ebenfalls  tj?ren  ©inn  dubern  unb  bie 
23uge  nia)t  hiä  an'3  (£nbe  fparen  fetten,  wenn  aua)  Girmer 
ein  Verfolger  unb  £äjterer  gewefen  eber  ftcb  -  auf  anbere 
Seife,  me  Sener,  serfünbigt  Ijabe.  ©Ott,  fe£te  er  fnnju, 
fep  gnäbig  benen,  bie  reuesott  §u  3bm  fta)  naljen;  benn 
nia)t  utnfenft  fage  ber  ^ropßet:  „60  wa^r  ia)  lebe,  fpria)t 
ber  £err,  ia)  |>abe  feinen  ©efatten  am  £ebe  beö  ©ottlefen, 
fenbern  bag  er  fta)  befe^rc  unb  lebe."  (ümblia)  wiberlegte  er 
aua)  dains  ^er^weiflung^eette  2Sertc:  —  aU  wenn  bie 
©ünbe  greger  wäre,  al£  bag  fte  »ergeben  werben  rennte.  — 
Der  Spötter  Ijevte  aufmerffam  ^u  unb  ber  ©eift  Qooüeß 
rührte  iljm  l>a$  #er$  fe,  bag  er  naa)  ber  ^rebigt  $u  einem 
guten  greunb  fagte:  ©Ott  fep  gelebt,  bag  ia)  in  bie  £tra)e 
!am  unb  bie  ^rebigt  gejjert  Ijabe;  ia)  Witt  ^eitlebeng  baran 
benfen.  ©ebalb  er  naa;  £aufe  ^urüdfeljrte,  fa)rieb  er  ben 
Hauptinhalt  ber  ^rebigt  in  ein  33ua)  unb  trug  fola)e$  jtetö 
hei  fta).  Da  er  balb  nad#er  auf  btö  £obtenbeite  fam,  fa$ 
er  bie  ^rebtgt  Wieb  er,  trejtete  fta)  bamtt,  genog  baS  ^eilige 
Slbenbmafrt  unb  ftarb  feiig.  —  Wlatyefinö  er$ä£lt  *>on  fta) 
felbfr,  „bag  ex  1529  naa)  Wittenberg  gefemmen  unb  Zutyex 
am  *Pftngftfefte  9taa)mittagä  $um  erftenmal  über  ba$  2Befen 
unb  bie  ^raft  ber  j> eiligen  £aufe  pabe  prebigen  peren.  Dieg 
$ahe  fein  £er$  fo  gerührt,  bag  er  feinem  ©Ott  bafür  in 


.223 


€wigfeit  banfen  wolle.  3a)  war  bamafä,  fügt  er  fyitiiu, 
25  3apre  alt  unb  f^attc  mana)en  9ttona)  unb  SBeltprtejier 
gehört,  aber  nie  würbe  bte  peil.  £aufe  erwäpnt.  2)arum 
tpat  e6  meinem  «freien  befonberS  wopl,  über  tiefen  nötigen 
unb  tröjtlia)en  ©laubenSarttfel  belehrt  &\x  werben.  3a)  taxrn 
unb  will  btefe  erfie  ^rebtgt  von  ber  £aufe  ma)t  vergeffen, 
fo  lange  ia)  lebe."  Grbenfo  wirb  von  einer  gottfeligen  grau 
er^äplt,  ba$  fte  bte  peil.  ©a)rift  über  2llle$  geliebt  unb  fta) 
täglia)  barin  geübt  pabe.  ©ie  la3  aua)  bie  $ira)enpoftill 
von£utper  fleigig,  unb  wenn  fte  etwa$  befonbereö  fanb,  fo 
war  fte  fröplia)unbfagte:  ,,2la),  \va$  fmb  baS  fürSBorte!" 
<Sie  lernte  biefelben  fdmclt  auöwenbtg  unb  fvraa):  „®otte£ 
SBort  unb  bte  $ernfvrüa)e  ber  @a)rtft  gehören  tn'ö  £er$, 
wenn  fte  ba  fmb,  fo  fa)affen  fte  grua)t,  erqutcfen  bte  müben 
Seelen  unb  geben  pitmnlifa)e  greube.  3a)  banfe  ©Ott  für 
feine  ©nabe  unb  weuj,  \va$  mir  (£prtfhi$  bura)  feine 
©nabe  erworben  unb  in  ber  £aufe  gefa)enft  pat,  i$>  pabe 
mein  £etl  unb  hin  barin  fröplia),  tä)  fua)e  mein  £etl  nid)t, 
fonbem  beft£e  e$,  meine  einige  Sorge  ift,  baß  ia)  e£  nur 
fejt  galten  unb  mia)  beffelben  sunt  £rojt,  $um  grieten 
unb  ^ur  greube,  i^it  $um  £ob  unb  £)anf  bebienen  möge. 
3d)  fann  mia)  nid)t  feiiger  wünfä)en,  ob  iä)  gleich  noa) 
©ünben  füple  unb  viel  Reiben  l^abe ;  benn  anjtatt  ber  @ünbe 
pabe  ia;  e$  bretfaa),  nämlid;  ©erecptigfett,  ©otteö  ©nabe 
unb  ben  peil,  ©eijt.  30?ein  £etben  aber  wirb  balb  aufhören 
unb  in  ewige,  unau3fvrea)lid)e  greube  verwanbelt  werben; 
pter  pabe  ia)  ba$  9veia)  ber  ©nabe,  bort  baS  Sfteia)  ber 
£errlia)feit.  2)er  peil,  ©eijt  wopnt  in  mir  unb  verjtcpert 
mia)  ber  ©nabe  unb  gibt  fte  mir  $u  foften.  £)  wie  tröftet 
<£x  meine  Seele !  (£r  füpvt  mein  £er$  von  ber  Sßelt  gu 
©Ott;  meine  £ujt  ift  gewefen,  bag  ia)  mia)  gu  bem  £erm 
palten  möge.  £efen  ift  gut,  beten  ift  noa)  beffer  unb  lieb* 
lia)er;  bura)  ba$  ©ebet  fommen  jwet  greunbe  gufammen 
unb  reben  fo  mit  einanber,  ba£  fte  e$  im  bergen  füllen. 
3a)  pabe  mir  bura)  ba$  SBort  unb  ®ehtt  btefeg  parte  £eben 
verfügt  :c."  2luf  iprem  £obtenbette  fyraa)  fte  noa) :  ,,3a)  bin  voß 
pünmlifa)er  greube,  benn  i^  fepe  vor  meinen  Slugen  eitel  ©ereä> 


224 


iigfeit  ©nabe  uno  geben,  tcf)  fü^Ie  feine  ©ä)mer$en  me£r 
an  meinem  2etbe;  bemt  ic^  Un  soll  l>imralifä)en  grofteS; 
ta)  ringe  mit  bem  £obe,  felje  tm  £immel  offen  unb  bie 
(Engel  $u  meiner  ^ea)ten*  ©rüget  meinen  £e£rer,  son  wel* 
a)em  ta)  bura)  ©otte$  ©nabe  basS  Ctdjt  beS  (EoangeltumS 
empfangen  ^abe,  unb  faget  bemfelben,  baß  ta)  i!?m  für  feine 
$?üj)e  einen  fa)önen  $ran^  auffegen  wolle  am  £age  ber 
£errlia)feit  aller  guten  f inber  ©otte£."  — 

£)a£  britte  Mittel  $ur  33efe£rung  tjt  bie  €inwtrfung 
be3  £eif,  ©etfteö  auf  bte  ^er^en  ber  9ftenfa)en,  woburä)  (Er 
jte  jur  23uße  lenft  —  2tua)  bie  Reiben,  bie  $on  ©ort  m'c^t^ 
wtffen,  werben  in  tljrem  3nnem  gum  ©uten  ermuntert  unb 
Bom23öfen  abgehalten,  wie  $aulu$  fagt:  „3)ie  Reiben,  bie 
ba$  @efe§  nid)t  fyübtn,  finb  tljnen  felbjtein  ©efe$, 
bamttr  baß  fie  beweifen,  beS  ©efe£e$  2Berf  fei)  be* 
fä)rteben  in  t^ren  bergen,  fintemal  i£r  ©ewiffen 
fie  überzeuget,  bagu  aud)  bie  ©ebanfen,  t>ic  fia) 
untereinanber  tterflagen  unb  entfä)ulbtgen."  6ie 
f>aben  ein  natürtia)e£  ©efe$  unb  £ta)t  —  ben  2$erftanb,  bura) 
welchen  fte  beurteilen  tonnen,  wa$  ehrbar  ober  fü)änbtiä), 
gut  ober  böfe  i%  —  £>aoon  aber  fprea)en  wir  btejhnal  nia)t, 
fonbern  tton  ben  ©ebanfen,  wela)e  bura)  ben  fjeiL  (&tiftf 
mttteljt  be£  gefa)riebenen  unb  geprebtgten  38orte$,  erregt,, 
angefad)t  unb  jur  33efefjrmtg  be£  ©ünber£  gebraucht  werben. 
Sir  reben  alfo  oon  ber  33u§e  eines  in  feiner  föintyeit 
getauften  (E^rtflen,  ber  oon  3ugenb  auf  in  ber  ©ottfeligfeit 
unterrichtet  würbe,  ©otteS  Sößort  felbft  gelefen  unb  gehört 
pat,  aud)  je£t  noä)  lefen  unb  poren  tarnt,  ber  aber  bura) 
mutwillige  ©ünben  feinen  £aufbunb  gebrochen,  fta)  gegen 
t>tn  jml.  ©eijt  wiberfpenjlig  gezeigt,  unb  aus  bem  8tanbe 
ber  ©nabe  in  ©otteö  Ungnabe  gefallen  ijl.  (Einen  fola)en 
ÜRenfd)en  fbnnte  ber  fettige  ©Ott  mit  D^ec^t  verflogen  unb 
tjm  feinem  tterf ehrten  <3inn  überladen,  hiö  er  ^ule£t  ba$ 
(Enbe  feinet  gotttofen  SefenS  —  Uc  ewige  SSerbammnig  — 
erreia)en  würbe,  allein  bieg  gibt  feine  %itU  3U  ben  SSflen* 
fa)en  unb  fein  ^er^lia)e^  (Erbarmen  nid)t  ju,  unb  obgleia) 
ber  *D?enfä)  feinet  SEaufbunbeö  sergeffen  ljat,  fo  fann  unb 


225 


will  boa)  ber  liebreicpe  ©ott  beffelben  nicpt  vergeffen,  fon* 
bem  e£  petft  bei 3pm :  „3f*  nicpt  Eppraim  mein  tpeu* 
rer  ©opn  unb  mein  trautes  $inb?  3)enn  icp  benfe 
nocp  wopl  baran,  was  3$  ipw  verfprocpen  pabef 
barum  brtcpt  Wlix  mein  ^>er^  gegen  ipn,  baß  3$ 
mtcp  feiner  erbarmen  mug*"  £>aper  befümmert  ftdj 
©Ott  um  bie  verirrte  ©eele  unb  locft  fte  %nx  23uge,  Db 
fte  gXeic^  3pn  verlaffen  pat,  fo  verlägt  Er  fte  boa;  nicpt, 
fonbem  folgt  ipr  mit  fetner  ©nabe*  Er  ruft  aber  bie  ©ünber 
tpeite  äugerlicp  burcp  baä  geprebigte  SBort  aur  $uge,  tpeilS 
innerltcp,  burcp  $>a$  Eingeben  guter  ©ebanfen  unb  bura) 
eine  fräfttge  Bewegung  ipreS  £eraenS*  £)enn  wenn  aua) 
ber  $err  ba$  £era  eineö  mutwilligen  ©ünberg  verlägt,  fo 
verlägt  Er  benfelben  boa;  nicpt  gana;  fonbem  Er  Wilt  gleia> 
fam  an  ber  £püre  fielen  unb  flopft  an  bura)  allerpanb  peil* 
fame  Mittel,  wie  in  ber  Offenbarung  3opcmm$  bem  33ifcpof 
von  £aobicea  augerufen  wirb:  ,,©o  fe^  nun  fleigig  unb 
ipue  SBufie;  fiepe,  3cp  fiepe  vor  ber  £püre  unb 
llopfe  an,  fo  Semanb  meine  (Stimme  pören  wirb 
unb  t>ie  £püre  auftpun,  au  bem  werbe  3$  ein* 
gepen."  —  Ebenfo  macpt  e$  ber  peilige  ©eift,  wenn  Er 
buro)  (Bünben  httxüht  unb  mutp  willig  vertrieben  wirb,  fo 
bewegt  3P&  boo)  fein  peralicpeS  Erbarmen  über  ben  armen, 
verführten  Sttenfcpen,  bag  Er  benfelben  buro)  ba$  SBort 
ober  buro)  mancherlei  Erinnerungen  unb  gute  ©ebanfen 
wieber  au  gewinnen  fucpt*  ES  verpält  jtcp  t>aUi  wit  mit 
bem  ©aamen,  ber  burcp  verfcpiebene  Urfacpen  oft  lange  in 
ber  Erbe  liegen  bleibt,  tt$  er  gule^t  pervorfommt,  grünt 
unb  grücpte  trägt  Söenn  alfo  ber  5D?enfa)  in  ©ünben  fällt, 
fo  gept  awar  ber  feltgmacpenbe  ©laube  verloren,  bocp  bleibt 
ba$  SSort  ©otteS  aU  ,ba£  orbentltcpe  Mittel  ber  33efeprung 
M  ipm  nocp  verborgen.  2)er  peil*  ©eijt  baut  barauf  fort, 
tt$  ber  Sftenfcp  burd)  ©oiteS  ©nabe  in  ftä)  gept,  Sktge 
tput  unb  wieber  a«r  Bereinigung  mit  Eprijio  gelangt  Unb 
bieg  gepört  ebenfalls  au  ben  SSunbern  ber  %kU  ©otteS, 
bag  Er  ben  ©ünber,  welcper  3P«  fcpwer  beleibigt  pat,  nicpt 
gana  verlägt,  fonbem  fiep  fogar  bemüpt,  benfelben  wieber  auf* 


226 


$mtej>metn  —  $d?  £err,  mß  tjt  ber  Sftenfclj,  bafi  £)u  t£n  fo 
ac^tefl:!  —  £>emttad)  fmb  alle  ütnerlidjen  antriebe  aur  33^ 
©nabenwirfttngen  be$  pet%en  ©eifteS  aus  bem  £aufbunbe 
£errüf>renb,  ber  bei  ©Ott  nod)  fcffc  jkjjt  <£$  ftnb  lauter 
£iebe3aei$en  beg  ^Iffgüttgen  unb  grüßte  beS  gehörten  SBorteS. 
(Bit  aetgen  ft$  manchmal  gleich  auf  ber  ©tetfe,  xok  bei 
bem  Sanbpfleger  gelir  unb  bem  ^ont'g  2lgrippa;  autt>et(en 
audj  nac^er*  Oft  tft  e$  bem  üttenfc$en,  als  wenn  er  au 
tfdj  fagen  fjörte:  2>ie£  tfi  ber  Sßeg,  auf  tljm  gepe, 
f onffc  Weber  aur  ^ecjjten  nod?  aur  Sinfen!  ©lei^wie 
bte  grommen  f>äuftg  »om  ©atan  angeformten  werben,  ber 
altertet  böfe  £üfte  unb  33egterben  in  t{men  erregt,  fo  ba£  fte 
Ilagen,  fte  ijaben  nirgenbS  Sftafi  noefj  $ht£e  unb  e$  fep, 
als  ob  er  fte  überall  betrüben  unb  aum  23öfen  verleiten 
wolle,  fo  gept  eS  allen  benen,  weldje  ber  Satan  bereits 
»erführt  §at,  fte  Ijoren  bte  ©timme  iljreS  ©ewijfenS,  bie 
©timme  ©otteS  in  feinem  Sßorte,  welche  fte  unaufhörlich 
jur  23u£e  locft.  ©ie  {?oren  oft:  2BaS  Jjaft  bu  getrau,  wie 
£ajl  bu  beineS  £aufbwtbeS  fo  fdjänbli$  »ergeffen  fönnen? 
SQSitCfl:  bu  beinern  ©ott  atfo  banfen  für  fo  siele  Söojjltjjaten, 
bie  (£r  bir  aettlebenS  eraetgt  $at?  3f*  biefeS  ber  2)anJ,  ben 
bu  beinern  (£rlöfer  erwetfeft  für  fein  »ergoffeneS  23lut?  ©ott 
ein  $inb  ©otteS  feines  liebreichen  SSater^  unb  feiner  $flic$t 
alfo  »ergejfen?  28ie  willji  bu  beine  klugen  aum  Fimmel 
ergeben,  tok  willjt  bu  Utm  unb  ©ott  beinen  SBater  nennen 
lönnen,  wetten  bu  fo  fejjr  beleibigt  pafi  ?  SQSaS  anberS 
^aft  bu  »on  ber  fdjmöben  £ujl,  als  ©c$aam  unb  ©c$anbe? 
SBte  lange  willjt  bu  no$  ^inge^en  unb  beine  33uße  »er* 
Rieben?  je*  —  3n  biefem  ©inne  fagt  bie  Schrift  x>on  2)a*>ib: 
baf?  t£m  baS  £era  gefeftagen  unb  fein  ©ewiffen  gefagt  £abe, 
wie  grof?  bte  ©ünbe  fe^,  t>k  er  wiber  ©Ott  begangen,  mit 
er  auö  ©tola  baS  Vßolt  j?abe  ttyUn  taffen*  2luc$  »on  bem 
»ertornen  ©opne  fagt  ber  <£rlofer,  bag  er  in  ftcf>  gegangen 
fep  unb  gefagt  $aUi  tck  x>kl  £aglof)ner  £at  mein  SSater, 
bie  23rob  bk  gütte  paben  unb  ify  »erberbe  »or  junger;  i$ 
tritt  mi$  aufmalen  unb  au  meinem  SBater  ge^em  Unb  $ofea 
fpric^t  im  tarnen  ©otteS:  „3$  will  fie  foefen  unb 


227 


in  eine  Söüfie  fügten,  unb  freunblia)  mit  ifjrem 
#er£en  reben/'  —  (£mige  33etfpte]Te  mögen  bie  6ao;e 
nod)  nc$er  erklären*  ßrtnft  gingen  ^wet  (Stubenten '  üt  ber 
9MJ)e  von  Sittenberg  (parieren,  unb  fegten  fta;  unter  einem 
fdjattigen  kannte  nieber*  £)a  fagte  ber  dine :  (£9 ,  wie  fcpn 
iffc  ber  |>mtmef,  worauf  ber  Rubere  antwortete:  /a  für  ben, 
ber  ipn  mit  gutem  ©ewiffen  anfeljen  fanm  Jener  fragte: 
jjajt  bu  benn  ein  böfe£  ©ewiffen?  Vorauf  biefer  mit  2Öe£* 
mutp  ^u  ersten  anfing,  wie  er  emft  von  feinem  SSater 
(Mb  verlangt  Dabe,  um  in  @efeflf$aft  ^u  gefiem  %U  tynx 
berfelbe  nur  einen  @rof$en  gegeben,  _fe$>  er  barüber  fo 
gorntg  geworben,  bag  er  ba$  (Mb  genommen  unb  mit 
güfien  getreten  fmbe*  ©0  oft  er  nun  baran  benfe,  füptc 
er  barüber  bittere  diene  in  feinem  #er^en*  —  gerner  fenne  ify 
einen  2D?ann,  ber  ftd)  in  feiner  3ugenb  ber  £runfen|jett  |>in* 
gegeben  unb  baburdj  me{mna(3  in  gefäl)rftd;e  £cmbel  geriet^ 
C^nbit^  ging  er,  bura)  ®otte£  (Mft  bewogen,  in  ftd),  bereute 
feine  ©ünben  unb  würbe  oft  fo  gerührt,  bafi  er  fta)  in 
eine  Kammer  einfdjloß,  um  feinen  £f)ränen  ben  2auf  $u 
(äffen*  Söenn  er  irgenb  ein  2)roJ>wort  gegen  tie  ©ünber 
in  ber  ^tre^e  gehört  f?atte,  fo  begleitete  e6  tyn  überatf,  wo 
er  ging  unb  ftanb,  unb  er  freute  fia),  feine  2lugen  auftu* 
lieben,  hi$  er  anlegt  hei  einem  verfteinbigen  unb  gottfefigen 
^rebiger  reta)en  £rojit  für  feine  geängftigte  @ee(e  fanb.  — 
3«  einer  benachbarten  ©tabt  werben  tie  Jjof>en  gejic  ber 
$ird)e  am  erften  gage  frülj  um  3  U^r  mit  atfen  ©(oefen 
eingeläutet;  bieg  gefa)al?  au$  an  2Öetjma<$tein  (Ein  jiunger 
5D?ann,  ber  bura)  ben  ©a)a(K  ber  @loden  aufgeweeft  würbe, 
ft'ng  bitterfid)  au  weinen  an/  3l($  feine  (&attin  tieft  merfte 
unb  naa)  ber  Urfac^e  feiner  greinen  fragte,  antwortete  er: 
£>  toie  fa)ön  (auten  tie  ©locfen  in  ber  ftitten  Sftaa)t  unb 
geben  uns  ein  3eia;en,  ba$  wir  un$  $ur  ^eiligen  d^rtjtfeier 
mit  jjeralia)er  greube  vorbereiten  folten!  2lber  ad>,  tüie 
fyahe  ia)  mid)  vorbereitet,  welä)1  fa)(ed)ten  £)anf  j)abe  tä) 
bisher  meinem  (£r(ofer  bafür  bewiefen,  baß  <£r  aus  Ziehe 
5u  uns  5ftenfa)en  ein  2ttenfc#  würbe  unb  ung  fo  treuer  er* 
(öfet  f>at!  ©eine  grau  tröpete  t'Jm,  baß  ber  £eifanb  aud; 

15* 


228 


um  feittetwitten  auf  Arbeit  gefommen  fep,  er  folte  ft$  nur 
von  £eraen  befepren  unb  fem  £e&en  bejferm  dt  verfyra$ 
e$;  letber  aber  tteg  er  ft$  nad$er  lieber  $ur  @ünbe  ver* 
f  leiten !  —  !Kü$  fattt  mir  ein  iöeifptel  von  einem  bekannten 
95rebiger  ein,  ber  gleichfalls  bem  £runf  ergeben  war  unb 
fetner  ©emetnbe  baburcf)  mcm$e$  Slergemig  gab.  2)er  £err 
legte  tyn  auf$  ^ranfenbett,  ba  ging  er  in  ftd>  unb  badjte 
feinem  fünblidjen  £eben  mit  23etrübnig  nacf.  2HS  er  nun 
einft  fajt  bie  ganae  ü^ac^t  bur$wad)te  unb  gu  C^ott  um 
Vergebung  feiner  ©ünben  feuftte,  fjörte  er,  baf?  mit  einer 
jtorfen  dlutyt  breimal  auf  feinen  £ifd)  gef^lagen  würbe. 
2>ieg  legte  er  fo  au$,  bag  er  ftd)  Ijier  ber  väterlichen  SxifyU 
rutlje  feinet  (&cttt$  nidtf  ern>e^rett  tonne,  bo$  werbe  i£m 
feine  ©ünbe  um  (grifft  Witten  vergeben  werben.  Da^er  rief 
er  mit  Jreubigfeit  aus : 

©ott^  ia  fo  feyn,  2>af  ©traf  unb  ^etti,  Sluf  ©ünben  folgen 
tnüfen,  @o  fa£r  $ter  fort,  Stor  f$one  bort,  Unb  la#  mi# 
|>ier  tt)o£l  büfen.  —  f>anble  mit  mir,  SBte'S  bünfet  btr,  9ta# 
betner  ©nab'  nutt  tt^'S  leiben;  8af?  mt#  nur  nt$t,  ©ort  enugltcfc 
SSon  bir  feon  abgef#etben ! 

9tad$er  befam  berfelbe  bie  2Bafferfu$t,  bie  i£m  viel 
Sefdjwerben  verurfadjte.  £)odj  ertrug  er  Slfleö  mit@ebulb 
unb  befcjjlofj  enbltd)  fein  $&m  in  £er$lt$er  Sfteue  unb  im 
©lauben  an  ba$  SSerbtenft  3efu  Q^rifti  feligltdj. 

2)a$  vierte  Mittel  ^ur  23efel?rung  ij*  bk  üftot£,  wie 
3efu$  felbj*  in  bem  ©letc$nifl  von  bem  verlornen  <Sofm 
fagt.  211$  biefer  baS  ©einige  burc^gebrac^t  fyattt  unb  üt£ 
(£lenb  geriet^,  ging  er  in  ft$,  backte  axx  feinen  guten  $ater 
unb  na£m  ftd)  vor,  benfelben  aufaufudjen.  ©o  benft  no$ 
Je£t  mancher  ©ottlofe  nid)t  an  ©Ott,  fo  lange  e3  il)m  woljl 
gejjt;  wenn  aber  £rübfale  über  ü)n  hereinbrechen  unb  er 
fuf  nidjt  meljr  au  Reifen  mi$,  fo  ftefjt  er  ein,  bag  er  bm 
rechten  2Seg  verfehlt  J)at,  feprt  aurücf  unb  ruft  um  £ülfe. 
2)aJ>erfagt£tob:  „®ott£at  meinen  Seg  umaäunt,  bafü 
ic$  ni$t  hinübergehen  fann  unb  Ijat  meinen  $fab 
verfinftert."  —  2öie  bte  wilbejten  gfjiere  burc$  9?ot£  unb 
3tt>ang  be^mt  werben  fönnen,  fo  ge|>t  e$  mit  ben  5Kenfc|en* 


229 

2)ie  9lo$  lej)rt  jte  kten  unb  ju  ©Ott  fliegen,  wie  ber 
*Prop$>et  fprictyt:  „£err,  wenn  £rübfai  ba  tji,  fo 
fliegt  man  Qi$f  unb  wenn  £>u  fie  s«^tigep,  fo 
rufen  fie  ängjHgficV  „2öenn  i$  betrügt  bin,  fo 
benfe  ia)  an  ©ott,"  fagt  £)a$ib;  in  guten  £agen  wirb  e$ 
oft  vergeben«.  2)te  £rübfaf  wirb  oft  in  ber  Sdjrift  mit  einet 
Feuerprobe  oergticf)en,  £♦  25,  bei  SefaiaS :  „(Siejje,  3$  will 
bic|>  lautern,  aber  ntcfjt  wie  ©Über;  fonbern  3$ 
wiH  bid>  auSerwäfrlt  maetjen  im  Ofen  beä 
@lenb&"  Unfer  £er$  ij*  son  9tatur  felfenpart  unb  will 
ftcf)  nic^t  3um  finblidjen  ©eporfam  fdjieten,  barum  mufj  e$ 
@ott  im  geuer  ber  £rübfal  pfftg  machen,  bafü  e$  ft$  nac^ 
feinem  ^eiligen  2Men  fugt  —  £>a$  ^reu^  gebraust  3efuS 
gur  (£rrei$ung  feiner  liebreichen  2lbftcf)ten  mit  uns*  SOSenn 
ftcl>  feine  ©djaafe  in  ben  QEttelfeiten  ber  2Belt  aerftreuen,  fo 
ruft  @r  siterft  unb  fucfjt  fie  burd)  bie  Stimme  feineö  SSorteS 
wieber  ^beizubringen*  £ilft  baS  ni$t,  fo  fenbet  er  bie 
£rübfal,  bamit  bie  jerjireuten  auf  bte  Stimme  i|>re$  Wirten 
merfen  lernen»  ©arüber  fagt  £)at>ib:  „ßrjje  ify  gebe* 
mütpigt  warb,  irrete  ia);  nun  aber  ijalte  ia)  bein 
2Bort"  Unb  3efaia3:  „2>ie  2lnfed)tung  leprt  auf's 
Sßort  merfen."  —  3)ie§  wirb  buref)  bie  (£rfajjrung  aller 
3eiten  betätigt  2)ie  trüber  3ofe$)3  bauten  nicfjt  an  ipre 
grofe  6ünbe,  welche  fie  an  iprem  SBater  unb  trüber  be* 
gangen  patten*  $IU  jte  aber  in  ßrg^ten  in  5lngjl  unb  SRotjj 
gerieten,  wachte  if?r  ©ewiffen  auf  unb  jte  fagten:  „£>a$ 
fyabtn  wir  an  unferem  trüber  oerfc^ulbet"  — 
©o  lange  e$  bem  gottlofen  $öm'g  ^ftanaffe  gut  ging,  jn'ef? 
eS  $on  ipm:  „SÖßenn  ber  £err  mit  5D^anaffe  unb 
feinem  Söffe  reben  lieg,  merlten  fie  nidjt.  bar* 
auf»''  3H$  er  aber  in'3  ©efängnig  fam,  fleljete  er  3tt 
bem  £errn  unb  bemütf>igte  fic^  oor  bem  ©ott 
feiner  $äter+"  2le(mlic!)eg  melbet  tk  ©efdjidjte  *>on 
einem  $önig  in  S3öf?mem  tiefer  würbe  in  einer  @$lacf>t 
gefangen  unb  x>on  feinen  geinben  Jjart  beljanbelt»  2)a  man 
tfm  fragte,  m$  für  ein  Unterfc^teb  fe^  jwifc^en  einem  $onig 
unb  einem  ©efangenen,  antwxktc  er:  „Hin $önig benff  nur 


230 


an  baS  3rbtfd)e,  ein  befangener  aber  an  ©Ott  nnb  ba$ 
#immlifa)e;  aU  ta)  ein  tonig  war,  lebte  ia)  mir  felbji,  nun 
ia)  aber  gefangen  bin,  tebe  tä)  meinem  ©Ott/'  —  (£in  Wlaxh 
graf  *>on  33ranbenburg  be^anbelte  feine  Untertanen  fejjr  l>ari 
unb  würbe  enbliä)  $on  £anb  unb  Qtuitn  verjagt  (£$  ging 
i£m  feljr  fümmerlia)  unb  er  mußte  fogar  bei  ben  Domherren 
in  Sttagbeburg  feinen  Unterhalt  fua)en*  2)od)  fam  er  babura) 
gur  (£rfenntniß  unb  fagte  öffentlich :  ,,ia)  J>abe  ©otteS  3orn 
auf  mia)  gelaben,  als  ia)  meine  Untertanen  alläufebr  be* 
fa)werte*  2)enn  ber  getreue  ©Ott  ipatte  mia)  sunt  Pfleger 
unb  nia)t  jum  Dualer  berfelben  $erorbnet/'  —  Dergleichen  wirb 
»on  einem  £ofmann  ergäbt,  ber  in  großem  Slnfe^en  jtanb, 
baß  er  in  Ungnabe  gefallen  unb  tief  emiebrigt  korben  fe#*  — 
3n  feinem  ßrlenb  fprad)  er:  2la)  ©ott!  ba  id>  i^oa)  fianb, 
pörte  ta;  ^war  manche  f  rebigt  unb  genoß  t>a$  Ijeil*  2lbenb* 
majrt;  aber  ta)  ^abe  ntä)t$  rea)t  serftanben*  9cun  ta)  aber 
leibliä)  unb  geißig  arm  geworben  bin,  ser#ef>e  ta)  erfl  ba3 
(&>angelium,  unb  l)aU  £roft,  traft  unb  £eben  bason*  D 
wie  fa)wer  tfi  e$,  baß  ein  ^ofrnann  feltg  werbe,  eS  fep 
benn,  baß  er  bura)  großem  treu^  $ur  (ürrfenntmß  fomme! 
3$  banfe  ©Ott  für  feine  3üd)tigung;  benn  babura)  bin  ta) 
arm,  aber  in  bem  #errn  reia)  geworben,  unb  ba$  (£oangelium 
%>on  ber  ©nabe  ©otte3  unb  ber  Vergebung  ber  Sünben  wirb 
mir  Firmen  serftmbtgt,  me  konnte  ta)  feiiger  fe^n?  3# 
wollte  nt^t  taifer  bafür  fqm,  wenn  e3  gleia;  in  meiner 
5D^aa)t  pnbe,  ©ott  fep  mein  &W  ♦ 

2ßtr  wollen  aber  nun  aufy  geigen,  wie  wir  biefe  2el)re  v>cn 
ben  Mitteln  ^ur  33efelmmg  au  unferem  9ht§en  anwetiben 
f ollen»  Sajfet  -un$  I)  $>a$  2Bort  ©otte6  treuer,  lieb  unb 
wer$  galten*  Denn  e£  ftnben  fta)  x>iele  geinbe  beffelben, 
unb  ber  ©atan,  wela)er  ben  @a)aben  merft,  ben  biefe  traft 
©otteS  feinem  3?eia)e  tfmt,  bringt  täglia)  noa)  mehrere  Ijemr, 
Einige  twn  tjmen  fpotten  über  bie  j^etL  ©djrift,  anberefagen: 
ba$  SBort  trage  nia)t$  jur  $3efejjrung  bei,  e3  fe^  ein  leerer 
(5a)all,  ein  tobter  33ua)ftabe,  unb  man  müjfe  eine  unmittel* 
bare  Erleuchtung  son  oben  jjer  erwarten»  2llfe  rea)tf$affene 
C^rtjkn  aber  glauben  3M>erjta)tlicJ),  t>a^  un$  ©ott  feinen 


231 


Stilen  unb  fernen  $atf>fo)lug  au  unferer  ©eltgfett  in  t>er 
peil*  ©cprift  altem  geoffenbart  pabe,  SaS  wiffen  wir  fonß 
»on  ©ott,  aU  m$  dv  uns  offenbart,  unb  toa$  für  eine 
anbere  Dffenbarung  paben  wir.  al$  bie  peilige  @a)rift  £>ie 
anbern  fogenannten  Offenbarungen  ftnb  an  tpren  grücpten 
pinlcmglia)  au  erfennen,  fte  brauten  nicptS  als  Verwirrung 
tn  bie  $irä)e  *c>  —  Sir  paben  früher  gefepen,  t>a$  ba$  geof* 
fenbarte  Sort  ©otteS  ein  fräftigeä  Mittel  fep,  ben  SDta* 
fcpen  au  erleuchten  unb  $u  belehren;  bemnaa;  bürfen  wir 
ftcper  glauben,  ba$  bie  Spötter  unb  Veräcpter  beffelben,  wenn 
fte  fta)  aua)  in  ©cpaapfleiber  serpüllen,  tnwenbig  reiffenbe 
Solfe  ftnb*  —  £)er  ©atan  pat  gleich  anfangt  unfere  erften 
Altern  tton  ©otteä  Sort  abgeführt  unb  fte  bura)  feine  £ügen 
ins  (Henb  geftürat,  unb  weil  ipm  biefe  £iff  fo  gut  gelungen 
ß,  fo  gebraucht  er  fte  nocp  \e%t  auf  allerlei  Seife,  £üte 
*>ia)  alfo,  o  ßtprift,  unb  folge  ben  trügerifcpen  Srrltcptern 
nicpt,  fonbern  bem  gewiffen  proppetifcpen  unb  apojtolifcpen 
Sorte,  als  bem  wahren  £tcpte,  baS  aum  ewigen  £eben  erleuchtet 
$rüfe  bicp,  ob  t>u  waprpaft  belehrt  fe^eff, ,  ober  ob  bu  gleich 
anbern  Schein*  unb  $?aul*@prtjlen,  mit  bem  äußeren  6cpein  ber 
grommigfett  aufrieben,  bapingepejL  (£in  rea)tfa)affener  (Sprijl, 
ber  in  ben  Sorten  beS  ©laubenS  eraogen  wirb,  folgt 
entweber  immer  ber  peilfamen  £epre  ober  empfmbet,  wenn 
er  aua)  x>on  ber  Seit  aur  6ünbe  «erleitet  wirb,  bie  $raft 
be$  SortS  an  feinem  $eraen  fo,  bafj  er  babura)  t>om  33ofe;n 
Wieber  abgeaogen  unb  aur  23uße  gebracht  wirb,  3ttag  er 
nun  in  bejMnbiger  ©ottfeligfeit,  epne  grobe  ©ünben  wiber 
baf  ©ewiffen  aufgewacpfen,  ober  nacpbem  er  in  folcpe©ün* 
X>en  gefallen,  burcp  ©otteS  Sort  unb  ©eift  wteber  befeprt 
worben  fe^n,  fo  wirb  er  ba$  gefcpriebene  unb  geprebigte 
Sort  in  (Epren  palten,  weil  er  $raft,  £rofl  unb  Sirfung 
beffelben  an  feinem  £eraen  empfunben  fyat,  unb  nocp  täglia) 
empftnbet  —  £)a$  Sort  ift  ntä)t  allein  ber  ©aame,  a\x$ 
welchem  ber  ©laube  entftept,  fonbern  eS  i(i  aua)  ber  £eben&* 
faft  wobura)  biefe  eble  ^ffonae  ewäprt  unb  erpalten  wirb. 
So  nun  feine  Ziehe,  feine  £oa)fa)ä£ung  bes  Sorten  ©otteS, 
fein  Verlangen,  feine  33egterbe  barnaa),  feine  greube  über 


232 


feinen  erquicfenben  £rofl,  fem  (£ifer,  feine  5lnt>a<$t,  feine 
<£jjrerbietung  gegen  baffere,  ferne  Verankerung  be3  £er$en$ 
gefunden  wirb,  ba  fann  man  ftdjer  [fliegen,  bag  es  mit  ber 
©eele  ma)t  gut  fiepe,  unb  bag  i£re  SSuge,  i£r  ©laube,  t^re 
@ottfeligfett,  nur  ein  falfa)er  SOSajm  unb  £euä)ele9  fe^;  — 
9hm  laffen  ftä)  bie  (griffen  Jjeut$uiage  in  brei  Steife  fyiU 
len,  *>on  benen  ber  f  lernte  ©otte£  SBort  mit  llnba^t 
£ort,  lte$t,  Betrautet,  in  einem  feinen  guten  ^e^en  bewahrt 
unb  gruä;t  bringt  in  ©ebulb,  £)er  anbere  £l?eil  aber  »er* 
achtet  baffelbe,  ift  feiner  überbrügig  unb  fagt,  wie  bie  3fraeliten 
ü?on  bem  -ättanna:  „Unfere  (Seele  ecfelt  biefe  fofe 
©peife*  @ie  galten  be£  £erm  SBort  für  einen 
<Spott,  unb  wollen  e3  nidjt"  ©ie  galten  e^  für  feine 
SJoltftpat,  fonbern  für  eine  SBefa)werbe,  bag  fte  ba$  SSort 
fwren  muffen,  unb  wenn  fte  e£  au£  ©ewolmljeit  unb  $um 
<Sa)ein  pören,  fo  {jaben  fte  boa)  nidjt  im  @inne  t$  $u  adjten, 
ober  barnaa)  ju  tpwu  SQSenn  aber  au$  zuweilen  bk  $raft  be£ 
ÜBSortS  $u  i^ren  ^er^en  bringt,  baß  fte  ©djrecfen,  gura)t  unb 
irgenb  tiu  Ijeilfame  D^üprung  empftnben,  fo  unterbrächen  fte 
biefelbe  gletä)  wieber  in  fro£ltcf)er  ©efellfä)aft,  unb  wiberffreben 
alfo  mutwillig  bem  £etl*  ©eifi,  ber  fte  ju  erleuchten  unb  $u 
befeljren  fu$t*  Der  brüte  Zfyeit  will  gwar  nia)t  unter  bie 
Verächter  beS  2Bort3  gehören,  fonbern  fdjägt  baffelbe,  pört 
eö  oft,  unb  l&$t  e$  in  ber  23ibel  felbft  ober  in  anbern 
guten  33üa)ern,  lagt  ftdj  aua)  babura)  $u  einem  ehrbaren 
SBanbel  bewegen  unb  mnUt  äußere  grobe  ©ünben,  um  nia)t  in 
bie  £änbe  ber  Dbrtgfeit  $u  fallen;  allein  er  lagt  bag  SBort 
ntä)t  gu  feiner  völligen  Söirfung  gelangen,  ba$  £er$  bleibt 
im  ®runbe  ungeänbert,  unb  einige  £iebling£fünben,  über 
welche  fte  fta)  leicht  wegfegen,  ftnb  immer  noa)  übrig*  Dber 
jene  (Ejmften  ftnb  *>ergeglta)e  £örer,  unb  gleiten  einem 
©efäg,  wela;e$  rinnt,  ober  einem  Rapier,  ba$  mit  Del 
geiränft  if*,  aufwelä)e£  man  nic^t  f  abreiben  fanm  <5ie  laffen 
gwar  tj?r  £er$  oon  bem  2öort  berühren,  aber  nia)t  einnehmen 
unb  be£errfa)en;  fte  lieben  e$  alg  Mittel  gu  ij?rer  ©eligfeit; 
aber  niä)t  als  Mittel  gu  iprer  gän$lta)en  23efe£rung  unb 
Heiligung.    $ura,  fte  wollen  $war  ba$  Sort  fwren,  aber 


233 


tiityt  in  allen  <Stücfen  barnad;  tpun;  fte  nehmen  bie  23er* 
f>eiffungen,  aber  bie  ©ebote  Haffen  fte  fahren;  ober  fte  er* 
wcu)len  (£ine$  unb  laffen  $>a$  Slnbere  liegen,  j[e  nac^bem  e£ 
i^ren  fünblid;en  ^eqen  angenehm  iji  3wtfd)en  beiben  £e£teren 
ift  Mo$  ber  Unterf  $ieb,  bag  biefe  mit  einem  feineren  ©e* 
wanb  auf  bem  breiten  SDSege  wanbeln,  jene  aber  in  einem 
gröberen  bie  gleiche  ©trage  gießen*  25er  (£me  l)at  meljr 
(Schein  al$  ber  2lnbere;  bod)  eben  fo  wenig  $raft  — 
prüfet  eu$  nun  genau,  £U  welker  klaffe  tjjr  gehöret?  ob 
i£r  bi$I?er  öffentliche  Söerdc^ter  be3  28ort3  gewefen,  baffelbe 
in  eurem  ^er^en  für  ££orf>eit  gehalten,  bem  £eflL  ©etfl 
mutwillig  wiberjkebt  HU  unb  alfo  in  ber  Xfyat  unter  bie 
©otte^läugner  $u  rennen  fe^b?  3n  biefem  galle  iß  euä> 
weber  $u  ratpen  no$  gu  Reifen ;  nid)t  al$  ob  ©otteg  #anb 
»erfür^t,  unb  feine  ©üte  unb  %ßä$$tit  erfdjöpft  wäre,  baß 
fte  mfy  nifyt  Reifen  fönnte,  fonbem  weil  ijjr  eucjj  nid)t 
Reifen  laffen  wollet  3£r  fbget  t>a$  Sort  ©ottetf,  aU 
Mittel  $u  eurer  SBefeljrung  von  eudj,  unb  achtet  eu$  felbft 
be3  ewigen  £eben£  %ityt  wertl?»  3{jr  gleichet  ben  gteber* 
franfen,  welche  bie  für  rafenb  galten,  bie  ifmen  Reifen  wollen, 
unb  alle  Slr^nei  x>on  fi$  Werfern  23on  tufy  iß  gefagt:  „2)a3 
£eil  ijt  ferne  *>on  ben  ©ottlofen;  benn  fie  achten 
fceine  9re$te  ntc^ t;"  ebenfo,  was  unfer £eilanb  fpric^t: 
„Steine  9?ebe  finbet  feinen  D^aum  hd  eucV  ©er 
Teufel  pat  euer  £er$  erfüllt  mit  $khe  gur  (Eitilhit,  mit 
fünblidjer  fdjnöben  Suft,  ©i^erljeit,  ©ei$,  £offart,  (£igen* 
liebe  unb  falfcfier  Söeigljeit*  (£ucf>  wirb  treffen,  wa$  ber 
gerechte  ©Ott  broljt;  „Wttin  SBolf  tff  baljin;  barum 
baf*  e£  nicfM  lernen  will*  2)u  serwtrfft  ©otte$ 
SSort;  barum  will  ia>  hify  aufy  verwerfen!"  2öa3 
fönnen  wir  unter  folgen  UmjMnben  anberS  fyun,  aU  baj? 
wir  euren  elenben  3uftonb  bef  lagen,  Wminm  unb  ©ott 
für  eu$  Utttn,  ba$  <£x  jtc^  eurer  erbarmen  unb  eure  arme 
(Seele  aus  ben  Rauben  beS  ©atanS,  in  welchen  fte  gefangen 
tjt,  erretten  möge*  £)o$  hüte  ify  eu$  um  ba$  (£ine,  %>a$ 
tyx  baä  Söort  ©otteS  nidjt  gan^  liegen  laffet  unb  ja  m'djt 
barüber  fpottet    $iellei$t  geljt  es  euc^  tt>k  einft  bem  2lu* 


234 


gufh'n,  ober  ben  Zubern,  von  betten  wir  oben  gerebet  fyaUtt. 
2)er  SBinb  bläfet,  wo  er  wtü,  unb  ber  ^eilige  ©etjl 
tt)trfet,  wann  imb  wo  er  wt((,  @uer  £er$  tfl  $war  £art; 
aber  bie  ©nabe  be$  £öa)ftot  fann  2Itfe£  erweisen,  unb 
obgleia)  tpr  e$  ma)t  wert£  fe^b,  fo  pflegt  boa)  ber  barm' 
fjer£ige  ©Ott  btxi  £öa)jtot  9?ui?m  fetner  ©ute  in  ber  33efel?* 
rung  fofa)er  $?enfa)en  31t  fua)en,  wie  iljr  fe^b*  —  2la)£err, 
£err,  ©ott,  barmDeqig,  gnctbig  unb  gebulbig  unb  von 
groger  ©üte  unb  £reue,  lag  £)eme  ©nabe  an  folgen  großen 
Sünbern  j?errlia)  werben!  3erfa)lage  bk  #er$en  mit  bem 
Jammer  2)eine3  2Sort£,  fa)Iage  ben  getfen,  bag  er  Söaffer 
gebe,  reinige  ba$  vom  <Satan  erfüllte  £er$,  bafj  £)ein  SSort 
Sftaum  barin  fmbe,    hinten* 

3f>r  Slnbern  aber,  bk  il?r  awar  ba3  Bort  £oret,  aber 
nia)t  gu  ^er^en  nehmet,  bebenfet  wofjl,  was  ber  £ei(anb 
fagt:  „©0  fepet  nun  barauf,  roic  ijjr  guljöret;  benn 
wer  ba  $<xtf  bem  wirb  gegeben;  wer  aber  nia)t 
pat,  von  bem  wirb  genommen,  aua)  ba$,  toa$  er 
meint  ^u  |>aben+"  Sie  einftuger£ag3f?alter  ben$nea)ten 
am  meinen  anvertraut,  bk  er  vor  2tnbern  emftg  unb  un* 
verbroffen  ftnbet  Ui  ber  Arbeit,  unb  xok  tin  reia)er  5J?ann 
fein  ©etb  benen  am  liebften  gibt,  bk  fta)  ijjr  Slu^fommen 
angelegen  fepn  laffen;  alfo  vermehrt  ©Ott  feine  ©naben* 
gaben  M  benen,  wela)e  bie  elften  woljr  angelegt  fyahtn, 
unb  mit  altem  (£ifer  in  feiner  (£rfenntnig  3U  waa)fen  fua)etu 
diejenigen  aber,  wela)e  ©otteS  ©nabe  verfäumen,  fta)  bei 
bem  geprebigten  Bort  ber  ©idjerjmt  unb  ^aajlägigfeit  er* 
geben,  unb  ipren  £tebttngefünben  naa)jwngen,  werben  enblia) 
ganj  erfaßten,  unb  tj?re  Skrbammntg  wirb  bejb  f&werer 
fe^n*  —  ©0  fep  e3  tn^  alfo  nia)t  genug,  bag  tyv  baä 
eble  Bort  be$  £eben£  ^ahtt  unb  pret,  fonbern  trautet 
barnaa),  bag  iljr  e$  in  eurem  ^er^en  bewahren,  unb  aU 
ein  lebenbtgeS,  fräfttgeS  Bort  empftnben  möget*  2)aö  Bort 
©otte$  gebort  nia)t  bloS  in  bie  £)J)ren,  fonbern  £auptfäa> 
lia)  in  bie  -freien:  „3$  behalte  £>etn  Bort,  fprta)t 
£>avib  au  feinem  ©Ott,  in  meinem  ^er^en,  auf  baf? 
ia)  nia)t  wiber  2)ia)  fiinbige;"  (gleia)wte  man  ein 


235 


©egengift  wiber  eine  anjlecfenbe  6eua)e  $(xt~).  Qa$  SSorf 
@otteö  ijt  ein  <5aame,  au£  welchem  »tele  i?errliä)e  £rojl* 
unb  £eben6frü$ie  erwaa)fen  tonnen;  bag  <Saatförnletn  barf 
aber  ntdjt  oben  auf  bem  £cmbe  liegen  Meißen,  fonbem  muß 
in  ben  23oben  gekaut  unb  mit  (Erbe  bebecft  werben,  wenn 
e£  aufgeben  unb  grua)t  bringen  folL  --  £)a£  SBort  ijt  eine 
©petfe;  bie  @petfe  aber  muß  genommen,  »erbaut  unb  in 
ben  -IKa^runggfaft  »erwanbelt  werben,  wenn  jte  bem  ^eibe 
Gräfte  geben  foü\  —  £)a3  28ort  ijt  ein  Sauerteig;  er  muß 
aber  unter  ben  anbern  gemifajt  werben,  ^mn  er  auf  ben* 
felben  wirfen  foDL  —  darauf  "oaiUn  hk  SSorte  l?in:  ,/£)a3 
2Bort  Cbie^rebigt)  J> 1 1 f ±  nia)t£,  wenn  e6  nia;t  mit 
bem  ©lauben  berer  »ermengt  ijt,  t>ic  e3  Ijören/' — 
©otte£  2Bott,  ®otle$  ©eift,  unb  ba$  menfa)lta)e  £er$ 
bürfen  nia)t  getrennt  werben;  bie  gan^e  <Sa)rift  ijt  auf  be3 
9ttenfa)en  6eele,  ©eift,  £eq  unb  ©emütl?  gerietet*  £>a$ 
2Sort  lommt  »on  ©Ott  unb  fü^rt  $u  ©ott;  aber  nidjt  nur 
ben  äußern  9D?enfa)en,  fonbem  ben  innem,  um  wela)en  e$ 
3^m  fjauptfäa)litt;  31t  $utt  ifL  £)a£  28ort  muß  feto  in  bie 
«Seele  bura)bringen  unb  btefelbe  laben,  erquiden,  tröften, 
anbern  unb  befeuern  2)a£er  nennt  aua)  3afobu3  ba$ 
Bort,  wela)e£  bie  ©eelen  feiig  maa)t,  ein  eingepflana* 
teö  23 ort,  weil  e3  unferem  £er^en  einverleibt  wer* 
^mf  barin  haften  unb  wurzeln  muß»  —  SBenn  un$  eine 
föftlia)e  ^flan^e  gefajenft  würbe,  unb  wir  wotften  fte  bejtänbig, 
in  ben  |>änben  tragen  ober  in  ein  33ua)  legen,  fo  müßte  fle 
»erborren,  wenn  wir  fie  aber  in  tk  (Erbe  fe^en,  fleißig 
begießen  unb  2la)t  auf  jte  geben,  fo  wäa)3t  fte  unb  »ermeljrt 
ftä);  fo  gej)t  e6  aua)  mit  bem  SOSorte  ©otte^  £)ie  ©ele^rten 
unterfdjetben  £Wifa)en  bem  inneren  unb  äußeren  SOSort;  aber 
nia)t,  al$  ob  ba£  Söort  zweierlei  wäre,  fonbem  e3  wirb 
babei  auf  ben  ©ebraua)  gefe^em  23ei  Einigen  Mäht  e$ 
freilia)  ein  äußeret  28ort,  weil  fte  e£  nur  mit  ben  leiblichen 
£)l)ren  fä™  unb  e3  nia)t  $u  £er$en  neuntem  SBenn  e$ 
aber  9htgen  fa)affen  foll,  fo  muß  e$  ein  inneres  Sort 
werben,  muß  hi$  in  bie  6eele  bringen,  unb  biefelbe  mit 
göttlicher  $raft  erfüllen»   2Ba£  ptlft  es,  wenn  wir  t>a$  Söort 


236 


£ören  unb  Riffen  unb  bod;  ni$t  barnacf)  t£mt?  —  ©ebenfei 
bieg  wofrt,  meine  lieben  Wlüfyxifun  ,  unb  prüfet  eu$,  wie 
es  um  eucf)  ftelje?  £)aS  äugere  SBort  allein  wirb  eu$  nifyt 
feiig  machen,  eS  fe#  benn,  bag  eS  in  eu$  ge^flanjt,  mit 
eurem  (Glauben  vermifcr)t  unb  mit  eurem  ©eij*  als  eine 
$raft  ©otteS  unb  feinet  ©eifieS  vereinigt  werbe,  SSiete 
taufenb  «Seelen  gingen  verloren,  weil  fte  bloS  £örer  unb 
ni(^t  Später  beS  SßortS  waren,  —  Unfer  (Möfer  fagt,  baj? 
faum  ber  vierte  £l?eil  ber  3uprer  -ftu^en  J)abe  oon  ber 
*Prebigt  beS  SBortS;  aber  nid?t  als  wenn  baS  SBort  nid)t  über* 
all  ©otteSfraft  j^ätte,  fonbern  weil  eS  von  ben  Reiften  mc$t 
red)t  aufgenommen,  xiityt  im  £er$en  bewahrt  unb  alfo  an 
feiner  Sßirfung  t>erf>tnbert  wirb,  2)arum  fage  iä)  nochmals : 
<Sel?et  barauf,  wie  ipr  gujoret,  unb  fet;b  nia)t  $u* 
frieben,  bis  $r  in  alten  euren  ©ebanfen,  SSorten  unb  SSerfen 
wafjrnepmen  fönnet,  baj?  £f?rijkS  buref)  fein  SSort  in  eu$ 
lebet  unb  £errfd>et,  (Strebet  barnad),  bag  biefeS  Jjimmlifdje 
geuer  in  euren  ^eqen  alfo  brenne,  bap  i£r  eS  mit  ben 
Jüngern  beS  £errn  empfmbet,  23ef  läget  eS,  wenn  ijjr  aus 
ber  $ircf>e  geljen  follet,  o£ne  burd?  bie  ^rebigt  beS  2ÖortS 
eine  Iräftige  (Empfmbung  in  eurem  3nnern  gehabt  ^u  fyaUn. 
9lal?et  eucf?  nidjt  bloS  Gtjjrifto  um  fein  SSort  $u  fjören, 
fonbern  aud;  um  eine  $rafi  jum  £eil  eurer  (Seele  von  3J>m 
■ut  erhalten !  —  3n  grof en  Stäbten  ift  oft  ein  ©ebränge 
um  ben  $erm  unb  feine  Diener,  befonberS  um  tkf  welche 
ber£err  vor  Slnbern  mit©eiß  unb  ©aben  auSgerüjkt  £at; 
aber  unter  einer  folgen  Sittenge  ftnb  nur  Wenige,  welche  bie 
£raft  beS  göttlichen  SSortS  an  ftd)  empftnben.  2)aran  ifi 
Jebod;  ber  £err  unb  fein  SSort  titelt  <Sa)ulb,  fonbern  bie 
ungläubigen  «freien,  weld;e  bloS  aus  ©ewofwjmt,  aus 
9tagierbe  unb  $orwt£  gujören,  ftd)  aber  um  t>k  $raft 
Turf;tS  befümmem,  — 

Sßir  wollen  eud)  nun  and)  einige  Mittel  angeben,  wk  man 
gu  einem  fruchtbaren  £ören  beS  göttlichen  SöorteS  gelangen 
fömte,  1)  (Erinnert  eu$,  meine  Gtljrißen,  an  bie  Sftajefiät 
beS  göttlichen  SßortS,  welches  als  eine  $raft  ©otteS  unb 
ein  2öort  feines  2JhtnbeS,    aud)  als   ©otteS  Sßort  0e*= 


237 


prebigt,  be^anbeft  unb  gehört  fe^n  Witt*  G£$  erforberi  bie 
tiefpe  £)emut£,  (&fiixMtt\m&  unb  £er$en3anbao)t.  £oret, 
t^r  Fimmel,  unb  bu  (Erbe  nimm  $u  Djjren;  fyritt)t 
ber  95ropj?et,  benn  ber  £err  rebet»  5D?tt  9?ea)t  muß 
£tmmef  unb  (£rbe,  unb  SXIXeö,  wa$  barin  tfi,  fa)weigen  unb 
Ijören,  wenn  ber  £err,  ber  ©Töpfer  afler  £>inge,  rebet 
(£benfo  muß  aua;  unfere  Vernunft  fä;weigen,  unfere  @e* 
banfen  muffen  fiitfe,  unb  unfer  £ers  foll  anbäa)tig  fepn, 
wenn  wir  3pn  in  feinem  Sorte  reben  fjoren.  —  (Sä  iß 
löblia;,  baß  einige  (£fmj*en,  fetöft  aud;  Regenten,  ber  $rebigt 
ftepenb  ^ujjören;  boc^  bie  größte  @$re,  welche  wir  bem  Sorte 
erweifen  rönnen,  tjl  bie,  baß  wir  tym  unfer  £er£  einräumen, 
unb  hen  fejten  33orfa§  £aben,  barnaa;  $u  tj)un+  —  5ttan  muß  e£ 
gerne  unb  mit  (Sanftmut!)  annehmen,  unb  mit  bem  frommen 
Hauptmann  Gtornelio  in  feinem  £er^en  $u  bem  ^rebiger  fagen: 
„Sir  %Ut  finb  pter  gegenwärtig  *>or  ©Ott,  $u 
pören  2ine$,  wa^  bir  von  bem  £errn  Befohlen 
ifi"  —  2)  33ebenfet,  baß  ba3  g6tiliä;e  Sort  nid)t  *>on  ge* 
ringen  2)tngen  mit  euä;  Ijahbelt,  fonbern  x>on  bem,  wa$ 
eure  (Seele  unb  euer  ewigem  £etf  betrifft  „Zeiget  eure 
£)Jjren  |»er  unb  fommet  l)er  zu  9ttir,  jjoret,  fpria;t 
@ott,  fo  wirb  eure  (Seele  (eben*  9lef>met  an  meine 
3ud)t,  fagt  hk  £ünml'ifa;e  Sei^eit,  lieber  benn  Sil* 
ber,  unb  bie  Sejjre  aa)tet  Ijöljer,  benn  föjUicfj 
©o(b,  benn  SeiSjjeit  tjt  beffer,  benn  perlen,  unb 
SlUeS,  wa#  man  fia)  wünfdjen  mag,  fann  t£r  nid)t 
gleiten*  ©o  gejj>ord;et  mir  nun,  meine  $tnber, 
wof)*  benen,  bie  meine  Sege  galten!  Ser  miä) 
finbet,  ber  finbet  ba$  Zehen,  unb  wir-b  So^lge* 
fallen  (©nabe,  %ifyt  unb  feines  £er$en$  Sunfd;)  \>om 
£errn  bekommen,  £>ie  9?ec^te  be$  £errn,  faö* 
£a*rib,  finb  föjxlidjer,  t>cnn  ©olb  unb  ttiel  feines 
©olb,  fie  finb  füger  benn  £ontg  unb  £onigfeim, 
aua)  wirb  bein  ^nedjt  bura;  fie  erinnert  Qur  ©Ott* 
feligfett  ermahnt),  unb  wer  fie  Ijält,  ber  $at  großen 
£oljm"  (Er  will  bamit  fagen:  3n  bem  Sorte  ©otteS  ift 
me£r  ©ewinn  unb  SKufcen,   aua)  me£r  £ieblia)feit  unb  2ln* 


238 


mutf),  aU  in  allm  anbem  Singen.  Sa3  ebelffe  ®olb  in 
groger  beenge  ift  m$t$  bagegen,  unb  bte  ©ügtgfett,  mit 
Welker  baffelbe  bie  betrübte  (Seele  erquicft,  tffc  mit  bem 
flieg enben  £onig  mä;t  gu  »ergießen;  benn@olb  fann  nia>t3 
3ur  (Seligfett  Reifen,  imb  ber  fügefte  ^onig  fann  ein  be* 
trübtet  ^er^  nia)t  troften.  Sarunt  wirb  e3  aua)  ein 
Sßort  be$  (febenö  unb  be$  £etlö  ober  ber  (Seligfeit 
genannt  SGSenn  nun  ber  2D?enfcl;  von  geitti^en  unb  »er* 
gänglia)en  fingen,  Uc  tym  Vergnügen  ober  einen  großen 
Sftu^en  »erfprea)en,  gerne  reben  prf,  unb  alle  ©ebanfen 
barauf  richtet;  foll  er  bag  nitt)i  vielmehr  tljun  6ei  ber  2In* 
förmig  be£  göttlichen  28ort3,  in  »eifern  £ünmlifd?er  Zxoft, 
göttliche  Äraft,  $ßätyät,  grtebe,  greube,  (Segen  unb  geben 
»erborgen  tft?  —  5Jftan  ftfmgt  eine  frembe  23lume  £ocj), 
wenn  fte  gleia)  balb  »erweift,  unb  man  aa)tet  ba$,  wag 
man  gur  3eü  ber  9cotf>  gebrauchen  fann,  ober  wa$  bie 
Ifttnß  hervorbringt  Söarum  aber  fragen  wir  ©otteö  Söort 
nidjt  über  2ltte$,  wel$e3  eine  un»erwelflta)e  33lume  ift, 
»oll  £rojt  unb  ßraft,  —  wela)e3  bte  ^errlia)!eit  ber  tinbfdjaft 
©otteS,  bte  greifjeit  von  ben  (Strafen  ber  (Sünben  unb  bie 
2lnwartfa)aft  be$  £tmmel3  uns  $ufta)ert?  Sarum  raffet 
un3  nt$t  gebanfenloS  unb  mit  ^erfireutem  (Sinn  $ur  $ira)e 
geljen,  fonbern  mit  ^3etru6  fagen :  „$err,  Su  £aft  SÖorte 
beö  ewigen  gebend!"  gaffet  uns  tm  Siener  ©otte£ 
aU  einen  SBoien  be6  £errn  3efu  anfe^en,  bura)  welchen  (£r 
»on  bem  £eil  unferer  (Seele  mit  un$  rebet  —  3)  Leiter 
ij*  nötijtg,  bag  wir  ein  fwngriges  unb  burjftgeS  £er$  ^um 
SBort  mitbringen,  bas  in  Semutfj  feinen  Mangel,  feine 
(Sünblwfttgfeit  unb  fein  (£Ienb  erfennt  unb  b  einfetten  emft* 
Kitt)  abhelfen  »erlangt  ^ent^nta^  bleiben  fo  siele  $re* 
bigten  beßwegen  M  ben  Reiften  fruchtlos,  weil  bie  ^er^en 
ber  9)cenf$en,  wenn  fte  £ur  ^rebigt  fommen,  entweber  »on 
weltlicher  Grttelfeit  unb  (Sorgen  ber  9?al?rung  ober  »on  ein* 
gebtlbeter  grömmtgfeit  fc^on  »oll  unb  fatt  fmb.  Wlan  ift 
fa)on  mit  bem  auf eren  ©otteSbienft  unb  mit  einem  ehrbaren 
Sßanbel  aufrieben,  unb  meint,  man  wijfe  fa)on  fo  »tel  »om 
@£rif}ent5mm,  als  nötjug  fe$,  man  fe$  fa)on  fromm  genug, 


239 


unb  bewürfe  ferner  33uße  unb  feinet  2Baa)3tfmm$  tm  ®utetn 
Leiber  fmben  fta;  noa;  j[e£t  $iefe,  bte  mit  bem  33ifä)of  $u 
^aobtcea  fagen:  „3  a;  bin  reia;  unb  Ijabe  gar  fatt, 
unb  bebarf  niä)t$,  unb  fie  wtffen  ntä)t,  bag  fie 
elenb  unb  fämmerliä),  arm,  btinb  unb  bfog  finb»" 
—  2)ajj>er  ij*  faß  atfer  @ifer,  alle  33egierbe,  atte  2lnbaa)t 
er(ofä)en;  bieSfteiflen  fommen  $ur  $irä)e  tok  bie  trunlenen 
(Säfte  jur  9tta%ett,  t£nen  fdjmetft  niä)tS;  benn  fte  £aben 
feinen  Wppttit  2öer  ba  meint,  er  fep  fa)on  fo  fromm,  aU 
er  werben  fönne,  ber  adjtet  auf  feine  23ufjprebigt,  gfeiä;* 
Wie  berjenige,  Wetter  o£ne  2lnfeä)tung  unb  £rübfaf  i%-  fta) 
um  £rojtyrebigten  niä)t  Geflimmert  2lber  wie  fa)äblia)  ift 
ber  Srrtjjum,  fta)  ein$ubilben,  man  ljabe  ba  ausgelernt,  wo 
fein  30?enfd;  in  biefem  2eben  auslernen  fann!  SQSenn  bie 
(griffen  heutigen  £ageS  meinen,  fte  J>aben  fa)on2l(leS  gefaßt 
unb  begriffen,  was  ein  Gtfjrift  wijfen  fott,  fo  fommt  e$  mir 
vor,  als  wenn  ein  ©ä)üler,  ber  bie  23ua)jkben  faum  fennt, 
fta)  embilben  wollte,  er  fep  fa)on  ein  (Seleljrter,  ober  als 
wenn  ein  SlMerjEunge,  ber  faum  bie  garben  ^bereiten 
unb  ben  ^infel  rea)t  galten  fann,  ftä)  fa)on  für  einen  $ünft* 
ler  anheben  wollte*  —  „Unfer  Sßiffen  tft  ©tütfwerf," 
fpriä)t  ber  Styofkl,  unb  an  einer  anbern  Stelle:  ,,^ia)t, 
bag  tays  fa)on  ergriffen  Ijabe  ober  fä)on  voll* 
fommen  fep;  ia)  jage  ij?m  aber  naä),  ob  ta)'$ 
aua)  ergreifen  möa)te,  nad;bem  ia)  von  Gtljrißo 
3efu  ergriffen  bin*  3a)  vergeffe,  was  bahnten 
iß  unb  jlrecfe  mta)  au  bem,  was  vornenift"  $au* 
luS  aber  rebet  £ter  fowoljl  von  ber  SSollfommenlj üt  beS 
©laubenS  unb  ber  (Srrfenntnig,  als  anfy  von  ber  beS  Mens 
unb  ber  9taa)folge  QHjrifti,  fyält  ftä;  i'eboa)  in  feinem  £jjeil  für 
vollfommen*  dv  fteljt  niä)t  fo  fejjr  auf  baS,  was  er  fd)on 
gelernt  $at,  als  auf  baS,  wa$  tym  noa)  übrig  ifi  Darf 
fiä)  nun  ein  fola)er  Styoftel  niä)t  rühmen,  bag  er  im  @l)ri* 
ßentjmme  ausgelernt  pabe,  mt  wollen  wir  arme  ©ünber 
uns  beffen  rühmen?  <£$  tji  ßetS  ein  beweis  von  groger 
Unwiffenpett  unb  6ia)erl?eit,  wenn  berSttenfa)  ftä;  einbtlbet, 
er  £abe  es  mit  in  bem  SBerfe  beS  £errn  unb  in  feiner  ©e* 


240 


ligfeit  gebraut.  „$Qtm  9li$t$  fe^U,  bem  fe^U  Ute 
Xt$.~  SBer  fia)  bünfen  lägt,  er  fep  <£twa$,  ber 
ijl  9H$t$,  unb  er  Betrügt  fia)  felbfi"  diejenigen, 
weldje  fo  gut  üou  fta)  benfen  unb  fo  großen  ©efatten  an 
fta)  fetöfi  £aben,  bie  fonnen  ©Ott  nia)t  gefallen*  £)te  S3ou% 
fommenfjett  unfereä  §f?riftenrtjum$  ift  fo  um>ollfommen,  tag 
man  e$  für  eine  SMfommenj?  eit  galten  barf,  wenn  man 
feine  Un$ollfommenj)eiterfennt  unb  ^ollfommen  anwerben  fua)t. 
SSir  alle  gejjen  noa)  in  bie  ©a)ule  $u  Sem,  ber  H  fagt: 
kernet  son  mir;  benn  tä)  bin  fanftmütjjig  unb 
*>on  bergen  bemüt  jj  ig ,"  unbbeffen  Aufgaben  9ftemanb  in 
biefem  £eben  auslernen  fann,  ba|>er  ©traa)  fagt:  „SSenn 
ber  Sttenfa)  aud)  fein  SBejleä  getrau  $at,  fo  tft 
e$  boa)  faum  angefangen,  unb  wenn  er  meint,  er 
fyaht  t$  ttollenbet,  fo  fejjlt  e3  noa)  xotiv  Sarum 
laffet  un3  immer  ©a)üler  bleiben,  unb  mit  einem  £er$lia)en 
Verlangen  $u  ber  33etraa)tung  be£  Sorten  fommen,  xoiz  ein 
$inb  ^u  ber  Butter  25ruft  £5a$u  wirb  4)  erforbert,  bajü 
wir  fleißig  barüber  naa)benfett,  wa$  wir  gehört  ober  gelefen 
Ijaben.  Sie  Triften  unferer  £age  meinen  freilitt),  e$  fe$ 
genug,  in  ber  $tra)e  eine  6tunbe  anbää)ttg  $u  verweilen, 
naa)l?er  fyabt  man  fta)  um  nid)t$  me£r  ^u  befümmenu 
Sarum  geljt  man  gewölmlta)  mit  £aa)en  unb  unnügem  @e* 
fa)wä£  auö  ber  $ira)e,  befonbers  an  bem  £  eiligen  £age 
be$  £errn,  unb  bebenft  ttidjt,  wie  man  bie  $rebigt  bura) 
frommem  3?aa)benfen  unb  Sieberpolen  $ur  grua)t  bringen 
foll,  fonbern  wie  man  ben  £ag  in  Ueppigfeit,  SBMuft  unb 
frö|?lia)er  ©efetffa)aft  Einbringen  wolle*  %ftifyin  ftnb  bie 
meiften  3u£örer  benen  gleia),  Ut  ein  fa)öne$  2ieb  in  frember 
<5praa)e  fingen  poren,  an  bem  lteblia)en  @a)all  fta)  eine 
SBeile  beluftigen,  am  (£nbe  aber  nta)t  wiffen,  toa$  eä  ge* 
wefen  ifh  —  Sluf  fola)e  SGSetfe  pören  »tele  £eute  bie  ^rebigten, 
wenn  fte  aber  vorbei  ftnb,  eilen  fte  batton,  unb  ftnb  bura; 
t£r  3^ören  nia)t  gebeffert;  fte  ftnb  voit  bie  fliegen,  t>k 
gwar  um  bie  S3lumen  J?erumfa) wärmen  unb  fta)  barauf  fegen, 
aber  feinen  £onig  barauf  $u  fammeln  wiffen*  Seil  e£  aber 
fo  siele  £örer,  aber  wenig  Später  unter  ben  Ctjm'ften  gibt, 


241 


fo  folgt  von  felbft,  baß  fcie  £eqen  ungeänbert  bleiben*  SBte 
fann  ®ottt$  2öort  Luisen  bringen,  wenn  man  eö  gleidj 
wieber  au£  ber  2lc£)t  lägt;  unb  wenn  e$  ein  (Inigel  vom 
£immel  prebigte  unb  man  wollte  btoS  £ören  unb  ba$  ©e* 
#örte  m#t  au$  im  £er$eu  bewahren,  fo  würbe  e$  nichts 
nüfcen.  darauf  beutet  unfer  £eilanb  {»in  mit  ben  Porten: 
„2)er  Teufel  nimmt  baö  2ßort  von  bem  ^ver^en, 
baß  ber  2D?enf$  nic^t  glauben  unb  feiig  werben 
fann/'  2)a£er  tj*  es  eine  unerläßliche  ^f«$t  be£  (griffen, 
baß  er  baS  Sßort  in  feinem  £er$en  bewahre  unb  bei  ft# 
überlege»  „£>iefe  SS  orte,  f  priest  ©Ott  §u  feinem  SBoff, 
t^it  3$  bir  l)eute  gebiete,  fotlß:  bu  $u  ^er^en 
nehmen,  unb  follft  fie  beinen  ^inbern  einwarfen, 
unb  bavon  reben,  wenn  bu  in  beinern  £aufe  ftfceft 
oberaufbemäßegegepft,  wenn  bu  t>  i  c§>  nie  b  erleg  ft, 
ober  aufpe^ji,  unb  follft  fie  binben  sum  Stifytn 
auf  beine  £anb,  unb  follen  bir  ein  £)enfmal 
vor  beinen  5lugen  fe^n,  unb  follft  fie  über  beineS 
£aufe$  55foften  fetyreiben,  unb  art  bie££ore."  £)ar* 
aus  erhellt,  $>a$  ©Ott  ntd;t  will,  baß  fein  SSort  blo$  in 
ben  ©$ulen  gehört,  fonbern  baß  es  au$  nact)^er  jletö  ^e^atten 
unb  nifyt  au$  bem  Sinn  gelaffen  werbe.  (££e  man  bajfelbe 
gan$  vergeffe,  folle  man  e$  lieber  überall  jnnfe^mben  unb 
jt$  als  £)enftnal Vorzügen  ftellen,  mt mehrere (^prtften  allerlei 
^epr-  unb  Xroftfprüc$e  in  ij>ren23ü$em,  ©tuben  unb  Kammern 
anzutreiben  pflegen.  £)avib  preist  feiig  ben  9ttann, 
ber  Cuft  l?at  ^um  ©efe§  beS  J&errn  unb  bavon 
£ag  unb  Viafyt  rebet;  au$  fegt  er  ba$  ©leic|miß  £in$u 
von  einem  23aum,  ber  an  ben  Söafferbäc^en  ge* 
pflanzt  ifL  —  <£h $ta£regen,  ber  gefcfywmb  bapinraufc^t, 
ma$t  ben  23aum  ni$t  fruchtbar,  fonbern  eine  frifdje  Duelle, 
barauS  er  immerbar  erquidt  unb  befeuchtet  wirb:  ©aper 
fagt  er  an  einem  anbern  Drte:  „3$  behalte  bein 
SOßort  in  meinem  £  er  3  en,  baß  ity  nidjt  wiber£>t$ 
fünbige.  3$  rebe,  wa$  2)u  befohlen  J>aft,  t$  fyabt 
£uft  $u  beinen  dtttyten  unb  vergeffe  beiner  SBorte 
nic^t"  £>arau£  tfi  nun  letcjjt  $u  erfe^en,  wie  btefe  33etrac^ 

©critxr'ß  6felenfcfyafc.  16 


242 


tungen  befdjaffen  fe^n  muffen»  Senn  wir  itemlitfj  ©otteS 
SBort  fefen  ober  pören,  fo  muffen  wir  bannt  serfa^ren,  wie 
Q^edjtel  mit  feinem  Brief,  ben  il?m  ©Ott  t>or$eigte,  welchen 
er  nia)t  nur  anfejjen,  fonbern  aud)  effen  unb  feinen  9ttagen 
barmt  fütten  mußte;  —  b*  L,  e£  muß  im  ^er^en  Betva^rt 
unb  fleißig  barüber  nac|>gebaä)t  werben.  Senn  $♦  IB.  Semanb 
in  bie$irct)e  fommt,  ber  bie  böfe  ©ewo{m|)ett  r)at,  burü)  gtudjen 
ober  un^iemlitt;e  @a)er$e  jta)  $u  tterfünbigen,  unb  e$  trifft 
ftci)  gerabe,  baß  aus  ber  ©ct)rift  beriefen  wirb,  wie  eine 
fo!d)e  ©ünbe  mit  bem  feu'gma<i)enben  (Blauten  nicbt  befielen 
lönne;  C3#  fagc  euct),  baß  bit  $cenfct)en  Sftedjen* 
fct)aft  geben  muffen  am  jüngjten ©erict)ttton  einem 
(eben  unnügen  Sort,  t>a$  fie  gerebet  Traben), 
ober  baß  ber  ^rebtger  £er^i(t)  ermahnt:  3eber,  ber  ftä) 
biefer  6ünben  fdjulbig  wiffe,  möge  in  ftct)  gepen,  unb  mit 
aUtm  (£rnjt  auf  feine  Befferung  bebaut  fepn,  fo  barf  ber 
3u£örer  biefe  Sorte  nict)t  wieber  sergeffen,  fonft  ift  Mt$ 
»erloren,  m$  ber  treue  ©eelforger  gerebet  jjat,  unb  jener 
bleibt,  wie  er  ift,  nur  feine  Verantwortung  wirb  um  fo 
fd)werer.  —  derjenige,  welker  aus  ©otteS  Sort  9ht§en 
fc^opfen  unb  ftct)  beffem  Witt,  mu$  affo  bemfelben  fleißig 
nac^benfen,  bie  angeführten  <&tettm  ber  ©djrift  auffucl)en, 
unb  tpnert  gemäß  fein  £er$  ttm  auf  folgenbe  Seife  fragen: 
2)u  bift  überzeugt,  baß  e$  gegen  ©otteS  $8iUm  i#,  wenn 
man  in  unziemlichen  @tt)eraen  fein  Vergnügen  fu$f ,  unb  baß 
jebeS  unnü^e  ober  gar  fdjanbbare  Sort  eine  fct)were  Verant* 
wortung  naä)  ftct)  jiepe;  wißt!  H  ferner  noct)  in  beinen 
böfen  ©ewojm^eiten  fortfahren,  fürct)tejt  bu  biet)  rndjt  oor 
©otte$  ©erict)t?  Sarauf  muffen  wir  ben  feften  Vorfafc 
faffen,  fünftig  folc^e  @ünben  au  meiben,  aber  auä)  ©Ott 
tnjidnbig  bitten,  baß  <£v  uns  um  3efu  Witten  tk  begange* 
nen  <5ünben  tter$eü)en,  unb  t>ux  Voflbringung  unfereS  dnU 
fdtfuffeS  tit  ©nabe  feines  l)eiL  Oetfreö  serleifjen  wolle  :c.  — 
910a;  ein  ©etfpfcl :  din  £l?rij}  jjört  in  ber  ^rebigt  über 
bie  Fertigung  be£  ©abbatS  reben,  baß  man  biefen  £ag  in 
peiligen  Uebungen  ber  ©ottfeligfeit,  mit  ©ingen,  Beten, 
anbä^tiger  2ln£orung  unb  Betrachtung  be$  SortS,  Prüfung 


243 


beS  ©ewtffens,  mit  bem  Unterricht  fetner  ^auSgenoffen,  mit 
23efu$ung  ber  Traufen,  mit  Sopltfjutt  gegen  bie  Firmen 
unb  Elenben  u*  f*  w*  ^bringen  unb  MeS  ttermeiben  fotfe, 
was  baran  fnnbern  fonnte;  ebenfo  muffe  man  bie  üppigeu 
©efellTdjaften  ber  SGßeMmber  unb  alle  (Megenljetten  aur 
Entheiligung  beS  SftupetagS  mit  allem  Ewft  fiteren,  unb 
feinen  ©onntag  oj?ne JBefferung  feiner  felbjl  unb  beS  9täd)ften 
fmtgepen  (äffen*  2kraä)  tet  er  nun  bie  Barnung  unb  G&* 
maljnung  beS  ?5rebtgerS,  öe^  ?x  9an3  gleichgültig  barüber 
hinweg  unb  Uexbt  hei  feiner  gottlofen  ©ewojmjjeit,  fo  tjl 
es  ein  $3ewei$  von  feinem  tterftocften  ^er^en,  befonberS 
wenn  er  biefe  Ermahnungen  oft  gehört  unb  eben  fo  oft  gering* 
gefragt  pat  SOßenn  äfyx  ber  SDlenfdj  in  fta)  ge£t,  unb  $u 
ftc$  felbfi  fagt:  2öaS  foll  ia)  tpun,  naä)bem  idj  ben  bitten 
meines  ©otteS  mi$,  foll  t$  berufenen  mutwillig  unb  wif* 
fentltct)  entgegen  fe#n,  foll  ify  eS  lieber  mit  ber  2Öelt  als 
mitQbott  galten?—  2)aS  fep  ferne!  ©Ott  ijat  mir  ja  feä)S 
£age  ^u  meinen  ©efa)äften  gegeben ,  warum  follte  ia)  ntdt)t 
ben  Einzigen,  welchen  Er  $u  feinem  2)tenjle  benimmt  $a£ 
3jmt  $ur  Ej)re  anwenben,  ba  jener  £ag  gugXet^t)  auct)  ^um 
£eile  meiner  <5eele  angeorbnet  ift?  —  Ein  fola)eS  -ftadjbenfett 
fegnet  ©Ott,  ba$  baburdj  fein  SÖort  aur  $raft  fommt,  unb 
bas  £er£  geänbert  wirb*  darauf  beutet  auä)  ber  £eilanb 
5>tn,  wenn  er  §u  fetneu  3üngern,  bie  über  baS  ©letö;ntß  oon 
bem  ©äemamt  nac$forfä)ten,  fprt'cJ)t:  „Eu fy  tfi  gegeben,  au 
wiffen  baS  ©ej?eimnip  beS  3?eia)S  ©otteS,  ben 
Slnbern  aber  in  ©feiet) niffen,  baß  fie  eS  nid)t 
fe^en,  ob  fie  eS  fc^on  fepen,  unb  nic3t)t  oerfkljen, 
ob  fie  es  fcfjon  J>ören/'  äBer  bem  Borte  ©otteS  bie 
Ef>re  antfmt,  baf  er  barüber  fleißig  nact)benlt,  bie  rechte 
Erfenntniß  unb  ben  jjeilfamen  ©ebraua)  beffelben  von  bem 
£erw  3efu  exlittet,  ber  erlangt,  was  er  Uttet;  wer  eS 
aber  nid)t  act)tet,  ber  barf  fia)  nia)t  besagen,  wenn  er 
feinen  9ht£en  bason  fmt,  naci;  bem  SluSfprua)  beS  Er* 
löfers  in  ber  gleichen  ©teile:  „28er  ba  $at,  bem  wirb 
gegeben,  baff  er  bie  gülle  jjabe;  wer  aber  nict)t 
£at,  »Ott  bem  wirb  aua)  baS  genommen,  was  er 

16* 


244 


meint  $u  pabem"    ©otteS  SBort  glet^t  einer  Ouette, 
je  me|>r  barauS  geköpft  wirb,  beffa  reichlicher  fliegt  fte* 

5)  gerner  tft  wofrt  $u  erlägen,  baß  ein  vergeßlicher 
£örer  unb  SBerädjter  be$  2öort3  eine  um  fo  fc^werere  23er* 
antwortung  £at,  j[e  größer  bte  ©nabe  tjl,  bie  tjmt  angeboten 
würbe  unb  je  näjjer  t£m  fein  £eil  war,  ba$  er  von  ftcfy 
gebogen  f>at.  2Bir  werben  ^war  an  bem  großen  ©ericljt$* 
tage  ^ecfjenfc^aft  geben  muffen  von  ber  ganzen  %tit  un* 
fereS  £eben$,  ^unäc^fi  aber  von  ben  geiftlidjen  ©ütern 
unb  ben  ©nabenmttteln,  bte  unä  ©Ott  $ur  23uße  gege* 
ben  $<xtf  wit  audj  von  ber  3«t,  bie  wir  in  ber  $ird)e 
jubrac^ten,  welche  bem  £)tenfie  be3  #ö$fl-en  unb  bem 
2Berfe  unferer  ©eligfeit  gewibmet  war»  &$  iß:  eine  große 
33ltnb£eit,  baß  bie  SRenfdjen  heutiges  £agä  ntdjt  ein* 
fe£en,  weld)1  eine  große  ©itnbe  fte  baburcfj  Begeben,  baß  fte 
fo  viele  3al)re  ©otteö  Sort  £ören,  unb  e$  bo$  nie  au 
£er$en  nehmen,  ©ie  glauben,  wenn  fte  e$  gehört  £aben, 
fo  bebürfe  t$  feiner  weitern  (Sorge*  2lber  e£  wirb  einem 
dürfen  ober  Reiben  am  jEiingfien  £age  beffer  ergeben,  als 
folgen  Tpeittofen  $erctd)term  2)iefe  jjaben  nichts,  wo* 
mit  fte  tfjre  ©ünbe  entfcfmlbigen  fönnem  (£$  wäre  tpnen 
bejfer,  baß  fte  ben  28eg  ber  ©erec^tigfeit  nie  erfannt  Jjätten, 
aU  baß  fte  ifjn  ernennen  unb  tyun  wiber  ba3  Ijetlige  ©ebot, 
ba$  tjjnen  gegeben  worben  iji  (£in  $necfjt,  ber  feines 
£errn  SBillen  wti^  unb  tf)\xt  ifyn  wifyi,  wirb 
boppelt  ©treibe  leiben.  Sem  viel  gegeben  tfi, 
bei  bem  wirb  man  viel  fudjen,  unb  wem  viel  be* 
fohlen  tft  von  bem  wirb  man  viel  fordern,  —  2>ie 
fünften  ©ommertage  bringen  Ut  fMrfften  ©ewttter,  ber 
ebelße  SDSein  gibt  ben  fcprfften  @fftg,  unb  Ut  größte  ©nabe, 
wenn  fte  veraltet  wirb,  bringt  ben  größten  3<wu  £>a  un$ 
nun  m  biefer  legten  Sät  ba$  2öort  ©otte$  fo  ret$ti$  vor* 
getragen  unb  baffelbe  bo$  von  ben  SÄeijlen  fo  mutj> wittig 
veraltet  wirb,  fo  tfi  leid;t  $u  erfeljen,  xok  f^wer  bie  23er* 
bammniß  biefer  %Mt  fepn  wirb*  Keffer  ein  frommer  £ürfe 
ober  ^eibe,  ber  nie  eine  $rebigt  gehört,  aU  ein  gottlofer 
Ctyrtji,  ber  mehrere  taufenbe  gehört  unb  fte  atte  veraltet 


245 


fjat.  Jener  gept  awar  in  feinem  Unglauben  bapin,  tiefer 
aber  wirb  tn  t>er  £ölte  viel  Rätter  geflraft  werben,  weit 
tjjm  bte  ^eXtgfett  angeboten  würbe,  bie  er  nia)t  wollte,  — 
weit  er  nia)t  btoS  ungläubig,  fonbem  auo)  ein  ©potter 
war,  unb  anbern  @eeten  grofjeS  Slergermj?  gab. 

6)  Enblia)  muffen  wir  aua)  ©Ott  pernio)  anrufen,  bafj 
er  unö  bie  ©nabe  »erteilen  wolle,  fein  28ort  mit  fftufcen 
gu  pören.  @r  muß  einen  junger  unb  2)urjt  naa)  bemfelben 
in  unfern  £er$en  erwecfen,  Er  muß  e$  in  un$  tebenbig 
maa)en  unb  verftegeln.  £)arum  follen  wir  3pn  vor  ber 
5fru)örung  ber  ^rebigt  bemütpig  ttttm,  bag  Er  ein  peitigeS 
Verlangen  in  uns  fcpaffen,  ba$  £er$  #1  einem  folgen 
ebten  @aamen  zubereiten  unb  alle  frembe,  eitle  ©ebanfen 
entfernen  möge,  bamit  fte  uns  hä  ber  Slnfjörung  beS  SQBortS 
niä;t  pinbertia)  feiern  2lu$  ift  eS  fepr  nü#lia),  bag  wir 
wäprenb  ber  Betrachtung  beffetben  $u  ©Ott  feufeen,  befon* 
ber$  wenn  ttm$  sorfornrnt,  wa$  unfer  £er$  pauptfäcptta) 
berüprt.  <5precpen  follen  wir:  2la)  mein  ©Ott,  tterftegle 
tiefet  in  mir,  HBater !  2)u  paft  ba3  SKiffen  unb  SSollen 
gegeben,  gib  aua)  ba3  Vollbringen !  3a;  glaube,  lieber  £err, 
pilf  meinem  Unglauben !  3a)  will  2)ir  gerne  folgen,  #err 
3efu,  pilf  mir  bura)  3>ine  ©nabe.  Ebenfo  muß  aua)  ba$ 
gehörte  Sßort  bura)  ba6  ©ebet  im  £er$en  bewahrt,  ©Ott 
muf?  um  (Segen  unb  ©nabe  $ur  (Erbauung  unb  23efferung 
pernio)  angefiept  werben.  2la),  wie  gut  Ware  e$,  wenn 
man  gteicp  naa)  ber  $rebigt  in  feinem  Kämmerlein  t>tm 
Söorte  nia)t  bloS  nacpbenfen,  fonbern  aua)  bie  ttornepmfkn 
Lepren,  £rojlfprücpe,  Ermahnungen  unb  SQSarnungen  $u 
Rapier  bringen,  bann  auf  feine  Kniee  fallen  unb  ©Ott  Uüm 
würbe,  \>a$  Er  fein  2öort  bura)  ben  ginger  feines  peiligen 
©eifteS  in  unfer  £er$  fcpreiben,  unb  unö  fo  regieren  möge, 
ba§  wir  nicpt  allein  £örer,  fonbern  aucp  später  be$  SßortS 
fepen.  — 

II.  9?ocp  wollen  wir  eine  brüberticpe  Ermahnung  an 
alle  Wiener  beg  2ßorte$  unb  eine  ernfilicpe  Erinnerung  an 
bie  3upörer  pin^ufiigen.  —  $kte  2lmt$brüber,  ipr  fepet 
wopt  tcigtia)  mit  pöd)fter  23etrübnif,  bag  ba$  gotttofe  Sßefen 


246 


attentfjatben  üBev^anb  nimmt,  unb  fcag  e$  einem  $riffti$en, 
treuen  ©eelforger  gewöJjnlitty  gefjt  tt)te  bem  $ro$>eten,  ber 
bafagt:  „21$,  eg  gejjt  mir  wie  einem,ber  imSSetn* 
berge  na^Upfet,  ba  man  feine  £rauben  finbet  gu 
effen;  unb  wollte  t>oa)  gerne  bie  befüen  grüßte 
Ijaben*  2)te  frommen  £eute  finb  weg  in  biefem 
£anbe,  unb  bie  Öeredjten  .finb  nic^t  meijr  unter 
ben  beuten;  ber  53epe  unter  ijjnen  tfi  wie  tin 
2)om  unb  ber  $eb(i$f*e,  wie  eine  £>ed:e/'  Sitte 
<Bd&rtften  ber  eifrigen  ©eelenfjirten  ftnb  voll  otogen,  @eufter 
unb  £{>rcmen  über  t>m  verwilberten  Weinberg  be3  £errn,  unb 
über  baS  verwüste  3ion+  £>ie  tirdje  ©otte$  wirb  von 
tjjren  geinben  bekämt,  bie  IBo^eit  unb  ber  SDfutfwille 
tijrer  $inber  wirb  ifjr  vorgeworfen*  -—  2)er  ®otte£bienfi 
tji  in  £eucf>elei,  bie  gurcfjt  be£  £erm  ift  in  <5id[)erf>ett,  bk 
Semutlj  in  $5ra$t  unb  Ueppigfeit,  i>k  $kU  in  £aß  unb 
geinbfeligfeit,  bie  Stttlbtjjätigfeit  in  SRanb  unb  Ungeretf;ttg* 
feit  verfefjrt;  (£fmf*u£  mit  feinem  ^eiligen  £eben  ift  bei 
feinen  ^rijien  fremb  geworben,  unb  man  weiß  unter  fo 
vielen  £aufenben  feinen  (Sljriften  %u  ftnben*  —  <g£ 
tji  jwar  viel  (Schein  vorljanben;  aber  wenig  $raft,  —  viel 
Sßorte;  aber  wenig  SBerfe,  —  viel  #ören$;  aber  wenig 
%%m$.  3e|t  finb  t>k  Seiten,  ba  @lmj*u$  muß  viel 
leiben  unb  von  benen,  \>k  ftcf)  feinet  ^amenö  unb  ©lau* 
fceng  rühmen,  verworfen  wirb»  darüber  Mutet  allen 
re$tfd)affcnen  ®inbew  ©otte3  t>a$  £er£,  bie  wenigen  grom* 
men,  wel<$e  no$  übrig  finb,  feufeen  unb  finb  i^reö  £eben$ 
fatt»  — *  2)a?)er  l)dbm  wir  ade  Urfadje,  uns  ^u  prüfen,  ob 
ni$t  audj  wir  einen  guten  £f>eil  ber  (Bfyulb  an  biefem 
großen  Unheil  tragen,  ob  niä)t  Hm  bur$  unfere  -iftac|)läßig* 
feit  bie  ©$aafe  (grifft  ing  23erberben  geraden,  unb  mit  dietyt 
auf  uns  angewenbet  werben  fömte,  m$  bort  bei  htm  $ro* 
#eten^e^ieUer|)errfagt:3eH  btn  £irten3frael$, 
bie  ftdj  felbß  weiben!  Sie  ©$wad)en  wartet  ipr 
nt$t,  unb  i>i^  ^ranfen  feilet  iijr  nidjt,  unb  t>a$ 
23erwunbete  verbinbet  ij>r  nifyt;  t>a$  Verirrte 
potet  t£r  ni$t,    unb  ba$   Verlorne  fu^et  ipr 


247 


nityt  Steine  ©o;afe  finb  aerßreuet,  unb  tj*9He* 
manb,  ber  na$  i^nen  frage  ober  t£rer  aa;te* 
®arum,  i£r  Wirten,  fjöret  be$  £erm  SÖSort,  fo 
fpric[)t  ber  £err,  £err:  <5te|>e  i$  will  an  bte 
£irten  unb  will  meine  beerbe  von  t|?ren  #änben 
forbern,  unb  will  mit  ijjnen  ein  (£nbe  machen,  baß 
fie  nia)t  mepr  feilen  £irten  fepn,  unb  fta;  follen 
felbji  weibem"  —  £er£errpatun£  au  Gütern  unb  S$aa> 
tern  über  feine  ©emeine  beftetCt,  unb  jjat  uns  bte  ©eelen 
anvertraut,  bie  (£r  mit  feinem  eigenen  33lut  erworben  $aU 
(£r  $at  uns  au  feinen  Leitern  erforen,  unb  gu  £au#altern 
über  feine  ©ef>eimniffe  beftetlt,  £ier  gilt  e$  waljrltcf* 
ntc$t  ^u  fc^lafen,  gute  £age  au  jjaben,  fid)  felbfi 
gu  fronen,  Sttenfdjengunjt  $u  fudjen,  ©elb  au 
fammeln,  Käufer  au  bauen,  bie  ©einigen  groß 
unb  ret$  au  magern  £ier  $ei$t  e$:  6eele  um 
<Seele!  —  £>oa),  tt>a^  foll  ify  me£r  barüber  fagen?  — 
&  ijt  nid)t  genug,  baf?  wir,  naä)  ber  ©ewopnpett,  unfere 
^rebtgten  palten,  biefelbe  fünjllic^  auSf  ermüden  unb  Sitten* 
fc&en  au  gefallen  fucjjen*  (£$  gehört  mepr  ba$u,  wenn  bic 
verirrten  unb  verlornen  ©cpflein  (grifft  wiebergebraeft 
werben  follen,  —  (£in  recf)tfd)affener  ^rebtger,  ber  in  feinem 
$mte  yiufym  %u  fcfjaffen  gebenft,  muß  von  ©oii  berufen  unb 
gefanbt  fepn,  er  mup  bur$  Sefum  (Sljrijhun,  al£  Ue  reä)te 
unb  einzige  ££üre,  ^u  ben  ©cfjaafen  eingeben,  unb  vom  £eik 
©etjl  getrieben,  ftcf)  biefem  jjeiltgen  Slmte  unteraiepen,  3war 
muj?  er  au^  auf  gefe§licf>e  SOßetfe  von  ben  9ttenf$en  berufen 
fe^n,  2)o$  fragt  man  mit  dietyi  auerji  nao)  bem  innern 
33eruf  von  ©Ott  Reine  ©emeine  unb  fein  ©emembe*$or* 
fieser  foll  (£inen  aum  ©eelenpirten  berufen,  e$  fep  benn, 
bafü  fie  ben  innern  göttlichen  23eruf  an  ipm  waprnejmten, 
(B  wirb  aber  mancher  aum  ^rebigtamt  berufen,  ber  beffer 
au  einem  ©olbaten,  au  einem  Kaufmann  ober  Surijkn  ge* 
taugt  jjätte*  £)iefe  ftnb  beß  wegen  aud)  au  einem  folgen 
wichtigen  5lmte  nifyt  viel  nü|e,  unb  richten  viel  Slergemijj 
unb  Unbeil  an*  ©ie  fud)en  ©elb  unb  gute  £age,  unb 
laffen  eS  gepen,  mt  e6  gejjt.  —  Unter  bem  inneren  Berufe 


248 


»erjtepe  ia)  ndmttci)  einen  lebenbigen  unb  tätigen  ©tauben 
an  ben  $mn  Sefum,  eine  brünftige  Stefce  z«  bemfetben, 
einen  gottfia)en  GFifer  um  feine  (£i?re,  an  jjerzftä)e$  öer* 
langen,  fein  SRtity  fortzupflanzen,  einen  unermübeten  unb 
un»erbroffenen  gleiß,  ©eelen  ^u  gewinnen,  wie  audj  allerlei 
anbete  ©aben  be$  IjeiL  ©etfteg,  aU  ba  fmb,  $3titytit  unb 
(ü:infta;t  in  ba$  göttfidje  ©ej)eimniß,  redjte  23efanntfa)aft 
mit  bem  28ort,  tebenbige  ßrrfenntniß  be3  £errn  3efu,  greu* 
bigfeit  im  ©etji,  Straft,  ©tärfe,  2fobaä)i,  ©eBet,  (£rfal)rung 
unb  bergfeia)en.  £)iefer  innere  SBeruf,  ber  bura)  ©otteg  ©nabe 
gefä)tej>t,  muß  ber  Berufung  unb  ^Beseitigung  bura)  9ttenfa)en 
»orangepen»  £>arum  hütet  aua)  bie  a)riftfiä)e  ©emeinbe  ben 
£erw  ber  (£rnte,  baß  @r  getreue  Arbeiter  in  feine  (£rnte 
fenben,  biefelben  mit  ben  ®abm  feinet  IjeiL  ©eifkS  au$* 
ruften,  unb  traft  311m  Söort  geben  möge*  2)enn  »on  ©ott 
muß  bie  ©abe  fommen,  baö  Söort  rea)t  aufzuteilen,  bie 
©ünber  zu  fdjrecfen,  bie  SBoSpeit  zu  ftrafen,  bie  Kerzen  ^1 
rühren,  unb  W  »erirrten  ©eelen  zurütfzubringen.  —  2)aper 
muß  ein  ^rebiger,  ber  9ht£en  fa)affen  fott,  in  ben  Sorten 
beg  ©laubenö  unb  ber  jjeilfamen  2ef>re  erzogen  fepn,  er  muß 
(SfjrifH  ©eift  unb  ©inn  |>aben,  (SfmjtuS  muß  in  ijmt  leben, 
bura)  i£n  reben  unb  wirf en ;  atfe  feine  SBegierben,  feine  Sieben, 
feine  £anblungen  muffen  »on  ber  ZkU  zu  Gfrifto  zeu3en* 
<£r  muß  fepn  »oU  ©eif*e$  uub  traft  beö  £errn, 
»oU  *fteä)t£  unb  ©tarfe,  baß  er  3afob  feine  lieber* 
tretung  unb  3fraef  feine  ©ünben  anzeigen  fonne; 
feine  ^rebigt  foU  nia)t  befielen  in  vernünftigen 
Sieben  menfa)fia)er  2öei$J)ett,  fonbern  in  Sewei* 
fung  be$  ©eifte3  unb  ber  traft  (£r  muß  zuerft  fe*&f* 
von  ber  e»angetifa)en  2Ba]?rJ>eit  überzeugt  fepn,  bamit  er 
biefefbe  mit  ©ewißpeit  unb  greubigfeit  SInbern  »ortragen 
fönne*  (Er  muß  bie  traft  be£  2Öort3  an  feinem  eigenen 
Kerzen  erfahren  fyabm,  bamit  e$  »on  if)m  fjeiße:  „2öir 
£aben  niä)t  empfangen  ben  ©eift  ber  Söett,  fon* 
bem  ben  ©etft  au$  ©ott,  baß  wir  wiffen  fönnen, 
was  unö  »on  ©Ott  gegeben  tfL"  £)a$£erzmuß  »ott 
fepn,   elje  ber  Sttunb  übergebt,  —  5Öie  fann  ber  Butter 


249 


SBrufl  ba£  JKtife  (Hffen,  wenn  fte  wifyt  von  innen  £er  3uflu§ 
erpdlt  ?  2öie  fann  ein  £eprer  bie  6eelen  fpetfen,  tröpen, 
fdjrecfen,  wenn  er  felbjt  nie  eine  $raft,  einen  £rofi,  einen 
<Sa)recfen  aus  bem  Sßort  empfunben  £at.  £utper  flagt  bar* 
über,  bag  »tele  £eute,  wenn  fte  faum  einige  Kapitel  auä 
ber  23tbet  gefefen  unb  einige  ^rebtgten  gehört  fjaben,  fa)on 
^eifler  ber  ©a)rift  fesm  wollen,  unb  mit  groger  Herwegen* 
i^ett  $um  beifigen  ^rebigtamt  eilen,  wäfjrenb  fte  bura;  feine 
5(nfea)tung  unb  £rübfat  bewährt,  noa)  nta)t  wtffen,  wk 
man  ©Ott  fünften  fotf,  aua)  feinen  23orfa)macf  ber  ©nabe  beS 
£öa)jten  an  ftd)  entpfunben  paben.  ©ola)e  üDcenfa)en,  fyria)t 
er,  lehren,  mit  fte  oljne  ©eifi  ftnb,  nur  baS,  was  ijwen 
fetbf*  unb  bem  93öbel  wo£I  gefaßt.  3n  biefer  ^e^iepung 
fagt  aua)  ber  von  £un)er  fo  l?oa)gefa)ct£te  (Btaüpty :  „3}u 
fiepft  bi^  auf  tiefen  £ag,  bag  bte,  wela)e  (Spriftum  am 
meinen  auf  ber  3ung'e  fmben,  3{m  feiten  im  £eqen  ftnben; 
barauS  folgt,  baß  fte  3£n  aua;  anbern  faxten  geben,  wk 
fte  3jm  Ijaben,  auf  bt'e  3unge  unb  nia)t  in'S  £er$;  fte 
febren  viel  von  3jjm  reben,  aber  wenig  lieben. 

1)  Damit  nun  ein  £eprer  vott  ©eijks  unb  $raft  fep, 
unb  mit  9cu£en  bk  Ijeilfame  £efire  vortragen  möge,  fo  tft 
vor  atten  Dingen  nötpig,  bag  er  fo!a)eS  mit  ©ott  tpue; 
tytiW  in  fteter  Betrachtung  beS  SOßortS,  we!a)eS  bie 
Duette  tjt,  aus  welcher  er  fein  £er$  p-ttfen  mug,  wenn  er 
bie  Jansen  ©otteS  begießen  Witt;  fytiU  bura)  ein  eifriges 
unb  anbäa)tigeS  (&zltL  dx  muß  juerjt  eingeben  tn'S 
£eitigtjntm,  unb  fta)  ben  Beifianb  beS  feit.  ©eifteS  erbitten, 
bann  erjt  ausgeben,  unb  was  er  von  ©ott  empfangen  unb 
erbeten  fyat,  ber  ©emeinbe  mitteilen*  SBie  £ut£er  abermals 
fagt:  „^rebigen  ober  bie  ©a)rift  erflciren,  Ijeigt:  ben  (Sinn  von 
©Ott  nehmen  unb  Slnbern  geben*  —  $on  ben  SlpofMn  wirb 
gefa)rieben,  bag  fie  mit  groger  $raft  3ntgnig  gege* 
ben  £aben  von  ber  2htferjtepung  beS  £errn  3efu. 
©ie  Ratten  tin  inneres  3eugni§  beS  petL  ©eifteS  von  ber 
©nabe  ©otteS  in  (Sljrijb  3efu  unb  von  ber  ©ewigpeit  ber 
evangetifa)cn  £epre;  barum  fonnten  fte  aua)  öffentlich  mit 
groger  greubigfeit  bavon  jeugen.  —  (Eben  fo  fott  eS  noa) 


250 


je§t  M  i£ren  fflaäjfolgern  fe^n;  m$  fte  nta)t  von  ©Ott 
empfangen,  ba$  fönnen  fte  aua)  nia)t  geben*  9tfemanb 
empfängt  aber  etn>a^  von  ©Ott,  als  bura)  t>a^  2öort  unb 
©ebet  2)ie  35rebtger  muffen  tjre  £ersen  am  ©otteS  2Öort 
mit  traft  unb  SErofi  füllen  unb  fte  naa)per ,  tn  ber  £tebe 
3efu  (grifft,  über  bie  #eqen  tfjrer  3uJ?orer  auöfa)ütten. 
2)a$  £ers  ber  Sä)riftgelel?rten  fotC  äfmlia)  fep  bem  Sä)a£ 
eines  Hausvaters,.  wela)er  au$  bemfelben  %lm  unb  9feue$ 
hervorbringt 

2)  diu  reä)tfä)affener  £el?rer  fann  ferner  aua;  beS 
©e^et^  nidjt  entbehren';  benn  xt>a$  vermag  er  opne  ©ot* 
ie$  ©nabe  unb  £ülfe,  unb  m$  Witt  er  burä;  eigene 
traft  wiber  beS  Teufels  Wlafyt  unb  &fi  ausrichten?  — 
„£)|jne  SDtia)  fönnet  il;x  nta)t3  tjjun,"  fagte  ber 
(£r$irte,  unb  fein  Sipofiel  fejt  Jrinp:  „SBir  finb  niä)t 
tüä)tig  von  nn$  felber  etwas  $u  benfen,  fon* 
bem  baf?  wir  tüäjttg  ftnb,  ifl  von  ©Ott"  2)ie* 
fer  allein  will  um  feine  £ülfe  bemütljtg  unb  perfid)  gebeten 
fe^n*  gleifng  fhtbiren  tfi  gut;  fleißig  beten  aber  noä)  beffer. 
£>te$pojtelfagten:  „2Bir  wollen  anhalten  am  ®thtt 
unb  am  2imi  beS  Sorte/'  Sie  fe§en  alfo  baS  @e* 
Ut  guerp  unb  naä)j?er  ben  Stenft,  weil  berjentge  nie  etwas 
©uteS  prebigen  ober  ausrichten  wirb,  weiter  nia)t  vorder 
fleißig  gebetet  $aL  2)aS  <^tbtt  $ä$t  mit  9?eä)t  ün  ©a)Iuf* 
fei  beS£immelS,  berSd;rift  unb  beS  menfcpdjen  £er$enS* 
SQSaS  $?anä)er  oft  in  ben  23üa)ern  mit  vielem  5^aa;benfen 
unb  groger  2iftü!)e  vergeblich  fua)t,  baS  wirb  uns  naa)  wem* 
gen  £er$liä)en  Seufzern  bisweilen  unvermutet  gegeben* 
3)  2öer  nun  aber  fieifng  pubiren  unb  beten  will,  ber  foK 
in  Uc  (£infamfeit  geljen*  ©enn  wer  eS  mit  ©Ott  unb  gott* 
(iä)en  fingen  ju  tpun  fyat,  wer  bem/enigen  naä)benfen  roiff, 
was  baS  £eil  vieler  Seelen  betrifft,  ber  muß  fta)  ber  weit* 
iia)en  £cmbel  entfa)Iagen*  teirt  guter  Streiter  3efu 
QtjjrijH  flicht  fia)  in  bie  ^än'bel  ber  ^a^rung, 
auf  baß  er  gefallenem,  welcher  ifjn  angenommen 
fyat.  diu  rea)tfa)affener  Wiener  beS  2BortS,  ber  fein  2lmt 
fennt,  pat  feine  3t\\,  viel"  ^u  ©ajl  $u  geljen,  fia)  in  fro^liä)en 
©efet(fd)aften  jtt  ergoßen  ober  mit  anbern  fingen  311  befa)a> 


251 


tigern  (B  tjt  ifmt  $war  au  gönnen,  baß  er  jta)  ^uwetlen 
in  gottfeliger  @efellfa)aft  ^erpveut,  bamit  er  fta)  ^ei  fo  Bieter 
Arbeit  etwas  erhole;  allein  er  maa;t  feine  ©ewojjnpeit 
barauS*  Sie  Sinbaajt  mtb  ber  peil*  (Eifer  verlieren  ipre 
$raft,  fobalb  man  fta)  aU^uoft  naa;  ben  greuben  ber  SSelt 
fefjnh  $öftliä)e$  Söaffer,  ba$  in  einem  ©efäg,  wofjl  $er* 
waprt  unb  an  einen  füllen  Ort  geflellt  wirb,  bleibt  gut  unb 
fräftig;  fobalb  aber  baffere  geöffnet  wirb  unb  an  bte6onne 
fommt,  fo  verliert  ftä)  bie  bepe  $raft,  —  £>a$  5lngefta)t 
SÄoftg  glätte,  aU  er  som^Berge  fam,  wo  er  mer^ig  £age 
unb  -ftäajte  bei  bem  ;£errn  au^gejjarrt  patte,  3e  nä^er  unb 
länger  Ui  ©Ott,  j[e  me^r  Ctd^t  unb  ^farpeit  @f)riftu$  unb 
bie  2$elt  fönnen  fia>  in  Einern  bergen  ma)t  vertragen» 
5lua)  werben  bie  £ef>rer  päuftg  veraltet,  wela)e  fia)  mit 
ber  SSelt  allaufepr  einlaffen,  wa  j?re*i&  man  bie|emgen  f>oa> 
fdjä^t,  wela)e  bteSöeft  wenig  unbfajlnie  fiept,  auffer  wenn 
fte  tpr  2lmi  *>erria)ten*  derjenige  prebigt  aua)  mit  (£w#  $on 
ber  23erfa)mä|>ung  ber  Sßett  unb  iprer  (^ttetfcttr  welker  biefelbe 
felbjl  §u  oeraä)ten  gelernt  jjat  ©epr  fdpön  fprid)t  barüber 
£j)oma£  $on  ^ernpte:  „(Eine  anbää)ttge  @eele  nimmt  $u 
unb  beffert  ftä;  im  @a)weigen  unb  tn  ber  9?upe  beS  grie* 
ben&  Safelbft  Kernt  fte  bie  ©ejjeimniffe  ber  <5a)rift,  ba 
ftnbet  fte  t>k  ££ränenquellen,  mit  benen  fte  fia;  alle  ^aa^t 
wafa)t,  bamit  fte  iprem  @a)öpfer  um  fo  befannter  werbe,  j[e 
mej?r  fte  ft'a)  $on  ber  weltlid;en  Unrujje  abgefonbert  Ijat. 
393er  fta)  twn  ber  ©efellfcfjaft  biefer  2Mt  a^tept,  gu  bem 
napt  ©ott  mit  feinen  Engeln*  (Ein  fröf)lia;er  Slu^gang  bringt 
oft  einen  traurigen  (Eingang,  unb  ein  luftiger  2lbenb  bringt 
eimn  betrübten  borgen/'  —  ( 

4)  3(i  einem  £e£rer,  ber  triele  ©eelen  befepren  will, 
P^fl  nötjng,  ba$  er  t>or  allen  Singen  in  ber  (Erfenntnig 
3efu  (£jmftt  woplgegrünbet  unb  fein  £er$  baoon  erfüllt 
W*  3a)  rebe  nia)t  son  ber  2Siffenfa)aft  naa)  bem  23ua> 
flaben,  fonbern  x>cn  ber  inneren  geijKgen  (Erfenntnifü,  M  wel* 
d)er  bie  ©eele  ©aft  unb  Uraft  au$  (S^rijto  nimmt,  feine 
$kU  fa)metft  unb  feiner  ©emeinfa)aft  im  ©lauben  »erfta)ert 
iji    2lu3  Gtfmjfa,  ber  bura)  beurlauben  im^eqcn  wofmt, 


252 


muffen  alle  ©ebanfen  etne$  rea)tfa)affenen  ^rebigerö  fliegen* 
2lu$  btefem  Söetnfiotfe  muffen  bie  SReben  ben  ©aft  feinet 
@etfk$  empfaljen,  bamit  fte  füge  unb  fa)matffjafte  grüßte 
trägem  2Öa$  ntc^t  tn  ber  $raft  be6  £errn  3efu  gefproä)en 
wirb,  ba$  l)at  feinen  9taä)brua\  ©fjdftos  tfi  ba$  ewige, 
felbflänbtge  SÖBort,  ber  £irte  unb  33ifä)of  unferer  ©eeten. 
tiefer  muß  bura)  ben  ^rebtger  reben,  (£r  mug  bte  ©emetnbe 
reiben  unb  in  feiner  ßtaft  muß  ber  Seigrer  SllleS  reben 
unb  n)un.  darüber  faßt  ^aulug :  „<£  $  £  a  t  ©  o  t 1  g  e  f  a  U 
ten,  baß  (Er  feinen©o|)n  offenbarte  in  mir,  baß 
ia)3Jjn  bura)ba$@:*>angettum  serfünbtgen  füllte 
unter  ben  Reiben,"  ©ott  $<xt  t$  atfo  bem  SlpojM 
Suerji  bura)  feinen  ©eifi  geoffenbart,  warum  (£l)rijtu$  in 
bte  2Öelt  gefommen,  wie  unbegreiflia)  feine  Siebe,  wie 
groß  feine  £reue  unb  xok  treuer  unb  werter  fein  Sßtx* 
btenft  fe$e.  £)arum  bezeugt  er  an  einer  anbern  ©teile: 
„£)er©opn©otte$  £atmia)  gelt ebet  unbfta)  felbji 
für  mia)  gegeben/'  ©obalb  nun  $aulu3  ben  ©tauben 
unb  bura)  benfelben  @i?rtjhtm  in  ftä)  patte,  warb  er  tüa)tig 
baS  (Evangelium  unter  ben  Reiben  mit  9?u£en  $u  tterfünbigen. 
3n  t£m  leua)tete  ba£  £ia)t  beö  £ebenS,  @£rtjhi$  3efu^,  unb 
bura)  i£n  follten  auä)  Rubere  erleua)tet  werben.  —  darauf 
be^ieljen  fta)  aua)  bte  SSorte:  ,,3a)  ^ t elt c  miä)  nia)t 
bafür,  bag  ia)etwaSwügteunter  euä),  o£nealletn 
3efum(£J>rijtum,  ben©efreu$tgten."  $aulu$  belehrte 
gwar  feine  3uj>örer  auä)  t>on  anbern  fingen,  bie  sunt  tyxU 
Pensum  gehören;  aber  feiner  ^rebigt  Anfang,  Glitte  unb 
(£nbe  war  <5prtfiu^  mit  feinem  Skrbienß,  weil  er  tpnen 
benfelben  aU  eine  (&abc  ©ctteS  unb  aU  33eifpiet  ßetS  sor 
klugen  jlellte  unb  alle  Seigren  unb  (Ermahnungen  bura)  £in* 
weifung  auf  feine  %khe  würzte  unb  fräfttg  maa)te.  Sie 
(Erfahrung  bezeugt  e$  aua),  bag  feine  ^rebigten  mejjr  wirfen, 
aU  bie  von  ber  ^erfon,  bem  Slmte,  bem  Skrbienfte,  ber 
$kbc  (££rijri.  9h'ä)t$  fann  bie  £er$en  ber  9ttenfa)en  bejfer 
erweia)en,  aU  baö  33lut  be£  ©o£n£3  ©otteö,  wenn  eö 
bura)  et>angeltfa)e,  eifrige  *Prebtgten  über  biefelbe  gleia)fam 
auo'gegoffen  wirb.  Sllle  anbern  Ermahnungen,  Sarnungen,  — 


253 


bie  $otf  eltungen  von  bem  ©ert^t  utib  ber  £ölle  ergreifen 
$war  ba$  £er$  unb  erfcpttern  baffelbe;  aUetn  bie  %itU 
3efu  (grifft  unb  fein  tfjeureS  $8tut  bringt  tiefer  hinein,  bringt 
©eift  unb  %tUn  unb  eine  gcinslia)e  SBercinberung  mit  fta).  — 
3n  ©otteg  Sößort  ijt  un$  ber  gefreu^igte  3efu^  am  beut* 
lta)jten  vor  2lugen  geftettt,  unb  wenn  ein  Sleprer  fta)  biefeö 
BilbeS  in  feinen  ^rebigten  fleißig  bebten*,  fo  wirb  er 
Sßunber  bamit  tyun.  <£$  gepet,  wenn  ia)  fo  fagen  barf, 
aus  einer  jiebcn  SSunbe  beS  £errn  3efu  ein  ©traljl,  ber 
in  bte  ^er^en  ber  ©ünber  bringt*  <5elig  ijt,  wer  biefelben 
wo£l  betrautet,  unb  tjjrer  frctftigen  SÖirlung  nia)t  mutwillig 
wiberjtrebt!  —  $on  £j?oma6  von  2lquin,  einem  berühmten 
2e£rer  be3  SDftttelalter^,  fagt  man,  baf  er  in  feiner  3ugenb 
ben  gletajberüpmten  Bonaventura  jjabe  prebigen  pören.  üftaa) 
ber  ^rebigt  fragte  er  ifm:  au3  welä)em  23ua)e  er  fo  viele 
perrlta)e  £>tnge  31t  fammeln  Pflege?  tiefer  na£m  ben  3üng* 
ling  mit  naa)  £aufe  unb  verfpraa),  tyn\  biefeg  23ua)  ^u 
geigen»  2ltö  fte  nun  miteinanber  bajn'n  famen  unb  Stomas 
baö  Buä)  $u  fefjen  verlangte,  wie$  i£m  jener  tin  Gtruciftr, 
beffen  er  fta)  $u  feiner  2Inbaa)t  bebiente,  mit  ben  Sorten: 
„bieg  tft  mein  befte$  23ua),  au$  welkem  ia)  meine  ^rebigten 
31t  jtobiren  Pflege;  benn  e$  gibt  feine  beffere  unb  erbaulia)ere 
©ebanfen,  dU  biejienigen,  wela)e  a\i$  ber  53etraa)tung  be£ 
©efreu3igten  gefa)opft  werben/'  2lua)  £ut£er,  ber  fo  fräftig 
unb  gewaltig,  tok  auä)  tröftlia)  unb  erbauliä)  prebtgen  unb 
fa)retben  fonnte,  gefiept,  baft  ti)m  2We$  aus  bem  einigen 
Slrtifel  von  bem  (Rauben  an  feinen  «£>errn  3efum  äuge* 
ftoffen  fcp.  2)emt  ob  er  fta)  gleia)  felbfl  barüber  wunberte, 
baf*  er  in  feiner  (^rflärung  be£  Briefe  an  bie  ©alater  fo 
viele  £errlia)e  ©ebanfen  unb  SSorte  gebrannt  f>abe,  fo  fagte 
er  boa):  er  glaube,  baß  er  nia)t  bloS  biefe£,  fonbern  noa) 
me£r  pätte  vorbringen  fönnen;  benn  in  feinem  #er$en 
J>errfa)e  allein  ber  ©raube  an  (££riftum,  au£  wela)em,  bura) 
wetzen  unb  in  wela)em  alle  gottlia)e  ©ebanfen,  bie  er  bei 
£ag  unb  9?aa)t  pabe,  fliegen*  Bei  einer  anbern  (belegen* 
tyii  bezeugte  er  ebenfalls  aus  eigener  (ünrfaprung :  „2)ie 
gange  <5a)rift  if*  eitel  dprtpuö,    ©otteö  unb 


254 


Sparten  ©o£n*"2c*  SBSer  ben  ^<xt,  bem  jkljt  bte  ©dmft 
offen,  unb  je  größer  fein  (Glaube  an  Gf?rijhtm  wirb,  beffa 
Jjetfer  fcfieint  tym  bte  (scfjrift  $<xt  ein  2e|jrer  tiefen  ©dfjlüffef, 
biefe$  Zifyt,  btefen  £ej?rmeifier,  btefe  offene  £lmre  unb  btefen 
Betjknb,  wer  n>itX  cm  großem  9ht§en  gwetfeln? 

5)  (Einem  $rebiger  muffen  aber  aufy  bie  ©eefen,  für  bte 
er  au  forgen  $at,  wie  fein  gmt^  2lmt,  fepr  j?ocfj  unb  wert*) 
fe^n*  £)aj>er  ermahnt  $aulu$  feinen  £imotj?eu$,  ba$  er 
i>k@>aU  @otte$,  bie  in  tjhn  fep,  ertoeefe  unb  anfache,  ttue 
man  ein  geuer  anfacht,  i>a$  es  größer  nrirb*  £)iefeS  gef$ie£t 
aber  nur  burcp  fleißiges  ©eoet,  burd;  tägliches  gorfcfjen 
in  ber  ©c^rift  unb  befonberS  au$  buref?  fleißige  Betrachtung 
be$  Jjoljen  2lmtS,  bas  uns  anvertraut  i$,  unb  ber  teuren 
©eeten,  bie  un$  anbefohlen  fmb*  £)eßtoegen  rebet  ber  2tyo* 
fiel  Ut  2Mtefkn  ber  ©emeinbe  %u  @p£efu$  mit  biefen  SSorten 
an:  ,,©o  |>abt  nun  2lä)t  ct^uf  zuty  fefbjt  unb  auf 
bte  gange  |>eerbe,  über  toetc^e  eudj  ber  IjetL  ©eijt 
gefegt  pat,  au  Bifdjöfen,  ^u  leiben  t>ie  ©emetne 
©otteS,  roelc^e  dx  bur$  fein  eigen  Bfut  erroor* 
ben  pat" 

SDftt  foßbaren  perlen  unb  (£belfteinen  geljt  man  ja  forg* 
faltiger  um,  aU  mit  geringen  ©KaSfnopfen  unb  Korallen* 
SBaö  tft  aber  tfjeurer  aU  t>a$,  wa$  ©otteS  @ojjn  mit  fei* 
nem  eigenen  Blute  erfauft  $at,  unb  wa$  erforbert  me£r 
gfo'ß  aU  bte  8fafjt$t  über  baffelbe?  SQSeir  nun  au3  bem 
£ol?en  £ofegeft>  erfi^tfid)  ijt,  wie  ikh  ber  @o|m  ©ottes 
lote  menfd) liefen  ©eelen  pat,  fo  muffen  au$  feine  Wiener 
btefelben  \kh  gewinnen  unb  ft$  bemühen  fte  au  retten  ,v$u 
belehren  unb  feiig  au  machen,  mag  eS  fte  auü>  nic^t  bloS  TOUje 
unb  Arbeit,  ©efunbpeit  unb  Gräfte,  fonbern  auefj  ®ut  unb 
Blut ,  Mb  unb  $thtn  fojletu  <£$  ijt  ein  guter  Sftatl? ,  ben 
ein  gelehrter  unb  erfahrner  Wlann  einem  ^rebiger  gibt, 
bamit  er  in  feinem  2lmt  unoerbroffen  unb  jiet$  befliffen  fe#, 
(Seelen  au  gewinnen*  <£r  fejje,  fagt  er,  t>m  Soften  ni$t 
nadj  bem  äußeren  3i$anb  an,  fonbern  nadj  bem  inneren, 
unb  betrachte  jebe<Seele  als  mit  bem  Blut  £l?rijtibefprengt; 
fyc&t  er  nun  Sefum,  ttn  Wirten  lieb,  fo  werbe  er  aucf>  beffen 


256 


©$aafe  lieben,  tie  3fw  fo  viel  lüften,  unb  mit  allen  traf* 
ten,  von  ganzem  £eqen  unb  von  ganzer  (Seele,  ipre  ©elig* 
fett  fuc^en*  SBenn  ein  red;tfq)affener  £e£rer  eine  große 
^enge  $olf£  verfammelt  fte^t,  um  ba$  Söort  ©otte$  au$ 
feinem  SDcunbe  £u  froren,  fo  freut  er  ftdj  im  ©etft,  ntd)t  um 
ber@£re  unb  beö3utauf^  willen,  fonbern  in  ber  Hoffnung, 
re$t  viel  fftugen  $u  f Raffen«,  ©ein  erper  ©eufter,  wenn  er 
auftritt,  ijh  21$  mein  ©Ott,  lag  bo$  leine  von  biefen  See- 
len verloren  ge£en!  2)arum  prebigt  er  nun  bag  SBort  in 
ber  $raft  3efu,  mit  eifrigem  ©etft,  unb  möchte  gerne  alle 
£er$en,  hie  zugegen  ftnb,  mit  ber  (£rfemttmß  unb  Siebe  3efu 
@£rijti  erfüllen»  £)  baß  bod)  btefeö  aud?  auf  allen  Dörfern 
beobachtet  würbe»  3$  weiß  wo£l,  baß  ©Ott  aud?  £ie  unb 
H  treue  Wiener  auf  bem  Sanbe  f?at,  unb  baß  e3  mancher 
2)orfvrebiger  einem  Seprer  in  ber  ©tabt  an  gottfeligem 
(£ifer  unb  reifem  ©eijte  auvor  tlwt»  £5o$  lann  man 
nidjt  in  2lbrebe  aiejjen,  baß  viele,  vielleicht  hk  meiften,  glau* 
ben,  e$  fep  eine  $leintgfeit,  ben  Sauern  *5u  prebtgen»  2)arum 
gebrauchen  fte  ifire  @>abm  nifyt,  unterlaffen  baS  ©tubieren, 
legen  tk  Sucher  bei  <5äte,  unb  wibmen  ftdj  nur  ber 
©orge  um  irbifc^e  ©üter»  —  £>e$  ©onntagS  ftnbet  ftdj 
leicht  fo  viel,  ba$  man  eine  ©tunbe  auf  ber  ^an^el  $ubrin* 
gen  lann,  bei  ben  Sauern  tyut  e3  ftd)  wojjl»  —  %$,  21$ ! 
ftnb  e$  nidjt  ©eelen,  weld;e  ber  ©o|m  ©otteS  mit  feinem 
eigenen  S3lut  erlauft,  über  welche  eu$  ©Ott  $x  Wirten 
bejtellt  ^<xif  unb  beren  %$\nt  er  von  euren  Rauben  forbern  wirb? 
6)  (ESift  aber  audjfejjr  notpwenbig,  baß  ein  ^rebiger, 
ber  tin  2Berl$eug  ber  ©nabe  ©otteg,  um  bie  ©eelen  $u 
gewinnen,  fe^n  will,  ftd)  eines  unjMfltdjjen  Söanbefö  befleiße» 
(B  foll  von  tjmt  Riffen:  „2)a$  ©efeg  ©ottes  i(t  tn 
feinem  bergen  unb  feine  dritte  gleiten  ni$t;" 
ober  na$  berweimarif$en23ibel:  „2Bte  er  lejjrt,  fo  lebt  er 
aud),  unb  gept  ben  ©einen  immer  mit  gutem  Setfpiel  voran»" 
„allenthalben,  fagt  $aulu$,  (teile  bid)  felbfi  bar 
gum  SSorbilb  guter  SBerle,  fep  ben  ©laubigen 
ein  SBorbilb  im  2Bort,  im  SSanbel  unb  in  ber 
Siebe,  im©eif»>  tm©lauben  unb  in  ber$eufd)f>eü»" 


256 


C£r  fagt  ausbrütfliä)  allenthalben;  benn  ber ^rebiger feil 
nia)t  blo3  in  ber  $ira)e  getjitia)  unb  eprbar  fet;n,  fonbern 
aua)  wenn  er  unter  bk  %euU  femmt,  Ui  ©ajlmäplen,  £oa> 
fetten,  fcet  ©efellfa)aften,  auf  Reifen  jc.  ©leid;  wie  ber 
Slttenfa),  f greift t  ein  alter  £eprer,  wo  er  aua)  fe^n  mag, 
*>on  allen  anbern  ©efa)öpfen  leiä)t  unterfa)ieben  wirb ,  alfo 
geziemt  e3  fta),  baß  ein  ^e^rer,  er  rebe  ober  fcpwetge,  er 
fei)  auf  ©ajmtaplen  ober  anberäwo,  eS  anbern  beuten  $m>or 
ipue,  bafü  man  an  feinem  ganzen  betragen  feine  SSortreff* 
Iia)feit  im  (£priftentpum  erlernten  fonne.  Denn  er  foll  ein 
öffentlia)e3  23tlb  ber  ©ottfeligfeit,  ein  lebenbigeä  ©efeg  unb 
bk  Siegel  eines  peil»  £eben£  fe^tu  Der  fRod  Slaronö  war 
am  ©aum  nta)t  blo3  mit  ©löcfcpen,  fonbern  aua)  mit  ©ra* 
natäpfeln  gehievt,  um  anzeigen,  baß  ein  ^rießer  nta)t  bloS 
rufen  unb  lepren,  fonbern  aua)  einen  peiligen  2Banbel  paben 
müjfe,  mit  allerlei  grücpten  be£  ©lauben$  gefa)mücft*  2Bo 
biefeö  ma)t  ift,  ba  ift  wenig  Erbauung  $u  poffen.  Denn 
obfepon  bie  SSirfung  beS  peil»  ©etfteö  an  bas  £eben  be£ 
£eprer$  nia)t  gebunben  ift,  unb  baS  SÖSort  aua)  ßraft  pat,  wenn 
e$  gleia)  bura)  einen  unreinen  Sttunb,  wie  ein  SBaffer  burä) 
eine  untaugliche  Sftöpre  fliegt,  fo  ift  e3  boa)  gewiß,  baß  ein 
gottlofer  2eprer  bem  Sßorte  ©otteg  pinberlta)  tf*,  unb  feinen 
3upörern  jum  2lergerniß  fpriept»  Die  bejie  ©peife  unb  ba$ 
perrlia)fte  ©etränl:  erregt  (£M,  wenn  e$  au$  einem  unreinen 
©efäße  fommt.  (Einige  $er$en  brennen  pell,  geben  aber 
einen  Übeln  ©eruä)  tton  fta),  unb  werben  nia)t  geliebt;  eben 
fo  fcerpält  e$  fta)  mit  einem  Diener  ber  $ira)e,  wenn  fein 
Söanbel  anßößig  ift.  3war  fonnen  reä)t[a)affene  @priften 
aua)  auS  ben  ^rebigten  gotilofer  £eprer  9Ju£en  fa)öpfen;-allein 
e$  panbelt  fta)  sunäa)jt  um  bie  Unbefeprten ,  wela)e  fta)  boa) 
mepr  naa)  bem  £eben  als  naa)  ber  £epre  au  riü)ten  pflegen,  unb 
päuftg  mit  einem  unbußfertigen  £eprer  ipr  ©efpött  treiben. 
7)  üftoa).  wollen  wir  barauf  aufmerlfam  maä)en,  ba$ 
fein£eprer  glauben  bürfe,  wenn  er  geprebigt  pabe,  fo  pabe 
er  feine  $flia)t  erfüllt.  5la)  nein,  bann  ift  ba$  2Baa)en 
unb  bie  2luffta)t  über  bie  gan^e  ©emeinbe,  vok  über  eine 
jebe  ©eele  befonberö,    noa)  übrig«     ©Ott  will  SÖ3äa)ter 


257 


J)aben,   welche  £ag  unb   9*aa)t  niä)t  fa)wetgen  follen*  — 
©feigen  fte  ttf  bei*  $ird;e,  fo  muffen  fte  brausen  an* 
Dalten   mit   Zetert ,   mit  Noamen,    mit   @rmalmem     din 
©ärtne*  barf  nia)t  allein  fäen  unb  pflanzen,  fonbern  er  mug 
aud),  wo  e3  Tcotfj  tlwt,  begießen,  bag  Unfraut  ausjäten, 
t>k  33äume  befdmeiben  :c*  —  diu  ^rebiger  foll  feinen  <Sa)aafen 
mit  tarnen  rufen, ,  b.  t.  er  muff  von  bem  3uftonb  eine£ 
3eben  gehörig  unterrichtet  fepn,    bamtt  er  bem  SSebürfmfj 
eines  Seben  abhelfen,  bie  <Sd)wa$en  ftärfen,  bte  betrübten 
tröffen,  bk  ©ottlofen  [trafen  unb  bk  23öfen  ermahnen  fönne*  — 
2Me  ©eele  wirft  in  bem  ganzen  %tiU  unb  befeelt  alle  ©lieber, 
ba$  gertngfte  unb  fd/wäd;fte  nitfyt  aufgenommen;    fo   foll 
ft'a)  bie  ©orgfalt  eines  ©eelenjrirten  über  bk  gan^e  beerbe 
unb  über  febe$  ©tt)äflein  erflrecfen,    3^m  barf  9?iemanb  §u 
fä)lecf)t,   $n  arm  unb  $u  verachtet  fepm     <5o  mad;te  e$ 
^auluS,  barum  fagte  er  and):  „Denket  bar  an,  ba$  id) 
nxd)t  abgelaffen  f>abe,  bretSa^re  lang,  £ag  unb 
*D?ad)t,  einen  Seglidjen  mit  &f>ränen  $u  ermahnen; 
id)  {jabe  eua)  nichts  vorenthalten,  was  nü§lia)  ift, 
unb   eua)  gelehrt  öffentlich   unb  inSbefonbere." 
£)u  aber,  ermalmt  er  ben  £imoti?eu3,  fev  nüchtern,  waä)fam, 
unb  unverbroffen,  wenn  e$  bir  fa)wer  wirb  im  2lmte,  unb 
erfülle  beinen  35eruf  reblicf),  bamit  ein  3eber  beinen  gleig 
unb  (ünfer  fe^en  unb  beiner  breite  verftckrt  fes^it  tonne.  — 
3nbem  id)  mir  fo  bk  fdjweren  ^j3fli$ten  ber  $rebtger 
vergegenwärtige,    muß  id)  geftei;en,  baff  mia)  öfters  eine 
£er$li$e  Traurigkeit  befaßt  unb  id)  mit  33etrübnig  ^u  mir 
felbjt  fage:  wer  ift  fue^u  tüd)ti$v    ©ewig  ftimmen  mit 
mir   SBiele   unter  bm  Wienern  (grifft   überein    unb   ver* 
richten  if>r  $lmt  mit  ©eufeen  unb  trauern*    £er  fd)Were 
23eruf  laftet  auf  unS,   eS  ift  ©otteS  Berf  unb  betrifft  bte 
(Seligfeit  ber  9Äenfc#etu  2)amtt  lägt  fta)  Wo£l  nia)t  fc^er^en,  unb 
wir  \)töz\\  boa)  taufenb  £mbermffe  vom  <3atan  unb  ber  böfen 
Sßklt,   bie  ft$  uns  mit  aller  Wlad)t  unb  £tfi  wiberfe^en*  — 
Sie  35oSI?eit  ber  2Mt  gleicht  einem  gewaltigen  (Strome, 
ber  2Ille3  überfc^wemmt,  unb  wir  £ei)rer  follen  unb  wollen 
benfelben  aufhalten,    2)tejemgen,  weld;e  uns  nad;  ©ofteS 


258 


33efe!)l  babet  unterftügen  fotfen,  fmb  leiber  felbß  größten* 
fytiU  soll*  Unglauben,  wiberfegen  fta;  bem  ©eifte  ©otte$ 
unb  möchten  ba£  D^eta)  (grifft,  ba$  boa)  nta;t  $>on  biefcr 
2öelt  tjl,  naa)  bem  Söeftgetfle  regieren*  $ira)enäwang 
tjl  ba^m,  ber  2Mnbefä)Iuffei  ijt  angebunben,  3eber  wtö 
ein  @ü>rif*  fepn,  aber  nia)t  naa)  ©otteS  Sßort,  mä)t 
naa)  bem  $orbilbe  3efy>  fonbern  naa)  feinem  eigenen 
<Sitm.  —  Sei  biefer  £raurtgfett  nun  ijl  t>a$  mein  £roft, 
baß  ber  Ijeüige  ©eifi  fc^on  längjt  ttorfjergefagt  Ijat,  baß  in 
ben  legten  £agen  böfe  3eiten  fommen  werben  unb  baß  e$ 
Sföenfajen  geben  werbe,  bte  ftolj,  geizig,  ruljmrebig,  !?of* 
färtig,  ftömg,  fwelfmfi,  aufgeblafen  fmb  unb  bte  SSoöuft 
mefjr  Heben,  benn  ©ott  £iefe$  aber  wirb  bem  £ef?rer  ber 
$ira)e  auwrgefagt,  ba$  er  eS  wijfen,  ftä)  barauf  gefaßt 
maa)en  unb  bemfelben  mit  allen  Gräften  wiberfegen  fotf* 
3a)  weiß  aua),  ob  mir  wof)l  öftere  bünfet,  aU  arbeite  iä) 
vergebfia)  unb  bringe  meine  3tü  umfonjt  ^u,  ba$  meine 
©aa)e  be$  £erm  ifi,  unb  t>a$  bte  Arbeit  feiner  getreuen 
Wiener  feüteäwegS  gan$  vergebend  fe^n  wirb*  bitten  unter 
bem  großen  Raufen  ber  ©ottlofen  fmt  ber  £err  feine  2lu$* 
erwählten;  benn  ber  fejte  ©runb©otte$  befielt,  unb 
Ijat  biefeö  ©tegef:  2)er  £err  fennet  bie  ©einen* 
(£ine  (£ in 5 ige  ©eele  ift  e£  wertjj,  baß  ein$rebiger  ipret* 
wegen  feine  gan^eMen^eit  in  voller  Wltyc  unb  Arbeit  zubringe; 
benn  wa$  fann  mit  Sem  9erglia)en  werben,  toa$  mit  bem 
lölute  be$  ©o£ne$  ©otteg  erfauft  iji?  —  @benfo  fönnen 
aua)  treue  Sefjrer  Saugen  fa)affen,  oljne  baß  jte  e$  wiffen* 
(Sie  finb  bem  £anbmann  ä^nlia),  ber  erffc  pflügen,  fäen, 
pflanzen,  begießen,  auejaten  unb  ©ebulb  fyabm  muß,  bte 
er  grüa)te  einfammeln  fann*  ©er  eine  £ejjrer  legt  ben 
©runb,  ber  anbere  baut  barauf  fort;  ber  eine  fireut  ben 
©aamen  au$,  ber  Slnbere  fammeft  bie  $rüa)te*  @o  bringt 
9ttana)er  einen  Unbußfertigen  mit  ©otte$  £ülfe  auf  gute 
©ebanfen;  biefelben  aber  bleiben  gleia)  bem  ©aamen  oft 
lange  verborgen*  £)cr  £el?rer  fann  woj)l  barüber  (Serben; 
aber  ber  <5amc  im  £eraen  fltrbt  nia)t,  fonbern  ge£t  $u 


259 


fetner  3ett  auf  unb  bringt  grüßte;  ta^er  fagi  ber  £effanb: 
„$iit  bem  S^et^e  ®otte$  serljätt  e£  ftcb,  wie  wenn 
ein  Slflenfdj  <Saamen  auf  3  2anb  wirft,  unb  f c^Xäft 
unb  jleljt  auf  Wadji  unb  £ag,  unb  ber  ©aame 
9 e j> t  auf  unb  xt>äfy$tf  bafj  er  es  nid)t  weiß*"—  ©Ott 
lägt  päuftg  feine  Wiener  nid;t  wiffen,  waö  fte  ausgerichtet 
|>aben,  bamit  fte  ni$t  #0(3  derbem  £)od;  meig  i$  au£ 
(£rfa|>rHng,  t>a$  @r  btefetben  gerabe  bann  an  einigen  £er$en 
grillte  fe£en  lägt,  wenn  fte  am  meifien  betrübt  ftnb,  bamit 
fte  nidjt  fleinmütjjig  werben»  (E$  gefjt  ilnten  oft  wie  ben 
gifdjern,  welche,  wenn  fte  einige  $ergeb(i$e  3üge  getpan 
l?aben,  tfjre  S^e^e  sufammennetnnen  unb  einen  anbern  Dxt 
auffuc^en  Woltern  SSenn  fte  aber  biefetbcn  nodjmatS  au& 
werfen  unb  nur  Einiges  fangen,  fo  befommen  fte  neuen 
$?ut!j  unb  bleiben  bei  i^rer  Arbeit*  —  —  @b  (äffet  un£ 
nun  m$t  mitbe  werben;  ij*  bie  Sßett  gottlob,  fo  wollen 
wir  befto  eifriger  fepn,  um  fte  $on  ij?rem  böfen  28efen  $u 
befeuern  3e  mej?r  ber  ©atan  in  biefen  legten  3^m  ge* 
gen  ba$  dltify  t&fyxtfti  tobt,  befio  emftger  (äffet  unS  fe^n^ 
baffetbe  ^u  erhalten*  £6tr  jmben  einen  mächtigen  ©c|m§  an 
2)em,  welcher  gefagt  pat:  „3d;  will  euc^>  SBet^peit 
geben,  wetdjer  ntd&t  wiberfpredjen  mögen,  no$ 
xoibcxfttfyzn  follen  alle  eure  geinbe*  <5te£e  3$ 
bin  bei  eud;  alte  £age  bi$  an  ber  tSSelt  @rnbe/' 
2)er,  welker  in  uns  ift,  ift  größer,  als  ber,  welcher  in 
ber  2Selt  ift  £)arusn  (äffet  uns  beten,  ivafym,  ermahnen, 
warnen,  fkafen,  bro^en  unb  barauf  fepen,  baß  wir  treu 
erfunben  werben»  Raffet  uns  auä>  alte  £eu$e(ei  unb  b5fe 
XMe  meiben,  auefj  (Botteö  2Bort  nidjt  tterfätfdjen ,  fonbem 
bie  2Öal)r{?eit  o^ne  &d)tn  *>or  ben  9ftenfd?en  befemtem  £egt 
uns  ber  @atan  £inbewif[e  in  ben  SBeg,  fo  wollen  wir 
biefelfcen  fo  x>ki  mogtidj  wegräumen;  x$a$  wir  ni^t  äubern 
fönnen,  wollen  wir  gebutbtg  tragen,  aber  mit  £l)ränen  bem 
Slltwiffenben  f tagen,  ber  enbticf)  alter  ^oöpeit  feuern  unb 
alten  <&mfetxn  feiner  ^eiligen  ein  (£nbe  machen  wirb,  wenn 
SefuS  fammt  feinen  Engeln  x>m  Fimmel  fommt,  um  bie  ^u 

17* 


260 


jfrafett,  wel$e  ®ott  nid)t  erfennen,  unb  feinem  (ürsangeftö 
ungejjorfam  gewefen  fmb.  2la)  £>err  3efu  fomme  Batt> !  — 
(£3  Witt  to$  nimmer  beffer  werben, 
$omm  baffc  unb  ma$*  ein  Gntb  auf  (£rbeu! 
III.  3$  wenbe  mta)  nun  $on  ben  Servern  §u  ben 
3u]jörem,  unb  ermahne  btef  elften  in  $>m  £erm,  ba§  fte 
ben  £)ienft  t|>rer  ^rebtger  auf  keinerlei  Sößeifc  geringfa)ä§en 
feto*  Leiber  fommt  es  ipeut^utage  jwuftg  $or,  bag  ange* 
fe£ene,  ttornefjnte  uro  reiche  ^erfonen  bte  Steuer  Gtljrifti 
fpotten  unb  if?re  ^rebtgten  $erlad)en.  -Kur  ber  gemeine 
Sttann  Jört  fte  nea)  au3  @ewopnj)ett,  boa)  mit  bem  23or* 
fa§,  nidjt  naa)  t^rem  Sorte,  fonbern  nad)  feinem  Sitten 
gu  fjanbeln.  (B  rx>trb  bei  un£  für  feine  groge  Sojrttfjai 
mefjr  gehalten,  wenn  eine  ©emetnbe  einen  treuen,  eifrigen 
@eeten|nrten  Ijat;  bemt  SSiele  glauben,  wenn  fte  (Mb  §abm 
unb  eine  gute  33efolbung  geben,  fo  tonnen  fte  fo  viel  $re* 
biger  befommen,  als  fte  wetten*  ^Jhtn  ift  eg  $war,  ria)tig, 
baf?  e^S  in  unfern  &agen  nta)t  an  £ef>rern  fefclt,  unb  wenn 
nur  eine  geringe  Pfarrei  erlebt'gt  wirb,  fo  gibt  e*?  25ewer,ber 
in  Stenge*  (&$  fmb  aber  ntd)t  2ltte  ®ö$e,  weldje  lauge 
Keffer,  uxfi>  nifyt  Sitte  ^rebiger,  bte  lauge  Dtccfe  feaben. 
(£&  gibt  tttel  Stebner,  bie  eine  gar^e  ©runbe  auf  ber 
$an$el  ^bringen  fennen;  abtt  wenig  Wirten  unb  £e£rer. 
<B  gibt  siel  Seltwetfe;  aber  wenig  ©otteSgeleljrte.  SBiele 
reben  mit  Sorten  meufa)lia)er  Setzet*;  aber  Sentge  mit 
Sorten,  bte  ber  fjeilige  ©eiji  Xeprt;  unb  ojrne  3^eifel  falj 
ber  (Sqfjirte  feiner  ©emeinbe  aua)  auf  bte  legten  3etten, 
aU  (£r  fagte:  „£)ie  @rnte  ift  groß,  ber  Slroetter 
tji  Wenig;  barum  bittet  ben  #errn$>erQrrnte,  bag 
(Ex  2lr freite r  auäfenbe."  S3et  btefen  Sorten  bemerft  ein 
angefepener  £eji>rer  ber  $ira)e:  „Stewoi?l  eS  |}eut$utage  siel 
$ira)enbiener  gibt,  fo  fmb  t£rer  boa)  wenige,  bie  mit  einem 
rea)ten  (£ifer  @otte£  @j)re  unb  bie  So£lfa|)rt  ber  ©emeinbe 
Ctyrtfit  fua;en.  2Iua)  $aulu3  fa)refSt  barüber  an  gimo* 
J^euö:  7/@ie  fud;en  Sllle  t>a$  Spxt,  nifyt  ba$,  wa$ 
3efu  (SJjnfti  ift"  2)er  £eilanb  fyrta)t  tu  ber  efcen  an* 
geführten  Bullt  ojjme  3^eifel  r>on  fleißigen  unb  red;t* 
fa;affenen  WxUittxn,  wefa)en  ®otte3  (££re  unb  bie  ©eligleti 


261 


ber  $?enfd;en  am  £cr$en  liegt,  bte  blos  barnaa;  trauten, 
to$  SSotf  jur  GErfenntm'j?  ber  SKSa^v^cit  ju  führen,  SSon 
btefer  Hri  aber  gibt  eö  tetber  nur  Söenige,  unb  ©alomo 
fagt  mit  diefyt:  „(Ein  tfcrftänbi^er  'Sfflann  ift  eine 
tl?eure  ©eele*"  2lKe  l?ol>en  unb  ntebern  ©ä)ulen  fönnen 
einen  folgen,  oftne  ©otteä  ©nabe  tmb  ®etji,  nid;t  bilbem 
Q&  gehört  nid;t  bloS  bte  ^enntntf?  vieler  2öijfenfä)aften 
unb  Sprayen,  fonbern  bau^äajlid)  bte  innere  (ü:r(eua> 
tung  beö  Zeitigen  ®tifk$  bap,  £>ie  ©eleljrtejten  unb 
®efd;idteften  ftnb  nia)i  iüajfig,  wenn  fic  ©Ott  nta)t  tüch- 
tig mad;t.  Partim  fetten  alte  ©emeütben  ©Ott  jjeqlia; 
anrufen ,  ba£  <Ex  @td;  au$  ber  cfmft(i$en  Swgenb  gefc^tefte 
SBerfreuge  erwäblen,  bte  Arbeit  tn  fiofmt  unb  niebern 
©a)ulen  fernen,  getreue  ©eelf  orger  geben,  unb  jic  mit  bm 
©aben  feinet  ^eiligen  ©etjleS  reia)liä)  au^rüften  möge*  — 
SBenn  nun  ©Ott  aus  ©naben  einer  d)rtftlia)en  ©emeinbe 
fola)e  Wirten  verleibt,  fo  foll  biefe  t^re  £e|>rer,  aU  &x* 
wählte  ©otteö  unb  al£  ein  rfmtreg,  un$ergleia;lidje$ 
$letnob,  I?od)fd)ä£en.  „2öid)tig  unb  föjtltä)  ift  ein 
treuer  unb  ftuger  £>au3l?alter,"  fagt  unfer  £eifanb, 
£>te  rea)tfa)ajfenen  Wiener  be3  2Bort$  gleichen  ben  golbenen 
£eua;tem  in  ber  ©tift^fwtre ;  ben  Brunnen  einer  ©tabt  unb 
ben  fruchtbaren  unb  fdjattenreid;en  Daumen,  ©ie  ftnb  bte 
gürbitter  beg  S3olfe^  bei  ©Ott,  jtnb  gleid)fam  bk  SSätte  unb 
dauern  einer  ©emeinbe,  ftnb  Starter,  voela)e,  inbem  fte  anbern 
bienen,  fta)  felbft  per^ren*  ©ie  forgen,  beten,  wachen, 
fämpfen  £ag  unb  -ftaajt  für  t'^re  ©emeinbe.  3jt  3emanb 
fa)waa),  fo  werben  fte  aua)  fajroad),  tft  Semanb  traurig, 
fo  ftnb  fte  e$  aua),  tft  3entanb  franf,  arm,  elenb,  serlajfen, 
fo  Reifen,  ratfjen,  tröften  fte  mit  mitleibigem  ^er^en  unb  au£ 
allen  Gräften,  3(t  S^tnanb  gottlob,  fo  tragen  fte  ©orge 
für  ifjn,  fte  fallen  ©Ott  mit  £l?ränen  gu  güßen,  unb  Uüzn, 
ba£  dx  i£n  fa)onen,  ©ebulb  mit  ijmt  J?aben,  unb  ifjm  WlitUt 
unb  3eit  sur  23uge  gönnen  möge.  (£benfo  laffen  fte  eg  an 
treuherzigen,  fleißigen  Ermahnungen  unb  Söarnungen  nia)t 
fehlen,  ©ie  gef>en  unter  ber  Saft  ibre£  2lmteS  meiftenS 
traurig  unb  gebücft,  Jmben  wenig  greube  in  ber  Seit,  unb 
ringen  oft  hei  if?rer  fa)werett  Arbeit  mit  §lvmutj>  unb  tag* 


262 


liefern  Mangel.  —  Sollten  nun  feiere  Männer  ni$t  wertl? 
fepn,  bafj  man  fte  poc^fdjäfst  unb  ttebt  ?  9Za^  ber  dxmap 
nung  beS  Slpoftelg:  ,3tr  bitten  eit$,  Heben  trüber, 
baß  ij?r  erfennet,  bie  an  eu$  arbeiten,  unb  bie 
eudj  vorfielen  in  bem  £errn,  unb  t\x§  ermahnen; 
pabt  fie  befio  Heber  um  tljreg  SBerfS  willen,  unb 
fe^b  friebfam  mit  i£nen>"  —  2)ie  größte  %$tt  aber, 
bie  man  ben  Seelenijirten  a*weifen  famt,  ifh  wenn  man 
fte  für  bag  fjält  unb  erfennt,  wa$  fte  ftnb,  nemlt$  ©otteö 
Diener  unb  33otfd)af£er  (Sjjrifti  unb  28erf$euge  beS  Ijeiltgen 
©eifieg.  gerner,  wenn  man  tyx  2Bort  annimmt,  unb  i^nen 
ben  fd)ulbtgen  ©efjorfam  leifret  nad)  bem  Söefefjl  ©otte3: 
©eporc^et  euren  £ei)rern  unb  folget  tljnen;  benn 
fie  wachen  über  eure  Seelen,  aH  bie  ba  9?e$en* 
fdjaft  geben  follen,  auf  bafj  fie  e$  mit  greuben 
t£un  unb  ni$t  mit  Seufzen,  benn  ba$  ift  GEudj  nifyt 
gut  —  ©ottfelige  3u£örer,  t>k  fte©  bur$  i£ren  Dtenft 
täglich  befjern  laffen,  unb  in  oer  (£rfenntnig  unb  gur$t 
©otte$  $unef>men,  ftnb  bie  greube,  bie  (£Jjre  unb  ber  SRvfym 
ii^rer  £eljrer,  unb  Ijaben  leiblichen,  giftigen  unb  ewigen 
Segen  *>on  ©ott  31t  erwarten»  So  laffet  mty  nun,  i£r 
Qtfmflen,  eure  £ejjrer  l)o<$befo£len  fep;  pellet  euefj  ni$t 
tiefer  Söelt  gleich,  welche  fo  oft  über  bie  Diener  ©otteS  fpottet 
unb  fte  »eradjict.  Sej?et  fte  aU  33oten  (grifft  an,  bie  tufy 
gum  £roß,  Unterricht,  pr  Erbauung  unb  $ur  Seligfeit  ge* 
fanbt  ftnb»  £abi  ©ebulb  mit  i^ren  Sdjwad$eiten,  benfet, 
ba$  ©Ott  9ttenf  djen  unb  feine  (£ngel  berufen  i?abe,  ntp 
met  ipre  23ejtrafung  mit  Sanftmuff)  auf,  veraltet  tjjre 
Einfalt  mc$t,  wenn  fte  nur  treu  erfunben  werben  in  ü)rem 
Slmte,  httxühtt  unb  beleibiget  fte  ntc^t  burej)  euren  Ungejjor* 
fam,  Sßiberfpenfh'gf  eit  unb  ungerechten  SBanbeL  Die  (£r= 
fa^rung  aller  Qtittw  Ityxt  hinlänglich,  baj?  ©Ott  für  feine 
Diener  unb  beren  5lmt  fe^r  geeifert,  unb  bie  SBerac^tung 
berfelben  nidtf  ungeftraft  gelaffen  jjabe. 

IV.  S^ocr)  will  icf>  fur5  fagen,  vok  wir  ba$,  was?  weiter 
in  ber  £e£re  von  ben  9ftittdn  ^ur  25efeljrung  sorgefommen 
ij*,  $u  unferem  9ht$en  anwenben  follen,    SSeil  nemlic^  ber 


263 


gütige  ©ort  oft  in  bem  £er$en  eines*  ©ünberS  allerlei  gute 
©ebanfen  unb  fjeilige  Bewegungen  hervorbringt,  fo  ermahnen 
wir  alle  Diejenigen,  weldje  fola)es  an  unb  in  tijrem  $tv%m 
empfmben,  bag  fte  biefe  gute  Gelegenheit  $ur  23uge,  bie 
ipnen  angeboten  wirb,  ntdjt  verfciumen  follen.  $on  bem 
verlornen  ©o^n  wirb  ma)t  blog  gefagt,  ha$  er  in  fta)  ge* 
gangen  iitnb  fta)  vorgenommen  pafce,  bag  er  wieberfefjren 
wolle,  fonbern  e3  fieigt  aua):  „(Er  madjte  fiel)  auf,  unb 
fam  $u  feinem  23  a  t  er/'  %U  er  biefen  guten  %$ox\a§ 
in  fta)  merfte,  eilte  er,  benfetben  auszuführen;  benn  wenn 
ba$  (£ifen  glüfienb  i%  mug  man  eS  fdnnieben.  —  SSenn  man 
Bei  ber  2lnf)örung  beS  äöortä  ober  fonjt  bei  einer  ®elegen* 
pett  eine  3rüj?rung  in  feinem  $er^en  bemerft,  fo  fjat  man 
eg  für  eine  SGßirfung  beö  ^eiligen  ©eijte3  gu  galten  unb 
fott  biefelbe  ma)t  verfäumen*  £)enn  wer  bicfeS  Slnflovfen 
beö  £erm  veraltet,  ben  pflegt  ©Ott  entließ  gan$  ^u  ver* 
lajfen,  unb  wer  ijt  verfielt,  bag  i^m  bie  gleiche  ©nabe, 
wela)e  er  fo  oft  verfcfmtcifjt  fwt,  wieber  angeboten  werbe? 
Söenn  ta)  auf  alle  23eifpiele  berer,  an  welken  fta)  bie  ©nabe 
©otteS  geigte,  l)infe!?e,  fo  jtnbe  ia),  bag  fte  enblid;  in  tintn 
verfejjrten  ©tun  Eingegeben  unb  bem  SBillen  be£  ©atanö 
überlaffen  worben  ftnb,  fobalb  fte  ©ottee  Söillen  auger  2ta)t 
gelaffen  ^aben.  £)ieg  lefjrt  beutlia)  unter  Ruberem  bie  @e* 
fa)icbte  eineä  $f>arao,  Slfjab  u.  f,  w*  ©Ott  t£ut  \a  nid)t 
Unrea)t,  wenn  er  feine  2$eraä)ter  verlägt,  Unb  wenn  3efug 
lange  genug  angeftopft  jjar,  ber  SJknfa)  aber  bura)  beharrliche 
©ünben  bie  £lwre  nid;t  einmal  öffnet,  fonbern  noa)  fefrer 
verfa)liegt,  wer  mii  e$  tabeln,  wenn  er  einen  folgen  un* 
bugfertigen  $cenfa;en  enblia)  feinem  eigenen  ©d;icffate  über* 
lägt?  2)arum,  o(£f>rift,  wenn  hn  fola)e  innere  Dtüprungen 
in  bir  füj?ljt,  bag  hu  biä)  M  irgenb  einer  feierlichen  ©ele* 
gen^eit  von  beinen  ©ünben  über^eugjt,  unb  M  bir  feibjt 
fpriö)ft:  ify  will  mia)  aufmachen  unb  3U  meinem  SSater  geljen, 
will  von  ©ünben  laffen  unb  mein  £eben  beffern,  fo  ük  unb 
fäume  nia)t  S^eig  t>ify  los  von  ber  W&clt,  wenn  bu  gleia) 
viel  $urüdtaffen  mugt;  tamöfe,  ringe  mit  bir  feibjt  unb  jtrenge 
alle  beine  Gräfte  an,  ba$  iMmmelreta;  $u  erlangen,    £>änge 


264 


fto  $riftlid)en  ©ebanfen  nad),  vertilge  bau  gute  £tä)t, 
wcla;e3  bir  yen  £)ben  eingegeben  wirb,  nidjt,  fonbern  fua;e 
baffelbe  ^u  foförbern,  baf  es  in  £lmt  tmb  ?ekn  übergebe* 
Deffne  bem  (£rtöfer  beut  #ers,  bamit  (£r  bir  einfl:  aua)  bei 
beinern  2tbfdjieb  au$  ber  Seit  ben  £immel  öffnen  möge. 
„Steljc,  fegt  tfl  t>te  angenehme  Bett,  fegt  tft  ber 
% a g  be$  £eilg;"  ^erfäume  tfm  nia)t,  benn  balb  wirb  ber 
£ag  be$  ©eria;t$  folgen, 

V.  (Enblid)  (äffet  un$  nod)  lernen,  wie  wir  gleiajfam  bte 
9lu#e  (Stotte*.  füjfen,  nnb  baS  ßreus  als  DeilfameS  «Kittel 
ber  23uf?e  poc^fcl;d^en  feilen.  Sir  bürfen  un3  über  ben 
SSater  im  J^ttntncK  m$t  befa;weren,  wenn  er  un6  gü<§tta,t, 
vielmehr  fetten  wir  3£nt  foxßfy  bemfen.  2)  t  e  9t  u  t  fj  e 
mad)t  fromme  ^inber  unb  ba£  $reu$  fromme 
d Triften,  biegen  wir  uns  buref;  baS  Sort  gewinnen, 
unb  würben  wir  au$  $>m  SBopltpaten  ©otteS  feine  ©üte 
ernennen  —  liegen  wirung  alfo  burä)£iebe  leiten,  fo  bürfte 
(Er  nia)t  $um$veu$  greifen.  Seil  wir  aber,  wenn  es  un£ 
wof)t  geljt,  xoie  bie  Stoffe  unbrSMuler  finb,  hie 
niä)t  $u  3£w  wollen,  fo  muß  er  m\$  3<*ume  anlegen 
unb  ttn3  ju  feinem  ©eljorfam  zwingen,  ©traott  von  (^prene 
fcatte  wo!?l  feine  £ujl,  3efu  fein  kxni^  nac^utragen;  aber 
er  würbe  b^u  genötigt;  (wk  fauer  tjmt  bieg  gefa)e{>en  unb 
wie  fdn'mpflicl)  tß  tljm  sorgefommen  fe^n  mag,  tft  leia)t  gu 
begreifen),  nad$er  aber,  aW  er  ßfjriftum  nnb  fein  $reu$ 
fennen  lernte,  wirb  er  e£  für  hie  größte  (£f>re  gehalten 
ijaben.  „2llle  3üd;tigung,  wenn  fie  ha  ijl,  bünlet 
fie  un$  nid)t  greube,  fonbern  £raurigfeit  gu 
fe^n;  aber  barnaa)  wirb  fie  geben  eine  Ijeilfame 
grud)t  ber  ©eredjtigfeit  tenen,  bte  babura) 
geübt  finb/'  2)arum  lajfet  un$  bte  ©üte  be£  #öa)ften 
auti)  in  ber  grübfa!  greifen,  unb  im$  um  fo  williger  $ur 
©mneäänbermtg,  bequemen,  begegnet  un$  ein  Unglüd,  fo  laffet 
un£  unterfua)en,  wie  rek  befa;affen  fe^en,  unb  ung  gu  bem 
£erm  belehren*  i-affet  un£  ^erg  tmb  $änhe  gu  ©Ott  ergeben 
unb.fagen:  „Sir  £aben  gefünbtgt,  unb  finb  ungeü>or* 
fam  gewefen;  barum  baft£)u  ttn^  nid)t  verfa)ont!/J 


265 


Zafitt  uns  imfern  Sßanbel  genau  prüfen,  unb  allen  Sünben, 
burdj  bte  wir  ©Ott  beleibigt  fjaben,  von  $eqen  entfagen. 
Raffet  uns  f»red)en:  „kommet,  wir  wollen  wieber 
gu  bem^errn;  benn(£r  £at  uns  3er rtffen,  dx  wirb 
uns  atttt)  feilem  (£r  Jjat  uns  gefd)lagen,  er  wirb 
uns  aud)  »erbtnben."  D  feligcS,  liebes  $reu*, 
baS  ben  alten  $?enfä)en  unb  baS  fünblta)e  £er$  freuet 
unb  töWt^  D  glücffeligeS  itnglüef,  weld;eS  ein  ewiges 
©lud  mit  ftd;  füprt!  5ld>,  $err,  ©Ott  unb  S3ater,  tag  uns 
ntd)t  aus  beinen  fingen,  utä>  gib  &rübfal  unb  £roft,  \vk 
£)ü  eS  3um  £eil  unferer  Seele  für  gut  ftnbefU  2)ein  ^et^ 
liger  9*ame  fe#  gelobt  in  Grwtgfeitl    hinten» 


©ritte    ?P  r  e  H  g  t 

2tyn  ben  wefentlidjen  6tücfen  unb   ber  23efa)af* 
fenpett  ber  wahren  33ufk. 

3:.  Soel  2,  12.    „©0  fprt$t  ber  f>err:  befef>ret  eu#  gu  mir  fcon 
ganzem  bergen." 


S  i  tt  3  a  n  g, 
3>nt  Planten  Sefu!   SKmett. 

©er  £of>epriej?er  beS  alten  £eftaments  mußte  Jafjrlia) 
nur  einmal  in^  baS  2ltfer£etltgfle  ge{>en  unb  gwar  fo,  baj* 
er  ein  9?auä)faf?  voll  ©lut  in  bie  eine  #anb  nal)m  unb  in 
bie  anbere  viel  9?äud)Wert\  ©obalb  er  fn'neintrat,  warf  er 
biefeS  auf  bie  $o!?len,  fo  $>a$  ein  btder  fRciify  entftanb, 
ber  t>m  ©nabenjtujrt,  über  welchem  ©Ott  su  wohnen  »er* 
$ei$m  $<xttzf  bebcdfe.  3116  ©runb  wirb  angegeben:  baß 
ber  $  rieft  er  nid)t  jierbe,  b,  Lf  ba£  er  nid)t  aus  23or* 
toty  naa)  bem  fia)tbaren  Beiden  ber  (Gegenwart  ©otteS, 
baS  über  bem  ©nabenfiuf?!  erfa)ien,  blide  unb  baburd)  fein 
Seben  verliere.  —  ©e£et  alfo,  ©ott  will  feine  vorwiege 
©rübler,  fonbern  bemüt^ige  SBerebrcr  I;aben.   &x  will  nia)t, 


266 


Dag  wir  bei  Dem  ©otte^bienf*  £erumgaffen,  fonbera  mit 
gebüprenber  (£{>rer  bietung  unfere  Singen  meberfa)lagen,  feine 
üDtajefMt  ancrfennen  unb  unfere -ftidjtigfeit  tief  füllen.  £>er 
SDt-enfd)  folt  ©otteö  ©ej?eimniffe  nid)t  augjugrübeln  fua)en, 
fonbern  3fmt  fein  £er$  im  ©lauben,  in  ber  2tebe  unb  ©ebulb 
Eingeben*  -  £)ie§  be^te^t  fta)  pauptfäajlia)  auf  ©eleljrte, 
wela)e  fta)  t>tet  mit  göttlichen  fingen  unb  mit  ben  ©efreimniffen 
Der  ^eiligen  <3d>rift  abgeben*  2ßer  ofme  Da3  ©efüjjl  feiner 
UnwürDigfeit,  o^ne  ©ebet,  —  Das  wal)re  unb  eble 
9?äua)wer?,  —  unb  ol?ue  gura)t  ftcf>  $u  ©ott  nabt,  unb 
eg  wagt,  fein  $8wn  gu  ergrünben,  beffen  Singen  wer* 
Den  wblenbct  unb  fein  £er$  erftirbt.  SSte  Diejenigen, 
welche  mit  blogen  Slugen  mwerwaubt  in  bk  ©onne  fe^en, 
in  feuern  £errlitt)en  ^tcl;te  nia)t3  att  ginjkrnig  wa£rne£men, 
weil  fie  mef>r  fejen  wollen,  aU  tynm  ^ufornrnt,  fo  gef>t 
eö  aua)  ben  ttorwt'sigen  ©ritblem.  £)ie  ©ebanfen  ber  2£Ren* 
fa)en  gleichen  bem  3?aua)e,  je  £öfjer  er  fteigt,  beffo  me£r 
verliert  er  fta)  unb  wirb  t>emia)tet*  —  SQßir  fwben  bieg  abfta)t* 
lia)  $orangefa)icft,  weil  wir  beim  Eingang  biefer  ^rebigt 
bte  grage  erörtern  wollen,  woijef  e$  fomme,  bag  einige 
$c*enfa)en  belehrt  werben,  einige  aber  imbefe£rt  Ikibtn,  ob 
jte  gleid;  (£ in  $3ort,  bitten  $rebiger,  (Einerlei  <5a* 
cramente  ljaben;  warum  in  einer  unb  eben  Derfelben  $re* 
Digt  bat  eine  £er$  gerührt,  überzeugt  unb  gewonnen  wirb, 
wä^renb  ba$  anbere  in  feiner  Unbugfertigfeit  unb  Serbien? 
Dung  befjarrt?  Sluguftin  antwortet  Darauf  mit  gewohnter 
33efa)eibenf>eit:  „Q£t  wiffe  eigentlich'  Darüber  gar  nia)ts  51t 
fagen,  wenn  ü)n  aber  3emanD  nötige  ba$  ©e^eimtüg  $u 
unterfud;en,  warum  ein  ßupöxcv  angcfproa)en  werbe,  wä^ 
renD  Der  anDere  falt  bleibe,  fo  wiffe  er  für  Den  Slugenblicf 
nia)t$  $u  erwiebern,  al$:  O  wela)  eine£iefe  be$9reiä> 
ipum$  je.!  oDer:  3ft  benn  ©ott  ungerecht!  ba$  fep 
ferne!''  3a)  hin  an  9#enfa);  ia)  felje  bic  £iefe  wopf, 
fann  fie  aber  niä)t  ergrünben;  ia)  erfd;rcde  bawr,  ©otteS 
©eria)te  ftnb  unbegreiflich  unb  feine  SBege  ftnb  unerforfä)* 
litt) ;  id)  bin  ein  9Jcenfa),  Du  bijt  ein  3ftenfd),  unD  aua)  3«ter 
war  ein  $?enfa) ,  Der  Dafagte:  wer  bifi  Du  Demt,  Dag  Du  mit 


267 


©Ott  redeten  wiUfl?  —  9?un  fann  man  nicpt  in  $brebe 
Stehen,  bafr  bei  ber  25efeprung  eines  GünberS  f$  bisweilen 
gan^  befonbere  gälte  ereignen  unb  fold;e  ©epeimniffe  barin 
vorfommen,  mttyt  fein  menfd>lid;er  SSerftanb  begreifen  fann. 
Die  £lu  eilen  fprub  ein  immer,  unb  wir  fepen  ipr  2öaffcr 
fliegen;  aber  wer  fennt  b(e£iefe,  a\x$  wela)er  baffelbe  per= 
vorfommt,  unb  wer  fann  feine  verborgenen  ©änge  erforfd;en? 
3n  biefem@inn  fagt  aua)  ber  (£rlöfer  ^u  9?ifobemu3 :  „Der 
Söi.nbbläfet,  wopin  er  will,  bu  poreft  fein  ©auf  en; 
aber  bu  wti$t  nia)t,  von  wannen  er  fommt  unb 
woptn  er  fähret.  Sllfo  iß  ein  3eglia)er,  ber  au# 
bem  ©eift  geboren  ifl." 

333er  will  e£  übevpaupt  bem  weifen,  peiligen  unb  güti* 
gen  ©Ott  verübeln,  wenn  @r  bisweilen  folepe  2Bege  gept, 
t>te  wir  nta)t  begreifen  tonnen;  ober  ifl  (Irr  fa)ulbig,  uns 
9flenfd)en  immer  9?eä)enfcpaft  von  feinem  £pun  unb  Waffen 
§u  geben?  (£&  ifi  beffer,  vor  ©Ott  mit  einem  reuevollen, 
bemütpigen  unb  glaubigen  ^er^en  im  (&zh?t  31t  erfa)ei* 
neu,  als  bie  liefen  feiner  SBetSpeit  mit23orwi§  unb  polier 
Stttene  ergrünben  $u  wollen.  ®$  ifi  beffer  für  feine  eigene 
grünbltrf)e  ^efeprung  ^u  forgen,  als  bie  Söege  (Sottet  an 
Slnbern  $u  beflügeln.  5) er  menfepliepe  33erftanb  fann  fta) 
bemnad;  ntct)t  in  allen  gälten  felbjl  gehörig  beurteilen;  aber 
bie  peilige  ©eprift  gibt  tpm  barüber  fo  viel  2luffa)luf?,  ba$ 
er  fta)  bamit  wopl  begnügen  fann.  ©te  fagt  beutliä),  baß 
ber  ©ünber  feine  23efeprung  allein  ber  ©nabe  ©otteS  $u 
banfen  pabe,  unb  bafc  eS  nia)t  an  bem  Collen  ober  kaufen 
tine$  $ienfa)en,  fonbern  an  ©otteS  (ürrbarmuug  liege!  @3 
fc9  bloS  ©otteS  ©abe,  baff  wir  burcp  ben  ©lauben  feiig 
werben  unb  ^temanb  fönne  fta)  beffen  rüpmen.  Dagegen 
beria)tet  fte  aber  aud),  ba§  bie  llnbefeprten  ipre  Unfeligfeit 
^iemanb,  als  fta)  felbfl  unb  iprem  Unglauben  ^ufepreiben  bürfen. 

Der  gereepte  ©Ott  verbammt  Sftemanb  opne  Urfaa)e, 
unb  er  Witt  naa)  feiner  ©üte  ben  llnbefeprten  feine  ©nabe 
mit  folgern  (£rnft  unb  in  folgern  Wlaa$c  anf  ba$  fte  babura) 
gar  wopl  ^ttr  23ufje  gelangen  fönnten.  ©obalb  fte  aber 
biefelbe  $urücf  flogen ,  fo  gefepiept  ipnen  fein  Unretipt,  wenn 


268 


©Ott  auo)  feine  ©nabe  $urficf£alt,  uttb  fte  baln'n  getmt  lägt 
tu  t^rcö  ^er^eng  ©än&T,  ba§  fte  wanbeln  nad;  ü)rem  fftafy.  — 
SOfttjn'n  ift  bte  Sonett  unb  Sötberfyenftigfett  be$  menfa)tt* 
$en  £er$en3  bte  Urfaa)e,  bajj  (Junge  nia)t  belehrt  werben, 
unb  ^war  ift  ^ter  ntajt  von  bem  natürlichen ,  angebomen 
Söiberftreben  bte  3?ebe,  wctd;ee  ftcb  bei  öden  9#eufd?en  jttt* 
btt,  fonbern  bauptfä'ä)lid)  »ort  bem  mutwilligen,  woburd; 
9J?an$e  fta)  ber  SBirfung  be$  ^eiligen  ®eifte3  wiberfe^en. 
Unb  ob  wir  gleich  W§  frei  ben  unbefebrten  Wen\d)en  nifyt 
immer  bemerlen  fönnen,  fo  wiffen  wir  boef>,  bag  @ott  bte  £er* 
gen  unb  Vieren  prüft,  ba$  (£r  ntc^t  ungerecht  tft  unb  -ftte* 
manb  serbamntt,  als  wegen  feinet  Unglauben^,  feiner  SBtber* 
f.penjn'gfeii  unb  Unbugferttgfett,  2)er  löefe^rtc  l?at  jtar  atfo 
■iftia)t6  af£  ber  ©nabe  unb  SBarmperjtgfett  beg  ^»oc^ften  $u 
rühmen,  unb  ber  Unbefe^rte  fann  ftd)  über  Wifytö  aU  über- 
feine SSiberfpenftigfeit  beftagem  Senn  wir  aua)  ni$t  immer 
wiffen,  warum  bei  Jenem  bk  ©uabenmtttet  fo  gut  anfa)fa- 
gen,  Ui  liefern  aber  niä)t,  fo  tft  un£  boc^  au3  ©ottes*  28ort 
befannt,  t>a$  ber  2ltlgütige  Reiben  bte  <Setigfeit  ernftli$ 
gönnt,  unb  aud?  ben  £e^tern  fettgmad;en  möchte,  wenn  er 
nur  bte  angebotene  ©nabe  angenommen  fmtte.  £)af>er  fot* 
len  wir  un£  an  ben  ^eiligen  unb  gerechten  ©Ott  ftetS  mit 
<£ljrfura)t  erinnern  unb  nie  bem  ©ebanfen  Stoum  geben, 
<xU.  ob  ber  liebreiche  23aier  gegen  irgenb  einen  9D?enfa)en 
feinbfelig  geftnnt  fet;e,  unb  mit  sJ)artf)eitid)feit  Sa$  SÖopI 
be3  Grtnen  verlangen  unb  bem  Untergang  be£  Slnbern  $u* 
fefjen  tonne.  (Eine  fol$e  ©eftnnung  würbe  nia)t£  als 
Unglauben,  Unjufrtebenjjeü  ober  gar  Verzweiflung  erregen; 
beim  wk  tonnten  wir  £)em  ferner  trauen,  ber  bem  größten 
Xfytii  ber  $?enfd;en  aur  ©etigt'ett  nic^t  Reifen  will.  —  2)te* 
jemgen  nun,  welche  fid)  im  ©taube  ber  ©nabe  beftnben 
unb  ber  Unreintgfeit  ber  SQ3elt  burd?  bte  ^rfenntnig  beö 
£eitanb3  3efu  Gtyrtfti  entflogen  ftnb,  t>k  23  armper^tgf  eit 
©oite3  greifen  unb  mit  jenem  Slusfäisigen  tlprem  (£rtöfer 
täglid)  su  gügen  fallen,  £)enn  tiefe  Söoljitlmt  tft  allen 
anbern  x^tit  sor$u$ief>en,  unb  fann  mit  allen  ©ä)cigen  unb 
£errftd; feiten  biefer  23elt  in  gar  feinen  $ergleiä)  fommen. 


269 

2Ber  ftd)  aber  noa)  auger  tiefem  feigen  <£tanbe  beftnbet, 
ber  erfd;rede  *or  ber  IBo6{>eit  feinet  £eqen$,  weil  er  bte 
©nabenmitiel  $ur  23uge,  bie  tpn  überall  umgeben,  bi#er 
geringgefd)ä£t  £at  m<t>  fru^tloö  an  ftd)  sorüberge^en  lieg; 
er  eile  unb  fitere  feine  8eele  31t  retten,  bamit  tyn  ntä)t, 
weil  er  ben  (Segen  unb  bie  ©nabe  serfajmäijt  $at,  ber 
glud;  unb  bie  IXngnabe  überfalle.  —  2)arau6  aber,  m& 
wir  j[e|t  über  bie  wefentlia)eu  ©tücfe  unb  über  bie 
33efa)affenfmt  ber  wahren  35u£e  fagen  wollen,  wirb 
(eta)t  su  erfepcn  fe^n,  ob  fta;  Semqnb  wa^r^aft  belehrt  Iwbe 
ober  niö)U  £>er  £err  fegne  unfere  gute  Meinung  um  3efu 
(Sl)ri|ti  willen.    Slmen. 

3(t)jpanb(ung. 

!ftad)  ben  Slusfprüc^en  ber  fmligeu  <Scf)rift  ijt  o£ne 
eine  wa^re  SBufje  feine  Vergebung  ber  ©ünben  $u  hoffen. 
$öer  alfo  bason  tterjtdjert  fe^n  will,  ber  mufi  bie  25efd;af* 
fenljett  ber  wal;ren  33uge  lennen,  unb  barin  wofjl  geübt 
fe*>n.  SQ3ir  wollen  nad)  ®otte£  SQSovt  unb  mit  feiner  £ülfe 
tiefen  ©egenftanbfobeutlid)  aU  moglia)  erflären.  £>te  waljr  e 
23ufie  ijt  eineSBeränberung  beS  fünblid)en  $erjen$ 
bura)@otte$©uabe,  ®eift  unb  2Bort  gewirft,  unb 
Befielt  in  fa)mer$lia)er  Sfteue  unb  £eib  über  unfere 
(Sünben,  aber  aua)  in  bem  Vertrauen  auf  ba$ 
SSerbtenjl  3efu  £bri(H,  au$  welchem  gleig  unb 
<£tfer  $u  einem  neuen  gottfeligen  £eben  folgt  — 
3)ura)  Uc  23ufje  ge£t  eine  Söercmberung  mit  bem  $ttenfa)en 
vor;  bennbie  ©ühbe  ifl  eine  Slbfe^rung  $on  @ott,  bie  23u§c 
aber  eine  9?ücffef)r.  loci  ber  33uge  wirb  ber  serblenbete 
SBerftonb  erleuchtet,  unb  ber  Sftenfd)  gcljt  in  fta) ;  aud)  wirb 
ber  SSille  geänbert,  fo  baff  wir  ber  ©ünbe,  an  welcher 
wir  gusor  greube  gefunben  paben,  nun  i>on  £eqen  feinb 
werben,  unb  uns  barüber  betrüben.  —  @o  Rottete  $.  $}. 
sorfjer  ber  fünbjjafie  $?enfa)  über  t>tn  @efreu$igten,  ober 
fa)ä#te  er  Sjm  ttenigftens  gering,  fobalb  er  aber  33uße  i£at, 
würbe  Scrfelbe  fein  ebelfieS  tleinob  unbfcine$£ergen$£$eü. 
Körper  {jielt  er  ein  ^eiliges  Seben  für  eine  £por$eit,  nun 


270 


aBer  üBt  er  jta)  täglich  bartn  mit  großem  gletß;  »orper 
war  er  fta)er,  baa)te  nia)t  an  ©ott,  nid)t  an  bte  ©trafen 
ber  ©ünben,  y#t  aber  füra)tet  er  fta)  vor  bem  gerechten 
3£ia)ter,  unb  ijt  voll  £raurtgfeit  üBer  fein  ©ünbenelenb*  — 
de  gept  fafi  fo  mit  bem  3Äenfa)en,  tt?te  mit  bem  wilben 
(Stamm,  ber  in  einen  ©arten  verfemt,  bort  aBgefa)nitten  unb 
mit  einem  eblen  Sfate  geimpft  wirb*  Der  ©tamm  BletBt  ber 
nämlicpe,  boa)  bie  SBeränberung  tjt  groß*  —  Der  Bußfertige 
©ünber  wirb  bura)  ©otte£  ©nabe  aug  bem  fftetcpe  be£ 
©atanS  in  ba£  $eia)  3efu  (£pri#i,  au$  ber  ©ünbe  tn  bie 
©erec^ttgfett,  au$  bem  £ob  in  baö  £eBen  verfemt,  er  wirb 
bura;  bie  @xfenntniß  ber  ©ünben  gleiä)fam  getöbtet  unb  bura) 
ben  ©lauBen  an  Gtprifhtm  leBenbig  gemalt,  baß  er  fagen 
fann:  „ify  lebe,  boa)  nun  niä)t  ta),  fonbern  (Sprt* 
fluö  leBet  tn  mir*"  —  (£ine  fola)e  SSeränberung  gefcpiepi 
alfo  nta)t  Blo£  in  Söorten  ober  ©eBerben,  fonbern  am  $tx* 
$en*  <B  iß  bem  £erm  tatest  um  ba$  2leußere,  fonbern  um 
baöSnnere  gu  tputt.  23efepret  tud)  ^u  mir,  fprtä)tber 
£err;  unb  an  einer  anbern  ©teile  \)t\$t  e$:  „Die  Opfer, 
bh  ©ott  gefallen,  finb  ein  geängjteter  ©eijt,  ein 
geängft  et  e$  unb  3  erf  a)  lagene$£  er  $  wirft  Du,  ©Ott, 
nia)t  veralten/'  —  ®a$  £er$  ifi  ber  ©i£  ber  ©ünbe, 
mithin  muß  aud)  bie  ^einjgung  Big  bapin  gelangen;  ba$£er$ 
iffc  verftnftert,  bapermuß  es  aud)  erleuchtet;  eä  ift  verpärtet, 
baper  ,muß  e£  aua)  erweicht  werben;  ber  ©atan  pat  ben 
2)?enfa)en  Bio  in  bag  3nnerj!e  feiner  ©eele  verborBen,  baper 
muß  aua)  t>k  pimmlifepe  ßraft  3efa  (grifft  von  $runb  aus 
peilen,  Darum  fagt ber  poppet:  ,,©o  wafa)e  nun  bein 
£er$  von  ber  SBoöpeit,  auf  baß  bir  geholfen 
werbe,  zerreiße  bein  ^er^,  niept  beine  Kleiber/' 
<£in  anberer  fegt  pin$u:  „2Beil  fia)  biefeä  25 olf  gu 
9JMr  napt  mit  feinem  Slttunbe,  unb  mit  feinen 
Sippen  5^ia)  eprt,  aBerfein  ^ergferne  vonWir  ift, 
fo  will  3a)  aua)  mit  bemfelBen  wunberlia)  um* 
gepen*"  —  Der  £err  verlangt,  tok  wir  fa)on  gefepen 
paBen,  bat  gan$e£er$  Bei  berjöuße;  xok  bie$  $u  verjiepen 
fep,    leprt  ber  $roppet  3evemia3  in   ben  Sorten:   Dte 


271 


fterßocfte  3uba  befe-pvt  fio)  nid)t  t#9K*  *>on  gan* 
$em  £er£en,  fonbern  jjeu^ett  nur;"  woraus  erhellt, 
bag  ®ott  $war  son  ung  feine  23uge  «erlange,  bie  in  allen  ©tütfert 
untabel^aft  tjt,  fonbern  bloS  eine  33uge  ofme  galfa)>    2)er 
bugfertige  ©ünber  muß  e3  ernftlia)  meinen,  mug  feine  ©ünben 
Bereuen  unb  Raffen,  bie  ©nabe  3^fu  (grifft  mit  eifrigem 
Verlangen  fud;en,  unb  fta)  feinem  <£rlöfer  gaitj  Eingeben» 
£)ie  ©elbflprüfnng  barf  niä)t  in  flüchtigen  ©ebanfen  befielen, 
aud)  barf  unfer  Slugenmerf  nia;t  auf  (£Jmfmm  unb  äugleia) 
auf  Un  Mammon  unb  t>k  Söelt  gerietet  fe^n*    Sttan  barf 
tton  feinen  £iebtinggfünben  nifyt  2lbfd)ieb  nehmen,   wie  son 
guten  greunben,  in  ber  Hoffnung  unb  mit  bem  2Öunfa)e,  fte  balb 
wieber  $u  fef?en,  fonbern  it)ie  von  ben  ärgften  geinben,  bte 
man  auf  ett)ig  meiben  will*  (Einige  $?enfä)en  entpalten  ftd?  son 
©ünben,  tok  bte  Traufen  t>on  fotd;en  ©peifen,  welche  iljmen 
verboten  fmb,   wcüjrenb   fte  bod)   eine  ©e|mfud)t  barna$ 
Jjabem  ßrine  fola)e  23uge  gefd)tel)t  mdjt  von  gan$em£eqen; 
benn  baffetbe  Ijangt  nodj  immer  an  ber  ©ünbe;   hei  ber 
wahren  ©inneScinberung  aber  entfagen  wir  bem  Teufel  unb 
allen  feinen  Werfen  unb  2$efen*    £>a  t>k  bugfertige  ©eete 
in  tf)rer  ©ewiffenäangft  nur  ©nabe  bei  ©Ott  unb  grieben 
in  3efu  Gljrifto  fmben  fann,  fo  gibt  fte  jta)  3f>m  aua;  gan$  pm 
Opfer  pin,  unb  wünfd)t  ffl&fyfö  anbete,  als  3!?m  tyr  Se&en* 
lang  $u  bienen  in  re$tfd)affener  ©ered)tigfeit  unb  «£>eüigfet't 
L    3u  biefer  SBeränberung  beS  £er$en3,  von  treuer 
btef>er  im  Sittgemeinen  tk  3?ebe  war,  gehört  furo  erjte  an 
Slbfepren  von  ber  ©ünbe  ober  cm  Ijerstidje  Sfteue  unb 
IBetrübnig  über  biefelbe,  bann  aua)  eine  Sftücffeljr  $u  ©ott 
unb  ber  waljre  ©taube  an  Sefum  Gfmftum,  ojme  welken 
Dftemanb  $um  SSater  gelangen  fann.  —  £)ie  dlmt  entfielt 
aus  bem  ©efe$  ©otteS,  wetajeS  gleidjfam  feine  Donner* 
jftmme  tft,  woburd;  (£r  tk  garten  J&eqen  erfa)üttert  unb  bie 
fta)ern  2D?enfa)en  aufweeft*     baffelbe  altifyt  einem  ©ptegel, 
wetdjer  nia)t  bloS  unfern  äugeren  3uftanb  barpellt,  fonbern 
aud)  bie  $eftt)affen£  eit  ber  ©eele  offenbart     ©aö  ©efe$ 
madjt  aufmerffam  auf  bie  (£rbfünbe  mit  allen  ijjren  böfen 
grüßten,  offenbart  bie  Ungnabe  ©otteS  unb  überzeugt  ben 


212 


fDtatfdjen,  t>a$  er  biefelbe  »erbten*  bafce;  es  erfüllt  t|>n  üBeval£ 
mit  SXngfl  unb  ©greifen,  "baß  er  ftä)  rttc^t  su  Reifen  weiß,  an 
fiel)  felbft  »er^wetfeli  unb  nid)t3  als  bte  ewige  SBerbantmntg 
»or  klugen  fiept  —  %u$  bent  ©efeß  fommt  ßrrfennt* 
ni§  ber  6ünbe,  unb  bieg  tft  bte  erfte  ©tufe  ber  ©eltgfeit 
naa;  ber  Drbnung,  bte  @ott  »orgefcprteben  pat*  2)ie  @r* 
fenntntg  ber  ©ünbe  tft  aber  fein  bloßes  Söijfen,  fonbem  eine 
Dffenbarung  berfelben  unb  ein  (£mpftnben  ber  göttlichen  Un* 
gnabe  im  £er$en,  wobura)  ber  Sftenfcf)  Ue  ©ünbe  erft  al$ 
©ünbe  füllen  lernt  2BaS  ipm  $m>or  eine  £ujt  war,  wirb 
tpm  nun  %ux  £ajt;  was  ipm  emegreube  .war,  wirb  tönt  ein 
(Sreuel,  \m$  if>m  $u»or  fo  feto)*  friert,  ba$  wirb  tjjm  pr 
unerträglichen  33ürbe,  2)er  ©ünber  jtef»t  ein,  %>a$  fein 
fä)limmer  3ujianb  eine  geinbfd;aft  gegen  ®ott  fep,  unb  i>a$  er 
benfelben  nia)t  für  fo  gering  palten  bürfe,  wie  er  fidj  früher 
»orgeftetlt  fyahe;  benn  er  fei;  in  Ue  23anbe  beS  (Satans  »er* 
jfrtcft  unb  »erbtene  ©otieS  seitliche  unb  ewige  (Strafe*  — 
©obalb  btefe  (Erfenntniß  gehörig  burd)gebrungen  iff,  fo  ent* 
ftept  barauS,  wie  ftü)  leicht  benfen  läßt,  eine  große  ©eclen* 
dngft  ©Ieia)wie  baS  ®ift,  baS  ber  SDknfä)  unwijfenb  genojfen 
fjat,  eine  große  SSeränberung  in  bent  Körper  hervorbringt, 
wenn  e$  ju  wirfen  anfängt,  fo  gept  eS  mit  ber  ©ünbe, 
fobalb  biefelbe  im  «Jpeqen  rege  wirb*  ©ie  wirft  aber  ftärfer 
aU  baS  natürliche  ©ift  auf  ben  äußeren  $?enftt;en;  fcemt 
fte  burd)bringt,  xoie  ein  »er^eprenbes  geuer,  SOlarf  unb 
SBein,  ©eeleunb  ©etft,  greift  ben  inneren  unb  ben  äußeren 
9ftenfa)en  anf  gerfmrfc^t  unb  ^erfdrtägt  fein  £er^  £al)er 
$eißt  e$  in  ben  23ußpfalmen:  „Steine  ©eftalt  tft  »er* 
fallen  »or  Stativen  unb  ift  alt  geworben  ic,  t>ie 
Slngfi  meinet  ^er^enS  ift  groß;  ba  tu)  e£  *>erfa)wei* 
gen  wollte,  »erfcimacpteten  meine  ©ebeine;  benn 
2)etne  £anb  war  Sag  unb  9?ad;t  fcpwer  auf  mir2c, 
<£$  tfi  nid;t3  ©efunbeS  an  meinem  Zeihe  »or 
deinem  Tropen  unb  tft  feingriebe  in  meinen  ©e* 
Beinen  »or  meiner  ©ünbe;  benn  meine  ©ünben 
gepen  über  mein  ^aupt,  wie  eine  fdjwere  £ajt 
finb  fte  mir  gu  fa)wer  geworben.    Wiein  $ex&  ifi 


273 


aerfcfyt'agen  unb  serborben  wte©ra$,  baß  ta)  *otx* 
gcffc,  mein  33 rot»  au  effen/'  —  Diefe  ©ewiffenänotfj 
ift  awar  nid;t  gleia;  bei  alten  bußfertigen;  benn  bte  £anb 
beg  Mweifen  fübrt  ben  £eibenebed)er,  unb  fa)enft  einem 
3eben  ein,  wie  @x  Witt»  2)oa)  muß  ein  3eber,  ber  grünbfta) 
befei?rt  werben  fotf,  etwa3  baoon  foften;  baS  fünbiidje  £er$ 
muß  aerfdtfagen  werben,  e^e  e$  be$  großes,  be$  tätige* 
Kumä  fäjng  tjt,  —  e£  muß  jiterji  wiffen,  wa$  ©ünbe  unb 
ber  3orn  ©otte£  ift,  epe  e£  ber  ©nabe  ©otteg  in  Gtfmjfo 
r>erfta)ert  wirb,  —  e3  muß  ^uerffc  erfahren,  welchen  Jammer 
e3  bringt,  ten  £erm  feinen  ©Ott  3U  seriaffen,  e£e  e$ 
untcv  bem  $reu$e  %e\u  (grifft  sftujje  fxnbet  9htr  in  bie 
gerbroajenen  £er3en  gießt  ©Ott  ben  23atfam  feiner  ©nabe; 
anbere  gfüffigfeiten  »erlangen  ganje,  ba$  SBlut  3efu  (grifft 
aber  mtt  verbrochene  ©efäße  f?aben,  mnn  e$  barin  hkihm 
fotL  Darum  fmbei  man  feinen  befe^rten  @ünber,  ber  nichts 
von  ber  @eelenangft  $u  fagen  voü$ie,  bk  er  M  ber  GErfenntniß 
feiner  ©ünben  empfunben  f>ai  3a,  aua)  bie  gottfefigen  £eraen 
empftnben  noa)  bei  iprer  33uße,  bie  wegen  ber  noa)  übrigen 
@d;waa)^eit^fünben  täglia)  auf  3  5^eue  notljig  ifi,  eine  J)era* 
(ia)e  Üteue,  unb  felmt  ba$  Reiben  ij?re£  #eitanbe$  mit 
blutenbem  £er$en  an.  <3ie  muffen  oft  i>k  23itterfeit  ber 
(Sünbe  fa)meden,  bamit  ilmen  bie  ©nabe  ©otie£  in  (Sfm'jio 
befto  angenehmer  fep,  wie  viel  rne^r  btefenigen,  wdd)^ 
naa)  einem  langen  böfen  £eben  bura)  ©otte3  ©nabe  erfi 
gur  23uße  gebracht  werben* 

Darauf  folgt  hä  bem  bußfertigen  ©ünber  1)  eine  fjeilige 
<Sa;aam,  baß  er  fta)  v>or  ©oft  unb  feinen  (umgeht  fa)ämr, 
unb  fta)  fa)eut,  feine  klugen  3um  £immel  aufgeben»  dv 
fpria)t  ^u  fta;  felbft:  ia)  unbanfbarer,  goitlofer  SDfenfa),  ta) 
bin  m'a)i  wertp,  baß  mia)  bie  ©omte  anfd;einen  unb  bie 
(Erbe  tragen  fotf,  weil"  ta)  fo  lange  Eingegangen  bin  unb 
meinen  (Schöpfer  unb  (Erlöfer  fo  fa)änblia)  sergeffen  Ijabe. 
3a)  bin  ein  ßfjrift,  bin  mit  bem  teuren  $3iut  be$  ©opneS 
©otteg  erfauft,  unb  %aU  baffelbe  »erachtet  unb  gteia)fam 
mit  güßen  getreten*  Söarum  f>at  mia;  bie  (Erbe  nia)t  fa)on 
Cängft  serfa)tungen,  ijt  e$  fein  Sunber,  ba$  ber  langmütige 

6ctiöer'§  6eelenfc^a&.  18 


IU 


©btfc  mia)  unbanfbaren,  gottlofeti  Steffen  fo  lange  ge* . 
bulbet  fjat?  3$  Hu  ntcf)t  wertjj,  bag  ic^>  ein  Gtyrtft  petgen 
unb  tn  kr  ©enteinfa)aft  ber  finber  @otte£  (eben  foll! 
SSenn  fte  mia)  rec^t  lernten  würben,  Ratten  fte  Urfaa)e,  mic^ 
#u  *>erad)ten  unb  $on  ber  ©enteinbe  ©otteö  au^uflopen  :c* 
3n  biefem  ©üme  fpria)t  ©Ott  aud)  bei  GE^teh  ,,3a)  will 
meinen  35unb  mit  2)tr  lieber  aufrichten,  ba 
wirft  bu  an  betne  2öege  benfen,  unb  bid)  fd;ämen, 
$)ie  Uebrigen  werben  an$Hd)  benfen,  wenn  3$ 
ifyx  serborbene3  £>er$  3erfa)lagen  j?abe,  unb  i£re 
© o^5> et t  wirb  fte  gereuen- wegen  alter  ©reuel, 
bte  fte  begangen  paben*"  Sluf  gleite  2Betfe  betet  aua) 
@fra:  „9)cetn  ©Ott,  ia)  fd)cime  mia),  unb  fa)eue  mid) 
meine  Singen  aufgeben  $u  2) fr;  benn  unfere 
$Hffet{?at  ift  über  unfer  Spaupt  ge waa)fen,  unb 
unfere  ©a)ulb  ift  grof?  hi$  in  ben  £immel."  Unb 
Hantel:  „2)u  £>err  bijl  gerea)t,  wir  aber  muffen 
unö  fa)ämen/'  2lua)  unfer  Spälanb  Unkt  barauf  pm, 
wenn  (£r  ben  »ertönten.  ©o£n  fagen  lägt:  „$ater,  ta) 
£abe  gefünbigt  im  Fimmel  unb  x>or  £>ir,  ia)  bin 
|>infort  nid)t  wertp,  ba$  id)  £)cin  ©ol)n  fjeiße/' 
2)  2Öie  bemnaa)  ein  bußfertige^  £er$  3D?t§faKen  an 
fta)  felfcji  £at,  fo  fmbet  e$  auf  ber  anbern  ©eite  ein  2So£lge* 
faden  an^ feinen  ©c^nter^en,  an '@otle3  ®erta)t  unb  ben 
©trafen,  womit  es  um  feiner  Sffttffctljat  willen  lmmgefua)t 
wirb»  2)a  l)t\$i  e3:  ,,3a)  ttiH  be£  $errn  3<>rn 
tragen;  ^^nn  ia)  frafce  wiber  3£n  gefünbigt,  .20  ir, 
wir  l?aben  gefünbigt,  unb  finb  ungeljorfam  ge* 
wefen,  barum  baft  bu  un£  billig  nia)t  *>erfa)ont/' 
(g$  fpria)t  bie  geängjkte  6eele  oft  Ui  fta)  felbfh  ^eajt  fo, 
mein  ©Ott!  £aß  mein  gottlofe^  £er$  nur  ^arren,  lag  eg 
erfahren,  wa$  bte  ©ünbe  $',  bie  e3  bi^er  fo  fe£r  geliebt 
£at*  3^rfa)lage,  gerreife,  zermalme  es,  e3  l?at  biefe3  mit 
feiner  33oSl)eü  wobl  »erbient!  2la),  baß  meine  klugen  Xfyxa* 
nenquellen  waren,  baf?  ia)  £ag  unb  9cad)t  meine  ©ünben 
beweinen  möa)te !  ?c*  SÖeil  eine  foid)e  ©eele  ben  ©reuel 
ifjrer  ©ünben  ftejjt  unb  fta)  felbft  ber  mi^m  Skrbammnig 


275 


für  fd;ulbtg  erfennt,  fo  J?ält  fte  Mc$,  xoa$  fte  leibet,  für 
$u  wenig,  nia)t  aU  ob  fte  mit  iprem  Reiben  für  bie  ©ünben 
tügen  wollte,  ttielmejn*  ftnbet  fte  an  benfelben  ein  ernfllicfycS 
SDcigfatlem  darüber  ftnbet  ftd;  im  brüten  23ucr)  $cojtg  ein 
merfwürbtger  ©prud;,  mit  einer  gleich  merfwürbtgen  örrflärung 
von  £utf)er:  „2öenn  ft$,  fprid)t  ber  £err,  ttjr  unbe* 
fctjnitteneS  ^er^  bemüijjtgen  wirb  unb  fte  ftcfj  bte 
©trafen  i^rer  Ungerechtigkeit  gefallen  laffen,  fo 
werbe  3$  an  meinen  23unb  benfem"  £utl>er  fe£t 
inn^u:  „©leidjwie  fte  £uft  an  ü;ren  ©ünben  nnb  Unlujt  an 
meinen  9ted?ten  fjatten,  ebenfo  werben  fte  wieber  £uft  nnb 
©efallen  fmben  an  ber  ©träfe,  nnb  fagen:  „21a;,  wie  rea;t 
tjttmö  gefd)e£en;  ba3  fyaben  wir  nnn  sunt  Rani  für  nnfere 
tterwünfa)ten  ©ünben;  o  red;t,  Heber  ©ott!"  —  £)aS  ftnb 
©ebanfen  unb  SBorte  einer  wa^rpaft  bugfertigen  ©eele,  bte 
fta;  felbjt  an£  ^er^enSgrunb  Raffen  lernt*  £>arau$  ftefjt 
man  aua;,  warum  bte  d;riftlid>e  ®ixfye  in  tprem  fronen 
söuglteb  fingt: 

©ölte  ja  fo  feipn,  ©a$  ©traf  unb  fän  Stuf  ©ünben 
folgen  muffen,  ©o  fa$r  luer  fort,  Unb  fd?one  bort,  Unb  laf 
mi0  Jjter  ioo^I  büfen. 

2)ie  rechtgläubige  ®ira;e  will  feine$weg3  felbjt  für  t^re 
©ünben  bügen,  weil  fte  wopl  weif?,  bafj  biefe$  allein 
beut  £erm  3efu  unb  feinem  53erbtenfte  ^u!cmmt;  aber  fte 
lägt  ftd;  bte  $äterlid;e  3üd;tigung  ®otte£,  womit  fte  jjeim* 
gefud;t  wirb,  Wohlgefallen  unb  ift  bereit,  biefelbe  willig  31t 
erbulben,  weif  fte  ftd;  fa)utbig  füjjlt,  bte  ewige  ©träfe  »er* 
$tent  ^u  jmbem  —  Wlan  lann  jeboa)  He  wapre  diene  über 
bte  ©ünben  unb  hau  ^erfdjlagene  Spev$  ber  ausfertigen  ntc^t 
woJ?f  gau$  mit  ^Sorten  befa)reibem  —  2)ie  (£rfajjrung  leljrt 
am  bereit,  toa$  bie  2lu0fyrüa)e  ber  ©a)rift  enthalten,  unb 
wag  ^ur  göttlichen  £raurigfett  gehört  £>ie  wa£re 
diene  ift,  fo  ju  fagen,  ein  ©ernifa;  von  ©orgen,  betrüb- 
mg,  gurcbt,  SIngft,  ©a)recfen,  £ag,  <£ifer,  ©djaam,  fffc. 
mutfy,  3vt>eifet  unb  Hoffnung*  gh'efe  ©emüt^bewegungen 
laffen  ftd;  ^war  nennen  uub  bura)  SBorte  unter f Reiben,  ber 
Zfyat  nac^  aber  ge£en  fte  wunberbar  burdjeinanber.    ©ie 

18* 


276 


Setgen  jtd;  aufy  äugerlio)  bura)  traurige  ©eberben,  Etagen, 
6eufter  unb  Streuten,  nur  bei  einem  3eben  lieber  auf 
anbere  Söeife,  £)te  SD^etflen  tjaben  leine  9?u^e ;  fte  ne£en 
tyx  £ager  mit  Strebten,  enthalten  fta)  $on  aller  weltlichen 
©efetlfa)afi,  verfd) tiefen  fta)  in  (Ijr  fämmertem,  liegen  auf 
tpren  ^nieen,  cbcr  im  <Btcmb  unb  in  ber  2lfa)e,  fte  ver* 
geffen  oft  tyx  23rcb  ^u  effen,  unb  plagen  fta)  überall  mit 
traurigen  ©cbanfen;  fie  roenbeu  unb  frümmen  fta)  gleia)fam 
toie  ein  SQßurm  wor  ben  gügen  be£  grcgen  ©otteg,  x>tx* 
roünfa)en  alle  fmtbtia)e  £uft  unb  befennen,  $>a$  jte  nia)tö 
aU  ©oiteö  3orn  unb  ttngnabe  »erbient  f>aben,  unb  bag 
ifmen  nia)t  Unrecht  gcfa)ej?en  ttmre,  wenn  GEr  fte  fa)on  tctngß 
in  Ut  £>Me  »evftofjett  tjätte  jc*  £>iefe  £raurtgfeit  n>ä^rt 
Bei  (Jinigen  langer  til$  M  btn  Zubern,  je  nad)  bem  ©ut* 
beftnben  be3  getreuen  ©otte*?,  ber  -ftiemanb  über 
Vermögen  $erftta)t  derben  läffet*  £>oa)  bte  wapr* 
$saft  ausfertigen  fcnnen  wcber  t^re  <Sünben,  nod)  tyxt  ©e? 
u>iffensangjt  geiilcbenä  wergeffen;  bemt,  ob  fte  gleia)  £roj* 
unb  dinfyz  für  t^rc  ©eete  gefimben  paben,  naa)bem  fte  ü)re 
3ufln$t  3U  bem  ©efreu^tgten  genommen,  fo  gefa)tef>t  e$ 
t>oä)  bura)  weiterliefe  3wlctffung  ©otle£,  $>a$  ifyntn  ber  ©atan 
pte  unb  ba  ipre  vorigen  ©unten  vorwirft,  unb  ipr  ^eq 
erfa)redt-  £>iep  51lle^  aber  foll  au  iijrem  heften  bienen,  fte 
in  ber  Scrnutl?  erhalten  unb  nötigen,  ba$  fte  ftd;  immer 
mej>r  an  3efum  (Sjmfhtm  aufstiegen,  fta)  an3  feinen  2öun* 
ben  jlärfen,  ij)re£  (BianUnö  leben  unb  %fyn  bejio  brünjliger 
lieben,  darüber  fpeiter  noa)  2P?el?rere^  3a)  ttmnfa)e  nur 
son  ©runb  meinet  £eqen3,  bag  alte  bie,  «)eta)e  jta)  wen 
i^rem  £aufbunb  entfernt  |>aben  unb  ein  fünbtidjeg  &Un 
führen,  eine  waf^re  3?eue  in  ijjrem  3nnern  empftnben 
motten,  wenn  fte  tiefet  lefen*  2ta),  mein  ©Ott,  serfd)lage 
unb  aer!nirfa)e  alle  garten  ^er^en  bura)  t>te  $?aa)t  £)eine£ 
Sorten,  tag  fte  inne  werben,  weta)1  ein  ©reuet  bie  <5ünbe 
iß,  bamit  jte  genötpigt  derben,  in  deinen  ©djoog  unb  $u 
bem  ^reu^e  £)eine$  @opne3  $u  fliegen }  unb  ©eine  feiig* 
mad;enbe  ©nate  in  fua)en, 

IL  Sir  fommen  nun  $u  bem' feiten  T^\\  ber  wapren 


277 


Söufje,  nmiid)  $u  bem  ©lauften  au  3efum  d p r t fi u tu, 
welken  unS  ©Ott  zum  ©nabenfiuj?!  in  feinem  ©tute  sorge* 
flettt  £&*♦  2)ag  aua)  ber  (Staube  ba$u  gehöre,  wirb  wo£t 
fein  (£fmft,  ber  gefjorfam  gegen  ©otietf  SSort  unb  tton 
feinem  Vorurteil  eingenommen  ijl,  m  3^etfet  zteljem  £)te 
33uße  ift  zwar  ba£  Mittel,  wobura)  toir  ©oites  ©nabe, 
Vergebung  ber  ©ünben  unb  bie  ewige  ©ettgfeit  erlangen; 
altein  biefe  ©aben  fann  man  burd)  bloße  9?eue  nia)t  erljatten  — 
benn  aud)  3uba3  unb  anbere  ©ünber  geigten  in  tfjrer 
Verzweiflung  S^eue  unb  &i$>  über  ijfre  ©ünben  unb  fanben 
boa)  feinen  Profit  für  tjjre  Seele*  £)afjer  muß  notljwenbtg 
ber  ©taube  ba^tt  fommen,  weta)en  lauter  ben  fügen  3uto, 
Su#er  aber,  nad)  ber  S^rffi,  bte  (Beete  ber  wahren 
©uge  genannt  fyat  Unb  was  fann  fonji  bte  SBunben  be£ 
©ewiffenS  unb  bie  ©dmterzen  ber  <5eele  finbern  unb  peilen, 
aU  bte  ©nabe  C^otte^  unb  t>k  Zieht  3efu  CtjmfH,  ber  uns? 
hi$  in  ben  £ob  geliebt  fjat?  2öa3  für  ein  anbereS  Mittel 
gibt  c$,  biefelbe  zu  ergreifen,  aU  btn  ©tauben?  £)eßwegen 
fiept  in  ber  ^eiligen  @a)rift  neben  ber  9?eue  unb  ©tnneg* 
änberung  gar  oft  aud)  ber  (Staubt,  ©er  Anfang  ber  $rebtgt 
3efu  wart  „&put  S3ufüe  unb  glaubet  an  ba3  (£t>an- 
geltum/'  Unb  fein  2tyofiet  fprtdjt:  „3$  pabe  ht^tn^t, 
ben  3uben  unb  t>en  Sptiben,  bie  ©uge  sor  ©Ott 
unb  t>tn  ©tauben  an  i^nfern  fytxvn  3efum  gpri* 
ßum/'  £>ieß  tß  nun  fo  $u  tterjtepen:  Dbgteid)  bte  Sfteue 
unb  ©etrübnig  ber  (Seele  an  ftd)  ttn  ©tauben  nia)t  pewor* 
bringt,  and)  bie  Vergebung  ber  (Sünben  md)t  serbtent,  fo 
verlangt  fte  bod)  ©Ott  aU  bittet,  wobura)  ba$  S?cx%  zum 
©tauben  Uxtikt  wirb,  baß  e£  ftd)  naa)  @otte$  £ütfe  fefimt  — 
SSenn  bie  betrübte  @eete  in  iljrer  5lngft  ftd)  $or  ©ott  be* 
mütjngt  unb  mit  ber  Verzweiflung  ringt,  fo  erbarmt  fta; 
ber  ttebreta)e  ©Ott  über  fte  unb  lägt  wieber  einen  ©naben- 
btict  in  tpr  #erz  fallen,  3n  biefer  51ng(i  tft  biefelbe  red)t 
etgentttd)  wie  einji  ba$  Votf  Sfvael,  wetd)e$  hinter  fta; 
ben  $parao  mit  feinem  £eer,  unb  $or  fta;  ba6  braufenbe 
Stteer  patte*  <5ie  pat  pinter  ftd)  ben  ©atan,  unb  bie  £otfe 
vor  fta) :  —  "ok  £iefe  tprer  ©ünben,  wte  aua)  bte  Ungnabe 


278 


©otteS;  auf  betben  ©eiten.  aber  ©d;reden,  3lngft  unb 
9cotf^  2)a  wenbet  ftdj  ©ott  in  ©naben  $u  if?r,  unb 
fprtc^t  tyv  freunblta)  ^u:  „güra)te  bid)  ntd)t!  ©o 
wapr  itt)  lebe,  idj  will  nidjt  ben  £ob  be3.©ün* 
berS,  fonbern  bajTer  ftd)  befefjre  unb  lebe*"  ©ie 
erMicft  ©ott,  al6  wollte  @r  gleid)fam  vorübergehen,  unb 
ruft  3^m  nad):  „£err,  £>err,  ©ott,  gnäbig  unb 
barm^er^ig,  unb  gebulbig  unb  von  großer  £reue, 
ber  Qu  beweifeß  ©nabe  bi$  tn'ö  taufenbfte  ©Heb, 
unb  v  e  r  g  i  b  fi  9tt  t  f  f  e  t  £  a  t ,  lieber  tretung 
unb  ©ünbe!"  SSon  ferne  prt  fte  tjjren  drlöfer  ru* 
fett:  „kommet  £er  $u  mir  2Ule,  tt e  t J> r  müb* 
feltg  unb  betaben  fepb,  3$  will  eud;  erquiden, 
bei  5D?ir  werbet  tpr  Dxujje  finben  für  eure  ©ee* 
Ken!7'  Unb  fte  antwortet  mit  ©euftett:  £)a$  ift  t>k  ©timme 
meinet  greunbes,  meines  GErlöferg !  5la)  £err  3efu!  ia) 
fomme  betrübt  unb  mit  vielen  ©ünben  belaben,  erquide 
mid)!  Sla),  laß  mia)  Dlttje  bei  £ir  ftnben! 

D  3efu  »otter  ©nabM  2fuf  beut  ©ebot  unb  Sftail)  Äommi 
mein  betrübt  ©einübe  3u  betner  grofen  @üte;  ?of  bu  auf 
mein  ©enuffen     (£tn  ®nafcen*£rö>f(etn  fliegen ! 

£ier  ijt  aber  nid)t  gu  überfein,  bafj  von  einem  20?en* 
fa)en  bie  9?ebe  ijt,  ber  in  feiner  ^inbpeit  burd)  bie  IjeÜige 
£aufe  in  ben  23unb  mit  ©ott  getreten  ift,  unb  t>k  £e|?re 
be$  <£vangeiium3  von  3efc  G^rifto,  bem  £ei!anb  ber  Seit, 
fennt,  aud)  au$  feinem  (£ated)t£mu3  $u  fagen  mi$:  „3$ 
glaube,  bafj  3efuS  GtyrtjhtS,  wahrer  ©ott  unb  $?enfd;, 
und;  armen,  verlornen  unb  verbammten  SDfenfdjen  erlöfet 
£at  von  attttt  ©ünben,  vom  £obe  uvti  von  ber  ©ewait 
be3  Teufels,  nid;t  mit  ©01b  ober  ©Über,  fonbern  mit  feinem 
^eiligen  feuern  23htt  unb  unfc^ulbigem  Reiben  unb  Sterben, 
auf  i>a$  \§  ©ein  eigen  fe$  rtJ*  2)tefe  Sorte  maa)t  ber  £et* 
(ige  ©eijt  lebenbig  nnh  fräftig  in  bem  £eqen  be3  2ftenfa)en 
unb  fte  werben  ü)m,  ob  er  fte  gleid;  vorder,  e^e  er  %uv 
(Erfcnntnig  feiner  ©ünben  fam,  fefjr  oft  gehört,  aber  nia)t 
geachtet  unb  an^  feinen  -ftugeu  bavon  gehabt  I?ai,  nun  $u 
einem  £immlifa)en  SD?anna ,   $u  einem  SBaffam ,   ber  feine 


279 


©ojmer^en  linbert  unb  feine  Söunben  peilt.  SDa  wirb  ber 
Sttenfo)  innc,  wa$  3)oyib  gefagi  pat:  „©ein  So  ort  if* 
mir  liebet*,  al3  x> £ e I  taufenb  ©tücf  ($olb  unb 
©über*"  3a  ber  bußfertige  unb  Sftcbergebeugte  würbe 
ben  einzigen  ©prua;  ber  ©d)rift:  „2)äi  i-fj  je  gewiftlicty 
wapr  unb  ein  tpeuer  wertpe£  SQSort,  ba§  3efu$ 
dprifxuö  in  bie  Sßeft  gefommen  ijt,  bie  ©ünber 
feiig  $u  madjen,"  fammt  bem  £rojt,  tm  er  barau£ 
fa)öpft,  niept  um  alle  (Mter  ber  Sößelt  sertaufepen«  (£r 
würbe  fagen:  „28eg  mit  btefem  Mammon,  er  fann 
meinem  Betrübten  ^er^en  boa)  feine  9?upe  fepafen!"—  23ei 
biefer  (Megenpeit  erinnere  i^>  mich  auc^  an  eine  ^erfon, 
bie  in  iprer  graurigfeit  ki  mir  £roft  gefugt  pat;  unb  will 
ben  Hergang  ttm$  näper  er^dplen*  Sie  fromme  grau 
eine^  alten  ©d;utlcprer£  mugte  nämlid;  täglia)  mit  2lrmutp 
unb  -iftotp  ringen,  weil  leiber  bie  £eprer  feiten  na$  ®ebüpr 
belohnt  ftnb*  ©ie  fyattt  ipre  betagte  gottfelige  Butter  Ui 
fta),  welcher  fte  $war  fümmerttep,  boep  willig  Unterpalt  gab, 
weil  biefelbe  2llter6  palber  nieptg  mepr  tterbienen  fonnte*  ©ö 
oft  jta)  nun  in  ber  £au6paltung  ttm$  ereignete,  wollte 
biefe,  naep  ber  2Seife  ber  alten  $tutt ,  2lüY3  wiffen  unb  m 
2llle3  rebem  £>ie  £ocpter,  bie  opnepin  burd)  ©orgen  -x>tel 
geplagt  war,  gab  ipr  manchmal  gan$  fur^e  unb  unfreunb* 
lic^e  antworten*  Sie  9llte  würbe  plö^lid)  franf  unb 
jkrb.  liefen  gall  benü^te  ber  <Batanf  um  bie  fepon  t>orper 
betrübt?  ©eele  noep  mepr  $u  betrüben;  er  braute  fte  auf 
t>en  ©ebanfen:  fte  l)abe  ftep  an  iprer  Butter  fdjwer  *oer* 
fünbigt,  mil  fte  ipr  manchmal  fo  fuqe.  unb  parte  antworten 
gegeben  pabe»  ©iepe,  fo  gab  er  ipr  ein:  nun  iß  beine 
Butter  bapin,  bie  bu  fo  oft  unfreunblta)  abgewtefen  paß;  fte 
fiept  *>or  ©otte£  2lngeftcptuub  f  lagt  über  biep;  alle  ipregepeimen 
©eufter  werben  nun  über  biep  fommen  ic.  darüber  gerietp 
bie  gute  grau  in  eine  folepe  £raurigfeit,  bafi?  fte  jta)  uia)t 
mepr  gu  pelfen  m$te;  fte  tarn  mit  gan$  ^erftortem  @ejtä)i 
SU  mir  unb  rief  laut;  £abt  ipr  nun  grojt,  fo  tröftet  miep,  \t$t 
ijtee^cotp.  3d;' antwortete:  2Öir  paben  £rojt  bie  gütle  x>cn 
bem  ®ott  atteS  £vo)le$,  raffet  miep  nur  @uer  anliegen  wiffen* 
HB  {te  mir  felcpeS  er^äplt  parte,  unterpieli  icp  mtep  bei 


280 


anbetraft  ©tunben  mit  ij?r;  allein  e3  wollte  nifytö  Reifem 
<£nblia)  fpraa)  id)  il?r  ben  ©prud;  *>or:  „Db  Semanb 
fünbiget,  fo  fyaben  wir  einen  gürfpredjer  bei 
bem  SBater,  3efum(£fmftum,  ber  gerecht  tfl,  unb 
btefer  ifl  bie '  SBerfo^nung  für  unfere  ©ünbe, 
nta)t  aüetn  aber  für  bte  unfere,  fonbern  au$ 
für  bte  t>er  ganzen  2Öeft"  £aburd;  gewann  ba3  geäng* 
ffcete  £>er3  wteber  Sroft  unb  ^uf^e*  £),  wie  Iteblid;  war  tf?r  ber 
©prua),  wie  oft  wteber^olte  fte  tljn,  mlfy  ein  £abfal  war 
er  für  ipre  klammerte  ©eele!  ©efjet,  fo  geljt  e3  mit  bem 
ausfertigen ,  welker  in  f a; wer e1  ©unb ett  gefallen  tjt,  unb 
alle  Urfad)e  $at,  ft$  barüber  $u  betrüben.  —  Riebet  ijl 
aber  $u  bemerfen,  bag  man  M  ber  wahren  33uge  eigentlich 
nidjt  fagen  fann,  wie  lange  bie  ffteue  unb  23etrübntg  wäfjrt, 
unb  wann  ber  ©laube  bem  ^er^en  aufgebt.  £)enn  obgleid; 
23eibe  gan$  wrfdn'eben  ftnb,  inbem  jene  au$  bem  @efe£, 
biefer  aber  au$  bem  (£ttangelium  cntßejjt,  fo  ftnb  fte  boa; 
im  $ex%en  ber  ausfertigen  gleia)fam  vermengt;  ba  ift  gura)t 
unb  Hoffnung  hei  einanber,  $lage  über  bte  ©ünbe  unb  ba$ 
Verlangen  naa)  ©nabe,  U$  bag  ©ott  feine  ©nabenfonne 
söttig  fa)einen  lägt  unb  bte  geängjlete  ©eele  mit  greube 
überfcpttet  $tu&)  £uil)er  betätigt  bieg  unb  fagt  wie  2)a$ib: 
„  2>  e  r  £>  e  r  r  j>  a  t  ©efallen  an  benen,  bie  3  £  k 
fürd;ten  unb  auf  feine  ©üte  fjoffen."  2Bag  ift, 
fagt  er,  einanber  mepr  entgegen,  <Xi$  fta;  fürchten  x>vv  ©otte3 
3orn  unb  bod)  auf  feine  33arm£er$igfeit  poffen?  2)a3  (£rfte 
i(l  bie  gölte,  ba6  zweite  ber  £immel,  unb  bod)  muffen  fte  in 
(£inem  £eqett  beifammen  fe^n*  &  iß  alfo  gewig,  baf?  ber 
©laube  fd;on  ba  iß  unb  al3  ein  2>od)i  %u  glimmen  beginnt, 
fobalb  baS  Verlangen  nad)  3efu  unb  bie  Hoffnung  ber 
©nabe  jta)  setgt  dx  beginnt,  trog  fetner  ©a)wad;f>ett/  mit 
einer  verborgenen  $raft  $u  ringen  mit  ben  (Bünben  unb  bem 
©atan  bi$  er  bura)  £f>rifhtm  übexmnbet  xnxb  ben  ©ieg 
behält  — 

III.  2lu$  ber  wahren  35uj5e  entfielt  aud;  ber  neue 
©eporfam  ober  ber  evnftlia;e  $orfa#,  ©Ott  fein  £ebenlang 
SU  bienen  in  £eiltg?eit  unb  ©erea)tigfeü,    ©obalb  nemlia) 


281 


bie  bußfertige  Seele  Bei  ber  ©eteübnifi  über  tprc  ©ünben 
tmte  wirb,  wela)e3  @tfi  barm  verborgen  tjl,  wenn  fte  gleich* 
fam  #öllenangjt  empfunben  £at,  fo  fagi  fte  $u  fta)  felbjt: 
9$  will  mia)  ^eitleben^  vor  fold)er  23eirübniß  bitten, 
®ie  Erfahrung  le^rt  ja,  bag  bem  sJftcnfa)en  geitfebenS  "cor 
ber  (Speife  edelt,  an  wela)er  er  franf  geworben  tff.  2)a£er 
£at  aua)  ber  ©unfertige  einen  Hbfa)eu  an  allen  ©ünbea 
unb  fpric^t,  wenn  er  an  ©otte3  3orn  benft,  mit  ^)at> tt> : 
;/3a)  fitra)te  mia)  vor  2)tr,  baß  mir  bie  £auf 
fd)aubert  unb  entfe^e  mid)  vor  deiner  ^ec^ten." 
<£r  entfc^Xtegt  fta)  alfo  mit  bem  gerechten  imb  peiligen  ©ott, 
nimmer  im  Unfrieben  311  leben»  SB  eil  aber  biefer  5$orfa£ 
an$  ber  9?eue  entfpringt,  unb  bem  fünblia)en  $ev$n  bura) 
be$  @efe£e$  3wang  gieia)fam  abgenötigt  wirb,  fo  würbe 
er  wegen  ber  @xbfünbe,  bie  aua)  in  ben  SBiebergcbornen 
noa)  %uxMbläht,  fepr  unbeftänbig  fei;:t,  mnn  nid)t  ber 
(Glaube  ba$u  fäme,  ber  nia)t  adein  'cm  guten  S8orfa§ 
peiligt,  fonbern  aua)  (ebenbig  unb  fräftig  mad)t  Die  ^eue 
pa§t  bie  6ünbe,  boa>  nur  au$  gurd)t;  ber  (Glaube  aber 
erwedt  bie  $kU  $u  ©ott  im  ^er^en  unb  mad)t  es  willig 
^um  neuen  ©eporfatm  £>a3  ®efe§  fa)redt,  bropt  unb  pält 
mit  ©ewalt  jum  ©eborfam  an;  allein  e3  tjt  wie  bei  einem 
Knaben,  ben  fein  £*$fret  jlreng  Jj.äli,  er  get?ord)t  ^war,  fo 
lange  ber  £ef?rer  mit  ber .  9%utpe  neben  tpm  fiept ,  fobalb 
er  aber  einige  greü)eit  £at,  vergißt  er,  wa$  er  tlmn  foll. 
£)a£  Evangelium  bagegen  ntaä)i  ein  williget,  finblta)e3 
<&eq,  bringt  ben  belügen  ©etfi  unb  neue  Gräfte  mit,  fo 
i>a$  ber  bußfertige  2D?enfa)  fta)  nid)t  nur  vornimmt,  feinem 
©Ott  opne  fneä)tifa)e  gura)t  aUv^it  5U  bienen,  fonbern  e$ 
aua)  mit  greitbigfeit  angreift  uixO  au$  finblia)er  $kfoc  unb 
£>anfbarfeit  gegen  ben  3Barmpcr$ta,cn,  ber  tym  alle  feine 
©ünben  um  (Sprifti  willen  vergibt,  beftanbtg  barin  verharrt 
©aper  faßt  er  nia)t  Mc-6  'cen  $8orfai$,  (Sottet  Söillen  311 
if>un,  fonbern  verfpria)t  e3  aua)  bem  2tllerpoa)f}en  an  Q£ive$* 
ftatt,  wk  $.  S3*  £avib:  „Sd;  fua)e  bia)  von  ganzem 
bergen,  laß  mia)  nia)t  gegen  ©eine  ©ebote 
fehlen,  td;  behalte  £)etn95$cvt  in  meinem  £er$en, 


282 


bajrtcf}  ntcfji  wtbcr  Dia)  fünbige;  id)  freue  mia) 
be$  2Beg3  Deiner  3cugniffe,  mein*  al3  über 
allerlei  9tetc$tfjum;  id)  pal^e  ben  2Seg  ber  SöaJ^r* 
£ctt  erwählt,  &eint  ÜUa)te  j?ab'  ia)  mir  sorge* 
pellt  3$  £abe  gefagt,  &err,  b a 0  f o U  mein  (£rbe 
fe$n,  ba$  icb  DeineSScge  £alte,  id;  £abe  gefdjwo* 
ren  unb  wilf$  galten,  ba$  id)  bie  3Ua)te  Deiner 
©ere^ttgfeii  galten  will  iu"  (So  wirb  ber  £aufbunb 
erneuert  unb  bejMiigt,  baß  £er$  ©Ott  geopfert  unb  bie  Seele 
verpflichtet  fta)  auf  ewig,  ©ott  unb  bem  £errn  3efu  $u 
bienen,  unb  fpria)t: 

f>err  3eful  auf  _e»tg  imü  t<$  btd)  2lu8  meinem  ©um 
mc$t  laffen,  3$  »iß  bicf>  ftet£,  gleichwie  bu  nücf>,  2Ätt  Sieben 
armen  fafien,  ©u  foU'fi  fe^n  meinet  £er$en3  8t#t,  Unb  Wenn 
mein  ^erj  im  £obe  fcrtt&i,  ©ot(ft  bu  mein  £er$e  bleiben.  3$ 
Witt  mi#  bir,  mein  #ä$fter  3fau)m,  |>iemit  gu  beinern  (£igent&um 
S5efJänbicjItc^  »etföretben. 

I.  (SlnwenbimgO  SBtr  wollen  mtS  nun  aua)  ernjtlio) 
prüfen:  ob  wir  wa£r£aft  belehrt  fe^en,  unb  in  rea)tfä)affe* 
ner  S3ufe  leben! 

Die  <Saa)e  ifi  fe^r  wichtig;  benn  bie  (3nabc  ©otte£, 
bk  Vergebung  ber  ©unten,  bk  ©erea)tigfeit  unb  ©eligfeit 
in  dlmjto  gebort  nur  ben  bußfertigen  ©eelen*  £eiber  aber 
liegt  am£age,  baf?  ber  größte  £beil  ber  Triften  fta)  baxin 
felbfl  betrügt,  unb  ba$  9ftan$e,  welche  memien,  fte  fielen 
fa)ou  vor  ber  -£{mre  be$  Fimmels  unb  bürfen  nur  £inein* 
geben,  noa)  nia)i  angefangen  f>aben,  bura)  wa£re  Suge 
auf  bem  faimaien  $fab  beö  Cebenö  gu  wanbelm  Sielen  fmb 
bie  Sorte  33-ufjk,  9?eue,  «Sünbe,  ©nabe,  wie  an 
£rautn,  beffen  man  fta)  $.war  noa)  einigermaßen  erinnert, 
201t  bem  man  aber  nidH  wen),  mc  er  eigentlich  befa)ajfeu 
war,  unb  wa^  er  ^u  bebeuten  babe.  Die  Reiften  glauben, 
baß  jjetge  S3ujüe  t£un,  wenn  man  $ir  33eia)ie  ge|>e,  eine 
S^albe  ©tunbe,  ober  wenn  cß  ml  ijt,  einen  falben  Zag, 
anbäa)tig  fep,  einige  ©ebefe  um  Vergebung  ber  <Sünbett 
au$  einem  33ua)  lefe,  fta)  in  ber,  23eia)te  für  einen  armen 
(Sünber  erfenne,  00m  $rebiger  freifprea)en  laffe  unb  barauf 
guöt  ^eiligen  Sibenbmabl  gei?e,  baS  faxt  möge  babei  be* 


283 


fdkjfen  feyn,  ttne  es  trotte;  e3  möge  webet  feine  ©ünbett 
noo)  bte  ©nabe  ©otte3  empftnben,  Weber  »en  .£raurigfeit 
noa)  »on  gteube  etr»a3  roiffen  imb  nar^er  in  fernen  ©ünben 
beharren  ober  nid;t  ic.  SOcan  glaubt,  es  fei;  nidjt  »iel  baran 
gelegen,  unb  fo  pat  SDfandjet  tu  feinem  l-cben  fdjen  gar 
oft  gebeichtet  unb  bod)  nie  SBuße  getpan*  ©ewig,  ber  «Satan 
ift  Riebet  fepr  t^ettig,  unb  fua)t  baburd)  »tele  taufenb  ©celen 
itfä  SBerb'erben  51t  ßür$en,  baß  er  fte  glauben  rnarbt,  fie 
fepen  bußfertige  <Sünber,  unb  leben  in  ber  ©emeinfd;aft 
(Ifmjtt,  ob  fte  wofyl  »ielletd;t  nie  eine  £jjräne  über  ipxt 
©unten  »ergoffen  unb  nie  eine  itajire  $?eue  empfunben 
l?aben,  no$  Bei  ftd;  \ttbft  eine  Henbermtg  £ft  ©ebanfen,  Borten 
ober  Werfen  voaprneOmen  fonnen,  ©te  bleiben,  wie  fte 
waren,  fte  baben  geflucht  unb  jiucpen  noa),  fte  f?abcn  in 
böfer  ©efellfcbaft  unb  in  ber  £ritnfenf?eti  tpre  g-reube  gc^ 
fucfyt,  unb  tjjuu  e£  no$,  fte  Jjabeit  m  llu'geredjtigfeit,  in 
3orn,  £aß,  3ctn!,  in  Ungud;t  unb  anbesm  <&ivahm  gelebt, 
unb  ftub  nid)t  geneigt,  ba»cn  ab^ulaffen,  fonbern  meinen, 
foltt)e  gewohnte  Sieblinggfünben  fonnen  ftd>  mit  ber  33uße 
unb  bem  ©lauben  gar  wof?l  »ertragen*  2)a3  iffc  eine  23uße 
unb  ein  (£j>ttften#um,  weldje3  bem  Teufel,  aber  nid)t  ©Ott 
gefällt;  e$  tft  ^u  Beilagen,  ba$  bk  Ztutt  fta)  felbfi-unb 
bem  Söapn  t£te$  $n$m§?,  welker  »out  ©atan  berrübrt, 
meljr  folgen,  alü  ben  meifteu,  treuen  SÖarnungeit,  welche 
ifynzn  bte  Wiener  ©otte3  tu  fo  »seien  s]3rebigten  unb  ©d;rif* 
im  »orfteilen.  —  2ld)  £>err  3efu!  fteure  Du  biefem  großen 
Unheil,  unb  lag  alle  bte,  welche  ber  -©atan  in  feinen  -Banbeu 
gefangen  peilt,  mHid)  einmal  gute  33eftmumg  foutmen !  — 
IBo^lan  benn,  tu  ä)xi\Üid)e  ©eele,  bte  bu  btefeä  börfl 
ober  liefeß,  greife  btefc  ©acfje  mit  ^er^iefrem  Ch'nft  an, 
bore  nid)t  auf  barüber  nad).$ubenteu  unb  Ud)  p  bemüpen, 
bt$  bu  ©ewißbett  erlangt  Jaji  unb  »erftd;ert  bijl,  baß  bu  unter 
bte  3^1  ber  bußfertigen  ©ünber  geporft!  —  ■  2Stt  j?aben  e£ 
nemlia)  pier  mit  ^eiertet  Sitten  »on  ^enfe^en  ^u  tl?un: 
1)  SSftan  ftubet  unter  ben  Triften  foldje,  bte  »en  3D?utter* 
leibe  an,  burd>  ba$  ©ebet  i\)xtx  frommen  Altern,  burd; 
bte  ^eilige  £aufe  unb  eine  fleißige  (£r$tebuug  ©Ott  geheiligt 


284 


ftnb,  tue  früp^eitig  %m  ©ottfeligfeit  anhalten,  im  wapren 
(Sprifientpum  unterrichtet  würben,  vor  mutpwiu'igen,  groben 
©ünben  fiep  burcp  @otte$  ©nabc  gepütet,  unb  ftcf>  jeber$ett 
creüBt  paben  tin  unverle^t  ©ewiffen  $u  bewahren,  beibe, 
gegen  @ott  unb  bte  ^enfe^en;  bte  tägHcp  tpr  gleifcp  freu* 
3*gen,  fammt  beu  Mafien  unb  33egterben,  ba£  ungotttic^e 
SÖefen  unb  bte  weftlicpcn  £ü|te  verlaugnen,  sücptig,  gerecht 
unb  gottfelig  su  leben  ftep  befleigigen  unb  in  guten  Serien 
eifrig  ftnb,  £>iefe  nennt  bte  ©eprift  bte  ©ereepten,  bte 
grommen,  wie  3/ SB.  ©antuet,  £imotpei:3,  £iob  unb 
Slnbere  :c.  23ijt  bu  nun  auep  ein  fofeper,  mein  £efer,  unb 
gibt  bir  bein  ©ewiffen  vor  ©Ott  ba3  B^nig,  tag  bu  in 
Einfalt igfeit  unb  £auierfeit  burc^>  (Sottet  ©nabe  auf  ber 
S&e'Ü  gewanbelt  pafi,  fo  wünfd;e  td;  bir  x>on  £>er$en  ©tue!, 
unb  banfe  ©Ott,  ber  biep  bisher  burcp  feinen  peitigen  ©eijt 
fo  gnäbig  geführt,  nr\i)  in  feiner  gurept  erpalten  pat  — 
£>ocp  i(i  babei  .icopf  31t  .werfen,  wa$  ber  Slpofte*  fpriept: 
r/3^  k*n  m^4  vyopl  nid;tg  bewußt,  aber  bartn 
bin  icp  niept  gered;tfertigt"  2)a^  peiligjle  2eben  ber 
9ftenfd;en  ijt  niept  opne  ©i'mbe;  ber  frucptbarjie  Slcfer  pflegt 
neben  bem  tttm  SBai^en  aua)  X)iftän  ^u  tragen*  2Senn 
ber  Wfiak  auep  votf  ift,  unb  am  peltpen  fepeint,  fo  ifi  er 
boep  niept  opne  gleefen.  £>ie  gläubigen  ^inber  ©otteä  paben 
gwar  bte  ©ünbe  vertaffen;  aber  bie  ©ünbe  pat  fte  noep 
niept  verlaffem  ©ie  fmb  ber  ©ünbe  abgeworben,  bte  noep 
in  iprem  gfeifcp  wcpnt,  fo  tag  fte  oft  ba3  ©ute,  ba3  fte 
wollen,  niept  tpun,  fonbern  ba$  33öfe,  baS  fie  niept  wollen. 
Obgfeid;  ber  fromme  £»iob  fiep  von  3uge  nb  an  eine3  im* 
firctflid)en  2ÖanbeIc>  befiiffen  patte,  fo  muß  er  boep  gejtepen: 
bag  ber  Sftenfcp  fiep  vor,  ©ott  feiner  ©ered;tigfeit  rüpmen 
unb  3pm  auf  taufenb  gragen  nia)t  dineö  antworten  tonne* 
„Söttt  tep  fromm,  fpriept  er,  fo  barf  eg  fiep  meine 
©eele  niept  annepmen;  fage  icp,  bag  tep  gereept 
fe*>,  fo  verbammt  dx  miep  boep/'  £)enn gteicpwte eine 
$eqe  in  ber  ginflcrnig  gwar  pelle  fepeint,  immer  aber  einen 
diand)  mit  fiep  füprt,  un'o  Ui  bem  ©onnenfepein  für  fein 
£icpt  gu  palten  t^,  fo  verpält  eö  ftd;  mit  ber  grbgten  gröm* 


285 


migfeit  ber  SKenfcfcen  in  tiefem  £eben,  trenn  fte  vor  ©Ott 
betrachtet  wirb*  km  Wlcxtffy  ijt  fo  fromm,  baß  er  nicbi 
feine  gelter  Ijat;  bie  aufrief; tigjlen  bergen  {>aben  ipre  Mängel 
unb  ©ebredjen,  Einige  fi'nb  unfreunbnd),  anbere  leidjiftnntg 
unb  leid)tglaubtg ,  ober  jidb^orntg,  nod)  anbere  Rängen  ber 
(£itelfett  biefer  Seit  $u  viel  naa),  fud)en  ben  93?enfa)en  31t 
gefallen  imb  woKen  nic^t  veradjtet  fe^n*  33i3weilen  galten 
fte  aber  iljre  3unge  nia)t  t.m  3wm  unb  verfehlen  fta)  im 
^ic^ten  t^re^  -iftddjften,  ober  burd;  anbereö  unnüfeeö  ®e* 
fa)wd£,  manchmal  (äffen  fte  fta)  von  9ttenfa)en*©unjl  ober 
gura)t  abgalten,  baß  fte  ber  Sünbe  ma)t  mit  bem  ge- 
bitfjrenben  CEvnfl  ttuberftcfjem  sD?ana)mal  geigt  fta)  bei  ijmen 
Ungebutb  unb  Durren  gegen  @ott,  Un;ufrieben^eit  mit 
feinen  ©a)icfungen,  £rd<#eü  unb  3?ad)ldßigfeit  im  ®ebefc 
unb  in  anbern  ^eiligen  Hebungen.  Ser  fann  überhaupt 
alle  geiler  ber  gronrmen  auflisten;  wie  auc^  £)avib  fagt: 
„Ser  fann  merfen,  wie  oft  er  feblt?  ^er^eilje 
mir  aud)  bie  verborgenen  geiler!"  —  £)ie  ifr'nber 
(Sottet  leben  noa)  in  ber  Seit,  unb  bemüben  fta),  baß  fie 
von  ber  Seit  unbefleclt  bleiben.  3)oa)  gept  e3  if)nen,  wie 
bem  23leia)er  in  ber  gabel,  ber  neben  einem  Kohlenbrenner 
wobnte,  £>te  Seit  gleicht  einer  Verberge,  in  weldjer  böfe 
53uben  übernachten  unb  2lße£  mit  Xabai^xaud)  unb  anberem 
ttnratfj  erfüllen.  Senn  nun  ein  frommer  Sanbersmann 
genötigt  wirb,  bafelbft  ein^ufelpren,  fo  fommt  er  feiten 
imbeflecft  heraus,  man  riea)t  e3  an  if>m,  wo  er  gewefen  tft 
„23öfe  ©efellfa)aften  verberben  §ntt  ©itten."  — 
£>k  Seit  {mt  viele  £>inge,  Ut  31t  bem  äußeren  $eUn  ge* 
I;ören,  wela)e  bie  Ktnber  @otte6  auc^  nta)t  gan$  entbehren 
fönnen,  unb  fo  Werben  fie  wiber  ipren  Stilen  in  bie  (Eitel* 
feit  hineingezogen;  waö  man  an  ber  Reibung  unb  bei  ver* 
fa)iebenen  geftlta)feiten  wa^rne^men  fann.  Sie  bie  ©a)aafe 
nia)t  unter  ben  dornen  weiben  fönnen,  ojjne  Solle  $u 
laffen,  fo  fönnen  tie  frommen  ©eelen  unter  fo  großer  5ler- 
gerniß  unb  bei  fo  vielen  anneljmlia)en  @elegenj>eiten  §ur 
©ünbe  nia)t  leben,  o^ne  fta)  aua)  $u  verfehlen,  ©elbft  wenn 
fte  fta)  von  aller  ®efellfa)afi  enthalten  unb  ipre  3>üX  in  ber 


286 


Cnnfamfeit  anbringen,  gebt  e£  ihrem  £er$ett,  wie  fcera  SEBem, 
ber  nod)  auf  ber  £efe  liegt;  er  wirb  trübe,  wenn  ber  SSeinfiCcf 
Wüjjt  je,  ©o  legt  ber  .®ird>enlet?rer  ^ieromjmuS  »ort  fta) 
felbfi  ba$  23efennim'§  ab ,  baß  tjjm  aud;  in  fetner  (ito 
öbe,  wo  er  feine  3^tt  mit  gaften,  33eten  unb  ©tubiren 
%uhxad)tt,  im  £raum  bte  römtfa)en  tarnen  unb  Xän^t  in 
ben  ©inn  gefommen  feiern  2)enn  bte  ©ünbe  tft  fein  £)unjr, 
ber  ün$  sott  äugen  vergiftet,  fonbern  fte  fteigt  in  unferem 
eigenen,  serberbten  ^er^en  auf,  fcbalb  $on  äugen  eine  35er? 
anlaffung  ba^u  tji  —  £arum  bebürfen  aua)  bie  grommen 
unb  ^eiligen  ber  täglichen  Söujje;  fte  wacijen  Seifig  über 
tyv  £er$,  unb  laffen  e£  an  ber  Prüfung  ibreS  ©ewiffen.3 
nia)t  fehlen,  T>a$  @efe£  ®otte£  unb  bag  ^eilige  £eben 
t^re^  (£:rlofer3  ift  i£r  ©piegel,  in  welchem  fte  fid?  felbft 
iciglta)  betrauten»  Bit  l?aben  Mißfallen  an  fta)  felbfi,  er? 
f  ernten  ipre  geiler  unb  ©a)waa)!mten,  ftnb  ipxtm  eigenen 
£erjen  wegen  feiner  Sßtberfpenjtigfeit  feinb,  unb  werben 
tjjreS  £eben£  überbrüffig,  weil  fte  wol?l  fe^en,  baß  ee  bei 
ifmen  c£ne  ©ünben  nid)t  abgebt,  unb  wenn  fte  fta)  aua) 
feiner  groben  gepler  bewußt  ftnb,  fo  ftnben  fte  boa)  ber 
Mangel  fo  vktt,  baß  fte  manche  hiütxt  grauen  barüber 
vergießen,  unb  #?r  befiel  geben  für  serbammlia)  galten, 
Bit  fejjen  nia)t  $nxM  auf  ijjre  früheren  £age,  sergeffen, 
tva$  'oafyintm  iji,  unb  (treffen  fia)  ^u  beut,  wa$  dornen  ift, 
©te  benfen  nia)t,  toa$  fte  getpan  fmben,  fonbern  tt>a$  fit 
tfnm  follen;  fte  galten  fta)  nia)t  für  fromm,  fonbern  fte 
wollen  e$  erfl  werben»  Bit  Utitn  (&ott  täglia)  mit  Btufytn 
unb  freuten,  ba$  Crr  ijmen  ifyxt  ©ünben  nia)t  ^uredmen 
wolle  imt>  man  ftnbet  fte  nia)t,  mt  ©imon  ben  $£arifäer, 
mit  dbrtjto  su  £ifa)e  ft£en,  fonbern  voit  jene  bußfertige 
©ünberin  ju  feinen  güßen  liegen»  Bit.  fa)ämen  fta)  nia)t, 
mit  aubem  ©untern,  unb  wenn  e3  aua)  bie  gröbjien 
$erbrea)er  wären,  bte  @nabe  @oite3  in  3efu  Gtyrifto  $u 
fua)en,  weil  fte  wojjl  wiffen,'  ba$  fte  fo  wenig  aU  biefe 
sor  @otieg  ©eria)t  befielen  fonnen,  wenn  nia)t  if>r  gür? 
fprea)er  Sefuö  @fmftu3,  ber  allein  gerecht  ijt,  unb  biejenigen 
gerecht  maa)t,   wela)e   an  3£>n  glauben,   ba$  $Bt$t  t^ut. 


287 


Garant  fragen  fte  tpren  (Erlöfer  über  2We*,  wa^  üt  ber 
SÖeli  ijl,  unb  wtjfen  von  fetner  ©credjttgfeii  unb  grömmtg* 
fett  vor  ©Ott,  al$  t>oit  berfenigen,  wefa)e  fte  von  3(>m  im 
©tauben  £abetu  ©ie  befleißigen  ftcf;  audj  immer  mefjr,  baß 
fte  ftdj  von  aUer  23ef(ecfung  be3  ©eifte$  unb  be# 
§lcifd;e3  reinigen,  unb  fortfahren  mit  ber  £eüi* 
guug  in  ber  gurdjt  ©otteS*  ftuxp'tyv  ^eben  tjt  eine 
immerwäbrenbe  23uße,  unb  fte  paben  mit  ber  ©ünbe,  bic 
nod>  in  ipnen  woimt,  fo  viel  31*  tjntn,  baß  fte  fta)  nad^ 
bem  @nbe  t^re^  £eben$,  wo  and)  bte  ©ünbe  ein  (£nbe  nehmen 
wirb,  perfid)  febnem  —  Darnatf)  mögen  ftd)  nun  btej'e* 
nigen,  welche  bieder  ba<3  3eugntß  eineö  goitfeligen  SSanbets 
burd)  ©otteS  ©nabe  erbalten  Ijaben,  prüfen,  unb  id)  ^weifte  ttäjjt 
baran,  baß  fte  gerne  gefielen  werben,  berpropl?efifd)e  2ht$fpru$ : 
„©0  fpria)t  ber  #err:  33efe£ret  eu$  ^u  mir,  von 
ganzem  $  er ^en  n."  gef?e  audj  fte  am  ©ie  werben  etnfeben, 
baß  fte  bie  35itße  unb  bk  Vergebung  ber  ©itnben  fo  wenig 
entbehren  tonnen,  aU  ba£  tägliche  33rob,  unb  ba$  fein  Tlcnfd) 
in  biefem  %tbtn  fo  fromm  fe$e,  ber  nid)t  nötfn'g  Mite,  fein 
£er$  öfter  mit  £J)vanen  ber  23uße,  aU  feine  $anbe  mit 
Saffer  gu  wafa)em  — 

II.  2öir  fmben  aber  aucb  nod;  mit  benen  gfc  rebcn,  welken 
(pr  ©ewtjfen  fagt,  baß  fte  von  Sugenb  auf  gottlob  gelebt, 
t£re$  gaufbunbeS  vergeffen  unb  benfelben  oft  übertre* 
ttn  Ijaben;  wetdje  bind)  bie  9?ad>(ä§tgfeit  tjjrer  (Eltern, 
bur$  bofe  23etfyiele  ober  butcf)  bie  SBerfüljrung  rudtfofer 
Sttenfdjjen  von  ben  SBegen  ©otteS  verfeiiet,  in  fd)were 
(Bünben  gefallen  unb  benfelben  mit  Cufl  nachgegangen  ftnb. 
£>aju  gehören  bie  SSeräc^ter  ©ottes  unb  feines  ^eiligen 
2Öor£e3,  welche  über  ben  (ürtfer  getreuer  £eljrer  fpotten,  ftd) 
nia)t  nur  beS  ©onntag^,  fonbern  and)  fonft  vorfä#(idj  be* 
raufa)cn,  unb  t£re  3^it  in  ©ünben  zubringen,  gerner  fann 
matt  biej'emgen  ba^tt  red;nen,  we(rf;e  i!?re  Altern  mutwillig 
unb  wtjfentfta)  betrüben,  weidjen  baS  gfudjcn,  3ctnfen,  &d)th 
ten,  kaufen  unb  bergleta)en  $ttr  ^weiten  Statur  geworben 
i%  wc(a)e  ijren  £etb  bura)  Un^udjt  verunreinigt,  ben  dläd)ftm 
wtffentltd?  vervortpeitt,  frembeä  (khxt  buxty  Stft  unb  Unrecht  au 


288 


fo)  gebracht  paben  unb  nod;  bejtßen,  <£nMt$  fola)e,  wefa)e  ISta* 
bern  mit  tljrem  gottlofen  Sefen  etn  Sfergermß  gegeben  £aben, 
•welche  ofme  wa£re  3?eue  über  ifjre  ©ünben,  opne  ©lauben,  oljne 
5Inbaa)t  unb  bem  ernftlidjen  &orfa£,  ftdj  su  ©ott  $u  be* 
festen,  öftere  ftim  {^eiligen  2lbeubmaj?l  gegangen  fmb,  unb 
baburd;  ben  3otn  @otte£  über  ftc^>  gehäuft  ljaben,  £)ie 
3apl  berfelben  wirb  letber  groß  fepn,  unb  *>ielleia;t  wirb 
ber  größte  ££etl  r>on  bencn,  bie  biefeg  lefen,  (wenn  jie 
anber£  aufrichtig  fe^n  wollen,)  fcefennen  muffen,  baß  fte  §u 
biefer  klaffe  gehören  unb  fta),  wo  nicf)t  aller,  bod)  einiger 
ber  genannten  ©ünben  fd)ulbig  gemacht  Imben,  £)te;  alten 
£ejjrer  fagen:  e£  fe$  feiten  ein  Sttenfdj,  welchem  ber  böfe 
(Sjeifl  nid)t  eine  SÖunbe  in  feinem  ©ewiffen  gefc^tagen  f>abe, 
über  wela)e  er  oft  feuften  muffe:  „% d>,  wenn  nur  ba$ 
nia)t  gefa)ef?en  wäre!7'  £auptfäd)lta)  ifl  ba3  in  biefen 
testen  3^iten  ber  galt,  wo  btö  gottlofe  Sßefen  fo  über^anb 
nimmt,  unb  ba£  Slergerniß  in  ben  Käufern  unb  auf  ben 
«Straßen,  in  ben  8a)ulen  unb  in  ben  ©efelifdjaften  fo  groß 
i%  baß  SEftelprere  mit  ORefyt  gefagt  paben :  wenn  ©Ott  fjeut3utage 
Semanb  $or  groben  ©ünben  bewajjre,  fo  fep  e$  ein  ebenfo 
großem  SÖunber,  aU  wie  Qrr  einft  ben  Daniel  in  ber  £öwen* 
grübe  unterlegt  erhalten  fyabe.  ©od;  tji  jrier  smiäa)jt  von 
ben  eigentlichst  SO£iffet£äfern  bie  dUbe,  bie  au$  ber  ©ünbe 
eine  ©ewopm)eit  gemacht  fyäben,  unb  fa)on  lange  &it  tn 
wiffcntKd)er  Uebertretung  ber  ©ebote  ®oüe$  gubringen;  biefe 
£aben  alle  Urfaaje,  fleißig  naef^uforf^en,  ob  i\)x  fyexi  nun 
»Ott  ber  ©ünbe  abgefegt  unb  ^u  ©Ott  gewenbet  fep?  £>ieß 
gu  «riffeit  tfi  febr  nü£lia)  unb  nöt^ig,  unb  wenn  man  fein 
©ewiffen  unb  feinen  £eben£wanbel  nad)  £)em  prüft,  wa£ 
oben  »on  ber  wahren  23uße  unb  23efe!?rung  gefagt  worben 
ijt,  fo  wirb  e$  aud;  nid;t  fa)wierig  fet;m  Seber  muß  nriffen, 
ob  er  nüft  irgenb  einmal  eine  rec^t  fyexftifye  diene,  eine 
ungewö£nlid;e  IBetrübniß  über  feine  ©ünben,  unb  eine  ge* 
nrijfe  Slngft  in  feinem  ©ewiffen  empftmben  jjabe?  ~  Wlefyxexe, 
bie  über  ba<3  2ßerf  ber  23efferung  gefa)rieben  i'paben,  finb 
ber  Meinung,  ba^  ber  ©ünber  fic|  nie  rec^t  befepren  fonne, 


289 


ofme  eine  plöglioje,  flarfe  (£rfo)ütterung  beg  ganzen  9Dtaf$en, 
unb  alfo  bie  3ett,  jia  bte  ©tunbe,  wofjl  wiffen  fönne,  in  wel* 
djer  C55ott  angefangen  Ijabe,  bte  33uße  in  ifjm  %u  wirfen, 
$3iewo])l  tvtr  nun  gerne  augebeu,  bag  Sttenfdjen  fd;on 
burcf)  eine  eindringliche  ^rebigt,  ober  burd;  irgenb  ein  ®eria;t 
©otteg  ^utn  -ttadjbenfen  über  fi$  felbjt  unb  $ur  (Sinneäcin* 
berung  gebracht  worben  feiert,  fo  lejjrt  bod)  bie  (Erfahrung, 
baß  man  barauS  feine  allgemeine  Sftegel  ableiten  fonne,  mit 
wof>l  bie  3D?eifren  ntc^t  auf  einmal,  fonbern  nad)  unb  naa) 
burdj  <&cttt$  SGSort,  ba$  eine  geraume  ^txt  an  iprem  £er$en 
arbeitete,  gewonnen  werben*  ©ewig  tjt  es  aber  boa),  baß 
Sftientanb  ofme  f>eqlia)e  9?eue  unb  £raurigf  eit,  unb  opne 
©ewiffenSangß,  waljrjjaft  befeljrt  wirb*  „(£in  neu  Söefen 
unb  (Einfluß  ber  @nabe/'  fagt  £utj)er,  „fangt  mit  einer  großen 
2lnfeä)tung  unb  mit  ©c^recfen  be$  ©ewiffenS  ober  fonft 
mit  großem  $eib  unb  Unfall  am  £)iefe$  jjeißt,  naä)  £)ff* 
3ol)*  3*  ®ap.  ®otte3  Slnflopfen  ober  £etmfud;ung,  unb  tyut 
bitterlid)  wef?,  ber  2D?enfd;  will  faß  vergeben,  unb  glaubt, 
er  muffe  verberben  kJ'  -Darum  ift  bte  SBuße,  wela)e  jta) 
in  friebliä)en  ©ebanfen  vfot,  £eua)elei;  eg  muß  ein  großer 
(£mft  unb  ein  tiefet  £eib  babei  fe^n,  wenn  ber  alte  SDfanfa) 
ausgesogen  werben  folL  <Bün  treuer  ©efmlfe,  3DMan$tljott, 
bezeugt:  „£5ie,  weld;e  wajnfjaft  fcefel?ri  werben,  muffen  ben 
ernftlictyen,  wal)r|wften  unb  großen  ©a)reden,  welcher  in 
ben  $falmen  unb  hü  ben  ^ropfjeten  befa)rieben  wirb,  ge* 
wtß  fa)mec!en  unb  empftnben*"  —  Senn  nun  aua),  xok 
wir  oben  fagten,  bie  Traurigkeit  über  bie  ©ünbe  nta)t  hä 
Sitten  gleia)  groß  ifi,  fo  wiffen  wir  boä),  baß  (Einige,  bie 
eine  befonberö  ftarle  ©ewiffenSangfl  empfunben  Jmben,  fo 
baß  fte  faß  verzweifeln  wollten,  um  fo  efier  mit  bem  eoan* 
gelifdjen  £rojie  wieber  erqutdt  unb  burd)  ®otte£  ©nabe 
wieber  aufgerichtet  würben*  Slnbere  hingegen,  bie  feine  fo 
heftige  ©eelenangft  empfanben,  würben  länger  im  Kampfe 
geladen,  unb  mußten  oft  geraume  3^t  mit  ©euften  subrin* 
gen,  ejje  fte  bie  völlige  33erftd)erung  ber  Vergebung  ber 
<5ünben  nnb  ben  grieben  be$  @ewiffen$  erlangtem    5tu$ 


290 


tfi  aufer  3weifel,  tag  fcte  S^eue  in  einem  gewiffen  $erpält* 
ntß  mit  ben  ©unten  fiepe;  wo  bie  6ünbe  groß  ijt,  ta  tfi 
auep  großes  23etrübniß ,  nnb  wo  fte  lange  gewährt  pat,  ba 
pflegt  auep  bie  £raurigfeit  lange  $u  wahren»  3war  wirb 
biefelbe  burcp  ben  £roft  beS  ßroangeltumS  gemäßigt;  bocp 
fann  mancher  bußfertige  ©ünber  feine  2D?iffetpat  zeitlebens 
ntcpt  t>ergeffen  r  trgenb  eine  £>ropung  beS  ®efe$e$,  ein 
jlarfer  ©prucp  ber  ©cprift,  ein  25eifpiel  göttltcper  ©ertöte, 
ein  ^ugeftoßeneS  ^reuj  ober  fonfi  eine  Gelegenheit,  reift 
feine  SÖSunbe  gleich  wieber  auf,  @o  fann  ein  bußfertiger 
©ünber  bei  einer  Reitern  ©efettfd&aft  fepn  unb  es  fann  leicht 
etwas  er$äplt  werben,  wobei  er  fiep  feiner  früheren  %ttytx 
wieber  erinnert,  unb  fiep  fo  betrübt,  baß  er  alle  greube  »ergißt, 
3U  feinem  ©Ott  peimlicp  feuftt,  ober  fiep  gar  wegmaept,  um 
ftep  ttor  feinem  (£rlbfer  #x  bemütptgen,  unb  3pn  nocpmals  um 
©nabe  an$ufllepen,  —  daraus  erpellt,  baß  W  wapre  9?euc 
fiep  leiept  erfennen  laßt,  weil  fie  burcp  $carf  unb  $8tin 
bringt,  baS  $tx%  gerfnirfept  unb  ben  ganzen  SEJcenfcpen  an* 
greift,  weil  fte  burcp  feine  menfepliepe  Mittel  fiep  peben  läßt, 
fonbern  befMnbig  anpält,  unb  bem  ©ünber  Weber  hti  £ag 
noep  hei  S^acpt  Sftupe  gönnt,  weil  fte  enbliep  einen  2lbfcpeu 
wiber  alle  unb  jebe  <Sünbe  mit  fiep  füprt,  unb  auf  baS  oer* 
berbte  £er$,  als  ben  eigentlicpen  ©i§  ber  ßrrbfünbe,  gerieptet 
ifi*  £)er  bußfertige,  ber  eS  ernftlicp  meint,  bereut  niept 
bloS  einige  äußere,  grobe  ©ünben,  fonbern  auep  bk  ISoSpeü 
unb  galfeppeit  feines  ^er^enS,  weil  aus  biefer  serborbenen 
Duelle  alle  übrigen  ©reuel  fließen,  (£r  beflagt  befonberS  feinen 
Abfall  son  ©ott,  bie  SBemacpläfftgung  feinet  £aufbunbeS,  feine 
Unbanfbarfett  gegen  feinen  ©epopfer  unb  ßrrpalter,  aber 
auep  gegen  feinen  liebreiepen  (£rlofer,  beffen  tpeureS  33lut 
er  fo  gering  gefepä^t  unb  gleirpfam  mit  güßen  getreten  pat«. 
Senn  er  oon  bem  $reu$eStobe  feinet  GhloferS  fpreepen 
pört,  fo  gept  eS  ipm  burcp'S  £er$,  unb  er  gefiept,  baß  er 
ebenfo  baran  fepulbig  fep,  xx>k  biejemgen,  welcpe  3efant 
gegeißelt,  getreust  unb  getöbtet  paben,  3a,  felbfi  bann, 
wenn  er  W  ©nabe  ®otteS  an  fiep  reept  beutlicp  empfmbet, 


291 


wenn  er  anfängt,  au$  $>en  Sunben  feinet  <£rlöfer$  Xxofi 
gu  f^opfen,  achtet  er  fiel)  berfelben  für  unwürbig  unb 
fprtdjt:  2lc[)  £err,  foll  £>ün  tfjeureS  231ut  aucf)  mir  Un? 
banfbaren  ^u  gut  fommen,  follen  bte  ©d;ä£e  ber  ©nabe, 
bte  Vergebung  ber  ©ünben,  ber  £roft  be£  fettigen  ©eifte$, 
bte  $inbfd)aft  ©ottes  unb  bte  Hoffnung  be$  ewigen  £eben3 
für  einen  folgen  3Dtofd)en  fep,  wie  ic^  bin,  ber  2)i$  fo 
vielfältig  beleibtgt  fmi!  —  (£m  foldjer  ©ünber  entf^ulbigt  feine 
2Äiffet£ai  mc^t,  fonbern  ntac^t  fie  lieber  nocf)  größer*  (£r 
wirb  aud)  bem  33öfen  fo  feinb,  baj?  ipm  gleid;fam  bie  #aut 
fcjwubert,  wenn  er  baran  benft,  unb  bajjf  er  j[ebe  ©elegen* 
5>ett  meibet,  bie  ifm  $u  böfen  ©ebanfen  verleiten  fann*  Wlit 
einem  SQSort :  e£  ift  mit  ifjm  anberS,  atö  e£  vorhin  war,  bie 
Seit  mit  aW  i^rer  Suft  ijt  il;m  eine  €afl,  unb  felbft  fein 
£eben  iffc  ijnn  um  ber  Sünbe  Witten  manchmal  verbrief 
lify.  —  —  Sollet  tjjr  nun  wiffen,  meine  23rüber  unb 
©d)weftern,  ob  t£r  waprjmft  belehrt  fe^b,  fo  faget  mir,  ob 
tj?r  ba$,  w<x$  tyx  lefet,  audj  verfielet,  ob  t|)r  au$  eigener 
CErfaljrung  wiffet,  wk  einem  betrübten  £er^en  unb  geäng* 
$tttn  ©ewiffen  ^u  Wlutyt  fep?  ©e^b  iljr  waljrfiaft  befej)rt, 
fo  bebarf  e£  wo!)l  feiner  großen  Mpe,  mfy  bie  2lrt  unb 
Seife  ber  33uge  unb  ipre  (£igenfd;aften  $u  erflären;  auefj 
ber^ranfe,  ber  von  i>tn  Siebten  viel  erlitten  fyat,  xotify  gar 
wopl,  xok  t>k  %x$it\  fdjmecft*  Ueberpaupt  wirb  benen, 
welche  ©ott  burc^  ben  befd)Werli$en  Fußweg  au$  ber  Seit 
3U  (Ifmfto  geführt  jwi,  $>a$,  tx>a$  ify  bi^er  fagte,  viel  $u 
wenig  fe^n,  ftc  wiffen  mein*  m$  eigener  (£rfa£rung,  aU 
eine  frembe  geber  barüber  f^refben  fanm  Ser  aber  $ejm* 
fi$e3  nod)  nie  empfunben  l)at,  wer  von  feiner  ©eelenangj?, 
von  feiner  ©ewiffen£mmtj>e,  von  feiner  graurigf  eit  be$ 
-£>eqen£,  von  feinem  klagen  unb  ©eufeen  über  feine  <5ün* 
ben  etwas  erfahren  jjat,  von  bem  barf  man  woljl  fagen, 
ba§  er  fi$  bi^er  felbft  betrogen  $aU  unb  in  einem  fejjr 
gefährlichen  3uftanbe  ftcf)  beftnbe,  —  D  bebenfet  eS  bo$, 
(iti)  lütt  eud)  um  3efu  dfyxifii  unb  eurer  armen  ©eele 
willen,)  .wie  fann  ba  von  einer  wahren  ^upe  unb  von 
ber  Vergebung  ber  ©ünbe  bie  Efiete  fe^n,   wo  ba$  ^er^ 

19* 


292 


!to$  ttt$t  aerfnirfc^t  unb  aerfcfilagen  ijt?  SOßtc  fonnen  ftc3^ 
biejfenigen  ber  33uge  rühmen,  bie  swar  oft  gebeichtet,  aber 
nie  einige  ©hinten  auf  eine  ernfHtdje  Prüfung  tyxt$  ©e* 
wiffenS  fcerwenbet  £aben?  ^ann  berjenige  ein  bugfertiger 
©unter  fep,  welcher  oft  in  ber  £runfen|mt  gelärmt,  ge* 
fdjwärmt  unb  fta)  ftarf  verfehlt,  —  freierer  öftere  fajrecf* 
lify  geflutt,  feinen  ^dc^ften  betrogen,  befeibigt  unb  fta) 
mit  Unrecht  bereichert  Ijat,  —  welchem  bie  ©ünbe  über* 
|>aupt  bisher  $ur  $ur$weife  biente,  unb  fta)  tt$  j[e|t 
no$  nie  über  btefe  fdjltmme  ©ewofm^eit  betrübte?  — 
$cmn  benn  23eibe£  neben  einember  beftejjien,  ein  ungejjor* 
fameS,  {wrteS  unb  fta)ere3,  unb  aua)  ein  erfa)rocfene$  unb 
gerfc^lageneö  #er$  ?  $ann  man  fta)  über  bie  ©ünbe  betrüben, 
unb  boef)  auä)  feine  greube  haxan  Ijaben,  fann  ©taube  unb 
Unglaube,  @jmjte  unb  Sßdiai  beifammen  wofmen?  3ft  t$ 
genug,  bag  bie  ©ünbe  noa)  im  ^erjen  leBt^  bie  33uge 
aber  im  auf  eren  (Bfytin  bejteljt,  bag  wir  beichten,  boa)  oljne 
über  unfere  genfer  traurig  gu  fe^n,  tag  wir  htten,  wäfjrenb 
fca$  $>tx%  ma)t3  ba$on  weif,  bag  wir  mit  bem  SÄunbe 
fBefferung  geloben  unb  im  £er$en  boa)  anberS  benfen,  bafj 
wir  aum  ^eiligen  2lbenbma|>l  gefjen,  aber  cjjne  bag  wir 
un$  felbfi  prüfen,  unb  obne  ein  £ersliä)e$  Verlangen  naa) 
ber  ©nabe  teS  ^oc^ften?  —  $ßa$  machen  wir  entlia)  aus  un* 
ferem  @jmftentf)um  unb  aus  unferer  23uge  ?  Söte  fann  ber* 
jenige  fta)  beS  ©laubenS  rüpmen,  beffen  £er$  *>on  ber  23or* 
Bereitung  be£  ©laubenö  nia)t$  weiß  ?  Sßic  fann  berj'enige 
re($t  eifrig  um  Vergebung  feiner  ©ünben  Utttn,  ber  nod) 
nie  xtfyt  erfahren  Jjat,  m$  für  an  (Greuel  bie  ©ünbe  fep? 
SBte  fann  berjienige  gu  bem  gefreu^igten  (£rtöfer  mit  fepn* 
Ka)em  Verlangen  fliegen,  welchen  feine  ©ünben  ntc$t  reuen?- 
2Ba3  fragt  ber  ©efunbe  naa)  bem  2lqt,  unb  m$  afyttt 
ber  33etrunfene  eine  frifa)e  Duette  ?  SÖSie  fann  berjienige  ben 
(£rlofer  £o$fcijä£en,  bem  fein  3nnereS  nia)t  fagt,  bag  er 
©einer  bebürfe,  unb  was  fott  baS  tj?eure  23lut  beS  ©oljneS 
(Lottes  für  ftä)ere  £er$en?  —  Unfer  £etfanb  nennt  fta) 
einen  2lr$t  ber  ^ranfen;  er  tröftet  bte  traurigen,  ruft  hk 
Sttupfeligen  \in\)  33efobenen  au  fta),  unb  Witt  biejenigen  gerne 


293 


erquicfen,  weldje  von  ^er^en  betrübt  fmb.  ©Ott  will  nia)t 
ben  £ob  beS  <5ünber£,  fonbern  tag  er  lebe;  <£r  will  aber 
aua),  bag  ftc^  berfelbe  belehre  unb  feine  5D?tffetpat  erfenne* 
2)er  barmherzige  ©Ott  |?at  ben  $ömg  £>avtb  na$  feiner 
fctyweren  ©ünbe  lieber  ju  ©naben  angenommen;  aber  erjt 
nadjbem  ifjm  biefer  ein  reuevolles  £ers  jum  Dpfer  gebracht 
J)at  (£benfo  Jjat  (£r  fi$  mehrerer  bugfertiger  6ünber  wteber 
erbarmt,  bie  ftdj  in  if>rer  ©eelenangft  vor  3|>m  bemüßigten* 
<So  fanb  aud)  ^etruS  lieber  ©nabe  M  3efu;  aber  t$ 
j?eigt  von  tfmt:  „(£r  weinete  bitterlich*'1'  SDtfandjen 
anbern  rief  ber  £eilanb  $u:  (£ufy  finb  eure  ©ünben 
»ergeben;  aber  er  fagteaud;:  (Euer  ©laube  l?ai  tuä) 
geholfen,  geljet  pin  im  ^rieben*  SQScr  nun  ben  nemlic^en 
SluSgang  erwartet,  ber  matye  anfy  einen  folgen  Slnfang* 
©Ott  füfjrt  9tfemanb  auf  einem  anbern  2ßeg  ^ur  (Seligkeit, 
als  auf  bem,  welchen  von  je^er  alle  ausfertigen  gegangen 
fmb*  —  $c-ofe$  8e&*  wran,  bann  folgt  ipnjto,  b*  u  btö 
©efe£  ijt  unfer  3ud>*metf*er,  ber  uns  $um  $reu$  (£fmjH 
txtihi,  bag  wir  burd;  ben  (Stauben  geregt  werben, 
2öer  e$  anbern  f?aben  will,  unb  meint,  bag  er  oljne  23uge 
gum  ©lauben  fommen  fönne,  ber  betrügt  ftcfr  felbft  unb 
wanbelt  voll  füger  Hoffnung  beS^immelS  in  bie£>ölle*  (£S 
fann  einmal  nict)t  anbete  fepn,  baS  Ijarte  £>er$  be£  (BünberS 
mug  ^erfc^lagen  unb  gerfntrf^t  werben  burd)  ba3  ©efe£, 
fonft  ijt  e$  ber  ©nabe  ©ottes  in  3efu  ni$t  fäfng*  2)er 
wilbe  2lefer,  ber  fo  lange  &it  xxnbtbant  ba  lag,  unb  mit 
Dornen  unb  2)ifkln  hwatytn  ijt,  mug  auerft  auSgerobet 
unb  umgeriffen  werben,  elje  ber  ©aame  beS  Evangeliums 
barin  warfen  unb  gru$t  bringen  fann.  —  5D?e^rere  nun, 
hu  2)iefe£  lefen,  werben  mit  mir  übereinjtimmen,  bag  eS 
auf  bie  genannte  28eife  mit  ber  2}uge  gehalten  werben 
muffe,  allein  viele  Rubere  werben  bod)  aud;  benfen,  fte  paben 
fdjon  eine  äjmlic^e  EReue  empfunben,  wenn  fte  hti  ber  23or* 
bereitung  gum  ^eiligen  2lbenbmaf>l  Cwo  fte  fleigiger  beteten, 
als  fonjt)1,  über  hk  Stenge  i|>rer  ©ünben  na&fiafyttn ,  unb 
barüber  erfcfjredt  würben*  ©ie  fagen,  fte  f)aben  ftd>  ja  ftitt 
unb  eingebogen  betragen,  £aben  bofe  ©efellfdjaften  gemieben, 


294 


unb  fto)  überpaupt  aU  bugfertige  ©imber  gezeigt  —  3a)  gebe 
gerne  au,   tag   ki  frommen  (Sprtjien,  bte  in  ber  @nabe 
©otteS  jtepen  unb  ftd)  üben,  ein  unterlegtes  ©ewiffen  gu 
bewapren,  fola)e  3^d)en  ber  IBuge  nia)t  31t  verwerfen  ft'nb, 
Slliein  wir  paben  e3  pier  auSbrüdlia)  nur  mit  benen  3U 
tpun,  tit  btSper  beparrlid)  in  ©unben  legten,  unb  Iti  benen 
jta)  fonjt  fein  @ifer  $ur  ©ottfeligfett  geigte,   als  etwa  gu 
fcer  3titf  ba  fte,  naa)  tprer  Sleugerung  fromm  werben, 
b,  £  $um  peiligen  ?Ibenbmapl  gepen  wolltem    liefen  fann 
man  mit  diifyt  entgegenhalten,   bag   eine  folepe  pepttge 
25uge,   wenn  fonß:  niepts  babei  ift,  ma)t  red)ter  2lrt  fep, 
weil  bie   peilige   ©eprift   uns   mehrere   gottlofe  ^enfepen 
nennt,  bei  benen  fto)  eine  äpnlia)e  tforübergepenbe  D^irfjtung 
geigte,  bie  aber  bod)  naa)  wie  sor  £eua)ler  geblieben  ftnb. 
©p  lefen  wir  $on  bem  gottlofen  ^onig  2lpab,  bag  er  feine 
Kleiber  griffen,   einen  ©ad  angelegt   unk  gefaftet  pabe, 
al$  ipm  @ott  burd)  ben  $roppeten  ®ti&$  ©träfe  anfünbigen 
lieg*    ©ein  $era  blieb  jieboep  ungeänbert,  unb  er  war  ein 
gottlofer  9ftenfa)+     S3on  bem  ifraelittfa)en  $olfe,   $>a$  in 
allen  möglichen  ©ünben  lebte,  Itxifyttn  t>k  $roppeten,  bag 
fte  e3  nie  an  Opfer  unb  ©aben  paben  fehlen  lajfen,  bag 
fte  an  ben  -fteumonben  unb  <&abhafym  pfammengefornmen 
fepen,  bag  fte  gefaxt,  iprem  2eibe  wepe  getpan,  ftd)  in 
ber  Skrfammfung  ber  sproppetett  eingefunben,  unb  boä)  naa) 
ipre£  £er$en$  Süften  unb  ©utbünfen  fortgelebt  pabetu    ©o 
erfepraef  aua)  ber  romifa)e  Sanbpfleger  gelir,  aU  ipm  Paulus 
tn'3  ©ewiffen  rebete,  bag  er  niept  langer  jupören  fonnte; 
aber  er  würbe  boa)  nia)t  beffer.    £)er  $onig  ©aul  würbe 
sou  £)av>tb  meprmalS  bapin  gebraut,  bag  er  fein  41nrecpt 
ernannte  unb  Strömen  sergog;  aber  e£  paftete  niept  lange; 
bte  Teufel  erjittern  ja  aua)  $or  ber  $?ajieftät  beS  gereepten 
©otteS;  aber  fte  bleiben  boa)  £enfet  —  £)arau3  erpellt, 
bag  fcer  sjftenfd),  wenn  er  and)  ttm$  2lepnlia)eS  an  ftd) 
wahrnimmt,  nia)t  serfta)ert  femt  fonne,  bag  er v  ein  rea)t 
Bußfertiger  ©ünber  fe^;  benn  bte  wapre  23uge  beftept  nia)t 
in  einer  pd)tigen  5lnbaa)t,   unb  ifl  fein  28erf  x>on  etlichen 
©tunben,  (id)  meine  bte  ©efunben,  bte  noa)  3^  paben, 


295 


fta)  31t  befefjren,)  fonbern  man  jjtat  aettlebenö  bannt  31t 
fyun.  £)er  waljrfwft  bußfertige  gept  oft  ben  ganzen  $^3 
traurig,  feine  ©ünben  ftnb  immer  t>or  tjmt,  unb  er  jetgt 
feine  ÜÄiffeiJat  an*  £)ie  £anb  ©otte^  liegt  fa)wer  auf  il)m, 
baß  fein  ©aft  vertrocfnet,  tx>te  e$  im  ©ommer  bürre  wirb; 
unb  er  lägt  nia)t  naa),  bi$  er  feine  ©ünben  befennt  unb 
fta)  von  £er$en  aum  £errn  befejjrt  $aL  2)ieß  ftejjt  man 
an  £)atnb,  -welker,  obgleia)  er  auf  fein  bemütl)ige$  befennt* 
niß  bin  $x>n  bem  $rop£eten  9?ati)an  getrottet  unb  loSge* 
fproa)en  würbe,  boa)  in  feiner  £Sußanbaa)t  fortfuhr,  wie 
^falm  51  leim.  (Benfo  machte  eS  3ftanaffe,  wie  wir 
oben  anführten,  Slua)  bie  alte  $ira)e  prüfte  bie  23uße 
bercr,  wela)e  naa)  ijjrer  £aufe  in  grobe  ©ünben  gefallen 
waren,  oft  lange  Sät,  fte  mußten  bisweilen  einige  Sajjre 
lang  vom  allgemeinen  ©otteäbienjl  entfernt  bleiben,  unb 
unter  fielen  Streuten  tl?re  wafjre  9?eue  bezeugen,  ejje  fte 
wieber  angenommen  würben*  Wun  glaube  i^  $war  nia)t, 
baß  e$  feine  wa^re  23uße  geben  fönne,  ojjne  baß  ber  üJttenfa; 
lange  &\t  in  bejMnbiger  £raurigfeit  lebe;  benn  ia)  mi$ 
roofjl,  ba$  e£  Ui  (Bott  f*e|>t,  \x>k  balb  er  ben  erfa)rocfenen 
Sünber  mit  feiner  £ülfe  tröften  xoitt.  3a;  möä)te  nur  ben 
£eua)lern  unb  leia)tjtmugen  2D?enfa)en  begegnen,  unb  tfmen 
geigen,  baf?  ba$  feine  23uße  fe^,  wenn  man  fta)  fur^e  3«t 
anbäa)ttg  ftette ,  unb  boa)  naa)l)er  in  feinen  gewohnten 
©ünben  beharre,  £)ie  23uße  muß  »ielmepr  bejftmbig  fepn 
unb  in  einem  gewiffen  $erl)ciltntß  au  ber  Sünbe  ßeljen.. 
303er  große  ©ünben  begangen  pat,  ber  foll  nia)t  glauben, 
e£  fep  2llle3  gut,  wenn  er  fta)  nur  einigemal  anbäa)tig 
flellt  unb  fprta)t:  „©Ott  fe$  mir  ©ünber  gnäbtg;" 
fonbem  er  muß  ©Ott  tdglta)  um  ein  wajjr^aft  bußfertige^ 
£era  bitten,  muß  fta)  in  einem  inbrünfKgen  Oebet  vor 
feinem  @rlöfer  alle  £age  bemütjHgen,  unb  \t>k  ausor  bie 
©üttbe  fein  £iebling£werf  war,  fo  muß  nun  bie  23uße  bie 
Hauptaufgabe  feinet  £eben$  fesm.  —  ©ana  gfeia)  fann 
freilia)  bie  *Reue  beS  ©ünberg  mit  feiner  TOffetbat  nia)t 
fepn,  wie  wenn  er  auf  fola)e  Söeife  für  biefelbe  genug  tyun 
müßte.   £)enn,  wenn  aua)  Semanb  feine  ganae  Men^eit  mit 


296 


gaflen  unb  ©eten  subringen  nnb  unselige  Streuten  ser* 
gießen  würbe,  j[a  wenn  er  ftcf>  felbft  ki$  auf  $  33lut  geigelte, 
fo  fönnten  bod;  bamit  ferne  ©unten  gebüßt  werben*  3efu3 
tljmjtug  allein  §at  für  unfere  ©ünben  genug  getljan,  unb 
nur  bur$  3fm  fönnen  wir  bte  ©nabe  ©otteg  erlangen»  — 
2)aburdj  aber  will  ity  feinem  waljrfwft  bußfertigen  B^eifef 
verurfa^en,  ob  feine  Dfoue  auqj  groß  genug  fep;  fonbern 
wir  fpre^en,  xok  fcf>on  gefagt,  bloä  gegen  bie  $?ua)kv, 
welche  glauben,  aU  ob  mit  einigen  ©euftern,  mit  einigen 
23ußgebeten  bat  gan^e  2öerf  ber  23efferung  abgemalt  fep, 
wäfjrenb  fte  nad^er  in  ipren  ©ünben  fortfahren,  in  ber 
93orau$fe$ung:  ftefe^enfo  gar  leicht  abzubüßen*  £)iefe  betrügen 
ftd)  fepr,  unb  wiffen  nid[)t,  wag  ©ünbe,  3?eue,  23uße, 
©laube,  ©nabe  unb  Vergebung  ber  ©ünben  tjl.  2)al)er 
fagt  ein  frommer  £ejjrer:  „SBuße  tljun  i(t  fein  gering  2Berf, 
wie  ftdj  fixere  £er$en  einbttben,  fonft  würbe  bk  fjeilige 
©djrift  feine  fo  flarfe  Sßorte  bafür  brausen  unb  fagen: 
baS  menfd)li$e  £er$  mftffc  griffen,  $erfd;lagen  unb  3er? 
brocken  werben»  £ax>ib  würbe  jt$  aud)  ni$t  fo  jämmerlich 
gezeigt  unb  gefeufet  jjaben*  SSaprlid;  e$  gebort  ein  großer 
(£rnjt  ba^u!  Gjrin  Slnberer  fagt:  „£)er  Ijeilige  ©eift  wirft 
burdj  ba£  SÖort  eine  wafjre  9?eue,  welche  in  re^tf^affenen 
^Buf Übungen  warfen  muß;  allein  btefelbe  fann  in  biefem 
$ebm  nie  ganj  vollfommen  fe^m"  —  &in  dritter  bemerf t 
enblic$ :  „203a$  für  einen  Wluty  würbe  bk$  im  gobe  geben, 
wenn  Semanb  ben  Beinamen  eine£  ©ered?ten  fo  gering  fd)ä£t, 
baß  er  ftd)  bte  ©erec^tigfeit  be$  ©laubenS  hä  anl?attenber 
Ungered)tigfeit  etnbitbet,  unb  meint,  ber  ©laube  fep  ein 
föltfyt  £>ing,  unb  man  fep  al^balb  gerechtfertigt,  fo  balb 
man  fpredje:  ©Ott  fep  mir  ©ünber  gnäbig;  ober:  ia)  glaube, 
£err!  —  31$  nein,  bu  armer  betrogener  2Dfenfd),  e$  geport 
viel  gu  einem  rec^tfdjaffenen  ©tauben,  unb  eije  man  mit 
bem  armen  3t>Hner  in  wahrem  (£mjt  an  bk  23rujt  fc^lagt, 
unb  in  2)emut^  um  ©nabe  Utkt,  e£e  man  alfo  geregt* 
fertigt  nad;  ^aufe  gept,  gibt  eg  gewaltige  £er$ftöße^ 
Sttan  fommt  mit  feiner  eigenen  Vernunft,  mit  gleifd)  unb 
23lut,  mit  bem  Teufel  felbft  in  ©treit.  <g*  hkibt  alfo  babet, 


297 


bag  bie  wapre  Sfteue  burdjbringenb ,  txnfilify  unb  befMnbig 
ift,  guro)t  unb  (Bereden  mit  fta)  bringt,  unb  einen  ernji* 
liefen  £ag  gegen  bie  ©ünbe*  38er  bieg  ma)t  weig,  unb 
noo)  nie  ttwa$  bavon  empfunben  fyat,  ber  Mibe  fia)  fa 
ntc^t  ein,  bag  er  unter  bie  3apl  ber  ausfertigen  gehöre, 
er  fange  l?eute  noä)  au,  von  ganzem  ^er^en  fta)  sunt  £errn 
3U  befepren,  unb  rufe  tyn  mit  £)avtb  an:  ©cpaffe  in  mir 
©Ott  ein  reinem  JDeq,  unb  gib  mir  einen  gewiffen  (&ä%  ber 
opne  galfa)  feine  ©ünben  bereuen,  im  ©laubenniä)t  saufen, 
unb  aua)  fünftig  wiber  bie  Verfügungen  be$  ©atang,  ber  Sßelt 
unb  beg  fünblia)en  gleifa)e$  fefter  befreien  möge,  aU  früher. 
II.  2ötr  wollen  ferner  auep  bie  Prüfung  ber  wapren 
23uge  an  bem  feiten  ©tue!  geigen,  bem  ©lauben,  wie  aua) 
an  bem  neuen  ©eporfam.  (B  tjt  gewig,  bag  fta)  bei  einem 
rea)t  bugfertigen  6ünber  aua)  eine  groge  Veräuberung  in 
2lnfepung  beS  £errn  3efu  unb  ber  ©nabenmittel  ftnbet, 
bura)  wela)e  dx  uns  vorgeftellt  wirb»  £)er  Söeltmenfa),  ber 
in  feinen  ©ünben  bapin  lebt,  befümmert  fia)  nia)t  viel  um 
ßprtfio,  unb  fein  £e*$  bleibt  falt  babei,  wenn  man  ipm 
von  feinem  (£vangelio  ober  feinem  ^reu^egtobe  ztvoa$  fagt 
2)ie  S5ibel  palt  er  für  tin  gewöpnltcpeS  S3ua),  bie  2epre 
von  ber  ©ereeptigfeit  bura)  ben  ©tauben  fa)ä£t  er  gering, 
unb  gept  mepr  au3  ©ewopnpeit  in  bie  $ird;e,  als  mit 
einem  perlen  Verlangen  naa)  ber  ©nabe  ©otteg,  tk  im 
SS  orte  vorgetragen  wirb.  ©innreiepe,  wi£ige,  fuqweilige, 
unb  naa)  bem  ©eijte  ber  313elt  gefa)riebene  23ücper  finb  ipm 
lieber,  als  t>k  ©djriften  aller  Slpoftel  unb  33roppeten»  %n 
ben  ternfprücpen  ber  23ibel  ftnbet  er  feinen  ©efd)mad,  unb 
wa^  man  ipm  von  ber  ©emeinfa)aft  mit  Otprifto  fagt,  ba$ 
palt  er  für  eine  gporpeit,  unb  er  fann  eg  nia)t  begreifen, 
ober  meint,  e3  fep  nid;t  gar  viel  baran  gelegen,  unb  er 
pabe  langji  ausgelernt  —  3«nt  peiligen  2lbenbmapl  gept 
er  $war;  aber  mit  gan^  faltftnnigem  $er^en.  (ix  ifi  tnitpin 
ben  3uben  gleia),  bk  Gtprifium  in  bm  gagen  feines  gleifa)e£ 
fapen,  aber  boa)  ber  traft,  tk  von  bemfelben  au^gieng,  nia)t 
tpeilfjaftig  würben;  ober  er  maept  eg,  wie  tin  fattes  ^inb, 
ba$  mit  bem  perrlidjfien  SBrobe  fpielt,  e$  jerbrodt  unb  unter 


298 


bte  pge  wirft.  —  23ei  einem  waprpaft  befeprten  5D?enf^en 
gept  eS  ganz  anberä;  benn  fobalb  fein  £er$  bura)  wapre 
Q3uge  gerfntrfd^t  tji,  fängt  er  an,  fta)  nao)  £ülfe  gu  fernem 
2öenn  ipm  nun  ba^  (Evangelium  unfern  £eilanb,  3efum 
(Sprijtum,  als  ben  ©nabenftupl  vorpält,  ber  für  bie  ©ünber 
von  ©Ott  verorbnet  ift,  fo  empftnbet  er  ben  unausfprea)* 
lia)en  p&f,  ber  im  Söorte  ©otteS  enthalten  ift  £)ann 
erfährt  er  e3  an  fta)  felbß,  was  eg  peiße:  25aS  (Evangelium 
fei;  eine  $raft  ©otteS,  feiig  ju  maa)en  Sitte,  t>k  baxan 
glauben»  £)  wie  wertp  wirb  ipm  bann  bie  peilige  ©d)rift! 
£)a  ijt  eS  ipm,  als  ob  febe  SBerpeifmng  ©ottes  in  Gprifb 
eine  SSerfuperung  ber  Vergebung  feiner  Sünben,  unb  ber 
©eligfett  für  feine  (Seele  fep,  mit  (grifft  33lut  gefa)riebetu 
&a  finbet  er  M?$  voll  @eiß  unb  £eben,  voll  göttlicher 
SeiSpeit  unb  $raft,  wa$  er  früher  für  lauter  £porpeit 
gehalten  pat;  ba  befennt  er,  ba$  Ue  Triften  ber  tvetfeften 
Reiben  ein  leereg  ©efd)Wci£  unb  ben  Siegeln  äpnlia)  fes>en, 
^k  in  ber  ©egenb  be3  ehemaligen  ©ebom3  warfen,  weldje 
gwar  ein  fa)öne3  2lnfepen  paben,  inwenbig  aber  nur  ©taub 
unb  5lfa)e  enthalten.  £)a  weiß  er  Sefum,  feinen  Mittler 
unb  (üErlöfer  nia;t  po$  genug  31t  fa)ct$en,  unb  lernt  »erfiepen, 
wer  ber  Kaufmann  fe^,  ber  gute  perlen  fudjte,  unb  al$  er  eine 
föjtlia)e?5erle  fanb,  pinging,  2lßeS  zerraufte  unb  biefelbe  faufte. 
—  2>a  aa)tet  er  2llle3  für  ©a)aben  gegen  bie  (Erfenntnif? 
feinet  £eilanbeg  3efu  £prijH;  ba  begehrt  er  aua;  feine  größere 
(Epre,  greube  unb  £ujt,  als  bie,  baj?  er  feinen  £eilanbftet$ 
vor  Slugen  paben,  unb  ftc^  bejMnbig  mit  3pm  befa)dftigen 
möge;  ba  fagt  er  von  £eqen:  „£err  3efar  wenn  icf;  nur 
2)iä)  pabe,  fo  frage  id)  nta)t3  naa;£immel  unb  (Erbe!"  £)a 
lernt  er  bte  Sßelt  veralten,  unb  finbet  mepr  Vergnügen  an 
ber  £)ornentYone  Gprifti,  aU  an  ben  3?ofengärten  biefeg  £e* 
benS»  £)a  beflagt  er  mit  £pränen,  bafü-  er  fo  fpät  $ur  (Er, 
fenntnig  feinet  (ErlöferS  gefommen ,  unb  nimmt  jia)  vor,  fein 
übriges  2eben  nicpt  anberS,  als  in  ber  %kbz  unb  in  bem 
£)tenfte  beffelben  zuzubringen.  :£>a  fua)t  er  aua)  5lnbere  $ur 
(Erfenntnig  beS  £erm  pin^uleiten,  unb  wünfa)t  in  aller  Seit 
ben  tarnen  Neffen  auszubreiten,    beffen  ©nabe  ftä)  an  ipm 


299 


tterf>errfia)t  £at.  £)a  eifert  er  über  bie  Unbanffcarfett  unb 
SBImbpett  ber  SDßelt,  welche  tiefe  Seligfeit  fc  oft  gering  $$$*, 
imb  mochte  mit  jenem  frommen  SOtofgrafen  aufrufen :  „2)ie 
fotfen  verbammt  fevm  mit  ii?rem  @elbe,  bte  baffefbe  Ijöper 
aä)ten,  als  bie  @emetnfd)aft  mit  Qtfirijb!"  £)a  erfährt  er,  wa$ 
für  S^roft,  traft  imb  £eben  in  bem  jj  eiligen  2IbenbmaBl  tfr; 
ba  empftnbet  er,  baß  nia)ts  ber  Seele  biefe  Düipe  serfc?>af* 
fen  fann,  aU  ta^  £iebe3maf>l  t>e^  Qrrlöferä,  barin  er  nnö 
einen  Fimmel  auf  ber  (Erbe  bereitet  |wt;  ba  tft  ipm  ber  -iftame 
3efu£  in  fein  $ers  gefa)rieben,  fein  £eilanb  ift  ifjm  %tle$, 
unb  auffer  3pm  tjt  9cia)t3;  ba  ruft  er  mit  greubigfeii  au£: 

2Ba3  ifl,  o  3efu,  baö  i$  ni#t  3ln  betner  Siebe  Ijabe? 
Sie  tft  mein  ©fem,  mein  Sonnenlicht,  $?ein  £mett,  ba  ia)  mity 
labe,  $?ein  füfler  2Beüt,  mein  £>immeBbrob,  SO^ein  Äteib  bor 
©otteS  £|rone,  Steine  Ärone,  9??ctn  @cbu#  in  aller  !Hi>#, 
$?ein  f>au£,  barin  td?  too^ne. 

prüfet  eua)  nun  abermals,  i£r  @jmfkn,  unb  fefjet,  ob 
iljr  wa|>rl?aft  bußfertige  Sünber  fev;b.  £)ie  waljre  ©ufe 
fann  olme  (Glauben  nia)t  befielen,  unb  ber  (Glaube  nta)t 
ojjne  bk  £oa)aa)tung  be3  £errn  3efu  @lmjti  unb  feiner 
©nabenmittel.  2Bo  ba$  #er$  uoä)  taltftnnig  ifi  gegen  ben 
(£rlofer,  wo  man  Sein  SÖort  nia)t  gehörig  achtet,  nia)t  mit 
(Ernjt  an  3jm  beult,  ben  Unbanl,  fen  Spott  ber  SSelt,  rufng 
anhört,  bie  (Filter  tiefer  (£rbe  \)ü)tx  fdjägt,  aU  ba$  $er= 
bienjt  3efu  £{mfh',  ba  mafyt  man  fta)  vergebliche  Hoffnung 
von  einer  aufrichtigen  Sinne^anberung. 

III.  £)emnaa)  wirb  e£  kid)t  fep,  bie25uße  aua)  naa) 
bem  neuen  ©e^orfam  unb  naa)  tjjrcn  grüßten  ju 
prüfen;—  benn  biefetbe  bringt,  wie  wir  oben  gefefien  fwben, 
eine  große  SSeränberung  mit  fta),  wela)e  ni$t  blo3  derjenige 
fftlbft,  an  bem  fle  gef fykfyt,  fonbern  aua)  Rubere,  ob  jte  gleich 
gottlob  ftnb,  waj>rne£men  fönnen.  Sie  ifi  eine  göttliche 
SQBirfung  in  un£f  bie  fta)  nta)t  verbergen  lagt,  fte  fängt  im 
$er$en  an  unb  verbreitet  fta)  von  bg  in  alle  ©lieber  unb 
in  alle  Gräfte  be$  Mbeö  unb  ber  Seele.  Sie  le^rt  t>a$ 
£er$  von  ber  Sünbe  gu  ©Ott  unb  gibt  einen  neuen  @eiß 
unb  einen  neuen  Sinn,    darauf  beutet  aua)  ber  ^Ipoftel 


300 


Ijin,  mit  ben  Porten:  „3fi  3emanb  in  dfn-ißo,  fo  i$ 
er  eine  neue  Kreatur;  ba3  Sitte  ift  »ergangen,  fief?e 
eö  tjt  2ilte6  neu  werben;  aber  baö  2llle6  tfon  ©Ott, 
ber  uns  mit  ©ia)  f e!6ft  »erfofjnt  £at,  bur$3efum 
(5  fr  ift  um,"  2)er  nämlia)e  ltnierfa)ieb ,  welker  $wif$en 
einem  tobten  unb  einem  lebenbigen  9ttenf$en,  ^wifa)en  einem 
»erwilberten  unb  einem  bebauten  Slcfer,  ^wifajen  einem  tciU 
ben  unb  einem  geimpften  ©tamm,  ^wifdjen  einem  ungera* 
treuen  unb  gejjorfamen  @ojjn  ift,  jtnbei  aua)  $wifa)en  einem 
belehrten  unb  unbefeljrten  $?enfa)en  jiatt»  2lua)  bieg  lejjrtbie 
$t\L  ©a)rift  in  mehreren  Sluefövüa)en  unb  23eifpieten,  auf 
welche  wir  mit  @otte£  £ülfe  fpäter  lommen  werben»  gür 
je|t  erinnern  wir  an  bie  SBorte  be£  Slpoflefö  ^auluS:  „©  ott 
fep  gebanft,  bafi  i|>r  ber  ©ünbe  ®nea)te  gewefen 
fe^b,  aber  nun  gefjorfam  worben  von  ^er^en  bem 
SSorbilbe  ber  £eljre,  welker  i£r  ergeben  fe 9b.  3^r 
wäret  weilanb  ginjternig;  nun  aber  feipb  i£r  ein 
%ifyt  in  bem  £errm"  (£ben  fo  fagt  aua)  betrug:  „<Seljet 
barauf,  t>a$  i$x  jnnfort  bie  noa)  übrige  %t\t  im 
g(eifa)  nia)t  naa)  t>tn  2üjlen  ber  20?enfa)en,  fon* 
bern  naa)  bem  SSilten  ©otte$  lebet  £)enn  e$  tfl 
genug,  baff  wir  bie  »ergangene  Szit  be$  £eben$ 
gugebraa)t  I?aben  naa)  f)eibnifa)em  SBillen*  Da^ 
befrembet  fie  Cok  noa)  Unbelebten),  baj?  iljr  niä)i 
mejjrmitiljinen  laufet  in  baffe Ibe  wüfte,  unorbent* 
lta)e  £eben  unb  £ajter»"  J£)icr  (teilt  nun  ber  Slpofkt 
ba3  ©ünbenteben  »or  ber  33efef>rung  bem  Men  ber  ©nabe 
naa)  ber  23efebrung  gegenüber  f  unb  »erlangt,  baß  man  bie 
übrige  £eben^eit  naa)  ©otte$  ^eiligem  Stilen  anwenben 
folle.  3wgleiö)  bemerlt  er  and),  $>a%  hk  Skränberuug  hn 
ben  33efef)rten  fo  grog  unb  fta)ibar  fep,  baff  fta)  aua)  b;e 
Ungläubigen  barüber  wunbern,  wie  jene  fo  fa)nelt  auf  anbere 
©eftnnungen  gekommen  unb  nun  ben  £üften,  an  weta)en  fte 
früher  greube  gehabt  I?aben,  »on  #er$en  feinb  fepem  £)ar* 
aug  lägt  fia)  fa)liefjen,  bag  bie  SSeränberung  nia)t  bloS 
dugerlia)  gefd)ie^t,  fonbern  »or^üglia)  innerlia).  3uerfl  wirb- 
bag  £er$  bura)  C^otfe^  ©nabe  unb  ©eijt   erneuert,   ber 


301 


Sttenfo;  befommt  tyxifti  ©mit,  fem  SBerftonb  wirb  erleua> 
itt  unb  fein  SBille  gecmbert;  er  lebt  nityt  mefjr  nadj  bem 
gleifa),  fonbern  nad;  bem  ©eiß,  bie  £uft  ber  Seit  tft  tjnn 
eine  £afl,  ü)re  2Bei$jett  eine  £por£ett,  er  fliegt  t^ve  ©efetl* 
fc^aft,  |>at  feine  ©emeinfdjaft  mit  ben  Söerfen  ber  ginftermfj, 
imb  befleißigt  ftd;  tagtia)  mepr  bem  $orbtfbe  (grifft  tynlify 
3U  werben*  (£r  wanbett  anbete  als  früher,  übt  ftd;  in  ber 
©ottfeligfeit  unb  fud)t  feinem  ©Ott  $u  bienen  in  £ettigfett 
unb  ©ereajtigfeit.  Erliegt  tägfta)  mit  ber  ©ünbe  im  Kampfe, 
bie  noa)  in  feinem  gleifa;e  wojmt  unb  unterbrüdt  fte  bura) 
bie  $raft  3efu  (E£rijit.  geiler  unb  @d)Waa)l?etten,  bte  er 
noa)  an  fta)  ftnbet,  ftiijb  ijmt  Ijeqlid)  leib,  unb  er  be* 
ftrebt  fta),  fte  $u  serbeffern,  dv  eifert  um  feinen  ©Ott  unb 
fua)t  aua)  anbere  Uebertreter  bie  Sege  be£  £öa)ften  gu 
teuren ;  er  fa)ctmt  ftd§>  feinet  £eitanbe3  nia)t,  fonbern  befennt 
feinen  tarnen  frei  sor  ber  SBeft  unb  erweist  ftd)  überall 
als  ein  (Efjriji.  —  ©ein  ganzes  C-eben  tft  nur  GEine  £ob*  unb 
©anffagung;  beim  er  fann  feinen  £eitanb  nicfjt  genug  $xcU 
fett,  baß  (£r  if)n  bura)  fein  3Mut  gereinigt  unb  in  feine  ©e* 
meinfa)aft  aufgenommen  pat  —  2)iefe  SSeränberung  tj!  aber 
nic^t  gezwungen,  wie  fa)on  siele  3ttenfa)en  bura)  Sitter  unb 
8a)wad)j)eit  ober  bura)  5lrmut^  unb  fonfh'gen  3roang  bafiin 
gebraa)t  würben,  bag  fte  son  groben  ©ünben  abliegen,  wäfj* 
renb  iljr  £er$  mit  böfer  &ji  unb  Siebe  $u  benfelben  ftetö 
erfüllt  blieb*  9ttan$er  abgelebte  Söotlüftliug  rebet  Jwentg* 
jienS  noa)  fa)anblta)e  2)inge,  wenn  er  aua)  gleia)  ber  £l)at 
entfagt  f>at  £)er  alte  2)omjfraua)  fann  ja,  wenn  er  gleia) 
siele  bürre  Reifer  f>at,  noa;  j*ea)en,  obfa)on  nia)t  meljr  fo 
jmrf,  tt>k  ber  grüne  unb  junge;  aber  einer  ift  fo  fa)limm 
aU  ber  anbere*  —  $h'r  fdjeint  e$  einmal  feine  wa£re  33efep* 
rung  ^u  fet;n,  wenn  ber  alte  SSater,  ber  fd;on  mit  einem 
guß  im  ©rabe  ftejjt  unb  baf?er  feine  SluSfd; weifungen  unter* 
laffen  muß,  e$  rea)t  woj?l  leiben  fann,  wenn  feine  ©ojme 
e$  fo  treiben,  tck  er  eS  getrieben  j?at;  wenn  er  nia)t  mit 
gehörigem  ßrrnft  fte  bason  abhält,  fonbern  bloö  au$  gura)t 
sor  bem  perannajjenben  £obe  auweilen  ein  ®thü  um  2kr* 
gebung  ber  ©ünben  liest,  feufet  unb  fia)  fromm  fiellt.  2)enn 


302 


wie  fann  man  fagen,  baß  berjenige  eine  wa£re  Sfieue  über 
tie  ©unten  feiner  3ugenb  im  ^er^en  Ijabe,  ber  bei  jeber 
Gelegenheit  biefelben  mit  Vergnügen  er^lt  unb  Hnbere 
nia)t  bason  abzubringen  fua)t  28er  fta)  feiner  <3ünben  noa) 
mit  £uft  erinnert,  ber  begebt  biefelben  $or  Gott  gleia)fam 
immer  wieber  $on  neuem,  wer  über  biefelben  fogar  laa)en 
fann,  ber  tji  w*it  oon  ber  wahren  23uße,  fein  ^erg  pängt 
noa)  an  ber  ©ünbe,  wenn  i£m  gleich  bte  £raft  feplt,  bk* 
felbe  auS3ufü|>re>  —  <So  gercitjj  9ttana)er  burä)  2lrmutfj 
balnn,  baß  er  nia)t  me^r  fpielen,  fta)  betrinfen,  cber  über 
feinen  ©tanb  fleiben  fann;  aber  wenn  er  bie  näa)fk,  befte 
Gelegenheit  $u  folgen  SieblingSfünben  begierig  ergreift,  fo 
jeigt  er  gar  balb,  ba$  es  tijm  mit  feiner  23efferung  fein 
wahrer  (Ernft  fet;*  —  Die  rechte  23uße  fliegt  aus  bem  bura) 
Gottes  Gnabe  oeränberten  bergen,  fte  fann  t^rer  oorigen 
©ünben  ofme  Sjjränen  unb  ©eufter  nia)t  gebenfen,  warnt 
5lnbere  mit  (£rnft,  unb  meibet  jt'ebe  Gelegenheit,  wieber  in 
bie  9le£e  beS  ©atanS  gu  geraden»  ©te  befleißt  fta)  eines 
nüchternen,  mäßigen  SebenS,  benft  an  bie  »ergangene  Sät  mit 
©ajreden,  unb  banft  Gott  alle  Sage,  i>a$  (£r  fte  nia)t  in  fei* 
nem  3orn  aufgerieben,  unb  naä)  Serbien):  bem  ewigen  $er* 
berben  preisgegeben  fyabe*  —  (£nblia)  fann  man  aua)  bar* 
aus  fe^en,  t>a$  eS  bem  9tteufa)en  mit  feiner  25efferung  ein 
(Ernft  tfl,  wenn  er  fta)  9tta)tS  oorbejjäTt,  fonbern  Willem,  was 
wiber  Gottes  Gebote  ijt,  entfagt,  unb,  fo  oiel  mögliä),  ein 
gottfeligeS  £eben  füjjrt  —  Senn  bk  Geriete  GotteS  naf)e 
finb  ober  bereits  über  bk  3D?enfa)en  ergeben,  fo  enthalten  fta) 
Sttanaje  eine  3ät  lang  tprer  gewohnten  ©ünben,  gleia)  tt>k 
Einige  in  ber  Hoffnung,  eine  gute  £eiratji>  gu  treffen,  fta)  fo 
lange  beS  SrinfenS  unb  ©pielenS  enthalten,  bis  fte  i£re  2lb* 
fta)t  erreicht  Ijaben»  Slnbere  f>aben  ben  guten,  aber  boa)  un* 
richtigen  23orfa£,  baß  fte  fta)  in  ben  Sagen,  an  welchen  fte 
fta)  zum  ^eiligen  Slbenbma^l  vorbereiten,  wirflia)  oor  ber  ©ünbe 
püten  wollen  unb  fte  führen  benfelben  aua)  aus*  9?oa)  2lu* 
bere  laffen  gwar  oon  ben  ©ünben,  bie  fte  bisher  gewohnt  m* 
ren,  aber  fte  oerfallcn  gerabe  in  bk  entgegengefegten  geiler ; 
fo  würbe  auS  bem  2krfa)wenber  fa)on  fmuftg  ein  GeisJmlS* 


303 


%n  SStefen  tyat  man  eS  fa;on  erfahren,  baf?  fte  $war  ma)t  mel?r 
flutten,  aber  anty  ba^  ©eBet  nia;t  gar  J>oa)aä)teten ;  ober 
man  fa^  fte  am  ©onntage  $war  ntajt  mepr  betrunfen,  aber 
boa)  bei  böfen  @efellfa;aften,  wo  fte  tpre  3ett  mit  $h'tffiggang 
unb  allerfjanb  £jjorf?etten  zubrachten*  2D?ana;e  wollen  ^war 
tj)rer©treitfud)tentfagen;  aber  baS  fommt  (te  fefjr  faueran, 
bie  SMeibigungen  Slnberer  unvergolten  jnngeljen  $u  faffetu 
©ie  trotten  $war  9ttemanb  ba$  ©einige  nehmen,  aber  aua) 
i>a$  unrechte  ©ut  niä;t  lieber  perausgeben,  unb  bem  £)ürf* 
tigert  nid)t  beifüringem  2)aS  {»et^t  ben  ©atan  gut  £auSt|mre 
IjinauS,  unb  ^ur  £intert|>üre  lieber  herein  faffen* 
(£s  Ijeij? t  nid)t  23u£e  tfmn,  fonbent  ftä)  bloS  verftellem  2Bem 
e$  ein  (£rnft  tft  mit  feiner  Söefferung,  ber  fagt  bem  Teufel 
ab  mit  feinen  äßerfen  unb  2Befen,  unb  3 war  auf  ewig*  dt 
erfldrt  fta),  bag  er  ein  geinb  alles  gottlofen  SSefenS  fe^n, 
zeitlebens  bagegen  fämpfen,  ftreiten,  beten  unb  nie  wieber  bar* 
ein  willigen  wolle,  bie  3Öe(t  möge  übel  ba^u  fefjen  ober  mdjt, 
unb  fein  gleifa)  unb  23lut  möge  es  fä)mer$en  ober  nid)t  (£$ 
tjt  fein  ernjter  Sßorfag,  feinen  ©Ott  nid)t  mejjr  3U  beleibtgen, 
wefjfjalb  er  3pn  tägtiä;  um  ben  23eiftanb  feines  ©etßeS  hütet. 
(£S  i^eigt  bei  il?m: 

©utc  9la$t,  0  SBefen,  £)a$  bte  Seit  erlefen,  3)2tr  gefattfi 
turnet.  ®ute  Watyt  tyx  ©ünben,  bleibet  weit  bahnten,  Äommt 
ni$t  me$r  ans  ?ia)t;  ©ute9la#t,  bu<5tof$  unb  *Pta#t,  £>ir  fep 
gan$,  bu  Saflerleben,      ©ute  9tac$t  gegeben! 

Um  in  biefem  ^eiligen  $orfa£e  $u  verparren,  metbet  ber 
23efef>rte  j'ebe  ©elegenfjeit  $um  23öfen,  fliegt  biejenigen, 
wefdje  in  täglid) en  ©ünben  leben,  wie  bie  $ejt,  erneuert  feinen 
gottfeligen  (£ntfa;tug  alle  borgen,  unb  unterfudji  feinen 
SBanbet  am  Ibenb,  bamit  er  feine  geljler  ernennen  unb  fte 
vor  ©ott  abbitten  möge.  (Ex  wajfnet  fta;  mit  tem  ©inn 
unb  ©eijt  (SprifH,  wirb  in  bem  täglichen  $ampf  mit  ber 
©ünbe  nia)t  mübe,  fonbern  ljätt  an  mit  23eten  unb  gießen, 
unb  traa)tet  barnaa),  immer  vollkommener  .31t  werben,  ein* 
geben!  beS  SSortS:  „Saget  naa>  bem  vorgefteeften 
3iel,  naa)  bem  ®leinob,  welkes  vorhält  bte 
£immUftt)e  Berufung  in  d^rifto  3efu/'  — 


304 


%u$  bem  $$i$$ma,zn  ijt  nun  tue  wa£re  23uf?e  leu$t  $u 
erfennen.    £)af>er  prüfet  eud)  felbfi,  meine  driften,  ob  eine 
foldje   glücflidje  SBercinberung   aud)   tn   eurem   £er$en,   in 
eurem  Söitten,  in  euren  ©eftnnungen,  ^Sorten  unb  SBerfen 
vorgegangen  fep ;  prüfet  eu$,  ob  t^r  ber  (Sünbe  von  £eqen 
feint)/  unb  ber  ©ottfeligfeit  ojme  £eud)elei  ergeben  fe^b,  ob 
il?r  in  2öaf>r£eit  fagen  fönnet:  ify  war  ^uvor  ein  öfterer 
unb  Verfolger,  ein  £runfenbolb,  Spieler,  Müßiggänger  u.  f*  w* ; 
aber  mir  iß  23arm£er$igfeit  wtberfajjren ,  td)  Bin  geheiligt 
unb  geregt  korben  bur$  ben  tarnen  3efu,  ity  gltd)  vorber 
einem  verirrten  ©d)aaf;  aber  ia)  bin  nun  befe^rt  $u  bem 
«gurten  unb  SSifdjof  meiner  Seele*    3?ebenfet,  wa£  für  ©e- 
wo&nl)eitett  i£r  früher  an  tuä)  gejjabt  J>abt,  unb  wie  ipr 
euc^  gegen  ©Ott  unb  ben  9M$jten  ju  bezeugen  Pflegtet  $iel* 
leidet  wäret  if>r  ber  Völlerei  ergeben,  unb  jneltet  fte  ntdjt 
einmal  für  eine  ©ünbe,  ober  war  eucf)  gludjen  unb  Sajwö* 
ren  tttoaö  ©eringeg*    SBtelleic^t  fyatttt  tyv  eine  greube  an 
3an!  unb  (Streit  ober  an  fünblicr)en  Dieben  unb  unerlaubten 
Sdjer$en,  vielleicht  mattet  iljr  eudj  fein  ©ewiffen  barauS, 
ben  Sonntag  gu  entheiligen,  über  ba$  3£ori@otte$  $u  fpotten, 
letcr}tftnnig   ^ur  23eid)te   unb   $um   ^eiligen  2lbenbmapl   ^u 
gefjen,  t>m  ^iäcBften  $u  vervortfieilen  unb  $u  betrügen,  wirf* 
tia)e  23efferung  ju  verfprec^en  unb  bod;  tttc^t  $u  galten» 
SQBt'e  fte^t  eS  nun,  fonnet  ij?r  von  ^er^en  fagen:  fo  bin  iti) 
©ottlob  nia;t  mefjr  befctyaffen  ?  Ober  fte£t  eS  nod>  mit  eu$, 
wk  früher,  fe^b  ifjr  in  feinem  £f>eile  beffer  geworben,  ober 
machet  iljr  eö  gar  nod)  fc^limmer  ?    £)o$ ,  wenn  man  eudj 
£ört,  fo  jjabt  i£r  SllleS  getljan,  wa$  gur  23ufje  gehört,  unb 
meinet  in  biefem  3ujtanbe  feiig  $u  werben*    Ö  ipr  ver* 
blenbete  2Etfenfd)en!   SSer  §at  eu$  verführt,  unb  weiter 
«Satan  §at  eud;  foldje  23uge  vorgefpiegelt  ?    3$  fagc  euc|> 
bie  2Bal)rfjeit  vor  ©ott:  ifjr  muffet  anbere  SDcenfdjen  werben, 
neue  Kreaturen  in  (Sprtfto  3efu,  ober  ipr  werbet  ba$  ditify 
©otteä  nimmermehr  ererben»    3pv  ntüffet  vom  23ofen  laffen 
unb  ©ute$  tjjun,  wenn  nityt  euer  Seilten  unb  23ügen  um* 
fonft  fe^n  fott.     Raffet  euc^  nic^t  bereben,   bag  man  auf 
bem  böfen  SSege  tfitUUnö  wanbeln,   unb  gule^t  o{>ne  alle 


305 


Sföüfje  23uße  tfmn,  unb  in  ben  £immel  fommen  fönne*  — 
3)teß  ift  be$  £eufel$  Evangelium,   an  weldjeS  bte  Unbuß* 
fertigen  glauben,  unb  barüber  in'S  SBerberben  rennen»  — 
2)ie  SBerfe  ber  £tefee  unb  ber  neue  ©ejjorfam,   fagt  ein 
frommer  2ej)rer,  werben  nie  von  ber  $riß:litt)ett  $uße  ge* 
trennt,  fo,  baß  von  einem  $?enfcf)en,  oei  welchem  ft$  fein 
gottfeliger  Söanbel  ft'nbet,  nie  gefagt  werben  fann,  baß  er 
wirflidj  23uße  getjjan,  vielmehr  baß  er  ein  fdjlimmer  #eud)ler 
fep,  voll  Untugenb  unb  Untreue  gegen  ©Ott  unb  bie  2D?enfä)em 
(Ein  anberer  bezeugt:  2ßer  feine  ©ünben  geringfdm^t,  ver* 
fleinert,   entfd;ulbigt,   bemäntelt  unb  vertpeibigt,   wer   an 
bettfelben  feine  £uft  f?at,  ©elegenpeit  ba$u  fu<$t,  unb  fte  mit 
23orfa§  jwuft,  M  bem  lann  leine  wapre  23uße  fep,  — 2)arum, 
o  9ftenfd>,  glaube  ftdjer,  ba$  e$  eine  ©nabe  ©otte£  fep, 
unb  ein  33ewet£  feiner  2angmutl>,  baß  bu  aucf>  tiefet  no$ 
lefen  unb  poren  fonntefL  £>er  gerechte  ©Ott  Jjätte  bir  ntdjt 
Unrecht  getljan,  wenn  dx  bify  längft  bem  ewigen  SBerberben 
preisgegeben    f>aben    würbe,    nur    Ue;    gürbitten    unfereS 
Mittlers  3efu  (grifft  Ratten  feine  Strafgerichte  ^urücf ;  no$ 
fegt  ftept  bie  ©nabentpüre  Sitten  offen,  unb  noc$  Ijeute  wirb 
33uße  unb  Vergebung  im  tarnen  3efu  geprebigt     Söarum 
wollten  wir  alfo  mutwillig  in  bte  £ölle  rennen,  warum 
langer  bem  ©atan,  ber  ein  Lügner  gewefen  ift  von  Anfang, 
glauben,  unb  ©oiteS  Tarnungen  überhören?     2Q3enn  tpr, 
meine  3uljorer,  biefe  Slbpanblung  von  ber  35uße  abermals 
leer  an  euef)  vorüber  gepen  laffet,  tck  fo  manche  anbere  $re* 
bigten,  fo  wirb  eure  Verantwortung  nur  um  fo  fcfywerer  fe^m 
Serbet  il)x  bem  opngeadjtet  in  euren  gewohnten  ©ünben  fort* 
fahren,  unb  bo$  babei  bie  ©eligleit  erwarten,  fo  werbet  tpr 
euefy  mutwillig  um  biefelbe  bringen.  —  9hm  fo  fajfet  t>cn 
<£ntfd)luß  im  tarnen  3efu  beS  ©efreu^igten,  baß  t^r  eu$  von 
ber  ©ünbe  ^u  ©Ott  belehren  wollet  2Benn  tpr  btefeS  fyut, 
fo  Wünfc^e  ic^  eu$  ben  33eiftanb  be£  J?  eiligen  ©eifteg  unb 
verftd;ere  eud)  an  (Ejmfti  ©tatt  ber  ©nabe  ©otteS  unb  ber 
©emeinfd;aft  3efu  £fmftu    2öer  aber  t>i^  m'$t  achtet,  fon* 
bem  in  feiner  ©idjerlmt  unt>  SBoöpeit  verharrt,  ber  wijfe, 
ta^  ©otte3  Ungnabe  über  tym  Htibi,  unb  baß  er  feinen  Zfytil 
©cmeir'S  ©eelenf^afr.  20 


306 


$at  an  bem  Sßcrbtcnji  SprtjH,  an  feiner  (& ere0ttgfe.it  unb  Selige 
feit  30  neunte  peute£tmmelunb  (Exbz$x  3eugen,  i0f>abe  eu0 
£eben  unb  £ob,  ©egen  unbglu0  vorgelegt,  erwäget  bo0 
btö  £eben;  aber  ofme  waprpafte  23efferung  fönnet  tyx  ni0t 
ba^u  gelangen,  barum  befepret  eu0,  fo  werbet  0r  leben» 

IV.  ©01ießlid;  motten  wir  aud;  no0  etwas  $ur  33en0i* 
gung  bußfertiger  8ünber  |)in^ufe|enr  wel0e  ft0  oft  bem  trau? 
rtgen  ©ebanfen  Eingeben,  aU  ob  t^re  23u£e  ni0t  re0ter  2lrt 
fe^*  $?an0er  nemlt0,  ber  pört  ober  liest,  wie  baS  £er^  bei  ber 
SBuge  gerfnirf^t  unb  aerf01agen  werbe,  xck  bie  göttli0e 
Traurigkeit  gletdjfam  bur0  $tarf  unb  löein  bringe,  glaubt, 
er  fe#  no0  ni0t  red;t  befefjrt  „510,  fari0t  er  31t  ft0  felbj*, 
wag  ift  meine  33etrübniß  gegen  meine  6ünben?  2)a$,  parte, 
fi0ere  £erj  für0tet  ft0  no0  ni0t  re0t  vor  ©Ott,  unb  fann 
feine  ©efapr  no0  nid;t  ernennen,  bie  £pränen  wollen  ni0t 
re0t  fliegen,  unb  ba$  ®tM  ift  ni0t  fo  eifrig,  als  e£  fep 
follte  ic.  £)arum  feplt  es  mir  no0  an  ber  33uf?e,  unb  all  mein 
23eten  unb  S3et0ten  ift  vergeblt0/'  —  £)abci  ift  nun  $u  be= 
merfen,  ba$  eS  tk  SSeife  ber  tinber  ©otteS  fe#,  baß  fte 
Sttififallett  an  ft0  felbft  $abm  unb  ftd;  feiten  in  ber  Uebung 
ber  ©ottfeligfeit  genügen,  weil  fte  ipr  ©ünbenelenb  unb  t>a$ 
tiefe  Sßerberben  beS  menf01i0en  ^er^enS  beffer  ernennen,  als 
Slnbere,  fo  bünftipnen,  ftefe^en  no0  ni0t  genug  betrübt  bar? 
über*  £)aper  wijfen  fte  ni0t,  mc  fte  ft0  vor  ©Ott  bemü* 
tpigen  unb  tfjr  Mißfallen  an. ber  ©ünbe  bezeugen  f ollen;  fte 
Wünf0en,  bafj  tpre  klugen  Stpränenquellen  wären,  um  £ag 
unb  yiafyi  über  ipre  6ünben  $u  weinen,  fte  verlangen,  baß 
ipr  £er$  gan3  zermalmt  würbe,  bamtt  es  bo0  einmal  von 
feinen  £üden  laffen  mö0te*  £)te  vollften  Lepren  neigen  ft0 
am  mtiftm  $ur  (£rbe,  unb  t>k  größten  ^eiligen  betragen  am 
meiften  ipre  Unpetligfeit,  0re  33uße  gefallt  ipnen  nt0t,  mit 
iprem  ©lauben  unb  tprem  %chm  ftnb  fte  ni0t  aufrieben,  fie 
palten  nid;t  bafür,  ba$  fte  f0on  etwas  fe^en,  fonbern  fte 
wollen  eS  erft  werben*  —  ©o!0e  5D?enf0en  ftnb  in  einem 
waprpaft  glüdli0en  3ufianbe,  unb  eS  wäre  $u  wünf0en,  baß 
alle  eS  fo  mit  gebra0t  pätten*  SQS.er  ft0  felbji  am  meinen 
mißfällt,  ber  gefällt  @ott  m  beften;  ber  (^lenbefie  in  feinem 


307 


£er$en  ift  ber  £iebjk  kt  <35ott;  benn  weil  er  fta)  fefbjl  mit 
all  feinem  £pun  für  9ttä)t3  l;ält,  fo  $at  er  beßo  mepr  $er* 
langen  naa)  ©otteö  ©nabe,  bte  ü)m  2llfe3  ifL  —  £)er  gute 
SQSitCe  gefaßt  ©Ott  unb  tf*  3{w  angenepm,  wenn  er  aufrta> 
tig  iji,  unb  fo  groß  wir  wünfa)en,  baß  unfer  ©laufte  unb 
unfere  ©ottfeligfeitfepmöa)te,  fo  großftnb  biefelben  tnben2üt* 
gen  ©otteö,  wenn  wir  bura)  (£imftum  au  3pm  fommem  %h 
U$,  wa$  bura)  t>k  SSunben  3efu  ^u  ©ott  fommt,  ba$  tffc 
groß,  unb  wenn  e£  aua)  nur  ein  einziger  «Seufzer  unb  ba$ 
geringfte  Verlangen  unfere^  armen  £er$enS  wäre*  —  gerner 
tft  wopt  3U  bebenfen,  baß,  \x>k  unfer  gan$e3  (Sprifkntpum 
überhaupt,  fo  aua)  bie  9?eue  unb  23etrübniß  über  unfere  <§ün* 
Un  unsollfommen  fe#*  ©ott  beurtpeitt  fte  aua)  nia)t  naa) 
u)rer  SBottfommenjjett,  fonbern  naa)  tfjrer  2lufrta)tigfett,  wie 
2>a*ribfagt:  ,,ia)  wtify,  mein  ©ott,  $>a$  £>u  ba$£er$ 
^rüfefl,  unb  2lufrta)ttgfeit  t$  £)ir  angenepnn" 
SSenn  wir  bie  Vergebung  unferer  ©ünben  erlangen,  fo  gefa)iejt 
e$  nia)t  wegen  unferer  großen  ober  flehten  9?eue,  fonbern 
einzig  unb  altein  um  beS  großen  Verbienfteä  3efu  (Sprijn* 
willen ;  tie$  ift  baS  wapre  £öfegetb*  —  £)ie  traurig! eit  über 
bte  <Sünbe  bat  $war  einen  großen  -ftu^en,  wenn  fte  ernfttiä) 
iji,  Weil  fte  ba$  £er$  ^u  ber  ©nabe  ©otteö  fäpig  maa)t; 
allein  fte  erwirbt  tiefe  ®nai>c  nia)t,  unb  wenn  fte  aua)  fo 
groß  wäre,  aU  fte  immer  werben  fann*  £)arum  paben 
wir  uns  *>or  jener  pparifäifcpen  Meinung  wopl  ^u  püten, 
aU  fönnten  unb  müßten  wir  fetbß  für  unfere  Sünbe  hü$tn 
unb  beren  Vergebung  bura)  gute  2Berfe  erlangen*  -ftem, 
wir  muffen  un$  fo  über  unfere  ©ünben  betrüben,  ba$  wir 
babei  3efum  Gtprtftum,  ben  ©ünbentilger,  nta)t  auö  ben  klugen 
verlieren»  —  Sftan  fann  fta)  übrigen^  aua)  hei  ber  traurig* 
fett  über  feine  gelter  serfünbigen,  wenn  man  ber  betrüb* 
niß  all^ufepr  naa)pängt  unb  barüber  ba$  Vertrauen  $u  ©ott 
vertiert  Söenn  ber  &atan  ben  2ttenfd)en  nia)t  in  ber  ©ia)er* 
peit  erpalten  fann,  fo  ftür^t  er  ipn  gerne  in  Verzweiflung 
Wegen  fetner  ©ünben*  &a$  geängftete  ©ewiffen,  fagt  £utper, 
fiept  *>or  fta)  alle  traurige,  erfa)re^tia)e  33etfpiete,  gobten* 
bilber  :cv  bura)  wela)e  ©otteS  Strafen  abgebitbet  werben/ 

20* 


308 


bie  ber  @atan  in  einem  Augenbftcf  vor  t>te  6eele  $in* 
ftettt*  £ier  ifi  nun  nötlng,  baß  man  fta)  frü£seitig  naa) 
bem  (Mreu$igtett  umfelje,  beffen  23ilb  attetn  alte  ©a)recf* 
Silber  vertreiben  fanm  ©er  G^rift  fott  atfo  mc^t  meinen, 
er  muffe  immer  traurig  fe^n,  fonbern  er  muffe  feine  !fteue 
bura)  ben  ©laukn  mäßigen,  unb  fo  über  bie  ©ünbe  trauern, 
$a$  er  bk  greube  in  Gtjmfto  ma)t  verliere  unb  niä)i  mit 
3uba^,  bem  SSerrätljer,  in  ewige  graurigfeit  verfaul  (B 
ifi  genug,  wenn  unfere  23etrübniß  aufrichtig  ift,  unb  wenn 
wir  3efum  unb  fein  tfjeureö  SBerbienfi  j>oa)fä)ä§en,  fo  jjat 
bk  9tae  ba$  Sftt'ige  getl?an,  unb  man  barf  fta)  nia)t  me£r 
tarnm  befümmern,  ob  fte  groß  ober  ftetn  gewefen  fep*  — - 
Aua)  mehrere  33eifpiefe  ber  peiligen  <Bcf>ttft  zeugen  bavon, 
baß  fia)  bie  graurigfeit  über  bie  ©ünbe  ma)t  Ui  Mm  in 
gleichem  $ftaa$t  gezeigt  fjabe,  3*var  waren  ©avtb  unb 
üttanaffe  fepr  httxixU  über  iljre  ©ünben,  Petrus  weinte  bitter 
über  feinen  gatt  unb  bie  bußfertige  ©ünberin  lag  $u  ben 
güßen  3efu,  unb  bene^te  ft'e  mit  tj?ren  grauen;  aliein 
aua)  Aaron  verfünbigte  fta)  fd)wer,  aU  er  bem  Söoife  Sfraet 
gur  Aufrichtung  be£  golbenen  $albe$  Csur  Abgötterei)  be* 
jmtflia)  war*  ©te  <B(f>rift  m\§  jeboa)  nia)t  viel  von  feiner 
23uße  $u  fagen,  ungeachtet  er  feine  ©ünben  vor  ©Ott,  feinem 
£errn,  bereut  jjaben  muß*  Unfer  ipeilanb  fprta)t  von  bem 
bußfertigen  ©ünber,  baß  er  im  £empef  von  ferne  gejfanben 
fe$,  an  feine  33ruj*  gefa)tagen  unb  aufgerufen  Ijabe:  „®ott 
fc'9  mir  ©ünber  gnäbig!"  3aa)äu3,  ber  fia)  bura) 
betrug  unb  Ungeredjtigf  eit  bereichert  fyattt,  erbot  fta),  bie 
£äifte  feiner  ©üter  bm  Armen  p  geben,  unb  e3  vierfäftig 
^u  erjiatten,  wenn  er  betrogen  fyabc.  ©a  erftärte  tyn  ber 
#eitanb  für  einen  ©laubigen  unb  für  ein  $tnb  ©otteg*  ©er 
©ia)tbrüa)ige  lag  auf  feinem  23ette,  unb  e$  wirb  von  tym  hin 
befonbereS  äußeret  $enn$eia)en  angegeben,  unb  boa)  rief  ifmt 
ber  große  Sttenfcpenfteunb  ju:  „fe^  getroft,  mein  @o£n, 
bir  finb  beine  ©ünben  vergeben/'  60  ij*  aua)  ba$ 
SBeifpiet  beS  bußfertigen  Sa)äa)er$  belannt,  ber  feine  ©ünben 
befannte,  Vertrauen  ^u  3efu  seigte,  unb  Mb  barauf  bie 
S3erfta)erung  ber  ©nabe  ^tttt^  unb  ber  ©eügfeit  erpieli. 


309 

©teg  Sitte«  aber  füf>re  ta)  mc^t  an,  um  bte  Unbuffertigen 
nocf>  fixerer  $u  machen;  fonbern  ia)  möchte  nur  bie  ktrübten 
unb  erfdjrocfenen  £er^en  bannt  tröften.  2lud;  bin  ta)  weit 
entfernt,  $u  behaupten,  bag  bte  Obengenannten  Vergebung 
tljrer  ©üttben  erlangt  paben,  ofme  über  btefelben  UtxixU 
gewefen  ^u  fepn,  fonbern  ta)  meine  nur,  bag  ü)re  traurig* 
tat  gwar  aufrichtig  unb  $nßä),  aber  boa)  nidjt  fo  grofü 
gewefen  fep,  wie  bie  *>on  £>mt>  unb  SDfanaffe,  £>arau« 
erljellt,  bafü  bie  Vergebung  ber  ©ünben  nia)t  naa;  ber  ©roß e 
ber  £raurigfeit,  fonbern  au«  lauter  ©nabe  um  3efu  (ütjmfti 
Witten  gefa)enft  werbe.  @«  (ji  alfo  ünfere  $flia)t,  M*  ™ix 
©Ott  ^er^ia)  um  grünbltd;e  (£rfenntmg  unferer  ©ünben 
unb  um  ein  aufrichtige«  unb  reuevolle«  £er$  hüten;  $ugleid) 
muffen  wir  3fm  aber  aua)  um  ben  wahren  ©lauben  anrufen 
unb  ^k  ©ültigfeit  unferer  33uge  ma)t  fo  fejjr  in  jenem,  al« 

in  btefem  fud)em ßrnblia)  i|}  nid)t  $u  überfein,  bafj 

bie  2lufria)ttgfett  ber  S3uge  am  heften  au«  i^ren|grüa)ten 
erfannt  wirb.  Cmtfteljt  au«  ber  9?eue  ein  £ag  gegen  bie 
©ünbe  unb  au«  bem  ©lauben  ein  fefter  SBorfag,  ©Ott  in 
£eiligfeit  unb  ©eredjttgfeit  ^u  bienen,  fo  barf  man  an  ber 
9tea)tfdjaffem;eit  ber  S3uge  nidjt  mejjt  zweifeln. .—  Slngfi  unb 
©d;reden  fann  fta)  aua)  bei  ben  £eua)lern  eine  3eitlang 
finben,  unb  ber  (Batan  $ö$t  manchem  unbußfertigen  9ttenfa)en 
^k  falfcbe  Meinung  ein,  al«  fte^e  er  hei  ©Ott  in  ©nabem 
©obalb  aber  t>a^  £er$  erneuert,  bie  £iebling«fünben  abgelegt 
unb  an  wahrer  Gmtjl  sorljanben  ijt,  ©Ott  unb  3efu  Gtljrißo 
$u  bienen,  fo  ift  offenbar,  bag  ber  üftenfa)  bura)  ©otte« 
©eift  unb  ©nabe  befeprt  unb  ba$  feine  53uße  aufrichtig  fe^.  — 
GSmtpftnbeß  bu  alfo,  o  (Ejjrijt,  eine  foldje  glücflidje  2krän* 
berung  in  beinern  £er$ert,  j?affejt  bu  bie  ©ünbe  unb  ftnbejt 
beute  £ujt  an  ©otte«  ©eboten,  fo  iß  bieg  jwar  nia)t  bie  Ur* 
faa)e,  warum  bir  ©Ott  »er^ei^t,  bod)  ein  gewiffe«  3eifyenr 
baß  beute  33efferung  rechter  2lrt  fe^  unb  ^u  bie  Vergebung 
beiner  ©ünben  $on  ©Ott  wirflia)  erlangt  fjabefL  —  ©Ott 
tröjte  unb  ftärfe  alle  betrübte  unb  wapr]?aft  bußfertige;  (£r 
erfa)rede  alle  unbußferttgen  unb  t>om  ©atan  »erleiteten  ^er^en, 
bann  iß  beiben  geholfen;  3£m,  bem  allein  Seifen  unb  ©ü* 


310 


ttgen  fep  dfyxt  in  ber  ©erneute,  bfe  in  ££rifio  Stfu  iß/ 
fegt  unb  in  alle  C^wtgfeit !    Sintern 


Vierte    |>te>ijt 

S8oh  ben  33ufjübungen  ber  6eele  unb  beren 
Slnbadjt 

£.  2ty.  ©eföitfte  2,  37. '38.    £)a  fte  aber  ba$  hörten,  güta/S  tfnen 

bur#'$  ^erj,  unb  fprac^en  gu  $etro  unb  ^u  ben  anbern  Sfyofteln: 

3£r  Männer,  fte^e  ©ruber,  rcaö  fotfen  wir  i$un  :c. 


Eingang, 

gm  Spanten  ^efu!   Wimen* 

28a£  jener  Slr^t  von  einem  naf#aften  Traufen  fagte: 
e$  fep  ifjm  fein  (£mji,  ba£  er  gefunb  werben  wolle,  weil  er 
ttidjt  blog  bie  serorbneten  Slr^neimütel  seraajte,  fonbern  fta) 
aua)  noa;  bura;  unbtenlidje  ©petfen  felbjt  fa)abe,  baS  tan 
man  gröfitentfjeifö  von  allen  Gtyrtfien  unferer  3eit  fagem 
Sitte  geben  sor,  fte  fragten  naa)  bem  Fimmel,  unb  tfjr  le§* 
ter  £rofi  im  ?ekn  unb  (Sterben  fe#,  baß  fte  an  bejfereS  £e* 
fcen  fennen,  wofnn  fte  bura)  bie  ©nabe  3efy  @{mfti  ^u  ge* 
langen  hoffen*  Senn  iä)  aber  bie  @aa)e  rec^t  bebenfe,  fo 
fann  iä)  nid;t  glauben,  baß  ^  t|nen  ein  wahrer  dxnft  fep* 
3a,  ia)  mochte  fafi  baran  3wetfeln,  ob  fte  überhaupt  ein  an* 
bereS  ?eben  Reffen.  2)enn  wer  naa)  einer  @aa)e  ewjtlta) 
trautet,  ber  wirb  jtä)  boa)  aua)  aller  möglichen  Mittel  be* 
bleuen,  umbtefelbe  p  erhalten,  unb  feine  SD^üpe  fa)euen,  fei* 
nen  3wetf  gu  erreia)en.  (£tn  angefepener  9ttann,  ber  feinen 
©ofm  einffc  ^u  gießen  ^renjieHen  beförbert  ^u  feljen 
wünfdjr,  lägt  ft<^  beffen  (£qtefmng  niä)t  blo$  felbjt  angelegen 
fe^n,  fonbern  gibt  ifrnt  aufy  tüa)tige  £e£rer;  fud)t  #n  *>or 
bem  TOtfnggang  unb  bofer  ©efellfa)aft  $u  bewahren,  unb  fpart 
überhaupt  nia)t$,  um  feine  2öünfa)e  in  Erfüllung  gefjen  gu 
fepen*    Senn  aber  ein  fBatcx  ben  äBunfa)  au$fpria)i,  au£ 


311 


fernem  $tnbe  einen  ©eleljrten  machen  $u  motten,  bemfetben 
aber  in  allen  gällen  feinen  bitten  lägt,  unb  eg  nia)t  bulben 
will,  bag  biedrer  tyn  ev$tejjen  unb  untevria)ten;  wer  Witt 
glauben,  ha$  eS  jenem  @tnft  fe#,  feinen  @olm  $u  einem  tiic^^ 
itgen  Spanne  ^u  bilben?  —  SSie  fann  woljl  ein  Kaufmann 
reia)  $u  werben  hoffen,  wenn  er  fta)  fein  @efrf?äft  nic^t  gehörig 
angelegen  fe^n  läßt,  wenn  er  nia)t  alle3  TOgftdje  $u  feinem  $or* 
tpeil  benü£t,  unb  ba$  px  sermeiben  fud)t,  was  il?m  auf  tr* 
genb  eine SÖSeife $erluft bringen  fann?  —  2Ba$  fönnen  wir 
son  einem  Siener  galten,  bem  fein  £err  ben  Auftrag  gibt, 
allerlei  ^oflbarfeiten  $u  taufen,  wenn  ftd)  jener,  ftatt  feiner 
$flta)t  naa)^ufommen,  unterwegs  aufhält,  unb  ba£  tpm  a\u 
vertraute  ©elb  tterfa)wenbet?  3eberwirb  fagen:  erlabe  fei* 
neu  £errn  $orfä£lia)  betrügen  wollen.  SXuf  biefe  Steife  aber 
maa)en  c£  xuele  (Stiften  unferer  £age,  fte  geben  $war  $or, 
baß  fte  naa)  ber  ewigen  <Seligfeiitraa)ten;  allein  bie  meinen 
überlaffen  ftd)  beut  ©ei^unb  ben  2öoEüften  biefeS  £eben$,  $ertie* 
fen  ft'ä)  in  bie  (£itelfeit  unb  sergeffen  bte  GEwigfeit  Sie 
©ottfeltgfeit  ift  ifmen  -iftebenfadje,  auf  weld)e  man  in  jieber 
2öoa)e  faum  etlidje  <Stunben  »erwenben  bürfe;  bagegen  ift 
tpr  £auptgefd)äft  ber  2D?ammongbienfi  unb  bk  Ungerechtigkeit, 
unb  fte  treiben  bajfelbe  fo  fleißig,  aU  wären  fte  blo$  in  bie* 
fer  2lbfta)i  in  bk  SQSelt  gefommen*  Stiele  ergeben  fta)  ber 
£runfenf>eit  unb  ber  Un^uajt,  glud)en  unb  <&txtitm  ift  tjjnen 
3ur  ©ewopnljeit  geworben,  fte  ftnb  frea),  auggelaffen,  unfttt* 
fta),  fbl£  unb  praa)tliebenb,  Raufen  tägi'ia)  ©a)ulb  auf  ©dmlb, 
unb  benfen  nia)t  baran,  voa$  für  ein  (£nbe  e$  nehmen  wirb» 
©ie  pren  bisweilen  ©otie$  Wort,  nehmen  e£  aber  nid)t  $u 
£er$en,  beten  oljne  ?lnbaa)t,  betd)ten  olme  SBuße,  gef>en  ^um 
peiligen  Ibenbmafrt  oljne  bie  ©emeinfa)aft  mit  @J)rifio  ju  fen* 
neu,  rüpmen  fta)  be$  ©lauben^  unb  beweifen  tpn  boa)  nia)i 
bura)  gute  SBerfe*  6ie  jtnb  gleichgültig  gegen  alle  dxmafy* 
nungen  ber  £e£rer,  wollen  ©lieber  (Sjmftt  fe^n,  fia)  aber  $on 
feinem  ©eijte  nia)t  leiten  laffen;  fte  wollen  ba£  SSerbienp  3efu 
genießen,  aber  fein^reu^  md)tauf  fta)  nehmen  unb  3£ntnad> 
folgen.  Triften  wollen  fte  fe^n,  unb  boa)  aud)  SBeltfinber, 
gerecht  unb  aud)  gottlob    (Sie  wollen  beten  unb  aua)  flu* 


312 


ffien,  tn  ber  $ira;e  wollen  fte  ftdj  jHtf  betragen  aber  außer 
berfelben  naa)  ifwem  ©utbünfen  leben*  %Jlit  (Einem  2öort: 
fte  motten  ©otteS  $olf  fe^n,  aber  *>on  feinen  2Begen  ma)ts 
tuiffen*  —  2Bie  fann  es  fotogen  Wienern  (Ernf*  fe^n  mit 
iprem  dfmfkntpum  ?  —  £)ie  fnmmlifa)e  Berufung  fjält  un$ 
ein  Meinob  vor,  barnaa;  wir  laufen  unb  ftreben  follen,  bie 
Scfrift  fagt:  tnan  muffe  ©ewalt  anwenben,  um  ba$  £im= 
melreta)  $u  erlangen,  muffe  barnaa;  ringen,  t>a$  man  bura) 
bie  enge  Pforte  eingebe*  2Bir  foßen  fajaffen,  baß  wir  feiig 
werben  mit  gurcfjt  unb  3tttern,  follen  ben  ®ampf  be£ 
©laubeng  fämpfen  unb  ba3  ewige  £eben  ergreifen,  follen  perft 
trauten  nad>  bem  Sfteia)e  @otte£  unb  feiner  @erea)tigleit 
2Bir  aber  feiert  biefem  rujng  $u  unb  glauben,  es  fe#  nitt>t$ 
letzter,  aU  feiig  gu  werben»  2Btr  meinen,  etliche  ©eufter 
auf  bem  £pbtenbetie  reichen  jnn,  fparen  Sitten  bt$  an1£ 
<£nbe,  unb  wollen  boa)  feiig  werben.  @ewif?  ein £öa)jt 
merfwürbtgeS  betragen !  £)er  ©olbat  will  eine  geftung  mit 
SSo^lleben  einnehmen,  ber  Säufer  will  baS  3iel  erreichen,  ofme 
von  ber  ©teile  $u  gejjen,  unb  ber  Kämpfer  bie  ^rone  erlangen, 
ojmebarum  guftreiten!  —  £)  baß  wir  uns  ba$on  überzeugen 
laffen  moa)ten,  baß  e£  feine  fo  geringe  ©aa)e  fep,  ein  Gilmjt 
gu  fepn  unb  feiig  zu  werben !  £)er  2Beg  tjt  fä)mal/  ber  zum 
Seben  füjjrt,  er  tjt  mit  bem  231ute  GTjjrifti  unb  ben  Streuten 
aller  feiner  ^eiligen  benefct.  <Ste  mußten  manchen  garten 
$amfcf  mit  bem  (Satan,  ber  Söelt  unb  ijjrem  eigenen  gleifa) 
befielen,  e£e  fte  zum  Seben  bura)bringen  fonnten*  f8on  ben* 
felben  ftejjt  gefa)rieben:  „2)iefe  finb  e$,  bie  gelommen 
ftnb  au$  großer  £rübfal,  unb  f?aben  i£re  Kleiber 
fcelle  gemalt  in  bem  351ute  be$  ?amme^"  Unb 
wir  wollten  $on  bergreube  berSßelt  weg,  ojme  einige  9ftü£e, 
ojjne  $uße  unb  ©laubenal^balb  feiig  werben?  —  Daberbarf 
fia)  in  unfern  £agen  ein  ^rebiger  rea)t  glücflia)  fa)ägen,  wenn 
er  nur  (Einige  baoon  überzeugen  fann,  baß  fte  ber  35uße 
bebürfen,  unb  biefelbe  nta)t  nad)  i^rem  ©utbünfen,  fonbern 
twa)  bem  ^eiligen  SÖBttten  ©otteä  einrichten  follen.  £)ie  meiften 
Triften  galten  fia)  fa)on  für  fromm  genug  unb  glauben,  fte 
{wben  gar  leine  ^Befferung  nötfjtg.    SDarum  bleiben  fte  Ui 


313 


ifjrer  gewohnten  SSeife,  unb  baS  (S£rt|ien$um  tj!  ifjnen  feine 
<5aa;e,  bte  fte  erft  lernen,  unb  in  welcher  fte  ftd)  erjt  ühm 
wollen,  fonbern  fte  f>aben  Icingfi  bartn  ausgelernt  £)eg£alb  fann 
man  fte  git  feinem  (Eifer  im  ©Uten,  ^u  feinem  ernjlitdjcn 
©ebet  um  ben  23eijknb  beS  pettigen  ©eifteS,  um  bte  (fe 
neuerung  beS  £eqenS  :c.  unb  ^u  feinen  anbern  Uebungen 
bringen,  <Sie  geljen,  (wie  fte  fagen,)  in  bte  ^trct)e  unb  ^um 
^eiligen  2lbenbmafjl,  unb  ftnb  baueben  feine  grobe  2krbrea)er, 
was  will  man  heiter?  —  SDfrt  folgen  $?enfd>en  (tept  e$ 
gefctyrlia),  unb  es  $ut  waprlta)  92otfj,  ©Ott  fytxflity  $u 
bitten,  baß  (Er  tpnen  aus  ©naben  bte  2lugen  öffnen  möge, 
bamtt  fte  fe^en,  ba%  tfmen  noa)  SUIeS  feplt,  ba$  fte  elenb, 
bejammernswert!?,  arm,  blinb  unb  bloS  ftnb. 
£utl?er  fagt  barüber:  „Tlit  bem  a)rtftlia)en  $ehtn  fkjjt  es  fo, 
baß,  ber  eS  angefangen  ^^/  meint,  er  Ijabe  noa)  9tta)tS, 
fonbern  er  fcü?rt  fort  unb  ftrebt  barnac^,  baß  er  (JtroaS  er* 
greife,  9ttä)tS  ijl  einem  ©laubigen  fa)äblt'd;er,  als  bte  (Ein* 
btlbung,  baß  er  eS  fa)on  ergriffen  unb  ma)t  mefjr  nötjjig 
fwbe,  etwas  ^u  fua)en.  £)enn  babura)  fallen  %$kk  jurücf  unb 
»erberben  in  ©ia)erpeit  nn'o  ^adjläfftgfeit.  Partim,  wer  ange* 
fangen  fyat,  tin  (Efjrijt  ^u  fe^n,  bem  ift  biefeS  nodj  übrig, 
i>a$  er  bafür  palte,  er  fe^  noa)  fein  (Ejjrifi,  fonbern  wolle 
erfi  ein  fola)er  werben.  2Ber  fa)on  ein  (SJjrtjl  ift,  ber  ift 
noa)  fein  Gjmß,  b.  i.  wer  meint,  er  fep  fa)on  ein  (Eljriß: 
geworben,  ba  er1S  boa)  erjl  werben  foll,  ber  iji  noa)  nichts. 
Unfer  alter  $?enfa)  mu§  $on  £ag  p  £ag  erneuert  werben. 
SSelje  bem,  ber  ba  meint,  er  fe^e  fa)on  erneuert,  M  bem  ijl 
ber  Anfang  gut  (Erneuerung  noa;  nia)t  gemalt,  unb  er  f?at 
noa;  nie  empfunben,  was  ein  (Ilmfi  tjt.  £)enn  wer  ange* 
fangen  £at,  ber  meint  m'a)i,  baf  er  fa)on  ein  (E^rtfl  fep, 
fonbern  trautet  mit  großem  (Ernft  bamaa),  baß  er  eS  werbe, 
unb  j[e  meljr  er  eS  wirb,  bejto  me£r  fua)t  er  eS  $u  werben, 

unb  bejto  weniger  meint  er,  ba$  er  eS  fep."  ~ (ES  gibt 

aber  aua)  Rubere,  bie  ^war  gefielen,  baß  fte  ©ünber  fe^en 
unb  ber  33uße  bebürfen,  unb  fte  t>erfprea)en  wirflia),  $>a$  fte 
fia)  in  berfelbeu  zeitlebens  üben  wollen;  allein  fte  Ipanbeln 
babei  naa)  iljrem  eigenen  ©utbünfeu.    Sie  voolkn  uemlia) 


314 


von  feiner  befonberen  £raurtgfeit,  von  feiner  ©ewiffengangf! 
ttm$  Riffen,  wollen  feine  8trafprebtgten  frören,  motten 
nia)t  fafkn,  wad)en,  beten,  motten  ipren  £ei&  nia;t  be^rnen, 
i£re  gewohnte  ©efel(fa)aft  unb  (£rgö|lia)feit  ntä)t  metbem 
(Sie  wotten  alfo  SBufe  tjmn,  o£ne  $fttyt,  auf  er  ba§  fte 
Mitteilen  einige  ©ebete  lefen,  33uf  lieber  fingen  unb  $ur  33etd)te 
gepen*  <Sie  motten  äua)  an  Gtfmftum  glauben  unb  tf>r  ganzes 
Vertrauen  auf  fein  löerbienft  fe£en;  aber  fte  mögen  i£ren 
©lauben  nid;t  prüfen,  ob  er  rechter  2lrt  fep?  @ie  rühmen 
fia;  be$  ©laubeng,  unb  bleiben  bod)  falt  in  ber  %klt  unb 
naa)Iafftg  in  berüebung  ber  ©ottfeligfeit  Sie  motten  aua) 
von  ifjren  £iebf  inggfünben  niä)t  (äffen  nnt)  meinen,  alle  ifjre 
wiffentlia)en  6ünben,  ijjr  tägfiä)eg  g(ud)en,  i£re  Völlerei,  if?r 
betrug  unb  tjjre  Ungerecf)ttgfett  ic.  fönnen  mit  bem  Vlamm 
rnenfa)fia;cr  @a)waa;fjeit  entfd)ulbigt  werben,  unb  man 
fotte  fte  ben  bußfertigen  ©ünbern,  ben  gerea)tfertigten  &$xU 
fien,  ©otte£  $inbern  unb  (£rben  be£  ewigen  £ebem3  gtei# 
ftefletu  —  Db  biefeg  eine  rea)te  35upe  fe#,  barüber  mögen  alte 
wal?rf>aft  $rtjtft<$e  £er£en  fefbft  arbeiten.  £)a$  SSort  ©ot* 
te$  weiß  von  folojerlBuße  nio)t£,  erftctrtfte  aua;  beutfidjfür 
£eud>efei  unb  für  einen  betrug  be£  «Satans  25er  aber  bic 
Triften  unferer  3zü  fennt  unb  ifjre  £anbhtngg weife  naa) 
bem  götilia)en  Sßcrte  genau  prüft,  ber  wirb  nia;i  Käugnen 
fönnen,  ba$  eine  foldje  falfaje  23uße  fe^r  £äuftg  im  ©ebraudj 
fc^*  £)aj?er  wirb  e£  nötjng  fepn,  baß  wir  in  ^tefmug <wf 
ba$,  m$  wir  in  ben  lef  teren  ^rebigten  über  bie  wapre  23uß e 
fagtcn,  nun aud;  $on  ben  23uß Übungen  ber  a)riftna)en 
©eele  unb  beren  2lnbaa)t  rcben.  2)teß  magben£eua> 
lern  andrer  eigenen  Prüfung,  ben  waj)r|iaft  bußfertigen  aber 
gur  23eftärfung  in  tfjrem  ^eiligen  S^orfa^e  bienen»  —  3efu£ 
£j)riftug,  ber  felbfl:  t>k  Shtße  geprebigt  l?at,  fegne  unfer  2$or* 
paben,  unb  lag  es  ntd)t  $ergeben$  fepn,  um  feiner  Reuigen 
SÖunben  Witten!    2lmen. 

^ibfjanbfuncj, 
£>b  ee  gleta)  ewig  wajjr  bleibt,  baß  bie  23efejmmg  et* 
ne$  ©ünber^  txn  reinem  2Berf  ber  ©nabe  be$  breieinigen 


315 


©otteg  tjf,  tt)ie  wir  oben  bemerften,  unbbaper  t>er  freie  SDStlte 

be$  9flenfa)en,  al3  $um  ©Uten  gan^  erftorben,  nia)i3  vermag, 
fo  muß  manbabet  t>oc^  fepr  vorfteptig  fe^n,  unb  fta)  paupt* 
fäa)lia)  sei'  $wei  flippen  pütem  —  Einmal  barf  man  e3  nia)t 
mit  ben  ^ua)lofen  palten,  wela)e,  fobalb  man  fte  $ur  23uße 
ermahnt,  erwiebern:  eS  ftepe,  wie  man  ja  feXbp  ^ugebe,  nia)t 
in  ipren  Gräften,  fta)  ^u  ©Ott  gu  befepren,  fonbern  e$  muffe 
bura)  bie  Sirfung  beS  peiltgen  (3eifte$,  vermittelt  be$  SortS, 
gefcpepen,  (£ine  folcpe  ^raft  paben  fte  M$  fe$t  nicpt  an  ftd; 
empfunben,  wollen  alfo  biefelbe  erfl  erwarten,  nnb  ftd)  um 
ipre  23efferung  ntc^t  weiter  befümmern;  wenn  bie  ©tunbe 
fomme,  bie  ©oit  feiner  5P?ad)t  vorbehalten  pabe,  fo  werben 
ftefcpon,  optte  alles  3utpun  gfeicpfam  gewaltfatner  Seife,  be* 
feprt  werben,  — -  (Ebenfo  wenig  aber  barfman  ben6a)wacpen 
unb  2lngefod;tenen  beijtimnten,  wela)e,  weil  e£  mit  iprer  33e* 
feprung  ma)t  naa)  Sunfa)  gept,  weil  ipre  9$eue  nicpt  fo  emft* 
ftd;,  ipr©faube  nia)t  fo  ftarf,  tpr  GEifer  in  ber  ©ottfefigfeit 
ntd)t  fo  anpaltenb  i$,  wie  fte  gerne  wollten,  fta)  bem  ©e* 
banden  pingeben:  als  fei)  ibre  33uße  nia)t  recptfcpaffen,  tpr 
©laube  bfoS  leere  Qmtbifbung  unb  tpr  (£priftentpum  nur  £eu* 
djefet,  —  @ott  wolle  fte  feiner  ©nabe  nicpt  würbtgen,  unb 
pabe  fte  gan^  verworfen.  —  Um  nun  beibe  flippen  #x  ver* 
meiben,  muffen  wir  bem  Sorte  ®oUe$  gemäß  annehmen,  baf? 
ber  £err  -ftiemanb,  um  fo  weniger  biejenigen,  bie  bereits  in 
ber  cprtftlicpen  ®ira)e  leben,  opne  ^Inwenbung  ber  vorgefcprie* 
benen  ©nabenmtltel  befepren  wolle*  gerner  bürfen  wir  $u* 
verftcptlta)  glauben,  t>a$  an  ber  33efeprung  beseitigen  nicpt 
gu  gweifefn  iffr,  bet  weitem  fta)  bie  $raft  be$  p  eiligen  ©ei* 
fleS  fo  wirlfam  ^eigt,  baß  er  wegen  feiner  ©ünben  beforgt 
tjt,  ein  fepnfia)e3  Verlangen  naa)  ber  ©nabe  ©otteS  empfm* 
bet,  bie  ©nabenmittel  fleißig  gebraua)t  unb  in  ber  IBejferung 
täglia)  weiter  gu  !ommen  fucpt  ©Ott  bepanbelt  ben  $?en* 
fcpen  hei  ber  33efepnmg  nia)t  wie  einen  tobten  ©tein,  mit 
bem  man  anfangen  fann,  m$  man  will,  fonbern  dx  wünfa)t, 
baß  fta)  ber3D?enfa),  al3  vernünftige^  ©efd)öpf,  in  feine  2In* 
orbnungen  fcpide,  bie  bargebotenen  Mittel  nia)t  veracpte, 
unb  bem  peiligen  ©etjt  nicpt  mutpwiu'ig  wiberftrebe,  —  (£benf<> 


316 


wirb  ba£  £er$  be3  3ttenfa)en  nia)t  plöfcu'o)  unb  auf  ein* 
mal  seränbert,  fonbern  bte  Erneuerung  fyat  i!)ren  Anfang  unb 
gürtgang,  fte  wcta)3t  unb  nimmt  ju  in  groger  6tt)waa)f)eit, 
nia)t  rote  bte  Milien  auf  bem  gelbe,  weta)e  nia)t  forgen,  fon* 
bern  in  tägfia)en  Hebungen  ber  23uße,  be£  ©laubenS  unb 
neuen  ©ef>orfam3,  bura)  SBittm  unb  Slnflopfen,  bura)  ©ua)en 
unb  33erfua)en,  bura)  kämpfen  unb  ©treuen»  Der  9ftenfa) 
$at  feine  Hebungen  *>or  ber  25efefmmg,  unb  iji  fa)ulbig,  bie 
von® ott  serorbneten Wlitttl  ^u  gebrauchen;  er  muß,  obgleia) 
bk  Ijeilfame  grua)t  baoon  r>on  ber  ®nabe  ©otte3  ijerfommt, 
t>k  ©a)rift  lefen,  bie  $rebigt  £ören,  unb  Wt$  t£un,  xotö  ein 
vernünftiger  SDfenfa)  fonfr  in  einer  pott)wia)tigen  6aa)e  ^u 
tjjun  pflegt  Der  $ftenfa)  I?at  aber  aua)  naa)l)er  feine  Uebun* 
gen,  wenn  ba$  feiige  SÖSerf  ber  33efejjrung  in  ij?m  angefan* 
gen  ift  unb  fortgefe^t  werben  foft.  Diefe  nennt  man  ^enn^et'* 
$en,  au£  benen  erfeljen  werben  fann,  ob  bie  23uße  rea)tfa)af* 
fen  fe^  ober  nia)t  6ie  bewahren  »os  £eua)elei,  belehren 
unb  beruhigen  biejenigen,  welche  e£  ernftfta)  mit  ber  23effe* 
rung  meinen»  Daoon  wollen  wir  nun  naa)  SSerantaffung 
unfereö  £erte£  weiter  reben* 

I.  Die  erße  23ußübung  eine$  Triften  ift  bk  fleißige 
Sftaa)frage;  gleichwie  Diejenigen,  w ela)e  naa)  unferem  £erte 
ber  $rebigt  $etri  hörten,  eifrig  fragten:  „t£r  Männer, 
toa$  folten  wir  tjjun?"  Der  ^eilige  ®etft  jmtte  bura)'$ 
28ort  auf  ijjre  ^er^en  gewirft,  baß  fte  bte  große  ©ünbe, 
weiche  fte  bura)  bte  ^reu^igung  3efu  djmjti  begangen  Ratten, 
emfa!;en  unb  barüber  erfa)raam  Da3  J?t'mmlifa)e  Zifyt  £atte 
ipre  ftnftere  Seelen  bura)brungen,  barum  wünfa)ten  jte,  mU 
ter  belehrt  3U  werben,  tyctvuZ  antwortete  ifmen :  tfyut  23uße; 
b.  i.  bereuet  eure  große  Unb anfbar tat  unb  euren  tiefen  gaft 
J>eqtta),  fua)t  ©nabe  bei  bem  barmherzigen  ©Ott,  im  tarnen 
feinet  ©ojjne^  3efu  Ejmfti,  welchen  Er  eua)  unb  ber  gan* 
gen  2BeIt  ^nm  Wttkv  oorgejMt  jjat  —  ^)aUi  ijt  nia)t 
außer  2ta)t  ^u  laffen,  baß,  obgteiä)  ber  Ijeiu'ge  ©eijt  bura)  ba$ 
geprebigte  SBort  btö  SSevf  ber  23efe£rung  in  Jenen  5D^enfa)en 
angefangen  l)atte,  ^etruö  fte  bennoa)  $ur  33uße  ermahnt,  um 
anzeigen,  ta^  ber  $?enfa),  wenn  er  bie  5haft  be$  f®ortö 


317 


©otteS  an  fernem  £eqen  empftnbet,  btefetBe  nia)t  tteraa)ten, 
fonbern  barüber  fleißig  nadjbenfen,  unb  itt$i  Vitien  fott,  K* 
er  5ltle$  $um  erwünfa)ten  3tele  gebraa)t  f>ah  £utf>er  faßt: 
bie  ©nabe,  fobalb  fte  baS  £er$  einnimmt,  beginnt  %u  wirfen 
unb  ben  9ttenfa)en  a^utreiben,  <£$  ijt  ein  großes,  ftarfe$, 
mäa)tigeS  unb  tjjättgeg  X)ing  um  fte,  fte  liegt  nia)t  in  ber 
©eete,  unb  fdjtäft,  fonbern  wirft  Wc$  in  bem  $lenfa)en,  unb 
lägt  fia)wo£t  füllen;  fte  ifi  verborgen,  aber  t^re  Söerfe ftnb 
offenbar,  2Öo  ba$  ?eben  tfl,  ba  fua)t  e$  ftcf)  aua)  $u  erjjak 
ten,  unb  wo  bte  $raft  be3  ^eiligen  ©eifleS  im  ^er^en  ift,  ba 
fängt  fte  aua)  an,  fta)  ju  geigen,  —  @o  fpraa)  Lantus,  gtetä) 
am  Anfang  feiner  Erleuchtung:  £>err,  m$  wtttjl  bu,  baß 
ta)  tljun  folt  ?  Unb  jener  ^erfermetfter  fragte,  al6fein£er$  er* 
fa)üttert  war:  wa$  fott  id)  tjjun,  baß  täj  fetig  werbe?  Helm* 
lid)e  23eifpiete  ftnben  fta)  nod)  mehrere;  aus  alten  aber  er* 
Detlt,  baß  ba3  erfte  3eta)en  ber  Sötrfung  ber  ©nabe  ©oiteS 
in  unferem|>eqen,  —  unb  baS  er  jte  bittet,  bie23uße  faxtet* 
fe£en,  bie  9?aa)frage  fep:  toie  un$  geholfen  werben 
fönne?  SÖemt  atfo  ber  Efmft  bura)  bag  Söort  ©ottes 
auf  irgenb  tim  SBeife  gerührt  wirb,  fo  folt  er  barauf  aa> 
ten,  unb  bieg  für  ein  3eta)en  ber  ©nabe  ©otteä  palten, 
gerner  folten  wir  weiter  barüber  nao)benfen,  unb  in  ber  @a)rift 
unb  in  anbern  Erbauunggbüa)em  fleißig  forfa)en,  $unä<$jl 
aber  aua)  bie  Wiener  ber  $trd)e,  wela)e  ©ott  mit  2öei3* 
l^eit  ausgerüstet  ijat,  um  dlafy  fragen,  Stefe  ftnb  nia)t 
bloS  tterpffia)tet,  auf  jebeS  einzelne  ©a)äflein  t£rer  beerbe 
genau  $u  aa)ten,  unb  ifjre  Ermahnungen  unb  Tarnungen, 
fo  stet  mogtia),  naa)  bem  3uftanbe  eines  3eben  einzurichten, 
fonbern  aua)  bie  3uprer  muffen  fta)  an  tßre  £ef>rer  Ratten 
unb  iljrem  diafy  gerne  folgern  £)a{>er  ift  nötln'g,  baß  ber 
bußfertige  bem  ©eetforger  feinen  ©ewtjfen^ttftanb  entbede, 
tyn  frage,  xok  er  bie  @aa)e  weiter  angreifen,  bie  ^rebtgten 
gut  benü^en,  $ur  wapren  D^eue  über  feine  «Sünben  unb  ^um 
rea)ten  ©tauben  an  £i)riftum  gelangen  fönne,  Er  muß  fra* 
gen,  n>k  er  fta)  in  ber  ©ottfetigfeit  üben,  alle  £inbemiffe 
gtüdtia)  befeitigen,  gefttgfeit  im  ©uten  fta)  erwerben,  unb  x>ot 
einem  Sftüdfatl  bewahrt  bleiben  fonne*  £>a$  £eißt:  was  muß 


318 


iä)  tpun,  baß  ia)  feiig  werbe?  darüber  aber i(l man  ku 
ber  peut$uiage  weggefommen*  —  ©leicpwie  »tele  ^rebiger 
meinen,  fte  paben  tprem  2lmt  ©enüge  gefetftet,  wenn  fte  eine 
gjrebigt  gepalten,  bte  33eia)te  serfepen  unb  ba£  peittge  2lbenb* 
map!  au^getpeift  paben,  fo  fiept  ber  größte  gpeit  ber  3u* 
pörer  tn  bem  2Bapn : ,  e$  fep  HtteS  getpan,  wenn  fte  pte  unb 
ba'jur  ^ira)e  unb  ^um  Jjeitigen  $benbmapl  gepem  2)amit 
ift  jeboa)  ein  rea)tfä;affener  ©eelforger  nicpt  aufrieben,  fonbent 
waa)t  unb  fottt  für  bte  gan^e  beerbe,  xck  für  jtebes  ©a)äf* 
lein  befonber^  2luf  gleiche  Seife  foü  auc^  ber  (£prtft  gleiß  an* 
wenben,  in  ber  Grrfenntniß  ®otte£  unb  3efu  dprifti  tägfia)  au 
wacpferu  3D?an  fotfte  billig  ben  ^rebigew  ntc^t  fo  snel  9?upe 
laffen,  at$  man  ju  tpun  pflegt,  unb  bie  £eute  fotften  fta) 
gu  ipnen  brängen  unb  um  wetteren  Unterria)t  bitten»  —  2)te 
$5rebtger  ftnb  ©celenärjte,  warum  Witt  man  ipnen  feinen 
©eetenauftanb  nid;t  entbecfem  (£$  hmtiöt  eine  große  9?aa> 
läfjtgfeit  unb  ©ta)erpeit,  baß  man  unter  ben  heutigen  Gtpriften 
fo  wenig  9?aa)frage  über  t>k  Uebung  in  geiftigen  £)tngen 
ftnbet  ©ie  palten  bte  23uße,  ben  ©tauben  unb  ba$  £prt* 
fkntpum  überpaupt  nicpt  für  fo  wtcptig,  unb  meinen,  fte  wiffen 
bereite  Wt$,  unb  e£  fei;  pöa)jten£  nötpig,  in  bie  ttrcpe  $u 
gepen*  SÖenn  nun  au a)  Einige  gewiffe  gragen  an  ipres$re* 
biger  rid)ten,  fo  ftnb  fte  gewöpnlia)  fo  vcU  f8oxwq  unb  ©pi^ 
fmbigfett,  baß  man  eg  benfetben  wopf  anmerft,  e£  fe#  ipnen 
nicpt  um  bie  £auptfaa)e  ^u  tpun,  Dteß  Kernt  ber  gemeine 
Sflann  von  ben  SBornepmen  unb  2lngefepenen;  ba  befanntlia) 
tin  Seber  $on  biefen  an  ber  23tbel  ^um  bitter  werben  Witt* 
3mmer  fmbet  (Einer  mepr  Ungereimte^  barin,  aU  ber  Rubere, 
unb  ba$,  xoa$  ipnen  ^um  £roft  unb  ^um  &fon  gegeben  i% 
gereicht  ipnen  ^um  Slergerniß  unb  $um  SSerberben*  ffttcptei 
felbfi,  tpr  cpriftticpen  ©eeten,  ia)  rebe,  aU  mit  ben  $(ugen,  — 
2)ie  Äircpe  pat  *>on  öfters  per  ben  23eia)tftupl  angeorbnet, 
tamit  fta)  ber  £eprer  mit  jebem  feiner  3uporer  befonberS  be^ 
fpretpen  unb  fta)  genau  bason  überzeugen  fönne,  tok  feine 
33uße,  fein  ©iaube  unb  fein  neuer  ©eporfam  befd;affen  fe^ 
2)od)  biefer  ^Beicptftup^  muß  nia)t  gerabe  in  ber  tira)e  fe^n, 
auc^  ^u  |)aufe  fann  fta)  bev  löetc^t^ater  mit"  feinem  ^eicpt^ 


319 


finbe  über  bie  wto)tigf*en  ^In^etecjenpetten  fernem  £er$en$  nw 
terreben,  unb  i£m  Ijeilfame  unb  nü£lia)e  Ermahnungen  geben. 
2)er  ^rebiger  fott  überhaupt  bei  jeber  Gelegenheit  auf  feine 
3ul)örer  $u  wtrfen  fua)en,  unb  felbft  bei  ?Wa^^eiten  fann  er 
guten  Unterricht  erteilen*  S)emt  e3  wäre  wa^rjjaft  fa)änb* 
lify,  wenn  berfelbe  bei  folgen  Gelegenheiten  von  yiid)t$  aU 
effen,  trtnfen  unb  titeln  ^Dingen  reben  wotfte.  33ei  tyvx, 
wie  bei  bem  3«^rer  fott  e$  jtetsS  !>ei$en:   Ein  3  ijt  üftotlj ! 

3«  einer  folgen  9caa)frage  ftnb  ferner  bie  $atea)i$* 

muäfepren  fepr  nü£tia) ,  t>k  in  ber  cf)rtfHia)en  $ira)e  einge* 
füfjrt  ftnb.  2Bir  paben  53rebigten  genug,  baf?  fte  aber  fo  we* 
nig  Sftufen  bringen,  mag  unter  anberem  aua)  baper  fommen, 
bafj  bie  £>eqen  ber  3uf>örer  noa)  nta)t  gehörig  vorbereitet 
ftnb,  bie  weitläufigen  ?5rebigen  ju  faffen.  Senn  e6  noa)  fo  viel 
auf  einen  jjarten  23oben  regnet,  fo  lauft  boa)  ba6  meifte  Saffer 
oben  weg;  wirb  berfelbe  aber  umgeriffen,  fo  fann  er  bura; 
unb  bura)  gefeuchtet  werben*  £)te  $atea)i3mu$Ie£re  befielt  in 
grage  unb  Antwort,  wobura)  bie  unwiffenben  unb  garten  £>er* 
^en  aufgeriffen  werben,  fo  ha$  naa)f?er  bie  ^rebigt  beffer  ein* 
bringen  fann.  £)ie  $er$en  unwiffenber9D?enfa)en  gleichen  einem 
©fafe  mit  einem  engen  $äl$.  Senn  man  ba$  Saffer  über  baf* 
felbe  in  ganzen  Eimern  au$fa)üttet,  fo  fontmt  boa)  wenig  hinein. 
3a  t>k  Sttenge  felbft  iji  noa)  jnnberfia);  lägt  man  baffelbe  aber 
tropfenweife  jnnein,  fo  wirb  ba£  ©efäß  attmäjrtig  soft.  —  Die 
^rebigten  ftnb  reiä)  an  £ej?ren,  Ermahnungen  unb  £roftgrünben ; 
ber  einfältige  Eljrift  fjört  fte  ^war,  aber  er  faßt  fte  niä)t;  barum 
tffc  fefjr  nöt^ig,  ba$  man  tym  bura)  bie  $ateä)ismuSübung  eine 
£e£re  naä)  ber  anbern  beizubringen  fu$e.  £)af>er  möa)te  ia) 
mit  Wltymm  wünfa)en,  baff  an  einigen  Drten  beS  $rebigen$ 
weniger  unb  bie  $ateä)i£mu3übungen  Jjäuftger  wären,  unb  bafj 
man  befonbere  £el?rer  ba$u  aufftetfte,  bereu  $flia)t  es  wäre, 
jebem  Einzelnen  ben  rechten  <Sinn  ber  a)riftlia)en  £e|jre  $u 
erffären*  £)tefe  foftten  aua)  serbunben  fe^n,  in  t>k  Käufer 
tu  gefien  unb  9caa)frage  £U  galten,  ob  man  Me$  gehörig 
serftelje,  unb  fein  geben  aua)  barnaä)  einrichte.  9catürlia) 
bürfte  e$  ipnen  m'a)t  an  &üa)ttgfeit  fehlen,  um  bie  ©ia)eren 
unb   9taä)fäfftgen  mit  gebü&reubem  Ernfi  aufzumuntern  tinb 


320 


einen  3eben  gehörig  au  belehren.  —  SBett  bic  Buporer  tetber 
gar  ju  naä)läfffg  ftnb,  fo  follen  bte  ^rebiger  um  fo  jletf? tger 
fepn, "wetl  fte  uns  feiten  fragen,  muffen  wir  fte  fragen,  weil  fte 
tpre  <Sünbe  m'a)t  fennen  ober  nia)t  aa)ten,  fo  müjfen  wir  bie* 
fet^e  tpnen  rea)t  lebhaft  ttorftellem  £)arum  pat  uns  ©ott 
$u  £trten  unb  2Bäa)tern  gefegt;  nia)t  barum,  bag  wir  nur 
gute  £age  paben,  unb  unfere  3ät  mit  (£ffen,  £rinfen, 
<5a)eraen  unb  ©a)lafen  anbringen  foltern 

IL  2lua)  bie  tietjütge  Prüfung  be$  ©ewiffen$  tjt  ein  jjeif* 
fameö  5D?tttet ,  bie  wapre  IBuge  ^u  beförbern*  £)iefe$  tft 
freilia)  peutautage  nur  Wenigen  befannt  unb  bei  noä)  2Be* 
mgeren  im  ©ebraua),  opngeaa)tet  felbft  bie  SBeifeften  unter 
ben  Reiben  ben  grofen  Vln^m  baüon  eingefepen,  baffelbe 
fleißig  angewenbet  unb  aua)  ipren  Sa)ülern  empfohlen  paben* 
2ßir  fönnten  §ur  23efa)ämung  ber  dprifien  mehrere  33eifpiele 
anführen;  aber  e3  bürfte  jnnreiä)en,  ipenn  wir  bic  2lnfta)t 
eines  römifä)en  SSeltweifen  hierüber  beife£em  „2öa$  tft  beffer, 
fagt  er,  aU  bte  ©ewopnfjeit  be$  2lbenbS  eine  Prüfung  über 
ben  ganzen  £ag  mit  fta)  anheften  ?  Sie  füg ,  toie  ruptg, 
wie  fanft  unb  fta)er  tji  ber  (5a)laf,  wela)er  auf  eine  fola)e 
Unterfua)ung  folgt  ?  3$  ftelle  mia)  f  elbfl  täglia)  oor  mir  au  Sftebe ; 
wenn  baS  ^tc^t  au3gelöfa)t,  unb  meine  ©attüt ,  bie  meine 
Söeife  fa)on  gewohnt  ift,  fa)weigt,  fo  überbltcfe  ia)  ben  ganzen 
£ag  unb  betraa)te  ade  meine  2öorte  unb  SBerfe.  3a)  tter* 
pefjle  mir  nia)t$  unb  übergebe  nia)tS;  benn  warum  follte 
ia)  mia)  freuen,  meine  genfer  au  beleuchten?  3$  foredje 
SU  mir  felbjk  ftepe  au,  bag  bu  tiefet  nia)t  mepr  tjwfi,  bieg* 
mal  will  ia)  es  bir  au  gut  palten.  Dber:  bu  paft  bia)  mit 
Semanb  in  einen  SBortpreit  eingelaffen  unb  paft  allau  eifrig 
unb  pi£ig  gefyroa)em  §ag  bia)  in  Bulunft  nia)t  mit  un* 
wiffenben  beuten  ein;  benn,  wer  nie  ctxt>a$  gelernt  f>at,  be* 
geprt  aud)  nia)ts  a«  lernen*  £)u  jwjt  3enen  erinnert;  aber 
nia)t  mit  ber  gehörigen  ©anftmutp  unb  Jjaft  ifm  alfo  nia)t 
gebeffert,  fonbern  tnelmepr  erbittert.  Ueberlege  in  3ufunft  nta)t 
bloö,  ob  baö,  was  bu  fagen  wtttß,  wapr  fe$,  fonbern  ob 
berjentge,  bem  bu  es  fagft,  bie  Sßaprjjeit  aua)  pören  fönne  :c*  ? 
(£3  pat  bia)  beleibigt,  bog  Einige  bia)  bei  bem  ©afftnapt 


321 


mit  ©tidjreben  angegriffen  £aben,  Wette  in  ber  golge  weg 
von  biefer  ©efellfcfwft.   $?an  f>at  bt$  m^t  weit  genug  ptnauf* 
gefegt,  bu  Daß  bidj  über  ben  ©aßfreunb,  über  ben  Vorlefer 
unb  über  ben,  ber  bir  vorgewogen  würbe,  erzürnt  —  2)u 
£ljor,  m$  liegt  baran,  auf  welcher  (£de  ber  23anf  bu  jtfeji; 
fann  bidj  ba$  Riffen,  barauf  bu  liegffc,  beffer  unb  angefeljener 
matten  :c*?"  —  <5ef>et,  fol$e  Männer  werben  gegen  viele 
(teuere  ßjjriften,  bie  zeitlebens  feine  <5tunbe  auf  i£re  ©elbft* 
Prüfung  verwenbet  Ijaben,  auftreten  am  jungßen  £age  unb 
fte  verbammem  —  2öir  bürfen  aber  ja  nicfyt  glauben,  afö 
ob  bieg  blo$  von  9)?enfd)en  £errüj)re;  nein,  ber  fettige  <$et(l 
felbj*  gibt  biefen  9iafy  im  SBorte  <®ctte$  unb  betätigt  tyn 
burdj  mehrere  33etfpiele.    „Sftebet  mit  eurem  £er$ett 
aufeuremSager,"  fprtcjjt  £)avib  $u  feinen  Verfolgern,  unb 
will  fagen:  wenn  euety  aud>  M  £ag,  wo  ifjr  feine  ^tit  f>abt, 
bie  Sa$e  genau  in  überlegen,   ber  3orn   jnnretgt,    unb 
anbere  9ttenfd)en  eu$   verleiten,    mid;   oljne  Urfadjje    ju 
verfolgen,  fo  littt  ify  eu$,  ei)e  ifjr  einfdjlafet,  ober  wenn 
ipr  wieber  erwachet,  barüber  nad)$ubenf  en ,  wie  unrecht  if?r 
an  mir  jianbelk  —  greitidj  fann  ber  SDtfenfc!)  in  ©efell* 
fc^aften  ober  unter  vielen  ©efd;äften  ftc&  oft  nid;t  re$t  be* 
finnen;  e$  gept  tj?m  vok  einem  SBanberer,  ber  hn  einem 
Ufyten  9cebel  ein  ©efirciud)  für  eine  <Stabt  Ijält    Partim 
€ft  e3  gut,  wenn  man  in  ber  <StMe  fein  £>er$  $ur  3^ebe 
Pellt  unb  über  feine  |>anblttngen  nac^benft,  bamit  man  feine 
geiler  Ui  Betten  fennen  fernt  unb  fte  verbeffern  fann.   £)ieß 
^efiättgt  2)at>ib  burd?  fein  eigene^  23eifptel,  inbem  er  fagt; 
„2öenn  tcj)  midj  ^u  SBcttt  lege,  fo  benfe  i§  an 
2)id)3c/'  ferner:   „3d;  betrachte  meine  2öege  unb 
fe^re  meine  güge  §u  Deinen  3eugniffen/'  GEbenfo 
au$  ©alomo:  „SB er  ba$  ©ebot  bewahret,  ber  be* 
wahret  fein  £ebcn;  wer  aber  feinen  2öeg  ver* 
ad)t?tf   unb  nid)t  barüber  nac^benft,   ber   wirb 
fhrben,"   5lud)  3efu3  wollte  biefeS  anbeuten,  aU  Q£v  von 
bem  verlornen  <Sofm  eqäljlte:  er  fep  in  ft$  gegangen,  fyaht 
Ue  Urfacfye  feinet  UnglüdS  unterfudjt  unb  feinen  3uftanb  mit 
bem  ©lud  beö  vätertid;en  £aufe3  verglichen,  wa3  bann  audj 


322 


ter  5Xttfattg  ferner  2öieberfef>r  gewefen  fep,  D,  tag  wir  biefen 
$eilfamen  dlafy  aua)  benü^en  motten,  ttne  balb  würben 
wir  fernen  großen  Sftugen  empfmben !  £)er  SERenfa)  wirb  ba* 
bura)  gur  (Erfenntniß  feiner  feX^fi  geljrad^t  unb  lernt  feine 
£iebltng$fünben  fennem  2)a£  £er$  wirb  in  ber  gura)t  ©otteS 
erhalten,  $>or  ©u#er£ett  bewahrt,  gur  £)emut£  Eingeleitet, 
unb  fteljt,  wie  nötfng  e$  fep,  fta)  ©Ott  täglia)  in  wahrer 
Stee  $u  güßen  3U  werfen  unb  fta)  bura)  ba$  53Xut  3efu 
(grifft  reinigen  $u  laffen,  —  gerner  wirb  e£  gurSöa^fam* 
feit  unb  aum  ©ebet  angetrieben,  baß  es  fta)  alle  £age  ttor* 
nimmt,  feinen  bofen  Neigungen  au  wiberpe^en  unb  biefelben  mit 
©otte$£ülfe  abaulegen*  2>ieß  ift  ber  33 e fem  (ba$  Mittel), 
um  unfer  3nnereS  au  reinigen*  (£itte  ©eele,  weld)e  ftc^  an 
biefe  Hebungen  gewopnt  §at,  gleist  einem  ©arten,  ben  ün 
fleißiger  ©ärtner,  fo  x>tet  möglia),  $on  Unfraut  reinigt;  bie* 
jenige  aber,  welä)e  in  Siajerpeit  bafnngeftf,  tjl  wk  ein  ser* 
wilberter  2Wer*  —  Unb  wo^er  f  ommt  e$,  baß  wir  fo  ttiele  gottlofe 
9ttenfa)en  unter  ben  Triften  ftnben?  ©ewtß  aua)  basier,  baß 
fie  tton  biefer  jjeiltgen  Uebung  nia)tS  wiffen  ober  nia)t$  wtffen 
wollen*  ®(e  gelten  frea)  bura)  baS  ?ekn  unb  forgen  für 
nia)tS  weniger,  äl$  für  i£re  ©ünben*  ©ie  galten  entweber 
i£r  2eben,  ijjr  £fjun  unb  Waffen  für  gan$  untabeljjaft;  ober 
fie  glauben,  tljre  ©ünben  Jjaben  niä)t  x>teX  aubebeuten*  6ie 
fünbigen  immer  auf  ©nabe  Itfn,  mt  t>k  bofen  ©a)ulbner, 
welä)e  nur  auffd)retben  (äffen  unb  niä)t  baran  benfen,  wo 
e$  enblia)  hinaus  will*  2)aj?er  flagt  ©Ott  aua)  bei  bem  $ro* 
pjjeten:  „deiner  iji,  bem  feine  $5o$!>eit  leib  wäre 
unb  fpräa)e:  äßaö  maä)e  ia)boa)?  ©iege^en  Sllle 
iljren  ©ang,  xoit  ein  ©treitroß  in  ben  $ampf." 
—  Darum,  meine  liebe  (Sfmflen,  überleget  e$  wo{>l  unb  faffet 
jjeute  ben  (£ntfa)luß,  biefe  nötige  unb  nüglidje  33ußübung 
nia)t  länger  au  unterlaffen!  „©eljet,  wir  finb  auf  bem 
Söege,  berunä  a«m9iid)terftupl  <£$rtjli  unb  tnbte 
gwigleitfülm!"  SOBir bringen fo  fcie(3eit,  fomana)e©tun* 
ben  unb  £age  vergebens  au,  wieviel  Sät  ge^tburo)  ©a)lafen, 
Sieben  unb  (Spielen  verloren!  3Äöo)ten  wir  boo)  äugten 
aua)  tint  $iertelftunbe  auf  hk  Prüfung  unfereS  ©ewiffenS 


323 


unb  unfereS  3uftanbe6  serwenben!  ©oll  bemt  bte  gan^e  3ett 
für  ba£  fünblta)e  gletfä),  für  bte  2öelt,  für  ben  ©atan  ba 
fe^n,  feine  aber  für  unfere  eble  ©eele?  Sßollen  wir  oljne 
atle$  ^ad;benfen  ttor  ©otte$  ©eriä)t  treten  unb  baö  Urteil 
3um  ewigen  £eben  ober  ^um  ewigen  £obe  fo  ftä)er  erwarten?  — 
SSenn  il?r  aber  glaubet,  baß  ijjr  all^u  tttel  3*xt  ba$u  nöt^tg 
pabt,  fo  will  ia)  eua)  einen  guten  D^atJ)  geben,  wie  iljr  leicht 
3eit  gewinnen  tonnet  9*eJ)met  bte  ©tunben,  tn  weisen  i£r 
gewohnt  wäret,  Slnbere  3U  ria)ten,  unb  wenbet  fie  an,  euä) 
fetbfi  ^u  richten,  unterfuä)et  eure  eigenen  £anblungen  eben  fo 
genau,  tt>k  bie  £anblungen  Ruberer,  £)a£  3?iä)ten  be$  9teben* 
menfa)en  ijt  in  unfern  £agen  fo  allgemein ;  obaß  e^bod)auä) 
fo  wäre  mit  bem  eigenen  ^ittjten !  —  (£$  wäre  wojjl  |>öa){i 
fonberbar,  wenn  eine  grau  in  ben  ©arten  ijjreS  9taä)bar$ 
ginge,  um  baS  Unfraut  au^ujäten,  wä^renb  fte  t^ren  eigenen 
serwifbem  ließe*  —  ©ejjr  fc^fagtbarüber  gauler :  „^iemanb 
fe$  ber  8£ia)ter  eines  Zubern,  elje  er  fein  eigener  9eiä)ter  ge* 
wefentft;"  unb  Stomas  vontempte:  „£)er  ümerlta)e  SCßenfa) 
fe|et  t>k  ©orge  für  fta)  felbft  über  alle  anbere  ©orgen;  baljet 
fä)weigt  ber  gern  über  anbere,  welcher  auf  fta)  felbfi  fleißig 
2la)t  £at"  —  2BaS  nun  biefe  peilige  Hebung  felbft  betrifft, 
fo  laß  bia)  nia)t  abfa)recfen,  0  @i?rijV  als  wenn  t>k  ©aa)e 
fo  fa)wer  wäre,  in  welche  bu  bia)  in  beinern  Sllter  nid)t 
meljr  fa)ic?en  fonnefi  gange  fte  nur  an  unb  »erwenbe  einige 
3eit  barauf,  fo  wirb  fte  bir  balb  leiä)t  fe^n,  obgleta)  baS 
fünblia)e  gleifa)  ungern  bar  an  will  unb  ber  ©atan  fte  au$ 
allen  Gräften  $u  hintertreiben  fua)t  —  Stefe  Uebung  jjinbert 
bia)  bet  beinen  ®efa)äften  bura)au^  nia)t;  benn  bie  bußfer* 
tigen  ©eelen  pflegen  entweber  eine  patbe  ©tunbe  t>or  bem 
Hftaajteffen,  ober  ejje  fte  $u  S3ette  geljen,  barauf  $u  *>er* 
wenben*  SBenn  Semanb  ^u  mübe  ift  ober  feine  Seit  ftnbet, 
ber  ^rüfe  fta)  in  ber  ftillen  9?aa)t,  wenn  er  sern  erften  ©d)laf 
erwaa)t+  3ä)  wäre  aufrieben,  wenn  diejenigen,  wela)e  bie 
gan^e  $3od)e  über  viel  au  tjnm  j)aben,  fta)  wenigftenS  am 
©onntag,  ber  ja  nur  $u  ^eiligen  fingen  unb  ^um  53efien 
unferer  ©eele  angewenbet  werben  fotl,  ßät  ba^u  nehmen 
würben;  opngeaa)tet  es  ml  fd)werer  wirb,  fta)  über  eine 

21  * 


324 


ganae  2Boc$e,  als  bloS  über  einen  £ag  a**  Prüfern  2lu$  fepe 
ic^  nidjt  ein,  wie  ber  Sftenfd?,  welker  ftd)  bodj  a«  Küfern 
3eit  nimmt,  nu$t  an  jebem  £age  wenigftenS  eine  Viertel* 
ßunbe  ^u  einer  folgen  Prüfung  fmbe.n  famu  —  Der  2lpofM 
^auluS  »erlangt  eine  allgemeine  Unterfua;ung  beS  £ebenS 
unb  SöanbelS,  fo  oft  wir  aum  Zeitigen  $benbma£l  geljen: 
Der  SDlenfc^  prüfe  ft$  felbjhc*  3)ie  erjien  (griffen 
gingen  aber  fleißiger  unb  meiftenS  täglicfj  aum  Ijeiltgen  Sübenb* 
mafjl,  unb  mußten  fta)  alfo  öfters  prüfen;  benn  man  fann 
barin  nt$t  au  »iel  tjmn*  Sollte  ©Ott,  baß  biefe  (£rmalmung  sott 
ben  Gtfjrißen  unferer  £age  be^eqigt  würbe,  unb  fte  ft$  wenig* 
ßenS  bann  redjt  prüfen  motten,  wenn  fte  ftdj  a^  ©enuffe 

beS  Ijeiltgen  2lbenbmatjlS  vorbereiten ! SSitt  aber  ber 

20tenf$  fta;  felbft  prüfen,  fo  gelje  er  in  fein  Kämmerlein 
unb  fcpege  bie  £f>üre  au,  bamit  tyn  3ftemanb  in  feiner 
Slnba^t  pöre.  Der  Anfang  fann  mit  ber  Betrachtung  einer 
©teile  gemacht  werben,  welche  uns  an  baS  le#te  ©ericfjt 
erinnert,  $,$£:  „gürdjte  ©oit  unb  |>alte  feine  ©e* 
fcote  iu\  ober:  303 tr  muffen  2llle  offenbar  werben 
vor  bem  ^ic^terftupl  dfjrifH;  ober:  60  wir  un$ 
felbfi  richteten,  fo  würben  wir  nicfjt  gerietet* 
prüfet  tud)  felbff,  ob  i$x  im  ©lauben  jUJKt" 
Dann  mag  man  gu  ft$  felbft  fprecf)en:  was  wollen  wir  tjjun, 
wollen  wir  uns  felbfi  richten  ober  es  auf  ©otteS  ernfleS  ®e* 
xifyt  anlommen  laffen  ?  Collen  wir  pier  ben  Suftab  unfereS 
#eraenS  unterfudjen  ober  in  @ia)er!j?eit  bapin  ge£en?  ©iejje,  o 
©eele,  es  ift  abermals  ein  £jjeil  beiner  £ebenSaeit  ba£in,  oon  bem 
bu  bereinfi  ^ec^enfc^aft  geben  mußt;  je£t,  am  (£nbe  biefeS 
£ageS,  Uft  bu  bem  3?i$terjhtf?le  ©otteS  nä£er,  als  am  2ln* 
fange  beffelben;  ba£er  fcfone  biclj  nidjt,  fonbern  unterfudje 
mit  gleif,  xt>k  bu  biefen  £ag  l?ingebrad)t  JiafL  —  Darauf 
lann  man  ftc$  t>k  ©nabe  ©otteS  unb  ben  Beiftanb  beS  p eilt* 
gen  ©etfteS  etwa  mit  ben  Söorten  erbitten:  ,,aa)  £err,  le£re 
uns  unfere  £age  aä^len,  auf  baj?  wir  flug  werben.  ©d;afe 
in  uns,  ©Ott,  ein  reineS£era,  unb  gib' uns  einen  neuen  ge* 
wiffen  ©eift !  Sejjre  uns  t£un  naa)  Deinem  Sßofjlgefallen, 
benn  Du  fctft  unfer  ©Ott,  £>tin  guter  ©eij*  füpre  un$  auf 


325 


ebener  $3af>n  !"  ~  3)ann  überfege  man  bte  £anbtungen  be3 
gageS  unb  frage  fta),  ob  man  mit  ber  gehörigen  Slnbacfjt 
unb  mit  bem  gebüfjrenben  Sek  ©otteS  ben  £ag  angefangen, 
feinen  £aufbunb  erneuert  unb  ft$  mit  allen  Gräften  bem 
2)ienjle  ©otteS  unb  be£  Sftä^flen  Eingegeben  fjabe?  2D?an 
überlege,  ob  ber  £ag  im  Sinbenfen  an  ©otteS  Reuige  yiäfye 
gugebra^t  unb  ber  treue  SSater  im  Fimmel  ni$t  mit  Sßiffen 
beleibigt  werben  fep  ?  —  Wlan  frage  ftdj ,  vme  man  feinen 
löeruf  erfüllt  unb  ob  man  feine  Arbeit  in  ber  gurdjt  ©otteS 
unb  in  ber  $kbc  beS  %ii#en  treu  tterria)tet  §aU;  ferner, 
wo  man  gewefen,  mit  wem  man  umgegangen,  ob  man  ein 
gutes  ©ewiffen  $t  bewahren  gefugt,  feinem  TOtbruber  gerne 
geholfen  unb^iemanb  ein  SIergernig  gegeben  jjabe?  (£nbft<$ 
mag  Seber  wojtf  überlegen,  was  er  b<m  £ag  über  ge* 
fproc^en,  ob  er  ben  Hainen  ©otteS  bur$  glucken  unb 
©$wören  oergeblic^  geführt,  ben  grieben  feinet  £aufe$ 
gejiört,  3cmf  unb  ©treit  veranlagt,  unb  bie  Slrmen  £art* 
£er$tg  abgewiefen  Ijabe  it.  —  2)amit  fotf  aber  nidjt  gefagt 
fep,  aU  ob  man  feinem  ©ewiffen  blo$  bte  genannten  gragett 
ttorfegen  bürfe;  weftne^r  wirb  3eber  *>on  felbft  ftnben, 
was  ipm  nöt^ig  tfl,  unb  wir  geben  pier  nur  ttn  Unwiffen* 
ben  unb  Ungeübten  einige  Anleitung*  UebrigenS  bemerken 
wir  nod),  bafj  eS  für  biefe  ©elbjtyrüfung  fe£r  ^weefmägig  fe#n 
bürfte,  wenn  man  jt$  ein  ^er^eic^nig  *>on  ben  ttowejjmfien  Zu* 
genben  tintü  (^rijta  ma$t,  tt>k  au$  *>on  btn  ©ünben  unb 
Safiern,  wef$e  bem  ££riftent{Mtn^uwiber  ftnb*  2Bir  geben 
£ter  einen  furzen  5lbrig,  welken,  ba  er  ni$t  gan$  *>o& 
ftönbig  tjl,  jeber  gromme  na$  feiner  eigenen  (irfajjrung 
»ernteten  fann.  — 


326 


21 


i  t  i 


fi 


»övne|wtjfettgugenbett,  bte  be?  (£jmfi  au^uüben,  mtb  bet 
(Sit  üben,  9<tf  wefdjen  er  ft$  au  Jjüten  £at* 


^ugenbeu. 

1)  Erfenntnif  ©otte$  unb  Sefa 
Eljrifit  unb  fTetf  igeö  8orfä)en  in 
ber  @#rift. 

2)  SeflanbigeS  Slnbenfen  an  3?s 
(um  E^rifium,  ben  ©efreujigten 
unb  Ergreifung  befielen  im 
®laubzn> 

3)  Siebe  $u  ©Ott,  unb  puftge  33e* 
ira#iung  feiner  ©nabenerroet* 
fwtgen. 

4)  ©anfbarfett  gegen  ©Ott,  tag« 
tf#e  Eingabe  an  3&n« 

5)  @otte$furä)t  unb  Erinnerung 
an  feine  ^eilige  ©egennmrt. 

6)  Vertrauen  auf  ©oiteg  weife, 
gnäbtge  prforge,  3ufrieben* 
$ett,  ©ebutb,  ©efaffenljeit  unfr 
©eelenru&e. 

7)  ©ebet,  —  baju  Eifer  unb 
2(nbaa)t  bei  berufenen. 


8)  ^eitig^Uung  beS  ©onntagS, 
unb  fleißiger,  eifriger  Sefufl) 
be$  ©otteöbtenfleä. 

9)  9täü)f}enttebe,  o|ne  atfes  2tn* 
fe^en  ber  $erfon ;  Serettttriltiga 
feit,  Jebem  au  ratzen,  an  Reifen, 
gu  bienen,  looman  fann,  freunb* 
Iia)e^,  fanfimüt$ige$  Setragen 
gegen  Sebermann,  geinbegfiebe. 


Junten. 

i)  ©Ieta)güfitgfeit  gegen  bie  Sielt* 
gion,  ©pötterei,  ©otteöläfierung 
unb  2Semaa)täf  igung  beö  $3ibe^ 
lefenS. 

2)  2)a$  feltene  Slnbenfen  an  ben 
Ertöfer;  ber  fanget  an  %kU 
unb  Vertrauen  an  3$n ;  bie  Ser* 
naü)fäfngung  beö  ©otteöbienfte, 
3Serfäumm#  ber  ©etbftyrüfung. 

3)  BeltlkU,  Eigenliebe. 


4)  $erna$(ä$ igung  beS  f#utbtgen 
Sanfö  gegen  ©Ott  unb  hintan* 
fefcung  feiner  Sonaten. 

5)  ©i$er$eit,  2Renftt)enfur#t, 
mut$tt>itttge$  ©unbigen. 

6)  2TO trauen,  Äleinmüti^igleit, 
SSerf äffen  auf  $?enf#engunft, 
ober  auf  aeit(i#e  ©iiter,  ttnge* 
bufb  unb  ängflfio)e  ©orgen. 

7)  Sffutfcwiflige  SSerfäumnifl  be$ 
®zfot$,  2tufftt)ub  ober  ©ebanfen* 
foftgfeitbei  bemfetben,  ©leitfgül* 
tigleit,  ob  bie  Unfrigen  mitbeten 
ober  nia)t,  leia)tfmmge$  gfat^en 
ober  ©a)tt)ören  je. 

8)  Entheiligung  beö  ©onntagS  In 
jeber  £inft$t  unb  mutwilligem 
Segbleiben  au$  ber  Äira)e. 

9)  2kraä)iung  ber  STrnten,  Wp 
§anblung  ber  Unglütflia)en,  un* 
freunblitt)e$  2tbtt)eifen  ber  9fotJj* 
leibenben,  f>ari$eraigfeit,23itter* 
feit,  fteinbfetigfeit,  3orn  unb 
3ta#fu#t. 


327 


10)  tafd$ett,  SRäfigfett  im 
(Effen  unb  £rtnfen,  ©emutty  in 
©eberben  unb  in  ber  $leibung. 
©etbflberlä'ugnung,  3üc^tt9fett 
in  Sorten  unb  Serien. 

11)  ®erec$ttgfett  int  £anbet  unb 
Sanbel,  ©parfamleit,  ©ertng* 
f#ä£ung  beg  3rbif#en  unb 
Spangen  na#  bem  Ewigen» 


12)  5(ufric$iigfeit  in  Sorten  unb 
Serien,  ein  rebftctyeg  ^erj,  ein 
toa|jrf)after  unb  »erfdjnnegener 
Stob.  £reue,  23efa)eiben$eit 
unb  3ftenf#enfreunbftc$fetk 

13)  ^reube  an  @ott  unb  (£|>r* 
furcht  sor  3$m,  ablegen  ber 
ftinbtic^en  ©en?o|m|>eiten  unb 
Segierben;  ©elbfibe^errfäung. 


10)  Unleuf$!)eit  in  ©ebcmfen, 
Sorten  unb  Serien,  ärgerliche 
©c^er^e,  £runlenfjett,  33efu#fcon 
böfen  @efeüfa)aften,  *praa)tttebe, 
9Äüß iggang ,  übertriebene  SSer* 
gätteumg  ber  Äinber» 

11)  betrug,  @eia,  (£igennu£,  Su* 
c|er,  fatfa)e  Saare,  fatfdj  ©e= 
tt>id?t  unb  9fiaaf.  Uebertriebene 
2ln|)ättglia)lett  an  ba$  3eitlic$e 
unb  2$erna$(äfngung  be$  (Etoi* 
gen. 

12)  galf#&ett,  Sügen,  £eu#elef, 
lieb  (ofeS  3?i#ten ,  SBerläum* 
bung,  ©tolg  unb  @$rgei$. 


13)  @eringf#ä$ung  @ofte$;  33e* 
friebigung  feiner  fiinbti#en  Süfle, 
unb  ZUU  pxx  Sluöf^ioeifung  je. 


£>iefe  £afel  |>at,  wie  gefagt,  nocf)  man$e  Surfen,  'beren 
^luefüßung  jebem  £efer  überlaffen  bleiben  mufL  £)o$  wirb 
fte  ba3u  btenen,  tag  man  bie  somepmften  gugenben  unb 
©ünben  fajnett  überfein  unb  barna$  fein  ©ewifien  unt  fo 
beffer  prüfen  famu  <5ie  fann  Sebem  fageu,  xx>a$  tjjm  norij 
fejrtt  unb  wie  fcpmm  e£  um  fein  @ljriftentljum  ftejjt  —  gin* 
befi  bu  alfo,  oCEjmfl,  bei  beiner  Prüfung  tnele  Mängel  unb 
©ebrea)en,  fo  fc^e  biefef ben  nid) t  gering,  naa)  2lrt  ber  böfen 
Seit;  fonbern  bemütlnge  bia)  x>ox  beinern  ©Ott  unb  ernenne, 
bafü  feine  ®nat>c  Mt$,  bu  aber  unb  Mn  SSerbienfl  9lia)t3 
ift*  bereue  beute  ©ünben  unb  hittt  beinen  £etfanb  um  Skr* 
gebung  berfelben,  Utu  3j)n  um  feinen  Zeitigen  ©eijt,  bamit 
bu  in  3ufunft  t>orfta;tiger  wanbeln  unb  beinern  ©ott  mit 
finblicfjem  ©ei?orfam  bienen  mögefi  $räge  beinern  ^er^en 
wojjl  ein,  baj?  ber  ©laube,  ber  bura)  Uc  Siebe  nia)t  tiäti& 
tjt,  ein  fcrfföer  ©taube  fep,  unb  bap  er  mit  *>orfä§Iia;en  ©ün* 
ttn  ni$t  befielen  fönne*  23ebenfe,  ^,  wer  in  ber  ©ünbe 


328 


beparrt,  auffer  bem  Staub  ber  ©nabe  fey,  unb  wenn  er  jta) 
ma)t  von  £eraen  befeprt,  ferne  ©eligfett  au  hoffen  Jjabe.  Senfe 
baran,  baf  berjienige  in  ber  ©ewalt  be$  Satans  fc^Xafe,  we(* 
$er  gu  IBette  gept,  ofme  feine  ©ünben  au  bereuen,  unb  bag 
i^n  nur  ©otteö  große  ©üte  unb  Sangmutp  erhalte,  2Ber  $um 
Ijeif.  Slbenbmapf  gept,  ofime  ben  ewfHta)en  23orfa§,  von  feinen 
©ünben  3U  laffen  unb  fein  2eben  au  bejfern,  ber  f?at  feinen 
(^lauften,  fonbem  fyottet  nur  be3  peil*  ©otteS,  ber  auf  baS 
3nnere  jtept,  unb  feine  SBerbammnij?  wirb  um  fo  fa)werer  fepn. 

III.  gerner:  muß  jtä)  ber  bußfertige  von  ber  SOBelt 
ferne  paften  unb  bte  (£infamfeit  fuepen.  Sie  Ue* 
Zungen  ber  23uße  laffen  fiep  nemltä)  am  heften  in  ber  Stitfe 
vornehmen.  Ser  ^eilanb  felbjt  gibt  biefen  dlatp,  inbem  er 
fagt:  „2öenn  bu  hettn  wülft,  fo  gepe  in  bein  $äm* 
merleinjc."  @rr  fefljfi  maa)te  e£  fo  unb  ging  in  bteSBüjie 
ober  auf  einen  ©erg.  Ueberfjaupt  fmben  wir  An  ber  peitigen 
Schrift  noa)  mehrere  23etfpiete,  von  3faaf,  Daniel,  $etru$ 
u.  f.w.;  biefe  foften  wir  naä)a|jmen,  unb  wenn  wir  beten- 
Wolfen,  fotten  wir  einen  verborgenen  Ort  auffuä)en,  um  ba* 
fefbft  unfer  £er$  ungejjinbert  vor  ©Ott  au£$ufd)üttem  Sieg 
tewaprt  vor  £eua)elei  unb  beforbert  bie  5lnbaa)t  3n  ber 
<£infamfeit  rebet  man  vertraulia)  mit  feinem  ©Ott,  unb  tnU 
betft  3ptn  alles,  was  ber  Teufel  unb  bie  bofe  Söelt  ni$t 
wiffen  fotf,  unb  wa$  man  feinem  2Sftenfä)en  fagen  barf.  Sa 
befennt  man  feine  ©ünben,  lägt  btn  S^ranen  freien  Sauf, 
unb  faßt  nieber  auf  feine  $niee;  ba  legt  man  fta;  bem  £errtt 
Sefu  au  pßen,  unb  tput  Sitten  in  tiefßer  Semutjj  unb  mit 
5lufrid)tigfeit,  m$  aur  (£pre  ©otte£  unb  aur  Gmvecfung  per^ 
*ia)er  5lnbaä)t  bienen  mag.  —  Sie  (£infamfeit  i(t  fä)on  bei 
bem  täglia;en  ©ebet  fef>r  nü$Iia};  befonberS  aber  ift  fte  ^m 
bußfertigen  Seelen  fefjr  peilfam,  wenn  fte  ipr  ©ewiffen  prü* 
fen,  tpre  ©ünben  abbitten,  im  tarnen  3efu  ©nabe  fuä)en, 
unb  fta)  aur  ©ottfeligfett  ermuntern  wollen.  Sarum  tfl  bte* 
felbe  aua)  Sitten  anauratpen,  t)k  fta)  gehörig  aumpeü.Stbenbs 
map!  vorbereiten  wollen.  —  Um  aber  nia)t  mißverflanben  au 
werben,  bemerfe  ta)  noa),  t>a$  tä>  nia)t  blo$  bie  (Einfamfeit 
be$  £>rt$,  fonbem  f>auptfäa)lia)  bie  be$  £er^enö  meine  unb 


329 


bamit  fagen  Wtß,  tag  fola)e  (Seelen  ftä)  »on  ber  ©efcttf^ap 
ber  Söeli  unb  tton  Willem  entfernt  galten  fotlen,  n?a^  fte  an 
tprem  SSor^aben  Jtnbern  fawu  ^tteprere  dprtjlen  glauben,  fte 
fömten  23uge  tpun  unb  jtcp  tn  ber  ©ottfeltgfett  üben,  wenn 
fte  baneben  mit  irbifa>gefmnten  9ttenfa;en  umgeben  unb  mit 
tpnen  fajeqen  unb  fpielen*  ©ie  meinen,  wenn  fte  beS  9ftor* 
gen$  unb  be3  2Ibenb6  beten,  fo  fcp  alles  gut.  Rubere  ^tepen 
fta)  $war  etliche  £age  son  fola)er  ©efellfa)aft  aurücf, 
wenn  fte  jur  33eia)te  gepen  wollen;  ijt  aber  ba3  peiL  Sßerf 
*>ollbraa)t,  fo  maa)en  fte  eS  wie  früher*  —  3$  rebe  aber 
pier  nia)t  fcon  benen,  bie  ^u  ip.ren  gewohnten  (Sünben  wieber 
prücffepren,  fobalb  $>a&  peilige  2lbenbmapl  vorüber  tjt;  fon* 
bern  t>on  benen,  wela)e  glauben  ipre  SBuge  fep  rea)tfa)affen 
unb  fte  paben  ©nabe  erlangt,  aber  bemopngeacpiet  noä)  bie 
©efellfcpaft  ber  3rbi[a)geftnnten  lieben,  tiefe  für  t^re  befien 
greunbe  palten,  unb  fte  nia)t  meiben  wollen*  d^rtften  ber  Slrt 
möchte  tä)$orjMlen,  ba$  fte  alleUrfaa)e  paben  ipre  23u£e  §u 
prüfen,  ob  fte  aua)  rea)tfd)affen  fe#?  2)er  @ä)lug  ifl  leia)i, 
wenn  fte  nur  bie  SSorte  in  ben  $falmen  erwägen  wollen:  ,&§ 
fi£e  nia)t  bei  ben  eiteln  beuten,  unb  pabe  nta)t 
©emeinfcpaft  mit  ben  galfcpenjc/'  —  „3$  palte 
mia),  mein@ott,  §u  benen,  bie  $H$  furzten  icJJ — 
„SSeidjet  »on  mir,  tpr  23o£paften!"  —  gerner,  bte 
üöorte  be$  SlpofklS:  „Siepet  nicpt  am  fremben  3oa) 
mit  ben  Ungläubigen»  £)enn  waö  pattaS^icpt 
für  ©emeinfa)aft  mit  ber  ginjternig,  unb  wie 
ftimmt  GpriftuS  mit  33elial?}c*"  £)ap er  f ollen  fla)  bie 
ausfertigen  allezeit  ber  Sorte  be$  GErlöferö  erinnern:  „3$ 
pabe  eua)  *>on  ber  Selterwäplet,  unb  gefegt,  baf* 
tyx  pingepet  unb  grua)t  bringet;  bleibet  in  Tlit 
unb  3a)  in  eua)*  ©letcpwie  bie  Sftebe  feine  grucpt 
bringen  fann  *>on  fia)  felbft,  fie  bleibe  benn  am 
Söeinftocf,  alfo  aua)  ipr  ntcpt,  ipr  l\tiltt  benn 
an  $fliTic+"  Ser  alfo  bie  geinbe  be$  ®vtüft$  (JprifK  liebt, 
wie  fann  ber  ßprijti  greunb  fep?  2öie  foll  ia)  ben  für  einen 
befeprten  (Spriften  palten,  weisen  ia)  in  täglicper  ©efelffcpafi 
mit  ben  Unbefeprten  ftnbe?  3f*  ba$  ein  eprlicper  $?ann,  ber 


330 


mit  ©teben  öftere  umgebt  unb  fta)  an  i!)rer  33o$£eit  erlogt? 
Ser  mit  (Öfen  beuten  umgept,  ift  aua)  böfe,  unb  wen  man 
fonft  niä)t  fennt,  ben  !ann  man  an  feiner  ©efettfa)aft  fennen 
fernen*  Sie  fann  ia)  glauben,  tag  3emanb  fein  früpereg  böfe3 
£ebcn  ernfllia)  bereut  pat,  ber  fta)  naa)  feiner  vermeintlichen 
IBuge  al^balb  wieber  $u  fa)limmen  beuten  gefeilt,  tit  tyn 
aua)  wieber  gum  23ofen  anhalten?  $ann  man  wo£l  vonbem, 
welcher  an  ber  $eft  fran!  tag,  annehmen,  ba$  ifjm  fein  2eben 
lieb  fep,  wenn  er  naa)  feiner  ©enefung  gleid)  wieber  in  bte 
$ejtt)  auf  ergebt?  —  Senn  aber  aua)  t>a$  $er^  eine£  9)?enfa)en 
wirflia)  gerührt  ift,  unb  fta)  in  bemfelben  wajjre  S^eue  über 
bie  ©ünben,  (£ifer  unb  £uft  $unt  ®ebet  :c,  fmbet,  fo  wirb 
boa)  a#e3  bieg  balb  verloren  gelten,  wenn  er  feine  früheren 
©efellfa)aften  wieber  auffua)t  unb  greube  fmbet  an  ber  ©ünbe«. 
©aper  fagt  3efu£ :  „©er  ©aame,  welcher  unter  bk  dornen 
fiel,  bebeutet  bie,  welche  ba$  Sort  poren,  unb  gelten  ptn 
unter  ben  ©orgen,  9?eia)t^ümern  unb  Sotlüßen  biefeg  £e* 
ben3,  unb  erfticfen  ipn  unb  bringen  leine  grua)t"  ©er  wapre 
(Glaube  ift  eine  garte,  frembe,  ptmmltfa)e  *)3flan$e,  welche  ge* 
pflegt,  begoffen  unb  bewaljrt  fe^n  will.  Bk  gebeizt  nia)t  unter 
ben  Kletten  unb  ©ijMn,  fonbern  erjKcft*  (£in  jjetler  ©Riegel 
fann  ja  aua)  bura)  ba$  2inl)auä)en  etneg  unreinen  SttunbeS 
beseelt  werben,  unb  wenn  an  guter  2lpfel  unter  bte  faulen 
gerate ,  fo  wirb  er  aua)  fault  unb  verbirbt*  —  Sem  e$  alfo 
<£rnjt  ijt  mit  feiner  23uf?e,  ber  meibe  alle  böfe  ©efellfa)aften, 
unb  liebe  nur  biejienigen,  wela)e  3efum  Gtprijium,  ben  <$e* 
freu^igten,  J>oa)fä)ct£en*  3jt  es  benn  fo  fa)ön  unter  <5a)lem* 
mern  gu  ft^en ,  feine  Seit  beim  grinfgelage  Einzubringen  unb 
an  feiner  ©eele  ©a)aben  gu  nehmen  ?  ©ollte  3efu3  benen,  bie 
fta)  an  3!w  im  ©lauben  palten,  nia)t  fo  viel  greube  ver* 
fä)affen  fonnen  als  bie  Seit?  £abe  beine  £uft  an  bem 
£errn,  berwirb  birgeben,  waSb  einher  3  wünfa)et! 
©er  Seit  greube  gleicht  einem  giftig^fügen  Sein,  ber  glatt 
eingebt,  aber  balb  ben  £ob  bringt;  bk  #immet£ft:eube  aber 
ijt,  tt>k  ein  bitterer  Sein,  ber  ben  Mb  reinigt,  jMrlt  unb 
erhält  Senn  ber  bußfertige  viel  unu)erfa)weift ,  fo  nimmt 
er  leia)t  ©djaben,  \xnb  wenn  e$  aua)  fa)eint,  al$  ob  et:  opne 


331 


9ta$t$ctl  bte  ©efetffcfjaf*  ber  ©ottfofen  befugen  tonne,  weil 
er  felbfl  feinen  ©efallen  fmbet  an  bem  53öfen,  fo  le^rt  bo$ 
bie  (£rfaprung,  bag  ber  ©atan  ftd)  na$|>er  beffen,  was  sor* 
gefallen  ijt,  tvefftic^  $u  bebtenen  weif»  (£r  fietlt  gerne  bet'm 
©efcei,  bei  bem  Innren  ober  £efen  beS  göttlidjen  SöorteS, 
überhaupt  aber  in  ben  2lugenblicfen,  wo  3ene  re$t  anbäd)ti$ 
fe^n  wollen,  SllleS  wieber  sor  fingen,  wa^  fte  in  ben  ©efell* 
fd;aften  gefel)en  ober  gehört  £ ab en ,,  wag  fte  entweber^um  £a* 
$en  bringt  ober  fonft  l;inbert  2D£and)e  gelten  ^war  xnit  bem 
nemltdjen  *8orfa§  in  ©efellf  haften.  Wie  ber  greunb  beg  J)e& 
Huguftin;  aber  fi'e  fjaben  aucl)  gleiches  ©$tcffal,  wie  biefer* 
Einige  23efannte  nemlid)  nahmen  benfelben  wiber  [einen  2M* 
Ken  mit  auf  ben  ©djauplag,  wo  nad)  ^etbnifc^er  Söeife  ©cla* 
$en  unb  (befangene  auf  Seben  unb  £ob  miteinanber  tampfen 
mußten*  (£r  najmt  ft$  »or,  nichts  ^u  feljen,  unb  J>telt  eine 
3eitlang  feine  klugen  $u*  §luf  einmal  entjlanb  an  großes 
greubengefdjrei  unter  bem  SBolf,  roeit  (Einer  son  ben  gestern 
tterwunbet  unb  gelobtet  würbe*  Slilmäjjltg  öffnete  Jener  bie 
2lugen,  unb  aU  er  ben  SDfenfc^en  in  feinem  33(ute  baliegen 
fal?,  Ijatte  er  feine  greube  baran  roie  bie  Zubern,  unb  fä)rie 
au$  an$  vollem  £alfe*  Stuf  biefe  Seife  fommt  $?an$erin 
eine  ©efeilfc^aft  un*>  glaubt,  er  wolle  ftd)  nod)  fo  gut  in  %ä)t 
nehmen,  aber  e^e  er  ^axan  benft,  ijt  bie  C^tteXfeit  x>on  allen 
©eiten  in  fein  $er^  gebrungen,  baß  er  fo  fejjr  f  erwärmt  als 
ein^lnberer.  2)arumijt  eS  am  23eflen  weit  bason!  2)iegefün* 
befie  Suft  tft  in  bem  £aufe  unb  in  bem  Kämmerlein,  wo  man 
in  ber  ©tille  fein  33rob  i$t  unb  feinem  @ott  bient  2lud)  hk 
9Mer  fließen  fi$  ein,  wenn  fte  eine  tunjttidje  Arbeit  x>or 
ftd)  £aben,  ober  gefien  wenigftenS  an  einen  abgelegenen  Drt 
£)ie  waljre  ©ottfeligfeit  unb  bie  Hebung  in  ber  35uße  ift  ba$ 
ttridjtigfte  ©ef^äft  für  ben  (griffen*  £)arum  (äffet  uns  gerne 
verborgen  unb  unbelannt  fep ;  bie  Seit  foll  *>on  uns  unb 
wir  tton  ber  SOBeXt  nichts  wtffen,  M$  wir  fertig  fmb,  roaS 
erj*  mit  bem  £obe  au  poffen  ift  Raffet  uns  an  W  SBorte 
ber  beiben  Hpoftel,  Paulus  unb  3alobu6,  benfen:  r,3Durc^ 
bengefreuaigtenSefumiffc  mir  bie  SOS  eXt  gefreu$igt 
unb  ify  ber  Seit;''  unb:  „ber  Seit  greunbf^aft 


332 


t(f  ©oüe$  getnbfdjaft;  wer  ber  SBett  5*eunb  fe$n 
wtH,  ber  wirb  ©otteä  geinb  fepn!"  — 

IV.  Seiter  geljb^t  $ur  wahren  23uge,  bafj  wir  unfern 
Seib  bejä^nten;  was  bura)  Sttäjjftgfeit,  Saften,  2öaa)en2c. 
gefä)tei?k  £>ieg  wirb  üt  ber  @a)rift  nia;t  nur  befohlen,  fem* 
bern  aua)  burd)  mehrere  33eifpiele  betätigt*  23efefjret  euä) 
5u  mir,  fpri^t  ber  £err,  von  ganzem  #er$en,  mit 
gajten,  Seinen  unb  klagen  :c,  Unfer  £eilanb  erflärt, 
tr-ie  man  faften  fottc:  „Senn  bu  faftefl,  fo  falbe  betn 
$aupt  unb  wafdje  betn  Sin  gefixt,  auf  bag  bu  nia)t 
fa)etneji  vor  ben  beuten  mit  beinera  Saften,  fon* 
bern  vor  beinern  SBater,  welker  verborgen  IffcS 
2lua)  ^3autu^  ermahnt,  baß  wir  un$  als  Wiener  ©otteS  bewet* 
fen  fotlen  in  ber  Arbeit,  im  Saä)en,  im  gajlen  unb  in  ber 
$eufa)ljett*  2)oa;  foll  biefeg  nia;t  mit  folc&er  (Strenge  gefdje* 
£en,  baß  wir  an  ber  ®efunbl?eit  <5a)aben  leiben  unb  $u  bern 
Berufe  untüchtig  werben*  2)aS  ^emlic^e  folgt  au£  ben  <5ttU 
len  ber  ©ä)rtft,  welche  von  uns  verlangen,  nüd)tern  $u  fe^n 
unb  unfer  gleifa)  ^u  freudigen,  fammt  ben  Süjten  unb  23e* 
gierbem  £)a£in  geport  aua)  ber  23efef>l  ©otteS,  naa)  welchem 
baö  SBolf  3fraet  am  großen  SBerföfmungStage  fapen,  beten, 
über  feine  ©ünben  flagen  unb  allen  ©a)mu(f  ablegen  muffte* 
£>iefer  £ag  wirb  3 war  von  ung  (griffen  nia)t  me£r  gefeiert; 
boa;  fe^en  wir  barauö,  baß  ©Ott  neben  ber  33uße  im  £er* 
^en  aua)  bie  äufferlia)en  Serie  ber  23uße  verlange;  benn 
ber  %tö  tjt  ein  Serfgeug  ber  <3ünbe,  mithin  muß  er  aua) 
an  ber  25uße  naa)  feiner  2lrt  ££etl  nehmen,  £>ieß  betätigen 
bie  ©etfptele  ber  bußfertigen,  wela)e  in  ber  <5a)rtft  aufge* 
getdmet  fmb.  <3ie  legten  einen  ®atf  ober  fa)lea)te  Kleiber  an, 
festen  fta)  in  bie  2lfa)e,  ftreuten  biefelbe  auf  t£r  £aupt,  legten 
aua)  ij>r  33rob  in  bie  2lfa)e,  wie  wenn  fte  nia)t  wertp  wären, 
e$  rein  ju  effen,  vermieten  t£ren  Zxanf  mit  ££rcmen,  ent* 
beerten  alles  Vergnügen  unb  alle  23equemlia;fett,  fua)ten  vor 
©Ott  unb  2ttenfa)en  ern(Hia)e  Sfteue  über  bte  ©ünbe  au  geigen, 
unb  gelten  tl?r  fünblia)e£  gleifo)  t>a%n  an,  baß  e$  bern  ©et(l 
tu  feiner  Sußübung  ma)t  pinberliä)  fep.  £>aper  entfagten  fte 
bern  ©c^lafe,  Mttm  aua)  be$  9taa)t$  unb  feufeten  bejiänbig* 


333 


£)atton  fctmt  man  gtt>ar  feine  allgemeine  Siegel  aWittn  unb 
ollen  ©unfertigen  ba$  ©leia)e  empfehlen,  weit  bie  Naturen, 
bte  Gräfte,  bie  ©aben  unb  ber  (Eifer  s>erfä)ieben  ftnb;  boä) 
foll  ber  33ü$enbe  biefe  äujferen  Mittel  nia)t  gan$  unterlaffen, 
weil  babura)  bie  innere  23u£ e  nia)t  nur  bezeugt,  fonbern  aua) 
beförbert  wirb»  Söarum  wollte  er  m'c^t  ^u  gewtffen  3^tten, 
wenn  ipm  fein  ©ewiffen  eine  fa)were  ©ünbe  sorpält,  ober  an 
öffentlichen  23ug  *  unb  Vertagen,  ober  wenn  er  fta)  sunt  ^eiligen 
5lbenbmapl  forbereiten  will,  in  feinem  Kämmerlein  fta)  ein* 
f fliegen,  in  geringe  Kleiber  gepullt  jtä)""  aller  6peifen  ent* 
palten,  ober  wenigfto  eine  föjtlia)e  Wlafätit  entbehren  unb 
mit  einem  Riffen  33rob  aufrieben  fepn?  SBarum  wollte  er 
fta)  nia)t  ttor  ©Ott  bemütptgen,  mit  Seufzen  unb  £pränen 
feine  ©ünben  befennen  unb  $or  bem  2l(lerpöa)jten  auf  ben 
Kmeen  ltitn%  SÖSarum  follte  ber  dprifi  nia)t  aua)  be$  -ftaa)t$ 
an  ben  23ater  im  Fimmel  unb  an  feine  ©ünben  benfen, 
warum  nia)t  bisweilen  um  yjiitttxnatyt  aufjtepen,  ben  £errn 
loben  ober  3pn  um  Vergebung  bitten?  2öie  mana)e  ©tunbe 
ber  91aa)t  wirb  in  Uefcpigfeit  angebracht;  follte  man  nicfjt 
aua)  wenige  S^it  $ur  23uge  serwenben?  £>er  ©eift  ber 
gtnjterniß  fä)leia)t  am  metften  hei  9*aä)t  umper,  warum 
wollten  wir  ipm  nia)t  im  ©tauben  unb  bura)  ba$  ®ehtt 
wiberflepen  unb  un$  bem  £üter  3frael^,  ber  ntept  fa)täft, 
wenn  wir  fa)lafen,  bringenb  entyfepten?  —  $ea)tfa)affene, 
bußfertige  teprißen,  bie  ©otte£  SBort  fietä  $or  klugen  paben, 
bebürfen  einer  fotepen  Slnweifung  freitiep  niept*  ©ie  felbß 
wiffen  wopt,  wa$  fte  in  folgen  gälten  tpun  follen,  unb 
wiffen  aus  (Erfaprung,  wa$  ipnen  $ur  (ümoedung  ber  5ln* 
baa)t  am  nüglidjften  ifL  Unb  wenn  fte  aua),  naa)  ^m  33e* 
fept  be$  <£rlöfer$,  tpre  Hebungen  gepeim  palten  unb  lieber 
©Ott  aU  ben  Sttenfcpen  befannt  fe$n  wollen,  fo  xctify  ia) 
boa),  baß  fiele  £aufenbe  iprem  ©Ott  £ag  unb  Sfatcpt  bienen 
mit  gajten  unb  23eten*  Sftia)  bünft  im  ©eift,  ia)  fepe  fte 
auf  ben  Knieen  liegen,  fepe  fte  Ukn  unb  weinen.  3a)  mi$, 
bafj  fte  beftänbig  jum  Fimmel  feuften  unb  um  Ue  (Erfcpei* 
nung  unfereS  £eitanbe3  3efu  @prijli  hittm.  —  £)er  (flaute 
fragt  niä)t,  n>k  unb  wann  er  fta)  üben  fott,  fonbern  er  ift 


334 


immer  in  ber  Hebung ;  er  jwlt  fte  awar  »erborgen,  fann  fte 
aber  nia)t  unterlaffen*  (£r  fudjt  bamit  aua;  nia)t$  $u  »et* 
btenen,  fontern  Uc$  feine  @otte$fura;t,  feine  Slufrtt^ttgf eit 

unb  feinen  {jer^ltojen  (grnft  au  jetgetu 6oltt)e  Hebungen 

paben  ferner  aua)  einen  großen  Saugen,  wenn  fte  mit  ein* 
anber  »erbunben  ftnb  unb  aufriß tig,  ojjne  £eua)elei  unb  im 
Glauben  gefa)e!jen*  2)ie  2lnbaä)t  wäa)3t  burä)  2tnbaa)t,  unb 
@ott  tfl  fo  gnäbig,  baß  (Er  nia)t  einen  einzigen  bemütljigen  guß* 
fall  mwergolten  Bf  t  (Er  actjrtt  bie  fronen  ber  bußfertigen  unb 
tljre  ©eufter  ftnb  3^m  nia)t  »erborgen»  3öenn  ©Ott  an  bem  §a* 
fien  unb  23eten  be3  abgottifä)en  $ onig£  2l£ab  ©efallen  fanb,  baß 
(Er  31t  bem  ^roppeten  fpria)t:  „£ajl  bu  nia)t  g e f e p e n, 
wie  2lljab  fia)  »or  3Äit  bücfet;  —  barum  will  ia) 
baS  Unglütf,  ba$  il?m  gebrobet  war,  nia)t  fem* 
men  la'ffen,  fo  lange  er  lebet;"  wie  foftten  3j?m  nia)t 
bte  ernftlia)en  33ußübungen  feiner  ©laubigen  fo  wojrtge* 
fallen,  t>a^  er  fte  mit  leiblichem  unb  geiftigem  ©egen  be* 
lo^nt?  —  ©ola)e  Uebungen  ftnb  leiber  hü  ben  meinen 
(£J?rij*en  in  Sßergeffeni)  eit  gekommen  unb  mana)er  Unserftcm* 
bige  möä)te  fte  niä)t  bloS  für  feltfam,  fonbern  gar  für  irrig 
Jjaltem  £)ie  IBe^mung  beg  %zihz$,  bag  gaßett,  3öaa)en 
unb  bergt  nehmen  SBiele  für  einen  fan;olifa)en  ©ebraua); 
benn  ber  ro£e  £aufe  will  ungebunben  fepn  unb  bie  Seit 
will  tjjren  freien,  fünblia)en  SSiu'en  |>aben*  2lua)  fmbet  man 
in  unfern  gagen  eine  2D?enge  »on  benen,  tk  fta)  für  gute 
(griffen  galten,  ob  fte  gleia)  $eitleben3  weber  gefafiet,  noa) 
gewaa)t,  nod)  il?rem  Körper  eine  23equemlia)feit  »erfagt 
fyabtn.  (Effen,  Linien,  unb  bte  in  bie  fpäte  9*ad;t  in  t>m 
SÖtrt^äufetn  ft#en,  bann  ^eimge^en  unb  fa)lafen,  hi$  bie 
©onne  poa)  j*e£t,  —  baS  tfl  leiber  gan$  allgemein,  wie 
aua)  Ueppigfeit,  $raa)t  unb  Ueberfluß  bei  ben  $fla%titen 
unb  in  ber  Reibung.  (g$  gd?t  naa)  ben  Sßorten  be£  (Er* 
löferä:.  ,,©leia)wte  e3  $uv  3tit  9loay$  war,  fte 
aßen,  fie  tranfen,  fie  freietenic.  —hi$  bie  ©unb* 
flutf?  fam  unb  raffte  fie  Sllle  bafjtn;  alfo  wirb 
aua)  bie  3ufitnft  beg  2ftenfa)enfo£nS  feiern"  £er 
alte  2lbam  wirb  »on  ben  beißen  gar  aärtlia)  gehalten  unb 


335 


fein  warm  sugebecft,  oB  er  gleich  bem  ©eijte  wiberfpenjlig 
tfi  unb  feinen  £ü(ten  tägttc^  na^geljt  <5ie  meinen,  weil  wir 
allein  burdj  hm  ©tauten  geregt  werben,  fo  biirfe  man  ftcfj 
um  weiter  ni$t£  befümmerm  Darüber  fagt  ein  eifriger 
£eljrer:  „9ta$bem  man  bte  rechte  $riftti$e  gretjmt  burd) 
ba$  ßroangelium  mi$  :c,  ha  wetten  bie  2öeltmenf$en  glau* 
Ben,  man  bürfe  feine  guten  Söerfe  me^r  tjjun,  fonbern  möge 
(eben,  vok  es  ba3  gleif$  gelüftet  unb  wie  e$  ber  £eufe( 
paben  Witt.  SBenn  3emanb  aua)  be$  fiebern  2Settleben$  nadj 
allem  belieben  feinet  gleifd?e£  gekaute,  unb  in  aller  Uep* 
pigfeit  fitf)  wo|>t  herumtreibe  unb  nur  Bie  weiten  an  bie 
55rujl  fd?tage  unb  fprec^e:  @ott,  fep  mir  ©ünber  gnäbig! 
fo  fep  er  ein  guter  OHmf*  unb  ber  £tmmel  fiefie  ipm  offen* 
Dieg  ift  aber  ber  gröfjte  Unftnn  unb  dm  waf>rl)aft  teuflifd?e 
SSerfeprung  ber  göttlichen  £ejjre/'  —  <So  prüfe  fic$  benn 
3eber,  ob  er  au$  naä)  Anleitung  ber  <S$rift  unb  ben  23ei* 
fpielen  ber  ^eiligen  einige  23ufmbungen  im  ©ebrauc|>  pabe 
ober  nic$t?  Die  red)tfd)affene  23uße  wirb  feiten  oljne  folc^e 
33ußwerfe  gefunbem  2Ber  aber  nichts  bason  wetg  ober  wiffen 
will,  unb  e£  nic^t  ber  TOfje  wertf?  fyätt,  über  hk  ©acfje 
nac^ubenfen  ober  ft$  barüber  belehren  gu  laffen,  von  bem 
iß  £u  beforgen,  bag  er  au$  von  ber  wahren  33uge  nia)t 
ml  wiffe*  3$  verlange  fein  abergtctubif$e£,  Ijeuc^lerifcljeS 
®tofterteben,  fonbern  nur  £  eilige  23uffübungen,  welche  bei 
ben  grommen  $on  j[e^er  im  ©ebrauc^  gewefen  finb*  Die 
3eit,  bte  3a£l  unb  Sttaafl  Utiht  einem  3eben  felbft  über* 
laffen*  Unb  wenn  dimx  eine  befonbere  SÖiberfpenjHgfeit 
beS  fünbli^en  gleif$e$  M  ft$  empjtnbet,  wenn  er  merft, 
tag  ber  ©atan  t^n  in  eine  fc|>were  ©ünbe  ^u  jiür^en  broj?t, 
ober  wenn  er  nidjt  auf  feiner  $ut  war  unb  mxflify  eine 
große  <5ünbe  begangen  unb  barüber  t>k  9?ujje  feines  $tx%en$ 
verloren  l)at,  wenn  er  eine  böfe  ©ewopntjeit  an  ftd)  wajir* 
nimmt  unb  btefetbe  gerne  überwältigen  wollte,  wenn  er  gum 
Zeitigen  2lbenbmal)l  geljen,  in  einer  allgemeinen  ober  befon* 
bem  9?ot£  unb  C^efa^v  ©Ott  um  <&§u§  unb  £ülfe  anrufen, 
ober  fonft  etwas  2Bi$tigeg  vornehmen  will,  woran  nifyt 
Uo$  bie$eitli$e,  fonbern  aucj>  bie  ewige  Sßo^lfa^rt^ängt,  — 


336 


bann  barf  er  fta)  wo|rt  pm  anbää)tigen  ©ekt  bura)  gaffen 
unb  2G3aa)en  beretten.  £)oa)  muß  er  babet  afle  £eua)elet 
unb  ben  6a)em  vor  ben  9!ttenfa)en  metben,  fta)  aua)  feine 
befonbere  $äix$ät  vor  Zubern  einbüben,  fonbern  Mz$ 
mit  £)emutfj  unb  mit  einfältigem,  lauterem  £er$en  tfmn.  — 
2öürbe  fta)  nun  bie  Süöett  ratpen  laffen,  fo  würbe  fte  balb 
erfahren,  $>a$  bk  ^eiligen  <55otte^  folä)e  33ußübungen  nic^t 
c£ne  ©runb  vorgenommen  Ijaben.  £)er  ££rif*  gleicht  einem 
£)elbaum,  weta)er  auf  ©anbfmgeln  fruchtbar,  in  feuchtem 
53oben  aber  unfrua)tbar  gefunben  wirb.  (£benfo  beftnbet  fta) 
ber  bugfertige  Gtyrifl  am  befien  Ui  ber^üa)tenu)eit  unb 
SDläßtgfeit.  2)er  trocfene  3unber  fängt  bie  gunfen  am  beften, 
unb  ba$  Mrre  £of$  t>k  glamme;  alfo  fyat  ber  (tyxi%  ml* 
djer  fta)  bura)  Saften  unb  2Baa)en  ^um  2)tenj*e  @otte3  be* 
reitet,  beffo  me£r  ®nabengaben  p  erwarten. 

V.  ferner  gehört  $u  ben  SBußübungen  aud)  ba£  51 U 
mofengeben.  Sie  Sitten  pjxegten  bte  Sltmofen  unb  ba$ 
gaften  t>k  beiben  gfügel  be$  d5eBet^  $u  nennen,  unb  Uc  peif. 
©a)rift  gibt  un3  23eifpiele  von  bußfertigen,  wela)e  fta)  naä) 
i£rer  SBefeprung  ber  Firmen  fepr  angenommen,  unb  ijwen 
aus  cl?njl(iä)er  2kU  gerne  geholfen  {laben.  £te  ©efa)ta)te 
beS  3aa)äu3  ift  begannt,  wela)er  ^u  3efu  fagte:  „£err,  bte 
Hälfte  meiner  (Mter  gebe  ia)  Un  Firmen,  unb  wenn  ia)  3f* 
manb  betrogen  |>abe,  fo  gebe  ia)  c$  vterfälttg  wieber/1  £>tefe 
Söorte  erflärt  ein  gottfeliger  Sefjrer  alfo:  ,,2Ia)  £err,  e3  iji 
mir  von  |)er^en  leib,  baß  ia)  bi3l)er  ein  fola)1  böfeS  $&tn 
geführt,  unb  biejenigen,  mit  welä)en  iä)  e£  £u  t^utr  ^atte, 
betrogen  fyahz*  2)amit  £)u  aberfte^,  wie  ernji  c$  mir  mit 
meiner  23uße  iß,  unb  xx>k  ia)  gefonnen  bin,  mein  Seben  $u 
beffern,  fo  verfvrea)e  ia)  £)tr  fjiemit,  reta)tta)  31t  geben  unb  gu 
pelfen,  unb  wie  ia)  mia)  guoor  bura)  ©ei$  verfünbtgt  j)abe, 
fo  Witt  ia)  je$t  bura)  gretgebtgfett  aeigen,  ba$  mir  mein 
friu)ere$  2eben  mißfällt  2c."  —  2)ieß  tji  bte  SSeife  ber  23uß* 
fertigen;  wenn  fte  Vergebung  ifjrer  ©itnben  erlangt  fwben, 
fo  geben  fte  2Ifte3  gerne  |>tn,  fte  aa)ten  Wt$  anbere  für  ©a)a* 
ben,  um  (£l?rij?um  $u  gewinnen,  unb  wenn  fte  bte  ©üßigfa't 
beS  Jummlifa)en  Xxoftrt  empfunben  $töm,  fo  wiffen  fte  nia)t, 


337 


wie  fte  ftd;  banfbar  geigen  folletu  §1  |cifl  ki  tlmen:  töte 
foll  ta;  bem  Gerrit  vergelten  ade  Sonaten,  t>te  (£r  an  mir 
tjntt?  —  £)ieß  fiept  man  auc$  an  jener  bußfertigen  ©ünberin, 
welche  fta)  3efu  31t  güßen  warf,  fte  mit  ipren  £pränen  ne£te, 
unb  mit  ipren  paaren  trocfnete,  um  ausbeuten,  baß  nid;t$ 
fo  treuer  fe#,  ba$  fte  nia)t  au3  ?iebe  ^u  3|w  tvtüt'ö  aufopfern 
wolle,  2Beil  nun  bie  rea)tf$affenen  33üßer  jie$t  nia)t  mepv 
felbfl:  su  bem  £>errn  fommen  fonnen,  fo  Wettben  fte,  au$  $tx%* 
fta)er  £)anft>arfett  gegen  3H  ipre  ©üter  $ur  Unterjtü^ung 
ber  Firmen  an»  @o  maa)ten  e3  t>it  erften  Triften  $u  3eru^ 
falem,  welche  naa)  tprer  33efeprung  2We£,  wa$  fte  patten, 
verfauften,  unb  ba3  ©elb  ju  hcn  güßett  ber  Hpoftel  legten,  — 
2)emnaa)  ift  bie  SÖopltpättgfeit  gegen  t>k  Firmen  niä)t  bloä 
ein  3ei&)en  von  ber  wahren  33uße,  fonbern  gewiffermaßen 
aua)  ein  £ülf$mittel  berfelben,  £)ie  (Erfahrung  ttemlia)  leprt, 
baß  ntd)t  alle  bußfertigen  fogleia)  $ur  wolligen  Sftupe  be£ 
©ewiffeng  gelangen,  ©ie  paben  ^war  eine  ©eljnfua)t  naä) 
Ctlmjto ;  aber  bie  greubigfeit  be6  ©laubenö  feplt  ipnen.  — 
Slnbere  maa)en  fta)  viele  Sorgen  wegen  ber  grüa)te  ber 
23uße,  ob  fte  gleia)  ipre  ©ünben  peqlia)  bereut  paben  unb 
von  ber  Vergebung  berfelben  verfia)ert  finb,  £)enn  fte  werben 
noa)  mana)mal  von  einem  geiler  übereilt,  unb  e$  maa)t  tlmen 
vielen  Kummer,  ob  ifjre  23uße  aud;  rea)ter  2lrt  fep,  weilet 
noä)  immer  an  ben  wahren  grüa)ten  feple.  iftoa)  Slnbere, 
eingingen  fta)  bamit,  baß  ber  gerechte  ©Ott  tpre  frühere 
fd)weren  ©ünben  nid;t  gan$  ungeftraft  laffen  werbe,  Wenn 
fte  gleia)  feft  glauben,  baß  fte  um  3efu  Gtjmfti  willen  voll* 
fommene  Vergebung  berfelben  erlangt  jjaben,  3n  fola)en  gäl* 
Ken  fonnen  nun  bie  Sllmofen,  wela)e  im  ©lauben  gegeben 
Werben,  von  einigem  S^u^ett  fe^m  £)enn,  wenn  \^k  33ußfer* 
tigen  gottfelige  2lrme  erqutden,  fo  vereinigen  fte  bie  ©eufter 
berfelben  mit  ben  irrigen,  unb  bitten  ©Ott,  hi$  fte  erlangen, 
wag  fie  wünfdjem  £)iefe  Firmen  beten  aud)  für  tpre  2ßojrt* 
tpäter,  baß  G£x  fte  fegnen,  vor  allem  Unfall  bewahren  unb 
tpre  £eqen  mit  grtebe  unb  greube  im  peiligen  (Seift  erfüllen 
möge*  203er  wollte  aber  zweifeln,  baß  tin  fola)e$  @ebet  nia)t 
großen^ugenbringe?6a)on$iobfagt:„2)er6egenbeffen, 
6cvi»et'$  Seerenfc^.  22 


338 


ber  vetbetben  füllte,  fam  über  mia)/'  2)ennfo  wenig 
t>te  @euf$er  t>er  grommen  über  bte  ©otttofen  ausbleiben,  ekn 
fo  zeitig  Me(6t  ber  (Segen  au$,  bert  biefelben  ij?ren  28oi?l* 
tjjätem  anwünfa)eiu  3a,  mm  fann  behaupten,  tag  bte  gür* 
bitten  gottfeltger  Ernten  felbjt  betten  nü£en,  bte  ftä)  noa)  nic^t 
gattj  befefjrt  jmben;  bemt  jene  rufen  ©Ott  an,  ba%  dx  ifjren 
Söojltpätern  ^eültä)  nnb  ewig  vergelten,  fte  im  ©tanbe  ber 
©nabe  erhalten,  ober  tjwen  3>t\l  unb  9?aum  $ur  23uße  »er- 
leiden, wolle;  unb  fola)e  ©eoete  erhört  ©Ott  naa)  feiner  un= 
enblia)en  ^Barnt^eratgfeit  —  2) er  Hauptmann  (Sorneliuä  ffanb 
in  bem  9?uf,  ba$  er  bem  SBolfe  viel  Sllntofen  gegeben  l?abe* 
2Betl  i£m  aber  noa)  bte  rea)te  GErfenntntß  3efu  ßijripi  unb 
bte  ©aben  be£  jjeiligen  ©eifte$  fehlten,  fo  würbe  ein  Qmgel  ju 
i£m  gefanbt,  wela)er  fagte:  „3) ein  ®thtt  unb  bein  2U* 
mofenfinb  hinauf  gefommen  ju  ©ott/'  DieferSttann 
£atte  ^war  ben  Anfang  be£  ©lauben^  unb  bie  (£rftlinge  be£ 
©eifk$,  boa)  fehlte  ipnt  noa)  viel*  2)a  er  aber  nia)t  bloS 
felbjt  ©ott  ^er^lta)  anrief,  fonbern  aua)  anbete  ©täubige  für 
tyn  baten,  fo  Jjatte  et  bieg  reta)lta)  ^u  genießen*  2)a$  gleiä)e 
?oo0  Jjaben  noa)  jegt  mana)e  ^enfajen,  bie  awar  bie  SDltttelf 
$ur  (Seligfeit  beft^en,  boa)  ftd)  berfeiben  noa;  nia)t  ernft(ia) 
bebienen»  Söenn  fte  2lrme  willig  unterftü^en,  fo  fontntt  ifjnen 
t>k  gürbttte  betfelben  $u  gut,  unb  ©ott  vergilt  biefe  9Mb* 
t^ätigfeit  öftere  mit  geitlid;em  unb  ewigem  ©egem  —  £)et  Rix* 
a)envater  £ieronömu3  fagt  bef^alb :  „3$  fann  mia)  nia)t  erin* 
nern  gelefen  ju  jjaben,  ba$%tman$>,  ber  bie  SÖerfe  ber  iMebe 
geübt  f>at,  eines  böfen  £obe$  geworben  wäre;  benn  er  pat 
viel  gürbitter,  unb  e6  ift  unmöglta),  baß  ba$  ©ebet  vieler 
©laubigen  nia)t  erhört  werben  füllte/'  2lua)  bie  ©a)rift  fagt: 
„2ttaa)et  eua)  gteunbe  mit  bem  ungetea)ten  Sftam* 
mon.c*:  „£aß  btt  meinen  dtatfy  gefallen,"  fyraa;  Sa* 
niel 3u bem $önig,  „unbmaa)ebia)lo$vonbeinen©ün* 
ben  bura)©erea)tigfeit,  unb  von  beiner  9ttiffet£at 
bura)28o£ltf>un  an  ben  Slrnten,  fo  wirb  ber£err 
©ebulb^abenmitbeinen^ünben/' — 2)emnaa)  l?at  bet 
bußfertige  alle  Urfaa)e,  mifbtfjätig  $u  feptu  203er  biefer  Sßelt 
©üter  $at,  unb  fein  £eq  verfa)ließt,  wenn  et  feinen  Grübet 


339 


barben  ftef?t,  beffen  33ußc  pat  feinen  Sertfj*  SDSte  fann  (t$ 
berjenige  ber  tvapren  9?eue  rühmen,  wobura;  baS  £er$  5er* 
f nirfdjt  wirb,  beffen  3nnere^  ftä)  Jjart  ^etgt  gegen  ben  bürftigen 
trüber?  Sie  fann  fta;  berjenige  baS  231ut  3efu,  baS  aus  £iebe 
vergoffeti  würbe,  aneignen,  welker  feine  £iefce  gegen  ben%xa)* 
ften  fyatl  Sie  fann  berjenige  23armJ>  er^tgf  eit  von  ©Ott  Reffen, 
wetdjer  nia)t  barmf?er$ig  ift  gegen  ben  üftä^flen  ?  @agt  nia)t  ber 
SlpoPel 3afo^u^ :  „(£$  wirb  ein  unbarmherzig  @eriä)i 
über  ben  ergeben,  ber  nid;t23arm|>er3igf  eitgetpan 
fyatt"  Senn  uns  ©Ott  ben  <3a)a£  feiner  ©nabe  nnb  3efn$ 
feine  Zeitigen  Sunben  öffnet,  unb  nnfere  arme  <5eele  barauS 
reia;  maa)t,  warum  wollten  wir  nia)t  auä)  unfere  SBorrätfje 
bem  dürftigen  auftfmn?  Senn  uns  baS  £tmmlifa)e  gefajenft 
wirb,  ijt  es  ein  fo  großes  Opfer,  baß  wir  baS  3rbifa)e  unb 

$ergäng(td;e  bafür  pergeben? @o  laffet  uns,  wenn 

wir  faften  unb  beten  woKen,  naa)  gottfeligen  5lrmen  unS 
umfefjen  unb  fte  bura)  5D?iIbtpätigfeit  erfreuen,  bamit  ifjre 
©eufeer  nebft  ben  unfrigen  §u  ©ott  aufzeigen*  Raffet  unS, 
wenn  wir  ein  gajten  aufteilen ,  einem  frommen  Firmen  wenige 
jtenS  fo  x>kl  geben,  als  wir  ben  Sag  über  Jmtten  ser^ren 
fönnen ;  ober  laffet  Uc  ©peifen  für  uns  bereiten,  xok  wenn 
wir  effen  wollten,  unb  biefelben  bann  einem  Firmen  ober 
(£lenben  fa)idem  23efonberS  wollen  wir  foldje  £iebeSwerfe 
an  ben  Sagen  tpun,  an  welken  wir  ^ur  SSeidjte  ober  ^um 
Ijeiligen  2lbenbmaf)l  ge^em  £)enn,  wenn  SefuS  ©ia)  uns  mit 
feinem  ^eiligen  Mh  unb  23fut  fdjenft,  fo  follen  wir  aus 
2)anfbarfeit  gegen  31w  ciua)  bie  dürftigen  erfreuen,  wk  dv 
uns  erfreut  pat,  unb  was  wir  bem  ©eringften  unter  feinen 
33rübern  t{mn,  baS  nimmt  er  an,  als  fe$  eS  3Sw  felbß 
getj?am  —  (ürtne  fromme  grau  fyatte  t>k  ©ewofjnjjei*/  um  biefe 
3eit  mit  einer  $erfa)wiegenen  $?agb  bie  Firmen  unb  Traufen 
felbft  in  tl)ren  Segnungen  aufeufudjen  unb  iljmen  ©peife  unb 
Sranf,  aua)  etwas  ©elb  gu  reiben*  Qabä  ging  fie  fo  be* 
fmtfam  ^uSerfe,  ba$  jene  tfjve  Sof>ltJ>äterin  nia)t  fannten, 
unb  aua)  fonft  i|?re  £auSgenoffen  niajts  bason  wußten,  U$ 
eö  enbfta;  tyxt  gleia)gejtnnten  $inber  erfuhren  unb  jtd)  hierüber 
ungemein  freuten*  £)  bajü  wir  viele  2ftenfa)en  ber  2lrt  Ratten ; 

22  * 


340 


bann  jlänbe  eö  beffer  um  un$  l  —  Do$,  wir  erfparen  ba£ 
Vettere  auf  ben  brüten  £f>eil. 

VI.  2lucf)  gottfeltge  Betrachtungen  ge|)orenju ben 
Bußü6ungen  bes  Ctprißen,  tf)re  IBefc^affen^ett  <iber  unb  ber 
9ht£en  berfelben  feilte  faß  in  einer  befonbern  ©d)rift  befcfjrie* 
ben  werben,  gür  unfern  3wecf  wirb  e$  pinreidjen,  gu  bemer* 
fen,  bag  wir  unter  einer  gottfeligen  Betrachtung  ba$ 
»erflehen:  wenn  ber  djjrijt  an  einem  (litten  Ott  feine  ©e* 
banden  mit  allem  gleiß  auf  göttliche  Dinge  rietet,  bie  feiner 
<5eele  {feilfam  werben  fönnen.  $on  jiefjer  paben  bie  ^eiligen 
©ette$  foldje  Betrachtungen  angejMt,  unb  wir  ftuben  in  ber 
@$rift  mehrere  Beifpiele  bavon.  —  <So  lefen  wir  $cn3faaf, 
ba$  er  gegen  2lbenb  auf  ba$  gelb  gegangen  fe#,  um  gottfe* 
ligen  ©ebanfen  nad^uljäugen,  unb  pabe  fomit  ben  £ag  mit 
@ebet  unb  mit  ber  Betrachtung  jmltger  Dinge  bef^lojfen* 
£)ax>ib  f»rt$t  oft  von  biefer  mi£li$en  ©ac$e,  worauf  erteilt, 
bafj  biefelbe  ifrni  3ur  ©ewojwpeit  geworben  fe^  2luäj  gibt 
er  an,  auf  wa$  er  feine  Betrachtungen  gerichtet  Jjaoe,  (Ex 
preist  nemli$  ben  SDcann  glücfli$,  ber  an  ©otteS  SSort  2ujt 
ijat  unb  bavon  rebet  £ag  unb  9cad)t,  223ie  pabe  i$  Dein  ©e* 
feg  fo  lieb,  fagt  er;  täglich  rebe  t$  bavon.  SQSenn  idj  midj> 
gu  ^ßtttt  lege,  benfe  id)  an  Qify,  unb  wenn  tc£  erwache,  rebe 
t$  von  Dir.  Bisweilen  betrachtete  er  ben  gekirnten  #immel: 
„3c^  fef>e  an  ben  Fimmel,  Deiner  ginger  233 erhe.;" 
ober  feinen  Lebenslauf  unb  bie  Sßunber  ber  ©üte  ©otteS  an 
ipm:  „£err,  mein  ©Ott,  groß  finb  beine  SGßunber, 
bie  Du  an  uns  beweifejt,  Dir  i(i  nichts  gleich,  ify 
will  fie  verfünbigen  unb  bavon  fagen,  wie  wo£* 
Sit  nidjt  ju  sä^len  finb.  3$  beule  ber  alten  Seit 
unb  ber  vorigen  3 apre;  t$  rebe  von  allen  Deinen 
Spaten  unb  fage  vonben  Werfen  Deiner  £änbe." 
<£r  betrautet  audj  t>k  ©efc^opfe  ©otteS,  tpre  wunberbare 
(£r|jaltung,  ipren  mannigfachen  9?u#en  :c.,  $♦  B.  im  33falm  104, 
Weisen  er  mit  ben  Sßorten  fdjltefjt:  „Steine  Betrachtung  vor 
3pm  ift  mir  angenehm  unb  id)  freue  mitf)  beS  £errnV'  (£nblid> 
backte  er  auep  über  bie  göttlichen  (£igenf$aften,  über  bie  Bor* 
fepung  unb  weife  ^e^ierung  bes  2ttfer$>o$f*en  naep  C33f-139  :c.> 


341 


Jiuejjer  geljort  mm  aua)  He  (Ermahnung  ^ autt :  „Siebe  Brü* 
ber,  toaä  waprpaftig,  n>aö  eprbar,  wa$  geregt, 
wa$  feufa),  wa$  lieblia),  wag  wopl  lautet,  i(l 
etwa  eine  £ugenb,  ifl  etwa  ein  £ob;  bem  benfet 
naa)!"  gerner  bie  Erinnerung,  welche  er  feinem  Sd;üler  SEi* 
motpeu3  gibt:  „(Soldjeö  betraute,  bamit  gepe  um, 
auf  baf?  bein  3nnei?men  tnallen©ingen  offenbar 
UW  —  gromme  Betrachtungen  ftnb  gleia)fam  feurige  Kol;* 
len,  $om  Elitär  @>ottt$  genommen,  bur$  weldje  baS  &*%% 
gereinigt  unb  $ur  innigjlen  ?iebe  be£  I?immlifa)en  BaJerS  ent* 
günbet  wirb«  ©er  ©laube  gleicht  einem  Dpferfeuer,  ba£  nie 
erlösen  foll;  e3  muß  aber  burdj  anbäcptige  Betrachtung  gött* 
liajer  ©inge  unterbauen  werben,  SBaö  ber  gromme  axxö  ©ot* 
ie£  Zeitigem  SÖorte  gefammelt  j)at,  ba£  überlegt  er  hH  fta) 
felbft,  unb  maa)t  e£  ft<#  babura)  ^um  bletbenben  ©ewinn«  SGßie 
tk  Biene  au3  einer  Blume  ben  fügen  #onig  #tyt,  unb  fia) 
babura)  nia;t  blo$  für  ben  Slugenblict,  fonbern  aua)  für  bie 
3ufunft  ^caprung  tterfa)afft,  fo  ijt  e3  mit  ben  frommen  @ee* 
lern  2Benn  fie  an  einen  5lugfprua)  ber  ©d)rift  benfen,  ^k  (EU 
genfcpaften  unb  Söerfe  ©otteg  :c»  betrachten,  fo  bringt  ipnen 
baö  nia)t  blo£  augenblicklichen,  fonbern  immerwäprenben  Bor* 
tytiL  ^)aran  benfen  nun  freilia)  bie  Epriften  unferer  £age 
nicbt,  fonbern  gleichen  'om  fliegen,  bie  fia)  jwar  aua)  auf  bie 
Blumen  fe£en,  xck  wenn  fte  fi'a)  an  iprer  <Sa)cmf)eit  ergoßen 
wollten,  aber  btn  £onigfaft  niä)t  baraug  $u  gießen  wiffem 
©ieß  ijt  aua)  bie  Urfaa)e,  warum  ba$  dpriftentpum  immer 
mepr  in  Berfall  fommt,    unb  bie  ^rebigt  ©otteS  fo  wenig 

9cu$eu  bringt* Sir  wollen  nun  aua)  eine  fur$e  Anleitung 

geben,  vok  fola)e  peilige  Betrachtungen  anbellen  feiern  J&ap 
bu  bid)  nemlict) ,  o  Gfmjt,  allem  3rbifcpen  endogen,  unb  in 
bein  Kämmerlein  ^erfct>Ioffen ,  fo  gib  bir  3JcTt£e,  baß  bu  bein 
£er$  finben  mögeft,  unb  Utt  mit  ©a$ib :  „Sßßetfemtr, 
£err,  ©einen  Seg,  baß  tä)  wanble  in  ©einer 
Söaprpeit;  erpalte  mein  £er$  bei  bem  Einigen, 
baß  ia)  ©einen  tarnen  fürchte."  3war  wirb  eg  ben 
Unerfaprnen  fepr  fa)wer  fallen  unb  fafi  unmöglich  bünfen,  i£r 
£erj  rea)t  eigentlia)  $u  zwingen,  unb  bie  ©ebanfen  blo$  auf 


342 


<£tnen  fettigen  ©egen|knb  gu  rieten.  £>emt  ber  unftete  Sinn 
be£  S£ftenfa)en  tft  an  ba$  £erumfa;weifett  in  ber  Grttetfett  ttiet 
£u  fejjr  gewöhnt,  unb  fetbfi  bte  Sitten  ft'nb  barm  mutf)  wittigen 
kmbern  gteia),  bte  niä)t3  af$  föieten  unb  tänbeln  motten ,  in 
ber  ©djute  unb  in  ber  $ircf?e*  2Bie  bte  ©ternc  mit  bieten 
(Straften  abgemalt  derben,  bie' naa)  atten  £)rten  au£ge£en,  fo 
tji  unfer  £er$;  feine  ©ebanfen  gelten  batb  in  t>k  £öf?e,  batb 
inbieSiefe,  batb  rietet  e£  feine  Stufmerffamfeit  auf  2)iefe3, 
fcatb<wf  3eneS;  batb  befa)äftigt  e$  fta)  mit  fmuglia)en  Singe- 
fegenj?etten,  batb  mit  feinen  <Sa)ä$en,  batb  mit  feinen  33üa)em. 
Sitte  biefe  ©ebanfen  muffen  auf  ben  (üm^igen  ©egenftanb  ge* 
richtet  werben  —  ©Ott  fürchten  unb  fia)  beffern. — 
SÖenn  ber  5D?enfa)  aud)  anfangt  ungern  baran  fommt,  mit 
tj?m  göttliche  £>inge  von  ÜKatuv  ^uwtber  ftnb,  fo  mug  er  boa) 
anhatten,  ©Ott  um  feinen  33eijknb  anrufen,  unb  nia)t  mübe 
werben*  Buerft  werben  wir  e£  freitia)  nia)t  ml  weiter  bringen, 
at3  bag  wir  eine  ©teile  ber  ©a)rift,  bie  wir  gerabe  sornel?* 
men  wollen,  einig ematüberlefen,  bei  ung  überlegen  unb  warten, 
auf  weta)e  gute  ©ebanfen  wir  fommen  werben»  Sin  biefen 
wirb  e$  audj  nie  festen ,  wenn  bie  ©aa)e  mit  Jeqti^er  Sln^ 
baa;t  unb  mit  ©euften  $u  ©Ott  vorgenommen  wirb*  —  gragt 
man,  welche  ©egenftänbe  eigentlich  ^u  betrachten  fepen,  fo 
lägt  jta)  barauf  feine  beftimmte  Slntwort  geben,  weil  bte 
Sttenge  berfetben  ^u  groj?  t|i*  Wim  fann  über  bk  serfa)ie* 
benen  (£igenfa)aften  ©otteS,  über  feine  $orfelwng  unb  2Belt* 
regierung,  über  Ue  unerforfa)  ticken  2Bege,  aufweisen  er  bk 
SJttenfc^en  fü^rt  —  ferner,  über  bie  unartigen  Sßofjttjmten, 
bie  (£r  uns  tägtia)  unb  jMnblia;  erweist,  über  feine  £eimfu* 
jungen  unb  ©eria)te  naa)benfem  3unäa)p  mu{j  ber  G^rijl  öftere 
feine  Slufmerffamfeit  auf  Sefum,  ben  ©efreu^igten,  richten 
unb  bebenfen,  wie  (ix  au$  %kU  vorn  £>tmmel  tarn,  um  bie 
©ünber  fetig  gu  machen;  wk  dx  btefet&en  fo  freunblia)  einta* 
bet  unb  $u  ©ia)  ruft;  ivk  (ix  mit  ijnten  gegeffen  unb  getrunfen 
$at,  um  fte  au  gewinnen,  \x>k  (ix  Mm  Sllf  e$  geworben  i% 
um  ^ttio)e  fetig  $u  machen,  \vk  (ix  für  uns  33tut  unb  £eben 
baran  wagte  unb  alte  Reiben  gebutbig  ertrug,  um  bte  abge* 
fattenen  $inber  wieber  31t  ©ott  aurücf  gu  führen  :c.  —  d$  wirb 


343 


auü)  fejjr  nü^lio;  fe^tt,  wenn  wir  btewetten  unfern  ganzen  £e* 
ben^tauf  überbenfen,  un$  ©otte£  ©üte  unb  £angmut{>  sor* 
jMen  unb  bei  uns  fprea)en :  3(i  e3  nodj  nia)t  genug ,  baß  wir 
biöjjer  ben  gnäbigen  unb  barmherzigen  ©Ott  beteibigt  l)aben 
unb  in  großer  ©tc^er^ett  bajnn  gegangen  jtnb;  wolten  wir 
nod;  ferner  fortfahren,  ©ute£  mit  Bofem  $u  oergetten?  — 
@in  ^auptgegenjfanb  unferer  Betrachtungen  folt  ferner  bie 
©ünbe  mit  atten  ipren  golgen  fei)n.  ^eben  bem  tfi  $u  erwä* 
gen,  wie  gefd^rlia)  e£  fep,  feine  Buge  oon  £ag  gu  £ag  auf* 
aufhieben,  baß  bie  %tit  eile,  baß  gatt  unb  £ob  beifammen 
fep  fonne,  baß  e$  fa)redtia)  fep,  in  feinen  ©iinben  §u  fterben, 
weit  barauf  ba£  jüngfte  ©eria;t  unb  bk  (Ewigfeit  folge  :e.  — 
Um  bk$  beffer  au  bewerffMigen,  ift  e3  oon  großem  9Zu$en, 
wenn  man  t>k  £au»tfteKen  ber  Schrift,  Ut  son  fotdjen  5Irttfeln 
£anbetn,  auffdjreibt  unb  bte  Büa)er  gottfeliger  Seprer,  t>k 
Ine^u  Anleitung  geben,  fo  lange  31t  £ftatj?e  %k%  hi$  man  fetb|t 
einen  SBorratlj  fammelt,  unb  im  (glauben,  in  ber  $kfo,  unb 
an  guten  ©ebanfen  immer  retdjer  wirb,  £)a$  $inb  gef>t  guerjt 
an  <StüJ>ten  unb  Bcinfen,  U$  e£  (Mrfer  wirb  unb  laufen  lernt 
<£$  gibt  tnefe  fa)one  Bücher,  ^  B.  „bie  ©efpräcf)e  unb  Betraa> 
tungen  be3  ^etL  2luguftm"  unb  ©erljarbö  t»or^üßIic^e  ©a)rift 
über  biefen  ©egenftanb.  3uoörberjt  aber  maä)e  iä)  auf  \>a$ 
aufmerffam,  wag  ber  berühmte  Dr.  ©  ei  er  über  bie  %  t  tge* 
genwart  bes  attfefjenben  ©otte£  gefa)rieben,  unb 
barin  bura;  grünblic|)e  Betrauung  Bieter  jjerrtidjen  ©prücjje 
ber  ©djrift  ba$  £er£  <$ur  ©ottegfurdjt  ermahnt  pat  5D?an 
fann  barüber  ben  $atl?  feinet  Beia)t$aterg  unb  anberer  gott* 
fetiger  Männer  fjorem  $or  alten  fingen  i(t  aber  nötljig ,  ba% 
man  Mt$,  wag  man  ttegt,  fia)  fetbft  ^eignet,  unb  fo  vid 
mogtia)  an'S  £er£  legt.  (£&  lommt  babet  nia)t  bloä  auf  S  2Bif^ 
fen,  fonbern  ooqügtia)  auf  £  ££un  an.  Sflan  muß  bie  2)inge, 
bie  man  httxafyttt,  nia)t  at£  einen  gematten  ©arten  anfefjen, 
an  wetajem  fia;  btoS  bte  Slugen  weiben,  fonbern  äl$  einen 
wirftia)en  Suftgarten,  in  weta)em  wir  Btumen  unb  grüa)te 
fammetn  unb  genießen  fönnen.  2l(te£  muß  barauf  abgefepen 
fe^n,  baß  wir  in  ber  Buße,  im  ©tauben,  in  ber  Siebe  ju 
©ott  unb  bem  9täa)jter  warfen,  unb  bie  6ünbe,  bie  noa;  in 


344 


intferem  ftfeifa;  wopnt,  fc^wäe^en  mögen«  £)iefe  petligen  IBe* 
traa)tungen  bienen  gleia)fam  ^ur  9taljrung  für  bie  bußfertige 
©eele;  wie  nun  ber  Setfr  belegen  mit  ©peife  unb  £ranf  ge* 
ßärft  wirb,  bamit  er  ^ur  Arbeit  beßo  beffer  getieft  werbe,  fo 
muffen  fola)e  Hebungen  $um  Alferm  ber  ©ottfeligfeit  antreiben* 
2Dte  £J?iere,  welche  @aea)iel  in  ber  (^n^üclung  fap,  Ratten 
nidjt  bloS  Slügel,  fonbern  aua)  £änbe  unter  htn  glügeln. 
2)emnaa)  foll  ber  (£f>rijt  niept  blo$  peilige  ©ebanfen  fwben, 
fonbern  biefelben  aua)  ausüben;  fobalb  ba$  9?aa)benfen  vor* 
über  tp,  follen  wir  aua)  Ut  £änbe  an'S  28erf  legen.  2Öemt 
wir  in  unferem  Kämmerlein  beten ,  lefen,  ober  eine  33etraa> 
Utng  anftellen,  fo  beraten  wir  un$  mit  ©Ott,  unb  machen 
gleicljfam  ben  $lan  ^u  einem  peiligen,  guten  2Berf,  weltt)e£ 
wir  in  ber  Söelt  ausführen  feilen.  Senn  wir  3.  53.  bie  <£rmap* 
nung  ©otteS  an  2lbrapam  betrachten;  „3$  bin  ber  all* 
mächtige  ©ott,  wanble  vor$Hr  unb  fep  fromm/' 
imb  uns  vorfMen,  baß  ©Ott  e6  fep,  von  2)em  wir  2llle$ 
$aben,  taß  ipm  Legionen  (Engel  $u  £)ienfie  jkpen,  baß  e$ 
billig  fep,  3pm  au  geporepen,  weil  (Er  ftep  um  unS  5£tfenfcpen 
befümmere,  baß  (Er  ein  gewaltiger  ©Ott  fep,  beffen  3luffta)t 
wir  niept  entbehren  fönnen,  fo  entfepließen  wir  un$,  vor  3pnt 
in  finbltcper  gurept  31t  wanbeln  unb  niepts  $u  tpun,  m$  fei* 
nem  peiligen  SBillen  ^nwiber  wäre.  (£$  muß  aber  auep  bei 
biefem  (Entfcpluß  bleiben,  unb  wenn  wir  au$  unferem  Kam* 
merlein  gepen,  fo  muß  eben  tiefe  Stimme  ©otteS:  „3«)  Un 
ber  allmächtige  ©otüc."  uns  in  'ok  £>pren  tönen,  unb  bei  jeber 
©elegenpeit  nacppallen.  ©epen  wir  benn  auf  $  Sftatppauö  ober 
in  bie  Ktrcpe,  auf  ben  $?arft  ober  in  t>m  £aben,  $ur  £oa> 
Seit  ober  ^um  ©aftmapl,  fo  muß  e$  immer  Reißen:  vergiß 
niept,  baß  bu  vor  bem  Singeftcpt  be$  Merpöcpften  wanbelfi; 
barum  fe#  fromm  unb  meibe  bie  Sünbe !  — 

VII.  5Dic  le^te  unb  befte  Uebung  ber  bußfertigen  8eete 
if!  ba$  &chtt,  opne  wela)e  alle  früheren  vergeblicp  fe^n 
wütben.  2Bir  mögen  pflanzen  unb  begießen,  mc  wir  wollen, 
fo  i|*  Slileä  umfonft,  wenn  ©ott  niept  ba$  ©ebeipen  gibt. 
2)iefe$  aber  wirb  burcp  ba$  ®titt  erlangt.  £)ie  ©cufjcr  ber 


345 


©laubigen,  welcpe  jte  bei  iprer  23ußanbaa)t  $u  ©Ott  fcpicfen, 
gleiten  ben  2)ühjlen,  welcpe  bie  (Sonne  $on  ber  (Erbe- auf* 
gtej^t,  bie  aber  nacpper  als  fanfter,  erquicfenber  Siegen  lieber 
perabfallem  2ßer  opne  ein  per$lia)e$  ,  eifriges  ©efcet  in  ber 
©ottfeligfeit  weiter  fommen  31t  fönnen  glaubt,  ber  will  fite* 
gen  opne  glügel,  unb  ernten,  wo  er  nicpt  gefäet  pat  £)aS 
gan^e  @priftentpum  ijt  pimmlifa),  unb  ber  Anfang,  wie  bie  gort* 
fefcung,  fiept  in  ©otteS  £anb.  £)arum  muß  man  opne  Unter* 
laß  ju  ©Ott  feufeen,  unb  bei  alten  peiligen  Hebungen  muß 
baS  ($eUt  baS  erfte  unb  lejte, feiern  —  SSie1  eifrig  betete 
2)cunb  naa)  feinem  gall,  wie  folgt  in  feinem  119*  $falm 
einSeufter  auf  ben  anbern,  unb  alle  gepen  bapin,  baß  fein 
ganzes  Sieben  bem  2öiffen  ©otteg  gemäß  fesm  möge!  (Bin 
fleifa)lia)*gefmnteS  £eq  möcpte  freilia)  biefen  langen  $falm 
mit  feinen  oft  wteberpolten  unb  auf  (Eines  pinauSlaufenben 
Oeufsern  für  tin  leeret  ©efa)wä£  palten;  aber  ein  erleua)* 
tttt$  ftept  wopl  ein,  t>a$  ber  peilige  ©eijt,  ber  beö  Königs 
£er$  regierte,  lepren  wollte,  baß  wir  um  nt'cpts  mepr  unb 
öfter  bitten  follen,  als  um  ein  bußfertiges,  gottfetigeS  £)tx%? 
3a,  wenn  wir  e$  aua)  fo  mit  gebraut  pcitten,  wie  £)amb, 
fo  follten  wir  boa)  ftetS  um  (Erpaltung  unb  SBermeprung  beS 
©taubenS,  ber  £iebe  unb  ber  ©ottfeligfeit  hüten,  ©leicpwie 
bie^utSaber  in  unferem  Körper  nie  (rille  ftept,  fo  foll  unfer 
©eijt  immer  feuften  unb  nacp  ©Ott  verlangen»  —  211S  jene 
bugfertige  @ünberm  bura)  t)ie  Lepren  beS  £erm  3efu  ben 
©naben^ug  ©otteS  an  iprem  £er$en  "empfanb,  fam  jte  unb 
legte  fta)  t>u  ben  güßen  beS  £>errn  unb  $?eifkrS,  unb  ob* 
gleta)  iprSDhtnb  fcpwieg,  fo  rebeten  boa)  ipre  £pränen  unb 
(Seufzer,  beten  tur^erSnpatt  war:  „3a;  laffe  5)iä)  ntcpt, 
£)u  fegneft  miß  benm"  —  211S  $auluS  auf  wunberbare 
3Öeife  in  ben  £>ienft  beS  §errn  berufen  würbe,  lefen  wir 
son  ipm,  baß  er  brei  £age  lang  gefaftet  unt>  gebetet  pabe* 
2)aper  fagte  ber  £err  aua)  ^uSlnania:  „frage  naa)  ©auf 
von  garfuS;  benn  fiepe,  er  hetetV  Wlifyin  gibt 
©Ott  genau  2la)t  auf  baS©ebet  ber  bußfertigen,  unb  cS  ijt 
3pm  angenepm.  —  £)er  römifa)e  Hauptmann  Cornelius  patte 
einen  Anfang  gemaa)t  in  ber  feligmacpenben  Religion  unb 


346 


betete  befMnbigau  ©Ott;  —  alfo  ift  ber  ©etjt  ber  ©nabe 
aua)  ein  ©  ei  jt  beS  ©ebetS.  —  SSenn  ber  SD?enfd&  bura) 
bie  ©eburt  biefeS  muffelige  £eben  anfangt,  gibt  er  ein  ©e* 
fa)rei  oon  fta),  unb  ^eugt  bamtt  son  feinem  £eben.  Zvitt  er 
aber  in  baS  geijiige  £eben  ein,  fo  Bezeugt  er  eS  mit  ©euf* 
gen,  Steinen  nnb  SBeten.  geblt  es  bagegen  noa)  an  einem 
eifrigen,  ^er^lia)en  nnb  anjjaftenben  (^tbtt,  fo  ift  #x  be* 
furzten,  t>a$  e£  mit  ber  IBußc  be£  Wienern  noa)  nia)t 
gut  ßelje,  unb  wer  uaa)täßig  im  ©ebet  ift,  ber  |iat  atte 
Urfaa)e,  fta)  wofrt  ^u  prüfen,  wie  feine  ©inneSänberung  be* 

fa)affen  fe^." £)er  löuffertige  Bittet  aber  !)au»tfäa)Iia) 

um  gott!ia)e  £)inge,  um  bie  rea)te  (£rfenntniß  ©otteS  unb 
3efu  d^rifti,  um  wa|>re  3?eue  unb  £eib  über  feine  ©ünbe, 
um  ein  reines  §er$,  um  ben  wahren  ©Tauben,  um  ein  neues, 
^eiliges  £eben,  um  bie  5^aa)folge  @I?rifti  u.  bg(.  (£r  nimmt 
baS  ©ebet,  wela)eS  ber^)eilanb  felbft  geteert  i?at,  $u  feinem 
dufter  unb  hittet  ooraüglia),  baß  ©otteS  -ftame  aua)  bura) 
ifjn  geheiligt,  ©otteS  D^eia)  aua)  in  i!?m  aufgeria)tet  unb  er* 
galten,  unb  ©otteS  SBitte  bura)  ipn,  an  ipm  unb  in  ijjm 
erfüllt  werben  möge*  3$  Iwbe  e^  wä)t  ^^^  ftf&f*  erfahren, 
fonbern  aua)  Slnbere  paben  eS  bezeugt,  baß,  wenn  man  beim 
25eten  beS  SSater* Unfern  nia)i  fe£r  aufmerlfam  ift,  bie  brei 
erften  bitten  gemeiniglia)  sorübergeben,  oime  baß  fte  mit 
gebüprenber  2lnbaa)t  au£gefproa)en  werben,  (ürrft  wenn  man 
3ur  Sterten  33itte,  alfo  gum  täglia)en  SBrob,  fommt,  fängt 
man  an,  baran  gubenfen,  \x>a$  man  *>orf>at.  2Ba£rfa)etnlia) 
ift  ber  ©atan  aua)  babei  gefa)äftig,  ba  er  wol?I  mi$,  baß 
uns  an  bem  3eitlia)en  am  meiften  gelegen  ift.  (£in  anbäa)- 
tiger33eter  fangt  aber,  wenn  er  feine  ©  ebanfenloftgf  eit  merft, 
wieber  *>on  dornen  an  unb  wteberljolt  bie  bitten  mit  größerer 
2Inbaa)t.  2>enn  ber  wapre  dprijt  traa)tet  aua)  beim  ©ebet 
äuoörberft  naa)  bem  9xeia)e  ©otteS,  mit  er  weiß,  baß  ifjm 
naa)  ber  SBerpeißung  3efu  aua)  baS  Uebrige  aufaßen  werbe. 
<£r  bittet,  wie  (Safomo,  nia)t  um  3ceia)t£um  unb  (£f)re,  fonbern 
um  28eisf?eit-  <£r  fpria)t:  „Sfttein  ©Ott,  ia)  bitte  nia)t  um 
©über  unb  ©olb,  nia)t  um  (£{jre  unb  £errlia)feit  biefer  2öelt, 
fonbern  um  ein  bugfertiges  unb  gottfeligeS  £era.   £aß  mta) 


347 


tn  ber  ©emeinfc^aft  beS  Gerrit  3efu  Sprint,  meinet  Erlö* 
fer$,  leben  unb  gerben;  im  Uebrigen  mad/  eS  mit  mir,  vok 
eS  £)em  gnäbiger,  guter  Söille  ift*"  —  SSor  allen  fingen 
aber  $at  ber  23ugfertige  barauf  $u  fepen,  was  ipmintEjm- 
pent^um  nod)  fejle;  benn  oft  §at  unfer  gletf$  feine  eigene 
©unten,  welche  bem  ©eijt  fejrsiel  $u  tpun  magern  £)a£er 
mug  man  um  fo  eifriger  beten  unb  nidjtnadjlaffen,  bis  man 
Sefferung  an  fta)  wahrnimmt  Sötr  ftnben  ^  33*,  ba$  wir 
in  ber  £iebe  gegen  ©Ott  faltfmnig,  im  Reiben  ungebulbig  unb 
bei  Entbehrungen  un^ufrieben  fmb,  baf?  wir  no$  nid;t  gelernt 
£aben,  baS  Stitlifyt  £u  t>erfd)mäj?en  unb  baS  Ewige  in  fud)en, 
baf?  wir  bie  ©dmtad)  ber  Seit  nic^t  erbulben,  unfern  geinben 
ntc^t  flon  £eqen  vergeben,  unb  nod)  ©efalleu  Ijaben  an  fc^cmb- 
liefen  ©ebanfen  unb  leic^tftnm'gen  $?eben  2c.  2)iefe  gelter 
bürfen  wir  nia)t  gering  achten,  fonbern  f ollen  mit  aßen  Gräften 
bagegen  ftreiten  unb  beten,  unb  wenn  baS  orbenttic^e  (3chtt 
xiifyt  jnnreidjen  will,  fo  mug  man  $u  einem  augerorbentlic^en 
feine  3uflud;t  nehmen,  b*  u  man  mu£  mitgaften  unb23eten 
fo  lange  anhalten,  bis  £ülfe  fommt  SSenn  man  ahexhütt, 
fo  foll  eS  mit  ber  nötigen  Ehrerbietung  unb  2)emut£  gefc|)e£en* 
£)enn  wir  ipaben  eS  uic^t  mit  9ttenf$en,  fonbern  mit  bem 
allmächtigen  ©Ott  31t  tl?um  £>arum  wirb  jtd)  aud)  -iftiemanb 
fa^ämen,  auf  ben^nieen  ^u  beten,  wenn  er  nur  erfmlt,  um 
was  er  bittet.  —  ES  ift  aud)  fejjr  nü£lid),  wenn  man  \id) 
an  fülle  (Seufzer  gewöhnt  unb  bura)  biefelben  um  ©otteS 
©nabe  unb  £ülfe  hütet  din  treffliches  23etfpiel  bao  on  ftnben 
wir  an  9?ef?emiaS,  welcher  »on  bem  $önig  gefragt  würbe, 
warum  er  fo  traurig  fep,  unb  gur  Antwort  gab:  „foll  ity 
nid;t  übel  ausfegen,  bie  ©tabt,  wo  baS  33egräbmg  meiner 
SBäter  ift,  liegt  wüfte."  211S  nun  ber  $ömg  $u  tynx  fagte: 
was  serlangjt  bu  benn?  fo  hat  er  gwar  barum,  ba$  ipm  erlaubt 
werben  möge,  Ue  <3tabt  wieber  ju  bauen,  allein  er  eqäjjlt 
vorder  oon  fta):  „ba  bat  ia)  ©Ott  im  £immeL"  Vlun 
ij*-$war  nia)t  an$une£men,  baß  er  in  ©egenwart  beS  Königs 
auf  feine  ilmee  gefallen  fep;  fonbern  er  feuftte  petmlic$,  wä^ 
renb  er  mit  bem  $önig  rebete,  unb  hat  ©Ott,  ba$  Er  baS 
£er$  beffelben  regieren  möge,   £)ieß  lef?rt  uns,  bag  ana)  wir 


348 


Ijetmlia)  au  ©ott  feußen  unb  um  Äraft  au3  ber  £6£e  bitten 
f  ollen ,  wenn  wir  etwa  am  borgen  ben  fefkn  (£ntfa)lug  gefaßt 
Jjaben,  tn  feine  Sünbe  p  willigen,  unb  ben  £ag  über  in  man? 
a)erlei  Verfügungen  fommem  SQSenn  (£iner  jum  3orn  geneigt 
iji  unb  ftä)  vornimmt,  er  wolle  benfelben  ablegen,  aber  in 
feinem  £aufe,  ober  $on  einem  fa)limmen  9*aa)bar  gum  Uta 
wiKen  gereift  wirb,  fo  foll  er  fia)  nia)t  bloS  an  feinen  fy ei? 
(igen  Vorfa§  erinnern,  fonbern  ©Ott  in  jjeimlia)en  Seufzern 
um  £ülfe  Uttm.  £>  langmütiger,  liebreia)er  ©ott,  o  fanft? 
müßiger  3efc,  £tff  tntr  meinet  9faxa)ßen  geiler  bulben  unb 
mit  Sanftmun)  überwmben,  —  £){me  3weifel  feufete  aua)  2)a? 
mb,  als  einft  ©imei  ijw  fa)alt  u*b  mit  Steinen  naa)  ii?m 
warf:  £err,  £)u  btp  gerecht,  unb  2)eine  ©eria)te  ftnb  gerecht; 
ta)  J>a6e  bieg  2111e$  mit  meinen  ©ünben  wo£l  serbient;  gib 
mir  ©ebulb,  unb  wenbe  nur  £)etne  ©nabe  nia)t  tton  mir! 
SBer  motzte  zweifeln,  baf?  aua)3ofepl)  ©ott  um^raft  gebe? 
Un  fyabt,  alle  Verfügungen  $u  überwtnben,  aU  er  merfte, 

tag  ?5oti^ar^  grau  ifjm  naa)fkllte? ©ott  J>etfe  nun, 

baß  wir  biefem  guten  9?at£e  folgen,  tu  ber  33uge  uns  tag? 
lia)  üben  unb  immer  frömirter  werben  bura)  3efum  (Spriftum, 
welchem  fammt  bem  Vater  unb  bem  ^eiligen  ©eifi  £ob  unb 
2)anf  gefagt  fei),  $on  nun  an  hi$  in  (£wigfeit!   $mem 


5unftci)reHöt 

Von  bem  glaubigen  Verlangen  ber  Seele  naa) 
ber  ©nabe  ©otteS  in  @£rtfto, 

fc.  $!ati$.  5,  6.    ©ettg  ftnb,  bte  ba  hungert  unb  butflei  wt#  ber 
©ereifert;  fie  fotten  fatt  »erben. 


5  i  n  5  a  n  g, 

3m  Flamen  Sefu!   Slroen. 

Sa)on  feit  fielen  3a£rjmnberien  fprta)t  man  son  ber 
Shmft,  ©orb  $u  maa)em  Viele  Jwben  fta)  bamit  eingelaffen, 


349 


büßten  aber  metjtatS  tyx  gan$e$  Vermögen  bamii  ein.  £)bgtei<#  ft$ 
9fleprere  biefer  $unf}  rühmten,  fo  iß  bocfy  bie  gan$e  <Sa$e  eilet 
betrug  unb  £äufd)ung*  SKtemanb  fann  ©ottel  ©efd^öpf  unb 
ba$  SQSefen  ber  Kreatur  änbern  ober  tterwanbeln ;  bteß  allein 
fie£t  ©ott  Jtf ,  bem  Gerrit  über  2l&e$.  3efu3  jjat  ^war  burdj 
©otteö  Äraft  auä  Söajfer  SQSein  gemalt,  ob  aber  bie  armen 
9ttenf$en  mit  aller  i^rer  $unjt  ttwaö  ber  5lrt  tj?un  fönnen, 
will  ify  baljin  gebellt  fepn  laffen,  —  SBon  @alomo  lefen  wir, 
t>ag  er  burdj  £anbel  unb  ©$ifffa|)rt  großen  9?eid)tlmm  erworben 
jjabe*  $ättt  er  aber  bie  $unjt,  ©olb  j«  machen  x>erjtaben, 
bie  er  bod)  aU  ein  weifer  Sftann  fyätte  yerßejjen  follen,  fo  fyättz 
er  ftd)  feine  fo  große  SMfje  geben  bürfem  —  SJtteprere,  bie  jt<# 
biefer^un^oie(e3a^re  lang  rühmten,  i£r£eben,  ipre  ©efunbpetf 
unb  ifjr  ganzes  Vermögen  baran  fegten,  gejfanben  enblicty 
aufrichtig,  fte  fepen  betrogen  worbem  deiner  ber  berühmteren 
von  biefen  ©olbmadjern  ftarb  im  98.  3apre  feinet  SltterS  in 
größter  Slrmutp ,  unb  att  man  i£n  tur$  ttor  feinem  ßrnbe  na# 
biefem  ©eljeünniß  fragte  unb  i£n  bringenb  Ht,  foll  er  geant* 
wortet  ljaben:  wenn  ify  einen  geinb  Iwtte,  bem  icb  öffentlich 
nicfyt  fd;aben  tonnte,  fo  würbe  ic^  ilmt  ratpen,  ba$  er  ©olb 
machen  follte,  bann  wäre  id)  oerftcfjert,  baß  er  an  ben  Söettelflab 
tarne*  —  SBegen  be$  ©ei^e^  unb  ber  ©elbfudjt  mifc^t  ftd>  ber 
©atan  inbiefen^anbel  unb  fuc^t  tyxz  (Seelen  in  golbenen  Pflegen 
3U  fangen,  tt>k  fotgenbe  ©efcfn^te  leprt.  din  ttorneljmer  ÜRann, 
ber  *>on  Sugenb  auf  großen  Gefallen  an  biefer  geheimen  $unjl 
fanb,  unb  bi^er  ttiele  3^tf  Wltye  unb  Sofien  »ergebend  bar* 
auf  »erwenbet  l^atte,  war  einji  in  feiner  SBerfjMtte  fepr  ge* 
fc^äftig  unb  patte  Hoffnung,  baö  lang  erfe£nte  ©eljeimmß  $u 
ftnben.  Unterbeffen  ließ  ftdj  ein  grember  hä  i£m  anmelben, 
ber  tyn  anfangt  freunbtidj  grüßte  unb  balb  barauf  fragte:  was 
er  t£ue?  211$  3ener  mit  ber  (Sprache  nidjt  l?erau$  wollte,  fagte 
ber  grembe:  tdj  fejje  fd?on  au$  ben  ©erätjjfc^aften,  bie  in  ber 
TOjje  finb,  ta^  3£r  ©olb  machen  wollet.  3d)  ttetfdjere  (£u$ 
aber,  baß  3^  nid;t  finbet,  waö  i^r  fuc^et.  25a  ij)n  ber  $auö* 
perr  hierauf  Htf  er  möchte  ipm  baö  ©e^eimniß,  im  gall  er  e^ 
wiffe,  mitreiten,  fo  antwortete  ber  grembe:  ic^  Witt  eö  tl^un, 
feget  <£u$  unb  f^reibet  genau  auf,  \m  man  Uc  ©a$e  btfan* 


350 


beln  mug*  211$  bieg  gef^elmt  war,  matten  fte  t>k  ?5robe  unb 
bereiteten  ein  Pulver,  mitteljt  beffen  ba$  Duecfftlber  aläbalb 
in  ©olbverwanbelt  würbe*  2)er  £ctu$£errerflaunte,  unb  wugte 
vor  greube.  nitt)t,  wie  er  biefem  banfen  follte*  @r  fragte  ifm: 
wojjer  er  fep  unb  wie  er  ^u  biefem  ©efjeimnig  gefommen  wäre? 
©er  grembling  erwieberte;  er  reife  in  ber  SQSelt  jjerum,  j?abe 
weiter  ntc^t^  nötjrig  unb  pflege  nur  guten  greunben,  bte  fia) 
lange  vergebens  in  biefer  $unft  abgemüht  fjaben,  (Einiges  bavon 
3U  entbeefen*  -ftun  würbe  er  pflid)  zu  ©afte  gebeten,  er  nafjm 
aber  bie  (£tnlabung  nia)t  an,  fonbern  nannte  an  öffentliches 
©ajtfjauS,  wo  er  anzutreffen  fe^*  £)en  anbern  £ag  fua)te  ifm 
ber  vornehme  5ftann  bort  auf,  fanb  ifm  abernirgenbS*  @r  ging 
in  feine  SBerffiätte  unb  verfua)te  fein  £>eil  auf  $  neue,  aber  er 
belam  lein©olb*  (£r  glaubte,  er  l^abe  vielleicht  ttmö  vergeffen, 
ftng  noa)  einmal  an  unb  gab  ftd)  alle  Slttüjje,  aber  umfonft 
yinn  würbe  er  immer  eifriger,  verfua)te  bie  SSerwanblung  fo  oft 
unb  auf  fo  mannigfache  Sßetfe/bag  nia;t  bloS  baS  ©olb,  wel* 
$eg  er  in  (Gegenwart  beS  gremblingS  gemacht  f?atte,  fonbern 
faß  fein  ganzes  Vermögen  barauf  ging»  dx  geriet^  beinahe  in 
Verzweiflung,  unb  ging  in  biefem  fa)recflia)en  3uftanbe  ^u  einem 
verfMnbigen  ©eiftlia)en,  bem  er  2illeS  entbeefte*  tiefer  fagte 
tfmt:  mein£err,  merfet  3^  nid;t,  bag  fjier  ein  betrug  be$ 
<SatanS  vorliegt,  ber  (£uä)  in  SDfenfdjengeftolt  erfa)ienen  ifi  ? 
Serfelbe  fjat  baS  ©olb  irgenbwo  geftofrten  unb  es  ^ur  £ocffpeife 
gebraust,  umGrua;  bamit  anzureizen,  bag3$r  immer  me^r  Cuffc 
gu  biefer  ©acfje  befommen,  unb  wenn  3pr  nichts  ausrichtet, 
entweber  in  einen  33unb  mit  if>m  treten ,  ober  in  Verzweiflung 
geraden  möget*  darüber  erfa)racf  ber  betrogene  fejjr  unb  er* 
fannte,  naa)bem  er  2llleS,  befonberS  aber  bk  SÖorte  beS  gremb* 
ItngS  (bag  er  (£iner  fep,  ber  bte  SQSelt-  bura)wanbere,)  erwogen 
Ijatte,  bag  er  wegen  feinet  ©eizeS  unter  ©otteS  3ulaffung  f>in* 
tergangen  werben  fep*  (£r  eilte  baljer  nad;  £aufe,  rig  feinen 
Ofen  nieber,  fc^lug  bie  ©erätf>fä)aften  tnt^mif  verbrannte 
bie  23ua)er,  wela)e  von  jener  ^unft  Baubeiten,  richtete  feinen 
©inn  auf  beffere  £)inge  unb  banfte  feinem  ©Ott  von  Kerzen, 
bag  (£r  tyw  naa)  feiner  grogen  33armjjerzigleit  aus  biefer  brin* 
genben  ©efafjr  errettet  j?abe*  —  £>ierauS  lägt  fta)  ber  unerfätt* 


351 


Tid)e  ©et$  ber  9)?enfä)en  erfennen,  ber  nio)t  genug  fiat  an  b^ 
©olb,  weläpeS  ber  ©Töpfer  alter  £>tnge  ljervorgebraa)t  j>at  3«/ 
wenn  alle  35erge,  flippen  unb  (Steine  in  ©olb  verwanbelt 
würben,  fo  würben  bie  9ftenfa)en  boa)  niä)t  genug  £aben;  benn 
je  mef>r  ber  ©einige  f>at,  befiome^rwtller,  £)oa)bie2öeltfua)t 
fta)  auf  jebe  möglta)e  2Betfe  au  bereta)ern ;  aber  fte  verliert  ge* 
nteiniglta)  ba3  gewtffe,  beftänbtge  unb  ewige  ©ut,  wäjjrenb  fte 
ba$  ungewiffe  unb  vergcinglttt)e  fua)t;  xoit  *pautu$  fagt:  „bte 
ba  reia)  werben  wollen,  fallen  in  3Serfua)ung  unb 
6 triefe  unb  viel  tj?öritt)te  unb  fa)äblia)e  Süjte,  wel* 
$e  verfenfen  bie  30tenfa)en  tn'3  SBerberben  unb 
SBerbammni  ß/' — 3«te|t  enbigt  fta)  ber  ^etajtlmm  aller  Seit 
mit  2lrmutlj,  weil  wir  im  £obe  nia)t$  mit  un£  nehmen,  fonbern 
natft  unb  bloö  bie  (£rbe  wieber  verlaffen  muffen,  xt)k  wir  bar* 
auf  gelommen  jtnb*  Raffet  uns  beßwegen  ben  2lu3fyrua)  (grifft 
ftetS  vor  klugen  jjaben :  „wa$  JM'tlfe  $$  bem  3ttenfa)en, 
wenn  er  bie  gan^e  2Belt  gewänne,  unb  näljme  boa) 
<5a)aben  an  feiner  <8eele,  ober  wa$  fann  ber 
Sttenfa)  geben,  baß  er  feine  <Seele  Wieb  er  löfe?"  — 
2)oa),  ia)  jwbe  mir  vorgenommen,  pier  von  einer  befferen  unb 
viel  ebteren  fünft  ^u  reben ,  ndmlia)  von  b  e  r  f  u  n  ft  a  n  3  e* 
fum  (Sjmftum  $u  glauben»  Söerwunbert  eua)  aber  nia)t,  meine 
Ciebflen,  baß  ia)  ben  fettgmaa)enben  ©lauben  eine  f  unji  nenne* 
2)iefelbe  ift  ntä)t  fo  unbebeutenb,  mt  bte  2ßelt  glaubt,  aua) 
lernt  man  fte  nirgenbä  al$  in  ber  ©ä)ule  be$  ^eiligen  ©etfteS, 
unb  fte  ijt  f  o  f  a)  w  er,  baß  man  fein  £ebenlang  baran  gu  lernen 
pat,  fo  l^od),  t>a$  aua)  bie  GEngel  im  £mtmel  fta)  über  ben 
wunbern,  ber  nur  etwasS  bavon  faßt,  fo  »erborgen,  baß  fte 
mit  $ea)t  unter  bte  größten  ©ef>etmniffe  $u  sagten  tjt  3$  3tel?e 
fte  aua)  billig  ber  ©olbmaa)erfunft  unb  allen  fünften  ber  Sßelt 
vor,  weil  fte  mir  ba$  geben  fann,  m$  mir  bie  gan^e  Söelt 
ma)t  gu  geben  vermag,  —  Vergebung  ber  ©ünben,  ©erea)tig* 
feit  unb  ©eltgfeit.  ©ie  gibt  mir  ein  ©olb,  ba$  vor  ©Ott  gilt, 
mit  wela)em  wtr  ben  «£>tntmel  gleia)fam  erfaufen  fonnen*  2)ie 
©olbmaa)er  maa)en  nur  ©a)etngolb,  baS  feine  $robe  fyätu 
2)ie  Gtjmjlen  aber  £aben  eine  f  unjt,  wobura)  fte  ein  ©olb  er* 
fangen,  ba£  von  beut  f?etltgen  ©oti  felbjt  für  gültig  erfannt 


352 


uftb.  3a)  meine  bte  traft  be$  teuren  SBfaW  3efu  (grifft,  ba^J 
ium  £öfegetb  bejh'mmt  tjt  für  ttnfere  Sünben.  pflögen  nun  2In* 
bere  bte  $unfl,  ©otb  $u  maa)en,  fo  lange  fitzen,  bi$  fte  bura) 
eigenen  (graben  fing  werben;  wir  bagegm  motten  bte  tunfi 
be3  ©tauben^  un£  angelegen  fet;n  (äffen*  £){me  ©tauben  tjt  e$ 
unmöglich ;  ©Ott  $u  gefallen,  nnb  ber  ©taube  tjt  ber  Steg,  ber 
bte  28eft,  Sünbe,  &ob,  Teufel  unb  £ötte  überwinbet.  Der 
©laube  ift  ba$  S3anb,  weta)ee  bte  Seele  mit  (£briffa  verbmbet, 
ift  ij?r  S$a£,  tyx  9?eia;tl)um,  ifjre  Äraft,  t£r  $iü)t,  t^re  £err* 
liäjfett  unb  Setigfett.  Sluger  bem  ©tauben  fyat  fte  nia)t£,  atö 
-Sünbe,  (£tenb,  yiofy  unb  £ob;  im  ©tauben  aber  j)at  fte  3efam 
unb  ben  £immet.  Daoon  wollen  wir  noa)  fetter  reben;  aa) 
£err,  gib  unb  vermehre  in  ung  ben  ©tauben!   Slmen. 

2lB|>attt?Iutt3* 

Um  bte  ©ottfeligen  tm  ©tauben  p  ftärfen  unb  bte  ©Ott* 
(ofen  $u  warnen,  baf  fte  fta)  bura)  feinen  fatfa^en  Schein  be* 
trügen  taffen,  tjt  fejjr  nötfug,  baj?  wir  von  ber  rea)ten  2lrt  be$ 
wahren  ©laubenä  unterria;tet  feiern  Sotten  wir  aber  biefelbe 
gehörig  lennen  lernen,  fo  muffen  wir  jusor  bie  göttlichen  Dinge, 
bte  ^um  ©tauben  gehören,  red;t  verfielen,  unb  ba3  für  ©otte$ 
SBort  galten,  xqcl$  in  ber  Sa)rift  barüber  geoffenbart  tfL  &a$ 
2Bort©otte3  tjt  ber  Saame,  worauf  ber  ©taube  entfielt;  wo 
nun  ber  Saame  fej? tt,  bafannaua)  feine  ^flan^efe^n,  3ßiefot(en 
fte  Den  anrufen,  fagt  ber  SIpoftel,  an  weta)en  fte  nia)t  glauben; 
\)>k  folten  fte  aber  an  Den  glauben,  von  weta)emftenia)t$  gehört 
£aben?  £>a$  2Sort  ©otteS  tjt  ein  Spiegel,  in  wela)em  un$ 
SefuS  ber  ©efreusigte  vorgehalten  wirb.  2Ber  ben  Spiegel 
nia)t  anfe^en  will,  ber  wirb  aua)  bte  £errfia)feit  be$  £errn 
nia)t  erbtief en.  Das  SÖiffen  aber  iß  nia)t  genug ,  fonbern  va$ 
£er$  mug  aua;  für  wa£r  Ratten,  bag  ©Ott  fetbfi  im  SBort  unb 
burä)'$  Söort  mit  t£m  rebe  unb  Janbte,  bamit  eS  ba$  mit  gro* 
füerer  3uverfta)t  annehmen  fonne,  teaö  ifmt  vorgelegt  wirb.  — 
Doa)  bavon  panbetn  wir  bteßmal  nia)t,  mit  wir  oben  fa)on 
mehrmals  angegeben  £aben,  \va$  bem  wahren  ©tauben  vor* 
angeben  muffe.  SSictmepr  wollen  wir  ben  ©tauben  naa)  fet* 
nem  Söefen  unb  feiner  inneren  33efa)affenpeit  ttwtö  genauer 


353 


Betrauten*  —  £)a$  SQBefen  beg  feligmadjenben  ©taubeng  Befielt 
in  bem  f>er£tia)en  Vertrauen  auf  ba$  33erbienjt  3efu  Gtfjrifti, 
bura)  wela)eS  ung  ©otteS  ©nabe  erworben  worben  tfh  2)iefe$ 
Vertrauen  lägt  fta)  übrigen^  auf  boppelte  SQSeife  betrauten,  ein* 
mal,  wie  eS  gteta)  anfangt  fta)  getgt,  unb  bann,  wie  e£  fpäter 
ftc[)tbar  wirb,  gätft  ein  ©aamenförnlein  in  bie  ßrrbe,  fo  feintt 
e$  3uerjt  unb  ^eigt  feine  ^raft  unb  fein  £eben  in  einem  geringen 
£alm,  naa)per  nimmt  eS  $u,  M$  e$  gur  »ottfornmenen  ^flan^e 
wirb*  (Benfo  serpält  e£  fla)  mit  bem  feligmaa)enben  ©tauben; 
auerjt  $eigt  er  fta)  in  einem  j>eräliä)en  Verlangen  unb  wäa)$t 
tt$  er  jur  »ottigen  Ergreifung  unb  3ueignung  be$  SkrbienjteS 

£j)rijti  fommt (£$  gibt  ttiele  ©teilen  in  ber  ^eiligen 

©a)rift,  weta)e  »on  bem  gläubigen  Verlangen  naa)  Qtfmfio 
j)anbetn,  befonberS  wirb  baffelbe  unter  bem  ®leia)nif?  be3  £un* 
ger$  unb  £)urjte£  in  unferem  £erte  »orgejMt  diejenigen, 
wel^e  naa)  Sefu  unb  feiner  ©cmemfa)aft  jta)  fernen,  unb  nia)t 
anberS  als  in  3f>m,  mit  3£w  unb  burä)  3£n  $u  leben  unb  ^u  jterbett 
wünfa)en,  werben  feiig  gepriefen.  —  junger  unb  £)urft  ift  ein 
gewiffeö  ©efüljl  beS  Mangels  unb  ein  Verlangen  naa)  ©peife 
unb  £ranf,  weta)eS  um  fo  jlärfer  wirb,  fobalb  man  ©petfen 
unb  ©etränfe  wahrnimmt.  (£benfo  ift  e3  mit  bem  ©tauben; 
wenn  t>a$  £er$  au$  bem  ©efe£  feinen  fanget  wahrnimmt,  unb 
benfefben  im  ©ewiffen  fajmer^Iia)  empftnbet,  fo  fepnt  eS  fta) 
naa)  £ittfe,  £rojt  unb  ^atfj*  SSett  uns  nun  biefeS  bas  (h>an* 
getium  in  (£J)rifto  sorjjätt,  fo  entfielt  t>it  innige  ©e£nfua)t  naa) 
3jjm,  welä)e  mit  3?ia)t3  in  ber  Sßelt,  als  mit  ber  ©emetnfa)aft' 
@f>rijti  unb  ber  3ueignung  feinet  beitigen  SBerbienfteä  gefüllt 
werben  fanm  £ört  ein  foIa)e3  £er$  einen  tenfprua)  ber  £et* 
ligen  ©a)rift,  unb  erfährt  e$  feine  $raft,  fo  fängt  es  an  31t 
feuften:  aa)  £err  3efu,  wie  füg  ijt  £)ein  Söort,  wie  trößtia) 
2)etne  ©emeiufa)aft,  feiig  ftnb  biejemgen,,  wetdje  an  £>ia)  unb 
2)ein  SBort  son  #er£en  glauben,  unb  boppett  feiig  biejenigen, 
wela)e  £)u  angenommen  J>aji!  D  ba§  aua)  ta)  fota)e  ©tiitffelig^ 
feit  genießen  möa)te,  e3  ift  mir  in  ber  ganzen  Sßelt  nia)i3  fo 
lieb,  aU  fie,  at£  £)cin  JmtigeS  SSertienft,  £)e;'ntreu3  unb  £cb! 
3a)  wünfa)e  nia)t  gtütffelt'g  au  fepn,  als  wenn  ia)  im  ©lauben 
mit  £)ir  vereinigt,  ein  Üinb  ©otteS  peilen  mag.  SIber  2)»  fte^ftr 
©criöer'S  6celettfd)a9,  23 


354 


£>u  fennfi  meine  S<$wa<$ljett,  mein  Unvermögen,  meine  £rdg* 
f>eit,  meine  täglichen  geiler;  #tlf  mir,  £err3efu,  unb  lag 
£)ein  Zeitiges  Letten  unb  Sterben  an  mir  armen  Sünber  ntc^t 
verloren  fepm  3$  tjalte  mia;  an  Dic^ ;  vertag  mid>  nic^t.  £>te 
Dpfer,  bie  3Dtr  gefallen,  finb  ein  geängfteter  ©eifl  unb  ein  ge* 
ängfteteS  unb  ^ctfc^Iageneö  £er$;  ftepe,  pier  ift  ein  gedngfteter 
©eiß  unb  ein  betrübtet  ^>erg !  2)u  £afl  bie  TOü^feh'gen  unb  33e* 
labenen  gu  £)ir  gerufen;  ftelje,  wir  gehören  au$  $u  benen, 
weld)e  unter  ber  £ajt  i£rer  Sünben  feufeen,  unb  ftd;  felbft  Weber 
$u  ratzen  nod>  $u  Reifen  wiffen*  So  lag  midj  ©nabe,  9?at^ 
£ülfe  unb  £roft  bei  £>ir  fmbem  D  3efu,  ein  £rb>fiein  £rofi 
für  eine  Utviibte  Seele!  3d>  (äffe  2)i$  nidjt,  2)u  fegneft  mic$ 
benn;  idj  glaube  £>err,  Ijilf  meinem  Unglauben !  —  3$  fe^e 
ab|tdjtltct)  foldje  Seufzer  ijieljer,  um  ^u  geigen,  wie  eS  um  bie 
©eele  beim  Anfang  beS  ©laubenS  fte£e*  Sie  fyrid)t  foldje 
Söorte  nid;t  immer  mit  bem  ^unbe  au$;  bod)  folgt  ein  Seufoer 
auf  ben  anberm  &enn  ber  ©laube  entfielt  nidjjt  plfyliti)  in  ber 
Seele,  unb  wenn  gleich  ber  Anfang  baju  gemalt  ift;  fo  ver* 
jkljt  jte  feine  ^raft  nod)  nia)t  (£S  gel)t  babei,  wie  mit  bem 
Slage,  benn  bie  «Sonne  bricht  aud)  ntdfjt  plo^lidj  jjervor,  fonbern 
ati'mäfjlig,  £)er  ©laube  ift  anfangt  mit  gurc^t  unb  Meinmütjug* 
hit  vermifd^t,  e$  bünft  i£m,  er  bürfe  ftd;  feines  (ErloferS  m$t 
gan$  trtfften ,  weil  bie  Stenge  feiner  Sünben  31t  groß  fep*  <£r 
fe|mt  ftd)  jtebodj  na$  Gtfmfto ,  unb  wenn  er  eine  tröftlidje  ^3re^ 
bigt  £ört,  ober  fonft  ttm$  von  ©otteS  ©nabe  liest,  fo  feuftt 
er:  adj,  wer  es  glauben  tonnte;  follte  benn  aud;  bie  ©nabe 
©otteS  für  einen  fo  großen  Sünber  fepn,  mc  ia)  bin;  würbig 
Un  ify  eS  md)t,  bodj)  f?öd)jt  bebürftig !  —  3«  ^em  folgen  3u? 
ftanbe  nun  ift  bie  Seele  mit  einem  33ettler  $u  vergleichen,  wel* 
c$er  vor  ber  £fmre  f*ef?t  unb  htttt  Sßirb  ti)m,  w?nn  er  auSge* 
bctH  pat,  nia)t  fogteid)  etwas  gereicht,  fo  £eult  unb  fc^reit  er, 
bis  bie  QöaU  fommh  So  ruft  unb  feuftt  Ut  Seele  vor  ber 
©nabentfjüre:  0  23ater  ber  33arm£er$igf  eit  unb  (^ott  alles  £ro* 
f*eS,  nureinSBrofamtein,  baS  von  deiner  $inber£if$e  fällt!  O 
3efu,  3efu,  ein  ^röpflein  deines  Blutes !  O  peiliger  ©etjl, 
tin  £ropflein£ro)leS  für  eine  hungrige  unb  burftige  Seele!  — 
£>  toU  xtxfy  unb  feltg  tj*  tint  foldje  Bettlerin!  —  3^  will 


355 


lieber  mit  tf?r  auffetze  SDßeifc  betteln,  aU  mit  bem  teilen 
Spanne  alle  £age  perrlia)  unb  tn  greuben  leben* 

$on  biefem  Verlangen  ber  Seele  naa)  djmjto  pattbeln, 
auffer  unferem  £erte,  nba)  folgenbe  Stellen  in  ben  ^falmen: 
f/2)a^  Verlangen  berQülenben  Jjöreft  Du,  £err  jc* 
33  or  Dir  tjl  alle  meine  Begierbe,  unb  mein  Seuf* 
gen  i ft  Dir  nta)t  verborgen;  ©Ott,  Du  biß  mein 
@ott,  früj)  wa^e  ia)  gu  Dir,  es  bürdet  meine 
Seele  uac)  Dir  wie  in  einem  troefenen  unb  bür* 
ren  £a«be,  ba  itin  SSaffer  x%  Steine  Seele  ser* 
langt  ttaa)  Deinem  £eil  jc.  3&)  fepne  mia)  na^ 
Deinem  Sort  unb  fage:  wann  trojlejl  Du  mia)? 
3a)  breite  meine  $anbe  au»  ^u  Dir"  jc,  3efata$  fpiUjfc 
fta)  ebenfalls  fc^r  fa)im  barüber  auS:  „Sir  warten  auf 
Dia),  unfereS  $er$en^  Cuji  fiepet  $u  Deinem  9la= 
meine*  fBon  i^er^en  begehre  ia)  Dein  be$  Sftaa)t$, 
aua)  waä)e  ia)  mit  meinem  ©eijt  frülje  §u  Dir> 
^ic  Orienten  unb  Firmen  fua)en  Saffer  C£n>ß  für 
ij?re  Seele),  fpria)t  ber  £err,  unbeSiftttia)t3ba  Oie  SÖelt 
fann  tjjnen  ferne  greube  unb  D^ufje  ^erfa)affen),  ipre  3uuge 
s er bo r rt  ttor  Durfi;  aber  ia)  will  fie  erkoren,  3&)r 
ber  ©Ott  3fr  a  eis,  will  fie  nid) t  »erlaffen,  fon* 
bern  will  SBafferflüffe  auf  ben  £öj?en  öfftten, 
unb  Brunnen  mitten  auf  ben  gelbertt"2c.  SBennjta) 
ba$  £erj  in  2lnfea)tuug  befmbet,  unb  feine  -ftotl?  füfjlt,  fo 
fej?nt  e$  jta)  naa)  (Sjjrijto,  unb  pofft  auf  bie  göttlia)e  £ülfe. 
(£3  tft  aufrieben,  wenn  es  gleia)fam  nur  »Ott  ferne  $u  feinem 
<£rlöfer  napen  fann  unb  füjjlt,  mt  Jene  grau  im  ©oangetütm, 
bie  blo£  ben  Saum  be£  $leibe$  3efu  anrührte,  feine  göttlia)e 
traft  X>k  Scf?nfua)t  naa)  (£Jrifto  fa)eint  $war  $?ana)em  utt* 
wia)tig  gu  fet;n,  allein  tybzv,  bn  fta)  feinem  £eilanb  nähert, 
bringt  nur  £ebett£fraft  $urü(£.  —  £ie{>ergejjört  aua)  bae  ©leia> 
nig  »Ott  bem  glimmettbettDoa)te*  2lnfangS  iß  ber  ©laube 
ein  f (einer  gimfe,  wenn  aber  bie  gmtfen  beg  J)immltfa)ett 
geuerg  bura)  bie  $rebigt  beg  göttlta)en  28ortg  tn'ö  £er$  fal= 
len,  fo  wirb  berfelbe  bura)  jte  angefaa)t,  bie  Seufzer  jteigen 
auf,  M$  enblia)  ba$  völlige  ©laubett£lia)t,  sott  ©oti  ent$ün* 

23* 


356 


bet,  tn  femer  $far£eit  $u  leuä)ten  Beginnt  Sßie  bte  hänfen* 
gewäa)fe  fta)  naa)  6tü£en  unb  55fä£Ien  fernen,  um  welche  fte 
fta)  fa)tingen  f önnen ,  fo  geljt  e$  mit  bem  bußfertigen,  wenn 
er  $u  glauben  anfangt  @r  ift  noa)  feljr  fa)waa)  unb  fefmt  jta) 
naa)  <£lj>rtjto,  unb  feine  8euf$er  ftnb  fcie  Ö3?tttet ,  bura)  wela)e 
er  fta)  mit  feinem  (£rIofer  inniger  oerbinbet  dx  fteljt  ben  (£r* 
löfer  noa)  mit  weinenben  2lugen  an,  fann  3-M  no$  nifyt  reä)t 
erfennen,  unb  fein  £er$  nia)t  »ottig  in  3|w  beruhigen»  (£r 
glaubt  $war  an  benfelben,  boa)  noa)  mit  gura)t;  aber  nia)t, 
als  wenn  er  an  ber  ©nabe  ©otte$  zweifelte,  fonbern  weil  er  (ta) 
bie  attgemeinen  SBerfjeifwngen  berfelben  noa)  nia)t  gan$  $u* 
eignen  famu  —  £>et  ©laube  gleia)t  einem  garten,  au^än* 
bifa)en  ©ewäa)S,  wela)e3  in  unferem  £er$en  nia)t  gleia) 
2Bur$et  faffen  wi(( ;  ©ünbe  aber  unb  2lnfea)tung,  3«>eifet 
unb  ^feütmütfngfeit  ftnb  barin  einljeimifa),  unb  wadjfen  gleia> 
fam  von  fefbjt  fo  jjäuftg,  baß  man  immer  ausrotten 
f>at,  M$  enblia)  t>k  cble  ©laubengpffon^e  auffeimt,  blitzt  unb 
grüa)te  tragt  —  £)a£er  aua)  baS  ^ira)enlieb  *>on  ber  ^ea)^ 
fertigung  eine£  armen  SünberS : 

d#  n>frb  bic  ©ünbe  bur#'$  @efe£  erfanni,  Unt>  fölägt  ba$ 
©erctffen  nteber;  £>a$  @i>angettum  fommt  gur  £anb,  Unbftärft 
ben  ©ünber  lieber;  <£$  fr>ru$t:  *rie#  nur  sunt  $reus  ^injul  3m 
©efe^  ifi  Weber  0toft  nod?  3to$,       3Ätt  atten  feinen  SGSerlen. 

33efannt  ijt  aua)  ba$  $hb  be$  frommen  23ern|jarb : 
D  3eful  meine  ©fiftgf  eit,  £>u  Srofl  ber  ©eele,  bie  ju  £>fr 
förett,  £)ie  $ei#en  3ö§ren  fu#en  £)tcf>,  ©a$  £er$  3«  ©fr  *uft 
inniglich :  „SQSo  i$  nur  bin,  fep'$  bort,  fep'S  Dier,  ©o  rcouT 
id),  3efu$  war1  bei  mir,  ftreub  über  greub,  wenn  i#  i^n  fänb, 
SBte  fettg,  wenn  t#  t£n  f)aften  lönnt1"  je.  — 

2lua)  srielerfafjrne  unb  t>ortrefftia)e  £eprer  ljaben  über 
biefen  ©egenjknb  trefflia)  gefa)riebem  £ut£er  fagt:  „be$ 
©lauber.S  2lrt  ijt,  ©ünbe  füjtfen  unb  gerne  von  ü)r  Io$  fe^n 
wollen*  Senn  bu  alfo  ©a)waa)peit  fü^ljt,  unb  wotttejt,  baf  Ui 
ben  ©lauben  ^dttejt,  fo  banfe  ©Ott ;  benn  ba^  ift  ein  gewtjfe£ 
3eia)en,  bag  bia)  baö  SÖort  getroffen  unb  gerührt  pat,  unb 
bia)  üben,  bringen  unb  treiben  witf  :c*  3Baö  für  ein  ©taube 
wäre  l>tö,  wenn  i^  Einginge  unb  fyättt  fein  3«gen  in  meinem 


357 


$er$en,  wobura)  fia)  ber  ©laube  üben  fotf  :c*  Sßemt  ein  reä)t 
reueootteS  £erg  atfo  rebet,  aU  Reifte  e$,  fo  beutet  e$  an, 
tag  e£  noa)  ma)t  I?inbura)  fet;,  fonbern  noa)  in  ber  Arbeit  unb 
9totfj  ftede.  Söenn  aber  fein  (glaube  ba  wäre,  fo  ^tette  e£ 
m  folä)er  Arbeit  unb  9cot£  .nia)t  au$;  mithin  ftnb  foldje  2öorte 
ein  33ewei$,  bag  ber  ©laube  ba  tft,  aber  ein  falfa)er  ©taube, 
ber  noa)  in  ber  gatrdjt  ftej?t  unb  fämpft  ,  jieboä)  ©otte$  ©nabe 
sor  klugen  jmt."  —  3Äelana)t£on  bemerft  in  feiner  $ertj>etbt* 
gung  be£  aug3burgifa)en  ©(auben^23efenntniffeä :  „ber  ©laube, 
wenn  er  gerecht  maa)t,  tft  feine  £iftorifa)e  2öiffenfa)af*,  fonbern 
2)aö,  wenn  man  ber  $erf)etgung  ©otte£  traut,  wobura)  un£ 
au$  ©naben  unb  um  (Ifmfti  bitten  Vergebung  ber  ©ünben 
angeboten  wirb*  Ober:  ©lauben  ijeigt,  bie  23erjjeigung  oon 
ber  Vergebung  ber  ©ünben  begehren  unb  annehmen/'  din 
anberer  berühmter  $irtt)enleljrer  jener  3?ü  fpriä)t :  „%\x$  bem 
Sötffen  entftept  bura)  bie  Sßirfuug  be3  ^eiligen  ©eifteS  ein 
Verlangen  naa)  ©nabe  in  bem  £eqen ;  benn  weil  e$  fia)  mit 
©ünben  unb  bem  göttlichen  3^rn  belaben  fü{>lt,  fo  wünfa)t 
unb  betet  baffeibe,  bag  i^m  t>ie  ©nabe  ber  Rechtfertigung, 
weta)e  in  bem  (Eoangetium  oer|>ei§en  wirb,  gefa)enft  werben 
möge/'  —  28a3  nun  bie  recfjte  %xt  beg  feligmaa)enben  ©laubenS 
betrifft,  fo  wirb  berfelbe  am  heften  bura)  gute  SQöerfe  unb 
rea)tfa)affene  Uebung  ber  23uge  errannt*  (£$  gibt  freiliä)  ttiele 
oerfa)iebene  Meinungen  barüber;  xx>a$  aber  taper  rüj?rt,  bafü 
nur  SBenige  bie  $raft  be$  ©laubenä,  unb  bie  33efa)affenpett 
beffelben  in  ber  2lnfea)tung  erfahren  fwbem  %ßie  fann  aber 
ber  fcon  ber  6ügig!eit  be3  £om'g3  reben,  welcher  iljn  noa)  nie 
gefoftet  fyat,  unb  wie  mag  ber  2lqt  bie  $raft  eine^  Heilmittels 
rühmen,  baS  er  noa)  nie  angewenbet  t)at?  Ttan  fann  Üftemanb 
bie  Bewegung  beS  ©emütpö  hei  greube,  Sraurigfeit,  £a§ 
ober  Ziehe  befa)reiben,  noa)  ^>tet  weniger  bie  rea)te  Slrt  beS 
©tauben^  in  Sößorte  faffen ;  benn  berfelbe  ift  eine  Jnmmltfä)e 
unb  göttliche  ®raft,  unb  ber  9latur  gan$  fremb*  2Ba$  aber 
barüber  5lnbern  pm  £roft  unb  gur  £ef?re  gefd)rieben  wirb,  ba$ 
fönnen  biejenigen  naa)  ©otte$  Sßort  am  beften  prüfen,  wela)e 
bura)  täglia)e  Grrfa^rung,  befonberS  aber  bura)  bie  2lnfea)tung, 
gelernt  £aben,  wie  geiftige  2)inge  aua)  ö^^%  flenntet  werben 


3$8 

fottem  Seßwegen  fagt  2twbt:  „m$  ber  ©taube  fe#,  ifl  teia> 
ier  im  £eqen  $u  empftnben,  aU  au^ufprea)en ;  benn  er  tfl 
über  bte  Vernunft,  au$  ©Ott  gepflanzt,  ifl  eine  tebenbige  traft 
©otteS,  eine  tebenbige  (Erfenniniß,  eine  gewiffe  3u*>erftä)t 
auf  ©otteS  ©nabe  in  Gtyrifto,  burä)  ben  ^eiligen  ©eijl  unb 
bura)  baS  2öort  erzeugt,  unb  wenn  aua)  ber  ©taube  oft  fe£r 
fa)waa)  ifl,  einem  gtimmenben  £)öa)ttein  gleich,  fo  ftept  er 
boa)  allezeit  Gtljiriflum  an,  unb  J)ctngt  an  Gifmjlt  SSerbienft  unb 
an  beS  SSater^  ©nabe,  ^iebe  unb  23armj?er$igfett,  unb  feufjt 
naä)  (£j?rijlo*"  —  2ßem  fein  ©taute  nie  fauer  geworben  ift,  unb 
wer  nie  barüber  befümmert  war,  ob  fein  ©taube  reajter  2lrt 
fe$  ober  nia)t,  ber  tt>eig  wenig  bason*  2)er  3öein-tji  ein  ebteS 
©ewäa)S,,  man  ftnbet  aber  feine  Duette,  aus  weta)er  er  fo 
lauter  fliegt,  wie  wir  t£n  im  ©tafe  fejjen*  dx  wirb  auf  bett 
Trauben  gepreßt,  gctfjrt,  wirft  atte  Unreinigf eit  aus,  unb 
wirb  bann  erft  Aar  unb  ikblify.  (£ben  fo  t>er^ätt  es  fta)  mit 
bem  Qdlauhtn;  er  wirb  bura)  ©otteS  traft  in  bem  aerfnirfa> 
ien  £er$en  peryorgebradjt,  pat  mit  x>kkn  £inberniffen  $u 
fämpfen,  flößt,  fo  su  fagen,  in  bieten  ©euftern  auf,  bte 
er  enbtiä)  aum  tautern  SSertrauen  in  (Sfjriflo,  unb  ^ur  SBerft* 
$erung  feines  $til$  getaugt 

I.  fftaa)  bem  33i#ertgen  wotten  wir  nun  eine  forgfättige 
Prüfung  unfereS  ®l<xubm$  anftetten :  „$erfutt)t  eua)  fetbft,  ob 
tjjr  im  ©tauben  fte£et;"  baran  muß  uns  fepr  x>kl  getegen  fe^n, 
benn  otme  ©tauben  ifl  e$  unmogtia),  ©Ott  ju  gefatten;  opne 
©tauben  flejjt  bie  £immet$tjwre  9ltemanb  offen,  otme  ©tauben 
nügt  (SjmftuS  uns  nichts,  unb  o|me  biefen  tttxbtn  wir  in  un* 
fern  ©ünben,  im  £cbe  unb  ber  Serbammniß,  unb  paben 
feine  ©ettgfett  ju  £ofen.  2)a!?er  ift  eö  fepr  gu  bef  tagen,  baß 
bte  Triften  £eut  ^u  £age  in  biefer  wia)tigen  Slngetegenjj  eit  fo 
fta)er  finb;  fte  bitben  fta)  ein,  baß  fte  ben  ©tauben  j?aben,  unb 
baa)ten  boa)  nie  barüber  naa),  wie  ber  ©taube  befa)affen  fep, 
^k  er  im  $er^en  befiele,  wie  er  fta)  geige,  was  er  wirfe, 
xok  er  gerecht  maa)e?  6ie  Ijaben  nie  gefämpft  unb  meinen 
boa)  fa)on  überwunben  $u  Jjaben;  fte  fyäbtn  nie  einen  rea)ten 
junger  unb  £)urfl  naa)  ber  @erea)tigfeit  gehabt,  unb  finb  boa) 
fa)on  fatt;  fte  finb  nie  fa)waa)  gewefen,  unb  ftnb  boa)  ftarf, 


359 


wäljrenb  ber  ©ieg  ber  ©laubigen  erfi  naa)  bem  $ampf  ,£il)re 
©dtttgung  naa)  bem  junger ,  i£re  Äraft  naa)  ber  6a)waa> 
£eit  fommt  Cutter  £at  wo{jl  im  ©eijle  *>orl?ergefepen,  baß 
feine  9taa)folger  bie  tröfltia)e  £ejjre  \>om  ©tauben  migbrau* 
ä)en,  unb  ifjre  leere  (üEinbilbung  für  ©lauben  galten  würben» 
2)arum  warnte  er  fo  oft  unb  fo  j>er$liä),  baß  man  ft'a)  mit  bem 
falfa)en  ©lauben  nia)t  betrügen  folle*  „Siele,  fpria)t  er,  ma* 
djenfta),  wenn  fte  bag  (Eoangelium  ljören,  einen  ©ebanfen 
tm  £er$en,  ber  ümen  fagt:  ia)  glaube,  —  2>ieß  balten  fte 
nun  für  ben  wahren  ©lauben ;  aber  wie  er  eine  blo$  menfa> 
lta)e  @:rbia)tung  ift,  ber  e$  an  bem  ©runb  be£  £er$en6  feljlt, 
fo  wirft  er  aua)  nia)t$,  unb  e$  folgt  feine  ^efferung  barauf* 
(£$  gibt  Stele  unter  ung,  wela)e  beulen:  ©tefje,  wa$  bu 
£örjü  unb  lieft  aus  ©otteö  3Ö3ort,  baS  %ätt\t  bu  für  waljr,  ba* 
tum  pafi  bu  tm  ©lauben,  ©ie  meinen  alfo ,  ber  äöajm  i£re$ 
£er$en$  fep  fa)on  ber  ©laube."  2)ie§  erfährt  man  leiber  gar 
$u  oft  2öenn  nemlia)  ein  treuer  £ef)rer  mit  einigen  feiner  3u* 
pörer  som  ©lauben  fprta)t  unb  fte  fragt,  ob  fte  ben  wahren 
©lauben  ju  Ijaben  meinen,  fo  wunbern  fte  fta),  bafä  man  noa) 
baran  zweifle  unb  fprea)en:  ia)  mu$  boa)  wo£t  glauben,  was 
wäre  fonji  mein  Gnjriftentjjmm?2C*  güljrt  man  fte  auf  hk  $rü* 
fung  be$  ®lauhm$  unb  ^eigt  tljnen,  wie  fte  ben  wahren  »on 
bem  falfä)en  unterfa)eiben  fonnen,  fo  fprea)en  fte :  ,,2la),  ia) 
bin  tttel  $u  einfältig ,  ia)  fann  fola)e  pope.  Singe  nia)t  faffen !" 
£)oä)  gejjen  fte  in  tljrer  @iä)er|>eit  bajnn,  bleiben  in  ü)xt\x 
©ünben,  unb  £  offen  auf  bem  breiten  Sßege  in  ben  Fimmel  $u 
fommem  3«  biefen  SDfenfajen  wirft  offenbar  ber  ©atan,  unb 
maa)t  fte  ^ulegt  fo  fta)er,  ba£  fte  alle  äöarnungen  unb  (£rma£* 
nungen  tteraa)ten,  unb  fta)  über  ben  erzürnen,  ber  e£  wagt,  fte 
anberö  $u  belehren,  unb  fte  in  i£ren  alten  £agen  noa)  einmal 
in  bie  <5a)ule  ^u  führen,  @ie  fonnen  ipre  brei  ©laubenSartifel 
£erfagen,  paben  aua)  einige  ©prüa)e  ber  ©a)rift  gelernt,  unb 
bamit  wollen  fte  feiig  werben,  wenn  fte  gleia)  in  täglia)en 
<5ünben  leben,  $on  feinem  Verlangen  naa)  dljrijb,  von  fei* 
ner  GEmpftnbung  feiner  ßraft,  tton  feinem  (£ifer  in  ber  ©Ott* 
feligfeit,  son  feiner  ©elbftoerläugnung  ttm$  wiffen.  2>ie 
@rfa£runa,  le&rt,  bag  ber  (Satan  benen,  wela)e  er  $um  %f>* 


360 


fat(  ttcn  ©Ott  unb  $ur  3auBevet  herleitet,,  groge  ©a)ä§e  m* 
fpric^f,  wenn  ipnen  aber  naa)f>er  bte  klugen  aufgeben,  fo  ftnben 
fte  fta)  betrogen»  ©o  gef>t  e£  leiber  Stelen  faXfd^en  (griffen, 
welken  ber  ©atan  etnbtlbet,  tag  fte  ben  ©lauben  paben,  unb 
fte  fo  serblenbet,  bag  jte  t£tt  mental  prüfen,  fonbern  jta)  in 
tljrem  $£afyn  genügen  laffen,  hi$  fte  enblia)  ben  33etrug  ent* 
beam  Damm,  o  Qtljrift,  weil  an  bem  (Glauben  fo  ml  &tU* 
gen,  unb  bte  £äufa)ung  be3  ©atang  babei  fo  groß  tft,  fo 
erforfd)e  mit  gletg,  ob  bein  ©laube  rea)tfa)affen  fe^? 
Die  Prüfung  beS  ©laubeng  tfi  fa)on  eine  2ln$eige  be$  ©lau* 
beng;  fta)  um  benfelben  befümmem  unb  ©Ott  barum  Uttm, 
barin  gu  warfen  unb  U$  an  fein  (£nbe  $u  *>erf?arren  fuä)en, 
3eugt  som  ©lauben*  Die  Rechtgläubigen  meinen  immer,  fte 
glauben  nia)t,  ober  il?r  ©laube  fe^  gu  fa)waa),  er  J>abe  noa) 
gar  au  mel  Mängel»  ©ie  wünfa)en  unb  begehren  immer  ttoll* 
fommener  ^u  werben  unb  iprem  £etlanb  näfjer  $u  fommen» 
©ie  benfen,  wenn  fte  *>om  ©lauben  reben  unb  benfelben  an 
Slnbern  greifen  l^oren:  o  bag  ia)  e£  aua)  fo  mit  gebraut 
t)&ttc !  3£r  ©laube  ift  in  iijren  51ugen  ein  glimmenber  gunfe, 
ber  aber  t>on  anbern  2D?enfa)en  wie  eine  ipeHbrennenbe  gacfef* 
©ie  feuften  immer:  aä),  3efu,  wann  tröftefl  ^u  mia),  wann 
werbe  ia)  Dia)  rea)t  poa)fa)ä£en  lernen  ?  9öann  wirb  e$  ba|>in 
fommen,  bajü  ia)  mia)  an  Dia),  mein  GErlofer ,  mit  einem  ftar* 
fen,  lebenbigen  ©lauben  palten  unb  Dir  allein  anfangen 
fannac?  —  SBebenfe,  o  Gtfjrift,  inbem  bu  biefeg  liefeft,  ob  bir 
nia)t  aua)  bisweilen  fo  $u  Wliifye  fe#,  ob  bu  aua)  manchmal 
wegen  betneS  ©lauben  befümmert  btjt,  um  benfelben  pernio) 
büteji  unb  bia)  ftets  naa)  ber  ©emeinfa)aft  mit  (Slmfto  fe£nft? 
2la)tejl  bu  nid)t  barauf ,  ober  wetgt  bu  nia)t  einmal  ttmö  flon 
fola)en  Dingen,  fo  biji  bu  noa)  auf  bem  Söege  ber  ©ia)erjjeit 
£iegt  bir  hingegen  tim$  an  beinern  ©lauben,  fo  ifi  eS  ein 
beweis,  bag  beteilige  ©eift  bein  £er$  gerüprt  £at,  bag 
@fmfht$  barin  wo£nt  unb  bag  ber  ©laube  im  (gntfttfm  ijt; 
benn  e$  ifi  unmoglia),  o£ne  ©otte£  ©eift  unb  ojme  Gtprijto 
naa)  ber  ©emeinfa)aft  mit  3pm  fta)  fernen ;  tt>k  Sluguftm 
ria)tig  behauptet:  (£tn  Verlangen  naa)  ber  ©nabe  J>a* 
ben,  tji  ein  Anfang  ber  ©nabe,  ^>ä  jeboa)  Ui  bemfelben 


361 


Ieta)t  eine  £äufa)ung  ©tatt  ftnben  fann,  weif  att<$  bte  £eua)ler 
fagen:  fte  fernen  jt$  naa)  @£rtjlo  unb  feinem  £etf,  fo  tjl 
nötljig,  tag  wir  gewiffe  ^enn$eia)en  angeben  unb  geigen,  wie 
fta)  ba£  wafjre  Verlangen  *>om  fallen  unterfa)eiben  taffe* 

1)  £>a$  wafjre  Verlangen  entfielt  au$  einer  gewtffen 
fä)meräüa)en(£mpfinbung  feine$3flangefg,  wie  ber 
feiblia)e  junger  unb  Durfi  aus  bem  Mangel  an  ©peife  unb 
ber  2lbnaj>me  ber  Gräfte*  ©obafb  nämlia)  ber  Sttenfä)  bura) 
ba$  ©efe£  $ur  (ürrfenntnig  feiner  ©ünben  gekaut  wirb  unb  bie 
Überzeugung  jwt,  bag  er  bte  ©trafen  ©otteö  »erbient  jjabe, 
fo  f>ä(t  ba$  (£»angefium  i£m  bag  23tfb  beg  ©efreu^igten  ent* 
gegen  mit  ben  Söorten :  „fiejje,  ba$  ijt  ©otteg  htnnt, 
baö  ber  Söelt  ©ünbe  trägt!''  „2)aS  tjt  gewiglia) 
waj?r,  unb  ein  treuer  wertljeS  2Sort,  baß  3efu$ 
^^riftu^  in  bie  2ße(t  gekommen  tjt  ic."  2)amit  tröget 
fta)  baS  erfa)roc£ene  £er$,  i(l  begierig  naa)  folgen  ©prüdjen  unb 
fü£It  eine  wafjre  ©elmfuä)t  naa)  bem  ©ünbentitger ;  ba£er 
bebürfen  bie  ©tarfen  be£  2Iqte$  nia)t,  fonbern  bie  $ranfen. 
25er  gejagte  £irfa)  fa)rett  naa)  frifa)em  2öaffer,  unb  t>k  be* 
trübte  ©eefe  naa)  ber  ©nabe  ©otteö,  unb  ber  gete  gibt  fein 
SSSaffer,  e$  fep  benn,  bag  er  bura)  ben  ©tab  ©otteS  gefa)Iagen 
werbe»  2Ber  nun  nie  eine  rea)te  ©ewijfen^angf*  empfunben, 
unb  feine  ©ünben  erfannt  unb  bereut  Ijat,  ber  fann  nia)t  fagen, 
bag  er  tin  rea)te£  Verlangen  naa)  Gtjmjta  §aU.  Sie  baö  S3Iut 
au$  ben  SÖBunben  jfiegt,  fo  fommen  Ut  ©eufter  unb  grauen 
auä  bem  £eqen»  3ene  bugfertige  ©ünberin  lag  ju  ben  gügen 
3efu  unb  rebete  nia)t3 ;  boa)  ü)re  £pränen  ^engten  $on  ijj>rem 
Verlangen  naa)  ©nabe+  2*on  $aufag  jjetgt  e£  bei  feiner  23e* 
fejjrung:  fiel? e  er  betet,  unb  eben  bieg  (&&tt,  baS  auö  einem 
erfa)rotfenen  £eqen  fam,  zeugte  »on  bem  2öunfa)e,  bag  feine 
©ünben  ü)m  »ergeben  werben  möa)tem  2öenn  aber  aua)  bie 
£eua)ler  fta)  ftetXen,  als  ob  tjmen  an  (Sfjrijto  etwas  gelegen 
wäre,  fo  ijt  e$  ifjmen  boa)  nia)t  (£rnft;  benn  fte  wijfen  nia)t, 
wag  ©ünbe  iß,  müfun fönnen  fte  aua)  nia)t  wiffen,  m$  (EfyxU 
ftug  unb  ©nabe  i% 

2)  £)a$  wapre  Verlangen  ijt  ferner  eifrig  unb  peft ig; 
wie  ber  hungrige  fia)  nia)t  blo$  naa)  ©peife  fe^nt  #  fonbern 


362 


biefelbe  cma;  fuc$t,  unb  Me$  pingtbt,  um  ftc^  nur  fättigen  gu 
fönnem  SSte  t>tel  ©elb  wirb  in  ber  teuren  3  ei*  für  ein  einziges 
©tücf  23rob  gegeben,  wenn  man  eg  nur  £aben  fann,  unb  in  ben 
©anbwüften  fegt  Wlantytx  Meß  baran,  um  nur  (ürinen  £runf 
2Baffer$  $u  bekommen,  ©o  jmgt  e$  bei  ber  bugfertigen  ©eele: 
r/£err  3efu,  wenn  ia)  nur£)ia)£abe,  fo  frage  ia) 
nia)t3  naa)  Fimmel  unb  (£rbe!  ©ie  achtet  alles 
SInbere  für  ©a)aben,  nur  um  (£jmftum  $u  gewin* 
netu"  liefen  3uffanb  befa)retbt  aua)  ber  #err  in  bem  @leia> 
ntg  son  bem  Kaufmann,  ber  gute  perlen  fua)te,  unb  ber,  ba 
er  eine  föftlia)e  $erle  fanb,  2llle$  serfaufte,  wa$  er  fyatte,  um 
biefelbe  an  fta)  $u  bringen,  ©o  gibt  bie  ©eele  Mt$  baran,  was 
fte  jjat,  unb  vertagt  gerne  t>ie  ganje  SÖSelt,  um  nur  bie  S8erfta)es 
rung  ber  ©nabe  ©otteS  in  d^rijto  ^u  ermatten.  (Sie  ftnbet 
leinen  £roß  in  irbifa)en  fingen  unb  fagt:  wa$  ift  ©Über  unb 
©olb,  wa^  bte  @rbe  mit  iprer  $raa)t,  bie  uns  x>or  ©Ott  nta)t$ 
ttügen  mag  ?  SÖSie  fia)  ein  hungriger  Sttagen  nia)t  mit  33lu* 
men,  mit  GEr^lmtgen,  mit  (BfyaufykUn  fättigen  fann,  fo 
jtnbet  Ue  ©eete,  bie  über  ü)re  ©ünben  betrübt  ift,  feinen  £roft 
in  ber  weltlia)en£uft;  3efum,  ben  ©efreu^tgten  fua)t  fte,  3efum 
verlangt  fte,  3efu$  ij*  ijjr  jlet$  im  ^er^en  unb  im  ©inn,  an 
3£m  !)ängt  fte  hei  £ag  unb  hei  -iKaa)t;  iljre  befMnbigen  ©eufoer 
ftnb:  mein  ©Ott,  ia)  begehre  fonfi  nia)ts,  ia)  hüte  um  nta)t$, 
als  in  ber  ©ememfefjaft  3efu  $u  leben  unb  ^u  gerben!  ©tb  mir 
ben  gefreuten  £eilanb,  bag  (^r  mein  fe^,  fo  genüget  mir! 
©e£r  fa)ön  petgt  eS  in  einer  gabel:  2)te  ®otte3fura)t  l^atte 
einen  grogen  Surft,  unb  fa)rie  laut  auf  ber  ©trage:  aa)  wie 
dürftet  mia)  !  2)ie  2eute  beS  DrtS  brauten  Sßaffer  unb  fonftigeS 
©etränfe,  aber  fte  rief  immerfort  darüber  erzürnten  fta)  jene 
unb  gelten  bie  grembe  für  toll,  weit  fte  bie  Wlittel,  ben  2>urfl 
iu  ftttlen,  t>erfa)mäl?te-  ©päter  fam  ein  £irfa),  unb  legte  fta) 
$u  i£ren  gügetn  £ie  grau  fegte  fta)  auf  tyn  unb  eilte  $u  ben 
Duellen  beS  lebcnbtgen  SßafferS,  trän!  unb  legte  fta)  nieber*  — 
2BaS  bie  SSelt  sum  £rof*  anbietet,  baS  mag  bie  bugfertige 
©eele  freilia)  nid;t,  benn  nia)ts  fann  fte  fättigen,  aU  waö  auö 
ber  Duelle  ber  ewigen  £tebe  unb  au^  ben  SSunben  3efu  ge^ 
Poffen  ifl   2)a{>er  fa)äet  fte  bk  Mittel  fe^r  %o%,  mtyt  <&ott 


363 


tyx  angeboten  tyat,  um  tljr  Verlangen  gu  Ritten,  fte  forfd;* 
fleißig  in  bcr-jB^rtft  unb  ftnbet  t£re  greube  an  ben  $ernfprü* 
$en,  welche  »on  ber  @nabe  @otte$  in  @f)rifto  Ijanbeln.  ©ie 
gleicht  einer  SBtene,  bie  mit  Qrmftgfeit  hm  £omg  »on  *>erfd)ie* 
benen  35lumen  fammelt  2>ie  ©prüdje  ber  ©d)rtft  finb  x>erfd)ie* 
fcen;  aber  ba3,  wa$  fte  in  allen  fu$t,  iftSefu^  unb  fein  £eiL  — 
<öe£r  paffenb  fc^rieb  einjt  ein  frommet  gräulein,  tk  ben  Via* 
men  3efuö  auf 3  innige  Hebte,  ijjren  tarnen  jebe^mal  ganj 
na£e  3U  jenem  jnn,  um  bamit  an^ubeuten,  bag  fte  nia)ts  felju* 
lieber  wünfd^e,  aU  na£e  bei  bem  £errn  3efu,  ja  mit  3£m  ewig 
»ereint  $u  fe^m  £)af)er  ben!t  t>k  bußfertige  ©eele,  wenn  fte 
»on  3efa  Kc^t:  ac^  3efa,  lag  mid)  unter  ben  Peinigen  feyn 
unb  nia)t3  »on  beiner  ^Otebe  fdjeiben!  @ie  ftnbet  au$  bloS 
an  ben  ^rebigten  unb  ©Triften  ©efdjmtad ,  welche  »on  bem 
Qrrlöfer  jjanbeln.  —  £)ie23tenema(|>t  nid)tlange,  wenn  fte  feinen 
£onig  ftnbet,  unb  tk  ©eele  achtet  fein  Sßortgepränge,  fonbern 
waö  fte  erfreuen  fott,  baS  muß  »on  ber  ^tebe  3cfu  burd^brungen 
fep.  <5ie  Iteöt  unb  £ört  ©otte$  SBort  gerne,  aber  wie  ein 
IjungrigeS  $inb;  fte  Witt  gefättigt  fe^n,  aber  nur  mit  £immel&* 
fcrob,  unb  getränft,  aber  nur  au$  ben  SBunben  dljrifti,  unb  weil 
fte  weiß,  baß  biefeg  iljr  im  |>eiligen  2lbenbma|>l  gereift  wirb, 
fo  fc£d§t  fte  baffelbe  fejjr  fjodj  unb  ftnbet  ftdj  öfters  babei  tin 
mit  einem  Ijeilebegierigen  £er$em  —  (£benfo  meibet  biefelbe 
Sitten,  wa£  fte  an  ber  ©emeinfdjaft  in  (£{mfto  £inbem  tonnte. 
2)ie  ©ünben  ftnb  i£r  tin  ©reuel,  weil  fte  wtify,  baß  fte  3efum 
an'S  $reu$  gebracht  Ijaben*  2)ie  £üfte  ftnb  ü)r  »erjagt,  mit  ba$ 
£er$  baburd;  x>on  ber  SBa^eit  abgebracht  wirb*  (Ein  weinenbe£ 
$inb,  baS  feiner  Butter  nacheilt,  lägt  ftd)  »on  bem  ©piele 
Slnberer  nid?i  aufhatten*  (Ehen  fo  wenig  ergoßt  ftet)  bie  bußfer* 
tige  (Seele,  bie  naq?  3efu  »erlangt,  an  ber  ©efettfa)aft  ber  SSelt, 
unb  (te  achtet  e$  nidjt,  wenn  gletdj  hk  Sporen  fte  für  albern 
erfdren.  <5ie  lebt  $war  in  ber  $£tlt,  weil  e$  fo  ©otteS  Sitte  ift; 
brauet  ba$,  was  ber  £err  gegeben  $at,  Ijdngt  aber  iljr  £er$ 
niemals  baran,  fonbern  erinnert  jtdj  ftets  babei  an  tyxtn  (£x* 
löfer»  SOSeil  fte  aber  il?r  Verlangen  niemals  (litten  fann,  fo 
wirb  fte  be$  Menö  mübe  unb  wünfa)t  je  ej»er  je  lieber  auö  bem 
©lauben  ^um  Stauen  ^u  fommen,  unb  \ia)  an  ber  2khe  3efu 


364 


ewig  $u  fätttgen* (Dana  anberS  aber  %>erpält  es  ftc^  im* 

t>em  Verlangen  ber  £euäjter.  ©ie  fernen  fta)<^ta$  goftltdjeu 
2)ingen,  gteia)  ben  £runfenen  an  bei*  fürfHta)en  £afeL  ©te 
motten  Gtljrißum  j?aben,  aber  oljne  tötete  SMfje.  Hm  metjkn 
laufen  unb  rennen  fte  naa)  gettttc^en  fingen*  ßfjrifhtS  foll  tpnen 
Hoö  ein  Wiener  $ur  3ett  ber  S^ot^  fe^n,  fte  befugen  ben@otteS* 
fctenft  unb  motten  t>en  £crrn  bura)  ben  äußeren  ©ä)eüt  beS 
@fjrifknt]f)umS  gum  greunbe  Ijaben,  bamit  <£r,  wenn  es  an'S 
Sterben  ge£t,  fte  nia)t  tterlaffen  möge«  ©ie  galten  vkl  auf 
23equemlta;ftit,  auf  Pflege  beS  Körpers,  auf  SBefriebtgung  ber 
Süfte,  fä)bne  bleibet  it.  unb  fparen  babei  ferne  Sofien;  aber 
bis  fte  fta)  eine  SSibel,  ober  fonft  ein  gutes  23ua)  laufen,  bte 
fte  etwaö  auf  bte  (£rf>altung  beS  ©otteSbtenfteS  wenben,  ba£ 
braucht  lange  3ett  ©te  lefen  unb  j^ören  manches  ®ute,  glau* 
hm  aber,  bamtt  fe$  fa)on  2llleS  gef^e^en*  3fi  $on  ber  ^tebe 
3efu  (grifft  unb  *>on  fernem  teuren  SSerbienfie  bte  Siebe,  fo 
rütjrt  eSü)r£erä  nidjtbefonberS;  jtnben  fte  einen  fcpnen  ©prudj, 
fo  gel?t  eS  ifmen,  wie  bem  £a£n  in  ber  gäbet,  ber  eine  $erle 
fanb  unb  ein  ©etftenforn  bafür  wünfa)te.  2)ie  ©a)wänfe  eines 
$offenreißerS  fönnen  fte  $um  £aa)en  bringen,  unb  fte  behalten  bte* 
felben  fo  genau,  bäf  fte  gar  wo  j)l  im  ©taube  ftnb,  fte  Slnbern  wie* 
fcer  juerjäflen.  SSaSaberin  einer  J3rebtgtv>on  ber  Vergebung 
ber  ©ünben  gefagt  wirb,  baS  *>erfa)lafen  fte  entweber,  ober  fte 
Joren  eS  mit  einem  falten  £eqen  an*  ©ie  madjen  fta)  aua)  fein 
©ewiffen  barauS,  wenn  fte  lange  nia)t  pm  ^eiligen  Hbenbmapl 
gegangen  ftnb,  unb  wenn  eS  fa)on  ein  IjalbeS  3alj>r  unb  brüber 
i%  fo  ijat  eS  bott)  noa)  3eit  ©ie  laffen  boa)  noa)  einige  2öod)en 
fmtgejjen  unb  wenn  eS  feine  ©ewofmpeit  wäre,  fo  UieUn  fte  gan$ 
weg.  ©ie  treiben  gerne,  was  bie  Seit  Jjaben  will,  unb  nehmen 
eS  mit  wiffentlia)en  groben  ©ünben  nia)t  fo  genau»  ©ie  Kr* 
langen  jwar  naa)  bem  Fimmel  unb  naa)  ber  ©eligfeit;  eS  ge£t 
tjmen  aber,  me  jenem  Kaufmann,  wela)em  ein  5lrmer  für  ein 
empfangenes  Sllmofen  ben  Fimmel  wünfa)te,  ber  erwie* 
berte:  ja,  aber  f  o  fpät  als  immer  möglitt).  —  51a;!  unb 
fola)e  ?eute  gibt  eS  unter  ben  (griffen  unferer  3tit  nur  $u  ttiele, 
©ie  meinen,  fte  £aben  ben  rea)ten  (Glauben  unb  eine  fola)e  23er* 
fta)erung  t^rer  ©eligfeit,  )a>ie  wenn  fte  mit  5*aulo  in  ben  brüten 


365 


^tmmel  ent^üdt  gewefen  unb  bort  itjre  tarnen  im  23ud)  beS 
SebenS  felbft  cjetefen  Rattern  (£$  wäre  t^nen  letb,  wenn 
fte  barüber  aufy  nur  einigermaßen  befümmert  fe^n  unb  eine 
Prüfung  aufteilen  fotften.  6ottf;en  2D?enfcf)en  tjt  freiftd)  fd;wer 
gu  Reifen,  weil  fte  ni$t  wiffen,  baß  fte  £ütfe  bebürfen;  bo$ 
burfen  treue  ©eelf  orger  ni$t  nachäffen,  fte  $u  warnen,  31t 
{trafen  unb  ^u  ermahnen«  ©Ott  gebe,  ba$  au$  btefeS  ßrintge 
3Utn  9to$benfen  bringen  unb  $u  größerem  gleiß  im  (Sijrijtentjmm 
erwetfen  möge ! 

3)  2)ag  Verfangen  ber  bußfertigen  tft  an  galten  b  unb 
beftänbtg*  Qrö  wäprt  fo  lange  fte  leben;  benn  wenn  fte  aucjj 
manchmal  ba$  3eugniß  be$  Ijeiltgen  ©eifteö  unb  ber  Vergebung 
ber  ©unben  tn  il)rem  ^er^en  empfmben,  fo  Hetzen  fte  bo$  nicfjt 
immer  tn  btefem  freubtgen  3uftonbe*  £etcfjt  ^eigt  ftd)  <S$wa$* 
tyit,  Gfttelfeit,  9?acf)läßigfeit,  £raurigfeit,  t>a$  man  3efum 
gwar  nicjjt  au$  bem  ^eqen,  bod?  fo  gu  fagen,  au3  ben  5lugen 
verliert*  3ubem  tfi  ber  <B$<x%  fo  groß,  baß  t'I)n  ba3  Heine  #er$ 
nia)t  faffen  famu  £)er  Fimmel  tfi  groß  unb  weit  unb  umfepeßt 
t^k  (£rbe  überall,  btefe  aber  tft  met  $u  Kein,  um  jenen  mit  alT 
feinen  Ijerrlicfyen  Glrinflüjfen  begreifen  5U  fönnen*  (£benfo  x>er* 
peilt  e3  ftd)  auej)  mit  ber  ©nabe  ©otteö,  ber  $khc  3efu  (grifft, 
bem  £rofi  be$  jjeitigen  ©eifteS  unb  mit  unferem  armen 
^er^em  —  £)od)  i(i  bie  ©nabe  fo  befc^affen,  baß  fte  burd)  ben 
©enuß  nur  ein  größere^  Verlangen  erweckt  unb  $on  bem  glciu* 
feigen  £er$en  fyä$t  e$:  je  meljr  eg  j?at,  befto  meijr  will  e$  Ijaben.. 
Sajjer  ftngt  bie  $ird;e : 

®tin  ?ieV  0  füger  3efu$  £$rti* ,  £)e$  ^er^enS  befte  Sabung 
ifl,  ©ie  mattet  fatt,  boä)  ojm'  SJerbruf,  ©er  junger  n?ct#3t 
im  tteberfluf. 

2Ba$  i$  gefugt,  ba$  fefc1  i#  nun,  2ßa$  t#  begebt',  baS 
$ab*  tä)  fä)on,  SBor  ZW,  0  3efu,  bin  t#  f#tt>ac§,  $?ein  f>ers, 
ba$  flammt  unb  ruft  btr  nafy. 

3n  btr  %at  metnf)er5  feine  Sufi.  f)err,  mein  S3egterb'  tft  bir 
beruft;  Stuf  bic^  ifl  alt'  mein  Sftu^mjgefteKt,  3efu,  bu  |)eiranb 
alter  SBeft. 

60  UU  alfo  ber  ©laubige  im  beftänbigen  Verlangen  na^ 
^rifto,  unb  fttrbt  enbtic^)  au^  barin,  boefy  fo,  bag  barauf  ber 
ewige  ©enuß  folgt  2)er  ©taubige  fe^nt  ft$  mfy  ber  ©emein* 


366 


fa)aft  mit  3efu,  fo  lange  er  eines  (£rlöfer3  bebarf ,  unb  er 
bebarf  beffelben,  fo  lange  er  in  tiefem  fünbltajen  £eifce  wopnt. 
©asib  fagt:  „meine  ©eele  iß  $ermalmet  s>or  $er* 
langen  naa)  deinen  Stfe^ten;"  b.  t.  ia)  w>ünf^> e  t>on 
£er$en,  bag  i^  täglich  in  deiner  (£rfenntmfj,  o  ©Ott,  in  2)et* 
ner  ?iebe  unb  in  ber  ©ottfeligfeit  waa)fen  möge*  3n  biefem 
<Sinne  fagt  $3auluS;  „ntc^t,  ba£  iä)  eg  fä)on  ergriffen  ^abe, 
ober  fa)on  ttoftfommen  fep;  ia)  jage  ipm  aber  naa),  baß  ia)'$ 
ergreifen  mochte ,  naa)bem  ia)  x>on  3efu  Gtprijto  ergriffen  bin/' 
Dbgfeia)  berfelbe  eS  in  ber  (ürrfenntniß  Ciprijti  unb  beffen  ®e- 
meinfa)aft  fo  mit  gebraa)t  jjatte,  att  faum  ein  Slnberer,  fo 
pieli  er  $>k$  boa)  nur  für  einen  Anfang  unb  traa)tetebarnaa),  t»ie 
er  fta)  immer  mepr  mit  feinem  £errn  serbinben  möge,  @r  fanb 
bie  ©nabe  beffelben  fo  grofj,  bap  er  fta)  gleia)fam  taufenb  £er* 
gen  wünfa)te,  um  biefelbe  gu  faffen.  %u$  biefem  ©trom  paben 
x>on  jeper  alle  ©laubigen  gefa)öpft,  unb  er  pat  in  nia)tg  abge* 
nommen.  £>tefj  vergebt  freiließ  bie2Beltnta)t;  benn  ben  beißen 
febeint^nur  bag  groß,  tva$  ft'a)tbar  unb  ^eülia)  ift  unb  wa$  ben 
haften,  Jtefler  unb  SSoben  fußt*  — -  SlUerbingö  paben  aua)  bie 
£eua)ler  zuweilen  eine  augenbliälia)e  2inbaa)t,  wie  £erobeg, 
berSopcwneS  ben  Säufer  gemeierte.  SÖenn  fte  einen  tröftlia)en 
$lugfprua)  be$  (£*>angelium3  pören,  fo  nehmen  fte  tj>n  mit 
greuben  auf  unb  benfen:  baS  ifi  ja  rea)t  gut,  bag  wir  bura) 
ben  ©tauben  an  3efum  feiig  werben  foften.  ©ie  bittm  aua) 
©Ott,  bag  er  fte  nebfi  anbern  ^UtSerwäblten  an  bem  SSerbienjt 
gprijti  unb  an  ber  ©eligfeit  tpeilnepmen  taffen  möge.  3eboa) 
finb  biefe  ©ebanfen  gar  balb  wieber  sergejfen,  unb  in  ber  näa> 
j*en  fröt)lta)en  ©efettfüjaft  verlieren  fie  Sltfeg  wieber.  3Jr  £er$ 
gleta)t  einem  £opfe,  ber  ftebet,  fo  lange  er  am  geuer  fiept, 
wenn  er  aber  gurücfgefiedt  wirb,  fo  bort  er  batb  auf  unb  wirb 
wieber  falt.  ©o  (ange  3ene  ©otteS  Söort  pören,  geigt  fta)  ibr 
Verlangen,  fepren  fte  aber  auf  ibre  gewohnten  SSege  gurücf, 
fo  tjl  iyre  2lnbaa)t  bayin.  „<5te  jjaben",  fagt  ein  frommer  Sttann, 
„ein  Verlangen  naa)  bem  ©uten,  wiebieÖotteSfürdjtigen^uwei* 
len  ein  Verlangen  naa)  bem33öfen.  £)iefe  nemlia)  palten  mana)* 
mal  bie  ©ottlofen  wegen  ifjreS  SBoplftanbeS  für  glütf  (ia),  unb 
e$  fommt  fie  faft  bie  Sufi  an,  ipre  £änbe  aua)  nia)t  mepr  fo 


367 


rein  gu  palten,  wie  wir  an  £)atnt>  fepen  fonnen*  Slffetn  fte 
befttttten  fta)  balb  wteber,  mtb  fprea)ett:  3frael  $<xt  betutoa) 
©Ott  aum  £roft,  wenn  eS  nur  reines  £er$en$  tjt;  (£bettfo 
benfett  bte  ^euc^ter :  e$  feij  boä)  ein  großer  (Gewinn,  gottfelig 
gu  feptt,  unb  fte  befommen  mattä)mal  ^uffc ,  in  bett  gleiten 
<Sa)ranfett  $u  taufen*  2lber  wenn  e$  barauf  attfommt,  bett  et* 
gettett  Söillett  uttb  bte  (£igettliebe  abzulegen,  fo  beftnnen  fte  fta) 
nia)t  lange,  fottbern  ge£en  hinter  fta),  unb  ftnb  fro£,  wemt 
<£fmjut$  auS  tfjrett  ©renken  xotifyt"  ©ola)e  SD^enf^ett  gleiten 
einer  lu)r,  welä)e  fo  lange  gept,  al$  fte  btö  ©ewia)t  treibt, 
rntb  wenn  fte  je  behaupten,  fte  jjaben  ein  bejMttbigeö  SBerlatt* 
gen  naa)  @£rif.um,  fo  barf  man  iljnen  nia)t  trauen;  bemt  wettn 
feine  beftcmbige  9Jaa)folge  ba  if*,  tt>k  rattn  matt  ein  bejMtt* 
bigeS  Verlangen  vermuten?  2)ie  2öelt  Witt  einmal  bei  @jmjto 
bie  2öaf>l  jjabett;  bte  SSerfjeifmngen  unb  ben  STrofi  be$  (Evan* 
geliums  nimmt  fte  gerne  an,  aber  vott  ber  Beobachtung  ber 
©ebote  dlmfti,  unb  von  ber  9*aa)fotge  in  $reu$  unb  Reiben 
will  fte  nia)t$  wijfen. 

H.  SSir  wollen  aua)  noa)  Einiges  pin^ufügen,  wa$  bie 
©ottfeligen  in  i^rer  6e^nfua)tnaa)  (E^rtjhtmbeftärfen  famu  2)ie 
©eele  be$  9ftenfa)en  t(i  fo  von  ©Ott  erfa)affen  worben,  baß 
fte  i£re  ©eligfeit  nia)t  von  fta)  felbjt  fabelt,  fottbertt  in  ber  &er= 
einigung  mit  bem  £öa)ftett  fua)ett  folL  SSte  ber  5etb  ber  ©peife 
uttb  beö  Sfrdnfö  ^u  feiner  (ürrpaltung  bebarf ,  fo  folt  bk  ©eele 
in  ©Ott,  in  feiner  ©nabe  unb  $izU  leben*  Seil  aber  ber 
Sttenfä)  bura)  bie  $ift  be$  ©atanS  von  ©Ott  abtrünnig  ge* 
maä)t  würbe,  fo  verlang*  er  m'a)t  mefjr  ttaa)  feinem  $errn, 
fonbern  ergoßt  fta;  an  irbifa)en  ©ittgett,  an  ben  Güt'telfetten 
unb  füttblia)ett  ©ewo^mpeitett  ber  fßklt,  weta)e  il?m  Weber 
9*u$ett  bringen,  unb  ifm  ttoa)  viel  wem'ger  vom  ewigett  £ob  be* 
freien  fontten*  $D?anftnbet  wenige  (§#riften,  wela)e  fta)  an 
ben  23aum  beS  £eben£,  an  (££rtftum  ben  ©efreu^tgtcn  pattett, 
ber  un$  boa)  von  ©ott  verorbnet  tß,  ba$  wir  uns  an  3£n 
attfa)liegett  uttb  von  3£m  alle  traft,  alle«  $eben,  allen  grieben, 
alle  ©ered)tigfett  unb  ©ettgfett  nepmett  foKett»  £)er  größere 
£aufe  fud)t  ©elb,  unb  glaubt,  wenn  er  i>a$  fmbe,  fo  fepen 
alle  SSünfd)e  erfüllt»  £>afjer  maä)t  man  aua)  bie  traurige  &x< 


368 


fafirung,  baj?  bte  Sttenfcpen  fwuftg  fcfrtedjte  SBege einfcfrtagen, 
um  $u  tj^rem  3wecfe  gu  gelangen,  untere  fctymeidjeln  »orne^ 
men  unb  angefepenen  $Mnnern,  ober  fua;en  Regenten  $u  ge* 
fallen,  n>etl  fte  von  tiefen  ijjre  ©lücffeligf  eit  $u  erringen  £of* 
fem  —  £>arüfcer  fpracp  fta)  ein  gotteSvergeffener  granjofe  no$ 
auf  feinem  £obtenfcette  au&  %tt  man  if>m  nemlia)  surebete,  er 
folle  fid)  bocf>  vor  ©otteg  ©eria;t  unb  vor  ber  £ölle  fürchten, 
fagte  er  lai^enb:  ,,©ej>et,  il?r  Sporen,  eg  gifct  feine  £eufet, 
att  unfere  geinbe  ,  wela)e  ung  beleibigen  unb  6a)aben  aufü* 
gen;  e3  iji  aua;  fein  ©Ott,  als  Röntge  unb  gürften,  weld;e 
un$  allein  Reifen  unb  (&ute$  tfmn  tonnen/'  tiefer  war  fo 
fülm,  baf?  er  ftdj  barüfcer  auSfpraa)*  Rubere  fagen  e£  $war 
nia)t  öffentlich ,  fceweifen  eS  afcer  mit  ber  £fjat ,  bafj  fte  mit 
bemfelfren  itfjereinßimmen,  —  9htn,  iljr  affceme  unb  verfclen* 
Mc  SDtafdjen,  wa$  fachet  ijjr;  einen  ©Ratten  ober  an 
3rrlia)t?  3a,  t>k  hinter  tiefer  Söelt  eilen  unb  jagen  nafy  ben 
äeitlid;en  (Gütern,  unb  wenn  fte  2lße$  erj)afa)en,  n>a$  fte  fua;en, 
f  o  Ijaben  fte  nifytö  aU  Zatfo  unb  Gritelf  eit  Sßenn  ber  topfen  einen 
faulen  gjfa^X  fcefommt,  fo  peilt  er  fta)  awar  an  ifym  unb  wäa)3t 
in  bie  £öfje,  aber  fobalb  ein  ©türm  entftejjt,  fo  wirft  er  fte 
miteinanber  üfcer  ben  Raufen,  60  gept  e£  allen  benen,  bte  ftc(j 
auf  ^enfd;en  verlajfen  unb  u)r  Vertrauen  auf  irbifd)e  £>mge 
feiern  ©agt  nta)t  ber  £err  fel^ffc  3U  jenem  9?eid)en:  „2)u 
9*arr,  biefe  9?aa)t  wirb  man  beine  ©eele  von  bir  forbem,  unb 
wejfen  wirb  fe$n,  ba$  t>u  gefammelt  ßaft  ?/,f  —  /£)arum,  meine 
d^rtpen,  laffet  ung  ba3  35ejie,  baS  23leil>enbe  unb  (£wige  er* 
wählen,  unb  baff  elfte  allein  in  (S^rifto  fua)en;  benn  in  3pm 
ift  bie  güHe  ber  ®nai>e  unb  alle  ©eltgfett  — -  ©Ott  lieg 
ftd)  bnra)  SttofeS  bie  23unbe£labe  mad)en,  gum  S>tifyn,  b.ag 
(Er  bavin  wojmen  wolle*  2)iefe  war  ein  SSorbtlb  be$  (£r* 
loferS,  wie  ber  Hpoftel  lefjrt,  Wlan  mochte  ftdj  $war  wun* 
bern,  warum  ber  Mweife  auf  fola)e  2lrt  feinen  ©opn  ob* 
gebtlbct  pake?  £){me  3wetfel  wollte  @r  t>amü  lehren,  baf?  3^ 
fu$  CS^riftuö  ber  waf>re  33el>älter  fepe,  in  weld;em  ©Ott  feine 
tiefte  ntebergelegt,  unb  baß  wir  au^  feiner  g-fitte  nehmen 
follen  ©nabe  um  ©nabe*  2)arum  wollen  wir  alle  Gräfte  un^ 
ferer  ©eele,  alle  S3egierben,  alle  ©eufser,  all  unfer  Verlangen 


369 


mir  auf  3efum  vierten;  <£r  fep  ber  ÜRtttefyunft  unferer 
©ebanfen,  benn  atfeö  untere  »erf dorntet ;  tt>a$  aber  auf  SP« 
£mgerid)tet  tjl,  ,ba£  bleibt  für  unb  für  unb  bringt  ewigen  ©e>- 
gen.  Raffet  unö  bie  Seit  uub  ifjre  (£tielfett  immer  mej?r  *>er* 
fc^metyen,  nur  ßrineä  ift  yiotty  —  in  Gtyrtjio  3efu  erfunben 
$u  werben .  £>awad)  laffet  un$  trauten ,  rennen  unb  laufen, 
wie  Sparta,  bie  nirgenbsS  9?u^e  fanb,  U$  fte  fagen  fonnte:  ity 
Ijabe  ben  £errn  gefefjen!  —  SKenn  glei$  ber  ©laubige 
fo  weit  gefommen  ift  in  ber  ßrrfenntnig  3efu  @prifti,  bag  er 
3^n  für  bag  £öd;fte  @ut  unb  ben  einzigen  £roft  £ält,  fo  fefmt 
er  fiü)  bo$  nad;  3pttu  ®*  *eö*  S^ar  f$on  in  ber  ^tebe  feinet 
£erw,  aber  er  fuebt  3£n  bod) ;  benn  wer  Ut  ©eligfeit  tiefer 
QitU  einmal  empfunben  f?at,  ber  fucfyt  fte  immer  mefjr  3U  ge* 
ntegem  2)egwegen  fagt  ©trad;  son  ber  2ßei$f)ett:  „wer  sott 
mir  igt,  ben  hungert  immer  nad)  mir,  unb  wer 
tton  mir  trinft,  ben  bürftet  immer  nad)  mir."  £a£ 
Verlangen  na$  @l?rifto  Jört  nidjt  auf,  e|>e  ftd)  bie  ©eele  in  vöU 
üger  ©emeinfdjaft  mit  tl)m  befmbet,  unb  wenn  gleid)  irgenb  ein 
mäd)tiger  §err  ^u  ü)r  fagen  würbe,  tva$  $erlangft  bu,  aud)  bie 
Hälfte  be$  töm'greid^  foll  bir  gegeben  werben,  fo  würbe  fte 
antworten:  a$,  fein  tönigreid),  ntd)t  bie  j)albe  ober  gan^e 
12Belt,  ntc^>t  £immel  ober  (£rbe,  fonbern  3efam  (Ijmftum,  23er* 
gebung  ber  ©ünben,  bie  SSerftc^erung  be$  SpäU,  unb  >ie 
©eligfeit  in  3efu  @jm'fto !  9Öa^  nügte  mir  ein  töntgretcf),  \va$ 
W  2öelt,  toaö  £tmmel  unb  (Erbe,  wenn  ity  3efynt  ni$t 
Jjätte?  —  Raffet  ung  aber  biefeö  nid;t  blo£fefen,  fonbern 
au$  nad)  einem  folgen  feiigen  3uftanbe  trautem  Sßie  auf  bem 
Elitär  im  alten  £eftament  immerbar  geuer  brannte,  fo  muffen 
t>on  bem  £eqen  beg  (griffen  olme  Unterlag  ©euf^er  auffteigen, 
bie  auf  3?fum  gerietet  fntb.  (£$  muff  ftetö  feigen:  ac^  £>err, 
Ijiff  mir,  fteirfe  mi$,  tröfte  mtd>,  lag  bo$  £>ein  SBlut  nic()t  W* 
loren  fe^n,  £)u  bij!  meine  traft,  mein  %\$t,  mein  Sieben,  meine 
greube,  mein  £immel,  mein  Mt$l :c+  2)o$  btefeä  Me$  lägt 
ftd),  wie  wir  oben  fagten,  beffer  erfahren  al£  au$fyred>en,  unb 
Wer  ic  Uc  traft  be3  ©laubeng  empfunben  £at,  ber  wetg  e£ 
beffer,  als  man  e£  i^m  fagen  fanm  Ser  aber  nt^t^  bat)on  xcti^ 
unb  nic^tbarauf  afytct,  wer  fd;on  fatt  ui,  »on  bem  ift  $u  fürc^tett^ 


370 


baf5  er  nod)  mit  t>om  (§>laxibtn  fe$,  befonber£,  wenn  ei- 
fern Vergnügen  nur  im  3ettlt(^en  fu$t  unb  ftnbet. 

£>3efu,£>u  «Wein1  £fiff  unb  9to$';  3$  Mite  2M#  mit 
frönen,  @tb,  baf*  i#  im#  biö  tn'$  ©rab  3ia#  2)tr  möge 
fernen ! 

III.  9to$  if!  übrig,  bag  wir  aus  biefer  £e£re  einige  £rofl* 

grünbe  für  bie  Meinmütljugen  ausgeben*  —  £)ie  #euc£fer  unb 

©cbeiw$rifien  wiffen  freiließ  *>on  feinem  Mangel  an  ©tauben, 

fte  meinen,  e£  fep  £l?or!?eit  unb  £rübfum,  wenn  ber  gromme 

feinet  ©faubenä  wegen  befümmert  fep.  Dagegen  gibt  e£  siele 

eifrige  Seelen,  bereu  befMnbige6©eufeen  unb^eten,  bereu  pet* 

liger  Söanbet  Uxotiüt,  bag  fte  ftcfj  im  ©taube  ber  ©nabe  be* 

ftnben,  unb  bod)  ftnb  fte  meifien£  fo  fur^tfam,  baß  i£nen  bünft: 

fte  paben  feinen  ©tauben*   £>a£er  feuften  fte  oft:  o  bag  wir 

glauben  unb  unfern  (£rlöfer  »on  ganzem  £eqen  lieben  fönnten! 

2Btr  füllen  ntdjtä  in  unö,  aU  einigt  ©eufjer  unb  einiget  23er* 

langen,  baS  mit  sielen  ©$wa$f>eiten,  mit  gurc^t  unb  Steifet 

serbunben  tfh   2)tefe  fönnen  wir  serftc^ern,  bag  gerabe  tiefet 

Verlangen,  tiefet  ©euf$en  unb  2öünf$en,  ber  ©taube  ift,  ben 

fte  fudjen*   (£ntftel?t  Ui  ben  C^^rtpen  aug  ber  23etrad)tung  beS 

göttlichen  2Borte6  eine  fot$e  (Srfetmtmjj  3cfu  (Simfti,  welches 

mit  einer  Jjeqttc^en  ©e|mfud)t  na$  3^m  serbunben  iß,  fo  ifi 

ber  ©laube  fd)on  t>a  unb  eben  biefe  ©efmfuct)t  ift  bie  ®raft, 

woburd)  er  ftdj  mit  <Xlmjlo.,nä£er  »ereinigt.  Slud;  ifi  barin  ba$ 

Vertrauen  auf  ©otteS  ©nabe  fdjon  enthalten;  benn  wenn  bie 

(Beete  ni$t  glauben  würbe,  bafü  3efuö  iljr  von  ©ott  gemacht 

fey  $ur  SBei^eit,  $ur  ©erec^tigfeit,  gilt  Heiligung,  $ur  (£r* 

löfung,  warum  wollte  fte  ftd?  nac$  3N  fernen  ?  2Bo  gunfen 

finb,  ba  ift  audj  geuer,  atfo  wo  eine  ^eqlid^e  ©ejjnfuc^t  na$ 

<££rijb  ifi,  ba  ifi  audj  ber  ©taube;  benn  fte  entfielt  au$  beut 

©tauben,  j[a  fte  iß  biefer  felbß,  infofern  er  no$  in  ber  Uebung 

begriffen  i%  2)te  ©eufter  na$  (Sjmfto  ftnb  gletdjfam  bxer  Dt>m 

ber  gläubigen  ©eete,  fte  feigen  empor  $um  £immet,  unb  werben 

erhört,  ©ie  erfiitten  biefetbe  auc^  mit  göttlicher  $raft,  woburetj 

fte  in  t>m  ©taub  gefegt  wirb,  in  ber  £rübfal  au^ufjatten  unb 

enbli$  atle9ttact;t  unb  £ift  be$  geinbeS  $u  überwinben. —  Unfer 

£eitanb  preist  im  SCerte  biefenigen  fetig,  bie  t>a  $\xn&xn  unb 


371 


bürden  nad;  ber  ©erecptigfeit  dv  fpria)t  nia)t,  fte  fotten  feiig 
werben,  fonbern  fie  finb  feitg*  Sfaemanb  aber  tjt  feh'g ,  aU 
wer  in  dprifto  lebt,  unb  mit  3pm  in  ©emeinfa)aft  ftejjt  £>ar* 
au$  folgt,  bag  fota;e  purtgrtge  ur.b  burptge  (befümmerte  unb 
feuftenbe)  «Seelen  in  iprem  Verlangen  fa)on  Gtprijlo  angehören 
unb  in  ipxtm  fämpfenben  ©tauBcn  fetig  jtnb*  2>er  erfahrene 
£ut£er  fagt  barüber  mantt)es$  £röfttia)e:  „2ag  eg  btr  au  feinem 
geringen,  fonbern  311  einem  ft^ern  unb  gewiffen  £rojt  bienen, 
wenn  bu  füfjtft,  bag  bu  Gtfmfium  unb  fein  2öort  lieb  pa^,  unb 
son  ^eqen  begeprft  babei  ^u  bleiben,  bag  bu  unter  bem  £äuf* 
Kein  berer  bift,  hk  Gtbrifto  angehören  unb  triebt  verloren  werben 
fetten»  gerner:  (£in  (£I)rift  mug  bapin  fommen,  bag  er  ©Ott 
unb  bem  |>errn  Qiprifio  bte  <£pre  gibt  unb  glaubt,  bag  beffen 
SBort  Sßaprpeit  fe^  unb  feinen  Ungtaub  n  tilgen  ffrafe,  unb 
wo  btefeö  gefa;iept,  ba  |ii  ber  pettige  ©etffc  fa)on  $>a$  23er! 
be$  ©taubenS  angefangen  unb  baS  £er$  ift  fo  weit  aufgetpan, 
bag  e£  biefen  6a)a#,  ber  größer  €fi>  aÖ  £ünmet  unb  (£rbe, 
faffen  fann*  £)oa)  gept  e3  babei  immer  mit  groger  6tt)wacp* 
peit  $u  unb  unfer  £er^  lann  benfelben  pier  nie  fo  erlangen,  noa) 
t>tn  ©tauben  fo  füllen,  mc  e$  feilte;  fonbern  e$  bleibt  noa) 
immer  beim  2Bünfa)en  unb  ©eufoen  beö  ©eifte$,  weta)e$ 
bem  Sftenfajen  fetbft  unauSfpredjtia)  ift,  ba  er  ftetö  Ui  fitp 
fagt:  £)  bag  t$  wapr  wäre,  aa),  wer  rea)t  glauben  fönnte ! 
2)ennoc£)  aber  tfl  biefeg  ©eufeen  be$  ©tauben^  fo  triel,  bag  e$ 
©Ott  für  einen  ttottfommenen  ©tauben  nimmt  unb  fpria)t:  Sie 
bu  gtaubefi,  fo  gefajepe  bir,  unb  weil  bu  fola)e$  gtaubejl,  fo  bift 
bu  gewig  feiig \n.  üfto<$  an  einem  anbern  Orte  fagt  er:  (£3  ifi 
wopt  in  21a;  t  ju  nehmen,  bag  in  Wtatfy.  8,  25* ,  wo  bte  Sünger 
riefen:  £err,  pilfung,  wiraerberben!  ba$  unaugfpreä)* 
lia)e  8euften  (9?önu  8,  260  berer  befd)rieben  wirb,  bte  mit 
ber  Verzweiflung  ringen  unb  rufen:  £err!  pitf  uns,  wir  »er* 
gepen!  ®iefe$  ©euften  beffen,  ber  atfo  bem  Verberben  nape 
i%  ift  ber  fa)waa)e  Q^tauU,  weta)er,  ob  wopt  in  unö  fa)wacp, 
boa)  ein  jtorfeä  ©efdjrei  in  ben  Dpren  ©otteö  tfL  3«  ^ 
legten  Slugenbtitfen  lägt  jta)  nod)  ein  pnftetn  be$  ©lauben^ 
merfen,  wela)e^  »on  fta)  felbft  nia)tö  weig,  weit  e$  ruft:  2öir 
^erberbenl  S4  füptt  allein  bie  5Zotp  unb  baö  iBerberbeti 

24» 


372 


unb  toetff  felbjl  nia)t,  bag  e£  noa)  fitytt  unb  glimmt,  e$ 
würfce  aber  ntd)t  füllen,  wenn  e$  nia)t  lebte  unb'  brenne te. 
(fjmftu$  aber  »erachtet   biefe$  günfletn,  btefen  gliramenben 
2)oa)t,  biefeä  aerftofjene  B^opr  nia)t,  fonbern  fad;t  eS  an,  bag 
eine  gfamme  barauS  wirb,  welche  Sinb  unb  5fteer  ftittet.  ©o 
i?anbelt  (Er  noa),  Senn  wir  in  ©a)recf  en  unb  Slngft  feuften,  unb 
nur  mit  einer  einzigen  Bewegung  beg  £er$en$  fagen:  2la)  3efu, 
Ijtlf,  ober  e£  ift  um  meine  ©eligfeit  gefa)ej>en;  fo  werben 
wir  bafb  £ülfe  unb  £inberung  füllen*  „2luf  gleia)e  Seife  fagt 
<&tau$i$i  „©fauben  unb  eifrig  begehren  gu  glauben 
ift  niä)t  weit  *>on  einanber»  £)er  ©a)waa)e  im  ©lauben  Ijat 
£roft  au$  ber  heftigen  SBegierbe  be3  ©laubenö,  welche,  wenn 
fte  autt)  allein  ift,  »er  ©ott  fommt  (Glaube  an  @£rijtum,  übe 
begebe  wenigfteng  feft  an  3j?n  ju  glauben  unb  zweifle  ma)t, 
bann  wirft  bu  t>on  3jnn  gefegnet*"  2iua)  2lrnbt  fa)reibt:  „Sitte 
(Seelen,  bte  ein  Verlangen  naa)  ©Ott  f>aben,  gerne  p  ©ott 
fommen  unb  fo  ftarf  unb  freubig  glauben  motten,  aU  eg  ©ott 
forbert,  bie  fommen  aua)  $u  ©ott  unb  (SJ?rijto*   ©Ott  nimmt 
von  ben  ^eiligen  ben  guten  Sitten  für  bie  Zfyat  an;  benn  dx 
ifmt,  m$  bie  ©laubigen  wollen  unb  begehren.    Senn  Stten* 
fa)en  in  ©a)wermutl>  unb  2lnfea)tung  geraten  unb  gerne  glauben 
möa)ten,  aber  groge  ©a)waa)j?eit  füllen,  fo  ift  berfelbe  Sitte 
ber  ©laube;  benn  biefe  finb  e$,  bie  ta  hungert  unb  bürjtet  naa) 
ber  ©erea)tigfeit"   (Ein  anberer  £el?rer  bemerft:  „$ann(t  bu 
btii  (^tauUn  füllen  unb  empftnben,  wo  nia)t,  fo  fep  aufrieben 
mit  bem  Verlangen,  unb  mit  bem  Kampfe  be$  gletfc^eö  unb 
©eifte^  Sir  jjaben  einen  Vorgänger,  Qtjmfhnn,  ber  un$  nia)t 
bahnten  lägt   (£r  lägt  fta)  aua)  bamit  oegnügen,  wenn  man 
nur  fortkommen  wünfa)t  unb  ein  Verlangen  geigt,  nie  afyu* 
nehmen  ic."  maxi.  9,  24  £uc.  17,  6.  19,  4*  5.  —  ©o  fe? 
nun  getrojt,  o  @jmjt,  unb  banfe  ©ott,  wenn  tu  eine  j)erslia)e 
©ej?nfua)t  naa)  (£fmfto  unb  feiner  ©nabe  in  bir  füplft*  ©o 
lange  H  naa)  beinern  Grrlöfer  von  bergen  feufeeft,  fo  lange  iji 
ber  ©laube  in  bir  nia)t  erlofa)en*  —  ©ott  »erlangte  einjt  von 
ben  3fraeliten,  aU  fte  »on  ben  ©anlangen  in  ber  Säfte  geoif* 
fen  würben,  nia)t$  anberg,  al$  bag  fte  bie  eherne  ©a)lange, 
wela)e  2ftofe$  aufgerichtet  £atte,  anfejmt  fottten;  bann  wur* 


373 


X>m  fte  gefunb,    (£#  war  alfo  $on  feinem  23erü£ren  unb  Um* 
faffen  be£  $fa£l$  tue  Sftebe,  weit  ©Ott  wobt  u>u£te,  bajj  Einige 
fo  fa)waa)  fepn  werben,  baß  fte  nia)t  fommen  fonnten;  aua) 
wottte  @x  tua)t,  bag  fte  ftd;  fetbfi  babet  et)®a$  $ufa)reiben  fotf* 
ten,  vielmehr  t£re  ©enefung  für  ein  reines  SBerf  fetner  ©nabe 
galten  möchten,  £)aburd;  würbe  wofil  aua)  ber  redete  ©taube 
angebeutet,  weta)er  3efum,  ben  ©efreu^tgten,  anfielt  Tlao, 
e$  mm  aua)  fo  weit  fommen,  baß  ber  ©unfertige  nta)t  meljr 
beten,  aua)  ma)t  metjr  feufeen  fann,  fo  ift  er  bod)  im  ©tanbe, 
(ein  #eq  auf  djmjtum  $u  rieten,  unb  bieg  ift  genug,  ijjm  sor. 
bem  ewigen  £obe  ^u  bewahren»  3n  biefem  ©mn  fagt  2)a$tb  j 
„3ÖeIa)e3^n  anfe^enunb  anlaufen  Qu  tljm  beten),  bie 
werben   nta)t  ^ u  ©a)anben/'   —    %u$  vielen  tteinen 
tropfen  wirb  ein  groger  ©troin,  unb  viele  ©eufoer  naa) 
(£(?rifto  maa)en  einen  ftarfeu  ©lauben.    £>al)er  feufee  naa) 
bem  ©tauben,   wenn  bia)  bünft,  bu  fömteft  nia)t  gtanbem 
^annft  bu  aber  nia)t  feuften,  fo  benfe  weniften$  an  3efunt,  fo  fann 
e$  bir  nid;t  an  #ülfe  festem  £>emt  bie  ^raft  be^  (&lauhen$  le* 
fie^t  nia)t  barin,  wa$  berfetbe  von  un3,  fonbern  was  berfetbe 
von  Gijmfto  fyaL  2)er  Magnet  sxe|>t  ein  grojü e£  ©tücf  (^tfen  fo 
gut  an,  wie  eine  9labet;  baS  (£ifen  bleibt  an  tf>m  Rängen,  bie 
Wabel  aua)  ,  weit  bie  ^raft  nia)t  von  ber  ©roge  be$  (Etfenö, 
fonbern  von  bem  Magnet  fommt  @o  wirb  ber  fa)waa)e  ©taube, 
mit  feiner  ©el?nfua)t  naa)  (£fmfto,  ber  ®rafi,  bie  von  biefem 
au^gept,  auf  gleid;e  Seife  tt?etlf>aftig,  wie  ber  ftarf e ,  bernr 
e3  liegt  nta)t  an  imö,  fonbern  an  (E^rifto  unb  feiner  ©nabe. 
Oft  £cmgt  ein  abgeriffenec  2>aum3Wetg  nur  noa)  ein  wenig  an 
ber  D^inbe;  wenn  berfetbe  aber  gebörig  verbunben  wirb,  fo 
tpeitt  if?m  ber  ©tamm  aua;  bura)  He  wenigen  gafern  feinen 
©aft  mit,  ba§  er  nia)t  verborret  GEben  fo  verhält  e$  fta)  mit 
bem  fa)tvaa)en  ©tauben.  —  3?un  möa)ten  aber  $?ana)e  fra* 
gen:  wa$  für  ©rünbe  fjat  benn  ber  liebe  ©Ott,  bafj  <£v  un£ 
nid)t  fogteia)  einen  ftarfen  ©tauben  gibt ,  unb  warum  muffen 
wir  un$  mit  fo  vielen  ©a)waa)j?etten  unb  3^>eifeln  plagen? 
Dtjne  3w,eifet  ift  ber  ©atan  baran  viel  ©a)ulb,  jebod;  aua;  un^ 
fer  eigenes,  fünbtid;e$  $ex%  T)ex  ©atan  gönnt  uu$  bie  ©elig* 
teil  in  GHmjto  nid;t,  wenn  er  \\n$  bafjer  aua)  an  ber  ©emein*^ 


374 


fcfaft  mit  3efu  nfc^t  gan^  pinbern  Urin,  fo  fudjt  er  un£  bocfj 
bapin  gu  bringen,  tag  wir  unfereö  ©lauben*  nicpt  recpt  fro^ 
werben*  $ann  er  un3  bte  greube  be£  £immel$  nityt  rauben, 
fo  will  er  uns  bo$  in  berjenigen  ftören,  welche  wir  pier  im 
©eul  unb  im  ©lauben  geniegem  2)aper  macpt  er  un$  mancp* 
mal  fepr  traurig,  ffeetXt  un*  bie  ©ünbe  in  iprer  ©röge  *>or 
Augen  unb  fa)recft  un$,  aU  ob  fte  nicpt  vergeben  werben  fonne* 
2)iefe  Silber  follten  wir  gwar  ftabpaft  serwerfen,  unb  uns 
feinen  folgen  traurigen  ©ebanfen  meljr  Eingeben;  allein  unfer 
£er$  tfl  wie  ein  ®inb,  ba£  fidj  kityt  in  Angj*  fe£en  läßt  (£$ 
pängt  oft  abjtd)tlic$  ber  £raurigfeit  nacp,  unb  palt  feine  ©ün* 
ben  für  groger  als  ßpriftunu  SBefonber*  f$wer  fällt  e$  tym, 
feiner  Vernunft  unb  feinem  eigenen  ©efupl  ^uwiber  $u  glau* 
Ben,  unb  an^unepmen,  bag  Alle*  auf  biefem  einzigen  SSorte  be* 
rufjen  foll*  (B  fann  nicpt  begreifen,  bag  e*  allen  feinen  grogen 
unb  fcpweren  ©ünben  nicpt*  al*  3efum  Ctprifkm,  ben  ©efreu* 
$igten,  entgegenfe|en  bürfe*  £ier  fürd;tet  e*  ftcp  unb  meint 
immer,  e*  fyne  nic^t  genug,  unb  fönne  alfo  auclj  mcpt  j)in* 
fänglicp  »erfuhrt  fepn,  unb  barum  wirb  ber  ©laube  ein  $ampf 
genannt,  weil  er  immer  mit  folgen  Anfechtungen  gu  freiten 
£at  —  ©o  raffet  un*  nun  barauf  feiert,  bag  wir  ma)t  felbji 
\ex  <Sc(jwad$eit  unfere*  (Glaubens  nacppängen,  fonbern  son 
£ag  au  £ag  bem  Sorte  ©otte*  mepr  Vertrauen  fdjenfen,  unb 
un*  allein  auf  ßjjrifium  unb  fein  SBerbtenft  serlaffem  SÖenn 
un*  aber  ber  <&atan  traurige  (^ebanfen  betbringt,  fo  wollen 
wir  e*  machen  voie  fleine  ^inber,  weld;e,  wenn  fte  $on  tprer 
Butter  burcp  einen  fmfkm  £>rt  getragen  werben,  ftd)  nur  um  fo 
feper  an  fte  anfcpegen*  Tonnen  wir  in  ber  Anfechtung  $u 
ßprifto  nid)t  mit  greubigfeit  ausliefen,  fo  wollen  wir  bo$  mit 
fcpwacbem  ©lauben  ^u  3fmt  rufen  unb  jagen:  tcb  bin  fa  bodj, 
mein  ©Ott,  bein  tiefte*  $inb,  tro£  Teufel,  £olT  unb  aller 
©unb1!  (B  if*  freiließ  niept  $u  läugnen,  bag  unfer  ©laube, 
nadj  bem  peiligen  Sötllen  ©otte*,  bisweilen  pari  unb  freubig, 
bisweilen  aber  anä)  fd>wac$  unb  lleinmütpig  ijh  gragen  wir 
jieboety  naep  ber  Urfacipe,  wofjer  e*  fomme,  bag  ber  ©laube  in 
befiänbtgem  Kampfe  begriffen  fei;n  muffe,  fo  ftnben  wir  t>k 
befte  Auäfunft  in  ber  Betrachtung  ber  übrigen  SBerfe  ©otte$* 


375 


^r  lagt  titint  fcfjwacfre  $inber  ^ur  SBelt  fommen,  bie  mit  »teter 
Sttüpe  erjt  grog  eqogen  werben  muffen»  Unb  bieg  gefc^te^t, 
bamit  bie  Aftern  if)re  £iebe  gu  ben  ^tnbern  befto  Keffer  erweis 
fen,  unb  bie  $inber  tit  große  (Sorgfalt  unb  breite  ber  Altern 
befto  mepr  erlernten  mögen»  Sie  ©a)waä;ljett  ber  ßinber  er«* 
wecft  bie  ?tek  ber  Gütern,  unb  verpflichtet  jene  gu  größerer 
^anfbarfeit  (Benfo  geljt  e$  mit  ben  grüa)ten  ber  (£rbe;  ber 
$lttmätt;ttge  fönnte  bie  ©aat  $umat  aufgeben,  grünen,  5le^ren 
anfe^en  unb  grüßte  tragen  taffen»  2fuä)  tonnten  bie  33äume 
in  (Einer  ^ac^t  grünen,  Mtytn  unb  grüßte  bringen,  wie  ber 
(5ta^  Slarong;  aber  ©eine  2BeiSfjeit  wollte  e$  anberS*  2)ie 
@rbe  bringt  ^uerjt  ba£  ©ras,  barnaa;  bie  Slepren,  unb  enbli# 
ben  vollen  Sßaigen  in  ben  Lepren;  e£  gefjt  alfo  eine  geraume 
3tit  barüber  ljin,  bamit  ber  SEftenfa)  befto  länger  bie  Sßerfe 
©otteS  bewunbern,  feine  2I(lmaa;t,  2öeic3!?ett  unb  ©üte  prei* 
fen,  unb  3£n  um  feinen  @egen  anrufen  möchte»  —  5luf  gteidje 
SSeife  will  (£r  nun,  baf?  unfer  ©taube  unter  Vitien  2infea> 
tungen  £eran  waa)fen,  unb  tägtia)  im  Kampfe  aunepmen  folle. 
(£r  will,  bag  wir  barauS  unfere  ©a)waä)£eit  fennen  lernen, 
2ltte$  von  3^m  abhängig  machen,  baß  wir  unö  allein  auf  feine 
©nabe  vertaffen,  unb  3£m  für  feine  unenblia)e  ©üte  beflo 
^ergXtcr>er  banfen  mögen»  2Bir  wollen  alfo  mit  unferer  @djwaä)* 
$tit  wojjt  aufrieben  fe^n,  mit  ©otte$  $raft  barin  mäa)tig  tfJ, 
unb  wir  babura)  erfennen  lernen,    bag  bie  überfa;wengtia;e 
$raft  beö  ©taubenS  von  ©ott  fierfomme  unb  nidjt  von  un& 
3£m  fe#  gebanft,  bag  (ix  ba3  fe^nlia)e  Verlangen  naa)  feiner 
©nabe  in  (££rifto  aua)  in  uns  erwecft  $aU  $aUn  wir  nia)t 
allezeit  ein  freubigeS  Vertrauen ,  fo  Iwben  wir  boa)  jtetS  eine 
^er3liä;e  ©epnfua)t  £)a$  6aamenforn  ifi  bura)  feine  ®nab^ 
in  unfer  £er$  gefallen  unb  aufgegangen»  (£$  grünt  unb  beginnt 
gu  blühen;  (£r,  ber  2lltmäa)tige,  bewahre  e$  ferner,  baf*  e$ 
jte  me£r  unb  meljr  waa)fen  unb  viele  §rüa)te  bringen  möge ! 
$metu 


376 


Bon  ber  Ergreifung   unb  3uetgnung  be$   !33er* 
bienfteö  (5 ip v t p t  int  ©laufen» 

2:.  f>o$e  Siet»  2,  16.    Sftem  ftreunfc  tf*  mein ,  unb  t#  bin  fein. 


S  i  tt  g  a  n  g. 

3>nt  Flamen  3>efu!    2lmen. 

$?an  fann  mit  SRtfyt  fragen,  welches  tt>opt  ber  glücf* 
Tiefte  Staub  unter  ben  9J?enf$en  fep,  weil  Jedermann  benfelben 
fua)t  2)ie  Erfahrung  aber  le£rt,  baß  bie  Reiften  iljn  ni$t  erlan* 
gen,  fonbern  naa)  vieler  Arbeit  unb  TOü^e  $u  fpät  erfennen, 
bag  fte  fta)  bura)  ben  ©ttjein  tauften  liegen,  deiner  2lnfta)t 
naa)  ift  ber  ©taub  glücflta),  in  wela)em  ber  $tenf$  von  allem 
Uebet  befreit  iß,  alles  ©ute  genießen  fann,  unb  ftd)  beftänbtg 
atleä  ®uten  verfta)ert  galten  barf*  2)te  2öelt  ift  eitel  unb  ent= 
9 alt  fein  waljreS  ©tücf ;  benn  felbft  baS,  m$  fte  für  ba$  größte 
©lücf  jjäft,  ift  mit  fo  viel  $Mj)e,  SSerbrug,  Efenb  unb  @a)mer* 
gen  verbunden,  baß  Einige,  Ut  von  5lnbern  für  bk  ©lud* 
jia)ften  gehalten  würben,  fttt)  felbjt  elenbe  unb  geplagte  %?uti 
genannt  |>aben.  —  2)ie  äußere  $ra$t  im^>  £errlta)feit  ber  D^e* 
genten  fällt  Unerfajjrnen  fo  in  bie  klugen,  $>a$  fte,  wenn  fte  fta) 
etwaä  2lußerorbentlia)e$  wünfdjen,  Könige  ober  dürften  $u 
fe^n  begeljren;  fte  fennen  aber  ba$  gtänjenbc  Elenb  nia)t,  benn 
fürwahr  an  £anbmann,  ber  bei  fetner  täglia)en  Arbeit  fein 
23rob  in  3^upe  ver$e£ren  barf ,  würbe,  wenn  er  fein  ©lud:  red?t 
verfiänbe,  mit  bem  mäc^tigften  2P?onarcr)en  nia)t  tauften»  £)ie 
©roßen  ber  SBelt  gleiten,  n>it  bie  ©cjjrift  fagt,  j?o£en  ©ebtr* 
gen,  bereu  £aupt  bem  Ungewitter  am  meinen  ausgefegt  ift, 
wie  wenn  ber  Fimmel  nia)t£  ^ojjes  auf  dv^n  leiben  wollte; 
fte  fmb  $war  über  5lnbere  ergaben,  aber  aua)  vor  Slnbern  mit 
©orgen  unb  SBerbruß  belaben.  @te  leben  in  freier  ©efaljr,  unb 
muffen,  wenn  fte  nicr)t  in  tieffter  £>emui£  vor  bem  2tllerj>ö#ften 
wanbeln,  erwarten,  bafj  Er  fte  von  i&rer£ö£e  ijerab  ftür^t 


377 


unb  erfahren  lägt,  bag  fte  aua)  fa)waa)e,  jjinfäflige  9ftenfa)en 
(tnb,  tt)te  wir,  ©roße  Ferren  ftnb  mit  fo  fielen  ©orgen  unb 
®efaj?ren,  mit  fo  ml  £ift  unb  £rug  umgeben,  bafj  man  eljer 
Urfaa)e  i)at  fie  $u  klagen,  atö .  fic  $u  beneibem  ©ie  fetbft 
f onnen  am  f>eften  *>on  ifjrem  3u  j*anb  fagen ,  imb  ia)  erinnere, 
ber  $ür$e  wegen,  nur  an  ben  großen  beutfa)en  ®aifer,  $art  V., 
wefa)er  feine$gletä)en  an  $?aa)t,  (Eljre  unb  Wtitytit  nia)t 
gehabt  lf>at*  Unter  feinem  ©cepter  ftanben  siele  fcänber  unb 
^eia)e,  (Er  war  aber  fo  geplagt,  baß  er  feinet  £eben3  nie 
rea)t  frop  werben  tonnte;  benn  faum  fyattt  er  irgenbwo  eine 
Unruhe  unterbrüdt,  fo  entjknb  wieber  eine  anbere*  (Er  cqäptt 
fefbft  *>on  fta) ,  baß  er  mk  Reifen  $u  Söaffer  unb  ^u  £anb  in 
serfa)iebene  ©egenben  unternommen  fjabe,  (Er  war  immer 
tief  in  ©ebanfen,  fyraa)  wenig,  fdrtoß  fta)  Jjäufxg  ein,  ober 
ftettte  fta)  Iranf,  um  nur  einige  3^t  gu  jjaben,  über  feine  5ln* 
gelegensten  naef^ubenfem  (Enblia)  würbe  er  ber  Regierung 
überbrüfftg,  unb  trat  fie  fyälö  an  feinen  trüber,  tfäU  an 
feinen  ©ofm  ab,  T>aM  fonnte  er  fta)  ber  Streuten  ma)t  ent* 
Ratten,  au$  TOtfeib  gegen  feinen  ©ojm,  bem  nun  eine  fofa)e 
£aft  aufgelegt  werbe,  unter  welcher  er  feine  fettere  ©tunbe 
$abt  genießen  können,  darauf  ging  er  naa)  ©panien,  brachte 
t>k  legten  3a£re  feinet  £eben$  mit  allerlei  33ußübungen  unb 
gottfeligen  ©efyräa)en  in  einem  tlofter  £m,  unb  bereitete  fta; 
ba^tbft  auf  ein  feligeo  (Enbe,  —  2)ieß23eifpiel  geigt  beullia),  baß 
bas  wafjre  ©lud  aua)  hti  ben  :ÜJMa)tigen  ber  Gsrrbe  nia)t  gu  ft'nben 
fep.  (ES  gibt  nur  (Einen  glüdlia)en  3«(tanb  im  £eben,  unb  in 
biefem  beftnben  fta)  biejemgen,  wela)e  fta)  mit  einem  bußfer* 
tigen,  gläubigen  £ergen  an  ipren  ^rlöfer,  3efum  (£jmftum, 
angefa)loffen  l;abem  2)ie  3^t)ifa)gefinnten  werben  gwar  barüber 
täa)eln,  allein  bie  ©laubigen  werben  nu'tt)  wobl  $erjtel?en,  unb 
zugeben,  baß  e£  nia)t£  £ö£ere$  in  biefem  Men  gebe.  Unb 
aua)  ia)  bezeuge  x>ox  aller  Söctt,  baß  ia)  biefe  (Ef?re  unb  ©elig* 
feit  mit  allen  fronen  ber  Söelt  nia)t  ttertaufc^en  würbe*  £)enn 
$>a$  glaubige  2infa)tießen  an  @{mftum  bringt  Vergebung  ber 
©ünben,  finbfa)aft  ©ottee,  ©emeinfa)aft  be6  ^eiligen  ©eiftee> 
grieben  be£  ©ewiffeng,  unb  t>k  Hoffnung  eines  ewigen,  feiigen 
£eben&   3a,  baffetbe  tjt  juer  fa)on  ber  Anfang  ber  ©eligfeit, 


378 


unb  bte  SGSett  £at  nidjtg,  m$  bamit  in  3$ergfeia;ung  fame. 
2)ie  £errfta)fet't  ber  SÖett  tjl  nur  äufferlta;,   unb  fann  bic 
6eele  nia;t  fättigen;   fte  ift  umooflfommen  unb  mit  taufenb 
(Sorgen  t>ermifa;t;  fte  ift  unbefMnbtg,  unb  $erfa)winbet  gerabe 
bann  n?te  ein  ©chatten,  wenn  man  i£rer  am  meinen  bebarf«. 
2)ie  ©eligfeit  aber,  bie  wir  in  Ctyrtfto  3efu  genießen,    tfi 
pimmlifa)  unb  göttfia;,  unb  erquitft  unfere  8eele;  fte  £tffi 
ba$  (Henb  biefeS  £eben3  überwinben ,  verfügt  atte  33ttterfeit, 
serfdjafft  überfa;wengtitt;en  £rofi,  port  nimmer  auf,  unb  gibt 
ba$  £eben  im  £obe*  (Eben  bieg  ftnben  wir  in  bem  angeführten 
33eiftnel  be$  ßaifer*  ®arl  V.   dx  fua)te  ein  befMnbigeö  ©lücf, 
weil  er  baffelbe  aber  in  ber  Söürbe  unb  |)err(ia)feit  nia;t  fanb, 
fo  wenbete  er  ftrf)  an  feinen  (£rlöfer,3efum  Gtfjrifhtm,  Oft  fragte 
er  in  feiner  (ürinfamfeit,  baf?  er  feinen  einzigen  £ag  im  Dienfte 
©otteg  gebüprenb  3ugebraa)t  pabe,  unb  befannte,  ba$  er  bura; 
fein  eigene^  Söerbienfi  tk  ©eligfeit  nidjt  erlangen  würbe»   3^ 
bod;  tröfiete  er  fta)  bamit,  baf  fein  (£rlöfer  ein  boppelteS  0?ea)t 
3um  Fimmel  jmbe  —  ein  Grrbrea)t  a{3  ber  eingeborne  Sojm 
t>om  $ater,  unb  ein  erworbene^  9?ea)t,  ba$  (Er  bura;  fein 
SSerbienjt  erlangt  £abe*.2)a$  erj!e,  fagte  er,  behalt  metn£ei* 
lanb  für  fia),  ba£  aweite  fd;enft  (Er  mir,   unb  in  biefer  £off* 
nung  werbe  ia;  nia)t  gu  6d)anben*  (Er  erftärte  fta;  enblia),  ba§ 
er  fein  Vertrauen  aMn  auf  (Ejjrijti  Serbien)*  fege,  fa)fo§  naa) 
bem  ©erraffe  beS  ^eiligen  2lbenbmat)te  mit  benSBorten:  „®Uite 
in  mir ,  baß  ia)  in  £>ir  Utibt"  —  unb  fä)teb  fo  fanft  au£  bie* 
fer  Sät  in  ^k  (Ewtgfeit.  —  (ES  gibt  aber  aua)  in  ber  Zeitigen 
<Sa;rift  mehrere  33etfytele,  wela)e  j[ene$  betätigen,  33on  ben 
Söeifen  au$  Sftorgenlanb  wirb  nemlia;  er^lt,  t>a$  fte  baä 
3efu$finb  $u  33etjfe£em  gefunben,  *>or  tt)m  niebergefal* 
len,  e$  angebetet,  unb  tpm  anfe£nlia)e  ©efa)enfe  gebraut 
^aben»  2)iefe  Männer  waren  jebenfattS  geehrt  unb  begütert, 
tk  2öeft  piett  fte  wopt  aua;  für^ludtia; ;  fte  felbft*  aber  erfann* 
ten  bura;  ©otteS  ©nabe,  ba$  ipnen  bei  all*  ijjrer  (Ejjre,  28et$* 
Imtunb  95raa)t  boa)  noa)  (EtneS  fejrte,  nemtict)  bie  ©emeinfa)aft 
mit  bem  £eifonb  ber  2öelt,  bie  $erfta)erung  ber  ®nabe  ©ot* 
teö  unb  ber  ewigen  ©eltgfeit.  SDarum  matten  fle  eine  fo  be* 
fa;tt)erlia)e  Steife  unb  ruhten  nia)t;bi^  fte  ben £roji ber  $etotn 


379 


gefunden  Ratten*  Hte  fte  nun  ba$  $inb  axibtttttn,  befanben  fte 
ftc^  in  bem  gXücfttc^pen  3ufianbe,  unb  patten  $ettfeben$  feine 
größere  @:{>re  als  btefe*  £erobe3  auf  feinem  ££rone,  ja  fetbfir 
ber  mäa)iige  $atfer  SlugufhtS,  patte  frei  alT  ferner  £errlia> 
fett  fein  foldjeS  Stnfefjen,  unb  fetbfl  bie  (ürngel  be$  £immel$ 
freuten  fta),  alä  fte  bie  Gelinge  ber  Reiben  in  biefem  gtütf^ 
Iia;en  3uftonbe  erbltcften.  ©leia;  feiig  füllte  fta)  n>o|>t  bie  bufc 
fertige  ©ünberin,  bie  fta)  3efu  ^u  pßen  warf,  unb  3o£cume£, 
ber  an  ber  33ruft  be3  £errn  lag*  £)er  ©laubige  fann  biefe 
(Er^lung  nia)t  o|me  ben  ©eufter  lefen  raa),  mein  £err,  wann 
werbe  ia)  cajnn  fommen,  baß  ia)  ana)  fo  vor  £)ir  liegen/  unb 
£)ir  in  (£wigfeit  für  bie  tjjeure  (£rlöfung  banfen  fann?  Samt 
werbe  ta)  mit  ber  Stenge  ©einer  Huserwäfirtten  aufrufen: 
„£)aS  £amm,  bag  erwürgt  if*,  iß  würbig  ^ane^ 
men  $raft  unb  ^eidjtfjum,  Söet^p ett  unb  ©tärfe, 
(£|>re  unb  *J3ret$  *>on  (£wigfeit  #u  (£wigfeit!"  — 
£>oä),  wenn  wir  bie  <Saa)e  rea)t  bebenfen,  fo  leben  wir  fa)on 
in  bem  nemliä)en  glücfltdjen  3uftonbe ,  wie  Jene»  ©ie  faben 
3efum  gwar  mit  leiblichen  2lugen  unb  faßten  3pn  mit  ijjren 
£änben;  wir  aber  felmt  3£n  mit  ben  Hugen  be3  ©eifteS,  unb 
ergreifen  3£n  mit  ben  tonen  beS  SSertrauene,  3$  bin  gewiß, 
baß  ber  @rrlöfer  unS  fo  nafje  ifi  '(ok  jenen,  wenn  ia)  an  3£n 
gebenfe  unb  mia)  mit  drmß  an  3£k  anfa)lteße*  ©elig  jmb  bk* 
jenigen,  fagte  (Sx  felbß,  bie  nta)t  fepen  unb  boa;  glauben,  Unb 
bieß  tft  unfere  (£jjre,  unfer  ^eia)t^um  unb  unfere  $teube, 
baß  wir  ^u  bem  ©nabenftu^l  Eintreten,  tfm  nia)t  bloS  berü^ 
ren,  fonbfnt  uns  aua)  feiner  rühmen  bürfen,  mt  eS  in  unfe* 
rentierte  fyi%t\  ,ffiän  gceunb  iji  mein,  unb  icfj  hin  fein/'  — 
D  feligeS  ©laubenSwort!  3efu^  ifi  mein!  3$  ^altc  e£  für 
bie  größte  Seligfeit,  nur  $u  feinen  güßen  31t  liegen,  aber 
mir  ijt  noa)  me£r  gegeben;  (ix.  fpria)t  mir  freunblia)  $u  unb 
nimmt  mia)  gleia)fam  in  feine  Irme*  3$  bagegen  fließe  3£n 
in  mein  £er$;  (£r  lebt  tri  mir,  unb  ia)  in  3!?ni!  &ieß  iß 
unfere^  ©laubenS  £öjje  unb  bie  #errlta)feit  unfereS  Gtjmjien* 
<t£umS  —  bie  ©emeinfa;aft  mit  C^^njto  bura)  ben  ©laubem 
2>teß  ift  unfer  £immel  auf  <£rben,  unfere  £öä)ße  greube  in 
ber  £raurigfeit,  unfer  ©c£u$  unb  Sieg  gegen  alle  geinbe, 


380 


unfere  (£J?re  wiber  alte  ©a;maa)  unb  <Sa)anbe,  tmfer  geben 
im  (Sterben*  (££re  genug,  ^teid^um  genug,  greube  genug, 
wenn  ia)  im  ©laufen  fagen  barf:  3efa&  unb  2ltfeg,  tva^  er  l^at^ 
ijt  mein !  (B  tjl  alP  mein  ©euften,  Verlangen  unb  $ege£ren, 
in,  mit  unb  bei  3efu  $u  fe^n.  £aa)et  nia)t,  ttjr  irbtfa) 
©efmnten,  baf?  ia;  barüber  fo  siel  Söorte  maa)e,  i£r  wiffet 
freitia;  nia;t,  m$  baS  ift,  ij>r  serfteljt  aua)  bfefe  £errfia;feit 
nia;k  Damit  iljr  e$  aber  begreifen  fönnet,  fo  benfet  baran, 
wie  glücfficf)  tyx  eua;  fraget,  wenn  ifjr  einen  ©a;a§  swn  ©ott> 
ober  ©über  j>abt  unb  fag.en  fönnet:  b a$  ift  mein»  SQßir  ©lau* 
bigen  J^aben  nid;t  bloS  (Silber  unb  ©olb,  fonbern  ©Ott  l?at 
itng  feinen  <So|m  unb  mit  bemfelben  2llte£  gefcfyenft,  unb  wir 
tonnen  fagen:  ba$  ift  m;etn,  3Beta;e$  ift  nun  beffer,  $>a$  eure 
ober  baä  unfrige?  (Euer  <Sd;a$  ift  ^eitltd; ,  ber  unfrige  ewig, 
jiener  irbifcb,  biefer  fummltfa;.  53ei  euc^  tfi  lauter  ditdhit,  Ui 
un£  28a!?t!?cit  unb  23eftänbigfeit  —  SBtr  wollen  bat) on  noa) 
weiter  reben  unb  feljen,  wie  ftd;  bie  bugfertige  (Seele  iljren 
@rtöfer  mit  feinem  SSerbienjt  im  ©laub'en  ^eignet.  £ilf,  £err 
3efu,  ba$  ia;  mit  greubigfeit  unb  9cit£en  über  biefen  ©egen* 
jfonb  fprea)e,  welcher  Deine  unb  meine  größte  (Sjjre  unb£err* 
lia)feit  betrifft;  gib,  bajud)  fetbjt  son  $erjen  glaube,  wa$  ta) 
Slnbern  prebige  unb  fd)reibe,  3a)  glaube,  §err;  £tff  meinem 
Unglauben,  5lmen/ 

51 5  f)  a  n  fc>  l  u  n  g. 

Die  irbifaigeftnnte  Vernunft  wunbert  fia),  t>a$  wir  bem 
©tauben  fo  t>iel  jufa)reiben,  weil  wir  niä)t  bieg  fagen,  bag  er 
allein  geregt  mache,  fonbern  aud;,  $>a$  er  äne  £ugenb  aller 
Satgenben,  eine  %&zitytit  über  alle  SSeispetf ,  eine  kxaft  über 
alte,  träfte  fe$>,  baß  er  ©ünbe,  £ob,  Teufel  unb  £ölle  über* 
winbe^-bte  (Seele  mit  grieb'unb  greub'  in  bem  ^eiligen  ©eijt 
erfülle,  eine  SOßuqet  aller  lnmmlifa;en  unb  göttlichen  £ugenben, 
bie  @eele  bc$  £tmftcnifmm3  unb  ein  23orfa)macf  be£  ewigen 
£eben3  fei;,  3d)  ^  aber  gewig,  baß  wir  el?er  ju  wenig,  als 
3U  siel  fagen,  Denn  ber  ©taube  ift  feine  menfct)tia)e,  fonbern 
eine  göttliche  ®raft  in  und,  bura)  ben  peiligen  ©eift  gewirft, 
welche  3pfum  Gljrifhim,  ba$  £öa)fic  (^ni  ergreift,  unb  jta)  ben* 


381 


felben  $u  eigen  maa)t*  3ft  t>er  ©laube  nia)t  mit  Efjrijb  ser* 
erntet,  fo  gleia)t  er  einem  ©Ratten;  wenn  er  fta)  aber  an  tiefen 
anfa)liefH,  fo  fann  man  i£m  nia)t  genug  auftreiben.  2)er 
©laube  £at  feine  traft  aus  bem  ©ojjne  @otteS,  an  wela)en 
er  fia)  anfa)lie§t,  mit  wettern  er  fia)  auf  $  genauere  serbtnbet 
unb  tton  welchem  er  un$ertrennlia)  ift.  —  £)er  Anfang  beS 
©laubenS  befielt  in  ber  Erfenntnig  EbrijH,  ber  gortgang  im 
Verlangen  naa)  3pnt,  baS  Enbe  aber  in  ber  freubigen  Ergreif 
fung  unb  3ueignung  feines  23erbienjkS*  £)aS  über  feine  @t*Ö 
ben  erfa)rocfene  ^er^  lernt  aus  bem  Esangelto  ben  £eilanb 
ber  Söett  erfennen,  ba§  Er  allein  pelfen,  gerea)t  unb  feiig 
maä)en  fönne;  barum  febnt  ei  fta)  naa)  E^rifhim,  traa)tet 
naa)  feiner  ©ememfa)aft  unb  fa)  liegt  fta)  enblia)  fo  feffc  an  3!w 
an,  baf?  Weber  9}otlj>  noa)  £ob  es  t>on  3^m  fa)eiben  famu 

D  atfertiebfl:er  3efu  mein,  deiner  ©eete  Hoffnung  aUetni 
«Kein  fjeq  liebt  2)i#  gan$  inmgltdj,  teilte  ©cele  fältejjt  ft# 
feft  <m  ©i#. 

2)tefe  3ueignung  unb  Ergreifung  Eijrijti  tjt  gleta)fam  bie 
©eele  beS  ©laubenS,  unb  wenn  er  fo  weit  gefommen  ijt,  fo 
$at  er  feine  £ö|>e  unb  traft  erreia)t  unb  eS  ift  nia)tS  mebr 
übrig,  als  baf?  ber  SSttenfa)  feines  ©taubenS  lebe  unb  in  bem* 
felben  frö^Iia)  unb  feiig  fe^  Raffet  uns  aber  biefen  wia)tigen 
C^egenftanb  naa)  unferem  Text  unb  anbern  ©teilen  ber  fjeiligen 
©a)rift  noa)  näfjer  betrachten.  -—  %entx  SluSfprua)  ift  woI?t 
einer  ber  fa)önften  ber  23ibel,  3  war  gering  an  ^Sorten,  aber 
grofü  son  traft  —  2)ie  ©nabe  ©otteS  ijt  ein  groger  ©trom 
unb  3^fuS  mit  feinem  SSerbienft  tjt  t>k  unerfa)ö>flia)e  Duette 
biefeS  ©tromS*  2)arauS  fa)öpft  nun  tk  glaubige  ©eele  unb 
fpria)t:  „metngreunbtft  mein/'  2öaS  allen  $cenfa)en  p? 
gehört,  baS  maa)t  jtc  fta)  3U  eigen,  gleto)wie  ber  burjftge  28an- 
berer  fia)  an  ber  frifa)en£luelle  labt,  bie  amSßege  entfpringt  — 
Es  ijt  aber  feine  ££orI?eit  unb  23ermeffenl?  eit,  wenn  jta)  jene 
i£reS  ErlöferS  rü£mt,  fonbern  eine  greubigfeü,  in  ber  (!te^e 
beS  ©o^neS  ©otteS  gegrünbet,  wela)e  Er  *>or  aller  2Belt  mit 
SSergiegung  feines  teuren  331utS  bezeugt  f?at  Er  jjat  fta)  mit 
t£r  verlobt  in  Ewigfeit,  aua)  weiß  fte,  bag  ber  Spcxx  ihretwegen 
tn  tic  SSelt  gefommen  i%  Er  £atte  nia)tS  anberS  barin  $u  t£uu, 


382 


til$  tag  ^v  bteSünber  feiig  ma$en  füllte,  (£r  fucptenitft  Silber 
ober  ©olb  $u  gewinnen,  nicpt  £änber  unb  ©table  ^u  beperr* 
fdjen,  fonbern  Sidjj  mit  fetner  ganzen  £tebe  ben  SDlenfcben  $u 
f^enfen;  barum  fann  aucp  3eber  fagen:  3efu$  tft  wein! 
£)ap  fommt  t>te  ^iebe  beS  SBaterS,  welker  ber  SBelt  feinen 
Sofm  gegeben  f>at,  f/auf  baß  SCfle^  bte  an  35«  glauben, 
nt$t  verloren  werben,  fonbern  ba$  ewige  Sieben 
Ijaben;  unb  ba^3f«9«ig  beS  jjeiligen  ©eifteS,  ber  bie  ©lau* 
bigen  antreibt,  baß  fte  tiefen  £rojl  mit  greubigfeit  junnepmen  unb 
ftd)  burcp  nichts  bason  abwenbig  machen  laffen  follen*  S$enf  t  uns 
nun  ©Ott  feinen  Solim,  serbitftet  ftcf>  biefer  felbft  mit  un$  unb 
serfupeit  uns  ber  peiltge  ©etfl:  biefer  großen  ©nabe,  warum 
follten  wir  unS  biefer  (Spre  md)t  mit  greuben  rühmen  unb  fpre* 
$en:  „mein  greunb  tfi  mein!"  —  gerner  tft  ja  nichts  in 
ber  SÖelt,  an  welkes  wir  ein  foldjeS  diefyt  paben,  aU  an  3e* 
fum  dpriftom,  ben  ©efreuäigten,  2Ba6  wir  fonfl  paben  unb  be* 
ft£en,  baS  fann  uns  genommen  werben;  ber  $önig  fann  um 
feine  $rone  f ommen ,  tiefer  um  fein  Vermögen  unb  um  feine 
tifyxt,  3^ner  um  feine  ©efunbjjeit  unb  um  fein  £eben,  unb  ber 
3:ob  fiept  unS  opnejnn  beoor,  \va$  Deute  unfer  tfi,  fann  morgen 
eineä  Slnbem  fe^n*  2ln  3efu  allein  frnben  wir  ein  (Eigentum, 
baS  fein  3ufaß  unb  feine  ©ewalt,  fein  Stob  unb  Teufel  rauben 
fann*  —  Üä  gibt  aber  aucfy  feinen  25eft£ ,  ber  oon  größerem 
9ht£en  wäre*  £)enn  was  puffe  e3  unferer  Seele,  wenn  au d> 
t>k  gan^e  SSelt  uns  ^ugepörte  ?  können  t>k  Sd)ctt3e  biefer  (£rbe 
au$  nur  in  («Einer  fdjlaflofen  -ftacpt  uns  S^upe  oerfcpaffen?  SDMt 
all  unferem  ©olb  ftnb  wir  nidjt  im  Stanbe,  nur  geringe  $opf* 
f^merjen  $u  jtillen,  geftpweige  benn  unfer  ©ewiffen  gu  berupi* 
gen  unb  unfere  «Seele  in  ber  2lnfe$tung  $u  tröjkm  2Bir  brau* 
djen  jwar  baS  ©elb,  wie  ber  2afmte  feine  $rücfen;  aber  wir 
fernen  unS  na$  bem  Ort,  wo  wir  beS  notpwenbigen  Uebete 
m'djt  mepr  bebürfen,  5^ennt  bagegen  bte  (Seele  3efum  tpren 
greunb,  fo  rüjjmt  fte  jt$  beffen,  weil  auf3pm  ipr  seitliches 
unb  ewigeö  £eil  beruht  <£r  ift  unfer  £err  unb  ©Ott,  unfer 
$önig  unb  £>oI?epriefter,  unfer  (£rlöfer  unb  Seligmacper,  unb 
t>k$  5llleS  bejlept  nicpt  bloS  in  ber  Gmtbilbung ,  fonbern  in  ber 
SSaprpeit;  benn  3efuS  tft  voller  ©nabe  unb  SBaprp eit  unb  alle 


383 

Zerreißungen  ©otteS  finb  3a  unb  Stuten  tn  3N* 

2öer  31m  im  ©raupen  ergreift  unb  ftä)  an  3|>n  £ält,  ber  empjfnbet 

e$,  baß  tn  3jwt  alte  gülfe  wohnet,  ber  lernt  verfielen,  n>a^ 

jDat>it> fagt:  „wie  treuer  ijt  2) eine© üte,  o@ott,  baß 

SDienfd?enfinber  unter  bem  ©Ratten  ©einer  glü* 

geltrauen  bürfen!  ©ie  werben  trunfen  von  ben 

reiben  ©ütern£)eineg£aufe$,  unb£)u  tränfeft  fte 

mitSßolluft,  wie  mit  einem  ©trom*  —  2) ie  glaubige 

©eele  fe#t  aber  au$  ljin$u:  i<$  bin  fein;  ia)  weig  gewiß,  baß 

mia)  mein  #err  ^ergltc^  liebt,  baß  (Et  mict)  $|  feinem  (Eigen* 

$um  erforen  unb  treuer  erlauft  pafr,  ntc^t  mit  ©olb  ober 

©über,  fonbern  mit  feinem  ^eiligen  SBIut  unb  bittern  Reiben 

unb  ©terbem  3$  g^öre  unter  bie  ©einigen,  bie  (Er  hi$  in  ben 

£ob  geliebt  $at,  mein  3efuö  backte  aua)  an  mtd),  als  (Er  am 

$reu$e  ping ,  (Er  $at  auä)  mid)  von  ©ünben  gereinigt  unb  i$ 

gehöre  unter  baS  Zolf,  ba£  (Er  jtcf)  erwägt  j)at  $u  feinem  (Et* 

gentium,  baß  e$  fleißig  wäre  $u  guten  Sßerfem  3$  tön  gewiß* 

baß  midj  9ttemanb  auö  feiner  #anb  reißen  wirb,  unb  t'dj  ge* 

£öre  fortan  nic^t  mir  felbjl,  fonbern  meinem  £errn  3efu,  je$t 

unb  in  alle  (Jwigfeit*  —  ©er  ©laube  ergreift  alfo ,  wenn  er 

bie  re$te  £öl)e  erreicht  j>at,  feinen  (Erlöfer,  unb  weiß,  baß  er 

von  3£nt  ergriffen  wirb,  obgleich  babei  bisweilen  noc§  große 

©a)  wackelten  ttorfommen*  £)o$  tjl  ber  ©laube  auef)  in  feiner 

größten  ©$n?aa;l?ett  noä)  parf  genug,  £ob,  Teufel  unb  £ölle 

gu  überwinben,  weil  er  alles  vermag  bura)  £)en,  ber  ipn  mächtig 

ma^t,  bur$  (Ejmftum,  unb  feine  traft  ntcfrt  au$  ft$  felbft  £at, 

fonbern  in  ß^rifto*  2)at>ib  faßt:  „£er3litt)lieb  £ab1  t$ 

©i^,  o$ err,  meine  ©tärfe,  mein  gel$,  meine 33urg, 

mein  Erretter,  mein  fyoxt,  auf  ben  ify  traue."  (Er 

eignet  fta)  alfo  alle  ©tärfe,  alle  $?aa)t,  ^rofi  unb^ülfe,  bie 

in  ©ott  ift,  mit  großer  greubtgfeit  ju,  weil  er  ftc$  auf  bie 

Zerreißungen  ©otteg  jlfifcte.  ©o  eignet  ft$  aufy  ber  wa£re 

feligmac^enbe  ©laube  guerji  driftet,  als  bte  ®^U  ©otteS 

ju,  unb  rüfmtt  fta)  in  bemfelben  feinet  ©otte&  (Er  fpridjt:  £>aS 

ewige,  gütige,  unbegreifliche  2ßefen,  ba$  wir  Qdott  nennen,  ift 

mein;  benn  3efu$  ift  mein,  in  welkem  bie  giille  ber  Qbottytit 

wojmt*  3d)  weiß  m$t  allein,  oa^  tin  ©ott,  fonbern  baß  (Er 


"     384 

auö)  m  ein  ©  Ott  ijt;  benn  dv  |>at  mir  ©ein  £er$,  b.  u  Seinen 
lieben  ©ojm  gefa)enft,  unb  bafjer  bin  ia)  genug,  bag  (£r  mein 
geig,  meine  33urg,  mein  ©ä)ilb  unb  mein  ©a)u$  ift.  —  2ßir 
wiffen  swar  auö  ber  ©a)rift,  ba§  ein  ©ott,  ein  23ater,  ein  £err 
#immel$  unb  ber  (£rbe,  bag  G£r  a#mcia)tig,  gütig  unb  barm* 
Det#3  #>  kaß  ein  Mittler  ^wifttjen  ©Ott  unb  ben  $cenfd)en, 
ein  3efu£  unb  ein  ©eligmadjer  ift;  allein  ba$  wiffen  aua)  bie 
©ottlofen,  ja  felbjl  bie  geufel.  2öa£  fe^It  atfo  noä),  bag  uns 
fctefe  l?errtia)en  tarnen  ^u  gut  fommen  ?  Der  33ua)ftabe  Sjft,  im 
©lauben  jun$ugefe£t.  3d;  mug  von  $ex%m  fagen:  „©Ott  ift 
mein  ©Ott,  mein  allmächtiger  SSater;  3efu3  tfi 
mein  3efu£  unb  ©eligmaajer,  mein  Mittler  unb 
gürfpred)er."  33ie  gan^e  Ijeiftge  ©a)rift  bringt  'barauf,  baj? 
fta)  bie  ©eele  ©Ott  unb  beffen  ganje  %kht  unb  ©üte  in  @jjrifto 
gueignen  foll.  2Ber  ba$  &on  ^er^en  tfmn  fann,  ber  $at  e3  tt>ett 
$ebraa)t  unb  £at  ben  £immel  auf  ber  Grrbe.  Qafyin  muß  e$ 
mit  bem  ©laubigen  fommen,  bag  er  ttoll  Vertrauen  unb  fimV 
iia)er  3uoerfta)t  31t  ©ott  fagen  fann;  mein  ©ott,  mein 
S3ater  unb  bie  Antwort  barauf  im  ©eifteljören;  m  ein  ©oljn, 
mein  iTinb!  £5  ©ott,  »erleide  unS  bie  ©nabe,  baff  wir  in 
fola)er  $inbe$einfalt  mit  Dir  reben  fönnen!  £>  wie  wof>l  t£ut 
eS  bem  £er$cn,  wenn  e£  im  ©tauben  fagt:  mein  $ater,  mein 
Srofi,  mein  geig,  meine  Shtrg,  mein  Erretter!  X)iep  ift  be$ 
©tauben^  $httterfpraa)e,  Ue  man  im£immel  xw^Utxfifyt  — 
%n  einer  anbern  ©teile  fagtDaotb:  „  D  u  bift  mein  £  elf  er, 
unb  unter  bem  ©Ratten  ©einer  glügel  ru£e  ia), 
meine  ©eele  Ränget  Dir  an,  Deine  9tea)te  erhält 
mia)."  Die  ©eele  fyat  if)re  3ufüua)t  unter  ben  ©nabenflügeln 
3efu  (grifft,  unb  wirb  unter  feinem  Äreuj  nid;t  allein  oon 
^te^e  bura)brungen,  fonbern  aua)  fo  erfreut,  t>a$  fie  bem  £eu* 
fei  trogen  unb  fröltftä)  rüfjmen  fann :  £err  3efu 

Unter  ©einem  ©Firmen  23m  ify  fcor  ben  ©türmen  Sitter 
geinbe  frei;  %a$t  ben  ©atan  wittern,  Saft  ben  geinb  erbittern, 
mx  fte$t  3efuö  bei.  Ob  e$  akicfc  jefct  fracfjt  unb  bft^t.  Ob  g,let# 
©unb'  unb  £ötP  mt#  f^reden ,  3efu$  wirb  mi#  betf  en ! 

X>it  ©eele  £ängt  3efum  an,  unb  wirb  jta)  nia)t  oon  3pm 
losreißen  laffen,  ee  ge^e  aua),  wie  e$  wolle.  3^ar  würben 


385 


wir  bem  &atan  batb  unterließen;  atfem  ©otteS  $raft  unb 
©etft,  feine  ©üte  unb  ©nabe,  bie  un6  bisher  fo  treufid;  et* 
galten  l)at,  wirb  un£  aud;  ferner  nid;t  tterlaffen*  —  (ümblia;  faßt 
Slffapf):  „2)a3  ift  meine  greube,  ba$  id)  mid)  ^u  (Sott 
palte  unb  meine  3u$erfid;t  fe£e  auf  ben  Gerrit, 
£  e  r  r  iu"  —  £)emnad;  roil(  ber  ©laube  feinem  ©ott  unb  (Möfer 
3efu  @I)rifto  fo  naj)c  fet;n,  baß  gleid;fam  ein  £eq  bag  anbere 
berührt*  «DJag  fta;  *>te  äöeft  auf  tpre  $tad;t  unb  SÖei^pett,  auf 
tpven  9^eia;tJ)um  unb  £of)eit  tterlaffen,  ber  wal)re  (££rift  $er* 
traut  feinem  ©ort,  fein  £er$  Jjattgt  3pm  an,  unb  grünbet  fta) 
auf  beffen  ©nabe  unb  ©üte,  unb  bieg  tjt  feine  greube,  fein 
£roft,  fein  fwa)fte$  ©ut  (£v  ift  reia)  genug,  wenn  er  ©otteS 
©nabe  beft^t  unb  verlangt  weiter  nid)t^  mej)r*  —  Sefaia^  fagt 
in  biefer  ^Be^ie^ung :  3 a)  freue  mid;  in  meinem  £errn 
unb  meine  6 eefe  ift  fro£Iidj  in  meinem  ©Ott;  benn 
&x  fyat  mid)  angezogen  mit  bem  bleibe  be3  $tiH 
unb  mit  bem  ^oef  ber  ©erea)tigfeit/'  2)er  fronet 
weiß  jwar,  bag  er  ben  £eilanb  ber  2Beft  im  gfetfa;  nifyt  Jejjen 
werbe ;  aber  er  ift  tterftd)ert,  baß  er  an  beffen  Segnungen  ben? 
noä)  $$$  pabe  unb  *>on  feiner  ©emeinfd;aft  nia)t  au£gefd;lojfen 
fet^— -£)arau3  (erneu  wir  abermals  bie  33efa)affenf> ät  be6  ©lau* 
benennen,  wefa;erfta;  ba^p  eigen  mad;t,  xoa$  Elften  gegeben 
i\tf  ber  tk  allgemeinen  SSerpeiffungen  ©otte£  fo  annimmt,  <xW 
ob  fie  tyn  adein  angejmt,  ber  nia)t  allein  von  ben  2Öo£lt£aten 
£fmfti  3U  reben  roeifj,  fonbern  fta)  berfelben  aua)  tröftet  unb  fta) 
barüber  perfid;  freut*  £utj>er  Bezeugt:  „28er  an  £J?riftum  glaubt, 
ber  pdngt  an  %$m,  ift  &in$  mit  3pm  unb  j?at  aua;  nur  eine 
©erea)tigfeit  bura)  %$n*  2)er  wa{>re  ©taube  ift  fein  bloßer 
leerer  ©ebanfe  son  @£rifto,  (baß  er  »on  ber  3ungfrau  Ataxia 
geboren  fe#,  gelitten  f>abe  icO,  fonbern  ein  fofa)e£  ''$&%  roeld;eö 
ozn  ®o£n  ©otte£  in  fta;  fä)lte|iik"  —  9coa)  beutfia)er  fprea)en 
barüber  mehrere  ©tetten  be3  neuen  £eftament$,£*  53+3o^anne^, 
„Sßßie  Vitien  ßefum)  aufgenommen  j)abeu,  benen 
gab(£r9ttad)t,  ©otte^^inber  £U  werbend  25er  ©ojm 
©otte3  tfi  eine  ©abe  be$  £öa)ften,  we(a)e  (£r  ber  28ett  gu 
t{>rer  (£rlofung  unb  ©eligfeit  gegeben  pat ;  ber  ©laube  aber  ift 
bie  £anb,  mit  weld;er  wir  biefe  ©abe  ergreifen*  diejenigen 


386 


mm,  mtfye  ben  @opn  beg  £>oa)jlen  annehmen,  erhalten  ?on 
3J>m  bte  $raft,  ©otteS  $inber  31t  werben,  fte  empfangen  tton 
3j)m  btc  gütte  ber  ©nabe,  bte  SSerfojmung  mit  ©ott,  bte  #err* 
tia;feit  unb  |JoI)e  Sürbe  ber  ^inber  @otte3+  ®iäd)iautm$>  ift 
bte  ©teile:  „2Sie  3pr  ben  £errn  3efum  Qtjjriftum  an* 
genommen  l^aH,  alfo  wanbelt  in  3f>m,  unb  fe^b 
gewurzelt  unb  erbauetin3!Jmunbfei;b  feftim©fau* 
ben/'  £)er  5tpofieI  J>atte  ^war  fagen  tonnen:  \vk  tpr  bie  £e£re 
be3  £errn  $on  euren  Sejjrern  angenommen  fyabt,  fo  füjjrt  and) 
nad;  berfelben  einen  Zeitigen  Sßanbel;  allein  er  fagt  abfta)ttitt) : 
t^r  fyabt  hm  |)errn  3efum  angenommen,  roeil  beseitige,  x$zh 
d;er  ba3  ßroangetium  l)öxt  unb  ^u  £er$en  nimmt,  eben  bamit 
auä)  (Sjjrifhtm  aufnimmt,  welker  einem  3eben  im  2öorte  ange* 
^oten  wirb*  %n  einer  anbern  ©teile  gekauft  $autu3  b<x$ 
@kid)i\i$  x>on  einem  bleibe:  „2öie  tttet  euer  getauft 
ftnb,  hit  Jjaben  £j)riftum  angezogen/'  unb  will  fa* 
$$ptöit  il)x  in  ber  ^eiligen  £aufe  mit  Gt^rijto  fetbft  unb  feiner 
©£rea)tigfeit  angetlwn  werben  fes>b,  fo  knarret  aua)  im  ©lau* 
ben,  unb  laffet  eua)  biefe£  fmnmtifdje  (£l)rentleib  nia)t  wieber 
rauben*  —  SDaljin  geboren  aua)  bie  2öorte,  $>a$  wir  in  GH)rifto 
wurzeln  unb  üt'3£ttt  erbauet  fetm  f  ollen,  bamit  wir  feft  ftefmt 
im  ©tauben  unb  un$  bura)  ma)t$  son  3JJm  abwenbig  mad;en 
taffett*  2)er  ©taubige  vertagt  ftä)  einzig  unb  allem  aufba^ 
tpeure  SSerbienft  feinet  ^eitanbe^,  fe§t  auf  3{?n  feine  gan^e 
3m>erf(d)t,  traut  unb  baut  auf  3£n,  wie  ftä;  ein  ß'tnb  gan$ 
feiner  Butter  Eingibt ,  ober  \vk  bie  3tebe  an  bem  äßeinftoef 
f>ängt,  bag  fein  (Sturm  fte  baoott  losreiße«  fann*  dx  tegt, 
\vk  bte  ©ünbertn,  fein  «&aupt  gteid;fam  $u  ben  pfjen  be3 
©etreu^igten,  ober  wte '3oj>anne$,  an  beffen  IBrup ;  er  tegt 
mit  Stomas"  feine  ginger  in  bie  üftägelmate,  unb  feine  £anb 
in  bie  <&titt  unb  fprtd)t  soll  greubigteit:  5D?eiu  £err  unb 
mein  ©Ott!  @r  fd)ltef;t  3efum  in  fein  £er$  unb  fro^lecft 
über  biefen  teuren  ©d)a§  mit  Sftaria :  „Steine  ©eele  er* 
£ebet  ben  £errn,  unb  mein  ©eift  freuet  fia)  ©ot* 
te3,  meines  £eitanbes!  —  IKoä;  ftnb  einige  ©teilen 
übrig,  wetd)e  W  Sorte:  ,,ia)  bin  fein  /'  näjjer  erftären* 
Sasib  fagtnemtid;:  „3a;  bin  £) ein,  Julfmir;"  benn  id; 


387 


Bin  fa  md;t  Bios  £>em  ©cfd;6>f,  fonbern  aua;  Dein  ®inb  unb 
(^igcntlntm,  Du  Baft  miä)  angenommen,  fo  wirft  unb  fannft 
©u  mia)  and;  nidjt  £ülf(o3  lajfen.  Stefwürbtg  tjt  and;  ber 
2lu3fprud;  bött  Sefataö:  „tiefer  wirb  fagen:  td;  Bin 
be3  Gerrit,  nnb  Jener  wirb  fia)  mit  feiner  £anb 
bem  #evrn  ycrfdjreiBeu;"  b*  u  wenn  bte  ©lauBtgen  im 
9L  £eftamcnt  an^  3uben  nnb  Reiben  $>a$  (§el)eimmg  ber  2öei£* 
Jmtunb  ©üte <5)otte^  —  bie  (Erlöfung,  ivela;e  bura)  @J)riftt 
25lut  gefa)ej?en  tft,  x>erftej>en  lernen,  fo  werben  fte  fta)  ij)rem 
(h'lcfer  freiwillig  jnugeBen,  nnb  ftd;  münbtia)  nnb  fd)riftlia) 
verBmben,  bemfelfccn  in  £eitigfeit  nnb  ©ered;itgfeit  ^u  bienen 
tpr  Menlang*  darauf  bentet  aua)  $aulu$  wit  ben  ^Sorten: 
„3pr  fet)b  nia)t  ener  felBft,  ifx  feipb  treuer  er* 
lauft;"  ober  „ber  ©o^n  @ottc$  l)<xt  mia)  geliebt 
nnb  <&iä)  felBft  für  mia)  ba^in  gegeben*  3efu^  ijt 
in  bit  2öelt  gefommen  t>ic  ©ünber  feiig  gu  ma* 
a)en,  unter  welchen  ia)  ber  ttomefjmfte  hin  ii\lt  tiefer 
Slpoftel  erquidte  ftd;  überbau}) t  mit  greuben  an^  bem  großen 
©trom  ber  £teBe  ©otteS,  nnb  Be^og  2Itlet>  wa$  QtjmftuS  getfjan 
nnb  gelitten  fyat,  auf  ftd;*  2lud;  ^3etru^  Beengt:  „2$iffet,  baj? 
tpr  nid;t  mit  üergänglid;em  ©itBer  ober  ©olb  crlo* 
fet  fe^b  » on  eurem  293 anb e t, f onbernmi t bem  X^tutxn 
S3Xut  3 efu  djmfti,  al$  eine6  unfa;utbigen  unb  un* 
Beflecften  ?amme^  Demuad;  ijt  ber  fur$e  3 w) alt  ber 
et» angctifa)eu  £ef>re :  3efn^  ift  mein  unb  ia)  Bin  fein! 
liefen  feilen  wir  ftets  im  £er$en  JmBen  unb  and;  im  $htnbe 
führen,  gleid)wie  bte  $ird)e  ©otteS  benfelBen  ftet3  aU  Denf* 
fprud)  Betrachtete,  unb  auf  mancherlei  Söeife  auöfpraa)*  (Ei- 
nige rühmen:  deinen  3efum  lag  ia;nia;t!  Rubere;  D 
3efu,  ia;  in  Dir  unb  2)u  in  mir!  ober:  3efu3  ift  mein 
unb5llle^ 

3d;  trau  auf  T>ity  ,  mein  ©Ott  unb  $m,  &ab  ta;  nurSt'a;, 
wag  mitt  ia;  mcf)r?  3a;  $«&'  ja  £)ta),  £err  3efu  <£$rtii,  £)er 
25u  mein  <25ott  unb  f>eifanb  Hfl. 

(Subita;:  £err  3efu,  Dir  leB'  id),  Dir  leib1  id), 
Dir  ftcrB'  ia;,  Dein  Bin  id)  tf>^tunt>  leBenbig;  maä) 
mid)  nur  ewig  feiig!  5lmem 

25* 


388 


£enr,  mein  £tvt,  OueU  aller  greuben,  3$  bin  ©ein,  £>u 
bifi  mein ,  ffltemanb  fann  un$  Reiben.  3$  bin  Sein,  weil  £)u 
©ein  Seben      Unb  Sein  331ut     SWir  ju  gut     3n  ben  £ob  gegeben. 

©u  bifl  mein,  mit  ity  2Mä)  faffe,  Unb  £)ta)  mcfjf,  ©  mein 
8u$tl  2tu$  bem  fw^en  raffe;  Saf  mt#,  laf  mia;  hingelangen, 
Sa  £m  mt#       Unb  tä)  25t#       (£ttug  tterb1  umfangen  l 

2ltttt>ent>ittt& 

I.  SXu^  bem  IBtöpertgen  folg*  füY$  erjte  eine $ufm  un? 
terung  jum  ©lauten  unb  $ur  Hebung  beffelfcen* 
SQßir  paben  oben  gezeigt,  weld;e3  ba^  3tel  be£  wahren  ©lau? 
fcenS  fei)  —  bie  ©nabe  @otte£  in  dprtpo  au  ergreifen,  auS 
Steffen  gülle  ©nabe  um  ©nabe  ^u  nehmen,  unb  bur$  3Jju 
gerecht  unb  feiig  ^u  werben,  £)iefe$  ift  woj>l  wichtig  genug, 
bap  man  e£  red)t  »erfieljen  lerne  unb  allen  gleiß  barauf  »er? 
wenbe*  £)enn  wa$  anber^  ift  ber  ^enfct;  auffer  ber  ©emein? 
fc^aft  £f)rifti,  als  ein  ^inb  be$  3orn3?  Buffer  (££rifto  ijt  feine 
©nabe  unb  feine  Seligfcit  hei  ©Ott  ^u  erlangem  3fm  J>at  un3 
©Ott  »orgeftellt  ^u  einem  ©nabenftu^l  burd;  ben  ©lauben  in 
feinem  231ut;  3Jm  Jjai  (£r  ber  äßelt  ge^eoen,  bannt  51%  bie  an 
3J>n  glauben,  nid)t  verloren  werben,  fonbern  ba$  ewige  £eben 
paoetu  (£r  ift  ber  einzige  Mittler  ^wifcfjen  ©Ott  unb  i>m  $?en? 
fä)en*  3^m  i^at  ber  SBater  2ltte3  übergeben,  felbft  bie  @d;lüffef 
ber  £ölle  unb  be£  £obe£,  2öer  auffer  3efu  ©nabe  fud;t,  ber 
»erlägt  bie  lebenbige  Duelle,  unb  mad;t  ft$  Brunnen,  bie  fein 
2ßaffer  geben,  ©leidjwie  e3  nun  feinen  anbern  Mittler  unb 
(Möfer  gibt,  fo  gibt  e£  auef)  fein  anbere^  Mittel  $u  3efu  unb 
feiner  ©emeinfe^aft  gu  gelangen,  aU  ben  wapren ©lauben,  burd; 
welken  wir  3jm  ergreifen  unb  feftjjaltem  £)er  ©laube  ijt 
gfeidjfam  bie  £anb  ber  (Seele,  womit  fte  bie  (BaU  be$  barm? 
peinigen  23ater$  ergreift;  t£r  Wunü,  burdfwcld;en  fte  ba$ 
S3rob  beS  £eben£  ifyl,  unb  au$  ber  Duelle  ber  ewigen  fr'ebe 
irinft  2)er  ©fauoe  ift  ba$  Mm  ber  Seele  unb  tpre  pd;fte 
Äraft,  woburdj  fte  6ünbe,  £ob  unb  £ölle  oeftegt;  aber  auefj 
ipr  tpeuerfter  @dnnucf,  in  welkem  fte  »or  ©Ott  Witt,  unb  tpr 
poc^fter  <&§*$,  ben  fte  mit  au$  ber  SQScft  nimmt  —  Softer 
fommt  e$  wo£l,  baf?  man  ftd)  bemopngeac^tet  fo  äufferft  wenig 
um  bt'efeä  ßleinob  Geflimmert?  3$  rebe  nid;t  von  Zma, 


389 


roeldje  aujfer  ber  ©emeinfdjaft  ber  cvangcftfdjen  $irä;e  leben, 
bie  £e£re  vom  ©laufen  verfepren  unb  täjtern,  weit  fte  nid) t 
wiffen,  aua;  nu$i  wiffen  motten,  m$  ber  ©taube  ift,  fonbern 
ftd;  etttgtg  unb  altem  auf  t^re  guten  28erfe  serfaffen*  SMefe 
Ccutc  gteid;en  jenem  wabnjumigen  Bettler,  welker  eine  beenge 
JJfenätge  gefammett  $att$y  unb  fta)  beßj?afb  nidjt  bfoS  für 
überreid)  Jjtett,  fonbern  aud)  in  bie  SReftbenj  eines  großen  $ö* 
nig$  ging  inxt)  ij?n  fragte,  ob  tljm  fein  3^etc^  md)t  feitfep? 
$?an  pattc  $?itfeibenmit  beut  armen  9)?enfa)en  unb  übergab  #n 
ben  Sterben,  M$  er  eubtia)  feine  ££orpeit  ernannte  unb  von  fei* 
ucm£emuücf)t3  at$  ©nabe  begehrte*  (Ebenfofam  enbtia;  (Einer 
von  ben£attptgegnem  be3  ©tauben*!  an  (Sjjriftum,  naa)bem  er 
tange  von  bem  23erbienfl  ber  2Serf  e  gefproa)en  unb  für  bajfetbe 
geftrttten  fyatte,  barauf,  t>a$  er  fagte:  ba£  fep  bod)  ba3 
ffc^erfte  unb  befte  bittet,  baf  man  fein  gan$e$  Vertrauen  auf 
©otte3  ©nabe  unb  ba$  23erbienft  gpifä  fege.  3n  feinem  £efta* 
ment  bemerfte  er  au^brüdtia; :  „3$  Mite  ©Ott,  baß  (Er  mid;  un* 
ter  feine  2tu£  erwarten  redme,  unb  ntd;t  nad;  meinem SBerbtenft, 
fonbern  naa)  ©einer  ©nabe  mit  mir  Jjanbettt  trotte/'  28ir  be* 
fummern  utt$  3unad)ft  um  bie  (Erangelifd^©efmnten,  unter 
benen  e6  teiber  imk  gibt,  weta)e,  ob  fte  gteid;  in  bem  wahren 
(BlanUn  unterrichtet ,  unb  $ax  Hebung  barin  angehalten  wor* 
ben  finb,  boa)  benfetben  für  eine  geringe  <&&§£  Ratten,  bie  fte 
fa)on  taugft  f  ernten,  unb  baper  feine  befonbere  TOpe  barauf 
3u  serwenben  brauchen*  —  (Ein  3^ber  fua)t  in  ber  SBett  ein 
(Eigentfwm  ^u  jjaben,  j[e  me£r,  je  beffer,  unb  ba$  kennen  unb 
kaufen  naa)  täüifycn  ©ütern  nimmt  fein  (Enbe*  SQStr  fua)en 
ba6  ©etb  $u  Söaffer  unb  gu  £anb,  auf  unb  unter  ber  (Erbe,  mit 
gutem  ober  bofem  ©ewiffen,  unb  wenn  wir  einen  orbenttta)en 
£f?eit  ba^on  bejtgen,  fo  meinen  wir,  etivaö  ©roßeS  ertangt 
3u  £aben*  (£$  ift  ein  ewigem  (Streiten  um  ba$  Sfletn  unb 
©ein,  unb  ^k  9Jcenfa)en  finb  fo  serbfenbet,  ba$  fte  mit  tiefer 
!DcüJ>e  fua)en,  wa£  fte  bod)  nia)t  begatten,  unb  m$  iljmen  in 
ber  größten  9cotf)  nia)t  bie  geringfte  £ülfe  tterfdjaffen  fann.  2)ie 
(Eijriften  unferer  £age  gteid)en  fteinen  ß'inbern,  weta)e  fta)  au$ 
©a)erben  ©etb  maa)en,  aus  Steinen  @a)ä$e  fammetn,  au$ 
Spänen  Käufer  bauen,  unb  e$  fta)  bei  fola)er  ££or£eit  fepr 


390 


ferner  werben  laffen.  W&äfyxliti),  was  nid)t  mit  gutem  ©ewiffen 

gefammelt,  mit  fro£lia)em  ^eqen  befeffen,  gu  <55otte^  (££re 

unb  betf  ;ftä$fta  £)ienjt  etngefammelt  wirb;  ba$  tft  nicf)t  ein* 

mal  fo  gut  als  ber  $inber  ©piel  2)tefe$  fdjabet  nid)t;  aber 

fene^  bient  bem  6atan  gu  golbenen  geffeln,  womit  er  bie  <8ce* 

Jen  bejtricft  imb  in'S  Skrberben  ptft  —  23on  ber  a(l$ugrogen 

£od;fa;äöung  seitlicher  Singe  rüfjrt  bie  groge  ©leidjgültigfeti 

gegen  jnmmlifttje  £)inge  l)tx.  £)bgleicf)  ©Ott  unS  feinen  @o£m 

gegeben  fjat,  $on  bem  alle  33ror>!?eten  unb  Slpoftet  ^eugen,  ob* 

gfeid;  fa)on  3o£amte$  ber  Käufer  auf  3efum  mit  ben  SBorten 

^mbeutete:  „©ie^e,  ba$  ift  ©otteS  £amm,  weld;eS 

ber  2öelt@ünbe  trägt;  obgleich  ber  2111er  f>  öd;  fte  ben  ©lau* 

ben  3ebermann  *>ori)äft,  unb  Sitten  au$  unbegreiflicher  ©nabe 

feinen  Fimmel  anbukt ,  fo  gibt  es  bod;  wenige,  bie  barauf 

achtem  £)er  Mammon  j)at  in  ben  klugen  ber  2öelt  me^r  2Sert£, 

aU  bie  ©emeinfdjaft  beS  (MöferS;  man  pört  ^war  tton  3pm, 

aber  man  ift  ber  @aa)e  bqlb  überbrüfftg  unb  benft  fo  feiten 

barüber  nad>  &a  ift  lein  (Eifer,  fein  Verlangen,  fein  gleig;  — 

wenn  man  von  ber  ßritelfeit  rebet,  fo  lebt  SitteS  auf,  fpridvt 

man  aber  *>on  ber  ©emeinfa)aft  mit  (£fmfto,  fo  ift  Sitten  fd;läf* 

rig  unb  xoit  tobt  —  Dfjne  Bweifel  ift  eS  eine  ber  grög  eften 

©ünben  unferer  %tit,  bag  man  fta)  um  Uc  £epre  (grifft  fajt 

gar  nic^t  befümmert,  obgleia)  ©Ott  fte  fo  reid;!ia)  »erfünbigen 

lägt  2)te  2D?enfd)en  fmben  etwas  gan$  anbereS  ^u  tjmn,  fte 

muffen  ©elb  fammeln,  fia)  nad;  ber  Sttobe  fleiben,  fpielen, 

tanken  :c*  SSenn  io)  bieg  rea)t  bebenfe,  fo  entbrennt  mein  £er$ 

in  mir,  imb  icfj  weig  nid)t,  was  ia)  biefer  unbanfbaren  äßett 

im  (Eifer  anwünfd)en  foll,  weil  fte  Sefum,  ben  l)öa)ftm  ©a)a§ 

ber  armen  ©eele,  fo  gering  fa)äöt  3$  wunbere  mid)  nid)t, 

bag  SafobuS  m'o  3of>anneS  einft  wünfd)ten,  bag  geuer  *>om 

Fimmel  falle  über  bie  (Samariter,  welche  3efum  nityt  beper* 

bergen  wollten*  2lber  barüber  wunbere  ia)  mid),  bag  ©Ott  fo 

lange  ^ufeljen  unb  folgen  ©Göttern  feine  ©nabe  noa)  anUüm 

fanm   2)oä),  <Ex  ift  ©ott  unb  fein  2!flenftt>  —  Unb  wenn  ia) 

bie  @ad;e  *>on  biefer  ©ette  betraute,  fo  serwaubelt  fta)  mein 

Unwille  in  greube,  unb  ta)  banfe  3j?m  für  feine  groge  Sang* 

mut£,  naa)  welker  (£r  nia)t  mübe  wirb,  ber  unbanfbaren  SSelt 


391 


feine  ©nabe  in  Qtprijto  cmfcteten  31t  laffen*  Waty  unb  nad;  wer* 
ben  boct)  SStete  gewonnen  unb  ^ingcfüjjrt  $u  bem  $ixtcn  unb 
23ifa)of  ij^rcr  «Seele*  2)emt  bicfe  üttcnfdjen  gleid;en  ben  $tn* 
bern,  welche  enblia;  tjjreä  &$kU  überbrüfftg  werben,  unb 
wenn  fte  fumgrig  nnb  burfh'g  ftnb,  in  ber  Wluttzx  ©a;oog  ^u* 
Tüdizfyxm*.  SStelen  ging  e£  fä)on  wie  bem  ©alomo,  welker 
Meö  vcrfud)te  wa£  tiefe  2ße(t  enthält,  ber  aoer  bocr)  sutegt 
befannte:  „(£'$  ift  2llle£*eUel,  nid)t£  at3  9M£eunb 
Stielt/' 

3d;  (ernte  33tele  fennen,  unb  Jjörte  and)  von  Steten,  welche 
ber  SGSelt  überbrüfjtg  würben,  tin  gleid;e3  23efenntnig  ablegten, 
wte  (Salomo,  mit  feuf fertigem  £eqen  ftdj  3U  ©Ott  wenbeten 
unb  fagien :  „©iepe,  wir  fommen  31t  £)ir,  beim  £>u  oift  ber 
£err,  nnfer  ©Ott!  Sajn'lid),  e£  ift  eitel  betrug  mit 
ben  £ügeln  unb  mit  allen  Jöergcn  (mit  aller  £>o{)eit 
unb  £errlid;feitW  Seit)!  Sal;rlicl),  3frael  l;ai  feine 
#ülfe,  benn  in  bem  £errn,  unferem  ©Ott!" 

2Beg  mit  allen  @tt)ä£en,  2)u  ibiji  mein  (£rgö£en  S^fu,  meine 
8uft !  Sea,  if>r  eiteln  <£f;ren,  3$  mag  euä)  ntcfyt  $ören,  ©leibt 
mir  unbenmft;  (Sfenb,  9?oil;,  treuj,  ©$ma$  unb  £00,  ©oll 
mi$ ,  ob  ia)  ijiel  muf  leiben,     9?tcf>t  »on  3efn  ftt)etben. 

SQSopIan  benn,  meine  lieoen  driften,  laffet  im$  Gtjjri* 
(tum,  ben.  ©efreu^igten,  f>öf)er  afytm  aU  alle  <Sd)ä#e  ber 
Seit  unb  nid)t  rujjen,  ejje  wir  von  ganzem  £er^en  fagen  fön* 
nen:  3efu$  ift  mein  unb  ia;  bin  fein!  Sir  bürfen  nid;l 
aufrieben  fep,  wenn  wir  M06  von  3jjm  Ijöreu  unb  ^u  fagen 
wiffem  dx  geprt  in  unfer  £er£,  bieg  ift  ber  £>rt,  barüt  man 
biefen  <Sfyat*>  bewahrt  £>em  ©ewigen  ift  eS  nid)t  genng, 
wenn  man  tf)tn  von  bem  ©elbe  fagt,  ober  e£  il)m  ^eigt;  fon* 
bern  er  will  e£  in  feinem  haften  f>abem  Sie  formte  alfo  nnfere 
6eele  aufrieben  fepn,  fo  lange  fte  nia)t  au$  ber  $raft  in  iljrem 
Snnern  fdjließen  fann,  ba$  3efu^  t)axin  wopnt  3)er  £nng* 
rige  lägt  ftd)  mit  Sorten  nid)t  abseifen,  aucl;  ftillt  e3  feinen 
junger  nia;t,  wenn  man  i^n  t>k  6peifen  blo3  fe^en  lägt;  er 
mug  fte  genießen,  bann  ift  er  aufrieben*  ©0  verhält  e£  fta)  mit 
ber  glaubigen  ©eele;  fte  &ört  jwar  gern  von  3efu,  akr  fte  j?at 
nia)t  genug  baran,  fonbern  3efu$,  fein  Sort,  feine  ©nabe 


392 


unb  fein  <$eijt  mug  in  tprem  £eqen  fei;n,  tag  fte  fagen  famt  : 
t$  palte  3pn  unb  will  3pn  nid> t  raffen*  Sarnaa) 
fafüt'unä  trauten;  —  an  biefer  tuujt  aBer  paBen  wir  gettle* 
Ben3  ju  lernen,  £)ie  größten  ^eiligen  P&Ben  fo  lange  bamit  31t 
ipun  gehabt  unb  üBer  ipre  @($wa$£ett  gefragt  Sutper  faßt 
»on  ?5auht«:  „3d;  palte  bafür,  fa$  biefer  2tyoftel  fetBft  e$ 
nid)t  fo  ftarf  pat.  glauben  formen,  wie  er  ba$on  rebet  3$ 
waprlid;  fann  e3  letber  noct)  nict)t  fo  ftarf  glauben,  aU  id)  ba* 
$on  reben  unb  fc^reiBen  fann,  ober  wie  anbere  £eute  etwa  $on 
mir  benfen/'  $aülu£  felBjVaBer  Bezeugt  sonfui):  „^cidjt  bag 
t(t)  e£  fd;on  ergriffen  paBe,  ober  fdjon  $oUfom= 
men  fei;;  id)  jage  ipm  aBer  nad),  oB  id;  e£  auct) 
ergreifen  möchte,  nadjbem  id)  »on  3efu  Gtt)rifto 
ergriffen  Bin/'  —  @ä  ift  nid)i  feit)  wer  bem  28ort  31t  gtau* 
Ben:  £fmftu3  fep  ein  £>eitanb  aHer  9ttenfet)en;  aBer 
wenn  man  ftct)  baffelBe  BefonberS  aneignen  foft,  bann  erft  gcpt 
ber  $ampf  an,  2)arüBer  erflart  ftct)  2utt)er  alfo:  „2)a$  t)aft  bu 
gar  leict)t  unb  Balb  tn'ä  #er$  gebracht,  bafi  bu  e$  Bejapjl,  baff 
@t)nfhj$,  ©otte$  ©ot)n,  für-bte  ©imben  $etri,  $auli  unb 
anberer  ^eiligen,  ok  folct)er  ©nabe  würbig  gewefen  fmt>,  ba* 
$in  gegeBen  worben  fep;  bagegen  ift  e£  fepr  fd;wer  für  bid), 
aU  einen  armen,  unwürbtgen,  serbammten  @ünber,  von  $tx* 
gen  Sit  gtauBen,  (£t)riftu£  fe#  aucp  für  beine  grofie  unb  fa)were 
©ünben  bapin  gegeBen.  Sßenn  ber  teufet)  fagen  fotf;  £i)riftu3 
fei;  für  bie  ©ünben  ber  ganzen  $£dt  geftorBen,  fo  get)t  er  »oft 
Staunen  $\xxM,  berin  er  fann  c£  nid;t  f äff en ,  baf?  folct)er 
<5d)at$  auct)  it)m  au$  lauter  @nabe,  opne  eigene^  $erbienft, 
burd;  3^fum  gef^enft  worben  feiy  —  ©0  lange  baS  ^>er^ 
ba$  ©ewict)t  fetner  ©ünben  nod)  nict)t  gefügt  $at,  unb  fo 
lange  e3  üBer  btefelBen  ntc^t  waprpafi  BetrüBt  worben  ift,  fällt 
c$  ipm  wot)l  nict)t  gar  fd;wer,  ftct)  dBrtftum  zueignen  unb 
mitocn  ©fauBigen  3U  fpred)en:  Sefuö  ift  mein,  (£r  pat 
mid)  gelieBt  uni>  <&id)  felBft  für  mid)  gegeBen.  5lBer, 
wenn  t>k  ^ürtit  ft^  regt,  unb  ftcp  ©ewiffen^angft  ^eigt,  wenn 
ber  @atan  gefd)äftig  ift  un^  von  (^prifto  $u  reiben,  wenn  gin^ 
flernip  un3  Bebeclt  unb  wir  feinen  2iu3gang  mepr  ioor  unö  fepen, 
wenn  ba£  ^)er^  BeBt  unb  m\$  3ltfe$  ^erlägt  —  bann  erjt  erfährt 


393 


man,  baß  c3  eine  Shmfi  fei),  Sefum  Gprifhtm  im  ©tauten  $u 
ergreifen,  welche  man  nivgenbS  auber$  lernt,  alä  in  ber  @d)ule 
be£  peiligen  ©elftem  bnra)  @otte3  ©nabe.  —  £)er  ©atan  iffc 
ein  £>auptfeinb  beö  ©laubcnS,  weil  er  weiß,  baß  ber  $cenfd) 
überwunben  pat,  fobalb  er  ba^u  gelangt  2)arum  gebrauept  er 
allerlei  Mittel,  bm  ©lauben  entWeber  $u  ptnbern  ober  $u  »er* 
tilgen,  nnb  wenn  ipm  bag  niept  gelingt,  fo  Bringt  er  eS  bod; 
nia)i  feiten  bapin,  ba$  ber  2Dknfcp  feinet  ©laubewS  ntcr)t  recl>t 
frep  wirb.  (£ben  barnm  wirb  aua)  ber  ©laube  ein  $ampf  ge* 
nannt:  „Du  ©ottegmenfü),  fagt  ber  2lpoftel  $u  feinem  ZU 
motpeutf,  fämpfe  ben  guten  $ampf  beä  ©laubenö, 
ergreife  ba$  ewige  £eben2c."  %n  einer  anbern  «Stelle 
fyria)t  er  auep  »on  ber  Arbeit  be£  ©lauben^,  weil  biefer  in 
fteter  Hebung  begriffen  fespn,  in  ©ebulb  fein  ^reu^  tragen  unb 
mit  ben  g'cinben  immer  im  «Streit  leben  muß.  —  Unfer  £>er$ 
felbft  maept  e3  bem  ©lauben  fd)wer,  e3  fcpd^t  bie  irbifepen 
Singe  fepr  poa),  unb  wtK  gerne  etwag  £ope3  unb  95rdcptige3 
fyabm,  baran  e$  jtü)  palten  möd)te*  2Son  bem  armfeligen,  ge* 
freilegten  3efu  aber  peißt  e$:  „üxfyat  leine  ©cftalt  noä) 
©cpönpeit,  wir  fapenSpn,  boep  ba  war  niä)t$,  was? 
uu3  gefallen  pätte;  (£r  war  ber  2lller»eracptetjte 
unb  Unwertpefte,  »oll  ©cpmer^en  unb  ^ranfpeit, 
<£rwar  fo»eraa)tet,  t>a$  man  ba$  2lngefia)t  »or 
3pm  »erbarg,  barum  paben  wir  3pu  für  nia)t6  ge= 
a  d)  t  e  L"  —  Das  £>ei*3  will  ferner  aua)  (Jtwag  fetm  unb  su 
feinem  £eile  mitwirfen,  weil  es  aber  gan$  ^erfnitfept  werben 
unb  gleicpfam  an  ftd)  felbft  »erjagen  muß,  epe  e6  ber  ©nabe 
3efu  dprijti  unb  feinet  peiligen  23lute3  tpeilpafttg  werben  fann, 
fo  ftrciubt  e£  ftd;  unb  will  nia)t  püu  9?ebenbem  möcpte  e£  aua), 
wa$  e3  glauben  foll,  gerne  fepen,  begreifen,  betaften;  allein, 
bei  bem  £>erm  3efu,  ber  feine  $raft  unter  ber  ©cpwaeppett 
verbirgt,  muß  mau  wiber  fein  eigene^  Genien,  @epen  unb 
güplen  glauben*  Da3  £>eq  Witt  wopf  an  (£priftum,  ben  ©e* 
freilegten,  glauben,  e£  will  feine  ©ereeptigfeit;  aber  mit  fei* 
nem  $reu3  wäre  *$  Se™e  »erfa)ont;  e$  will  wopl  glauben, 
ieboa)  feinen  SSillen  niept  laffen,  ftep  felbfhucpt  »erläugnen, 
unb  fein  gleifa)  nia)t  freudigen  fammt  ben  lüften  unb  23egicrbetu 


394 


2)ieg  Me#  mac^t  bie  ®unjt  be3  ©lauften^  feljr  fa)wer,  unb 
ba|»er  fommt  e$,  baf  fo  Steife  fromme  ©eelen  üfter  ij?re<5a)waa> 
pett  Hagen,  unb  pierm  3eitteften3  nia)t  auslernen*  (£in  ange* 
ferner  ^rofeffor  fagte  auf  feinem  £obtenftette :  „9lun  erfahre 
id),  wa3  es  peige,  ben  ©lauften  prebtgcn,  »a^  id)  bisher  ge* 
tfian  j^aBe ;  unb  felftft  ©lauften  üften,  voa$  i$  fegt  tpun  foÜV'  — 
<5o  prüfe  fta)  nun  em  3eber  woljl,  »te  e£  um  feinen  ©lauten 
ftejrt*  (ürin  gewiffeö  3^^en  tton  einem  ©a)eingtauften  ift  ba£, 
wenn  man  fta)  um  feinen  ©lauften  ntd)t  siel  ftefümmert,  x>on 
feinem  3  weifet  etwag  Riffen,  unb  um  bie  SSerme^ntng  feinet 
©tauften^  nid)t  beten  Witt.  28er  ©otte3  $3ort  nta)t  jjoa)aa)tet, 
feine  tiefte  31t  gjmfio  füplt,  um  feine  (Efyxe  nia)t  eifert,  in 
trbifa)en  fingen  eifrig,  in  Jnmmtifa)en  fingen  bagegen  (au 
unb  trag  fepn  unb  üfter  bie  2lngefoa)tenen  läa)etn  fann,  ber  barf 
fta)  be6  wahren  ©tauften^  nid)t  rüjjmem  —  Püffen  wir  after 
nid)i  Sitte  gefielen,  $>a$  \m$  unter  folgen  Umftdnben  noa)  x>ie\ 
fel)te?  —  £)iejfted;tglauftigen  Jwften  meifien$  i)id  Kummer, 
unb  fmben  fo  ptel  ttnüottfommenj? eit  an  tyxem  ©lauften,  bag 
fte  fta)  wunbern,  n)ie  fte  ftei  fota)ev  ©d)wacftfteit  ftefief>en  fön- 
nem  ©ie  feuften  immer:  id)  glaufte,  #err,  £iff  meinem  Unglau* 
ften  !  3{>r  ©laufte  ift  tute  ba$  2utge,  wela)e3  atfe$  Rubere,  nur 
fta)  felftft  nid)t  fielet*  Q£$  ift  after  weit  fteffer,  mit  einem  fa)wa= 
d)en  ©tauften  an  £prifto  fangen,  aU  in  SSermeffenpeit  fta) 
felftft  au  fteirügetu  2)emt  alfo  fprid)t  ber  2t(lerpa)fte:  „3$ 
woljneftei  benen,  bie  5 erf a)tagenen  unb  bemütjM* 
gen  ©eifte£  ftnb,  auf  bafna)  erquide  ben  ©eift  ber 
©ebemütpigten,  unb  ba£  £er£  ber  3 erfc^X ag e^ 
neu/'  —  2)ie  «OTtttel  after  $um  wahren  ©tauften  3U  gelangen 
ftnb :  1)  tiefte  ^um  28ort  ©otteg,  burd)  weta)e3  ber  Jnmm* 
lifa)e  $afer  unfere  ^eqen  an^iefit,  ba$  fte  ^u  3efu  @f>rifto 
fommem  25a3  2öort  ift  aua)  ber  ©aame,  au3  welchem  ber 
©laufte  entfpringt,  unb  ber  ©aft,  burd)  t>en  ex  ernährt  wirb, 
gerner  ift  ba$  SQSort  neftft  ben  ©alramenten  gleia)fam  ©otteS 
£anb ,  womit  (£r  un$  feine  ©nabe  in  (£fmfto  ttortjätt  unb  an* 
hietet;  ber  ©laufte  after  ift  unfere  £anb,  womit  wir  biefelfte 
ergreifen.  £>fme  ba$  SSort  ©otteS  wäre  ber  ©laufte  eine  Zfyox* 
Ijeit;  benn  Me$,  wa$  er  oon  3efu  weig,  (tüfctfta)  auf  baffelfte* 


395 


Söer  ftd;  eine  Iroue  anmaßt,  wenn  er  fein  $ea)t  ba^u  |wt,  ift 

einher;  eben  fo  tl;örid)t  wäre  e6,  ftd;  auf  fcaS  Zerbienft 

(£{)rifti  su  »erlaffen,  wenn  uns?  nia)t  in  bem  28orte  ©otietf 

gleic^fam  gug  unb  $?a$t  eingeräumt  werben  wäre.  2ß3tr  J?aben 

«Brief  unb  ©leget  barüber,  baß  un£  3efuö  tton  bem  Zater  ge* 

geben  ift,  baß  wir  an  3N  glauben  ^  &ur(fy  3!w  bag  ewige 

&&en  pabeu  fetten.   2)arum  ift  neUlng,  baß  wir  ba3  SÖort 

@otte3  unb  feine  Zerreißungen  »erfiepen,  $>a$  wir  £ag  unb 

5^ad)t  bannt  umgeben,  unb  fte  un£  31t  yiufym  maa)em  £)a$ 

SBort  muß  unfer  Sd;ifb  unb  uufere  SBaffe  fei;u,  baß  wir  bem 

©atau  bamit  begegnen  fennen,  wenn  er  fpnd;t:  wa$  geptbia) 

(S£rt|ht$  an,  (Ex  ift  *>or  1800  3a{>ren  am  $reu$  geftorben,  wo 

warft  bu  bamafö?  dx  ift  im  Zumutet,  bu  auf  (h'ben,  wa3für©e- 

meinfd;aft  paft  bu  mit  3N  ?"  — -  2)a^u  bienen  namentfid;  t>k 

$emfyrüd;e:  „Uns  ift  ein  Äinb  geboren,  ein  ©oljn  iff. 

un£  gegebene   @ t ep e,  id)  »erlünbige  eua;  große 

greube,  bie  altem  Zolf  wiberfaj>ren  wirb;  benn 

tnd)  iftpeute  ber  £cüanb  geboren  k+  —  darüber 

fdjreibt  £utper ;  „SMefe  Söorte  fotlen  Fimmel  unb  (Erbe  %u* 

fammenfd;me^en,  au$  bem  £obe  lauter  Seben,  unb  au$  allem 

Ungtücf  eitel  greube  mad;em  3^nen  ©d;ai$  gibt  ber  (üntget  nia)t 

bto^ber  3»ugfrau  Sparta,  fonbern  alten  9ftenfa)en;  benn  mit 

wem  ober  von  roem  rebet  er  ?  5^ia)t  mit  |)ol^  ober,  ©lernen, 

fonbern  mit  sD?enfd;en,  unb  uia)t  mit  Einern  ober  3wei,  fon* 

bern  mit  altem  Zoll*  (Ex  fagt  j[a:  eud;,  nid;t  un$  Engeln, 

fonbern  eua;  ift  (ix  geboren;  wer  nun  ein  2D?enfd;  ift,  ber 

fotl  ftd;  biefe$  gebomen  £eitaube$  freuen*   28a3  wollen  wir 

nun  barau£  maa)en?  ^Sollen  wir  nod;  weiter  zweifeln  an  ber 

©nabe  ©otte^  unb  fpred;en:  be£  Jpeitanbe3  mag  wofrt  $etru£ 

unb  $autuS  ftep  freuen ;  aber  ta)  barf  e£  nia)t,  id)  bin  an 

armer  ©iinber,  biefer  ebte,  tfjeure  ©a)a#  gept  mia)  nid;t£  an* 

5D?ein  Sieber,  wenn  ^n  fo  fagen  witlft:  Girr  gef>t  mid)  nia)t  an, 

unb  id)  and)  fo,  wen  geljt  er  bann  an  ?  3ft  (Ex  um  ber  Spiere 

willen  gelommen?  9te,  wer  bift  bu;  wer  Un  id;?  ©inb  wir 

nia)t  atte  5D?enfa)en  ?  %a,  wer  anber£  foll  ftep  j(eue£  tinbee! 

freuen,  aU  wir  9ttenfd)en  ?  2)ie  (Engel  bebürfen  ©einer  nidjt, 

t>k  Teufel  wollen  3f>n  uia)t,  wir  aber  müf  f  en  3£n  £ ab  en, 


396 


unb  um  unfertwillen  i ft  (£r  Sfftenfo)  geworben!'7  — 
<£tn  äpnlid;er  ©pruo)  €ffc :  „2Ufo  pat  ©Ott  bie  Seit  ge* 
liebt,  baf  (£r  feinen  eingebornen  (5opn  gab:c+" 
Daraus  lägt  ft'a)  Riefen :  was  ber  gangen  Seit  gegeben  t(l, 
baS  tfl  a*ad;  mir  gegeben*  Die  ©onne  fdjeint  ber  gangen  Seit, 
warum  wollte  ia)  ipr  £ia)t  nia)t  froplid)  gebrauchen  ?  gewer ; 
kommet  per  gu.mtr  2llle,  bte  ipr  müpfelig  unb 
belabenfe^b  kJ'  Senn  ein  reicher  Üj^ann  unter  feiner  £püre 
fiept  unb  ruft:  kommet  per,  ipr  hungrigen,  ia)  will  eua) 
fpeifen  :c,  Sollte  fiep  wopt  Semaub,  ber  ftd)  in  einem  fola)en 
3uftanbe  bcftnbet,  noa)  lange  befümen,  ob  ipn  biefcS  aud)  an* 
gepe  ?  Sirb  er  niept  fcpnelt  pineiten  unb  mit  Dan!  annehmen, 
was  ipm  gegeben  wirb  ?  Sarum  wollten  wir  es  nia)t  aua)  fo 
machen  ?  3efuS  ruft  ja  alten  TOpfeligen,  unb  wir  gehören 
bod)  wopt  aua)  bagiu  gerner:  „Das  ijt  fe  gewtßlia)  wapr 
unb  ein  tpeuer  wertpeS  Sort,  baß  3efuS  (EpriftuS 
tu  bte  Seit  gefommen  ift,  bie  ©unter  feiig  guma* 
epen  #♦"  2lud)  picr  tjt  niept  btoS  von  einigen  ©ünbern,  fon* 
bern  von  allen  t>k  $ebe;  nun  erftärt  uns  bie  ©cprifl  alle* 
fammt  für  ©ünber ,  unb  unfer  eigenes  ©ewiffen  ftimmt  'Damit 
überein,  mithin  folgt,  ba$  3efuS  in  $>k  Seit  gefommen  fei), 
aud)  uns  feiig  gu  maepem  —  (£nblid)  gehören  aua)  noä)  fol* 
genbe  ©teilen  pieper:  „3ft  ©Ott  für  un$,  wer  mag  wt* 
ber  uns  fepn?  jc  @prtftuS  pat  unS  geliebt  unb  fiep 
felbft  für  uns  bapin  gegeber/'  :c.  ©obalb  wir  nun  ber* 
gleichen  ©prücpe  forgfätttg  erwägen,  fo  fann  eS  nia)t  fehlen, 
baß  Wir  uns,  bura)  ©otteS  $raft,  bie  angebotene  ©nabe  in 
Ctprifto  gueignem  Daneben  muß  man  freilief)  aud)  bte  reept* 
fa)ajfenen  Diener  beS  SortS  ©otteS  poa)fa)äi$en;  benn  fte  (tnb 
©epütfen  beS  £errn,  unb  ipre  $rebigten  weefen,  näpren  unb 
jMrlen  ben  ©lauben  unb  bringen  tpn  gur  volligen  23tütpe.  — 
2)  Um  alle  3weifel  aus  bem  bergen  gu  verbannen,  muß  man 
aber  aua)  fleißig  unb  emjtg  beten,  Das  ®cWt  entftept  gwar 
aus  bem  ©lauben,  aber  biefer  wirb  von  bemfelben  ernährt 
unb  erpalten,  unb  ber  ©taube  ijt  eine  fola)e  eble  ®ahc  ©ot* 
teS,  baß  man  ipn  wopt  barum  anrufen  bavf.  2tucp  fonnen  bte 
£mbernijfe  ntept  anberS,  als  bura)  ©otteS  $raft,  aus  bem 


397 


Sege  geräumt  werten,  unb  biefe  wirb  Wt§  ba$  ©ekt  erlangt; 
benn  jebe$  gläubige  @ekt,  ja  jeber  per^Xic^e  ©euftcr  bringt 
eine  neue  traft  aurüd,  woburd)  ber  ©taube  geftärft  wirb.  (Ehen 
fo  ntylid)  ijt  3)  ber  öftere  ©enug  be3  £♦  2lbenbmabl3,  m$  t>ie 
(hfalmtng  tefjrt  unb  worüber  wir  fpäter  weiter  reben  wollen, 
4)  ©teta)  bienttd)  ift  e£,  wertn  man  ftd)  oft  an  bie  ditäkit  beg 
3rbifd)en  erinnert,  m$  namenttid)  am  Üranfenf  unb  £obtcn= 
Utk  gef d;epen  tann*  £)ort  nimmt  man  am  beften  wa jjr,  mt 
aUcö  Stittifyc  fo  eitel  ift,  unfere  ©eete  nid)t  erejuiden,  noa) 
fte  oor  bem  ewigen  £obe  bewahren  lann;  bort  füf)lt  man  fo 
beutlitt)  mc  atte£  gteid)  einem  ©chatten 'krgcf)t,  xoa$  aud)  bk 
^ett  pod)fd)ci£en  mag*  £)ortfagfman:©ie£ebod),  Wa3bie2öclt 
tft,  mit  alten  ipren  ©ütern  unb  <5d)ä£en  ift  fie  nid)t  im  ©taube, 
Un  geringften  £roft  $u  geben  !  £>at?er  wollen  wir  un£  um  fo 
fefter  an  3efum  aufstieg en,  wollen  ba3  3eittid)e  gering  fd)ä£en, 
unb  3efum  l)od)  ad)ten,  wir  wollen  un£  mit  3{mt  immer  mepr 
befannt  mad)en,  unb  unfere  greunbfa)aft  im  ©tauben  täglid) 
erneuern,  bamit  wir  in  üftotl)  unb  £ob,  im  i-eben  unb  Sterben, 
feinet  £rofte3  tterftd)ert  feipn  mögen*  5}  (Enbtid)  ift  bem,  welcher 
feinen  ©tauben  ühn  unb  ^ur  ttoftfommeuen  traft  bringen  will, 
^u  ratpen,  ba$  er  fta)  3U  erfahrnen  unb  geübten  Triften  £atte; 
bennwie  eine  gtüpenbe  totale  m'ete  anbere  entaünbet,fo  fannein 
gläubiger  GHmft  oiete  anbere  im  ©tauben  jMrfen  unb  befeftigen* 
(£3  j?itft  oiet  im  Gpriftentjjum ,  mnn  man  $on  Zubern  pört, 
\vk  ijjnen  au  2D?utpe  fep,  ^k  fte  be3  ©tauben^  traft  in  ftd) 
entyftnben,  wie  fte  fta)  wiber  ben  3«>^fel  wefjren  unb  ben  i\\tU 
gen  Zuläufen  be3  6atan$  wiberfteljen*  (£3  gibt  ungemein  tötet 
<Stärfe,  wenn  man  anbere"! bewährte  Triften  x>on  ber  ^>err^ 
lid)feit  ber  ttnber  ©ottes5  unb  oon  iprem  diefyt,  ba£  fte  an 
£j)rifto  unb  in  3pm  burd)  ben  ©tauben  fjaben,  mit  greubig* 
fnt  fpred)en  fwrt,  wenn  fte  tj)re  23rübertröften  mit  bem  groß, 
bamit  fte  *>on  ©Ott  getröftet  ft'nb*  2öer  aber  fold)e  9ttenfa)en 
nid)t  in  ber  ^ä^e  Jiat,  (wiewolrt  e$  ©otttob  bi£  jietjt  noa)  an 
feinem  £)rte  gana  baran  fef)tt,)  ber  folt  ftd)  ber  <5a)riften  geift* 
reid)er  £ej)rer  bebienen,  t>k  über  ben  ©tauben  fo  fd)ön  gefdm'e* 
ben  |>aben»  Ueberpaupt  folt  berßfmjt  nie  aufhören  in  ©otteö 
SBort  au  fua)en,  au  beten,  a«  feuften  unb  ftd)  alter  $on  ©Ott 


398 


angebotenen  Wlittd  $u  bebienen,  bi$  er  enbfia)  eine  gerttgfett 
im  ©laufen  erlangt  unb  bafn'n  fommt,  baff  er  noa)  im  £obe 
mit  greubigfeit  fagen  fann:  3efu3,  mein  greunb,  ift  mein 
unb  id)  bin  fein ;  ia)  ijafte  3^n  unb  will  3fm  nid)t  faffcn. 

IL  2Ber  fann  aber  t>k  ©eügf  eit  eiltet  $?enfd)en,  ber 
dfmfhtm  im  ©lauten  gefaxt  Iwt,  gehörig  ausfpredjen?  T>ie* 
fefbe  ift  fo  grof} ,  baß  berjienige,  wela)er  fte  beft£t,  e6  fetbft 
nia)t  begreifen  fanm  2Öer  in  ber  ®enteinfa)aft  (Flmftt  lebt, 
gleicht  faft  flehten  $inbem,  weld)e,  wenn  fte  aua)  (£rben 
eine3  $öntgreia)3  ffotb,  fta)  bod;  nia)t  rea)t  barübcr  31t  freuen 
Riffen.  Söürben  nur  bk  feiige  ©emeinfa)aft  mit  (Ilmfto  bttrd) 
ben  ©lauben  rea)t  wfteljen,  fo  würben  wir  nid;t  meljr  traurig 
fe^n;  weil  wir  aber  siel  ^u  fa)wad)  unb  nod;  in  ber  Hebung 
begriffen  fütb,  fo  ftellen  fta)  attd)  bisweilen  23efümmerniffe  eim 
SÖdren  wir  gehörig  erftarft,  fo  würben  wir  $u  un£  felbft  fagen: 
t>a  (£jmfiu3  bein  ift,  0  ©ecle,  fo  gebort'  bir  2ttte3,  wa$  ©otteö 
ift  dprtftu^  mit  feiner  @ered)ttgfett  ift  mepr,  benn  taufenb 
£tmmel  soll  @erea)tigfeit  unb  (Seligfeit;  fo  fa)abet  bir  aua) 
beine  ©ünbe  nia)t,  unb  wenn  taufenb  Gelten  soll  ©ünbe  auf 
bir  liegen  würben*  «Sejjr  fa)on  fpria)t  fta)  ber  ©faubenej)elb 
£utj)er  barübcr  au£:  „3d;  mag  unb  will  nid)t£  anber3  anfe^en 
unb  will  sott  yiid)t$  wiffen,  al£  von  3efu*  (£r  ift  mein  pöd)fter 
©d)a£;.  (Ex  ift  mein  £ta)t,  baß  wenn  id;  3£n  im  ©lauben  er* 
griffen  Imbe,  id)  nia)t  mi%,  ob  noa)  ein  ©efe#  ober  eine  ©üttbe 
in  ber  Sftelt  ift  £)enn  wag  ift  im  Fimmel  unb  auf  (£rben  gegen 
ben  ©opu  ©ottcg,  ber  mid;  geliebt  unb  ©id;  felbft  für  mia) 
bapin  gegeben  Jjat  ?"  —  2Sa£  will  ber  ßatan  ferner  machen,  unb 
m$  will  er  mir  anpaben  ?  2Birft  er  mir  meine  ©ünbe  *>or, 
fo  Ijafte  id)  ii)\n  ba$  331ut  3efu  tyxtfti  entgegen,  we!d;e$  mid) 
rein  maa)t  tton  meinen  (Sünbem  3$  fd)ü£e  mia)  mit  bem,  m$ 
$attlu3fagt:  „(E$  ift  nia)t£  ^erbammücbeg  anbenen, 
bie  in  (Sljrifto  3efu  fiub/'  3$  fage  mit  bem  frommen 
35ern|mrb:  „©atan,  maa)e  bu  nur  meine  ©ünbe  red) t  groß, 
ia)  will  aua)  ©otteS  ©nabe  unb  ba$  ^erbienft  3efu  (grifft 
groß  maa)en ;  fud)e  2liie6  |>en>or  unb  maa)e  ein  länget  @ünben* 
regifter,  ia)  fe£e  allen  meinen  großen  unb  flehten,  wiffentlia)en 


399 


unb  unwtffentltdjen  6ünben  blo3  3efum  Gtljrijmm  mit  feiner 
©ercd;tigfeit  entgegen*  3d)  weig  x>on  3£nt,  baß  (£r  fem  33lut 
für  meine  ©ünbcn  wgoffen  jjat,  unb  mia)  ewig  feiig  ntad)en 
wü(*/y  SBtr  Sitte  fmb  ©lieber  be$  Cctbc«  3efu  tytfjfi,  \va$  maa[ 
unä  ber  ©atan  angaben,  wie  fitrd)terlid)  er  ft#  aud;  fietltV 
2)er  £err  forgt  für  feine  ©emeinbe  unb  imS  foll  fein  £>aar  ge* 
frünunt  Werbern  2Sie  ftdjer  liegt  ba$  <5d;aaf  auf  ben  ©djultem 
feinet  getreuen  Wirten,  wie  famt  e£  bte  l?eulenben  SSölfe  getroft 
veralten.  28ie  war  jene  ©ünberin  fo  gut  verwahrt,  aU  fte 
^u  ben  güßen  be3  £erot  3efu  lag  unb  xok  fta)er  war  3opamte$ 
an  ber23ruft  feinet  SSJleifter^!  2Bie  glüdlia)  waren  jienet$mber, 
W  &  auf  feine  21rme  nafmt  unb  fegnete!  ®ttt>i$,  an  alle  biefe 
fonnte  fid)  ber  «Satan  nta)t  mad)en,  noa)  viel  weniger  fte  au$ 
ben  Trinen  3efu  reißen*  Sllfo  lann  er  ün$  and)  ntdjtg  angaben, 
wenn  wir  beut  £errn  im  ©eifte  fo  nape  fmb,  aU  jene*  ^Ric^t^ 
mag  ben  ©laubigen  fdjrecfen,  Uc  greubigfeit  in  feinem  £errn 
ift  fo  groß ,  ba$  er  ft'a)  über  £>olle  unb  Teufel,  Reiben  unb 
£rübfal  wegfegen  fann*  —  £)ie  frommften  Triften  fmb  nid)t 
feiten  bie  Slermften  unb  GEleubeften  in  ber  Sßelt,  unb  Ijaben 
bie  £>änbe  soll  ^u  tjum,  um  ftd)  e^rlia)  burd^ubringen*  ©ott 
f>at  feine  Urfad)e,  warum  (Ex  e3  fo  \d)idt  £>enn  ber  wa^re 
©laube  fann  unter  ben  dornen,  unter  ^eid;t^um  unb  SBouujt 
btefe3  2eben£  nia)t  rca)t  gebeten*  2Ser  viel  irbifd;e  ©üter  t)at, 
wd$  feiten  bie  fn'mmlifdjen  red;t  ^u  fd;ä$en*  diu  3eber  pältö 
mit  bem  ©einigen;  bie  ^eid;en  sobti  biefer  2Belt  galten  e3  mit 
ber  23elt,  unb  'oh  Ernten  mit  bem  gelreu^igten  3efu,  in  mh 
d)tm  fte  boa)  ben  ewigen  ^eia)tjmm  fmben*  £)ie  ©eele,  weld;e 
3efum  l?at,  ift  reid)  genug*  2öa3  fd)abet  e3,  wenn  wir  arm 
vor  ber  28elt,  aber  reid;  in  ©Ott  fmb?  Spat  nid)t  ©ott  bie 
Firmen  biefer  28elt,  bie  im  ©lauben  reia)  fmb,  ^u  (Erben  be3 
9?etd)e3  erwählt,  wela)e£  (£r  Reißen  ^at  benen,  ^k  3jm  lieb 
Jjaben?  d$  fefdt  blo3  baran,  baß  wir  biefen  (Bd)a^>  nid)t  red)t 
5u  fa)ci£en  wiffen  unb  baß  unfer  £eq  fein  f)errtid)e3  (£rbe  nid>t 
verfielt*  prangt  nun  bie  SBelt  mit  bem  3jwtgen,  fo  lagt  un£ 
aud)  ba^  Unfrige  |>oa)ad)ten*  3^ne  eble  Römerin  wie^,  aU 
eine  ftofte  grau  t^re  ^leinobien  zeigte  unb  fte  auff orberte,  and) 
ba^  ©leid;e  au  tpun,  auf  t'^re  ©o|»ne  pin,  unb  fagte:  „£>ief e 


400 


finb  mein  Scpmuci"  (Ebenfo  fprad;  bte  ©atttn  be$  atpe^ 
nienjtfdjen  gelbperm  ^{jocion,  als  ipr  $on  anbern  grauen 
mehrere  fojtbare  Kleiber  steigt  würben:  55poctoti  tft  mein  ftletb 
imb  meine  3ierbe,  weiter  fa)on  siele  3aprc  bem  $aterlanbe 
mit  ^upm  vorfielt*  — -$afon  bieg  betbmfc^e  grauen  getrau, 
warum  fotften  nid;t  aua)  $>k  dfmften,  wenn  bte  SSelt  mit  ©olb, 
ober  Silber,  ober  (Jbelfteinen  praplt,  mit  greubigf  eit  auf  3efum 
pinweifen  unb  fagen:  „tiefer  tft  meinSd;mucl,  mein 
$leifc,  mein  9teid)tpum,  mein  pöcpfter  Sd;a£."  £)te 
Söelt  fpria;t:  £>iefeS  £au3  tfi  mein;  bie  gläubige  Seele 
weifet  gen  £immel  unb  fagt:  £)ieß  £aus  gehört  mir.  £)ie 
SSelt:  id;  pak  fd;öne  Kleiber  nad)  ber  neueften  Wiche.  £)tc 
Seele:  Gprifti  S3Iut  unb  ©ered)tigfeit,  ba6  ift  mein  Sa)mud: 
unb  (£J)renfteib,  bamit  will  t$  $or  ©Ott  befielen,  wenn  id;  in 
Fimmel  werb  eingeben.  2)te  SSelt:  t$  Jaoe  i,net@elb.  £)ie 
Seele:  id;  aua),  baS  meinige  aber  gilt  im  Fimmel,  w  ba$ 
beinige  nia)t  gead;tet  wirb.  3dj  nimm  ba$  meinige  im  £obe 
mit,  bu  aber  mugt  i§  jurüdfaffen.  3d;  rann  mit  bem  meinigeu 
ben£immel  erlaufen,  wäprenb  bu  mit  bem  beinigen  tterbammt 
wirft.  £)ie  SBelt:  ia)  fyabc,  m$  mein  £er$  wünfd;t,  unb 
lebe  alle  £age  jjerrlid;  unb  in  greuben.  2)  i  e  ©  e  el  e :  ia;  aua), 
id;  lebe  in  ber  ©emeinfd;aft  meinet  QrrlöferS.  £>ie  %khz  ©otteö 
ift  auSgegoffen  in  mein  £er$  bura)  ben  jm'tigen  ©eift;  ia)  paoe 
grieben  mit  ©Ott  unb  ein  ruhiges?  ©ewiffen,  ift  ba3  nid;t  aua) 
ein  2Soplleben  ?  £)eine  greube  serwanbelt  ftd)  in  ewigem  Mb 
unb  beinc  £uft  bringt  ewige  Unluft;  meine  greube  aber  ifi  mx 
Strom,  ber  immer  wäprt,  immer  groger  wirb,  unb  enbfid)  in 
baS  9tteer  ber  (Ewiglett  auslauft  2)ie  Sßelt:  ia)  pabe  siele 
Wiener.  £)ie  Seele:  ia)  J>abe  (£ngel,  wela)e  son  ©Ott  $u 
meinem £)ienft  befteitt  ftnb.  2)te  Seit:  id)  pabe  große  9ttaä)t 
unb  ©ewalt.  £>ie  Seele:  sor  mir  fliegen  bie  Teufel;  benn 
ta)  $ermag2llle$bura)2)en,  ber  m i a)  m dd;ti gm aa)t, 
burd;  djmftunn  £)ie  äßelt:  ia)  pabe  groge  (£|>re.  Die 
Seele:  beine  Grpre  wirb  enblia)  $u  Sa)anben;  ia)  aber  pabe 
bk  (£pre,  ein  $inb  ©otteS  ^u  feigen  unb  barf  mit  bem  2111er* 
|>öd;ften  reben,  wann  ia)  xviilic.  So  bepalte  nun,  o  SBelt,  m$ 
bein  ijt,  ia)  bepalte,  waä  mein  tft.  3ä)  taufte  nia)t,  ic^  pabe 


401 


Sefum  oon  ©ott  gefo)enft  uttt>  mit  tym  Mit.  $ftiv  genüget, 

ta)  begehre  niti)t$  weiter! (£me  foXc^e  greubigf  eit  foflen 

wir  entließ  aud;  im  £obe  Jjaben,  benn  gerate  bann  ijt  e$  3«t, 
baß  wir  un$  unfere$  £eilanbe3  freuen  unb  oon  £er$en  rühmen: 
metnSefuö  iftmein,  unb  id)  bin  fein;  meinen  3efum 
lafHa)  nia)i;  ia)  bingewtf,  baß  mia)  Weber  X ob  nod) 
Seben  fa)eiben  wirb  oon  ber  £tebe  ®otteg,  bieba 
tjHn  Gtjjrijio  3efu,  unferem  £errn*  2)er  £ob  fann  bie 
©eele  oom£eibe  trennen,  er  nimmt  ba$  £eben,  aber  ia;  |>abe  noa) 
eineö,  @Jjriftu3tftmein£feben;  er  nimmt  mir  2ltfe$,wa$  ia) 
*>on  ^eit(ta)en  fingen  bejtge,  unb  was  tonnte  mir  ©olb  unb  <BiU 
ber  Reifen,  wenn  man  mia)  in  ben  <§arg  legte?  3a)  £abe  aber 
noa)  einen  ©a)a£,  3^fum  (Sljrijtum,  biefen  neljme  ia)  mit, 
baran  j?abe  ia)  genug  in  ßrwigfeit*  -—  (£in  (Meljrter  ergabt, 
t>a$  er  fta)  einfi  auf  bem  Speere  mit  einem  greunb  oerabrebei 
£abe,  aU  baä  ®a)tff  in  krümmer  $u  getjen  brojjte,  t>a$  jte  ein* 
anber  in  t>k  Slrme  nehmen  unb  fo  ben  Stob  erwarten  wollen* 
2Ba$  wittft  alfo  bu  tpun,  o  Gtprift ,  wenn  bu  ben  £ob  t>or  $lu* . 
gen  fteljft?  SBilljt  bu  bia)  nia)t  entfä)ltegen,  einft,  wenn  t$ 
mit  bir  baljin  fommt,  3efum  (£j?riftum,  ben  ©efreu^igten,  bm 
bepen  greunb  beiner  «Seele ,  in  beine  ©laubenSarme  $u  nep* 
men?  ®troi$,  dx  wirb  aud)  bia)  in  bk  2lrme  ©einer  £tebc 
nehmen,  unb  alfo  fannß  bu  frö^lid)  unb  feiig  (Serben* 

3cfu,  metner  ©eete  £eben,  deines  £er$en$  $ö#fJe  ftreub, 

SHr  »tu*  ta;  mia)  gan$  ergeben,  3e£o  unb  in  (£tt>tgfett!       Stfei* 

nen  ©#a$  ttntt  ic|>  2)i0  nennen,  ,   Ünb  oor  aller  2Mt  befennen, 

©af  ta;  ©ein  bin  unb  £)u  mein;  £err,  fo  laß  eg  ewig  fepnl 

©tum  ta)  fterbe  ober  lebe,  33feib'  tu)  boä)  bein  <£tgent$um; 
2)tr  aflein  ta)  mia)  ergebe,  2)u  bifi  meiner  ©eele  0lu$m,  Steine 
3uberfta)t  unb  greube,  3Mne  ©ülngfeit  im  Seibe;  3$  bin 
2)ein  unb  2)u  bifi  mein;       £err,  fo  faj*  eö  ewig  feon! 

£öre,  3efu!  noa)  ein  Stehen,  ©ä)lag'  mir  biefeSitt'  nic^tab, 
Sßenn  bte  Slugen  nta)t  meljr  fe^en,  Unb  tä)  leine  Äraft  me$r 
$ab  2fttt  bem  SWunb  n>a$  oorgutragen,  Safi  mtt^  bot^  jule^t 
no<$  fagent  3^  bin  Sein  unb  ©u  biji  mein;  @tt?ig  rag  es 
alfo  fevnl 

III.  £ier  wirb  nun  frei(ia)  5!^ana)er  beulen :  wo|>l  bem, 
ber  foia)e  greubigf eit  |iat  xmb  biefe  ihutji  oerfte^t!  2la),  bap 

Scrioer'S  @eelenf<$a$.  26 


402 


«wo;  to)  einen  fofo)en  ©tauften  päüe  unb  3efum  fo  fefi  pittn 
fönnte,  tag  Weber  £ob  noa)  Teufel  3!m  aus  bem  £er$en 
treiben  mögen!  3^  antworte:  (Ben  biefeä  ©eufsen  sengt 
ja  *>on  beinern  ©tauften*  6ota)e  ©eufter  fönnen  nur  r>on  ®ot* 
te$  ©eifi  fommen;  wo  after  biefer  ifi,  ba  ifi  aua)  ber  ©laufte, 
ba  ifi  @l(jrijiu&  £)ie  23tume  $eugt  *>on  tyxtx  Sowjet,  ber  £)bem 
*>om  heften ,  unb  ba$  Verlangen  naa)  Gtjmfio  r>om  ©lauften» 
<£$  ifi  $um  ©tauften  nia)t  eften  notptg,  baf*  wir  Riffen  unb 
fügten,  wie  fiarf  wir  gtauften*  2)te  Gnnpftnbung  be$  ©tauftenS, 
wetä)e  fonji  aua)  bie  $erfta)erung  ober  bie  greubigfeit  bejfet* 
fcen  genannt  wirb,  ifi  tim  gruä)t  t>on  i£nu  3m  üßinter  grünt 
unb  ftlüpt  ber  23aum  nia)t,  unb  Ijat  boa)  ©aft;  bie  £ufyen 
Wüjen  im  £erftfi  nia)t;  after  in  ber  2öur$et  liegt  bie  $raft, 
wela)e  feiner  %t\i  bie  33lume  jjemrftrmgt.  6o  fiept  ber  ©taufte 
oft  in  »otter  33lütlje  unb  trägt  t>k  53tumen  ber  ©erea)ttgfeit, 
be$  griebeng  unb  ber  greube  im  Zeitigen  ©eifi;  after  $ur3ett 
ber  2tnfea)tung  pört  er  auf  gu  fttiu)en,  boa)  niä)t  $u  teften  unb 
gu  wirfen,  (£r  f>at  bie  gteta)e  Ärafi  au$  Gtyrtjio ,  an  bem  er 
£ängt,  in  weta)em  er  gewurzelt  ifi,  oft  er  fte  gteia)  nia)t  geigt* 
—  Sftandje  (Seelen  fjaften  üftrigenS  aua)  einen  fiarfen  ©tau* 
ften,  oljne  \>&$  fte  e£  wijfen*  <Bk  jtnb  wie  bie  ©ewigen,  bit 
nie  genug  haften*  Die  ©eeten,  weta)e  etwas  t>on  ber  fetigen 
©emeinfa)aft  mit  Gtijrifio  empfunben  paften,  wünfa)en  immer 
mepr,  unb  feuften  barnaa),  ba$  fte  noa)  fiärfer  gjauften  fonn* 
ten.  Rieftet  ftegepen  fte  after  ben  geiler,  bag  fte  nia)t  fttoS  in 
ber  ©emeinfa)aft  mit  @li>rifio  %u  teften,  fonbern  biefetfte  aua) 
auf 3  inntgfie  p  empftnben  wünfa)em  3öir  bürfen  j'eboä)  bem 
CErtöfer  niä)ts  $orfa)retften,  fonbern  fotten  aufrieben  fe^n,  (£r 
mag  un$  einen  fa)waa)en  ober  fiarfen  ©tauften  geften  unb  feine 
$!iefttta)feii  empftnben  raffen  ober  nta)t*  (£r  jmt  feine  ©rünbe, 
warum  (£r  bie  ©einigen  nia)t  mit  lauter  £immetSftrob  fpeifet, 
fonbern  ipnen  aua)  zweiten  £{jrcmenftrob  »orfe^t  3m  $ampf 
erfiarft  ber  ©taufte  unb  bura)  junger  unb  £>urji  wirb  er  me£r 
fteförbert  aU  bura)  UefterflufL  Slua)  Witt  ber  £eitanb,  t>a$  wir 
nia)t  allein  an  3j?n  gtauften  fotten,  wenn  (£r  SSunber  tjmt  unb 
feine  £errtta)feit  fepen  lägt,  fonbern  au^f  wtnn  (5r  am  Äreu^ 
pängt,  mnn  <£x  tobt  ifi  unb  im  ©rafte  tiegt;  fo  ba$  e$  un^ 


403 


bünft,  wir  paben  nidjts  son  3pm  als  Httcrc  ordnen  unb 
dngjftia)e  ©eufter,  t>te  3pn  fudjem  £>er  ©taube  aber  bleibt 
bemopngeacptet  in  feiner  traft;  btefe  äußeren  3ufdtfe  fömten 
fein  SQSefen  nia)t  »eränbenu  (£in  £er$,  baS  3efum  als  feinen 
£eilanb  unb  ben  (£rlöfer  ber  ganzen  SSett  erfennt,  bie  SSer^ 
Reifungen  beS  (Evangeliums  für  wapr  palt  unb  in  ber  ©einem* 
fa)aft  Gtprifti  gu  leben  unb  $u  jierben  wünfa)t,  tjt  ein  glaubiges 
$er^  eS  mag  biefeS  wiffen  ober  nia)t  (ES  ift  ein  SBunber  beS 
(£priflentpumS,  ba$  wir  glauben,  unb  boä)  nia)t  meinen,  baß  wir 
glauben,  wdprenb  wir  bie  traft  beS©laubenS  verborgener  SBeife 
genießen»  ©leia)wte  bie  9ttaria  Sttagbalena  %tfum  an  feinem 
©rabe  mit  £prdnen  futf)te,  3pn  aua)  fanb,  mit  3pm  rebete  unb 
3pnbod)  anfangs  uia)t  rannte,  weiter  ^er^voll  £raurigf  eit  war, 
baß  fte  £)en  nia)t  erlernten  lonnte,  welcpen  fte  fo  fepnlia)  fudjte* 
2)ie  ©laubigen  ftnb  iprem  3efu  oft  fo  nape,  als  bie  <5eele  bem 
%tiU  i%  ipre  %kU  unb  ipr  Verlangen,  t^re  ordnen  unb 
6eufter  aeugen  von  bem  ©lauben;  boa)  werben  ipre  klugen 
zuweilen  nacp  ©otteS  Sitten  gepalten,  baß  fte  3pn  nia)tfo* 
gleiä)  ernennen  unb  ftä)  in  3^m  aufrieben  geben  fömten*  2>er 
Qiprijt  !ann  gteia)fam  in  ben  Firmen  feinet  (ErloferS  fepn,  opne 
baß  er  eS  weiß,  unb  Ut^  gefa)iept  beßwegen,  baß  er  lernen 
foll,  ber  ©laube  fev;  eine  eble,  tpeure  ®ahz  ©otteS,  er  fonne 
nia)t  anberS  als  bura)  ©otteS  traft  befiepen,  er  pabe  aua) 
feinen  -ftugen,  als  ben,  ber  aus  ©otteS  ©nabe  entfpringt,  ba* 
mit  alle  (£pre  unb  aller  9?upm  ©otteS  fep*  —  3nt  gall  aber 
nun  ber  (£prift  fagen  möcpte:  wenn  iä)  benn  Wirfita)  einen 
©lauben  pabe,  fo  muß  er  boa)  fepr  fa)waä)  fe^n,  fo  ant* 
Worte  ta) :  ein  fä)waa)er  ©laube  ift  aua)  ein  ©laube,  gleia)wte 
ein  gunfe  aua;  ein  geuer  tjt,  aus  welcpem  ein  großer  Söranb 
entjkpen  famu  <£m  (Senfforn  ift  Utin;  aber  aus  bemfelben 
fann  feiner  Seit  eine  große  ^flan^e  werben*  £)ie  6ä)waä)peit 
beS  ©laubenS  benimmt  feinem  SBefen  nia)tS*  £)ie  Sfraeliten 
in  ber  SBiijte  follten,  wenn  fte  von  ben  ©^langen  gebiffen  wur* 
ben,  t>k  eperne  8a)lange  anfepen*  üftMvfann  es  fepn,  baß 
(Einige  unter  ipnen  ein  fa)drfereS  ©eftä)t  patien  als  anbere* 
allein  t>k^  fä)abete  [ipnen  nicpiS,  unb  fte  würben  alle  gefunb* 
betraft,  bura)  wela)e  fte  erpalten  würben,  famnia)it>on 

26* 


404 


bem  äußeren  ftnfe^en,  fonbern  t>on  ber  ehernen  Solange,  bura) 

welche  ©Ott  wtrfte  unb  babura;  bte  traft  beg  am  $reuj  er* 

£öl)ten  3efuö  »orbtlben  wollte*  2G3enn  att)ei  Bettler  sor  eine 

££üre  fommen,  fo  fann  ber  Sine  auö  <5a)waa;l?eit  ba$  2llmo* 

fen  mit ^itternber  £>anb  nehmen,  bn:  2tnbere  aber  fräfttg,  allein 

labt  jjaben  ©leia)e3  befommen,   Sbenfo  fejjen  einige  ©laubige 

t£ren  Srlöfer  nur  mit  Höben  klugen  unb  ergreifen  bie  ©abe 

©otte$  mit  3ittern,  wäfjrenb  anbere  3pn  fröjrtia)  fa)auen  unb 

fta)  2)enfelben  mit  greubigfeit  zueignen,  unb  boa)  iffc  e$  Sin  3e* 

fu$,  Sine  ©nabe,1  Sine  ©eligfett,  bereu  fte  genießen»  2)arum 

fa)reibt  $etru3  an  alle  ©laubige,  t>a$  fte  mit  i£m  unb  anbern 

Styofieln  ebenbenfelben  teuren  ©laufen  übernommen  £aben; 

mithin  wirb  ber  ©tobe  aller  Sjjrifien  von  ©Ott  j)oa)geaa)tek 

£)er  £err  fa)ä#t  benfelben  ma)t  naä)  ber  ©röße,  fonbern  naä) 

ber  2lufria)tigfeit*  3ß  ber  ©taube  lauter,  fo  erlangt  er,  was  er 

fua)t,  er  fep  fa)waa)  ober  ftorf,  er  wofme  in  bem  *>ome£mj*en 

ober  in  bem  geringfien  Sfmjtou  SS  tft  ja  Sin  £err,  Sin 

©tobe,  Sine£aufe,  Sin  ©Ott  unb  SBater  unfer  bitter.   <&i* 

meon  war  ein  alter  $ton  unb  naprn  t>a$  tinb  3efu  auf  bie 

Slrme,  bagegen  würben  bie  tinber,  wela)e  man  $u  bem  £errn 

braa)te,  oon  biefem  auf  bie  Slrme  genommen*    3ener  £atte 

woijl  einen  jtorfen  ©toben,  biefe  aber  noa)  einen  fa)waa)en, 

unb  boa)  waren  bte  tinber,  wela)e  SefuS  auf  feinen  Firmen 

Ijatte,  3£m  eben  fo  najje,  unb  würben  eben  fo  *>on  3£w  ge* 

fegnet,  tck  ©imeon*   2)te  bußfertige  ©ünberin  umfaßte  bte 

güße  be$  £erm,  wäfjrenb  jene  franfe  grau  nur  ben  Saum 

feinet  $letbe$  berührte;  £I?oma$  enblia)  burfte  fogar  feine 

gtnger  in  bie  9Mgelmale  be$  Sluferjlanbenen  legen,  unb  boa; 

berührten  fte  Sitte  Sinen  3efaw ,  unb  würben  feiner  göttlichen 

$raft  t£eil£afttg»  ©er  ©laube  ifl  alfo  einerlei,  aber  ba$  2ttaaß 

beä  ©laubeng  iffc  nia)t  gleiä),  2)er  Sine  brdngt  mit  greubigf  eit 

gleia)fam  &iö  an  ba$  £er$  3efu  bura),  ber  Rubere  legt  fein 

£aupt  an  feine  ^örufi  ober  ergreift  bloS  feine  güße,  weil  er 

fta)  nia)t  für  würbig  £dlt,  feine  klugen  gen  Fimmel  $u  richten ; 

noa)  ein  Ruberer  berübrt  nur  fein  $leib  unb  |>ctlt  fia)  für  bcn 

iooweljmfteri  unter  allen  ©ünbern,  ber  nia)t  wertp  feifc  va$  er 

tin  S^riji  peiße*  6ie  x>evlaffen  fta)  aber  alle  auf  ©otteS  35ann* 


405 


perjtgfeit,  unb  fua)en  Me  au*  ber  ptfe  3efu  ©nabe  um 
©nabe  31t  nehmen,  unb  ftc  erlangen  Htte,  wa*  fte  fua)en*  3a, 
n>er  einen  fotcpen  ©tauben  pätte,  bag  er  feinen  3efum  gteiä;* 
fam  nur  mit  ber  äufferfkn  gtngerfpiise  berührte,  ber  würbe 
boa;  feine*  ©tauben*  genießen ,  wenn  ipm  nur  ba*  fepnlia;e 
Verlangen  naa)  feinem  (Möfer  ni$t  feptt  £>enn  fo  wenig  man 
ein  geuer  mit  ber  gingerfpige  berühren  fann,  opne  gebrannt 
gu  werben ,  chm  fo  wenig  fann  man  fta)  di^rtfto  mit  einem 
gwar  fa)watt)enr  aber  boa)  lautern  ©tauben  näpern,  opne  ©einer 
©erea)tigfeit  unb  ©etigfeit  tpettpaftig  $u  werben.  —  *Pautu* 
fagt:  „3$  j[age  ipm  naa)A  bag  ta)  e*  ergreifen  möge, 
gleichwie  ia)  $on  Gtprifio  ergriffen  bin/'  3efa*  patte 
^aulum  fa)on  in  feine  ©emeinfa)aft  aufgenommen;  bieferaber 
trachtet  barnaa),  baß  er  3pn  aua;  ergreifen  möge*  ©ein  £er$ 
pmg  ^war  fa)on  an  bem  teuren  £eilanb,  aber  beffen  ©nabe 
unb  %kU  war  $u  groß ,  baß  ipm  Sitte* ,  wa$  er  ba$on  gefaßt 
Jatte,  nur  gering  bünfte*  Sie  nun  bei  $aulu*  $raft  unb 
©tt)waa)peit  ^ufammenf  am,  fo  noa)  jieft  ;bei  ben  ©taubigen; 
t>k  ©a)waa)peit  ifi  unfer,  bie  traft  ij*  dprtpu  ©Otiten  wir 
altem  feftpalten,  fo  wäre  e*  bem  <Satcm  leia)t,  un*  $u  über? 
wattigen;  mi\  aber  Gtpriftu*  un*  feftpält,  ergreift  unb  an  fet* 
ner  £anb  füprt,  wer  Witt  un*  *>on  3pm  unb  feiner  £tebe 
fa)eiben  ?  25a*  (£ppeu  i(l  eine  fä)waa)e  ^ftan^e,  pängt  ftcp  aber 
an  @ia>n  unb  dauern,  ba  wirb  bie  ©djwaa)pett  ftorf,  unb 
ba*  fa)waa;e  ©ewäa)*  wiberftept  ben  fMrffien  ©türmen;  fo 
lange  ber  33aum  ober  hk  Stauer  fiept,  fkpt  t^a$  (ürppeu  aua% 
Ratten  wir  un*  in  unferer  ©a)waa)peit  an  Gtprtftum ,  fo  fte* 
Jen  unb  falten  wir  mit  3pm;  (£r  fctttt  aber  nia)t,  fonbern  fiept 
in  ßrwigfeit  unb  wir  mit  3£m>  2)abura)  werben  bte  Sorte 
be*  $pofiel*erflärt:„3pr  fiepet  tm©tauben,  tprfiepet 
tm@oangelto"  bura;  tk  traft  3efu  £prijiu  Sir  fiepen 
vor  ©Ott  mit  Jreubigf ett,  wie  tinber  ttor  iprem  lieben  SBater, 
»or  unfern  9läa;fien  at*  frucpttragenbe  Seinreben,  x>ov  unfern 
geinben  wie  <£ia)en  unb  dauern,  baran  fte  fta;  flogen  muffen*  — < 
£refftia)  bemerft  barüber  ein  berühmter  £eprer  ber  tir^et  „Un* 
[er  ©taube  gleia)t  einem  tmberfmger ;  t><x^  Sort  aber  ift  bie 
Äraft  unb  hk  parle  £anb  ©otte*,  Senn  nun  unfer  f$wa$er 


406 


ginger  bie  jtorfe#anb  ©otteg  ergreift,  fo  gejjen  wir  burd?  frembe 
Greift  —  an  ©otteS  £anb,  weldje  xm$  ©tärfe  gibt,  gleidjwie 
ein  ®mb  an  ber  #anb  fetner  Butter  geilen  lernt  £>er  (Blaute 
2lbraJjamS  unb  beS  £auptmann$  $u  dapernaum  ftnb  SBunber* 
glauben  unb  befonbere  <&aUnJ&f>tte$ ,  bte  ntc^t  Sebem  gege* 
Ben  ftnb;  boä)  enthalten  fte  nifyt  me£r  afg  ber  ©laube  beö  2kt* 
ter$  jenes  monbfüd)tigen  Knaben  SWarc*  9» ,  unb  werben  nia)t 
geregt  unb  angenehm  um  ber  ©tärfe  tfjre£  ©tobend  Witten, 
fonbernum  Neffen  Witten,  ben  fte  in  ©einer  SBerjjeifiung  erfen* 

nem" Söürbe  aber  enblt$  tin  ©d)wa$gtobiger  fagen: 

afy,  wenn  nur  mein  ®lauhc  ni$t  aufhört,  mir  iji  bange,  ob  ify 
aufy  gegen  bie  fijrigen  Anläufe  beS  geufetö  befielen  werbe, 
befonbere  in  ber  legen  ©tunbe  k.;  fo  erwieberei$  mtt^au* 
lu$:„3d)  binbeffen  tn  guter  3uverfi$t,  baß  2)er  in 
eudj  angefangen  p at  t>a^  gute  2Berf,  2) er  wirb  e$ 
audj  vollführen  ^iö  auf  ben  £ag  3efu  d^rtfln"  3n 
unferer  ©tt)wa$ljeit  wären  wir  freiließ  leicht  au  überwältigen, 
wir  fytötn  aber  einen  ftarfen  £ort,  biejüberfcf>wenglitt)e Jlraft, 
welt$eben  Teufel  überwinbet,  fie  tjt  jiebodj  von  ©Ott unb  nifyt  von 
un&  3ft3efuö  M  un$,  fo  ftnb  wir  mächtig  genug  gegen  atte  %t\n* 
be*  —  din  erfahrner  Sejjrer  f^reibt:  „©er  ©atan  fann  fein  ein* 
3tge$  %laü)Üiü)t  auglöfc&en  ol?ne  ©otteS  Sutaffung,  fonjl  würbe 
er  alte  auslösen,  i>amit  fein  SERenf$  fepen  fönnte;  ja,  er 
würbe  3ttonb  unb  ©teme.  vom  Fimmel  entfernen,  wenn  er 
bürfte.  SSenn  nun  biefer  ein  fleineg  Zifyt  m$t  auslösen  barf, 
Wie  fottte  er  ftd)  an  un$  wagen  bürfen,  bie  wir  fo  treuer  burd) 
(grifft  33lut  erfauft  ftnb  ?  2)ur$  biefe*  33eiftiel  Q>a$  ber  ©a* 
tan  o£ne  ©otteö  Sufajfung  ni$t$  fyun  fonne)  würbe  eine  vor* 
nejjme  grau  von  tyrem  Meinmut!?  fo  befreit,  baß  fte  ftdj 
fammt  ben  S^rigen  bem  ©$uge  ®Mt$  empfajjl  unb  bie 
yiafy  opne  Zityt  aulSra^te*  Dl?ne  3weifel  würbe  ber  ©atan, 
wenn  er  t>k  Wlafyt  fiätte ,  mandjem  ^rebiger  wäfjrenb  be$ 
©tubtrenS,  manchem  £anbwerfer  in  feiner  Sßerffiätte  ba$ 
Zifyt  auslösen  unb  tyn  babur$  ängfligen;  weil  er  aber  bat 
tityt  tjjun  barf,  tt>k  fottte  er  t>a$  Zifyt  be$  ©laubenS,  t>a$ 
©Ott  in  unferem  |)er^en  angeaünbet  £at,  auslösen  fonnen 
unb  bürfen?  2>arum  lagt  m$  getroji  mit  bem  Slpoftel  fagen: 


407 


„3$ roefg,  an  wenia)  glaube,  unb  bin  gewiß,  baß(£r 
mir  meine  Beilage  bewahren  fann  bt$  an  Jenen 
£ag/'  —  £)te  <£rfa£rung  bezeugt,  baß  bie  gottf etilen  £er$en, 
wela)e  ibreS  ©laubenS  wegen  am  meinen  befümmert  jtnb,  jur 
3ett  ber  Sftoty,  in  $ranfj?eit,  Verfolgung  unb  £rübfal, 
eine  fola)e  $raft  unb  greubtgfeit  be3  ©laubcnS  in  fta)  fügten, 
baß  jle  jta)  mit  2lnbern  barüber  wmtbern  müffetu  3)ann  ftnben 
jte,  baß  ©otteS  $raft  mäa)tig  ift  in  iijrer  ©a)waa)£ett,  unb 
wahren b  jte  früher  soll  gura)t  unb  33eforgniß  waren,  jtnb  jte 
je#t  mit  £rof!  unb  greube  erfüllt  unb  fprea)en :  ta;  patte  mei* 
nen  3efum  unb  will  3pn  nta)t  laffem  £)er  ©tobe,  ber  fonft 
jietS  ein  ^ampfwar,  wirb  nun  aum  <3ieg,  welcher  ©ünbe, 
£ob,  £eufel,  2öelt  unb  £o(le  überwinbet  2)emnaa)  gleichen 
bie  ©laubigen  ben  Maulbeerbäumen,  wela)e  fpcit  au$fa)lagen, 
boa)  in  ber  größten  £i$e  fa)on  zeitige  grüa)te  £aben,  an  benen 
man  (ta)  laben  fanm  £)at>ib  fagt:  „2llle  ^eiligen  werben 
£>ia)  (um  bie  Vergebung  ber  ©ünben)  3urea)ter3eitbtt* 
ten;  wenn  große  SSSafferflutfjen  fommen,  werben 
fte  nia)t  anbiefelben  gelangen*"— -2)ie  ^inber  ©otte£ 
Utten  ben  £erm  täglia)  um  Vergebung  iljrer  ©ünben,  liegen 
öftere  auf  i^ren  $nien,  $erfta)ern  jta)  feiner  ©nabe  unb  fua)en 
hä  3fw  3?uJ?e  für  u)re  ©eele»  2)al)er  jtnb  jte  $ur  3>t\i  ber  %n* 
fea)tung,  in  großen  Reiben,  \<x  mitten  im  £obe  soll  greube  unb 
Hoffnung,  £>tefj  geigte  jta)  unter  anbern  namentlia)  Ui  jener 
frommen  Stalienerin,  ber  (Gattin  eines  beutfa)en  $lr$te$,  bie 
aus  £tebe  $ur  e*>angelifa)en  Söaprpeit  Vaterlanb  unb  greunbe 
serlaffen  patte  unb  in  ber  £81üu)e  ü)rer  Scipre  ftarK  511$  man 
Jte  auf  bem  £obtenbette  fragte,  ob  fte  einigen  Kummer  in  tjjrem 
bergen  empfmbe,  antwortete  jte:  „fteben  3afjre  lang  $at  ber 
@atan  nia)t  naa)gelajfen  mia)  auf  allerlei  SGßeife  *>om  &taubm 
abwenbig  gu  maa)en ,  jegt  aber  ift  er^nirgenbS  mepr  $u  poren 
unb  $u  fefjen,  unb  ta)  empfmbe  in  meinem  £eqen  nia)t$  als 
lauter  Sftujje  unb  grteben  in  (£ijrifio*"  —  ©Ott  pelfe  uns  2lllen, 
unb  laffe  uns  ©nabe  ftnben  sur  3ett,  wenn  £ülfe  9*0$  fe?n 
wirb !  3pm  fep  2)anf  für  alle  feine  Siebe  unb  fcreue,  j[e$i  unb 
in  dwitftit  l  2lmem 


408 


©ie&ente   $>:'*  e  6  i  <j  t. 

SSon  fcer  Rechtfertigung  buro;  ben  ©laufen 
an  @l)rijtunu 

$.  @al.  2,  16.  SOBeif  rott  ibtffen ,  ba£  ber  2)?enfä)  buta)  be$ 
©efe|e$  Berte  nitt)t  geregt  wirb,  fonbern  burä;  ben  ©laufcen  an 
Sefum  tyxiftum,  fo  glauben  n>iv  auö)  an  3&n  ic. 


S  i  tt  g  a  n  g» 

3>nt  Planten  S^fa!  hinten. 
3ä)  Hn  ber  £err,  unb  auger  $cir  iß  fem  Retter;  3<Jj, 
3$  tilge  beine  Uebertretung  um  deinetwillen,  unb  gebenfe  bei* 
iter  ©ünben  ntefit,  fyrictyt  unfer  ©ott  £iefer  2lu$fyruc$  wirb 
mehrmals  wteberljolt  unb  auöbrücflicl)  bemerft,  bag  ©Ott  leine 
anbere  ©otter  neben  <&ify  jjaben  wolle*  (£r  ftejjt  fytbä  nifyt 
Meß  auf  Seine  dfyxt,  fonbern  au$  auf  unfern  9ht§en*  (£r 
weig,  bag  alles  Rubere  auffer  %pm,  baran  ber  SDfenfd;  fein 
#er$  pängt,  vergänglich  unb  nichtig  ifi  SSer  auger  ®ctt  einen 
SBetjfanb  fua)t,  ber  greift  na$  beut  ©chatten  unb  Bauet  auf 
@anb*  —  2)er  2Wgütige  eifert  um  uns  mit  göttlicher  Siebe, 
unb  e£  verbrieft  3fw,  bag  ftet)  fein  fßoii  an  nichtige  ©ötter 
unb  eitle  2)inge  jjängt,  (£r  Witt  ft$  iljm  nochmals  an  unb 
Witt  fagen:  fffiarum  verlaffet  tl?r  Wfy ,  ben  lebenbigen  ©Ott, 
unb  fuct)et  bie  tobten  ©ö£en ;  warum  trauet  ipr  Wlix  ntc$t 
»on  ganzem  £er$en,  bin  3$  nicfjt  wetfe  genug  mfy  $u  lehren, 
nidjt  mächtig  genug  eu$  ^u  fcp#en,  nic^t  retc$  genug,  eu$  gu 
verforgen,  nifyt  barmjjersig,  um  mit  euren  geljlern  ©ebulb 
gu  paben?  55m  3$  ni$t  allgegenwärtig,  bag  ij)r  9tttc£  etwa 
lange  fu$en  muffet,  ober  meinet  ipr,  3$  werbe  ttxva  ßerben, 
bag  i£r  ma)  bei  Seiten  naä)  einenvanbern  ©Ott  umfejjen  müf* 
fet  k.  ?  —  darauf  follen  wir  nun  Billig  merfen  1)  im  ge* 
wo£nlict)en  Ce&en;  benn  bie  petbntfäe  2lbgötteret  ijt^war  vor* 
über,  aber  wir  £aben  boc^  no$  SSieleS ,  an  ba$  wir  unfer 
$*n  Rängen.  Einige  fropnen  ber  ©elbflfutyt  unb  verlaffen 


409 


ft$  auf  eigene  Seifert,  Greifte  unb  SBermßgen;  untere  nta=s 
djen  Könige  unb  gürten,  Altern  unb  gxeunbe  $,u  ©Ottern, 
unb  fudjen  allen  £rojl  bei  ipnen ;  no$  Slnbere  bauen  auf  ©elb 
unb  ©ut,  unb  fegen  tyx  ganae$  Vertrauen  auf  ipre  ©$äge* 
diejenigen,  weldje  lein  ©elb  paben,  geben  fttf>  ängjtficfjen  6or* 
gen  pin,  unb  motten  ftdj  erft  einen  ©Ott  fdjaffetu  @te  gleiten 
ben  traurigen,  weldje  ba$  fud;en,  wa$  ipnen  gana  nape  liegt 
—  3fi  e£  nidjt  fepv  au  bef tagen,  baß  wir  SPfenfdjen  ben  »er* 
gängigen  fingen  unb  uns  felbft  allau»iel  gutrauen,  ©Ott 
aber  niept?  <£r  ruft  un$  au :  3$  bin  ber  £err  unb  außer  SEßir 
t(i  fein  fetter!  3$  fa'n  ©Ott,  3$  fann  unb  will  Reifen,  ra* 
ijjen,  tröfien,  fangen,  »erforgen  unb  erhalten !  Sir  aber  tpun, 
aU  Porten  wir  eS  nidjt,  unb  nehmen  e6  nic^t  au  £eraen.  Sir  pa* 
ben  einen  ^ec^jtrett  unb  trauen  oft  einem  untreuen  <3ad)wal* 
ier,  wir  reifen  gu&mb  unb  trauen  bem  guprmann,  auSafier, 
unb  trauen  bem  ©Ziffer;  wir  (tnb  franf  unb  »ertrauen  2eib  unb 
Sieben  bem  Slqte  an.  £)a$  $inb  »erlägt  ftd)  auf  feine  Altern, 
ba$  Seib  auf  ipren  Sttann  :c*  Steffen  »erlaffen  fl$  auf 
9ftenfd)en;  auf  ©Ott  aber,  bm  (Ewigen.  Saprpaften,  Streuen, 
9DMcj)ttgen  unb@ütigen  will  ftdj -iftiemattb»erlajfen* — SBebenfe 
bodj,  o  3ftenfdj,  wag  e$  Jjeiße,  feine  3u»erft$t  auf  »ergäng* 
lidje  £)inge  fegen?  Senn  \a)  midj  in  eine  SSlume »erliebe,  ober 
in  tin  ©tag,  ober  mid;  an  meinem  eignen  ©chatten  ergöge,  fo 
fiept  Sekermann,  ba$  i$  tpörtdjt  Raubte;  benn  bie  23tume 
»erweift,  ba$  ©tag  aerbridjt  unb  ber  <5ä)aütn  »erfdjwinbet 
Sarum  aber  fejjen  wir  nid)t  ein,  baß  wir  bte  größte  £porl?eit 
begeben,  wenn  wir  unfer  ^era  überhaupt  an  aeitlidje  2)inge 
Rängen?  £utper  fagt  mit  Sftecpt:  „©Ott  forbert  nidjt  mepr 
»on  bem  SERenfcfjen,  aU  baß  er3j?nt  biedre  gebe  unb3£nt  feine 
®ottytit  taffe,  ba$  er  3pn  für  feinen  ©ögen  palte,  fonbern 
für  einen  ©ott,  ber  auf  ung$td)t  paben,  ungerpören,  ftdj  erbar* 
men  unb  ung  Jjetfen  fann.  ©olcfje  (£f  re  ©otter  weifen  ift  Setgpeit 
über  Seigpeit,  ©eredjtigfeit  über  alle  ©ere^tigfeit,  ©otteg* 
bienfl  über  alle  ©ottegbtenjie,  £)pfer  über  alle  Dpfer*  Raffet 
ung  alfomit  £)a»ibfagen:  „3$  aber,  £err,  poffe  auf 
£>ia)unbfpre$e:  2)ubijimetn©ott!"-- 51$  mein  ©Ott, 
t^n  fpridtfh  Slußer  mir  ijl  fein  ©Ott;  ia;  gebe  Sir  föedjt, 


410 


tö;  weif}  aua)  fernem  Ticin  £er$  fap  fta)  aua)  oft  naä)  andern 
©Ottern  um,  ia)  würbe  aber  fe£r  betrogen,  (ES  gept  mit  ben 
3eitlia)en  fingen  wie  mit  bem  faulen  £0*3;  bei  9^a(^t  feuchtet 
es  unb  fa)eint  etwas  ©roge$3u  fe^n,  wenn  man  eSaber  anrührt 
ober  bei|£ag  betrautet,  fo  ifi  e$  weiter  nia)t$  als  faules  $t>l%. 
£)arum  fottji  £>u,  mein  ©Ott,  meine  3uverfia)t  unb  mrine  £off* 
nung  fepn,  ia)  Witt  von  feinem  anbern  (Etwas  wiffen,  —  2tuf  bie* 
feö  wotten  wir  aua)  merfen  2)  im  geifiigeu  £eben-  -Bebenbem, 
baf  ©ott  fagt,  (Er  fep  ber  £err  unb  feiner  mejjr,  fagt  (Er  aua) : 
3$,  3$  tilge  beine  Uebertretung*  2öie  nun  ber  £ö#e  ntd^t 
bulben  Witt,  ba$  man  ftc^  auf  einen  5lnbern  verlägt,  fo  Witt  (Er 
aua)  nia)t  gefiatten,  baf  man  bie  Vergebung  ber  6ünbe  bei 
3emanb  anberS,  als  bei  3jw  fua)en  fotte,  ©eine  £öa)fie  (E£rc 
ifi,  ©ünben  $u  vergeben;  baper  fagt  SlttofeS:  „£err,  £err, 
©ott,gnäbig,barmper$ig,  gebulbig  unb  von  gro* 
ger  Streuen;  unb  9ttia)a  ruft  aus :  „2Bo  ifi  ein  fola)er 
©ott,  wie£)u,  ber  bie  ©ünben  vergibt  ic."  Unb  ©Ott 
felbfi  fe§t  $mt$u:  „3a;  tilge  beine  Uebertretung  um 
Steinet  willen/'  3$  *vitt  hk  ©ünben  gwar  vergeben,  aber 
nia)t  um  beiner  SBerfe  willen,  nta)t  um  beiner  Opfer  Witten, 
o  2Mf ,  fonbern  um  deiner  (E|?re  Witten ,  bafj  bu  3Jfta)  für 
einen  gndbigen  unb  barmherzigen  ©Ott  erfennen  unb  befio  mepr 
lieben  fottji*  2)tefü  füllte  Qmb  wopl,  baljer  rief  er  im  ©e* 
fityle  feiner  6a)ulb  auS:  „5ln  2)ir,  an  2>ir  attein  Jiabe  ta) 
gefünbigt  unbttebel  vor  2)ir  getfmn*"  —  Ueber^aupt  wirb  man 
feinen  waJjrpaft  bußfertigen  ©unber  ftnben,  ber  anberS  als  Ui 
©Ott  Vergebung  ber  ©ünben  gefua)t  jjätte*  2)enn  wer  fta)  an 
einen  5lnbern  £ält,  ber  ifi  ein  ©otteSveräa)ter,  wer  in  feinem  SBer* 
bienfi  ©enugtjmung  fua)t,  ber  xaubt  ©Ott  t>k  (E£r  e  unb  wirb  niä)t$ 
als  Ungnabe  ftnben»  ©ott,  ©Ott  attein  ifi  eS,  ber  bte  ©ünben 
tilgt,  unb  $war  aus  lauter  ©nabe  um  3*fu  (E£rijit  Witten, 
Sßer  wottte  £ter  nia)t  mit  ber  a)rtfilia)en  $ira)e  fagen: 

©er  27?enfc$  ifi  gottlos  unb  verfingt,  ©efl  £eil  iü  noa)  fe$r 
fern,  ©er  Stofi  bei  einem  Sffenföen  fu#t,  Unb  ni^t  bei  ©Ott 
betn  £errn;  ©enn  wer  fta)  Witt  ein  anber  Siel,  £>$n'  biefen 
Stöfier  fleifen,  ©en  feirb  gar  balb  ©e$  Seufeld  ©'»alt  ffiit 
feiner  Sffi  ergreifen ! 


411 


£>ie  (£rfa£rung  Ufyxt  e$  aua),  wela)'  vergebtia)e  *Mf>e 
ftd)  biejenigen  maa)en,  welche  bie  Vergebung  ber  <5ünben  auger 
(£I)rif[o  gefugt  ijaktu  23on  einem  frommen  ?D?amt  $u  S03ien 
wirb  getrieben ,  baß  er  atte  £age  bie  SOfeffe  getefen,  viel  211* 
mofen  gegeben,  br'eünat  in  ber  SQSoc^e  gefajlet  unb  tin  2lrmen* 
ljau$  geftiftet  fytöe,  um  babura)  9tu$z  für  feine  «Seele  ju  fudjen. 
<£v  fanb  fte  nia)t,  ijielt  feinem  ©Ott  ein  gute$  SSerf  naa)  bem 
anbern  vor  unb  aU  baS  nia)t$  Reifen  wollte,  fo  rief  er  enblia) 
mit  fronen  m$:  ©Ott  fep  mir  ©ünber  gnäbtg  um 
3ef  u  willen,  unb  jteb  feiig*  80  ging  e3  fä)on  fielen,  unb 
wenn  fte  OTe$  verfuä)t  £aben ,  eilen  fte  boa)  ^u  ©Ott  unb  $u 
ber  gütte  feiner  ©nabe*  —  D  3efU/  eroarme  £)ia)  bitter,  bie 
noa)  in  ber  3rre gepen  unb  rufe  i^nen^u:  „3$  tilge  beine 
Uebertretung  um  deinetwillen/'  —  2öarum  wollten 
wir  bie  lebenbige  Duette  verlaffen  unb  uns  Brunnen  graben,  bie 
boa)  fän  Söaffer  geben?  2Sarum  wollten  wir  an  £ta)t  an^ün* 
ben,  wenn  bie  dornte  im  $Ritta$  jleljt?  Söarum  wottten  wtr 
Betteln  ge£en,  ba  uns  ber  9^eia)t^um  ber  ©nabe  ©otteS  in 
(Epriffa  angeboten  wirb;  warum  wottten  wir  btefelbe  gar  ver* 
werfen?  2la)  nein,  fte  fott  un$  lieber  feipn,  aU  alle  ©a)ä§e 
ber  2öelt  Raffet  Slnbere  nehmen,  wag  fte  wotten,  wir  ergreifen 
bie  ©nabe  ©otteS  in  (Ejjrtfto  unb  fua)eu  barin  Vergebung  unferer 
@ünben  unb  t>k  ewige  ©eligfett*  2)avon  wollen  wir  noa)  weiter 
reben;  ©Ott  fegne  unfer  Sßor^aben  unb  ria)te  eS  fo  ein,  t>a$ 
feine  ©nabe  poa)ge£riefen  unb  unfere  ©eele  erfreut  unb  erbaut 
werbe  bura)  3^fum  (££rijhmu  Urnen* 

Slt^anblung, 

Sie  Se^re  von  ber  9tea)tfertigung  beä  SünberS  vor  ©Ott 
fß  oljne  Steffel  ber  £aupiartifel  be$  a)rijttia)en  ©laubenS* 
9ttan  fönnte  jwar  glauben,  bie  £e£re  von  bem  breieinigen  ©ott 
f*9  bemfelben  noa)  vor^ie^en;  attein  man  muf  einen  Unter* 
fa)ieb  3wifa)en  bem  maä)en,  wa$  an  unb  für  fia)  felbft  '$u  be* 
traa)ten  tffc  unb  awifa)en  bem,  was  3unda)|t  eine  Sejie^ung  auf 
m&fyau  £)te  £e£re  von  ©Ott,  als  bem  £öa)ßen,  unbegretflia)en 
SÖßefen,  wäre  für  un£  ©ünber  me£r  fa)redlia),  als  erfreulta), 
wenn  <£r  ©ia)  niä)t  fo  geoffenbart  pätte,  baf  <£x  uns  $u  ©naben 


412 


annehmen  unb  in  (£fmfio  geregt  unb  fetig  maä)en  wolle«  £>aper 
fagt  man  mit  O^e^t,  biefe  ^epre  fep  t>ie  wajjre  ©onne,  ojme 
bie  nia;t£  aU  gtnßerniß  ber  £öl£e  wäre*  @ie  ijt  ba$  tletnob 
ber  eoangetifa)en  Mxfye,  ber  $ern  ber  ganzen  ^eiligen  ©cfjrtft, 
ber  ljöc$jte  £rofi  be£  (Eljrijlen  im  £eben,  Seiben  unb  (Sterben, 
bk  Söu^et  eines  gottfettgen  unb  ber  Anfang  be$  pimmlifcijen 
unb  fetigen  £eben&  Sitte  anbeten  £ejjren  bagegen  gleichen  ben 
©ternen,  bk  hti  Raa)t  leuchten,  aber  ipren  ©a)ein  verlieren, 
wenn  bk  ©onne  aufgebt.  Sie  Seigre  von  ber  Rechtfertigung 
enthalt  be$  (griffen  £öd;j*e2Bei3i?eit,  größte  $raft  unb  unfa;ä> 
barße  ©lücffetigfeit*  £>a£er  iffe  Sltleg  baran  gelegen  unb  an'? 
geben  uns  billig  alle  Wltye,  fo  viel  von  biefer  2el?re  gu  faffen, 
als  nur  immer  möglich  ift  —  2)er  2lpof*el  fpritt)t  von  berfelben 
in  unferem  £ert  mit  3uverfta)ttia)et  ©ewißjmt,  mit  altem  ßrrnfi 
unb  großer  greubigfett  2öir  Riffen,  fagt  er,  t>a$  ber 
SJcenfa;  bur  d?  b  eS  ©  ef  e#eS  SB  er  fenidjt  geregt  wirb, 
fonbernburd)  beurlauben  an3efum(££riftunu  (£r 
bemerft  gegen  feinen  2ttitapoj*el  betrug,  ben  er  fur$  ^uvor  fa)arf 
anreben  mußte:  SOSir  erinnern  uns  noa;  wotjt  an  jenen  allgemein 
nen£Bef$lußber£erfammlung  au  3erufalem,  baß  nemlia)  baß 
©efe§  ein  3oa)  fe$,  welches  Weber  unfere  $äter  noa;  wir  paben 
tragen  mögen,  fonbern  baß  wir  glauben,  bura)  bk  ©nabe  be$ 
£errn  3efu  fetig  £u  werben,  auf  gleiche  Söeife,  vok  auä)  ffo 
SBarum  wollen  wir  benn  ba$  erfl  in  ben  Werfen  bt$  ©efe§e$ 
fua)en,  m$  wir  im  ©lauben  fa)on  £aben?  £)ber  warum  wol# 
len  wir  un$  freuen  öffentlich  $u  befennen,  ba^  wir  an  baß  ©e* 
fe|  ntdjt  me^r  gebunben  jtnb,  ba  wir  in  Gtprißo  unfere  grei^eit 
burdj  beurlauben  erlangt  paben  :c*  ?  —  dergleichen 3eugniffe 
^iU  e$  noa;  mehrere  in  ben  ©djriften  $auli)  $♦  £*♦  „<5o 
palten  wir  nun  bafür,  baß  ber  Sttenfa)  geregt  werbe, 
o|webe$©efe§e$!l8erf,  alteinbura;  ben  ©tauben." 
£r  bezeugt  aua;  biefe  <&txotffytit  burdj  bie  2lrt,  vok  er  jta)  lue 
£e|>re  von  ber  Rechtfertigung  bur<$  ben  ©tauben  ju  Rügen 
maa)t,  befonberS  in  bem  unvergleichlichen  ©c^luß  be$  8*  Aap» 
feinet  53rtef^  an  bie  Römer:  „303er  will  bit  3iu$erwä£l* 
ten©otteS  befc^ulbtgen?  ©ott  iffc  Jjier,  ber  gerecht 
maa)t  SQSerwillverbammen?  (5priflu^i|rpier,  ber 


413 


gjeftorbenifhc,  SBerwülung [Reiben oon  ber  Siebe 
©otte$?ic*  3$  Bin  gewig,  bag  weber  junger, 
noa)23löge,  noa)  Verfolgung,  webet  £o£e$,  noa) 
£iefeS,  weber  bte©egenwart,  noa)bie3u£uuft  un$ 
fa)etben  mag  von  ber  Siebe  ©otte£,  bie  ba  ift  in 
@£rifto3efu,  unferem£>err  m"  —  3n  feinem  23rief  an  bie 
^ltfltpper  palt  er  2llle$,  wa$  er  auffer  @£rif*o  j[e  gehabt  ljat, 
für  ©a)aben  unb  $ot£,  nnb  fpria)t  alfo  gan^  *>eräa)tltä)  oon  ber 
@erea)tigfeit  bura)  bes  ©efe§e6  SSerfe*  (£r  begehrt  nia)t$ 
anber$,  als  Sefam  immermefjr  p  erlernten  unb  bura)  3£n  bie 
©ereajtigfeit  $u  Jjaben,  bie  son  ®ottbem  ©tauben  zugerechnet 
wirb*  —  2tn  einem  anbern  £>rte  fagt  er:  „:£>a$  ijt  gewig* 
Ita)  waljr  unb  ein  tlj euer  wertljeS  SSort,  bag  3efu3 
in  bie  2Belt  gelommen  ijhc*  ober:  3a)weig,  anwete 
djen  ia)  glaube,  unb  bin  gewig,  baß  (Er  mir  meine 
SBeilagebewapren  fann/'  2)tefe  greubigfeit  platte  aber 
ber  2tyoj*el  tytiU  aus  gottlia)er  Dffenbarung ,  t^eitö  au£  ben 
©a)riften  be$  a«.  £ejlaments,  bie  er  bura)  bie  @rleua)tung  beS 
peiligen  ©eifie$  nun  beffer  serftanb,  aU  früher;  tf  eitel  a\x$ 
eigener  Gnfaprung,  weit  er  nia)t  btoS  feföjl  bura)  ©otteS  ©nabe 
$ur  (Erlenntnig  3ef«  (£jmjti  gebraa)t  würbe,  unb  Vergebung 
feiner  @ünben  erlangte,  fonbern  aua)  in  feinen  *netfaä)en  Sin* 
fea)tungen  gelernt  patte,  bag  nia)tS  bie  ©eele  beruhigen  fann, 
als  ber  ©taube  an  (£prijium  S^fum,  in  weta)em  allein  ©ereä> 
ti$hit,  $raft,  £roji,  £ütfe,  Seben  unb  ©etigfeit  $u  ffnben  ijt  — 
^auluS  ^e^te^t  feinen  2lu3fyrua)  auf  alle  £D?enfa)en,  wenn  er 
fagt:  2Bir  wiffen,  baß  ber  Sttenfa)  (er  fe$  3ube  ober  £eibe, 
er  lebe  unter  bem  ©efe£,  ober  opne  baffelbe,  er  fyabc  einen 
©,a)ein  von  grömmigfeit  ober  nia)t)  bura)  beS  ©efegeS  Söerfe 
nia)t  gerea)t  werbe;  benn  bura)  beS  ©efe#e$  2Berf  wirb  fein 
gleifa)  gerea)t  £)ber:  „@3  ij*  pter  fein  Unterfa)ieb 
(unter  ben  9ttenfa)en),  fiefinb  allzumal  ©ünber  unb 
werben  ojjne  SSerbienfl  gerea)t  aus  ©naben  bura) 
bie  (£rlöfung,  bte  bura)  3^fum  Gtprißum  gefa)e{jen 
ijh"  2Bie  bie  @ünbe  unb  bte  IBerbammnig  über  5l(le  gekommen 
tjl,  fo  mug  bie  ©nabe  ©otteS  unb  bk  ©erea)tigfeit  3efu  (grifft 
über  2üte  fommen,  wenn  fte  gereinigt  unb  $um  ewigen  £eben 


414 


ermatten  werben  wollen,  bamti  ben   Sföenfdjeiv  bie  ft$  »on 
iftatur  gerne  gegen  ©ott  ünb  ipre  9*äc$ften  rühmen  motten, 
aller  Rupm  Benommen  werbe,  unb  ade  SBelt  ©ott  f^ulbig  fep 
unb  allein  bei  3N  ©nabe  unb  33,arml)  er^tgf  eit  fucfjen  möge,  — 
Der  2tyofiel  fdjliegt  $on  ber  Rechtfertigung  alle  Söerfe  be£ 
©efe£e$  au£,  unb  er  tterfieljt  barunter  nidjt  blo$  bk  ^irdjenge* 
bräune,  bie  £tyfer  ber  3«ben  :c.,  fonbern  ana)  bk  selben  ©eboie 
ober  ba$  fogenamtte  Sittengefeg*  Denn  aua)  bie  2Berfe  beS 
legieren  fönnenA  wenn  fte  fa)on  mit  grogem  (£ifer  »errietet 
werben,  bie  ©erec^ttgf  eit  nia)t  geben,  bie  sor  ©ott  gilt  Dag 
^aulug  bieg  meinte,  folgt  aus  ber  ©teile,  wo  er  fagt:  er  rebe 
Xfon  bem  ©efe§,  welches  alle  bie  fcerfhtc$e,  bie  i£m  feinen 
ttollfommenen  ©eijorfam  letgen,  son  beffen  glud)  aber  un£ 
££rigu$  erlöfet  £abe*  Da$  ©efe§,  Ufyaupttt  ber  2tyoj*el,  bringt 
nur  (£rfenntnig  ber  ©ünbe;  er  wollte  baffelbe  aber  nid)t  auf* 
£eben  bura)  ben  ©lauben,  fonbern  $u  feinem  rechten  ©ebrau$ 
bringen  unb  in  ber  $ir$e  erhalten*  —  <£x  rebet  ferner  au$ 
$>on  ben  SSerlen  ber  SÖiebergebornen ,  weldje  unter  bem  SBet* 
ftanbe  be$  peiligen  ©eige$  erfi  na$  ber  33efe£rung  »errietet 
werben*  2lu$  biefe  ftnb  feiner  Meinung  naa)  beS  ©efe§?$ 
Söerf  e,  weil  fte  nad)  ber  $orf$rift  beffelben  gefc^epen,  unb 
jte  gehören  mithin  unter  bk  allgemeine  Regel:  —  burdj  be$ 
©efe§e$  Sßerfe  wirb  feingleifdj  geregt   (£r  fagt 
ferner:  „Dem,  ber  nidjt  mit  SS  er  fenumgep  et,  glaubet 
aber  an  Den,  ber  bie  ©ottlofen  g er edjt  machet,  bem 
wirb  fein  ©laube  gerechnet  gur  ©erec^ttgfeit" 
Demnach  erfmlt  ber  ©ottfelige  bie  ©erea)iigfeit  »or  ©Ott  nidjt, 
weil  er  in  guten  Söerfen  eifrig  ift,  fonbern  weil  er  an  Den 
glaubt,  ber  bie  ©ottlofen  gerecht  mac$t  3a,  wenn  er  ber  ©e* 
red?ttgfeii  tpeilpaftig  werben  will,  bie  *>or  ©ott  gilt,  mug  er 
x>on  feiner  eigenen  grömmigf  eit  ttmt  wiffen,  barf  ft$  ©ott 
gegenüber  mit  feinem  guten  SESerfe  rühmen,  fonbern  foll  ft$ 
bem  ®eri$te  ©oite£,  vok  ein  ©ottlofer  unb  al$  ein  groger 
©ünber  anpeimjkllen,  unb  allein  bei  ber  ©nabe  be$  £öä)jten 
tmrd)  3efum  tyxtftum  unb  burc^  ben  ©lauben  an  3pn  ^k  ©e* 
rec^tigfeit  fua)em  ^rifiuö  ijl  in  bie  SQSelt  gefommen,.  um  bie 
©ünber  $ur  23uge  gu  rufen,  unb  nia)t  bk  grommen;  bafjer 


415 


mafyt  ©ott  bte  ©otttofen  geregt  unb  ntcf)t  biejenigen,  n>et^e 

in  ftdj  fet^fi:  unb  tn  i£rem  eigenen  SBerbienfie  £rojt  fudjen*  — 

£>iefe$  befMtigt  ber  2lpoftel  mit  fcen  Porten  2)aoib$:  „<5eltg 

finb  bte,  welchen  i£re  Ungeredjtigfeit  vergeben 

tjhc*  ©elig  ijt  ber  SJttann,  welchem  ©Ott  feine 

©ünbe  $ure$net"   —  SDarauS  erljettt,  baß  audj  bte 

Söiebergebornen  ntcfjt  geregt  ftnb  um  t^rer  guten  Söerfe  willen, 

fonbern  um  ber  Vergebung  ber  ©ünbe  Witten,  welche  fte  burdj 

ben  ©lauben  an  (££rtfhtm  erlangen»  ©enn  felbft  bie  ^eiligen 

muffen  in  ber  ©naben^eit  um  Vergebung  i£rer  ©ünben  bitten, 

weil  *>or  ©ott  Riemanb  unfdjulbtg  ifi  3a,  wenn  wir  audj  2Weä 

getrau  paben,  wa$  wir  gu  tfjun  f^ulbig  ftnb,  fo  bleiben  wir 

unnüge  $nea;te,  unb  ^abenntc^tö  ^u  rüpmen,  aU  unfere  tSfywaty* 

peit  —  Sa$  bebarf  eS  überhaupt  einer  weitern  (£rflärung? 

$aulu£  füijjrt  ia  ba$  Dbtge  erpt  na$  feiner  Sßiebergeburt  an 

unjb  bezeugt,  baf?  er  blog  burcty  ben  ©tauben  an  3efum  geregt 

werbe,  baß  aufy  ber  ©eredjte  feinet  ©laubenS  leben  unb  enblidj 

in  bemfelben  fterben  muffe*  —  Wlityin  bleibt  e£  ewig  waljr, 

baß  bte  Söerf e  be$  2ttenfa)en  auf  f einerlei  Steife  ju  feiner  Red?t* 

fertigung  oor  ©ott  etwaö  beitragen,  nod)  siel  weniger  fte  be* 

wirfen  fönnen.   6ie  folgen  §war  ber  Rechtfertigung,  benn  ber 

wapre  Glaubt  ift  nie  ojme  gute  SOSerfe;  aber  fte  fmb  fem  Wlitttl, 

um  biefelbe  $u  erlangen,  bajjer  ftdj  audj  nie  an  ^eiliger  feinem 

©ott  gegenüber  auf  biefelben  berief*  —  $aultt$  matyt  alfo  bie 

Rechtfertigung  ei^ig  unb  allein  son  bem©lauben  mit  2lu$fd)lufJ 

aller  2öerfe  abhängig  unb  fäijrt  fort:  „weilwirwiffen,  baß 

ber^enfa)burcf>ben©laubenan3efumgerecf>twirb, 

fo  glauben  wir  aud?  an  (£Ijrijtum,  auf  i>a%  wir  ge* 

red)t  werben  burd)  btefen©lauben/'  5te£nli$e  ©teilen 

ftnben  ftc$  no$  mehrere ,  g*  ©♦  „2)ie  ©er e$tigf eit  »or 

©ottfommt  burdfj  ben  ©laubenic*  ©ott  allein  tjl 

gerecht,  unb  mad)t  gerecht  bett,  ber  an  d£rijtum 

glaubte  ©o  galten  wir  nunbafitr,  baß  ber  Sttenfd) 

gerecht  werbe  ol^ne  be3©efe$e$  äßerf,  allein  burcjj 

ben©lauben*  2luS@naben  fepb  i£r  feiig  wor ben 

burc^  ben  ©lauben,  unb  baffelbe  ni$t  au$  eufy; 

©otte$  ©abeifteS,  nic^t  aus  ben  233 er fen,  auf  baß 


416 


fto)  nta)t3emanb  xüfymetc.  Sie  @erea;tig?et$ 
fommt  iiic^t  aus  bem  ©efe§,  fonbern  bura)  ben 
©lauben  anGtljrifiumic/'  — Sieg  tft ber  $ern be$  ganzen 
Gtjjrijlentljumä  unb  barum  wirb  e$  fta)  wofjl  ber  5fttül)e  lohnen/ 
baß  wir  btefen  poa)widjtigen  ©egenjtonb  mit  tiefftev  Grprer* 
bietung  noa)  weiter  beleuchten  unb  geigen,  warum  bie  8a)rtft 
bem  ©laufen  bie  Rechtfertigung  $ufa)reibe,  unb  wie  wir  biefe 
tröftfia)e  2eljre  auf  uns  anwenben  fetten*  £>ieg  nemlia)  ijt  ber 
©runb,  auf  wela)em  Me$  ruijt,  wa$  in  biefem  Sßerfe  biö 
an'3  (£nbe  folgt  £)ieg  ift  bie  Duelle,  au$  welker  aller  £rofi 
für  bie  betrübten  Seelen  fliegt  £>teg  ift  ba$  £ia)t,  welä)e£  bie 
£er3en  erleuchtet,  unb  J>ier  liegt  bie  2Bur$el  eme3  fertigen  unb 
©Ott  wohlgefälligen  £eben£  verborgen;  barin  fteeft  aber  aua) 
bie  $raft,  welche  alle  £rübfal  überwinbet  unb  felbft  bie  bitter* 
feit  be$  £obe3  »erfügt  —  $aulu$  fügt  bem  ©lauben  ftei$  t>m 
tarnen  3efu  bei,  um  t>amit  anzeigen,  wofjer  jenem  fola)' 
groger  $or$ug  fomme,  bag  er  bie  fünblicfje  Seele  gerecht  maa)t 
2) er  ©laube  tji  feiner  Meinung  naa)  ba$  einzige  Glittet,  burä) 
weldjeS  wir  $u  ber  ©emeinfa)aft  mit  Gtjmfto  gelangen  tonnen, 
barum  wirb  aua)  ijjm  allein  bie  Rechtfertigung  3ugefa)rieben* 
2)a£er  muffen  wir  3efum  @l?riftum  gehörig  betrachten  unb 
awar  1)  in  Rücffia)t  auf  ©Ott  —  $on  biefem  nun  fagt 
bie  ©a)rtft,  bag  (£rgleia)  anfangt  bem  gefallenen  9ttenfa)enge* 
fdjtea)t  ben  SßetbeSfaamen  »erzeigen  |>abe,  welker  ber 
8a)lange  ben  ®opf  vertreten  folte*  <i$  jammerte  ben  liebreichen 
©Ott,  bag  hk  9flenfa)en"  bura)  beS  ©atanS  £ift  in  ein  fo  grogeS 
(£tenb  »erfunfen  waren;  barum  j)at  dx  gteta)  naa)  bem  galt 
baöWliüd,  (weltt)e^^rt?on^wig!eit|)er5)erorbnet^atte,)  wo* 
bura;  ber  gefallenen $?enfd#eit  wieber  aufgeholfen  werben  fonn* 
te,  —  nemlia)  bie  <£rlöfung,  bie  bura)  ba$  IBlut  3efu  ^rifH 
gefa)epen  follte,  funbgetjmn*  2)er  barmherzige  ©Ott  fyattt 
feinen  ©o|m  $um  Mittler  erwählt  awifa)en  3£m  unb  ben  $cen* 
ja)en,  als  ben  2Iller£eifigften,  ber  bura;  <5i$  felbft  alle  Slnbere 
^eiligen  unb  fegnen  follte.  2luf  2)enfeloen  »erwies  (£r  aueb  fo* 
fort  bie  9ttenfa)en  unb  fteUte  3£n  nia)t  blo$  in  £)pfern  unb  man* 
ajertei  Silbern,  fonbern  aua)  in  sielen  beuttia)en  2lu$fyrüa)en 
»or*  2itle  feine  tyxopfytttn  mugten  von  Semfelfcen  jeugen,  bag 


417 

bur$  ©einen  tarnen  Sllle,  bte  an  3pn  glauben,  SBergebuttg 

ber  ©ünben  empfapen  f  ollem  £)j?ne  3pn  follte  91-iemanb  ©nabe 
poffen  $on  bem  geredeten  unb  jjetligen  @ott ;  in  3£m  aber  fott 
©nabe  über  ©nabe,  Xxcft  über  £roft,  unb  bte  gange  ©üte  be$ 
2l(ler£öd#en  fe^m  ©aper  tji  auü)  3efuä  ber  ten  beS  gangen 
alten  £efiament$,  oberste  Cutter  xifytiQ  bemerft:  „3n  ber 
gangen  ©djrift  ifi  alle*  eitel  (^rifhtö,  ©otteS  unb  harten 
©ojim"  2Ber  liefen  bat,  bem  jkpt  bie  ©cr)rift  offen,  unb  je 
großer  fein  ©laube  an.Gtlmftum  wirb,  befto  fetter  wirb  tym 
bie  ©djrift  2)ieß  iffc  bie  gange  ©üte  ©otte$,  bie  ber  £err  an 
9ttofe  oorübergejjen  lieg;  bieg  ift  bte  Söurgel  3fai,  welche  fte* 
pen  unb  aufgerichtet  werben  foll  gum  panier,  barunter  jt$  alle 
Golfer  fammeln  f  ollem  £)ieß  ift  3tnwanuel,  welken  bie  ©lau* 
bigen  allen  liftigen  2lnf<$lägen  iprer  geinbe  entgegen  ffellen ; 
hk$  tjl  ber  2lu3erwä£lte  ©otteg,  an  weitem  ©eine  ©eele 
SBoplgef  allen  fyat,  ber  tiaö  gerftofene  dlcfyx  nid?t  gerbredjen 
unb  ben  glimmenben  £)o$t  nidjt  auslösen  wirb*  2)ieß  tfl 
nact)  3efaia$  ber  (£ngel,  weiter  x>ox  ©otteS  Slngejtc^t^ept; 
auf  3£n  warf  ber  £err  ade  unfere  ©ünben,  unb  (£r  ß  um 
unferer  SWiffetpat  willen  serwunbet  unb  um  unferer  ©ünben 
Witten  gerfd;lagen  worbem  3£n  nennt  3^^mia^  ben  J&errn, 
ber  unfere  ©erec|tigfeit  tft;  unb  (£gecr)iel  ben  Wirten,  ber  ba& 
SSoXf  miM;  unb  Daniel  ben  2Werljeiltgften,  burdj  wetzen 
ber  Uebertretung  gefeuert,  t>k  ©ünbe  tterftegelt,  bie  üDftffetpat 
»erfopni  unb  bie  ewige  ©erec^tigfeit  wieber  gebraut  werben 
foll*  £aggai  nennt  3jw  ^n  £rojt  alter  Reiben ;  S^c^aria^ 
einen  freien,  offenen  Brunnen  wiber  bie  ©ünbe  unb  Uebertre* 
tung ;  $Mea$i  enblid; :  bie  ©onne  ber  ©erecr)tigfeit,  t>k  baö 
£eil  unb  bie  ©eligfeit  unter  i^ren  glügeln  trägt*  —  %m  9L 
£ej*ament  wirb  nod)  beutlidjer  begeugt,  baß  3efu$  ber  eingige 
Mittler  $wtfc$en  ©Ott  unb  h^n  Sftenfdjen  unb  in  feinem  Hnbern 
bie  ©eligfeit  gu  fmben  fep,  aU  in  3£m*  $om  £immel  fam 
eine  Stimme:  „£)teg  tjl  mein  lieber  ©opn,  an  welkem  i$ 
SBoplgefallen  l)abe*"  $lu$  nennt  3efu$  <5i§  felbj*  bk  ©abe 
©otteg,  welche  dx  ber  SSelt  gegeben  j?at,  bamit  2We,  bie  an 
3jjn  glauben,  ba$  ewige  ?eben  paben  f ollen*  <£x  fagt:  ©Ott 
pabe  3jm  »erftegelt,  b.  i.  gu  feinem  £au#alter  serorbnet  unb 
6c*i»er>*  6eelenf$a$»  27 


418 


kwl(mää)tigt,  t>c$  (£x  bie  ©petfe,  bie  ewiges  Seben  bringt, 
ben  üttenfdjen  geben,  unb  baß  alte  SSerJeiffungen  ©otteS  3a 
unb  2lmen  in  3N  fepn  follem  —  Paulus  fagt:  ©Ott  pabe 
3efum  ttorgefletlt  au  einem  ©nabenftuj?!  bura)  ben  ©fauben  in 
feinem  331ut;  (£r  J>abe  uns  angenehm  gemalt  in  bem  ©elieb* 
ten  Qjabe  uns  $u  ©naben  angenommen  um  feines  (SoljmeS 
Witten);  eS  Ijabe  ©Ott  gefallen,  bag  in  £)emfelben  alle  plle 
ber  ©nabe,  be3  £roffeS ,  ber  ©eredjttgfeit  unb  Seligfeit  wofj* 
nen  folle,  unb  baß  burä)  3jm  2111eS  »erfojmt  werbe,  ©er  getreue , 
©Ott  enbtia)  |mbe  uns  berufen  $ur  ®emetnfa)aft  feines  <5op* 
neS,  baß  wir  aller  feiner  (Segnungen  (feines  ®reu$eS  unb  £o* 
beS)  feiner  ©erea)ttgfeit  unb  ©etigfeit  tj)eil£aftig  unb  Sttiter* 

ben  beS  ewigen  Gebens  werben  follen* Raffet  eS  eua) 

ni#t  »erbrießen,  meine  £efer,  baß  iä)  mia)  Riebet  etwas  langer 
aufhalte,  ia)  l)abe  meine  ©rünbe,  bie  aus  bem  golgenben  er* 
fetten  werben*  Ser  ein  bauerfwfteS  ©ebäube  errieten  will, 
muß  twr  allen  fingen  einen  guten  ©runb  legen*  Sir  reben 
»on  ber  Rechtfertigung  beS  ©ünberS,  unb  muffen  ben  ©runb 
in  ber  £iefe  beS  ewigen  diafy fa)luffeS  unb  ber  unbegreiflia;en 
%itf>e  ©otteS  fua)en,  unb  bie  golge  wirb  lebren,  baß  wir  3tü 
unb  Wltyt  nidjt  umfonft  barauf  wwenbet  Ijaben*  —  2Bir 
muffen  nun  aber  aua)  2)  dljriftum  betrauten,  in^eaiejjung 
auf  3pn  felbft,  wobei  au  bemerlen  ift,  baß  <£r  ©Ott  unb 
SDtafa)  ift  in  einer  ungetrennten  $erfon,  unb  ha$  dx  unfer 
Mittler  ift.  nia)t  naa)  (£iner  fftatur  allein,  fonbern  naa)  M* 
bem  £)af)er  fagt  t>k  <5ä)rift:  „(£S  tj*  ein  ©Ott  unb  ein 
Mittler  awifa)en  ©Ott  unb  ben  $?enfa)en,  nemlia) 
ber5Jttenftt)(£f>riftuS3efu$  jc*;  ober:  ßfjrijtuSfommt 
au$  t>tn  Tätern  p er  naa)  bem  gleifa),  berbaiji 
©Ott  über  2llleS  gelobet  in  (£wigfeit  jc,"  <£m  wahrer 
!3ttenfa)  mußte  unfer  Mittler  fepn,  bamit  (ix  uns  angehören 
möa)te;  (Ex  mußte  aber  aua;  wabrer  ©Ott  fe^n,  bamit  fein 
331ut  einen  gottlia)en  SBertlj  fyätte*  @benfo  ift  aua)  unfer  5D?itt^ 
ler  ber  5111er fjeiligfte,  ber  von  leiner  ©ünbe  wußte  und  nie  eine 
cBünbe  getrau  jwt;  benn  einen  fola)en  £ojjenpriefter 
follten  wir  paben,  ber  ba  wäre J> eilig,  unbefletft, 
»oii  ben  Sünben  abgefonbert  unb  £ü£cr  benn  ber 


419 


£tmmeliff,  bem  nic$t  täglich  9totp  wäre,  wtejienem 
£ojjevrtefter,  auerjt  fü*  eigene  ©ünben  Dpfer 
gu  tfjun  uttb  ttac^er  erftfürbeS  $olfeg©ünbe*  — 
2lu$  einer  trüben  DueKe  fann  man  fein  reineö  SÖaffer  fcfyöpfen, 
unb  von  einem  Ungerechten  fann  man  feine  ©  er  ecfjtigf  eit  erwar* 
tem  2Bäre3efu£  felbft  mit  ©ünben  Behaftet  gewefen  wie  bie  an* 
bern  2J?enfd>en,  fo  Jwtte  er  nt$t  für  unfere  ©ünben  büßen,  au<$ 
un$  feine  ©ered)tigfeit  fctjenfen  fonnen,  weil  dx  aber  gan$ 
Zeitig  unb  rein  war  unbbodj  att  ©ünber  leiben  mußte,  fo  folgt, 
t>a$  (ix  für  unfere  ©ünben,  bie  (ix  tilgen  wollte,  gelitten  unb 
unö  bie  ©erecjjtigfeit  erworben  f>at*  2Beil  aber  t>k  ©ered)tig* 
feit  (grifft  eine  göttliche  ift,  fo  reicht  fte  jun  für  alle  ^enfc^en; 
ba^er  eignet  au$  bie  ©$rift  bem  (Möfer  bie  gülle  ber  ©nabe 
$u,  wie  So^anne^  fagt :  „2lug  feiner  gülle  jjaben  wir 
genommen  ©nabe  um  ©nabe*  $aulu$  fcjjreibt  3£w 
einen  unerforf erliefen  Sfteicfytljum  $u,  weil  (£r  na$  feinem 
TOttleramt  ben  fRtitijfyum  ber  ©nabe  ©otte$  in  feiner  £anb 
ljat,  unb  au$  ©iä)  felbft  bie  Vergebung  ber  ©ünbe,  bie  EKupe 
ber  ©eele,  t>m  £roft  in  ber  £rübfal  unb  ha$  %tbm  im  Stöbe 
reicpcl)  auätyetft— -  Die  SBunben  anjefu  gleichen  unaufhörlich 
ffteßenben  Duellen ,  t>k  ftd)  nocf>  täglich  über  Ut  gan^e  ^ircfye 
ergießen  in  viele  taufenb  ©eelen.  <&ein  ^er^  iß  ein  ©cf>a|  voll 
göttlicher  ^?te6e*  33i3£er  ^aben  alle  ©laubigen  retcpdj)  bavon 
genoffen,  wir  genießen  biefelbe,  unb  auc^  unfere  9?ac|>fommen 
werben  fte  genießen*  £utper,  ber  fola)e  felbft  an  ftdj  fo  retetylidj 
erfahren  |>at,  fagt  barüber:  „@£rijrtt$,  unfer  £err,  ift  ein  un* 
erf^ö:pflic|)er  Brunnen  unb  bie  tluelle  aller  ©nabe  unb  2Ba£r* 
Jjett,  aller  ©eredjtigfeit  unb  %&ntyt\i  unb  alles  £ebenS ,  bie 
ofme  Sttaaß,  Ohtbe  unb  ©runb  tff,  fo  baß,  wenn  auc$  bie  gan^e 
Seit  fo  viel  ©nabe  unb  2Ba£rl?eit  barauS  f^öpfte,  baß  lauter 
(£ngel  barauö  würben,  ipx  nifyt  ein  £rö>flein  abginge.  2Me 
Duelle  lauft  immer  über ;  barum  fa)enf et  nur  getroft  ein,  unb 
trinfet  mit  £uft  unb  greuben;  benn  £ter  ift  Ueberfluß  genug 
U$  tn'S  ewige  Mem"  3k  biefem  ©inne  ift  e$  auefj  $u  nehmen, 
Wenn  $aulu$  von  fiel)  unb  feinen  2fyofMn  fagt :  fte  fespen  gwar 
icok  bie  Firmen,  bie  aber  bod)  S8ÜU  rei$  machen,  weil  fte  burdj 
ba$  S&ori  Ue  ©$äge  3efu  (Sjmfti  eröffnen*  —  £ier  ift  aber 

27* 


420 


mä)t  $u  überfein,  tag  wir  nia)t  *>on  ber  ©ereä)tigfeit  be$ 
©oJmeiS  ©otte3  panbeln,  bie  (ix  fa)on  feinem  Sefen  naa)  pat, 
fonbern  ^cn  berjemgen,  welche  dx  buta)  fein  bittere^  Reiben 
unb  ©terben,  alfo  burä)  feinen  ©eporfam  erworben  fjat*  £>a* 
per  petgt  e^  aitc^ :  „Str  werben  gerea)t  au$  QoQtttö 
©nabebura)bie  <£rlofung,  bie  bura;  3efum  <£$xi* 
ßum  gefa)epen  ift;  ober:  burcp  ben  ©eporfam  be$ 
CEinen  fe^en  SSt ele  gerecht  worben;  ober:  CtpriftuS 
pat  uns  erlöfet  $om  glua)  bes  ©efe#e3,  baGEr 
warb  ein  glua)  für  uns,  auf  baf  ber  ©egen  Slbra* 

$am$  unter  bie  Reiben  fäme  in  (££rt"jio  3 ^ f «•'' 

3}  Sir  wollen  enbliä)  au$  Gtfmftum  in  53cjtepung  auf  une  be* 
trauten*  (ix  patte  »on  Anfang  an  ©eine  ?up  an  ben  $?en* 
fdjenfinbern,  unb  pat  fta)  au$  Jjergliajer  ^?iebe  unb  ©nabe  $u 
t^nen  perabgelaffen*  Sie  (Ex  tton  (£wigfeit  per  ©ia)  augeboten 
tyaitt,  ba3  gefallene  Üftenfa)engefa)lea)t  ju  erlöfen,  fo  fyat  dx 
e$  in  ber  gülle  ber  Stil  erfüllt  unb  ift  $war  arm,  aber  reiä)  an 
Siebe  unb  (Mte  in  bie  Seit  gefommen*  ©ein  ganzes  Seben 
^eugt  *>on  Siebe ;  (£r  $at  ©ia)  felbfi  ermebrigt,  weil  ba$  $u 
feinem  SSor^aben  nötpig  war ;  boa)  offenbarte  (Er  aua)  guwei* 
len  ©eine  £errtid>feit  burd)  Sunber*  ©eine  Siebe  leua)tete 
aug  feinen  ©eberben,  unb  feine  Sorte  fugten  tton  ber  greunb* 
tta)feit  feinet  ^ergenS*  Sa£  (£r  tpat,  tyat  (ix  au$  per^er 
Siebe  gu  un&  @r  pat  eine  ewige  ©erea)tigfeit  erworben,  aber 
nia)t  für  ©ta),  fonbern  für  uns ,  (ix  pat  ©ünbe,  Stob,  Teufel 
unb  £otle  überwunben;  aber  ber  ©ieg  iß  uns  gegeben,  dx 
felbfl  ift  un$  gefa)enft  unb  mit  3j?m  5lKeö;  (ix  tfi  gefommen, 
um  unfere  91a  tur  ansunepmen  unb  un$  feiner  gottlia)en  9la* 
tux  tpeilpaftig  $u  maepen,  unb  unfere  ©ünben  wegsunep* 
men*  dx  ift  unfer  £au!pt,  wir  ftnb  feine  ©lieber,  dx  iji  ber 
Seüulotf ,  wir  ftnb  bie  Dieben  ic.  —  ©a»on  geugt  nun  aua)  Uc 
peilige  ©a)rift,  bag  3efu£  nicptS  anberS  in  ber  Seit  gefudjt 
pabe,  aU  unfer  Heftes,  baß  (£r  un$  mit  feinem  Seben,  Seiben 
unb  ©terben,  mit  feiner  ©ereeptigfeit,  feinem  23erbtenft  unb 
feiner  ©eligfeit  angehöre,  unb  ba$  wir  ung  fo  feft  barauf  »er* 
taffen  fonnen,  xt>k  wenn  wir  2llfe$  felbft  getpan  unb  gelitten 
pätten,  3efaia^  fagt;  „Un$  ifi  tin  tinb  geboren,  ein 


421 


6o£n  ifl  un£  gegeben;  unb  ber  (£nget  bei  ber  ©eburf 
3efu  faßt : „S t e ^ e  tcfyserfünbigeeuajgrogegreube; 
benn  eua)  tg  £eute  ber  ^> eil anb  geboren  :c/'  23alb 
naa)  ber  ©eburt  würbe  bag  $mb  befa)nitten,  unb  baj?  audj 
tiefet  $u  unferem  heften  gefa)ef?en  fe$,  leiert  ber  2tyojM: 
„©Ott  £at  feinen  ©opn  gefanbt,  geboren  x>on  et* 
nem  SSeibe  unb  unter  ba$  ©efe#  getjjan  icj'  —  fßon 
feinem  Reiben  fprict)t    ebenfalls  3efaiaS :   „gürwajjir  dx 
trug  unfere  $ranfl)eit,  unb  lub  auf  ©ia;  unfere 
©a)mer£en2c*  gerner:3n  bem  £errn  jjabe  ta)©erea> 
tigfeit  unb©tärfe+  Steine  ©eele  fjlfVijjn<$  inmei* 
nem  ©Ott;  benn  (£r  fyat  mia)  angezogen  mit  ben 
Kleibern  be$  £etlgjc*"  £te£er  geboren  aua)  folgenbe 
©teilen  aus  ben  Briefen  $auli :  „©  Ott  greifet  feine  Zitbt 
gegen  un$,  baj?  (££rtjlu$  für  un3  geworben  iji  2ßir 
finb  mit  ©Ott  serföfmet  burd)  ben  X ob  feinet  ©of>* 
ne£*  d^ripuö  tfl  um  unferer©ünbe  willen  baljin 
gegeben,  ©leidjwte  bura)  (£ine$  5^enf(^en  Unge* 
£orfam  tttelc  ©ünber  geworben  finb,  alfo  werben 
burd?  (£ine$  ©ej?orfam  fßieU  gerecht*  (Tprtpuö  iji 
un£gen;aa)t  son  ©ott  ^ur  2Bei$£eit  unb  $ur©e* 
?ed?tigfett:e.  ©ott  I?at  2)en,  ber  t>on  feiner  ©ünbe 
wußte,  für  un6  $ur  ©ünbe  gemalt,  aufbafhc"  — 
2lbermal3  Uttt  iify  meine  £efer,  ee  fid>  ni$t  tterbriegen  $n  laf* 
fen,  baß  ia)  fo  gar  x>ick  ©prü$e  anführe;  allein  e£  ge^t  mir 
wie  einem  burftigen  Sauberer,  ber  eine  frifa)e  £luette  ft'nbet 
unb  einen  3«g  unt  tm  anbern  barau£  tjmt,-fct$  er  feinen 
2)urß  löfe&t»  3$  ntug  einen  ©pru$  um  beri  anbern  anführen, 
weil  fte  alle  au£  ber  Duelle  ber  ewigen  %hU  @otte$  fommen 
unb  bie  traft  be$  £obe£  3efu  mit  ft$  führen,  (ürin  jeber  tttöre 
e$  wert£,  baß  er  naa)  allen  feinen  Xfyäkn  forgfälttg  erwogen 
würbe,  wenn  e$  bie  %tit  gemattete*  —  (£nblid)  le£rt  Uz  ©$rift, 
baß  wir  au^  an  ber  $uferfte|mng  unb  Himmelfahrt  be3  #errn 
SEJetf  paben,  $♦  33.:  ,,©ott,  ber  ba  reia)  ijt  an^arm* 
persigleit  bur$  feine  große  Zieht,  bamit  (£r  un$ 
geliebet  tyat,  ba  wir  tobt  waren  in  ©ünben,  jjat  (£r 
uns  fammt  (£f>ri#o  lebenbig  gematt)t:c,  SG5er  will 


422 


serbammen?  GtfjrtjtuS  iß  Ijier,  ber  geworben,  j[a 
vielmehr,  ber  aua)  auferwedet  ifhc*  GtlmfiuS  ijt 
tnben  £immef  eingegangen,  unt  *>or  bem  Singe* 
ftcfjt  ©otteS  au  er  [feinen  für  uns/'  lluS  allen  biefen 
©teften  nun  erijeftt,  tag  uns  (£*mjtuS  barum  »om  23ater  ge* 
geben  worben  fep,  bamtt  (£r  etn  allgemeines  (&ut  atfer  9#en= 
f$en  würbe*  (£r  i(!  bie  ©eefe  unb  ber  Wliüdpunft  ber  $tra)e, 
ber 23aum beS £ebenS,  ber ©nabenfiuljl,  aufweisen  alleren* 
fdjen  fcerwiefen  jtnb,  fo,  baf?  wer  an  3|w  glaubt,  nia)ts  anberS 
#ut,  a^  was  bem  2Öiften  ©otteS  gemäß  ift  2)aS  ^er^  3efu 
ifl  t>ott  %kbtf  mt  lann  3£nt  etwas  angenehmer  fe^n,  als 
wenn  bk  SEftenfdjen  mit  Verlangen  gu  3jw  fcmmen  unb  feiner 
©nabe  fatt  werben,  2BaS  anberS  würbe  ein  SBaum,  ber  soft  rei* 
fer  §rüä)te  fragt,  fagen,  wenn  er  reben  fonnte,  als :  23rea)et  ifjr 
5ttenfa;en;  benn  euä;  au  gut  Ijat  mi$  ©Ott  erfdjaffen  unb  mit 
folgen  grüa)ten  erfüftt!  3efuS  ift  ein  fofa)er  23aum ,  beffen 
grüo)te  jtnb  ©otteS  ©nabe,  Vergebung  ber  ©ünben,  Zxo% 
grtebe,  greube,  %tUn  unb  ©eligfeit  (£r  ruft:  „kommet 
per  gu  mir  2Ule,  bie  if>r  mü^feliß  unb  belaben 
fe^bjc.  2Ben  ba  bürftet,  ber  fomme:c*  3$fcirtbaS 
S3rob  beS  SebenSje,,  wer  an  $Ha)gla  übt, benwirb 
nimmermehr  jungem/'  —  £)iefe  Sorte  £ört  man  noa) 
immer  in  ber  $ird)e;  benn  ber  £err  jjat  ©einen  Wienern  befojj* 
len,  ben  $?enftt)en  ©eine  £iefce  anzugreifen,  fte  ju  ©einer  ©e* 
meinfa)aft  einaulaben  unb  ijjnen  bie  ©ö)nft  ^u  erffärem  dx  i(t 
felbfi  iljätig  oei  ber  SBerfünbigung  ©eines  SöorteS,  uub  (äffet 
bie,  wela)e  es  im  ©lauben  annehmen,  erfahren,  baß  es  fein  lee* 
rer  ©a)aft  fep.  (£benfo  fteffi  fta)  SefuS  felbft  täglia)  ©einer 
$ira)e  bar  in  ben  jmligen  ©aframenten,  <£r  fommt  immer  mit 
SfiSaffer  unb  $Btut,  (Ex  hkm  jta)  barin  Sitten  an,  wela)e  ©einer 
bebürfen;  Sfaemanb  ift3£m  au  ijjoa)  ober  au  niebrig,  au  wty 
ober  au  arm,  aua)  forbert  (£r  weber  ©über  noa)  ©olb,  fonbern 
nur  ein  bußfertiges  glaubiges  £era*  Sebürftigerunbbe* 
gieriger,  bejlo  beffer,  j[e  armer,  beftolieber,  (Erfurt 
nur  ben  SBifteu  ©eines  SBaterS  ^u  vollbringen  unb  sriele  ©eelen 
feiig  au  magern  3n  biefem  ©inne  fagt  2)awb  in  feinem  9la* 
men:„©ie^e3a)fomme,2)einenSÖSinen,  mein  ©Ott 


423 


tpue  ify  gerne "k>  £>ber  vx>ie  3efu^  fetbp x>erftc^evt :  „£)aS 
tf  ber  2Büle  beS  Katers,  ber  miä)  gefanbt  £at,  baf* 
3 a; nt^) ts  verliere  $on Willem :c+;  ober :  Steine© ip elf e 
tffcbte,  bafndj  tfjue  benBillenbeß,  ber  mia)  gefanbt 
p at  Ki  (£r  Jwt  baS  ©efe$  ber  £iebe  immer  in  feinem  #eraen 
unb  feine  |>ocf>|k  greube  ift:  baS  Verlorne  au  fud?en  unb 
feligaumaa)en*  —  £)aS  53i^^ertge  nun  motten  wir  mit  ben 
treppen  SBorten  £utperS  begießen:  ,/Der  ©runb  beS  (&>an* 
geliumS  ift,  baß  bu  @£riftum  awor,  ejje  bu  3£n  aum  33eifpiel 
nimmft,  als  eine  ©abe  ©otteS  betrauten  lernfi,  hk  gana  beut 
eigen  fe^,  fo  bag  hu,  wenn  bu  3|>n  etwas  tyun  ober  leiben 
ftej?ft,  ntc^t  a^eifelft,  (£lmftuS  fe$  bein  mit  ©einem  Xpun  unb 
Reiben,  unb  bu  bürfeß  bify  fo  feft  barauf  wlaffen,  vx>te  wenn  t>\t 
e£  felbft  getrau  jjättefi  ©ie|>e,  baS  f>etgt  baS  Grsangelium 
rea)t  erfennen,  baS  ift  bie  überfa)wengli$e  ©üte  ©otteS,  bie 
fein  ^ropfiet,  fein  2tyoftel,  fein  (£ngel  je  auSfprea)en  fonnte, 
welche  9ftemanb  begreifen  unb  worüber  fta)  fein  £era  genug 
serwimbern  fann.  2)ieß  ift  bie  unauSfyrea)lia)e  %kU  ©otteS 
gu  uns,  babura)  wirb  baS  £era  unb  ©ewiffen  frof),  ft$er  unb 
aufrieben  iu  £)a»on  fagtSefaiaS:  diu  tinb  ift  unS  geboren, 
ein  ©ofm  iß  uns  gegeben»  3ft  @t  uns  gegeben,  fo  muß  (£r 
aua)  unfer  fe^n*  ©iel?e,  wenn  hu  alfo  (£jmjutm  als  ©otteS 
©abe,  bir  als  (£igentfmm  überladen,  betraä)teft  unb  aWeifelji 
nto)t  baran,  fo  bift  t>u  tin  Qfyrift;  ber  ©laube  erlöfet  bia)  x>vn 
©ünbe,  £ob  unb  ^olle"  je.  —  ©ott  gebe  allen  feinen  Wienern 
bie  ©nabe,  t>&$  fte  $>k%  ©ef>eimniß  feiner  £iebe  unb  vk$  28un* 
ber  feiner  ©üte  felbft  xzfyt  ^erfte^en  unb  eS  aua)  mit  greubig* 
feit  ber  ©emeinbe  serfünbtgen  mögen!  —  —  (£S  ijl  noa) 
übrig,  ba$  wir  aucf>  vom  ©lauben  baS  ^otpige  fagen,  ba  ber 
2tyoftelfagt:  „weil  wir  wiffen,  baß  ber  Sftenfd?  burdj 
beS  ©efe^eS  S&erfe  nia)t  gerecht  wirb,  fonbern 
bur$  ben  ©lauben  an  3efum  @J>rijtum,  fo  glauben 
wiraua)an3^n  jc/'  3?a.a)  bem  bisher  ©efagten  ift  eS  ber 
©laube,  ber  3efum  (£f>riftum  als  baS  |>öd;fte  ©ut,  in  wel* 
djem  alle  gülle  ber  ©nabe  au  ftnben  fe^,  annimmt,  fta)  a«  etgeit 
mao)t  unb  aus  ber  sollen  Duelle,  bie  ipm  geaetgt  iß,  mit  greu* 
benfo)ö>ft*  Segwegen  fagt^auluS:  „3$  ^in  bura)  baS 


424 


©efe§  bem  ©efe§  geworben,  auf  bafH$  ©Ott  lebe," 
b*  w  t$  Iffabe,  wa$  meine  Rechtfertigung  betrifft,  mit  bem  ©e* 
fe£  SWoftö  mc^t^  mejjr  $u  tpun,  fein  Dropen  erfcprecft  mt$ 
nidjt,  mein  ©ewiffen  ijt  r>on  feinem  3wang  frei;  ify  Übt  aber 
meinem  ©Ott,  ber  mify  burdj  @priftum  lebenbtg  gemacht,  unb 
mir  ba$  ewige  Ztbtn  ^ugeftcpert  pat  3$  fyabt  nun  glei^fam 
eine  neue  ©eele  befommen, —  3efum  gpriftum,  ber  in  mir 
UU,  ber  midj  burdj  feinen  ©eijt  regiert,  ba%  ify  mit  willigem, 
fröpltcbem  £er$en  meinem  ©cit  in  finblictjem  ©eporfam  $u 
<££ren  lebe,  unb  was  ba$  ©efe£  mit  allen  feinen  £)rojjungen 
früher  ntcpt  r>on  mir  erzwingen  fonnte ,  ba6  tljue  t$  j[e£t  in 
ber  $raft  be£  #errn  3efu  unb  bitrc^  ben  eintrieb  feines  peiligen 
©eijtes  mit  SBilligf  eit  :c,  (£r  fagt  nocp  treuer:  „3 $  bin  mit 
djjrijtogefreu^igtjer  pttc  wojjl  fagen  fönnen:  icp  pabe 
Xfytil  cm.  £obe  @j>rtfti;  er  brücfi  ftdj  aber  abftcijtticp  anberS 
au$,  um  bie  2irt  be$  ©tauben^  baquftellen,  Seil  mein  £ei* 
lanb,  will  er  fagen ,  für  mid)  am  $reuj  gejtorben  ift,  tcp  aud> 
fot$e$  nidjt  bto$  weiß,  fonbern  r>on  £er^en  glaube,  fo  ift  au$ 
um meinetwillen  bem ©efe$e  ©otteg fo  oollf ommen  genug  getrau, 
als  wenn  i$  felbjt  am  trenne  für  meine  ©ünben  gebüßt  fyättt. 
SBeil  3efu3  mid)  fo  fefjr  geliebt  1)<xt,  baß  &x  ftdj  für  midj  in 
ben  Stob  bapin  gab,  weil  meine  ©eele  an  3pm  allein  fanget, 
fo  finb  wir  nun  nicr)t  3wet,  fonbern  din$+  d^rtftu^,  ber  ©e* 
freu^igte,  ift  meiner  Seele  Seele,  mein  £eben,  meine  ©ere<$* 
tigfeit,  meine  $raft,  meine  Stärfe,  mein  2llle£;  ify  weig  von 
leiner  Sünbe,  r>on  feinem  £obe,  oon  feiner  £ölle,  fonbem 
3efuö  allein  mit  feiner  ©nabe  unb  Sieht,  mit  feinem  ^rieben, 
unb  mit  feinem  ©eijt,  lebt  unb  perrf^et  in  mir,  Sftein  anbereS 
£eben  im  gtetfdj  acpte  ity  für  fein  £eben,  fonbern  mein  re$te$ 
£eben  fiept  im  ©lauben  beS  Sojme3  @oite£  k.—  £tebei  ift  nidjt 
auger  2lcpt  ju  taffen,  ba$  berv2lpoftelbetbiefem  wichtigen  ©e* 
genfianb  feine  $Jerfon  gan$  jurücffe^t  unb  son  ftd)  felbjt  nid>t£ 
wiffen  will,  fonbern  fagt:  „dt  lebe  nicpt  mepr."  <Ex  ftellt  ftc^ 
bto$  bar  in  ber  ^erfon  be$  ©efreuaigten  unb  fprid;t:  ,,(^r 
fey  mit3pttt  gefreu^igt;1'  aucp  rebet  er  son  einer  folgen 
©emeinfc^aft  awifc^en  (Sjmfto  unbipm,  wie  5Wif$en  ber  Seele 
unbbemSeibe:  „^priftu^lebtinmir;  triebe  im©lau^ 


425 


ben  be$  ©  o£ne$  ©  otteS,"  SDamtt  man  aber  wtffe,  warum 
er  ftd?  fo  genau  gtt  3efu  palte,  fügt  er  fun$u:  „©  er  mid) 
geliebt  unt>  fid;  felbft  für  mid)  gegeben  $at"  —Seit 
©Ott  aXfo  feinen  ©ofm  uns  ^um  Mittler  fa)enfte,  unb  tiefer 
aU  wahrer  ©Ott  unb  50?enf$  für  uns  bem  ©efe$  ©enüge  ge* 
leißel^at,  <Sia)  aua)  un$  nod)  \t%t  im  2Sort  unb  in  ben  jjei* 
Itgen  ©acramenten  anbieten  lägt;  weil  wir  enblid)  bie  Sei* 
fpiele  ber  ^eiligen  *wr  ung  paben,  welche  $$  im  (Flauheit 
mit  Ctjmßo  »erbanben,  unb  baburdj  feiig  geworben  fmb,  fo  ifr 
ofenbar,  bag  e3  fein  anbere^  Mittel  gebe,  hk  ©eredjtigfett  $or 
©ott^u  erlangen,  al3  ben  ®lauhen,  welker  ftc^>  ni$t  auf  feine 
eigenen  guten  3Berf e ,  f onbern  bloS  auf  Sefum  »erlägt  unb  xn 
3j>m  allein  £eben  unb  ©eligfeit  fu$t  £)em  ©lauben  allein 
wirb  übrigen^  bie  ©eredjttgfett  be^wegen  angetrieben,  weil 
er  ©Ott  bie  (£!?re  gibt,  feinen  Bergungen  traut,  mit  (££rijto 
»erbunben  ijt,  unb  uns  mit  3pm  vereinigt  £)enn  auf  biefer 
Bereinigung  beruht  ba$  ©an^e,  unb  mc  £{mfht$  für  unfere 
©ünben  gebügt  fyat,  fo  wirb  uns  aud)  feine  ©erec^tigfeit  gu* 
geregnet,  ober  \x>k  $aulu£  bemerft,  wir  finb  bur<$  3jm  bie 
©ere^ttgfeit,  hie  sor  ©Ott  gilt  —  Bon  biefer  ©emeinf^aft 
mit  dfmfto  bur$  ben  ©lauben  fpric^t  bie  ©a)rift  an  me£re* 
ren  ©teilen:  „33er  £err  iß  unfere  ©eredjtigfett 
(££rtßu3  iß  gemacht  *>on  ©Ott  $ur  ©erec^tigfeit* 
Qt^rißu^  wojjnt  burdj  ben  ©lauben  in  unfern  £er* 
3eiu  (£$  ift  nitfytö  Berbammlt$e3  an  benen,  btein 
dprißo  3efu  finb»  3$  ä$te  2ille$  für  ©djaben, 
auf  bag  ta;  Qtjjrißum  gewinne  unb  in  3!)m  erfunben 
werbe,  va$  id)  f>abe  ni$t  meine  ©eredjtigfeit  ic. 
3$  jage  ipm  naa),  ob  ia)3  audj  ergreifen  möchte, 
na^bem  ia)  von  3efu  ergriffen  werben  bin*  ©Ott 
iß  getreu,  bur$  welchen  tpr  berufen  fe^b  $ur  ©e* 
meinfe^aft  feinet  ©opne$2c,  2Ste  sie l  euer  getauft 
finb,  bie  paben  (Sfjrißum  angezogen*  3ßa£  wir  gefe* 
£en  utvb  gehört  Ijaben,  baß  »erlünbigen  wtreu<$, 
auf  bafHpr  mit  ung  ©emetnfdjaft  £  ab  t,  unb  unfere 
©emeinfd?aft  fep  mit  t>em  Bater  unb  mit  bem 
©opne  k.u   —  Bon  biefer  Bereinigung  mit  Gtyrißo  im 


426 


(Glauben  jmben  siele  £eprer  ber  $ira)e  gerebet,  3*  ©♦  3uftmt>er 
Märtyrer:  „2öa$  anberä  l^at  unfere  <Sünbe  bebetfen  fönnen, 
ate  bie  ©ereä)tigfeit  be$  OojjneS  ©otte$?.£>  mwergfeitt)lia)e 
äÖ3oirtt£at,  bag  bura)  bte  ©erea)tigteit  eineä  (£in$igen  SBiele  für 
geregt  gehalten  werben !"  2ltjjanaftu3  fagte:  „2Beif  wirber  ©e* 
rea)tigfeit  be£  ©ojme£  ©ette^  tpeil^aftig  werben,  fo  wer#n  wir 
babura)  $um  £eben  unb  jur  ©eligfeit  erpalten/'  WlaUciuä : 
„d^riffcu^  ift  &tte*  in  Gittern,  unb  wie  ein  tob  fta)  felbj*  nia)t 
Pflegen  fann,  fo  fefjen  bte  ©taubigen  auf  ©ott,  unb  wie  bte 
Sftebe  auger  bem  SOSetnpo^  sctborren  muß,  alfo  aua)  ber,  wel* 
a)er  auger  Gtlmfto  gerecht  unb  fettg  werben  wiuV'  SBernljarb : 
„2Ba3  mir  mangelt,  wiU  ia)  au£  ben  Sunben  meinet  £erm 
nehmen,  wela)e  $on  ©nabe  überfliegen;  ia)  Witt  ber  ©erea> 
tigfett  3efu  attein  gebenden,  wela)e  aua)  mein  tji;  benn  (£r  tfi 
mir  *>on  ©Ott  gemaa)t  $ur  ©erea)tigfett,  ta)  barf  nitfjt  forgen, 
bag  btefeS  ^leib  ^u  ftein  fep,  um  un£  hdbt  §u  bebeam"  Slu^ 
tiefer  Duette  fa)opften  £ut£er  unb  anbere  gottfeligen  £e£rer 
unferer  $ira)e,  unb  l?aben  barüber  ntanä)e$  £röftlia)e  gefa)rie* 
ben,  Cutter  fpria)t :  „Wlan  tragt  bir  im  SBort  Gtjjriftum  x>ov, 
unb  bietet  bir  3fw  alg  SDen  an,  ber  für  beine  Ungerea)tigf  eit 
©ia)  Eingegeben  jjat;  barum  fannft  bu  3Üm  ctua;  mit  feinem 
anbern,  äi$  mit  beinern  bergen  aufnehmen*  2)aS  tj>ufx  bu, 
wenn  bu  x>m  ganzem  £er£en  fprta)jt :  „3«/  ta)  glaube,  t$  fe# 
alfo/'  ©ie£e,  fo  ge^t  e£  burd)  ba£  ©oangetium  au  ben  Dljren 
in  bein  £er$  ein,  unb  wo£nt  ba,  bura)  beinen  ©tauben;  ba 
bift  bu  bann  rein  unb  gerea)t ,  nia)t  bura)  bein  £l?un,  fonbern 
bura)  ben  ©oft,  ben  t)\i  im  bergen  bura)  ben  ®iauUn  empfan* 
gen  £afh  SBemt  nun  an  fola)er  ©laube  in  bir  tji,  unb  bu  $pxu 
jtum  im  ^er^en  £aß,  fo  barfft  bu  nia)t  benfen,  bag  dx  arm 
unb  btog  lomme;  nein,  (£r  bringt  $tUn  unb  ©eiji,  unb  2ltte$, 
waö  (£r  ifi  unb  f?at ,  mit  fta)  jc*  gerner :  @fjriftu$  bura)  ben 
©lauben  ergriffen,  unb  im  ^er^en  wofmenb,  ift  bie  ©erea> 
ti^Uit  ber  driften,  um  beretwitten  uns  ßott  für  gerea)t  er* 
flärt,  unb  un£  ba£  ewige  £eben  fa)enft*  9flan  barf  biefe  brei 
—  ben  ©fauben,  @l?riftum  unb  bie  ©  er  ea)ttgf  eit,  nid)t  trennen* 
•Der  ©laube  ergreift  ^priftum  unb  j?ält  if?n  begänbig  im  £er* 
jen  etngefa)Ioffem  3ßer  nun  im  Vertrauen  auf  ben  im  fersen 


427 


erfaßten  Gtjmftum  erfunben  wirb ,  ben  erfl&rt  ©Ott  für  gerecht 
2)ieß  tfl:  bie  2lrt  uttb  SBetfe,  U)te  wir  $ur  Vergebung  ber  (Sün* 
ben  unb  ^ur  ©eredjtigfeit  gelangen»  £>enn  ©Ott  fpria)t:  weil 
bu  an  Wliti)  glaubft  unb  @f)rifium  ergreifft,  wela)en  3$  bir  $um 
Mittler  gegeben  l?abe,  fo  fep  geredet;  alfo  nimmt  un^  ©Ott 
für  ©erea)te  an  um  be£  ©lauben^  willen*  Gtyriftug  ift  be3 
©laubeng  3iel,  ja  nia)t  allein  ba£,  fonbern  Gtfmfhtg  felbjt  tft 
im  ©laufen  gegenwärtig.  £)er  ©laube  ift  eine  bunfle  ($xhnnU 
niß,  ober  gleia)fam  ein  iftebel,  in  welkem  man  niä)t$  fteljet, 
unb  boa)  ift  (££riftug,  weisen  ber  ©laube  ergreift,  barin  ge= 
genwärtig,  gleia)wie  ©Ott  auf  bem  23erg  Sinai  unb  im  Tempel 
taittm  in  ber  bunleln  SBolle  wohnte*  SÖenn  man  twn  ber  @e* 
rea)tigfett  be£  Triften  reben  will,  fo  muß  man  feine  ^erfon 
gan$  auf  t>k  (Säte  feiern  $8ir  muffen  x>on  nia)t3  me&r  wiffen, 
aU  von  (£f>rifhtS ,  bem  2iuferftanbenen.  SBeil  Gtprijtug  in  un3 
UU,  fo  gehört  Süfeö,  wag  von  ©nabe,  ©erea)tigfeit,  griebe, 
unb  ©eligfeit  an  un£  ift,  @fmfto,  unb  boa)  ift  eg  aua)  unfer, 
weil  wir  mit  3£m  vereinigt  ftnb  bura)  ben  ©laufen  :c.  SBenn 
bu  in  ber  £e|jre  von  ber  3Rett)tfertigung  bte  ^erfon  Gtlmflt  *>on 
ber  beinigen  trennjt,  fo  bift  bu  noa)  unter  bem  ©efe§  unb 
bleibft  barunter,  unb  lebfl  in  bir,  niä)t  in  (£j)rijto.  2)ura)  i>m 
©lauben  wirb  alfo  au£  bir  unb  (£jmflo  gleia)fam  @ine  ^erfon, 
fo  baß  t>n  mit  greubigfeit  fagen  lannft :  3a)  hin  @|>riftug,  b.  u 
dfyxifü  @erea)tigfeit,  ©ieg,  £eben:e.  ift  mein;  unb  bagegen 
ßljriftug  fprea)e :  3$  &in  biefer  ©iinber ,  b.  u  feine  ©ünbe, 
fein  £ob  jc.  iß  3)?ein,  weil  er  an  Tlix  unb  3$  cm  i£m  Ijänge  jc. 
Sluf  gleite  SÖeife  fyrea)en  fta)  Uc  ^ad)folger  tiefet  großen 
£ef>rerg  barüber  aug.  Tlan  barf  niä)t  meinen,  fagt  £l?emmg, 
baß  bie  Äraft  unb  ba$  SBerbienfl  (grifft  ©Inte  ©eine  $erfon 
unb  ofme  ©eine  ©egenwart  hen  ©laubigen  mitgeteilt  werbe ; 
fonbern  e£  ift  notfjig,  t>a$  @|>rijtug  felbjt  ung  $or  allen  Singen 
gegeben,  unb  gleia)fam  unfer  (Eigentum  werbe,  (ix  muß  Ui 
un$  fepn  unb  mit  un£  vereinigt  werben ,  fo  ha^  wir  au$  3£m, 
in  3£m,  unb  bura)  3{)n  mit  allerlei  ©otte^fülle  erfüllt  werben. 
2)er  ©laube  ergreift  bie  ©naben^erpeißung,  unb  mit  tyx  ben 
Mittler  felbft  £>er  fromme  ©erparb  fa)reibt :  „2Btr  werben 
bura)  ben  ©lauben  ßjmfto  eingepflanzt,  unb  ©lieber  feines 


428 


£eibe$,  bemnad)  tfl  ber  ©laube  ba$  «Drittel,  weburdj  unfere 
(Sünbe  auf  (£ljrifto  gelegt  unb  im$  feine  ©erec^tigfeit  $uge* 
eignet  wirb  jc." 

I.  Raffet  uns  nun  aufy  biefe  tropfe  £ej>re  von  ber  SRcfyU 
ferttgung  be$  <5ünber6  ^u  9cu§en  machen,  unb  für1£  erfte  au£ 
bem  23te£erigen  lernen,  bafTJ  biefelbe  gewig  unb  in  ©otteS 
28ort  fo  gegrünbet  fep,  bag  wir  un$  Weber  burd)  tte  £if!  be£ 
©atanä,  no$  burd?  bie  Einwürfe  ber  Vernunft,  nodj  burdj 
ben  <S^ott  ber  2Bett  bavon  abringen  (äffen  fallen*  UebrigenS 
gibt  e$  Wol?l  feinen  ©lauben^artifel  ber  eoangelif^en  $irct;e, 
gegen  wetzen  fte!)  iljre  geinbe  fo  einmütig  unb  jjeftig  aufge* 
lel)nt  jmben,  als  biefen*  33efonber$  greifen  fte  bie  angerechnete 
©eredjtigfeit  (grifft  an,  welche  fte  eine  eingebilbete  ©ereclrtig* 
feit,  eine  Zf}oxf>tit,  ja  einen  fallen  SKa^n  nennen  unb  be* 
Raupten ,  ber  ^cenfdj  muffe  bura)  jtc$  fe(b(t,  burcp  eigene  $tv 
ligfeit  unb  grommigfeit  geregt  fep ,  wenn  er  von  ©Ott  für 
geregt  gehalten  werben  fofiL   2)tef?  gef d?iej?t  wojjl  aug  $wet 
©rimben:  1)  weil  fte  ber  Vernunft  $u  viel  naa)^ängen  unb 
t|>r  meljr  ©epr  fct;enfen  aU  bem  SBorte  ©otteS,  —  <£$  t(l 
näm(id)  bem  SDcenfcfjen  na$  bem  galle  angeboren,  t>a$  er 
©ott  gegenüber  and)  gerne  ttwaö  fepn  möchte*   (£r  fann  e£ 
nidjt  reimen,  bag  er  mit  aller  feiner  Sßei^l^eit,  @erecf)tigfeit, 
grömmigf eit,  fDcüpe  unb  Arbeit  für  nichts  Qcafyttt  unb  gan$ 
verwerflich  fepn,  bag  er  auf  ©otteS  ©nabe  unb  ^armper^ig* 
feit  jtcfj  bem,  ©efreu^igten  $u  gü£en  werfen  unb  allein  bur$ 
ben  ©lauben  gerecht  unb  feiig  werben  folL  dx  meint,  man 
trete  ber  ©eredjttgfeit  ©otteö  ^u  nalje,  wenn  man  glaube, 
ba$  fte  nia)t  an  bem  ©ünber  f  etöfi  Jmtlänglia)  ©enugtlimung  jtnbe; 
barum  will  er  ftd)  wegen  feiner  früheren  6ünben  burdj  gute 
SÖSerfe  mit  ©Ott  gleic^fam  abftnbem   Darauf  beutet  Paulus 
£in,  wenn  er  von  ben  ungläubigen  %ubm  fagt:  ,/6ie  er* 
f  ennen  bie  ©eree^tigfeit  ntdjt,  bie  vor  ©Ott  gilt, 
unb  trauten  i£re  eigene  ©eredjtigfeit  auf^uri^ 
Xn\]  finb  alfo  ber  ©ere^tigfeit,   bie  vor  ©Ott 
gilt,  ntet) t  unterbau;"  b,u  ber  natürliche  3ftenfc£  will 
ntcr)t  untert^an  fepn,  mcfjt  @jmfto  $u  güjüen  liegen,  fonbern 


429 


er  will  fielen  sor  ©Ott  mit  femer  ©ered?ttg?eit.  <£r  fömtte  $war 
<££rifhim  jum  £ettanb  annehmen,  weil  aber  tiefer  mit  feinem 
SSerbienft  2ltteS  allein  fepn  Witt,  fo  fann  er  ftd)  nidjt  barem 
fdjtcfem  £)iefe  Unart  tji  fo  lief  in  ba6  menf$tid)e  £er$  einge* 
wurzelt,  bag  fetbj*  bie  Siebergebornen  t>tel  $u  tjnm  £aben,  bi^ 
fte  btefelbe  ablegen*  „£>ie  Ufattur  mödjte  gern,  wie  £utl)er 
fagt,  mit  ©ott  ab^anbetn ,  baff  (£r  unfer  £eben  anfeljen  nnb 
feinen  D^tc^terftupl  um  unfertwitlen  gum  ©nabenftuljt  machen 
folte;  ba$  tterfucfje,  wer  eS  will,  unb  er  wirb  eg  erfahren,  wie 
f$wer  e$  wirb ,  ba£  ber  9ttenf$  bason  to3  werbe ,  unb  ftd) 
tton  ganzem  £er$en  ^u  bem  ©tauben  an  ben  einzigen  Mittler 
ergeben  lerne*  3d?  Ijabe  ba$  nun  felbft  fafl  zwanzig  3a£re  lang 
mit  £efen,  ^rebigen ,  ©djretben  *>erfud)t,  baf?  td)  wotjt  x>cn 
jenem  gelter  frei  fepn  foilte,  aber  ify  fürchte  nodj  immer  bie 
alte  Unart ,  baff  ify  gerne  mit  ©Ott  fo  f?anbeln  wollte ,  unb 
(gtcotö  mitbringen,  bamit  dx  mir  ©eine  ©nabe  für  meine 
£eiligfeit  mitgeben  muffe»  §lu$  will  mir  ni$t  ein,  baß  iä)  miä) 
fo  gan$  unb  gar  auf  blope  ©nabe  ergeben  foll;  barum  wun* 
bere  ify  mid)  ntdjt,  baß  e$  Zubern  fc^wer  wirb,  ben  ©lauben 
fo  rein  $u  faffen !" 

2)  3)er  zweite ©runb  ifi  bie  Unwiffenpeit;  weit  $?an* 
$e  tiefen  ©taubengartifet  nifyt  redjt  unterfudjen  unb  Serben 
lernen  wollen*  ©te  jjaben  biefe  Se^re  einmal  nad;  bem  2)ünfet 
tljrer  Vernunft  aufgefaßt,  gej)en  über  bie  ^ernfprüc^e  ber  £ei* 
ligen  ©djrift  weg,  unb  ftnb  ben  gliegen  gleich ,  bie  beim  ©on* 
nenfdjein  fpielen,  ft$  auszuweiten  auf  eine  fjonigreidje  33tume 
fetjen,  aber  ni<$t  gefdncft  ftnb,  ben  £om'g  $u  fammetn  unb  ft$ 
für  fünftige  9tot£  p  fta)em*  diejenigen  freitidj,  welche  über 
t£re  ©ünben  no$  nie  red)t  httxixht  gewefen  ftnb,  achten  tk 
£e£re  *>on  ber  Rechtfertigung  nidjt  £od>,  fte  ftnben  £rofl  genug 
in  fta;  unb  meinen,  ij>r  £eben  fep  fo  bef^affen,  bag  fte  wojj! 
vor  ©ott  befielen  fönnen;  wä^renb  Slnbere,  bie  im  ©tauben 
geübt  unb  in  ber  2lnfed;tung  erfahren  ftnb,  wiffen,  tag  alle 
unfere  ©ered)ttg!eit  t>or  ©Ott  einem  bürren  Steige  gleicht*  2)ar* 
um  freuen  fte  fta)  fe!?r,  wenn  fte  in  ©otteS  Söort  etwas  ftnben, 
ba$  fte  ber  ©emeinfdjaft  mit  (£l?rifb  serftdjert*  —  Soor  allen 
fingen  tfi  nun  wo£f  $u  bebenfen,  ba§  bie  menf^ti^e  Vernunft 


430 


ntcfyt  wetg,  wie  fte  $or  ©ott  geprig  gerecht  werben  folle*  $eüt 
nod^  fo  geteerter  Biaxin  fann  au$  bem  £uf>t  ber  9?atur  teuren, 
was  über  bie  Watux  ift  2)ie  Rechtfertigung  eines  ©ünberS 
$or  ©Ott  ifi  eine  £ef>re  beS  (EoangeliumS,  t>on  welcher  ba3  un* 
gebefferte  £er$  unb  bte  Vernunft  ntd;t3  wetfL  2)a$  gan^e  <£*>an* 
geltum  tft  ein  ©efjeimnif?  unb  eine  verborgene  $&ätytit  ©otteg, 
welche  (£r  *>or  ber  SBeft  oerorbnet  £at  $u  unferer  £errltä)feit, 
bason  ber  natürliche  Sttenfcf)  nidjtS  »ernimmt,  es  ift  ifjm  eine 
£jjor|>eit  unb  fann  e3  nicfyt  erfennem  SSenn  bie  Vernunft  bar* 
über  urteilen  will,  ha$  ber  5D?enfa)  bura)  ben  ©lauben  an 
(£Jmftum  gerecht  wirb,  fo  ift  es  fo,  wie  wenn  ein  $inb  einen 
erfahrenen  Sternfunbigen  ^ur  Rebe  fietten  unb  tabeln  wollte, 
weil  er  leljrt,  bie  Sonne  fep  x>id  groger  als  bie  (Erbe*  2)a$ 
®tnb  bleibe  ein  $inb  unb  hk  Vernunft  übe  fta)  in  irbifdjen  unb 
3eittia)en  fingen,  wo  fte  genug  $u  tinm  £at  unb  ftnben  wirb, 
bag  aud)  in  tiefen  ber  große  ©ott  fo  wunberbar  ift,  bag  man 
feine  SBege  nta)t  erforf^en  fann*  —  3ßer  bte  £e|>re  von  ber 
Rechtfertigung  red)t  »erfkfjen  lernen  will,  ber  muß  mit 
bemüt^tgem  £er$en  ^u  ben  Männern  in  bie  ©$ule  gef>en,  bie 
au$  antrieb  beS  ^eiligen  ©etjteg  gerebet  paben^  (Er  mufj  ©Ott 
um  ^k  fjimmlifd)e  $&tityäi  bitten,  in  ber  ©djrift  forfdjen,  fo 
wirb  er  (Efmftum,  ber  unfere  ©erea)tigfeit  ift,  barin  ftnben«. 
©obalb  er  aus  bem  ©efe£  gelernt  ljat,  fein  ©ünbenelenb  $u 
erfennen,  unb  ba$  23erberben  aller  SD2enfa)en,  fo  wirb  er  bem 
(Esangelio,  baS  tym  Sefum  (Efjriftum  mit  feiner  ©ered)tigfeit 
ttorljält,  niä)t  me£r  wiberfprectyem  —  UebrigenS  ift  e$  eine 
große  ©ottegläfterung ,  wenn  ber  $?enfc()  fta)  nityt  fa)eut,  bie 
©eredjttgfeit  @£rtfti,  welche  bem  ©lauben  zugerechnet  wirb, 
eine  leere  (Einbilbung  $u  nennen;  ©Ott  erbarme  fta)  berer,  tk 
ba$  tfmn  unb  rechne  es  i|>nen  nta)t  3m  (Er  laffe  fte  an  tbre 
fegte  9?otfj  beulen,  unb  vergüte,  baß  fte  bte  ©nabe  nia)t  oer* 
läftern,  welche  bann  tljr  grofifep  foll!  —  2Baprlia),  t>k  ©e* 
rectytigf  ett  (grifft  bura;  ben  ©lauben  ift  feine  leere  (Einbilbung , 
fonbern  beruht  auf  bem  3eugniffe  beS  ^eiligen  ©eifteS,  ber 
un$  glauben  $ä$t,  baß  wir  ©otteS  $inber  unb  Sterben  3efu 
(grifft  feiern  Sie  ©emeinfa)aft  mit  (Ejmfto  fwt  ifjren  ©runb 
tn  bem  ewigen  Ratjj  unb  Sitten  ©otteS;  (Er  ^at  nac|>  feiner 


431 


unerforfä)lia)en  Söeteljett  unb  SBarmljerzigfeit  3efum  Gtjmßum, 
feinen  <5o|w,  zum  Mittler  aufgeteilt,  itm  bag  gefallene  $cen* 
fa)engefa)lea)t  wieber  aufzurichten  unb  f>at  2llle  von  Anfang 
an  auf  3fm  verwiefen*  2öer  fi'a)  nun  an  btefen  ©naben|tulji 
Ijält,  ber  folgt  nta)t  feinem  falfdjen  28af)n,  fonbern  bem  S&orte 
©otteS,  in  welchem  (Er  un$  feinen  ewigen  RatJ>fa)lufj  geoffen* 
Bart  £at  —  £)a  ber  barmherzige  ©ott  ein  Mittel  gefunben 
pat,  bura)  wela)e$  feiner  ©eredjtigfett  ©enüge  a,efä)te£t  unb 
ber  Sftenfa)  oljne  fein  3«^un  au$  lauter  ©nabe  gerecht  wirb, 
warum  wollten  wir  baffelbe  nta)t  mit  bem  innigfkn  £)anfe  an* 
neunten  unb  uns  feiner  ©üte  freuen?  ©inb  wir  weifer  aU  (Er, 
ober  fonnen  wir  ein  beffere^  Mittel  erfmnen,  aU  bagj'emge  iji, 
wela)eg  (Er  uns  in  feinem  Sorte  gezeigt  l?at?  —  gerner  ift  bie 
Rechtfertigung  bura;  ben  ©laufen  in  ber  ©emeinfa)aft  mit 
Qtlmfto  gegrünbet*.  2B£e  aber,  iji  e&  benn  fo  $ar  gering,  mit 
bem  ©opne  ©otteö  verbunben  zu  f*9n?  2ßa$  galtet  i£r  von 
ben  Söorten,  bie  (Er  zu  feinen  Süngern  fagte:  „3f>v  in  %flix 
unb  3d)  in  eua);  ober:  3$  bin  ber  SDeinfiocf,  ipr 
fe^b  bie  Reben,  wer  in  $cir  lltx^t,  bringt  viele 
grud)t;  benn  ojjne  $M$  fonnet  t|>r  ytifytö  tjjun. 
Söernic^t  in  50Ur  bleibet,  ber  wirb  weggeworfen, 
xoit  eine  Rebe  unb  verborret"  £>arauö  iftllar,  warum 
ber  bugfertige  ©ünber  bura)  eine  frembe  ©erea)tigf*it  vor  ©Ott 
gerecht  wirb*  2)iefelbe  ijt  zwar  aujfer  iljm,  unb  fremb  ber  (Er* 
Werbung  unb  ber  Ratur  naa) ;  aber  fte  wirb  fein  eigen  bura) 
bk  ©emeinfa)aft  mitGtprifio  bem  ©lauben  unb  ber  ©nabe  naa)* 
3n  (E|>rtf.o  i(!  eine  groge  Zkbz,  bura)  wela)e  (Er  ftd)  mit  all' 
feinem  23erbienjt  un6  fa)enlt;  in  uns  bagegen  tft  ber  ©laube, 
als  eine  göttliche  $raft,  bie  ber  fjeilige  ©eift  hervorbringt  unb 
erpält,  babura)  unfere  ©eele  tüa)tig  gemaa)t  wirb,  Slmjmm 
Zu  ergreifen*  £)a  wirb  fte  gleia)fam  (Eins  mit  3j)m  unb  wirb 
tn  ©oiteS  ©eria)t  nia)t  naa)  ijjrer  fünblia)en  Ratur  angefeljen, 
fonbern  naa)  ber  ©emeinfä)aft,  bie  fte  mit  (Eijrtjb  bura)  ben 
©lauben  j)at*  —  Sttitpin  gefa)iejjt  bie  3ureä)nung  ber  ©erea> 
tigfeit  (Eljrifti  von  bem  jmligeu  ©ott  naa)  feiner  großen  23arm* 
ijerzigfeit  unb  naa)  bem  unerforfa)li^en  Rat£fa)lujfe,  ben  (Et 
gefaxt  $atte,  epe  benn  ber  äöeft  ©runb  geleget  war*  Sßer 


432 


möchte  alfo  biefe  £e£re  geringfa)d§en  ?  <£ftfjht$  tfi  unfer  gür* 
ftreä)er  ki  ©Ott  geworben  unb  bte  gläubige  ©eele  fjdlt  fta) 
nur  an  3£k*  2Sa£  anberö  fann  ber  barmherzige  Später  tljun, 
alSftefür  geregt erfldren?  ,,©o  tfi  nunnt$t$23erbamm* 
Ita)e$  an  benen,  bu  in  (£Jmfto  3ef«  f int>*  ©ott  pai 
ben,  ber  von  feiner  ©unbewußte,  für  unögur 
<5ünbe  gemaa)t,  auf  ba$  wir  würben  in  3£m  bte 
©erea)ttgfett,  bte  vor  ©ott  gilt/'  —  Ob  nun  gleia) 
bie  Vernunft  bamit  aufrieben  fepn  unb  t^re  <Sa)wda)e  erfennen 
foffte,  fo  wollen  wir  boa)  noa)  (£intge$  au$  bem  gemeinen  £e&en 
Hinzufügen,  wa$  fte  vieffeia)t  e£er  überzeugen  fann»  2ßa$  Jat 
benn  t>ic  3«vea;nung  be$  $erbienjk$  (grifft,  worauf  fta)  bie 
gläubige  «Seele  beruft,  Ungereimte^?  2öie  »tele  gaffe  gibt  e$ 
im  menfa)lta)en  £eben,  wo  einer  von  bem  anbern  -ftufcen  jte^t? 
2)er  Erzvater  3&fob  würbe  fammt  feiner  gamilte  in  Gopten 
gut  bef>anbelt  um  be$  3ofcppö  willen.  £)avib  nabm  fta)  be£ 
Hinterbliebenen,  fa)wda)tia)ett  «Sohnes  von  Sonatfjan  an,  um 
be$  SBunbeS  willen,  t>tn  23etbe  mit  einanber  gemacht  Ratten* 
©o  gel)t  eS  noa)  Heutzutage*  2öie  9ttana)e  Reiben  angefe^ene 
greunbe  zu  gürfpreä)ern  unb  bisweilen  wirb  einem  $erbreä)er 
auf  Uc  33itte  einer  geliebten  ^erfon  Hin  baS  £eben  gefa)enft» 
SEßie  vielmehr  werben  alle  ©laubigen  bie  gürbttte  beS  ©oijneS 
©otte$  gentegen,  an  bem  ber  S3ater  fein  Soplgefallen  Hat! 
3)enn  wir  bürfen  nia)t  auf  er  2la)t  laffen,  baß  Ue  Skrföfmung, 
bie  burä)  3^fum  (J^iflum  gefä)eHen  tfi,  D<mptfäa)lia)  beßwegen 
fo  viel  $raft  Hat,  weil  bte  ^erfon,  wela)e  für  un$  baS  ©efeg 
erfüllte,  von  fo  HoHer  2gürbe  tfL  £)aj>er  fagt  bie  @a)rtft: 
„2>er  gürji.be$  £eben$  ißgeiöbtet;  ber  £err  ber 
£errlta)fetttfi  gefreuztgt  worben;  e$  iflba$23lut 
be$@o£ne$©otte$,  baS  un$  r  ein  maa)t  von  allen 
<B  ünb  en."  2Ba$  ftnb  nun  äffe  2)?enfa)en  mit  äff1  ij>rer  ©ünbe 
gegen  ben  ©ojm  ©otteS  mit  feinem  SSerbtenfi  unb  feiner  ©e* 
rea)tigfeit?  £ier  fa)weige  alle  Vernunft  unb  fa)dme  fta)  ü)rer 
SSermeffenpeit,  fte  wunbere  fta)  unb  banfe  ©Ott  für  feine  unauS* 
fprea)lia)e  ©nabe,  bie  (Er  un$  armen  ©ünbern  fyat  wiberfaHren 

laffem diejenigen  jeboa),  wela)e  fta)  bura)  baS  $t$* 

Hertge  ni^t  überzeugen  laffen  unb  ber  £eHre  von  ber  $eä)tfer* 


433 


ttgung  bura;  ben  ©tauben,  gegen  tpre  eigene  lleber^euguna, 
wiberfprea;en,  wäljrenb  fte  Slnbere  gur  3^tt  t>er  Stot^  ^Pne 
Siebenten  barauf  serweifen,  mochte  ify  auf  ba$  SBefenntmfj 
aufmerffam  machen,  ba6  ein  3efutt  an  einem  $ranfenbette 
ablegte*  £)er  oberjte  $ammerberr  be3  $aifer$  Wtwmiiiah  D; 
tag  nemtta;  gefäjjrtia;  franf*  Stuf  Verlangen  Befugte  tjm  ein 
angefeljener  Sefutt  unb  rebete  mit  ipm  allein  son  3efu  Gtjjrijto, 
ber  für  unfere  (Bünben  geftorben  fet;.  diu  greifen*,  ber  zugegen 
war,  fragte  t>en  Sefuiten:  wie  fommt  e£  benn,  bag  3£r  tiefen 
£errn,  ben  tä)  fejr  fJ0tt)fa)ä|e>  allein  auf  <51?rijto  unb  feinen 
£ob  serwetfet,  unb  feiner  guten  SSerfe,  ber  gürh'tte  ber  £ei* 
(igen,  beg  SIMajfe^  unb  gegfeuer3  gar  nia;t  erwähnet?  darauf 
erwiebertebiefer:  ©nabiger  $err,  anber3  fetten  wir  mit  2eben* 
bigen  unb  ©efimben,  anberS  mit  Traufen  unb  ©terbenben 
reben*  —  ©e£et  boa),  bie  menfa;tta;e  ££orI?eit  Witt  flüger 
fep  aU  bie  ewige  $8eitytit  !  2Ba3  ©Ott  bura;  feine  $ro$Jeten 
unb  5lpojtet  ber  ganzen  ©emeinbe  ^ur  £epre  unb  $um  &rojt 
offenbaren  lieg,  bag  wollen  bie  ?D?enfü)en  allein  auf  ©terbenbe 
be$tef)en.  ©ie  meinen,  bie  ewige  2öaj?rji>eit  werbe  ben  ©efun* 
tm  fdjäbtid;  fep,  unb  fte  tjt  boa;  bie  einige  wapre  Ouelte, 
au$  welker  alle  guten  Söerfe  fliegen*  ©ie  meinen,  bag  fte  bk 
©ottfetigfeit  bura;  fatfa;e  £el)re  beforbem  muffen,  unb  benfen 
nidjtbaran,  xoa$  ©irad)  fagt:  „(£$  bebarf  feiner  £üge, 
bag  man  baS  ©ebot  J>atte,  unb  man  £at  genug  am 
SSorte  ©otteS,  wenn  man  rea)t  lefjren  wilV'  —  Wlan 
mug  fta)  übrigens  fepr  wunbern,  bag  'Ok  tatjjotifen  ber  £ett* 
famen  £ef)re  wn  ber  Rechtfertigung  bura;  ben  ©tauben  wiber* 
fpred)en,  ba  fte  boef;  öffenttid;  lehren,  bag  ba$  £eben  ber  £ei* 
tigen,  il)r  gajten,  33eten  :c*  5tnbern,  bie  e3  wünfa;en,  guge* 
rechnet  werben  tonne*  5tuä)  ift  befannt,  bag  einige  $toffer  nidjt 
attein  unter  jtä;  eine  ©emeinfa;aft  ijjreS  ®ttet$  unb  aller  t^rer 
guten  Sßerfe  s  er  auffaltet,  fonbern  aua;  Rubere,  auger  bem 
£)rben,  für  ©elb  in  biefelbe  aufgenommen  f)aben*  <5o  würbe 
$atfer  Dtto  IV.  im  3aj?r  1213  ^on  bem  £ijtercienfer^tofter 
Söalfenrobe  in  bte  ©emeinfd;aft  aller  JBerbienffe  unb  Söerfe 
be$  ^lojterö  aufgenommen*  2)ajjer  faufte  unb  x>erfaufte  man 
aua;  bie  TOncj^fappen  um  einen  fjoljen  $rete,  bamit  bie, 
6cri»c*'8  ©eelcnf(^a$,  28 


434 


wel$e  ftd)  terfeX^en  m  tprem  £obe  bebienten,  aud>  ber  guten 
Sßerfe  beS  £>rbenS  tfjetfjjaftig  werben  motten,  £)te  3efuiten 
wiffen  fejjr  »tel  *>on  folgen  fingen  p  ersten,  unb  führen 
fogar  £obtenerfcfjeinungen  an  ,  bte  kweifen  fotten ,  mtfy 
großen  %lu%m  baS  Üebertragen  i|)reS  SSerbtenfte^  auf  einen 
©ünber  I?en>org  ebradjt  j)abe+  Ser  fte^t  aber  ni$t  ein,  Wie 
fdjrecflid)  es  fep,  fold)e  £)inge  in  bte  äßeft  gu  fc^ret6enr  unb 
einen  ßerbenben  ©ünber  auf  $?enfcfjen^erbienft  $u  ^erweifen, 
benfefben  mit  einem  ekn  fo  fünb^aften  ©efc^opf,  wie  er  felbjl 
ift,  31t  tröffen,  unb  ber  ©emeinfc^aft  beS  feuern  SBerbienfteS 
3efu  @jmfti ,  auf  welche  bo$  t>te  gan^e  Ijeilige  ©rfm'ft  fjüt* 
Weist,  gu  wiberfprectyen?  2ßaS  ift  baS  gafien,  Seien,  2Ba$en, 
wa$  bte  Jg)ett{gfeit  unb  grömmigfett  atfer  SlttondjSorben  gegen 
ttn  Mittler  atfer  $?enf$en,  mit  feinem  unfcfmlbigen  Reiben 
unb  ©terben  ?  2Bo|rt  nichts  anberS  als  ber  ©chatten  gegen 
bie  ©onne,  über  ein  ©tewlein  gegen  ben  ßrrbboben*  (£S  Jjeifjt 
f>ier:  „^enfe^en  finb  nichts,  große  Männer  festen 
au$,  fie  wagen  weniger  benn  nichts,  fo  si euerer 
finb/'  —  3ft  eS  atfo  nid;t  fef>r  undjriftlidj ,  wenn  fünbli^e 
$ftzn\fym  ftd;  erfüfjnen,  um  beS  ©efbeS  Witten  bie  ©eelen, 
t>k  3efuS  fo  treuer  erlöst  jmt,  auf  ftcf)  unb  ii)re  SSerbienfte  $u 
tterweifen?  ©ott  benn  baS  SSerbienfi  d^rtftt  t»or  ©ott  ni$t 
fo  gültig  feipn  als  ber  SS^enf^en  £eitigfeit  ?  Spähen  bte  ge* 
tauften  G^riften  nifyt  fo  gut  ein  SRefyt  p  ber  ©ememf^aft  beS 
SeibenS  unb  £obeS  3efu,  als  fte  burtf)  ©elb  ein  fold;eS  pr 
©emeinfe^aft  ber  yjlonfye  erlangen?  23ebarf  eS  woljl  einer 
SBerbefferung  unb  muß  ber  ©ojm  ©otteS  in  feinem  Mütter* 
amte  no$  Keffer  unter  ben  febenben  9ttenf$en  jjaben  ?  2£cm 
ßljrtftuS,  ber  wapre  ©Ott  unb  !0?enfc^ ,  nid)t  genug  ift,  ber 
mag  ft$  einen  anbern  fu^en*  2öer  mit  ber  ©onne  uicf)t  p* 
frieben  ifl,  ber  ^ünbe  ein  %ifyt  an,  welches  tpm  ben  2öeg  burdj 
baS  ftnftere  £obeStfjal  erleu^tet  —  SDtfödjten  bo$  afle  driften, 
welcher  klaffe  fte  audj  angeboren,  über  biefen  wichtigen  ©e* 
genftanb  mit  affem  gfetß  na^benfen,  bem  #errn  3efu  t>ie  (£jire 
geben,  aus  ©einer  gütte  ©nabe  um  ©nabe  nehmen,  unb  fttfj 
©einer  ©emeütfc^aft  im  ©fauben  freuen ,  auef)  jt$  gan^  auf 
©einen  £ob  »erKaffen !  Siebe  Öeeien,  werfet  bod?  baS  Scttlcr^ 


435 


gcwanb  weg!  £ter  ijt  ein  foßftdjereS  $leib,  tin  prtejterltcfjer 
<S$mucf,  mtt  tiefem  follt  ipr  angetan  werben*  2l$£err! 
erbarme  ©tcfj  aller  3rrenben  nacl;  Seiner  großen  £tebe !  $?aaje 
ba£  ^untc^te,  auf  wa3  fteftd;  auo  Unwif[enlj  eit  vertaffen,  bamif  fte 
enblid;  etnfcjen  mögen,  baß  fonftnirgenbS  aU  bei£)ir,  preiSwür* 
biger  £eifanb,  ©eredjtigfeitunb  ©eligleit  ^u  fmben  fet;e !  2lmem 
IL  Run  wenbe  id)  miä)  no$  befonberg  $u  benen,  bie 
unferer  Stixfyt  angehören  unb  hitte  fte  per$lic#,  baß  fte  es  ftd) 
ernfltf$  angelegen  fetm  taffen  mögen,  bie  £eljre  von  ber  dltfyU 
fertigung  be$  ©ünber3  vor  ($ott  burä)  ben  ©lauben  an 
Sefum  rea)t  verfielen  $u  lernen.  3$  feße,  baß  in  biefem 
galt  eine  große  Unwiffenfjeit  ftattftnbet,  i>a$  $>k  @f)riften  unfe* 
rer  £age  fejjr  gleichgültig  werben  unb  ba$  bag  ärgerliche  unb 
gottlofe  SSefen  ^auptfäcpa)  ba{)er  rüjjre,  ba$  man  bie  £el)re 
wn  ber  ©emeinfa;aft  mit  Gtjjrifto  burä)  ben  ©lauften  entWeber 
tudjt  reä)t  verfielt  ober  fte  leic^tfinnig  mißbraucht.  f3kU  ftnb 
fa)on  bamit  pfrieben,  baß  fte  aus  iprem  lateajtSmuS  wiffen, 
@f?riftu6  fyabt  m$  arme,  verlorne  $knfd)en  von  allen  <5ün* 
ben,  vom  &ob  unb  von  ber  ©ewatt'beS  £cufelg,  nitt)t  mit 
©olb  unb  ©Über,  fonbern  mit  feinem  JmTigen  tpeuren  23tute 
erlöst,  ©ie  meinen,  wenn  fte  bieg  buc^ftäblicj)  nehmen  unb 
einige  ©ebete  unb  @prü$e  ber  (Schrift  ba%n  gelernt  paben,  fo 
wiffen  fte  Wi$,  unb  bürfen  and)  fyun  was  fie  wollen,  ja  e£ 
werbe  ifmcn  ntcr)t  fd)aben,  wenn  fte  in  täglicher  Völlerei  unb 
IJngerecbtigfeit  leben,  tiefer  roßbraudj  ber  jjeilfamen  £epre 
würbe  fä)on  früjje  in  ber  ®ira)e  gefmtben,  unb  man  fuä)te  ü)m 
aua)  auf  alte  mögliche  Seife  ^u  begegnen.  —  £utj)er  fagt  barü* 
ber :  „&$  gibt  Wenige,  hk  ben  WctiUt  von  ber  Rechtfertigung 
burä)  ben  ©lauben  rect)t  verfielen,  unb  itt)  rebe  beßwegen  fo 
oft  von  bemfelben,  weil  id)  fürchte,  wenn  wir  ba$  £aupt  nie* 
bergelegt  fjaben,  fo  werbe  balb  wieber  2llleS  vergeffen  fe^n. 
@$  lagt  fia;  aua)  £|mftu3  unb  hk  ewige  @erea)tigfeit  mit 
(Einer  ^rebigt  nid;t  faffen;  benn  eS  ift  eine  ewige  ^unft,  t>k 
Weber  jn'er  noa;  bort  ausgelernt  werben  fann.  —  gerner :  £)ie 
glattergeijler  meinen,  wenn  fie  ben  21rtifel  von  (Sljrifto  ein* 
ober  zweimal  gehört  f>aben,  fo  verfielen  fte  ijm,  unb  werben 
fo  ftd)er  unb  unaa)tfam,  t>a$  fie  ipn  plegt  gan^  verlieren, 

28* 


436 


ej>e  fte  baran  benfen.  Denn  fte  laffen-  bem  gleif$  t>en 
3aum  unb  meinen,  fte  fyahm  2llle$  gewtf?  ergriffen;  aber  iä) 
befürchte,  fte  £aben  noä)  nie  ben  regten  ©efdmtacf  bason  ge* 
pabt  2)u  meinß,  bu  Jjabeff  bie  @at^e  in  Griner  ©tunbe  fo  gut 
gefaßt,  ba$  bu  fte  gan^  unb  gar  x>erpe^ep*  £),  ber  elenben 
$unß  !  SSie  tt>trb  fte  bir  einmal  verrinnen  unb  fo  gar  iUin 
werben,  wenn  bid)  ber  <&atan  rec^t  angreifen  wirb  unb  bir 
»orf)ält,  wa^  bu  getrau  unb  nid;t  getpan  Ijaft!  2öie  wirb  er 
bir  Gtljrijmm  wegnehmen,  bag  bu  nid;t  mi$t,  wo  er  WiU, 
unb  nidjt  me|)r  an  tiefen  ©taubenSarttfel  benffl,  t>a  bu  if)n  bod) 
alsbann  red)t  ergreifen  unb  t>tn  Teufel  bannt  jurüdf^Iagen 
follteft"  —  Wlan  muß  ftd)  alfo  mit  ber  £ejn*e  $on  dprifto  unb  feiner 
©eredjtigfeii  befannt  machen ;  aber  eS  barf  hä  folgern  SBiffen 
nic^t  bleiben*  £)tej?  ift  btoS  ber  Anfang  unb  bie  Vorbereitung 
3um  ©tauben,  Welche  ftdj  aud)  hä  £eud;tem  unb  anbern  gott* 
lofen  SDfenfdjen  fmbet*  2)er  ©laube  muß  £f?riftum  ergreifen 
unb  mit  bem  £eqen  fefijjalten;  e£  muß  bainn  fommen,  bajü 
eine  wirfü^e  ©emeinfc^aft  jwifc^en  £jmfto  unb  unferer  (Seele 
entftept*  SOStr  muffen  mit  (£j)rtfto  inniger  tterbunben  fe^n,  al$ 
mit  uns  felbft,  fo  $>a$  wir  mit  Paulus?  fagen  tonnen:  „3$ 
lebe,  bo$  nun  ni$t  id),  fonbern  £j?riftuS  lebt  in 
mir/'  SßSir  bürfen  ni$t  meinen,  djmftuS  mad)e  uns  geregt, 
weil  Wir  zuweilen  pc^tig  an  3jm  benfen  unb  etwas  x>on  3!jm 
§u  fagen  wiffen ,  ob  wir  gleid;  fonft  mit  3pm  nic^t  »erbunben 
finb;  nein,  ber  ©efreu^tgte  mug  von  unS  im  ©tauben  ergriffen 
werben,  muß  in  unferem  ^er^en  wopnen,  unb  bann  mad)t  (Ex 
uns  geregt  $or  ©otl+  ©ein  £>enffpru$,  ber  We$  in  \id)  be* 
greift,  ift  ber:  „3Jjr  in  Wlix ,  unb  3$  in  eud);"  ober  wie 
£utl?er  im  Flamen  3efu  fagt :  „3$  bin  bem  unb  bu  bift  Sttetn, 
unb  wo  3$  bleib,  oa  fottft  bu  fe^n ;  uns  foli  ber  geinb  nid;t 
Reiben  !"  —  üftod)  mejjr;  wir  muffen  an  bem  ganzen  £eben, 
Reiben  unb  Sterben  3efn  £{)rifti  ££eit  paben,  wenn  wir  bur$ 
3&n  gerecht  werben  wollen*  2)a3  SBort  ift  glcif$  geworben 
unb  J?at  bie  menfcpd;e  Sftatur  angenommen,  wir  finb  alfo 
gfetc&fam  mit  £fmfto  geboren;  wa$  Sutljer  auf  folgenbe  3öeife 
erffärt:  „(£l?riftu3  wollte  geboren  werben,  bamit  wir  burdj 
3pn  auf  anbere  Sffieife  geboren  würben,  m§  bur$  Un  ©lauben 


437 


gefcpiept*  ©i$e,  atfo  nimmt  dprifhtS  gteicpfam  unfere  ©eburt 
x>on  um  unb  fcpenft  un£  bte  ©einige,  bamtt  wir  barin  rein  unb 
neugeboren  würben*  ©in  Jieber  ßprijt  mag  ftcf)  atfo  ber  ©eburt 
dpriftt  eben  fo  freuen  unb  rühmen,  wie  wenn  er  mit  3efu  aua) 
feibticp  »ort  Sttaria  geboren  worben  wäre ;  —  wer  ba$  nicpt 
QtauU,  ber  tß  fein  dpriji  £)ieg  ijt  bte  große  greube,  son  wet* 
(per  ber  GEnget  fagte ;  bk$  ift  ber  £roft  unb  Ue  überfcpweng* 
lid)t  ©ixte  ©otteg,  baff  ber  TOenfc^  fttp  biefe3  ©cpageS  rühmen 
mag,  bag  Wlaxia  gtetepfam  feine  Butter,  dprtjtuö  fein  fönt* 
ber,  ©ott  fein  Später  ifhc*  £prijlu£  muß  *>or  atten  £)ingen  ber 
Unfrige  fep,  unb  wir  muffen  3pnt  gan$  angeboren,  epe  wir 
SU  ben  Serien  greifen  tu  25arum  fiepe  $u,  baj?  bu  niept  bto$ 
greube  paft  an  ber  ©efepiepte  *>on  ber  ©eburt  beutet  £eitan* 
be$,  benn  tiefe  bauert  niept  lange;  fiepe  ^u,  baf5  bu  biep  niept 
btoS  an  feinem  23eifyiet  ergö^eft,  benn  e$  paftet  niept  opne  t>m 
©tauben;  fonbern  gib  bir  Sttüpe,  tag  bu  bir  bie  ©eburt  ^u 
eigen  macpjt ,  bag  bu  son  beiner  unreinen  ©eburt  frei  wirft 
unb  bie  feinige  befommjt  burcp  ben  ©tauben.  3n  biefem  ©tau* 
ben  pajt  bu  biep  aber  ^u  ixben  unb  bu  muft  biep  barin  burcp 
ba$  Q>ebü  (lehrten,  fo  tange  bu  tebjh  9cur  ber  ©taube  maept, 
tag  dpriftug  unfer  ift  unb  feine  ZkU  maept ,  tag  wir  3pnt 
gan$  angehören*  —  ©o  tonnen  wir  weiter  fagen :  ©epon  in 
unferer  ^inbpett  paben  wir  mit  3efu  gefptett ;  Gtpriftu^  aber 
pat  imfer  fünbticpeS  ^inberfpiet  burcp  feine  Rintytit  gezeitigt, 
b.  u  bie  ©unten  unferer  ^tttb^ett  unb  Sngenb  werben  un6  um 
feiner  grömmigfeit  Witten  niept  zugerechnet  2Bemt  wir  an  3pn 
gtauben,  fo  werben  wir  in  3pm  für  fromme  hinter  $on  ©Ott 
angefepen  :c*  £prifta$  pat  ferner  für  un£  im  ©arten  ©etpfe* 
mane  mit  bem  £obe  gerungen  unb  wir  paben  in  3pm  unb  burcp 
©eine  $raft  ten  ©ieg  wiber  ©ünbe,  £ob,  teufet  unb  $öUt 
erlangt;  dv  pat  tag  23itterfte  au£  tem  £eiben3fetcp  getrunfen 
unb  un$  nur  wenige  Kröpfen  übrig  getaffen,  ba$  wir  erlernten 
möchten,  wie  fauer  3pnt  bie  (Möfung  würbe»  —  SSir  fiepen 
burcp  ten  ©tauben  in  ber  ©emeinfepaft  feinet  £eibenS;  benn 
Sitten,  m$  (£r  erbutbet  pat,  wirb  un3  zugerechnet,  aU  pätten 
wir  e$  fetbft  erbutbet,  2Bir  jtnb  3pm,  aU  <£r  am  trenne  ping, 
fo  nape  gewefen,  wie  ber  bußfertige  ©cpäcper  unb  paben  tton 


438 


3pm  aucf>  bie  SBerpetgung  be3  $arabtefe$  empfangen*  (£r  f?at 
für  uns  feinen  I)immlifd)en  fSattx  gebeten  ,  unb  J)at  unfere 
©eele  gleidjfam  tt)te  bie  ©einige,  in  bie  £änbe  be$  SBaterS 
empfohlen*  —  3n  biefem  ©mne  enblicf)  fönnen  wir  au$  fa* 
gen \  Sir  ftnb  mit  Gt^rtjb  geworben,  begraben,  auferftan* 
ben  :t\ ;  benn  Wt$  gefdjaf?  um  unfertwilten*  Unfer  (Erlöfer 
ftgt  aur  Rechten  ©otte3,  unb  bittet  für  un£,  ber  £immel  fte^t 

uns  offen,  wir  ftnb  geregt  unb  feiig  in  3efu  GJmfto/' 

2)arau£  erhellt,  ba$  bk  £e£re  von  ber  Rechtfertigung  fejjr 
wichtig  iß  unb  in  unferer  $irdje  bem  Sorte  ©otteS  gemäß 
vorgetragen  wirb,  Slber  eS  folgt  au$,  baß  biefelbe  nidjt,  wie 
manche  Rucjtfofe  glauben  mögen,  mit  ber  Ungerea)tigfett  be$ 
£eben6  befteben  fönne*  din  pc^tigeS,  vorübergepenbeS  %n* 
benfen  an  (£fmpm  unb  baä  23efemüniß ,  ba$  man  3J)n  für 
ben  £öcf)ften  £rofi  im  £eben,  Reiben  unb  (Sterben  Jjalte,  mafyt 
eS  no$  ni$t  aus*  (£$  gibt  freiließ  f}tutiuta$t  eine  große  Stege 
fol$er  <Bü)än*  unb  Sttaulctyrifien,  welche  meinen,  fte  Jaben 
fettet  große  ©e|?eimniß  ber  $riftlicf;en  £epre  längft  ausgelernt; 
allein,  wenn  man  ber  ©ad)e  auf  ben  ©runb  gejjt,  fo  wiffen 
fte  i&tijiß  von  QHmfto  unb  ©einer  ©emeinfct)aft,  nichts  von  bet- 
reuten 21rt  beg  fetigmacfjenben  (Glaubens,  unb  fönnen  nicfjt 
fagen,  warum  biefem  allein  t>it  ©ererf)tigfeit  angetrieben 
wirb,  tk  vor  ©Ott  gilt*  £)ie  größten  ©laubenSljelben  bagegen 
beugen,  \>a^  e£  fejjr  fdjwer  ftp,  ftd;  ftets  an  ©fjrtfto  im  ©lau» 
Jen  ^u  patten,  fte  nennen  e3  eine  ßunfi,  an  weiter  man  aett- 
lebend  $u  Kernen  Jjabe*  2)arum  bitte  i$  alle  meine  Mitarbeiter, 
baß  fte  tiefe  £e$re  von  ber  ©ereä)tigfeit  QtjjrifH  jc*  tjjren  3u* 
pörern  mit  allem  (Eifer  vortragen  unb  ifmen  faßlidj  gu  mad;eu 
fu^en,  3$  fcttte  fte,  vor  allen  fingen  bafür  au  forgen, 
fcaß  bie  ©eelen  aur  innigen  ©emeinfepaft  mit  ßprifto  gebracht 
werben*  2)enn  wa$  tin  Zäh  o|me  ©eele  ifi,  unb  ein  25aum 
o£ne  ©aft,  ba$  ift  ber  Gprtfi  außer  ber  ©emeinfdjaft  mit 
3efu,  unb  wie  ^et^  unb  Seele  aufammen  erft  ben  Steffen 
ausmalen,  fo  wirb  ber  SD?enfcf>,  mit  Sefu'burd)  Wn  ©lauben 
verbunben,  ein  £|>rifh  £)l)ne  Gjmffr  fönnen  wir  leine  üpriften 
feyn,  unb  xx>k  fönnen  wir  beS  231ute£  £i?rifU  aur  ©ered;tigfeit 
unb  ©eineiS  ©ei(k$  aur  Heiligung  tfjetljjaftig  werben,  wenn 


439 

kx  nidjt  in  un3  tfl  unb  wir  in  3jp  ?  (B  gibt  aber  fem  WliU 
iet,  bura)  tt>etc^e^  wir  aum  ©tauben  unb  $ur  ©emeinfc^aft 
mit  Gtfmßo  gelangen,  als  neBft  bett  ^eiligen  ©aframenten  baä 
SQSort  ©otte$,  welä)e$  ftetS  mit  altem  (Ernfl  vorgetragen  wer* 
ben  mufL  £)te  $awptfad)t  aber  fott  ftets  bieg  (Eine  fep: 
(££vt  jlu$  in  ung,  unb  wir  in  <££rtjio.  —  (Ebenfo  bitte 
ic^  alte  Triften,  tk  btefjer  über  biefen  wichtigen  ©egenftanb 
ntd)t  nad;gebad;t  tjaben,  bag  ft'e  boa)  peute  anfangen  wollen, 
bieg  mit  altem  gleiße  au  tyun.  Senn  wa^  nid)t  au£  biefer 
Duette  fommt,  ba$  tjl  lauter  £üge  unb  betrug,  wie  man  fei* 
ber  täglich  mejjr  wahrnimmt,  bag  ft$  3SteXe  mit  iljrem  fatfajen 
(Blauben  fetbft  tauften,  weit  fte  niä)t  wiffen,  bag  ftd)  bie  $er* 
einigung  mit  dprifto  burdj  bie  Heiligung  unb  (Erneuerung  be$ 
©cifteö  offenbare*  2Öo  biefe  ftd)  nid)t  $etgt,  ba  iji  aud)  ber 
©taube  nia;t,  unb  wo  biefer  nid)tift,  ha  ifi  G$riftu$  nia)t 
unb  feine  ©eredjtigfett  £)arum  ftrebet  barnad),  tyv  Triften, 
bag  tyx  au  ber  wirftid;en  ©emeinfdjaft  mit  Gtjjrifto  gelangen, 
bag  (Ex  in  eud)  unb  ipr  in  3£m  leben  möget  Sluf  biefe  ©emein* 
fd;aft  grünbet  euer  (§eM,  euer  Vertrauen  au  ©Ott,  euren  Wlnfy 
gegen  ©ünbe,  £ob,  teufet  unb  $öUe>,  aug  t{>r  fo)opfet  £rofi 
in  aller  £riibfat,  unb  in  tyx  fudjet  au  leben  unb  au  fterbem 

III.  SnUfyt  laffet  un$  nod)  ba£  £röftlid;e  ausgeben,  ml* 
fyt$  in  biefem  wichtigen  Prüfet  entpalten  tft  —  Zelt  Gtjmjhtö 
in  un$,  unb  wir  in  3{jm,  fo  wollen  wir  einen  foldjen  ffiixfy 
Ijaben,  unb  eine  fotd;e  greubigfeit  beaeugen,  xok  e^  einem  wah- 
ren (Efmften  geaiemt  SQStr  fürchten  Weber  t>k  ©ünbe,  noo;  £ob, 
teufet  unb  £ötte,  unb  verlaffen  uvtö  auf  Den,  ber  gana  in  un< 
ferem  £eraen  lebt  3eju$  ift  unfer  gitrfprec^er  bei  ©Ott,  wer 
will  verbammen?  GtjmjiuS  i[t  fite,  ber  geredet  mafyt  jc>  —  2ötv 
fönnen©ott  nid;t  me|r  epren,  al3  wenn  wir  un3  gana  auf  feine 
©nabe  verlaffen  unb  hen  33erjjeiguna,en  feiner  ©üte  von  £er- 
aen  trauen;  auf  gteidje  Seife  tonnen. wir  unferem  (Ertöfer  ntdjt 
beffer  banfen,  aU  wenn  wir  feine  $iebe  gläubig  annehmen, 
Sieg  verlangt  Ue  @a)rift  von  uns,  wenn  fte  vom  (Stauben  fpridjt 
unb  angibt,  \t>k  wir  benfetben  nad;  ber  Rechtfertigung  gebrau* 
d)en  foltern  2)er  ©taube  gleist  anfangt  einem  fd;watt)en 
Ambe,  ba$  bei  lieber  ©efafiv  erfa)ridt,  er  tnug  aber  aua;  tin 


440 


3ttmtn  werben  unb  in  ber  $raft  d^rtfit  ft$  ben  Angriffen  ber 
getnbe  wiberfegen  lernen«  ©arum  wirb  ber  ©laube  eine  gewiffe 
3m>erft$t  genannt,  bie  um  fo  groger  fe*m  foll,  weil  fte  ft'tf;  nt$t 
auf  jtdj  felbß,  fonbern  auf  bte  $raft  Qfyxifü  grünbet,  ber  allen 
geinben  gewa^fen  iji  2)afjer  wünfe^t  $aulu$  ben  (£oloffern, 
bag  fte  gelangen  mögen  $u  allem  Sftei$tl)um  be$  gewiffen  $er* 
trauend  unb  ber  Grrfenntmg  ©otte&  5ln  einer  anbern  ©teEe 
fagt  er:  „£>ur$  Gtjjriftum  unfern  £errn  Ijaben  wir 
greubtgfeit  unb  Sngang^u  ©Ott  in  aller  3u*>er* 
ftdjt  burclj  ben  ©lauben  an  S^n/'  (£rwill,  bagber^rifl 
ft^)  mit  getroftem  £eraen  au  ©Ott  napen,  unb  3£n  nifyt  für^ten 
foll  aU  einen  jirengen  dtifytex;  benn  (£r  will  unfer  lieber  $a* 
ter  fei;n,  unb  wenn  aufy  ba$  gleifcf)  aufteilen  aagen  wollte, 
fo  mug  bo$  ber  ©etjt  aUqät  in  feinem  (Erlöfer  greubigfeii 
paoem  SSoll  x>cn  biefer  ©eftnnung  ruft  ber  Styoftcl  anöx 
„2ßtr  rühmen  uns  ber  Hoffnung  ber  gufünftigen 
£errli$feit,  t>ie  ©ott  geben  foll,  nid)t  allein  aber 
t>a$,  fonbern  wir  rühmen  un$  audj  ber  £fübfal; 
b*  u  wir  freuen  un$,  baft  wir  würbig  ftnb  um  (Sjmfti  willen  et* 
wa$  au  leiben,  befonberS  ba  wir  wiffen,  bag  un$,  hievoix 
©Ott  lieben,  alles  aum  heften  bienen  ma$."  —  2lber,  fäljrf 
er  weiter  fort,/  wir  rühmen  uns  aufy  ©otteS,  baff  dx  unfer 
SSater  ijl  unb  wir  nun  einen  freien  Sutxitt  au  3j)m  Jwben  burd) 
Sefum  Gf>rij*um  unfern  £errm  —  ©eljet,  teie  ber  2tyofiel  un* 
fere  ©ered?ttgfeit  unb  $mlid)hit  in  tyxifto  ritpmt,  unb  weld; 
eine  wichtige  &afye  e$  i%  in  (Sfjrifto  au  fe$n  unb  in  feiner  ©e* 
meinfcjwft  au  fielen,  ^tmnen  wir  unö  nun  aufy  feinet  großen 
Sfteitf;tl)um$,  norf>  groger  SBätytit  unb  dfyxe  x>cx  ber  2öelt 
riu)men,  toaö  fc^abet  eS?  SDBtr  f>aben  etwas  ©rögereS  unb 
23ejfere3,  beffen  wir  uns  rühmen  fönnem  Seg  Sßelt  mit  bei* 
nem  dtnfym;  mein  Sftupm  bejlefjt  unb  Ueihet,  wenn  ber  beinige 
wie  ein  ©Ratten  »erfcj)winbet!  —  Raffet  uns  aber  ben  Styoftel 
weiter  £ören:  „3f*  ©ott  für  uns,  wer  mag  wiber  uns 
feyn?  2öerwillbte2iu$erwctl?lten©otte3  bef<$ul* 
tigen?  ©ottijtDter,  ber  geregt  mad)t,  SSerwtll 
tterbammen?  GjjrtftuS  ift  pter,  ber  geftorben  tfl,  j[a 
tftelmepr,  ber  aufy  auferweefei  tftje."  göiftaifyfein 


441 


Qmgel,  ber  für  un^  geworben  tjl,  fonbern3efu3,  ber<3o|)n  ©ot* 
te6,  fein  (Stengel,  ber  un£  gerecht  mao)t,  fonbern  ©Ott  felbfh 
Sßenn  uns  nun  ©Ott  geregt  maä)t,  tt)a^  will  ber  ©atan  tpun? 
Der  Slpoftet  fordert  in  biefer  ©teile  gleia)fam  alle  geinbe  per* 
au£,  unb  Witt  fagen :  Sßoplauf,  tpr  geinbe  ber  2lu3erwäplten, 
fommt  tobet,  fo  x>ief  euer  ftnb!  #ter  ftept  bie  gan$e  2ln$apl 
ber  ©laubigen  vor  ©Ott,  bringet  eure  klagen  wiber  biefelbeu 
vor,  unb  mattet  ipre  ©ünben  reä)t  groß*  ©ä)reiet,  laftert, 
fehltet  unb  bropet,  fui*3  —  feget  2ltte$  baran;  tt)a^  wollt  ipr  ma* 
epen?  2Bir  Riffen  fepon  wie  e£  gepen  wirb,  barum  f  Ära)  ten 
wir  un£  niept;  ber  ^iepter  i(l  uns  fo  gewogen,  baß  er  uns  fei* 
nen  ©opn  ^um  Mittler  gegeben  $$*  Darum  fegen  wir  eurer 
Auflage  unb  allen  unfern  ©ünben  ©otte£  ©nabe  unb  ba$ 
33lut  3efu  Gtpriftö  entgegen ;,  was  wollet  ipr  wiber  baffere  au^ 
richten?  —  dergleichen  wir  mit  jener  ©teile  t>m  SluSfprucp 
be$  SefaiaS:  „(£r  ijl  nape,  ber  mit  D^ecpt  fprtcpt;  wer 
willmü  mir  pabern?  gaffet  un£  ^ufammen  treten* 
28er  tfi,  ber  ein*ftea)t  an  mia)  pat?  (£r  fomme  per  gu 
mir*  ©iepe,  ber£errpilft  mir,  wertft,  bermiep  ver* 
bammen  willje*" —  foftnben  wir  eine  merfwürbige  tteber* 
einftimmung.  SBte  groß  tjl  alfo  bie  Sieoe,  bie  unö  ©Ott  erzeigt 
|afc,  baß  wir  mit  Gprifto  allen  unfern  geinben  Siberftanb 
leiften  lonnen!  $olt  greubtgfeit  ruft  baper  $aulu$  am  (£nbe 
auS:  „Der  £ob  ift  Verfehlungen  in  ben©ieg*   £ob, 
woijlbeinStacpel,  £ölle,  wo  iftbein@ieg?  ©Ott 
aber  fepDanf,  berun$ben©ieggegebenpatburcp 
unfern  £errn  3efum  @priftum!"  —  dinc  folepe  greu* 
btgfeit  wollen  aua)  wir  uns  aneignen;  ßprtftuö  foll  aua)  in 
un$  leben,  wopnen,  unb  fein  SBerbienft  wollen  wir  über  Wt$ 
|pa)fc|d|eu>  £aft et  mi  mit  gleicher  greubigfeit  aufrufen; 
Wltin  3efu,  Du  in  mir,  unb  icp  in  Dir*  Du  bifl  mdnf  unb 
ta)  bin  Dein!  3a)  glaube  an  Dia)  unb  X)ü  liebejl  miep!  3a) 
bin  Dein  (£igentpum,  wer  Witt  mia)  Dir  entreißen?  3$  fürd)te 
mia)  ma)t  vor  £ob,   Teufel  unb  $ottt;\  benn  ta)  bin  in  Dir 
unb  Du  in  mir!  ^annDia),  o  £err,  bie^ölle  verfeplingen, 
fo  wirb  jteaua)  mia)  verfcpltngen  fönnen;  aufferbem  nia)t. 
fann  Dia)  bev  6atan  übevwtnben,  fo  werbe  aua)  {4  t'Jmi 


442 


unterliegen,  fo lange  aber  £)u  ©teg  er  über  ifmbtft,  pat  eS  lerne 
9cou%  2ÖaS  willft  bu  tj)un,  o  geinb  ber  $cenf$en?  2öivf  im* 
merpüt  ber  ©eele  t§re  ©ünben  vor,  rüfntte  btd)  betner  Sift 
unb  S3oSfjeit,  wenn  bu  fatmfh  2)u  pafl:  bamit  nid;tS  anberS 
ausgerichtet/  als  l>a$  ft$  ©otteS  SQSetöpettunb  ©üte  nur  um 
fo  j?errlidjer  ^etgte>.  —  28aS  betrüg  bu  bidj  alfo,  o  ©e^le,  unb 
tift  manchmal  fo  unrujjig  in  mir?  2)u  ffcepft  bur$  ben  ©lauben 
in  ber  ©nabe  ©otteS  unb  in  ber  ©emeinfdjaft  ©eines  lieben 
©olmeS,  2tlleS  ij*  bein  unb  ^u  Uft  nodj  nid)t  aufrieben?  ©Ott 
mad;t  bief;  gerecht,  unb  bu  fürdjteft  hify  ^or  ber  2lnflage  beS  ©a* 
ianS?  3efuS  fd;ü£tbid;,  unb  bu  Uft  ntd?t  freubig  unb  getroft? 
3(1  3efuS  beute  ©eredjtigfeit,  wer  will  bic^  ungerecht  nennen? 
3f*  @r  bein  ^eifianb,  wer  Witt  bt$  auflagen?  3ft  (Sr  beine 
Heiligung,  wer  will  bify  für  unrein  galten?  3$  @r  keine  $3eiS* 
pett,  wer  will  bic^  betrügen?  3ft  dx  beine  (£rlöfung,  wer  will 
bi$  gefangen  galten?  3ft  (£x  bein  griebe,  wer  will  bidj  beim* 
ruhigen?  3fl  @r  beine  (£J)re,  wer  will  btd)  bekämen?  31* 
(ix  beute  greube,  wer  will  bief)  Betrüben?  3f*  dx  bein  Mittler 
bei  ©ott,  wer  will  bify  in  Ungnabe  bringen?  (ix  ift  beut  $ö* 
mg,  wer  will  btd)  aus  feinem  9?ei$e  verflogen?  (Er  ift  bein 
©$ilb  unb  6$ug,  wer  will  bic^  beleibigen?  (ix  iji  beine  ©e* 
ttgfeft  wer  will  bid)  verbammen?  (ix  ift  bir  5111eS,  was  fann 
bir  fehlen?  Ö  bebenf  eS  wof>l;  ©Ott  iffS,  ber  uns  gerecht 
ntacjjt,  dfmftuS  ift'S,  ber  für  uns  geftorben  unb  auferftanben 
ift,  unb  ft#et  sur  9led)tm  Lottes  unb  vertritt  uns !  —  din 
Sttenfd),  ber  einft  vom  niebrigen  ©taube  bis  §ur  j)öd;ften  ©tufe 
ber  <££re  emporgehoben  würbe,  würbe  fo  ftofy,  baj?  er  ju.fa* 
gen  unb  $u  fd;reiben  pflegte:  34>  unb  mein  Zottig*  2$a* 
rum  wollten  wir,  als  \>k  21uS erwählten  beS  £errn,  gegen  tut* 
fere  geinbe  ntdjt  nodj  j?oprtiger  fep  unb  fagen^  3$  unb 
mein  3  ef  uS,  mein  $öntg,  mein  Mittler,  meiner* 
Jöferttnbßrrretter!  3eneS  war  ein  fünblid;er  ©tol£,  unb 
ein  ©chatten  verlief  ft$  auf  ben  anbern;  bief  er  aber  ift  erlaubt, 
ba  ft'cf)  Uc  glaubige  ©eele  auf  t>tn  lebenbigen  ©Ott  verlägt  unb 
auf  baS  SBerbtenjl  3efu  Qtfjriftu  Sener  eitle  $Jltn\fy  würbe  enfc 
liä)  burd;  feinen  ©tol^tt  ©cbanben ;  wir  aber  überwinben, 
tu  ber  $raft  3efu,  ©i'utbe,  £ob,  Teufel  unb  £öl(e.  £)enn  wer 


443 


ftd;  an  3cfum  ben  ©eft'cu$igien  jjält,  bem  fonnen  He  Pfeile 
be3  Satans  ntc&t  fdjabem  £>iefi  motten  wir  von  ^er^en  glau* 

ben,  ober  unö  ernftfid)  bemühen,  e3  glauben  §u  lernen* 

Vtad)  bem  Slflaag  ber  ©nabe  ©otteS,  bie  mir  gegeben  ift,  j)abc 
id)  btefe  wichtige  £el)re  bisher  beljanbelt;  pabe  aber  mir  fetbft, 
vielleicht  aud;  2lnbern,  hin  ©enüge  getjwn*  2)enn  id)  Un  nod) 
ein  @a)üler  in  biefer  $unß,  unb  wollte  gerne  von  ganzem  £er- 
^en  glauben  lernen,  ba$  3efu3,  ber  ©efreu^tgte,  meine  ©ered)* 
tigfeit  tft,  unb  H$  id)  feint  Urfad)e  fjabe,  mid>  vor  bem  <&atan 
3u  fitrc^teit.  SSunbert  fta)  3emanb  barüber  unb  fragt:  wie, 
bu  glaubft  ba$  noa)  rttd^t,  unb  willjt  e$  erft  Kernen?  fo  ante 
Worte  ia):  id)  glaube;  aber  wa3  tffc  baö  günflein,  ba3  inmete 
nem  ^er^en  glimmt,  gegen  biefe  ©onne?  28a3  ift  ba$  geringe 
©efäfnneineö  armen  ^er^eng  gegen  biefe3  große  9D?eer  ber 
Skrmfj  eqt'gf  eit  unb  ?tebe  ©otteä  in  (Elmfto?  3efu3  unb  <&tin 
^erbienft  ift  mir  $u  groß,  id)  fann  e3  nia)t  faffen,  wie  id)  wün* 
fd)e+  3ubem  fu£le  id)  wo!?l,  wela)  ein  groger  geinb  be£  ©tau- 
ben3  ber  ©atan  ift;  benn  er  weiß,  ba$  $  hin  beffere^  Mittel 
gibt  jur  ©eligfeit,  pm  grieben  unb  ^ur  greube  im  $tiL  ©etfi, 
$um  ©ieg  über  ©ünbe,  £ob  unb£olle,  al$  bie  fefte  3ueignung 
unb  (Ergreifung  ber  ©erea)tigfeit  (Efmftu  Darum  wiberfe£t 
er  fta)  bemfetben  mit  aller  $fiad)t  unb  legt  mir  £inbernijfe  über 
§inbewiffe  in  ben  2Seg,  tk  nxid)  baven  abbringen  foKen*  (Er 
Witt  nxid)  immer  von  3efu  auf  nua)  felbft,  von  bem  SSerbienjt 
ßprifti  auf  meine  ©ünbe  verweifen,  unb  wenn  id)  nid)i  red)t 
auf  meiner  £ut  bin,  fo  fud)t  er  mia)  glauben  #x  machen,  aU 
wenn  id)  fo  mit  von  meinem  (Erlöfer  entfernt  wäre,  aU  ber. 
Fimmel  von  ber  (Erbe*  &  gel)t  mir  zuweilen  wie  einem  $mbe, 
bas$  erfd)redt  würbe,  unb,  wenn  e$  in  feiner  Butter  <5d)oo$ 
liegt,  nod)  ine  unb  ba  auffährt,  ix>k  Wenn  eS  im  SBaffer  ober 
mitten  unter  Un  Söffen  läge.  —  2)oa)  ift  eS  mir  jiebe&ncil 
fe£r  leib,  wenn  mir  biefeö  wiberfäfjrt,  unb  id)  lerne  unb  täm* 
pfe  täglia),  —  kernet  unb  fämpfet  mit  mir,  ü)r  glaubigen  Ri\u 
ber  ©otteö!  £>er  2Ilfmäa)iige  J?elfe  unferer  <&d)md)1)tit  burd; 
3efum  (Eprijlum,  welkem  fep  (EJ;re  unb  $reiä  liefet  unb  in 
(Ewigfeit!  2lmcu, 


444 

S3on  ber  Vergebung  t>er  ©ünben* 

$♦  Körner  8,  1.  <5o  tfi  nun  ntc$t3  SSerbcmtmlt^eS  an  benen, 
bie  (n  <££rifio  3?fu  ftnt»,  t>te  ni#t  na#  bem  gleifö  wandeln,  fonbent 
na#  bem  ©etfh 


Eingang» 

S«t  tarnen  Scfu!   SKwen, 

£5teßmat  Witt  td)  von  ber  Vergebung  ber  ©ünben  mit  euä; 
reben,  tpr  ausfertigen  6eelen,  unb  ic^  gwoetfle  niä)t,  baß  eua) 
bieg  Bort  füger  fep  als  £omg  unb  £onigfeinu  SSeil  wir  2llle 
<5ünber  unb  baper  beS  ewigen  £obe3  fäjulbtg  fmb,  fo  mM;ten 
wir  wünfa)en,  ba$  wir  nie  gefroren  waren,  wenn  wir  nia)t  au$ 
bem  Sßorte  ©otteS  Uc  SBerftdjerung  Ijätten,  baß  @r  fo  guetbig 
tft,  unb  t>ie  ©ünben  vergeben  Witt.  $)lan  fönnte  mit  dttfyt 
fagen,  bie  ©laubenSartifel  gleiten  einer  golbenen  Rette  von 
verriebenen  teuren  ©liebem,  bte  brei  legten  aber,  ba  wir 
fagen:  3ä)glaube$ergebungber@ünben,bie2luf* 
erfteljung  be$%ei~be$  unb  ein  ewigem  S-eJcn,  fe^en 
gleid;fam  brei  große  $  I  e  i  n  o  b  t  e  n,  bie  an  ber  ^ettc  pan* 
gen,  SÄan  fü£ft  e£  eigentlta)  im  ©eij!,  wenn  man  auf  tiefe 
Söorte  fommt,  baß  fte  ben  betrübten  ^er^en  wopl  tpun  unb 
als  ein  füger  @aft  burd)  bie  ©eele  bringen*  (£3  tft  gut,  'baß 
ic|)  weig,  e$  fep  ein  ©Ott,  ber  Fimmel  nnb  (£rbe  erfd)affen 
9a*/  *>er  äße  SHnge  erhält;  aber  wie  wollte  ia)  armer,  fün* 
biger  Sttenfa)  mid)  biefeS  großen  ©otteS  freuen,  wenn  ta)  nia)t 
von  3j)m  K>ü$te,  ba$  (£r  bie  @ünben  vergibt  ?  (B  ift  gut,  baß 
t$  weiß,  ber  @opn  ©otteS  fep  in  bie  SBelt  gelommen,  fep  am 
$reu^e  gejtorben,  begraben  worben  unb  aufer  jfanben ;  allein 
was  würbe  mir  ba£  nü§en,  wenn  ia)  nid)t  wüßte,  baß  dx  für 
mia)  gekommen  ijt,  für  mia;  alles  getrau  unb  gelitten  pat, 
unb  baß  bie  ©ünber  bura;  3pn  feiig  werben?  &$  iß  gut,  t>a^ 
ify  mi$,  bev  fceiligc  ©eiji  fammle,  regiere  unb  crpalte  bie 


445 


4>u(tftd>e  $trd;e  auf  irrten;  aber  wag  würbe  mir  tiefet  nügen, 
wenn  ify  rii$\  au$  wüßte,  tag  in  ber  ©emeinbe  ©ottt>£  auf  feiten 
bie  ©ünben  um  (grifft  Witten  erlaffen  werben  ?  SefuS  nimmt 
bie  ©ünber  an,  bk$  iftunfer  %xx>%  unferSftujjm,  unfere  greube* 
£>ie  ©ünbe  befd)wert  ba3  £er$,  bie  Vergebung  beffelben  erleide 
tert  eg,  t>k  (Sünbe  ift  bie  $oKe,  bie  Vergebung  berfclben  ift 
ber  «&immeL  2Öa$  wäre  biefe£  muffelige  ktrübte  £eben,  o^ne 
ben £roft,  baß  unfere  ©ünben  vergeben  werben?  SBaS  fott 
td;  für  greube  Jjaben,  faßte  etrift  ber  blinbe  ^o6ia^,  ba  i$  im 
ginftern  ft£e  unb  nicjjt  feiert  tarn;  unb  wag  für  greube  fönnte 
ber  Wlm\fy  jjafcett,  wenn  ifjm  bag  Cic^t  ber  ©nabe  ©otteg  in 
(S^rtfto  ni$t freuten  würbe?  2Iuguftin  faßt:  bie 3  legten  ©lau* 
ben^arttfel  machen  ben  Unterfdrieb  ^wifd;en  bem  ©lauben  ber 
$mber  ©otteg  unb  bem  ©lauten  ber  teufet;  benn  Jene  fön* 
nen  fte  ni$t  annehmen,  bal?er  wir  fte  um  fo  jjöij  erfragen  fetten* 
—  2)tefe  tröftli^e  £el?re  *>on  ber  Vergebung  ber  ©ünb'en  ijt 
bie  gewijfefte,  aber  gugXetc^  t>k  gefäj)rlid;fte;  gewiß  ijt  fte 
ttn  bußfertigen,  gefäj>rltc^>  für  bie  fiebern  unb  weltlich  ©ejtnn* 
tetu  (Sie  ift  gewiß,  weil  fte  auf  ben  ffaren  3eugnijfen  ber  I)eiL 
<Sd;rift  beruht;  gefäjnlidj  aber  nid;t  an  ftcf)  felbft,  fonbern  we* 
gen  beg  großen  3ttißbrauc$$,  welken  manche  Sttenfcfjen  batton 
machen,  t>k  glauben,  fte  bürfen  um  i£rer  ©ünben  Witten  gar 
riifyt  mepr  beforgt  fepn*  <©ie  |>ören,  ©Ott  wotte  vergeben;  fte 
wotten  aber  nic^t  jjoren,  baß  dx  ni$t  ben  Unbußferttgen,  fon* 
bem  ben  bußfertigen  Serben  wotte,  unb  fo  wirb  bie  txöp 
lifyt  £el?re  ^ur  ©i^erpeit  mißbraucht  unb  ben  5D?enfd[)en  gereift 
i>a$  burefy  eigene  ©cfyulb  ^um  £obe,  wag  tfmen  bo$  $um  £e* 
ben  gegeben  tjh  2)emo|)ngead)tet  muß  biefe  £ej>re  reiepd)  x>ox* 
getragen  werben*  5D?an  barf  ben  Wintern  ba$  23rob  nid;t  ent= 
jiepen,  obgleid;  ijjmen  bie  £unbe  bigweilen  ttmö  bason  nep* 
tuen*  Slttan  barf  bie  frif^en  Duetten  nid)t  tterftopfen,  wenn 
aud>  bie  £j)iere  baraug  trinfen*  din  ^rebiger  muß  feinem 
£erm  gleichen,  ber  über  ©ered;te  unb  Ungerechte  regnen  läßt, 
2Bir  fotten  *>on  ber  ©nabe  ©otteg  in  (££rifto  unb  son  bem 
£roft  ber  Vergebung  ber  ©ünben  reben,  um  bk  ^Bußfertigen 
$u  erquiden  unb  bie  Unbußfertigen  ju  gewinnen  unb  £erbei$u* 
lodern  2)o$  wk  man  änm  hungrigen  bie  6peife  nifyt  lange 


4M 

von  ferne  geigen,  fonbern  fyi  halb  moglt$  bason  genießen 
raffen  foll,  fo  motten  wir  aua;  bte  bußfertigen  ©eelen,  bte  naa) 
ber  ©nabe  hungrig  fmb,  mit  fetner  langen  $orrcbe  aufhalten, 
fonbern  fte  glet<$  gur  tröftlt^en  Betrachtung  ber  33  er* 
gebung  ber  @ünbenfüijrem  ©ott  fegne  fte  sunt  greife 
fetner  ©üte  unb  sunt  gVof*  aller  £eilsbegierigen  £ergen  buret) 
Sefum  ^rtftum!  Eimern 

Slfcf)  an blung. 

£er  Styoflet  ^anln^  rebet  befonberS  im  3.  unb  4.  $ap. 
feines  Briefs  an  bte  Corner  »on  ber  Rechtfertigung  beS  ©im* 
berS  unb  geigt  bann  bte  grüßte  berfetben,  —  bm  grieben  mit 
©Ott  unb  bm  neuen  ©ef)orfam*  hierauf  maa)t  er  fta)  felbfl 
einige  (Einwürfe  Wegen  ber  ©ünbe,  bk  fta)  aud)  noa)  in  ben 
SMeprten  ft'nbe,  beantwortet  biefetben  im  7.  ^ap+  unb  ruft 
enbliä)  auS:  „<5o  tft  nun  nidjtS  $erbammlia)eS  an 
benen,  bte  in  Gtjmfio  3efu  finb!  —  £)iefe  Sorte  fyabtn 
wir  gu  unferem  £erte  erwäjjlt,  weit  fte  uns  eine  neue  grua)t 
ber  ©emetnfcf>aft  mit  Gtprtfto  »orjjatten,  —  bie  Vergebung 
ber<5ünben*  £)er  Hpoftel  fagt  gwar  tm$t,  baß  feine  <Sünbe 
mepr  fe#  an  benen,  bie  in  Gtfjrtfto  3efu  ftnb,  fonft  l^dtte  er 
anbem  2luSfprücf)en  ber  ©ä;rift  wtberfprodjen,  Ca* 23-  //3$ 
wtify,  baß  tu  mir  nichts  ©uteS  woj?nt?e*  feo  ftix 
fagen,  wir  Jjaben  feine  @üube,  fo  »erführen  wir 
uns  f  elbft  je*"  ^)  fonbern  er  behauptet  nur,  ba$  bk  (Bunten, 
welche  no$  übrig  festen  in  ben  ©laubigen,  ijjnen  nia)t  gur 
SSerbammniß  gereichen,  weil  fte  ijmen  um  3efu  willen  »ergeben 
werben* 

2)ie  Vergebung  ber  6ünben  if*  nun  13  gewiß  unb  un* 
txixa,lia).  £>enn  fte  folgt  natürliä)  aus  ber  £el)re  x>on  bem 
(flauten  unb  son  ber  ©emeinfajaft  mit  £f?rifto*  2öo  bie  @onne 
fä)cint,  ba  fann  feine  ginfterniß  bleiben,  unb  w  £j)rif*uS  mit 
feinem  SSerbienfi  tft,  ba  muß  bie  ©ünbe  weisen.  „SB er  an 
3pn  glaubt,  ber  ift  gerecht  2>aS  23lut3efu  £I)rtftt, 
beS<5ojjneS©otteS,matt)tunSreinson  allen  @ün* 
bem"  SefuS  ff*  baS  £amm  ©otteS,  baS  ber  2öelt  ©ünbe 
trägt;  <£r  ij*  unfer  gürfyrea;er  Ui  bem  23ater  unb  bte  33er- 


447 


föfmung  für  unfcve  (Bünbe,  nid;t  allem  aber  für  bie  unfere, 
fonbcrn  aucf;  für  ber  ganzen  2©elt*  —  2)te©ünbe  tft  bie  Urfaclje 
unferes  ganzen  Orient ;  barum  wollte  3cfuö  biefelbe  ^uvörberjt 
tilgen  unb  t£r  burd;  fein  $erbienft  alle  Btaft  Benehmen*  „Qa&n 
tft  erfd)tenen  ber  © o^n  ©ottcö,  baff  <£r  bte  2öerfe 
bc3  £eufclS  ^erftore."  —  Unfere  ©unb enfdmlb  iß  ^war 
groß,  unb  wenn  wir  m'd)t3  mejjr  wüßten,  als  biefeS,  fo 
müßten  wir  vertagen*  SBenn  wir  aber  ben  ©o|m  ©otteS  am 
$reu$e  für  ber  $knfd;en  ©ünben  fterben  fejjett,  fo  werben  wir 
bnra)  feine  Stete  fo  ent^üeft,  bag  wir  alle  unfere  ©ünben  ver* 
gefjem  3ubem  ift  bk  gan$e  ^eilige  <Sd)rift  voll  von  3eugniffen 
x>on  ber  23armtjer$igfett  unfereS  (&$itt$*  %n§  tft  merfwürbtg, 
bag  ber  (Möfer  md;t  bloS  in  einem  ©letd;niffe  au  geigen  fud;te, 
\vk  bereitwillig  man  tm  Fimmel  gegen  Ut  bug  fertigen  ©ünber 
fei),  fonbern  bieg  in  brei  ©leitt)nijfen  tyat  Ctton  bem  verlornen 
@a)aaf,  vom  verlornen  ©rofdjen  unb  von  bem  verlornen 
©ojjne)*  —  „Sovon  ba$  £er£  voll  tft,  bavon  gept 
ber  Wlnnb  über*"  £)aS  $er^  unfereS  £eilanbeS  war  voll 
Verlangen,  bte  ©ünber  feiig  31t  machen;  baper  rebete  (ü£r  aua) 
fo  gerne  bavon,  unb  wir  bürfen  aus  jenem  breifadjen  ©leid> 
niffe  mit  dlcdjt  fepegen,  baff  bte  Vergebung  ber  (Sünben  gewig 

fe^  unb  hin  23ugfertiger  Urfadje  Ijabe,  bar  an  ^u  zweifeln*  - 

Sßenn  bte  ^eiligen  ©ott  rea;t  ejjren  wollen,  fo  nennen  fte  3pu 
einen  gnäbigen,  fcarm£er$fgen  ©Ott,  ber  bie  ©unben  vergibt, 
unb  ©ott  felbft  bezeugt,  tok  angenehm  t$  3^m  fe#,  wenn  man" 
alles  ©ute  von 3^m  erwarte*  2H$2ttofe$  bie£errlid;feii  ©otteS 
gu  fefmt  verlangte  unb  feine  $8itk  gewährt  würbe,  rief  er  au#x 
„£err,  £err,  ©ott,  barm^er^ig,  gnäbig  unbgebul* 
big 2c!/y -2)a£er  nennt  aud)  2>avib  bm  Flierl?  öa)ften  fo;  %lzfyt* 
mia^sibt  3£m  t>m  tarnen:  „©ott  ber  Vergebung,  unb 
fecmtuS  rebet  3Jw  an;  SSater  ber  33armlj  entgleit  unb 
©ott  alles  fcrofieV'  ^eun  aber  ift  es  bei  ©ott  nia)t  fo,  xt>k 
öftere  bei  ben^enfd)en,"weld;e£ilel  führen  ofme  bkZfyat;  fon= 
bern  tok  @em  -ftame  tjt,  fo  tji  aua)  &m\  diufym.  ©0  oft  wir 
nun  ben  tarnen  ©otteS  bugfertig  anrufen  unb  fagen:  Sla),  bu 
barmherziger,  gnäbiger  unb  gütiger  ©ott,  ber  tu  ben  9?eia> 
tpum  deiner  ©nabe  fa)on  an  fo  viel  taufenb  ©ünbern  bgwiefen 


448 


pajt,  laß  auti)  mir  SBarmljeraigfeit  wiberfapren  :cv  fo  fann  (£r 
nichts  anber6,  al£  ©nabe  eraetgen.  —  Wofy  mefjr:  23on  ©ott 
tt)ttb  gefaxt,  bag  (Er  mit  Verlangen  auf  bte  S3uße  beg  ©ünberS 
warte  unb  ft#  nadj  ijjm  umfepe;  wie  follte  (£r  ilm  m$t  gerne 
annehmen,  wenn  biefer  ©eine  ©nabe  fu$t?  (B  tjt  Ja  leid&t  mit 
einem  S3ater  au  unterpanbeln,  ber  über  fein  ungeporfameS 
$inb  betrübt  tp  unb  beffen  S3efferung  £eqlt$  wünfdjt,  wa^ 
ber  £eilanb  fo  beutlt$  fagt  in  bem  ©leidjniffe  *>on  bem  »er* 
lernen  ©opne.  2Q3ir  tonnen  alfo  mit  ©iradj  fagen:  „£),  wie 
tftbie23arml?eraigt,eitbe££errnfogroß,  unbläffet 
fi$  gnäbig  finben,   benen,  bie  ft$  a«  3pm  beleih 
ren!/;  —  3a,  bie  Skrmperaigfeit  ©otteö  tfl  fo  groß,  baß  m$t 
blo3  ber  ©atan  barüber  unaufrieben  t(l,  fonbern  ti^wetlen  bie 
grommen  felbjh  ©o  wirb  *>on  einem  5D?enfc^en  et$A$£f'>  baß 
er  ft$  bem  Teufel  a«  efgen  jnngegeben  fjabe,  unter  ber  33e* 
bingung ,   baß   er  tpm  aeitlebenä   ©olb  genug  »erraffe* 
tiefer  wollte  nicfjt  gana  trauen  unb  fagte:  wenn  ftd)  anä)  bie 
(griffen  ijnn  mit  Mb  unb  (Seele  ergeben,  fo  reue  eg  fte  per* 
naä)  wieber,  unb  dprifhtö  fe^e  fo  gnäbig,  baß  (£r  biefelben, 
wenn  fte  S3uße  tpun,  wieber  annehme.  £)aper  gab  ber  Serbien* 
bete  9ttenf$  bem  ©atan  eine  £anbf$rift,  mit  feinem  33lute  unter* 
fc&rieben,  in  welcher  er  ber  ©nabe  ©otteg  gana  entfagte,  Stuf 
bieß  willigte  ber  bofe  geinb  ein;  aber  e$  ging  bo$  fo,  wie  er 
fürchtete*  2)er  2[ftenfd>  fap  fpäter  feine  f^recflic^e  ©ünbe  ein, 
bereute  fte  ernfttidj,  fanb  £roft  unb  £ülfe  M  feinem  ©eelforger 
unb  würbe  ber  ©nabe  ®otte$  in  (£prifio  »erft^ert.  —  gerner 
gibt  eS,  toit  fdjort  gefagt,  au$  SttenfcJjen,  benen  (Sott  manefj* 
mal  allaugnäbig  bünft»  Erinnert  eu$  nur  an  Ut  ©ef#t<$te 
be$  %ona$,  ben  e$  fepr  tterbroß,  baß  ber  £err  Ue  große  ©tabt 
9ftni\>e  nityt  untergeben  ließ,  wk  (Ev  gebropt  patte.  —  2lber 
glaubet  nt$t,  baß  3onaS  allein  fo  gejtnnt  war,  vitüäfyt  ftnben 
wir  äpnlfc^e  ©eftnnungen  au$  in  un£>  SSenn  ein  Siener  ©otte3 
peutautage  ber  jtcfjern  2öelt  ben  3orn  be$  QimmtU  anfunbigt 
unb  bemerft,  baß  bie  ^flenfe^en  ntc^t  barauf  achten,  ttielmepr 
ipren  ©pott  bamit  treiben,  fo  waept  3onaö  auf,  unb  e$  »er* 
brießt  ben  alten  üttenfepen,  ta^  ©Ott  fo  langmütpig  ij!  unb  Uc 
angeboten  ©trafen  ni^t  foglei^  tinixetm  läßt.   (£fcenfo 


449 


gept  e$  an$,  wenn  tue  grommen  aon  ben  ©ottlofen  MxiM 
werben  unb  feifjen  muffen,  bag  biefen  ftatt  ber  ©träfe  nodj 
mancherlei  Segnungen  aufliegen,  —  fo  fonnen  fte  ftd;  laum  ent* 
palten,  bag  fte  nid;t  mit  ©ott  barüber  regten*  Darauf  folgt, 
bag,  wenn  aud>  alle  $?enfd)en,  felbft  bte  grommen  einem 
©ünber  ©otteS  ©nabe  abfprec^en,  j[a  wenn  aud)  fein  eigenes 
£er$  bamit  übereinfttmmt  unb  ifyn  faft  pr  Verzweiflung  bringt, 
bo$  bte  23arm!) eqtgf eit  beä  |)errn  groger  tfl,  aU  feine  ©ünbe 
unb  bte  ©ebanfen  ber  $ienfd;en  mit  übertrifft*  Da£er  fagt 
3efaia£  im  tarnen  ©otte3:  „kleine  ©ebanfen  finbni$* 
eure  ©ebanfenunb  eure  2ßege  finb  nid;t  Steine 
SBege;  fonbern  fo  t>iel  fjofjer  ber  £imntelijt,  benn 
bte  (£rbe,  fo  finb  aufy  ^eine  Söege  Ijoper,  benn 
eure  26ege  unb  Sitteine  ©ebanfen,  benn  eure  ©e* 
banf  en/'  Vorder  aber  fagt  ber  $ro$?et:  „Der  ©ottfofe 
taffe  *>on  feinem  3öege  unb  belehre  ficfj  zunt^errn, 
fo  wirb  @v  <Sid)  feiner  erbarmen;  bennbetS^mijt 
viel  Vergebung*"  Der  ©um  tft  alfo :  Söunbert  eud)  nidjt, 
bag  ity  fage,  M  ©Ott  fcp  ^)iet  Vergebung  unb  (£r  werbe  ftd) 
aua)  ber  ©ottlofen  erbarmen,  wenn  fte  ftd;  beeren*  3^r 
Sftenfdjen  fepb  zwar  fo  gefront,  bag  ü)r  ni$t  vergeben  wollet, 
wenn  (£ud;  Semanb  beleibigt,  barum  beurteilet  ü)r  ©Ott  nadj 
eurem  ©inn,  aU  wenn  (£r  aud)  fo  pari  wäre,  allein  wiffet, 
„bag  dv  ©Ott  tjt  unb  nt$t  ein  9ttenf$,  fo  {jod;  ber 
Fimmel  über  ber  GErbe  ift,  läffet  (£r  (Beim  ©nabe 
walten  über  bic,  fo  3£n  furzten;  fo  fern  ber  5ERor* 
gen  ift  ttom  21  benb,  f  oll  au  $  eure  lieb  er  tretung  von 

eudjfe^n* 

■_  Die  Vergebung  ber  ©ünben  ift  2>aud;  allgemein  unb 
»otljtänbig*  ^eine  ©iinbe  ift  fo  groß,  t>k  ©Ott  nidjt  um 
<£jmfti  willen  tterzeü)en  will*  „60  wir  unfere  ©ünbe  be* 
fennen,  fo  ift  ©ott  treu  unb  gütig,  bag  GErungbte 
©ünbe  vergibt :c*  DaS  53 lut  (Ifjrijti  mad) t  un6  rein 
fconallen  ©finb  e  tu"  —  Der  barmherzige  ©Ott  lieg  uns  in 
feinem  SöSorte  nifyt  bloS  23etfpiele  son  geringen  ©ünben,  bie  (Sx 
Sergej?,  sorftellen,  fonbern  aud)  tton  grogen  Vergebungen,  Grr 
$>at  unfere  erften  Altern,  welche  t>k  grogte  ©ünbe  begiengen, 


450 


weil  fteni<ftblo$  ftd)  felbjl,  fonbew  ba$  gan$e  SWenfdjenge* 
f$le<|t  to  SBerberben  pr^ten,  ju  ©naben  angenommen  unb 
iljnen  sunt  £roß  ben  fetter  verjjeißen*  @r  Ijat  bem  Sot{>,  bem 
2)avib,  bem  3D£attaffe  u*  f.  w*  vergeben;  3efu$  verfiel?  bem 
gefallenen  $etru$,  bttttt  für  feine  geinbe  vom  $reuje  ijerab 
unb  naftrn  $aulu$,  ben  Verfolger  feiner  ©emeinbe,  ju  ©naben 
an.  <£r  |>at  aüe  SMpfeltge  unb  ©etabene  gu  ftd?  gerufen,  ljat 
bem  ©djädjer  am  ^reuje  baS  $arabie£  verfprodjen,  Ijat  2ltfe$ 
getrau  ben  bußfertigen  gum  groß,  baß  fte  wegen  ber  üftenge 

iprer  6ünben  nidjt  vertagen  fottem £)te  SSerljeißungen 

©otteS  finb  atfgemetn:  ,,©o  waljr  i$  lebe/'  fpric^t  ber 
^err,  „3$  |>abe  feinen©efallen  am  £obe  beö  ©ott* 
lofen,  fonbe^rn  baß  fid)  ber  ©ottlofe  befeljre  unb 
lebe.  2)aS  ijtgewißlid)  waljrunb  ein  tpeuerwer* 
tfyt*  2Bort,  baß  3efu$  ^prifiu^  in  t>U  2öelt  ge* 
fommen  iji,  bie©ünber  felig  $u  ma$en/'  £)er2lpoftel 
fpri$tni&;t  von  einzelnen  ©ünben,  fonbern  von  aümr  weil 
atfe  -üftenfdjen  ©ünber  finb.  5lu$  ijt  nirgenbg  gefagt,  baß  ©Ott 
bloS  einige  geringe  ©ünben  »ergeben  wolle,  bie  größeren  aber 
tnfyt  gcm^lic^  ^ergei^e*  SSielmeljr  fprt$t  ft$  i>k  ©djrtft  bar* 
über  beutftd)  au$,  ba$  bie  23armjjer$igleit  ©otte£  opne  ©ren* 
aenfep,  .j*33,:  ,,©o  fern  ber  borgen  ifl  vomSlbenb, 
läffet(£runfereUebertretungvonun$  fevn."  — 3a, 
©Ott  gebenfet  unferer  ©ünben  nidjt  me£r,  fobalb  wir  ernfiliä) 
23uße  tjmn,  wte(^edjielfagt:  „SBenn  ber  ©ottlofe  ft$ 
belehret,  f oll  er  leben  unb  aller  feinerSunben,  bie 
er  getrau  Ijat,  follnidjt  mejjr  gebadjt  werben."  — 
©o  wirb  bie  ©ünbe  ferner  mit  einem  Sftebel  vergüten,  ber  jt$ 
über  unferem  Sjaüptt  aufammenaie^e ;  aber  3efu$,  bte  ©onne 
ber  ©erec^tigfeit,  vertreibet  benfelben,  baß  man  mit  greuben  um 
jtdj  blicfen  unb  ben  Weiteren  Fimmel  ber  ©nabe  ©otteö  fe£en 
fann.  —  ©Ott  pat  freiließ  alte  £age  unfereö  £eben$  auf  <Btxn 
SBua)  gefä)rieben,  unb  unfer  eigenes  ©ewiffen  fagt  uns  am  btut* 
liefen,  wo  wir  gefehlt  jmben;  allein  wenn  berSBarrafjeraige  un$ 
aus  ©naben  vergibt,  fo  wirb  unfere  ©ä)ulb  getilgt  um  3efu 
(Sfmjft  willen.  —  Seiter  wirb  von  ©ott  gefagt,  <£r  neunte  unfere 
©ünben  von  uns,  wie  manSemanb  tin  unreine^  ^leibau^^J 


451 


<£r  werfe  alle  imfere  ©ünben  pinter  ftcp  $urü<!  ,  verberge  Sern 
Slngeftdjt  x>ox  tpnen,  unb  wolle  fte  alfo  nidjt  mejjr  anfefjen;  (Er 
wolle  unfere  SDftffetpaten  ausloten,  wie  ntan  ein  geuer  aus* 
löfcpt,  ober  fte  m  bte  £tefe  beS  Speeres  werfen  :c*  2>ieg  ftnt> 
lauter  Lebensarten,  welche  beweifen,  bag  bie  Vergebung  un* 
ferer  ©ünben  sollfMnbig  fep.  —  ©iefelbe  ift  aber  au$  fort* 
wäljrettbnotljtgfür  uns,  unb  wir  tonnen  fte  feinen  Slugenbltcf 
entbehren»  3efuS  $ti$t  uns  im  SBater  Unfer  nt$t  umfonft  gleidj 
naa;  bem  täglidjen  33rob  um  bie  Vergebung  ber  ©ünben  Utkn; 
benn  wir  fonnen  baS  <$mt  fo  wenig  entbehren,  als  baS  Rubere* 
3war  wirb  unfere  ©ünbenfe^ulb  burdj  baS  Serbien)*  3efu 
(Sjmfti  auf  einmal  getilgt,  bodj  WiU  t>k  SBur^el  in  bem  fünb* 
ftdjen  gleite  jurücf,  unb  mad)t  anty  ben  SBiebergebomen  %t\i* 
lebenS  ml  ©orge,  Wlifyz  unb  Arbeit,  ftefämpfen  mit  ber  ©ünbe 
täglia)  unb  laffen  fte  wfyt  perrfdjen,  boa;  gejjt  es  nicp.t  opne 
©djaben  unb  Sßunben  ab,  barum  bebürfen  fte  beS  33lutS  3efu 
(Sprtfti  immerbar»  darauf  beutet  ber  Sipofiel  M  unferem  £erte 
pin,  wenn  er  fagt,  es  fep  awar  ©ünbe  in  ben  ©laubigen,  bo$ 
gereiche  fte  ilmen  ntdjt  gur  Serbammniß,  weil  fte  in  ©fjrifto 
3efu  ftnb,  unb  (£jmftuS  in  tönern  Um  biefer  ©emeinfcpaft 
willen  werben  ipnen  bie  genfer,  mit  welken  fte  ft$  alle  £age 
plagen  muffen,  nidjt  augere^net;  j[a,  wenn  fte  aufy  oon  einer 
fcpweren  ©ünbe  übereilt  würben,  fo  paben  (te  bo$  ftetS  einen 
freien  3utrttt  gu  ©Ott,  in  Gtprifto  3efu  bem  ©efreuatgten*  Wlit* 
pin  ifi  bie  ©nabe  ©otteS  unb  bie  Vergebung  ber  ©ünben  eine 
Duelle,  welche  niemals  serftegt;  3efuS  ift  immer  in  ©einer 
$ir$e,  unb  fommt  gu  ben  bußfertigen  ©ünbern,  um  fte  mit 
SBaffer  unb  33tut  $u  reinigen*  ©er  peilige  ©eifi  wirft  bis  an1$ 
(Enbe  ber  Söelt  bur$  baS  ^oangelium,  hktct  ben  ^Bußfertigen 
Vergebung  an  unb  serftdjert  fte  berfelben  burcp  baS  2Bort,  ha^ 
innere  3eugniß,  x^k  au$  burcp  baS  peilige  Slbenbmapt  2)eß* 
wegen  $at  ber  £err  ©einer  $ird)e  unb  befonberS  ben  £eprern 
bie  Wilafyt  verliefen,  ©ünben  $u  vergeben  unb  bk  bußfertigen 
mit  ber  ©nabe  ©otteS  $u  tröffen,  —  „was  ipr  anfärben 
löfen  werbet,  foll  aucpim^immet  loSfe^n/'  — Sie 
fortwctprenbe  ©nabe  ©otteS  rüpmt  auc|  ber  $roppet,  wenn 
erfpri(pt:  „bei  ©Ott  ift  siel  Vergebung,  beiSpmifi 

29* 


452 


©nabe  unb  viel  (£rlofung,  dt  wirb  Sfraet  ertof en 

v  o  n  a  U  e  n  f  c  i  n  e  n  ©  ü  n  b  e  n,"  (£nbti$  folgt  Heg  au$  bem  fjerr* 

(tc^en  Slugfprutty:  „2Bie  fi$  ein  SBater  über  feine  $tn* 

ber  erbarmt,  fo  erbarmt  @i^  b er  £err  über  bie,  fo 

S^tt  fürdjten/'  2)tefe  SBorte  fabelt  mir  fetbfl  m  jebem  2ln* 

liegen  be$  2eben$  t>tet  £roft  gewährt  unb  mify  petö  mit  greubtgfcit 

erfüllt  3)a$  9tatidje  bewirkten  fte  aucf)  M  5lnbern  unb  Ralfen 

felbft  Königen  froftfidj  unb  feltg  fterben*  —  £>a$  $inb  wirb  bei 

feiner  (Geburt  von  bem  SSater  mit  Zieht  aufgenommen  unb  be* 

barf  biefelbe  fortwährend  @benfo  ftnb  wir  burd)  bie  £aufe 

unb  burtf)  ben  ©tauben  an  (£fmftum  $war  ©otte£  $inber,  bo^ 

tonnen  wir  t)k  33arm|>er3igfeit  unfere^  Jjimmlif$en  SBaterS  nie 

entbehren»  Sie  ein  SSater  beftänbig  forgt,  ermahnt,  ©ebutb 

$at,  liebt  unb  jfraft,  fo  macfjt  e$  unfer  ©ott.  £)eg  SBaterS  ©e* 

bulb  unb  Erbarmen  ift  bem  tinbe  nötiger,  äl$  ba$  33rob; 

tonnen  leibliche  SBäter,  bte  bodj  von  9totur  böfe  ftnb,  bie 

geljler  t£rer  $tnber  au$  %klt  butben;  tt>k  follte  ©Ott,  ber 

i>k  %kbt  fetbft  ift,  mit  uns  feine  ©ebutb  f>ab?n  lönnen?  £>afjer 

£eißte$  im  $u<$  ber  Söetefjeifc:  „2)uo©ott,  erbarmfi£)td> 

über5ltte$;  benn  £>u  £aft©ewatt  über  2llteS  unb 

überfiel)  ftber9D?enf$en6ünbe,  ba$  fie  fi$  beffern 

f  ollen  *c/'  £utj?erftmd>t:  „ 2Benn© Ott fogtetdj  tfrafen  wollte, 

fobatb  wir  e$  verbienen,  fo  tonnte  9ftemanb  fteben  3a|»te  alt 

werben,  <£$  bleibt  alfo  baMf  baß  ©Ott  hk  ©ünben  au$  ©naben 

vergibt,  unb  $war  nidjt  einmal,  fonbern  fo  oft  wir  e£  bebürfen 

unb  in  wahrer  23uge  fuc^en*  Unfer  £eben  ift  ©otte$  ©nabe 

unb  Vergebung  ber  ©ünben  burdj  ben  ©tauben,  ojjne  weld^e 

Wir  ni$t  (£me  ©tunbe  leben  tonnten*  Söenn  ©Ott  nt$t  o£ne 

Unterlag  bie  ©ünben  vergibt,  fo  ift  eS  um  m$  gef$ej)em  ©Ott 

t(t  $u  loben,  ber  feinen  gnabenreic^en^unb  ber  Vergebung  nidjt 

auf  unfer  SSerbienft,  fonbern  auf  <&tin  Sort  gegrünbet  unb  ge* 

boten  jjat,  baß  er  feft  fteben  fott  ewtgttc^,  t>a$  wir  alle  Hugen* 

bttcfe  au  3jjm  geljen  mögen*  Sßeil  be£  geptenö  unb  3rren$ 

fein  (£nbe  iji,  fo  lange  wir  leben,  fo  muffen  wir  wafyxiify  aufy 

eine  immerwci^renbe  Vergebung  Ijaben,  t>k%  iß:  8ein  ewiger 

33unb,  ber  nic$t  wanft,  bafür  f ollen  wir  3fm  loben;  unb  3^m 

banfen  in  allen  ^ir$en/;  —  £>ieß  i(i  nun  \)k  ^Oepre,  welche 


453 


man  bett  größten .  £roft  im  £eben,  Reiben  unb  Sterben  nennen 
tatin*  Sieg  ift  bie  Duette,  au£  welker  alle  l)eilgbegierige 
(Seelen  fta)  $u  jeber  3^it  M$  an  ipr  (£nbe  erquidt  jjabem  3efa3 
felbffc  wugte,  alä  dx  jenen  franfen  SÄenfdjen  betrübt  *>or  ©iä) 
ließen  fa£,  i^m  nia)t$  beffereg  au  fagen,  afö:  „©e^  getroft, 
mein©oj)n,birfinbbeine©ünbetti>ergeben!/' — 
Sa^on  legte  aua)  eine  fromme  grau,  t>te  in  tfjrem  (££eftanb  *>iele 
traurige  Erfahrungen  maa)en  mugte,  noa)  auf  iprem  lobten* 
bctU  folgenbeg  23efenntnig  ab:  3$  banfe  meinem  lieben  ©Ott, 
ber  mia)  $ur  ©rfenntmg  meiner  ©ünben  fommen  lieg  unb  miä) 
bura)  ©ein  {> eilige^  2Bort  getröftet  f?at,  worin  mir  Vergebung 
meiner  ©ünben  angefüubigt  wirb»  Senn  j(e#t  tterftepe  ia)  erjt 
rea)t,  wela)er  £roft  in  ben  SQBorten  liegt:  „Strfinbbeine 
©ünben^ergebe  n."  —  Sarauf  entfa)lief  fte  aua)  feiig  in 
bem  £errn*  —  ©elobt  fep  ©Ott,  unb  gelobt  fep  ©ein  peiliger 
•iftame  immer  um>  ewiglta) ;  bag  dx  un£  einen  gewiffen  £rofr 
nemfia)  bie  23erfia)erung  ©einer  ©nabe  in  (£fmfto  3efu  gegeben 
$M,  bag  wir  fröltftd;  unb  getroft  fingen  fönnent 

Ob  tiiiä)  gleich  ^at  betrogen  2)te  SBelt,  tton  @ott  gebogen 
£>utd)  ©unb'  unb  £rügere9,  2Bitt  tdj  bodj  m$i  »erjagen,  Siel* 
metjr  im  ©lauben  fagen:    2>a#  mir  bie  ©ünb'  »ergeben  fei?. 

8  n  »■  c  n  b  u  ti  j,  v 
I.  Raffet  un$  nun  aua)  biefe  wta)tige  Seigre  $u  unferem 
^ugen  anwenben  unb  von  ^er^en  glauben  lernen,  bag  uns 
unfere  ©ünben  vergeben  feiern  3a)  rebe  nemlia)  $u  ben  33ug* 
fertigen,  wela)e  iljre  ©ünben  erfennen,  bereuen  unb  fta)  naa) 
ber  ;Berfia)erung  ber  ©nabe  ©otte$  peqlia)  fernen*  Siefe 
fetten  nia)t  allein  bie  £el)re  tton  ber  Vergebung  fennen,  fem* 
bern  fta)  biefelbe  aneignen  unb  e3  feft  glauben,  bag  alle  ifyxc 
©ünben  bura)  ba$  35fut  (grifft  getilgt  unb  im  £immel  tter* 
geben  ftnb,  bamit  ijjr  ©ewiffen  beruhigt,  ifjre  ©eele  in  (Jprijio 
3efu  erfreut  unb  ^um  £obe  unb  gur  $kbt  ©otteS  ermuntert 
werbe»  ©ie  muffen  nia)t$  wtffen  unb  von  nitt)t£  j?ören  wollen, 
als  bon  3efu  bem  ©efreuatgten*  ©ie  muffen  glauben,  bag  ber 
@rlöfer  f>eute  nod)  3eben  anrebet:  ,,©ep  getrojt,  mein 
©oljn  (meine  £oa)ter),  bir  finb  beine  ©ünben  $er* 
geben !  ©ie  muffen  glauben,  bag  i^nen  nia)t  blo$  tk  f leinen 


454 


unb  geringen,  fonbern  au$  bte  grofjen  geiler,  an  wel$e  fte 

oljne  ordnen  nityt  benfen  fonnen,  erlaffen  feiern  ©ie  muffen 

Jjterin  na$  folget  ©ewif$ett  jlreben,  bafjl  wenn  2Belt  unb 

Teufel  riefen  i  H  %i$  ewig  verloren !  —  fte  bo$  getrojl  unb 

unb  unverzagt  fprec^en  fonnten:  „£)a$  tft  J  a  gewtgltä) 

wa^v  unb  ein  tjjeuer  n>ert|> e^  SBort,  baß  3efu$ 

(5£djlü$  in  bte  SOSelt  gefommen  ift,  bie  ©ünber 

feltg  suma^en,  unter  wetzen  ify  b er  5Borne£mfte 

6tn;  abermir  ijilBarmfjeratgfeit  wiberfaljren!"— - 

ffta$  btefer  Skrftcberung  preßten  fdjon  ttiete  geängjiete  ©ewif* 

fen;  einige  »erlangten  fogar,  ©Ott  f olle  Ijeute  noc$  Sunber 

tpun  unb  tfmen  babur$  bie  ©ewif^eit  tprer  33egnabigung 

»erfcfjaffen*  ©eine  ©mibe  ifi  awar  no$  ntc$t  »erfüllt  unb  dx 

ftmnte  no$  immer  ©eine  unbegreifliche,  große  ©üte  burc$  au* 

#erorbentli$e  3ei$en  beweifen,  wenn  (£r  e$  für  gut  fänbe* 

Slber  e$  tjl  uns  nicfct  erlaubt,  ben  £errn,  unfern  ©Ott,  su  »er* 

fu$en,  unb  ber  Gtjmß:  foll  mit  bem  Güsangeltum  unb  ben  petl* 

©aframenten,  in  welchen  bie  23erftd?erung  ber  ©nabe  be$ 

£öd#en  überflüffig  enthalten  ijl,  aufrieben  feiern  —  5Bir  ma* 

c§en  übrigens  bei  biefer  ©elegem)eit  auf  einen  ©ebraudj  auf* 

merffam,  ber  nad)  xü^tf^^ti  ©Triften  unter  bem  tfraelitif^en 

SSolfe  geperrföt  f?aben  foH   Sitte  3apre,  am  geft  ber  SBerfö> 

nung,  würbe  ein  23ocf  in  bie  SBüfte  geführt,  um  bie  ©ünben 

beS  SSolCfö  bafjin  au  tragen*  ,3wifc$en  feinen  Römern  foll  ein 

rotier,  wollener  Sa^en,  in  ber  ©eftalt  einer  3unge,  geheftet 

gewefen  fepn,  unb  ein  c$nlt$er  würbe  audj  an  ber  ££üre  be$ 

£empel$  aufgehängt  tiefer  Sappen  foll  meijtotf  mi$  gewor= 

ben  fe^n,  m$  baö  23olf  als  ein  3ei$en  annahm,  baß  ©Ott 

t£m  gnäbig  fe^n  wolle*  darauf  Unkt  au$,  t£rer  Meinung 

nafy,   ber  $ropj>et  #in  mit  ben  SOSorten:  „Söenn  eure 

©ünbe  gletd;  blutrotjj  ifi,  foll  fie  bod)  fdjneewetß 

werben,  unb  wenn  fie  gleidj  i%  wie  bteSftofinfarbe, 

foll  fte  boefj  wie  SQSolle  werben/'  2)iefe$  ftdjtbare  3& 

c$en  ber  SBerföfmung  aber  foll  ungefähr  »ieraig  3aj)re  vor  ber 

3erftörung  be$  £empel$  aufgebort  paben,  wtö  gerabe  in  bte 

3^it  fallen  würbe,  ba  ££rifiu$  aU  £>pfer  für  bie  ©ünben  aller 

SÜSelt  am  föveuae  färb,  unb  <5ify  felbf  aum  untrüglichen  3ric$en 


455 


ber  ©nabe  ©otteS  tn  ©einem  28ort  unb  in  ben  petltgen 
©aframenten  allen  Steffen  bargeftellt  $at  —  unb  an  liefern 

fotlen  wir  unö  billig  begnügen  laffen* SBenn  alfo  ber 

S3ußferttge  eine  gän$li$e  ©ewißlmt  von  ber  Vergebung  feiner 
©ünben  $u  paben  wünfctyt,  fo  fyätt  er  ft$  ^unäc^fi  an  bie  oben 
angeführten  23eweife  au£  ber  ©$rift,  wornadj  ©Ott  aßen 
Reuevollen  ©nabe  unb  ^armper^igfeit  verfvrocfyen  f>at*  SBon 
biefer  2öo£ltl?at  ijl  Sftemanb  auggefc^loffen,  al$  wer  ftcfy  felbjl 
burdj  Unglauben  ausließt  SBarum  wollten  wir  nun  bie  all* 
gemeine  ©nabe  ©otteö,  bie  audj  uns  angeboten  wirb,  ntdjt 
annehmen  ?  SÖSarum  wollten  wir  bem  23ater  ber  Sügen,  ber  ha 
fagt:  beine  ©ünben  ftnb  größer,  al$  baß  fte  bir  vergeben  wer* 
ben  ftmuen,  mejjr  glauben,  aU  bem  waprfwften  ©ojwe  ©otteS, 
ber  untf  guruft :  „©ep  getroß,  mein  ©opn,  beine  ©ünben  ftnb 
bir  vergeben !"  Raffet  uns  bebenfen,  $>a$  bag  £ogfvre$en  von 
ber  ©mibe  in  ber  33 eichte  m$t  »ergebend  feg,  fonbem  im  -Ka* 
tuen  beö  breieinigen  ©otte^gefc^e^e,  unb  aucfy  im  Fimmel  gelte* 
3efu3  gibt  uns  ©einen  %tib  unb  <Btin  33Iut  im  2lbenbmapl;  fön* 
nen  wir  nod?  m\  wertvolleres  $fanb  »erlangen  ?  SQßollen  wir 
no$  zweifeln,  ba  ©ott  felbji  fagt:  ,,©owa^r3^lebe,3^ 
-will  ni$t  ben  £ob  be$  ©unb  er  $  ic*/'  unb  3efuö  au$* 
ruft:  „kommet  per  $u  Sftir  2llle,  hk  t&r  muffelig  unb  belaben 
fepb,  3^  will  eu$  erquicfen  it."  SGSte  fönnten  wir  nod?  23e* 
benfen  tragen,  ba  alle  ?5ro^eten  unb  2lpojtel  mit  3oJ)anne$ 
bem  Käufer  bezeugen :  @j?rifhtS  fe9ba$£amm©otte$,  ba£ 
ber  Sßelt  ©ünbe  trage,  unb  baß  bur$  ©einen  Sfta* 
nun  21 11  e,  biean3!?ttölauben,  Vergebung  ber  ©ün* 
ben  empfangen  f  ollen ?  —  D,  lagt  un$  ©Ott  bie  <£{>re 
geben  unb  ©einer  ©üte  unb  2Öa£rj>eit  von  ganzem  $erjen 
trauen !  ?ajfet  uns  bie  große  ©nabe  beS  £erm  unb  bte  un* 
enblicl;e  ^?iebe  3efu  pöjjer  fragen  als  alle  unfere  ©ünbenj;  Wtö 
ftnb  wir  arme  ©efdjöpfe  gegen  ben  großen  ©Ott,  unb  wa$  ftnb 
unfere  ©ünben  gegen  ©eine  unermeßlidjc  23arm£er5igfctt? 
$>at  3efuS  für  bie  ©ünbe  ber  ganzen  2öelt  genug  tjmnfönnen, 
warum  ntc^t  au$  für  bte  unfrige  ?  Raffet  uns  ben  ©atan  mit 
allen  feinen  Einfettungen  getroji  veralten,  unb  wenn  er  un£ 
au$  bie  gan$e  9ttenge  unferer  gejrter  vorpält,   fo  wollen  wir 


456 


antworten :  Sir  wiffen  woJ)l,  ba§  wir  ©ünber  ftnb,  aber  toa^ 
ge^t  btc^  baS  an?  %n  ©oft  fwben  wirgefünbigt,  ni$t  wiber 
btc$,  bu  fannjl  im$  nid?t  fdjrecfen,  baS  Sort  unfern  GrrföferS 
ift  eS,  woran  wir  im§  galten  —  baS  Sort:  „3$  Bin  in  bic 
SBeU  gefommen,  umj>ie  ©ünber  fettg  $u  magern" 
—  Darüber  fagt  Sutjjer :  ,$tte  traft  ber  ©eligfeit  jjängt  ba^on 
ab,  bag  bie  Sorte:  Gtyrtftoä  §at  ftc^>  felbji  für  unfere  <5ün* 
ben  bajun  gegeben  u*  f;  w,  für  wa|>r  gehalten  werben/'  3$ 
fage  fol$eS  nifyi  tfergebfid) ;  benn  i$  |>abe  eS  oft  erfahren  unb 
erfahre  es  nod;  tctgticfy,  vok  f$wer  eS  ben  3ttenf$en  wirb,  $u 
glauben:  (EjjriftuS  fep  ntd)t  für  biejenigen  ba^tn  gegeben,  bie 
Jjet'Iig  unb  geregt  ftnb,  fonbern  für  ©ünber,  für  geinbe  ©otteS, 
weiche  bk  ewige  Serbammnig  billig  serbtent  pätten*  Darum 
foflen  wir  uns  mit  äfynüfym  £roftfprüdjen  waffnen,  bamit  wir 
aUen  Einfettungen  beS  @atanS  wtberftejjen  unb  fagen  fonnen : 
(£JmjluS  ift  Juer,  wer  Witt  serbammen  ? 

IL  Sir  Wolfen  au$  nodj  ber  (Einwürfe  gebenfen,  welche 
Uc  befümmerten  #er$en  in  biefem  galfe  machen  fönnen ,  unb 
Wolfen  biefelben  ber  9?eif>e  nadj  beantworten*  1)  könnte 
3emanb  fagen:  tdj  zweifle  ^war  ni$t  an  ber  ^armfjeqigfeit 
©otteS;  attein  ify  zweifle  an  mir  felbft,  ob  i$  ber  ©nabe  ©ot* 
■tt§  unb  ber  Vergebung  ber  @ünben  aud;  fctj)ig  fep?  Denn 
mtint  Buge  ift  nid;t  fo  befdjaffen,  xok  ©ott  fte  in  6einem  Sorte 
verlangt*  —  Darauf  antworte  tc$  :  (E$  ift  f$on  ein  gutes  3et* 
$en  einer  re$tf$affenen;  33uf;e,  wenn  man  ihretwegen  in 
borgen  iji  X)k  fymfyUx  unb  ©ottfofen  ftnb  bamit  balb  fertig 
unb  aufrieben,  wdf?renb  eS  ben  wajjrbaft  ausfertigen  leib  tput, 
ba$  fte  ifjre  ©ünben  ni$t  fo  ber^id?  bereuen  fonnen,  wie  fte 
wünfdjen*  Uebrigenö  fann  bk  wafjre  23uße  lei^t  erfannt  wer? 
bm;  benn  wo  eine  Ijerglic^e  Sraurigfeit  über  bie  @ünbe,  ein 
.fe£nltc$e$  Verfangen  nad;  ber  ©nabe  ©otteS,  ein  befMnbigeS 
teuften  $u  djjrifto  unb  ein  aufrichtiger  £ajj  gegen  aüeS  S35fe 
angetroffen  wirb,  ba  barf  man  an  ber  wahren  23ufie  nid)t  $wet* 
fein«  Senn  gleidj  tiefet  nod;  nid)t  fo  *>oflfommen  i(*',  wie  e$ 
feipn  follte,  fo  wijfen  wir  bod;,  tia$  fc^on  \>k  erften  Regungen 
eines  bußfertigen  £eqen$  ©Ott  angenehm  ftnb,  gleichwie  jt$ 
ber  £anbmann  anbm  grucf)tfnoSpen  eines  Raumes  ergogt, 


45t 


noa)  elje  fte  auSfo)lagen*  211S  ber  verlorne  ©ofjn  noa)  ferne 
war,  ^atte  fein  SSater  WlitUibtn  mit  tym,  ging  tjjm  entgegert 
unb  füffete  tf»n*  SDfttlnn  begegnet  uns  bei*  barmherzige  ©Ott 
mit  ©einer  ©üte  unb  nimmt  uns  jn  ©naben  an,  werfn  wir 
faum  etft  angefangen  i)aben  auf  bem  guten  Söege  $u  wanbeln 
unb  uns  aller  ©nabe  unb  £iebe  ©otteS  für  unwürbig  Ratten» 
2)  «Sagen  (Einige:  unfer  £era  ift  |)art  wie  Stein,  es  ijt 
nia)t  genug  ^erfnirfa)t  unb  $erfa)lagen ,  füra)tet  jta)  nia)t  rea)t 
vor  ©otteS  3orn,  läßt  uns  nia)t  anbäa)tig  beten,  fonbern  be* 
Jjält  feine  frühere  ©leta)gülttgfeit  3$  antworte:  $ergleia)et 
juerft  euren  jegigen  3uftonb  mit  bem  früherem  SBorljer  pabt 
ijjr  eua)  wenig  um  bie  $Sefa)affen£eit  eures  3nnern  berummert, 
ijjr  fyatttt  nur  greube  unb  £uß  an  euren  Sünben;  weil  t£r 
aber  j|e#t  barüber  naa)benlet  unb  eure  ©ünben  ernennet,  fo  ijt 
ber  £eil*  ©eijt  ojme  3weifel  in  eua)  wirlfam.  £>er  Anfang 
ber  ©enefung  ift,  feine  $ranfljeit  $u  wiffen*  —  gerner  bebenfet, 
t>a$  euer  £er$  eben  fegt  unter  ber  fräftigen  (Einwirfung  ©ot* 
tcS  flehet,  weil  eS  mit  jta)  felbj*  ringt  unb  wegen  feiner  <Sün* 
ben  befümmert  tjl.  @S  füra)tet  fta)  freilia)  vor  ©otteS  3orn; 
benn  warum  anberS  hctxixht  ijjr  eua)  über  eures  £er$enS  2Ö3i* 
berfpenftigfeit,  als  weil  ijjr  wiffet,  baß  ©Ott  alle  Urfaa)e  l>at, 
biefelbe  ju  (trafen?  £>aS  beffce  (55ebet  ift  baSjenige,  Wela)eS 
bura)  viele  £inbermf[e  $u  ©Ott  bringt*  £)er  £err  jteljt  aua) 
baS  Verlangen  unb  ©euften  ber  betrübten  ^er^en  an,  unb 
wenn  unfer  &^hct  uns  am  wenigjten  gefällt,  fo  gefällt  eS  ©Ott 
am  meijten*  £)ie  wafjre  23uße  tjl  ma)t  immer  mit  £jjränen 
verbunben,  befonberS  anfangs  nia)t;  baS  £er$  leibet  oft  bie 
größte  2ingjt,  wenn  man  aua)  nta)t  weinen  fanm  bisweilen 
weinen  aua)  bie  £euä)ler  unb  pellen  fia)  fe£r  fläglia),  wä^renb 
bie  waljrl?aft  bußfertigen  feine  £i?ränen  Ijaben,  S8on  bem 
bugfertigen  3öllner  wirb  gefagt,  b<x%  er  bloS  gefeuftt  fyäbtx 
„©Ott  fep  mir  ©ünber  gnäbig;"  von  feinen  Xfyxäntn 
aber  wirb  nia)tS  erwähnt  ßrbenfo  war  ber  ©ia)tbrüa)ige,  bem 
3efuS  bie  Vergebung  feiner  ©ünben  antunbigte,  gewiß  rea)t 
betrübt,  unb  boa)  lefen  wir  nia)t  von  ijjm,  baß  er  Qtmint 
Ijabe,  —  Raffet  bemnaa)  nia)t  ab,  ©Ott  um  wafjre  3?eue  unb 
um  bie  göttliche  £raurigfeit,  x^it  aua)  um  bie  ©abe  ber  £f?räuen 


458 


au  bitten  ;Tbenn  eben  btefeS  tft  ein  Mittel,  ba$  parte  £era  ju 
erweitern 

3)  SSeiter  fagen  (Einige:  51$ !  wir  furzten,  unfere23uf?e 
werbe  au  fyät  fommen!  2ßtr  ;fmb  aß$ulange  pingegangen  unb 
paben  bie  £angmutp  unb  ©üte  ©otteS  veracptet  unb  feine 
©nabe  auf  Sttutp Witten  gebogen !  SQStr  beforgen,  wir  tnüjfen 
unter  £enen  fepn,  welcpe,  wenn  fte  fommen,  bie  £püre  x>tx* 
fdjloffen  ftnben,  unb  wenn  fte  anflofcfen,  gur  Antwort  erpalten: 
3<p  fenne  euer  ma)t  —  Slber  feine  23uge  iß  au  fpät,  wenn  fte 
nur  ernjtttcp  ift  2)ie  fpäte  53uf)e  pat  freilicp  mepr  ©cpwierig* 
feiten;  benn  bie  attm  ©imben  gleiten  einem  faulen  Stäben, 
ber  ft#  fdjwer  peilen  lägt  3e  länger  ba$  £era  bem  gottlofen 
SSefen  ergeben  war,  beffa  mepr  ifl  e$  verwtlbert,  verberbt  unb 
»erpärtet  £>od)  pat  ber  gnädige  unb  barmper^ige  ®ott  feinen 
Gefallen  am  £obe  ber  ©ottlofen,  fonbern  (Er  wünftpt,  ba§  fte 
ftcp  befepren  unb  leben,  mc  (Eaedpiel  fagt:  „wenn  ftcp  ber 
©ottlofe  befepret  von  feiner  Ungerecht  ig  feit  unb 
i£ut  SRecpt,  fo  wirb  er  feine  ©eele  lebenbig  bepal> 
iem"  ©o  iß  au<$  bem  £errn  3efu  fein  ©cpaben  au  alt,  feine 
^ranfpeü  au  gefäprlicp,  ©ein  S3lut  unb  ©eif*  petltunbrei* 
mgt  alle  ©ebrecpen*  (Er  macpte  einji  ntcpf  bloS  ©olcper  gefunb, 
bte  nur  furae  3^i  franf  waren,  fonbern  aucp  ©olcpe,  bie  fafl 
Settlements  elenb  gewefen  ftnb.  konnte  (Er  nun  btefetf  M  letbli* 
$en  £ranfpeiten  tpun,  fo  wirb  (Er  e$  aucp,  ©einer  eigenen 
SBcrftc^erung  nacp,  in  $ranfpeiteu  ber  ©eele  au$$ufüpren  im 
©taube  fepn*  (Er  ftricpt  felbfh  „Sßer  au  Wlix  fommt,  ben 
will3<pnia)tpinau3  flogen;  3$  bin  gefommen,  bie 
©ünber  aur  S3u§eau  rufen  unb  feiig  au  macpen, 
waäverloren  ijL"  (Er  fagte  bieg  namentlich  in  bem  frönen 
©lettfmtg  von  bem  verlornen  ©optu  (Er  napm  tk  ©ünber  an, 
t>k  3apre  lang  in  Ungeredjtigfeit  baptn  gelebt  patten,  unb  ver*. 
fcpmäpte  bie  ©eufaer  beö  ausfertigen  ©cpäcperö  nicpt,  ber  bem 
&obe  fo  nape  war»  —  33tft  t>u  alfo,  o  Sftenfcp,  lange  ptnge* 
gangen  in  beinen  ©ünben,  fo  banfe  ©Ott  um  fo  peqlicper,  ba§ 
(Er  be$  (Erbarmens  nid?t  mübe  geworben  ift],  unb  weil  (Er  fo 
lange  auf  beine  33uge  gewartet  pat,  fo  erfenne  bocp,  ba$  (Er 
©icp  barum  verfcpont  pat  bag  bu  bia)  beffent  folljt   (Er  will 


459 


bin;  alfo  fettg  magert*  —  3Me  Rettung  groger  ©ünber  bringt  aua) 
bem  gndbigen  ©Ott  bie  größte  (£j)re,  gleich  tote  ein  %x^t  ben 
größten  9?uf>m  erwirbt,  wenn  er  einen  Traufen  gefunb  ntaa;t, 
ber  oon  anbern  Siebten  Idngft  aufgegeben  würbe*  Söir  wunbern 
un$  nta)t  fo  feljr  barüber,  t>a$  ©Ott  ben  £>aotb  befe^rt  J>at, 
ber  blo$  fuqe  3«t  m  feinen  ©ünben  lebte,  aU  baß  (£r  jta)  be£ 
®önig$  STtanaffe  annahm,  ber  fa(l  fein  ganjeö  (leben  lnnbura; 
gottlob  war*  —  ©otte$  ©nabe  unb  Söaprljeit  toaitet  über  un$ 
in  <£wtgfeit,  unb  3efu$  £at  burd)  ©ein  33lut  eine  ewige  (£rlö* 
fung  gefliftek  2)arum  o  2ftenfdj,  fe#e  beinen  langwierigen 
©ünben  bte  ewige  ©nabe  ©otte$  unb  bie  ewige  <£rlofung 
(grifft  entgegen»  —  £)er  2tyofiel  will,  ba$  wir  unö  a  H  e  X  a  g  e 
äurSBuße  ermahnen  f  ollen,  fo  lange  eöl^eute  petgt;  unb 
ber  55rop£et  fagt:  >,£>ie  ©üte  be$  fytxxn  tjl  e$,  baß 
wirnia)tgar  au$  ftnb*  ©etne33arm£er$igfeit  pat 
ttoa)  fein  (£nbe;  fonbern  fie  i(t  alte  borgen  neu, 
unb  ©eine  £reue  ijt  groß,"  —  ©ielje,  o  bußfertiges 
£er$,  e$  Trefft  ja  noä;  p'eute!  2lua)  an  biefem  borgen  iffc  mit 
ber  ©onne  bie  ©nabe  ©otteä  über  bir  aufgegangen*  Sftadje 
nur  beinen  ©ünben  ein  (£nbe;  ©otteS  Söarmperaigf eit  £at 
noa;  fein  Q£nt>t.  ©ie  wirb  $ielme£r  täglia^  erneuert;  barum 
foiten  wir  an  berfelben  nta)t  ^er^ageiu  5öenn  gteia;  ©Ott  oft 
lange  auf  unfere  33uße  warten  muß ;  fo  tft  boa)  ©eine  ©arm* 
pergigfeit  fo  groß,  baß  dv  uns  alle  borgen  mit  neuer  ©nabe 
begegnet,  weil  <£x  ©Ott  tft  unb  fein  2ttenfa),  unb  t>k  ©eele 
lieb  J>at.*— ■  ©ie  ©nabentlritre  tjl  nur  benen  oerfdjloffen,  weta)e 
t£re  Seit  mutwillig  oerfdumen,  bte  $Rittd  $ur  33efe£rung  »er* 
aä)ten,  tyx  £er$  oerftotf en,  unb  ber  Sangmutf?  unb  ©üte  ©otte$ 
t$re  23o$i?ett  entgegen  fe#en.  SSenn  biefe  in  9Jot£  unb  £ob 
geraden,  fo  rufen  fte  swar  aua)  um  ©nabe,  unbfua)enber 
SBerbammniß  §u  entfliegen;  boa;  gefa;ie£t  eS  mejjr  aug  fnea> 
ttfa;er  gurd)t,  aU  au$  wahrer  33uße.  293er  möa;te  e$  aber  bem 
gerea)ten  ©Ott  verargen,  wenn  (ix  fola)en  rua)lofen  9Äenfä)en 
bte  ^immel^tpüre  t)erfa)ließt,  Wefa)e  mutwillig  ©eine  ©nabe 
tteraa)ten  unb  in  ©ta)erp eit  unb  tlnbußfertigfeit  ba^tnleben  bi& 
an'S  @nbe?  —  4)  2)a$  betrübte  £era  fäprt  fort:  3a;  fann 
nta;t  laugnen,  baß  ta)  ber  ©nabe  ©otte3  unwürbig  bin,  mit 


460 


id)  fte  fo  lange  oeraa)tet  Ijabe,  ta)  mag  meine  klugen  nidjt  auf* 
I?eben  unb  fa)äme  mia)  vor  ©Ott,  (£r  tyut  nta)t  Unrecht,  wenn 
<£r  mir  ©eine  ©nabe  verfagt  *c,  3a)  antworte  mit  ben  SBorten 
$ault:  ,,©o  wir  uns  felbjt  rtdjten,  fo  werben  wir 
(von  ©Ott}  nta)t  gerietet/'  (£3  i(i  ein gute&3eiü)en,  wenn 
ber  SSttenfa)  ©Ott  9?ea)t  gibt,  unb  fta)  feloji  Unrecht,  £>er  buß^ 
fertige  3<Wner  jtonb  von  ferne,  wollte  aua)  feine  2lugen  mä)t 
auffjeben  gen  £immef ,  fonbern  fa)lug  an  feine  SQxuft  jc.  unb 
ging  boa)  gerechtfertigt  j)inab  in  fem£au&  2)er  verlorne  ©o£n 
Jnelt  fta)  anlegt  für  unwürbtg,  ein  $inb  feinet  Sßaterö  $u  £ei* 
£en;  boa;  überwanb  baS  ltebreia)e  SSater^er^  Me$,  unb  gab 
i£m  t>k  ®mbfa)aft  unb  2llte$  wieber»  3ene  ©ünberin  Ijielt  fta) 
nia)t  für  würbig  3efa  unter  bie  klugen  $u  treten ,  fonbern  fte 
trat  von  Junten  p  feinen  güffen  unb  negte  biefelfcen  mit  tpren 
SEjjränen;  aber  mt  tljeuer  war  fte  bem  £errn!  203er  fta)  felbjl 
erniebrigt,  ber  wirb  erpöl)t  werben»  —  33tfi  bu  alfo  ber  ©nabe 
@otte$  nia)t  würbig,  fo  btft  bu  berfelben  boa)  ljca)fl  bedürftig, 
unb  wenn  ©ott  ©eine  ©nabe  nur  ben  SÖürbigen  fa)enfen  wollte, 
fo  würbe  er  fte  allen  2ttenfa)en  verfagen*  ©eine  ©nabe  ftnbet 
feine  Sürbigen,  fonbern  maa)t  fte.  2)arum  lag  bir  genügen, 
ba$  bu  beine  Unwürbigleit  fennß,  unb  beine  SGBürbigf eit  in 
tyxifio  3efu  fua)fL  dx  ruft  nia)t:  kommet  £er  au  Wlix,  tyx 
SBürkigen  unb  ©erea)ten,  fonbern  2llte,  bieiljrmüpfelig 
unbbelabenfe^blSBenbabürjUt,  berfommeau2ftir 
nnb  trinf  e!  2)ie  3öllner  unb  ©ünber  mieten  fta)  unter  ba$ 
Sßolf,  unb  fua)ten  bem  #errn  fo  na|?e  au  fepn,  t>a$  fte  3£n  ty* 
ren  fonnten*  2)oa)  wagten  fte  e3  nia)t,  fta)  3£m  San3  Su  »äf 
£em,  vielwentger  burf ten  fte  verlangen,  baß  (£r  fte  mit  ©ia)  ef* 
fen  laffen  folle*  £>er  ltebreia)e  £ettanb  aoer  faj>  bie  ©elmfua)t 
t£re3  £eraenS  unb  rief  ifyntn  opne  3weifel  $u:  tretet  nur  nä* 
f>er;  ben  3$  &in  in  bie  Söelt  gefommen,  ben  <£lenben  au  prebi* 
gen,  bie  aerbroa)enen  £eraen  $u  verbinben;,  bie  traurigen  ^u 
tröjlen  unb  t>\c  ©ünber  feltg  $u  maa)en.  2Ö3a|>rfa)einlia)  $at 
ber  £err,  ali  fte  netter  ljerbetfamen,  fte  freunblia)  empfangen, 
aua)  ©ia)  hä  tfmen  au  ©ajt  gebeten,  tok  <£x  bem  3cia)äu^  ju^ 
rief:  „3$  uut£  l^eute  in  beinern  £aufe  einle^ren»" 
2)iep  fa^en  ^ic  ü>eua)lerifä)en  55^arifder  unb  fagten  ftöttifa) : 


461 


„£>tefer  nimmt  bie  ©ünber  an,  unb  iffet  mit  tp* 
neu,"  Slber  btefe  uerfknben  ba$  %mt  beS  5f7?effia^  nia)t.  2Bo 
fott  ber  2Ir$t  lieber  fe^n,  als  bei  ben  Traufen?  gür  wen  pat 
ber  Später  33rob,  afä  für  bte  hungrigen  $tnber?  gür  mn  ift 
bte  frtfa)e  Duette,  aU  für  ben  burfigen  Söanberer?  —  ©er 
£err  tft  aber  noa)  peute  alfo  gefmnt,  £>ie  Slermften  in  tprem 
£er$en  ftnb  3j)m  am  liebftem  2)iejentgen,  welcpe  von  ferne 
fiepen  unb  nta)t  wiffen ,  ob  fte  e3  wagen  bürfen,  fta)  3pnt  ju 
napen,  rebet  (£r  freunb(ta)  an,  unb  fpria)t:  fommet  nur,  ipr  be* 
txixUen  £er$en,  wa$  füra)tet  ipr  eua)?  3a)  f  ernte  euer  21nlte* 
gen,  eure  peim(ia)en  £pränen  unb  ©eufjer  ftnb  3Jcir  nta)t  ser* 
borgen,  £abttpr  ©ünben,  3$  pabe  ©nabe;  fe^b  ipr  tter^agt, 
3a)  ^a6e  Stroft  unb  $rafi  unb  Witt  eua)  erquiäm  £ier  tftSRupe 
für  eure  Seele,  pier  ift  2tebe  unb  £reue,  pier  tft  ber  ^eidjtpum 
ber  ©nabe  ©otteg!  —  @o  laffet  ung  nun  mit  greubigfeit  pin* 
zutreten  unb  uns  nia)t  furzten»  —  2U3  fta)  3ofepP  feinen  53rü* 
bern  ju  erf  ennen  gab,  rief  er :  ia)  bin  3ofepp ;  aU  er  aber  fape, 
bag  fte  fepr  erfä)raäm  fegte  er  pin^u:  tretet  boa)  per  $u  mir; 
unb  aU  fte  perbeifamen,  rief  er  noä)mafS:  ia)  bin  Sofepp, 
euer  trüber,  —  @o  ruft  3efuS  uns  armen  ©ünbem  $u :  3a) 
bin  3^fu^,  euer  trüber;  fommet,  3&)  £in  3efu3,  euer  SBer* 
föpner,  fürd)tet  euä)  nia)t! 

5)  (£in  geängfteteg  ©ewtffen  möa)te  ferner  einwenben: 
2lä) ,  meine  ©ünbe  tft  ju  groß ,  iä)  pabe  nta)t  bloS  Heine  unb 
geringe,  fonbern  fa)recf{ia)e  £obfünben  begangen,  —  3ä)  ant* 
Worte':  (£$  ftnb  boä)  nur  Sünben  eines  armen,  jterbliä)en 
20cenfä)en,  bie  23armper3tgfett  aber  ift  bie  be$unenbliä)en  <Sa)ö* 
pferS,  unb  ©eine  ©nabe  ift  fo  grof,  aU  dt  felbfi  tfc  —  Oft 
bünft  uns  eine  <5aa)e  grof  gu  fe^n,  bte  boä)  im  23ergtetä)  mit 
anbern,  größeren  fingen,  für  flein  gepalten  werben  muß.  2Ba3 
ifl  ein  groger  ©trom  gegen  $>a$  SBeftmeer,  wirb  nia)t  fein 
SBaffer  barin  tterfa)utngen,  bag  man  nia)t  mi$,  wopüt  es  ge* 
fommen  ift?  ©o  serpcilt  e'$  fta)  mit  unferer  $ciffeipat,  bie  $war 
grog  unb  fä)wer  ift,  aber  im  SBergleiä)  ber  göttlichen  S3armper^ 
Sigfeit  unb  beö  SSerttenfteö  3efu  (Eprif^i  für  flein,  ja  für  9Ua)t3 
au  palten  ifh—  ^ag  betne  ©ünben  fo  groß  fepn,  aU  bie  9)ciffe^ 
tpaten  ber  üßett  auf  Einern  Raufen  ftnb,  fo  werben  fte  boä)  *>on 


462 


tcr  ©nabe  ©otteö  überwältigt*  3n  btefem  Sinne  fagt  tyaulut: 
„wo  aber  bte  Sünbe  mächtig  geworben  iji,  ba  iji 
bombte  ©nabe  viel  mächtiger  geworben."  -—  Sßir 
£aben  oben  viele  SBetftriele  angeführt,  welche  beweif  en,  ba$ 
ber  barmherzige  ©ottauclj  bte  größten  Sünber^u  ©naben 
annimmt  3u  biefen  fann  man  aua)  baöjienige  von  Simon, 
bem  3auberer,  reimen,  welker,  ob  er  wo£l  einer  ber  größten 
Sünber  war,  bo#  von  $etru$  ben  SRaty  erpiett,  baß  er  ft$ 
belehren  unb  ©Ott  anrufen  folle,  fo  werbe  er  ©nabe  jinben* 
Söenn  nun  jenem  Sittanne,  ber  voll  Ungerechtigkeit  war,  bie 
23arml)er$igfeü  be$  £o#en  angeboten  wirb,  m$  Jmben  2ln* 
bere  au  Ijoffen?  —  £utjjer  fagt:  „23er$age  nid)t  wegen  ber 
©roße  beiner  Sünben,  wenn  bu  jte  im  (leben  ober  im  £obe 
redjt  füljlji,  fonbern  lerne  von  $aulu$  glauben,  baß  (SjjrijiuS 
<B\6)  felbft  ba^in  gegeben  f>abe,  mc^t  für  erbi^tete,  fonbern  für 
walire,  ni$t  für  Heine,  fonbern  für  fepr  große,  nidjt  für  ei* 
nige,  fonbern  für  alle,  ntc$t  für  überwinblictye,  fonbern  für 
unüberwinbltcfje  Sünbem  ^Befleißige  bt$  mit  großem  (£rnfi, 
baß  ^u  nic$t  bloS  außer  ber  3ett  ber  Slnfedjtung,  fonbern  au$ 
in  ber  ©efajjr  unb  im  £obe$fampfe,  wenn  baS  ©ewijfen  bur$ 
bie  Erinnerung  an  bie  begangenen  Sünben  erf$retft  wirb,  unb 
ber  Satan  t>ify  mit  einer  glutj?  von  Sünben  überfd)wemmen, 
von  Qtyrijio  wegreißen  unb  in  Verzweiflung  (iür^en  will,  — 
mit  greubtgf  eit  fagen  fannfi:  „3efu$  ifi  baj>in  gegeben  ntdjt  für 
bte  ©ereilten,  fonbern  für  Ut  Ungerechten,  ni$t  für  bie  $& 
ligen,  fonbern  für  bie  Sünber  je.  3$  btu  ein  Uebertreter  ato 
©ebote  ©otteö  unb  meiner  Sünben  iji  mepr,  aU  ber  Sanb  am 
Stteer*  2Bet(  jte  aber  fo  groß,  fo  un^ä^lig  unb  unermeßlich  fmb, 
fo  pat  fta)  ber  So£n  ©o*te$  für  biefelben  itt  ben  £ob  gegeben, 
um  jte  $u  tilgen,  unb  mity  unb  Sitte,  tik  an  3^n  glauben,  fetig 
3u  magern"  Caffet  uns  alfo  $u  unfern  großen  unb  f  c^weren 
Sünben  nic$t  auti)  no$  btejienige  jrinautjjun,  baß  wir  unfere 
Sttiffetpat  für  pö£er  achten  wollten,  als  bie  ©nabe  @otte$  unb 
ba$  t^eure  Verbienji  (grifft.  Unb  wenn  ber  Satan  ruft:  groß 
iffc  beine  Sünbe,  groß  beute  33oSpett,  fo  (äffet  un$  ebenfalls 
rufen:  groß,  unenblic^  groß  iji  auc$  Uc  33armlj  er^igf  eit  unfe* 
res  ©otteS,  groß,  unau$fprea)lic|>  groß  iji  bie  $raft  be$  23lu* 
m  3efu  (^rifii,  be$  SelterlöferS ! 


463 


6)  SBeiter  förntte  bie  fcetru&te  (Beete  fagen:  21$,  f$  £abe 
oft  wiffentlia)  unb  vorfägtia;  gefünbigt,  icjj  fmbe  meinem  ©Ott 
peiftg  verfprocfjen,  tag  ia)  mia)  nimmermehr  ju  meinen  »ort* 
gen  ©ünben  wenben  wolle,  unb  boa;  Bin  tcfy  meprmafö  rücffät* 
lig  geworben  unb  fjabe  mein  ©etübbe  letdjtfmmg  vergeffen*  — 
3a)  antworte:  bie  ©djrift  felbjl  maa)t  einen  Unterfa)ieb  unter 
ben  verborgenen  ge^Kern  ober  ©cfywaajpeiten,  unb  ben  ©ünben, 
tk  au$  grec^peit  unb  wtber  ba$  ©ewiffen  begangen  werben* 
©te  $etgt  aua),  bajj  biefe  festeren,  befonberä  wenn  fte  wieber* 
ijolt  werben,  fef>r  grog  unb  fä)wer  finb;  baper  man  nia;t  ge* 
nug  vor  benfelben  warnen  fann.  25oa)  barf  man  ba$  geängftete 
£er$  nia)t  oljne  £roft  laffen,  gumat  ba  berfelbe  in  ©otteS 
Sßort  ju  (tnben  tjh  @3  |te£e  nun  mit  beinen  ©ünben,  wk  e£ 
wolle,  wenn  bu  aua)  wiffenttia)  unb  vorfä#lid;  gefehlt  unb,  beä 
fjetltgften  23erfprea)en$  oJmgeaa)tet,  wieber  in  beine  alten  ©ün* 
ben  3urü(fgefatten  biji,  fo  geboren  beine  Vergebungen  noa)  im* 
tner  unter  bie  3ajtf  ber  ©ünben*  9?un  aber  fagt  t>k  ©djjrift, 
baf?  ©Ott  feinen  ©efallen  jtnbe  am  £obe  beö  ©otttofen,  fon* 
bern  ernftlta;  wolle,  ba$  er  fta)  befejire  unb  lebe,  unb  GtyrißuS 
fe#e  in  bie 903eXt  gefommen,  bte©ünber  fetig  $u maa)en,  unb 
©ein  33tut  maa)e  uns  rein  von  allen  ©ünben»  3Äft£m 
fimnen  beute  ©ünben  vonbiefen  allgemeinen  £roflfprüa)en 
nia)t  aufgenommen  fepn,  unb  bu  felbft  aua)  nia)t  (£3  gibt 
gwar  ©ünben  von  mancherlei  2lrt  unb  SBetfe;  $>a$  Wlitttt 
bagegen  aber  t'ji  einerlei,  —  bie  ©nabe  ©otteö  unb  ba$33er* 
bienfl  3efu  (£fmjü  &  gibt  mancherlei  ©efa)öpfe  ©ottcS  auf 
(Erben,  in  ber£uft,  imSSaffer  :c*;  aber  alle  ftnb  in  (£inen  gro* 
fjen  ®rei$  unb  von  (Einem  #immet  eingefa)toffm,  beffen  güti* 
gen  €tnjlug  fte  $u  genießen  £aben*  ©o  erjlrecft  fta;  aua)  ber 
£tmmet  ber  ©nabe  über  atte  ©ünber*  ©Ott  $At  2ltte$  befa)lof* 
fen  unter  bem  Unglauben,  bamit  dx  ©ia)  2ltter  erbarme. 
©Ott  £at  2ltte  in  feinem  SBort  für  ©unber  erflärt,  bamit  Sitte 
babura)  angetrieben  würben,  $u  ©einer  ^armpeqigfeit  ipre 
3ufhta)t  $u  nehmen  unb  ipre  ©eligfeit  allein  in  feiner  ©nabe 
gu  fua;en,  —  (Erinnere  bia;  aua)  fketö  an  ba$  oben  angeführte 
£rofhvort:  „SBte  fiö)  ein  SSater  über  feine  ^inber  er* 
barmt,  fo  erbarmt  fta;  ber  £err,"  £>  wie  oft  fianbelt  ein 


464 


$mb  mit  SOSiffen  unb  2ßtflen  gegen  be$  SSater^  (Mote!  .Söie 
oft  verfprie^t  eS  Bejferung,  befonberö  wenn  e£  bie  9^ut^e 
ftept  ober  füjrtt,  unb  boa)  lägt  e6  fta)  bura)  £eia)tftnn  ober 
bura)  böfe  ©efellftt)aften  balb  wieber  verleiten,  bag  e$  feinem 
23erfprea)en  untreu  wirb.  Sajjer  fjat  bte  väterlta)e  Stete  im* 
mer  au  t£un,  au  ermahnen,  au  bulben,  bisweilen  aua)  gu  ßra* 
fen;  aber  baS  ®inb  wirb  nia)t  verflogen»  60  ge£t  eö  aua) 
mit  un£  armen,  fünbigen  9föenfa)en;  wir  wijfen  meißenS,  wag 
unfere  ftnblidje  $flia)t  gegen  ©Ott  forbert,  wir  nehmen  e6  uns 
aua)  ernfilia)  vor,  baß  wir  ben  £tmmlifa)en  SBater  nia)t  me£r 
betrüben  wollen.  Gittern  wie  balb  iß  e$  gefa)el)en,  bag  wir 
bura)  unfer  Sieifa)  unb  53tut,  bura)  ben  ©atan  ober  bie  2ßelt 
verleitet  unb  aur  ©ünbe  jjingeriffen  werben!  Unfer  23orfa§ 
geigt  jwar  ba$  aufrta)ttge  Verlangen  naa)  ©otteS  ^Bitten  gu 
leben;  aber  unfere UnbefMnbigfeit  bwtiöt  ba$  groge  SBerberben 
unfereS  ^ergenö  unb  unfere  ©a)waa)fjeit.  2Ba3  anber3  fann 
nun  ber  SSater  im  Fimmel  tfwn,  aU  bag  (£r  fta)  über  unfer  ßrlenb 
erbarmt  unb  unferer  ©a)waa)fmt  bura)  ©eine  23arml?eraigf  eit 
3U  £ülfe  fommt?  3^ar  mug  (ix  manchmal  tit  9?utl?e  ergreifen 
unb  unfer  wanfelmütfngeS  £eta  fa)arf  gültigen;  boa)  gefa)iefjt 
es  au$  väterlta)em  Sßojrtwollen,  bamit  wir  in  3ufunft  vor* 
fta)tiger  wanbeln  follen.  28ir  bringen  alfo  unfer  £eben  unter 
©ottcS  Erbarmen,  mit  gallen  unb  Stuften,  mit  ©ünbigen 
unb  2lkbttten,  mit  3rren  unb  Gnrfennen,  fura  in  fleter  33uge 
3U.  —  £)amit  will  ta)  aber  bie  fixeren  unb  unbugfertigen  ©ün* 
ber  na)t  noa)  fta)erer  madjen,  fonbern  ia)  rebe  von  ben  33ugfer* 
tigen,  welche  bte  ©ünbe  verabfa)euen  unb  £roj*  fua)en  in  i^rer 
£raurtgf  ett.  —  diu  SBater  Ijält  feinem  $tnbe,  fo  lange  e£  finb* 
liä)e  G££rfurd)t  aeigt,  viel  au  gut;  wenn  aber  baffelbe  anfängt, 
feine  ©üte  gu  migbraua)en,  feiner  au  fpotten  unb  fta)  i$mt  mit 
freiem  WlutytviUm  au  wiberfcgen,  fo  wirb  eS  anlegt  nia)t  me£t 
aU  ®tnb  erfannt  unb  enterbt.  £)oa)  verliert  fta)  bie  väterlia)e 
Siebe  nia)t  fo  leta)t  unb  e$  l)ält  fa)wer,  bte  fte  gana  aufbort, 
jte  pofft  vielmehr  immer  noa)  auf  33efferung  unb  fud)t  biefelbe. 
—  2Iua)  in  ber  £eil*  ©a)rift  ftnben  fta)  mehrere  ^Beifpiele,  bag 
©ottbenen,  bie  vorfä^lia)  gefünbigt  ^aben,  ©nabe  wiberfap* 
ren  lieg.   ©0  fonnte  fta)  ^)avib  nia)t  mit  Unwiffen^eit  entfa)ul* 


465 


tngen,  al$  er  ftcf>  an  feines  9Md;jlen  &3etb  t>erfimbigte  unb  am 
Cntbe  iljren  Wlann  bem  £obe  überlieferte*  SCtfanaffe  patte 
einen  frommen  SBater,  ber  ipn  opne  3^eifel  sur  ©otte$furd;t 
ermahnte  unb  gut  er^og;  atXem  er  achtete  nic^t  barauf  unb 
würbe  ein  fd;limmer  Üeegent,  %tt  er  aber  burd;  ®reu$  unb 
Zeiten  gebemüttngt  warb  unb  in  ^eqli^er  Sfteue  ©nabe  bei 
feinem  ©Ott  fuc^te,  fo  würbe  fte  tljm  retd)lid)  $u  %$Mt  wie 
früher  bem  £)avtb,  2)er  Cegterc  gelobte  gwar  bem  £errn  ewige 
breite:  (icfy  fdjwore,  ba£  i<|  bie  D^ec^te  beiner  ©ered;tigfeit 
galten  Witt},  fiel  aber  bod;  nacfyjjer  fo  tief,  (Er  erlangte  afrer 
auc^  wieber  ©nabe,  fobalb  er  fte  mit  einem  reuevollen  ^er^en 
im  ©lauben  fuct)te,  2öte  oft  fd;logen  anbere  j[übtfd)e  Könige 
für  ftdj  unb  tl)r  Sßolt  einen  S5unb  mit  ©Ott  unb  verfprac^en 
feierlich  in  (Seinen  ©eboten  $u  wanbeln ;  aber  fte  übertraten 
benfelben  ebenfo  balb  wieber,  £)emofmgead)tet  blieb  tjjnen  bk 
©nabentljüre  offen  unb  ber  barmherzige  ©ott  lieg  fte  fietö 
burdj  feine  s]3ropl)eten*3ur  33u£e  ermahnen  unb  rief  tfmen  $u: 
„®el)re  wteber  bu  abtrünniges  3fr  ael,  fo  will  3$ 
mein  Stntltß  gegen  bidj  nict) t  verftelleh/  allein  er* 
fenne  beine  $ciffetljat,  baf  bu  wiber  ben#erm, 
beinen  ©Ott,  gefünbiget  jjafH"  —  Hud;  ijt  unS  allen 
befanni,  t^k  Zeitig  fiel;  $etru3  befeuerte,  baß  er  feinen  £errn 
unb  9Jieifter  nid;t  verlaffen  wolle»  (£v  Verlief?  ijm  bod;  unb 
fd;wur  nod;  ba$u,  baß  er  3Jm  nid;t  lernte;  allein  er  würbe 
wteber  ju  ©naben  angenommen,  als  er  feine  <&ünU  erlannte 
unb  Utttrtid)  beweinte,  —  Unfern  ©ünben  ftnb  viel;  aber  hei 
©ott  ijt  au$  viel  Vergebung,  2)enn  ti>k  wollte  ber  IBarm* 
Derjtge  fonft  mit  uriä  armen  ©efctyöpfen  aured)t  fommen?  SSie 
an  $ater  feine  ftinber  nid?t  grog  gtepen  lann,  o|me  ipnen  viel 
3U  vergeben,  fo  fann  ©ott  9ciemanb  feiig  machen,  ojnte  groge 
©ebulb,  £angmutf)  unb  Erbarmen,  —  'SÖäre  ©ott  un$  Wien* 
fd;en  gleid),  fo  motten  freiließ  bie  rückfälligen  <Sünber  wenig 
$u  hoffen  j)aben,  2)enn  wir  werben  be£  SSeqeifJenS  balb  mübe 
unb  meinen,  man  fpotte  unfer,  wenn  man  uns  oft  beleibige,  2)od; 
©ott  ijt  fein  TOenf(^  unb  feine  ©ebanfen  ftnb  ntct)t  unfere  ©eban* 
fem  Sßenn  wir  wiffen  wollen,  tt>k  überfcfnvänglid;  ©otteS  ©üte 
tft,  fo  lajfet  un$  ni$t  nur  auf  uns,  fonbern  auf  bie  gan$e  $ir$e, 


466 


gefdjwetge  beim  auf  bie  gange  2Mt  feiern  teufet  baran,  $tne 
viele  taufenb  $?enf$en  ,©ott  tctglid)  beleibigen,  unb  bort;  ©einer 
üteBe  tagftd)  genießen*  <£r  butbet,  fd)ü£t,  erhält  fte  unb  locft 
fteJbur^  fetne  £angmutlj>  gur  23uf?e,  unb  wenn  fte  umfepren, 
fo  nimmt  (Er  fte  gnabtg  auf*  SÖenn  ber  £err  un6  allein  bie 
6ünben  vergeben  würbe,  fo  iömtten  wir  un3  über  bie  ©röge 
feiner  ©üte  ntc^t  fo  fepr  wunbem,  bag  dx  bieg  aber  an  fo  viel 
taufenbmal  taufenb  getpan  fmt  unb  no$  tfntt,  baö  ift  e3,  wa$ 
©eine  $arm|jergigfeit  unbegreiflich  mad)t  Söaö  ift  meine  ©ünbe, 
fo  groß  fte  au$  fe^n  mag,  gegen  hk  ©mibe  ber  gangen  Sfißelt? 
$ann  nun  ©otte3  ©nabe  unb  ba3  23lut  be*3  @rlöfer3  bie  ©ün- 
ben  ber  gangen  28elt  überwältigen,  warum  trage  icb  ^ebenfen 
wegen  ber  meinigen?  — ^ 

©er  £err  f>at  un$  burd;  feinen  ©ol?n  befohlen,  bag  wir 
unferem  23ruber  vergeben  folten,  wenn  er  be3  £age$  ftebenmal 
anunS  fünbigen  würbe,  unb  ftebenmal  wieber  fcime  unb  fvrdd)e : 
e$  reuet  mtd;»  3a,  wir  follen  bereit  fesm,  tjjm  fiebengig^ 
mal  ftebenmal  gu  vergeben,  b*  L  fo  oft  er  e3  begehrt  unb 
nötlng  jjat*  9)?an  möchte  gwar  glauben,  baf?  Sltfeä  untfonfl  fe», 
wenn  man  einem  23cleibiger  fiebenmal  vergeben  fyat,  unb  er 
benno$  nid;t  nachläßt  —  am  Gmbe  werbe  er  gar  nod)  über  un* 
fere  -Iftadjgtebigfeit  fvotten  unb  fte  migbraudjem  Slber  3efcä 
will  augbrüdlid?,  ba$  unfere  £tebe  nicf)t  mübe  werben  folt 
SSenn  nun  ©Ott  ba3  von  un$  Sftenfdjen  forbert,  bie  wir  bod) 
von  iftatur  böfe  ftnb,  vca$  Jja&en  wir  von  3jjm  gu  hoffen  ?  %$ 
fann  gwar  folcije  $?enfd;en  geben,  welche  eine  ©ünbe  me^r 
aU  490  0=  TOmal  7)  begeben;  wenn  fte  nun  ©Ott  um  33er* 
gebung  biefer  großen  Sftenge  pergtid)  anrufen  unb  fte  erlangen,  fo 
tj*  e6  gwar  ttm$  @rof?e$,  i[ebocf)  erft  fo  viel,  aH  fe  uns  2Äen* 
fe^en  gu  vergeben  befohlen  jjat*  ©ollten  wir  alfo  von  t>m 
Söarmljergtgen  nic^t  nocf>  mejjr  jjoffen  unb  erwarten  bürfen?  — 
$aulus$  fagt:  „2af?  bify  nt$t  baS  S3ofe  überwinben, 
fonbern  überwinbe  ba3  SBöfe  m[it  ©utem;"  mitjjin 
Witt  ber  £err,  ba$  unfere  Zieht  mit  bem  ^)ag  unferer  geinbe 
fämvfen,  unb  nifyt  rachgierig  Rubeln ,  fonbern  barnac^  ffre* 
Un  folte,  tyv  erbittertet  £erg  für  uns  gu  gewinnen*  Verlangt 
nun  ©ott  ba£  von  un$  $?enfc$en,  tt>k  fottten  wir  e$  nid;t  von 


467 


3pm  erwarten  fömten?  ©ollten  unfere  ©imben  ©eine  ©nabe 
überwinben?   &a$  fep  ferne! 

7)  (Enbttdj  möchte  Semanb  fagen:  wie  fann  t$  glauben, 
baß  mir  meine  ©ünben  vergeben  ftnb,  ba  ftd;  t>te  $htj)e  in 
meinem  Snnern  immer  nityt  einleiten  Witt?  £)te  bisher  an* 
geführten  £roj?grünbe  ftnb  $war  triftig  unb  unveränberlicfy, 
bod;  beruhigen  fte  mid)  nid;t,  vielmehr  empftnbe  ify  tu$t$  aU 
Slngjl  nnb  ©d;reden;  meine  ©eele  pat  feinen  ^rieben,  unb  bk 
©üube  ift  immer  vor  mir  :c.  3d;  antworte:  nad)  ber  @$rtft 
ift  ein  Unterf^ieb  ^wifc^en  ber  Vergebung  ber  ©ünben,  unb  ber 
SBerftdjerung  berfelbcn;  jene  gleicht  ber  iHSur^el,  biefe  ber 
231ume*  &in  nunberjä£vtge$  $inb  fann  jwar  an  rei$e$  (Erbe 
pa^en,  e$  fommt  aber  nid)t  in  ben  £3eft£  bejfelben,  bi$  auf  bie 
vom  ©efei^e,  ober  von  bem  SSater  beftimmte  3eit.  (Ebenfo 
bat  mancjje^  bußfertige  §er^  bie  Vergebung  ber  ©ünben 
burd;  ^rijlum;  allein  e£  feplt  i^m  nod;  bie  33erftc^erung  ber* 
felben,  unb  i>k  ©eelenrul?e,  weld)e  barauf  ^u  folgen  pflegt 
Dieß  fte|>t  man  an  Davib,  ber,  fo  balb  er  feine  ©ünbe  per^Itc^ 
bereute,  au$  ©nabe  erlangte,  unb  von  bem  $ropf>eten  -ftatljan 
bie  tröftltd;en  SBorte  {»orte:  „Der  £err  Ijat  beine  ©ünbe 
^iuweggenommen,  unb  bu  wirft  nid)t  ft erben/' Da* 
mit  erlangte  er  aber  nt$t  fogleidj  bit  innere  2krftd;erung  von 
ber  ©nabe  @otte3,  ober  ben  ^rieben  feinet  ©ewiffen3*  £)a$ 
23tTb  be£  erfd;lagenen  Uria3  ffanb  immer  vor  feinen  klugen; 
beider  hittü  er  im  51.  f  falm  fo  fefmltd;  um  bie  ^ujje  feiner 
©eele :  tröfte  mid)  wieber  mit  beiner  £ülfe,  errette  midj  ven 
t>m  231utfd;ulben,  lag  mid)  wieber  j?ören  greube  unb  SSonne, 
ber  Du  mein  ©ott  unb  $>eilanb  bift!  &a$  üftemlidje  iß:  ber 
gatl  bei  ber  ©ünberin  im  neuen  £eftantent  ©ie  erhielt  23er* 
gebung,  fobalb  fte  if>re  ©ünben  Ijeqlid?  bereute;  allein  ber  lieb* 
rctd;e  £eilanb  fteltte  ftd),  aU  w>ix$tc  dv  ni$t,  voavnm  fte  ^u  fei* 
neu  güßen  lag;  (£r  fd;weigt  eine3eitlang,  unb  laßt  fte  immer* 
fort  weinen.  (£v  unterrebet  ft$  mit  bem  $I?arifder  unb  cr^lt 
btefem  ein  ©letdjniß  von  2  ©d;ulbncrm  Dann  erft  wenbet  (£r 
ftd)  ^u  berfelben  unb  bezeugt,  $>a$  (£r  alle  ibre  Streuten  ge* 
feljen  unb  all  ip.re  ©eufter  gepört  pabe.  (ü?r  verftdje.rt  fte,  $>a$ 
if?re  ©ünben  vergeben  fe^en  unb  Ijeißt  fte  im  grteben  gc^en.  — 

30* 


468 


2)te  <£rfaf>rung  Ityxi,  bag  ber  $m  nod>  fefct  mit  ben  meinen 
ausfertigen  fo  Ijanbelt,    ö  wie  oft  gefegt  eS,  bag  ein 
9ttenf$,  Belehrt  bur<$  ©otteS  Sort  unb  ©eift  jur  ßrrfenntnig 
fetner  (Sünben  fommt  unb  tief  elften  pev$K$  Bereut,  bag  er  mit 
vielen  greinen  ben  Barmherzigen  ©Ott  um  Vergebung  Bittet, 
ft$  an  ben  ©efreu^igten  wenbet  unb  3£n  um  ben  £roß  beS  jml 
©etjkS  anfleht!   2Öer_nu>$te  fagen,   bag  ein  folc^eS  ©eBet 
nicfyt  erprt  unb  bie  ©ünben  nic^t  »ergeben  feiert?  £)o$  folgt 
ni$t  immer  augleid)  äud)  bie  £ftufje  beS  ©ewiffenS  unb  bte 
innere  SSerfic^erung*  —  2)ieg  ^at  einen  boppelten  ©runb*  (£m* 
mal  will  ber  $ltfweife  bie  Bugfertige  ©eele  um  fo  (Mrfer  erfajj* 
ten  laffen,  Wellen  Jammer  eS  Bringt,  wenn  man  ben  £errn, 
feinen  ©Ott,  Vertagt  unb  3Jm  nirf)t  furztet   gerner  will  &v, 
bag  fte  bie  6ünbe  befto  mef>r  fliegen  unb  befto  vorftcf)tiger  toan* 
beln  möge»    £f>eilS.  prüft  <£v  ifjre  23uge,  oB  fte  auef)  ernfttid) 
unb  BejMnbig  fep ;   tpeitS  üBt  @r  ipren  ©tauBen  unb  mad;t 
tljr  ©eBet  befto  £er$ftc$er-   Xfytitt  will  er  bie  ©eele  baburej) 
lehren,  bag  fte  jtc$  nic^t  auf  ifjr  SSerbienß  unb  Söürbigfeit  ver* 
laffen  foll,  bamit  t£r  ©eine  ©nabe  in  d^rifto  3efu  unb  ber 
&roft  beS  fytit  ©elftes  befto  angenehmer  fe^*  —  2)er  fiotitt 
©runb  liegt  in  bem  SDfenfdjen  felBft;  weil  eS  biefem  fo  fd;wer 
fällt  >  ftd)  von  ber  Stenge  unb  ©röge  feiner  @ünben  weg 
»oll  Vertrauen  $u  ber  ©nabe  ©otteS  in  (££rtfto.$u  wenbem 
2)enn  baS  arme  £er$  £at  fo  viel  mit  ber  ©ünbe  ^u  tpun,  bag 
eS  faum  an  (£fmftum  benfett  unb  nad)  3{w  ftd;  fernen  fann* 
2)ie  Süttbe  t$  bem  ^er^en  Befannt,  GtjmftuS  aBer  ift  ifjm  fremb* 
—  £)ie  Ir^nei  IjeBt  eine  $rattfj?eit  nid;t  foglcid[),  weil  biefe  ft$ 
fo  mit  bem  SÖIut  vermifdjt  $<M,  bag  fte  fc-jjwer  $u  verbrängen 
ift;  bajjer  fc^eint  es  anfangs,  als  wolle  eS  mit  bem  Traufen 
fdjlimmer  werben  als  früher,  Bis  enblic^  t>k  ^eilfame  Äraft 
ftegt,  unb  bie  ©efunbjmt  allmäfilig  erfolgt*    (£Benfo  gef>t  eS 
anä)  Bei  ber  33uge,  ba  ftefjt  bie  ©ünbe  in  i£rer  $raft  unb 
mac^t  bie  <5eele  »ermittelt  beS  ©efe£eS  franf  Bis  in  ben  £ob* 
2)aS  33lut  3efu  aBer  unb  ber  £roß  beS  f>cil  ©elftes  fommen 
tyx  im  ©lauBen  ^u  |)ütfe,  woburcl;  ftd)  $war  alSBalb  ^Bcfferung 
aBer  feine  völlige,  ©enefung  einftellt,  Bis  ber  treue  £eilanb 
baS  ^era  immer  mepr  mit  Zxoft  erfüllt,  fo  bag  enblic^  vollige 


469 


©efunbpett,—  ©erecpttgfett,  grtebe  unb  greube  im  peil,  ©etft 
erfolgt*  -* 

£)a$  $3t3perige  mag  nun  ba^u  Metten,  ben  S3ugfertißen 
in  feiner  £raurigfett  über  bte  ©ünben  $u  berufnem  Ueber* 
paupt  ift  eS  eine  groge  ©nabe  von  ©Ott,  bag  (Sx  un$  au$  ber 
früperen  ©icperpeit  in  eine  folcpe  peilige  gttrd)t,  b.  t.  au$  t>tnx 
SRettpe  bt$<Satan$  in  baS  £fteid)  <Setne3  lieben  ©opneg  verfegt* 
3öie  viel  feiiger  ift  biefe  £raurigfeit ,  aU  bie  vorige  greube, 
tt)ie  viel  beffer,  o  Ötprtfi,  ift  bein  jiegigeS  deinen  unb  <5eufeen, 
aU  baS  vorige  £ad)en  unb  ©djeraenj  ©iepe  jiegt,  ba  bu  fo 
große  Traurigkeit  über  beine  <Sünben  empftnbefl,  liegft  bu  mit 
jener  ©ünberin  $u  ben  gügen  beutet  £errn  3efu.  Obgleich 
(Ex  bisper  bid)  deinen  unb  feuften  lieg,  &U  wügte  (Ex  e$  nicpt, 
fo  lag  bid)  ba$  nicpt  irren,  es  ift  gut  gemeint;  (Ex  tvirb  $u  fei* 
ner  3^it  ftd)  in  ©naben  p  bir  wenben,  unb  fagen;  „2)ir 
fittb  beine  ©ünben  vergeben,  gepe  pin  im  grie* 
b  e  n  !"•— ■  33 ei  ungünjtigem  Setter  beugen  ftcf  bte^ornäpren  $ur 
(£rbe  unb  and)  bie  53lumen  fiepen  mit  gefenftem  Raupte  gleicp* 
fam  traurig  ba;  allein  tUn  ba$  ift  ba$  Mittel,  woburcp  fte 
$raft  empfangen,  Körner  ^u  fegen  unb  bejto  perrlicper  gu--Mü* 
pen.  (£benfo  verhält  e$  jtcp  mit  t>cn  bugfertigen,  betrübten 
Seelen.  3j)re  £raurigleit  tft  eine  Vorbereitung  ^ur  göttlichen 
greube,  tpre  2lngjt  tfi  ein  Vorbote  ber  ewigen  Sftupe,  —>  ®<fe 
per  palte  fejt  an  beinern  (£rlöfer  unb  fage?  bepanble  mtcp,  wie 
2)u  wtttjl,  ia)  laffe  2)icp  nicpt,  2)it  fegneft  micp  bernt;  icp  palte 
2)tdj,  unb  laffe  mia)  niä)t  abweifen,  id)  pabe  ben  @nabeufhtpt 
ergriffen,  mir  mug  ©nabe  wiberfapren  ?.cj  Unb  wenn  and) 
beine  £raurigfett  lange  anpalten  follte,  fo,  werbe  bavuut  nid)t 
fteinmütpig,  fonbern  benfe,  wie  lange  @of!  an  beinern  $eT$en 
anftopfen  mttgte,  M$  bu  3pm  geöffnet  pa(t*  ©ebenfe>  tag  (£r 
peilige  Slbficpten  babei  pat,  warum  (Ex  bir  t>tn  grieben  beg 
£eqeug  nid)t  nad)  Sßunfd)  unb  SBillen  geben  will*  greilid) 
muffen  Viele  geraume  Sät  parren  unb  ftd)  mit  einem  ^erfmrfd)* 
ten,  angftvollen  £er$en  plagen,  unb  werben  bei  feber  ©elegen- 
peit  an  ipre  vorigen  6ünben  erinnert.  £)od)  wirb  babura)  ipr 
©ewijfen  fepr  gart,  bag  fte  vor  jebem  gcpler  erfcprecfen,  fie  wer* 
ben  fanftmütpig  gegen  ipre  ftraud)elttben  $fttbrüber,  ber  28elt 


470 


überbrügig  unb  naa)  bem  «Summet  begierig,  £eraltä)  in  ber  £tebe, 
eifrig  im  ©lauben  unb  gebutbig  in  ber  £rübfat*  2Btc  jmlfam 
$  alfp  ein  folc^er  3uftonb,  unb  wer  möchte  zweifeln,  bag  fte 
bei  ©Ott  in  ©naben  fmb  unb  Vergebung  ber  ©ünben  Jabcn? 
Qftan  ftept  ja  an  tljmen,  bag  ber  £err  ibre  ©ä)waa)f)eit  unter* 
ftöjt  unb  i£re  Traurigkeit  fo  $u  (intern  weiß,  ba$  fte  au£f>ar* 
ren  unb  überwtnben  fonnem  3J>r  (£nbe  ift  gemeinigliä)  fo  »oll 
greube,  SEroj!  unb  grieben,  ta§  fte  ifjre  frühere  £raurigf  eit 
feia)t  barüber  »ergeffen,  —  D  welä)  ein  liebreicher,  gnäbiger  unb 
gütiger  ©ott,  ber  aua)  au$  ber  ©ünbe  ttm$  ©ute$  ju  fä)af* 
fen  weif !  2)er  ©atan  »erleitet  un3  $ur  ©ünbe,  baff  wir  barin 
»erberben  follen;  ©otteS  ©üte  aber  Bringt  eS  baln'n,  bag  ba3, 
m$  un£  \)tn  £ob  bringen  follte,  311m  £eben  bienen  mufL  (Er 
Wirft  in  ung  bura)  bie  Betrachtung  ber  vorigen  ©ünben  einen 
2lBfa;eu  gegen  alle  fünftigen,  einen  £ag  gegen  afleä  gottlofe 
SBefen,  tin  Verzweifeln  an  un$  felbfl,  eine  bejMnbige  33uge, 
eine  göttliche  £raurigfet't,  bte  3^iemanb  gereuet,  ein  anbää)ti* 
apZ,  $txß$t$  ©ebet,  ein  fepnltä)e$  Verlangen  naa)  ©einer 
©nabe,  eine  £oä)aä)tung  be6  (ErlöferS,  eine  fr'ebe  3U  feinem 
SSort,  ©anftmutlj  unb  ©emutp  gegen  bm  9ftt$flen,  ©elaffen* 
Jett  unb  Ergebung  in  ©einen  2Silien,  Verachtung  ber  Sßelt  unb 
ein  Verlangen  naa)  bem  £immel.  —  ©elobt  fep  ber  allein  weife 
unb  gütige  ©Ott,  welcher  benen,  tk  3{m  lieben,  WXt$,  aua) 
bie  ©ünbe,  $um  S3e(ien  bienen  läfüt!  —  ©0  ijt  nun  aller 
(Einwürfe  o£ngeaa)tet  biefe  £e|>re,  bag  ©ott  alle  ©ünben,  groge 
unb  Heine,  wiffentliä)e  unb  unwiffenttiä)e  :cv  ben  ausfertigen 
auö  lauter  ©nabe  um  (£j?ri(H  willen  gan^lid;  »ergibt,  aller 
SBepeqigung  wertfn  —  £obe  ten  £errn  meine  ©eele 
unb  wa$  inmir  ijf,  ©einen  Jjetligen  tarnen.  2obe 
ben  £errn  meine  ©eele  unb  »ergig  nta)t,  \x>a$  dx 
b tr  ©ute$  £tt$an  $<xt,  —  ber  bir  alle  b eine  ©ün* 
ben  »ergibt,  unb  peilet  b eine  ©ebredjen!  — - 

III.  33i$per  rebeten  wir  »on  benen,  welchen  bie  ©ünben 
»ergeben  ftnb,  cfme  baf?  fte  e$  glauben;  nun  aber  wenben  wir 
uns  aua)  noa)  an  biejenigen,  wela)e  Vergebung  gu  frnben  mei* 
nen,  unb  fte  boä)  nid)t  £ak\t.  —  d$  gibt  »tele  2flenfa)cn, 
wejtö^  för  niä)fö  weniger  forgen,  als  für  tpre  ©ünben;  fte 


471 


glauben  entweber,  btefeI6ett  fetjen  ijjncn  längfi  vergeben,  ober  fte 
fonnen  ipnen  leid;t  »ergeben  werben.  SBenn  fte  jta)  nur  einen 
frnlben  £ag  lang  fromm  bezeugen,  in  einem  33ud;e  fefen,  jur 
53etd;te  unb  3 um  £etl.  2lbenbmaf)l  gepen,  fo  bürfen  fte  fta)  um 
md>t$  mefjr  befümmern,  aufy  mögen  fte  in  iprer  gewohnten 
©td;er{>ett  unb  in  ijjren  alten  ©ünben  fortfahren.  —  &$  wäre 
gut,  wenn  e$  feine  fol$e  $?enfa)en  gäbe;  allein  bie  (£rfaprung 
lefjrt  e$  leiber,  ba§  gar  viele  burä)  be3  £eufe!£  £ifj  bie  ©nabe 
<3otte$  gegen  bk  ©ünber  tnigbraudjen,  unb  m$  tjjnen  $um 
lieben  gegeben  ift,  $u  iljrem  £obe  anwenben.  ^Dabet  tft  aber 
wol?l  ^u  erwägen,  baß  ntcr)t  bloö  fei  unferem  Xtxtt,  fonbern 
aud)  in  anbexn  Stellen  beutüd)  gefagt  ift,  bafjj  nur  an  benen 
tüdjta  23erbanttnlid?e3  fep,  welche  in  (££rtjto  3?fu  fmb,  bie  nityt 
nad)  bem  gleifd;e  wanbeln,  fonbern  nad;  bem  ©elfte,  ©obalb 
ber  ©unfertige  ber  $raft  3efu  '(&$f$A  burd;  ben  ©lauben  tjjeil* 
Saftig  wirb,  fo  mug  natürlich  eine  feiige  SBeränberung  mit  tfmt 
vorgehen,  bie  $khz  gur  ©ünbe  verfdjwinbet,  unb  bk  SQSirfung 
be3  jjetf.  ©etfte£  ^eigt  ftcb  an  feinem  £er$en.  $3enn  bie  ©ünbe 
vergeben  Wirb,  fo  port  tpre  £errfd)aft  auf,  ©lei<f)Wte  bie 
©ajwicgermutter  be3  $etru£,  welche  von  bem  #errn  gefunb 
gemad;t  warben  war,  alöbalb  aufftanb  unb  3j?m  bienete,  fo 
fängt  ber,  weld)er  burd;  @I)rijtum  von  feinen  ©ünben  errettet 
ijt,  al^balb  an,  ©Ott  unb  feinem  9^äd;|ien  in  #eiligfett  unb 
©ered;tigfeit  ^u  bienen.  —  £)te  ©dm'ft  verbinbet  gewöfwliä) 
t)k  23uge  mit  ber  Vergebung  ber  «Sünben  unb  mad;t  t>k  $kte 
3U  einem  ^em^eidjen  berer,  bie  burd?  ben  ©lauben  geregt 
worben  ftnb.  3efu^  fagt  von  ber  bußfertigen  ©ünberüu  „Sin* 
finb  viele  ©ünben  vergeben;  benu  fte  $at  vtelge* 
litbt"  —  28ie  bie  au3fd)lagenben 23äume  vom grüfjling,  unb 
t>k  Blätter  von  bem  ©oft  unb  %cbm  be3  23aume£  ^eugen,  fo 
$eugt  bie  $kbe  vom  ©lauben  unb  von  ber  Vergebung  ber  ©im* 
ben.  2öo  nun  feine  %kbt  ijt,  t>a  ijt  audj  feine  Vergebung,. 
£)er  ©ünbengreunb,©otte3geinb,  ©otteSgreunb, 
ber  ©ünben  geinb.  —  Grbenfo  wirb  in  ber  ©$rift  nur 
betten  bie  Vergebung  ber  ©ünben  unb  bieJBarmljeqigfeit  ©ot* 
te$  5itgebad;t,  bte3fnt  fürd;ten.  ©0  l)od;  ber  #tmmel 
über  ber  (£rbc  ift,   läffet  <£v  ©eine  ©nabe  waüen 


472 


über  bie,  fo3M  füra)ten  :e.  33ei  2)  fr,  o  (Sott,  ift 
bte  Vergebung,  bag  man  £>ta)  fürchte  :c.  Sluei  biefem 
Hllem  erpeßt  beutlia),  tag  biejenigen  ftd)  ttergebeng  ber  33arm* 
£er$igfett  ©otteS  trofien,  tr>ela)e  in  $orfä£lta)en  ©ünben  leben, 
unb  nia)t  ba$on  ablaffen  wollem  2Ba3  bte  ^etL  ©a)rtft  *>on 
ber  ©nabe  ©otteö  lef?rt,  ba$  geljt  bloS  bte  wajjr£aft  IBugfer* 
tfgen  an;  auf  bte  Unbugferttgen  aber  bqkfyt  fta),  wag  $aulu$ 
greifet:  „Ungnabe  unb  3<>^«/  £rübfal  unb  2lngft 
über  alle  9flenfa)en,  bie  ba  23ofe3  tfjun!"  —  2Bte 
nun  an  benen,  bte  tn  (Ejjriffo  3efu  ftnb  unb  naa)  bem  ©eijte 
leben,  nta)t$  $erbammlia)e3  i%  fo  iji  bagegen  lauter  Skrbamm* 
nig  aij  benen,  bte  auf  er  GE^rifto  naa;  bem  gleifd)e  wanbeltu 
2llle£,  waö  fte  tl)un,  iffc  öerbammlta),  il)re  £uj*  unb  greube, 
ijjre  (££re,  t^v  $eta)tfmm,  tfjr  Stitfe^cu  tft  tterbammlia),  j[a 
t|>r  ISeten/  £efen,  ^irdjengeljen,  33eia)ten,  ifjr  ©enug  beS 
pctX*  2lbenbmaf>l3  tft  serbammlia),  weil  Sitten  in  Unbugferttg* 
fett  gefa)ieljt,  weil  fte  £ia)t  unb  gtufterntg,  ßjmftum  unb  23e* 
Ital  31t  gleicher  3^it  im  $er$en  5>aben,  fönnen  fte  mit  all  tj)rem 
gfwn  bem  petl*  ©etjt  nta)t  gefallen,  —  0  bebenfet  bieg  ij)r 
ftdjern  ©eelen,  hie  ifjr  in  Ueppigfett  unb  2BoJ>lleben  unb  iri 
allerlei  ©ünben  eure  gage  Einbringet  I  3£*  tröjlet  eud)  *>er* 
gebend  ber  ©nabe  ©otte3,  gleia)nrie  etn  öffentlicher  Sßerrätljer 
un'o  geinb  feineö  gürften  beffen,©nabe  ntd)t  hoffen  fanm  ©o 
lange  ipr  in  euren  ©ünben  fortfahret,  beraubet  i£r  eud)  felbft 
ber  SBarmljeräigfett  ©otteS;  ifjr  werbet  abtrünnig  x>on  bem 
£errn  3efu,  ber  eua)  mit  feinem  teuren  33Iut  erlauft  §at,  ifjr 
£eraa)tet©eme  (Mofung,  häxühü  ben  pciL  ©eijl:  unb  entweihet 
©einen  £empel,  flöget  ba3  ewige  £eben  son  eud)  unb  eilet  ah 
fta)tlia)  aur  £ötfe*—  Sluf  ®otte£  ©nabe  fta)  »erlaffen  unb  boa) 
mutwillig  fünbigen,  £eigt  nid)t  ©Ott  fürd)ten,  fonbern  ©einer 
fpotten*  Sftenfa)en,  bie  gefliffentlia)  in  biefem  3ufianbe  fcer* 
Darren,  werben  mit  dttfyt  serbammt;  benn  ©ott  fyat  ipnen  ben 
£fteid)«)um  ©einer  ©nabe  vorgelegt,  aber  fte  J>aben  biefelbe  *>er* 
aa)tet$  (Ex $at  ijjnen  Vergebung  ber  ©ünben  angeboten,  aber 
fte  Jjaben  biefelbe  nid)t  begehrt;  fte  ^aben  3efum,ben  ©efreu* 
Sigten,  ^onfta)  gebogen,  barum  mug  ber  3om  ©otte^  über 
ifmen  bleiben  in  (^wigfett! ©ejjet  boa),  ta)  fe^e  t>m 


473 


£nmmel  offen,  bie  ©nabentpre  tfl  nocf)  nia)t  verfa)loffen,  norf; 
jegt  bittet  3efu$  für  euä;*  $mtt  noa)  vergibt  ©Ott  ©ünbe 
unb  Uebertretung,  wenn  ijjr  nur  Söuße  ttwn  unb  eua)  beeren 
wollet«  2la)I  fo  befel)ret  eu$  bodfj  von  ganzem  £er$en,  warum 
wollet  ijjr  beö  ewigen  £obe6  fterben?  3$  verftd;ere  eua)  üu 
tarnen  3efu  $fyxi\tif  baß  eurer  «Sünben  ntd;t  mein*  gebaut 
wirb ,  fobalb  tljr  eua;  51t  eurem  (Erlöfer  im  wahren  ©lauben 
wenbet»  ©ott  liebt  eua;  unb  mochte  eua;  gerne  geregt  unb 
feiig  machen,  folommt  nur  ipr  «Seelen  in  bie  SBaterarme  @ot* 
res,  fommet  $u  ben  SBunben  3efa  unb  ^u  ber  troftreia;en  ©e* 
meinfcfwft  be3  Ijetl.  ©eifk$,  fommet  $u  ber  ©emeinbe  ber 
^eiligen  unb  2lu3erwciJ)lten,  fommet  jum  £immel  unb  $ur  ©e* 
ligfeit!  ©el)et,  icf;  f>abe  eua;  £eben  unb  £ob  sorgelegt;  ia) 
bitte  cud;  bura;  3efum  @l)riftum,  ber  au$  großer  Siebe  &än 
teures  S3fut  für  eud;  »ergoffen  jrai,  baß  ü)r  ba3  £eben  unb 
ben  Fimmel  erwählet!  ©Ott  verleibe  e$  tud)  burä;  Qtyrijium, 
in  ber  $raft  bc3  ^eiligen  ©elftem!  3|im  fei;  Sob,  fmi§  unb 
(£f)re  von  (£wigfeit  31t  <£wigfeit!    kirnen* 


Neunte  tyv  ebi$L 

23  0  n  ber  SSaterltebe  ©  0 1 1  e  £♦ 

£.  1.  3o$.  3,  1,    ©etjet,  toeldj  eine  £febe  ber  2?ater  tmö  er= 
aetgt  Ijat,  baf  wir  @otte$  Ätnber  Reifen  feilen. 


S  t  n  g  a  n  g. 

3m  Flamen  Sefu !  Shtiett. 

(£3  tfl  fd;wer,  von  geiftigen,  göttlichen  unb  l)immlifa)m 
fingen,  befonberS  von  ber  £icbe  unb  ©üte  ©ofteS  unb  von 
ber  inneren,  verborgenen  £errfid;feit  unb  ©eligfeit,  weld;e  bte 
©laubigen  in  <5l?rijlo  jjaben,  beutfia)  unb  erbaulid;  31t  reben, 
1)  Segen  beö  35rebtger3  felbft;  benn  alle,  and)  biejenigen, 
wela)e  viel  ©aben,  viel  ©eift  «nbÄvaft  von  ©Ott  empfangen 


474 


paben,  ftnb  3ttenf$en;  tpr  SScrflanb  ift  äufdjwad;;  ipr^era 
31t"  ffein,  fte  fcnuen  bte  jrimmlifdjen  ©inge  nidrt  nad; 
SBunfd;  unb  SSitfen  faffen  unb  ba$  £er$  fann  bie  großen  ©e^ 
peimniffe  ber  Siebe  ©otteS  triebt  rec^t  begreifen,  &$  jjat  nod) 
yiel  3rbifd;e3  cm  fta)  unb  wetg  bte  ptmmltfdjen  ©tnge  nta;t 
naa)  Söürbcn  ^u  fcp£en;  unb  obgfeia)©ott deinen  peil»  ©jetfi 
in  reidjem  $?aaße  barreidjt,  fo  fann  e3  bod)  nur  wenige  £ro= 
pfen  r>on  folgen  6tromen  faffen*  2öer  aber  wenig  fiat,  bei- 
gibt wenig,  unb  \va$  man  felbft  nid;t  üfcerffüfftg  £at,  ba£  fann 
man  aua)  Stnbern  nid;t  im  Ueberfluß  geben*  —  ©arum  fott  ein 
s$rebiger  feinen  ©Ott  oljne  Unterlag  hüten  ,  ba$  dx  ü)m  ein 
töcifeö  fäjnge£  £er3  gebe,  wie  bem  ©atomo,  unb  au$  bemfel^ 
ben  %tte$  wegräume,  wa$  irotfa),  fleifä)(ia)  unb  weltlich  ift, 
bamit  e$  befto  mej)r  tton  ben  {jimmtifdjen  ©aben  faffen  unb 
mit  reiferem  %Ra<x$e  wieber  auswerten  fonne.  $Ran  mochte 
oft  mit  jenem  frommen  Wlann  fragen:  2la)  £err,  weit  Seine 
Siebe  unb  ©üte  fo  groß  unb  unbegreifiid;  tft  unb  ©u  boa) 
wttfft,  baß  wir  &iü)  lieben  unb  $on  ©einer.  Ziehe  prebigen 
fotten,  warum  fjaft  ©u  xm$  nur  (Ein  ^erj  gegeben  unb  ^war 
ein  fo  fleine^?  Sld)  taufenb  unb  abermal  taufenb  £er$en  fotf* 
ten  wir  fyahen,  ©ia)  $u  lieben  unb  Steine  ©üte  p  faffen!  SD 
@ott,  mad)e  mein  £er$  groß  unb  ^>eit,  baß  e3  ^tet  »on  bem 
£Baffer  be$  £eben£  faffen  fann!  51a;  £err!  wa3  ftnb  bie  wem'* 
gen  tropfen,  bie  e3  bi^er  empfangen  jjat,  gegen  ba3  große 
Sfteer  ©einer  Ziehel  Sie  groß  ift  ©eine  ©üte,  0  ©Ott,  unb 
Wie  Wein  ift  mein  £ev$!  —  ©a^u  fommt  nod>,  ba^  ein  Sefjrer 
felbft  ba3,  wa$  er  bura)  ©otteg  ©nabe  erfaßt  £at,  boa;  nia)t 
immer  naa)  3Öunf$  aussprechen  fann.  2tfä  $auht3  in  ben 
brüten  Fimmel  ent^üeft  war,  prte  er  unau^fprea)Ua)e 
SOSorte,  unb  t>ief  wefa)e  etwaö  tton  ber  Ziehe  ©otteS  gefd;mecft 
unb  bie  ®raft  beg  ©lauben^  empfunben  paben,  wiffen  feine 
SÖorte  $u  fmben,  bie  33efa;affenfj eit  ipre$  £erjen£  genügenb 
au^ubrücfetu  (&$  gept  ipnen  \^ie  jenem  Jh'nbe,  bem  ber  %$a* 
tex  fußen  SSein  gab,  unb  bann  fragte:  3Ö3ie  fdjmecft  ba$*  <£$ 
antwortete:  fuß»  (£r  fragte  nodnnals,  wie  faß?  <£$  erwie* 
berte:  fuß,  fü£,  unb  wußte  md;t  mefjr  ^u  fagem  —  ©ie 
®\KiOt  tft  bem^ersen  fuß,  t>ie  $erfi$erung  ber  Vergebung 


475 


ber  Sfinben,  bie  D^e  ber  (Seele  tu  ©Ott,  bte  ©emcinfdjaft 
mtt  (E^rtfto,  baS  innere  3tu$ni$  beS  petL  ©etjleS  ftnb  über 
alte  SÄaafüen  Iteblid).  Slber  wer  fann  nad;  23tmf<§  unb  2Bür* 
bigfeit  von  bem  reben,  was  fein  £cr$  empfmbet?  hatten  fön* 
nen  wir  wopl,  aber  mdjt  reben.  Daper  wirb  ein  erfahrner 
£cprer  gotteSfürajtigen  (Seelen  feiten,  jt<$  fetbft  aber  fajt  nie 
genügen,  wenn  er  von  folgen  Dingen  reben  foll.  ©eanß 
fd;ämt  er  ftd?  oft  nnb  benft:  wie  finbif$  nnb  einfältig  l)ajt  tu 
bodj  von  folgen  ^errlid^en  ©egenftänben  gefprod;enl  Dekalo 
hitttt  er  feinen  ©Ott  £er$ft$,  baß  €»  nad;  bem  ^ei^ijmm 
(Seiner  ©nabe  biefe  Mangel  erfegen  nnb  feine  <&d)md)i)tit 
befto  reichlicher  unterftü^en  möge.  — 

2)  @S  ift  aber  aua)  fd)wierig  nm  ber  3u£örer  Witten,  bie 
größtenteils  irbifd;  gefinnt  ftnb,  nnb  geiftige  Dinge  nid)t  get* 
ßtg  p  richten  vermögen.  Denn  ber  natürliche  5ttenfd)  ver* 
nimmt  nidjtS  vom  ©etfte  ®&ttt$,  eS  ift  tpm  eine  £jjor£ titr 
unb  er  fann  eS  nid)t  ernennen.  Sßeltlidj  geftnnte  9ttenf  dj'en 
ftnb  feljr  fajlau  unb  fing  in  weltlichen  Dingen,  im  £anbel  unb 
Söanbel  u.  bgl.;  fagt  man  ipnen  aber  etwas  von  Jnmmlifdjen 
Dingen,  fo  geli>t  eS  ifimen,  tck  einft  bem  ^ifobemuS,  ber  eS 
ntct)t  verftanb,  als  ber  #err  mit  ipm  über  bte  -ftotfjwenbigfeit 
ber  Sßiebergeburt  rebete.  (£3  ift,  als  Wenn  man  ipnen  an 
%k$>  in  frember  (Sprad;e  vorfingert  würbe,  an  beffen  angenelj* 
mer  SDtelobie  fte  fta)  ^war  ergoßen,  aber  beffen  3nljalt  nid;t 
Verfielen.  2lud)  ftnb  viele  in  irbifd)e  Dinge  fo  vertieft,  baß 
fte  fta)  um  Jnmmlifcfye  nid;t  befümmem.  Qzin  irbifd  geftnnter 
Sftenfd;  mi$  $war  wojjl,  wie  biefe  ober  jiene  Speifen  unb  ©e* 
iränfe  fa)meden,  was  aber  bie  ©üjngfeit  ber  göttlichen  Zieht 
unb  be1-  SBorfdmtacf  beS  ewigen  Gebens  fe^,  bavon  wtify  unb 
Witt  er  nichts  wiffen.  (£r  verfielt  gar  wofjl,  was  in  £inftd;t 
auf  bte  Kleiber  bie  neuere  SCftobe,  was  eine  reidje^eiraifj, 
tin  ftattlia)eS  Erbgut  fep  :c.,  aber  von  ber  £errlia)fett  ber 
tinbfa)aft  ©otteS,  von  bem  f  leibe  ber  ©ereä)iigfeit  &jxi% 
von  bem23eijfonbe  beS  f?eil.  ©eijkS,  von  bem  unbeflecften,  un* 
verwelfttdjen  unb  unvergänglichen  (ürrbe,  baS  benen,  bie  ©Ott 
lieben,  aufbejwlten  ijl  im  £immel,  weif?  er  nia)ts  gufagenl 
fQon  fold^n  $tetfd>en  *?c$t  es,  wte  3ffuS  einft  $u  feinen 


476 


ver|tocften  3uprern  faßte:  meine  9?ebe  ftnbet  feinen  9raum  in 
euren  £eqen,  benn  tieferen  fmb  voll  Söeltliebe  unb  bofen 
©ebanfen,  —  SSie  aber  bem  auc^  fei;,  na$  ©otteS  33efe^t 
muß  man  boc§  in  ber  öffentlichen  ©emeinbe  von  frimmlifc^en 
2)tngen  rebem  2)a$  #er3  eineg  ^rebtgerö  wirb  burd)  bie 
Uebung,  burc$  ©e6et,  buxfy  gottfelige  Betrachtungen  unb 
burd)  ba$  ernftltic^e  Verlangen  ^ugen  3U  fc^affen  in  feiner  ©e* 
meinbe  tägli$  mepr  erweitert.  2Ber  ba  fiat,  bem  wirb  gegeben 
werben,  baf?  er  bie  gülle  jjabej  wer  aber  ni$t  jjat.,  bem  wirb 
aud)  baS  genommen  werben,  was  er  §aU  —  £)er  £el)rling  wirb 
ein  $?eijter  burdj  bie  Uebung ,  alfo  beffert  au$  ber  ^rebiger 
ftd)  felbft  unb  untere,  inbem  er  ftc^  fein  wid?ttge32lmt  recf)tmt* 
gelegen  fepn  läßt,  wenn  gleid;  nod)  manche  ©$wac$Jmt  babet 
vorfommt«  —  £)a3  $läfy  ©otte£  Ufttyt  nid)t  in  Porten,  fon* 
bem  in  ber  $raft  £)ie  £ücf)tigfeit  be$  £ef>rer£  ijt  nid;t  von 
tf)m  felbft,  fonbern  von  ©Ott»  Senn  ijjmt  manchmal  bünft,  er 
rebe  nur  ctufjerft  fc^wad)  von  göttlichen  fingen ,  fo  legt  ber 
£ö$fie  feiner  SRebe  tim  folcfje  $raft  bei,  baß  bte  3upörer 
glauben,  er  pabe  mit  eingesungen  gereber*  2öaS  er  für  einen 
£ropfen  pält,  btö  ijt  burd)  ©otteS  ©nabe  ein  6trom  über  bie 
£eqen  Ruberer  nad)  bem  SBorte  (£i)rifti:  „28  er  an$Hd> 
glaubet,  von  beffen  £eibe  werben@tröme  beS  le* 
benbigen  2öaffer3  fliegen/'  £>ie  bejten  ^rebigten  (tnb 
manchmal  biefenigeu,  welche  unS  felbft  am  meiften  mißfallen* 
^auluS  war  fc^wad)  bem  Körper  naä),  unb  fein  Vortrag  unge* 
fällig;  bod)  war  er  soft  (Stift  unb  ktaft  233 tr  £aben  ben 
(Bfya%  ber(£rfenntnifr@j>rijrt  tn  irbif$en(mangell)af* 
ten)  ©efäj?en,bamit  bie  über fd)W eng lid;e$raf tfep 
@otte£unbnid[)tvon  un&  —  £ie  £ü$tigfeit  ein.*g  $rift* 
lidjen  £efer£  befielt  nid) t  in  feiner  23erebtfamf  eit  unb  ©efc$tcf* 
Kic^feit,  fonbern  ro  ber  Äraft  ©otteS  unb  in  einem  gelaffenen, 
bemütljigen,  lautern  unb  treuen  £eqen*  2öof)l  bem,  ber  ftd) 
felbft  für  nidjtä  l)ält,  unb  alle  feine  £ü$tigfeit  in  ©Ott  unb 
Seiner  ©nabe  fudjt!  —  Unter  ben  3ujjörem  gibt  e$  aber 
immer  auc^  einige,  bie  ein  Verlangen  {jaben  nad;  bem  SDSort 
unb  begierig  ffnb  naejj  ber  vernünftigen  lautern  Wlüti)  ber  (£r* 
feuntnifj  3efu  tyxifii.    (£d  jtnben  jt$  (Seelen,  bie  nad)  ber 


477 


©nabe  fumgertg  unb  burjh'g  fmb,  bie  ber  Seit  überbrüßig  tprc 
l;öa)fte  Cup  in  ber  33etrad;tung  fnmmlifdjer  £)inge  fud;en, 
2Benn  nun  in  einer  ©emeinbe  nur  eine  einige  ©cele  ber  %xt 
sorfjanben  wäre,  fo  mürbe  btefelbe  allein  wertf?  fet;n,  baß  man 
ihretwegen  ben  gan&ett  ©$a£  ©otte£  auffdjließt  unb  il)r  ba$ 
Sßefte  vorträgt,  barmt  fte  erquidt  unb  erfreut  werbe,  2)iefelben 
paben  ot}net)in  manchmal  wenig  greube  in  ber  Seit;  fetten  fte 
alfo  niä)t  greube  in  ber  $ira)e  unb  in  bem  Sorte  it)re3  ©ot- 
teS  ftnben?  Wlan  gebe  tjnten  ba£  23rob  be3  £eben3,  dpriftum; 
palte  ipnen  bie  £ei)re  twn  ber  ©nabe  unb  $inbfct)aft  ©otteS 
ttor,  bie  £el)re  $on  ber  innigen  ©emeinfct)aft  mitSefu,  *>on  ber 
©lüdfeligfeit  ber  ©laubigen  in  biefer  Seit  unb  swn  ber  £off* 
nung  be£  ewigen  £ebene,  bamit  fte  fatt  werben  unb  atte  ZtM* 
fal  täglia)  meljr  »ergefpeiu  —  diejenigen  aber,  welche  noct) 
außer  bem  ©tanbe  ber  ©nabe  leben,  fönnen  zwar  t>a$  @e* 
peimniß  be3  9reia;e$  @t)riftt  nidjt  begreifen;  boa;  ijt  biefe  £ei)re 
ein  Mittel,  woburd;  tyxt  £eqen  zubereitet  unb  fcüjig  gemad;t 
werben  fönnen,  $caud;mal  bringt  mit  bem  Sort  auet)  bie 
$raft  ©otte£  in  bie  fersen;  benn  baS  Sort  ijt  ein  £ia)t,  ba$ 
bie  ginftermß  vertreibt,  X>k  Sporen  weife,  bie  ©cttlofen  fromm 
unb  t>k  ©ünber  feiig  mad)t,  <£$  ift  ein  geuer,  ba3  X>k  parte* 
ften  £eqen  erweid;en  fann,  2)a6  Sort  £on  ber  ©nabe  ©et* 
te$  in  £  jmjto  3efu  ijt  attein  im  ©tanbe  ^k  ^er^en  ber  5D?en* 
fa)en  $u  gewinnen  unb  pat  fa)on  x>tele  gewonnen,  2)a3  Sort 
be6  ©efe£e£  fa)redt,  nötigt  unb  zwingt,  ba$.  Sort  be£  (£oan* 
geliumS  aber  lodt,  rei^t  unb  ^iejjt,  gletct)  einem  Magnet,  mit 
einem  feligen  unb  fügen  3ug,  —  £)at)er  wotten  wir  ber  Drb* 
nung  gemäß  guerft  reben  son  ber  ^errlia)feit  ber  $inb* 
fa)aft  ©otteö,  welct)e  bie  glaubige  «Seele  buret) 
ßi)riftum  erlangt  —  3a)  gebe  gerne  $u,  baß  id)  ba$  Se* 
nigfte  *>on  biefer  wichtigen  2epre  begriffen  t)abe,  unb  bef ernte, 
baß  ia)  ba$  einige  Sort,  äSater,  (\vk  wir  unfern  ©Ott 
nennen),  noa;  nia)t  rea)t  verfiele*  (£$  tjt  mir  $u  groß  unb  ju 
t)oct),  unb  id)  fann  eö  nid)t  faffen,  ©od;  wollen  wir  e$,  im 
ftnbtta)en  Vertrauen  ^u  unferem  lieben,  j)immlifdjen  23ater, 
wagen,  bavon  §u  reben,    ©ott  gebe,  baß  wir  biefen  9tu§en 


478 


bavon  fjaben,  baß  wir  3fm  fk$  von  £er$en  Safer  nennen 
mögen,  burd)  Sefum  Gtyrifhtm!   Sintern 

2ifcf>anfc>lung, 

£)ie  Siebe  unb  ©üte  ©otteS  iß  unermeßlia)  unb  unbe* 
greiflid);  W$  leprt  uns  j?auptfäd;lia;  bie  35etrad)tung  unferer 
$inbfa)aft,  bie  wir  j'egt  anfMen  wollen.  2Benn  ber  3?ia)ter 
einen  Uebeltpäter,  bergen  £ob  verbient  pat,  begnabigt,  fo 
Jjat  er  fa;on  viel  getljan*  SBenn  er  tjm  aber  noa)  in  fein  £au$ 
aufnehmen,  sunt  Sterben  feinet  einigen  ©oJ?ne3  erflären 
unb  mit  sielen  2Boj)ltj?aten  überhäufen  würbe,  fo  würbe  fta) 
3ebermann  barüber  wunberm  —  2)ieß  fyut  ber  barmherzige 
©Ott;  @*  läßt  bem  bußfertigen  niajt  allein  ©nabe^wtberfaj?* 
ren  unb  vergibt  tym  alle  ©ünben,  fonbern  nimmt  ifjn  aua)  $u 
©einem  $inbe  an  unb  maajt  fyn  %un\(£xhen  ber  ewigen  ©elig* 
feit  darüber  wunbert  (td)  $aulu$  unb  fagt:  „8ebet, 
welc$  eine  Zieht  fyat  un3  ber  SSater  erzeigt,  baß 
wir  @otte£  tinber  Reißen  füllen!"  (£r  will  uns  alfo 
$u  ber  bemütpigen  unb  banfbaren33etraa)tung  ber  unbegretfli* 
d;,en  23armj?er3igfei&mb  Ziehe  ©otte3  anhalten,  wela)e  ber  Jn'mm* 
Iifa)e  SSater  babura)  bezeugt,  baß  dv  un$  arme  ©ünber  ju  ^inbern 
annimmt*  3ngleia)  gibt  un3  ber  Slpoftel  zweierlei  $u  bebenfen ; 
—  einmal  bie  Siebe  be$  $ater3,  bann  baS  0?ea)t  ober 
bie  £errlia)feit  ber  $inbfa)aft*  £)ießmal  wollen  wir 
von  ber  SSaterliebe  ©otte$  reben,  unb  um  bk$  mit 
größerem  9tu£en  tjmn  $u  tonnen,  ifl  nötfug,  baß  wir  einige 
5\ernfprüd;e  ber  6a;rift,  bie  bavon  l?anbeln,  ber  dietye  naa) 
anführen,  un£  t>a$  33ej!e  barau$  nehmen*  —  %e\aia$  fa^t  im 
Warnen  be6  jtübifcfjen  SSolf e^ ;  „£)u  bift  unf  er  $ater  unb 
@rlöfer,  von  SilterS  £er  ijt  ba$  Sein  9?ame."  ©ar= 
au<3  folgt,  baß  bie  ©laubigen  von  Anfang  an  fta>  an  bem  2k* 
teruamen  ©otte6  ergoßt  unb  3f?n  alfo  genannt  pabem  Sie 
fönnte  t>a$  aua)  anberS  fc^n,  biefeS  SSort  allein  mad;i  ja  f$on 
ein  (Sehet  ait&  ©leia)wie  e$  fa;on  Ijinreidjt,  wenn  ein  fran^ 
fcä  $inb  feinen  SSater  fe^nlia;  anblicft,  unb  mit  maüex  ©timme 
fagt:  %fy  33a ter;  fo  ift  e$  fd;on  genug,  um  t>a$  £er$  ©otte3 
gu  bewegen,  wenn  eine  betrübte  ©eele  vor  Slngft  weiter  uicf>t3 


479 


fagen  f  ann,  aU :  H  a)  ©  o  1 1 !  51  d;  SB  a  t  c  r !  —  2lua)  t  jl  tiefet 
SBort  ba^u  fepr  bienlid),  um  eine  finbliä)e  dt)x\na)t  in  un$  #u 
erweden;  benn  eö  tfi  gleta)fam  mit  guvdjt  unb  £iefe  vcrmifa)t 
Hin  $inb  fett  $wär  feinen  SBater  epren;  es  barf  fta)  aber  aua) 
\>on  3|m  rnepr  ©ute3  vcrfprea)en,  als  von  Slnberm  Partim 
pat  man  opne  3wcifcl  fa)on  früfje  biefen  licblia)en  Warnen 
tyäuftg  gebraucht,  imb  fta)  über  bie  ^aterlicbe  ©ottc$  gefreut 
<5a)on  $iofe3  faßt:  „2)anfeft  bu  alfo  bem  £errn,  beinern 
©ott,  tn  tfmfym  SBorf?  3fl@r  titelt  bein  SBatev  unb 
beut  £err?  3ß  <£*  e3  nia)t  allein,  ber  bta)  gefa)afc 
fen  unb  bereitet  l^at?"  (£r  ftellt  aua)  bie  ©üte  ©otteö  in 
bem  nemlia)en  23ilbe  vormitbenäöorten:  „2)er  £err,  euer 
©ott,  1?  ateno)  getragen,  wieein $? ann fe in en@opn 
trägt,  burd)  alle  2Bege,  bie  ipr  ginget,  bi3ij)ran 
biefen  £>rt  gefommen  fe^b!  —  2Bie  ©Ott  fein  2$ol£ 
etnjifo  treulia)  auä  €gppten  führte,  fo  madjt  @r  e3  £eute  noa) 
mit  feinen  ©laubigen»  2la),  wir  waren  längft  liegen  geblieben, 
wenn  un3  ©Ott  md)t  getragen  fyättel  Sie  wollten  wir  unter 
fo  vielen  £rübfalen,  Einfettungen  unb  Eiergerniffen  fortfom* 
men,  wenn  um  ber  {nmmlifä)e  SBater  nid)t  ftärfen  unb  erhal- 
ten würbe?  Erinnert  eua)  baran  tpr  SSciter,  wenn  tjjr  eure 
tinber  auf  bie  Sinne  nejnnet  unb  erwäget  bie  $aterliebe  (©ot* 
te£,  ber  eua)  unb  hk  Rurigen  trägt,  fd)ü£t,  verforgt  unb  er* 
Mit  —  £)ajnn  gebort  and)  ber  Elu^fprud):  „3d)  (fpriä)t  nn* 
fer  ©ott)  najjm  (^pljratm  bei  feinen  Elrmen  nnt> 
leitete  if>n;  aber  bie  ?eute  wollten  nia)t  mcrlen, 
wteid)tl?nenl?alf  ie;"  —  2)a3  $inb,  ba£  ber  $ater  gän? 
gelt,  maa)t  if>m  viele  9M£e,  er  geljt  ijjm  überall  naa)  unb 
nnterftägt  e&  £)od);  biefe  SDZü^e  mad)t  ipm  greube;  benn 
bie  £tebe  überwinbet  2itfe&  £>a$  ®int>  aber  verfielt. biefen 
nia)t,  eö  läuft  immer  fort  unb  fpielt,  x^k  wenn  eg  felbjt  Gräfte 
genug  l?ätte,  fta)  felbft  aufregt  $u  erpalten  unb  fta)  felbfi  ^u 
regieren*  (£benfo  maa)t  e3  ber  gute  ©ott,  Qrr  trägt  uns  in  (&eU 
ner  ©nabe,  wenn  wir  noa)  nid)t  laufen  fönnen,  (£r  gängelt 
«nö  in  ©einer  %UU,  wenn  wir  $u  gepen  anfangen,  wir  ite; 
a)en  3fmt  von  '$mb£eit  an  ml  SJfttye  xm'o  Arbeit,  boa)  wirb 
£r  nia)t  mübe,  fonbern  fa)ügt,  leitet  unb  en)äü  uu£,  fo  lange 


480 


wir  leben*  £)  benfet  boa;  über  eure  SBege  naa;  unb  überleget, 
au£  wie  vtet  Sftotp  unb  ©efal?r  tpr  errettet,  vor  tt)te  viel  ttn* 
gfücf  iljx  htwofyxt  unb  mit  wk  vielen  3Q5o£Itjjaten  t|»r  überhäuft 
worben  fepb  von  Sugenb  auf;  —  bann  werbet  ipx  ©otteö  gnä* 
bige  güprung  aua;  an  eua;  waljrneljmen !  —  3efataö  ft>ria)t 
ferner:  „£)u  biji  unfer  SBater;  benn  Slbratjam  weiß 
von  un£  niä)t$  unb  3frae(  fennet  un$  nia;t,  2)u 
aber,  £err,  &tjt  unfer  23ater/'  £)♦  i.  leiblia)e  Später 
fonnen  fterben  unb  e$  fann  mit  ijmen  bajn'n  fommen,  ba$  fte 
von  un£  unb  unferer  fftotjj  mä)t$  wiffen,  ober  nia;t$  Riffen  wol* 
len ;  ©Ott  aber  Utiht  allezeit  unfer  $ater,  (£r  fHrbt  niä;t,  ©ein 
£er$  änbert  ftä;  niä)t,  dx  fann  unb  will  allezeit  Reifen,  wenn 
wir  'gu  35nn  rufen*  £)aj?er  fagt  aua;  2)avib:  „Sßater  unb 
Butter  verlaffen  mia);  aber  ber  £err  nimmt  mia; 
auf/'  SOßenn  aua)  alle  SSäter  unb  Wlütttx  ftcl;  fo  änbern  wür* 
ben,  baß  fte  i^re  ^inber  vergeffen  fönnten,  wenn  ade  flerben 
unb  bte  Jungen  verlaffeu  muffen,  fo  bleibt  boa)  ba$  $aterf>er$ 
©otte$  unveränbert  unb  ©eine  Qitht  ftirbt  nia)t;  j[a  wenn  bie 
gan^e  2öelt  uns  verlägt,  fo  nimmt  ung  boa;  ber  £err  auf*  — 
23ei  bem  f  rodeten  3ereraia$  fpria)t  ©Ott:  „3f*  nta)t 
(£:p|>raim  mein  tljeurer  <5oj>n  unb  mein  trautet 
^inb?  3$  benfe  noa;  wo£l  baran,  tt>a$  3$  t^m 
gerebet  |>abe;  barum  bria)t  fß^ir  bag  £e*3  gegen 
tjjn,  bag  3$  SPHa;  feiner  erbarmen  muß/'  ©ott 
ftellt  <5ia)  pter  felbjt  al$  einen  SSater  bar,  ber  jwar  über  fei* 
nen  ungej?orfamen  ©olm  erzürnt  tfi,  aber  au$  väterlicher 
?tebe  balb  wieber  anber£  geftnnt  wirb  unb  fpricjjt :  5la),  es  ijt 
boa;  mein  tinb,  mein  gleifa;  unb  23lut,  \x>k  fann  3$  fein 
vergeffen  ober  gar  Wlän  «g>er^  von  ijmt  wenben?  —  £)ie  ^tebe 
©otte£  ift  fo  groß,  bap  fie  fta;  aua)  bura)  ©ünbe  unb  Unge* 
porfam  nia;t  überwinben  lagt  äßenn  wir  eg  aua;  manchmal 
arg  genug  maa)en,  unb  wk  ber  verlorne  ©ojm,  fo  lange  e$  un$ 
wof?l  ge£t,  wenig  an  unfern  SSater  im  £immel  benfen,  fo 
benft  dx  boa;  an  un&  ^r  nennt  uns  tj?eure  @opne  unb  traute 
^inber,  bie  (£r  über  SllleS  fa;ägt,  unb  fann  un$  nia)t  vergeben* 
Sla),  mein  ©Ott,  m$  foll  ia;  fagen  ju  bem  ^eia)tpum  deiner 
Zitärt  6ola)  ^rfenntnig  ift  mir  gu  wunberbar  unb  ^u  poa), 


481 


16)  fattn  eß  ntd>t  begreifen;  tef;  weiß  nicf;td  weiter  311  tfum, 
alä  baß  ia)  mit  greubentpränen  fage:  2la)  Du  lieber  &ott  unb 
Sater,  Dein  9?ame  fep  gelobt  in  @wigfeit!  —  Saffet.unö  aber 
fortfahren  unb  noa;  mel)r  anführen,  worin  ber  liebliche  Safer* 
name  ©ottes  enthalten  ift.  —  tlnfer  <£rlöfer  fy?i$t  unä  in  fei* 
nem  $hiftergeoet  ©ott  nia)t  anberö  aU  unfern  Sater  nen* 
neu,  dx  vou$tt  am  bejten,  wie  wir  mit  bem  großen  ©Ott  re* 
ben  follen  unb  weta)er  9?ame  3N  am  meinen  gefaßt,  Slua) 
feljrt  (£r  un£  ben  2111er  £  öa)  jten  mit  aller  3uoerftd)t  anrufen, 
wie  bie  Heben  $inber  i^ren  Heben  Sater.  —  9ttejn*ere  wun* 
berten  (ta;  fa)on  barüber,  warum  £utl?er  in  feinem  $atea)temu$ 
bie  ^inber  Sater  unfer  beten  lehrte,  wag  ja  gegen  bie  9?e* 
getn  ber  beutfajen  ©pradje  fep,  unb  nidjt  Unfer  Sater.  dv 
wußte  ben  Unterfa)ieb  gar  wtyi  unb  £at  in  unferer  23ibel  aufy 
Unfer  Sat er  gefegt;  allein  beim  täglichen  ©ebraua)  wollte 
er  lieber  bie  griea)ifa)e  unb  lateinifa)e  ©praa)e  naä)geaj)mt 
ttriffen  unb  fagen:  Sater  unfer,  bamit  t>a$  lieblia)e  Sater* 
wort  ttoranfiänbe  unb  bem  betenben  G^rijten  einen  ©efa)ma(f 
am  (&&ct  gäbe.  Wlan  möa)te  bieg  28ort  ben  ©a)lüffel  zum 
£er$en  ©otte$,  ben  ©runbftein  unfereö  3uoerfta)tlta)en  Ser* 
trauend,  bte  Serfta)erung  ber  (£r£örung  unb  gleiä)fam  bie 
£J>üre  beg  «SMmmelS  nennen.  Darier  fagt  aua;  unfer  £>eitanb: 
„SGSafjrlia),  waprlia),  3$  fage  eua),  wenn  i£r  ben 
Sater  etwaö  bitten  werbet  in  deinem  tarnen,  fo 
wirb  (£r  e$  eua)  geben.  Der  Sater  l?at  eua)  lieb, 
barum  ba$  tfjr^ttia)  liebet/7  ©ebet  alfo,  wela)  eine  £iebe 
un$  ber  Sater  eqeigt  jjat,  ba$  wir  3fnt  mit  fola)er  3n*>erfta)t 
unb  greubigfeit  anrufen  unb  3{m  unfern  Sater  nennen  bürfen. 

55autu$  fagt:  „Der  Sater  unfern  £errn  3efu 

ßfjrifti  fep  ber  rea)te  Sater  über  2llle£,  xva$  ba 
^tnber  f» et ^t  im  Fimmel  unb  auf  (Erben;"  b.  u  alle 
Äinber  ©otteö,  fte  mögen  im  £immel  ober  auf  (Erben  fet;n, 
erlangen  *wn  ©Ott  au$  ©naben  bat  £errlia)e  9?ea)t  ber  £inb^ 
fa)aft,  baß  fte  Sitte  in  Einern  ©eiji  an  3N  fangen,  Sitte  3Jm 
als  tjjren  lieben  Sater  epren  unb  anbeten.  Einige  unferer 
SDtttbrüber  (tnb  3 war  fa)on  baljeim  M  bem  Sater  unb  genießen 
Seiner  Siebe  naa)  ^eqenötufi;  wir  aber  muffen  noa)  im  Grtenfc 


482 


Watten,  boa)  £aben  wir  mit  tptten  einerlei  ^e^te  ber  ©emein* 
fa)aft,  einerlei  Hoffnung,  einerlei  Erbe,  Sie  ©eltgfeit,  wela)e 
tt)ir  poffen,  ijt  uns  fo  gewtg,  ttie  benfentgen,  welche  fie  bereite 
beftgem  2öir  fönnen  ung  in  unferem  Elenb  ber  SBaterliebe 
©otteä  fo  gut  rühmen,  wie  fte  in  i£rer  ©eligfeit;  wir  wiffen, 
baß  wir  unter  ©einer  5lufjta)t  leben  unb  bag  Er  un$  $u  feiner 
3?it  ^u  unfern  trübem  verfammeln  unb  mit  gleicher  £errlia> 
feit  Bef^igen  wirb»  ES  ijt  (Ein  ©Ott  unb  SSater  unfer 
2111er,  ber  ba  ijt  über  uns  2llle  unb  bura)  unS2llle 
unb  in  un 3  Willem  Er  waltet  über  Mc  mit  väterlicher 
%kte,  fegnet,  hautet,  befa)ü$t  unb  erjrnlt  2ltte ,  wirft  bura; 
uns  2llle  naa)  ©einem  38 o f?lgefatten,  gebraust  un$  $u  ©ei* 
uem  ^eiligen  £)ieijjt,  wojmt  in  uns  Sitten  mit  ©einem  D^ei^ 
unb  erfüllt  uns  mit  allerlei  ©otteSfütte*  —  3) er  5lrme  fann 
fta)  ebenfo  ber  väterlichen  $kte  unb  prforge  ©otteS  tröffen, 
wie  ber  9?eia)e,  ber  fiebrige,  wie  ber  ^o^e,  ber  Einfältige, 
tt>k  ber  Söeife,  ber  2kraä)tete  unb  Unbefannte  tok  ber  23e* 
rühmte  unb  Slngefejjene,  £)a$  verborgene  2kila)en  genießt 
ebenfo  ber  ©onne  wk  bie  £räa)tige  £ilie,  unb  bie  Firmen  unb 
Eleuben  jjaben  jta)  beS  23aterljer$en3  tpveö  ©ottes  ebenfo  s*u 
erfreuen  wk  bk  £ol)ett  unb  ©ewaltigem  ©Ott  tyat  jta)  $war 
|>ocr)  gefegt,  aber  Er  ftefjt  auf baS  fiebrige  auf  Erben;  beim 
fein  Später  verläitgnet  fein  $inb,  wenn  e£  aua)  armfelig  ein* 
£erge|>t*  —  3n  einer  anbern  ©teile  nennt  Paulus  unfern  ©Ott 
einen  23ater  ber  ^arm^er^igfeit  unb  ©ott  alles 
£rojte&  ©letä)wie  ba£  Sfteer  ber  Urfprung  aller  ©tröme, 
glüffe  unb  S5äa)e  ifi,  fo  tfi  ba$.£era  beS  Inmmlifa)en  SSaterS 
tk  Duelle  aller  %kU,  aller  ©üte  unb  33arm£  entgleit  %\k 
%kbe  unb  £reue,  wela)e  fia)  in  bem  menfa)lia)en  £er$en  jinbet, 
fliegt  aus  biefer  Duette,  unb  Ut  $kfo  aller  ber  iaufenb  unb 
abermal  taufenb  SSäter,  bie  auf  Erben  wolmen,  fommt  von 
bem  gemeütfa)aftlia)en  SBater  ber  9ftenftt)en.  SQSemt  jta)  aber 
aua)  bie  Siebe  aller  SSäter,  bie  jemals  gelebt  Jwben,  tk  noa) 
Heben  unb  fpäter  leben  werben,  vereinigen  liege,  fo  würbe  fte 
boa)  ber  %kU  unb  53armpeqigfeit  ©otteS  nia)t  gleiä)  fommem 
■—  allein  ber  Slvojtel  nennt  unfern  ©Ott  aua)  begwegen  einen 
SSater  ber  53armperatgf eit,  mit  Er  in  fo  vielen  gällen  unb 


483 


Segebcnpeüen  ©eine  per^ttc^e  fr'cbe  opne  Unterlag  beweist  mv 
©cine23armpeqigfeit  alle  borgen  neu  ifh  —  3ld>  ja !  31t  vielem 
(llenb  gebort  x>tc"t  ^armpeqtgfeit  Sei;  freue  nud;  oft  barüber, 
bafi  $5auluö  bem  lieben  ©Ott  fo  ^tetc  53arm^evgtöfeit  $ufcpretbt. 
O  mein  Vater!  (fo  fpveepe  id)  manchmal  in  meiner  -[ftotp)  £)u 
wirft  aud;  einige  ©nabe  unb  einen  £rojl  für  mem  Betrübtet 
&erj  paben!  3d;  pabe  x>tel  ©ünbe,  £)u  viel  33armpersig* 
fett,  td)  viel  33efümmernig,  2)u  viel  £rojt;  fo  fommen  wir 

wopl  ^ufammen. gerner  petgt  e3  von  ©Ott,  ba$  dx 

ein  Vater  fep,  ber  in£  Verborgene  fiept,  unb  ber 
wop'wetg,  wa6  bie  ©einigen  oebürfem  deines  fei* 
ner  Kinber  ift  3pro  unbefannt,  (Er  fennt  t>te  ©einigen  an  allen 
Orten,  weiß  baS  anliegen  ipreS  ^er^enö  unb  fennt  ipre  9totp, 
ipre  2lrmutp,  t^re  £raurigfeit  —  2)ie  Kiuber  ©otte$  finb  in 
ber  Seit  jerflreut;  pier  liegt  eine3  auf  feinen  Knieen  unb  häct 
im  verfcploffenen  Kämmerlein,  bort  ruft  ein  anbereä  im  ©e* 
fängnig ,  in  einem  fingern  Oute  ober  in  einer  geringen  £ütte 
um  Profit  unb  £ülfe;  baä  eine  tj}  in  9*otp  au  SSaffer,  baS  an* 
bere^u^anb,  ba$  eine  Um  Ui  £ag,  ba$  anbere  negt  Bei 
9kcpt  fein  £ager  mit  £pränen  jc*,  ItleS  fiept,  pört  unb  wi$ 
unfer  ©Ott  unb  Vater,  2llte  ©euftcr,  alle  £prcmen,  jie  fom^ 
men  vom  borgen  ober  vom  2lbenb,  vom  Mittag  ober  von 
Mitternacht,  vereinigen  ftd;  vor  ©otteg  £pron  unb  berühren 
<Bän  Vaterper^  O  welcp  ün  £roft  ift  ba£  für  t>k  lieben  Kin* 
ber  ©otteg!  ©ie  paben  oft  ein  anliegen,  ba$  fte  feinem  3Äen* 
fepen  f lagen  fonnen,  fte  muffen  nur  peimlid;  feußen  unb  wcU 
neu;  boep  ©Ott  weif  alle  Dinge,  vor  3pm  ift  alle  ipre  33egierbe, 

unb  ipr  ©euf$en  i(i  3pm  niept  verborgen, liefern  güti* 

gen,  gnäbigen,  liebreichen,  allwtffenben  Vater  wirb  enblia) 
aud;  ba£  S^eia)  unb  bie  Kraft  unb  t>ic  |)errlirpfett 
äugefepriefcem  —  £)a£  $eicp,  weit  (Er  2ttfe3  beperrfept  unb 
Sitte*  3pnt  su  ©tenfle  ftept;  bie  traft,  weil  <£r  attmäcpttg 
iji  unb  tpun  fann,  wa$  (Er  will;  bie  iperrtiepfett  ober  bie 
(Epre,  weil  (ix  bi^per  t>en  9?upm  erpalten  pat  in  alter  %Stft, 
baß  (Ex  tin  waprpaftiger  ©Ott  fep,  ber  g>e?in  Sort  treulich 
päft  unb  bie  ©einigen,  bk  auf  3pn  pojften,  niept  verlaffen 
pat.  —  ©0  paben  wir  alfo  an  3pm  dum  Vater,  beut  feine 

31* 


.  484 

^otp  ja  groß,  feine  £afl  311  fdjwer,  feine  £rübfal  gu  mächtig 
*jl.  (Er  fann,  (Er  will,  (Er  mujj  pelfen;  benn  (Er  ij* 
atlmäcptig,  treu  unb  n?aßrpafttg* 

2lu$  biefem  Slllem  folgt  nun:  1)  baß  e$  feine  bloße  (£in- 
bilbung  fep,  wenn  bie  ©laubigen  ©Ott  ipren  SBater  nennen 
unb  3pn  son  £er$en  bafiir  Ratten,  (B  gibt  $war  getfteäfranfe 
Sftenfdjen,  bie  fta;  für  ^tnber  etneS  $aiferö  ober  Königs  pal* 
ten,  auc()  ftnben  fta)  Betrüger  in  ber  SSelt,  bie  fta)  abfta)tlia) 
für  fola)e  ausgegeben  paben,  bie  aber  am  (£nbe  in  ipr  eigenes 
SBerberben  Pursten;  allein  M  ben  ©laubigen,  bie  fta)  ©otteS 
®inber  nennen,  iß:  feine  leere  (Einbilbung  unb  fein  53etrub-,  fon* 
bern  bie  lautere  SÖSaprpett  2Bie  ein  3eber  feinet  SBaierS  $inb 
tf*  ber  leiblichen  ©eburt  naa) ,  fo  fann  fta)  ber  gläubige  (Sprtjl 
rühmen,  er  fep  ©otteS  $inb,  ber  geiftigen  ©eburt  naa)»  2>a* 
per  f>et#t  eS  t>on  ipnen  auSbrürflia):  fte  fe^en  au 6  ©Ott  ge* 
boren»  60  wapr  GtpriftuS  ©otteS  ©opn  tß,  fo  wapr  tj!  je* 
ber  Gtprifl,  ber  in  ber  ©emeinfepaft  Qtpriftf  ftept,  ein  $inb 
©otteS,  weil  er  auS  203a  jfer  unb  ©eift  geboren  ifi,  unb  weif 
ipn  ©Ott,  wie  bie  ©eprift  fagt,  gezeugt  pat,  naa)  ©eig- 
nem gnabigen  SSStflen  bura)  baSSÖort  ber  2ßapr* 
p  e  i  t  3n  fcprifto  3efa  tjt  fein  betrug,  fonbern  lauter  Söapr* 
peit  unb  ©ewijüpeit» 

2)  ©epen  wir,  baß  uns  bie  SSaterliebe  ©otteS,  opne  all 
unfer  $erbrenft,  auS  lauter  ©nabe  gegeben  wirb,  wegpalb 
SopanneS  fagt:  „©epet,  wela)  eine  Siebe  unSber  $a* 
ter  gegeben  pat,  baß  wir  ©otteS  ^inber  pei- 
len f  ollen!"  UnS,  bie  wir  $uttor  geinbe  ©otteS  unb  ber 
©ünbe  ßneepte  waren,  uns  iß  biefe  pope  Söürbe  gegeben,  unS 
pat  ber  SBater  wiebergeboren  unb  nia)t  bloS  ^u  Wienern,  fon* 
bern  $u  $inbern  angenommen»  3«  tiefet  fepötte  $erpältnif? 
fann  fta)  fretlia)  unfere  ©eele  niept  rea)t  fxnben  unb  wir  fonnen 
eS  ma)t  »on  £er$en  glauben  opne  ein  befonbereS  inneres  3eug* 
ntf*  beS  peiligen  ©eijleS»  5ln  biefem  paben  wir  zeitlebens  ^u 
lernen,  unb  wenn  wir  es  einmal  fo  mit  gebraept  paben,  baf* 
wir  baS  erße  SSort  im  ©ebet  beS  ^ er rnretpt^erftepen, 
fo  ftnb  wir  billig  für  geleprte  Zenit  $u  palten»  Sutper  frriept 
auö  eigener  (Erfaprung:  „CEin  3ßßlia;er  »erfuape  unb  übe  jta) 


485 


felbjt,  wenn  ev  tu  fein  föümmcrtein  gefjt  ttnb  $u  beten  anfängt, 
baß  er  bod)  benfe,  waö  er  faejt  unb  fege  bie  2Borte:  93a  t  er 
Unfer  auf  bie  Söage.  lieber,  mö  betejt  t>n  boefj?  2öa$  fagt 
bodj  bein  £er$  ba$u,  Ijättjt  bu  auef)  ©ott  wtrflic^  für  beinen 
$ater  unb  bid;  für  ©ein  lkU$  $inb? £)  nein,  fprid?t  baä 
£ers,  i^  wetg  eä  nidjt;  wie  fann  i$  mir  fotdj  grog  £errftc$ 
Dütg  ^umeffen  ?  :e.  —  2Öir  follen  un$  atfo  nic$t  blo£  über  bie 
£iebc  ®otte£  verwunbern,  fonbern  auc^  ernfiti$  barüber  nad;> 
benfen  unb  au$  allen  Gräften  bafyin  ftreben,  unö  biefelbe  im 
©lauben  anzueignen. 

33  2öir  fi'nben  ferner,  baß  ber  $atername  ©otteS  fepr 
ml  in  fta)  begreife.  (3 Ott  nennt  ftdj  unfern  23ater;  dx  ver* 
fpridjt  atfo,  baß  (£r  un$  verpflegen,  ernähren,  regieren,  frfn't* 
#en,  befdnrmen,  mit  unfern  ©a)wad;ljeiten  ©cbulb  paben,  un$ 
väterlich  ermahnen,  warnen,  $üc|tigen,  in  fetner  £rübfat  ver* 
laffen  unb  uns  enbttd;  baS  ewige  $ticn  geben  wolle.  3e  länger 
man  baö  2Bort  S3ater  betrautet,  bejto  lieblicher  wirb  e$,  unb 
alle  Zerreißungen  ©otteS  ftnb  nichts  aU  eine  Qirrflärung  beffen, 
ba  @r  gefagt  pat:  „3d;  will  euer  23a t er  unb  t ^ r  f  oflt 
Stteine^utber  fe^n."  3n  bem  einigen  2Bort  23ater, 
fagt  ein  gottfeliger  £el)rer,  liegt  ein  vollfommeuer  £roflj  ber 
aUän  frinretc^t  wiber  allerlei  £rübfal.  — 

4)  £eiblid;e  Später  fommen  mit  bem  23ater  im  Fimmel  in 
gar  feinen  $erglcid?;  tl)re  £tebe  ift  $war  groß;  bod;  tjl  fte 
nid;t£  gegen  bie  Zaterliebe  @otte£.  ©te  leben  oft  von  tpren 
Äinbem  entfernt,  wiffen  ifjre  yiotfy  nicfyt,  unb  tonnen  tjtoen 
alfo  aud;  feine  £ülfe  bringen,  ober  trennt  fte  ber  £ob;  biö* 
weilen  laffen  fte  ftd)  betören,  ba$  fte  einem  ®inbc  mein*  £tebe 
erzeigen,  aU  bem  anbern.  ©ott  aber  tjt  ewig,  ttnfterblid), 
allmäd;tig,  allgegenwärtig.  $?ag  ein  $inb  von  feinen  Altern 
aud)  nod?  fo  weit  wegfommen,  ©Ott  tjt  ü)m  ftet£  nafje  mit  fei* 
ner  £tebe,  (ix  ftc^t  unb  fennt  batf  anliegen  ber  ©einigen,  (ix 
weif,  m$  ifmen  wiberfäfjrt,  $ä£ft  tyxt  ££ränen  unb  pört  ü)re 
©eufter  an  allen  Orten.  (ix  tjt  ber  gemetnfdjaftlicfje  SSater, 
ber  ein  $inb  liebt  xx>k  ba£  anbere,  ba$  f raufe  wie  ba$  gefunbe, 
ba$  arme  wk  ba^  reiche,  baö  ^ägfic^e  wk  baö  wojjlgejtaltete, 
ber  ftc^  befonberö  ber  ©fenben  unb  SBerlaffenen  annimmt  unb 


486 


fte  mß  väterlicher  %kht  unb  £reue  tröftet  anb  erfreut.  —  £afc 
fet  unö  alfo  barauS  eine  frnbli^e  3nserjtd;t  gu  ©ott  faffen  unb 
t>on  £ergen  glauben,  bajj  ber  Jnmmlifdje  SSater  für  unef  ?ltte 
forgt,  bag  (£r  für  bte  geitlidje  unb  ewige  S:o1)lfa£rt  eineä  3c* 
ben  unter  uns  beljad;t  tjt  unb  baff  (£r  fo  x>kl  für  uns?  gctpan 
f?at  unb  nod?  tput,  als  nie  ein  3Sater  in  ber  Sßelt  für  fein 
$inb  tf?un  fann.  3cf;  will  eucl;  tragen,  fprid;t  (£r,  biö 
in$  Sitter  unb  bis  tljr  grau  werbet,  3$  will  e$ 
tfjun,  3d;  will  peben  unb  tragen  unb  erretten.  — 
28ie  tß  aber  einem  9ttenfc6en  wejje  fyut,  wenn  er  eß  von  §ix* 
gen  gut  meint,  feine  £iebe  unb  £reue  auf  alte  mögliche  £öeife 
geigt,  unb  bo$  ftept,  bag  man  fein  red;te3  Vertrauen  gu  i£m 
paben  will,  fo  betrübt  e£  unfern  ©Ott,  wenn  Grr  fejjen  mug, 
bag  wir  ein  fo  geringes  Vertrauen  gu  3£nt  £aben,  ob  @x  gteid; 
f o  gndbig  gegen  uns  gefront  i%  (ix  will  SSater  fe^n  unb  tft  tß 
aud;  unb  wir  wollen  31?n  nid)t  $on  £ergen  bafür  erlernten, 
€r  will,  baf?  wir  3N  unfere  ©orgen  überlaffen  unb  unfer 
£erg  in  ©einen  ©d?oofi  au3fd;ütten  follen,  wir  aber  wollen 
felbjt  forgen  unb  uns  mit  unferem  Kummer  quälen.  —  3nr 
Seit  SubwigS  XL,  Königs  »ongran!rei$,  patte  ein  23tf$of 
»tele  9?e$t3fireittgfciten.  2113  ber^onig  bawn  pörte,  Ijatte  er 
Sflüteiben  mit  bemfelben  unb  bot  ftc$  an,  baß  er  ilimburd)  feine 
Vermittlung  baoon  befreien  wolle.  2)er  23if$of  banfte  gwar 
für  bie  fömglidje  ©nabe,  hat  jebod;,  baß  man  ijjm  ginn  3ett* 
»ertreib  wentgjtenS  25  hiß  30  *fted;t61)ctnbel  laffen  ntöc&te. 
darüber  erzürnte  ft$  ber  $önig  unb  antwortete:  weit  ber  33t* 
fd^of  eine  greube  an  folgen  »erbrüßlic^en  ©treitigfetten  fyaht, 
fo  folle  er  alle  behalten.  —  ©e£et,  fo  etgenjmmg  fmb  ok 
öftenfd)en!  2luc$  ©ott  will  uns  »on  allen  ©orgen  unb  23efüm- 
merniffen  befreien  unb  §ä$t  uns  unfer  anliegen  auf  3f>n  wer* 
fen,  weil  <£r  Meß  woljl  machen  werbe.  £)ieß  nehmen  wir 
gwar  an  unb  bezeugen  eine  greube  barüber;  allein  wir  bejjaf* 
ien  gemeiniglich  eine  |>eimlic^e  ©orge,  mit  weld;er  wir  unß 
£ag  unb  Wafyt  befestigen,  alß  wenn  tß  fo  feipn  müßte,  ober 
als  ob  bieg  gleic|)fam  gum  3eitoertreib  bienen  follte  in  biefem 
traurigen  £eben.  —  <£mft  traten  tk  Diener  beS  Honigs  von 
©prien,  beffen  £eer  von  2l£ab,  bem-Äomg  in  Sfrael,  gefdjtagen 


487 


war,  bemüht«,  vor  ben  ©iegcr  unb  fiepten  um  ©uabc  für  tyren 
privn*    5ltö  btefer  faßte:  lebt  ber  $önicj,  euer  #err  noa), 
bann  tft  er  mein  23ruber;  fo  bcnü^ten  fte  biefe  Söorte  fdjnefl 
ju  ijjrem  SSortpett  unb  retteten  fta)  baburd;.    ©inb  nun  bie 
gröber  btefer  Sßelt  fo  befonnen  in  ber  ©orge  für  iljr  233opt ; 
warum  ßefcf>te|>t  baö  nic^t  vielmehr  von  un$,  t>ie  wir  bod;  Am* 
ber  beö  Ctc&tf  ftnb?  SBenn  ©Ott  faßt:  3d>  Witt  euer  »te 
ter  u$t>  ipx  f  oll  t  Steine  $inber  fet;n;  warum  eilen  wir 
nia)t  unb  faffen  ba3  28ort  mit  greuben  auf,  befonberö  ba  wir 
fejjen,  baß  ©otte£  Zerreißungen  nta)t  nur  in  Sorten,  fonbem 
in  ber  Zfyat  befielen?  ©Ott  pat  Ja  au$  väterlid;er  Ziehe  ©ro^ 
ße3  an  untf  o,efyan,  (Er  §at  m&  von  unfern  ©ünben  unb  von  ber 
Dbrigfeit  ber  ginjtemiß  errettet,  Ijat  wtö.$u  ber  ©emeinfa)aft 
©eiuc3  lieben  ©ol?neö  berufen,  unb  un3  bura;  ©ein  Zerbienjl 
gerecht  gemad;t    (£r  pat  unö  <Bein  £er$  jugewenbet,  ba  wir 
noa;  (Beine  geiube  waren,  follte  (Er  e3  jieijt  von  un&  Wenben, 
ba  wir  mit  3pm  verföjmt  ftnb  bura)  ben  £ob  ©eines?  ©oljneS? 
(Er  Ijat  ung  Beine  Ziehe  a,efa)enft,  ba  wir  fte  nid;t  begehrten, 
fotttc  (Er  uns  biefetbe  (e|t  x>erfagen,  ba  wir  fte  mit  £cqtitt)cm 
©ebet  unb  gfepen,  oft  auefj  mit  vielen  ©euftem  unb  £J)ränen 
fua)en?  —  Raffet  un£  bod;,  bie  wir  SBctter  unb  Mütter  ftnb, 
an  un$  felbjt  lernen,  waö  wir  von  ©ott,  unferem  lieben  Zater, 
erwarten  fönnen !  25enn  t>ein  ^inb,  bn  a)rifitia)er  SSater,  fxant 
unb  clenb  ijt,  wenn  c3  in  ber  S^otp  ftedt  unb  bn  eine  hetxixhte 
91aa)ria)t  von ,i{mt  l;örjt,  wie  ijt  bir  $u  9)?ut!)e?  ld;!  fprid;ft 
bu>  mein  Jper^  blutet  mir  unb  fejmt  fta;  ^u  Reifen,  e3  ijt  Ja 
mein  $inb,  wie  fann  td;  feiner  9totl;  ^ufe^en  unb  me  follte  td; 
mid;  meinet  $tnbe3  nia)t  erbarmen?  —  <£in  ^tub  bebarf  bei 
einem  $ater  feinen  gürfpred;er;  benn  (Er  £at  benfelben  fd)on 
tu  ftd;;  —  baö  Zater^eq  unb  bie  Ziehe  fprid;t  ftärfer  für  batf 
$inb,  aU  hex  befle  ^ebner  tjjun  fönnte*    £>a£er  braud;en  wir 
nidjt  vielSMcfyer,  um  bie  SBaterliebe  ®otte$  barauS  in  lernen, 
bie  ©a;rift  unb  unfer  ei&eneö  $ex%  reichen  jn'm    28enn  wir 
fünblia)e  9)?enfa)en  mit  unfern  ^inbern  23?itletben  tytöen,  unb 
tjmen  in  lp elf en  fud;en,  follte  baö  niä)t  vielmehr  ©ott  tpun, 
ber  befie  33ater  über  2ltfe$?  Dber  ftnb  wir  etwa  barmherziger 
unb  güttöer,  aU  ber,  welker  m\$  mit  bem  23fute  ©eineiS 


488 


©ojmed  erfauft  f>at?  £)  wie  tljbnctyt!  wir  fe£en,  baß  unfere 
Ätnber  eine  jjeqli^e  3uverfta)t  $u  un3  jjaben,  unb  freuen  um> 
tarüber,  ob  wir  gleich  unferer  <&ä)mfy$cit  bewußt  finb.  2Sa* 
ntm  lernen  wir  nia)t  von  benfelben  unferem  ljimmlifd;en  SSater 
vertrauen,  t>a  wir  wiffen,  baß  (£r  unö  nia;t  bloS  auf^3nni9fie 
liebt,  fonbern  aud;  2llle3  fann  unb  vermag?  3$  fajäme  mia; 
oft,  wenn  meine  $inber  eine  foldje  3 werftet  31t  mir  ^aben, 
t>a$  jte  SltleS  von  mir  forbern,  wa$  i^nen  mangelt,  wäljrenb 
t'a;  mein  £er$  nid)t  babin  bringen  fann,  b«$  ed  fta;  mit  aller 
3nverfta)t  auf  ©Ott  verlägt.  SSaS  bin  ia;  unb  wa$  ijt  ©Ott? 
2Ba3  ift  ein  fa)wad)e£©efd)ö>f  gegen  ben  QrrljaUer  aller  2)inge? 
—  2)ie$inber  vornehmer  £eute  wiffen  fta)  ben  2lbel,  bie  SBürbe 
unb  ben  8?eia)t£um  iprer  (ürltern  balb  $u  9?ugen  $u  magern 
grüj)$eitfg  fagen  fte:  SSer  tji  tiefer  ober  Jener?  Hftem  SBater 
ift  ein  angefeljener  50?ann,  er  wirb  fta)  meiner  annehmen.  2Sa* 
rum  ijt  e$  ntc^t  aud;  fo  bei  un$,  bie  wir  ©Ott  $um  23ater  l)a* 
ben,  warum  fegen  wir  nid;t  ©eine  £oj?eit  unb  Wlatyt  bem  ©a* 
tan  unb  ber  Söelt  mit  groger  greubigf  ett  entgegen  ?  2ßarum 
fagen  wir  nia)t:  fennft  bu  meinen  SSater,  mipt  bu  nia)t, 
baß  bu  ein  $inb  ©otteS  betrübjt?  3a)  Witt  e|8  3N  fragen, 
meine  ©eufoer  unb  £(>ränen  gelten  viel  im  £immel* 

SlntDenbung. 

I.  £)iefe  Söaterliebe  ©otte$  gereift  bem  9ftenfa)en  gum 
SErojt  unter  ben  Reiben  unb  9Mpfeligfeiten  biefeö  @rbcnleben3, 
wir  fönnen  unö  rühmen,  baß  wir  ben  ewigen,  allmächtigen, 
barmherzigen  unb  gütigen  ©Ott  jum  SSat^r  jjaben,  bem  2I(le3 
unterworfen  ift,  ber  2ille$  mit  SÖet^pett  regiert,  ©einen  $tin* 
bern  fann  nia)tS  wiberfapren  oljne  ©einen  b  eiligen  23tllen, 
unb  ojme  benfelben  fällt  fein  £aar  von  unferem  Raupte.  2ltle$, 
xt>a$  un$  begegnet,  gef  dnept  naa)  bem  unerforfa)lid;en  dlaty* 
fa)luffe  beffelben,  unb  (£r  weiß  SltteS  fo  ju  lenfen,  baß  e$  ^u 
unferm  33efien  bienen  muß.  2lu$  einer  Duelle  fommt  ©lücf 
unb  Unglücf,  greube  unb  £raurigf  eit;  (Eine  SBaterJanb  be* 
topnt  unb  ftraft  hk  $inber,  unb  fyut  2WeS  gu  iljrem  3eitlia)en 
unb  ewigen  £eile.  $ein  3ammer  ift  fo  brücfenb,  feine  2ajt  fo 
fd)wer,  unter  mifytx  bie  Sßaterliebe  ©otteS  nia)t  verborgen 


489 


tvdrc.  gtcifo)  unb  33lut  fanu  cö  swar  nic^t  begreifen,  aber  bie 
<£rfaj>rung  attev  3eiten  fpria)t  fo  beutfäft  bafür.  2ille  ©laubi* 
gen  £aben  barfn  tpvcn  Zxoft  gefunbcu  unb  bie  bttterjten  Zeiten 
mit  ©tanb^aftigfett  ertragen,  ©elbjt  3efuö  faßte,  atö  3£m 
bort  tu  ©et^femane  ber  Mutige  «Schweig  auöbraa):  „60  Ute 
3a)  ben  $ela)  nia)t  trtnfen,  ben  9flir  9ttetu  SBater 
gegeben  fyait"  tylifyin  verfügte  ber  SSatername  aua)  ben 
bitterjten  $eta).  —  Raffet  unä  biefe  $unjt  sonSlwt  lernen  unb 
tn  aller  Wotfy  mit  greubigfeit  fprea)en :  £>anble  mit  mir,  o 
©Ott,  wie  2>u  wtllft,  fa)tcfe  mir  au,  wa$  2)ir  gefällt,  £>u  bift 
unb  bTeibfl:  boa)  mein  $ater,  unb  ta)  roeif ,  baß  £)u  eS  nid;t 
böfe  meinen  fannjt.  Raffet  unö  bebenfen,  baß  ©otteö  2Sille 
ftctö  £eilfam  fep  unb  $u  unferer  ©eligfeit  biene.  ©ott  bleibt 
23ater,  wenn  (Ex  fkaft  ober  belohnt,  wenn  (Fr  nimmt  ober  gibt; 
(Eine  Ziehe  fa)enft  ben  greubenbea)er  ein  unb  reia)t  ung  ben 
£etbenöfela)  bar.  £)arum  wollen  wir  gerne  annehmen,  waä 
©Ott  uns  gibt;  benu  »on  3pm  fanu  ma)t$  als  Siebe  Aminen. 
3war  fönnen  wir  ung  manchmal  nia)t  rea)t  barein  fa)ttfen,  wie 
bie  $ütber,  bie  gc$üa)tigt  werben,  nia)t  begreifen,  baß  e3  au§ 
Ziehe  gefa)epe;  allein  wir  fotlen  ma)t  immer  $inber  bleiben, 
fonbern  barnaa)  traa)ten,  baß  wir  in  ber  (£rfenntniß  ©otte$ 
iäglia)  mef)r  annehmen.  —  Jftjt  wwfonjl  fagt  ber  2lpoftet: 
;/^ein(So^n,  aa)te  nia)t  gering  bie  3üa)tigung  be$ 
£errn  :c;  benn  wela)enber£err  lieh  fyat,  ben  $üa> 
tiget^rje.  2llte  3üa)tigung,  wenn  fie  ba  ijt,  bün* 
fet  fie  untf  nia)t  greube  Cnta)t  Ziehe),  fonbern  £rau* 
rigfeit  ^u  fepn,  naa)f>er  aber  wirb  fie  geben  eine 
peilfame  grua)t  ber  @erea)tigfeit  benen,  bie  ba* 
bura)geübtfin  b."  £>aljer  wollen  wir  in  allen  galten  $ufrte* 
ben  fepn  unb  nia)t  btoä  auf©ottc3£anb,  fonbern  aua)  atf&ein 
£er$,  nia)t  blo$  auf  ben  Anfang,  fonbern  aua)  auf  ben  2lu3* 
gang  ©einer  3üa)tigung  fepem  —  berufet  eua)  auf  bie  ?8atex* 
liebe  ©otteS  1)  ij>r  betrübte  unb  $erlajfene,  bie  i£r  mana)* 
mal  mit  2ljfapl)  fprea)en  möa) tet:  ,,©iel)e,  ba3  finb  bie 
©ottlofen!  ©ie  finb  glütflia)  in  ber  £Seli  unb  wer- 
ben reia).  ©oll  eö  benn  umfonft  fe^n,  baß  mein 
$er$  unjHäflia)  lebt  unb  ia)  meine  £änbe  tnltn? 


490 


fo)ulb  wafa)e,  unb  bin  täglia)  gepta^t  unb  mein 
Seiben  if*  alle  borgen  ba?"  ©ebenfet,  bag  ©ott  ©eine 
$inber  nia)t  $u  verzärteln  pflegt,  unb  biejemgen ,  weta)e  3pni 
am  Itebften  fmb,  oft  nia)t  wiffen  läffet,  tote  lieb  dv  fte  jjjat. 
(Er  maä)t  e3,  wie  jener  SÖater  eme$  gottfetigen  53rebiger$,  ber 
feinen  ©opn  in  ber  Stigenb  Wr  $axt  P^elt  2113  er.  a&er  früb* 
^etttg  auf  bag  £obtenbett  fam,  lieg  er  biefen  3U  fiel)  fommen 
unb  fagte  tjnn:  ia)  f>abe  bia)  btöper,  mein  $inb,  nia)t  wiffen 
laffen,  wie  lieb  ia)  bia)  ^abe,  ob  bu  gleta)  mein  einiger  ©opn 
bijt,  unb  bu  magfi  oft,  wenn  ta)  bir  ftreng  war,  gebacjji  pafcen, 
ta)  paffe  bia);  aber  ia)  tpat  5ICCe^  au$  oäterlia)em  SöojjtrooHeu 
unb  per3tta)er  ^tebe,  weil  ta)  wopl  fajj,  bag  e3  fo  $u  beinern 
heften  biente*  9?un  aber  Witt  ia)  bia)  ber  ©nabe  ©otteä  em* 
pfeplen  unb  bia)  fegnen  unb  bu  folljt  mit  ©otte£  £ülfe  wopl 
gefegnet  bleiben»  —  SÖSenn  nun  fa)waa)e  $tenfa)en  alfo  l)an* 
beln,  warum  fottte  niajt  ber  treue,  liebreia)e  ©ott  ©eine  $in* 
ber  untir  ber  3ua)trutlje  palten  unb  fte  «Seine  £tebe  nia)t  fo 
batb  merfen  faffen?  $ann  Ui  3)?enfd)en  ftrenge3u$i  «nb  per$* 
lia)e  ft'ebe  gar  wopl  neben  einanber  bejleljen ;  warum  nia)t  aua) 
bei  ©ott?  —  2öa$  aber  bie  ©ottlofen  betrifft,  fo  wunbert  eu^ 
ma)t,  bag  es  tpnen  mana)mal  fo  wopl  gept  Raffet  fte  glüdlta) 
fe^n  in  ber  Seit,  laffet  fte  effen,  trittfett  unb  gute  £age  paBen; 
einft  fommt  bie  Sät,  wo  e$  peifüett  wirb:  „33ebenfe  ©opn, 
baß  bu  betn  (3utt$  empfangen  paß  in  beinern  £e* 
ben!"  £)er  2)ornbufa)  wäa)3t  wilb  unb  hxtittt  jta)  naa)  3Mu> 
btn  an$;  bie  Söetnrebe  aber  wirb  alle  3apre  bcfd;nitten  unb 
angebunben,  wela)e  ^jTan^e  t(i  aber  bie  befie  unb  etelfte  ? 

2)  greuet  eua)  tpr  2lrme  unb  dürftige,  tpr  pabt 
einen  reidjen  SSater,  unb  häxübt  eua)  nia)t  barüber,  ba$  (£r 
cua)  an  ^eitliajen  ©ütern  nia)t  fo  viel  gibt  aU  Zubern»  3uu* 
gen  $inbem  tjt  e$  nid) t  gut,  wenn  fte  viel  ©elb  unter  t>m 
£änben  pabett,  unb  an  bem  verlornen  ©opite  fann  man  fepen, 
\vk  gefäprlia)  e£  ift,  wenn  jungen  %entm  frü^eitig  bie  23er* 
waltung  tpre$  SBermogenS  anvertraut  wirb»  ^benfo  ift  e$ 
aua)  ben  ^inbern  ©otte^  nia)t  immer  gut,  wenn  fte  viele  9?eia> 
timmer  beftfien.  2Daper  fagt  ber  weife  ©alomo:  „5lrm utp 
unb  ^eia)tpum  gib  mir  nta)t,  lag  mta)  aber  meinen 


491 


befa)eibencn  Xfyeil  baptn  nehmen  jc.  !"  —  2Sie  ein 
Später  %ikä,  \»a$  er  l^at  mit)  erwerben  ton,  für  feine  $inbcr 
3urüdlcgt,  ojme  baß  jte  eö  wiffen,  fo  maa)t  eä  ©ott  mit  allen 
benen,  bie  il)n  füra)tcn.  2ltfe3,  tt)a^  (Er  fyat  unb  vermag,  t>a^ 
ift  für  fle,  ber  £immel  unb  t>te  ©eltgfeit  gebort  tarnen;  mit) 
aua)  im  3eitlia)en  gibt  er  ben  ©einigen  fo  x>£et,  als  fte  nötjjig 
£aben,  tte  Söelt  päuft  gwar  große  ©a)ä£e  anf  unb  tft  ftet£  ba* 
mit  befa)äftigt,  boa)  feplt  cö  ben  Ämbent  ©otteo  nia)t  am 
^otpwenbigem  £)arum  forget  nia)t,  fo  lange  euer  $ater  im 
Fimmel  noa)  ctu>a$  fyat,  wirb  (Er  eua)  nia)t  unverforgt  taffen, 
epe  @ott  eines  ©einer  ^inber  verfa)maa)ten  liege,  würbe  (Er 
auf  außerorbentlia)e  Sßeife  Reifen,  wa$  (Er  fa)on  oft  geipan 
$at,  «nb  wenn  fein  2D?enfa)  ba  wäre,  ber  t'pnen  %tä$t$ity 
reia)te,  fo  müßten  bie  ^aben  ftc  fpeifen,  ober  (Engel  vom  #tm* 
mel  fommen.  ©ewig,  e£  wäre  traurig,  wenn  von  fo  vielen 
(Gütern,  bie  ber  2l(lmäd;tige  alte  3ajft  im  Heberflug  gibt,  uia)t 
fo  viel  übrig  bleiben  würbe,  baß  ©einen  $inbern  nia)t  ein 
23iffen  33rob  $u  Xfytil  werben  fönnte.  Softe  ber  S3ater  im 
Fimmel  ben  ©einigen  feinen  3ej?rpfennig  51t  geben  im  ©taube 
femt,  mit  wela)em  jte  bura)  biefeS  Jammertal  gefjen  fönnen? 
£)  tpr  ©otte3füra)tigen,  warum  fepb  iljr  manchmal  fo  traurig 
unb  plaget  eua)  mit  ängftlia)en  ©orgen?  3jt  e6  nta)t  genug, 
baß  ber  Teufel  unb  bie  falfa)e  2Öclt  cud;  betrüben,  muffet  il?r 
eua)  felbjt  noa)  mit  ©orgen  unb  ©rämen  baö  2ebcn  verbittern? 
Söarum  wollet  tj)r  bem2lllerf?öa)fknnia)t  vertrauen  unb  eua)  auf 
(Bänt  ©üte  nia)t  verlaffen?  2Saf>rlia),  il)x  feyb  nia)t  gering  in 
©einen  klugen,  wenn  eua)  aua)  bie  28elt  gering  fa)ä£t,  tpr  fetyb 
©eine  $inber,  fepb  tpeucr  erfauft  unb  bura)  t>cn  peil*  ©eijl  ver* 
flegelt  SBebenfet,  baß  ©eine  ewige  £iebe  eua)  umfaßt,  unb 
baß  (Er  biöjjcr  fo  viel  an  eua)  getrau  f>at*  SBollet  tyv  ©einen 
20 orten  allein  nia)t  glauben,  fo  glaubet  boa)  eurer  eigenen 
Gtrfajjrung*  $at  (Er  eua)  nia)t  bieder  fo  wunberbar  erhalten, 
unb  mej)r  an  eua)  getpan,  aU  ijjr  ijoffen  unb  erwarten  fonn* 
tet?  (Er  iji  noa)  immer  ber  alte,  gütige  unb  barmpeqige  ©Ott; 
bie  3zittn  änbern  fta)  unb  bie  9)?enfa)en  and);  ©Ott  aber  Mäht 
wie  (Er  ifr,  liebreia),  gütig,  gnäbig,  treu  unb  wa£r£aftig*  Spa* 
bet  boa)  wenigjtenä  fo  viel  Vertrauen  $u  ©Ott,  afö  eure  $inber 


492 


3u  cuti).  <5ie  gepen  fo  forgenloä  t.aptn,  fyielcn,  effen,  trinfen, 
fcplafen  unb  ipr  ganzer  Sfteicptpum  befiept  m  ben  Porten: 
SBater  unbüflutter.  grabet  ein  $inb,  woper  wollte)*  bu  $u 
effen  nehmen,  wenn  tpeure  3ett  fcime,  wo  würbe):  bu  pin* 
gepen,  wenn  $rieg  entjftmbe.  Unb  eg  wirb  eua)  antworten: 
SWetn  f&attx  wirb  mir  $u  effen  geben ,  unb  mtä)  Reiben ,  wo  er 
pingept,  gepe  ia)  aua)  ptn.  9flaa)et  eg  aua)  fo,  werfet  alle  eure 
(Borgen  auf  ©Ott,  er  forget  für  eua).  —  2)ie  $inber  palten 
e$  fogar  für  *Pflia)t  unb  ©cpulbigfeit,  baß  bie  Altern  fte  »er* 
forgen*  3«  einer  großen  £unger$notp  »erlangte  einfl  ein  ©opn 
»on  feinem  SSater  33rob;  bieder  aber  antwortete  »oll  traurig* 
hit:  xok  fotl  ia)  bir  etwas  geben,  ba  ia)  felbjt  ntcptä  pabe? 
©er  ©opn,  ein  junger  $nabe,  »erfe^te:  et;,  fo  gebet  mir  boa) 
etm$,  ipr  fepb  ja  33  a  t  e r !  —  9?un  aber  i(i  ber  SSater  im  £tm* 
mel  nia)t  blog  »oll  $kU  unb  ©üte,  fonbern  pat  un$  aua)  fo 
treulidj  »erpeigen,  baß  @r  ung  »erforgen  unb  erpalten  wolle, 
©aper  fönnen  wir  getrojt  fagen:  £ilfmir,  mein  ©Ott!  ©tb 
mir,  fo  »iel  ia)  bebarf,  beim  ©u  biji  SSater ! 

SBetf  ©u  mein  ©ott  unb  SSatet  fctft, 
©ein  $infc>  nutfl  2>u  »erraffen  nia;t  k. 

3)  greut  eua)  befonberS  aua),  ipr  28  i  1 1  w  e  n  u  n  b  203  a  t* 
f  en,  bie  ipr  feinen  SSater  unb  feinen  23efa)ü£er  auf  (Sxbeu  pabt; 
©ott  ift  ein  SBater  ber  SQSaifen,  unb  ein  diitytex  ber  äöittwem 
SSenn  fBater  unb  Butter  unS  »erlaffcn ,  fo  nimmt  unö  ber 
£err  an»  greilia)  iji  ber  91ame  ber  SBittwen  unb  SBaifen  fepr 
traurig;  aber  er  »erliert  ba3  Gittere  burd)  t>cn  SBaternamen 
©ottcS.  —  2Bittwen  unb  2Baifen  gepören  glcia)fam  unter  bie 
bevorzugten  $erfonen  in  bem  9?eia)e  ©otteö,  weif  ipneu  ber 
£err  befonbere  Sßerpeißungen  gegeben  pat  dx  iji  $war  allen 
feinen  ^inbern  mit  »äterfia)er  Siebe  ^ugetpan,  boa)  »or  allen 
anbern  ben  Grienben,  93erlaffenen  unb  £rojtlofen,  $u  wela)en 
namentlich  Sffiittwen  unb  SÖatfen  gepören,  ©ott  iji  unfer  aller 
$ater,  aber  berer,  bie  auf^rben  feinen  SSater,  feinende* 
fa)ü£er  unb  feinen  £roft  paben,  nimmt  (£r  ©td)  mit  größerer 
Zieht  unb  Streue  an,  al$  früper.  3u»or  gepörten  fte  unter  bie 
3apl  berer,  bie  ©ott  aU  ßtnber  $u  »erforgen  pat,  nun  aber  unter 
bie3apl  ber  SBerlaffenen.  ©ie  paben  alfo  ein  größere^  D?ea)tauf 


403 


tue  £tebe  unb  prforge  ©otteä  wegen  ber  Geföntem  f&ttfyfe 
(hing ,  bie  ben  Sßittwen  unb  Söatfen  gegeben  ifh  (Em  ©roß* 
ttatcr  liebt  §war  feine  Gntfel  £erjKd),  wci{>renb  ipre  (Ottern  \t* 
ben,  werben  jene  aber  SOSatfen,  fo  tterboppelt  ftc^>  bte  ^tebe» 
(Benfo  tft  eS  bet  ©Ott,  wenn  biejenigen,  bte  tljrer  |!erblia)en 
Altern  beraubt  jtnb,  31t  3N/  bem  Unjterblia)en,  tfjre  3uftuc^t 
nehmen.  —  2)aö'  ©ebet  ber  Verlaffenen  ftnbet  mtyx  Eingang. 
©leia)wie  aua)  auf  (Erben  ber  Plante  Söaife  me^r  TOtletben 
erregt,  fo  eignen  fta;  fola)e  Unglücflia)e  am  metßen  bap,  baß 
fta)©otte3  Vatergüte  an  t^nen  erwetfe*  Wlan  wunbert  fta;  m'a)t 
feljr  barüber,  wenn  ein  SCtfenfa),  beffen  Gütern  lebten  unb  x>tete 
f3D?tttel  jjatten,  emporfommt,  weil  babei  ©otteö  prforge  nta)t 
fo  (tastbar  t|t,  wenn  aber  ber  £err  betrübten  S&ittwen  ober 
tterlaffenen  SBatfen  aufhilft  unb  ben  Firmen  au3  bem  <&tauU 
ergebt,  fo  petgt  e$:  fepet,  tok  ©Ott  fta;  ber  (Elenben  annimmt; 
bieg  J?at  ber  2l(lmäa;tige  getpan!  —  $Jlan  ftnbet  tn  ber  ©ct>rtft 
mehrere,  33etfytele,  baß  ©Ott  Sünglinge,  bie  GFr^u  (Ef?ren  unb 
©ittern  bringen  wollte,  früf^eitig  »on  tfftett  (Ottern  entfernt 
l?at.  ©0  ging  e$  bem  3afob,  ber  um  ber  Verfolgung  feinet 
33ruber$  Witten  fliegen  mußte.  3u  ber  grembe  aber  gab  ifmi 
ber  Spcxx  fo  stel,  baß  er  boll  Verwunberung  aufrief:  ,,3a) 
bin  $u  gering  aller  SSarmjjer^igfett  unb  breite, 
bie£)u  an  2)etnem  $nea)t  getj?an  frdjt;  benn  ta) 
fjatte  nia)t$  meljr  als  biefen  ©tab,  ba  tä)überben 
3orban  ging  unb  nun  bin  ia)  $u  $wet  beeren  gewor* 
ben/'  2lua)  Sofepp  warb  son  feinen  trübem  ausgeflogen, 
fam  tn  bte  ©toerei  unb  inö  ©efängniß,  ti$  e$  ©ott  geftel, 
tfw  $u  (Efjren  $u  bringen,  ©ein  Vater  tljat  mfe  t>abet,  fon* 
bem  beweinte  tpu  aU  einen  Verdorbenen,  unb  baa)te  enblia) 
ma)t  meljr  an  tyn*  £>a3  ^emlia)e  ftnben  wir  an  2)a*>tb,  £o* 
Btaö  unb  5lnbern,  unb  fo  maa)t  eS  ber  liebe  Vater  im  Fimmel 
noa;  fegt,  bamit  feine  gnäbtge  gürforge  bejto  fta)tbarer  werben 
unb  alle  2ßett  fepen  möge,  baß  ber  £err  regiere,  £)arum  fe^b 
getroft,  ü)r  armen  SSaifen  unb  ü)r.  betrübten  Stttwen,  il)r 
fe^b  nia)t  arm,  wenn  tyx  ©ott  fürdjtet  unb  bie  ©ünbe  meibet. 
&er  i(l  reia)  genug ,  welcher  ©Ott  jum  Vater  pat,  wenn  er 
auä)  fonfi  nia;t$  beftfct.    2)er  i\i  ma)t  »erlaffen,  für  welchen 


494 


ber  £err.  forgt.  3$  w*ß  ^^er  ®otte^  ßtictbtge  prforge  allein 
unb  fonj*  nicptS,  als  aller  Söelt  ©ut  opne  ©Ott*  Söenn  t$  bie 
Duette  J>abeA  fo  »erben  fta)  aua)  bte  ©tröme  fmbem  Darum, 
wag  betrübfl:  bu  bia),  meine  ©eele,  unbbiftfoun* 
rupiginmir?  £arre  auf  ©Ott;  benn  ta)  werbe  ipm 
noa)  banfen,  baß  (£r  meinet  2lngefia)t$  £ülfe  unfc 
mein©ott  ijH  — 

IL  Sie SSaterKeBe  ©otteS  ermuntert  uns  aber  aua)  3  um 
^ergUd)en©ebet  Söir  paben  oben  bereit  ang£füprt,  baß 
ber  SSatername  im  ©ebet  beS  £errn  beßwegen soranftepe,  ba- 
mit  wir  unfern  ©Ott  mit  befto  größerer  Butterjtcpt  anrufen  mö~ 
gern  Unfer  £eilanb  »erwetfet  uns  niept  an  jenen  garten  Sftann, 
ber  bie  9fotpteibenbett  ^urüefwieS,  nia)t  an  jenen  reia)en©a)lem* 
mer,  ber  bem  ^a^aruö  niept  einmal  bie  ^Brofamen  gab,  t>k  son 
feinem  £ifcpe  fielen,  ntept  an  jenen  ungerechten  Szepter,  welker 
ba3  Stromern  ber  armen  SQSittwe  lange  anhören  fonnte,  fon* 
bern  an  unfern  lieben  SSater*  —  ©Ott  pat  ben  Altern  $khz  In 
tpren  o^inbern  in$  £er£  gepflanzt,  t>k  fte  niept  unterbrücfen  fön* 
neu,  wenn  fte  eS  aua)  mit  ungeratenen  ©öpnen  $u  tpun  pa< 
ben,  unb  wenn  gleta)  ber  9ttuub  parte  Söorte  rebet,  fo  blutet 
ipnen  t>a$  $txfc  Damit  pat  ber  £err  fein  eigenes  5Baterper$ 
abgebilbet,  unb  @r  felbß  fann  ©ia)  niept  »erläugnen,  (£r  fann 
nia)t  aufhören  SSater  ^u  fep,  ober  G£v  müßte  aufhören  ©ott 
gu  fepiu  —  Daper  wollen  wir  gerne  unb  mit  greubigfett  ^u 
3pm  beten,  (£r  pat  ^war  ©eine  ©rünbe,  wenn  dx  fta)  ^uwei* 
len  fremb  fteitt,  wir  panbeln  niept  immer  fo,  baß  (ürr  freunblia) 
fe^n  fann;  boa),  (Ex  mag  [trafen  ober  belohnen,  —  ©ein^erj 
bleibt  utweränbert,  wenn  wir  ^uSprn  rufen:  2la)  SBater  neige 
beine  £>pren  $u  mir,  ia)  will  Dir  baS  anliegen  meinet  £eqen3 
entbeefen,  2)u  bift  mein  SSater  unb  ia)  barf  Dia)  mit  allem 
dltfyt  fo  nennen ;  benn  Du  paß  mid)  erfcpajfen !  2Ber  pat  mir 
biefen  Sflunb  gegeben,  ber  ^u  Dir  ruft,  biefe  klugen,  bie  31t 
Dir  weinen,  bie  £cinbe,  bie  ia)  ^u  Dir  aufgebe,  bt'efeä  #ers, 
ba$  au  Dir  feuftt?  3ubem  pa(i  Du  mia)  in  dpriflo  3efu  $u 
Deinem  $inbe  angenommen  unb  mir  in  ber  peiligen  £aufe  Zieht 
unb  £reue  serfproepen ;  —  Dein  peiliger  ©etß  gibt  mir  3eug^ 
niß  tton  meiner  iftnbfcpaft  unb  Du  paß  bteper  fo  große  23arm* 


495 


pergigfeit  an  mir  erliefen,  taß  ia)  wol;l  wct'0,  waö  ia)  von 
©ir  gu  hoffen  jjabe.  ©o  l;ilf  mir  nun,  mein  Satcr,  unt  ver* 
(aß  rata)  ma)t;  benn  woljin  foll  ta)  mia)  fonfl  Renten,  als  gu 
®t^©ttfprta)jh  „3ft  aua)  ein  ©Ott  außer  $Mr?  (ES 
tj*  f onft  nirgentS  eint©ott,  ta)  weiß  feinend  3« 
wopl,  mein  ©ott,  ia)  weiß  aua)  feinen,  ia)  Witt  aua)  von  fei* 
nem  wijfen*  ©u  mußt  mir  Reifen,  mein  Sater,  ta)  laffe  ©ta) 
nia)t,  ©u  fcöneft  mia)  tenn*  Beige  ©ia),  wie  ©u  willft;  ta) 
weiß  wo£l,  baß  aua)  unter  einem  ftnßern  33lid  ©ein  gärtlia)eS 
Sater^erg  verborgen  t|t*  —  3a)  bin  ©ein  ßtnb  unt  trage  baS 
3eia)en  beS  $reugeS  von  ter  £aufe  an  meiner  ©tirne  unt  in 
meinem  £er$en  i&  Sßenn  wir  auf  fola)e  SSeife  ju  ©Ott  beten, 
fo  Wirt  ©ein  £erg  gerührt,  taß  (Er  fpria)t:  <£$  i\t  tennoa) 
(Ephraim,  $?ein  teurer  ©o|m,  $?ein  £erg  bria)t  Wliv  gegen 
tl)n,  taß  3a)  Sofia)  fein  erbarmen  muß*  —  ©oa)  eS  betarf  nid)t 
immer  fo  vieler  Sorte,  wir  ^aben  einen  allwiffenben  Sater, 
ter  aua)  baS  Serlangen  unfereS  £ergenS  verfielt  unt  unfere 
©eufger  fennt*  ©er  verlorne  ©oljn  fjatte  vorder  reiffta)  über* 
legt,  was  er  gu  feinem  Satcr  fagen  wolle;  altein  ef?e  er  noa) 
gu  reten  anfing,  fajj  ijm  fein  Sater  unt  ging  if)m  freuntlia)  ent* 
gegen*  Söenn  unfere  üftotfj  fo  groß  iji,  taß  wir  nur  noa)  feuf* 
gen  fönnen,  fo  iß  eS  fa)on  genug*  Unt  wenn  gleia)  feaä  ©e* 
wiffen  wegen  ter  $?enge  unferer  ©unten  unS  fa)recfen  will,  fo 
wollen  wir  to$  nia)t  naa)lajfen*  3e  mel)r  man  unS  wiber* 
fpria)t,  teßo  meljr  wollen  wir  aufrufen:  aa)  Sater!  erbarme 
©ia)  mein*  —  £ajfet  uns  tt>k  hinter  gu  ©Ott  beten,  fo  wirb 
(Er  un$  als  Sater  erkoren*  £ajfet  uns  3fm  mit  ter  (£l)rfura)t 
anrufen,  wela)e  3|m  als  £erw  unt  mit  ter  greubtgfeit,  wela)e 
3£m  als  Sater  gebührt,  fo  werten  wir  am  (£nte  alle  Urfaa)c 
fyäbtn,  3^m  für  ©eine  £ülfe  f>erglia)  gu  taufen* 

in.  (£nblia)  lajfet  unS  unfern  lieben  Sater  fintlta) 
eljren  unb  füra)ten*  ©iejenigen  9ttenfa)en,  wela)e  von  ter 
Saterliebe  ©otteS  nia)tS  wijfen,  ftut  unglüdlia),  noa)  unglüc^ 
l"ia)er  aber  tie,  wela)e  ©Ott  fennen  unt  3{m  toa)  mutwillig 
beleitigen*  ©tc  ftnt  nia)t  wertfj,  taß  fte  hinter  Reißen,  wela)e 
tjjren  Sater  turd)  tpven  Ungefjorfam  betrüben*  —  (Ein  unge* 
rau)enes  $inb  tfi  ter  gangen  Sßelt  ein  ©mtel.  Slbfalon  wurtc 


- 
498 

naa)  feinem  unglüdttrfjen  Gfec  in  einem  SSalbe  begraben,  nnD 
btö  auf  ben  heutigen  £ag  fotlen  bie  Araber,  wenn  )Te  an  biefem 
©rab  »orüber  fommen,  einen  ©teüt  bavauf  werfen  nnb  fagen : 
„23erflua)t  fc$  ber  23atermörbcr  Abfalon  unb  »er* 
flucht  fe^cn  alle  tinber,  bie  tpre  (Eltern  »erfolgen 
unbbetrübenl"  28a3  fett  man  aber  »on  benen  fagen,  wela)e 
ben  lieben  ©Ott  täglia)  mit  mutwilligen  (Sünben  beleibigen  ? 
—  ©ewi^  bie  meiften  2!ttenfa)en  unferer  £age  jtnb  nia)t  wern), 
baf  fte  einen  fold)en  barml)  ewigen,  liebreid;en  nnb  langmütln* 
gen  SSater  im  Fimmel  £abem  —  3j?r  aber,  ü)r  ©laubigen, 
benfet  baran,  fo  oft  if?r  im  ^Ut  beg  £errn  ©ott  aU  25a t er 
anrufet,  baß  i£r  beut  $um  fmblia)en  ©eljorfam  »erpflia)tet 
fe^b,  ber  einfl  oljne  Slnfe^en  ber  Werfen  richten  wirb.  —  ßrin 
tönig  »on  $olen  trug  ba£  23ilb  feinet  $ater3  ftet£  am  £alfe, 
unb  wenn  er  mit  wichtigen  Angelegenheiten  befa)dfttgt  war, 
pflegte  er  baffelbe  mit  ben  Porten  $u  füffen:  ber  gute  ©ott 
bewahre  mta),  baß  ia)  nia)t£  befa)lteße  ober  »ornepme,  m$ 
beinen  berühmten  tarnen,  o  23ater,  befa)impfen  fonnte*  — 
&)  i£r  tinber  ©otte£,  lernet  »on  biefem  Könige,  xok  ipv  euren 
SBater  im  £immel  allezeit  lüibliä)  lieben,  fürchten  unb  efjren 
follt  33ej?altet  6ein  ©ebäa)tni$  immer  in  eurem  ^eqen  unb 
fo  oft  if?r  3u  3W  betet  ober  an  3{m  benfet,  fo  feuf^et :  beljüte 
mia),  mein  ©ott,  ba£  ia)  nia)t$  tj?ue,  was  Dir  juwiber  tfh 
Celjremia)  tpun  na a)  Deinem  Wohlgefallen,  Dein 
guter  ©eififüpremia)  auf  ebener  33a £n! 

©näbiger,  gütiger  ©ott  unb  Söater !  2Bie  follen  wir  Dir 
banfen  für  bie  groge  %kUf  bie  Du  311  un£  trägjt  unb  für  bie 
(£fjre,  bie  Du  unä  antfmjt,  baß  wir  Dia)  unfern  $ater  unb 
un$  Deine  tinber  nennen  bürfen  ?  2la)  SSater !  tpue  $u  Deiner 
%kbt  unb  breite,  bie  X)u  bifytx  in  fo  reia)em  9ttaage  an  unö 
erwiefen  paß,  noa)  biefe  jrinju,  ba§  wir  Dia)  »on  ^eqen  un* 
fern  SBater  nennen,  Dia)  lieben,  füra)ten  unb  e£ren,  Dia)  pret* 
fen  unb  anbtttn  unb  Dir  »ertrauen  mögen.  Vergib  au$  ©na* 
ben  unfere  @a)waa)j>eiten,  unfere  geiler  unb  6ünbcn.  $tibc 
©ebulb  mit  unä,  wir  wollen  unö  bura)  Detneö  ©eißeö  traft 


497 


gerne  bcffer  unb  frömmer  werben,  —  Sittft  ©u  un$  aüdjttgen; 
wohlan,  wir  baben  eö  verbient  9cur  wenbe  25em  väterliches 
£er£  nia)t  von  uns,  unb  gib  un$  aUe^ett  ^u  erfennen,  baß  Du 
eö  ntrf>t  bofe  meinen  rannjt  unb  baß  bencn,  bie  Dia)  lieben, 
alle  Dinge  ^um  heften  bienen  muffen,  Unb  wenn  wir  Deinen 
Sitten  tn  ber  Seit  erfüllt  Ijaben  unb  bie  &it  fommt,  bie  Du 
beftimmt  Jjafl,  fo  nimm  ung  gu  Dir  in  ben  JMmmel,  unb  laß 
un$  Deiner  väterlichen  ?iebe  ewig  genießen.  Dann  wetten  wir 
Dicf;  preifen  immerbar,  @ott,  unfer  $ater !  Sie  perrlia),  wie 
tröftlia)  ift  Dein  9came  in  atten  Rauben !  Sir  loben  Dia)  fegt 
unb  in  Grwigfeit!  2lmen. 


S^^ttte  SP  r  e  fc  i  8 1« 

«Bon  ber  £err(tä)feit  ber  ®tnbfa)afi  ©otte*. 

i,  1.  3o^.  3,  1.  2.  3.  ©e$et,  Welcp  eine  Siebe  $at  unä  ber 
2$ater  eqetgt,  baf  wir  ©otteöÄinber  Reifen!  je.  Steine  Sieben,  wir 
ftnb  mm  ©otteö  Äinber,  unb  e$  ift  no#  nid;t  erfäienen,  was  Wir 
feyn  werben  2C. 


S  i  n  g  a  n  g, 
Sm  Planten  Sefa!   3Hmen. 

3n  einer  frommen  ©efettfa)aft  würbe  etnfi  befa)lof[en,  baß 
bie  2lnwefenben,  anftatt  ber  9tätpfel  unb  anberer  (£r$äj)lungen, 
bie  oft  viel  £Jjöria)te3  enthalten,  fia)  unter  einanber  gragen 
aufgeben,  welche  jur  Hebung  in  ber  ©ottfeligfeit  bienliä) 
fepen*  Demnaa)  fragte  dinex:  wie  man  ben  großen  ©ott  am 
fürten  unb  beften  betreiben  fönne?  Wtan  antwortete:  man 
fenne  fia)  babei  entweber  ber  Sorte  @irad)S  bebienen:  „©Ott 
ift  StUeä"  —  ober  ben  SluSfyrua)  3of>anniS  gebrauten: 
„®ott  ift  hie  Ziehel"  —  C3»  3£m  unb  bura)  3£n  ftnb  alle 
Dinge;  baper  fagt  Sljfapp  :  „£err,  wenn  ta)  nur  ®id) 
l;abe,  fo  frage  ta)  niä)t£  nacl;£>immel  unb(£rbe-n! 

6cvt»ev'ö  6eeknfd)a£.  32 


498 


—  gerner  pat  bie  £iebe  eine  große  ®raft  un$  in  ber  2)anf* 
barfeit  au  erhalten,  wenn  e3  un$  wo£l  gel)t,  unb  in  ber  ©e* 
bulb  guü&en,  wenn  e$  un$  übel  gejjt)  —  @in  Ruberer  fragte: 
wann  3efu3  in  ben  Sagen  ©eines?  gleifdje^  am 
fa)onften  gewefen  fe#?  .Einige  antworteten:  in  ©einer 
ßinbjjeit,  weil  er  auf  ber  gtua)t  nad)  Gopten  fclbffc  9?äu* 
Ber,  bte  feine  Altern  angriffen,  bura;  fein  jjolbes  2Intli£  abge- 
halten j)aben  fotf*  Rubere  bemerften :  b  e  i  ©  e  i  n  e  r  23  e  r  f  l  ä* 
rungaufbem^erge*  derjenige  aber,  wela)er  bit  grage 
aufgegeben  Ijatte,  fagte:  er  l?alte  bafür,  baß3efu3  in  ©einem 
Seiben  am  fünften  gewefen  fei?;  benn  bamalä  fydbe  ber  23a* 
ier  im  dünntet  ein  fola)eS  2So!?lgefatfen  an  3{?m  gefunben,  baß 
(£r  Ut  ©ünben  ber  333  eft  bar  üb  er  vergaß*  £)amal6  war  dx 
jwar  ein  ©pott  ber  SGBeft,  aber  bie  greube  ber  (£ngel;  be3 
©atanS  ©äjrecfen,  aber  ber  9ftenf<$en  £rofi  2Benn  dx  aua; 
ba£  f  oftbar  jk  Äleib  angehabt  $äüc,  fo  würbe  ber  £tmmel  nia)t 
barauf  geachtet  l)aben,  unb  ein  betrübtet  ©ewiffen  fonnte  hU 
nen  £roft  an  3|»m  finben;  nur  wer  ben  ©efreu^igten  im  ©lau* 
ben  anfielt,  finbet  £eil  unb  ©egen*  —  £)ie  brüte  grage  war: 
weldje3  bie  größte  $unjt  fei;?  SWan  antwortete:  ent* 
Weber  ji$  felbft  bel)errfa;en,  was  oft  bie  gefä)tcftejten 
9)?enfd;en  nia)t  Tonnen,  ober  feligßerben,—  Cweil  man, 
\vk  jener  weife  $äbz  fagt,  zeitlebens  baran  $u  lernen  ^abe^, 
ober  enblia),  in  greub  unb  ^? ett>  bem  Heben  ©ott  fia) 
willig  überlaffeiu  —  £)ie  vierte  grage  war:  )x>it  man 
ba^menfa)lia)e^ebenambeftenbefa;reibenfönne? 
Einige  fagten:  bie  ©ä)rift  felbft  vergleia)t  eS  mit  einem  <&§<\U 
ten,  mit  einem  ©trom,  mit  einer  23fume  :c,  Man  vereinigte 
jta;  aber  ba^in,  baß  9)?ofeS  rea)t  jjabe,  welker  baS  &htn  in 
feiner  größten  £errlitt)tat  nic^tö  anberS  als  Wliipe  unb  51  r* 
^  e 1 1  nenne : 

(So  tfi  alliier  ein  Sammertfjal,  2Ingft,  9?off>  unb  £rübfal  über* 
aU,  £>e$  55Ietbenö  if*  eine  Iteine  Seit,  Voller  $lfy\diQteit,  Uni? 
ttet'ö  bebenft,  tft  immer  im  ©tteit. 

gerner  würbe  gefragt:  welä)eS  bie  vomefimfte 
©orge  fe^?  £)ie  Antwort  war:  biejem'ge,  von  wela)er 
Savib  fpria)t:  /,3a)  forge  für  meine  ©ünbe*"  —  2)ie 


499 


$?enfa)en  matten  fta)  viel  vergebliche  Unrupe,  ©orge  unb 
OTlje,  unb  paben  gewöl?nlta)  nia)t3  bavon*  9)?ana)er  forgt 
unb  t>cr^tnbert  babura),  bag  er  ntc^t  von  ©ott  verforgt  wirb, 
ber  befohlen  I)at,  wir  follen  unfere  ©orgen  auf  3j?n  werfen» 
9)cana)er  forgt  nur  für  ba3  3eitlia)e,  ba3  (£wige  aber  befüm* 
mert  i£n  nia)t*  $?ana)e  Ijaben  viele  ©orgen,  aber  feine  für  ifjre 
©ünben,  wdprenb  jte  boa)  |muptfdtt)lia)  barum  befümmert 
fet;n  follten,  wie  fte  t'jpre  geiler  f>er$lia)  bereuen,  Vergebung 
hei  ©ott  bura)  (£jmftum  erlangen  unb  fta)  in  3nfunft  mit  allem 
(£tfer  vor  bem  23ofen  jjüten  mögen*  Wk  anbere  Sorgen  wol* 
fen  wir  fahren  laffen  unb  nur  biefe  allein  beibehalten*  —  Gi:nb* 
Ita)  würbe  gefragt:  wela)e$  t>ic  J)öa)jte  Stürbe  fep,  $u 
welcher  ber  Pehf#  gelangen  fönne?  £)ie  Antwort 
war;  bie  größte  £errlta)feit  be£  SD?enfa)en  befiele  in  ber 
Hinbfa)aft  ©otte£,  wela)e  ber  peil*  ©etft  felbft  ein  £or* 
rea)t  nenne*  3e  nd^er  ber  Sttenfa)  feinem  ©ott,  bem  ©a)öpfer 
unb  (£rl?alter  aller  £)tnge,  jlepi,  um  fo  j?öl?er  ijt  er  $u  aa)ten* 
25er  ift  aber  einem  Könige  nd^er  al3  fein  ©ofm,  unb  wer 
ftejjt  ©ott  nd^er  aU  ©eine  Hinber?  —  SßkU  angefeuerte  $erfo* 
nen  in  ber  Seit  t)aben  e3  aua)  Wirfita)  anerfannt,  bag  i£re|)err* 
lta)feit  gegen  bie  Hütbfa)aft  ©otte£  für  nia)t$  ^u  ad)ten  fep, 
£)errömifa)e  Haifer  ££ecbofüt£,  ber  3üngere,  pflegte  $u  fagen: 
@r  fa)d£e  fein  Gtjmfientfmm  pofjer  at$  fein  Hatfertlmm,  unb 
ber  Honig  Harl  von  (ürnglanb  bezeugte :  dx  erinnere  fta)  öfter 
baran,  baf?  er  ein  ££rift,  aU  baf?  er  ein  Honig  fep*  £)enn  3e* 
ne6,  fe£te  er  ^in^u,  fann  mt'a)  tröften  in  £obe6notl),  biefe£  aber 
nia)t*  Unb  bie  unglüdlia)e  ^rm^efftn  Sttarie  von  <&tuaxt,  bk 
3um  £obe  verurteilt  würbe,  fagtep  benen,  wela)e  fie  noa) 
mit  ber  Hoffnung  be3  £eben3  tröften  wollten :  3a)  mi$  nia)t3, 
wa3  mia)  erfreuen  fönnte,  aU  btefe3,  baj?  ia)  in  meinem  Snnern 
lebhaft  überzeugt  hin,  bap  ber  barmherzige  ©Ott  mir  alle  meine 
©ünben  in  (£t)rifto  vergeben,  mid)  opne  mein  äkrbienft  ^u 
©einem  Hinbe  angenommen  pat,  unb  in  ©einem  diäfye  gu 
einer  5Dctterbtn  3efu  Gtjjrtjii  mad)en  will*  —  2Baj)rlta)  bie  Hinb* 
fa)aft  @otte3  begreift  meljr  in  fta),  al£  ber  menfa)lia)e  ^erftanb 
faffen  fann,  unb  wer  alle  £errlic)feit  unb  ©eltgleit  auf  einmal 
nennen  will,  ber  nenne  biefelbe*  Sir  wollen  barüber  naa)  ber 

32^ 


500 

$raft,  tue  ©Ott  barrcidjt,  nod)  weiter  reben*.   2)er  53arm^ev- 
5tge  fegne  tiefe  Betrachtung  um  (grifft  Witten*   intern 

2l6f>anbtung* 

Sßir  ^enttt  ber  legten  ?3rebigt  bie  $aterliebe  ©ot* 
te$  betrachtet,  unb  motten  nun  unferem  $erfpred;en  gemäß 
t)on  ber  £errftä)feit  ber  tinbf  d)  af t  reben*  Sir  folgen  babet 
bem  Sfyoftel,  unb  betrachten  ^uerft  bie  SBürbe  ber  $inbfa)aft 
anfta;,  bann,  wie  f t e  in  biefem  £efcen  verborgen  tft, 
unb  enblic^,  wie  fte  erfannt  unb  offenbar  wirb*  — 

I.  SBor  atten  fingen  ift  nun  31t  erinnern,  Cwa$  wir  fd;on 
früher  fagten,)  baß  wir  x>on  ganzem  £er^en  glauben  muffen, 
wir  fe^en  nid;t  Mos  bem  tarnen  nad),  fonbern  in  ber  X$at 
©Otte^inber*  Senn  gteidj  3o  J>  anne£  in  unferem  £erte 
fagt,  Wir  foUen  ©otte£  $inber  feigen,  fo  ift  t>k$  blotf  eine 
9?eben3art,  bie  er  an  einer  anbern  @tette  felbft  mit  ben  Sor* 
ten  erflart:  „Steine  hieben,  wir  finb  nun  ©otteS 
^inber/'  —  gerner  befielt  t>k  £errlid)feit  ber  ®tnbfa)aft 
nid)t  bloS  in  ber  Hnnajwe  berfefben,  fonbern  in  ber  etgentli* 
c^en,  wirflidjen  ©emeinfdjaft  mit  ©Ott.  din  reia)er  50cann, 
ber  feine  $inber  |>at,(  fanri  $war  anbere  an  $.inbe£ftatt  annef^ 
men  unb  fte  gu  ßrrben  atter  feiner  ©üter  einfe^en;  attem  ba= 
burd;  werben  fte  nod;  nia)t  feine  $inber  im  eigentlichen  ©inne 
beS  Sort3,  unb  bie  natürliche  SBerbinbung,  bie  ^wifa)en  rea)= 
ten  Altern  unb  ^inbern  heftest,  fann  t>at>uxd)  nia)t  geftiftet 
werben*  5lber  ^wifdjen  ©Ott  unb  un3,  bie  wir  in  ££rifto  3efu 
finb,  ift  eine  waj?r£afte,  Mterliaje  unb  finblia)e  ©emeinfa)aft 
burä)  Gtyriftum*  ©Ieia)wie  (£f>rijfrt£  ber  einige  <Sofm  ©otteö 
genannt  wirb,  au$  bcm  Sefen  ©eine3  23ater3  $on  (£wigfeit 
geboren,  fo  ftnb  wir  au£  bem  ©eijt,  auö  ber  ©nabe  unb  au$ 
bem  Sorte  ©otte£  geboren*  Unfer  Urfprung  nad)  bem  neuen 
5D?enfd)en  ifl  nia)t  irbifa),  fonbern  an$  ©Ott*  £)aj?er  fagt  hie 
<5a)rift:  diejenigen,  welche  an  @l)riftum  glauben,  ftnb  nid;t 
von  bem  ©eblut,  nod;  son  bem  Sitten  be$  gteifd;e3,  fonbern 
tton  ©Ott  geboren*  Sir  ftnb  alfo  tf)eil£aftig  worben  ber  gött* 
liefen  9Jatur,  unb  paben  in  gewijfem  Sttaaß  *>on  (Sjmfto  em* 
^fangen  bie  £errlia)f ett,  bie  3{jm  ber  Söater  gegeben  fyat;  — 


501 


wir  ftnb  gleicpfam  (£tn  ©eift  mit  3pw  unb  jjaben  Grinen  ©intn 
Degjjalb  werben  aud)  in  ber  ©dm'ft  ben  ©laubigen  fo  perrlidje 
tarnen  beigelegt»  ©ie  peißen  bie  auSerwafjlten  Zeitigen  unb 
©clicbten  ©otteS,  ^tnber  bc3  $id)t$,  an  benen  dx  eine  fola)e 
greube  fmbet,  bag  (£r  fte  mit  ben  2lugen  tätet  unb  ©einen 
(Engeln  befiehlt,  bag  fte  biefelben  auf  ben  £änben  tragen,  ba* 
mit  fte  ipren  gug  nid;t  an  einen  ©tein  flogen*  —  yiia)t$  in 
ber  2Mt  ift  unferem  ©Ott  fo  lieb  unb  wertp,  <xU  bie  ©laubi^ 
gen*  Die  Altern  lieben  $war  tpre  ©d)ä£e  unb  ©üter;  allein 
mef>r  aU  Sltteö  bieg  lieben  fte  bod;  ipr  $inb,  unb  würben  fein 
Siebenten  tragen,  im  ^cotpfall  2llle3  für  baffelbe  lnn$ugebeiu 
(Ebeufo  liebt  ©ott  2Hfe$  unb  Raffet  md;t£ ,  m$  (£r  gemalt 
jjat;  bod)  gepenSjnn  ©eine  ^tnber  über  2llle&  —  9^a$  bem 
23t3fj>erigcn  beftept  alfo  bte£errlidjfett  ber  ttnber  ©otteg  barin, 
bag  fte  au£  ©ott  geboren  ftnb,  ©emeinfepaft  mit  3f)m  jmben, 
unb  $on  3j?m  über  2ltfeS  lieb  unb  wert!?  gepalten  werben*  Da* 
gu  fommt  aber  noa;  ba£  föniglidje  53rteftertl)um,  wie 
§5etru^fagt:  „Spvfe^bbaö  auSerwäplte  ©efdjledjt, 
ba$  föniglidje  ^rieftertpum,  ba$  peilige  Solf, 
bag  S5olf  beg  (Hgentpumg/'  —  Die  ©laubigen  befd;äf* 
tigen  fta)  tdglia)  mit  ©Ott,  gepen  ein  in  bag  £eiligtpum,  niept 
blog  einmal  im  3afjre,  fonbern  alle  £age,  fa  alle  ©tunben,  fte 
fommen  nid;t  mit  bem  23lut  tfon  gieren,  fonbern  mit  bem  23lut 
3efu,  wd;t  mit  gewöhnlichem  9?aucpwerf ,  fonbern  mit  ipren 
©euftern  unb  mit  anbäcptigem  ©ebet  ©ie  ftnb  gefalbt  mit 
bem  peil*  ©eift,  gefrönt  mit  35armper$igf  eit,  befeligt  mit  aller* 
lei  getfiigem  unb  leiblichem  ©egen*  ©ie  fiepen  opne  Unterlag 
ttor  ©ott  unb  erpalten  eine  ©nabe,  einen  ©egen,  eine  2öopl* 
tpat  um  bie  anbere  für  bk  2Belt*  ©ie  wenben  burcp  ipr  ftäp 
tigeg  (Behct  manepeg  ttnglücf  ab,  ftnb  bie  ©efegneten  beg  £errn, 
t>k  siel  ©uteg  mitbringen,  wo  fte  pinfommen,  weil  ipnen  bie 
©nabe  unb  ber  ©egen  ©otteä  überall  nachfolgt  2Öa£  %ahh 
in  Mang  unb  S^fepp  in  $otippav£  £aufe  war,  bag  ftnb  bie 
^inber  ©otteg  in  ber  2Öelt  ©ie  lepren,  tröften,  warnen,  ra* 
tpen,  pelfcn  allenthalben  unb  ftnb  lebcnbtge  Silber  3efn  @priftu 
—  gerncr  gepört  ba^u  bie  föniglicpe  £op tit  über  %U 
leg,   ©ie  ftnb  nid; t  blog  ^rtefter,  fonbern  aud;  Könige  vor 


502 


©Ott,  unb  perrfd&en  nid;t  allein  über  fta)  fe!6fl unb  tpr  fünbltc^c^ 

gleifa)  unb  35lut,  fonbern  aua)  über  bie  Seit,  über  ©ünbe  unb 
£ob*  £)ie  £ölle  erbittert  vor  ijnten,  wenn  fte  gu  beten  anfan* 
gen,  bte  jjeiltgen  (üntgel  bienen  ifjnen  unb  nmnbem  fta)  über 
ifjre  $mliä)Uitf  bte  fte  in  ber  ©nabe  ©otte£  unb  tu  ber  ©e* 
rea)ttgfett  3efu  djmjti  burä)  ben  ©lauben  erlangt  Ijaben*  Wz 
Kreaturen  btenen  ilmen  mit  Cup,  unb  ejjren  in  ilmen  t>a$  ttue* 
berljergeßelite  (ürbenbilb  ©otte&  —  3n  ber  $ird)engefa)ia)te 
ftnben  fta)  mehrere  23eifpiele,  bag  felbft  bte  wtlben  Spiere  bte 
Märtyrer  verfa)onten,  wela)e  t^nen  vorgeworfen  mürbem  £)a* 
jjer  fagte  ber  ^eilige  Sgna^,  aU  er  nad)  3?om  gefa)leppt  würbe, 
wo  etn  gleia)e3  ©a)icffal  auf  tl?n  wartete,  wenn  bte  £f)tere 
miä)  nia)t  angreifen,  fo  will  ia)  fte  angreifen,  baf  fte  nttd;  auf* 
ae^ren;  benn  ia)  weig,  wa3  mir  gut  iji  ©o  feljr  feinte  er  fta) 
frei  (£l?rtjto  au  fepn*  —  9laa)  beut  £obe  be3  ^aifer^  Julian,  be£ 
abtrünnigen,  entjlanb  an  groj?e3  (ün-bbeben,  fo  ba£  aua)  ba$ 
Wim  Die  unb  ba  au£  feinen  Ufern  trat,  xok  wenn  ©Ott  t>k 
Sßelt  mit  einer  neuen  ©ünbflutp  I?eimfua)en  wollte*  %U  btej? 
bte  (£inwoJmer  von  (£ptbauru$  fa^en  unb  befürchteten,  tprc 
©tabt  möchte  überfa)wemmt  werben,  polten  fte  einen  alten, 
frommen  (ürmftebler  Ijerbei  unb  braa)ten  tfm  an13  Ufer*  £)er* 
felbe  rief  nun,©ott  petita)  um  £>ülfe  unb  Rettung  an  unb  auf 
fein  (3cM  fyin  fotlen  fta)  bteSMen  allmä^lig  gelegt  Ijabeiu  — 
@o  pört  ©Ott  ba$  gießen  ©einer  tmber  ojme  Slnfepen  ber 
^erfon  unb  lägt  bk&äfym  unb  9Md)tigen,  t>k  auf  i£re  ©e* 
walt  trogen,  ©einen  5lrm  füllen.  £)oa)  biefe  ernennen  ^uwei* 
len  aua)  ifjre  Unmaa)t,  unb  geben  bem  Silier^ ödjßen  hk  dfyxe. 
üftamentliä)  wirb  von  einem  mächtigen  tönig  er^äplt,  ba$  er, 
ber  ©a)meta)elei  fetner  #ofleute  mübe,  feinen  Xfyxcn  an  ba£ 
Ufer  be$  5D?eere^  tu  ber  &it  £abe  bringen  laffen,  al3  bte  gTutlj 
anfing*  dt  fegte  fia)  barauf  unb  fagte :  ,/£)u  wetgt,  Wim,  bag 
ia)  bein  £err  bin,  ba$  ba$  2anb,  worauf  ia;  ftge,  mir  untere 
worfen  ifl,  unb  bag  Sftiemanb  meiner  9#aa)t  wiberftejjenfann; 
baljer  gebiete  ia)  bir,  ba$  btt  btefeö  £anb  nid)t  überfa)wemmefi> 
aua)  meine  Kleiber  nia)t  benegejH"  $l£  aber  ba£  SOfeer,  wk  ge* 
wöfmlia),  aunapm,  fo  jfonb  ber  tönig  auf  unb  rief;  „£>a  fe5>t 
fyx,  baj?  bte  Wlafyt  eineö  irbtfa)en  ttfmgö  nia)tö  ijl,  unb  bag 


503 


9h'emanb  ben  Flamen  eineö  £errn  mit  Slefyt  füprt,  aU  Stetje* 
nige,  bem  Fimmel  unb  (£rbe  fkts  unterworfen  ftnb*"  SSon  bte* 
fer  3zü  an  trug  (euer  Regent  feine  $rone  mefjr,  fonbern  fegte 
fie  bem  SBilbe  be3  ©efreu^igten  auf,  um  bamit  anzeigen,  baß 
er  3pn  aU  ben  itönig  aller  Könige,  uub  ben  $errn  aller  Fer- 
ren erfenne*  —  Um  aber  lieber  auf  baS  Vorige  ju  fommen, 
fo  fönnte  ta)  mehrere  23eifpiele  anführen,  wela)e  bte  £ol)eit 
ber  Äinber  ©otteö  bezeugen,  iä)  fa)liefie  akr  mit  ben  Sorten 
£utl)er$:  „Sie  ßlmften  jmb  Könige,  aber  nia)t  wie  bte  Könige 
ber  Seit;  benn  btefe  regieren  nur  seitlitt;  unb  äußerlidj,  bie 
©laubigen  akr  finb,  ob  fie  gleiä)  Weber  ©cepter  noa)  $rone 
tragen,  Ferren  über  £ob,  Teufel  unb  £ölle*  8ie  j?akn  ©Ott 
^um  greunb,  ki  welchem  fte  große  ©tt)d#e  ftttben,  baf?er  fann 
iljnen  fein  Unglücf  wirf lia)  fdjaben;  j[a,  fie  ükrwinben  2llle3 
mit,  unb  ftnben  in  2lrmutl)  8?eitt)tljum,  in  ber  @ünbe  i>k  ©e* 
veä)ttgfett,  in  ber  ©a)anbe  große  (£I)re,  im  junger  unb  Surft 
alle  gülle*  Sarum  achten  fte  nid;t  auf  weltlM;e  $raa)t,  nidjt 
auf  ©olb  unb  Silber*  Sen  Röntgen  ber  (£rbe  gehören  $rone 
unb  Purpur,  akr  t>k  ^tnber  ©otteS  jjaben  eine  mroergäng* 
fta)e  $rone,  an  unserwelfltdjeg  @rbe,  ba^  H  kjwtten  wirb 

im  $immeL/y (Enblitt)  wirb  ben  ©laubigen  ba$  (£igen* 

t£ um  über  alle  leibliche  unb  geizige,  über  irbifa)e 
unb  Jimmiifa)e  Singe  3ugeftt)riebem  —  Sa£  $inb 
ifi  ein  (£rbe  aller  ©üter  feinet  23ater3,  fo  ift  Wt$,  wa3  ©Ott 
£at,  für  t>k  ©laubigen,  welchen  ba3  9?ed;t  ber  £inbfd;aft  in 
tyxifto  gefü)enft  ift  Sie  @efa)or>fe  ©otte3  finb  ber  diklicit 
unterworfen  unb  feuften  unb  ängfttgen  fta)  in  bem  Sienfie  ber 
©ottlofen;  benn  biefe  finb  aU  unred;tmäßige  23ejtger  unbarm^ 
£eWg  geg^  ^  Kreatur.  Sie  ©ottfeligen  aber  Jjaben  vk 
£errftt)aft  über  bie  £{nere,  welche  burd)  $bam3  %aU  verloren 
war,  bura)  Gtfmftum  wieber  erlangt,  unb  ber  ©erea)te  erbarmt 
(ttt),  um  be$  (£rlöfer3  willen,  auä)  über  fein  %$kl).  —  9Iod;  grö* 
ßer  iji  ba$  (Eigentjmmöredjt  ber  $inber  ©oite3  in  geifttgen  unb 
tnmmltfdjen  Singen;  benn  fte  werben  (Erben  aller  ^erpeifjum 
gen  genannt,  unb  $aulu$  fagt:  @3  ijt  %\\t§  euer,  e3  fc^  va$ 
©egenwdrtige  ober  ba$  3ufünftige,  $>a$  lieben  ober  ber  £ob* 
Sllleö,  m$  in  ber  Seit  ijt,  .pat  ber  SWweife  sum  ^u^en^ber 


504 


©einigen  eingerichtet,  unb  mad)t,  ba§  alle  £)inge  ifjnen  311m 

heften  bienen  muffen*   &$  gefdjtcpt  um  ©einer  luSerwctplten 

Witten,  tag  dt  bte  Sßelt  in  tprer  großen  3errüttung  noa)  tt» 

palt,  unb  fte  bei  fo  groger  Unbanfbarfeit  ©eines  2Öorte3  noa) 

würbigt*  28aS  \t%t  fa)ou  ba  ift,  ober  nadj  bem  ^eiligen  Sitten 

©otteS  in  3ufunft  erft  fommen  fott,  ba$  2ltteS  bient  $um  Sßopl 

©einer  $inber;  leben  fte,  fo  ift  bie  ©üte  unb  £reue  beS  {jimm* 

lifa)en  23ater$  ifmen  najje;  leiben  fte,  fo  ftnben  fte  £roft  in 

©einer  %kU;  fterben  fte,  fo  feigen  fte  im  ©lauben  ben  Fimmel 

offen,  unb  Griffen,  $>a$  fte  burd;  ben  £ob  $u  bem  ptmmlifdjen 

@rbe  gelangem    2)aj)er  ruft  ber  2lpoftel  au$:  „2  eben  wir, 

fo  leben  wir  bem  £>erm,  fterben  wir,  fo  fterben 

wirbem£errn;  barum  wir  leben  ober  fterben,  fo 

finb  wir  be$  £>errn*"   Demnach  $at  bie  £errlidjfeit  ber 

©laubigen  tpreS  ©leiten  nia)t  in  ber  Sßelt,  fte  ftnb  Jjocpge* 

achtet  in  bm  klugen  beS  5ltterpoa)ften,  ftnb  (£rben  ©otteS  unb 

Sterben  3efu  epriftu 

» 

Slttwent>uncj. 

Raffet  un£  nun  aud;  biefe  £  errltcpf  eit  31t  -ftugen  machen  unb 
biefe£epre,  gegen  weldje  2llleS,  m$  bieSBelt  enthalt,  für  nidjtö 
SU  achten  ift,  gehörig  fcpä^en  lernen*  —  3ö)  wollte,  ba$  td)  eine 
©timme  y<xilt,  bte  som  borgen  hi$  ^um  5lbenb,  son  Wliüa& 
big  jur  Mitternacht  reichte,  fo  baß  ia)  überall  bie  unauSfprea> 
liefe  ©nabe  ©otte$  tferfünbigen  fonnte,  naa;  ber  (£r  un$  ©ün* 
ber  fo  jjo$  geliebt  unb  burcp  ©einen  eingebornen  ©olw  bie 
SBürbe  ber  ®inbfc$aft  gegeben  fyat  3$  sollte,  l>a$  ia;  eine 
geber  Tratte ,  mit  welcher  icf  in  t>it  £er$en  aller  Triften  ben 
einzigen  ©prud;  fepreiben  fonnte;  „3pr  5llle  fe^b  ©ot^ 
te6  $tnber  burd)  ben  ©lauben  an  ^priftumSefunu" 
—  kommet  per,  jjöret  $u  2ltte,  bk  ij>r  ©Ott  fürd;tet,  tep  will 
eqctylen,  waö  dv  an  meiner  ©eele  getrau  fyat  (ürr  j)at  fte  au$ 
beö  ©atanö  ©triefen  errettet,  »on  ber  £ötte  erlogt,  *>on  ©ün* 
ben  gereimget,  mit  ber  ©ered;tigfeit  3efu  gefd)mitdt  unb  fte  $u 
©einem  $inbe  unb  ^um  (ürrben  ber  ©eltgfeit  angenommen.  3$ 
rüpme  mid;  nid;t  allein  ber  Hoffnung  ber  ^ufünftigen  £crrlia> 
feit,  bte  ©Ott  geben  wirb,  fonbern  aua)  ber  gegenwärtigen» 


505 

3d)  rüpme  micty  ©otteS,  ber  ©ememfdjaft  $efu  (grifft  unb 
t>er  S^egtetitrig  t>c$  peil  ©eifte6*  Die  (£ngel  ftnb  meine  Die^ 
ncr,  ber  Satan  fann  mir  nid;t^  anpaben,  unb  2WeS,  n?a^  in  ber 
Söelt  ift,  bient  ju  meinem  Heftern  3$  trage  bie  23erjtd;erung 
ber  ©nabe  ©otteö  in  meinem  «^er^en,  unb  pabe  einen  freien 
3uirtft  #u  meinem  pimmlifcpen  $ater;  jia,  id)  bin  ein  2ßun* 
ber  ber  %\tU  unb  ©üte  be$  2111er  pödjftem  Der  £immel  ift  mein, 
bie  Seligfeit  ift  mein!  —  3$  wanble  l^ter  unter  ber  väterlichen 
2lufjtdjt  meinet  ©otte3;  Seine  ©üte  unb  £reue  begleitet  und; 
überall,  unb  pflegt  micp  wie  Sein  liebet  $inb*  trifft  mid;  ein 
Unfall,  werbe  icp  beleibigt  unb  ktrübt,  fo  fliege  i§  au  bem 
<Sd;oog  meinet  lieben  fßatexö  unb  tro£e  jebem  geinb*  Denn 
ojme  «Seinen  SBillen  fann  mir  nid)t$  wiberfapren*  Sterbe  ify, 
fo  gepe  i$  ^u  meinem  $ater  unb  gelange  ^um  völligen  ©enufi 
beö  jnmmlifdjen  Mens ,  baS  mir  3efu^  dfmftuS  bereitet  jjat, 
"e$>e  ber  SÖelt  ©runb  gelegt  war*  —  Sepet  meinen  ^eid^fjum, 
meine  (£j;re,  meine  ^rone,  meinen  £roß,  mein  5lKeö!  34> 
bin  ©otteS  ^tnb  unb  felig  in  Giprifto  3efu*  —  ^Öet 
es  nid;t  übel  aus,  ipr  Triften,  baß  icp  von  mir  felbft  fo  rebe, 
unb  mid;  folajer  Qtxxlityttit  rüpme*  3$  fytöe  wopl  aucp  ba3 
0ced)t  ba^u;  benn  warum  fagt  t>k  Schrift:  „3pr  2llle  f e^t> 
©otteS  Ä'iuber  burcp  ben  ®taubzn  an  dfjrijtum 
Sefunuc*  Der  peil*  ©eift  gibt  Beugnif?  unferem 
-©eift,  baf?  wir  ©otteS  $inber  ftnb?"  5Dcit  wem  rebet 
ber  peil*  ©eift  in  foldjen  Stellen?  Söopl  nic^t  mit  ben  Engeln, 
fonbern  mit  hm  (Sprtften,  bie  an  ipren  £etlanb  von  ganzem 
^eqen  glauben*  Sarum  follte  tcp  micp  nun  ber  «fxrrlicpfett 
ntcpt  rühmen,  bie  mir  mein  ©Ott  verliefen  pat?  SSarum  follte 
icp  nid)t  bem  <Batan  unb  ber  28elt  $um  £ro§  mit  bem  Sdmtutf 
prangen,  mit  welkem  mid;  mein  £err  angetpan  pat?  Docp 
maffe  td;  mir  vor  meinen  3DHtbrübern  feinen  $or^ug  an,  fonbern 
will  eucp  als  öffentlicher  £eprer  nur  feigen,  mt  tpr  euer  QfyvU 
ftentpum  mit  greubigfeit  bemi^en  unb  eucp  ber  £  errlicpf  eit  ber 
$inbfd;aft  wiber  ben  Spott  ber  SBelt  rühmen  follet*  (Eprifteu 
follen  wijfen,  warum  fie  GTJjriften  ftnb,  unb  m$  fte  von  iprem 
©lauben  $u  poffen  paben*  (£benbaper  ifi  baS  @priftentpum  fo 
tu  35erad;tung  gefcmmcn,  t^ät  bie  $Büt  meint,  e3  fep  nicptS 


506 


babet  aU  $rmutp,  Grlenb,  £raurigfett  unb  £rübfal,  ba  eö  boa) 
ben  größten  Sfteicptpum,  bie  pöa)j*e  (£pre,  bie  bauerpaftefte 
greube  unb  ben  fräftigfkn  £rojt  mit  fta)  bringt  3«/  am  (£nbe 
erlernten  fetbfl  »tele  Seltfinber,  bte  lange  in  ber  GEitelfett  9tupe 
für  ipre  @eele  fugten,  bura;  ©otte$  ©nabe  tjpre  £porpett,  unb 
ftnben  tn  bem  ©efreuaigten,  tt)a^  fte  »on  ber  Seit  »ergebltcp 
erwartet  pabem  —  2)arum  paltet  euep,  ipr  ©laubigen,  »on 
£eraen  für  ©otteg  $inber,  paltet  euep  für  @rfcett  ©olteg  unb 
Sterben  3efu  Gtpriftt  3n  biefem  &ben  gleichet  ipr  awar  ben 
perlen,  bk  noa)  in  ber  £iefe  be$  9#eere3,  unb  ben  ßrbelßeinen, 
bte  noep  fot  ben  gelfen  »erborgen  liegen,  boa)  fe^b  ipr  fd;on, 
waö  ipr  fep.follet,  unb  bie  3^tt  wirb  fommen,  baß  ipr,  wie 
jene,  in  eurem  »ollen  ©lanae  prangen  werbet.  —  kernet  bie  Seit 
unb  ipren  eiteln  £anb  »erfepmäpen  unb  eure  £errlia)fett  ber* 
felben  »oraiepen*  betrübet  euep  niept  barüber,  baß  ipr  nia)t 
pabet,  wa^  t>k  Seit  pat;  benn  bie  Seit  pat  auep  nia)t,  wa^ 
ipr  pabet  £)ie  Seit  ^at  ben  ©chatten,  ipr  ba£  Sefen,  fte  pat 
ben  Tanten,  ipr  bie  Spat  ©ie  meint  awar,  etwas  ©roßeS  $u 
befi^en,  wenn  fie  mit  bm  vergänglichen  ©ütern  biefeS  £cben$ 
prangen  fann  unb  tput  fta)  »iel  barauf  au  gut— 3«t  £inblid  auf 
biefelben  fagte  ber  $abft  3«ttocen^  IV.,  aU  feine  SBerwanbten 
weinenb  unb  j[ammernb  um  fein  £obtenbette  ftanben:  warum 
weinet  ipr,  lag  icp  eua)  nid)t  große  Oteieptpümer  aurütf ,  wa$ 
wollet  ipr  mepr  ?  Unb  fo  ging  er  au$  ber  3eü  fa  bie  (£wigfeit 
—  £>ie  tinber  ber  Seit  meinen  alfo,  wenn  (£iner  reid;  fepe,  fo 
feple  ipm  ntcptS  aur  ©lüdfeligfeit  £)ie  ^inber  ©otteS  aber 
palten  alles  3eitlicpe  für  einen  ©cpatten,  ber  »orübergept  ©ie 
fe|en  ipre  Hoffnung  niept  auf  ba£  Skrgänglicpe,  fonbern  fttm* 
men  jenem  Zottig  ber  Senben  hü,  ber,  mit  ftlbernen  Letten  ge* 
bunben,  naa)  Gtonftantinopel  »or  ben  $aifer  3uftinian  gebracht 
würbe,  unb  bort  auerief :  <£$  ift^llleS  eitel!  (£3ift2ll* 
Je 3  eitel!  —  3<P  weiß  awar  wopl,  ba$  bk  tinber  ber  Seit 
jtep  barüber  ärgern,  wenn  man  »on  iprer  £errlicp!eit  fo  »er* 
äa)tlicp  rebet,  weil  fte  naa;  bem  ©epeine  urtpeilen  unb  feinen 
begriff  paben  »on  geizigen  unb  pimmlifepen  fingen.  £)arum 
muß  man  eg  auf  eine  $robe  anlommen  laffeu,  m$  im  -ftotp* 
fall  tpr  (But  »ermag,  —  Soplan  benn,  W  mäa)tige  Seit,  fage 


507 


boo),  m$  ijt  beute  £errlttt)feit?  —  3$  -P«te/  fl»WW  fk>  ^ W& 
unb  ©über,  perlen  unb  (£belfteine,  womit  id)  mid)  fd)rc  lüde 
unb  bereichere*  3$  fjabe  fronen  unb  @ce:pter,  3Jtodjt  uub  ©e* 
walt,  pabe  £o$eü  unb  Stbel,  Söei^pett  unb  $evftanb,  3Bo".  tfu|t 
unb  (^rgöglidtfeit  jc,  fur$  2llleS,  tt)a^  mein  £ev$.wünfd;et  — 
©ein  23ejtg  fd)eint  allerbingg  groß  ^u  fe^iv  a^er  e^  f$emt  i  nur 
fo;  benn  ba£  2llleg  enthält  nia)tg  $on  wahrer  ©lüdfeligf  eit* 
2öa$  jnlft  mid)  aller  <S$mud,  ber  mid;  vox  ©Ott  nia)t  an  ge* 
nepm  mad)t?  28a3  nügt  ber  9veia)ü)um,  bor  mia)  »erläßt,  wc  mn 
ia)  feiner  am  metften  bebarf?  SSo^u  bleut  ber  2lbel,  ber  im 
Jgrimmef  nia)t3  gilt?  2BaS  pt'lft  alle  (£itelleit,  wenn  ia)  ftetben 
muß?  ©agt  es  nia)t  bie  tägliche  (£rfajmmg,  baß  bie  Dreier;  fien 
unb  5D?äa)tigften  biefer  (£rbe  auf  iprem  ^obtenbette  mana)  mal 
gerabe  am  wenigften  £roft  ftnbett  ?—  Der  fromme  ^vonig  $i$tia$ 
befaß  eine  große  Stenge  ©a)äge  unb  patte  einen  Ungeheuern 
23orratf> ;  boa)  fagte  er  aua)  auf  feinem  ^ranfenbette :  „<5 i  t  >  p  e, 
mein  ©Ott,  um  £roft  war  mir  fef)r  bange;  Du  a  ber 
paft  Dia)  meiner  (Beete  l)er$lia)  angenommen/'  dx 
fanb  fonft  nirgenbS  £roft  unb  Sftujje  aU  bei  ©Ott,  unb  (E>eine 
©üte  war  ü)m  mepr  wertl),  als  alle  ©djage*  —  (£in  römi  fa)er 
^aifer fagte :  3 a)  bin 2111  e 3  gewefen  unb  eS  ift  mir  b od) 
9tid)t3  nüge!  —  (£in  kernig  *>on  Spanien  bat  auf  fe  mem 
£obtenbette  feinen  33eitt)tt>ater,  man  foflle  boa)  tton  allen  .1?an* 
3eln  tterfünbigen,  baß  man  $on  ber  fthuglia)enSürbe  im  £obe 
nichts  fjabe  als  Sfteue  unb  @a)mer^  @in  ^er^og  $on  (£le$e 
wählte  fta)  sunt  ©imtbilb  eine  33lume  mit  ber  3nfd)i-tft:  £  eute 
etwas,  morgen  nia)tS*  @me  gürftin  Deutfa)l<anbS  enblid) 
30g,  als  fte  in  ben  legten  3ugen  lag,  tj?re  Dringe  $:on  ben  gut* 
gern  unb  rief:  2£eg  mit  benfelben,  (£J>riftuS  ift  beffer, 
alSatler$8elt©ut*  —  Demnad)  muffen  bie  '©ewaltigen 
ber  (£rbe  felbft  gefiejjen,  baß  ipre  #ofcett  nichtig  fe^  tiügepc 
ü)nen,  wenn  fie  leine  aubern  ©üter  befugen,  als  bie  gettlf d^cn ! 
—  Die  ©laubigen  bagegen,  wela)e  in  ber  ©eine  Inf  a)afit  mit 
dprtjto  fiepen,  beftgen  etwas,  ba$  wevtp  tft,  baß  man  eS_ 
J>oa)aa)te*  ©ie  paben  bie  (£jjre,  ©otteS  tinber  31t  Reißen, 
napen  fta)  ©Ott,  fo  oft  fie  wollen,  unb  reben  mii:  3pm  nad) 
^erjenS  €uji.   3K  Keicjtjum  iji  bie  ©uabe  beö  |)ot$jlen, 


508 


t>cr  £immel  unb  Slttcä,  m$  ber  Vater  pat  3pv  ©epmuef  ift 
bte  ©ereeptigfeit  3efu  (grifft  fammt  beigaben  be3  peil  ©et* 
ftetf,  ipre  $flacpt  erpreßt  fiep  über  bk  £ölle,  ipre  greube  ift 
ber  £roß,  bm  fte  aus  ben  Sßunben  3efu  unb  ©einem  GSrvange* 
{tum  pa^en,  ipre  £uft  tft  bte  ^tebe  ©otteS,  tj>re  Siener  fin& 
bte  (£ngel  :c»  ©ie  paben  grieben  im  #er$en,  greube  in  ber 
£raurtgfett,  £roft  in  ber  ^nfeeptung,  £ülfe  in  allen  9?ötpen, 
btö  &Un  im  £obe»  Unb,  m$  bag  £öcpfte  tft,  2llleS,  wa$  fte 
beftgen,  ift  unvergänglich  unb  ewig.  SÖenn  bie  £errlitt)feit  ber 
SBelt  ein  Grnbe  pat,  bann  fängt  bie  irrige  erft  reept  an,  unb 
wenn  bk  2Selt  nieptg  mepr  pat,  fo  paben  jte  2llle&  —  2Öoplan 
bettn,  o  2Belt,  ttriflfi  bu  noep  prallen?  2öa3  bu  paft,  ift  an 
frembeö  ©ut,  unb  bn  wtllft  biep  bejfen  ergeben?  '<£&  ift  ein 
©chatten,  ber  vorübergeht,  unb  bu  willft  bamit  prangen?  3$ 
fe£e  beiner  ganzen  ©ereeptigfeit  meinen  getreusten  3efum 
entgegen,  ber  unter  ©einer  armen  ©eftalt  bk  gülte  ber  ©Ott* 
peit  verbirgt  @r  pat  miep  erlöst  burcp  ©ein  23tut,  pat  miep 
3U  einem  ^inbe  ©otteö  unb  ^um  (£rben  ber  ©etigfeit  gemacht, 
an  3ptu  unb  in  3pnt  pabe  icp  Wt$.  dx  ift  mein  greunb,  mein 
trüber,  mein  ©epmuef  unb  (ürprenf leib,  mein  größter  iftetep* 
ipuut,  meine  (£pre  in  ber  Veracptung,  meine  greube  in  ber 
£raurigfett,  meine  3ußucpt  in  ber  Verfolgung,  mein  £immel 
auf  Garben,  mein  %tltn  im  £obe.  3$  fenne  Viele,  bk  mit  ber 
28eli  au  ©epauben  Sorben  ftnb;  aber  wer  ift  j[e  verlaffen  wor* 
ben,  ber  fein  £er£  3efu  ergeben  pat  Den  Sftetcpften  unb  9Mä> 
tigften  ber  (5rbe  fefft  e$  oft  an  £ftaip,  £ülfe  unb  £rofl:,  befon* 
ber£  wenn  ipnen  ber  £ob  bie  klugen  öffnet;  aber  niemals  et* 
item  $mbe  ©otteS.  —  Sarum,  o  SBeft,  behalte,  was  bu  paß; 
id)  bepalte  3efum  unb  bk  ßinbfcpaft  ©otleS  unb  baran  genüget 
mir!  — 

Erwäget  tpr  fo  bie  £errlicpfett  ber  $iubfcpaft  ©otteS,  fo 
wirb  (te  euep  ^um  £roft  in  aller  £rübfal  bienen.  (Ein  ®inb  muß 
iti  ber  3ud;t  unb  unter  ber  9?utpe  gepalten  werben,  unb  ein 
Vater  fann  wopt  ntept  fcplecpter  an  feinem  ßinbe  panbeln,  als 
wenn  er  ipm  feinen  SBtdcn  lägt.  Sie  9?utpe  fepmer^t  wopl,  aber 
fte  ntaept  fromme  Aber;  alfo  aua)  ba$  liebe  £reu$*  Raffet 
euep  baper  bte  Sßeife  eures  pimmlifepen  Vaterö  gefallen  unb 


509 


murret  ntd;t  gegen  Seine  3üd;tigung,  weit  tpr  fcerftdjcrt  fci)b, 
tag  GFr  end)  mitten  in  bev  £rübfal  lieber  bat,  clö  irgenb  ein 
leiblicher  S3ater  fein  $inb*  ©laubet  nid)t,  baß  ©Ott  ener  x>tx* 
geffen,  nnb  end;  ans  ber  M)t  laffcn  fann.  Äann  aua)  ein 
SSeib,  fprid;t  (£t,  il)xt$  Äinbleing  sergeffen,  baf? 
fte  fid)  nid)t  erbarme  über  ben  ©ojn  i£re$  ^ e i l> e ^ ? 
Unb  ob  fie  beffelben  vergäße,  fo  will3d?  boa)  bein 
ntdjt  ttergeffen,  fiejje,  in  bie  £änbe  fjafce  3d;  bta) 
9  es  eignet  ^aff^t  end;  baper  r>on  bem  ©lüde  bev  ©ottlo<,en 
nidjt  irre  machen,  trenn  i£v  auc^  täglia)  geplagt  nnb  mit  allein 
fei  £rübfal  f?eimgeftta)t  fepb»  £>ie  $inber  bev  2Mt  jjaben  ^war 
eine  3^tt  lang  tyxm  Sitten,  nnb  fvenen  fta)  i^vev  greijmt; 
abcv  fte  werben  einft  ilrfaa)e  Jja&en,  Ut$  ewig  gu  betragen* 
3j)r  bagegen  werbet  eu$"  übev  bie  £arte  3vtd;t  eures  SSatetS, 
wela)e  bem  gleifa)  suwiber,  aber  fo  gut  gemeint  ift,  ewig,lid? 
fvenen,  unb  3Jnn  bafür  yon  £eqen  kanten* 

IL  £)ie  ^iuber  ©otteS  fmb  in  bief  em  £eben  $evb;otv 
gen*  ©teia)wie  ©ott  an  » evbovgenev  ©Ott  ijt,  fo  §ai  eä 
3pm  aua)  gefallen,  ©eine  ftmber  in  biefev  2Belf,  untev  fciei 
£vübfat,  ©a)maa),  $eraa)tung,  2lrmutl?  u*  f*  w*  31t  derber* 
gen,  baß  oft  felbft  hk  ©laubigen  fta)  nid)t  bavetn  ftuben 
fonnetu  —  3n  biefem  ©inne  fagt  Spannes:  „£)avutu  fen* 
neteuc|bie203eltnia;t,  bennfiefennet3^tt  ntdj  L" 
£)ie  SBelt  urteilt  naa)  ifn*er  Söeife,  unb  fennet  ©Ott  nid;t,  ob 
dx  fta)  gleid)  auf  fo  mannigfache  Sßetfe  ßeoffenbaret  fjat.  ©ic 
meint,  ben  ^inbevn  ©otteS  müßte  aua)  baö  £iebfte  unb  Seftc 
gegeben  werben*  SSeil  aber  bk  ©laubigen  mit  fo  ttict  &Unb 
p  fänrpfen  {rnben,  ipre  3ett  mit  %&änm  unb  ©euften,  in 
junger  unb  Kummer  zubringen  muffen  unb  feiten  ifjreS  £eben$ 
fro^  werben,  fo  bienen  fte  5lnbevn  sunt  ©efpött  —  3a,  ben  $ins 
bevn  ©otteS  felbft  fällt  eS  manchmal  fetjr  fa)wer,  i£r  unrujngetf 
$eva  zu  ftillen  unb  ©lauben  $u  galten*  £)a  $ti$t  es  oft,  wie 
bort  Ui  ©ibeon:  „3f*  bev  £err  mit  uns,  warum  iji 
unSbteßwiberfajjren?"  ©inb  wir  ©otteä  Jtinber,  m* 
vum  gept  e6  uns  fo  übel,  wavum  muffen  wiv  anbern  3 um  ©potte 
bienen?  Tlan  fagt  imö  r-on  ber  Siebe  ©otteS;  unb  wir  empjtn- 
ben  lauter  £aß;  man  fpria)t  im$  v^on  großer  ^errlic^fcit  unb 


510 


©e  ligfeit,  bte  wir  tn  ber  ©emeinfdjaft  (grifft  l?akn;  unb  wir 

cm}  >fmben  boclj  nid)t£  fcawtu    SDcan  rüjjmt  un£  ba£  J?errlia)e 

unt>  reiche  (ütrbe,  ba^  un£  im  £tmmel  beigelegt  ift;  wct£reiü> 

wü ;  genug  31*  $wt  ?^cn,  um  fümmerlia)  bur$  tiefet  müf>fc= 

fige '  ?ekn  $u  fommcm   Sie  Vernunft  unb  fca$  gleifa)  meinen, 

t>te,  Siebe  ©ott:e£  unb  ba£  $reu$  tonnen  nia)t  bei  einanber  fep, 

unt '  e3  fc9  ungereimt,  baß  ber  £err  in  Seinem  2ßort  ben  ©lau* 

big*  m  fo  fd;öne  Skrfmßungen  gebe  unb  jte  boa)  fo  Ijart  j^alte«. 

2Bu$  gibt  mir,  fagte|uob,  ©ott  $u.m  £o|>n  für  meine 

gr  ömmigfeit?  ©ollte  niä)t  billiger  ber  Ungerechte 

f ol  c^  Unglucf  l?aben,  unb  ein  Uebeltjjäter  fo  x>ex* 

ftojpen  werben?   Unt>  5Xffap^  fagt:  „(Soll  es  bennum* 

fotuftfe^n,  i>aß  mein  ^>era  unftrcifHc^  Xe^tr  uubi$ 

tue  ine  £änbe  iit  Unfd;ulb  wafaje,  unb  bin  geklagt 

täcjlic^  unb  m ei ne  ©träfe  ift  alle  borgen  bat"  — 

Sagegen  fagt  ber  2tyoftcl:  „SDceine  hieben,    wir  finb 

©ctte£  ^inber;  nur  ftnb  unb  bleiben  e£  tro£  bem  ©potr 

be$  £eufel$  unb  aller  Seit.    Senn  ©otteS  2Öerf  ift  fein  23e* 

txuc\;  @r  |>at  un£  in  ber  gaufe  ju  ©einen  ^inbern  angenom* 

men  unb  unfern  tarnen  in  ba£  53ua)  be3  2eben3  aufge£eid;net; 

(Ex  gibt  un£  $>a$  Sflcfyt,  baf?  wir  uns  trüber  unb  Sterben 

©ei  ne£  lieben  ©üjme3  nennen  bürfen,  wer  will  un£  nehmen, 

was*  un3  ©ott  gegeben  £at?  3  war,  fagt  3oi?anneg  weiter,  iji 

no<d;  nidjt  erfa)ienen,  tx><x$  wir  fe^n  werben;  wir 

l?ab  en  noa)  nid)t  ben  völligen  23ejt§  bc$  junimlifdjen  (£rbe3,  t>a$ 

un^  bereitet  ift;  bot!)  wiffen  unb  glauben  wir,  ba£  $u  fei* 

ner  3>ät  unfere  ©eligfeit  größer  fe^n  wirb,  aU  wir  begreifen 

fonnen.   Senn  wenn  nun  ber  £err  3efu3  erfd)einen  wirb,  fo 

werben  Wir  3£m  gle  id;  fepn,  dx  wirb  unfern  nid;tigen  Selb 

©einem  oerflärten  Selbe  cijmlia)  machen  unb  un£  ewig  beglüdem 

(£r  wirb  un£  oor  ©otteg  2lngefia)t  fiellen,  ba$  wir  3£n  feljen 

werben,  xck  (Ex  ift    Sa  werben  wir  ©ein  $äterlia)e6  £er$ 

ernennen  unb  ©eine  unbegreifliche  %kU  in  (Ewigfeit  genießen, 

ba.  werben  wir  einfe^en,  n>k  gut  unb  treu  un£  @otte6  ©üte 

Qtltittt  f?at  —  2luä)  $aulu£  fagt:  „(£uer  Seben  ift  *>er* 

borgen  mit  (Eljxifto  in  ©ott;  wenn  aber  @l)riftu$, 

mter  Seben,  fid;  offenbaren  wirb, bann  werbetil;r 


511 


aud;  offenbar  warben  mit^m  inber  $nttifyt$it?'t 
3n  btefcr  SBeft  J>at  bte  ®ixd)t  ©otteS  mit  £rübfal,  Slergerniß 
unb  Verfolgung  31t  Mmpfen,  unb  v>kU  tyxev  $fttg(ieber  weinen 
unb  feuften  immerbar;  wenn  aber  Uc  ©onne  ber  ©erca)tigfeit 
an  jicnem  großen  £age  aufgeben  wirb,  bann  wirb  fia)  2ltfe$ 
änbern,  bann  werben  bie  ©laubigen  mit  greuben  i^re  $tixi$jß 
ergeben  unb  ber  £err  wirb  abwif  a)en  alte  freuten  *>on  ipren 
2lugem  Unb  voie  fejjr  fte  fta)  in  biefem  £eben  gewunbert  f^aben, 
t>a$  ©ott  ©eine  SluSevwäpften  mit  fo  wi  ^reu^  fmmgefud)t 
$at,  fo  fe|>r  werben  fte  fta)  aua)  wunbern  über  bte  um>ergleia)* 
lia)e  £>errlia)feit,  bie  (£r  tpne«  bort  Uxtiiü  jjat  3a,  bie  ©ott* 
Kofenfelbft,  bie  pier  bie  ©laubigen  fpotteten,  werben  bann, 
wenn  fie  fold)e3  feigen,  graufam  erfdjreden  $or 
f ota) er ©eligfeit,  ber  fie  fia)  nia)t  t)erfe^en  Ratten, 
unb  werben  unter  etnanber  reben  mit^eue  unb 
*>or  2lngft  be£  ©eiftetf  feuf^en:  ba3  finb  bie,  wela)e 
wi r  etwa  für  ein en  ©pott  Ratten  unb  für  tin  fyofy* 
nifa)  SBeifpiel,  wir  Darren  fyitittn  ij>r£eben  für 
unftnnig  unb  ifjr  (£nbe  für  eine  ©a)anbe,  voit  finb 
fie  nun  ge^ä^U  unter  bie  $  inber  ©otte$  unb  t p r 

(£rbe  ift  unterben^eiUgen? £)er  allweife  ©ott  l)at 

©eine  Jeilfamen  2lbfta)ten,  warum  dv  bk  #errlia)fett  ©einer 
^inber  in  biefem  ^eben  verbirgt  2)ie|  gefd)ieljt  1)  bamtt©etne 
große  9ftaa)t  unb  ©üte  befto  mtfyx  erlannt  unb  in  (£wigfett  ge* 
^riefen  werbe*  2)iefelbe  erfa)eint  x>id  {)errlitt)er  an  Sofepjj, 
weif  ©ott  benfelben  nic^t  fogleta)  au3  feinet  Vaters  $au$  31t 
ber  (£l?re  beforberte,  bie  dx  ipm  pbaa)te,  fonbern  ijm  burd) 
wunberbare  Umwege  enblia)  balnn  brachte*  ßrbenfo  mad;t  (£r 
e$  j[e^t  noa)  mit  ©einen  liebften  $inbern,  (£x  füprt  fte  wunber* 
bar  unb  naa)  ©einem  diatfy,  unb  nimmt  fte  boa)  enblta)  mit  (gp* 
reu  an+  (ix  füprt  bura)  ©ünbe  $ur  ®ered;ttglctt,  bura)  ©a)anbe 
gut  C^^re,  bura)  2lrmutl?  sunt  3?eid)tjnun,  bura)  £rübfal  ^ur 
greube,  bura)  ^iebrtgfeit  gur  |)oI)  eit,  bura)  bte  £>ölle  ^um 
£tmmeL  (£r  lagt  bie  Btinm  tpre  eigene  ©a)wad)!?eit  erfap* 
ren,  bamit  fte  erfennen  mögen,  $>a$  Ut  überfa)wenglia)c  ^raft 
fep  tton  ©ott  unb  nia)t  $on  ijmen  felbft*  Hua)  tpxtt  (£r  eSbarum, 
tag  man  feljen  fotf,  baß  @r  ber  weltlichen  $raft  nia)t  bebürfe, 


512 


um  «Seine  ^tnbcr  perrlid)  31t  macf;cn;  ij)r  ©d;mucf  unb  £err* 
lid)feit  fett  geiftig,  Jnmmlifcf)  unb  ewig  fepn*  —  2)  ©efcf;iept 
eö  um  bc£  ©atan£  unb  ber  SQBeft  ivtKen,  bamtt  ©Ott  fte  mit 
after  ij?rer  £iß  unb  23o3f)eit  gu  ©Rauben  madje*  2öaf>rlia),  e£ 
gereift  bem  £errn  $ur  größten  (££re,  bag  (£r  ©eine  2Iu6er* 
wägten  unter  mancherlei  Anfechtungen,  £rübfal,  Armutf?  unb 
(iftenb  boa;  ^um  Fimmel  bringt  2) er  Satan  bietet  feine  gange 
Slttadjt  auf,  unb  meint,  fte  fotfen  ifjm  nid)t  entgegen;  ef>e  er 
e3  aber  vermutet,  fyat  fte  ij)r  lieber  ^ater  bura)  einen  $war 
befeuernden,  boa)  ftd)ern  2öeg  311  ©einem  |ummliftt)en  ^eicfje 
gebracht,  bag  fte  atfe  SBo31)eit  verladen  fönnen*  Unb  wie  wirb 
btefem  geinbe  ber  9ftenfa)en  3U  SD^ut^e  fe^n,  wenn  er  an  jenem 
großen  £age  t>k  Slrmen  unb  ©fenben,  benen  er  in  ber  2Mt 
mana)e£  Seiben  bereitet  £at,  pr  9?ea)ten  ipreg  (£vtö\cx$  fepen 
unb  in  groger  £errfi$fett  erblicfen  wirb !  —  3)  ©efefuept  t& 
aua)  um  ber  ©laubigen  Witten»  SSie  ein  vernünftiger  $ater 
feine  $inber  in  bejMnbiger  Auf  jtcf)t  fatt  unb  fte  oft  ftreng  be£an* 
Mtf  bamit  fte  gute  9^enfd;en  werben;  fo  fyätt  ©Ott  ben  grög* 
ttn  Zfytil  ©einer  Ätnbcr  giemlia)  part,  t>anxit  tyx  ©laube  geübt 
unb  bewährt,  i£r  fünbfiä)e3  gleifa)  fammt  t>tn  Süßen  untere 
brücft,  bie  25emutf),  bie  Anbackt,  bie  ©ebufb,  bie  $erad)tung 
ber  2Mt  unb  ba6  Verlangen  naa)  bem  l)immlifdjen  $aterlanbe 
beförbert  werbe*  dv  maa)t  e£  ja  felbft  in  ber  üftaiur  fo  unb 
verfehltest  mannen  fügen  $ern  in  eine  rauj)e  £üffe*  (Er  lägt 
bte  fdjone  #tofe  unter  dornen  warfen,  bamit  fte  um  fo  merf? 
würbiger  erfreuten  mochte*  Slud)  ber  ©ärtner  verwahrt  eble 
©ewädjfe  mit  dornen,  bamit  fte  nia)t  verlebt  werben,  unb  bie 
^aufleute  verpaefen  i^re  befien  Sßaaren  in  unfa)einbare  Wlat* 
tem  Auf  gleite  2öeife  bepanbett  ©Ott  ©eine  $ inber;  fte  ftnb 
ber^ern  ber$?enfä)en,  bod>  in  raupen  ©cfjaalen  eingefa)toffen, 
fte  ftnb  Sftofen,  aber  unter  ^Dornen,  fte  ftnb  tf)eure  unb  lösbare 
SBaaren,  aber  in  fd)lea)ter  glitte  verwahrt;  boa)  atte$  bieg 
gefa)ie|?t  $u  itjrem  heften,  mt  ber  Aufgang  te^rt  —  £)arum, 
if?r  auöerwäpften  ©eelen,  (äffet  euä;  ben  ffiaty  eure£  f>immfifa;ett 
Sßaterö  woftfgefatten  unb  fe$b  in  ©einem  2Sitten  aUqät  m* 
guügt*  Erinnert  eua)  fiets  an  bie  Sorte  be$  ApoftefS  :  „2ötr 
finb  nun© ottesS  ^i über,  wenn  e^  gleia;  ttoa>nia)t 


513 


erftt)ienen  iß,  waß  wir  fet;n  werben/'  298ir  finb  (£rben, 
cb  wir  gleia)  ben  23cfÜ3  von  alten  ©ütern  noa)  nta)t  f?abem 
gaffet  encf)  ma)t  irre  machen,  wenn  ber  <&atan  eua),  wie  einjl 
3efum,  verführen  Witt,  ba  er  fagte :  „23tjt  Du  ©otteö 
@o^n,  fofpria),  bag  biefe  ©teine  23rob  werben!'' 
Du  witfjt  ©otte$  ®tnb  fepn,  fo  fpottet  er  manchmal,  unb  fjaji 
fein  23rob  im  £aufe,  feinen  geller  int  beutet,  feinen  50?nü)  im 
Jper^en?  2Öa£  Jn'tft  bein  fa)öner  9?ame,  beine  £aufe,  bein  ©lau^ 
be,  bein  ©ebet,  beute  Hoffnung,  bein  Vertrauen  auf  ben^errn? 
2öa3  jjajl  bu  von  beinern  (^riftentpum,  aU  2lrmut{>  unb  Gftenb? 
©iepe,  ba  ft£ejt  bu  in  beiner  dlotp !  Du  wetnjt,  unb  9ftemanb 
ad)tet  e$,  bu  rnfft,  unb  9ftemanb  antwortet  bin  Da  Ktgfi  bu 
in  beiner  fa)led)ten  glitte,  bift  franf,  efenb  unb  vertaffen»  ($y, 
bu  ©otte^finb,  geige  mir  boa)  beinen  ©dntutd,  beinen  8?etc^* 
tpum,  beute  £errftä)fett!  Du  rüfjmft  bid)  be3  ^immeltö  unb 
Jwjt  mä)t$  auf  <£vben,  rebeft  von  groger  £  errlia)f  eit  unb  bift 
voll  von  ©d)mad)  unb  &eraa)tung*  Du  rülnnft  bid)  3efu  (grifft 
al£  beinen  greunbe3,  unb  ftej)e,  beine  näa)ften  5lnverwanbten 
aä)ten  nid)t  anf  bia)..  —  £atte  fefi,  bu  a)riftlia)e  ©eefe  unb 
wanfe  nia)t,  fage  vielmehr  mit  greubigf eit:  3d)  im  boa)  ©ot* 
te3  liebet  $mb,  troö  £eufcl,  2ßeft  unb  aller  ©ünb1!  ©oilte 
id)  ntd)t  ©otte£  finb  fepu,  ia)  bin  Ja  auf  3efum  getauft,  mit 
©einem  tljenren  Slute  evfauft,  unb  mit3put  im  ©lauben  ver* 
einigt?  3a)  mi$  wofrt,  bag  id)  arm  unb  etenb  bin;  ta)  weig 
aber  ana),  bag  ber  £err  für  mid)  forgt  £abe  ia)  fein  23rob, 
fo  weig  id)  boa),  bag  ber  Sftenfd)  nia)t  aliein  UU  vom  SBrob, 
fonbern  von  einem  j[egiia)en  2Bort,  bag  bura)  ben  5D?unb  ©ot* 
ieö  gejjt*  Ticin  SSater  wirb  mir  fa)on  meinen  befa)eibenen  Zfytil 
geben,  gibt  er  mir  wenig,  fo  bebarf  ia)  au'a)  nur  wenig*  Senn 
nur  viel  ©nabe  unb  £roft  haUi  i(l,  fo  bin  id)  vergnügt  $aU 
id)  fein  ©elb,  fo  j)abe  ia)  boa)  grauen  unb  ©eußer,  mit  be* 
nen  id)  meljr  auSria)ten  fann,  aU  bie  Söett  mit  ijjrem  grogen 
©ut  $äbe  id)  nia)t$  auf  Arbeit,  fo  benfe  id):  mein  £eilanb 
jjatte  aua)  nid)td,  unb  boa)  ft£t  (£r  je£t  auf  bem  £l)rott  ber 
9ttaj>ftctt  im  £>immel  2Öa3  aa)te  ia)  bie  (£rbe,  wenn  ber  #im* 
mel  mein  ift?  QU  Sät,  ober  vielmehr  ba$  ßrnbe  alier  3^it  *virfc 
lehren,  wa£  id)  von  meinem  Gtyrtfientjmm  f>abe,   3e£t  fd)on 


514 


pabe  id)  grtebe  unb  greube  im  ^er^en,  ein  rufjigeS  ©ewiffen, 
einen  gnäbigen  ©Ott,  Vergebung  aller  ©ünben  :e.,  wa^  ia)  aber 
noa;  au  erwarten  |>abe,  baS  fann  id)  als  minberjäfjrtgeS  Äütb 
nia)t  begreifen  nod;  auSfpredjen*  3d)  fäe  ^war  je#t  mit  2Set* 
neu,  werbe  aber  einjt  mit  greuben  ernten*  3a)  weif,  baß  feine 
£fjrcme  auf  bie  (£rbe  fallt,  ba$  mein  SBater  im  £ünmet  alle 
meine  ©eufter  jäfilt  unb  baS  Verlangen  meinet  ^er^enS  t>er^ 
nimmt*  3a;  weif,  -an  wen  ia)  glaube,  unb  bin  gewig,  baß  dv 
mir  lann  meine  Beilage  Cmein  jnmmtifa)eS,  ewiges  (£rbe)  be* 
wahren  bis  an  jenen  £ag*  (£S  gilt  mir  gleia),  wenn  mia)  aud; 
meine  Angehörigen  nidjt  f  ernten  wetten;  ia)  weif  j[a,  baß  -ftie* 
manb  fo  $erad)tet,  fo  elenb  unb  unangefef)en  ifl,  ben  ber  2>ater 
im  Fimmel  m$t  fennen  feilte*  3#  wofme  ^war  in  einer  arm- 
fei  igen  Spüttc  unb  liege  auf  einem  fd;ted;ten  Sager;  boa;  3efuS 
ift  hä  mir  mit  ©einer  ©nabe  unb  Siebe,  ia;  ruf>e  in  ©einen  Ar* 
men,  unb  fannmit  %cäob  fagen:  „©ewig  iß  ber  £err  an 
biefem  Ort,  unb  ia)  wußte  es  nicfyt!  Aua;  biefe 
©teitte  tji  heilig,  aua;  Jter  tft  ©otteS  £auS  unb 
bie  Pforte  beS  £tmmelS!" 

©atan,  SBelt  unb  i$re  Motten  können  mir  yiifytö  metyr 
£ter  %$m ,  aU  meiner  fyotten.  2a£  fte  fpotten,  (af  fte  lachen, 
©Ott,  'meiu  £etl     SSirb  in  Sil      ©ie  gu  @rf?anben  magern 

Urteilet  alfo  nid)t  naa;  bem  äußetn  ©d?ein;  ©ott  füljrt 
eua;  ^war  wunberbar,  boa;  feliglia;*  (iure  £errlid)feit  in  bte* 
fem  Seben  gleia)t  ben  ©ewädjfen,  bie  im  SOSinter  fo  unfa;ein* 
bar  ftnb,  unb  benen  man  nid)t  anjtefjt,  baß  fte  $u  rechter  3?i* 
Blumen  unb  grüd)te  tragen  rennen*  ^tnjt  werben  wir  son  al* 
lern  Uekl  erlöst  unb  p  ber  gretjjeit  unb  ©eligfeit  ber  ß'inbVr 
©otteS  gebracht  werben,  £)ann  wirb  ft'd;  ber  gan^e  Fimmel 
über  uns  freuen  unb  alle  ©ottlofen  fetten  biej'enigen  mit  23c* 
fa)ämung  feljen,  wela)e  früher  t>on  ijimen  tterfpottet  werben  ftnb* 
—  ©o  laffet  eua;  ben  £roft  nid)t  rauben,  baß  ber  gnäbige  ©ott 
unb  $ater  für  eud)  forge*  SBenn  tljr  aua;  zuweilen  mit©euften 
flagen  muffet:  (£r  jjabe  ©ein  Angefügt  verborgen,  fo  glaubet 
bod)  feß,  baß  @r  noa)  an  eua;  benfe*  (£in  $ater  fann  nid;t  tm* 
mer  mit  feinem  $inbe  fielen,  befonberS  wenn  eS  peranwäa;St 
unb  größer  wirb.  @r  muß  es  aua;  guweilen  £art  anreben  unb 


515 


tymbenSQBitfen  brechen;  aber  er  bleibt  bod;  SSatev*  £)ie£tebebe$ 
Ijimmlifajen  SSaferS  gleicht  ber  ©onne,  bie  üjren  ©c^etn  ntdjt 
vertiert,  wenn  fte  fta)  aua)  ^uwetfen  unter  eine  bunfle  2öoIfe 
verbirgt*  (£3  fonnen  fta)  gälte  ereignen,  in  welchen  un3  ©Ott 
©eine  ©uabe  dm  Solang  gu  entjtei^en  fa)eint;  aber  @r  bleibt 
boa)  bie  eroige  Siebe»  —  £>ie  Butter  SJfojfä  mugte  aus  gura)t 
vor  bem  $önig  5)j?arao  tyx  liebes  itinb,  baS  fte  brei  Monate 
lang  verborgen  j?atte,  enblia)  ins  Söaffer  legen,  boa)  legte  fte 
tljre  £iebe  nia)t  ab,  barum  fy atte  fte  ijjre  £oa)ter  befielt* ,  bie 
von  ferne  äufejjen  foltte,  wie  eS  bem  $inbe  gepen  würbe.  2)ieg 
ift  ein  SSorbilb  ber  %khc  ©otteS ;  manchmal  erforbert  eS  bte^cotl;, 
tag  Grr  unS  au$  ©einem  ©a)oo§  ins  Gaffer  ber  Srübfat 
fegen  mmj,  feboa)  ift  (Er  nia)t  mit  von  uns.  ©eine  Ziehe  tji 
ein  geuer,  bas  aua)  im  tiefften  SBaffer  ma)t  verlöfa):*  SQSar  eS 
nia)t  bie  gleiche  %kbt,  wcta)e  3ofev^)  in  bie  ©ctaverei  führte 
unb  il?n  naa)l?er  fo  £oa)  eri?ob?  £tob  war  feinem  ©ort  fo  Heb, 
als  er  aller  feiner  ©üter  beraubt  unb  von  3ebermann  vertaffen 
war,  tt>k  naa)^er,  ba  er  wieber  $u  GE^ren  fanu  Unb  wo^u  be- 
würfen wtrnoa)me!>r35eifviele?  —  23ei  wem  war  bie  £errtta)* 
feit  tiefer  verborgen  als  bei  3efu?  äöer  {mtte  unter  fo  armfe* 
liger  ©eftatt,  unter  fola)er  ©a)maa)  unb  33eraa)tung,  baS  (gbtn* 
bilb  beS  götttia)en  28efenS  gefua)t?  S&it  eS  nun  bem  Raupte 
S™9>  f°  3e£*  e^  ken  ©liebem,  unb  wer  will  eS  beffer  jjaben, 
als  eS  ber  eingeborne  ©of?n  ©otteS  felbftgebabt  fyatf  Wiv  ge* 
nüget  an  ber  ©nabe  meinet  ©otteS,  unb  wenn  dv  mia)  bura) 
©einen  ©eijt  verfia)ert,  bag  ta)  ©ein  $inb  bin,  fo  mag  (Er 
fonjt  aus  mir  maa)en,  was  (ürr  will*  3a)  will  gerne  bie  £)or* 
nenfrone  meinet  £errn  3efu  tragen,  wenn  ia)  fte  nur  als  $inb 
©otteS  unb  5D?iterbe  meinet  (ünrföferS  trage*  —  Grrfa)redet  aua) 
ma)t,  ij)r  Jftnber  ©otteS ,  wenn  eua)  ber  ©atan  mit  groger 
2ttaa)t  unb  £ift  pfe£t,  iljr  freuet  unter  bem  ©a)u£  eures  33a- 
terS  im  #immel*  tiefer  geinb  mußte  fetbft  einft  gefielen,  bafj 
©Ott  ben  £tob  unb  all  baS  ©einige  wo^l  verwahrt  i?abe*  ©o 
ift  eS  je§t  noa)  mit  unS,  unb  wir  fönnen  getroft  fagen:  £)er 
£err  tft  metn£t a)t  unb  mein  $  eil,  vorwemfolttia) 
mia)  furo) ten?  Der  £ert  tji  meines  Gebens  $raft, 
vor  wemfolltemir grauen?—  (£ben f o wenig tajfet eua) 

33* 


516 


irre  machen,  wenn  bieSSelt  eud;  »erac^et,  fte  fennet  eua)niä;t, 
wie  fte  ©ottnio)t  lennt;  war  bodj  euer  (Möfer  aua)  ein  Spott 
ber  SÖBelt   3^  vertieret  nichts  »on  eurem  2Ber$,  wenn  man 
eua;  ni$t  ^u  fd)ä$en  mi$,  fo  wenig  als  ber  (^betftetn  in  ber 
#anb  eines  Itoerftänbigem  —  £ciftert,  »erfolgt  unb  häxüht 
uns  bie  Seit,  fo  laffet  uns  mit  bcm|>eilanb  fpredjen:  „Sßater, 
»ergibijmen;  bennfte  wiffen  nia;t,  waSfietjjun! 
©elig  fe^b  ij)r,  wenn  eu$  bie  9ftenfc|)en  um  WtzU 
netwillen  fdjmäjjenunb  »erfolgen  unb  reben  ah 
lerlet  UebelS  »on  eua),  fo  fte  baran  lügen,   fetyb 
fröljltd;  unb  getroft,  es  wirb  eua;  im  Fimmel  wo^( 
Belohnt  werben/'  Raffet  eua)  ben  £rojt  ber  ©nabe  unb 
^tnbfdjaft  ©otteS  Weber  burd)  £rübfal,  noa)  SIrmutfj,  weber 
burd;  9*0$',:;  nod)  £ob  auö  bem  ^er^en  rauben.   Der  ift  ntd)t 
arm,  weiter  ©lauben,  £tebe,  ©ebulb,  Seufzer  unb  ordnen 
$at;  ber  ijt  nia;t  arm,  welcher  Bei  ©Ott  in  ©naben  fie£t,  unb 
bie  gewiffe  Hoffnung  ber  ^ufünfttgen  ©eltgleit  bejtgt  Unb  wenn 
Wir  aud;  in  tiefer  Seit  nta)t  im  Ueberflng  leben,  mc  manche 
Rubere,  fo  wiffen  wir  bod;,  baß  wir  einft  unvergängliche  6d)ä|e 
ermatten,  wir  wiffen,  bafi  uns  9fta;tS  »on  ber  £tebe  ©otteS  in 
ßfjrtfto  3efu  fa)etben  lanm  Der  £ob  ift  Zubern  fa)redlia), 
uns  aber  erfreulich   Den  Selilinbern  nimmt  er  2l(leS,  aber 
bie  tinber  ©otteS  fe£t  er  in  ben  SBeftfc  beS  ewigen,  Junmltföen 
<£rbeS*  Darum  laffet  uns  freubtg  fortgeben  auf  bem  formalen 
Sege,  ber  äitm&ben  füf>rt— Dabei  aber  wollen  wir  nia;t»er* 
geffen,  bag  wir  leine  arme  unb  elenbe  9flenfa;en  »erachten  fol* 
len-    „Senn  bu  einen  frommen  9)?enfa)en  jtefjjt,  bemerlt  ein 
©ele^rter  gu  unfern  £erteSworten,  ber  entweber  arm,  ober 
Iran!  ober  ungeftaltet  unb  »on  ber  Seit  gering  gefaxt  i%  fo 
beule  baran:  bu  fef>eft  ein  $tnb  ©otteS,  baS  in  jener  Seit  mit 
^immlifa)er  Ilar^eit  gefa)müdt  werben  wirb.    25eraa;te  Un 
$*enfa)en  nid)t  wegen  feiner  feigen,  avmfeligen  ©eftalt,  »iel* 
me|>r  $eige  Hd;  freunblia)  unb  liebreid;  gegen  benfelben*  „Ser 
Iwtte  geglaubt,  bag  £a$aru3,  ber  im  tiefften  (£lenb  »orber 
£f)üre  beS  2teia)en  lag,  M  ©Ott  fo  fef?r  in  ©naben  jkfje?  <5o 
^at  mand;er  ^enfa)  eine  ^arteSugenb,  wirb  unter  junger 
unb  Kummer  erlogen;  ©ott  aber  maa)t  ihn  nad)  ©einem 


517 


unerforfd;li$en*Ratf>fa)luffe  fpdter  ^u  einem  angef  ebenen  Spanne* 
üDaper  möchte  man  kt  manchem  Firmen,  Traufen  unb  SBerlaf* 
fenen  mit  3efu  fagen:  ©ie^eft  bu  tiefen  3D?ann,  tiefet  SBeib? 
—  ©laubft  bu  wofil,  bag  biefeS  (£fenb  einft  in  £errlta)f eit 
verwanbelt  werben  fönne,  bag  biefer  nichtige  ?ei6  bem  serflär= 
ten  £etfre  beS  £errn  äjmlia)  werbe?  £ältft  bu  eS  für  möglief;, 
bag  biefer  arme  Bettler,  tiefe  betrübte  grau  M  bem  2ttter£öa)* 
ften  in  größerem  SSfafepen  fiejje,  als  bu  mit  aßen  beinen  ©a)ä* 
|en?  £),  fo  t>eraa)te  unb  betrüge  t>te  Unglücflia)en  nia)t,  vkV 
mepr  tjme  tarnen  ®nte$,  mad)e  fte  bir  au  greunben;  bieg  wirb 
bir  mel)r  nügen,  als  wenn  tu  frei  einem  grogen,  aber  gottlofen 
gürften  in  ©naben  ftcinbefL 

III.  Vlod)  tft  übrig,  tag  wir  tie  2D?erfmale  für 3  an; 
geben,  an  welchen  bie  hinter  ©Ott  eS  in  tiefem  £  e- 
fcenerfannt  werten;  im  tritten  £fjeil  werten  wir  ©ele* 
genpeit  |>abcn,  ausführlicher  ba*>on  %u  reben.  —  3of>anneS 
fagt :  „(£tn  3eglia)er,  ber  fola)e  Hoffnung  ^u  ©Ott 
J?at,  reinigt  fia),  gleia)wie  (£r  aua)  rein  iji"  (£r  be* 
fleigigt  fta),  ein  reines  #eq  unb  ein  gutes  ©ewiffen  $u  jjaben, 
fua)t  feinem  ©Ott  täglia)  $u  bienen  unb  fta)  $or  wiffentlia)en 
©ünben  ^u  Ritten*  (£r  reinigt  fta)  »ott  atter  23efledung  beS  glet* 
f$eS  unb  ©eifteS  unb  fäprt  fort  mit  ber  Heiligung  in  ber  gura)t 
©otteS.  2)emt  wer  aus  ©Ott  geboren  tft,  ber  tjjut  feine  ©ünbe; 
wer  aber  Unreä)t  tyut  unb  feinen  trüber  nia)t  liebt,  ber  tft 
nia)t  *>on  ©Ott.  —  £)ie  ^tnber  ©otteS  a|>men  iljren  SSater  im 
Fimmel  naa),  fte  ftnb  ptmmltfa)  geftnnt,  {laben  feinen  ©efatten 
am  gottlofen  2öefen,  fonbem  eS  ift  tfinen  ein  ©reue!,  ©te  ftnb 
ttoll  £tebe  ^u  ©Ott,  unb  eS  wäre  tarnen  leib,  wenn  fte  tyn  wif* 
fentlia)  betrüben  würben.  —Der Sitte ©otteS  tft  bie ©onne  ber 
©laubigen,  naa)  wela)er  fta)  tpr  £era  rta)tet,  fa)liegt  unb  auf; 
tynt  ©te  ftnb  lebenbige  ©piegel,  barin  ©otteS  %kU  unb  ©üte, 
©eine  33armljer$t'gf eit  unb  £angmntl},  ©eine  £eiltgf eit  unb 
^ein^ett  fta)  ^etgt  ©ie  ftnb,  tx>k  3efuS,  fanftmütjng  unb  von 
£er$en  bemütlng,  feufa),  aüa)tig,  mägig,  genügfam,  aufrichtig 
unb  wa^r^afttg;  fte  eifern  um  bie  (£j?re  ifjreS  23aterS,  fu* 
$en  ©eine  Girrfentttnig  überall  $u  »erbreiten  unb  ©eine  ^ie^e 
fortaupflanaen,  —  •  SDWt  Einern  SBort,  fte  folgen  ber  <£x* 


518 


malmung  be£  2lpofkl£,  ber  ba  ifagt;  „©trebet  barnad), 
bag  if?r  fepb  oljne  £abel  unb  lauter,  unfträflta) 
mitten  unter  bent  serfeprten  ©efa)fed;t,  unter 
wela)em  ijjr  fa)einet  atß  bie£ta)ter  in  berSQSelt, 
babura),bafH£rpaltetanbem2öorte  be6?eben3." 

—  -ft-ad)  biefem  fann  nun  ein  3eter  fta)  felbft  prüfen,  ob  er 
unter  bie  ^inber  ®otte$  gebore  ober  nia)t  Die  ©aa)e  ijt 
wia)tig;  benn  bte  gan^e  ©efigfeit  f>angt  baoon  ab.  9tie* 
manb  will  ein  $inb  be$  Teufels  fe^n,  unb  felbft  gottlofe, 
augfa)weifenbe  2D?enfa)en  entfe^en  fta)  ttor  biefem  tarnen  unb 
fagen:  behüte  ©Ott,  ta)  bin  ein  Jvtnb  ®otte$,  nia)t  be$  £eu* 
feto*  ©epet,  fo  erfa)ri(ft  ber  Sftenfa)  oor  beut  fa)recflia)en9ta* 
tuen,  unb  aa)  leiber !  oor  ber  Xfyat  fyütti  er  fta)  m'a)t.  —  9hm, 
mein  lieber  @l?rijt,  bte  $robe  ijt  leia)t,  wer  tin  ©otte$  $inb 
tft,  ber  reinigt  fta)  $on  aller  23efledung,  unb  traa)tet  barnaa), 
bag  er  feinem  ©Ott  unb  SSater  in  #eiligfeit  unb  ©erea)ttgfeit 
bienen  möge  fein  §eben  laug*  Darum  bitte  ify  eua),  liebe  fe 
fer,  um  eurer  ©eelen  willen,  bk  (£lmftu3  mit  ©einem  teuren 
231ui  erfauft  jjat,  lefet  fofa)e  Dinge  nia)t  obenfun,  e$  muß  Ijier 
eüt  <£ntfa)luj$  gefaxt  werben,  t^r  muffet  e$  wiffen,  m$  i£r  fepb* 

—  (£m  $inb  ©otteö  ober  ein  ^inb  be3  £eufel$.  £ier  ift  feine 
$ermifa)ung  möglia) ,  £ia)t  unb  gütjlenufj  fönnen  nia)t  neben 
einanber  befielen,  Ctlmftu^  unb  23elial  fönnen  nia)t  überein* 
ftimmen.  SSSenn  tpr  eua)  nia)t  täglia)  bura)  wajjre  33uge  reim* 
get,  wenn  ipr  noa)  ©ünbe  fyut  unb  naa)  bem  gleifä)e  wanbelt, 
fo  fönnet  iljr  leid)t  fa)liegen,  was  i£r  fepb,  unb  wela)e  £off* 
nung  jux*  ©eligfeit  i£r  eua)  maa)en  fönnet.  2Öie  fönnet  ipr 
alfo  fta)er  unb  fröjjlia)  fepn,  mt  fönnet  t£r  forgenlo^  effen, 
trinfen  unb  fa)lafen?  —  ^jnltpo,  ßom'g  oon  2J?acebonien,  lieg 
fta;  einfl  burdj  einen  ^ammerfciener  täglia)  zurufen :  „bebenf e, 
bap  bu  tili  j!erblia)er  Sttenfa)  bijt."  —  £),  bag  wir  un3  allefammt 
iägfta)  felbft  erinnerten:  bebenfe,  bag  bu  ein  linb  @otte3  bifH 
<£benfo;  follten  wir  aud)  unfern  ^inbern  von  Sugenb  auf  bk 
£errlia)feit  ber  $inbfa)aft  ©otteg  rea)t  erflären  unb  fte  biefelbe 
£oa)aa)ten  fefjren,  bamit  fte  fia)  in  ber  £rübfal  bamil  tröften 
unb  in  geiftigen  unb  leiblid)en  2Infed)tungen  beruhigen  fönnen. 

—  ©o  fliejje  benn,  bu  ©otteöftnb,  bie  £üjte  ber 


519 


3ugenb,  meibe  ben  ©et^,  bie  Unge vec^tiöf eit,  t>ie 

Unreinigfeit,  bie  £offart,  bie  £runfenl?eit  unb 
anbere  ©ünben;  jage  aber  naa;  ber  ©erea)tigfett, 
bev  ©ottfetigfeit,  bem  ©tauben,  ber  $itbe,  ber 
©ebulb,  ber  (Sanftmut!;,  kämpfe  ben  guten 
$ampf  beö  ©tauben^,  ergreife  ba3  ewigeSeben, 
ba^ubuaua;  berufen  bifh  £)enfe  allezeit  an  beute  §o* 
l;eit  unb  $errtia)feit  —  Ha),  lieber  ©Ott  imb  SBater!  tepve  unö 
boa)  bie  pope  äöürbe  unferer  $inbfä)aft  reä)t  verfielen  unb 
poa)aa)tem  £epre  mtg  burä)  betnen  peil,  ©etft  gottfetig  unb 
Zeitig  leben,  unb  tag  un3  enblia)  als  beine  ättnber  fetig  fterben 
unb  ^um  völligen  33eft#  beS  pimmtifa)en  GrrbeS  gelangen  bura) 
Sefum  Gtprijhtm,  unfern  £errn,  wela)em  fammt  2)ir  unb  bem 
werben  peiL  ©eift  für  biefe  imb  alle  2Bopttpat  £ob,  *PreiS, 
@pre  unb  2)anf  gefagt  fep,  jegt  unb  in  @wigfeit!  2lmen> 


@  i  I  f  t  e  3P  r  e  fc  t  g  t. 


$on  ber  Bereinigung  ber  gläubigen  Seelen  mit 
£prifto> 

2:.  £ofea  2,  19.  20.    34?  wM  nud;  mit  fc>ir  »evloben  in  @n>iö- 
fett  jc.  :c. 


S  i  n  g  a  n  g. 
Sm  Flamen  Sefu!   Wmm» 

£>ie  Sitten  patten  nia)t  ttnrecpt,  wenn  fte  fagten;  man 
fonne  einen  glMtia)Gn  9ttenfa)en  an  brei  ©türfen  erfennen: 
1)  wenn  er  glütftia)  unb  gut  geboren ;  2)  wenn  er  nad)  Sßunfa) 
Verepiicpt  fep,  unb  3)  wenn  ipm  ©Ott  an  fanfte*  unb  feligetf 
Gmbe  befepeere*  —  Unter  einer  glücftia)en  ©eburt  verftanben 
fte,  baß  man  mit  einem  gefunben,  woptgeftalteten  Selb  unb  tU 
ner  vernünftigen  ©eete  »erfepen,  von  eprlidpen  Ottern  geboren 
fep,  unb  fttt)  einer  guten  @r$tepung  ju  erfreuen  pabe,  —  ®wi& 


520 


fcte  lölume  ift  beff  er  bar  an,  tue  tn  einem  frönen  (Herten  ge^ 
pflanzt  würbe,  als  eine  anbere,  bie  mitten  im  gelbe  unter 
dornen  unb  £)ifteln  wäa)St  unb  in  jebem  Slugenblide  vertreten 
werben  fanm  2lua)  jkpt  eS  beffer  um  bie  9?ebe,  welche  fleißig 
befa)nitten  unb  gewartet  wirb,  als  um  biejenige,  weiche  wilb 
wäa)St*  (£benfo  ift  opne  Bweifel  ber  9D?cnfc^  glüdlid;er,  weldjer 
tten  a)riftlid)en  Ottern  erlogen,  *>on  3ugenb  auf  $ur  ©ottfelig* 
ftit  angepalten,  x>ox  bem  2lergermß  ber  2öelt  gewarnt  unb  mit 
bem  3iötpigen  serforgt  wirb,  als  ein  anberer,  bem  eS  an  allem 
tiefem  feplt  $cana)em  gibt  baS  f glimme  betragen  feiner 
(Ottern  zeitlebens  einen  Vorwurf,  9ttana)er  gleia)t  in  bem  £aufe 
feiner  gottlofen  Gütern  einer  23lume  unter  bem  Unfraut,  unb 
wirb  balb  geärgert  unb  beS  2>öfen  gewohnt,  baS  ijmt  naa)|>er 
zeitlebens  anfängt;  Sttandjen  enblia)  brücft  bie  2lrmutp  .feiner 
Ottern,  baff  er  nia)t  auffommen  fantn  —  3$  Swbe  ^^i  feine 
anbere  2lbfta)t,  als  baß  ia)  eua)  alle  ernfilia)  frage:  ob  itjr,  bie 
tyx  eua)  einer  fo  glüdlia)en  ©eburt  3U  erfreuen  Ijabt,  eurem 
©Ott  bisher  aua)  banfbar  bafür  gewefen  fei;b?  2)iefe  2Sopl* 
tyat  gehört  ojjme  3weifel  unter  biejienigen,  von  wela)en  2lugu* 
(tin  fagt,  baß  man  nid)t  auf  fie  aa)te,  weil  fie  fo  ge* 
wöjjnliajfepem  (£S  wäre  gut,  wenn  bie,  weld)e  fo  glüd* 
lia)  ftnb,  fta)  oft  mit  5lnbern  ttergleia)en  unb  bebenfen  wür^ 
ben,  baß  unter  ipnen  fein  Unterfcjneb  fe$>,  als  beijenige,  wel* 
d)en  bie  ©nabe  beS  £öa)ften  maa)t,  unb  baß  bie,  wel'a)e  mepr 
empfingen,  für  9tteprereS  su  banfen  paben,  unb  aua)  bereinft 
$on  Stteprerem  3rea)enfa)aft  geben  muffen* 

2)  2lua)  eine  gute  (£j?e  wirb,  vok  billig,  für  baS  größte 
©lud:  biefeS  2ebenS  gepaltem  3m  Qrpeftanb  tft  entweber  ber 
Fimmel  ober  bie  £ölle  auf  (£rben,  wer  ben  erfteren  ftnbet,  ber 
ijt  glüdlta)*  2IIS  ein  frommer  £er$og  *>on  Lüneburg  einjt  ben 
(Speftanb  seraa)ten  pörte,  fagte  er:  „©Ott  f)at  bem  9ttenfa)en 
außer  ©einem  ©otnt  unb  bem  peil*  2öort  nia)ts  SSeffereS  ge* 
geben  als  biefen  ©tanb*  2)iefeS  £eben  gleia)t  einer  befa)wer* 
*ia)en  Steife,  unb  ber  Sttenfa)  ^at  auf  berfelben  mit  mand)erlet 
(Sorgen  unb  £rübfalen  $u  Mmpfem  2ßer  nun  einen  treuen 
©efäprten  ftnbet,  ber  biefe  £ajt  mit  ipm  tytiltf  unb  ipm  unter 
allen  Umftänben  treulia)  beifkpt,  ber  barf  fta)  fepr  glüdlia) 


521 


fo)ä#en."—  2ÖaS  fann  Keffer  fepn,  als  wenn  ber$?ann  eine  ftte 
fame  grau  pat,  auf  bie  er  fta)  serlaffen  fann,  bie  tpm  bura) 
Cte^e  unb  £reue  alle  23itterfeit  biefeS  Gebens  »erfügt?  2öaS 
fann  erwünfa)ter  fepn,  als  wenn  bte  grau  einen  2!ttann  gefun? 
ben  jmt,  ber  mit  Vernunft  bei  t^r  wol?nt,  fte  ljerälia)  liebt  unb 
fte  in  i£rer  6a)waa)fmt  frafttg  unterftü^t?  (Eine  fromme  unb 
getreue  (£l?egattüt  ift  nia)t  bloS  bie  anbere  £anb  beS  Cannes 
bei  ®efa)äften  feines  Berufs,  fonbern  aua)  oft  an  Sßer^eug 
@otte^  um  tjm  $ur  25uße  unb  ©ottfeligfeit  ^u  führen  unb  barin 
3u  ermatten. 

3)  ©elbft  bie  Reiben  Ijaben  ernannt,  baß  baS  ©lud:  eiltet 
9ttenfa)en  x>ox  feinem  £obe  nia)t  für  sollfommen  gehalten  wer? 
ben  forme ;  befannt  tft  bie  @efa)ia)te  beS  reiben  Königs  $ro? 
fuS  unb  beS  weifen  Solon  *>on  2ltt)en*  Profus  ^etßte  einft  bem 
<3olon  alle  feine  ©d)ä£e,  unb  fragte  tt)n:  ob  er  einen  glücfli? 
(t)eren  $?enfa)en  gefef>en  fyafo,  als  tjm?  tiefer  antwortete 
unter  anberem :  sor  bem  £obe  ift  -ftiemanb  glücflia) 
gu  nennen,  fo  wenig,  als  man  einem  S0?enfa)en,  ber 
noa)fämpft,  ben  ©tegeSfran^  auffegen  fann*  2)a? 
mit  war  ßröfuS  t)öa)jt  un^ufrieben,  unb  würbe  unwillig  über 
ben  <5olon;  boa)  erinnerte  er  fta)  fpäter,  als  er  $on  bem  $o? 
ntg  (5pruö  überwunben  unb  gefangen  worben  war,  an  )[ene 
Sßorte»  <£x  würbe  $um  geuertobe  serurtt)eilt,  unb  rief,  als  er 
auf  bem  ©a)eitert)aufen  faß,  mehrmals  auS:  £>  @olon!  211S 
(X^ruS-bieß  ^örte,  lief  er  ben  Profus  x>ox  fta)  bringen,  unb 
fragte  tl)n,  was  biefe  SSorte  ju  bebeuten  t)aben?  Profus  er? 
Sät)lte  feinem  (Bieger  bte  Unterrebung  mit  <Solon,  wela)e  ben 
(XpruS  fo  rührte,  baß  er  feinem  ©efangenen  nia)t  bloS  baS 
£eben  fa)en!te,  fonbern  tjm  aua)  naa)l)er  als  greunb  bet)an? 
belte*  — -  2öaS  t)ilft  alfo  altes  ^eitlia)e  ©lücf ,  wenn  ein  böfeS 
(£nbe  barauf  folgt;  was  nü|t  ein  täglia)eS  greubenleben,  mnn 
eS  $ur  ewigen  $erbammniß  füprt? 

£)emnaa)  ijt  in  ber  SÖelt  ^iemanb  glütfliajer,  als  ein 
gläubiger  £t)rifL  (£r  ift  wot)lgeboren,  es  fte^e  um  feine  leib? 
lia)e  ©eburt,  rr>k  eS  will  (ix  ift  aus  ©Ott  geboren,  was  fann 
größer  unb  beffer  fei;n?  ©obalb  er  auf  biefe  Grrbe  fommt, 
nimmt  tjm  t)k  ©nabe  beS£öa)j*en  in  tl)ren  ©a)ooß,  unb  beglüdt 


522 


tjm  mit  ber  Spmlityhit  ber  &inbfd;aft  ©ottetf,  er  wirb  in  bte 
©emeinfa)aft  3efu  ^prtftt  aufgenommen,  bte  allem  ©lüde  ber 
Söelt  weit  »or^te^en  ift  —  Der  erftgebowe  ©olm  eineg 
Honigs  erlangt  bura)  feine  ©eburt  Hoffnung  auf  $Jlad)t,  $o* 
l)ät,  9?eidjtl?um  unb  £errlia)fett.  28aS  ift  bieg  aber  gegen  bte 
£errlia)feit  be$  cirmjten  Gtlrnftenfinbe^,  ba$  au$  28ajfer  unb 
©eijt  ^um  SRätye  ©otte3  wiebergeboren  ift?  2Sela)er  vtd)U 
fdjaffene  (Sljrift  wollte  feine  Hoffnung  gegen  bte  gan$e  $pm* 
lia)feit  ber  Ungläubigen  »ertaufd)en?  —  SCuf  gleiche  SöSetfe 
fann  man  aua)  »on  bem  grommen  fageu,  ba$  er  Jner  fd)on  in 
einer  fel?r  glüdlia)en  ^erbinbung  lebe*  Denn,  wenn  er  aud; 
in  biefem  Seben  nia)t  naa)  28unfa)  »erej)elia)t  tji,  fo  tß  er  boa) 
glüdlia)  bem  ©eifte  naa),  wei!3efu3  (££rifto$,  fein  (£rlöfer, 
ipn  pernio)  liebt  unb  beretnjt  in  ©eine  £errlia)feit  aufnehmen 
tcitL  —  9ftit|un  wirb  e£  ber  glaubigen  ©eele  aua)  nia)t  an  et* 
nem  feiigen  2lbfa)teb  au$  biefer  SSelt  fehlen ;  benn  fte  »erlagt 
fcie  hinfällige  fyntk  iljretf  %eibt$  in  ber  Hoffnung,  biefelbe  einjl 
in  groger  ^larjjeit  wieber  ^u  belommen,  ©ie  ge£t  auö  biefem 
«eben  aU  tinb  ©otteö,  att  Verlobte  3efu  <g$rijH  unb  al* 
ein  £empel  beS  peil,  ©eijk3,  ©ie  »ertauf a)t  ben  Streit  mit 
bem  ewigen  grieben,  bk  grübfal  mit  ber  greube,  bk  Slrmutl) 
mit  beut  D^eiajtljum ,  bie  ©d)aube  mit  ber  @£re#  bte  dikthit 
mit  ber  feiigen  (£wigfeit,  ©ie  gept  bajin,  gefa)müdt  mit  ber 
©nabe  ©otte3,  eingefa)loffen  in  t>k  %kfo  3efu  (grifft',  erfüllt 
mit  bem  £rofte  beg  fjeil*  ©eifieS,  begleitet  »on  t>tn  Engeln, 
»erfta)ert  beö  ewigen,  perrlic^en  @:rbe3,  bag  if)r  beigelegt  iß 
im  £immeL  ©o  ift  nun  -ftiemanb  glüdlia)  al$  ber  gromme ; 
benn  auger  biefer  ©lüdfeltgfeit  ifi  2illeö  ein  £raum  unb  ein 
©chatten,  ber  »orübergefjt  — 

2öir  paben  früher  ba$  ©lud  ber  glaubigen  ©eele,  t>ä$ 
aus  ber  $tnbfä)aft  ©otte3  entftringt,  bcfü)rieben,  jegt  wollen 
wir  fortfahren,  fte  aU  eine  Verlobte  be$  £>errn  3efu  51t  be^ 
iraa)ten*  @x  fegne  unfere  Arbeit  jum  greife  ©einetf  ^amen$, 
unb  laffc  fte_un$  sunt  grojt  uno  $ur  Erbauung  gereidjen*  kirnen. 


523 


Unter  ber  SBerbinbung  ber  gläubigen  ©eete  mit  ßfmjlo 
»erftejjen  wir  mc^tö  2lnbere3,  als  eine  wettere  Offenbarung  ber 
©emeinfrfjaft  bura)  ben  ©(auben  an  3£n,  eine  größere  $RiU 
tfjeihmg  ©einer  £iebe  unb  ber  fBerftc^erunß  (Betner  ©nabe  unb 
£reue*  ©ie  war  ehemals  »erlaffen,  ©Ott  aber  ljat  ftd)  ü)rer 
au$  (auter  ©üte  angenommen,  fte  geregt  gemacht,  geheiligt 
unb  mit  allerlei  getfttgen  ®abtn  unb  ©ütern  befeltgt  £)amit 
aber  begnügte  fia)  ©eine  ©nabe  nid)t,  fonbern,  wie  (£r  fte  ^u 
©einem  JHnbe  angenommen  $at,  fo  fotf  fte  aua)  t>k  Verlobte 
©eineö  ©olweS  3efu  GtyrtfU  fepm  Diefer  »crbtnbet  ftd)  mit 
tjjr  auf  ewig,  erflärt  fte  für  Sein  ^igentfium,  erfreut  fte  mit 
©einem  £rofte,  beglücft  fte  mit  ©einer  £tebe,  unb  feft  fte  zvti* 
tia)  in  bte  ®emetnfd)aft  aller  ©einer  ©üter*  —  £)teß  fönnen  wir 
gwar  in  unferer  ©  tt)  wad)f>eit  nta)t  begreifen,  unb  ber  trbifd) 
geftnnte  SERenfa)  treibt  fo  gerne  feinen  ©pott  bamit;  bod)  fpre* 
ä)en  barüber  »tele  ©prüa)e  ber  peil*  ©a)rift,  weld)e  wir  ge* 
porig  bepeqtgen  wollen*  £>enn  wo^u  ftnb  bie  33lumen  auf  bem 
gelbe,  unb  wo^u  bient  ber  £onig  in  benfelben,  wenn  bte  33te* 
neu  ü)n  nid)t  fammeln?  Söo^u  bienen  bie  2lu6fprüa)e,  welche 
$on  ber  £tebe  unb  ©nabe  ©otteS  ^eugen,  wenn  wir  fte  nid)t 
fcenü^en  wollen?  ©Ott  fyat  m&  bef  wegen  hk  £errlta)f  eit,  bie 
wir  in  Qtjmjfa  paben,  bura)  fein  2öort  funb  getrau,  baß  wir  un$ 
berfelben  »on  i^er^en  freuen,  unb  mit  jjer^licfyer  £iebe  gegen 

3j?n  erfüllt  werben  follem SBir  fangen  mit  unfern  Ztx* 

te3wortenan:„3d)  willmia)  mit £>ir  verloben," fpria)t 
ber  ©ojjn  ©otteS*  5ld)  £err,  wir  ftnb  biefer  großen  ©nabe 
ma)t  wertjj ,  2)eine  %khz  ift  bte  einzige  Urfaa)e  biefer  Serbin* 
bung.  —  £)ie  ©eele  hat  »on  ftd)  felbji  nid)t3,  ipre  ©ered)tig* 
feit  ftnb  et  fte  in  deinen  1}  eiligen  SSunben,  unb  ipren  ©a)mit(f 
in  deinem  teuren  23lut;  bod)  liebft  £)u  fte  fjer$lt$,  unb  er* 
wäftfft  fte  xwr  allen  anbern  Kreaturen  ^um  (£{gentl;um*  <£$ 
ift  £)ir  ernfi  mit  deiner  £tebe;  benn  nia)t  umfonftfprtd)ft  2Du 
breimal:  3a)  wia  3Äity  mit  bir  »erloben  in  <£wigfeit-  —  Sitte 
anbern  SSerbinbungen  fycht  ber  £ob  auf,  biefe  aber  folt  aua) 
naa)  bem  £obe  befielen,  3a)  will  mia),  fagt  ßfmftitf,  mit 


524 


ewiger  ©nabe  betner  erbarmen,  e$  folten  w,o£l 
33erge  wetzen  unb  £üget  IHnfatten;  aber  2D?etne 
©nabe  fott  nta)t  »on  bir  weichen  unb  berlßunb  WleU 
ne$  gfriebenS  fott  nidjt  jjtnfatten*  —  9?oa)  nie  fmt  3e* 
fu$  eine  gläubige  ©eete  »ertaffen*  Sie  tonnte  er  aua)  ©eine 
£anb  x>on  ij)r  ab^en,  ba  (£r  fte,  wenn  fte  3|w  vertagt,  mit 
fo  groger  ©ebulb  unb  £angmutfj  fu$t?  (£r  ruft  bem  Slbgefalte* 
nen^u:„^e|»re  wieber,  buStbtrünniger,  fo  wiUSfy 
mein2lntti£  gegen  bia)  nia)t  »erftetten;  benn3$ 
Mn  barm£er$ig,  unb  Witt  nid)t  ewigtttt)  zürnen/7 
—  3$  Witt  Slttia;  mit  bir  »erbinben  in  ©erea;tig* 
ttit  unb  ©eriä)t,  fagt  3efu$  ferner,  b* t.  ia)  will  bia)  »on 
alten  @ünben  reinigen  unb  mit  meiner  ©erea)tigfeit  fa)mücfen, 
tt>iü  bia)  im  ©eria)te  ©otteS  vertreten,  Witt  bein  <Sa)u£  fepn 
gegen  atte  getnbe,  baff  bu  jletä  ben  ©teg  begatten  fottji  — 
3a)  wittmia)  mit  bir  »erbinben  in  ©naben  unb  33arm  jj>  er* 
3igfeit,  Witt  mit  beiner  ©a)waa)f>eit  ©ebutb  paben,  Witt 
bir  in  atten  SStberwctrtigfeiten  beiftepen,  will  bein  Qö^Wt  gnä* 
big  erhören,  beiner  9?otp  mia)  annehmen  unb  bir  bie  erwünfa)te 
£ütfe  wieberfaljren  taffen ;  unfer  23unb  fott  auf  tauter  £tebe 
unb  ©üte  berufen.  —  Gmbtitt)  J>et^t  eS,  im  ©  tauben.  Witt 
3a)  9ttia)  mit  bir  »ertoben;  ber  ©taube  fott  ba$  Wtittd  unferer 
SBerbinbung  feipn,  wobura)  3$  bia)  in  bie  @emeinfa)aft  alter 
deiner  ©üter  einfe^en  will*  —  Unfere  angeführten  geriet 
Worte  attein  würben  jnnreta)en,  bie  innige  SSerbinbung  unferer 
6eele  mit  bem  ©ofme  ©otteä  gu  betätigen;  aber  wir  wollen 
aua)  noa)  anbere  ©teilen  befjer^gen*  $autu3  fpria)t  gteta)* 
falls  x>on  biefem  ©ejmmnig,  wenn  er  fagt:  „@j)riftu3  £a* 
bie  ©emeinbe  geliebt  unb  ©ta)  fetbft  für  fie  gege* 
ben,  auf  baß  dx  fie  ijeittgte  unb  3£nt  fetbft  bar* 
peilte  eine  ©emeinbe,  bie  jjerrliä)  fe#,  t^it  nia)t 
fytöt  einen  gtecfen  ober  9t un$ et,  ober  beffen  etwas, 
{onbevnbafj  fte  Zeitig  unb  unjträftid)  fep/'  Darum 
$at  3efuS  fein  S3tut  »ergoffen,  baß  (£r  unS  reinigte  »on  alter 
Ungerea)tigteit,  bamit  wir  uniabelfwft  »or  3^ut  erfa)einen  tonn* 
ten*  @r  f?at  uns  3 war  petita)  geliebt,  ba  wir  noa;  ©ünber 
unb  mit  alter  Unreinigleit  befielt  waren;  aber  (£r  $at  ©ta) 


525 


fetbjTfür  un0  tu  ben  £ob  gegeben,  bamit  (ix  un$  nmv? 
gen,  betltgen  unb  ©td)  auf  ewig  mit  uns  serbinben  möchte. 
—   ^r  fanb  uufere  ©eele  in  feinem  folgen  Buftanb,  ber 
3t;m  gefallen  fonnte,  barum  wollte  (ix  ©tdj  lieber  für  fte 
bem  £obe  Eingeben,  aU  biefenige  sertaffen,  bie  (ix  ©ia;  x>ox 
Slnbern  au^erforen  fjatte»  —   £)  wie  unenblicj),  wie  unser* 
glcia)tid)  ift  bie  2iefce  beS  ©o|me3  ©otte3  gegen  un$!  2ltte 
©eeten,  t>k  jta)  mit  3^nt  im  ©tauben  serbinben,  ftnb  unbe* 
fledt  unb  unjträftia),  aber  nid;t  um  ifjrer  eigenen £eitigfeit  unb 
grömmigfeit,  fonbern  um  Neffen  willen,  ber  fte  hi$  in  ben  £ob 
geliebt  fyat    2Öir  %iefyen  bie  ©ered;tigfeit  @tmftt  an  bur$  ben 
©tauben,  nid;t  au^wenbig  nad)  ben  SBerfen,  mit  welchen  no$ 
immer  einige  hänget  sermiftt)t  ftnb*  —  23efonber3  merfwür* 
big  aber  ftnb  bie  2Borte  be3  StpoftetS:  „2öir  ftnb  ©lieber 
(Seinem  %eihz$,  »on  ©einem  Steifet)  unb  sott  ©et* 
nem  Qöthein."  £)amit  will  (ix  ofme  3weifet  bie  genaue  unb 
innige  ©emetnfd)aft  anbeuten,  bie  ^wifdjen  bem  ^)errn  3efu 
unb  ©einen  ©taubigen  beftet?t  2Öie  ©Ott,  ber£err,  $on$?ann 
unb  %&tih  fagt;„©ie  werben  din  gteifdj,"  fo  fönne  man 
auef)  $on  ilmen  fagen:  fie  finb  (Ein  ©eift   2)enn  wer  bem 
#errn  anfängt,  ber  ift  din  ©  et  jt  mit  3^m+  £)ie  SSerbinbung 
ober  SBermctjjtung  mit  dfyxiflo  befielt  atfo  ni$t  bfoS  in  titHU 
d;en,  leeren  Porten,  fonbern  in  einer  wirffic$en,  watjrtjaften, 
geifttgen,  inneren  ©emeinfe^aft,  t>k  fify  beffer  empftnben,  aU 
befa)reiben  lägt*  ©o  natye  nun  tin  (Ehegatte  bem  anbern  ange* 
pört,  fo  nafje  gehört  un^  ber  ©ojw  ©otte£  an,  unb  (ix  fagt 
tton  un3:  bie  ©eete  ift  meine  Verlobte*    £ut£er$  tjerrtic^e 
28orte  barüber  ftnb:  „CtjjriftuS  Ijat  bid;  burd)  bie  £aufe  $ 
©einer  ©emeinfa)aft  berufen,  (ix  fjat  bir  ^u  %kh  ©einen  £eib 
unb  ©ein  2eben  unb  2l(teg,  wa$  (ix  fiat,  baran  gefegt,  ja  fo* 
gar  ©t$  bir  gegeben,  ba$  bu  bicf>  ntc^t  allein  beffen,  \va$  (ix 
um  beinetwitlen  getrau  unb  bir  gefc^enft  f?at,  fonbern  audj 
(Bein  ©etbft  aU  be3  ©einigen  froj?ttd)  rühmen  magjh    Unb 
reit  eine  33raut  ftd;  mit  tjer^tic^er  3w?erftd)t  auf  ipren  23räuti* 
gam  vertagt  unb  ©ein  £ei*3  für  tl?r  eigenes  £er$  fmft,  atfo 
barfjt  bu  au$  bify  3m>erftd;ttidj  auf  bte  Ziehe  dfyxifti  tterlaffen 
unb  feinen  Bweifet  baben ,  baß  (ix  anberä  gegen  bia)  gefinnt 


526 


fep,  ä$  beut  eigenem  £er^"  —  Utifer  £eilanb  feI6fi  fagt : 
„2öer  SEftitt)  Hebt,  ber  wirb  oon  deinem  *8ater  ge* 
Hebt,  unb  3a)  »erbe  tljn  lieben  unb  2ttt$  t£m  of- 
fenbaren;" b+  u  SWetn  23ater  wirb  ifm  nidjt  blo£  für  ©ein 
liebet  $inb  Ratten,  fonbern  ij?m  aua)  ©eine  ©nabe  unb  Zieht 
je  mej>r  unb  mejir  funb  tlnm,  unb  3d)  will  ü)m  buret;  Steine 
©emetnfdjaft  meljr  greube  machen,  äi$  bte  gan^e  Seit  $u  ge* 
ben  oermag*  £)er  ©laubige  foll  e3  in  ber  £f>at  erfahren, 
»eichen  liebreichen  £eilanb  er  an  Wliv  fyat,  unb  wirb  bte  Äraft 
2D?eine6  Bortet  an  feinem  ^er^eu  empfmben*  3d>  will  tyn  bur$ 
5Q?ein  £iebe£mcu)l  erquiefen,  unb  t^rrt  ben  wunberbaren  9?a% 
fa)lug  ©otte£  hü  ber  (£rlöfung  offenbaren,  3d)  will  i£m  aeigen, 
bag  ®otte3  2Bege,  fo  unbegreiflich  jte  ü)m  manchmal  au  fep 
fdjeincn,  bennod?  weife  unb  gut  fmb,  unb  bag  felbft  unter  btn 
bitterften  (£reigntfen  be£  £eben£  nt'djtö  aU  $khe  au  fmben  fe^ 
3ßer  yjlix  ergeben  ift,  foll  ben  Fimmel  offen  fe^en  unb  einen 
*Borfd;mad  be3  ewigen  £eben£  gentegen,  mit  bem  er  fidj  in 
allem  Reiben  tröften  unb  in  jeber  £rübfal  beruhigen  fanm  — 

3n  anaiejjenben  Silbern  fprtd)t  ftd;  befonberS  baö  $olje* 

lieb  über  bie  innige  SBerbmbung  ber  «Seele  mit  dfmfto  au$. 
2)er  3rbifd)geffnnte  oerfteljt  freitid;  ben  ©mn  jener  ©$rtft  nidjt; 
wer  aber  felbft  in  ber  @emeinfd;aft  mit  feinem  £errn  bur$  ben 
©lauben  fiejjt  unb  ©einer  %khe  oollfommen  geniegt,  wirb  inne 
werben,  Weldj  tiefe  %ßzi$fytit  barin  oerborgen  liegt  —  2lua) 
3efcua3  beutet  barauf  £tn,  wenn  er  fagt;  „$lan  follbia) 
nid)t  mefjr  bie  SBerlaffene  Reißen;  benn  ber  £err 
pat£uftanbir  je."  2öela)e  <££re  unb  weiter  £roft  fönnte 
wo£l  groger  fepn,  al3  bag  wir  wiffen,  ©Ott  wolle  un3  ©im* 
ber  nidjt  blo$  an  ^tnbe^ftatt  annehmen,  fonbern  uns  and)  fo 
au^rüften,  bag  wir  oor  allen  anbern  ©efd;ö>fen  ©eine  £uj* 
unbgreube  fet)n  follem  2ltt),  mein  £err  unb  mein  ©Ott,  was 
foll  id)  in  biefer  %khz  fagen  ?  —  Wlün  £er$  ift  fib^lia)  in  mir, 
td?  vergiege  greubentjjrdnen  unb  möa)te  mit  Sparta  aufrufen : 
„2)er£err  |>at  ©eine  elenbe^agb  angefepen;  fielje, 
oo n.nun  an  werben^ic^  feiig  greifen  all eÄinbeö* 
!  i  n  b  e  r,"  £)ieg  tft  me£r  att  ber  menfc^li^e  SSerftanb  faffen  f ann, 


527 


Dte  gan$e  $ir$e  freut  ftd;  barüber  unb  brücft  tpv  QmtyMcn  in 
bem  Mannten  £iebe  au£ : 

£crr,  ©Ott,  SBater,  mein  fiarfer  £etb!  ©u  tyaft  mid)  ewig  »ot 
ber  Seit  3n  ©einem  @o(;n  gettebet,  ©ein  @ofm  |at  mt$  it)m 
fefbfl  »ertraut,  @r  ift  mein  f>err,  t$  bin  fein1  23raut,  ©etyr  !?orf> 
in  iljm  erfreuet,  (Sja,  dial  £)immlif#  Seben  Sirb  er  geben  Wü 
bort  oben,    (£tt>ig  foU  mein  $jaj  tf;n  toben.    2c.  :c. 

änwenbung, 

I.  Raffet  uns  1)  bte  itn$ergletd)li$e  2tebe3cfu  ®fmjh'  mit 
f>cqlid;er  2lnbad;t  erwägen  unb  baburd;  uttfer  #er$  aur  innig? 
ften  (Gegenliebe  erwedm  Raffet  un3  bebenfen,  wer  e3  fe#,  ber 
uns  au£  groger  ?te6e  erforen  pat?  —  &  ift  ber  emgeborne 
Üufn  ©otteS,  ba3  (Benbttb  beö  göttlichen  2Sefen£  unb  ber 
©lan$  ©einer  £errlid;fett,  ber  2ltler|mligfte,  ber  Sfteidjfte,  ber 
©eligfte,  ber  3Ää$tt<$e,  welchen  bte  feiigen  ©etfter  be3  |)im^ 
intU  anbeten*  Derfelbe  fyat  un£  in  uuferem  ©ünbenelenb  mit 
erbarmenber  £iebe  angefeljen  unb  un$  $u  ©einem  (£igentfjum 
erwägt 

2)  33ebenfet,  m$  ber  ©ofm  ©otteS  ©td;  pat  foften  laf* 
fen,  bamit  er  un3  Ijetligen,  reinigen  unb  barftetlen  möd;te  oI)ne 
gleden  unb  Mangel?  —  dv  $at  ©td;  ©elbft  für  uns  gegeben, 
fjat  23lut  unb  &hen  baran  gewagt,  unb  ttjat  bk$  Mz$  mit 
mroerbroffenem,  fröplicfyem  unb  willigem  £>er£en*  —  3$  wun* 
berte  mtd;  fdjon  oft  barüber,  wenn  (£r  *>on  ©einer  ©enbung 
mbieSBelt  fagt:  ,/£>a3  Himmelreich  ift  gleich  einem 
Könige,  ber  feinem  ©oljne  $ofy$ ei t  machte  it."  — 
Sllfo  war  ba$  £)ein  (£Jn*en*  unb  greubentag,  o  3efu,  ha  £)u  in 
$ne$t£geftatt  in  bte  2öelt  famft  unb  na$  bem  unerforfcf) liefen 
9rat£f$luffe  £>etne3  {nmmltfdjen  fßatexö  ber  ©djmad)  unb 
©a)anbe,  ja  bem£obe  am  ®reu$  übergeben  wurbeft?  —  gret* 
\ia),  fprtc^ft  25u,  war  bieg  mir  ein  £oc^cit-  unb  greubentag, 
weil  td)  mir  bte  ©eelen  ber  SEtfenfdjen  baburd)  erlaufte,  fte  aus? 
ber  £anb  tljrer  getnbe  errettete ,  bamtt  fte  $ftix  in  dwiaf  eil 
angehören  möchten.  —  £>al>er  fcfmte  ftd?  and)  ber  £eilanb  nad) 
btefem  £age,  ©eine  £tebe  brang  3&n,  ba3  Söerf  ber  (£rlöfung 
au  sotlenben,  (£r  wollte  ©td;  gerne  ^um  Dpfer  ptngeben,  um 


528 

ba$  geuer  ber  göttlichen  £tebe  auf  Arbeit  ^u  eni$ünben*  —  GFr 
nennt  ©ein  Reiben  ©eine  Sßerflärung,  wenn  (£r  fagt:  „2)ie 
3eitijifommen,bagbeg$?enfa)en©opn»erflcirt 
werbe,  unb  afö  ftc^>  eine  Stimme  $om  £immei  sernepmen 
Kefh  „3d?  pabeSpn  *>erfl£rt,unb  willSpn  abermals 
serflären,  rief  dv  mit  greuben :  „3 e ^ t  gepetba£©e* 
riä)t  üb  er  bteSelt,  nunwirb  ber  gürft  bieferSSelt 
ausgeflogen;  unb  wenn3d>  erpöpt  werbe  son  ber 
(Erbe,  will  3$  f t e  2llle  $u  mir  aiepen*"  —  2ta),  £err 
3efu,  Du  ewiger  ©opn  ©otteS,  was  fanbeft  Du  an  uns,  bag 
Du  uns  fo  pernio)  geliebt  unb  alles  Reiben  für  greube,  unb 
alle  ©cpmaa)  für  (£pre  gepalten  j»aft?   9ttan  liebt  eine  Sftofe 
wegen  iprer  ©cpönpeit  unb  ipreS  lieblichen  ©erucps,  einen 
Diamant  wegen  feiner  ^oftbarfeit;  wa$  war  aber  an  uns,  bag 
^)vl  uns  liebteft  hi$  in  ben  £ob  ?  —  (£mfl  fap  ein  reicper,  jiun* 
ger  SÄann  bie  ^ammerjungfer  feinet  gürften  unb  gewann  fte 
fo  lieb,  bag  er  fta)  erbot,  alle  feine  ©üter  um  fte  $u  geben. 
%U  ber  gürft  biefeS  pörte,  lieg  er  ipn  »or  fta)  fommen,  unb 
ftellte  t|m  ernftlicp  sor,  bag  er  bie  ©aa)e  wopl  bebenfen  folle, 
barmt  fte  ipn  naa)per  uicpt  gereuen  möge*   Der  junge  Wlann 
blieb  bei  feinem  2Sort,  unb  trat  an  ben  gürften  feine  beiben 
Dörfer  fammt  ben  übrigen  (Gütern  förmlid;  ah.   (Einige  3zit 
naä)t)er  lieg  ber  güft  ben  jungen  (Spemann  wieber  rufen  unb 
war  begierig,  *>on  tpm  $u  erfahren,  ob  ipn  fein  (£ntfa)lug  noa) 
nic^t  gereuet  pabe  ?  Diefer  verneinte  eS  unb  fegte  pin^u,  wenn 
ict)  and)  noct)  einmal  fo  ml  pätte,  als  t>woov,  fo  wollte  ia)  eper 
5llfeS  pingeben,  als  meine  ®attin  serlaffen*    Diefe  treue,  be* 
ftdnbige  £tebe  freute  ben  gürften  fo  fepr,  bag  er  bem  (Rentamt 
niept  bloS  feine  ©üter  wieber  ^urücfgab,  fonbern  aua)  beffen 
(Sattin  mit  einem  fa)önen  £eiratpgute  bebaute.  —  SSon  foleper 
%khc  gibt  eS  wopl  wenige  33eifm'ele  unter  ben  pabfücptigen 
9ttenfa)en  unferer  £age;  allein  fte  fommt  in  feinen  23ergleia) 
mit  ber  %khe  beS  £errn  3efu,  ber  ©ia)  felbft  erniebrigte,  unb 
fogar  ©ein  £eben  bapingab,  um  unfere  ©eele^u  retten*  £>b^r 
gleia)  jegt  mit  ©Ott,  bem  23ater,  in  Grinigfeit  beS  peil*  ©eifie^ 
lebet  unb  regieret,  fo  fennt  (£r  boa)  feine  größere  greube,  als 
\>k  ©emeinfepaft  mit  ©einen  ©laubigen*  —  Ueber  ©eine  ©nabe 


529 


unb  $itbz  wunbem  ft$  <£ngel  unb  ^ttenf^en,  unb  e£  tfbt 
Vt>opt  fem  ©eljeimniß  tn  ber  ©tfmft,  ba£  unbegmfliajer  unb 
merfwürbiger  wäre,  als  ba£  ©epeimnig  ber  Siefce  be3  ©ofjmeS 
@^otte^  gegen  uns*  5^ur  tjl  fepr  ^u  beflagen,  baß  bte  große 
£iefce  be3  ©ojjne^  ©otteö  st>ön  ben  9ttenfa)en  faß  gar  nia)t  mefir, 
ober  wenigfien$  falt  unb  gleia;gültig  erwogen  wirb*  2)tc  met* 
ften  d^rtjten  galten  e£  für  etwaö  gan^  Qt\y>tynU$fi$  f  wenn  fte 
tton  ber  Zkhc  3^fu  Giprtjtt  ^u  un£,  son  ©einer  innigen  ©emein* 
fa)aft  mit  unferer  ©eele,  $on  ©einem  Reiben  nnb  (Sterben  reben 
^ören*  Da  iß  fein  (£tfer,  feine  greube,  feine  5lnbaa)t,  feine  per^ 
lia)e  Gegenliebe,  feine  Danf barfeit,  Die  meijten  #er$en  finb 
ttoll  Söeltliebe,  aber  an  ba6  £immlifa)e  benfen  fte  nid)t;  bie 
SBorte  £ören  fte  ^war  in  ber  $ira>,  bie  ^raft  aber  paftet  nid;t 
tn  iljren  ^er^en*  Der  gromme  pat  alle  Urfaa)e,  biefe  große 
Unbanfbarfeit  *u  beflagen,  baper  aua)  $aulu$,  ber  biefeö  im 
©eift  3M>or  faiji,  fta)  nia)t  enthalten  tonnte,  au^untfen:  ,,©o 
3emanb  ben£errn3efum  @l)riftum  nic^t  lieb  fyat, 
ber  fc^  tterfludjtl"  $or  biefem  ßlua)e  follen  au$  bie  ©lau^ 
bigen  erbittern,  weil  fte  ftnben,  baß  fte  faum  angefangen  Jaben, 
tpren  ßrrtöfer  red)t  ^u  lieben;  boa)  dürfen  fte  fta)  bamit  tröften, 
baß  bie  %itU  ipreö  £eilanb$  fo  groß  ift,  baß  fte  aua)  tyxt 
©ä)  wackelten  bulbet  unb  iljre  Mängel  gut  tnafyt  Stürbe 
ber  £err  um  unfereS  Unbanfg  willen  aufhören  uns  ^u  lieben, 
fo  waren  wir  längft  verloren*  ÜÖer  wollte  alfo  nia)t  gerne  in 
bie  Sorte  beö  £iebe$  einfKmmen? 

©tefl  ift  mein  ©^tn*rj,  unt>  Mnfet  mity,  ©a£  f$  ni$t  g'nucj 
fann  lieben  ©ü$,  Sie  ic$  ©i$  lieben  wollte.  3$  werfe'  »tut 
Sag  gtt  £ct{j  entjünW,  3e  me$r  i$  lteb%  je  me$r  iü)  finb',  ©a£ 
t#  ©i$  rieben  fottte;  35on  ©ir,  &$  mir  ©eine  ©üte  3n'ö  ©e= 
mittle    Siebftcf)  fliegen,    ©o  Wirb  ft$  bie  Sieb'  ergiefen. 

gaffet  nn$  alfo  3efutn  lieben ;  beim  dx  $at  un3  ^uerft 
geliebt  (ix  §at  ©eine  $khc  htö.in  ben  £ob  bewiefen;  bafjer 
laffet  unö  unfere  Gegenliebe  in  unferem  ganzen  ^eben  geigen. 
2Q3ir  wollen  unfer  $erg  *>on  ber  Söelt  abwenben  unb  Dem  %n* 
fe^ren,  ber  e^  ©ia)  mit  ©einem  ^obe  erfauft  £at  unb  Dem  e^ 
alfo  mit  3tea)t  auge^ört  Sir  wollen  bem  £errn  3efu,  mit  Dem 
wir  in  ber  £aufe  »erbunben  ftnb,  getreu  MäUn,  unb  3pn 

Scriüer'a  @eeTenf<$a$. .  34 


530 


m'mmer  cw$  bem  ©inne  raffen.  2)ie  ©cjmeicjelei  ber  2Belt 
wotfen  wir  »erachten,  unb  uns  atfeaeit  an  ber  £iebe  unfereö 
£eilanbeg  ergögem  —  3a,  mein  £er$,  wenn  bu  geehrt  fep 
willfl,  wie  fannp  bn  größere  QFpre  Jaben,  afö  baß  bu  mit  bem 
©ojne  ©otteS  serbunben  bift?  äötttfl  bu  greube  Jaben;  wer 
fann  btd)  mejr  erfreuen,  aU  £)er,  welcher  btc  greube  aller 
(£ngel  unb  fettigen  ifi?  SÖtttji  bu  £uft  Jäten,  fo  fmbe  beute 
£uft  an  bem  £erw,  ber  wirb  bir  geben,  \x>a$  bein  £er^  wünfd;et, 
SOSiilft  3)u  ein  treuem  £er$  Jaben,  weitem  bu  bein  £er$  ftd;er 
offenbaren  fannft';  fteje,  Jier  tft  3efu^ ,  ber  ©efreu^igte,  in 
bejfen  .&er^  fein  betrug,  feine  galfd)  Jeit,  feine  £üge,  fonbem 
lauter  £reue  unb  SBaJrjmt  tfi  SSerlangjt  tn  $ceid;tjümer ; 
{tepe,  3efu3  ifl  an  £err  über  2We$,  er  §\bt  bir  ntc^t  »ergäng* 
lid)t$  @olb  unb  ©über,  fonbern  ©üter,  hk  ba  bleiben  U$ 
tn'3  ewige  Gebern  SBBtttji  bu  geirojlet  fespn  in  £raurigfeit ;  bei 
3efm>  ifl  bie  Duette  bc3  £rofte$,  aus  weiter  fo)on  fo  siele 
taufenb  betrübte  Qtxyzn  geköpft  Jaben.  Sßttlji  bu  ©d)u§  Ja* 
ben  in  9lotlj  unb  ©efajr;  wer  tfi  mächtiger  als  3efu$,  ber 
©ünbe,  £ob,  Teufel  unb  £ö(le  überwunben  Jat?  £ommt  e£ 
put  ©terben  mit  bir;  fep  getroft,  3efuö  tjl  ber  wajjrfmftige 
©Ott  unb  ba£  ewige  Gebern  —  $on  bem  ^er^en  eine$  wahren 
CHjrijtenmuß  e£  fjeißen:  Einern  nur  allein  will  itfy  offen 
fe^m  &  muß  ftd>  »on  ber  SBelt  unb  altem  fünbltcjen  SSBefcn 
unbefledt  erhalten,  e3  muß  ifmt  leib  fet;n,  wenn  unreine  ©e* 
banfen  unb  bofe  23egierben  in  ijm  auftauchen*  2Bie  foKte  ft'd; 
eine  glaubige  ©eele,  aU  Verlobte  3efn  (grifft,  nodj  an  ber 
(£ttelfeit  ber  SBelt  ergoßen  unb  uatt)  ijren  greuben  fia;  fep* 
neu?  —  da  tfi  eine  große  ©ünbe,  wenn  (ürjeleute  einanber 
untreu  werben;  wer  fann  aber  fagen,  welcj  ein  ©reuel  in  t>en 
klugen  ®otte£  e$  tft,  wenn  eine  Seele,  hie  3efu3  mit  ©einem 
23lut  erfauft  unb  ©ia)  in  fo  großer  $kht  »ertraut  $atf  3fwt 
abtrünnig  wirb?  —  Qbtxoify,  fdjon  biefe  eklige  Betrachtung 
bürfte  jnnreidjen,  uns  $on  £orfä$liä)en  ©ünben  abgalten* 
33efmnet  eua)  alfo  niä)t  lange,  wen  ijr  wählen  follet,  — 
©jriftuS  ober  Seifert,  —  bie  SSaJl  ift  nidjt  fcjwer.  galtet  eu* 
rem  (£rlofer  in  bk  Slrme  unb  fprecjet:  „3$  feige  bir,  <5atant 
$on  ganzem  $er^en  al>  unb  ergebe  mic^  2)ir,  tjeuerfier  ^err 


531 

3efu!"  ^ebenfet  es  wo£l,  meine  Mtfyxiftm,  unb  wfi$in  fo, 
bafj  e$  eu$  ntc^t  gereue  in  <£wigfett  &$  tjl  fjfer  rid^t  $u  fc$er* 
gen,  Ijier  tjt  ewige  2öonne,  ober  ewige  ^eue,  ewige  greube, 
ober  ewigem  ?eib.  —  Sßemt  tfjr  nun  litte,  bie  tyx  tiefet  Ijöret 
unb  lefet,  3efum  (£l?rij?um  erwählet,  ber  eu$  geliebt  Ijat,  epe 
ber  Söelt  ©runb  gelegt  war,  fo  räumet  3!?m  euer  $er^  gcut^ 
tf$  ein,  fet;b  bei  3j)m  £ag  unb  9?ad)t,  unb  laffet  3£n  nimmer 
au£  ben  ©ebanfen*  £rägt  eine  SBraut  ba$  23ilb  t£re$  fünftigen 
©emaljlS  auf  tjjrem  £eqen,  um  \^k  otel  me^r  fottten  wir  ba$ 
33tlb  unfereö  (£rlöfer$  ftetg  im  £eqen  tragen  unb  uns  unab* 
läffig  an  bie  SSorte  be3  $pojfel3  erinnern:  „3dj  lebe,  bo$ 
nun  nidjtid;, fonbern@f>rijtuS  lebet  in  mir;  benn 
wa£  i^jie^t  lebeimgleifd),  baS  lebe  ic$  im  ©lau  ben 
be$@ofnte$@otte3,  ber  mid)  gelieb tunb<5id)  felbft 
für  mi$  bargegeben  J>ak"  3a,  wir  wollen  uns  in  bem 
frönen  SSorfa^e  vereinigen,  ber  in  bem  befannten  £iebtmfe* 
rer  $ir$e  auSgefprodjen  ijk 

©o  oft  an  mir  bie  2lber  fd&Tfigt.  @t>n  £)tt$  mefn  ^3  umfati* 
gen,  ©0  »tetmalS  ficf>  mein  f>erj  bewegt,  ©oft  btef  fepn  mein 
Verfangen,  £>af  in)  mit  lautem  ©djatt,  3Äö$f  mfen  überall:  tyü) 
3efu!  3^fu !  £)u  bift  mein,    ttnb  i$  aufy  bin  unb  Heik  £>ein! 

IL)  ®ie  £el)re  von  ber  getjtigen  SBermäfrtung  ber  Beete 
mit  @f>rijlo  bient  aber  aufy  ^um  £roji  in  allerlei  £rübfal  2)a$ 
S^ceic^  3efu  ift  nid;t  von  biefer  2Belt,  ba^er  ber  ©laubige,  ber 
ft$  3Dm  ergibt,  mannen  $ampf  jneuieben  ^u  befielen  Ijat 
2lrmut£,  (£lenb  unb  2krad;tung  ijt  metjieng  fein  £oo&  £aben 
fie  ben  £errn  fd;'(ec*)t  bejjanbelt,  wa6  werben  fte  bem  Wiener 
iljun,  Ijaben  fte  3Ü>n  mit  dornen  gefront,  fo  werben  fte  6eine 
Sftadjfolger  nid;t  unartgetaftet  laffen,  Ijaben  fte  ben  $?eifter  ge* 
tobtet,  fo  werben  fte  bem  6d)üler  gewig  and)  bag  £eben  fauer 
machen*  —  2)er  (Möfer  §at  aber  fe^r  wichtige  Urfac^en,  wa* 
rum  dx  ©eine  2lnl)änger  eine  3eitlang  in  btefem  3uftanbe  lägt 
unb  $reu$  unb  Reiben  über  fte  verfängt  2)urcij  ^reu^  unb 
£rübfal  foll  bie  6eele  $u  bem  SRtitf)  ©otte$  fäjjig  gemacht 
werben.  £)aburdj  wirb  ba3  fünblid;e  gleifd;  getobtet,  ber 
©laube  wirb  bewährt,  bie  Ziehe  geftärft,  ba£  Verlangen  nadj 
bem  £erw  erweeft,  bie  ßritelfeit  ber  SBelt  in  tfjrer  23löße  bar* 

34* 


532 


gefMt  unb  bie  ^Seligfett  be3  Spimmetö  xtfyt  anne£mlt$  ge* 
madjjt  3a,  burd^S  $reu$  wirb  bte  Seele  bajjin  gebraut,  baß 
fte  ftd)  mit  um  fo  innigerer  2iefce  an  ifjren  (£rlöfer  ausließt 
unb  ftd)  mit  aller  3werft$t  auf  Seine  SSer Neigungen  »erlägt 
5lm  guten  £age  unb  fo  lange  fte  grieben  J?at,  fiept  eS  oft  lange 
an,  M$  fie  ijjrem  greunbe  baS  i^er^  öffnet,  wenn  er  oei  tyx 
anflopft,  wenn  aber  t^k  Stürme  ber  £rübfat  über  fte  herein* 
brechen,  fo  ftept  fte  felbft  auf,  um  ipren  #errn  $u  fua)en,  unb 
lägt  nidjt  na$,  biö  fte  3pn  ftnbet  —  £>iefe  £el?re  von  ber  in* 
nigen  ©emeinfajaft  mit  @jmfto  wirb  aber  bann  erft  rec$t  txöp 
tiä)  für  uns  werben,  wenn  wir  bebenfen,  baß  jeber  wafjre 
(Sprift  fta)  berfelben  erfreuen  lann«  2Ber  nur  ,ben  geringften 
gunfen  von  ©lauben  in  ft$  wahrnimmt,  ber  barf  2ille3,  m$ 
von  ber  ?tebe  be£  SofmeS  ©otteS  unb  Seiner  Zerbinbung  mit 
ber  Seele  gefagt  wirb,  auf  ftd)  be$te£em  (£$  fommt  Riebet 
Weber  auf  Stanb  nod)  SBürbe,  Weber  auf  2lrmut£  noa)  SRäfy 
tpum,  fonbern  einzig  unb  allein  auf  ben  ©lauben  an»  — 
deiner  fage  alfo:  baS  gejt  mify  ntct)t  an*  SGSoper  follte  mir 
fol$e  (EJjre  unb  #o£eit  fommen,  ^k  follte  fid;  mein  £err  fo 
fel?r  gegen  mify  verpflichten?  :e*  £)enn  im  @j)rtftentljum  bringt 
nid)tS  größeren  Stäben,  aU  wenn  ftd)  irgenb  (Einer  von  ben 
Zerreißungen  unb  23efel)len  be£  SöorteS  ©ottes  ausließen 
wiüV  SDfadje  e£  nid)t  alfo,  fonbern  m#  bu  fjörjt  unb  liefejt, 
ba$  nimm  an,  aU  fe?  es  $u  bir  befonberS  gefprocfyen*  SBenn 
wir  un$  bie  innige  JBerbinbung  mit  @£rifto  nicfyt  zueignen 
wollen,  warum  wirb  fte  uns  vorgeftellt?  Sinb  wir  nidjt  auf 
^prifium  getauft,  unb  £aben  bie  (Erftlinge  be£  ©eijteS?  £al* 
ten  wir  ntc^t  unfern  Gnrföfer  für  ba£  pöc^fte  @ut  unb  für  ben 
einzigen  £rojt  im  £eben,  Reiben  unb  Sterben?  ^Befleißigen  wir 
uns  nidjt,  3pm  in  £etligfeit  unb  ©eredjttgfeit  ^u  bienen?  ic. 
Sinb  $>ie$  nia)t  grüa)te  beS  ©laubenS  unb  $enn$ei$en  unferer 
mnigßen  Zerbinbung  mit  3efu?  £)arum,  meine  Seele,  fage 
getroft:  „2D?etn  greunb  ift  mein  unb  ity  bin  fein!'' 
Se£e  bieg  mit  greubigfeit  aller  £rübfal  entgegen,  bie  t>ify  tref= 
fen  mag,  unb  wenn  bir  je  ber  ©ebanfe  lommen  mödjte,  als 
ob  ber  (£rlöfer  beiner  längft  vergeffen  jjätte,  fo  erinnere  bt<$, 
baß  W^  lauter  (Einflüfterungen  beS  SatanS  fe^en,   ber  bein 


533 


£er$  gerne  mit  Unglauben  unb  Ungebulb  erfüllen  mochte» 
©laube  tttelmefjr,  bafi  ber  £err  bia)  nid;t  sergeffen  fonne,  noa) 
wolle;  bemt  dx  pat  6ic^  mit  bir  verlobt  m  (Ewigfeit  (Er  ifi 
nia)t  tteränberlia)  wie  bie  2öelt;  ©eine  £iefc  unb  £reue  wan* 
fet  nta)t,  Fimmel  unb  (£rbe  sergepen,  aber  ©eine  28orte  nia)t* 
©o  wenig  3efu3  ftä)  felfifi  sergeffen  fann,  fo  wenig  fann  (£v 
aua)  ung  sergejfen ;  benn  wir  ftnb  ©lieber  ©einest  £eifce3* 
2öo  tffc  an  £eq,  ba£  fta)  rühmen  fann,  e$  £abe  me^r  ^iebe 
unb  £reue  al3  ber  £err,  ber  un3  geliebt,  unb  ©ia)  ©elbfi  für 
un$  bapingegeben  pat?  —  £)arumlag  e£  bia)  ntc^t  befremben, 
o  djmft,  wenn  bu  bura)  £rübfal  geprüft,  unb  twm  ©atan  unb 
ber  2Öelt  Utxixht  wirft;  melmef>r  erinnere  bia)  baran,  bag  bu 
btö  feu^  beS  (£rlöferS  auf  bia)  nehmen,  3^m  nachfolgen  unb 
bis  in  ben  £ob  getreu  bleiben  fotfjt.  £>enfe  baran,  bag  Me$, 
was  bir  Begegnet,  $u  beinern  Sßejien  bient  unb  barauf  ähnelt, 
bag  bu  bie  £reue  unb  £teoe  beineS  £eilanbeS  beffer  erfennen, 
unb  bia)  um  fo  fejler  an  t£n  anfc^Itegen  follft  2£ie  %m\  (£j?e* 
gatten  fta)  bann  erjt  rea)t  l?eqlia)  lieben,  wenn  fte  tpre  £reue 
in  irgenb  einem  grogen  Unglüc!  erprobt  paben,  fo  wäa)3t  aua) 
unfere  £iebe  gegen  unfern  ßrrlöfer,  wenn  wir  ©eine  £ülfe  jiifc 
3tit  ber  -ftotp  erfahren  Ijaben.  23ift  bu  alfo  UtxixU,  fo  frage 
md;t  lange,  bei  wem  bu  bein  £er$  au3fa)ütten  folljl;  eile  ^u 
beinern  £eilanb  unb  flage  3!?nt  bein  anliegen  ofme  ©a)eu;  dt 
fann  unb  wirb  bia)  ntä)t  o{me  SiojJ  laffen,  wenn  auef)  feine 
£reue,  feine  2tebe,  fein  Sftitleiben  in  ber  SBelt  ^u  ftnben  wäre, 
fo  fe£lt  e3  boa)  bei  3efu  nia)t  baram  (Ex  nimmt  ©ic^  ©einer 
2luSerwäl?lten  treulia)  an,  gibt  ipnen  £rojl  tn%£eq,  lagt  fte 
bie  traft  ©eines  2Bort3  empftnben,  erhört  ijjre  bitten,  unb 
erquieft.  fte  im  J)eiL  2lbenbma|)l  £>ieg  fmben  fa)on  fo  SSiele  er* 
fahren,  bieg  wirft  aua)  bu  inne  werben,  wenn  bu  bia)  in  beU 

neu  yicfytn  an  tyn  wenbeji 23eraa)tet  bia)  alfo  bie 

Söelt,  lag  e$  fe^n,  fte  fennet  bia)  nia)t,  tröfte  bia)  bamtt,  b<x$ 
bu  im  Fimmel  angefejjen  btft  ©laubft  bu,  bu  fepeft  $on  3eber* 
mann  serlaffen,  fo  fpria) : 

^etn  beff're  Zxm  auf  Qx"om  i$,  %i$  nur  bei  2)tr,  |>err  3ef« 
Wft;  3c^  weif,  baf  S)u  mi($  uta)t  »crlftfPft  S)enn  ©ein  2Bort 
bleibt  mir  ewig  fefJ, 


534 


(Eben  barnm  roirji  bu  von  ber  Söett  oerlaffen,  baß  bu  bia) 
atfetn  $u  (££rijio  galten  fottfi.  33ifi  bu  arm,  fo  benf  e :  bu  fe^ft 
ein  SWiterfee  3efu,  ber  gange  £immel  mit  aller  £errlttt)fett  unb 
©eltgfett  gehöre  btr,  (B  ifi  noä)  eine  Keine  3^^/  fo  wirb  e£ 
offenbar,  roer  reia)  ifi,  —  roir  ober  bie  SQSelt?  —  33etrübfi  bu 
btä)  um  betner  geiler  rotten,  fo  benfe,  ba$  fta)  beut  £eilanb 
mit  bir  verlobt  J?at,  in  ©nabe  unb  SBarmljeqtgfett  £a£  bir 
beine  geljler  $ur  £)emuu)  bienen ;  in  biefem  bleibe  gefäüfi  bu 
bem  £erw  am  23efien,  —  maä)t  bir  ber  £ob  bange,  fo  bebenfe, 
bafj  ber  £ob  nia;t3  anbereg  ifi,  aU  an  23ote,  ber  btä)  £eim* 
füjjrt  in  bie  28ojmungen  beg  eroigen  griebeng*  SGSotten  roir 
un3  roeigern,  bie  tone  be£  £eben$  gu  entpfajjen?  <£$  ifi  merf* 
roürbig ;  baS  ?eben  gefällt  uns  ma)t,  roetl  e3  mit  lauter  9?ou) 
unb  £rübfaf  vermengt  ifi,  unb  ber  £ob  aufy  nidjt,  ob  er  roofjl 
ein  (£nbe  ifi  alles  (Eknv$  unb  ein  Anfang  ber  eroigen  greube* 
Sftun,  roa£  fotlman  fagen?  SöSir  oerfietjen  fo  feiten  unfer  23efieg, 
unb  fielen  uns  oft  fo  finbifa),  roäl?renb  boa)  bie  Zkht  $u  Seftt 
2We£  überroinbet,  roir  fließen  baljer  mit  ben  SQSorten: 

Sefu,  3)u  mein  IfebfteS  Söefen,  deiner  ©eele  Bräutigam, 
©er  2)u  £)fc$  für  ntia)  gegeben  2ln  beö  bittern  Äreujeöjiamm,  3efu, 
meine  ftreub  unb  SSonne,  2)u  mein1  Hoffnung,  ©d?u£  unb  SJmf, 
2ftein*  (£rlöfung,  ©#mucf  unb  feil,  £trt  unb  Stöniq,  Zityt  unb 
<5onne;  ■  &#,  »t?  fott  i#  mürbigtiefj  Stfein  £err  3efu  pfeifen  £)t# ! 
5unen. 


S^ölfte   $>re  fc  i  £  t. 

SBon  bem  inneren  Qeugniffe  beö  ^eiligen 
@eifle$. 

£.  Sförn.  8,  IS.  16.^  3$r  fcabt  einen  finblic^en  ©eifi  empfan* 
gen,  bur#  tt>elä)eä  wir  rufen*  3tbba,  lieber  $ater!  2)erfelbige  ©etfi 
QiU  ßiUQXii^  unferem  ©eifl,  baf  wir  ©otteS  tinber  ftnb. 


S  i  n  9  a  n  g. 
gm  Tanten  gefu!   Slmeti. 
3^ei  gute  greunbe  begegneten  einfi  einanber  auf  bem 
gelbe*  WU  ber  (£me  fape,  baß  ber  Rubere,  feiner  ©eroojmjjeit 


535 


nati),  traurig  unb  Betrübt  cinljergmg,  rief  er  tpm  ^u:  SDtem 
greunb !  bu  pafi  gewiß  fd;on  lange  nidjt  mepr  in  bem  ©irad> 
gelefen,  welker  fagt:  9ttacpe  bia;  nidjt  felbft  traurig, 
unbpfagebid>ntc|)tmitbetneneigenett©ebanfen. 
Zfyut  bir  ©ute$,  trcfle  bein  £cr$  unb  treibe  bic 
£raurtgfeit  ferne  von  bir;  benn  bie  £raurigfeti 
tobtet  ^iele^eute,  unb  bi en et  boc^^u  nidjt&"  £)ber, 
weifüt  bu  nidjt,  tt)a^  ber  2Ipoftel  fagt:  „greueteucpinbem 
£errn  allewege,  unb  abermals  fage  ia),  freuet 
cu$-"  ©oll  ein  (Sprijl,  ein  ^inb  ©otteg,  nic^t  fröplicfy  fep  in 
bem  £errn  unb  in  ©einer  ©nabe?  SSarum  wollten  wir,  bie 
wir  in  ber  ©emeinfe^aft  dprifti  flehen  burd)  ben  ©lauften,  ein^ 
pergepen  unb  ben  $opf  Rängen,  voie  bie,  welche  fein  guteö 
©ewiffen  unb  feine  Hoffnung  paben?  SBarum  geben  wir  un^ 
ferem  ©ott  \\id)t  bk  @$ve,  unb  freuen  unä  von  £er$en  über 
ben  ^eic^tjmm  ©einer  fjerrli^en  ©nabe,  ber  un£  burd;  3efunt 
(Sprifhun  eröffnet  ift?  Sa3  nü$t  unfere  £raurigf  eit,  wa$  ptlfi 
unfere  ©d)Wermutl?  ?  ©ie  verbittert  im$  biefe£  muffelige  £e* 
fori  nur  noep  mepr  unb  maept  un3  träge  unb  ungefdneft  $um 
£obe  (Sottet  (£in  fröplicpeö  £er^  madji  ba6  £eben  Reitet  unb 
ift  fo  gut  a!3  eine  fräftige  Slr^nei;  aber  ein  niebergefcplagener 
5D?utp  vertrodnet  bie  ©ebeine.  —  „3d;  gönne  e3  bir  von  |>er* 
jen,  erwieberte  ber  Slnbere,  ba$  bu  fietö  fröpliep  fep  fanuft, 
id)  famt  mictj  leiber  ber  £ranrigfeit  nid;t  enthalten,  unb  fepe 
aud>  niept  ein,  warum  id)  ba3  llwn  füllte.  2Ba3  Un  tfy,  wa& 
ift  mein  Zehen.,  vcaö  ijlbie  SÖSelt?  3d)  hin  leiber  ein  fünbpaf* 
ter,  elenber  3ttenfd),  unb  fdtfeppe  mid;  mit  bem  ?etbe  btcfc^S  £o* 
be$,  barin  bie  ©ünbe  wojjnt.  3$  fjabe  immer  mit  mir  felbft 
3u  (treiten,  mein  verberbie^  £ev$  ma$t  mir  mein  £eben  fauer. 
SBemt  idj  meine,  eö  fep  $m  Slnbadjt  gejKmmt,  fo  flattert  e£ 
in'n  unb  per  unb  gept  feinen  ©ebanfen  nad).  2Bemt  i$  aud;  ben 
eifrigften  $orfa£  fajfe,  meinem  ©Ott  treu  $u  fe^n,  fo  erfahre 
id)  bod;  leiber  fepr  oft,  bafi  id)  benfelben  balb  wieber  vergeffe 
unb  mein£er$  feine  £ücfe  nia)t  laffen  famt*  £)arum  fürchte  id) 
manchmal,  bag  mein  ©otte^bienft  Qmfyilti  fei;,  unb  weil  mein 
Ctyrifientpum  ntiv  felbft  nid;t  gefällt,  xok  famt  e$  bem  geredeten 
unb  peiligen  ©ott  gefallen,  ber  £er$en  unb  Vieren  prüft? 


536 


3ubem  ift  mein  ganzes  £eben  eine  ^tttt  von  %Rty\cü$ät  unb 
Arbeit  3p  ein  Ungfücf  vorbei,  fo  jle£t  ba$  2lnbere  fa)on  tok* 
ber  vor  ber  ££üre;  *#  bin  täglich  gesagt  unb  meine  ©träfe 
ijl  atte  borgen  bar  £)  wie  oft  feufee  ify: 

%fy  ©oft,  wie  mcmdjeS  ^crjeteib    begegnet  mir  ju  tiefer  3eü! 
£)et  f#male  Seg  ift  Srübfaf  t-off,    2)en  tdj  gutn  Fimmel  ttanbeln  fott! 

£)ie  2Öelt  ift  ein  wa?)re$  ££rctneni£al  unb  ein  9tteer  voll 
lingfL  ©te  quält  meine  ©eete  mit  iljrem  ungerechten  Söanbef, 
unb  ängftet  mein  £er^  £)ie  $irä)e  ®otte£  ift  attentjjalben 
bebrängt  $  bie  ttngerea)ttgf  eit  jjat  überpanb  genommen,  t>a  ijl 
nia)t3  aU  Unglaube,  Unterbrücfung  ber  Ernten  unb  $eraa)tung 
ber  grommen*  Die  meiften  G^riften  leben  größtenteils  in 
£eu$elei,  ©icfjer^eit  unb  Unbußfertigfeit  —  ©olcf)e  ©reuet 
muffen  wir  fe£en;  wer  fann  unter  folgen  UmjMnben  noä;  fröjj* 
Ii$  fe^n?  2Öie  oft  benfe  icfj,  wofrt  bem,  ber  bura)  bie  -Dcetje 
be3  ©atanS,  bura;  fo  vielfaches  2tergerniß  unb  bur$  fo  große 
£rübfate  gebrungen  tft{  Mein,  wenn  wir  auä)  baS  Gimbe  bie* 
fe£  muffeligen  £eben3  erreicht  Reiben,  fo  ftept  uns  ber  fa)were 
£obe£fampf  unb  bie  ^ed;enfcf;aft  vor  bem  Dftajterfuujle  ©ot* 
ieS  bevor*  2BaS  lann  man  unter  biefen  UmjMnben  anberS  tpvrn, 
att Kagen, feuften,  weinen  unb  trauern?"— ,,3a)  muß  gejkjjen, 
$erfe#te  hierauf  ber  @xjlere,  baß  bu  fola)e  ©rünbe  angegeben 
£ajt,  wela)e  betne  £raurigfeit  jnntänglia)  $u  rechtfertigen  fa)einem 
£)oa)  mad)e  i$  bia)  barauf  aufmerf  [am,  baß  bu  blos  bas  ange* 
fü^rt  jjajl,  wa$  graurigfeit  erweefen  fann,  baneben  aber  baS 
vergaßet  wa$  bem  £{>rij*en  greube  tnacfyt.  —  ©ag  mir  bodj, 
bift  bu  fonft  nia)t3,  aU  ein  efenber,  fünbpafter  9ttenfc$?  23ijt 
bu  nia)t  auc^>  ein  $tnb  ©otteS,  ein  @igent£um  beS  £>errn  ^e|i$ 
ßjjrifti  unb  ein  Stempel  be£  ^eiligen  ©eifteS?  28ofmt  bloS  t>k 
©ünbe  in  bir;  ift  nicf)t  aua)  Gtjjrijutö  bura)  ben  ©laüben  in 
beinern  £eqen?  23ift  bu  mit  3jmt  nia)t  bura)  bie  jje&  gaufe 
verbunben  ?  £at  (£r  bir  niajt  als  $fanb  unb  S8erfta)erung 
ber  ©nabe  ©otteä  ©einen  fytiL  ©eifl  gegeben,  ber  in  beinern 
£er$en  opne  Unterlaß  feuftet:.  5tbba,  lieber  Sßater!  —  <£$  ijl 
rea)t,  baß  bu  über  bie  2Biberfpenftigfeit  beutet  ^er^en^  naa;* 
benfft  unb  über  bie  vielen  genfer  unb  hänget  traurig  wirft; 
boa)  barffl  bu  nia)t  vergeffen,  baß  bie  2Mfommem)eit  unfere^ 


537 

£f)rtftentjjum3  uio)t  in  unferer  eigenen  £ciligfeit  nnb  grom- 
micjfett  befielt,  fonbern  allein  m  ber  ©eredjtigfeit  3efu  (grifft, 
bie  »ir  un£  bura)  ben  ©tauben  31t  eigen  machen.  Sßenn  »fr 
mit  ©Ott  von  unferer  ©erea)tigfeit  nnb  ©eligfeit  reben  »ollen, 
fo  muffen  »ir  3^m  nid)t  nnfer  £er$  mit  fetner  eigenen  $  eilig* 
feit  vorhalten,  fonbern  ba3,  »eld;eg  bura)  ba3  t^enre  23lut 
@eine^  ©o£ne$  von  ©ünben  gereinigt  ifi  28ir  muffen  bie 
©ünben,  »eld)e  in  nnferem  »erberbten  $leifd)e  noa)  übrig  ftnb, 
fo  anfeilen,  t>a$  »ir  bie  ©enteinfdjaft  mit  C^^rtfto  burd;  ben 
©lauben  babei  nid;t  au6  ben  Singen  fe£en,  nm  beret»illctt  von 
iu\$  gefagt  »irb,  ba£  nia)t£  SSerbammlidjetf  an  itp 
f e 9»  35on  ber  2lufrid;tigfeit  be3  ©laubenS  aber,  nnb  ber 
»aprfjaften  ©emeinfdjaft  mit  Gtljrijto  ^eugt  ber  «Streit  be6  %10 
fd;e3  nnb  ©eijteg  in  ung,  nnb  eä  ifi  immer  ein  Alfter fmal  eine£ 
erneuerten  $er^en^,  »enn  ber  SRcnfa)  fia)  felbft  vor  ©ott  an* 
flagt  diejenigen  gefallen  ©Ott  am  SBeften,  bie  fta)  felbft  nia)t 
gefallen,  nnb  biejienigen,  »ela)e  fia)  für  bie  größten  ©ünbcr 
palten,  ftnb  in  ®otte3  klugen  manchmal  ok  größten  ^eiligen; 
»ir  bürfen  ung  felbft  uta)t  trauen,  fonberu  follen  un3  einzig 
unb  allein  auf  bie  ©nabe  @otte3  in  (£f?rij?o  verlaffem  Unb 
t>a$  ia)  e£  fur$  fage:  e£  »cire  httxüht,  »enn  »ir  in  bem  lieb* 
ma)en  £er^en  3efu  nia)t  fo  viel  Urfaa)e  $ur  greube  ftnben 
»ürben,  aU  »ir  in  nnferem  fünblia)en  iDeqen  Urfaa)e  $ur 
£raurigf  eit  ffnbem  £>ie  äufjere  £rübfal,  mit  »ela)er  »ir  von 
©Ott  f)eimgefua)t  »erben,  peilt  freilia)  ber  natürliche  ;Ü)?enfa) 
für  feine  greube,  »eil  »ir  aber  $erfia)ert  ftnb,  bag  fte  ein 
^enn^etajen  ber  Jtinber  ©otteS  ift,  mit  fte  fo  viel  @ute3  bei 
un$  hervorbringt,  baö  fünblia)e  gleifa)  be^ä^mt,  unb  uns  ^um 
©eljorfam  d^rtftt  antreibt,  »eil  enblia)  ber  treue  unb  barm* 
per^ige  ©Ott  un6  im  &iben  reia)lia)  tröffet,  unb  baffetbe  in 
eine  e»ige  unb  über  alle  Waagen  u>ict>ttge  £errliä)feit  $er»an* 
beln  »irb,  fo  f;aben  »ir  un3  nia)t  barüber  ^u  befa)»erem 
SGöarum  rühmen  unb  freuen  »ir  un3  nia)t  vielmehr  ber  £rüb* 
fal?  —  Sie  2ßelt  if*  j»ar,  »ie  bu  mit  ^ecpt  fagfr  ein  %$xa* 
nentpal;  aber  bebenfe,  bafj  »ir  haxin  nia)t  3U  £aufe  ftnb» 
Unfer  Seben  ij*  eine  Sfteife  unb  »ir  geljen  unter  OTpfeligfeiten 
unb  plagen  immer  »eiter,  Sag  eg  fe^t,  »enn  »ir  naa)  £aufc 


538 


fommen,  fofl  c3  halt)  bejfcr  »erben.  3nbeffen  wanbelu  wir 
unter  bem©d;ufe  ©otteö;  3efu3  tft  unfer  güjirer,  @«n  ©cift 
unfer  £röjter  unb  ©eine  (Engel  unfere  ©cfäprten.  Slßir  fom* 
men  ber  £eimatp  uon  £ag  31t  £ag  näper,  legen  einen  be~ 
fcpwerficpen  2Beg  nad;  bem  anbern  jurttä,  U$  wir  %ux  ewigen 
3?upe  gelangen.  £)er©atan  treibt  3  war  fein  Untiefen  in  berSßelt ; 
aber  er  fann  un3  nid;t6  angaben,  benn  derjenige,  ber  mit 
un£  ijt,  tjl  großer,  al$  ber,  welcher  in  ber  Seit  ifL  SBenn  ba£ 
Stteer  nod;  fo  fepr  hxauöt  unb  tobt,  fo  blide  nia)t  fowopl  auf 
bie  Seilen,  afö  auf  ben  ©teuermann,  ber  am  Sauber  fiept  unb 
bag  ©d)iff  regiert,  betrübe  bid)  nid;t  al^ufepr  über  hie 
2Be(t,  fonbern  fetje  iprer  23o£p  eit  bie  ©üte  ©otteg ,  tpretn 
©rimm  hie  ©nabe  be6  £errn  3efu,  ipretn  ©pott  ben  £roft 
be$  peil,  ©eifteS  entgegen,  unb  wenn  e3  nod;  fo  feltfam  auf 
(Erben  auoftept,  fo  lag  un$  jum  £immel  em^orblicfen,  ber  un$ 
gehört.  —  £>er  traurige  3u(ianb  ber  £ircpe  @otte3  barf  unö 
gwar  gu  £eqen  gepen,  boep  foll  baburcp  ber  grtebe  ©otte3  in 
unferer  ©eele  nid;i  gefrört  werben ;  benn  ber  fejk  ©ruub  ©ot* 
tc$  beftept  unb  pat  biefes  ©iegel :  „2) er  Spexx  fennef  bie 
©einen."—  £ag  Me$  in  krümmer  verfallen,  hie  £ird;e 
©otteg  muß  bleiben.  SBenn  aud;  groge  Safferflutpen  fom= 
men,  werben  fte  boep  nid;t  an  hie  ^eiligen  ®otte6  gelan^ 
gen.  —  3e  mepr  haß  gottlofe  SSefen  juntmmt,  befto  mepr 
bürfen  wir  oerjtcpert  fc^n,  bag  ber  £ag  bes  ©erid;i3  peran^ 
nape;  wenn  fein  ©laube,  feine  Siebe,  feine  breite  mepr  auf 
(Erben  ijt,  fo  wirb  bc£  Sftenfcpenfopn  fommen  unb  aller  23oö* 
peit  ein  (Enbe  mad;en.  —  2)aö  enblid),  toaß  hu  »om  gobe  unb 
vom@ericpte@otie3  gefagt  pajt,  fKmmt  mit  bem  waprenCEprt* 
ftentpum  niept  überetn;  ber  £ob  ijt  einem  $inbe  ©otte3  ntept 
erfd;redtid;,  fonbern  tröftlicp.  Sir  jkrben  im  &obe  niebt,  fou^ 
beru  fangen  an,  ewig  ^u  leben.  Unfer  dienh  nimmt  im  £obe 
ein  (Enbe,  nid;t  aber  unfer  £eben.  £)er  £ob  füprt  un3  auä 
ber  Seit  in  ben  Fimmel,  au$  ber  llnrupe  ^ur  9?upe,  au$  ber 
£rübfal  $ur  greube.  ©elbft  ber  £obe£fampf  ift  bem  ©laubi* 
gen  nitpt  fcpwer,  er  ftegt  in  ber  ^raft  3efu  ßbrifli,  ber  bem 
£obe  bie  Wlafyt  genommen,  unb  ein  ewigem  un^ergänglia)cö 
SSefen  an  ba$£ia)t  gebraut  pat.  SSer  an  £prijrum  glaubt,  ber 


539 


wirb  ntcfyt  gerietet,  et  fmt  ba^  ewige  Ceben  unb  fommt 
nta)t  inö  ©eria)t,  fonbern  tfl  oom  £obe  sunt  geben  Innbura) 
gebrungem  —  2lu3  biefem  Ottern  erhellt,  bag  bu  feine  Urfaa)e 
jjaft,  ber  Traurigkeit  nad;$uf>ängen,  fonbern  bid)  oiettnebr  über 
bte  ©nabe  unb  gürforge  ©otte^,  über  ©einen  ©a)u£  unb  fort* 
wäljrenben  Söeijknb  erfreuen  \M%  3war  fann  ber  (SJmfl 
nia)t  immer  oerlnubern,  bag  tjw  nicht  aua;  btöwetkn  eine  £rau* 
rigfeit  befällt,  boa;  foll  er  berfelben  tt  ad;  Gräften  wiberftepen* 
2Bie  follten  bicjienigen  traurig  fe^n,  welche  ©Ott  jum^ater,  3e* 
fum  3um  (£rlöfer,  unbben  pefiL  ©etft  gumSBetjfonb  fmbcn?  2Bte 
fönnten  btejenigen  ftd;  besagen,  bcnen  bte  ©ünbeu  vergeben 
ftnb,  ober  bte,  wWjt  Hoffnung  Jmben,  einfl  baS  S^etc^  if>re£ 
Katers  ^u  ererben?  greilid;,  wenn  wir  fonft  ntcfits  pätten, 
als  voa$  bte  SÖelt  un&  anlittü,  fo  bürften  wir  mit  SRttyt  trau* 
rig  feptu  2Öeil  wir  aber  in  bte  iMebe  ©otteS  eingefd)loffen 
ftnb,  tu  ber  tnnigjlen  33erbinbung  mit  3ef«  Qtprifto  leben,  unb 
un3  ber  Leitung  beS  l?eiL  ©etfteS  erfreuen  bürfen,  warum 
wollten  xoix  uns  nid;i  $iclmef>r  freuen  als  betrüben?  £)apev 
f fliegen  wir  mit  ^auluS :  „£)ie©uabe  unfereS  £errn 
3efu  Gtjmftt,  unb  bte  ^?ieb e  ©otteS  unb  bte  ©e; 
meinfd?aft  beS  JetL  ©eifteS  fep  mit  eit^  Tillen! 
Eimern"  —  23iSj)er  jjaben  wir  nun  bie  SBaterlicbe  ©otteS, 
unb  bte  ©nabe  3efu  tyvifii  betrachtet;  cS  tft  atfo  nod;  übrig, 
t>a$  Wir  aua)  bie  @emeinfa;aft  unb  baS  innere  3*tu$? 
ntg  beS  IjeiL  ©eifteS  beper^igen*  £)er  wert^e  Softer 
pclfc  unS,  baf?  bieg  ju  ©einer  GEjjre,  31t  unferem  £roft,  unb 
gu  unferer  Erbauung  gefd;epen  möge!  kirnen. 

2iBli>ant>lung. 

Sie  £errlicf)fett  ber  $inbfd)aft  ©otteS,  unb  bie  innige 
SSerbinbung  unferer  ©eele  mit  Qtprifto,  ftnb  foldje  pope  @a* 
ben,  baj?  unfer  £er$  unmöglia;  bavan  glauben  fann,  wenn 
nitt)t  eine  befonbere,  fräftige  SSirfung  beS  petL  ©eifteS  ba^u 
fommt  ©er  ©atan  unb  bie  SBelt  ergeben  großen  SBiberfprua; 
bagegen ,  unb  ber  SD?enfd;  fyat  in  feinem  eigenen  ©ewiffen  mit 
mannen  Steffeln  31t  fämpfetu  2)arum  fyat  t£m  ber  £etr  ei* 
nen  treuen  Söeiftanb  gegeben,  ber  in  ifnn  wohnen  will,  in  jebem 


540 


Stotteren  t£n  unter  jtü#t,  tm  Reiben  tröget,  in  ber  ©d)tt>aa)peit 
fMift,  unb  ifyn  tm  red;ten  ©lauften  Bewahrt  unb  erhält  bte 
an13  (üntbe.  —  3Dtefc  groge  2Bo£l$at  wollen  wir  nun  etwas 
najer  betrauten.  £)er  2tyojM  maa;t  uns  in  ben  £exte$wor* 
ten  auf  zweierlei  aufmerffam:  1)  auf  bte  Sßoljmung  bes  feil» 
©eifks  in  unferem  £>eqen  unb  2)  auf  feine  x>ovneptnfte  203ir^ 
fuitg* 

1)  ©agt  er:  „t£r  |jabt  einen  finblia)en  ©eift 
empfangen,  berfelbe  gibt  3eugnif?  unferem  ©eifL" 
2)emnad)  verbinbet  jta)  ber  Jeil.  ©eijt  auf  baS  genauere  mit 
unferem  ©eijt,  erleuchtet  unfern  SBerjtanb  mit  deinem  göttli* 
d)en  $id)t,  beruhigt  unfer  ©ewifjen,  erfüllt  unfer  $er^  mit 
£rojt,  grieben  unb  greube  unb  gibt  unfern  Seele  bie  SBerfT* 
$erung  ber  $tnbfd;aft  ©otleS*  £)teß  2We3  aber  gefd)tel?t  nia)t 
bloS  äußerlid;  burd;3  2öort  unb  bie  jjeti  Sarramente,  fonbem 
auet)  von  innen,  burd;  eine  wirflict)e,  boa;  unbegreifliche  ©e* 
meinfcr)aft;  @x  woj?nt  in  ben  £eqen  ber  3ttenfc$en,  aU  in 
©einem  Tempel,  ntct)t  bloS  ©einen  ©aben,  fonbem  ©einem 
SBefen  nacr),  dv  ijt  nicr)t  bloS  eine  3ettlang  fit  uns,  fonbem 
will  Ui  uns  bleiben  in  Grwtgfetr«  —  £)ie  ©d;rift  rebet  fepr 
beutlia)  barüber  unb  fagt  in  anbern  ©teilen:  „Söiffet  i£r 
nicr)t,  tag  tjjr  ©otteS  Tempel  fei;b,  unb  ber  ©eijt 
©otteS  in  euet)  wohnet?  2Sie  nun  ©Ott,  ber  £err,  einjr 
auf  aufierorbentlia)e  Sßcife  in  bem  Tempel  augegen  war  unb 
benfelbenmit  feiner  §  er  tli0tit  erfüllte,  fo  ift  (£r  aud;  im  neuen 
£ejtament  in  ben  £er$en  ber  ©laubigen  wai?rt)aftigunb 
wefentltct)  zugegen,  unb  offenbart  in  i^nen  ©eine  £errlid;* 
feit,  ©eine  2l(tmact)t,  2Beisj?eit  unb  ©üte*  —  3n  gleid;em 
©inne  fagt  fauluß,  $>a$  bte  ©ünbe  im  gleifd;e  wo{me  unb 
alfo  htn  alten  SDtafd;en  eingenommen  l)abe;  ferner,  baf?  baS 
Sßort  ©otteS  in  uns  wolmen  unb  mit  bem  ©lauben  berer,  bie 
es  gehört  j)aben,  vereinigt  werben  folle;  enblia),  baß  @fmjht$ 
bura)  ben  ©lauben  in  uns  wolme,  unfere  £er£en  inne  fytibe, 
regiere  unb  mit  ©einer  ©nabe  erfülle*  £)arau3  folgt,  bafü 
jta)  ber  jjetL  ©eift  mit  unferem  ©eift  wal?t£aftig  vereinigen 
Witt;  ba$  (£r  bie  ßraft  unfereS  Gebens,  ber  £roft  unfercS  £er- 
aenS,  bat  £ia)t  unfere^  23erjtanbe£,  ber  Genfer  unfereS  Bittend 


541 


fur$,  ber  Urfprung,  ber  Anfang  unb  baS  @nbe  unfereS  getfti* 
gen  unb  göttlichen  £ebenS  wirb,  —  2)amit  ftimmt  aud)  ^etruS 
überein,  wenn  er  fagt:  „2) er  ©eift,  ber  ein  ©eift  ber 
£errltd)fett  nnb  ©otteS  ift,  ruljet  auf  eud>"  SQSelc^e 
(Spre  für  bie  SD?enf#ett,  wie  unbegreiflich,  wie  unauSfpred)lid;, 
tag  ber  allein  ©elige,  in  bem  WXt$,  was  lebt,  greube  unb 
9?uf>e  ftnbet,  ©ia)  erflärt,  @r  wolle  in  uns  $?enfd)en  ru^en; 
—  bajii  £>er,  welken  aller  £immel  Fimmel  nia)t  fajfen  mögen, 
mit  f>öa)fter  2uft  in  unferem  armen,  f  leinen  «^e^en  wohnen 
Willi—  (^nbliä)  fagt^auluS:  „£)er  peil*  ©eift  werbe 

tton©ottreia)lid;überunSauSgegoffettburtt)3^ 
[um  dpriftum;  ober:  bie  -Oiebe  ©otteS  ift  auSgegof* 
fen  in  unfer  £er$  bura)  ben  peiL  ©eift,  weiter 
un^  gegeben  ift/'  2öie  nun  ber  ^egen  \)k  ©ewäd)fe  nicpt 
bloS  $on  auffen  befeud;tet,  fonbern  bur$  bk  (£rbe  ^u  ben 
Sßur^eln  bringt  unb  fta)  mit  bem  ©aft  ttermifd)!,  fo  wirb  ber 
peiL  ©eift  über  hk  ©laubigen  auSgegoffen;  (Er  vereinigt  fta) 
mit  iprem  ©elfte,  ba§  fte  göttlichen  £roft,  grieben  unb  greube 
tton  ©einer  ©egenwart  empftnbem  Wlifyin  ift  t>k  glaubige 
©eele  ein  wirf  lieber  ©i§  beS  peiL  ©elftes,  unb  fo  gan^  mit 
3Jjm  tterbunben,  tag  felbft  tj>re  ©eufeer  3pm  ^ugefeprieben 
werben;  fte  ift  ein  wahres  £etltgtljum,  baS  meljr  |>filigeS  in 
fta)  enthält,  als  alle  £empel  ber  ganzen  SBelt* 

2ßaS  nun  2)  bie  sornepmfte  Söirftmg  be£  petf*  ©elftes 
in  ben  (Seelen  ber  9ttenfa)en  betrifft,  fo  fagt  ber  Styoftel:  „3  j>* 
$abt  einen  finblid)en  ©eift  empfangen,  bura) 
wela)en  wir  rufen"  „$lbba,  lieber  Söater!"  „3war 
ßat  ber  peil*  ©eift  noa)  mehrere  Verrichtungen  in  unferer 
©eele,  —  er  leitet  fte  in  alle  Sßaprpeit  unb  füprt  fte  auf  ebener 
33al)n;  boa)  ijt  tiefes  unter  allen  feinen  SBopltljaten  bie  $or* 
nejmifte,  bag  er  unferem  ©eift  3eugnifj  gibt,  bag 
wir  ©otteS^tnber  ftnb,  —  Unfere  finbfa)aft  hä(Bott 
ift  nemlia)  bem  natürlichen  5^enfa)en  etwas  Unbegreifliches, 
unb  erfährt  $on  unferem  gleifa)  unb  231ut  unb  *>on  ber  2Belt 
mana)en  SGßiberfpruc^  23efonberS  fuept  uns  ber  ©atan  biefen 
frdftigen  £roft  $ur  3tit  ber  £rübfal  $u  rauben,  baper  gibt  uns 
ber  peil,  ©eift  ))k  $erftd;erung,  bag  wir  trog  aller  3weifet 


542 


unb  Anfechtungen,  bennoc^  tinber  ©oiteg  unb  (£rben  ber  <Se* 
ligfeit  feiert,  2)iefe3  3eugnig  lägt  ftd)  ^war  Keffer  erfahren  oB 
befa)reiben;  bod>  j'jieS  nötßtg,  bag  wir  uns  baffelbe  aug  ©ot* 
tt$  Sßort  fo  viel  at3  moglia)  ^orpetXen.  —  2ßenn  bte  gläubige 
©eete  manchmal  faft  bt^  tn  ben  £ob  BetrüBt,  mit  ©orgen  unb 
Kummer  befa)wert,  unb  von  allen  ©etten  bebrängt  ijl,  bag  fte 
fta)  nid;t  mepr  au  petfen  weig,  fo  ftetlt  ft$  mitten  in  biefer 
Slngft  ein  innige^  (Seufzen  neud)  ©Ott  unb  ©einer 
£ülfe  ein*    £)ieg  ift  nun  bag  erjte  tennaeia)en  beg  in  ung 
wolmenben  pet'I*  <25etfte^r  unb  gleic^fam  ber  Anfang  ©eineg 
göttlichen  £rofte£.    SÖetl  biefe  ©eufter  au£  ©Ott  fommen  unb 
3U  ©ott  gepen,  fo  führen  fte  eine  verborgene  traft  mit  fia), 
wobura)  t>k  (Seele  fkrf  gemacht  wirb,  allen  Anfechtungen  ip* 
rer  geinbe  2Biberfianb  $u  leiften.  —  9caa)ji>er  maa)t  ftd)  ein 
3ufvrud;  fühlbar,  welker  $war  fo  geheim  unb  verborgen 
tft,  bag  er  nur  von  bem  ©eifte  beö  3ttenfa)en  vernommen  wirb, 
jeboa)  ift  er  fo  fräftig  unb  bura)brutgcnb,  bag  er  fta)  burdj 
yiifytö  überwältigen  lägt.    2)iefe  SÖirfung  beg  peil,  ©eifteg 
ift  lein  leerer  ©dwll,  fonbern  fte  ift  traft  unb  £eben,  tvie 
wenn  ein  treuer  greunb  an  bem  tranfenbetle  feinet  greunbeg 
fiept,  tijtt  tröftet  unb  ipm  bte  legten  Augenbticfe  £u  erp  eitern 
fuept.  —  £)er  ©eift  ©otteg  verjtegelt  bie  23er Neigungen  ber 
©eprift  in  unferem  $ergen,  $♦  33.  „3cp  will  biep  behüten,  tvitt 
biep  niepi  verladen,  noep  verfäumen.    gürepte  bid;  nid;t,  3$ 
bin  mit  bir,  3a)  ftärfe  bia)  unb  peffe  btr  aua)  :c.,"  bag  wir  £roft 
unb  33erupigung  barin  ftnben,  unb  e£  ift  in  folepen  Augen* 
bliefen  niept  anbers,  al$  wenn  linbernber  33alfam  in  unfere 
SSunben  gegoffen  würbe,  £)a  ermuntert  fta)  t>k  UtxixbU  «Seele, 
unb  ftärft  fia)  in  ©ott,  bag  fte  enblia)  alle  Anfechtungen  glüd* 
ttep  überwinbet  unb  ipre  geinbe  31t  ©Rauben  maa)t.   3«  biefer 
^)inftd;t  bittet  nun  2)avib:„^ein  ©Ott,  fvria)  3U  ™ri= 
ner  Seele:  3cp  bin  heint  £>ülfe!"  —  $aulu£  nennt 
ferner  ben  peil,  ©eift  einen  ©eift  ber  ©nabe,  ber  traft  unb 
Zieht,  bag  $fanb  unb  ©teget  unferer  tinbfepaft  :c.  unb  fagt 
enblia):  „2Bir  paben  niept  empfangen  ben  ©eift  ber 
2öeU,  fonbern  ben  ©etfi  aug  ©Ott,  bag  wir  wiffen 
lönnen,  wag  uns  von  ©ott  gegeben  tfh"  —  (£g  gept 


543 


und  oft  Wie  unverßänbigen  ^inbern,  weio)e  t>te  £)tnge,  bie 
ifmen  gegeben  werten,  nid;t  nad)  ifjrem  rechten  Sertl?  31t  fd;ä* 
gen  wiffem  Str  ftnben  ©efallen  an  kr  (£itelfeit  ber  Seit, 
unb  galten  und  für  glüdtia),  wenn  wir  tue  greuben  berfelben 
naa)  ^er^eneluft  genießen  burfett;  £)er  ©eift  ©otted  aber 
lejjrt  und,  bie  nichtig  unb  gering  btc  £>errlicfyfeit  ber  Söett 
xtnb  wela)  großem  ©lud  ed  fei),  ein  tob  ©ottc^  unb  ein  (£U 
gentium  3efu  ^u  Ijeujem  @x  yzzx&i  von  @£ri|fa  niebt  blöd 
äufjerlia)  burä)  ok  ^rebigt  be^  (rvangeliumd ,  fonbern  ^uvör* 
berjt  in  bem  £eqen  ber  ©laubigem  (£r  »er Hart  3efum  in 
und,  unb  gibt  und  feine  unbegreifliche  ■  Siebe  unb  £reue  rea)t 
gu  verjtepem  —  3)ie  £errltei;feit  (SJjriftf  ifi  unter  .<3$madj  unb 
9ctebrigfeit  verborgen;  aber  ber  J)eiL  ©eift  ^et^t  unferer 
(Seele,  way  für  ein  £rojl  unter  beut  J^reu^e,  wad  für  (£jjre 
unter  ber  ©a)maa),  road  für  3?eid)tf) um.  unter  ber  2lrmutlj, 
wad  für  £o£ett  unter  fota)cr  üftiebrigfeit  verfiedt  fet;,  unbmad)t 
und  Qtjmftum  lieb  unb  wert!?,  ba$  wir  t{»n  allen  <8a)ä^en  ber 
(£rbe  vordem  Sluf  biefe  Seife  arbeitet  ber  peil  ©eift  jtetd 
an  unferem  £er$en,  reinigt  unb  läutert  ed  von  £.ag  ^u  £ag, 
bamit  ba$  eble  23üb  bed  (£rleferd  immer  me£r  baxin  erfdjeine, 
hiß  wir  enblia)  von  biefer  Unvotlfommenf) dt  ^u  ber  jnmm* 
lifa)en  ©eligfeit  gelangen,  ba  (Epriftud  felbft  und  erbauen  unb 
verllären  wirb,  ba$  wir  ibm  äpnlia)  werben,  naa)  ber  Sir* 
fung,  nad;  welcher  (Ex  fann  alle  Dinge  3Jm  untertänig  ma* 
ä)em  —  £5araud  erhellt  nun  $war  beutlia),  wie  ber  pet'L  ©cijt 
in  unferem  §er$en  woljne  unb  wirfe;  t>oct)  wollen  wir  31t  na* 
j)erer  Grrflärung  nod)  einige  23etfviele  anführen*  3nnda)ft  gibt 
und  ber  2tyoftel  ^aulud  felbft,  beffen  Sorte  wir  bidl)er  be* 
txafyttt  paben,  bad  befte  3eugnig  von  ber  Sirfung  bed  jjeiL 
©eifted  an  feiner  eigenen  ^erfom  dx  befanb  fia;  opne  3wet* 
fei  in  einem  fe£r  betrübten  Snßanbe,  baper  er  fagt:  „3$ 
Jjaltebafür,  @ottf?abeund2l£oftel  für  bie  5111er* 
geringften  bargejtellt,  ald  bem£obe  übergeben; 
benn  wir  finb  ein  @d;auf:piel  wovbenber  Seit  unb 
finb  Sporen  um  @f)rijH  willen*  Sir  finb  veraa> 
tet,  leiben  bid  auf  biefe  ©tunbe  junger  unb  2)urjJ, 
finb  naeft  unb  werben  verfolgt  unb  paben  feine 


544 


gewiffe  ©  tättt  &J'   2Sa6  erfrieft  aber  biefnt  elenben, 
fd;waa;en  unb  geklagten  9£Rann  in  aller  ferner  £rübfal?  S^t^t^ 
als  ©otte£  ©nabe,  bie  Bereinigung  mit  Gprijb  unb  bte  £raft 
be$  £eii\  ©etjie&  (£r  war  ungeachtet  atter  Reiben  ttotter  greu* 
bigfett,  ja  er  rüjjmte  fta;  berfelben,  unb  fyattt  einen  unerfa)ro* 
denen  5D?utp*    <5a)fug  man  tpn,  fo  jfonb  er  freubiger  wieber. 
auf,  fä)mä£te  man  tyn,  fo  friert  er  e£  für  eine  (Ej)re,  vertrieb 
man  t£n  $on  einem  Drt,  fo  prebtgte  er  $on  feinem  £eilanb 
an  einem  anbern.  @x  würbe  nid;t  mübe,  unb  war  Bereit,  nid)t 
Wo$  junger  unb  2)urjl,  ©ajmatt)  unb  Sajanbe  um  (grifft 
Witten  £U  leiben,  fonbern  aua)  um  ©etne3  -iftamenf  Witten  ^u 
fterbem    (£r  aa)tüett  nifyt  barauf,  bte  Sßelt  mochte  ijmt  an* 
tjjun,  wa6  fte  wollte,  fonbern  fpraa) :  „tiefer  ßeit  %tU 
btn  ftnb  nid;t  wert])  ber  £errlid;fet,  bie  an  un3 
geoffenbart  werben  foll;    ia)  weiß,   an  wen    ta) 
glaube,  unb  bin  gewig,  bag  (Er  mir  meine  Seilage 
bewahren  lann  hi$  auf  jenen  £ag*"  SSott  Begeiferung 
rieferau^:  ,3er  will  un§  fa)eiben  son  ber  £iebe 
©otte3,  £rübfal,ober!ngft,  ober^Berfolgung,  ober 
junger  ober£3 löge,  ober© efajjr,  ober <Sa) wert?  3n 
bem  EUemüberwinben  wir  weit,  um  £>effen  willen, 
ber  un$  gette&tpai,  unb  wir  finb  gewig,  ba$  we* 
ber  £ob  noa)  £  eben,  weberGEngelnoa)  gürjtent^um, 
noa)  ©ew alt,  weber  ©egenw artig e^noa;  Sufünfc 
tige$,  weber£oJK6noa)£iefe£,noa)feineanbere 
Gtreaturmag  un^  fd)eiben  *>on  ber  £iebe  ©otteS, 
bie  in  (£jmjto  3efu  iß,  unferem^errn!"  —  (Eint  ä$n* 
fta)egreubigfeit  bemerfen  wir  an  <3tepljanu3,  bem  erften  Blut* 
jeugen  be3  £errm    (Er  war  fo  unerfa)roden  unb  rujrig,  ba$ 
er  fia)  $or  feinen  blutbürfh'geu  geinben  sertljeibigen,  im  2ln* 
gefta)te  be£  £obe£  für  fte  beten  unb  feinen  ©eijt  ben  £änben 
beS  |n'mmlifä)en  SöaterS  empfehlen  fonnte*     £)iefe  S3eifptelc 
ftnb  fretlta)  au^ge^eid;net  unb  ebenbaljer  feiten;  aber  wir  fön* 
nen  um3  aua)  auf  bie  (-Erfahrung  atter  ßtittn,  wk  auf  unfere 
eigene  berufen*  —  28a3  ber  Sßerfaffer  be$  42*  $f*  empfanb,  aU 
er  fagte:  „waö  betrübft  bu  bta),  meine  (Seele  unb  bift  fo  un* 
rufrig  in  mir,  £arre  auf  ©Ott  ic,"  ba$  füllen  wir  feilte  nod)  in 


545 


unferer  £raurigf  eit.  ®$  ift,  als  ob  eine  innere  ©timme  $u 
unä  fpre^en  würbe:  tt)a^  trauerjt,  wa$  weinejt  bu  jc;  ml* 
d)et  eine  anbere  antwortet:  warum  fouV  ia)  ntc^t  traurig 
fepn,  id)  Jjabe  fa  ferne  gute  ©tunbe  tu  ber  2Beft,  ta)  bin  arm, 
elenb,  schaffen,  iä)  rufe  $u  ©ott,  unb  (£r  achtet  e$  niä)t,  tdj 
ftnbe  feinen  groß,  meine  Sßerwanbten  unb  greunbe  fennen 
mity  nid)t?  darauf  wirb  erwiebert:  jjaft  bu  nic^t  au$  ®&tti$ 
Söort  gelernt,  wie  ber  £err  fmnbelt,  £eigt  e$nia)t:  jie  lieber 
baS  ßtnb,  befb  fajärfer  bte  9?utf;e?  pflegt  ©Ott  nidjt  feine 
ftebften  tinber  am  wenigfien  wiffen  gu  (äffen,  wie  lieb  (£r  fte 
fyabt  ?  33etrad)te  bie  33etfyief e  aller  grommen,  ijt  (£r  nia)t  wun* 
berbar  mit  ifmen  wfafjren,  toct;  fo,  bag  fte  $ule$t  Seine  ©üte 
unb  breite  in  Ottern  ernannten?  pflegt  @r  nicfyt  $u  fa)weigen, 
bamit  wir  um  fo  eifriger  rufen  unb  unfer  ©laube  geprüft 
werbe  ?  £)af>er  fc9  getroft  unb  ergib  btcty  bem  Söitfen  Neffen, 
ber  deinen  vertagt,  welker  auf  3Jm  fein  Vertrauen  fegt  ic+  — 
2)iefe  innere  (Stimme  fpria;t  freilia;  nidjt  immer  auf  bte  nem* 
fia)e  SQBeife  ^u  uns,  bod)  im  gleiten  ©inne,  unb  wir  fom? 
men  in  unferem  anliegen  oft  fo  fa)netf  auf  anbere,  beffere  ©e* 
banfen,  baß  wir  uns  wunbern  muffen,  2öir  empfmben  im 
Reiben  bie  traft  be$  jjeit  ©eifteg  unb  fajfen  fd)nelt  ben  (£nt* 
fa)fug  au^ufjarren  unb  unfer  ®reu$  gebulbtg  $u  tragen,  fo 
lange  ber  £>err  Witt*  —  33efonber$  aber  ^eigt  jta)  bte  (Einwtr* 
fung  beS  göttlta)en  ©eipeS,  wenn  ber  <&atan  uns  ben  ©tauben 
an  bie  ©nabe  ©otte$  rauben  unb  un$  auf  traurige  ©ebanfen 
um  unferer  ©ünben  willen  bringen  Witt.  3Meg  gefa)tef>t  fo 
Jwuftg;  benn  gerabe  bie  grommen  Jmben  ben  meinen  Kummer 
wegen  ij?rer  ©eligfeit,  wctyrenb  bie  ©ottlofen  unb  bie  £euä> 
Her  fia;  felbft  tröften,  unb  iljrer  Meinung  naa)  be$  £immel$ 
fo  gewig  finb,  wie  wenn  fte  fa)on  barin  wären,  3)oa)  lef>rt 
bie  (Erfahrung ,  bag  bie  ©laubigen  bisweilen  eine  fola)e  SSer^ 
fta)erung  erhielten,  bag  nia)t$  meljr  im  ©tanbe  war,  fte  ba* 
*>on abzubringen,  —  ©er  Jjetl,  ©eift  gibt  alfo  3eug* 
ntg  unferem  ©eijte,  bag  wir  ©otte$  ttnber  finb, 
unb  wer  an  ben  ©ojjn  be$  «5)ö$(ten  glaubet,  ber 
£at  ein  fola;e$  3eugnig  in  tpm. 


548 


2ttttt>ettfcutt<$* 

5tu$  biefer  Sefjre  folgt  nun  i)  baß  ber  ©tanb  ber  d^rtpen 
ber  allerfeligße  fep ,  unb  baß  m'a)t$  mit  ü)m  in  Skrgletdjung 
fomme,   Sag  fann  tton  einer  dreatur  £errli$ereg  gefagt  wer* 
ben,  alg  baß  fte  ein  £empel  be3  ljett*  ©etfie^  fe^;  wa^  i(l 
©alotno'S  Tempel  gegen  biefe  £errlid)fett?    3ro<w  Wopnte 
©Ott  aud>  in  bemfelben,  aber  nidjt  anf  foldje  Seife  wie  in 
bem  £er$en  ber  ©laubigem    3ene$  war  blo$  ein  (eblofes  ©e* 
6äube  *>on  Sftenfdjenjjänben  gemaust ,  barin  jt<$  bie  £errliä> 
feit  ©otteS  eine  Seittang  geigte;  biefe  aber  ifi  ein  lebenbiger 
£empef ,  welken  ©Ott  ftdj  $ur  Solmung  hexättt  $at,  baß  er 
barin  Weite  ewtgtid^  —  2)ie  3ttenftt)en  unferer  £age  wiffen  »on 
feiner  £errlta;fett,  <xU  *>on  ber,  wela)e  in  bk  Singen  faßt, 
unb  weil  baS  Gtfmftentljum  nia)t  na$  ijjrem  ©inn  bef^affen 
ift,  fo  wirb  e$  vtxatytet;  biefen  muß  man  bie  £errliä)feit  ber 
$inber  ©otteS  audj  in  biefem  £eben  entgegen  fe^en*    £)al)er 
rebete  ity  fo  augfüfjrlid)  bat>on  unb  bebaure  nur,  baß  unfer 
#er$  fo  tljßricf)t  tj*  unb  biefe  £errli$fcit  ber  ©laubigen  nidjt 
re$t  »er^e^t,  gef^weige  benn  barauf  atytet  —  <Bo  (äffet 
un$  nun  nadj  biefer  ©efigfett  je  mejjr  unb  mejjr  trauten,  unb 
un$  berfelben  au$  ©otte$  Sort  $erftd?ern.    Silljl  bu  ange* 
fejjen  fepn,  o  9ttenfd),  fo  werbe  ein  $tnb  ©otte&    Sttlj*  bu 
reidj  unb   glü(flt$  fepn,  fo  tritt  in  bie  ©ememfe^aft  3efc 
(grifft  unb  werbe  ein  Tempel  be$  fieil*  ©eifte$,  lerne  bie 
Seit  mit  ifjrem  eitlen  £anb  seratt;ten,  unb  beffrebe  btd),  ba$ 
bu  verfiel,  wag  ba$   Reißet     „£)ie   ©nabe   unfereS 
£errn  3efu  dfmfH,  bi*  Siebe  ©otte$  unb  bie  ©e* 
meinf^aft  be^  £etL  ©eijieS  fei  mit  eu$  Tillen;" 
fo  Wtrß  bu  ben  Fimmel  auf  drben  j[a  in  bir  felbft  £aben* 
&ae  ßjmftentfmm  tf*  nia;t  geringer  aU  bie  Seit,   e$  pat 
(££re,  £o£eit/  £errli<ftfett,  2fteid)t!wm  unb  greube;  nur  baß  ber 
Selt©üter  bie  $ugen,  baS  (griffen  t{>  um  aber  bie  £er$en  füllet 
Die  Seit  pät  mel)r  ©c^ein,  ba$  djmflentfmm  aber  me£r  $raft; 
Uc  Seit  fyat  ben  ©Ratten,  ba$  (£|jrijtentjmm  baö  Sefen, 
(£$  iß  ©ott  am  meiften  um  bal  3nnere  $u  tjmn,    unb  bat 
<!£rijientjmm  ifk  nic^t  rechter  2lrt,  fo  lange  ber  £eil*  ©eiß  nic^t 


547 


in  unfern  £er^en  wojmt  unb  ft'e  regiert,  fo  lange  <£r  unfere 
©eele  nidjt  erleuchtet,  erfreut  unb  jMrfet  <£$  muß  Bei  ben 
QtyrtfJen  feigen:  „@m  ©ott  unb  Später  unfer  5111er,  ber  ba 
tfi  über  eua)  Sitte  unb  in  eu$  Sitten/'  2ötr  pören  ©otteö  2Öort 
nicfjt,  bamit  eS  blo$  in  bie  Dpren  fa)alle,  fonbern  batnit  e$ 
in  bie  #eqen  bringe  unb  ber  IjetL  ©etft,  ber  mit  unb  bei  bem 
SBorte  tft,  ftd)  mit  unferem  ©eifte  vereinige*  Darum  werbet 
wa£re,  re$tf$affene  Triften,  unb  laffet  ©otteä  $eic$  in 
eud)  fe^n,  fo  werbet  ü)r  balb  inne  werben,  wo  mefjr  £err* 
litykit  unb  ©eligfeii  $u  fmben  fe$,  —  bei  bem  (££rijientjmm, 
ober  bei  ber  2öelt 

2öir  wotten  aber  au$  2)  au$  biefer  £e£re  einen  £roji 
f cppfen,  ,  wiber  Sitten,  waö  unfere  ©eele  betrüben  famu — 
3$  gebe  $war  gerne  au,  ba§  bie,  welche  ©Ott  liebfmb,  ni$t 
ojme  2lnfe$tung  bleiben  tonnen;  attein  ify  wunbere  miti)  aufy 
barüber,  bag  jtdj  ber  53arm{>eratge  unferer  £rübfale  fo  feljt 
annimmt,  bag  (Ex  uns  nid)t  bloö  in  ©einem  Soor te  reichen 
£rof*  gibt,  fonbern  aud)  ©einen  peil,  ©eifl  in  unfere  ^er^en 
fenbet,  ber  fie  mit  lebenbigem  unb  gewijfem  £rojt  erfüllet* 
SBenn  ein  Untertan  auf  bem  ^ranfenbette  liegt,  unb  ber 
$önig  burd)  feine  Wiener  mfy  i{>m  fragen  lägt,  fo  Ijält  man 
baS  für  eine  groge  ©nabe  unb  (£ljre;  befugt  aber  ber  $önig 
felbji  ben  $ranfen  unb  fpric^t  freunblitty  mit  ijjm,  fo  fann  man 
fid?  ni$t  genug  barüber  wunbern*  —  Dieg  tjwt  unfer  ©Ott 
wirflicfy,  dv  fenbet  nid)t  blo$  ©eine  Diener  $u  ben  bebrängten 
Triften,  fonbern  nähert  ©i$  iljnen  felbft,  vereinigt  ©i$  mit 
iljrem  ©eifie  unb  erfüllet  fe  mit  reichem  £rofi,  fo  bag  t>on 
tijrem  Zeihe  ©tröme  be$  lebenbigen  SafferS  fliegen,  b*  l,  bag 
fte  au$  Slnbere,  hie  in  allerlei  £rübfal  fmb,  trojien  fonnen 
mit  bem  £rofi,  iamit  fie  t)on  ©Ott  getröftet  werben.  —  2lu$ 
Deute  iß  ber  wertlje  Größer,  ber  peil,  ©eijt,  in  ber  ©emetnbe 
©otteg,  unb  wir  lohnen  bieg  |wuftg  *>on  betrübten,  2lnge* 
fodjtenen,  ©terbenben  j?ören*  3<t,  gar  oft  füllen  wir  ©einen 
fräftigen  £rofi:  an  unferem  eigenen  £er$en*  Darum  laffet  un$ 
ftonbljaft  feptm  Seiben;  benn  e$  lann  unb  foll  un$  anS^atjj 
unb  £ülfe  nidjt  fehlen*  SSir  Jjaben  einen  ©Ott,  ber  Reifen, 
einen  £errn,  ber  erretten,  einen  ^ergenSfreunb ,  ber  trö* 

35* 


548 


Pen  fann,  SStr  fonnen  mit  tyauluö  fagen:  „2Bir  fy&btn 
allenthalben  £rübfal,  aber  wir  ängften  un$  nt^t; 
un$  ift  bange,  aber  nur  »erjagen  nia)t;  wir  lei* 
ben  SBerfotgung,  aber  mir  werben  nia)t  serlaf* 
fen;  wir  werben  unterbrach,  aber  wir  fommen 
nia)t  um/7  —  <£in  bürrer  33aum  verfault  enblia)  bura)  9lt* 
gen  unb  Ungewitter,  aber  bem  grünen  SBaunte,  ber  Saft  in 
fia)  Ijat ,  nü$t  berfelbe»  ©o  »erjagen  t>k  $inber  biefer  Seit, 
bie  fein  getftigeS  2eben  in  fia)  Ijaben,  wenn  £rübfal  unb  2ln* 
feä)tmtg  fte  überfällt;  wir  aber,  bie  wir  ben  £roft  be£  fytiL 
©eijieg  beftgen,  befielen  nia)t  allein  in  jebem  ©türme,  fem* 
textx  $ie£en  fogar  Luisen  baxauö ,  gu  unferer  Erbauung  unb 
SBefferung.  —  ©o  fep  nun  getrofi  unb  füra)te  bia)  nia)t,  o 
tejjrift;  benn,  wenn  bu  aua),  naa)  ®otte^  ^eiligem  9?atf>,  be$ 
2eiben3  (£fjriftt  »iel  f>aft,  fo  wirft  bu  aua)  reta)lia)  getrost 
bura)  (Ejjrijtunu  ©e£t  ber  ©atan  beinern  £eqen  ju,  fo  wiffe, 
bafj  ber  peil*  ©eift  barin  wolmt,  unb  e$  bewahrt  unb  erhält 
5lengftigen  fann  er  bia)  wojrt,  aber  überwältigen  wirb  er  bia) 
nia)t  2ßenn  ber  ^ett  ©etfi  un$  baS  3engnif?  gibt,  baß  wir 
©otteS  $inber  ftnb  unb  Vergebung  ber  ©ünben  ljaben,  wa$ 
fann  uns  beunruhigen  ?  2öie  gut  fonnte  fta)  £>atrib  in  bie  un* 
serbtente  £äfterung  beS  ©imei  fa)itfen,  ba  er  in  feinem  £er* 
ytn  serfta)ert  war,  ba$  biefe  Prüfung  $u  feinem  heften  bienen, 
unb  balb  vorüber  gelten  werbe!  2Bie ruln'g  ift  ber  ©eift,  wenn 
er  unfa)ulbtg  serläumbet  wirb  unb  grteben  in  feinem  3nnem 
£at,  unb  mit  £iob  fagen  fann :  „$cein  ©ewiffen  ölagt 
mia)  nia)t,  meinet  ganzen  Sebenö  wegem  2lä), 
ftejje  ba,  mein  Beuge  ift  im  £immel,  unb  ber  mia) 
f  ennet,  ift  in  ber  £öf>e*  —  9htn  iß  aber  ba$  3^«öntg  be$ 
jjeil  ©elftes  größer  unb  fräftiger  aU  ba$  3eugnig  unfereä 
©ewiffen$ ,  unb  wir  bürfen  e$  nia)t  erft  im  Fimmel  fua)en, 
fon.bern  tt>  ift  in  unferem  £er$em  2Barum  feilten  wir  nia)t 
freubig  unb  getroft  fepn  hti  Willem,  wa$  un$  jrier  begegnet? 
©e£et  bie  greubigfeit  ber  Märtyrer  an,  wela)e  bie  graufamfte 
harter  mit  ©efculb  ertrugen,  S3on  -iftatur  waren  fte  ma)t 
fäljig  Da$u,  fonbern  fcuro)  Die  $raft  be$  ^eiligen  ©eifieS, 
ber  in  tjmen   wojmte*     Siefe  ßraft  wirft  noa),    fte  iffc 


549 


mcf)t  erlofd;en  unb  wirb  aua;  nidjt  erlöfa;en  tt$  an$  Gmbe  ber 
£age*  Raffet  5ltteö  über  un$  j>  er  einbrechen;  Der  in  ung  ift,  ift 
größer,  al3  ber  in  ber  SBelt  tft,  mögen  wir  aucb  2Itte£  »er* 
lieren,  fo  fönnen  wir  bod;  ben  £roft  beS  l?eiL  ©eifteö  nia)t 
verlieren*  Die  ©ottlofen  fönnen  ung  $war  von  £au$  unb 
£>of  vertreiben;  aber  ia)  £abe  noa)  nie  gehört,  baß  fie  unä 
bie  ©nabe  3efu  dljrifti,  bie  ?iebe  ©otte$  unb  bie  ©emein? 
fa)aft  be$  peil*  ©eifteS  $u  rauben  vermögen»  5lua)  ber  £ob 
vermag  nia)t3  bagegen;  bie  langwierigen  ifranfjjeiten,  feine 
Vorboten,  fönnen  ^war  ben  ?eib  ver$e£ren,  aber  $u  bem  in? 
neren  2ebenSfaft,  ber  bie  ©eele  erquicft,  fönnen  fte  nia)t  ge? 
langen.  23efonber£  in  ber  festen  ©tunbe  gefa)ie£t  e3  ja,  baß 
ber  ©eijt  beS  £errn  fo  mäa)tig  ^u  un£  fvria)t,  baß  @r  un$ 
fo  viel  %kht  unb  fnmmltja)en  £rojt  einbögt,  baß  wir  tit  33if? 
terfeii  be$  £obe3  nia)t  empfmbetu  —  Darum  lajfet  un$ 
guten  Wlufyö  fe^n  in  @a)waa)fm'ten,  in  üftötjjen,  in  2Ser* 
folgungen,  um  (SJmjti  wittern  ©inb  wir  fa)waa);  ber 
©etft  beS  £errn  jjtfft  unferer  <5a)waa)fmt  auf*  J&aben  wir 
£rübfal  —  (£r  f>at  £rojt;  verlaffen  uns  unfere  näa)ften  2ln? 
verwanbten  unb  greunbe,  —  (£r  verlägt  uns  nia)t  Sößiffen 
wir  un£  weber  $u  ratzen  noa)  ju  Reifen,  —  @r  Witt  un$  fei? 
ten  unb  führen,  unb  meijr  tfun,  al3  wir  UtHn  unb  verfielen* 
Söiffen  wir  nia)t  mefjr,  was  wir.  beten  fotten,  —  <Ex  vertritt 
un$  aufs  23ejte  mit  unaugfprea)lia)en  ©eufeern*  ©inb  wir 
beforgt  wegen  ber  33eftänbtgf  eit  unfereS  ©laubenS,  —  (Er 
wirb  unö  unter  jtü#en,  baß  wir  treu  bleiben  tt$  an$  (Enbeunb 
bie  $rone  beS  £eben$  empfafjen,  wela)e  ©Ott  ver^eiffen  jjat 
atten  Denen,  t>k  3jm  fieb  jiaben*  —  —  greüid;  fönnte  f>ter 
mana)er  gromme  einwenben :  ia)  empftnbe  leiber  t>a$  3eug* 
niß  be$  jjetf*  ©eifteä  nta)t  in  mir  unb  mi%  nia)t$  von  feinem 
£roft,  vielmehr  fjabe  ia)  Slngjt  unb  ©a)recfen,  unb  in  ber 
größten  33angigfeit  fallt  mir  aua)  nidjt  ein  5luöfprua)  ber 
©a)rift  ein,  unb  wenn  ia;  mia;  aua;  an  einen  erinnere  ober 
von  Slnbern  barauf  aufmerffam  gemaa)t  werbe,  fo  fann  ia)  boa) 
feinen  groft  barauö  fa)övfen;  ia;  bttt  nia;t  anbaa)tig  genug 
unb  füfrte  feine  greubigfeit  im  ©ebet  jc.  Slttein  von  biefer 
wichtigen  6aa)e  barf  man  nia;t  nad;  feiner  eigenen  ^mpjtnbung 


550 


urteilen ,  fonbew  nad)  bem  Sorte  ©otteS ,  welches  beutlia) 
leijrt,  bag  ber  £eil.  ©eijt  in  ben  £eraen  ber  ©laubigen  wojwe, 
unb  i£r  Proper  tmb  23eij?anb  bleuen  wolle  ett>iglia%  2üttt)  tffe 
ber  ©a)lug  unrttt)ttg,  bag  ©otfeS  ©eiß  nidjtinunSfe^,  weil 
wir  feinen  grteben  unb  feine  greubigf dt  empfmben,  eben  fo  un* 
richtig  tjt  es,  #x  fagen:  iä)  bin  ©oiieS  tmb  niä)t,  »eil  ta)  eS 
nidjt  glauben  fann,  bag  ia)  eS  Un.  2)er  23aum  j?at  bennoa; 
©aft,  ob  er  gleich  im  Sßinter  weber  grünt  no^>  blüjjt,  unb 
ber  D?ofenftrauä)  tjt  nia)t  verborrt,  wenn  er  aua)  naä)  ber 
33lüi£e  niä)tS  als  dornen  £at*  —  3$  9e&e  e^  3U>  $a$  man 
ben  tnnern  £roji  jur  3«t  &**  2lnfeä)iung  nia)t  immer  empftn* 
tet;  boa)  lägt  fta)  ber  |^etL  ©eiji  nie  gana  unbeaeugt  (£r  er* 
Jjält  auf  verborgene  Seife  bie  ©eele  im  tampf  burd)  ©eine 
götttt^e  $raft,  erregt  in  ifjr  ein  inniges  Verlangen  naa)  ©Ott 
unb  ein  beftänbigeS  ©eufaen  nad)  ©einer  |>ülfe*  Unb  fo  lange 
fxty  in  bem  5ftenfa)en  nur  noa)  ein  fd)waa)er  ©eufter  ju  ©Ott 
fmbet,  fo  lange  ift  ber  ©eijt  beS  £>errn  ntd)t  von  tljm  gen>itt)en; 
benn  t>U  ©efmfua)t  ber  ©eele  nad)  ©otteS  ©nabe  f  ommt  aus 
©Ott  unb  fejjret  lieber  gu  ©Ott  —  £)er  fjeil*  ©eifi  offen* 
bart  fta)  auf  verfa)iebene  Seife,  balb  lägt  er  jta)  5>öa)ft  auf* 
fallenb  vernehmen,  wie  am  erften  d)riftltd)en  ^ftngfifeft,  unb 
erfüllet  2llleS  mit  groger  greubigfett,  X)k  Sunber  ber  ©üte 
©otteS  ju  verfünbtgen;  balb  aeigt  dv  fta;  gana  in  ber  ©itlle, 
unb  mad)t,  bag  ber  ©laube  faum  noa)  als  ein  £>oa)t  im  £er* 
3en  glimmt.  @S  tjt  aber  @rin  ©eift,  ber  2llleS  in  Gittern  wirft;  — 
@in  ©eijt,  bura)  ben  bie  SXpopel  ein):  in  verfa)iebenen  ©pra* 
c^en  rebeten,  (Ein  ©eijt,  ber  i>it  bugfertige  ©ünberin  au  3efa 
Eintrieb,  <£in  ©eift,  ber  $auluS  mit  20htt|?  unb  greubigfett 
erfüllte,  bag  (£r  vor  £oj>en  unb  fieberen  baS  Evangelium 
prebigte*  2)erfelbe  iß  noa)  immer  in  ben  ©laubigen  unb 
ü)re  ©eele  lebt  in  3jjm;  balb  htmiöt  bie  groge  greubigfeit, 
wela)e  fte  jmben,  ©eine  ©egenwart,  balb  ber  Zxoft,  btn  fte 
empfmben,  balb  ftnb  es  aber  aua)  £fjränen  unb  ©eufaer, 
tt)ela;e  von  ©einem  Safe^n  aeugem  —  ^Bei  unferem  £eilanb 
tyat  fio)  bie  gülle  ber  ©ott^>eit  oft  in  feinen  ^rebigten  unb 
SBunbern  funb ;  aber  fte  ewieS  fic^  aua)  aur  &it  feines  ^ei* 
benS.    (Jbenfo  gibt  fto)  bei  uns  i>k  $raft  ©otteS  mano)maC 


551 


burc$  einen  unerfdjütterlic|>en  ©lauben  p  erfennen,  bisweilen 
aber  fcfyeint  e$,  tit$  ob  wir  t>on  bem  £errn  verlaffen  wären, 
bamit  ber  ©laube  geprüft  unb  bura)  bie  Prüfung  gejiärft  unb 
erhalten  werbe*  Unb  wenn  wir  gletd?  in  einem  folgen  3«* 
ftanbe  feinen  ©efdjmacf  an  bem  Sporte  ©otteä  mef>rftnben  fon* 
nen,  wenn  fein  2iu£f})rutf;  ber  ©c^rift  uns  me£r  einfallen  will, 
fo  ift  boc$  gewig,  bag  gerabe  bann  unfer  £erg  am  meinen  von 
ben  SBerfjeijfungen  bes  @$angeltum$  umgeben  i%  2ludj  ber 
$ranfe  lebt  ja  t>on  ber  $raft  ber  @peife,  bie  tym  ntc^t  fd?mecft, 
unb  i>a$  Wenige,  ba$  er  ja  jtd)  nimmt ,  fommt  iljm  gut,  ob 
e$  gleich  ber  9?atur  guwiber  ijt  —  £)al)er  fep  aufrieben,  o 
@£rift,  unb  lag  bir  an  ber  ©nabe  beine3  ©otteS  genügen; 
bu  bijt  ein  ©lieb  am  $äU  3efu,  mithin  wirft  au$  <&tin 
©eijtjmmer  in  bir»  ©leid?wie  bie  6eele  bur$  ben  gangen 
Mb  bringt  unb  audj  ba$  geringjxe  ©lieb  belebt,  ob  fie  ft$ 
gleich  in  einigen  tätiger  geigt  als  in  ben  anbern;  alfo  befeelt 
ber  jjnfc  ©eift  tm  gangen  Mh  (Jjjrijli,  unb  ber  ©eringjle  un* 
ter  ben  ^eiligen  erfreut  fid?  ©eines  33eijknbe$,  wiewohl  bie 
Sirfungen  *>erfd;ieben  ftnb*  3eigt  dx  <Si$  bei  bir  nic$t  auf 
auffallenbe  Söeife,  fo  fe$  mit  feinem  füllen  SÖBirfen  gufrieben; 
ijt  bein  ©laube  nifyt  groß  unb  parf,  fo  beruhige  bidj,  au$ 
wenn  er  nur  einem  glimmenben  2)oa)te  gleicht;  fannfx  bu  ni$t 
froJjlid)  fe#n,  fo  feufge;  fannjt  bu  ni$t  weinen,  fo  feljne  bidj 
nad)  ©Ott;  jjaji  bu  ni^t  bie  güfle  be$  £rofte3,  fo  laß  bir  ge* 
nügen  unb  banfe  3jjm  für  ©eine  verborgene  $raft,  burdj  welche 
(£r  bia)  Warfen  unb  in  allen  Anfechtungen  erhalten  WÜX 

O  fynliw  Sieb»,  füfer  &rofil  9hm  $tff  uns  frö$lt$  unb  ge* 
troji  3n  ©einem  ©ienfte  bleiben ;  £afi  feine  Woty  uns  abtreiben! 
£>  £etr!  bur#  betne  Äraft  mt$  bereit,  Itnb  ftärf  be$  gfetföe*  Slö* 
big  feit,  ©af  wir  tjier  ritterlich  ringen,  2)urc#  £ob  unb  &Un  $t 
2)ir  bringen»    ^>aUetuja^  i  Slmen. 


552 


Pritter  ®I)HL 

ißon  t>em  ^eiligen  ?efcen  ber  bußfertigen  unb  gtau* 
feigen  ©eelen. 


©  *  ft  e    ?PteHji 

SBcn  ber  fftotjjwenbtgfeit  eines  fettigen  £eben^ 

£.  2«  Äorinttj.  5,  14.  15.  ©ie  Siebe  <£$rtfi{  bremget  \m$  alfo,  ba 
tt>tr  bafür  Ratten,  baf  fo  (£iner  für  2ltte  geworben  ifi,  fo  fmb  jte 
Stile  gefiorben,  unb  (£r  tfi  barum  für  fte  Sitte  geworben,  auf  baf  bie, 
fo  ba  (eben,  hinfort  nic$t  t£nen  felbft  leben,  fonbew  2)em,  ber  für 
fte  geworben  unb  auferfianben  i% 


(5 1  n  g  a  n  g* 
Sm  Manien  Sefu!  Slmen. 

2>er  römifdje  $aifer  £abrtan  fyattt  einen  £0fhtarfa;au7\ 
mit  tarnen  ©tmtftS,  melier,  be$  |>of(eben3  überbrüfftg,  enb* 
lt$  feine  (£ntfaffung  napm*  dv  lebte  naa)£er  noa)  fteben 
3a£re  lang  in  ber  ©tittc  auf  feinem  £anbaut,-  unb  aU  er 
bie  Stunbe  feinet  £obe£  fommen  fap,  befahl  er,  man  folle 
auf  feinen  ©rabftein  fa)reiben  :„£ierliegt©imili3,  ber 
3ttj.ar  fel?r  alt  würbe,  b od;  nur  fteben  3 a^re  gelebt 
pat "  —  2)er  finge  £ofmann  fajj  wopl  ein,  t>a$  baS  fein  rea> 
te$  £eben  fep,  wenn  ber  SDfenfa)  feine  £age  blo$  im  £)ienfte 
eines  2lnbern  zubringen  mug,  unb  in  ber  Gritelfeit  ber  SBelt 
fein  Vergnügen  fua)t,  aber  ftdj  felbft  vergißt  unb  bie  23ejferung 
feinet  £eqen$  $ernaa)läfftgt  —  £)a3  2eben  ber  £ofleute  ift, 
wie  fymliti)  eö  aua)  fa)eint,  eigentlia)  fein  £eben  ju  nennen: 
benn  fte  werben  gleiajfam  *>on  einer  f remben  (Seele  befeelt,  »on 
bem  S03iUen  eines  Zubern  regiert  unb  leben  wie  an  SBogel 
im  $äftg,  bem  es  $war  nia)t  an  9laj>rung  fejrti,  ber  aber 


553 


bafür  feiner  greijeit  berauh  tft,  SBon  ijjnen  fann  man  bajjer 
mit  SReä)t  fagen :  fte  werben  alt ;  aber  fie  leben  nia)t  lange* 
3)oä)  fmben  fta)  faft  in  allen  «Stänken  fola;e  9ttenfa;ett ;  benn 
bie  Reiften  Riffen  nia)t,  warum  fte  leben,  unb  wie  fte  ipre 
Seit  unb  Gräfte  anwenben  fotlen,  baf  man  *>on  ipnen  fagen 
fann:  fie^abengelebt  23iele  leben  nia)t  wie  bk  Wim* 
fa;en,  suelweniger  atö  (£fmß:en,  fonbern  wie  bte  Spiere* 
2)ie  jjeilige  ©a)rift  nennt  fte  einen  <Sa)atten,  weil  ij?r  £e* 
Un  bloS  einem  ©a)atten  gleia)t  unb  entfrembet  ift 
t>on  bem  geben,  baS  aus  ©Ott  tfL  —  $rüfe  bia;  alfo 
wofil,  o  Sftenfa),  wie  es  um  bia)  ftefje?  2)u  btfl  woijl 
aua)  fdjon  alt,  unb  £aft  boa;  erft  fur^e  3ät  gelebt,  weil  bu 
ben  größten  £f?eil  beineS  gebend  mit  unnügen  ober  fünb* 
liefen  fingen  pbraajteft?  £)a3  ift  ba$  reajte  geben,  mnn 
man  jur  (££re  ©otteS,  ^um  9?u£en  feinet  9Ma)ften  unb  ju 
feiner  eigenen  23efferung  lebt  £)ann  leben  wir  rea;t,  wenn 
(£f>riftu£  in  unS  lebt,  wenn  uns  ©ein  guter  ©eift  regiert, 
wenn  wir  ber  Söelt  unb  uns  felbft  abfterben,  unb,  güa)tig, 
geregt  unb  gottfelig  leben*  33ebenfe  nun,  o  (Ejjriji,  wie 
lange  bu  fo  gelebt  |>aji  £)u  jjajt  wo£l  in  fo  x>kkn  3a£ren 
noa)  nia)t  einmal  angefangen,  alfo  au  kfon.  Skfyft  bu 
*>on  beinen  S^ren  abf  was  bu  auf  bün  Vergnügen,  auf 
9ttügiggang  unb  eitles  ©efa;wä$,  auf  @ffen  unb  £rinfen, 
auf  ©fielen  unb  ©a)lafen  it.  jc*  »erwenbet  fwft,  fo  wirb 
bir  wenig  ober  gar  nia)tS  übrig  bleiben ,  was  bu  $um  2)ienfte 
©otteS  unb  beS  ^da)ften,  ober  ^um  ^eil  beiner  ©eele 
anwenben  lonnteft  —  3ener  ©reis  würbe  gefragt,  xok  alt 
er  fep,  unb  antwortete;  45  3^re*  2)er  Slnbere  fagte:  ia) 
Jatte  (£ua;  für  einen  Siebziger  gehalten*  (<£$  fann  wojjl  fepn, 
erwieberte  ber  ©reis;  boa;  bu  mugt  wiffen,  baj?  ia)  bie  3apre 
meiner  S^ö^b,  wela)e  ia;  in  (£itelfeit  unb  <8ünbe  3ubraa)te, 
nia)t  mittlen  mag,  weil  jene  für  fein  %tUn  gehalten  wer* 
t>tn  fönnem  —  grage  b\^f  o  @I)rift,  wie  alt  bu  fegt  bift, 
unb  wie  lange  bu  bia;  mit  ber  Uebung  in  ber  ©ottfeligfeit  be* 
fa)dftigeft?  fßitMfy  f>aft  bu  faum  ben  fleinjta  £ijeil  t>ti* 
nes  gebend  barauf  serwenbet?  SBtettei^i  bijl  bu  fa)on  30 
3af>re  alt,   unb  £aft  faum  erft  30  £age  gelebt?  —  SBon 


554 


bem   römtfc^en   $aifer  %im  ^efpaftanuS  melbet  bte  <$e* 

fd)i$te,  baß  er  einft  gegen  2lbenb,  fca  er  jtd)  erinnerte,  baß 

er  ben  £ag  über  9iiemanb  eine  2Bof>lil?at  erzeigt  fjabe,  au$* 

rief:  „meine  greunbe,  ify  fyaU  tiefen  £ag  verloren  !"  O,  fcaf 

wir  boa)  von  einem  Reiben  lernen  motten,  alle  £age  für  ver= 

loren  au  galten,  an  benen  wir  ni$t$  au  ©otteS  (£f>re,  auut 

£)ienße  unfereä  fRäc^jien  unb  au  unferer  33ejferung  getj>an  £a* 

ben!  Wlbfytm  wir  un$  befleißen ,  bte  verlornen  £age  in  3u* 

fünft  lieber  Jjereinaubrütgen,   unb  wenigjtenS  im  2llter  an* 

fangen  rec^t  $u  leben!    £>,  baß  tt>tr  2llle  bebenfen  motten, 

tooau  wir  erraffen,  warum  uns  ©Ott  mit  fo  vielen  SBojjl* 

traten  überhäuft,  warum  wir  fo  treuer  erfauft  unb  aur  ewigen 

©eligfeit  berufen  finb?  —  Sftdjt,  ba$  wir  un£  felbft  leben, 

fonbern  £)em,  £)er  un$  erraffen,   erlöst  unb  geheiligt  Jjat, 

mt  unfer  Zcxt  unb  bie  ganae  peil  ©$rift  fo  beutlid?  lej>rt. 

£)aj?errebenwir  von bem Heiligenleben b er  glaubigen 

©  e e l e n unb awar auerj!  von  ber  ^otljwenbigfeit  bef* 

felben,  3)er  £err  fegne  unfer  $or£aben  um  ©einer  £iebe 

willen ! 

2tt|>ant>tuttg. 

SBerpjIanat  einen  Sßeinberg,  unb  ijfet  nidjt  von  feiner 
grucfyt,  ober  wer  weibet  eine  beerbe,  unb  ijfet  ni^t  von  ber 
Mty  ber  beerbe?  —  fagt  ber  2lpofteL  —  Ser  alfo  bie  Wltyi 
fyat,  muß  aud)  ben  9tu§en  paben*  Unfer  ©ott  Jjat  (wenn  ify 
auf  SPfenf^enweife  reben  foll}  bie  TO£e  gehabt  mit  ber 
menftt)li$en  ©eele,  e£e  (£r  jte  aur  $uße  unb  aum  (&lanbm 
braute*  2öie  fauer  iji  eg  bem  £erm  3efu  geworben,  bk* 
felbe  au  erlöfen?  £>arum  erforbert  e$  <xu$  bie  pa)(te  billig* 
feit,  baß  (£rbie  grüßte  i£re$  ©laubenS  genieße,  2)er  3tt>ecf 
unferer  GErlofung  unb  Dfadjtfertigung  i(i  ja,  baß  ©Ott  i>k  ge* 
fallene  ©eele  wieber  aufri^ten,  tyx  ba$  verlorne  (ürbenbilb 
aurücf geben,  unb  fte  aum  äßerfaeug  ©einer  ©nabe  unb  aum 
©efäß  ©einer  33artm)eraigfeit  maa)en  will*  —  2)a  wir  nun 
bi$£er  bie  große  ©nabe  beö  £erm  betrautet  unb  un$  an  ©ei* 
ner  %kU  unb  ©üte  ergoßt  paben,  fo  wollen  wir  \t%t  von  ben 
SBirfungen  biefer  Qdntöz  unb  von  bm  grüdjten  be3  ©laubenö 
nnb  ber   Rechtfertigung  reben,     ©otteö  ©nabe  liegt  nic^t 


555 


untfwtig  in  ber  ©eele  be$  $?enfa)en,  fonbern  n>trft  Stiles  in 
Mm*  ©ie  tffc  $war  verborgen,  aber  i!)re  2Berfe  jtnb  offenbar, 
fte  f eimt  in  un£  wie  ein  ebleg  ©amenf  orn ,  unb  trägt  fpäter 
Jjerrlta)e  grüa)te*  SSo  (SljriftuS  bura)  ben  ©tauben  im  £er$en 
wojmt,  ba  f?at  G£r  ©ein  Sfteia) ;  wen  dx  geregt  maa)t,  ben  maa)t 
(£r  aua)  ^eitt^,  unb  erregt  in  tym  an  fe^nXtc^eö  Verlangen 
unb  einen  ^er^ia)en  (Eifer  ©Ott  unb  ^teuf^en  pt  bienen»  — 
2)aoon  fpria)t  nun  ber  2lpojtel  in  unferem  £erte ,  ben  wir  nä* 
Ijer  erwägen  wollen*  23or£er  rebet  er  $on  ber  großen  £reue, 
bk  er  in  feinem  2imte  bewiefen  jjabe,  xok  er  um  bie  (££re  ®ot^ 
ie$  eifere  unb  nia)t$  als  bk  33efferung  unb  ©eligfeit  ber  *D?en* 
fa)en  twr  klugen  Jjabe*  ©a^t,  fagt  er,  bränge  tjm  bk  £tebe 
(grifft,  mit  welcher  er  un£  geliebt  j?at  M$  in  ben  Stob*  2>iefe 
unbegretflia)e  Qkhe  jjabe  fein  #er$  gan^  eingenommen  unb 
zwinge  tyn,  nia)t$  anbcrä  p  tfmn,  als  was  £>anfbarfeit 
unb  $flitt)t  erforbern*  (£r  muffe  feinem  |>errn  unb  beffen  treuer 
erworbenen  (Verneine  wittig  btenen,  wenn  er  bebenfe,  bafr 
3efuS  aua)  ü)n,  ba  er  noa)  fein  geinb  war,  geliebt,  unb  ©ia) 
felbft  für  tyn  bargegeben  l?abe*  £)er  Sipoftel  behauptet  alfo, 
baß  in  i£m  unb  allen  ©laubigen  eine  große  traft  »erborgen 
fep,  weld)e  bie  Qiimjfrtt  ^um  £>ienfle  ©otteS  unb  beS  9^äa)jlen 
antreibe»  —  ©leia)wie  fiä)  im  grü^ling  in  ben  ©ewää)fen 
ber  (Erbe  eine  ftarfe  traft  aeigt,  um  tnoSpen  unb  Blätter  $u 
treiben,  fo  tft  in  unferm  3nnern  ein  gewiffer  £)rang,  grüa)te 
beS  ©laubenS  peroorgubringem  (£in  geuer  erregt  ba$  anbere, 
unb  eine  %kfo  ent^ünbet  bk  anbere»  2)ie  £tebe  3efu  @£rtjft 
erwecft  in  uns  eine  ©egenltebe,  unb  xok  ©eine  £tebe  3£n  ge* 
brungen  f>at,  uns  oon  ©ünbe  unb  £ob  ^u  erlöfen,  fo  brängt 
fte  uns  aua),  baß  wir  3£n  wieber  lieben,  unb  bi$  in  ben  £ob 
lieben  f ollen*  —  £riel?er  gebort  aua)  ein  anberer  2luSfprua)  beS 
2lpoftelS;  3a)  lebe,  boa)  nun  nia)t  ia),  fonbern 
GbriftuS  lebet  in  mir  u*  f*  w*  3a)  fjabe  mia),  Witt  er 
fagen,  mit  allen  Gräften  beS  ^etbeö  unb  ber  ©eele  meinem 
£errn  ergeben,  ia)  mi%  *>on  feinem  anbem  %cUn,  als  von 
bemjenigen,  wela)eS  3efuS,  mein  £eben,  in  mir  wirft  unb 
fjemr bringt*  (Es  wäre  mir  leib,  wenn  ia)  etwas  anberS 
benfeit,   reben  unb  tlmn  follte,    als  was  meinem  (Erlöf er 


556 


gefällig  tjl  3$  wäre  befümmert  barüber,  wenn  ein  £ag  obet 
eine  ©tunbe  vorüber  ginge ,  in  ber  id;  ntd^tö  $ur  <£l?re  mei* 
neS  £>eilanbeS  unb  $ur  Erbauung  Seiner  ©emeinbe  oollbraa)* 
ober  gelitten  pätte*  —  Unb  i>k$  SltleS  gefa)ie£t  barum,  baß 
(£r  mia)  geliebt  unb  ©ia)  felbft  für  mi(^  bargegeben  j?at;  bieg 
fann  unb  will  ia)  nimmer  oergeffen,  ia)  lann  eS  $war  nimmer 
vergelten,  aber  eS  foll  mir  au$  nimmer  aus  bem  ©tnne  fom* 
men*  3ä)  Witt  3ef«W/  ben  ©efreu^tgten  allezeit  lieben,  loben, 
greifen ,  unb  ©einen  tarnen  ausbreiten,  fo  gut  ia)  fann*  — 
2)aS  £er$  ber  Sßiebergebornen  ift  alfo  wie  eine  lebenbige, 
frifa)e  Duelle,  bie  immer  forubelt  2öie  in  bem  menfd)lia)en 
Körper,  fo  lange  bie  ©eele  barin  wojmt,  2lt(eS  in  ££ätigfeit 
ift,  fo  ift  hei  ben  grommen  bie  ©nabe  ©otteS  nia)t  müßig, 
unb  bie  ©laubigen  lonnen  nie  ofme  ^eilige  Hebungen  feipm 
©ie  loben  ©Ott,  eifern  um  ©eine  Grfjre,  forgen  für  ben  3u* 
ftanb  ber  $tra)e,  nehmen  fta)  beS  5^da)ften  an,  unb  f?aben  faum 
ein  gutes  908erf  oollbraa)t,  fo  benfen  fte  wieber  an  ein  anbereS* 
3Baa)enb  unb  fd)lafenb  finb  fte  hei  ij)rem  (£rlöfer*  3*fu$  lebt 
in  ilmen,  ber  £etf.  ©eift  treibt  fte,  fte  ftnb  ber  göttlichen  !Tla^ 
tur  bura)  bie  SÖSiebergeburt  tf>eil£aftig  geworben  unb  jjaben 
(Sfmfti  ©eift  unb  ©tmu  —  Wlein  SBater  wirf  et  bisher, 
unb  iä)  wirf  e  aua),  fo  fagte  ber  £err  felbft,  unb  lehrte, 
iröftete  unb  tfjat  ©uteS ,  wo  dx  tonnte,  liefen  ©inn  j?aben 
©eine  ©laubigen  bura)  3^n,  unb  maa)en  eS  fta)  $ur  Aufgabe, 
ju  tröften,  pfeifen,  ju  ratzen  unb  3ebermann  naa)  $räf* 
ten^u  bienen*  3£v  ©laube,  als  bie  ©eele  beS  neuen  Sflen* 
fa)en,  fann  fo  wenig  rufjen,  als  bie  ©eele  im  Zeihe,  unb  ein 
müßiger  ©laube  ift  ein  tobter  ©laube,  2öer  ein  Gtfmft  fepn 
joiH  ofme  Hebung  ber  ©ottfeligfeit  unb  ofme  gute  SBerfe ,  ber 
mi$  nia)tS  oom  ©lauben  unb  f)at  bie  Ziehe  (£f>rifti  unb  ©ei* 
nen  ©eift  ned)  nie  empfunben;  er  will  tobt  fepn  unb  fta)  boa) 
beS  Gebens  rühmen,  —  —  ©a)on  barauS  erpellt  gewiffer* 
maßen  bie  9fotJjwenbigfett  eines  ^eiligen  Gebens*  Raffet  unS. 
aber  noa)  weiter  Jjören,  was  ber  Slpoftel  fagt:  „©internal 
wirbafür  galten,  $>a$,  fo  dinex  für  Sllle  geftor* 
benift,  fo  finb  wir  2llle  geftorben;"  b.  i,  weil  unfer 
£eilanb  uns  bie  große  ©nabe  unb  Ziehe  erzeigt  4jat,  baß  (ix 


657 


für  uns  Sitte  geftorbett  ijt  unb  uns  bura)  fernen  £ob  vom  glua)e 
beS  ®efe£eS  unb  sott  ber  ewigen  SSerbammntg  erlöst  fmt,  fo 
wären  wir  bie  unbanfbarften  ®efa)övfe,  wenn  wir  3^n  uia)t 
lieben  unb  ^u  Seiner  (£f?re  leben  wotttem  Darum  ift  @r  ja 
für  Sitte  geftorben,  auf  bafü  bte,  welche  um  Seinetwillen  le* 
ben,  pinfort  nia)t  ij?nen  felbft  leben,  fonbern  ©ein,  ber  für 
fte  geftorben  unb  auferftanben  iji  Der  £ob  (£J>rifti  erlöst  nia)t 
bloS  von  Sünben  unb  von  bem  ewigen  £ob,  fonbern  er  be* 
wafjrt  uns  aua)  vor  Sünben,  —  er  txäU  uns  an  ^u  einem 
gottfeligen  Gebens wanbel.  £ob  unb  £eben,  (£rlöfung  unb 
Heiligung  bürfen  nie  von  einanber  getrennt  werben,  unb  wer 
fta)  beS  £obeS  @ priftt  freuen  will  $u  feiner  ©erea)tigfeit, 
ber  muß  aua)  baS  £eben  (£J>rifti  erwählen  §ur  Beugung 
feiner  Danfbarfeit  —  darauf  bringt  bie  gan^e  peil  Sä)rift, 
unb  wir  wollen  unter  vielen  Stellen  nur  einige  $ur  23eftätigung 
biefer2öaf>rf>eit  anführen*  —  2Ber$Hrnaa)  folgen  will, 
fagt  3efu$r  ^er  verleugne  fia)  felbft  unb  nepme  fein 
$reu$  auf  fia),  unb  alfo  folge  er  mir/'  2Öer  Ijier 
fa)on  glütfliä),  einft  aber  ewig  feiig  fepn  will,  ber  entfage  fet* 
nem  eigenen  bitten  unb  ergebe  fta)  gan$  deinem  Dienfte ;  er 
freudige  fein  gleifa)  fammt  ben  £üften  unb  S3egierben,  unb 
fabre  fort  in  ber  Heiligung;  er  neunte  aua)  i>k  £rübfal,  bie 
tfmi  wiberfäprt,  getroft  aus  ©otteS  SSater^anb  an,  unb  be* 
traa)te  SDfta)  ma)t  bloS  als  feinen  (Erlöfer,  fonbern  aua)  als 
fein  SBorbilb  $u  einem  peiligen  £ebenSwanbeL  —  gerner  fpraa) 
ber  £err,  „3$  hin  ber  Sßeinftocf,  iprfe^b  bie  $e* 
ben;  wer  in  2D?ir  httihet  unb  3$  in  if>m,  ber 
bringt  eble  grua)t;  benn  opne  9)Ha)  fönnet  tjjr 
•ftia)ts  tljum  2öernia)t  in  9ttir  bleibet,  ber  wirb 
weggeworfen  n)it  eint  untaugliche  dicht,  unb 
t>erborret,  unbmanfammeltfi  eunbwirftfie  inS 
geuer,  bafj  fie  verbrenne." 

Sttitlnn  maa)t  ber  £eilanb  swar  unfer  3eitliä)eS  unb  ewiges 
Soljl  von  ber  ©emeinfa)aft  mit  3£m  abhängig;  aber  (£r  ver* 
langt  aua)  grüa)te  von  biefer  $erbinbung.  Darum  fagt  dx  in 
einer  anbern Stelle:  „Darin  wirb  mein  $ater  geehrt, 
S>a$  t£r  viel  grua)  t  bringet  unb  werbet  meine  3ün* 


558 


ger;"  ober:  „3$  fjafce  eua)  erwäget,  ba§  i£r  ^tn^ 
ge# et  unb  gruä)t  bringet,  unb  eure  grudjt bleibe/' 
3ßir  bürfen  alfo  nidjt  in  ©ta)erl?ett  nnb  ©ünben  bajjüt  leben, 
fonbern  fotten  ünmerbar  rea)tfa)affene  grüßte  ber  23uge  unb 
©ümeSänberung  bringen*  —  3n  btefem  ©inne  faßte  aua;  3a* 
$aria$,  ber  Sßater  3o£anni$  be$  £äufer$,  baß  ©Ott  un$  ©et* 
nen  ©o{m  gegeben  £abe,  baf?  wir,  burä)  3!w  erlogt  au£  ber 
#anb  unferer  geinbe,,  3£m  bieneten  opne  gura)t,  ön  finblta)em 
©eDorfam)  unfer  £ebenlang,  in  £  eiligfett  unb  ©erea)tigfeit, 
bie  3|wt  gefällig  ift  23efonber$  merfwürbtg  aber  ftnb  noä)  fol* 
genbe  2lu$fprüa)e  ber  Slpof^et :   „20 1  r  w  i  f  f  e  n ,  bagunfer 
alter  3ttenfa)  fammt  (££rifto  gefreu^igt  iß,  batnit 
ber  fünblta)e  £eib  aufhöre  unb  wir  jjinfort  ber 
©ünbe  nia)t  me£r  bienen»    Spaltet  bafür,  ba$  ifyx 
ber  ©ünbegejiorben  fe^b  unb  lebet@otttnGtJ>rifto 
3efu*  2)ie  in  (£!jrifU  3efu  ftnb,  bie  wanbeln  nia)t 
na a;  beut  gletfdj,  fonbern  naa)  bem  ©etfL  ®ott£at 
un$,  ba  wir  tobt  waren  in© ünben  famtntGtjjrijio 
lebenbig  getnaa)t  unb  pat  uns  fantmt  3JJm  auf  er* 
werft  2Bt r  finb  ©einSÖerf,  gefa;affen  tn  ßjmjio 
3efu  au  guten  2Berlen,  ju  weldjen  un$  ©ott  auo or 
berettet  f>at,  ba{ü  wir  barin  wanbeln  follen/'  —  2ßie 
®ott  ber  £err  Ui  ber  erjtot  ©a)ö»fung  2ltte$  am**  greife  ©ei* 
ner  5D?ao;t  unb  autn  £)ienfte  be$  9ttenfa)en  erraffen  Ijat,  fo 
|>at  (£r  bei  ber  aweiten  ©a)o>fung,  —  bei  ber  (Erlöfung,  bie 
bura;  3efum  @i>rtffttm  gefä)ef>en  ift,  un£  barunt  erneuert,  baf* 
Wir  ©eine  ©nabe,  %kbt  unb  £reue  ernennen  unb  *>on  berfel* 
ben  in  guten  SÖSerfen  aeugen  fotten*  ®tin  23lümleüt  tfi  x>on  ©ort 
erfo)affen,  ba$  nitt)t  nao)  feiner  Slrt  oon  ber  5lUmaa)t,  Sets* 
l^ett  unb  ©üte  be$  ©a)ö>fer$  aeuQet*    ^e  fottten  wir  nia)t, 
bie  wir  in  @ü>rijio  eine  neue  dreatur  geworben  ftnb,  son  ©ei* 
ner  ©nabe  unb  %kfo  naa;  Gräften  ^eußen  ?  SSerfunbigt  bie 
leblofe  üftatur  bie@l?re  tyxtü  ©tt)öpfer$;  wa$  fotten  wir  t$mn, 
bie  wir  Vernunft,  ©praa)e  unb  fo  mancherlei  ©aben  empfan* 
gen  £aben?   ©ollen  wir  niä)t  unfern  ©Ott  jjoä)  ejjren  unb  um 
fer  £ta)t  leua)ten  laffen  sor  ben  beuten,  bag  fte  unfere  guten 
Serie  fe^en  unb  ben  SSater  im  Fimmel  greifen?  —  ©leia)en 


559 


©tun  Daben  bte  2lu6fyrüä)e:  „<£$  £ft  erfreuen  bie  peil* 
fame  ©nabe  ©otteS  alten  9Renfa)en,  unb$üa> 
tiget  unä,  baß  wir  tterläugnen  f  ollen  ba$  ung  ött* 
lia)e  SBefen  jc*,  3efuS  pat  ©ia;  felbj*  für  uns  gege* 
ben,  auf  baß  (Er  uns  ertöfet  e  *>on  aller  Ungereä> 
ttgfeit,  unb  reinig  te  ©ia;  felbfi  ein  33 otf  gum  ^t=^ 
gentium,  ba$  fleißig  wäre  in  guten  SÖSerfen.  3£* 
fepb  ba$  au$erwä£tte  @efä)lea)t,  ba$  fönigltä)e 
93rieflert|>um,  baö  |>etlige  Solf,  ba$  fBolt  be$ 
(Eigentums,  auf  baß  i£r  verfünbtgen  follt  bie 
£ugenben  ©effen,  ber  (Eudjberufen  Ijat  von  ber 
ginjierntß  au©etnem  wunberbaren£ta)k  (Eljrtjtuä 
$>at  gelitten  für  uns  unb  unä  ein  SSorbilb  gelaf* 
fen,  baß  w  irnad)  folgen  f  ollen©  ein  eng  uß  taufen* 
(Ein  3eglia)er,  ber  fota)e  Hoffnung  $u  3^m  Ijat, 
ber  reinigt  fiä),  gleta)  wie  (Er  aua)  rein  tft  *c/'  2Bie 
mögen  atfo  bie  (Eijrijkn  unferer  £age  fta)  einbtlben,  baß  fa, 
ungeachtet  iljreS  fünbltä)en  £eben£,  in  ber  ©nabe  ©otteS  unb 
in  ber  ©emetnfä)aft  (Eprifli  bleiben  fönnen,  wa6  boa)  in  ben 
5lugen  be$  £errn  ein  ©reuel  tjt,  bem  von  jeljer  alle  ^eilige 
Männer  ©otteS  wiberfproa)en  jjaben?  — 

2)ie  angeführten  ©teilen  ber  ©a)rift  beweifen  nun  $ur 
©enüge,  baß  ber  £err  $on  hcn  ©einigen  einen  ^eiligen  Sanbel 
verlange;  aber  wir  wollen  je$t  auä)  geigen,  baß  2llleS,  was 
©Ott  (naä)  bem  $t$£erigen)  an  unferer  Seele  getl?an  jjat, 
Jjauptfäa)lidj  auf  bereu  (Erneuerung  unb  23ejferung  abgefeljen 
fep*  —  2öir  rebeten;  nemlta)  guerfl  von  bem  elenben^Juftobe 
ber  fünblia)en  ©eele,  unb  geigten,  baß  ber  3ttenfa),  welcher 
t>orfä£tia)  in  feinen  ©ünben  bejjarrt,  vor  ©Ott  verwerflia) 
fep  u*  f*  w*  Senn  nun  3^«tanb  wa^r^aft  belehrt  unb  in  bie 
©emeinfä)aft  3efu  (Ejmfii  burä)  ben  ©lauben  serfegt  iß,  lp>it 
fanner  jta)  mutwillig  bem  23 Öfen  Eingeben,  unb  fta)  felbjt 
inö  SSerberben  jtür^en?  ©o  oft  ber  wajjre  d^riji  an  feinen 
früheren  Suftwb  benft,  erfa)rtcft  er,  unb  lobt  ©Ott  x>on  $tx* 
Sen,  baß  (Er  iljn  bura)  ©eine  ©nabe  t>on  ber  ©ewalt  ber  §in* 
ftermß  errettet  Jat  (Er  verpflichtet  fta)  aufs  neue,  feinem  (Er* 
löfer  nachfolgen  unb  ü)m  twig  treu  gu  bleiben  —  .2Bfr 


560 


rebeten  ferner  x>on  ber  33ef eljrung  ber  ©eele,  $on  ber  £angmut$ 
unb  ®üte  ©otteg,  sott  ber  $efa)affent)eit  ber  25uße  unb  i^rer 
£eilfamen  SBirfung  u*  f+  w*  2Öer  btefe3  2Weg  an  fta)  fet^ffc  er? 
fahren  l^at,  unb  einfielt,  baß  bie  ©ebulb  ©otteö  it)m  511  fei? 
ner  ©eltgfeit  bient,  wer  bebenft,  mte  ber  liebreiche  Sater 
t^m  fo  freunbli(t)  nachging,  unb  it)n  mit  un^äjrtigen  2Öot)l? 
traten  überhäufte,  wer  bte  £reue  3efu  Efjrtfti,  unb  bte  be? 
jiänbigen  Ermahnungen  ©eines  ©eifteS  rea)t  erwägt,  ber 
wirb  befennen  muffen,  baß  er  ber  unbanfbarfle  $?enfct)  wäre, 
wenn  er  biefe  £tebe  unb  ©üte  mit  ltnget)orfam  unb  WlutymU 
(en  erwiebern  wollte*  3eber  wat)re  Et)rift  wirb  lieber  2ille£ 
ertragen,  aU  baß  er  feinen  ©Ott  son  neuem  beleibigen,  bef? 
fen  ©nabe  son  fta)  ftoßen  unb  beffen  Ungnabe  fta)  wet)en 
füllte,  Er  wirb  e£  felbft  für  unerläßliche  ?)flia)t  galten,  in  ei? 
nem  neuen  £eben  $u  wanbelm  —  2)a$  ^emlta)e  folgt  barauS, 
wa$  wir  oben  son  ber  33ef$affen|mt  beS  ©laubeng  unb  »on 
ber  5lrt  unb  SBeife  gefagt  jjaben,  ivk  er  fta)  an  Et)»ftum  an? 
fct)ließt  SSenn  aber  ElmftuS  bura)  ben  (Glauben  in  unfern 
^er^en  wojmt,  fo  gibt  er  un$  $raft,  ßarf  $u  werben  -an  bem 
tnwenbigen  9ftenfa)en,  Et)riftu$  ijt  fein  tobter  ©ö#e,  fonbern 
ber  gürft  be£  £eben6;  Er  fann  nia)t  im  ^er^en  fe#n,  o|me  bem? 
felben  ©ein  £eben,  ©eine  %ieUf  <$eine  ^raft,  ©ein  £ia)t,  unb 
©einen  ©eift  mit^ut|>eilen,  ~  Unfer  Erlöfer  felbft  $etgte,  baf 
au£  ber  £ei)re  t>on  ber  Vergebung  ber  ©ünben  bie  Zieht  ©ot? 
teS,  unb  mitjnn  bie  wajjre  ©ottfeligfeit,  al$  grua)t  beg  ©lau? 
beng,  entfpringe*  2)at)er  fagte  Er  von  (euer  bugfertigen  Öün? 
berin:  „3£r  finb  ttiele  ©ünben  vergeben;  t>tnn  fie 
f>  at  *>iel  geliebt;"  b,  i,  an  t^ver  großen  unb  {jer$lia)en  ^t'ebe 
fann  man  ernennen,  baß  tt)r  siele  ©ünben  vergeben  fmk  (©ie 
formte  ftd;  über  t>k  ©nabe  ©otteg  in  Et)rifto  nia)t  genug  wun? 
bern,  unb  wußte  alfo  it)ren  Erlöfer  nia)t  genug  $u  et)ren  unb 
blieben)*  $?iti)in  folgt,  baß  bie  Rechtfertigung  bura)  ben 
©lauben  ba$  £er$  be£  ©ünberS  erwärme  unb  ^ur  ©egenliebe 
unb  £>anfbarfeit  ent^ünbe.  Unb  man  fmbet  aua)  in  ber  £t)at 
fein  23eifyiel  batton,  baß  ein  wat)rt)aft  befet)rter  ©ünber  fei? 
neu  #eilanb  nia)t  x>on  ganzem  £er&en  liebe,  3a,  man  fann 
fta)er  barauS  fließen;  wer  nia)i  liebt,  bem  tfl  bie  ©ünbe 


561 


noa)  nt$t  vergeben;  benn  wo  feine  Stefce  iß,  bö  tffc  fem  ©foube, 
wo  aber  ber  (^lernte  nityt  i%  ba  ift  fein  Qtyrifluä ,  feine  ©nabe, 
feine  Vergebung  ber  ©ünbem  —  £)a$u  fommt  tue  £efjre  t>on 
ber  ^inbfe^aft  ©otteg,  *>on  ber  getßigen  SSerbinbung  ber  @eefe 
mit  Gtljrtjb,   $on  bem  inneren  3eugniffe  beö  £eiL  ©etjkS» 
2öer  aber  bie  £errftd)feit  ber  $inbfd)aft  burdj  (£jmjhtm  er* 
fangt,  bem  wirb  au$  ber  ©etj*  ber  tmbfdjaft  gegeben,    din 
wa£re$  f  inb  ®otte£  ftept  aber  ftetö  auf  feinen  lh'mmftf<$en 
SBater,  unb  erneuert  tägfi$  in  ft$  ben  33orfa&,  3#n  nie  mit 
SSiffen  unb  2Men  ^u  beteibigem  (Ebenfo  betrübt  ftd)  bie  ©eefe, 
wenn  fte  ftdj  iprer  |»o^en  Sßürbe  erinnert,  barüber,  baß  ifjr 
£er$  mit  unreinen  ©ebanfen  befielt  fe^n  fo&    ©ie  wünfdjt 
biefen  ^?etb  be$  £obe$  bafb  abzufegen,  um  im  ©Ian$e  ber  ©e* 
re^tigfeit  unb  £eitigfeit  bei  @jjrifio  p  fe^n.    SQßie  fotfte  fte 
affo  je  wieber  ttorfägftd)  fünbigen,  wie  tfjren  <£rlöfer  befeibi* 
gen,  ber  fte  fo  treuer  erfauft  f»at?  —  Gmbfity  iffc  au<#  ber  £ei* 
fige  ©eifl,  ber  in  ben  ©laubigen  wojmt,  ntc^t  müßig,  fon* 
bem  vok  bie  ©eele  bem  Zeihe  baS  Seben  gibt,  fo  gibt  (£r  ^tm 
^ttenfdjen  ein  neueö  £eben  unb  wirft  in  tljnu  —  SQSie  J>o$  muf* 
alfo  ber  9ttenf$  in  ben  klugen  beS  £ö$ften  geartet  fe^n,  wenn 
©t$  ber  £err  auf  foldje  Steife  mit  tfun  verbindet*  3war  iji  bie 
^ütte  ©otteS  auf  (£rben  son  auffen  fe£r  unf^embar,   inwen* 
big  aber  *>ott  $rad?t  unb  £errlicj)feit    £)enn  wenn  au$  ber 
33efej>rte  nic^t  gan$  frei  tji  $on  @$wa$!?eiten  unb  geilem, 
fo  ift  bodj  bem  innern  3ujtonbe  naa)  im  ©eiji  unb  ©tauben 
aüeg  fauter  unb  fietfig*    T)a$  geuer  beg  ©taubenS  brennt  im* 
mer,  ba$  tägli^e  Dpfer  ift  ein  bußfertiges  $er^  nebfi  liefen 
©euftern  unb  £f>ränem  —  ©o  bleibt  es  alfo  ewig  wa£r,  baß 
feine  wa^re  33uße,  fein  achter  ©laube,  feine  Äinbfdjaft  ®ot* 
te$,  feine  SBerbinbung  mit  (£l)rtfio,  feine  Snwojmung  be$  fy&U 
©eijks  beftej)en  fonne,  oI)ne  ein  götilidjeö  unb  IjetftgeS  Gebern 
Unb  wer  ftcfy  einbilbet,  er  fonne  ein  @{mjl  fe^n  opne  wa£re. 
©ottfetigfeit,  ber  fyätt  ©otte$  SBort  für  betrug,  unb  <5em 
Sößerf  für  einen  feeren  Schein  o£ne  $raft,  m$  in  (£wigfett 
nic&t  fe^n  fann. 


icttöet'§  @ertenf^rt$,  36 


562 


Slnwenbuttg, 

L  2)ie  £e£re  von  ber  iftotfjwenbigfeit  eiltet  gottfeltgen 
£eben$  enthält  1)  eine  SSertl^etbtgung  ber  et>angeltf$en  $irdje 
gegen  ben  Vorwurf  ber  $atljolifen,  —  t>a$  man  bei  uns  son 
gutenSßerfennidjtS  wtffe  ober  wijfen wolle ,  au$ wenig 
Sertl)  bar  auf  lege ,  unb  fte  gar  ni$t  einmal  verlange,  fonbern 
allein  ben  ©lauben  o£ne  SSerfe  prebige*  £uefer 
EBorwurf  ifi  wopl  ju  bepeqigen,  unb  wenn  er  richtig  wäre, 
fo  würben  wir,  ify  gefiele  e$  gerne,  beS  djrifilidjen  ftamenS 
ni<$t  würbig  feipn,  Slber  man  tljut  uns  bamit  fe£r  Unrecht; 
benn  nidjt  nur  bie  offentlidjen  $3efenninif[e  unferer  Ätrdje, 
nebjt  ben  täglichen  Ermahnungen  $on  allen  ^an^eln,  fon* 
bern  au$  fo  siele  Schriften  ber  Unfrigen  beweifen  baS  @e* 
gent^eiL  203ir  bringen  ^war  mit  allem  Ernfte  auf  ben  ©lau? 
ben,  unb  behaupten  mit  ber  £etl.  ®$rt'ft,  bafü  er  allein  ge* 
re<$t  ma$e ;  aber  wir  fagen  au<$  mit  Paulus :  „ber®laube 
muffe  burd>  bie  Siebe  t£ätig  fepn,"  unb  mit  3afobuS; 
„ber©laube  o£ne  2Q3erfefe9,tobk"  SÖBir  lehren  beßän* 
big ,  bajj  ber  wajjre  ©laube  mit  mutwilligen  ©ünben  nidjt 
beßejjen  fönne,  wir  wijfen  son  feinen  glaubigen  SßSollüjHingen, 
hieben,  ©einigen,  £runfenbolben,  xoit  bie  $irdjen  &er* 
fammlung  p  Orient  SOSir  lehren  aus  ©otte£  SBort,  baj?  bk* 
/enigen  ben  wahren  unb  feligmadjenben  ©lauben  ni$t  £aben, 
weldje  tton  feiner  regten  SReue  wijfen,  unb  sorfä$li$  in  ©ün* 
ben  bejjarren*  SQSir  behaupten  au£brü(fli$,  bafj  t>k  Stiebt  $u 
©Ott  unb  bem  Stächen  eine  gru^t  fep,  bie  notpwenfcig 
aus  bem  ©lauben  folge,  unb  baß  man  »on  bem,  ber  folc^e 
£iebe  ni$t  £at ,  mit  Slzfyt  fliegen  fönne,  baf?  er  nod>  nidjt 
gerechtfertigt  fe?,  fonbern  im  £obe  bleibe,  ober  baß  er  bie 
©eredjttgfeit  burcb  ben  QblauUn  wieber  verloren  ljabe*  Ein 
jUber  $5aum,  ber  nidjtgute  grüo)te  bringt,  wirb 
abgehauen  unb  ins  geuer  geworfen«  —  ^n  unfern 
£agen  befonberS  ifi  eS  feljr  nbtljig,  bag  man  auf  gute  Söerfe, 
wie  auf  ben  ©lauben  bringt,  weil  t>u  Sttenfc^en  buro)  ba$ 
Vertrauen  auf  t£r  eigenes  Sßerbienft  ebenfo  ins  SBerberben  ge* 
ratzen  lönnen,  wie  bur$  t^re  ®ic$er£eit  unb  falfc^e  Ein* 


563 


bilbung  be$  ®lauben&  £>aljer  fagen  wir  unverholen,  baß 
3eber  beg  ewigen  2ebeng  verlufh'g  fep,  ber  feinen  (Glauben 
an  ßijriflum  nta)t  bura;  einen  gottfeligen  SBanbel  31t  Beweifen 
fuä)t.  daneben  aber  geben  wir  bie  23e£auptung  nie  auf,  baß 
bie  ©erea)tigfeit,  bie  vor  ©Ott  gilt,  allein  burdj  ben 
©laubenfomme,  weil  ftd§>  barüber  in  ber  Jjeil*  ©djrift 
fo  beutlidje  SSeweife  ftnben*  Unb  wir  fömten  mit  $aulu$  fa* 
gen:„2Bie?  £eben  wir  benn  baö  ©efe£  auf  burc$ 
ben  ©laufen?  —  £>aS  fep  ferne;  wir  richten  t$ 
vielmehr  auf,  b*  i*  wir  geigen  vielmehr,  welä)e£bte  SBur* 
3el  aller  ©ottfeligfeit  fe$,  unb  xioie  wir  ba$u  gelangen,  baß 
wir  na$  beut  ©efe&e  ©otteS  in  fmbliefjem  ©eporfam  lebe» 
fönnen»  ©er  23aum  muß  guerp  gut  fep,  elje  er  gute  grüdjte 
bringen ,  unb  bie  Duelle  muß  erp  rein  fepn ,  e£e  ein  lauterer 
©trom  barauS  fließen  fanm 

2)  2Öir  wenben  un$  nun  gu  benen,  bie  $war  äujferli^  ber 
evangelifa)en  tirdje  angehören,  aber  ijjre  £e|>re  von  ber  Sfadjte 
fertigung  bura;  ben  ©lauben  $ur  ©ic^erljeit  unb  Unbußfertig* 
leit  mißbrauchen*  ©ie  meinen,  bte©eredjtigfeit,  Vergebung 
ber  ©ünbe  unb  ba$  ewige  Seben  fönne  i^nen  ni$t  fehlen,  ob* 
gleich  an  ipnen  weiter  nid)t$  (££rißlid)e$  p  fmben  ijt,  al$  ber 
5^ame  unb  ba$  äußerliche  ^efenntniß.  ©ie  freuen  ftdj  jwar 
über  ba$  SBerbienß  be$  (£rlöfer$,  unb  wollen  ££etl  £aben  an 
3£m>  aber  von  einem  ^eiligen  ^&hm  in  @£rißo  mögen  fte 
nitt)t$  wifien*  ©ie  galten  e$  für  £inlänglia>,  tit  3  ©laubenS* 
arttfel  $u  f ernten ,  unb  einige  ©teilen  ber  ©djrift,  bie  ft# 
barauf  bejiepen,  im  ©ebä$tniffe  §tt  ljaben,  —  unb  benfen 
ba£er  an  feine  Erneuerung  unb  ©inneSänberung*  ©ie  wofe 
len  an  ©jjrifhnn  glauben,  aber  feine  ©ebote  m'c$i  palten, 
bura)  Sefum  feiig  werben ,  aber  boa)  ai*d>  i£re  Cufl  tn  ©ün* 
ben  büßen*  ©ie  £ören  e$  gerne,  wenn  tynen  bie  ©nabe  ©ot* 
tt$  in  3efu  (££rijb  angeboten  wirb,  wenn  aber  eben  biefe 
©nabe  jte  unterrichtet,  ^  fte  verlängnen  f ollen  ba$  ungött? 
ltdje  2öefen  unb  hk  weltlichen  £üße,  unb  süchtig,  gerecht  unb 
gottfelig  leben  in  biefer  SBelt,  fo  meinen  fte,  ba$  verlange 
©Ott  nia)t  ernßlidj  von  ben  3föenfa)en*  ©ie  wollen  ©Ott  unb 
bem  ©atan  $uglet$  bienen,  unb  auf  t>em  breiten  Sege  in 

36* 


564 


ben  §immd  gefangen*  —  ©egen  tiefen  gottfofen  SBapn  eifert 
bie  peil*  ©cprift  in  mehreren  Steffen,  unb  tt)iff  von  feinen 
(Sprificn  wiffen,  als  von  benen,  wela)e  ipren  ©lauben  bura) 
gute  SBerfe  bereifen,  bie  nia)t  naa)  bem  gfeifa)e,  fonbern 
naa)  bem  ©eifie  (eben:  9lux  ben  bußfertigen  n>trb  bie  ©nabe 
©otteS  unb  bie  Vergebung  ber  ©ünben  verfproa)en,  nur  bie, 
wetdje  bura)  ben  wahren  ©tauben  mit  Gtprifto  verbunben  fmb, 
gelangen  jur  ewigen  ^err(ia)feit  unb  ©efigfeit  —  Unfer 
£eifanb  fefbfi  brang  auf  bie  ^eütpeit  beS  £er$enö,  wf  ©elbfi* 
verläugnung,  auf  23erfa)mäpung  ber  2Mt,  auf  ©anftmutp, 
2)emutp,  £eufa)peit  :c*  (^r  rief  a((e  SMpfeftgen  unb  33efa* 
benen  $u  fta)  unb  verfyraa)  ipnen  £roji  unb  9?upe  für  ipre 
©eele;  aber  dt  fagte  aua) :  „finget  barnaa),  baß  ipr 
bura)  bie  enge  Pforte  eingebet/'  unb  bropt  benen 
mit  ewiger  SBerbammniß,  t>k  in  Unbußfertigfeit  unb  ©ta)er* 
pett  bapingepen.  5luf  gteia)e  SÖSeife  verfi'djem  feine  2tyojief, 
baß  ber  ©ottlofe  feinen  Xpät  pabe  an  Gtprifio,  unb  opne  £ei* 
ligung  ^liemanb  ben  £>errn  fepen  fbnne*  —  2)aper  ifi  notpig, 
baß  ein  3eber  fta)  fetbfi  prüfe,  ob  fein  ©laube  aua)  mit  guten 
Werfen  verbunben  fep?  SBarum  wollten  wir  uns  mit  einer 
falfa)en  Hoffnung  fa)meia)efn?  £>er  gerechte  ©Ott  wirb  uns 
ma)t  naa)  unferem  £>ünfel  rtcpten,  fonbern  nad)  ©einem  SQßort 
Unb  wie  traurig  wäre  e$ ,  wenn  wir  uns  für  rea)tfa)affene 
ßprijien  Ratten,  unb  vor  bem  9»ia)terfiupfe  ©oiteS  inne  wür* 
ben,  baß  wir  uns  fefbji  betrogen  paben?  -iftiemanb  fann  einen 
anbern  2Beg  jum^immei  macpen,  (fo  wenig  aU  einen  an* 
bem  ©runb  $ur  ©eftgfcit  legen)  afö  ben,  wela)en  ©Ott  fefbfi 
vorgefa)rieben  pat,  unb  auf  wefa)em  unö  3efu$  mit  ben  ©eini* 
gen  vorangegangen  tfi*  Darum,  meine  Ctprifien,  bie  tprfo  treuer 
erfauftfepb,  laffet  nicpt  naa)  mit  <£wfi  gu  forfa)en,  1>i$  ipr 
verfta)ert  fepb,  baß  ipr  auf  bem  fa)malen  2Bege  unb  bura)  bie 
enge  Pforte  gepet,  bie  jum  (leben  füprt  £ier  gift  fein  Slufc 
fä)ub,  fein  ©a)er$,  feine  (£inbtfbung,  pter  peißt  e$:  ewig 
f  efig  ober  ewig  verloren!  —  ©o  prüfet  eua)  benn,  ob 
ipr  im  ©tauben  fiepet  unb  ob  GtprifiuS  in  cu^  ifi?  Steinet 
ipr,  ipr  pabet  ben  ©lauben?  SBopL  —  Slber,  wo  tfi  ba$ 
gottfefige  Seben?  3f*  GpriftoS  in  eua),  wo  ifi  ©eine  traft, 


565 


©ein  ©ieg  über  bie  ©ünbe,  ©eine  Ctefce,  ©eine  ©anftmut£, 
©eine  Demutf?,  ©eine  ©ebulb,  ©eine  $eufd;£eit,  ©eine 
3ttäfjtgfeit,  ©eine  ©enügfamfeit,  ©eine  2ßa£r£ett?  $ann 
ba$  ewige  £ta)t  oj?ne©a)etn,  bie  unerfd;ö^f(ic^e  Duette  atteS 
©uten  oj?ne  ©tronte  beS  lebenbigen  SBafferS  fe^n?  Darf  man 
(grifft  SBtot  unb  ©eift  trennen?  ©ein  23fot  reinigt  un$  »on 
attcn  ©unten,  28er  <S£njH  ©eift  nta)t  pect,  ber  ift 
ntc^t  ©eim  2Ben  ber  ©eift  ©otteS  nid;t  treibt,  ber  ift  nidjt 
©otteg  $inb,  unb  wer  fein  gteifc^  nia)t  fveu^igt  fammt  ben 
lüften  unb  23egierben,  ber  gehört  (Sjjrijta  nt$t  an,  3S>?  met* 
net  ben  feligmad)enben  ©lauben  $u  paben;  aber  wiffet,  ba§ 
ber  ©laube  un$  mit  Qtyrtfto  serbinbet,  ba§  wir  mit  3£m  fo 
vereinigt  ftnb,  wie  ber  3weig  mit  bem  ©tamme*  ©ein  ©eift 
serbinbet  ftd)  mit  unferem  ©eiji,  ©ein  i'eben  mit  unferem  £e* 
ben,  fo  baf  e£  $t\$t\  „ify  lebe,  boä)  nun  nta)t  ia),  fon* 
bem  (££riftuS  lebt  in  mir/'  Urteilet  felbfi,  ob  nia)t  in 
un$  unb  an  un$  eine  SBeränberung  ^u  ft'nben  fe^n  fottte? 
2öir  ftnb  ^war  noa)  bte  vorigen,  aber  nta)t  bie  alten  9ttenfa)en, 
wir  j>aben  einen  neuen  ©inn,  einneueS  £er$,  wir  ftnb  nia)t 
mej)r  uns  felbft,  wünfajen  e$  aua)  nia)t  ju  fepn,  fonbern 
GtjjrijtuS  J»at  unfer  £er$  inne;  fottten  wir  benn  G^rifti  ©Heber 
nehmen  unb  ©lieber  ber  ©ünbe  barauS  maa)en?  ©ottten  wir 
2ujt  £aben  an  ber  ©ünbe ,  um  welcher  Witten  3efu3  Gtjmftuä 
gefiorben  ift?  —  -ftein,  wir  jjaben  fortbin  nta)tS  mel?r  mit  ber 
©ünbe  au  tjjun ,  &U  bag  wir  tägfta)  mit  tpr  f  dmpfen  unb  fte 
in  ber  Uraft  (grifft  $u  überwinben  fudjem  SQStr  ftnben  bei 
3efu  fo  »tele  greuben,  bag  wir  bie  fd;nöbe  2uft  ber  2öelt  nia)t 
aa)ten,  ©ein  ^reu^  ijt  un£  lieber,  als  bie  ©d;äge  ber  ganzen 
SÖelt;  feine  Dornenkrone  werter  äi$  atte  irbifa)en  greuben, 
5öir  begehren  ma)t3  me£r,  aU  U$  in  ben  £ob  3^m  treu  $u 
fe^n;  benn  was  fotten  wir  anberö  tljun,  unb  \x><x$  anberS 
fönnen  wir  3f>nt  geben  für  bie  grofie  ZkU,  bamit  (£r  un$ 
geüebet  fjat  ?  —  2ttt#in  ift  baS  ejjriftentljum  fein  frua)tlofe$, 
fafteS,  jjeua)leriftt;eg  Sefen ,  fonbern  2Bafjr£eit,  2lufridjttgfeit 
unb  Sauterf eit  in  (£jmfto,  ein  £eben  au3  ©Ott  Die  @fmften 
laffen  ü)r  £ia)t  leiteten  $or  ben  beuten,  fte  ftnb  23äume  sott 
©aft;   erfüttt  mit  grüa)ten  ber  ©erea)tigfeit,   unb  gleiten 


566 


<£ngel  auf  @rben,  bie  ftetS  auf  ©ott  fepen,  unb  ©einen  Sitten 
mit  greuben  vollbringen,  —  Daper  fage  icp  nocjmtalS:  prüfet 
eu(p  wopl,  ob  ipr  ba$  au<p  in  ber  £pat  fe$b,  mä  ipr  fe^n 
wollet?  prüfet  euer  £era,  erforfc^et  eure  ©eftnnungen  unb 
Neigungen  unb  euren  Sitten,  ob  3efu£  benfelben  beperrf(pt 
unb  regiert?  IBetracptet  eure  ©lieber,  ob  ipr  in  Saprpeit 
fagen  fonnet,  fte  fe^en  @prifii  ©lieber?  Denfet  über  euer  2e* 
ben  nacp,  ob  es  bem  peiligen  %ehtn  Gprtfii  äpnlicp  ifi,  ober 
ob  ipr  wenigfienS  im  Segriffe  fiepet,  e$  burcp  gleiß  unb  2ln* 
jirengung  baptn  p  bringen,  baß  e3  bemfelben  äpnlidj  werbe? 
—  £>ie  Prüfung  ifi  leicpt  unb  man  fann  ben  Unterfcpteb  balb 
finben,  ber  wapre  Giprtfi  jtnbet  feine  greuoe  an  ber  ©ünbe, 
unb  pat  feine  £ufi  an  ber  (£itelfeit  ber  Seit;  er  ifi  nicpt  fiola, 
poff artig,  unbarmherzig  :c.  ©o  lang  bu  notp  äpnlicpe  Dinge 
fiebfi,  unb  glaubfi,  bu  fönnefi  tin  (Spriji  fep  unb  feiig  wer* 
ben,  wenn  gleicp  folcpe  ©ünben  in  bir  perrfcpen,  fage  ify, 
baß  bu,  vom  ©atan  verblenbet,  tify  felbft  betrügt,  unb  mit 
ber  Hoffnung  be$  £ünmel$  geraben  Seg6  in  X>k  £ötte  wan* 
berfi,  So  ftcp  ba$  peilige  £eben  @prifii  nicpt  aeigt,  ^  tfi 
<£prifw$  mcpt,  unb  wo  (EprifhtS  nio)t  ifi,  ba  ifi  fein  (Sprifi, 
feine  ©erecpttgfeit  unb  ©eligfeit,  —  3n  einem  ©arten  mfy$ 
einfi  ein  Dornjiraua)  neben  einem  Seinfiod  auf»  3m  grüpling 
würben  beibe  grün  unb  blüpten.  Da  fpraep  ber  Dornfiraucp : 
er  fe#  ein  ©prößling  von  bem  Seinfiocf  unb  jiamme  von  fei* 
ner  Surael  per*  Diefer  aber  erwieberte:  wir  fiepen  jwar 
nape  beifammen,  aber  ber  Slugenfcpein  leprt,  baß  wir  nicpt 
von  gleicher  2lrt  fmb,  Du  wäcpfefi  wilb  unb  biji  voller  Dor* 
nen,  betne  grücpte  fmb  au  nicptä  tauglicp  wie  bu  felbji;  icp 
aber  werbe  befdmitten  unb  angebunben,  meine  grucpt  ifi  ebel 
unb  erfreut  be$  Sttenfcpen  £era,  Darum  fmb  wir  nid?t  ver* 
wanbt ,  unb  icp  fann  bidj  audj  nitpt  für  meinet  ©leiten  pal* 
ten,  SBalb  barauf  fap  ber  ©artner  ben  Dornfirautp ,  grub 
ipn  aus  unb  warf  ipn  inö  geuer.  —  ©o  wie  nun  biefer  von 
bem  Seinfiocf  leia)t  au  unterfcpeiben  ifi,  fo  erfennt  man  auc$ 
balb  ben  wapren  (Sprifien  unb  ben  £eucpler,  ben  befeprten 
unbben  unbefeprten$fenf$en,  Der3$aum,  welker  feine  gute 
grücpte  bringt,  wirb  abgepauen  unb  in$  geuer  geworfen,  — 


567 


SSßte  vt>apr  iflalfo,  wa£  3obanneg  fagt:  „2$  er  aug  ©ott 
geborenifl,  b er  iput  feine ©ünbe,  benn  fein  ©aa* 
me  bleibet  beiipm;  erfann  niä)t  fünbigen,  benn 
er  tft  au$  ©ott  geboren*  £)aranwirbe$  offenbar, 
welche  $inber  ©otteö  unb  be3  £eufel$  ftnb*  2Ber 
ntc^t  rea)t  tyut,  ber  ij*  nia)i  t>on  ©Ott,  unb  wer 
feinen  23rub er  nia)t  lieb  jjat*"  -- ©o  maa)e  bir  alfo 
biefe£,  o  ££rtjt,  $ur  £aupiangelcgenl?eit  beine£  ^er^eng, 
ru£e  nia)t,  elje  bu  bie  23erfta)erung  Jjafl,  bag  bn  aus  ©Ott 
geboren  mit  @j?rifto  bura)  ben  ©lauben  vereinigt,  unb  in  ber 
©emeinfa)aft  beä  ^eiligen  ©eifte$  U%  Iftimm  aber  bte  23er* 
fta)erung  nia)t  son  beinern  (Eigenbünfel,  fonbern  von  wafjr* 
haften  $enn$eia)en  unb  grüßten*  2lu3  ©Ott  geboren  fepn, 
fagt  ein  berühmter  £e£rer,  ift  waprlta)  fein  ©a)attenwerf, 
fonbern  ein  reä)te$  £eben£werf  $  benn  aus  bem  lebenbigen  ©Ott 
muß  aua)  ein  lebenbiger,  neuer  SD^enf^  geboren  werben*  —  £>er 
©laube  ift  eine  göttliä)e  $raft,  unb  bura)  biefelbe  werben 
wir  $u  ©ott  Eingesogen  unb  gleiä)fam  in  ©Ott  flerfegt*  (£ben 
fo  »erhält  $$  fta)  mit  ber  Bereinigung  mit  (£f>rifto  bura)  ben 
©lauben;  ©Ott  fyat  un$  nia)t  blo$  Sorte  unb  tobte  S3ua)* 
fiaben  von  ©einem  ©olme  gegeben,  fonbern  biefen  felbf*  mit 
unb  in  ©einem  SÖorte,  nia)t  baß  wir  nur  $on  3N  ^yen 
ober  fagen  follen,  fonbern  bamit  wir  an  tym  fangen,  bura) 
3{w  leben  unb  in  3fw  geregt  unb  feltg  werben  mögen*  £)eff* 
wegen  $at  dx  aua)  feinen  £  eiligen  ©eift  über  un$  auSgegoffen, 
baß  wir  bura)  3!w  im  ©lauben  erhalten,  gu  einem  neuen  2e* 
ben  angetrieben,  unb  $ur  ewigen  ©eligfeit  bewahrt  werben 
mögen*  —  2) er  (£j?rift  lebt  alfo  in  ber  ©nabe  3ef«  ££rifti, 
in  ber  %kfo  ©otteä  unb  in  ber  ©emeinfa)aft  beS  peil*  ©eijieg, 
unb  btefeä  Seben  muß  fta)  notjjwenbtg  in  guten  grüa)ten  offen* 
baren*  SBo  biefe  grüßte  fehlen,  ba  feplt  aua)  bie  ©emein* 
fa)aft  mit  ©ott,  ber  SWenfa)  mag  fta)  einbilben,  was  er  will. 
II.  Dbgleia)  nun  biefe  ©rünbe  unä  £inreia)enb  über$eu* 
gen  fönnen,  ba§  auf  bie  ©erea)tigf  eit  bura)  ben  ©lauben  not£* 
wenbig  an  gottfeltgei:  Sßanbel  folgen  muffe,  fo  wiffen  wir 
boa)  au$  (Erfahrung,  ba$  bie  Reiften  nia)t  gehörig  barauf 
ad)ten,  wenn  tfjnen  tiefe  £el?re  aua)  noa)  fo  beutlia)  sorge* 


568 


jletft  wirb.  Wlan  fmbet  bei  tljnen  feine  befonbere  Seränberung, 
feinen  (ürifer,  feinen  gletg,  fein  Verlangen ,  fein©ebet,  fon* 
bern  fte  Heiben  in  ij?rer  gewohnten  Sta)erJjett*  ©te  laffen  bte 
£ef)rer  fagen,  wa$  fte  wollen ,  unb  tjjun,  tt>a^  fte  wollen, 
ftnb  aber  bodj  guten  Wlufyö,  unb  in  ifjrem  «Sinne  be$  £tmmel$ 
gana  gewig»  3$  wunberte  mia)  oft  über  biefen  fiarfen  (£tn* 
fing  be$  @atan$,  unb  al£  ia)  barüber  nac|batt)te,  woljer  e$ 
fomme,  bag  5D£ana)e  fta)  einbifben,  fte  £aben  ben  wahren 
©tauben,  wäprenb  fte  boa;  von  guten  SÖerfen  unb  von  ber 
9toa)folge  (^rijti  nia)t$  wijfen,  fanb  ia),  bag  biefelben  fta) 
mit  fallen  £roßgrünben  beruhigen,  unb  fta)  bura)  nichtige 
@rünbe  entfa)ulbigem  2Bir  wollen  einige  bavon  ber  Sfaijje 
naa)  anführen,  unb  fte  naa)  Gräften  au  «überlegen  fua)em  — 
13  Einige  nemlta)  fagen:  3Bir  ftnb  getaufte  (griffen,  Jjoren 
®otte$  3Bort  unb  gefjen  aum  |>eiL  2lbenbmaljt,  barum  Jaben 
wir  aua)  £j)eit  an  Gtljrifio,  unb  feiner  @erea)tigfeit  unb  @e? 
ligfeit*  —  Slttein  e$  iffc  auffer  3weifel,  bag  ber  größte  £J)etf 
berer,  bie  fta)  (£l?rißen  nennen,  nia)t  aur  ©etigfeit  gelangen; 
benn  3efu$  felbji  fagt  (a,  bag  fBkU  auf  bem  hxcitm  SBege 
wanbeln,  ber  aur  $erbammnig  füfire,  2öenige  aber  ben  fa)ma? 
len  $fab  betreten,  ber  aum  2eben  fü^rt  33tele  jwren  awar 
@otte$  SSort,  aber  Söenige  behalten  e3  in  einem  feinen,  gu* 
ten  £eraen  unb  bringen  3*ua)t  Der  <&atan  nimmt  btö  Söort 
von  ijiirem  £eraen  ober  fte  vergeffen  e3;  fte  faden  ab  in  ber 
2infea)tung  ober  vertiefen  fta)  in  bie  Sorgen  unb  2Öottü#e  bie? 
fe$  Sebeng,  bag  ber  ©aame  be$  SBortä  erffttft  wirb  unb  feine 
grua)t  bringt  dbm  fo  fagt  (£r  aua) :  „23  i  e  l  e  f  i  n  b  3  w  a  r 
berufen,  aberSSenige  au Serwäl^lt/'  — Darauf  folgt, 
bag  nia)t  5llte,  bie  fagen  fönnen :  wir  ftnb  getaufte  (griffen, 
£ören  (Sottet  2Bort  :c+  aua)  in  ben  £immet  fommen  unb  fetig 
werben.  23tele  £aufenbe  von  benen,  bte  fta)  auf  biefen  9*uj)m 
verlaffen  jjaben,  ftnb  btxätö  in  ber  £>ölle  unb  beftagen  ijjr 
<5a)itffat*  Darum,  ob  wir  gleia)  Triften  ftnb,  unb  alle 
Mittel  aur  Setigfeit  beft^en,  ruft  uns  boa)  t>k  ©a)rift  au: 
„(£$  fe$  benn  eure  ©erea)tigfeit  beffer,  bennber 
<Sa)riftgetet>rten  unb  $j?arifäer,  fo  werbet  i{jr 
nia)t  in  $>a$  £immel'reiü)  fommenl   finget  bar? 


569 


nafyf  baf?  tpr  eingebet  burdj  bte  enge  Pforte! 
©Raffet,  bag  ijjr  feiig  werbet  mit  gurcfjt  unb 
3ittern!//  —  gerner  ififc  woj?l$n  be^tgen,  bag  bie  ©djrift 
au^brücflta)  fagt:  eS  werbe  ben  Reiben,  bte  ba$  28ort 
©otteS  nia)t  gehabt  Ijaben,  erträglicher  ergeben,  aU  ben 
fallen  (griffen,  welche  bte  ©nabenmitlef  beft^en,  aber  bk* 
felben  nta)t  gehörig  benü^en*  33efannt  ijt,  wie  unfer  £eilanb 
ba$  SSelje  aufruft  über  mehrere  ungläubige  BtäbU,  in  benen 
(£r  bie  meinen  ©einer  £paien  getrau  fya%  &  wirb,  fagte 
(£r,  ©obom  unb  ©omorra  erträglicher  ergeben  am  jüngfkn 
©eria)t,  al3  eua%  £) af? er  bürfen  Diejenigen,  welche  ©otteS 
SSort  l?aben,  nia)t  fta)er  fe^n,  unb  ft$  nid;t  barauf  *>erlaffen, 
als  fönne  il?nen  bk  ©eligfeit  nta)t  fehlen,  fonbern  fte  fetten 
um  fo  me£r  auf  fta)  felbß  achten,  unb  fta)  genau  prüfen,  welche 
SSirlungen  bie  ©nabenmittel  in  iljmen  ljen>orgebraa)t  Ijabem 
(£$  ijt  alfo  nia)t  genug,  bag  bu  an  dpxift  bift,  unb  in  ber 
duff erliefen  ©emeinftt)aft  mit  Qtjjrifkn  lebjt:  benn  wenn 
bu  nia)t  mefjr  |>aft,  fannft  bu  bennoa)  verloren  gelten*  £>k 
ebeln  @ewäa)fe,  wk  baä  Unfraut,  waa)fen  auf  einem  23oben, 
unb  erhalten  $om  £immel  £jwu,  3?egen  unb  ©onnenfa)ein, 
benno$  fiaben  fte  feine  ®emeinfa)aft  mit  einanber*  3ene  ftnb 
beS  ©arteng  3iwbc,  tiefet  gereicht  if>m  ^ur  Unehre,  unb 
wirb  enblia)  ausgerottet  unb  ins  geuer  geworfen*  Gtbenfo 
serfjält  eS  fta;  mit  bm  wahren  unb  falfa)en  d^rifien;  jjene 
fielen  in  einer  geijtigen  SSerbinbung  mit  Gtfmfto,  unb  ftnb  aua) 
unter  fta)  fel&fi  mit  einanber  »erbunben;  fte  ftnb  alle  din  £er$ 
unb  (£ine  ©eele,  leben  i^reS  ©laubenä  unb  beweif en  ifyn  bura) 
bk  iHebe  ©otteS  unb  beg  ^cäa)fiem  ©ie  £aben  mancherlei 
©aben,  aber  fte  nehmen  biefelben  au$  ber  gülie  @£rijti  unb 
gebrauchen  fte  in  £>emut|>  gu  ©otteS  (ürjjrc  unb  £um  allgemein 
neu  heften*  $?an  ftei?t,  jjört  unb  fü£lt  es?  an  ijmen,  bag 
QtjjrijhtS  unb  ©ein  ©eif*  in  ijmen  lebt  £)ie  £eua)ler  aber 
£aben  feine  innere  @emeinfa)aft  mit  (££rtjto;  benn  fte  ftnb 
jänftfa),  rachgierig,  mvoerföjmlia),  unbarmherzig,  un$üdjtig, 
leic^tftnnig  u*  f,  w*,  lauter  grüa)te  beS  ©eifieö  ber  2Belt,  ber 
if>re  £eqen  regiert  —  ©o  fnlft  eS  biä)  alfo  nia)tS,  bag  bu 
ein  £l;rift  i;e$eft;  bn  follft  nia)t  bloS  ben  tarnen  $on  (Sfmfto, 


570 


fonbem  cm$  (Seinen  ©e((!  unb  Sinn  Ijgbem  $can$er  (e^t 
m  ber  $ira)e,  unb  gehört  ntdjt  ba^u,  er  £at  ba$  £ia)t  unb 
wanbelt  boä)  in  bei*  gtnjiermfL  —  2luf  einer  beutfa)en  Unwer* 
fttät  würbe  i  3*  1611  ein  (Biubent  ^um  (Strange  $e?urtl)eitt, 
mit  er  geflößten  jjatte;  tiefer  bebtente  fta)  unter  anberem  ber 
£ijt,  bafr  er  bk  gan^e  -ftaa)t  ein  4}t4>t  auf  feinem  3intmer  bren* 
neu  lieg,  bcrmft  bie  2eute  glauben  f  ollen,  er  fep  ^u  £aufe  unb 
ftubiere  fleifng;  wo^u  nügte  aber  tiefem  ^enfd)en  baö  £ia)t, 
ba  er  im  gtnftern  wanbelte  unb  Söerf  e  ber  ginßernifü  trieb  ? 
Unb  fo  machen  e£  x>kk  Ctfmften  unferer  £age,  fte  rühmen  fta; 
hc4  fetten  £ia)t$  be£  (£oangelium$ ,  baS  iljmen  täglta)  x>ox* 
leitetet  (B  iffc  richtig,  baS  2öort  be$  £errn  fa)eint  befonberS 
l)elle  gu  unfern  3eiten,  e6  fielet  auf  einem  £eua)ter,  unb  leua> 
Ut  Sitten,  bk  im  £aufe  jtnb*  2Iber  was  jjtlft  e$  benen,  wela)e 
bie  gtnfternif  mejjr  lieben  aU  ba$  £ia)t;  wa^  Inlft  e$,  baß 
baS  SSort  geprebigt  wirb ,  wenn  fte  e£  gering  fa)ct£en ,  unb 
niäjtbarnaa)  tljun?  $amt  e£  tf?nen  an  jenem  grogen  £age 
jur  (£ntfa)ulbigung  bienen,  wenn  fte  bem  9fta)ter  ber  £eben* 
bigen  unb  lobten  fagen:  $a)  £err,  wir  Ijaben  3)ein  2Borf, 
ba$  j?elle  £ia)t  gehabt!  Sößirb  e$ma)t  Reißen:  j[a  freilia),  — - 
aber  xok  £aji  bu  e£  benü£t,  bifi  bu  aua)  im  £ia)te  gewanbelt, 
unb  £aß:  bu  nia)t  bie  ginfierniß  mefjr  geliebt  aU  ba$  2ta)t  ?  — 
gerner  j)at  e$  feinen  9tu£en  für  bia),  ba$  bu  getauft  Uft,  fo 
lange  bu  nia)t  naa)  beinern  £aufbunbe  tebft»  2)ura)  bie  £aufe  wer* 
ben  wir  $war  mit  Gtjirijto  auf  baS  3«nigf^e  oerbunben ;  aber  ba$ 
ijt  nia)t  genug,  fonbem  wir  follen  aua)  in  3pm  bleiben*  33  i  e  t^ 
hct  in  9flir,  fpriä)t  er,  unb  ia)  in  (ü£ua);  wer  nia)t  in 
$Hr  bleibet,  ber  wirb  tn3  geuer  geworfen,  wi^ 
eine  fj^e^e  ?c*  203ag  nü§t  e$,  baß  auf  ben  wilben  (Stamm 
ein  eblee  S^eis  geimpft  worben  ijt,  wenn  er  naa)l?er  unten 
auflägt?  £>u  fagft,  ia)  bin  bura)  bie  £aufe  wieber  geboren, 
ia)  gebe  e$  $u;  attein  wo  jtnb  biegrüa)te  beiner  Siebergeburt? 
2)u  bifi  in  ber  ^eiL  ^aufe  ein  tinb  @otte^  geworben;  wo  ijt 
aber  ber  linblia)e  ©eporfam,  wela)en  bu  ©Ott  fa)ulbig  btft? 
5Die  2:aufe  Jat  eine  grope  traft,  unb  einen  reia)en  Xxoft;  aber 
bie  Unbugferttgen,  wela)e  bem  (Satan  bienen,  l^aben  feinen 
Z$zi\  baram  —  (^nblia)  nügt  eöbir  aua)  nia)t^,  baß  bu  jum 


571 


£etf*  5lbenbmapl  gel?eft,  wenn  bu  e$  o£ne  53irgef  ©lauben 
unb  neuen  ©eljorfam  tfjuß;  ba3  ljeil  Slbenbmaljl  tft  ^war  ein 
fräftigeS  Mittel,  unfere  ®eme:r.fa)aft  mit  Gtjmjto  |fu  beftftigen 
unb  au  erhalten,  aber  bte  Unbugfertigen,  bte  ojme  2lnbaa)t 
J>in$u  ge£en,  empfangen  eö  ^um  ©erta)t  2)ie  grüßte  muffen 
eö  $  eigen,  note  bu  eS  empfängfL  SBenn  bu  in  betnen  gewolm* 
ten  ©ünben  fortfctyrjl: ,  unb  $u  bem  £iebe$maf)l  mit  einem  un* 
»erföfmlia)en  £er^en  fommft,  fo  wäre  e£  Keffer  für  bia) ,  bu 
^dtteffc  unter  Reiben  gelebt,  unb  nie  gewugt,  bag  CtyrijhtS 
ein  fot^eö  Sftaljl  eingefe^t  $at. 

2)  Rubere  fagen:  e$  fann  uns  nia)t$  fehlen,  tx>ir  Riffen 
ja  ben  $atea)i£mu$ ,  Ijaben  siele  $falmen  unb  lieber,  viel 
@prüa)e  ber  Schrift  unb  siele  ©ebete  gelernt,  wir  fegen  aua) 
unfer  gan^eg  Vertrauen  auf  baS  $erbien|t  3efu  (grifft,  bafjer 
fann  un$  bie  @eligfeit  nia)t  abgefproa)en  werben,  ob  wir 
gleia)  noä)  fünbigem  —  Slllein  ba$  Sßiffen  maa)t  ben  ©fauben 
noa)  nia)t  au$,  fottfl  wären  Jene  £eua)ler,  oon  benen  (£{?rifto 
fagt,  fte  tonnen  in  feinem  tarnen  weiffagen,  ma)t  verworfen 
worbem  (£ben  barauf  beutet  aua)  JafobuS  mit  ben  SSorten 
Ijmt:  „2)u  glaubet,  bag  ein  einiger  ©ott  ift,  bu 
tjjuft  wo£l  baran,  bte  Teufel  glauben  e£  aua) 
unb  $ittern*"  —  £)te  23efanntfa)aft  mit  göttlichen  fingen 
tß  jwar  gut  unb  ^um  ©lauben  nötjjig,  aua)  xft  e$  $flia)t  ber 
Altern,  t^re  tinber  frü^eitig  barin  unterrichten  $u  laffen; 
aber  man  barf  nie  babei  freien  bleiben,  bag  Riffen  mug  aua) 
in  Xfyat  unb  &Un  übergefjetu  2)ie  ©peife  mug  man  jwar  pt 
fta)  nehmen;  wenn  aber  ber  %tib  babura)  erhalten  werben  foll, 
fo  mug  fte  aua)  oerbaut  werben,  —  tk  ®raft  bason  mug  in 
baS  33lut  übergeben  unb  fta)  in  alle  ©lieber  sert^eilem 
80  serljält  i$  fta)  mit  unferem  SÖßtjfen;  fyafon  wir  unfer 
ßljrijtentljum  blog  im  ©ebäa)tnig,  o^ne  bag  baS  £er$  babura) 
gerührt  unb  geänbert  wirb,  fo  bringt  es  feinen  otogen.  —  din 
^arbinal  in  9?om  Jjatte  einen  ^apaget,  ber  ahQCxid)ttt  war, 
bie  bret  Slrttfel  be$  ä)rijttta)eu  ©lauben^  per^ufagen,  treuer 
gefauft;  aber  3ebermann  wirb  einfe^en,  bag  e$  bem  SBogel 
ma)t$  £alf*  ©0  l;ilft  e$  aua)  ben  £eua)lern  nia)t3 ,  bag  fte 
etwatf  aus  ber  ©a)rtft  wiffen  unb  im  <5t<xn$>t  ftnb,   t>on  götf* 


572 


fto)en  Dingen  au  reben,  wenn  fte  babet  trbtfa)  gefmnt  bfet* 
Ben*  —  SÖaS  aber  ifjr  Vertrauen  auf  baS  SBerbtenfit  (Sjmßi 
betrifft,  t>effen  jte  fia)  rühmen ,  fo  if*  a^ifajen  bemfefben  unb 
bem  wahren,  fefigmaa)enben  Glauben  ber  gteia)e  Unterfa)ieb, 
töte  awifa)en  bem  ©a)atten  unb  bem  SBefen.  §ut!?er  fagt: 
9#and)e,  bie  bag  (£oangefium  jjoren,  ergreifen  e$  begierig, 
unb  meinen,  fte  fjaben  nun  ben  rea)ten  (Rauben;  aUetn  tj>r 
(Glaube  ift  Wo$  dm  feere  (£inbifbung ,  ber  feinen  ©runb  im 
£eraen  $atf  ba^er  nü£t  er  nia)t6,  unb  ee  folgt  aua)  feine  23ef* 
ferung  barauf/'  Die  6a)rift  fejjrt  uns  ben  ©fauben  nia)t 
naä)  unferem  ©utbünfen  prüfen,  fonbern  er  fofl  an  ben 
grüa)ten  erfannt  werben»  Der  ©laufte  fe$t  fta),  wie  wir  oben 
gezeigt  ^aben,  in  bie  ©emeinfa)aft  mit  @fmfto,  fo  baff  son 
btn  ©laubigen  gefagt  werben  fann;  fie  finb  in  gfmfto 
unb  (SijmjtuS  tn  iljnen,  fie  leben  nia)t  naa)  bem 
gfeifä),  fonbern  naa)  bem  ©eift,  fte  *>erfäugnen 
ba£  ungottfia)e  Sefen  unb  bie  weftfia)en  4?üfte 
unb  (eben  aüd)tig,  gerecht  unb  gottfeftg  in  bit* 
fer  203 eR  —  2Bo  atfo  i>a$  £eben  (grifft  nia)t  ijt,  ba  tjt 
©ein  ©eijl  nia)t,  ba  ifl  fein  ©laube  im  !>eraen,  wenn  bu 
aua)  benfelben  im  9}?unbe  füfjrß  unb  bia)  bamit  rü^mft  3a) 
traue  bir  nia)t,  wenn  bu  aua)  fpria)fh  ia)  fe§e  mein  23er* 
trauen  auf  ba3  SSerbienß:  Gtfmfh',  Du  fagjt  e3  woljf;  attein 
bein  Vertrauen  auf  Gtfmjhtm  pat  feinen  ©runb  nia)t  im  £er* 
gen,  biefetf  $at  Gtljriftum  nia)t  ergriffen,  fonft  würbe  e$  fta) 
änbertu  ©o  fange  bu  noa>  in  ©ünben  lebft,  bein  ©ewiffen 
befletfft,  ©jrtfto  unb  bem  @atan  anijängjt,  fo. fange  fejjft  eg 
bir  an  bem  wahren  ©fauben  unb  an  bem  rea)ten  Vertrauen 
auf  beinen  Crrlöfer,  bu  magß  aua)  fagen  m$  bu  witf|h  — 

3)  9Zoa)  5lnbere  wenben  ein;  wir  ftnb  2ttenfa)en  unb 
feine  (£ngef ;  wer  fann  in  biefer  SÖeft  olme  ©ünbe  fe#n?jc,  — 
(£$  ift  richtig,  bu  biji  tin  Sttenfa),  aber  aua)  ein  @ijrijt,  hift 
auf  ben  tarnen  ©otteS  getauft,  mit  bem  33fut  (grifft  er* 
föst,  unb  bura)  ben  fett  ©eijt  »erjtegeft  Du  f>aft  bie  MiU 
tef  in  §änben,  bura)  wela)e  bu  tägfia)  ermuntert,  gewarnt, 
ermahnt,  geftdrft  unb  gebeffert  werben  fannjh  ©Ott  »er* 
fangt  ntä)t  \>on  bir,  baß  feine  ©ünbe  mefjr  in  bir  fep,  fon* 


573 


bern  bag  fte  nia)t  in  bir  ljerrfa)e;  <£x  weif?  m%  tag  bu  fein 
@nßelbift,  aber  bu  follffc  aua)  nia)t  leben,  rcte  ein  teufet. 
@r  weif?  wojjl,  baf?  bu  noa)  gtetfd)  unb  33lut  an  bir  ^aft,  ba* 
rum  aber  j>at  er  btr  fein  2Bort  gegeben,  unb  läßt  btr  in  bem* 
felben  ©eine  ©nabe  unb  ©einen  ©eift  täglia)  anbieten,  baß 
bu  bein  gleifa)  unb  33tut  gwingen,  unb  in  ber  ßraft  (grifft 
überwinben  fottji  33etrad^)te  bie  23eifptele  fo  Bieter  fettigen 
^inber  ©otteS,  fte  waren  9ttenfa)en,  wie  bu,  Ratten  aua) 
gleifa)  unb  ©tut,  barin  bie  ©ünbe  wopnte,  t^it  bu,  boa) 
Jjaben  fte  nia)t  naa)  beut  greift  gelebt,  fonbern  naa)  bem  ©eift, 
fte  jwben  gefampft  unb  überwunben  unb  bie  $rone  beS  Mens 
bason  getragen*  tiefer  SSeg  fiejjt  aua)  bir  offen,  bie  Duette 
ber  ©nabe,  aus  weiter  fola)e  $raft  fliegt,  if*  noa)  nta)t  x>er^ 
trotfnet,  noa)  ijl  ber  ©etjt  (grifft,  beffen  £rteb  fte  folgten, 
in  ber  $ira)e©otte$,  unb  wir  fönnen  mit  bem  2lpoftel  fageu: 
,,iä)  vermag  2llleS  bura)  £)en,  2)er  mia)  mächtig 
maa)t,  —  £J>riftu^" 

4)  SÖßetter  fagen  fte:  wir  fünbigen  au£  menfa)lia)er 
©a)waa)beit,  unb  aua)  angefeljene  fettige  fünbigen  unb  müf* 
fen  ®ott  täglia)  um  23eraeiji>ung  bitten.  —  Diejenigen,  welche 
aus  ©a)waa)J?eit  fünbigen,  werben  tma,  wk  Paulus,  *>on 
einem  geiler  übereilt,  fte  werben  $ou  ber  SQBelt  oerleitet,  ober 
tton  ijjrem  fünblia)en  gleifa)  31t  Satte  gebraut,  epe  fte  e$ 
ttermutijett*  ©te  gleiten  benen,  bie  ein  ©a)iff  gegen  ben 
©trom  führen  wollen,  ber  oft  au  ftarl  wirb  unb  e$  gurütftreibt 
©ie  fünbigen  nia)t  gerne,  bejjarren  aua)  nia)t  in  ber  ©ünbe, 
fonbem  fiepen  unter  £l?ränen  unb  ©euftern  balb  wieber  auf, 
unb  fämpfen  bann  um  fo  eifriger  wiber  bie  £üfte  tpreS  glei* 
fa)e$*  203er  aber  mit  SSorfag,  mit  &tjl  unb  mit  Ueberleguna, 
in  feinen  gewohnten  ©üKben  beljarrt,  wer  *>on  bem  Kampfe 
beS  §leifa)e$  unb  ©elftes  nia)t$  weif,  fonbem  feinen  fünb* 
lia)en  Neigungen  opne  Sßiberjtanb  folgt,  wie  fann  fta)  ber  mit 
menfa)lta)tr  ©a)waa)£eit  entfa)ulbigen  ?  —  3a)  gebe  es  $u, 
baf*  aua)  bie  ^eiligen  fünbigen  unb  alle  Urfaa)e  ljaben,  tprett 
©Ott  täglia)  um  23eraeifung  au  bitten;  aber  wie  mögen  fta) 
btefenigen,  wela)en  eS  um  t>k  Fertigung  noa)  nie  ernfllia)  au 
t£un  war,  fta)  auf  jene  fromme  (griffen  berufen?  ($$  fann 


574 


ja  and)  ein  eljrbarer,  remitier  Wlann  M  fdjledjtem  S&etter 
auf  ber  ©trage  ausgleiten  unb  ftdj  befc$mu#en,  aber  er  fk£t 
eilenbS  lieber  auf  unb  eilt  ma)  £aufe,  um  fld?  ^u  reinigen. 
2)er  Unreinliche  bagegen  nimmt  e$  nidjt  fo  genau,  er  ge£t  mit* 
ien  burc§  bie  $fit§en,  unb  e$  ifi,  aU  ob  er  rec^t  eigentlich 
feine  Sujt  baran  fänbe,  ftd)  im  $ot£e  $u  wälzen.  SQSte  mag 
aber  biefer  ftc$  auf  jenen  berufen  ?  ©o  »erfmlt  c§  ftdj  audj 
mit  ben  geilem  ber  fettigen,  wegwegen  fte  ftd>  felbfl  gram 
finb,  unb  bie  iljnen  manche  Ijeige  ££ränen  f  offen*  ©ie  bitten 
biefelben  iäglicp  ah  vor  ©Ott  unb  fu$en  fte  mit  ©einer  £ülfe 
gu  verlaffen.  2)ie  ©ottlofen  aber  fünbigen  vorfä^lid},  fliegen 
bie  (Gelegenheit  ba^u  nidjt,  fonbern  nehmen  fte  mit  greuben  an. 
©ie  wiffen  nid)tö  von  Sfteue  uub  23efferung,  fonbern  ftnb  blo£ 
barauf  bebaut,  wie  fte  i$re  fitnbli$en  Süfte  vollbringen  mögen. 
—  £)arum  werbe  $uerfi  heilig  unb  fromm,  fämvfe  mit  bir 
felbft  unb  mit  ber  böfen  2Selt  unb  traute  barna$,  toie  bu  beine 
f glimmen  Neigungen  täglich  meljr  unterbrücfen  mögeft,  bann 
erji  wollen  wir  von  ber  menfcpc^en  <&a)m$$tit  reben  unb 
£rof*  bafür  fuc$en. 

5)  £)ie  Spwtykx  entfd;ulbigen  ftd?  aua)  no$  t>amitf  bag 
fte  fagen:  wir  wiffen  wopl,  bag  ber  (££riß  ein  gottfeligeö  £e* 
ben  führen  muffe,  es  iß  unfer  2Bunfc§,  bieg  ^u  $un>  ^ber 
wir  werben  öfter*  von  bem  Teufel  unb  ber  2öelt  »erführt, 
unb  weil  wir  noc$  in  ber  SBelt  leben ,  fo  muffen  wir  zuweilen 
mitma^en,  \m  ba$  ©vric^wort  faßt:  wer  unter  ben  Sßölfen 
tfi,  mug  mit  ilmen  beulen.  — -  Gittern  biefe  (£ntf$ulbigung  tjl 
mej>r  ©vott  afö  C^rnft;  benn  benen,  welche  fte  vorbringen,  liegt 
nic$t  viel  an  ber  Ungnabe  ©otteä,  welche  auf  bie  ©ünbe  folgt 
SSielmefjr  fuc^en  fte  jtc$  M  i£ren  £ejjrern  ober  hü  anbern  front* 
men  Männern  im  2lnfel?en  $u  erhalten  unb  wollen  md>t  gerabe 
att  33erädjter  be$  (£jmftentjmm$  gelten;  aber©ott,  berget* 
jen  unb  Vieren  prüfet,  wirb  fte  etnji  rieten.  —  Q£$  ift  über* 
pauöt  t£öric$t  $u  fagen:  wir  möchten  gerne  frommen  unb 
c$rijttic$  leben  :c.,  wenn  man  nic§t  baran  will.  Sßillf*  hu  fromm 
fe^n,  fo  hat  fletgig,  fämvfe  mit  bir  fflbfl,  unb  ent^ie^e  btc£ 
ber  Sßßelt  unb  tyxtx  ©efellfcjjaft.  Uebe  bidj  in  ber  ©ottfelig* 
feit  unb  lag  e$  bir  fauer  werben,   benn  bein  $eitlidje$  unb 


575 


ewigem  So$l  ^ängt  bason  ab.  ©pridj  nta)t:  ber  Satan  uttb 
bie  Seit  »erführt  mia),  wie  wenn  bu  feine  <5a)ulb  Ijätteft, 
benn  bn  lägt  bia)  gerne  serfüfjren;  ber  ©atan  ifiat  o^ne^tn 
ljeut^utage  mit  ben  Ungläubigen  leine  grofie  TOlje,  fie  folgen 
t£m  willig  naa),  unb  wer  fta)  gerne  »erführen  lägt,  ber  tfi 
balb  »erführt  Säre  bem  nia)t  fo,  fo  würben  fte  fta)  sor  fei* 
nen  Segen  Ritten,  naa)bem  fte  fta;  son  feinen  SBerfü^rungen 
überzeugt  pa^em  Sie  befa)ämen  unö  bierin  ma)t  bie  unser* 
nünftigen  £lnere  ?  2)u  wirft  feinet  berfelben  ft>  leta)t  an  einen 
£)rt  Einbringen,  wo  e$  einmal  8a)aben  gelitten  £at,  fonbern  e$ 
wirb  fta)  auö  allen  Gräften  bagegen  fträuben*  —  2)ie  £eua)ler  fa* 
gen:  ber  @atan  £abe  fte  serfüljrt,  unb  e$  fep  tljnen  tetb, 
allein  fte  folgen  i^rn  immer  wieber  unb  fünbigen  mit  greuben. 
Ser  wirb  glauben ,  baß  e$  i^tten  (£rnjt  fepe  ?  —  ©prta)  nia)t, 
wir  leben  in  ber  Seit,  unb  muffen  mit  ipr  leben;  benn  ba$ 
tft  nia)t  gerabe  notpwenbig*  (£$  leben  jia  aua)  siele  gromme 
in  ber  Seit,  nia)t  aber  mit  ber  Seit;  benfe  an  bie  Sorte 
(Sfjrifti:  „3jjr  fe^b  nia)t  son  ber  Seit,  fonbern  ta) 
I?abe  eua)  son  ber  Seit  erwählet/'  £ot£  lebte  in 
©obom;  aber  ma)t  mit  @obom.  din  (££rift  mu§  fta)  son  ber 
Seit  unbefletft  erhalten,  foll  fte  gebraua)en,  aber  nia)t  mtfM 
braua)en;  benn  ba$  Sefen  biefer  Seit  sergeljet  (Er  mu§ 
i^ier  fo  leben,  ba£  er,  wenn  er  biefe  dikthit  serlaffen  foll, 
2)em  antworten  fann,  weld)er  9flea)enfa)aft  son  $m  forbern 
wirb*  (£ntfa)ulbige  bia)  nia)t  bamit,  bafi  eS  nia)t  anberö  fep 
tonne,  fonbern  bebenle,  baß  bu  t$  mit  bem  ^eiligen  unb  ge* 
rea)ten  ©ott  $u  tf?un  i)aft,  ber  fta)  nia)t  fpotten  lägt  ISe* 
benfe,  baf?  e$  bein  ewigem  Sofjl  unb  Sel)e  betrifft,  unb  ba 
bu  e$  bem  2lqt  nia)t  Serben  würbeft,  wenn  er  bir  son  et* 
nem  gefäprlia)en  Mittel  nur  v£inen  ©ran  ^u  siel  geben  würbe, 
um  ^k  siel  meljr  follteft  bu  gewiffenpaft  unb  sorfta)tig  fe^n, 
in  fola)en  fingen,  bie  beine  ©eligfeit  betreffen? 

6)  (£nblia)  Pflegen  bie  £eua)ler  noa)  etnguwenben:  (&ott 
ift  Ja  fo  gnäbtg  unb  barm^er^ig,  (Ev  wirb  fö  nia)t  fo  genau  mit 
uns  nehmen.  —  allein  fte  mögen  wo£l  überlegen,  m$  fte  fa* 
gen,  unb  ü)re$  ®otte$  nia)t  flotten,  ber  £err  serlangt  einen 
gottfeligen  Sanbel  son  unö,  wenn  <£r  unö  für  bie  ©einigen 


376 


erfennen  fott  3u  ben  £euc$lern  wirb  er  fagen:  „  3$  $  ab  e 
eud)  no$  nie  erfannt,  weiset  *>on  mir  t£r  Uebel* 
tijäter/' 

Dirne    Heiligung   wirb   üftiemanb    ben   £errn    fepen, 
unb  3efu^  felbft  petft  un$  ringen,  baß  wir  eingeben  feilen  burdj 
bie  enge  Pforte,  unb  bro£t  benen  mit  bem  Untergang,  t>k  jtcf> 
nia)t  beffem  laffen  wetten.  2)emnadj  nimmt  eS  ber  £err  fe£r 
jtreng  mit  ber  ©ünbe,  ^war  nityt  bei  benen,  bie  ßet$  in  ber 
$uf?e  (eben,   fonbern  bei  ben  !ftucj)lofen,  welche  ber  2Belt 
mepr  ^u  gefallen  fuc^en,  aU  3$m.    Unfer  ©Ott  ijt  freiließ  ein 
barmherziger  ©Ott,  nnb  jeber  son  uns  tft  ein  lebenbigeg  23ei* 
fpiel  feiner  £angmutl)  nnb    ©üte;   allein   follen   wir   beg* 
wegen  um  fo   breifter  fünbigen  unb  in  ber  33o£l?eit  fort* 
fahren?  SBiffei  ü?r    ni$t,    baß   wer  auf  ©nabe  fünbigt, 
mit  Ungnabe  belohnt  werben  wirb?   <5agt  ni$t  fa)on  ber 
weife  @iraa):  „£>enfenta)t,  ©Ott  ijt  feljr  barm£er$ig, 
(£r  wirb  mid)  nidjt  trafen,   ify  mag  fünbigen,  fo 
»iel  ia)  will    G£r  fann  fo  fd;nell  jornig  werben, 
al$  dx  gndbig  tjt,  unb  ©ein  3orn  über  bie  ©ott^ 
fofen   §at  fein   Grübe,"   —   60  bleibt  e$  alfo  babei, 
ba$  ber  wapre   Gtjjrift  aua)   ein    gottfeligeS   &Un  führen 
muffe,  unb  wer  feinen  ©lauben  nifyt  burä)  gute  Sßerfe  $u 
beweifen  futf;t,   ber  wirb  bag  ewige  £eben  ni$t  erlangen, 
wenn   er  audj  gut  burdj  biefe  2Belt  fommt  unb  jt$  unb 
Rubere  betrügt     diejenigen  jtnb,   xck  ^ut^er  fagt,  feine 
(griffen,  welche  iprem  gleite  ben  Tillen  laffen  unb  x>cx* 
fä$li$  in  ©ünben  beharren»     Unb  wer  biefeö  unter  bem 
tarnen  ber  djrijtlidpen  greiljeit  tjjut,  ber  ijt  um  fo  serwerf* 
tiefer  ttor  ©Ott  —  2)arum  faffet  im  tarnen  3efa  ben  (Ent* 
fc^lug,   baff  ipx  euefy  mit  allem  (£ifer  in  ber  ©ottfeligfeit 
üben,   unb  euem  Sßanbel  $ur  Grfjre  ©otte$  unb  ^ur  dx* 
oauung  be$  9tä$jten  einrichten  wollet    2)enn  Jjier  ijt  nia)t$ 
anberS  möglich,  —  entweber  lag  bie  ©ünbe  unb  ba$  gott* 
lofe  Sefen  ber  Söelt,  ober  lajfe  dljrijutm,   bie  ©erec^tig* 
feit  unb  ©eligfeit     £>er  ©ünben   greunb,   @£rifH 
geinb;  ber  ©ünben  geinb,   dJirifH  greunb!  — 


577 


(Stimmet  fröljlia)  unb  wittig  m  i>a$  £ieb  ein: 
@ute  Wa$t,  o  2Befeu,    £a$  He  2Mt  ertefen,    3J?tr  gefätffl 
bu  nu$t;  ©ute  3fa($t,  f$r  ©ünben,  SÖUibet  mit  bahnten,  Äommt 
mc$t  me$t  an$  Stc^t.    ©ute  9lac&t,  bu  fto^e  *ptac$t,  Sit  fey  gan^ 
bu  Saftetlefcen,    ©ute  !Tlac|)t  gegeben  l 

HL  9coo)  tjl  übrig,  tag  wir  aua)  ettt>aö  aum  £rofi  ber 
bußfertigen  unb  <Sä)waa)en  fagen,  welche,  wenn  fte  t>on  ber 
fftotpwenbigfett  eineä  ^eiligen  2eben3  £ören,  unb  fola)e$  nia)t 
naa)  2öunfa)  an  fta)  ffttben,  fletnmütijtg  werben»  (Sie  $wet* 
fefabaran,  ob  fte  wirftia)  in  ber  SBiebergeburt  fiepen,  unb 
ob©otte$  ©eijHn  tjmen  fe$?  $tetteta)t,  fo  fagen  fte,  ftnb 
wir  rea)te  £eua)ler,  unb  noa)  totü  entfernt  t>on  bem  Seben, 
ba$  aus  ©ott  ifL  23ßir  jjaben  noa;  leinen  ££etf  an  Gtprifto, 
ber  noa;  ma)t  in  unö  lebt  unb  über  bie  6ünbe  £errfa)t,  wie 
e$  fe$n  foü\  —  2)abei  ift  nun  golgenbeS  $u  bemerfen:  1)  £>er 
5lnfang  eineä  ^eiligen  unb  göttlichen  £eben$  befielt  eben  barin, 
baß  man  wegen  feinet  2Ö3anbel3  befümmert  tff,  9)?tßfatfen  an 
fta)  fclbft  pat,  unb  täglia)  mit  (£rnft  naa)  SBefferung  trautet 
203er  gleichgültig  babei  bleibt,  wenn  son  ber  9cotljw enbigf dt 
eine$  gottfetigen  £eben$  bieSflebe  tjt,  unb  glaubt,  baß  er  e$ 
in  feinem  (£{mftentf?um  fo  weit  gebraut  ijabe,  baß  man  nia)t$ 
mepr  von  ipm  forbern  fönne,  ber  gehört  o|me  3wetfel  unter 
bie  $ua)lofen  unb  ©ia)erm  2öer  aber  bie  <&ad)t  ernftlia)  er* 
wägt,  unb  fta)  beftrebt,  tiefen  2lnforberungen  einigermaßen 
©enüge  $u  leiften,  ber  jjat  fa)on  angefangen,  auf  bem  fa)ma* 
len  Sßege  ju  wanbeln,  unb  auf  ijm  ftnbet  ber  2luSfprua)  be$ 
$ro$)eten  feine  Slnwenbung:  „3a)fej?ean  ben(£lenben 
unb  ber  ^erbrochenen  ©eipeö  tjt,  unb  ber  fta; 
furo)  t  et  x>ox  meinem  2öort*"  $at  ber  barmherzige  ©ott 
naa)  ©einem  2Bof>lgefallen  baö  Söollen  in  fola)en  £er$en  ge* 
wirft,  fo  wirb  fta)  aua)ba$  Vollbringen  bura)  ©eine  ©nabe 
ftnbem  —  @inft  fam  eine  fromme  grau  tton  ber  $ira)e,  wo 
fte  eine  geifkeia)e  $rebigt  gehört  pattt,  naa)  $au#,  unb  weinte 
bitterlta)*  (Eine  anbere  gleia)geftnnte  ^erfon  fam  ba^u  unb 
fragte:  warum  fte  fo  traurig  fep?  3ene  antwortete:  aa),  wir 
Igoren  fo  fciele  j>errlia)e  ^rebigten ;  aber  fte  ftnben  fo  feiten 
Eingang  in  unferem  garten  £er$en !  2Bo  tft  unfere  23efferung, 

(Scriser'S  6eetenf^rt£.  37 


578 


imfer  <£ifer  tn  guten  Söerfett;  wo  tffc  unfere  ^t'ebe,  unfere  ©e* 
jbulb  2C?    $ftr  iß  fange,  wir  motten  ber  (£rbe  gleiten,  *>on 
welker  gefagt  wirb,  fte  trinfe  ben  9?egen,  t>er  oft  über  fte  f  ommt, 
unb  bod?  dornen  unb  £)ifletn  trägt,  —  wet$e  untüchtig  unb 
beut  glu$  uajje  iji    (Eben  biefeS  ijt  bte  Urfac^e ,   fyrad)  bte 
anbere,  warum  t$$ubir  fomme,  i$  J?  abe  bie  nemli^e  @orge 
unb  betrübe  mity  fef>r  barüber,  bajjj  mein  fünblic^eS  £er$ 
ft$  nityt  pm  ©eporfam  gegen  ©Ott  Bewegen  laffen  Witt*    3$ 
beforge,  baf  icfy  eine  sott  benen  fep,  welken  ber  ©atan  baS 
SBort  »Ott  t^reit  bergen  nimmt,  baß  fte  ttidjt  glaube«  unb  fe* 
Üg  werben*  —  (£nbli$  trofteten  fte  ftdj  mit  beit  SQSorteti  ber 
©cjjrift:  ba$  jerfiofene  3?ofK  wirb  <£r  ni$t  5er* 
Brechen  uub  beit   gtimmenben  2)o($t   nidjt   au&* 
lof^eti  jc*    3$  wci$,  baß  itt  mir,  ba3  ijl  tn  mei* 
nem  gfetf$,  nt$t3  @ute$  wohnet,  t>a$  SÖSotten 
Jjabe  i<$  wo£I,  aber  ba$  SBoUbringen  beS  ©uten 
ftnbe  ify  nid?t;  benn  ba$  ©ute,  baö  ityKitt,  ba$ 
t£ue  i§  nic^t,   aber  ba$  SBofe,  baö  i^  ut$t  Will, 
ba$  tjjue  i$!"  —  2öer  Witt  zweifeln,  baß  biefe  gottfeligen 
£er$en  bereite  angefangen  Ratten  ein  ^eiliges  2eben  $u  führen? 
2lu$  fann  i$  ilwen  wirftidj  ba$  3eugniß  geben,  i>a$  fle  ft$ 
jietS  d)rtftli$  unb  redjtfdjaffen  betragen  paben,    unb  rechte 
$ßittmn  waren,  t>k  t^re  Hoffnung  auf  ©Ott  festen,  unb  Mk* 
ben  im  ®eUt  unb  gießen  £ag  unb  SJto&t  —  2)  £>ie  ©ottfeKg* 
feit  fmbet  jt$  ni$t  foglet'^  in  »öfter  33Iüt|>e  unb  mit  reiben 
grüßten;  fonbern  fte  weicht  unb  nimmt  attmäfjftg  $u  vok  eine 
*PfIan$e*    $aufu$  fagt:  2Bir  werben  mit  (Efyxifto  ge* 
pflanzt  aum  gleite«  £obe,  baß  wir  ber  ©ünbe 
abjterben  unb  ©ott  leben  fotten*"    2Ba£  man  aber 
pflanzt,  baö  wäc^t  nid)t  gfeicf>  fo,  ba$  man  e$  feljen  fatm, 
man  muß  e$  forgfältig  begießen,  U$  e$  enbltd)  um  ftd)  greift 
unb  2öttr$el  f djlägt    SJflandmtat  faften  bit  Blattet  ab,  unb 
nur  ba$  3^nere  bleibt  noc^  grün,  boc^  erholt  e^  ftcf)  entließ 
wieber,  unb  weicht  fc^ön  ^eram  —  Geben  fo  tterjjält  eö  jtc^ 
au$  f>ä  unö,  wenn  wir  auö  bem  dläfye  ber  ginfiernig  in  baö 
©naberneict)  3efu  d^rifti  serfe£t  werben,   bie  ©ottfeligfeit 
fot  ni^tfogiei^benerwünf(|)ten§ortgang,  fonbern  wir  nehmen 


579 


erfl  mit  ber  3ett  burdj  anbä^tigeS  <&tUt  unb  befianbtge 
Uebung  barm  au,  unb  bringen  enblid)  grüßte  $u  ©otteS  Ejjre 
unb  jum  2>tenjie  unferer  9ftitmenfn)en*  £)er  alte  20*enfdj  muß 
erfl  nad)  unb  nacfj  abwerben,  U$  er  entließ  buref)  bie  $raft  be$ 
^reu^eS  unb  £obe$  3efu  EJjrifti  gän$lic$  vernietet  wirb* 
2)af)er  faßt  $aulu$:  „3$  übe  midj  $u  £aben  ein  utt* 
^erle$t  ©ewiffen  allenthalben,  beibe  gegen 
©Ott  unb  bte  Sftenfdjem"  Er  fagt aber  nic$t:  3$^abe 
ein  unoerle§t  ©ewiffen,  06  er  ftdj  glei$  nichts  bewugt  war,  fon* 
bern  i$  betrete  midjj,  baß  ttf  eg  Ijabett  möge*  Söennmmetnfol* 
djer  Styoflel  bte  Hebung  für  notljwenbig  fjält,  fobürfen  wir  wofil 
gufrieben  fe^tt,  wenn  wir  nur  etwas  ber  &rt  an  uns  waljrnefj* 
tuen»  2)iefe  Uebung  aber  be|tej>t  ttt  bejMnbiger  Betrachtung 
be$  göttlichen  SSillenä,  in  täglicher  Erneuerung  ber  guten 
SBorfä^e,  in  ber  wieberpolten  Prüfung  be$  ©ewiffen^,  in  per^ 
liefern  eifrigem  ©ebet  um  wa  jjre  grünblic^e  23efferung  u*  f*  w* 
—  ®a$  ©ewiffen  ber  ©laubigen  gleicht  bem  Huge  be$  Ütten* 
f$en,  welches  $war  son  Statur  gut  oerwajjrtift;  fommtaber 
nur  ba6  geringjte  ©täubten  in  baffelbe,  fo  fc$mer$t  es,  unb 
ijt  feine  ^ujje  ba,  U$  e£  lieber  entfernt  tji  —  2Öer  ftcf>  nun 
in  biefem  3ufianbe  beftnbet,  ber  barf  an  ber  $ufric|)tigfeit  fei* 
ne£  #er$en$  unb  att  feiner  SSiebergeburt  ni$t  zweifeln* 

3)  5D?an  ftnbet  nirgenbö,  ba$  ber  £err  *>on  ben33ufjfer* 
tigen  »erlange,  fte  follen  ljier  fc^onttollfommenfe^n;  fonbern 
Er  ijt  mit  ber  2lufrtdjttgfeit  be$  ^er^eng  unb  mit  bem  ernfN 
lidjen  SÖillen,  beffer  $u  werben,  aufrieben.  25a#  ©efe£  for* 
bert  $war  einen  ioollfommenen  ©ejjorfam;  allein  bte  ©laubigen 
ftnb  nidjt  mefjr  unter  bem  ©efe§,  fonbern  unter  ber  ©nabe* 
©Ott  nimmt  ben  Söillen  für  bie  SEljat,  unb  $<xt  ©ebulb  mit 
unfern  geilem  unb  ©c§  wä#eitem  Einige  ©einev  $inber  ftnb 
ben  6äugltngengletcf>,  bie  no$  an  ber  ©ruft  ijjrer  Butter  liegen, 
unb  nichts  tl?un,  aU  fte  tfon  3ett  3U  3ett  anlächeln*  2lribere  jtnb 
wie  bie,  Welche  eben  erjl  ^u  reben  unb  $u  ge^en  anfangen,  unb  jt$ 
noa)  überall  galten  müffem  9?o$  anbere  gleichen  benen,  bte 
bereits  fertig  gefjen  unb  reben  fönnen,  aufy  fdjon  in  allem  ©u* 
ten  unterrichtet  werben*  Rubere  ftnb  wie  t>k,  welche  t^re 
Eltern  in  bem  £au$wefen  unterpü|en ,  unb  ijmen  überall  gu 

37* 


580 


©ebote  jtefjem  (£nbfia)  gleiten  ctudj  etliche  ben  (£rwaa)fenen, 
welche  woljt  erlogen  ftnb,  unb  ben  Slmgen  bura;  t^r  gutes  SSetra* 
gen  greube  maa)em—  £)oa)  jtnb  alle  liebe  ^inber,  nnb  ba$  fleinfie 
tt)te  baS  größte  tj*  von  ber  säterttdjen  ^tebe"  ma;t  au$gefa;lof* 
fem  2Bir  SlCTe,  £ol>e  unb  -ftiebere,  ©c^tx>ac^e  unb  ©tarfe, 
Slnfänger  unb  ©eübtere  leben  von  ©otteS  ©nabe  unb  ©üte, 
unb  9iiemanb  fann  fta;  etwas  anberS  rühmen,  aU  ber  £tebe 
be$  Jjünmlifajen  S£ater& 

4)  (£nblia)  f  ollen  wir  bet  allem  gleiß  unb  ßrtfer  tn  ber  ©Ott? 
feligfeit,  boa)  nie  unfern  Sftufjm,  sielweniger  unfere  @erea)tig* 
fett  barm  fua)en,  f onbern  einzig  unb  allein  in  ber  ©emeinfa)aft 
mit  @£rifto,  um  Neffen  Witten  ma;t$  SBerbammltajeS  an  uns  i% 
3n  ben  SQBunben  3efu  Ijaben  wir  einen  freien,  offenen  23ow 
wiber  bie  ©ünbe,  unb  aus  ©einer  gülle  nehmen  wir  allezeit 
©nabe  um  @nabe+  —  2)ie  (?epre  von  ber  Rechtfertigung  bura) 
ben  ©tauben  an  S^fum  iß  nia;t  fo  au  verfteben,  als  ob  uns 
baS  Skrbienjt  (grifft  nur  einmal  gerea)t  maa)e  unb  als  ob  wir 
nadjjier  felbß  unfere  ©ereajtigfeit  bura)  einen  gottfeligen  2e* 
benSwanbel  erwarten  müßten»  —  3)aS  fep  ferne;  fonbern 
3efuS  Gtljrifii'S  iß  allein  unb  allezeit  unfere  ©erecl)tigfeit,  außer 
3|>m  iß  alle  unfere  ©erecfytigfeit  wie  ein  beflecfteS  kuib.  £)er 
gleiß  aber,  ben  wir  auf  bie  Heiligung  serwenben,  ifi  eine 
grua)t  ber  ©erectytigfeit  £>ieß  fefjen  wir  beutlia)  an  bem 
33eifyiete  beS  Slpoftef^  $auluS,  welcher,  ob  er  gleia)  viele 
SBoraüge  vor  Slnbern  ?>atte,  fia)  bodj  nia)t  bar  auf  verließ, 
—  fonbern  ftets  in  Gtlm'ßo  erfunben  werben ,  unb  nia;t  feine 
©erea;tigfeit  l)aben  wollte,  bie  aus  bem  ©efe^e,  fonbern  t)k 
bura)  ben  ©lauben  an  (Sprißum  fommt  £)a£er  befannte  er 
aua;  offentlta):  „3a;  bin  mir  woljl  nichts  C23öfeS)  be* 
wüßt;  aberbarum  bin  ia)nid>tgerea)tfertiget*"  — 
£>er  3weig  muß  immer  am  33aume  bleiben,  unb  von  ipm 
<8aft  unb  ®raft  $ief)en,  fonft  verborrt  er,  unb  bringt  feine 
grua)t  £)arum,  o  Glm'ft,  tröfte  bta;  mit  beinern  ©Ott  unb 
@rlcfer*  ©e£t  aua)  teine  Hebung  in  ber  ©ottfeltgfett  nur 
lanpfam  ror  ficb,  fo  glaube  nia)t,  bu  £abcft  beßwegen  t>k 
@  nate  verloren,  £u  Jjaft  ja  gehört,  aua;  baS  fd)waa)e  $inb 
fe^  em  $tnb,    befleiße  bta)  alfo  eines  gottfeligen  £ebenS, 


581 


bodj  fo,  bag  bu  Sefum  (£fmfhmt  mit  ©einem  $erbienft  ni$t 
au&  ben  $ugen  fefcefh  —  21$  £err  3efu,  bu  gürft  be$  gebend, 
lebe  in  mir!  #errf$e  in  mir  über  ©ünbe,  £ob,  Teufel  unb 
£ötle*  ©ie£e,  Iner  ift  mein  £era,  ba$  id?  £)ir  wttttg  bar* 
bringe,  bamit  £)u  barin  wohnen,  unb  baä  getfiige  geben  barin 
Wtrfen  mögeji  28aö  nügt  mt4>  baS  geben,  wenn  id)  nidjt  in 
SDir  lebe?  ©o  tobte  in  un$  ben  atttn  9ttenfd)en,  bag  ber 
neue  leben  möge,  unb  richte  ©inn  unb  ©ebanfen  unb  alle  2Öünf$e 
auf£)idj*  2lmem 


3tt»eite    «PteMöt 

SSon  ber  23efa)affenljeit%e$  gottfeligen  gebend, 

(Der  $>or#erge$enbe  STert.) 


Eingang. 

3m  Stauten  ^efu!  Slnten. 

(£$  tfl  befannt,  bafj  bie  9Äapomebaner  alle  3a£re  in  gro* 
f  er  SDtotge  $u  bem  ©rabe  i£re$  ^roppeten  wallfahrten,  unb 
bafj  einige  von  biefen  frommen  pilgern  ntd)t$  mel?r  in  ber 
SBelt  31t  fepen  wünfdjen,  na^bem  fte  ben  ©arg  9)?a{>omeb$ 
gefepen  l?abem  ©te  f  ollen  fta)  fogar  bie  Slugen  au^e^en  laf* 
fen,  um  als  ^eilige  $u  geltem  (£twag  2lel?nltc|>e$  finbet  man 
auä)  in  Snbien,  wo  e$  nidjt  fetten  gefd)iel?t,  bafiftdj  mehrere 
^erfonen  an  bem  £age,  an  weitem  ü)r  ©ö#e  auf  einem  gro* 
gen  Sagen  untergeführt  wirb,  auf  ben  33oben  werfen,  um 
ftdj  von  biefem  erbrüden  au  laffem  Wt  Stecht  entfern  wir  un$ 
über  biefen  Aberglauben,  befragen  bie  33linb|>  eit  jener  9ttenf(§en, 
unb  bitten  ©ott,  baß  dv  ©td)  über  fte  erbarme,  fte  wn  ber 
£)brigf  eit  ber  ginjtemifjt  erretten,  unb  fte  in  ba$  SRtify  ©ei* 
ne$  ©ojweö  3efu  Gtjmffr'  *>erfe§en  wolle*  2)o$  fann  ify  ba* 
bei  nifyt  unberührt  laffen,  baß  jene  SBerblenbeten  einft  an  bem 
großen  ©ertdjtätage  auffiepen,  unb  siele  unbußferttge  Ctjmfta 
»erbammen  werben,  ©ie  fyahm  in  tjjrer  23linbl)eit  um  t^re 
©ö§en  unb  falf  djen  3)ropjjeten  geeifert,   unb  waren  willig, 


582 


nia)t  bloS  tpre  2lugw,  fonbern  aua)  tpr  geben  bafun  $u  geben; 
was  würben  fte  wo£l  tljun,  wenn  fte  $u  ber  feligmaä)enben 
(£rfenntnig  3efu  (grifft  gcfommen  mären»  Set  ben  meiflen 
(griffen  unferer  £age  aber  ift  nta;ts  als  ein  gleichgültiges,  gott* 
lofeS  Sößefen  au  ftnben*  2)er  größte  £peil  weig  nta)ts  $on 
<$rifilia)em  GEtfer,  wn  gottfeliger  2lnbaa)t  unb  jjeraltcf>er  £tebe; 
tym  tfk  eS  unbefannt,  wie  man  fta;  ©Ott  unb  feinem  @rlöfer 
Eingeben  unb  fettig  leben  foll.  (£fmjiuS  begehrt  $war  nt$t 
tton  uns,  baß  wir  uns  blenben  laffen,  mit  SJtteffern  ri|en, 
bis  aufs  23lut  geigein,  ober  unfern  Körper  auf  anbere  Seife 
peinigen  f ollen*  2lber  (Ex  Witt,  ba§  wir  unfere  Slugen 
*>on  ber  <£itelfeit  abwenben^  uns  $or  Slergerniffen  be* 
wahren,  bie  2üjk  beS  gleifä)e^unterbrücfen,  ber  @ünbe  ab* 
fterben,  unb  3^m  aur  (£fjre  leben  f ollem  —  liefen  8inn  T^at 
ber  Sluefpruä) :  „SSenn  bt$  bzin  $luge  ärgert,  fo 
reiß  eS  aus,  unb  wirf  es  t>on  bir  jc*  @o  3emanb 
3tt  SDMr  fommt,  unb  ljaft  ni$t  fein  eigenes  Ce* 
ben,  ber  fann  mein  Sünger  nidjtfe^n/'  3n  biefem 
©inne  fagt  aua)  $auluS :  „<So  tobtet  nun  eure  ©lieber, 
t>iz  auf  @rben  finb/'  —  9fto$ten  boa)  bie  (griffen  bura; 
fola)e  23eifpiefe  fcon  Reiben  unb  Surfen  ermuntert,  t^re  £er* 
3en  unb  ©inne  bem  £errn  3efa  aufopfern  lernen,  möchten 
fte  bem  U^n^m  ©Ott  eben  fo  treu  unb  eifrig  bienen,  wk 
bie  Reiben  i{rcen©ögen!  SBajjrlta),  wer  nia)t  in  G^rifio  lebt, 
unb  in  wem  @{>riftoS  nia)t  tjl,  ber  j>at  feinen  £jjeil  an  bem 
ewigen  Men,  unb  eS  wäre  iijm  bejfer,  baf  er  nie  gelebt 
pättel  —  2Ötr  paben  in  ber  sorperge^enben  $rebigt  von  ber 
9?ot!?wenbigfeit  eines  gottfeligen  Gebens  gefproa)en,  unb  wol* 
len  je£t  bie  23efa)affenl?eit  beffelben  näfjer  erwägen»  £ilf, 
£err  3efuf  wob  lag  unfer  Stäben  wojjl  gelingen!  5lmem 

&  S  $  a-  tt  b  (  u  n.  g. 

2)aS  gottfelige  £eben  ift  um  ©naben*  5ötrfung:©oiteS, 
eine  ßraft  3efu  (£j>rtj*i,  unb  tin  £rieb  beS  %uh  ©etfieS  in 
ben  glaubigen  (Seelen,,  wobura)  fte  nia)t  bloS  mit  guten  ©e* 
kaufen,  mit  £rofr  unb  Jreubtgf  eit  erfüllt,  fonbern  aua)  an 
£er$  unb  6inn  fo  erneuert  werben,  t>a$  fte  ©Ott  über  Mt$ 


583 


lieben,  unb  ein  Verlangen  Ijaben,  3{w  unb  bem  ^d^flen 
willig  $u  bienem  3$  betreibe  eö,  fo  gut  ta>  fann,  unb 
wünfdje  nur,  bafü  2llte,  bie  tiefet  £ören  unb  tefen,  e$  an  fta) 
fet&ft  beffer  erfahren  mögen,  wag  ein  gottfetigeg  Seben  ffff 
aU  ia)  eö  tjjnen  befa)reiben  fann,  biejiemgen  aber,  wela)e 
nia)t6baoon  »erflehen,  mögen  fta;  enthalten,  baritber  ju  ur* 
feilen,  t>ielme£r  mögen  fte  ©Ott  bitten,  ba§  (£r  Siä)  ijjrer 
erbarme,  unb  fte  in  ®(jr$o  3efa  3um  £eil  füjjre, 

2Btr  motten  btefen  ©egenftab  ber  Drbnung  naa)  erörtern, 
unb  baS,  m$  ^ur  33efferung  bienen  fann,  gelegen!?  etttta)  be* 
nterfen«  —  Söirljanbelntton bem  göttlichen  unb  £  eiligen 
£eben  ber  ©laubigen;  t>a$  alte  gefkment  fetbjt  nennt  e$ 
alfo,  wenn  e$  wn  @noä)  unb  ^oap  fagt:  fte  fjaben  ein  gött- 
lich Men  geführt;  — unb  $aulu3  nennt  e£  ba$  £eben,  ba$  aus 
@ott  ift,  weil  eS  ©Ott  felbjt  tn  ben  ©laubigen  wirft,  erhält, 
ja,  weit  (£r  felbft  babura;  in  ijjnen  lebt  (£ben  bafelbji  nennt 
ber  Slpoftel  baffelbe  ein  red;tfa)affeneS  2öefen,  ober  bte 
303al?r£eit  in  (Sjmffo  3efu,  um  e$  $on  altem  duneren  Sa>eüt 
gu  unterfajetbem  £>enn  wie  3efu3  felbjt  t>oll@nabe  unb 
SSSa^r^ett  ift,  fo  maa)t  (£r  aua;  ba$  fytxi  ber  Seinigen  auf* 
ridjtig  unb  lauter,  baf}  fte  ber  Heiligung  nachjagen,  unb  ftä> 
beftrebeu,  ©Ott  in  £eiftgfeit  unb  ®erea)tigfeit  $u  btenem  -—  3« 
einer  anbern  Stelle  fprid)t  ber  Slpojkt  $on  einem  neuen  £e* 
ben  unb  nennt  W  2Biebergeborenen  eine  neue  Kreatur ;  tctil  ©ott 
benen,  bte  an  ©einen  Sofm  glauben,  ein  neueä  £er$  unb  £e* 
ben  gibt  dx  fagt  aua),  bie  ©ottfetigfeit  fe^e  ^u  alten  Singen 
nü£e,  unb  l)abe  bk  2Serf>ei£  ung  biefeö  unb  be^ufünftigen  £eben& 
(ix  ftrtä)t  x>on  ber  $raft  ber  ©ottfettgfett  im  ©egenfag  *>on  ber 
£eua)etei,  $on  bem  $ampf  be£  ©tauben^,  oon  bem  Sirett 
be$  ©eijteS  unb  beS  gteifa)e$  unb  beutet  bamit  auf  bie  Sßorte 
unfere^  ^eilanbe^:  „finget  barnaa),  ba§  i£r  ein* 
gejjet  bura)  bie  enge  *p forte/'  —  $etru3  nennt  e£  ben 
SBeg  ber  ©eredjttgfeit,  einen  ^eiligen  Sanbef 
unb  ein  gottfeligeö  Söefem  ffian  fann  e£  aua)  naa) 
ben  Sßorten  unfereS  £eilanbeS  ba$  Sfteia)  ©otteg  in  bem  9tten* 
fä)en  nennen,  unb  in  btefem  Sinne  fagt  Paulus :  #fb  a  $  Sftti  a) 
©otte^    ift   nid;t   ^ffen  unb  SrtnrYn,    fonbern 


584 


©erea)tt  gleit,  griebe  unb  greube  im  $t\L  ©eift 
2)a$  $eia)  ©otte$  bejiept  nio)t  in  Porten,  fon* 
bern  in  ber  $raft"  —  Enblia)  wirb  baS  gottfelige  £ekn 
ber  djprtflen  auä)  eine  -:ftaa)folge  C^rtjft  genannt,  naa)  ben  et* 
genen  SBorten  unferä  ErlöferS;  „2Ser  SJttir  nachfolgen 
will,  ber  verlciugne  fia)  felbft,  unb  folge  Wlix."  — 
2lua)  fyzifyt  eS  fonft  bie  Erneuerung  beg  ^ eil*  ©et* 
jie&.  —  3&)  fiüjre  abjta)tliä)  fo  viele  Benennungen  an;  benn 
wir  lernen  barauS  nia)t  blo$  bie  Bef4>  äffen  J>eit  be$  göttlichen 
£eben$  erfennen ,  fonbern  j[eber  einzelne  91ame  fann  uns  aua) 
3U  größerem  Eifer  im  ©uten  ermuntern ,  weil  auf  jebem  ein 

befonberer  9*aä)brucf  liegt 2Btr  fagten:   ba$  göttliche 

Seben  fep  eine  ©nabenwirfung  ©otteö,  eine  $raft  3efu  (grifft 
unb  ein  antrieb  be$  £eit  ©eijte$;  e$  unterfa)etbetftd[>  fomitvon 
bem  tugenbljaften  £eben  ber  Reiben  unb  Unbelebten,  unb  wir 
fonnen  niä)t  aug  eigenen  Gräften  ba^u  gelangen.  £)enn  Sitten 
muß  von  ©Ott  fommen,  was  ©Ott  gefallen  folt  Bleibt  bie 
Sftaturfta)  felbjt  überlaffen,  fo  fann  fte  ^war  ben  Sa)ein  ber 
£etligfeit  annehmen,  aber  biefe  tft  e$  nia)t  in  ber  ££at;  bie 
©nabe  allein  tft  e$,  wela)e  uns  unb  unfer  £j?un  aufrichtig, 
gut  unb  ©Ott  wohlgefällig  maa)t  ^a^er  fjaben  einige  £e£* 
rerber  alten  unb  neuen  3eit  bie  guten  SBerfe,  weldje  bie  üftatur 
von  felbft  hervorbringt,  nia)t  mit  Unrecht  fa)einbare  Söerfe 
genannt  —  (So  lange  ber  wilbe  ©tamm  auf  bem  gelbe  flefjt, 
treibt  er  Blatter,  Blühen  unb  grüa)te;  aber  biefe  ftnb  wt* 
berlidj*  SSirb  er  aber  mit  einem  ebeln  Sfteif?  geimpft,  fo  wirb 
aua)  feine  grudjt  beffer.  Ebenfo  unterfc^eibet  ft$  ber  natür* 
lia)e  2ttenf$  von  bem  SBiebergeborenen.  3^ar  vertilgt  Ut 
©nabe  bie  Statur  nia)t,  aber  fte  erneuert,  reinigt  unb  ver* 
änbert  btefelbe  fo ,  baß  man  fte  leia)t  von  ber  früheren  unter* 
Reiben  fanm  darauf  freien  fia)  mehrere  2luSfprüdje  be$ 
2tyoftel$:  „®ott  £at un6,  ba  wir  tobt  waren  in 
©ünben,  fammtEj>rifio  leb enbtg  genta a)t,  unb  pat 
un$  fammt  3^m  in  ba$  £immlifa)e  Söefen  ver* 
fe£t  in  Ej>rtfto  3efm  3a)  vermag  HlleS  bura) 
2)en,  ber  mia)  m<£a)tig  maa)t,  Ejjriftu^  2Bela)e 
ber©etjt  ©otteS  treibt,  bie  ftnb  ©oüeSßinber* 


585 


3o)  lebe,  boa)  nun  nio)t  iä),  fonbern  C^lpripuö  lebt  in 
mir."  —  £)l?ne  bie  Bereinigung  mit  (Efyxifto  unb  oljne  bie  ©e* 
meinfcpaft  beS  ^eiligen  ©etfteä  tft  alfo  bte  bejte  ^atur  untaug* 
lia)  unb  verwerflich.  —  SBeiter  behauptete  ia),  bag  bie  ©nabe 
be$  brefeinigen  ©otte$  in  ben  ©laubigen  maa)ttg  fetp;  benn 
was  bie  ©eele  bem  £eibe  ijt  $um  natürlichen  £eben,  bag  ijt  bie 
©nabenwirfung  ©otteö  bem  9D?enfa)en  gum  geizigen  £eben. 
©Ott  wirft  ni$t  auf  gewaltige,  auffallenbe  SSetfe  in  ben  £er* 
gen  ber  ©laubigen,  fonbern  ©ein  ©eiß  bura)brmgt  allmciplig 
unfer  ganzes  SBefen,  gleia)wie  fta)  ber  @aft  au3  ber  2öur$el 
naa)  unb  naa)  in  ben  ganzen  23aum  verbreitet,  unb  in  ben 
blättern,  53lüt{?en  unb  grüßten  (tastbar  wirb.  Unb  eben  ba* 
bura)  unterfa)eiben  fta)  bie  Sßiebergebornen  vonben  #eua)lenu— - 
Dtefe  vollbringen  aua)  zuweilen  ein  fa)etnbar  gutes  SBerf, 
fte  beten  anbäa)tig,  pören  ©otteö  2Bort,  geben  Slumofen  unb 
enthalten  fta)  von  groben  ©ünben;  aber  biefeS  rüjjrt  nia)t 
von  einer  inneren  ®emeinfa)aft  mit  ©Ott  per,  fonbern  von  einet 
anbern  äugeren  2lbfta)t*  3^  2ttunb  letet  $war;  aber  ba$ 
£er$  ifl  ferne  von  ©ott*  —  Das  wafjre,  redete  £eben  jeigt  fta) 
nia)t  bloS  äugerlta),  fonbern  namentlich  aua)  innerlia),  in  ber 
©eele,  bie  auf  ben  Körper  wirft  ßrbenfo  ijt  e$  mit  bem  gei* 
ftigen  unb  göttlichen  £eben  ber  ©laubigen;  tljre  Hebungen 
in  ber  ©ottfeligfeit  finb  SÖirfungen  beS  ^eiligen  ©elftes,  ber 
in  ipnen  ift.  —  Der  $feil,  wie  ber  23ogel,  fliegt  gefa)winb  bura) 
bie  ^uft*  Die  U^r  bewegt  ft$  bejMnbig,  tok  aua)  die  ^ulS* 
aber  an  unferem  £etbe,  ber  £ovf  ftebet  am  geuer  unb  lauft 
über;  fo  fprubelt  aua)  bk  Duelle  unaufpörlia)  unb  lagt  ipr 
Söaffer  von  fta)  fliegen.  2lber  gwtfc^en  biefen  Dingen  ifi  boa) 
ein  groger  Unterfcfn'eb ;  benn  bie  einen  bewegen  ft$  bloS  burejj 
einen  äugeren,  vorübergeht  enben  antrieb,  aber  eS  ijt  fein  Zehen 
in  ifjnen.  Der  $feil  fällt  wieber  perab,  fobalb  er  bie  £öpe 
erreia)t  jjat,  ju  wela)er  i£n  bie  $raft  beS  Cogens  trieb,  unb 
bie  Uf>r  ftept  füll,  wenn  fte  abgelaufen  tjt;  eben  fo  £ört  ber 
£opf  auf  ^u  jteben,  wenn  baS  geuer  weggenommen  wirb.  £>k 
anbern  bagegen,  wie  berSBogel,  bie  ^ulSaber,  bie  Duelle,  wer* 
ben  bura)  eine  innere,  tynen  eigentümliche  $raft  in  Bewegung 
gefegt  unb  ftnb  jtetS  in  ££ätigfeit,.  —  Der  gleia)e  ttnterfa)ieb 


586 


iß  gwifcfien  ben  #eucf>tern,  bte  bloS  ben  (Schein  eines  gottfeli* 
gen  SöanbetS  J>aben,  unb  ben  ©ottfeligen,  woeli^e  tj>re  £eben$* 
traft  au$  ber  ©nabe  ©otteS  unb  ber  ^Bereinigung  mit  ßljrifto 
3efu  jiejjem  (£in  funjilia)er  ©arten  fatm  uns  eine  3ett  lang 
greube  machen;  aber  wenn  wir  23 turnen  fammeln  ober  grüßte 
brechen  Wolfen,  fo  ftnben  wir  nichts  aU  ein  Hogeö  23rett,  ober 
ein  bemaltet  £udj»  ©er  natürliche  ©arten  bagegen  ergogt 
nidjt  btoS  unfere  fingen,  fonbern  erquitft  au$  unfer  £er$  unb 
fättigt  ben  Sttagen*  —  £affet  eu$  ntc^t  tterbrießen,  meine  3u* 
pörer ,  baß  i$  ben  ©egenftanb  fo  weitläufig  beraubte*  2)enn 
eö  liegt  fe£r  triel  baran,  bafi  wir  in  tiefen  legten  Seiten, 
wo  bie  £eu$elei  unb  ©otteSläugnung  überall  Jjerrfc^t,  bie 
wajjre  ©ottfetigfeit  »on  ber  6djein£eiligfeit  #u  unterf^eiben 
wijfen*  — - 

gerner  würbe  gefagt,  ba$  baS  göttliche  Ztten  allerlei  ljimm* 

lifdje  ©ebanf  en,  angenehme  ©efüjjle  unb  bie  (£mpjtnbung  ber  gött* 

liefen  Zitbe,  beS  griebenS  unb  ber  greube  im  £  eiligen  ©eiß  mit  fidj 

bringe*  £>iefübarfabemic$t  fo  x>erjknben  werben,  als  ob  bajfelbe 

jlets  mit  bem  ©lauben  serbunben,  unb  als  ob  ber  SÖSanbel  md)t 

rec$tf$affen  fep,  wenn  ftcf>  biefe  grüßte  nidjt  immer  beifammen 

geigen»  £>enn  ©Ott  )}&,  wie  wir  oben  fd?on  bemerften,  biswet* 

len  feine  guten  ©rünbe,  baß  @r  bte  frömmften  ©eelen,  welche 

in  einer  unbe$wetfelten  ©emeinfdjaft  mit  (j'jmfto  fielen,  ftati 

feinet  griebenS  unb  feiner  %kU  unb  ©üte,  oft  böfe  ©eban* 

len  unb  Unfrieben,  Slngji  unb  gurcfyt  empftnben  lägt  80  fanrt 

es  nun  gefcfyejen,  baff  t>k  ©laubigen  biefe  golgen  beS  geizigen 

Gebens  eine  3eitlang  niebt  empfmben,  wäljrenb  bo$  ber  ©laube, 

ber  unS  in  t>k  ©emeinfd)aft  mit  Gtjmfio  serfegt,  immer  bie 

Jiraftjwt,  fol$e  Jerrlic|)e  grüßte  ^er^or^ubringen,  was  fiel; 

oft  felbft  mitten  in  ber  SErübfal  geigt,  unb  na$  überjknbenem 

Kampfe  gewig  nie  fehlen  wirb.    £)er  33aum  fyat  ja  auet)  im 

Söinter  weber  Blätter,  23 lütten,  nocf>  grüßte,  boc$  tfi  ber 

Saft  in  tym,  welcher  biefelben  gur  regten  3*it  i^ersorbringen 

fann,  —  (£S  gef>i>rt  alfo  gum  göttlichen  Sieben,  baß  bie©eelenber 

$tnber©otteS  gur  regten  3eit  ©eine  Siebe  unb  ©üte  empftnben, 

unb  mit  grieben  unb  freute  erfüllt  werben*  ©päter  werben 

wir  ©elegen^eit  £afcen,  jiebeS  ^tngelne  weiter  auszuführen,  für 


587 


fegt  fann  biefe  33emerfung  ba$u  bienen,  bie  umwürfe  bever  ja 
wiberlegen,  welche  glauben,  ba£  @fmftentf)um  frnbe  feine 
greube,  unb  Mkgt  nifytü  mit  fta)  als  £raurigf  eit,  2lngft  unb 
©orgem  — 2Sirfimnenjwarfagen,  unfer  betrübtet  £eben  ^abe 
einen  fröptidjen  $u$gang,  wäfjrenb  bie  greuben  ber  Sßeft  in 
bie  etx>tge  Dual  unb  *Petn  führen;  allein  tvit  Reiben  nia)t 
einmal  notjjig,  fo  §u  antworten,  benn  au(|  bag  &£rtfient£um 
Jwt  feine  greuben,  9hir  tfi  bieg  eine  greube/  welche  2lnbere 
nia)t  fennen ;  gteic^TOie  3efuä  ^u  ©einen  Sägern  fagte :  „3  d) 
fjabe  eine  ©peife  $u  effen,  von  weta)er  i£r  nia)t$ 
wiffet"  —  SiCCeö an bem  geigenbaum  ijt bitter,  Söuqel,  9?inbe 
unb  Gatter,  feine  grua)taber  tft  fej>r  füg  unb  wo£lfa)mecfenb* 
©o  ifl  aua)  mit  ber  ©ottfeligfeit  Einiges  verbunben,  tvaä 
Bitter  fa)eint;  aber  m$  fann  füger  fep  als  tpre  grüa)te, 
griebe  mit  ©Ott,  Wirft  beS  ©ewiffens  unb  ber  $orfdjmacf 
be$  ewigen  2eben3?  -—  £)  i|N  Sporen,  bie  tpr  ber  Söelt  an* 
pänget  unb  nur  vergängliaje  greuben  femtet!  ©aget  boa), 
von  wem  f)aben  bie  ©eftf)öpfe,  an  benen  if?r  eua)  ergoget,  i^re 
©üte,  tjjre  $raft  unb  ifjr  ganzes  anne£mtia;eö  28efen?  ^ornmt 
nititUUcö  von  beut  ewigen,  allmcta)tigen  unb  gütigen  ©ajöpfer? 
2öer  ift  nun  am  heften  verfemen,  berfemge,  weta)er  bie  Duette 
tifäfa  ober  ber,  welcher  ein  geringes  $äa)lein  $&i,  bag  in  ber 
grögteniürige  vertroefnet?  SBir  ^aben  ©Ott  unb  mit  3£m  2ltte3, 
wir  fjaben  bie  tebenbtge  Duelle  unb  baS  2Befen;  fyx  aber  tjabt 
bie  2[Be(tunbba^etenbe33äa)Ieini{>rer3eit(ia)enSu(l,  ben©a)ar* 
ten,  ba£  yiifytö.  ©e$b  verfttt)ert,  bag  wir  wiffen  unb  erfaßten 
paben,  aller  2öelt  greube  unb  (£rgöglid;feit  fomme  in  gar  feinen 
SBergleia)  mit  einem  £röpflem  greube,  welche  ©Ott  bisweilen 
in  ben£cr$en  ©einer  ßinber  bura)  ©ia)  fetbft  erzeugt  SBebenfef, 
wa3bie©a)riftfagt:  „Du  erfreueft  meinJper^,  ob  3?ne 
gteia)  viel  3ßein  unb  torn  >aben.  Der  £err  ift 
mein  ©ut  unb  mein  £f>eit,  baS  £oo$  tft  mir  ge* 
fallen  auf's  £ieblia;fie  jc*  Die  9ttenfa)en  werben 
trunfen,  o  ©Ott,  von  ben  ©ütern  beineS  £aufeS, 
unb  Du  tr  änf  eft  fie  mit  SSollufb,  wiemit  einem©  trom! 
Die  Zithi  ©otteS  ift  auSgegoffen  in  unfer  £ers 
bura)  ben  peiligen  ©eiß,  welcher  nn$  gegeben  ijL 


588 

SBtr  ftttb  erfüllt  mit  £rofl  unb  überfc$wengltd)ttr 

greuben  tn  aller  £rübfal." gerner  jjaben  wir  oben 

angegeben,  baß  bte  ©nabe  3efu  GtjmfH  in  bent  3nnern  beö 
©laubigen  eine  fol$e  SBeränbejung  hervorbringe,  baß  er  ein 
be(tänbige$  Verlangen  pabe,  ©Ott  unb  bem  5^ä$ften  au  bienen, 
2)enn  wer  in  Gtfmjto  tji,  ber  iji  eine  neue  Kreatur»  Spat  fd?on 
ein  fleine$  9faiß  auf  ben  witben,©tamm  fo  viel  Einfluß,  um 
wie  viel  mel?r  muß  bie  ©emeinfa)aft  mit  Gtjmjto  burty  ben 
©tauben  auf  uns  wirfen?  £)ie  ©nabe  dnbert  unfere  £er$en 
unb  ©inne,  unb  mafyt  neue  Sttenfctyen  aug  un$,  £)ie  %kU 
3efu  (grifft  erwärmt  unfer  %rmm$  unb  treibt  uns  an,  3e* 
bermann  3U  bienen,  3U  rat|)en*unb  au  pelfen,  wo  wir  fönnen. — 
„©Ott  ijt  bie  %itlt/'  fagt  So^anneö,  unb  £ut£er  fegt  ljin$u: 
„wir  £)eutfd?e  geben  ©ott  einen  ferneren  Beinamen  al$  jebe 
anbere  ©prad)e,  wir  nennen  3jw  bte  ewige  Duelle  alteö 
©uten/'  ©tetd;wie  bie  ©onne,  biefeä  fte^tbare,  wiewohl 
f$wa4)e  23ilb  be$  unjtc^tbaren,  großen  ©otteg,  überall  %i$tt 
©egen  unb  gruc^tbarfeit  verbreitet,  fo  wirft  ber  2ltter£öc|fie 
tmmerbar  auf  alle  Seine  ©efa)öpfe,  unb  ©eine  £uft  i% 
©uteS  tj?un*  £)ie  ^an^e  9?atur  enthält  beutttdje  ©puren 
be6  gütigen  unb  atteaeit  wirlenben  göttlichen  2ßefen$;  Blumen, 
33äume,  Duetten  verfünbigen  bte  9ttifbe  be^  £errm  Slitcr)  ba3 
liebenbe  ^>eq  einer  Butter,  baS  ft$  unaufhörlich  fe£nt,  bem 
®inbe  ©ute3  au  tl)un,  aeugt  von  ber  unenblic^en  %khc  be3 
©eppferö;  bo$  tfi  bieß  2itte$  nur  an  fd;wa$e3  23ilb  be$ 
llnftd)tbaren,  ber  ©td;  täglich  in  ©einen  SSerfen  fo  offenbart, 
t><x^  wir  fe^en  unb  füllen  tonnen,  Grr  fep  bie  ewige  Duette  beS 
£ebenS,  ein  £>era,  baö  atte  Butter  J)  er  3  en  an  £tebe  unb  ©üie 
unermeßfia)  mit  übertrifft  —  SSie  nun  unfer  ©Ott  tji,  fo 
MM  @r  aud;  feine  ^inber*  3{?r  §eq  ifl  aufy  vott  £tebe  unb 
©üte,  unb  fejutt  jt$  Slnbern  ^u  ratzen,  31t  Reifen,  au  bienen, 
©ie  fmben  nid;t  allein  griebe  unb  greube  in  (tc$  fetbft,  fonbern 
verlangen  au$,  Rubere  31t  erfreuen,  3U  tröften  unb  au  erquidem 
2>aj>er  barf  ber  ©laubige  ni^t  genötigt  werben,  Rubere  au 
lieben  unb  ifmen  au  bienen,  vielmehr  tvtibt  i{m  bie  %kbt  (grifft 
3U  allem  ©uten.  £)arum  ruft  £utfj  eräug:  „DeSifteinlebenbigeS, 
gefc^äfttges  unb  mächtiges  £)ing  um  ben  ©tauben,  baß  unmöglia) 


589 


tfr-bafH  er  nia)t  ofme  Unterrag  ©ute$  wtrfen  follte !  Er  fragt 
nia)t,  ob  gute  SQSerfe  ^u  ij)un  ftnb,  fontern  efje  man  fragt,  I?at 
er  fte  getfjan  unb  tji  immer  tfjättg."  —  greilia)  ermahnt  ber 
|>eiltge  ©etfi  aua)  bie  ©laubigen  bura)  ba$  2ßort  ®otte$ 
ijäuftg  gur?iebe,  gur  33armper$igfett  unb  ©anftmutfj ;  allein 
bieg  gefa)iej?t  nur  um  be$  fünblia)en  gleifa)e$  bitten,  wela)e$ 
gum  ©uten  träge  unb  serbvoffen  tjt  ©ola)e  Erinnerungen 
bewahren  x>ox  -ftaa)lcigigfeit  unb  SBerfüfjrung ,  unb  maa)en  ben 
Eifer  im  ©uten  um  fo  gröger,  —  ES  bleibt  alfo  babei,  bag 
ber  rea)tfa)affene  Etmjt  greube  fjat  an  ben  Hebungen  in  ber 
©ortfefigfeit  unb  an  ben  Werfen  ber  %kht.  Er  fann  genriffer* 
magen  mit  feinem  Erlöfer  fagen:  „deinen  Tillen,  mein 
©Ott,  tfyvit  ta)  gerne,  unb  bein  ©efegljabe  ia)  in 

meinem  £  er  gen/' Enblia)  würbe  gefagt,  bag  bie 

©laubigen  fta)  felbjt  unb  ber  Seit  je  mepr  unb  mejjr  abjterben 
unb  fta)  gleia)fam  in  ber  %kbt  ©otte3  unb  be£  5^äa)(ten  gu 
sergejjren  fua)em  2)ennoa)  ftnb  rea)tfa)affene  Triften  mit 
i^rem  Ef>rijtentl?um  nie  gang  gufuebem  ©ie  meinen  nie,  e$ 
fo  mit  gebraa)t  gu  j?aben,  bag  fte  nta)ts  mef>r  bebürfen;  x>itU 
me£r  fagen  fte  mit  $auluS:  ,,3a)  fa)äge  mia)  felbjt  noa) 
nia)t,  bag  ta)  e$  ergriffen  Ijabe*  Eineg  aber  fage 
ta):  ta)$ergeffe,wagbai>tnten  ift  unbftrecfe  mia) 
gu  bem,  wa$  dornen  ift"  Er  erfannte  gwar  mit  banf* 
barem  bergen  feine  gortfa)ritte  in  ber  Erfenntnig  EprifK, 
trachtete  aber  nia)t$  bejtoweniger  naa)  einer  größeren  $ol(fom* 
menfjeit,  fo  bag  er  baS  bereite  Erlangte  sergag  unb  naa;  bem 
©rögeren  ftrebte,  wa$  er  noa)  gu  erlangen  Jwffte* 

£)ie  Efmften  ftnben  immer  etwaö  in  i^rem  bergen  gu 
tljun,  wie  ber  ©ärtner  in  feinem  ©arten;  fte  ftnb  ©a)üler,  bie 
in  ber  ©a)ule  bes  fettigen  ©cij*e£  geitlebenä  gu  lernen  Ijaben* 
3£re  fa)werften  Aufgaben  ftnb,  ©ottoertrauen,  3jmson  gangem 
£ergen  lieben,  fta)  feinem  $  eiligen  SSttfen  ergeben,  fta)  felbjt 
tterläugnen,  Sitten  gerne  aufopfern,  ba$  Eitle  tterfdmtctyen  unb 
naa)  bem  Ewigen  fta)  fernem  —  £)a$  33eifytel  be£  2tyoftel$ 
$aulu3,  wela)en  ©ott,  alsS  SSunber  ©einer  ©üte,  un$  gum 
SSorbtlbe  oorgeftedt  fyat,  mag  ba$33i^erigenäf)er  erflären*  — 
©etjet  biefen  SJtomt,  ben  3efu£  mitkw  in  feinen  ©ünben  ergriff, 


590 


unb  t£n  an$  einem  Verfolger  unb  Wlbxbex  plo£lic$  au  einem 
SIpoftel  unb  getreuen  £irten  ber  djriffttc^en  ©emetnbe  machte» 
Vorfjer  war  er  ein  $inb  beg  ©atanS,  ber  i^n  ju  allem  33öfen 
antrieb,  na^^er  aber  fonnte  er  in  2öa£rf)eit  fagen;  t$  lebe, 
bo$  nun  nicf)t  td^,  fonbern  Gtljrifru$  lebet  in  mir*  Vor  feiner 
23efeJ>rung  fann  er  £ag  unb  Wafyt  barauf,  wie  er  (griffen  in£ 
©efängnig  unb  ^um  £obe  bringen  wollte;  na$l?er  aber  war 
H$  fein  einziger  ©ebanfe,  xok  er  baS  9^etc^  3efu  erweitern 
unb  i£m  viele  ©eelen  $ufüj>ren  möchte*  grüner  fpottete  er  übet 
Sefum  ben  ©efreu^'gten ;  fpäter  aber  warb  tjjm  2)iefer  eine 
göttliche  $raft  unb  2öei3Jjeit,  er  nannte  3j?n  feine  ©erec$tig* 
feit,  fein  lieben  unb  feine  gan^e  Hoffnung*  3n  feinem  pljart* 
fäifd)en  ©igenbünfel  rühmte  er  ftd)  früher  mancher  2)inge;  fpäter 
aber  achtete  er  2llle3  für  ©a)aben  um  Gtjmjft  willen*  Vorder 
war  e$  fein  einziger  2Bunfd),  alle  (griffen  auf  einmal  ju  3er* 
nieten;  nac^^er  aber  war  e$  fein  ein$ige$  Verlangen,  baß  alle 
Sttenfdjen  nur  diu  4>erj  unb  («Eine  ©eele  Ratten,  worin  3efu$ 
wojmen  möchte*  Vorder  war  if>m  bie  SSelt  lieb,  unb  er  fut$te 
jtd)  bur$  bie  Verfolgung  ber  (griffen  bei  ben  £o£epriefkrn 
beliebt  ju  machen;  naef^er  aber  fagte  er:  bie  SSelt  i|*  mir  ge* 
freu$igt  unb  ify  ber  SÖßelt*  <£r  erwählte  flatt  ber  dljre,  greube 
unb£errli$feitber2öelt,  Ut  2lrmut£,  bte  @$ma$,  baä  $reu$ 
<£fmfiu  3j)n  machte  feine  £rübfal  unb  feine  Verfolgung  mübc 
in  bem  Sienjte  feinet  £errn,  er  fe$te  fein  Men  gerne  baran, 
um  feinen  £auf  mit  greuben  gu  vollenben,  um  bem  5lmte  ©e* 
nüge  $u  tijmn,  ba$  er  empfangen  fjatte  von  bem  £errn  3^fu  unb 
fca$  Evangelium  von  ber  ©nabe  ©otte£  ^u  verfunbigem  SBenn 
er  von  einem  Orte  vertrieben  würbe,  fo  verfünbigte  er  ba$ 
Evangelium  mit  befto  größerer  greubigfeit  an  einem  anbern, 
unb  brannte  vor  23egierbe  bie  Ungläubigen  gur  Erfenntm'g  tfjreS 
£eilS  $u  bringen,  baß  er  lieber  wünfetyte,  von  (I^rtpo  verbannt 
3u  fepn,  um  nur  Slnbere  feiig  $u  magern  3n  fol$er£iebe$otte$ 
unb  be$  Sftä^jlen  ver^rte  er  gleic^fam  ft$  felbß,  bi$  er  fagen 
fonnte:  „ictyljabe  einen  guten  ßampf  gefämpfet,  td) 
Jjabe  meinen  £auf  vollenbet,  ify  l?abe  ©laubenge* 
galten,  unb  pinfort  wirb  mir  beigelegt  bie^rone 
ber  @ered?tigfeit,  welche  mir  ber  £et?  an  jenem 


591 


£age  geben  wirb,  nt$t  mir  aber  allein,  fonbern 
2ll(en,  bie  feine  (Erf$einung(ieb  fyabtn."  Wt  9?ed)i 
fagte  baljer  ein  Berühmter  £eljrer  ber  $rtft(itf)en  $ird)e  von 
tjmt:  „9pau(uä  war  ein  Bürger  be$  Himmeln,  bie  «Seele  ber 
ftirdje,  einenget  anfärben,  ein  9ttann  nadj  bem2Bil(en($otte$* 
©lei^wie  baS  (£ifen  im  geuer  gtüljenb  wirb,  fo  iffc  ber  Slpoftel 
burcfy  ba$  geuer  *>er  göttlichen  ^iebe  ent^ünbet,  (auter  £iefce  ge* 
worbem"  5ln  feiner  $erfon  erhellt  mithin  $ur  (Genüge,  n>a$ 
ein  gottfeligeä  heften  fep,  unb  voa$  ^l^riftuö  vermag,  ber  in 
ben  ©einigen  lebt  2)er  ©laubige  ift  eine  neue  Kreatur,  in 
welcher  C^^rtftuö  lebt  unb  fte  befeelt  burd)  feinen  ©eifL  dv  ijt 
ein  fruchtbarer  3weig  an  bem  großen  33aume  be$  £eben3,  bem 
eö  nie  an  grüßten  ber  ©erec^ttgfeit,  ber  $kht,  ber  £emut£, 
ber  ©anftmutl?  unb  greunblicfyfeit  fetyU  3n  il?m  fann  man 
Sefum  £l?rifium  erfennen,  er  wanbe(t  in  finb(i$er  gurctyt  vor 
feinem  tjünmlifc^en  SSater  unb  (äffet  fein  £id)t  (eueren  auf  (£rben* 
©ein  Her^  ijt  voll  £tebe,  fein  Wlunb  voll  6euf$er  $u  ©Ott,  feine 
£änbc  ftnb  voll  guter  Sßerfe.  (£r  lebt  nidjt  meljr  ftc^  felbft,  fon* 
bem  £)em,  ber  aud)  für  tyn  geftorben  unb  auferjfanben  ift  (£r 
ift  bereit,  fein  &hen  ljin$ugeben,  wenn  nur  baburdj  ber  9tome 
3efu  @£riju'  gepriefen  werben  mag*  — 

Slnwenbung, 

£)amit  wir  nun  bie  vorgetragene  £e£re  $u  unferem  Wtym 
gehörig  anwenben,  fo  ijt  vor  allen  fingen  nötpig,  ba$  wir  un$ 
felbß  prüfen,  ob  wir  und  au$  wirfltdj  eines  gottfeligen  2eben$ 
rühmen  fönnen,  ober  ob  wir  wenigjfruS  ben  ernftftdjen  SBorfa^ 
Ijaben,  ein  fold?eS  (leben  ju  führen?  2)o$  wirb  e$  ni<$t  un* 
bten(i$  fep,  bafj  ber  (£prtjt,  ber  ft$  a(fo  prüfen  wi((,  gu\>or 
Uc  2lu3fprücl)e  ber  ©c^rtft  erwäge:  „(£$  fep  benn,  baff 
eure  © ere c^ttgf et t  beff er  ijt,  benn  bie  ber  ©djrift* 
ge(e£rten  unb  ^Ijarifäer,  fo  werbet  i£r  ntdjt  in 
baS  Himmelreich  fommem  ($$  werben  nidjt  2llle, 
bie  gumir  fagen:  Herr,  Herr!  in  baS  Htrame(rei$ 
lommen,  fonbern  bie  ben  3öi((en  tjiun  meines  $a* 
terS  im  HintmeL  ©Raffet,  baj?  i£r  feiig  werbet 
mit  gurc^t  unb  3ittern.  Saget  nac^  ber  Hei(tgung, 


592 


ofine  wefo)e  Sfttemanb  ben  Qexxn  fe^en  wirb/'  — 
2Bo£Ian  bemt,  meine  3u£orer,  richtet  eua)  fetbf*,  bamit  ijjr  m'cijt 
genutet  werbet:  (B  gilt  jrier  feinUnterfa)ieb,  2lrme  unb1fteia)e, 
£oj?e  unb  fiebere,  ©eleprte  unb  Ungelegte,  2Hte  unb  3unge 
muffen  barem*  prüfet  eua),  ob  t£r  in  SSapr^eit  d^ripen  fe$b, 
ober  nur  bem  ©a)eine  naa>,  ob  tyx  aua)  grüßte  ber  ©ere$tig* 
feit  aufeuwetfen  I?abt,  ober  ob  eud;  ber  £err  einß  tterbammen 
mufj?  —  din  frommer,  angefejjener  Wlztity  fott  auf  bie  ;iftaa> 
ria)t  f?in,  baß  ein  Betrüger  feinen  Warnen  angenommen  Jabe 
unb  belegen  $u  ben  ©aleeren  t>erurtj»ettt  worben  fep,  au^ge* 
rufen  ljaben:  aa),  ia)  etenber  9ttenfa),  würbe  j[ener  Ungfürfftdje 
belegen  $u  einer  garten,  fa)unfcflia;en  Strafe  verurteilt,  wa$ 
wirb  mir  wiberfaljren,  ber  ia)  f o  lange  3ät  in  geiftlid;en  Kleibern 
einljergelje  unb  nia;t$  befio  weniger  in  ©ünben  lebe?  2)arum, 
meine  Gtfmfien,  lajfet  uns  prüfen,  ob  nia)t  aud>  wir  anber$  jmb 
aU  wir  $u  fe^n  fa)einen,  unb  vor  bem  iRtc^tetftu^le  beffen,  be, 
£er$en  unb  Vieren  prüft,  ein  fa)retf(ia)e$  Urteil  erwarten 
muffen!  — 

1)  3f>?  ^bt  gebort,  bag  baS  Men  be3  Triften  göttlia) 
unb  heilig  fe^n  muffe,  unb  baff  e$  fta;  mit  bem  (££rif*ent|mm  gan$ 
anberö  verhalte,  al$  bie  meinen  Triften  fia)  einbitben*  2)a 
nun,  wo  bie  ©ünbe  £errfa;t,  unb  wo  man  e&  mit  ber 
SOSett  unb  mit  bem  <&atan  j>ctft,  fann  ein  fola)e$  £eben  nidjt 
fe^m  £)er  Gtfmfl  lebt  nia)t  Jjeifig,  beffen  #er$,  3CRunb  unb 
£anb  mit  mutjjwiu'igen  ©ünben  verunreinigt  i(i,  unbwaS  für 
eine  ©emeinfa)aft  jjat  ein  wotfüfHgeS ,  üppiges  £eben  mit  bem 
^eiligen  £eben  d^rtflt  ?  gürwapr,  mit  <5piel  unb  <Sa)er$,  mit 
(£ffen  unb  £rinfen  :c,  fommt  man  nidjt  in  ben  £immeL  SBor 
©Ott  fann  ber  £eud)fer  nia)t  befielen,  (Ex  gibt  bie  ©eligfeit 
feinem  ©d)em;@jmften,  fonbern  benen,  bie  in  (Sjmffa  3efu  fmb, 
bie  nidjt  nad;  bem  gfeifa)  wanbeln,  fonbern  naa)  bem  ©eifi.  3« 
(Sfjrifto  3efr  aber  gilt  Weber  23efd;neibung  nod;  58orp«ut  etwas, 
fonbern  eine  neue  Kreatur* 

2)  £)aS  gottfelige  £eben  ber  driften  iß  ferner,  xok  wir 
oben  fagten,  ein  2Berf  ber  ©nabe  ©otteö,  eine  $raft  (grifft 
unb  eine  SGSirfung  be$  ^eiligen  ©eifteä,  wobura)  ba$  $er^  ge* 
dnbert  unb  erneuert  wirb»    (£s  iji  atfo  nid)t  genug,  baf?  man 


593 


bloS  ein  eprbareS  unb  un(fräfli#e$  £eben  fü^re*  So  ifl  ni$t 
genug,  fagen  $u  fonnen:  3$  bin  fein  ©icfi,  fem  kauftet,  fein 
£runfenbolb,  fein  Gü:i?ebre$er  u*  f*  wv  id;  gefje  $ur  $ir$e  unt) 
gum  fettigen  $benbmaj?l,  »erriete  alle  borgen  unb  alle  $benb 
mein  ©ebet,  gefjorcfye  ber  Dbrigfeit  unb  lebe  mit  allen  9tten* 
f$en  im  grieben2c*  —  ,M$  wäre  $war  ^u  wünf<$en,  bag  alle 
Triften  bieg  in  9©ajjr]jeit  von  ft$  rühmen  fönnten,  batnit  unS 
bie  Reiben  unb  dürfen  barin  nidjt  übertreffen,  unb  ben  viel* 
feitigen  2lergernijfen  gefeuert  werben  mochte*  SGBett  e$  aber, 
wie  gefagt,  au$  bie  Reiben  fo  mit  bringen  fonnen  unb  man^er 
@jmft  ftd;  btoS  ^um  ©$ein  eljrbarltd)  beträgt,  fo  barf  ber  waf>re 
ßjjrift  bamit  nodj  nid)t  aufrieben  feptu  —  Söenn  man  im  Sötnter 
3wetge  von  i>tn  Räumen  abfcfmeibet  unb  fte  in  einem  warmen 
3immer  ins  SQBaffer  fe§t,  fo  fdjlagen  fte  au$  unb  blühen  Mfc 
weilen;  aber  biefeS  ift  ni$t  von  2)auer  unb  e$  fonnen  feine 
grüd;te  folgen.  Ebenfo  ifl  e$  aud?  mit  bem  äufjern,  ejjr* 
baren  Seben,  wefcf^  bie  meiften  Gtfmflen  jieut$u£age  fürbaS 
wapre,  gottfelige  Seben  Ratten.  £>a$  dc^te  Efmjkntpum  ent* 
fpringt  aus  ber  breieinigen  ©nabe  ©otteS  unb  aus  bem  Snnern 
beS  $?enf$en*  SefuS,  ber  burd)  ben  ©tauben  im  £eqen  wo£nt, 
ift  bie  2öur$el  unb  ber  (Stamm,  von  welkem  atte  grüßte  ber 
©eredjtigfeit  perfommen,  unb  ber  Ijetltge  ©eift  ift  bie  (Seele 
beS  Steffen,  weldje  alles  belebt  £>er  re$tf$affene  (££rtfl  tji 
ntd)t  btoS  äußerlich  fromm,  unb  fo  fange,  als  er  feine  ©elegen* 
T^eit  jwt  pm  23öfcn,  fonbern  au$  innerlich  unb  $u  jieber  3ett 
Er  Ijütet  ft$  nicfyt  bloS  vor  groben,  in  bie  Slugen  fallenben 
©ünben,  unb  vor  folgen,  welche  i>k  Dbrigfeit  $u  betrafen 
pflegt,  fonbern  au<$  vor  geheimen  Uebertretungen,  3.  31  vor 
Unglauben,  Mißtrauen,  3*veifel,  Ungebulb,  ©idjerljeit,  Un* 
banfbarfeit,  ©tol$,  Eigenliebe  unb  bgt  —  Ein  von  -ftatur 
guter  Sfflenfcij,  ben  au$  bie  Seit  für  fromm  £ält,  fann  vor 
©Ott  böfe  unb  verwerfltd)  fepm  £)enn  vor  ©Ott  l?at  eine  gute 
©emütfjSart  an  unb  für  jt$  feinen  SQBertp ,  fonbern  einzig  unb 
allein  bie  ©nabe  3efu  Ejjriftt,  ber  uns  burd)  fein  23erbien(t  ge* 
re$t  ma$t,  unb  unfere  ^eqen  burd)  ©einen  Ijetligen  ©eifi  $ur 
wahren  grömmigfeit  antreibt  $on  %tur  fann  3emanb  füll 
fanftmütjiig,  ftttfam  unb  mäfng  fe^n,  unb  t>k  2Belt  £ält  tyn 


594 


begwegen  für  einen  frommen  9ttenfc$en*  geljlt  e$  t£m  jebodj  an 
ber  wahren  <£rfenntnig  ©otteS  unb  Gt|>rijti,  ift  er  trag  jum 
©ekt,  bem  3rbtfd)en  ergeben,  gleichgültig  gegen  baö  $imm* 
lif$e;  tt)ie  fann  man  oon  einem  folgen  fagen,  bag  er  ein  gött* 
lic^eö  nnb  JieitigeS  Sieben  füjjre?  dagegen  ift  manchmal  ein 
redjtfc&aff ener  (SJmjt  oon  Statur  aum  3ä£$otn,  aur  £runfenljett 
unb  Ue^pigfeit  geneigt,  er  Ijat  aber  bur$  ©otteä  ©nabe  feine 
gejjter  fennen  gelernt,  begebt  ftdj  ba$  23öfe  burdj  bie  $raft 
3efu  (grifft  au  überwmben,  bereut  feine  geiler,  unb  fu$t 
täglich  mejjr  fein  gleifdj  famt  ben  Süften  unb  IBegierben  au  freu* 
aigem  tiefer  £at  oime  Steifet  einen  guten  Anfang  gemacht, 
unb  weil  er  in  ber  ©nabe  ®$tk$  lebt,  fo  nimmt  er  immermejjr 
3U  im  SSerfe  be$  £ernu 

(B  liegt fejjrtnelbaran,  bag  wir  ben  Unterf djieb  awifdjen  ber 
9totur  unb  ber  ©nabe  genau  fennen,  weil  bie  meiften  Triften 
unferer  £age  ft$  mit  folgen  Hoffnungen  fdjmei^eln  unb  ft'dj 
felbft  ba3  3eugnig  geben,  bag  Sftemanb  über  fte  flagen  fönne* 
©ie  bebenfett  nic^t,  bag  ber  5D?enf c^ ,  wie  er  oon  üftatur  ift, 
einen  ctugerlid)  ehrbaren  äöanbet  führen  fonne ,  bag  aber  bo$ 
gteifd;  unb  33lut  in  feinem  beften  3uftanbe  feinen  3ugang 
fjabe  aum  Steige  ©otteö*  2Öir  wollen  einige  Sjfterfmale  UU 
fe^en,  nad)  benen  wir  unfern  3uftanb  prüfen,  unb  ba$,  wa$ 
bte  yiatux  in  uns  hervorbringt,  oon  bem,  was  t>k  ©nabe 
wirft,  unterfcfyeiben  fönnen!  2)er  natürliche  Sttenfd)  ftefjt  nur 
auf  ba$  Heugere  unb  befümmert  ftcf>  wenig  um  ben  tmtern  3u* 
Jtanb,  er  fief>t  mel)r  auf  t>a$  Urteil  ber  9ftenfd;en,  unb  ift 
aufrieben,  wenn  jtcb  ^iernanb  über  ij)n  befc^weren  fann*  Hn 
bem  ©  ericfyte  be$  Htfwtjfenben  liegt  ifym  wenig ,  obgleich  ber 
frömmfie  9ttenfd>  feinem  ©Ott,  wenn  dv  mit  if?m  rechten  will, 
auf  £aufenb  nic^t  (ürtneä  antworten  fann.  (ix  burdjforfdjt 
alfo  fein  £era  ni$t  grünblic^,  entfc^ulbigt  ftd?  felbfl  gerne, 
tterfleinert  feine  geiler  unb  vergrößert  feine  £ugenben*  Girr 
föric^t  jt'cb  oon  gewiffen  fingen,  bie  baS Gt£ru1entl?um  unum* 
gängltd)  forbert,  frei,  weit  fein  gleif$  feine  £uft  baau  $at.  <£x 
meint,  bieg  fe^e  nic^t  gerabe  nötfng,  unb  wenn  er  fage:  tc$ 
glaube  an  (Sfmftum,  gef>e  aur  $ird)e  unb  aum  ^eiligen  Hbenb* 
ma£l,  fo  laffe  fid>  ber  liebe  ©ott  im  Uebrigen  leicht  aufrieben 


595 


fieffem  dx  weif?  fein  ©ewiffen  letcf)t  au  pltfett,  wenn  er  au<§  grobe 
unb  fcfywere  gejjter  begangen  Ijat;  er  geljt  aur  Äircfje,  aber 
ojme  befonbere  2lnbacfjt,  er  fjört  ba$  2öort,  bod>  ofmefein  fejm* 
It^e^  Verlangen  barnadj  au  jjaben,  fem  £era  bleibt  ungerührt/ 
er  pält  e$  ntdjt  für  not^tg,  über  ba$  ©eljörte  nad)aubenfen, 
fonbern  er  begnügt  ftc§  bamit,  in  ber  $irc$e  gewefen  gu  fepn* 
(£r  geniegt  baö  Ijeilige  5lbenbma|>t  ofme  vorfjergefjenbe  $rü* 
fung  unb  oime  perattctje  Betrachtung  ber  %itbt  3efu  (££rij!i, 
ber  (Beinen  %tib  für  uns  in  ben  £ob  gegeben  unb  ©ein  33tut 
für  un$  vergoffen  jjat  dx  gtaubt  feine  guten  SBorfäge  nötljig 
gu  Jjaben,  weit  er  fidj  f$on  vorder  für  fo  gut  jjält,  alä  er  fepn 
fotte*  ©ein  (^ebet  tjl  meijienö  nur  ein  ©erebe  ber  kippen  unb 
gefctytept  me£r  au$  bem  33udj,  al$  auö  bem  £eqen,  unb  man 
wirb  ifm  fetten  fragen  Ijoren,  bag  er  nic^t  beten  fönne,  GEbenfo 
liegt  bem  natürlichen  Wltnföen  nidjt  viel  an  bem  2Bacb$tfmnt 
in  ber  ©ottfeligfeit,  unb  [er  laßt  ftcfj  bü  ©efegenjjeit  leicht 
bereben,  baß  er  fyut,  was  bie  2ßelt  von  ifjm  jjaben  will;  benn 
er  f>ält  e$  ni$t  für  nötjng,  fi<$  lange  barüber  au  bebenden, 
weit  man,  feiner  Meinung  na$,  leicht  aurSSergetmng  ber©ün* 
ben  gelangen  fönne*  (ix  eifert  nid)t  um  bie  (£j?re  feinet  ©ot* 
te$,  wiberfpriajt  aud)  bem  gottlofen  Sßefen  ber  Sößeft  nicfjt, 
fonbern  tjl  ber  Meinung:  wag  Slnbere  reben  unb  tfmn,  i>a$ 
£abe  er  ni$t  au  verantworten,  er  fyaU  atfo  feine  Urfac^e,  ftdj 
burcf)  £abet  unbeliebt  au  magern  (ix  liebt  mithin  bk  SBelt 
unb  ba$  yiitXifyt  %tbm,  wünfc^t  awar  in  ben  Fimmel  ^u  fom* 
men,  aber  fo  fpät,  aU  immer  möglich  :c*  —  ©er  waljre  (£prift 
bagegen,  welcher  im  ©tanb  ber  ©nabe  lebt  unb  vom  ^eiligen 
©eift  angetrieben  wirb,  ifi  gana  anberS  gefront*  dx  fitft  zu* 
vörberfl  auf  baS  Snnere,  unb  weit  er  wü$,  baß  ©Ott  ba$  ^erj 
prüft,  fo  bittet  er  täglich,  baß  ber  £err  tym  ein  reineö  £er& 
unb  einen  neuen,  gewiffen  ©eiji  geben  möge*  (ix  txafyttt  awar 
barnaety,  baß  fein  äug  erlidjer  Söanbet  vor  t>m  $?enfc$en  un* 
fträflic^  fep  unb  -ftiemanb  aum  Slergerniß  gereiche,  mit  er 
jebodj  weiß,  baß  man  ben  Sftenfcfjen  nicfjt  immer  gefallen  fann, 
fo  ftept  er  meljr  auf  ©otteS  ©eric^t,  aB  auf  baS  Urzeit  ber 
5Dlenfc^en,  unb  ifi  aufrieben,  wenn  er  fagen  famt:  £err,  wa^ 
i§  gerebet  unb  getp.an  |>abe,  iflrecpt  vor  2)ir!  ^r  prüft  fein 

38* 


596 

£era  pcwftg,  fäont  feiner  ntcj)t,  ftymetd&eft  ftc$  tdty,  entfernt* 
bigt  feine  ge^er  mc^t,  fonbern  befenni  fte*  (£r  glaubt  immer, 
er  fep  ber  größte  unter  atten  ©ünbern,  unb  f>ält  ftc$  für  einen 
f$wad)en  Anfänger  im  @j?riftentjmm*   (£r  mochte  gerne  2ltte$ 
re<^t  machen,  mit  er  »eig,  baß  ber  Stttwtffenbe  fein  9^i$ter 
tjt,  unb  ba$  in  beffen  Slugen  feine  Sünbe  gering  unb  ftein 
fe^n  fann.    (£$  ij*  i£m  GErnfi  mit  feiner  ©ottfettgfeit,  unb  er 
fämpft  tägtidj  mit  ft$  fetbfl:  unb  mitter  SBelt,  weit  er  weif, 
baß  3efuS  biejenigen  nic^t  für  bte  ©einen  erfennt,  t>ic  iljr 
$reu$  nic$t  auf  ft$  nehmen  unb  3£ro  folgen ,  unb  baß  ojme 
bte  Heiligung  Sftiemanb  ben  $errn  fepen  wirb*  Sööenn  if?n  ein 
geljter  überettt,  fo  bereut  er  benfetben,  unb  e3  foftet  tyn  x>itl 
$ampf,  ©eufter  unb  Streuten,  bi$  er  fein  ©ewiffen  jtttten, 
unb  bur$  ben  ©tauben  an  ba$  SSerbtenjt  dfm'fti  beruhigen 
fanm    <£x  gejjt  pet^  mit  einem  jmföbegier igen  .freien  jur 
^irc^e;  benn  fein  einziges  Verlangen  ift,  im  ©tauben,  in  ber 
£tebe ,  in  ber  Hoffnung  p  warfen ,  unb  ftc$  ^u  bejferm   dt 
prüft  ftd>  fetbjt,  e|je  er  $um  £tf$e  be£  £errn  ge£t,  unb  feljnt 
ftdj,  ber  ©emeinfdjaft  feinet  GrrtöferS  je  mepr  unb  metjr  »er* 
fiebert  3U  fepn,  um  au$  berfetben  neue  Gräfte  ^u  fammetn,  $u 
einem  Zeitigen  gottfetigen  £eben*  —  gerner  Utct  ber  »apre 
ßljrift  fleißig  $u  feinem  ©Ott,  unb  wenbet  £auptfä(p$  bie 
9ttorgenftunben  ba$u  an,  um  fein  £er$  »ov  bem  SBater  im 
£mtmet  au$$uf$üttetu    @r  fpridjt  Jjauptfäcpd)  *>on  fot^en 
fingen,  wetc^e  Ut  (££re  ©otte6  unb  baS  £ett  feiner  ©eete 
betreffen*    (£r  unterwirft  ft<$  bem  £erm  mit  Altern,  wa$  er 
^atr  unb  wünf$t  ni$t$  meljr,  at$  ©einen  peirtgen  SBttten 
bejMnbtg  $u  erfüttem    (£r  feuftt  auty  oft  über  bie  £rägtjett 
feinet  £er$eu$  unb  über  bie  Unfähigkeit,  xca)t  $u  beten*  (£r 
tft  ttorjtc^tig  in  feinem  Söanbet  unb  sermeibet  jebe  ©etegenpett 
?ur  ©ünbe*  SRti%t  unb  todt  i£n  bie  SBeit,  fo  fyridtf  er:  „wie 
fottte  id)  etnfo  großem  ttefcet  t£un  unb  wiberben 
£erm,  meinen  ©Ott,  fünbigen!"  <£r  läßt  atteS gotttofe 
Söefen,  wtberfegt  ft$  ber  23o${>eit,  unb  üerpütet,  wo  mogti$, 
Slergerniß,  unb  httxixbt  ftcfj  in  ber  Stillt  man^mat  über  baß, 
m$  ben  ^inbern  ber  2Bett  Vergnügen  mac^t   ^r  fuc^t  audj 
Slnbere  su  geroinnen  unb  t>k  Uebertreter  ©otteö  SÖSege  31t 


597 


fejjren ,  weil  er  wetg,  baß  ©ott  einem  Seben  feinen  9täcfjjkn 
empfohlen  pat  unb  wir  uns  unteretnanber  wa|>rnepmen  follen 
mit  Sfte^en  3m:  £iebe  nnb  $u  guten  Sßerfen.  dx  jtejji  nic^t  auf 
bie  @unß  ber  SQSelt,  fonbern  nur  barauf,  wie  er  ©Ott  gefallen 
unb  dn  gutes  ©ewiffen  behalten  möge*  £)ie  (£itelfeit  biefeS 
Gebens  iß  i£m  läftig,  unb  er  wünfcbt,  wenn  eS  nad)  ©otteS 
SBitim  gef^epen  fönnte,  ben  fünbli^en  %äh  fo  balb  als  mög* 
Kcf>  abzulegen,  bie  2Belt  $u  verlaffen  unb  bei  Gtfmfto  ^u  fepn  jc*  — 
Söemt  ipr  nun  biefe  grünblid;e  23ef$reibung  gehörig  würbiget 
unb  eudj  bamadj  prüfet,  fo  werbet  i£r  balb  inne  werben,  ob 
tljr  nodj  im  ©tanbe  ber  -ftatur  fe^b,  ober  im  ©tanbe  ber 
©mibe?  3pr  werbet  etnfeljen,  wie  euer  dfmftentijum  befc^af* 
fen  fep,  unb  welche  Hoffnung  gur  ©eligfeit  i£r  £aben  tonnet? 
3$  Utk  eud?  Ui  ©Ott,  ge£et  über  biefe  wichtige  £eljre  nic^t 
gleichgültig  weg,  unb  fdjm$et  fte  nic^t  gering*  2öa£rlia)  es 
gibt  x>kk  falfc^e  djmjten  unter  uns,  welche,  weil  fte  unbefüm* 
mert  über  biefen  ©egenjknb  weggeben  unb  \>tx  ijjrer  gewojim* 
ten  SDSeife  bleiben,  ^ol£  ber  Hoffnung  beS  £immelS  jur  £öl(e 
wanbenv 

3)  gerner  mac$t  uns  bie  ©nabe  willig  jum  ©Uten,  unb 
2WeS,  was  t>k  ©laubigen  tjwn,  gefdnept  aus  £tebe,  ni<#t  aus 
3wang*  2)er  wa^re  (£j)rift  bient  feinem  ©Ott  nicjjt  aus  fnedj* 
iifc^er  gurdjt,  fonbern  aus  ünblit^em  ©eporfam,  unb  eS  ijt 
feine  ©peife,  ben  Tillen  beS  £ö$ften  $u  vollbringen»  %Jlit 
9?ec^t  fagt  ba£er  ein  (£nglcmber:  „ber  (£jmft  ijt  hin  ge^wun* 
gener  Krieger,  fonbern  ein  freiwilliger,  ber  <Babbaty  ijt  feine 
greube,  fein  203unfd)  ijt,  baß  er  im  £auffr  beS  £errn  bleiben 
möge  fein  £ebenlang,  um  bie  frönen  ©otteSbtenjle  $u  flauem 
(£r  fommt  $um  Q>tUt  nid)t  vok  tin  £aglöljner  ^ur  Arbeit, 
fonbern  wk  ein  $mb  $ur  Unterrebung  mit  feinem  Sßater,  2)er 
re$tfcf)affene  Gtljrijt  würbe  feinem  ©Ott  willig  bienen,  aufy 
wenn  er  tQü$tz,  baß  ber  £err  Weber  bie  ©ottfeligfett  belohnen, 
noc$  bie  SBoSljeit  bejtrafen  würbe;  baS  3o$  @£rtjti  ijt  i£m 
ein  fanfteS  3o$  unb  eine  leichte  Caffc*7/  —  2)te  ^eur^ler  aber 
jmb  ganj  anberS  gejtnnt,  fte  befudjen  au$  ben  öffentlichen 
©otteSbienj.  unb  befleißigen  jtd;,  auf  erlief  fromm  $u  fe^n,  allein 
was  fte  t£un,  gef$ie£t  nur  jum  ©cfjein,  unb  fte  Jiaben  me^r 


598 


greube  an  ber  @ünbe,  aU  an  ber  ©ottfeltgfeit  ©tc  enthalten 
jtd)  beS  Sofen,  wie  ber  $ranfe,  bem  gewtffe  ©peifen  verboten 
ftnb,  bie  er  aber  redjt  gerne  genießen  motzte,  wenn  er  md)t 
befürchten  müßte,  baß  er  jt$  ben£ob  baburdj  $u$ie£en  würbe* 
Den  £euc$lem  wäre  e$  Heber,  t>on  ©otteS  ©eboten  nichts  $a 
wiffen,  als  benfelben  unterworfen  ^u  fepn*  ©te  befleißen Jify 
ber  (££rbarfeit  aus  gurtet  *>or  ©träfe,  unb  fudjen  fromm  31t 
fepn,  weil  (te  bie  Ungnabe  ©otteS  freuen;  barum  ftnb  ifjre 
Uebungen  audj  fo  lau,  man  fann  (te  in  ber  $trc$e  balb  in  ben 
©$laf  bringen,  ober  eS  ijmen  $u  lange  magern  D^ebetman 
*>on  weltlichen  ©egenflänben ,  fo  finb  (te  munter  unb  ijeiter; 
fpridjt  man  aber  son  göttlichen  Dingen ,  fo  werben  (te  balb 
überbrüffig  unb  richten  iljre  Slufmerffamf  eit  anberS  wopin*  ©te 
gejjen  ntdjt  mit  fejmlidjem  Verlangen  unb  mit  inniger  greube 
t£reS  £er$enS  $um  ^eiligen  2ibenbmal?l,  fonbern  weil  es  eine 
©ewo£n£eit  i(i,  bie  (te  leicht  entbehren  tonnen*  £aben  fte 
etwas  ©uteS  im  ©inne,  fo  jmt  eS  nod)  Stit  genug,  unb  (te 
serfdjteben  eS  son  einem  £ag  $um  anbern  :c*  —  äßolten  wir 
alfo  wiffen,  ob  unfere  ©ottfeligfett  rechter  5lrt  fep,  fo  muffen 
wir  uns  audt)  über  biefen  $unft  prüfen*  2öie  wirb  aber  tk 
$robe  auffallen,  ba  bie  meifkn  Wlmföcn  $tui  $u  £age  iljr 
£auptaugenmerf  auf  baS  StitUfyt  richten,  unb  in  ber  ©orge 
für  baS  <£wige  fo  lau  unb  fc^läfrig  ftnb  ?  Darum  prüfe  bia) 
wopl,  0  (£Jmj},  bein  eigenes  £era  wirb  bir  bie  befte  2lufflä* 
rung  über  biefen  ©egenftonb  geben,  unb  bu  jtnbeft  vkUäfyt 
me£r  in  bir,  als  ify  fagen  fonnte* 

4)  Die  wa£re  ©ottfeligfett  bringt  auc§  eine  innere  greu* 
bigfeit  mit  jtc$,  unb  läßt  uns  bie  2kU  ©otteS  beutlia;  empftn* 
ben;  benn  weil  (te  aus  ber  ©emetnfdjaft  mit  ©Ott  entfpringt, 
fo  folgt,  baß  mit  ij)r  aud)  baS  £öc()(te  Vergnügen  ber  ©eele 
»erbunben  fepn  müjfe*  SDte  Dornenfrone  beS  £errn  $at 
ni$t  bloß  Dornen,  fonbern  trägt  auc$  juweilen  SRofen,  welcfje 
erneuen  unb  erquicfen*  Die  ©ottfeligfeit  fällt  $war  b*m  fünb* 
liefen  gleite  auf  erft  fcfjwer,  aber  burc$  bie  Uebung  gewährt 
fte  fo  viel  Vergnügen,  baß  ftdj  bie  wahren  driften  mitten  in 
ber  SErübfal  beffer  beftnben,  als  t>k  ^inber  ber  SBelt  in  i£rer 
fünbli^en  €ufl    2Ber  eS  mi$  unb  föon  an  jt$  erfahren  $at, 


599 


m$  e$  £eige,  Xxoft,  9lu$e  unb  grieben  für  ba$  beängftigte 
©ewijfen  in  ben  SBunben  3efu  $u  ftnben,  ber  wirb  bieg  gerne 
$ugebem  —  2)arum  prüfet  eua)  aua)  barüber,  meine  (Slmjten, 
unb  fordet ,  wie  e$  um  euer  @£rifhmtl>um  fteljt  ?    $ielleta)t 
fennet  i£r  feine  anbere  greube,  aU  bie,  wela)e  bie  2Ö3elt  $u  ge* 
Ben  pflegt  ?    3j?r  pabt  melleia)t  greübe  an  euren  $inbern  er* 
lebt,   ober  fepb  in  ©efellfa)aft  fröjjlia)  gewefen,  ober  Ijat  eua) 
ba$  ©lud  Begünftigt,  ober  ftept  tijr  bei  ben  2ftäa)ttgen  ber  (Erbe 
in  ©unft,  ober  ljabt  i£r  fonfi  ttwtö,  an  m$  jta)  euer  £er$  er* 
gögt?  2lber  wo  ifi  t>k  greube,  welche  baö  @fjriftent£um  »er* 
fa)afft,  wo  bie  £immlifa)e  £ufi,  wela)e  (Sott  felbft  ben  ©eini* 
gen  Uxättt  ?  £abt  i£r  eine  greube  an  bem  28ort©otte$,  bag 
tpr  mit  2)a»ib  fagen  fönnet:  (£$  fep  eua)  füger  aU  £onig  unb 
#onigfeim  unb  lieber,  aU  mel  taufenb  ©tü<f  ©olb  ober  ©il* 
ber?  2Bela)en  ©efa)mad  ftnbet  tpr  an  bem  23rob  beö  8el>e$$ 
in  bem  ^eiligen  Slbenbmaljl?  2Ba3  füjjt  eure  ©eele  naa)  ei« 
nem  anbäa)tigen  ©ebet,  geljt  e$  eua)  aua)  fo ,  wie  bort  bei? 
£amta ,  wela)e  naa)  einem  inbrünjtigen  ©ebet  mit  erteilter* 
tem£eqen  naa)  £aufe  ging?  SQSirb  eua)  bag  fanfte  3o&)®M* 
fti  t>on  £ag  ju  ^ag  lieber  ?  £abt  tl^r  aua;  £ujt  an  bem  ©e* 
feg  naa)  bem  inwenbigen9ttenfa)en?  ginbet  il?r  aua;  SBergnü* 
gen  in  ber  SCrübfal,  unb  greube  in  ber  SEraurigfeit,  unb  »er* 
feget  ijjr  eua;  mana)mal  in  baS  greubenretä)  ber  ^inber  ©ot* 
U$,  um  Jjier  fa)on  einen  23orfa)mad  »on  ber  ©eligfeit  gu  ge* 
niegen,  bk  auf  ben  griffen  wartet  —  SSielieia)t  wijfet  ifjr  »on 
biefem  attem,ma)t$,  unb  fepb  aufrieben  mit  bem,  was  eua)  bie 
Söelt  anbietet.  —  3a)  will  jwar  nia)t  behaupten,  bagbtewalj* 
ren  ßjmfien  ju  jieber  3eit  in  ijjrem  3nnern  eine  fola)e  Inmm* 
lifa)e  greube  empjtnben ,  unb  bag  ojme  biefelbe  bie  ©ottfelig* 
feit  feinen  2Bertf>  l)abe*   £)enn  gleia)  xt>k  bie  ©onne,  btefeö 
£elle£ia)t,  mand)mal  »or  unfern  Slugen  »erftnfiert  wirb ,  fo 
fann  e£  gefa)el?en,  bag  bie  ©eele,  naa)  ©otteS  ^Bitten,  eine 
3eitlang  bie  füge  $raft  beg  ©laubeng  niä)t  empfmbet*  Slllem, 
wer  ein  Gtfjrift  feigen  will,  unb  tfon  nia)tö  aU  »on  bergreube 
ber  2Belt  unb  »on  ber  »ergänglia)en  ^u(t  au  fagen  weig,  bem 
bezeuge  ia),  bag  fein  ©ottesbienfi  nur  $eua)elei  fe#,  unb  t>a$ 
er  »on  ber  wirflia)en  Bereinigung  mit  ^rifto  noa)  nia)tö 


600 


wtffe*  Unb  Bei  biefer  Prüfung  wirb  e$  ft^  abermals  geigen, 
bag  23iele  von  bem  £eben,  ba$  au$  ©Ott  iß,  entfernt  fepen; 
benn  nur  Wenige  fennen  jene  seifige  unb  göttliche  greube, 
unb  achten  auf  biefelbe* 

5)  (£nbli$  gehört  au  einem  ^eiligen  Seben  ein  beftänbi* 

ge$  Verlangen,  ©Ott  unb  bem9täct)jien  au  bienen,  in  ber  ©ott* 

fettgfettau  warfen,  unb  barin  M$  an  ba$@nbe  au  verharren*  £)ie 

beßen  £fmjkn  glauben,  fte  £aben  e£  no$  xtityt  gar  nät  in  ber 

©ottfeligfeit  gebraut,  unb  trauten  bamac$,  immer  Keffer  unb 

ttollfommener  au  werben,    ©ie  gleiten  fruchtbaren  Zäunten, 

an  welken  man  awar  ni$t  immer  Blätter  unb  grüßte  finbet, 

bodj  bie  ^nofpen  baau,  mithin  ift  ba$  waljre  (£|>rif*entj?um  nie 

gleichgültig  unb  forgloS  in  bem  2)ienße  ©otte$  unb  be£  Uläfy 

ftem   (£$  ift  eine  füge,  fjeilige  Sftujje  in  bejMnbtger  Unruhe; 

unb  wie  ein  $id)t,  fobatb  e$  ange^ünbet  ift  fortwäprenb  leuc$* 

Xtl,  fo  au$  ber  ©taube  eines  gottfeltgen  SD^enfc^en*  (£r  mug 

immer  etwas  3U  tpun  l)aben,  was  ber  Siebe  ©otteS  unb  beS 

!ftäci$en  angemeffen  i%  unb  er  jjätt  ben  £ag  für  verloren,  an 

welchem  er  feine  ©elegenljeit  Jjat,  ©uteS  au  t^un*  @?r  pält  ftdj 

nie  für  fo  gut  unb  fromm,  bag  er  nidjt  ftetS  auf  wa£re  33effe* 

rung  Ubafyt  fepn  follte*    2)er  äugere  2Eßenfc$  fann  in  biefem 

2eben  bie  £ö£e  feines  2Öact)St{mmS  erreichen,  aber  ber  innere 

Sttenfct)  nidjt;  barum  fudjt  er  immer  vollfommener  au  werben, 

— -  Sttitfrin  folgt  auc$  barauS,  bagber  wal)re  (S£riji  feinem  ©ott 

ntdtf  bloS  eine  3^tlang  bient,  unb  ft$  atSbann  ntcr)t  weiter  um 

tpn  befümmert;    benn  wtö  für  ein  ©otteebtenj*  wäre  baS? 

<£r  txafytet  vielmehr  barnac$,   bag  er  fein  (Sjmßentfmm  vor 

©Ott  unb  ben  Sftenfcfjen  öffentlich,  wie  in  ber  ßrinfamfeit,  aet* 

gen  möge*    3war  fann  eS  gefdjejjen,  baß  audj  ber  gromme 

fejirttunb  fünbigt;  aber  t>a$  fann  i£m  nie  gleichgültig  fe^n,  ob 

er  £eute  Uitytt  unb  morgen  wieber  fünbigt,  unb  in  feinem 

gotttofen  Sßefen  fortfährt  v(£r  weig  woljl,  baß  ber  ©tanb  ber 

©nabe  unb  beS  3orn$  nidjt  verwec^felt  werben  barf ,  unb  bag 

man  mc$t  balb  in  biefem,  balb  in  jenem  fepn  fann.  dv  weig, 

bag  ©Ott  jt$  nic|t  fpotten  lägt;  barum  lebt  er  x>orftct)tig  unb 

be^utfam ,  fämpft  unb  ringt  mit  ftc$  felbj*  unb  ber  Seit,  unb 

trautet  barnadj,  bag  er  atteaeit  inber _©emeinfc$aft3efu  grifft 


601 


unb  in  ber  ©nabe  be$  &öo)jten  erfimbett  werben  unb  ein  ge* 
porfame$  $mb  feineä  fummlifa)en  SSater^  bleiben  möge,  — 
prüfen  fta)  nun  bie  (£prifkn  unferer  £age  naa)  biefem  allem, 
wie  mögen  fte  bepei^en  ?  2la) ,  wie  Sßenige  paben  ein  befMnbi* 
ge$,  per$lia)e£  Verlangen,  ©uteS  p  tpun!  ©ringen  nia)t  bie 
Reiften  ben  ganzen  £ag  mit  irbifepen  ©efopaften,  mit  eitlem 
©efa)wä§  ober  in  fünblicpen  £üften  pin,  unb  wenn  fte  fatt  fi'nb, 
fo  legen  fte  fta)  $ur  D^upe,  unb  f Olafen  fanft,  ob  fte  gleia)  an 
©Ott  unb  an  baS  Gtijrifientpum  wenig  gebaut  paben  unb  auf 
W  (Stimme  ipreS  ©ewiffenS  nia)t  Wörtern  ©ie  ftnb  ber  WleU 
nung,  bloS  am  Sonntag,  in  ber  $ira)e,  muffe  man  fta)  in  ber@ott* 
feligf  eit  üben,  bie  ^rebtgt  pören  unb  fta)  naopper  einige  ©tun* 
ben  (litt  unb  rupig  tterpalten,  wenn  man  baneben  alle  SBiertel* 
jiapre  pt  23eia)te  unb  $um  peiligen  2lbenbmapl  gepe,  fo  pabe 
man  ba£  ©einige  getpan  unb  bürfe  in  ^tn  alten  ©ünben  unb 
©ewopnljeiten  fortfahren»  2)arum  aber  fümmern  fte  fta)  nicpt, 
ob  fte  in  iprem  (Sprijkntpum  ab  *  ober  aunepmen ,  ob  fte  ba$ 
Söort  ©otteS  mit  2lnbaä)t  unb  mit  9cu£en  pören,  ob  fte  baS 
peilige  Slbenbmapl  würbig  genießen  unb  baraus  neue  Gräfte 
gu  allem  ©uten  fammeln?  3n  biefem  3uf*anbe  bleiben  fte 
aua),  hi$  ipr  (£nbe  fommt,  unb  bann  ftellen  fte  fta;  wieber  an* 
bäcptig  unb  fromm,  aber  meiften3  nur  au$  gurcpt  sor  ber£ölte, 
unb  e$  ift  $u  befürchten,  baß  ipr  £er$  un^eränbert  Udht,  unb 
baß  fte  mit  großer  ©efapr  iprer  Seele  abfa)eibem  —  £)amit 
will  ia)  aber  ba$  @priftentpum  unb  Uc  ©ottfeligfeit  ber  dm 
faltigen  nicpt  *>eraa)ten,  unb  ia)  Uttt  atlebiejienigen,  welopebie* 
fe$  lefen,  inftänbig  sor©ott,  baß  fte  Ja  nid)t  glauben,  al3  wollte 
ia)  badeten  au3  ben  33üa)ern,  t>a$  iftrcpengepen,  ba3  53eta)* 
ten,  ben  ©enuß  be3  peiligen  2ibenbmapl3  u*  f»  w»  tferfpotten* 
2)a$  fet>  ferne ;  gewiß  werben  alle  fromme  Seelen,  bie  e£  auf* 
ria)tig  mit  ©Ott  unb  feiner  $ira)e  meinen,  erlernten,  wie  nö* 
tpig  in  unfern  £agen  fola)e  23orjkllttngen  ftnb*  2öir  muffen 
bie  SBelt  überzeugen,  ^  e£  tpr  mit  bem  Gtpriftentpum  hin 
rea)ter  ßrrnft,  baß  ipr  33eten,  tj>r  33eia)ten,  ^irepengepen  £eu* 
a)elei  fe#  unb  ©ott  nid)t  gefalle,  unb  fte  aua)  niä)t  in  ben  £im* 
tnel  bringen  fönne*  —  3$  $weifle  nia)t,  baß  2ttana)e,  bie  biefe 
Sa)rift  lefen ,  unb  ipren  Snpalt  genau  erwägen,  fta)  bason 


602 


übeqeugen  werben,  bag  baS  wapre  Gtjmfientjjum  fo  befcpaffen 
fepn  muffe,  wie  tcfj  eS  pter  nacp  Gräften  barftettte,  unb  bag  icp 
darüber  eper  au  viel,  a(S  au  wenig  gefdjrieben  pabe.  SBerglei* 
<§en  fte  biefe  SBefcpreibung  eines  göttlichen  Gebens  mit  bem  2e* 
Ben  ber  heutigen  SBelt,  fo  werben  fte  fap  nicpt  wiffen,  wo  jte 
Triften  unter  (griffen  ftnben  follen.  23or  Sttenfcfjett  awar  jtnb 
fte  »erborgen,  bocp  ©ott  fennt  fte»  greilicp  werben  23iele,  bie 
ftd)  für  bie  33ejien  palten,  einfl  am  £age  beS  ©ericptS  »erwerf* 
lify  erfunben  werben* 

Darum,  geliebte  (griffen ,  überleget  biefe  $5rebtgt  wopt. 
33ietteid>t  paben  eucp  einige  55rebigtett  in  bem  »orpergejjenben 
Steile  gefallen,  unb  wenn  euer  ©taube  lauter  unb  aufrichtig 
tffc,  fo  wirb  audj  biefe  euren  Beifall  ftnben,  —  203er  an  djjriffco 
£l)eil  paben,  unb  burcp  3£n  feiig  werben  will,  ber^mug  burdj 
einen  wahren,  lebenbigen  ©lauben  mit  3pm  »ereinigt  werben. 
2ßer  aber  mit  (Sprißo  »erbunben  ift,  ber  mug  feine  ©erneut* 
fdjaft  burcp  ein  gottfeligeS  £eben,  burcp  £tebe,  $eufd#ett, 
SEßägigf  eit,  ©anftmutp  unb  Demutp  tfig>tti.  Denn  wo  ftcp  bie 
grüd;te  Gtprijh'  unb  ©eines  ©eißeg  nicpt  ftnben,  tok  fannGipri* 
jhtS  felbft  unb  fein  ©eifi  ba  au  ftnben  fe^n  ?  SBte  fann  ba  ein 
$iä)t  feipn,  wo  SllleS  ftnfier,  ein  geuer,  wo  2llleS  falt  iß,  unb 
ba  ein  £eben,  wo  ade  3ci$en  beS  £ebenS  gänalidj  »erfcpwun* 
ben  fmb?  Erinnert  eucp  an  bie  Sßorte  beS  GrrlöferS,  bie  (Ev 
bem  23ifcpof  au  ©arbeS  fagen  lieg:  „Dupaftbenftamen, 
bag  bulebfi  unb  bift  tobt/'  2lucp  wir  paben  eine  folcpe 
Sößarnung  nötpig,  unb  ob  wir  gleich  unS  bieder  für  gute  (EpxU 
fien  gelten,  unb  aucp  »on2lnbem  bafür  gepalten  würben,  fo 
£ält  unS  bocp  »tettetcpt  3efuS,  ber  £er$en  unb  Vieren  prüft, 
ntdjt  bafür.  2Q3aS  jnfft  eS  uns,  bag  wir  uns  felbfl  fdjmeidjeln 
unb  ©efallen  an  uns  ftnben,  wenn  wir  3pm  nic$t  gefallen? 
2BaS  nü§t  eS,  bag  wir  uns  fo  ben  £immel  »erfprecpen,  wenn 
@r  uns  in  bie  £ölle  »erweifet?  ©epet  alfo,  meine  ©eliebten, 
t>k  33ef$reibung  beS  göttlichen  unb  peiligen  Gebens  nodj  ein* 
mal  burdj  unb  vergleichet  baffelbe  mit  bem  eurigen,  fo  werbet 
u)r  ftnben,  was  3pr  au  tpun  pabt,  fpäter  möchte  eS  nimmer 
möglich  fepn ;  benn  wir  jtnb  auf  bemSöege,  ber  uns  aur  (Ewig* 
feit  füprt,  unb  »ielleidjt  gefjt  er  au  <£nbe,  epe  wir  eS  meinen. 


603 


3#r  rühmet  eua)  (griffen  $u  fes^n;  wol)l  — to)  jjatte  eua) 
felbft  au3  t^rtplt^er  £tebe  bafür!  Slttein  ^etget  mir  aua),  bag 
t£r  e£  fe$b!  ©e^b  i£r  ßprtften,  wo  ifl  t>a$  göttliche,  peilige 
unb  a)rift(ia)e  £eben;  wo  i(l  ba$  wiebergeborene  £er£,  wo  bie 
tteue  Kreatur  ? — 2$on  ber  a)rifUta)en  ©emeinbe  $u  2lnttoa)ia  wirb 
er$äj?It,  bag  Bamako,  ber  tton  ben  HpofMn  bafjm  gefanbt 
würbe,  bte  ©nabe  ©otteS  mit  greuben  an  tj)r  wahrgenommen 
pabe,  Raffet  mia)  aua)  bte  ©nabe  ©otteö ,  bie  $raft  unb  ba$ 
^eben  3efu  C^^rtftt  unb  bie  Sßirfung  beS  Imfigen  ©eifteS  an 
eua)  mit  greuben  bemerfen*  Raffet  mia)  eure  2tebe,  euer  ©e* 
bet,  eure  2lnbaa)t,  euer  Verlangen,  euren  @tfer,  euren  $ampf 
mit  ber  ©ünbe  unb  ber  böfenSSett  feljen,  geiget  mir  euregreu* 
bigfett  unb  2Mtgf  eit,  ©Ott  au  btenen,  euren  gfeig  in  ber  ©Ott* 
fetigfeit*  Raffet  mia)  eure  2)emut£,  ©anftmutjj,  greunblia)* 
ttit,  TOIbe,  23erfo{mlia)feit,  $eufa)ijeit,  SDcägigfeit,  ©enügfam* 
tat,  2Iufriä)tigfett,  Sßajn'jjeit,  eure  23eraa)tung  ber  SOSeU,  unb 
euer  Verlangen  naa)  bem  $imme(  fejjen*  —  3£*  rühmet  eua), 
dfmjn"  Sünger  ju  fe^n,  aber  wo  iffc  ba$  $reu$  (grifft  unb  feine 
9taä)folge  ?  3j)r  rühmet  eua)  te^  ©laubenö ;  aber  wo  ftnb  bie 
grüa)te  beffelben?  3a)  fe^e  woljl,  bag  i£r  sur  $tra)e  ge£et, 
unb  bte  ?5rebigt  anhöret;  aber  ta)  möa)te  wtffen,  wie  iljrnaa) 
bem  angehörten  SÖort  euer  £eben  einrichtet?  3a;  fepe,  bag  tpr 
anbäa)t:g  beta)tet;  aber  fagt,  ob  iijr  e$  aua)  mit  bugfertigem 
£er$en  tpnt,  unb  mit  bem  ernftfia)en  23orfa$,  nia)t  mepr  ju 
fünbigen,  ^etmge^et?  3a)  fepe,  bag  ipr  bag  Zeitige  Slbenbma^ 
empfafjet;  iä)  feije  aber  aua),  ba|  ifjr  eua)  nia)t  bejfert,  wie 
t£r  sor  fünf,  $el)n  unb  $wan$tg  3a£ren  wäret,  fo  fe^b  i£r  noa); 
i£r  maa)tet  eua)  bamats  über  bte  £runfenj?eit,  über  ba$  gtu* 
a)en,  3anfen,  Unrea)t  £j?un  ?c,  :c*  fein  ©ewiffen,  unb  fo  iffc  e$ 
noa%  Söoran  feplt  es?  ©ewig  nia)t  an  3efu  Ctfmfto,  beffen 
Cetb  unb  53Iut  ipx  empfapet;  benn  er  t(i  lauter  £eben,  ©tiji, 
Äraft,  £tebe,  ©erea)tigfett  :c.  &,,  ba£er  mug  e$  an  eua)  fe^ 
lern  ($$  ift  $u  befüra)ten,  bag  ü)r  bie  Steife  be$  £eben$  gum 
Stöbe  empfa^et,  weitman  feine  ^Befferung  bei  eua)  wahrnimmt— 
£>er  5lüope($auIu^  fagt  in  bem  erjien$3rief  an  bie^orint^ier : 
wenn  ein  Ungläubiger  in  bie  oerfammelte  ä)rifilia)e  ©emeinbe 
fäme,  unb  5ltle  bort  weijfagen  ober  ©otteö  Sort  erflären  unb 


604 


mit  greubigfett  Bezeugen  würben,  welclje  ©ewißljeit  bte  fyxip 
ftdje  £eljre  pabt,  unb  n>te  matt  naa)  berfelben  (Sott  in  £eilig* 
fett  unb  ©eredjttgfeit  bienen  muffe,  fo  würbe  Setter  t>on  Sitten 
übeqeugt  werben,  bafj  jte  bte  2Ba£rf?eit  reben,  aua;  würbe  il?m 
gezeigt,  xoit  er  mit  all  feinem  ££un  sor  ©Ott  tterwerflta;  fep* 
£)abura)  werbe  baS  Verborgene  feines  £er$enS  offenbar  wer* 
ben,  er  werbe  fta)  getroffen  füllen  unb  fonne  jta;  nic^t  entfjal* 
ien,  auf  fein  Slngeftdjt  niebequfallen,  ©ott  anzubeten  unb  $u 
befennen,  baj?  ©Ott  waljrljaftig  in  tjjnen  fep/'-  (£ben  fo  fodte  eS 
Jjeut  $u  £age  noa)  oei  uns  (griffen  fepn,  wenn  ein  Ungläubi* 
ger  in  unfere  Söerfammlung  tarne,  follte  er  an  unferer  Sin* 
baa)t,  an  unferem  ©ebet,  an  unferem  £obe  beS  göttlichen  9ta* 
mens,  an  unferer  ©ttfle  unb  (£ljrfura)t,  fur$  an  unferem  gan< 
gen  ©otteSbienft  fta)  ergoßen  tonnen,  bamit  er  ber  a)riftlia)en 
Cepre  ^Beifall  fdjenfen  mügte,  3noörberft  aber  follte  ber  2Ban* 
bei  aller  (Sjmjien  aua)  augerijalfc  ber  $tra)e  fo  befa)affen  fepn, 
baß  Reiben,  Suben  unb  dürfen  baburä)  überzeugt  würben,  baf? 
©Ott  wirffia)  in  unS  fep,  allenthalben  follte  jta)  bie£iebe  @ot* 
teS  unb  beS  9Ma)jten,  greunblitt)feit,  2)emutfj,  ©anftmutp, 
$eufa)£ett  an  uns  geigen,  wir  follten  opne  £abel  unb  (auter, 
als  ©otteS  ^tnber  unjfräflta)  fepn  mitten  unter  bem  *>erfe£r* 
ten  ©efa)lea)te*  (£S  follte  »on  uns  Reifen,  wie  3efuS  fagt : 
„SS er  mia)  ftejM,  ber  fieljt  ben  Vater/'  2Öer  einen 
(Sfjrijten  fte|t>  ber  follte  in  tj?m  baS  waljre  (£benbilb  feines  £ei* 
lanbeS  feljem  Slllein ,  wotrin  tfi  eS  mit  uns  gefommen  ?  9ttüf* 
fen  wir  nia)t  gefteljen,  ba$  fia)  fein  Votf  auf  Gfrben  mit  fo  *>ie* 
Jen  ©ünben  beflecft  fyat  als  bte  Triften?  SSir  ftnb  t>m  $ü* 
ben  $um  Slnjbg,  ben  dürfen  jum  Slergernig,  ben  3"ben  ^um 
©pott  geworben,  unb  unfertwegen  wirb  ber  9tame  beS  £erm 
unter  i^nen  gelagert  —  33efonberS  befa)impften  bte  ©panier  ij>r 
(5^:iftent^um  bura)  tyv  betragen  in  ber  neuen  23elt  unb  bie 
©eftt)ia)tf a)reiber  tonnen  bie©reuel,  wela)e  biefelben  unter 
ben  Ureinwohnern  t>on  Slmertfa  ausgeübt  l?aben,  nta)t  fa)retf* 
fta)  genug  fa)itbern»  ©ie  nannten  fta)  ^inber  beS  großen  ©ot* 
teS,  ber  jte  31t  ü)rem  heften  über  baS  Wim  jjergefanbt  £abe* 
211S  aber  baS  arme  Volf  bie  Styrannei  unb  Unbarmperaigfeit, 
ben  ©et$,  bie  Ungerea)tigfeit  unb  Unfeufa)peit  biefer  gremb* 


605 


linge  fal),  fpraa)en  fte  unter  einanber:  m$  muß  ba3  für  em 
®ott  fe^n,  welker  fola)e  böfe  $inber  pat,  wer  wollte  an  ben* 
felben  glauben?  Unb  fo  würbe  ber  gute  ©Ott  um  fetner  böfen 
$inber  bitten  verfpottet*  —  (Eben  fo  gejj>t  e$  \t%t  noa)  mitten 
unter  ben  (£imßen  ^u,  unb  3efu3  (£I)rifhj$  muß  fta)  um  feiner 
fa)limmen  2tm)änger  willen  von  Reiben,  3uben  unb  dürfen 
t>er(äftern  laffem  2lber  welje  benen,  wela)e  bura)  tjjr  gottlofeä 
Sßefen  t>k  Ungläubigen  ärgern  unb  fte  vom  ©laufen  ab!)al* 
tm  l  &  wäreifmen  Keffer,  baß  fte  nie  geboren  wären*  £),  bafj 
wir  boa)  einmal  llug  werben  unb  anfangen  motten,  uns  ernfk 
lia)  ^u  befleißigen ,  baf  wir  bura)  einen  ^eiligen  SGSanbel  bte 
Srrenben,  bie  Unbußferttgen  unb  Ungläubigen  gewinnen  unb 
CHjrijto  sufüfjren  motten !  —  Wieviel  bied)ri(tlia)e?iebeunb  an 
guteö  betragen  gegen  2lnber3benf  enbe  vermag ,  ba£  le^rt  bte 
©efa)ia)te  von  ber  23efel?rung  be£  $aa)omiuS,  ber  fta)  naa)ljer 
att  TOna)  in  Sleg^ten  fo  berühmt  maa)te»  ßfr  war  von  ©e* 
burt  ein  fytät,  unb  würbe  aU  Jüngling  wiber  Sßillen  unter 
baS  £eer  genommen,  ba6  man  wiber  ben  $aifer  Gtonjiantin  ge* 
ruftet  Datte*  211S  er  mit  feinen  ^ameraben  auf  bem  $leer  war, 
wo  e$  il^nett  fe|>r  übel  ging,  lanbeten  fte  an  einem  Orte,  wo 
(griffen  wohnten.  Dtefe  Ratten  TOtleiben  mit  t£rer£age,  tyatm 
ben  ©olbaten  viel  ©ute$  unb  brauten  tpnen  willig,  wa$  äutjjrer 
Grrquttfung  bleute*  darüber  wunberte  fta)  $aa)omiu$  fe£r,  unb 
als  er  erfuhr,  bafi  biefe  £eute  d^riften  fepen,  bie  fta)  gegen 3e* 
bermann ,  befonberö  aber  gegen  grembe,  mitleibig  ju  bezeugen 
pflegten,  wünfa)te  er  ben  ä)riftlia)en  ©lauben  fennen  $u  lernen, 
t!)at  aud)  ein©elübbe,  baß  er  benfelben  annehmen  wolle,  wenn 
©Ott  tyn  von  feinem  (£lenb  befreie*  (£r  Ijielt  fein  $erfprea)en 
unb  führte  naa)per  an  gottfeligeö  Gebern  @elj>et,  wa£  tk  a)rift* 
lia)e  35armJ)  entgleit  tfjun  fann,  unb  bebenfet,  was  man  von  ei* 
nem  allgemeinen,  rea)tfa)affenen,  a)riftlia)en  28anbel  ju  hoffen 
'pätte.  —  ©Ott),  ia)  fjalte  mitt)  M  biefem  wichtigen  ©egenftanb 
länger  auf,  aU  ia)  mir  vorgenommen  fyattt.  £)enn  ta)  moa)te 
Willem  aufbieten,  um  bie  ©ottlojtgfcit  vieler  (£l)rijkn  auf^ubetfen 
unb  fte  wegen  if)re$  ärgerlichen  Söanbelö  $u  befa)ämem  —  <£$ 
i(i  fein  SDtenftt)  auf  (Erben,  auf  welchen  ©Ott  fo  viel  verwenbet 
fyat,  als  auf  ben  Triften,  aber  e$  setgt  fta)  aua)  ^iemanb 


606 


unbanfbarer  unb  ungejjorfamer  aföbiefer*  25af)er  fejjetwopt$u, 
tt>te  eS  um  eua)  fiepe,  ob  ifjr  bloS  (£jjrifien  Reißet,  ober  e$  aua) 
wirflia)  fepb?  prüfet  eua),  ob  euer  ©laube  eine  leere  (£inbil* 
bung  fe$,  ober  ob  $r  feine  $raft  im  $eqen  pabet?  3a)  Um 
eua)  um  ber  Sßunben  3efu  Witten,  ber  eure  ©eele  fo  tljeuer  er* 
lauft  Jat ,  begnüget  eua)  niä)t  mit  bem  äußerlichen  ©otteS* 
bienfte,  mit  bem  bloßen  £ören  be$  2öorte$,  mit  bem  gewoljnli* 
ä)en  ©enuffe  be3  fettigen  2lbenbmaljl$ ,  wetd^e^  opne  reä)t* 
fa)affene  33uße,  opne  2lnbaa)t,  opne  ©tauben  unb  gute^orfäge 
gefa)iel)k  ©e^b  nia)t  aufrieben  mit  einem  ehrbaren  SBanbet, 
wobura)  ipr  bto$  *>or  ber  Seit  unfträflia)  fe^b ;  fonbem  beben* 
fet,  baß  ©ott,  ber  bergen  unb  Vieren  prüft,  eua)  ria)ten  wirb 
nia)t  naa)  9ttenfa)enwapn  unb  eigenem  ©utbünfen ,  fonbem 
naa)  bem  ©runbe  eures  ^er^en^  £raa)tet  mit  33eten  unb 
glepen  Sag  unb  9taa)t,  mit  fingen  unb  kämpfen,  mit  allen 
Gräften  $tiU$  unb  ber  @eele  barnaa),  baß  if>r  eine  neue  (£rea* 
tur  in  (£prifto  werbet,  unb  eua)  bura)  einen  peiligen  Söanbel 
von  ber  SBett  abfonbert*  Raffet  eua)  bura;  9tta)t3  bason  abpat* 
ten,  benn  t$  gilt  euer  ewiges  $t\i,  ober  eure  ewige  Serbamm* 
niß*  ©cpiebet  aua)  bie  ©aa)e  nta)t  auf;  benn  ipr  wiffet  nicpt, 
wie  lange  ipr  noa)  3^it  pabt,  e$  fönnte  leia)t  ju  fpät  fepn*  — 
©aget  mir  $um  33efä)luß,  waS  ipr  $u  tpun  entfcptoffen  fe^b  ? 
SQSoJrm  neigt  fia)  euer  £er$,  $u  (£prifto  ober  ju  ber  SOSelt  ?  Sßot* 
let  ipr  eua)  üben  in  ber  ©ottfeligfeit  unb  ber  Heiligung  naa)* 
jagen,  ober  nid)t?  antwortet  t>or  ©ott  in  euren  £er$en,  unb 
entfcpließet  eua)  fo,  baß  e$  eua)  in  ber  legten  ©tunbe  unb  in 
(£wigf eit  nia)t  gereuen  möge*  2)enen,  weta)e  fia)  $um  ©Uten 
entfa)lteßen,  wünfa)e  ia)  bie  ©nabe  ©otteS,  bie  $raft  beS 
£errn  3efu  (Sprijtt  unb  bie  ©emeinfa)aft  be$  peiligen  ©eifteS, 
^)enen  aber,  wetcpe  biefeS  Mzä  gering  fcpägen,  serfünbige  ia) 
©otte$  Ungnabe,  £rübfal  unb  Slngjl  in  (£wigfeit*  3a)  be$euge 
fcor  ©ott  unb  ben  9ttenfa)en,  *>or  Fimmel  unb  (£rbe,  baß  ia) 
eua)  Men  unb  £ob  sorgefMt  pabe,  unb  baß  ipr  beßwegen 
t>a$  £eben  erwählen  follet  —  5la),  3efu!  Qib,toa$*u  be* 
fiept)!,  unb  beftept,  m$  bu  wtltffc ;  deinem  -Kamen  fe?  (£pre  in 
^wigfeit!  Sfatfm 


607 


©ritte  spre&iö*. 

$  o  n  ben  Mitteln  3  u  r  U  e  b  u  n  g  in  ber  ®otU 
f  e  H  g  t  e  1 *♦ 

1»  £ün  4,  7.    Uefre  bf#  feftft  in  fcer  ©öttfeligfeit. 


(£  i  n  3  a  n  g* 
Sm  Flamen  Sefu!  2ftnetn 

„SSort  bem  £age  Sopannt^  be$  £äufer£  bt$ 
pieljer  leibet  ba$  £immelreid)  ©ewalt,  unb  bie 
Gewalt  tijun,  bte  reißen  e$  §u  fid)"  ft>rta)t  ber  (£r* 
lofer,  unb  an  einer  anbern  ©teile:  „SDaä  S^ei^  ©otte^ 
wirb  bura)3  <£*>angelium  geprebigt,  unb  Seber^ 
mann  bringt  mit  ®ew alt  Ijinein/'  23etraa)ten  wir  ben 
3ufammen^ang  btefer  ©teilen  genauer,  fo  fann  uns  ber  ©um 
berfelben  nia)t  fdjwer  fallen*  2)er  £etlanb  will  fagen:  @ott 
Jwfee  bura)  3o|>anne^ ,  ben  Käufer ,  aU  ben  erflen  grieben$* 
S5oten  ba$  gnäbtge  3^/  *>on  bem  3efaiaö  ftrtä)t,  anfunbigen 
(äffen,  unb  Ijabe  babura;,  baß  <£x  ©einen  etngebornen  ©ofm, 
al$  bte  gülle  ber  @nabe,  aunäajfl:  bem  j[übtfa;en  SSolfe  unb  bann 
ber  ganzen  Söelt  anbieten  lieg,  bte  £Jmre  be£  $immU  weit 
aufgetfjam  3Bie  nun  bte  3^ttner  unb  ©ünber  unb  anbere  ein* 
fältige  <3ttenfa;en,  benen  man  wenig  Hoffnung  $ur  ©eligfett  ge* 
geben  jjabe,  wiber  SBermutpen  ber  $i?arifäer,  gletdjfam  mit 
©ewalt  $um  £immel  einbringen  urtb  bie  angebotene  ©nabe  in 
Gtjjrnlo  mit  bußfertigem  unb  gläubigem  £er$en  ergreifen,  fo 
werbe  e$  aua)  fpäter  geijen,  wenn  ba$  (£oangelütm  in  aller 
Seit  geprebigt  werbe*  2Utd)  bte  Reiben  werben  in  großer  Sfttenge 
unb  mit  ^eiligem  ßrtfer  $ur  greube  ber  frommen  3fraettten  $u 
(£jjrifto ,  bem  £etlanb  ber  SBelt,  jta)  brängen  unb  bie  ©eligfett 
in  3f>m  gleta)fam  mit  (Gewalt  an  fta)  reißen*  —  $?erfwürbtg 
ijt,  baß  ber  ^rlofer  in  ber  angeführten  ©teile  bte  bußfertigen 
unb  gläubigen  9ttenfa;en  ©ewalttpätige  nennt,  unb  fte 
mit  hungrigen  t>ergleta)t,  bte  fta)  ^u  bem  Drte,  wo  $rob  au$* 
geseilt  wirb,  mit  ©ewalt  Einbringen;  ober  mit  Kriegern,  bte 


608 


in  eine  eroberte  ©tabt  einbringen,  um  33eute  $u  magern  £)£ne 
3weifel  wollte  ber  £eilanb  baburc$  bte  rechte  Hrt  beö  feligma* 
djenben  ©laubenS  bejeiclmen,  —  t>a$  er  fem  leerer  ©ebanfe,  fon* 
bern  eine  mächtige  Äraft  beä  erneuerten  £er$en$  feg,  tt>etd;eö 
mit  eifrigem  Verlangen,  mit  ©euften  unb  gießen,  kämpfen 
unb  fingen  alle  £inbernifle  be$  ©atanö,  ber  SQ&elt  unb  be$ 
eigenen  gleifdjeö  überwinbet,  unb  bie  son  3efu  (££riflo  bärge* 
botene  ©nabe  ju  ergreifen  unb  be$  ewigen  £eben$  jtc$  $u  t>er* 
ftdjern  trautet  £)er  £err  bellte  anbeuten,  baß  ©eine  33e- 
fenner  nic^t  träge,  fc^läfrige,  gleichgültige  Sittenfclenfe^n  werben, 
fonbern  eifrig,  roadtfam,  ^>oö  peiliger  23egierbe,  unb  un^erbroffen 
in  ber  Uebung  ber  ©ottfeligfeit  —  ®al)er  gebrauste  ber  £ei* 
tanb  mty  bei  anbern  SBeranlaffungen  äpnli^e  2lu$brücfe,  bie 
einen  ßrifer,  gleiß  unb  ernplic^e  ^emüpung  anzeigen,  $♦  $$♦ 
„  %x  a  dj  t  et  am  erjtennac^bem  9?  ei$e©otte$,"  ferner: 
SBittzt,  fuc^et,  flopfet  anhc*  finget  bamac§,  baß 
ifyx  bur$  bie  enge  Pforte  eingebet,  bte  $um  £ebeit 
füljrt/'  SSir  f  ollen  e£  uns  atfo  fauer  werben  laffen  in  ber 
Hebung  ber  ©  ottfeltgf  eit,  wie  jene  Finger  unb  Kämpfer,  weldje 
in  ben  öffentlichen  ©ptelen  entweber  um  eine  ©jren^rone, 
ober  um  £etb  unb  2eben  gefönten  £abem  —  $uf  ä£nlm)e  SBeife 
brücfen  ft$  aufy  bie  Styojtet  au$:  „£u  ©otteö^enfe^, 
fagt  $aulu$,  jage  na$  ber  ©eredjtigfett,  ber  ©Ott* 
feltgfcit,  bem  ©tauben,  ber  £iebe,  ber  ©ebulb, 
ber  © anf tm utjj ;  f  ämpf eben  gut en^ampfbeä® lau* 
benäic*  ©Raffet,  baß  ijjr  fe Hg  werbe t:c.  ©epb  ftarf 
tnbem£errnunb  inb er $fl a $t© einer ©tärfeu:/' Unb 
^etruS:  „S&affnet  eu$  mit  bem  ©inn  be$  für  un$ 
leibenben  GErlöferS  :c*  SÖSenbet  allen  gleiß  baran, 
t>a$  iljr  soneiner  £ugenb  pber  anbernfortfepret* 
ttt,  unb  niept  faul  nod>  unfruchtbar  in  ber<£rfennt* 
ntß  un  fere£#erm3efu  (SJmftierfunben  werbet"—- 
2)eßf>alb  fann  ify  mic°b  über  bie  große  9tocl)läßigfeit  ber  (Sjjriften 
unferer  £age  unb  über  ijjren  lauen  ©otte$btenftm$t  genug  wun* 
bem»  2)ie  Reiften  meinen,  e$  fe^  leicht  in  ben  #immel$u  f  ommen* 
©ie  glauben,  wenn  fte  bie  Süße  ipreS  gleifdjeö  lange  genug  be* 
friebigt  unb  ber  Seit  gebient  paben,  unbfottromt  bann  auf  ba$ 


609 


£obienbett,  fo  fep  eS  mit  einigen  Seufzern  unb  ein  paar„$a* 
ter  ttnfer"  ausgerichtet,  ber  Fimmel  fönnc  ilmen  nidjt 
fepfen.  — 53etrac|)tet  ben  SBßanbel  beS  großen  £aufenS,  unb  tyv 
werbet  ftnben,  ba$  bte  <8orge  um  tpre  ©eligfeit  iljre  geringfle 
tjt  £>ie  ©ottfeligfeit  ift  ijmen  9cebenfaa)e,  baS.  ©efcet  wirb  beS 
Borgens  o#ne  2lnbac$t  verrichtet,  bisweiten  fommt  au$  ein 
£inberni§  baawifajen,  unb  eS  unterbleibt  gan$.  2)er  $an$e 
£ag  wirb  ojmeljin  mit  irbifäjen  fingen  $ugefcra$t.  SSiele  ver* 
fä)eqen,  verfdjwä#en,  vertrtnfen,  verfielen  bte  Seit,  unb  iljre 
einige  ©orge  am  2lbenb  ift,  xx>k  fte  fanft  unb  rujjig  fdjlafen  unb 
ben  anbern  £ag  in  ijjrem  gewohnten  3etoertreib  fortfahren 
mögen,  „ba  benft  9Hemanb  an  bie  Sünbe,  ba  iß  fein 
SBacfjenunb  ^Beten,  feine  Jurc^t  unb  Sittern,  fein 
kämpfen  unb  Ringenic/',  vonbemboa)  bie  jjeilige  Schrift 
fo  viel  faßt*  WIm  t£ut,  als  ob  eS  fein  £tnberniß  ber  ©eltg* 
feit  gäbe,  c(S  ob  ber  fa)male  2ßeg  ganj  breit,  bie  enge  Pforte 
gan$  mit  geworben  wäre.  —  3$  erinnere  mid)  jjiebei  an  bie 
merfwürbige  Antwort,  welche  Suitpranb,  23ifa)of  von  (Ire* 
mona,  ber  vom  $aifer  Otto  !♦  an  ben  griedjifdjen  Äatfer  ftice* 
pljoruS  $£ocaS  getieft  würbe,  bem  Patriarchen  au  Gtqnftan* 
ttnopel  gab»  £>iefer  machte  nemlid?  bem  33ifa)of  $um  Vorwurf, 
baf?  bti  ben  Saufen  ber  c^riftlic^e  ©taube  gan$  neu  wäre,  unb 
baff  biefe  erfi  vor  fuqem  benfetben  angenommen  Ratten.  ZuiU 
pranb  antwortete :  „  SltterbingS  ift  bei  uns  ber  a)riftti$e  Qblauhe 
no$  neu,  was  er  au$  immer  fepn  unb  ftcf)  fietS  burd?  neue 
grüdjte  beweifen  fott,  wie  hei  unS;  aber  fner  hei  eua)  ift  ber 
©taube,  vok  ify  fepe,  alt,  Denn  er  bringt  xt>k  ein  alter,  Ijalb 
verborrfer  SBaum,  feine  grüßte  mepr/'  —  £>  i>u  rebticf>er  unb 
frommer  <SacJtfe!  fotttefi  bu  jießt  auffielen, -mit  großem  ^er^e* 
leib  tt>urbep  bu  erfahren  muffen,  ba£  ber  djriftttdje  ©laube 
auc^  bei  beinen  £anbsteuten  alt  geworben  ift,  unb  baj?  fte  tjm 
tok  einen  abgenü^ten  $Rmtel  anfeijen,  auf  ben  man  fonft  nia)t 
achtet  mb  tyn  bloS  bet  f$le$tem  SSetter  umfängt.  3d>  hin 
überzeugt,  t>a$  2Jton<$er,  ojmgeacfjtet  er  ein  (SImft  fe^n  will, 
es  für  eine  alte,  langweilige  ©age  J>ält,  wenn  man  von  ber 
$kU  ©otteS  gegen  bie  $cenfd>en,  vom  «öerbienjt  (grifft,  von 
ber  Rechtfertigung  bur$  ben  ©tauben,  von  ber  ©ottfettgfeit, 


610 


*>om  füngften  ©eriajt,  x> cm  £immel  unb  von  ber  £611e  rebet  3ct, 
SBtele  werben  gefielen  muffen,  bag  fte  nia)t  wiffen,  wa£ bag  £eige : 
„2)a$  Himmelreich  letbet©ewalt,  unb  bte © etx>alt 
tljun,  reifen  e£  ^u  fia),"  baß  fte  nie  wegen  t^rer  ©ünben 
beforgt,  nca)  um  if>re  ©eligfeit  befümmert  waren,  aua)  ©ott 
nie  um  ein  neues,  bußfertiges  £era,  um  ©laüben,  $kU,  £ojf* 
nung  angefleht  fiaben,  —  ©ie  galten  ftc^>  fdjon  für  fo  gut,  als  fte 
werben  fonnen,  unb  meinen,  fte  bürfen  fta)beߣalb  feine  ©orgen 
mdcben.  ©ie  ftepen  in  bem  SBafm,  an  (Sjmftum  ^u  glauben,  unb 
bleiben  babei,  man  mag  tjjnen  son  ber  recbten  23efc$affen£ett  be$ 
wahren  ©laubenS,  r>on  feinen  grüßten  unb  $enn$eia)en  fagen> 
was  man  will*  ©ie  aa)ten  es  nicbt,  fte  Ijaben  feine  3dt  3« 
vielem  ^orfcben,  prüfen  unb  -jftacljbenfen  über  geiftlia)e  2)ütge* 
£)ie  3ÖSod)e  Ijtnbura)  muffen  fte  weltliaje  £)inge  treiben  unb  beS 
©cnntagS,  naa)bem  fte  eine  $rebigt  angehört,  muffen  fte  fta; 
in  luftiger  ©efellfc^aft  ergoßen,  —  unb  fo  wäljret  eS  fort,  hi$ 
fte  fterben,  3n  biefer  ©iaoerjjeit  gejien  fte  f?in  bis  an  bie  Pforte, 
welche  aus  ber  &it  in  bie  @wigfeit  füfm.  —  3a)  furzte,  an 
folgen  ^enfa)en  mochte  baS  SBort  beS  frommen  fauler  in  (£r* 
füllung  gel?en:  „9D?ana)er  SÄenfa)  wäljnetgar  woljt 
baran  ^ufe^n,  unbwenneranbaSGrnbebeSSBegeS 
fommt,  fo  begegnet  iljm  ber  ewige  X o b/'  —  2)arum, 
meine  3u|förer,  laffet  fa)lafen,  fta)er  fe^n  unb  gemädjlta)  tjmn 
in  göttlichen  fingen,  wer  ba  Witt,  eua;  aber  rufe  ia>  $u,  wie 
bie  <£ngel  bem  2otlj :  „GEilet  unb  rettet  eure  ©eelen;" 
betet,  wachet,  fämpfet,  ringet,  baß  ij>r  eingebet  bura)  bit  enge 

Pforte  unb  feiig  Werbet! 9*od>  will  i$  auf  einen  (£in* 

wurf  antworten,  ben  bie  £  euerer  31t  machen  Pflegen,  inbem 
fte  fagen:  $fl an  lejjrt  uns,  baß  @lmftuS  allein  bura)  fein  tfjeureS 
331ut  uns  bie  ©eligfeit  erworben  Ijabe,  unb  boa)  forbett  man 
autb  von  uns,  baß  wir  für  unfere  ©eligfeit  arbeiten,  fämpfen 
unb  beten  fotten,  Darauf  biene  folgenbeS  ©leiefmiß:  3'n  einem 
fernen  £anbe  lebte  n'n  $?ann,  ber,  mt  Sofepf?,  baS  ©lücf  Jmtte,  au 
!>of?en  Würben  unb  großem  ^eic^t^um  $u  gelangen*  £>iefer  fyatte 
einen  armen  33ruber,  an  welchen  er  ftd)  in£iebe  erinnerte,  tjjn  $um 
$Ötftc,enoffen  fetner  Honett  unb  £errlia)f dt  erflärte,  aua)  23oten 
an  i£n  fanbte,  t>it  tym  bieg  \>erfünbigen  unb  ijw  abholen  foltten* 


611 


2>er  Hrme  naljm  baS  anerbieten  tntt  greube  an,  unb  machte  $4 
mit  ben  Slbgefanbten  auf  ben  2Beg ;  batt»  aber  würbe  er  fre$ 
unb  tro^ig,  unb  wollte  ben  Begleitern,  bie  e$  bo$  gut  mit  tjjm 
meinten,  fein  ©ejjör  me£r  f^enfem  G£r  ("Zweigte  in  alten  ©afc 
Käufern,  braute  bie  3ett  mit  ©piel  unb  Müßiggang  f>in,  ge* 
feilte  ftd)  au  allerlei  iüberlid;en  beuten,  unb  fanb  me£r  greube 
an  ben  lofen  Sieben  berfelben,  als  an  ben  frommen  @efprädjen 
feiner  Begleiter*  Grr  maa)te  überall  ©djulben,  ftng  3wtf  unb 
©treit  an  unb  trieb  fein  unorbentlitt)e$  £eben  fo  mit,  baß  er 
enbtia)  in  ben  ©c(mlb*£jntrm  fam  unb  $a  lebenslänglichem  ®e* 
fängniß  verurteilt  würbe*  —  2ßaS  ift,  frage  td?,  6$ulb  baran, 
baß3enemia)t  au  bem  verheißenen  ®lücf  gelangte,  fonbern  in$ 
SBerberben  geriet^?  9tiemanb,  al$  er  felbjt  —  60  verhält 
eö  fi<$  au$  mit  bem  .O^rijientyum.  £>ie  Seligfett  if;  bur<$  (£l?rifti 
Blut  unb  £ob  erworben,  fte  wirb  un$  im  2Öorte  ©otteS  ange* 
boten  unb  in  ber  £aufe  gefa)enft  2)er  Gsrrlöfer  |>üt  unö  bie 
Mittel  an  bie  £anb  gegeben,  i>it  wir  auf  bem  2$ege  bur$  biefeS 
mühevolle  2eben  nötijig  £aben,  @r  £at  unö  vorgetrieben,  xok 
wir  uns  auf  bem  SEBege  vergalten,  unb  ben  getnben,  bie  bem 
Söopl  unferer  ©eele  naa;jtellen,  entgegen  follen  je*  293er  nun 
biefeS  auger  2l$t  lägt,  wer  bie  ©nabenmittel  veraltet,  vom 
regten  ^fab  fta;  wenbet  unb  ftd)  botfi  mit  ber  Hoffnung  fcf;mei* 
<$elt,  feiig  au  werben,  ber  fpottet  nur  be$  geregten  ©otteS,  unb 
ijjm  gefdjieljt  ntc$t  unrecht,  wenn  er  ba$  nidjt  erlangt,  wa$  er 
auf  fo  toäjtftnnige  2Ö3eife  geringfcjm^t  —  2)o$,  t$  ift  3ät,  baß 
wir  unfer  $or£aben  ausführen  unb  über  bie  Glittet  na$* 
benfen,  bur  d?  w  eifern  an  3  u  ein  em{>  eilig  enSBanbet 
gelangen  fönne*  £>ieß  wirb  uns  anfy  ©elegenjjeit  geben, 
gu  geigen,  wie  man  fta)  mit  ©ewalt  aum  £tmmelretc$  brängen 
unb  e$  gleidjfam  an  fta)  reißen  folle*  —  2)er  £err  gebe  $raft  unb 
©tärfe  aum  £e£ren,  £oren  unb  Zfyun,  um  feinet  ^amenä 
Walen!  Sintern 

2lfc£ant>tung* 

$aulu$  patte  feinen  ©epfct  £tmot|jeu$  wegen  feiner 
grömmigfeit  feljr  lieb  gewonnen, .*ja$  er  aufy  in  feinen  Briefen 
öftere  erwähnt  dx  &U  tym  bat  3tu$ni$  eine$  ungefärbten 

39* 


612 


©laubenS,  unb  fagt  flon  tfjtn  :  „bager  »on  Jugenb  auf 

bte  Zeitige  6 djrift  wiffe,  in  ben  SBorten  b es  ©lau* 

benSer^ogenworben,"  unb  immerbar  bei  b  er  guten,  £eil* 

famen  £el)re  geblieben  fep.  (£r  nennt  ü)n  feinen  „redMfdjaf* 

f en en  © o £n  im  ©lauben,  unörüjmtt:  @r  J> abc  deinen, 

terfo  gar  fetneS  ©in neSfe?,  ber  foljeralidjfürbit 

©emet'nbe  forge;  er  ljabetljm,  wie  ein  $inb  feinem 

SSater,  am  <£»angelio  gebient»"  — Obgleich  eSbemnadj 

£imot£eu$  in  ber  ©ottfeligfeit  mit  gebraut  Ijatte,  unb  t'Jmt 

o£ne  3^eifel  Söenige  gleiten,  fo  ermahnt  ijm  bo$  $5aulu$  in 

unferem  £ert:  „übe  bi$  in  ber  ©ottfeligfeit"  —  ©(je 

nur  barauS  bie  nötigen  £ef>ren  ableiten,  motten  wir  $m>or  ben 

©inn  ber  2öorte  angeben*  £)er  Slpoftel  nimmt  in  feinen  Briefen 

öfters  Dfaicffic^t  auf  bie  Leibesübungen  ber  ©necken,  M  welken 

bae  Wettlaufen  unb  fingen  fe]?r  httkht  war*  Um  bie  jungen 

$t\ite  $u  fold;en  £etbe6=Uebungen  $u  ermuntern,  fe£te  bie  Obrig* 

feit  gett>tffe  greife  au$,  unb  sert^etlte  fte  unter  geterlic^feiten 

an  bie  ©ieger,  Ueberl?aupt  waren  tyvXityt  Uebungen  im  2Ilter* 

tf?um  fejjr  gebräucr)(tcr>.   £)iefeä  nun  wenbet  ^auluS  auf  btö 

©eiftlidje  an  unb  fagt:  „Sßiffet  ijjrni^t,  ba§bte,fo 

tnben©$ranfenlaufen,  bielaufenalle,  abereiner 

erlangt  basale  in  ob;  laufet  nun  äff  0,  baf?  ipt'ö  er* 

greife  t."  —  £teljer  gehört  au$  unfer  ©prud) :  „  U  e  b  e  b  i  dj 

felbji  in  ber  ©ottfeligf  tit,"  unb  ber  Slpoftel  will,  bag 

£imotljeu3  fein  2lmt,  ja  fein  ganzes  Leben  aU  eine  ©djule, 

einen  ^ampfplag,  eine  Laufbahn  betrauten  fülle,  um  ft$  barin 

tn  ber  ©ottfeligfeit  $u  üben*  @r  follte  ftets  über  baS  Qdutt 

na^benfen,  alle  £inberniffe,  t>k  tym  ber  ©atan  unb  bie  2Belt 

in  ben  2öeg  legte,  mit  Wlufy  unb  ftreubigf  eit  überwinben,  mit 

ftd>  felbft  unb  ber  2öelt  täglich  fdmpfen,  im  ®thtt  eifrig  feyn, 

Ue  ©d)riftf>äufi;g  lefen,  ftd)  ftetö  auf  *  2ltm  aum  2)ienfte  ©otteS 

unb  beS  9td$ften  ermuntern  unb  mit  allen  Gräften  barnaa; 

trauten,  bag  er  in  ber  ©rfenntnig  beS  £errn  3efu  dljrifti,  im 

©lauben,  in  ber  %khe  ©otteS  unb  be£  9id$ften,  in  ber  ©e* 

bulb  unb  Hoffnung,  in  ber  SDemuty,  Sanftmut  j>,  ßeufö&ett  jc. 

wacbfen  unb  enblicft  baS  jummlifcbe  Stleinob,  weites  bie  gött* 

liebe  Berufung  i£m  *>or£alte,  ergreifen  unb  bason  tragen  möge. 


613 

$aulu$  fyattt  einen  bereiten  ©ruub,  wenn  er  bem  £imotl)eu$ 
fagt:  „Uebebidj  felbjt."  Einmal,  bamitbtefer  nic^tgtauben 
möge,  e$  fep  genug,  wenn  er  Wo*  auf  Slnbere  fleigig  2lcfjt 
Pate  unb  fte  gut  ©ottfeltgfeit  antreibe,  fonbern  eg  gebüpre  tym 
3unäcbjt  auf  ftc^  f erbfi  öor  allen  2lnbern  2lufjtd?t  ju  £aben. 
2)ann  wollte  er  feinen  «Scfyüler  erinnern,  baß  er  au$  in  feiner 
Slbwefenljeit  biefe  fertige  Uebung  nid?t  verfäumen,  fonbern  bie 
@abe  ©otteö,  bie  in  tfjm  fep,  erweefen,  oü>ne  Unterlag  beten, 
in  ber  ^eiligen  ©djrift  fleißig  forfcfjen  unb  feinem  fünbltctyen 
.  gletfd)  unb  S3lut  Slbbrudjj  tjmn  folle,  um  in  ber  wahren  ©Ott* 
feligf  eit  vollf  ommener  $u  werben.  2)tefü  gibt  un$  Slnlaf?  „  x>  o n 
ber  Uebung  in  b er  ©  ottf eligf eit," unb  von  ben Mitteln, 
welche  (te  beförbern  fönnen,  ausführlicher  $u  reben.  —  2Beil 
alfo,  wie  wir  oben  gefepen  £aben,  ber  Styoftel  feinen  frommen 
©djüler  „jur  bejtänbigen  Uebung  in  ber  ©ottfelig* 
fett  ermuntert",  fo  ergibt  ft$  von  felbjt  bie  erfte  Regelt 

1)  „9ttemanb  glaube,  er  Jjabe  e$  tnfetnem@£ri* 
ßentljum  fo  xotit  gebraut,  baß  er  fetner  Uebung 
unb  23efferung  me^r  bebürfe,  vielmehr  foll  3e* 
ber  erfennen,  baf?  er  faum  angefangen  £abe,  unb 
geitlebenS  ntdjt  auslernen  fönne."  —  9tfemanb  $at 
ausgelernt;  benn  e$  gibt  tägli$  mefjr  $u  lernen*  2)aper  wirb 
ba$  @l?rißent£um  Ui  (£$ed}iel  mit  bem  Sßaffer  verglichen,  wel* 
ty$  unter  ber  <Sfy welle  beS  £empel$  peroorfloß,  unb  bur$ 
welches  ber  ^rop^et  geführt  würbe«  tiefes  reichte  t£m  juerjt 
bis  an  bie  ^nödjel,  nad$er  hi$  an  ba$  $nie,  fobann  hi$  an 
bie  ßenben,  jule^t  aber  würbe  e$  fo  tief,  baß  er  nic^t  me£r 
auf  ben  ©runb  fommen  fonnte.  —  2)ie  (£rfaj)ruttg  le£rt,  baß 
bie  bejtat  Sjmjlen  um  fo  weniger  von  jtcf>  felbjt  galten,  j[e  lein* 
ger  fte  ftd)  in  ber  ©ottfeligfeit  üben.  (£nblic$  befennen  fle,  baß 
fte  ni$t  meljr  auf  ben  ©runb  fommen  unb  ft$  auf  md)t$  (£i* 
geneS  verlaffen  fönnen,  fonbern  ftcfy  ber  ©nabe  ©otteS  in  (££rifto 
3efu  ergeben  muffen.  £>ieß  beweifen  mehrere  53eiföiele  m$  ber 
©c^rift.  2)avtb  war  ein  SEftann  na$  bem  £er$en  ©otteS,  unb 
bo$  £telt  er  jtdj  nic^t  für  fo  votlfommen,  aU  er  fepn  follte. 
3)arum  bittet  er  im  119.  $falm  «nt  ein  erneuertes,  gottfeligeS 
£er$,  bamit  er  in  finblic^em  ©e£orfam  feinem  ©Ott  bienen 


614 


möge*  „£>  ba£  mein  geben,  fprt^t  er,  beine  ^ea)te 
mit  ganzem  Ernft  juelteje*  £a£  meinen  ®ang  ge* 
wifj  fepn  in  deinem  2Borte,  unb  lag  fein  Unrecht 
über  mid)  Ijerrfc()em  3$  rufe  oon  ganaem^erjen, 
erhöre  mia),  £err,  baf?  ta)  2)eine  S^ecfjte  £atte/' 
^6enfo  feuftt -3eremta^ :  „£eile  midj,  £err,  fo  werbe 
t$  beü;  pUf  2)u  mir,  fo  iß  mir  geholfen*  25e* 
fefjre  2)u  mia;,  fo  werbe  ia)  befejjrt"  Unb  fjatte 
nie^t  bie  cljrijHiä;e  $ir$e  an  bem  Styoftel  $aufu$  einen  unser* 
gfet^lidjen  Sttann?  £)oa;  fagt  er  von  fta)  felbjt:  „3$  IjaUe 
nt^t  bafür,  baß  t^'ä  fa)on  ergriffen  fjabe,  ober 
fdjon  vonfommen  fep;  ify  j[age  iljm  aber  na$,  ob 
tdj'S  aua)  ergreifen  moa;teic»  3$  betäube  meinen 
$ttf>,  unb  be^ä^me  tj>n,  bamtt  i(|  ni$t  Slnbern 
prebtge  unb  fclbß  verwerflich  werbe*  dt  befennt, 
bafHn  iljim,  b*  u  in  feinem  gletf c^e,  ntd>t$@ute$ 
woljne,  baß  er  ba£  SÖotlen  £abe,  aber  ba$  SBoll* 
bringeniijmfeljle»  &x  f  lagt  fd^nter^It^  über  bie  Erbfünbe, 
bte  in  feinen  ©liebern  fe#,  unb  nennt  baper  feinen  Mh  einen 
4?et^  beö  £obe$,  von  bem  er  6alb  erlöst  $u  fepn  wünfcbt 
—  SOSeit  un$  nun  eben  biefer  2tyoßel  bit  Sßorte  Jjinterlaffen 
fyat:  „2öer  fidj  Idffet  bünfen,  er  wiffe  etwa$,  ber 
weiß  no$  nichts  *c*,  unb:  @o  3emanb  fid)  läffet 
bünfen,  er  fep  ettoaS,  fo  er  bo$  ni$t$  iß,  ber 
betrügt  fia)  felbft;"  fo  glaubet  m$t,  meine  lieben  Gtjm* 
ßen,  baß  ifjr  etwas  wijfet  ober  fepb,  vielmehr  MtiUt  zeitlebens 
©djüler  beS  I?  eiligen  ©eißeS  unb  bittet  täglidj  um  me£r  £itt)t, 
Erfenntntg,  Erneuerung  unb  ©ottfeligfeit  Söenn  euer  fünb* 
litytö  Steif  a)  UötcdUn  (£twa$  fepn  unb  wijfen  Witt,  fo  prüfet 
eö,  tük  einen  eingebilbeten  ©cpler,  ob  eö  aua)  ©Ott  von  gan* 
gern  ^er^en,  von  ganzer  ©eete,  unb  ben  9Ma)fien  wie  jta)  felbft, 
lieben  fonne?  prüfet  e$,  ob  ee  gelernt  f?abe  bie  ©c^maa) 
(grifft  für  £f>re,  ©eine  ^iebrigfett  für  £ol?ett,  ©eine  %x* 
mutj>  für  Sftetc^tlnmt,  ©ein  yiitytö  für  Sitten  au  Ratten,  unb 
$war  ni$t  btoS  mit  Porten,  fonbern  in  ber  Zfyat;  fo  wirb  ftdj 
fein  ©tot$  balb  legen»  £af[et  uns  barnac^  trachten ,  bafü  wir 
tägtid)  ©Ott  mit  folgern  Eifer  bienen,  als  Ratten  wir  bisher 


615 


noa)  nia)t$  getljan;  mt  benn  aua)  wirKia)  a(T  unfer  Xfywn 
gegen  bte  2ßof>ltf?aten  ©otte$  für  ma)t3  $u  fl$*M  $*  Raffet 
un$  nia)t  meinen,  bag  wir  fa)on  wa^re  (griffen  feyen,  wU 
me£r  immer  barnaa)  ftreben,  bag  wir  e$  aua)  werben  mögen. 
—  3^  fytöz  ötten  ©runb,  warum  ia)  biefe  erfte  Siegel  fo 
au3fü|>rlia)  beljanble;  weil  t>ie  große  9taa)tägigf eii  ber  (griffen 
unferer  3ett  meiftenö  barau$  entfpringt,  bag  fte  attjugut  von 
fta)  felbji  benfen  unb  fta)  fa)on  für  t>te  heften  unter  ben  £f?ri* 
jien  Rattern  —  6ie  geijen  in  bie  $tra)e,  beten,  fingen,  teilten 
unb  geniegen  ba$  fjeilige  2Ibenbmal?{,  wa$  Witt  man  weiter? 
<&ie  gleiten  einem  päglia)en  Söeibe,  ba3  fta)  im  ©piegcf  be* 
fa)aut  unb  fta)  wegen  i£re$  <5a)mutfe3  für  fa)ön  erKart  9Äöa> 
ten  wir  boa)  2ltte  bie  Sorte  unfereö  £eitanbe$,  bte  (£r  bem 
23ifa)of  von  £aobicea  treiben  lägt,  wolrt  erwägen:  „£>u 
fpria)fh  ia)  bin  reta)  unb  J?abe  gav  fati  unb  be* 
barf  ntdjts,  unb  weigejt  nta)t,  bag  bu  elenb  unb 
jämmerUa),  arm,blinbunb  blog  bijt"  —  SBirb,  xt>k 
Einige  behaupten,  unter  bem  dngä  au  £aobtcea  bie  gan^e  ©e* 
meine  btfdbfi  »erlauben ,  fo  £at  fia)  biefelbe  fctyt  fe£r  voeit 
verbreitet;  benn  bie  meinen  (Sjjriften  £aben  biefe  (£mbtfbung* 
Slua)  Cutter  beKagt  fta)  barüber ,  wenn  er  fagtt  „(£$  ergebt 
ein  erfa)retflia)e$  ©eria)t  @otte£  über  bie,  wela)e  ba$  2Bort 
im  Ueberflug  i?aben ,  f o  bag  es  jgleia)fam  bei  ifmen  #t  £aufe 
iß,  weU  fte  boa)  nia)t3  33efonbere$  tjmn,  auger  bag  Einige 
wenig  t£un,  inbem  fte  fprea)en:  3a,  wir  ljaben  nun  2löe$  unb 
bebürfen  nia)t$  me$>r."  ©o  (äffet  un$  mit  (£rnjl  bafür  Ratten, 
nia)t,  bag  wir1£  fa)on  ergriffen  £aben  ober  fa)on  vollfommen 
feigen,  fonbern,  bag  wir  e$  ergreifen  unb  vottfommen  werben 
mögen.  — 

2)  2)te  zweite  ^egelifu  £alte  ta4  @ijrij*ent$>um 
nta)t  für  au  leia)t,  aber  aua)  nta)t  füraufa)wer; 
fonbern  greife  e$im9}amen3efuan,  bann  wirb  e$ 
btr  von  £ag  au  £ag  letzter  werben.  —  &  gibt 
befanntfta)  mehrere  Sftenfajen,  wela)e  ber  ©ottfefigfeit  gerabe 
nia)t  abgeneigt  ftnb,  fta)  aber  einbüben,  bie  Uebung  berfelben 
fe^  fo  fa)wer,  bag  fte  fta)  fa)euen,  einen  Anfang  barin  ^n  ma- 
a)en.  Einige  nemlia)  entfa)ulbigen  fta)  mit  ifjren  böfen  ©ewopn^ 


616 


fetten  ober  mit  ijjrer  Neigung  %\x  btefer  ober  jener  ©ünbe,  unb 
glauben,  fte  fönnen  baoon  nia)t  lajfen;  SInbere  nehmen  iljren 
<5tanb  unb  ipren  33eruf  ^um  SBorwanb  unb  meinen,  btefer  ver* 
trage  fta)  nia)t  mit  ü)rer  ©orge  für  t>a$  <S£rtffent$unu  9toa) 
Slnbere  entfa)ulbigen  fta)  mit  ifjrer  (Einfalt  unb  Unwiffeiü)eit, 
unb  wähnen,  ©Ott  muffe  mit  ü)nen  aufrieben  fe^n  ic.  —  Slliein, 
wenn  wir  erwägen,  bag  eö  jta)  Ijrier  um  bie  ewige  ©eltgfeit, 
ober  um  bie  ewige  SSerbammnig  fjanbelt,  fo  werben  wir  niä)t 
an  folc^e  <£ntfa)ttlbigungen  benfen.  Denn  wo$u  biefe  2UtSre* 
ben;  werben  Je  uns  aua)  vor  ber  Spotte  bewahren  tonnen?  — 
Die  TOnn^;  wela)f  $um  großen  5lbenbmafjl  gelaben  waren, 
fagten  nif^wfr  wollen  nta)t  fommen,  fonbern:  „3$  fr*t*e 
Dt$,  entfa)ulbige  mia),  ia)  fann  nia)t  fommem" 
Dennoa)  $>kp  e$  von  ijjnen:  ,,3a)  fage  eua),  baß  deiner 
»on  i£nen  mein  Slbenbmajjl  fä)metfen  wirb/'  — 
2Btr  wiffen  aua) ,  bafj  vtö  Gtlmßentpum  unb  bie  waf>re  ©Ott* 
feligfett  an  fta)  niä)t  fdjwer  ijt;  benn  ber  £etlanb  felbft  fagt: 
„SDlein  3oa)  ififanft,  unb  meine  Safi  ifUeiä)*;"  unb 
ber  £tebfing6j[ünger  bezeugt,  baß  feine  ©ebote  nia)t  fa)wer  fe^en, 
bie  £auptfumme  berfelben  fep  bie  ^teBe*  2Ba$  tji  aber  füger, 
unb  alfo  aua)  leia)ter,  al$  lieben?  £ag,  3orn,  3cinf  unb 
gembfa)aft  ftnb  bitter  unb  fä)wer,  bie  ^tebe  aber  ijt  ein  fanfteä 
3oa)*  —  Der  £err  pat  un$  jwar  geboten,  wir  follen  un$ 
felbß  verläugnen,  ber  2Belt  abßerbenjc*;  ba$  £ai  ben  <3a)ein, 
aU  wenn  c$  fa)wer  wäre,  eö  ifi  aber  bem  nia)t  fo;  benn  wir 
werben  ja  auf  ©Ott  jnngewiefen,  3N  faß™  wir  un$  ^ott 
#er$en  ergeben,  ©einen  Sitten  sottbringen  unb  bem  £immf( 
leben.  2öa$  ijt  aber  angenehmer  unb  leia)ter  al$  mit  fttttem, 
ruljigem  £er$en  in  ©Ott  ruljen  unb  feiner  väterlichen  gürforge 
verjta)ert  fe$n?  Dem  gletfa)  freilia)  fällt  ba$  fa)wer;  gleta> 
wie  ein  $nabe,  ber  an  ben  SÜtügiggang  gewöhnt  ijl,  anfangt 
wenn  er  in  bie  ©a)ule  fommt,  glaubt,  e$  gebe  nia)t$  ©a)we* 
rereg  unb  33erbrießlia)ere$  al$ba$  £efeu  unb  fernem  (Erftbura) 
Uebung  wirb  e£  i£m  letzter  unb  angenehmer,  befonberä  wenn 
er  ba$  ©üße  ber  tünjte  unb  2Biffenfa)aften  lernten  lernt,  dUn 
fo  bünft  aua)  ben  Anfängern  im  Gtyriftentljmm  2Itte3  fa)wer, 
wa$  ben  ©eübtern  leia)t  unb  angenehm  wirb*  —  Ueberbtej? 


617 


bürfen  wir  nia)t  au$  ber  2la)t  (äffen,  baß  wir  bei  unfern  Ue* 
bungen  in  ber  ©ottfeligfeit  einen  mächtigen  23etjtonb  £aben; 
benn  ©Ott  felbft  leitet  ung  wie  ein  $ater  feine  unmünbigen 
Äinber.  SefuS  maa)t  un$  mächtig,  unb  gibt  un$  (Saft  unb 
$raft,  tok  ber  Seinßocf  ben  Sfteben,  bag  wir  grüßte  bringen 
fimnen.  ©ein  ^eiliger  ©eijt  führet  un$  auf  ebener  53apn  unb 
maa)t  unS  freubtg  unb  willig,  ben  SÖitten  beS  £öa)jkn  $u  *>otl= 
bringen*  —  2Bie  aber  $wifa)en  einem  franfen  unb  fa)waa)ett 
unb  $wifa)en  einem  gefunben  unb  ftarfen  33?enfa)en  ein  groger 
Unterfa)ieb  ijt,  weil  jener  bie  Arbeit,  grojt  unb  «&t^e  nia)t 
wo£t  ertragen  fann,  fonbern  balb  matt  unb  tterbroffen  wirb, 
wäj>renb  biefer  2llleS  mit  £ufi  überwtnbet,  o£ne  ba§  e$  tyn 
dgentlta)  fauer  anfommt,  ba  er  innerlia)e  Gräfte  unb  Wlutfy 
beft^t;  fo  »erhält  eg  fta)  aua)  mit  bem  gleifa)lia)gefmnten  unb 
bem  ©ottfeligen.  Senem  fällt  SltfeS  fa)wer,  was  er  um  ©otteS 
willen  tfmn  unb  leiben  foll,  weil  er  franl  in  feinem  3nnern 
tfi;  liefern  aber,  ber  »oll  ©eift  unb  £raft  t|J,  fällt  e$  nia)t 
fa)wer,  fonbern  eS  maa)t  tjjm  greubc,  wenn  er  ©Ott  unb  bem 
91äa)ften  bienen  fann.  ©o  taflet  benn,  meine  3u£örer,  bie  din* 
btlbung  fahren,  als  wäre  es  fo  etwas  <Sa)wereS  um  bie 
©ottfeligfeit.  £>ief?  ift  bloS  eine  (£rftnbung  beS  6atanS,  um 
eua)  son  berfelben  abgalten,  fanget  baS  SSerf  im  Warnen 
3efu  an  unb  $erfua)et  es,  in  ben  SÖSegen  ©otteS  $u  wanbetn, 
fo  werbet  i£r  balb  fmben,  bafü  eua)  baS,  was  eua;  fo  fa)wer  x>or* 
fam,  in  $ur$em  gan^  teia)t  werben  wirb.  3J>r  werbet  fpäter  be* 
fennen,  baß  eS  ben  ^eltfinbernnoa)fa)wererwirb,in  bie£ö(le 
3u  rennen,  als  eua),  in  ben  Fimmel  $u  gelangen.  33ebenfet, 
wie  fie  laufen,  rennen,  fechten,  rea)ten,  eifern,  Raufen,  fa)wel* 
gen,  flua)en,  fta)  unter  einanber  plagen  unb  (£iner  beS  Slnbern 
Teufel  iß;  wie  bagegen  t)ie  grommen  in  ber  <5tilte,  im  grie* 
ben,  in  ©ebulb,  Hoffnung,  ?iebe  unb  6anftmut£  2llleS  fyun 
unb  leiben.  Unb  ^wenn  tpnen  aua)  bisweilen  bie  5lugen  über* 
geljen  ober  ber  «Schweif?  ausbricht,  fo  iß  eS  3efuS,  ber  tpnert 
ben  ©a)wet£  abwifa)t  unb  il?re  ££ränen  troefnet.  Püffen  fte 
fämpfen  unb  ringen;  ber  £eilanb  gibt  ij?nen  $raft.  9ttüj]en  fte 
auf  bem  fa)malen  Sßege  gefjen;  3efuS  |>ält  (te  bei  ber  £anb 
unb  leitet  fie.  ee§t  ifmen  Seit,  ^ö'lle  unb  Teufel  ju;  3efuS 


618 


ijHfjr  @ä)trm  unb  <5a)ilb*  „@te  überwtnben  in  Slllent 
n>eit  um  Neffen  willen,  ber  fte  geliebt  \)M" 
unb  noo)  Hebt  Unb  tt>eil  ja  boä)  gearbeitet,  gebulbet,  gerun* 
gen,  gefämpft  werben  foll,  tft  e$  nia)t  bejfer,  fola)eS  im  Dienfte 
©otteö,  als  im  Dienfte  ber  SBelt  unb  beö  (5atan$  31t  t£un? 
£),  ber  £immel,  ben  ©ott  an$  ©naben  gibt,  iji  e$  boa)  wojjl 
wertlj,  bog  man  feinetwegen  ©a)wei§  unb  ££ränen  »ergießt! 
—  (£ntfa)ulbiget  eua)  aua)  nia)t  mit  euren  böfen  ©e* 
wo^nfjeiten!  (££  ift  traurig  genug,  wenn  Triften  e$  ba£in 
fommen  laffen,  bafj  ipnen  bie  ©ünbe  ^ur  ©ewofmpcit  wirb, 
Doa)  verlieret  bef^alb  ben  Wlufy  nia)t  <£$  gibt  feine  böfe 
©ewo|mf>ett,  welä)e  nia)t  bura)  bie  $raft  3efu  @!?rtflt  unb 
beö  |«  ©eifteä  überwunben  werben  fönnte»  ^aulue  fagt  $u  ben 
@ormt£ern:  „<£tlia)e  unter  eua)  finb  £urer,  (£j>ebre* 
a)er,  Diebe,  ©einige,  £runfenbolbe,  ^öfterer 
gewefen;  aber  $|jc  fepb  abgewafä)en,  if>r  fepb 
geheiligt,  iljr  fepb  gerea)t  geworben  bura)  ben 
tarnen  be$  £errn  3efu  unb  burä)  ben  ©eijt  un= 
fereS  ©otteS/'  ©er  ßraft  3efu  (grifft  fann  felbft  ber 
Teufel  nia)t  wiberfkljen,  Der  £eilanb  fonn  burü)  ©einen  ©eiji 
fogar  bie  bergen  berer,  welä)e  einem  »erwilberten  Sltfer  glei* 
a)en,  reinigen  unb  £um  guten  $anbt  maa)em  —  (£ntfä)ulbiget 
eua)  alfo  nia)t  mit  euren  böfen  ©ewo£n!?eiten,  fonbern  eilet 
fte  abzulegen  unb  eua)  $u  befferm  3ebe  böfe  ©ewofmjjeit  i(i 
gefd|)rlia),  unb  wer  fte  für  unbebeutenb  i?äTt,  wirb  leia)t  ver* 
fiocft*  &u$  vielen  fleinen  gä>en  wirb  ein  bitfeg ,  großem  2ln* 
ferfeil,  unb  burä)  viele,  oft  wieber^olte  ©ünben  gerätl?  ber 
SDtfenfa)  in  ©iajerjjeit  unb  Safterljaftigfeit,  wela)e  i£n  ber  £öl* 
lifa)en  23erbammniß  überliefern*  2>aj?er  vatjie  ia)  eua),  unb 
mein  3^atp  fommt  aus  gutem  bergen,  fua)et  babura)  mit  ©ot* 
te3  £ülfe  von  euren  böfen  ©ewo£nf>eiten  los  $u  werben,  baß 
i^r  eua)  vornehmet,  biefelben,  eurem<5a)övfer  unb  @x* 
£  a  It  e  r  -$  u  (£  J>  r  e  n,  Grinen  £ag  $u  laffen,  2lm  ^weiten  £age 
enthaltet  eua)  berfelben  auö  %kU  $u  eurem  @rlöfer,  ber  eua) 
fo  treuer  erfauft  fyat;  am  britten  £age  tfwt  bieg  um  beS  £ei* 
ligen  ©eiftee  willen,  von  wela)em  i£r  £rojt  unb  £ülfe  in  eurer 
legten  91oti>  erwartet  —  Verwerfet  ifyx  meinen  Sftafy,  fo  fe?b 


619 


t£r  fdjon  mit  tn  ber  ©ottloftgfeit ;  fpnnet  t^r  aber  mit  £ülfe 
beä  £)reieinigen  bret  £age  opne  eure  gewohnte  ©ünben  aubrüt* 
gen,  fo  fepb  überzeugt,  bag  eö  unter  ®otte$  ©nabe  nic^t  un* 
mögtta)  fep,  biefelben  ju  überwinben  unb  fie  bei  fortgefefctem 
(£ifer  gan$  ausrotten*  —  (£ntfd;ufbiget  eua)  aua;  ntc^t  mit 
eurer  angebornen  Neigung  ju  gewtffen  ©ün* 
ben;  benn  aua)  ljier  gilt  ba£  2ßort:  „SSo  bie  ©ünbe 
mächtig  geworben  ijt,  ba  ift  t> o c^  bie  ©nabe  noa) 
t>tel  mächtiger  geworben/'  ©  o  tte$  9ittac|>t  fann  retgenbe 
Spiere  bänbigen,  bafj  fte  bie  ©einigen  ntc^t  behäbigen;  foftte 
(Beim  ©nabe  nityt  aua;  eure  9?atur  bedingen  unb  ©itt)  unter? 
würftg  maa)en  fönnen  ?  2ßa^  ba$  $fropfrei$  an  einem  toübm 
©tamm  »ermag,  baS  wirb  boä)  3efu3,  ber  bura;  ben  (&lauhm 
in  unfern  £er$en  wofmt,  aua)  an  unferer  »erberbten  -ftatur 
»ermögen?  2Bie  »iele  23eifpiefe  l?aben  wir/  baf  burcfj  bie 
©nabe  beö  £errn  3«^omige  fanftmütjng,  £arte  freunbfia), 
©einige  milbtl?ätig,  Unfeufa)e  aüa)tig,  £runfenbolbe  mäßig 
unb  nüa)tern  geworben  fi'nb !  ©reifet  nur  bie  ©acfye  mit  reo)* 
tem  Gmtji  unb  jjeqlia)em  Q^zbtt  an  unb  wiberjtrebet  bem  $ä* 
ligen  ©eift  nia)t ,  gebet  ber  ©nabe  beS  £erw  3efu  9?aum, 
galtet  eure  geiler  unb  ©ünben  nta)t  für  gering ,  fonbent 
bebenfet,  ba$  ipr  nitt)t  in  ben  Fimmel  fommen  fönnet,  wenn 
ijjr  eua)  nia)t  bura)  djmftum  erneuern  (äffet ;  bann  werbet  tj)r 
batb  erfahren,  t>a$  wir  bura)  @£riftum  Sitten  »ermögen,  unb 
mit  ©einer  £ülfe  nia)t  nur  unfere  Statur  be£errfa)en,  fonbern 
aua)  SBeft,  teufet,  £ob  unb  £ötte  un$  untertänig  maa)en*  — 
(£ben  fo  wenig  bürfet  t^r  eua)  mit  eurem  ©tanbe  unb 
euren  ©efa)äften  entfa)ulbigen ;  benn  ©ott  fyat  bura) 
©eine  ©nabe  9ttenfa)en  au3  allen  ©tänben  berufen,  erleua)tet 
unb  belehrt  £)ie  ©a)rtft  fül?rt  un$  35eifpie(e  »on  bem  £>öa)* 
pen  bi$  gum  9ft'ebrigften  an ,  unb  3eber  fann  in  berfelben 
fromme  9)?enfä)en  »on  feinet  ®Ieia)en  ftnben.  £>enn  e$  gibt 
feinen  ©tanb,  feinen  23eruf,  fein  ©efa)äft,  fein  Filter  unb 
fein  ©efö)fea)t,  mit  welchem  fia)  bie  ©ottfetigfeit  nia)t  »ertra* 
gen  f önnte.  ©ie  ift  $war  eine  Ijimmlif  a)e  unb  feltene  $flan$e ; 
aber  fie  wäa)3t  in  febem  23oben,  wo  man  (Ie  gerne  fyat  unb 
fteijng  in  %d)t  nimmt*  ©ie  buKbet  gerne  anbere  5Sfta$en  neben 


620 


ftö),  wenn  ftc  nur  bett  fta%  im  ^er^en  Behält  unb  fta;  um  t>a$ 
ävtut  C^rifii  fdjtingen  fanm  — -  3ubem  bebenfet,  tag  atte 
anbete  arbeiten  ber  Hebung  in  ber  ©ottfeligfeit  mit  9^ea)t 
nac^fiepen  muffen;  benn  nur  fte  fyat  bie  SBerljetßung  tiefet  unb 
beö  ^ufünftigen  Cebenä*  2Ba$  pilft  atfeS  kaufen  unb  kennen,  wa$ 
nü$t  e$,  bag  nur  unfer  2luSfommen  £aben,  unb  mannen  23or* 
tpett  an  un$  gtcjcn,  wenn  ba£  (£nbe  bte  SSerbammnig  ifl,  unb 
wenn  wir  2ltte$  gewonnen,  bte  @eele  aber  verloren  £aben?  — 
(£nbitä)  entfä)ufbiget  eua)  aud)  ntä)t  mit  eurer  Unwiffen^eit; 
benn  ©Ott  fyat  in  ben  erftat  3e**ten  be£  Gtijrißent£um$  niä)t 
viele  SÖeife  naa)  bem  gtetfä)  berufen,  fonbern 
wa$  tljöridjt  iffc  vor  ber  i83 ett,  baö  $at  (£r  er* 
w  ä  £  I  e  t-  — -  (£r  pat  baö  ©e^eimntf?  @eine$  9?eta)e^  b  e  n  20  e  t* 
fen  unb  klugen  verborgen,  unb  e$  ben  Unmün* 
bigen  geoffenbaret,  @:r  wäjjlte  bte  einfaajjtot  Scanner 
$u  SIpojWn,  rüftete  fte  aber  mit  ben  ©aben  fetneö  ©eiftetf  fo 
au$,  bafü  fte  alte  Sßelt  mit  ljtmmlifa;er  SQBeiSfjeit  erfüllten, 
derjenige  ijt  aum  £immetreta;  fing  unb  gelehrt  genug,  weia)er 
3efum,  ben  ©efreu^igten  fennt  unb  weif?,  wie  er  anbäa)tig 
beten ,  gottgefättig  (eben  unb  feltg  fterben  foß.  2lua>  leprt  e$ 
bte  (£rfaf?rung  atter  Seiten,  ba§  Ui  ungebttbeten ,  einfältigen 
Sttenf^en  oft  meljr  ©(aube.n^reubtgfeit,  me£r  %kht,  2lnbaa)t, 
2)emutl),  ©ottfeligfeit,  Selbfberläugmtng  unb  Verlangen  naa; 
bem  £tmmel  gefunben  wirb,  aU  bti  ©ebübeten,  bie  tyx  28iffen 
aufblaset,  unb  bie  t£r  wettfta)er  Sinn  unb  <3tol$  $u  geinben 
be$  Jfreu^eS  (grifft  maa)t, 

Sitte  $tta;engefa)ia;ten  eqäplen :  ber  berühmte  Grinftebter 
Slntomuä  l)abe  einfl  vvn  ©Ott  gu  wiffen  begehrt,  wie  weit  er 
e$  in  feinem  (££rtfkntl?um  gebracht  £abe  ?  3m  Traume  würbe 
tym  barauf  ein  ©ä)u(ler  in  ber  <StaM  Slleranbrien  genannt, 
bem  er  an  ©ottfeligfeit  gleia)  fep.  liefen  fua)te  er  auf  unb 
fragte  t{m:  welkes  feine  frommen  Hebungen  fepen?  £)er 
©a)uf*er  gab  jur  Antwort:  er  wiffe  von  nia)t$  33efonberem, 
9ttorgen$  bete  er  fleißig,  aua)  für  atte  <£inwo|mer  ber  <5tabt, 
unb  gef?e  bann  an  feine  Arbeit.  —  Grbenfo  wirb  von  einem 
Grinftebier,  ber  ein  ftrengeä  £eben  führte,  eqäljlt,  t>a$  t£m  vom 
£immelfunb  getrau  worben  fep,  in  einem  Sirt^^aufe  berl 


621 

impften  @tabt  beftnbe  fta)  eine  $?agb,  bte  e$  t£m  an  Jpeiltgfett 
tt>ctt  aiwor  tfjue*  2Ilä  er  btefelbe  auffua)te,  unb  naa)  itjrem 
Stjjun  fragte,  antwortete  fte:  fie  oerria)te  t£re  j?äuSlia)en  ©e* 
fa)äfte,  £abe  aber  bte  ©ewolmljett,  wenn  fte  £ol$  tn  bte  $üa)e 
trage,  fta)  an  £)en  $u  erinnern,  ber  nm  tyretwitten  ba£  fa)were 
Hreu$  au$  ber  ©tabtjevufalem  hi$  an  bie  <Sa)äbelf*ätte  getrau 
gen  |>abe.  Hufbieß  mußte  ber  Grinftebler  befennen,  baßbie?[ftagb 
eä  t£m  wirfIta)  $m>ortfme.  —  2lua)  $on  einem  angef  ebenen  ©e* 
lehrten  amfaiferlta)en£ofewirbgefagt,  baß  er  einft  einen  front* 
men  (Einftebler  befua)t  unb  fta)  lange  mittönt  unterhalten  fyahe. 
%U  feine  ^Begleiter  fta)  barüber  wunberten,  wie  er  mit  einem  fo 
einfachen  unb  geringen  tarnte  fo  lange  fprea)en  fönne,  er* 
wieberte  er:  glaubet  mir,  baß  ta)  gegen  biefen  SDtfann  faum 
ein  Anfänger  im  (SJmjlentjjum  bin.  —  Wt  btefe  23etf»iele 
geigen,  baß  fein  <3tanb  an  ber  ©ottfeligfeit  £inberlia)  fep,  unb 
t>a$  bie  (Einfältigen  unb  ©ertngen  eSben  2lngefe  (jenen  juDortyutu 
©Ott  j?at  in  feiner  $ira)e  t>erfa)iebene  £ta)ter;  einige  leiteten 
unb  brennen  sugleia),  anbere  leuä)ten  unb  brennen  nia)t,  wieber 
anbere  brennen  unb  leua)ten  nia)t  9tta)t  2Itfe  tonnen  oon  ©ei* 
nen  £ol)en  ©ejjeimniffen  jtav!  unb  etnbringenb  reben,  fonbern 
e$  gibt  aua)  (Einfältige,  bie  allein  in  ben  SBunben  3efu  ij?re 
3u#ua)t  fua)en.  £raa)tet  nur  barnaa) ,  baß  tyx  einen  unge* 
färbten  ©lauben,  eine  aufrichtige  $kU  unb  ein  unerfa)ütter* 
lia)e$  Vertrauen  $u  3efu  ^^rtfto  fjabt,  fo  fepb  i£r  nia)t  me£r 
unter  bte  Einfältigen  $u  jä^lem  — 

3)  5lber  e$  ifi  3ätf  baß  wir  au  ber  brüten  Siegel  über* 
gelten,  „©laube  nia)t,  baß  bu  e£  bura)  beine  $raft, 
bura)2öaa)enunb^3etett2C,  3umerwünfa;ten3iele 
brtngefi;  fonbern  ftelle  2llle$  ©otteö  gnäbiger 
güjjrung  anleint,  unb  erwarte  2llleä  »o.n.  ©einer 
©üte/'  —  (g$  gefa)iel?t  £äuftg,  baß  fta)  Einige  ernftlta)  ent* 
f fließen,  gottfelig  31t  werben,  fobalb  fte  fta)  son  ber  yiofy* 
wenbtgf  eit  eineg  ^eiligen  £ebeng  überzeugt  £abcn,  ober  auc^ 
wenn  fte  bura)  auffallenbe  ©eria)te  ©otteS  erfa)redt,  ober  t>on 
t£ren  9ttitmenfa)en  auf  irgenb  eine  2öetfe  gebrüdt  werben. 
Mein  fo  lobenswerte  ti4  an  unb  für  fta)  :ft,  fo  muß  eS  boa) 
an  (Etwas  fehlen,  weil  metjknä  ber  Ausgang  le£rt,  baß  i£r 


622 


Grtferbalb  naa)lägt,  unb  bag  jte  nad$er  oft  fdjlimmer  werben, 
als  vorder*  9tonf  ernte ta) bie UnbefMnbigfeitbe$ menfa)tia;ett— 
nod)  m'cljt  wiebergebornen  ^er^enS  im  allgemeinen  gar  wojtf  ma 
weig,  bag  e$  fetner  <5aa)e  bätber  überbrüfftg  wirb,  als  ber 
Uebung  m  ber  ©  ottfeligf  eit*  £>oa)  Hegt  bie  Urfaa)e  biefeS  £eia)t* 
finnö  noa)  tiefer  unb  rüljrt^ne  Steffel  von  bem  Umftanb 
ijer,  bag  ber  5ttenfa)  fta;  felbft  fromm  machen  unb  ©oiteg  Sei* 
fianb  babet  entbehren  will.  Grr  rebet  ^war  ^uwetten  xyon  ©ott, 
betet  ju  %fym,  aber  nia)t  mit  lauterem,  gelaffenem  bergen,  er 
£at  e$  noa)  nityt  fo  tx>ett  gebracht,  bag  er  fta)  felbft  fammt  Altern, 
wa$  er  ifj:  unb  fjat,  für  ;ftta;t$,  bie  ©nabe  ©otte£  aber  für  Sllfeg 
£ält;  er  will  aua)  bei  ber  <5aä)e  etwas  tfmn*  Unb  eben  ijuerin 
betrügen  viele  3ttenfa)en  fta)  felbft,  ojme  bag  fte  e$  merfem  — 
3$  ge&e  ^ar  $u,  bag  ber  $?enfa)  mitwirf  en  tonne  unb  muffe, 
wenn  ©otteS  ©nabe  bie  SBefeljrung  in  i£m  angefangen  tjat; 
aber  ber  SSftenfa)  muß  tiefe  $Ntwirfung  niä)t  fta)  felbft 
fonbern  ebenfalls  lieber  ber  ©nabe  ©otteS  auftreiben, 
ber  wir  2lnfang,  SBlittt  unb  @rnbe  ^u  banfen  fiaben*  Seil  aber 
Sßiele  bieg  nia)t  einfepen,  fo  zityt  fta)  ©ott  eine  3eitlang  fa)ein* 
bar  ^urücf ,  unb  lägt  ben  2ttenfä)en  anflogen  unb  falten,  bamit 
er  feine  Sfticfjtigfeit  erfennen  möge*  —  2)ie  $flan$e  fommt  unter 
bem  Hinflug  beS  milben  £immel#  aus  ber  (£rbe;  jte  mug  aber 
aua)  in  ber  (£rbe  bleiben,  unb  von  bem  Xpau  unb  Siegen,  ben 
ber  Fimmel  ber  (£rbe  mtttljeitt,  leben,  waa)fen  unb  blühen; 
benn  fobatb  biefetbe  £erau$geriffen  wirb,  verweift  jte*  —  ^benfo 
fffc  e3  aua)  mit  unferem  gjmftenttmnu  ©Ott  wirft  tn  unfern 
3erfntrfa)ten  £eraen  bie  Blumen  beS  ©laubenS,  ber  $kht  unb 
ber  Hoffnung*  <£$  ftnb  l$mmtifa)e  ^flan^en,  t>k  vom  Zfyau  be$ 
£immel$  (von  ber  ©nabe  ©otteS)  leben  muffen;  fobalb  aber 
tser  SERenfa)  anfängt,  fta)  auf  fta)  felbft  unb  feine  Gräfte  $u  ver* 
laffen  unb  glaubt,  er  fönne  ber  göttlichen  ©nabe  entbehren,  fo 
verweift  unb  vergebt  2llle&  —  2)ieg  lägt  fta)  beuttia)  an  bem 
23eifpiet  beS  StyoftetS  $auluö  geigen,  welcher  fagt:  „$on 
©otteS  ©nabe  bin  ia),  was  ia)  bin,  unb  ©eine 
©nabe  an  mir  tft  nta)tvergeblid)  gewefen,  fonbern 
ia)|>abe  vielmehr  gearbeitet,  als  fie  5ltte,  nia)t 
abcxi^,  fonbern  ©otteS  ©nabe,  bie  inmir  ijt"  — 


623 


©efjet,  ber  Slpoftel  retöte,  wachte,  hetete,  prebtgte,  axheitete 
opne  Unterlag,  unb  bocfy  fc^retbt  er  nia)t$  ffa)  felbft,  fonbern 
HtteS  ber  ©nabe  (Sctteö  3m  2öaS  er  nun  von  feinem  ^Ipofiel^ 
amte  fagt,  ba$  muffen  wir  aua)  von  unferem  (££rijleni£um 
fagen:  3d>  l?abe  nia)t$  getjjan,  fann  aua)  nichts  tfmn,  fonbern 
bie  ©nabe  Wm  mufj  Sitten  t$wu  —  2)ie  5Xer^te  behaupten, 
ba3  £er$  fange  auerjt  an  im  SDtafdjen  $u  leben;  burä)  baffetbe 
wirb  ba$  Seben  ermatten,  unb  eg  tji  aua)  ba$  £e$te,  baS  im  ?eik 
ftirbt  2öa$  nun  ba$  £er$  für  baö  natürliche  £eben  ifi,  ba$  ijt 
(Sctteö  ©nabe,  bie  Äraft  3efu  (grifft  unb  bie  Leitung  be$ 
Ijeiltgen  ©etfteS  für  unfer  Zehen  im  ©taubem  ©o  lange  bie 
gotttia)e  $raft  in  un3  lebt,  leben  wir,  fonfi  ift  e6  um  uns  ge* 
fa)ej>en,  3n  biefem  ©tnne  fagteber  £err:  „bleibet  in  Wlix 
unb  3^  in  eua);  gleichwie  bie  *ftebefannfeinegrucf>t 
bringen v on f iä) f elbjt,  fie bleibe benn am 203 e in jtotf, 
alfo  auc|)  ijjrnitt)t,  i£r  bleibetbenn  anStttr/'  £)arum 
feil 'euer  gletf?  unb  euer  gan^eö  S3eftreben,  euer  23eten  unb 
£efen,  furj  bie  gan$e  Uebung  in  ber  ©ottfeligfeit  auf  (£im'ftum 
Sefum  gegrünbet  fe^rn  bleibet  bemütbig  unb  ©Ott  ergeben, 
unb  erwartet  von  3!wt,  //ber  ba$  Söollen  gegeben  fyat, 
aufybaö  Vollbringen;  benn  (£r  wirfet  beibe£  naa) 
feinem  Söojjlgefallen/'  —  2Bie  ©ott  unö  im3eillia;en 
bie  Arbeit  befohlen  £at,  aber  niajt  will,  ba§  wir  unferer  Arbeit, 
fonbern  ©einem  ©egen  2llleS  auftreiben  follen;  fo  ift  e$  aua) 
j)ier+  9$ana)er  bringt  e£  im  (££rijkntl?um  mit  einem  bemütlugen, 
getaffenen,  (litten  £eqen  weiter,  als  ein  Ruberer  mit  noa)  fo 
fa)6nen  33orfä£en,  bie  auf  fein  eigene^  23emü£en  gegrünbet  jtnb* 
4)  ^)ieg  flirrt  un$  auf  bie  vierte  Regelt  „123 e  t  e  ernftlia) 
unb  eifrig  um  ein  £eittge$  unb  göülia)e$  £eben/' 
£)er  ©ered;te  lebt  feinet  ©laubenö,  unb  ber  ©laube  lebt  feineö 
(£rlcferg  unb  ber  ©nabe  @otte£,  beren  er  bura)  t>a$  (Sehet  tpeiU 
ijaftig  wirb*  greffenb  Jagten  ba£er  bte  Eliten:  „£)as  (Sehet  ijt 
bie  Zoster  be$  ©laubenö;  bie  £ocbter  aber  muß  t>ie  Butter 
ernähren  unb  erhalten/'  £)a$  (Sehet  ijt  ba$  Mittel,  woburclj 
bie  ©abe  ©otteö,  bie  in  un$  ijt,  erweeft  unb  angefaßt  wirb. 
£>urd;  ein  anbäa)tige$,  £eqlid)e$  (Sehet  wirb  ber  innere  Sttenfa) 
gefMrft,  getröftet,  geheiligt  unb  mit  feinem  ©ott  vertraut  ge* 


624 


mcuH  gletdjwfe  bte  GEngel,  bte  t>or  ©oft  freien  unb  ©ein  $n* 
geftdjt  flauen,  baburcf)  immerwäfjrenb  erfreut,  im  ©uten  befe» 
fligt  unb  erhalten  Werbern  Unb  wie  SftofeS ,  nadjbem  er  40 
£age  unb  -ftädtfe  Bei  ©ott  auf  bem  SBerge  war,  mit  glän$enbem 
Slngeftdjt  wieber  herunter  lam,  fo  wirb  ber,  welcher  fifeißig  bV 
tet,  erleuchtet  unb  gefMrft  werben*  DJme  3«>eifel  fommt  ber 
SSerfatt  beS  GijmftentfjumS  in  unfern  £agen  bajjer,  baß  bie  we* 
nigjten  üttenfcfjen  um  geiftlicfye  unb  fnmmlifc^e  ©üter,  um  t>m 
wahren  ©lauben,  um  ein  erneuertes  unb  erleuchtetes  £er$ 
tnfMnbtg,  aufrichtig  unb  eifrig  Beten»  Um  ©efunbljeit,  um  baS 
tägliche  $rob,  mögen  wojrt  bte  Reiften  hiüen,  aber  bie  geifili* 
$en  ©aben  unb  ©üter  wiffen  Wenige  $u  fd)ä#en  unb  beten  alfo 
aud)  nidjt  barunu  — -  3£r  aber,  meine  (griffen,  bie  tyv  von  £er* 
jen  nad)  ber  wahren  ©ottfeligfeit  trachtet,  nehmet  ein  33eifyiel 
an  bem  föniglic^en  Da^ib,  ber  befonberS  im  119*  ^falrn 
fo  eifrig  um  bie  ©nabe,  gottfelig  ju  leben,  Uttet.  9ttad)et  eu$ 
mit  feinen  sorneljmjten  ©entern  befannt,  unb  Riefet  fte  öfters 
au  ©Ott:  „ÜÖeife  mir,  £err,  Deinen  Sßeg,  baßi$ 
wa nb le  in2)einerSSa^rlf>eit;  er |>alteme in ^) er 5  bei 
bem  Einigen,  baß  id)  Deinen  -Warnen  fürchte*" 
„Ce^remic^  t £un na $  Deinem 233 oj? lg ef alle n ;  benn 
Du  bt jimein  ©Ott,  Dein  guter  ©eift  füljrc  mic|>  auf 
ebener  23a£m"  „3$  rufe  t>on  ganzem  £er$en,  er* 
£öremi$,  £err,  baß  id)  Deine  9ted?tej? alte!"  jc» -— 
Der  wal?re  Gtfmf*-  muß  ftd)  eine  fol$e  ©eftnmmg  aneignen,  baß  er, 
wenn  ber  £err  tyn  fragen  würbe:  was  wittfi  bu,  baß  man  bir 
gebe  —  eS  fott  gefeiten;  freubtg  antwortet:  act),  #err  3efu! 
nietyt  ein  l?albeS  ober  ganzes  tönigreidj,  nic^t  ©über  ober  ©olb, 
nickte  was  eitel  ijt,  fonbern  nur  ein  bußfertiges,  glaubiges, 
gottfeligeS  £>er^  ©ib  mir  bte  ©nabe,  baß  i$  in  Dir  unb  Du 
in  mir  leben  mögeft,  fo  genüget  mir! 

5)  9teben  bem  ®thü  barf  t>k  fünfte  Stegel  nifyt  übergan* 
gen  werben:  ,,33etrad>te  baS  2öort  ©otteS  fleißigunb 
fe$e  eS  nie  auSben  2lugen."  ©leidjwiewmHnt  ©ebetmit 
©Ott  reben,  wie^inber  mit  if>rem  SSater,  fo  rebet  ©Ott  mit 
uns  burdj  ©ein  ^eiliges  SKSort  unb  offenbart  unS  in  bemfel* 
ben  ©einen  gnäbigen  Sitten  $u  unferer  ©eligfeit   Unb  wk 


625 


ber  ©taube,  bte  Sßur^I  atter  ©ottfcrißfeit,  auö  bem  SOSorte 
entfyringt,  fo  n>ttt  ©Ott  benfefben  burcf;  ba$  Sort  fn  unö  er* 
galten,  t>ermel)ren  unb  ^gtta)  sottfommener  magern  JDftt 
Stecht  fann  man  ba£er  baö  2Bort  bte  ©petfe  beö  innew  2tten* 
fdjen  nennen,  wobura)  er  ernährt  unb  jur  Uebung  in  ber  ©ott* 
feligfeit  geftärf t  wirb ;  wo  aber  btefe  ©peife  t>eraa;tet  wirb,  ba 
mug  ber  neue  9ttenfa)  fraftXoö  unb  ^u  attem  ©uten  untüchtig 
erfunben  werben»  —  23ei  ben  3fraettten  mugte  ba$  geuer  im* 
mer  auf  bem  2tttar  brennen,  fte  Ratten  aber  eine  gewiffe  3ät, 
wo  fte  ba£  £ol$  ju  biefem  geuer  anfa)afftem  ©otf  nun  ber 
©taube  ftetS  au$  unferem  SBanbef  j?er$orfeua)ten,  fo  muffen 
wir  gtetdjfam  immerfort  auö  ©otteö  SSort  fammeln,  woburd; 
feine  gfamme  ermatten  wirb;  SBeim  £efen  unb  £ören  be$  2Bor* 
teö  aber  bürfen  wir  ntdjt  oljne  @£rfurtt)t  fe^n,  fonbern  wir  mü> 
ftn  e$  at$  ein  #eittgt$mm  ©otte£  betrauten,  aug  welchem  (£r 
mit  un$  rebet*  ©a)on  \nefe  ©ottfeltge  fügten  bie  23tbef,  wenn 
fte  biefelbe  $ur£anb  nahmen  unb  beteten  au  ©ottaufben  $meen, 
bag  <£r  fte  bura)  <&tin  2Bort  rühren,  unterrichten,  überzeugen 
unb  tröften  wolle*— 2Bir  £aben  atte  Urfaa)e,  wenn  wir  Uc  ©a)rift 
lefcn wetten,  mit ©amue^ufagen :  „9t ebener r,  b enn  2) e in 
Stnefyt  p  öret!"  Unb  wenn  ber$rebigerun£  ba$  <£*>ange)(ium 
tterf  ünbigt,  fo  fotten  wir  mit  bem  frommen  Hauptmann  (£orneltu$ 
fprea)en:  ,,-iftun finb  wir  £ier  gegenwärtig  sor  ©Ott, 
3u£ören2ine$,  waSbtrt>on  3  Jim  befohlen  ift/'&cxin 
wir  bürfen  tterfta)ert  fe^n,  i>a$  ber  £err  ebenfo  auf  un$  achten 
wirb,  wenn  wir  mit  3j?m  reben,  \vk  wir  auf  ©ein  28ort  aa> 
ten,  wenn  (Ex  mit  unö  rebet*  —  SBürbe  ber  ^rebiger  perlen 
unb*@olbforner  augftreuen,  fo  wären  wir  gewig  mit  attem 
gletg  barauf  bebaa)t,  bag  nia)t  (£tne$  auf  bie  (£rbe  fatte,  2öa$ 
jtnb  aber  perlen  unb  ©ofb  gegen  ©otteS  SBort,  baä  unfere 
©eefen  feiig  maä)en  fann?  —  dbm  ba$  fa)abet  bem  Triften* 
i£um  peut^utage  fo  fej)r ,  ba£  man  ^um  £ören  be£  2ßorte3 
fommt,  wk  $u  einer  gewohnten,  unbebeutenben  ©aa)e.  Einige 
fa)lafen,  2lnbere  fa)  wägen,  2lnbere  fa; weifen  mit  i£ren  ©eban* 
fen  untrer,  noa;  Slnbere  gefallen  fta;  in  tj>rem  ©a)mucf  unb  »er= 
geffen  ©otteS  223  ort  darüber*   2ßenn  große  ©emeinben  in  ber 


626 


$ircf>e  »erfammelt  fmb,  mxöcfjte  man  »on  irrten  fagen,  m$  bie 

©$rift  x>oti  bem  erregten  $öbel  au  (£»£efu$melbet:  „£  er  gro* 

ßere  £1?  eil  wußte  nt$t,  war^m  fte  aufammen  f cm* 

menwarem"  2)ie  Reiften  gej?en  au$  ber  $irc|e,  tt)ie  fte  £m* 

eingegangen^,  unb  glauben,  ©Ott  fyaht  Urfac^e  tfmen  au 

banfen,    ba$  fte  3^nt   eine   ©tunbe  augejjört  £aben*    — 

©ollte  ©otteä  SÖort  nic^t,   al$  ©otte$   SSort,   b*  u  mit 

tiefiier  (-Ehrerbietung  unb   Slnba^t  bepanbelt  werben,   unb 

muß  man  fid?  ntc$t  bemfelben  »on  ganaem  £erae«  Eingeben? 

2ßer  wollte  e3  wagen ,  wenn  ü)n  ein  angefef>ener  Biaxin  rufen 

lägt,  um  ft$.  mit  ij>m  au  befyredjen,  ba§  er  bemfelben,  fo  lange 

er  rebet,  »on  3nt  au  &it  ben  Sftücfen  auwenbete,  ober  umper* 

gaffte,  mit  2lnbern  fcberate,  la$te  unb  bergleic^en?  —  Unb  ber 

9ftenf$,  ber  SÖurm,  bürfteful)  unterfiefjett,  ft$»or  bem  2ln* 

gejt$t  ber  göttlichen  ÜÄajeftdt  fo  leid)tjmnig  au  beaeugen?  2)ar* 

um  foffet  eucf  warnen,  if>r  djjrijkn,  unb  fanget  an ,  ba$  2Bort 

©otte3  mit  mefjr  2lnbacl)t  unb  (£j>rerbtetung  au  prett,  bann  wirb 

eure  33efferung  fcfmell  aune^men;  beaiejjet  Sitten,  waö  iljr  lefet 

unb  £öret,  aundc^fi  auf  eu$,  unb  nefmtet  alle  33efe£le,  23erpei^ 

{hingen  unb  25rojjungen  ©otteS  fo,  aU  ob  fte  eu$  allein  angin* 

gen*  £>enfet  fictö  baran1,  baff  e$  nidjt  genug  fep,  ba$  2öort  ^u 

£ören;  fonbern  e£  muff  au$  in  einem  feinen,  guten  £eraen  be* 

waljrt,  unb  gehörig  erwogen  werben*  —  daneben  fann  man 

jtdj  aber  aud)  anberer  djrifilicfjen  33üd[jer  ber  altern  ober  neu? 

em  3^it  mit  9*ugen  bebienen,  nur  möchte  tä;  für  biefen  galt 

auf  allerlei  aufmerffam  machen»   Einmal  unterfdjeibe  man 

wo£l,  toa$  man  liest,  unb  überlabe  ft$  ni$t  mit  einer  SDtage 

»Ott  ©d;riften,  fonbern  fudje  ftd)  »ielmeljr  mit  einigen  guten 

befannt  au  machen*  2)ie  bejien  fmb  bie ,  welche  nidjt  im  ©inne 

ber  SQSelt  gef trieben,  mct)t  »oll  auSgefc^mücfter  Dieben  unb  ge* 

fuc^terSorteftnb*— 3$  meine  folc^e  ©Triften,  welche  bie  £ejjre 

@Ürifii,  beg@efreuaigten,  lauter  »ortragen,  fo  bag  man  in  ijmen 

einen  (£tfer ,  Slnbere  ^vl  erbauen,  bemerft,  unb  gleidj  beim  £efen 

einen  fräftigen  3ug  ju  ©ott  in  feinem  £eraen  empjtnbet;  —  Iura, 

©tröme,  bie  au$  ber  wa^ren?eben^quellef!iegem— $amt  ein  Un* 

gelehrter,  ber  e$  rebli$  meint,  ftcfj  £ier  nidjtauredjt  ftnben,  fo  ijt 

ratsam,  baf?  er  ftd)  »on  feinem  ©eelforger,  ober  »on  anbern 


627 


erfahrnen  (griffen  belehren  lag U  Sßäplt  er  bann  einige  33ü($er 
gu  feinem  ©ebraucp  au£,  fo  fett  er  fte,  nebfl  ber  ©a)rift,  fleifng 
fefem  ü>iö(^ten  bo<$  alle  ©Triften,  beren  ft$  bte  (^rijtot  bebie* 
nen,  fo  begaffen  fe^n  unb  fo  fleißig  gebraust  werben,  wie  bte 
£er$oßitle  »on  £erberger,  welche  früher  mancher  betrübten 
$&itme  Xvoft  unb  (Erquicfung  serf^affte!  — 

6)  3$  fomme  nun  $u  ber  feisten  Regelt:  „33enü£e 
bte  üttorgenfiunben,  unblege  in  benfelben  einen 
©runb  3U  einem  goitfeltgen  Söanbel  für  ben  gan* 
3  e  n  £  a  g/'  <£in  alter  ^irdjenleprer  fagt  fepr  paffenb :  „2Benn 
un$  ber  ©atan  wäljrenb  ber  Watyt  nidjt  beifommen  fonnte, 
weil  ber  £üter  3frael3  unb  ©eine  (£ngel  unö  bewa^ten,  fo  lau* 
ert  er  wie  ein  Dieb  an  ber  £l)üre,  um  pinein$ufd)lei$en,  fobalb 
fte  geöffnet  wirb*  „Der  böfe  geinb  fu$t  alfo  unfer  £er$  gletdj 
beim  (£rwa$en  mit  fdjlünmen  ©ebanfen  $u  befledem  Qa^u 
geben  wir  oft  felbfi  23eranlaffung ,  wenn  wir  naa)  t>tm  @rwa* 
$en  no<$  lange  im  33ette  liegen  bleiben,  umSinn  unb  per  wälzen 
unb  eiteln,  aud>  wopl  fünblicpen  ©ebanfen  na^jjemgen»  Darum 
foll  jt$  ber  (£f>rtffc  gewonnen,  baf?  er,  fobalb  er  erwadjt,  fogleidj 
feine  ©ebanfen  auf  ©Ott  unb  auf  3efum  (Ejmjhtm,  ben  (Mreu* 
aigten,  rietet;  etwafo:  „©elobtfe?  ©ottber  SBater,  ber  ©opn 
unb  ber  peilige  ©eift,  mein  lieber,  gnäbiger  ©Ott  unbSBater,  ber 
miep  unter  feinem  ©dju§  unb  ©egen  biefe  9tocpt  pat  rupig  fcplafen 
laffen!  Die  ©üte  be$  £errn  tft  e$,  ba{?  wir  ni$t  gar  au$  ftn^ 
©eine  23armfjer$igfeit  |>at  nod)  fein  (£nbe,  fonbern  fte  ift  alle 
borgen  neu  unb©eine£reue  t ji  groß !— £)ber :  £iebjler  3efu !  ^)\t 
tnmir,  i$  in  Dir!  Dir  fdjlafe,  Dir  mfye,  Dir  lebe  unb  fierbe 
tcpI—SBeracptet  biefen  $orfcf)lag  nid)t,  meine  Sieben;  benn  bie 
@*fa£rung  bezeugt,  baßerfepr  peilfamunbnüglic^  tjh  Der  Zm* 
fei  fliegt  ttor  folgen  ©ebanfen  unb  Sorten,  unb  barf  jtd)  nidjt 
an  eine  fola)e  ©eele  wagen,  bie  mit  iprem  ßrrlöfer  in  fo  gutem 
SSernepmen  jtept— - @S  gibt  aberglaubige  9ttenf$en,  welche  au$ 
bem,  totö  ijjnen  beS  Borgens  guerjl  begegnet,  erratjjen  Wollen, 
ob  ber  £ag  für  fte  glüiflid)  ober  unglücflia)  fe^n  werbe?  3pr, 
meine  greunbe,  fepet  bar  auf ,  baj?  ipr  be$  Borgens  $uerft  eu* 
rem  £eilanb  begegnet,  fo  wirb  e£  eu$  ntcfyt  übel  gepen  fönnwu 
SBenn  tpr  aufgeftanben,  angezogen  unb  gewafepen  fe$b,  fo  »er* 

40* 


628 


fcpiebet  ba$  ®  ekt  nicpt,  unb  taffet  euty  fa  ntc^tba^tn  bringen,  ttor* 
per  einige  ©efcpäfte  ^u  serricpten,  —  £utper  faßt  barüber:  „<£$ 
tft  gut,  baß  man  früp  Borgens  ba$  ©ekt  ba$  erfte,  unb  be$ 
SlbenbS  baö  leiste  Serf  fetpn  taffe»  £üte  bia)mit  gleiß  *>or  bie* 
fett  fallen  unb  betrügertfcpen  ©ebanfen,  bie  ba  fagen:  £arre 
ein  wenig,  nacp  einer  <Stunbe  will  tcp  beten,  ia)  muß  bieg  ober 
ba$  ^uttor  tpun ;  benn  mitfeieren  ©ebanfen  fommtman  opne  ©e* 
bet  in  bie  ©efcpäfte,  tk  palten  un$  bann,  baß  au$  bem  ©ebet  be$ 
£age$  nieptö  wirb/'  Senn  man  auep  sorper  nur  wenig  arbei* 
tet  unb  fiep  bann  bason  losreißt,  fo  will  bod^  baS  Qbtbtt  tttd)t 
reept  fort,  unb  ba3  #er&  beffen  ©ebanfen  fc^on  burcp  baä  3eit* 
liepe  jerftreut  ftnb,  lägt  jtep  ntept  wopl  wieber  jur  regten  2ln* 
baept  bringen,  —  33ei  bem  <&tUt  felbft  aber  ijt  t>on  großem  92ut* 
jen,  baß  man  bie  ®üte©otte$  fleißig  erwäge  unb  fein£er$  über* 
jeuge,  baß  e3  ©cpulbigfett  fep,  einen  fo  gütigen  ©ott  $u  lieben 
unb  $u  eprem  2D?an  hat  etwa  fo :  „Slllmäcptiger,  freunblicper, 
langmütiger,  barmherziger  ©ott  unb  $ater,  ©cpöpfer  unb  (£x* 
palter,  ©rtöfer  unb  Softer!  Sie  foll  iep  Dir  alte  Sopltpaten 
vergelten, Ue  Duaucp  anmir  getpan  paft?— 2llle3,  wa$  ieppabe 
unb  bin,  oerbanfe  tcp  Deiner  ©nabe  unb  ©üte*  Du  paß  mir 
bie  <5eele  gegeben,  bie  Dicp  erfennt  unb  ftd§>  nacp  Dir  fepnt«. 
Du  paft  mir  ben  Selb  fammt  allen  ©innen  unb  ©liebern  ser* 
liepem  Dufpeifeft,  tränfeft,  fletbefi,  oerforgejtunkerpältftmicp.JC 
Sen  follte  icp  greifen  unb  lieben  al£  Dicp ;  wem  bienen  mit 
allen  Gräften,  al$  Dir,  meinem  ©Ott?  Dir  ergebe  tcp  miep  mit 
Setb  unb  ©eele,  maepe  miep  $u  einem  Serf^eug  Deiner 
©nabe,  unb  $u  einem  ©efäß  Deiner  23armp  entgleit!  £aß  Deinen 
peiligen  Stilen  peute  unb  allezeit  an  mir,  in  mir  unb  burcp  miep 
sollbracpt  werben!  3cp  erneure  piemit  meinen  £aufbunb  unb 
»erbinbe  miep  mit  Dir,  o  Du  breieiniger  ©ott;  tcp  fage  ab  bem 
Teufel  unb  allen  feinen  Serien  unb  Sefen,  SBerletpe  mir  bk 
©nabe,  baß  icp  biefen  £ag  im  ©eporfam  gegen  Dicp  unb  in 
Deinem  Dienjte  ttottenben  möge!"  —  ©ebet  aber  2lcpt,  baß  ber 
gute  33orfa#,  mit  bem  ipr  ben  £ag  angefangen,  ntept  bloS  auf 
ber  3twge  bleibe,  fonbern  im  £er$en  gegrünbet  fep,  bamit  er, 
wenn  ber  ©atan  ipn  antajten  will,  feft  erfunben  werbe*  X>k 
©eprift  gebrauept  pter  tin  ©leicpniß  von  ben  Saften,  inbem 


629 


ftefagt:„£affetun$  anregen  bie  2B äffen  be$  StdjtS; 
waffnet  eud)  mttbem  <Stnn  (IljrijH!"  —  £)amtt  Witt 
fte  anbeuien,  bag  ber  23orfa^  eineö  Triften  fein  blo$  flüchtiger 
©ebanfe,  fonbern  ein  fefter  @rntfcl)lug  beS  ^er^enS  fep  muffe, 
ber  ft$  von  ben  Eingriffen  be3  ©atanS  nid)t  gleich  umffcogen 
lägt  2)aperfagt£)avib:  „3$  will  2>ein  ©efe£  galten 
allewege,  immer  unb  ewigli$!"ic*-—  (£3  wäre  vielleicht 
aucfj  ni$t  unbienlic^,  wenn  man  ftd^  alle  £age,  ober  bo$  in 
jeber  2öo$e,  einen  furzen  2)enffprud?  erwarte ,  ben  man  bei 
jeber  ©elegenpeit  im  9ftunbe  Ijätte,  $♦  55*  „yiid)t$  wiber 
@ott!  SB  aS  ©  o  tt  williger  <5o|>n©o  tie*  £atmtc$ 
geTtebet  unb  fi$  felbft  für  mi<$  gegeben,  Sieber 
fterben,  al$  mutwillig  fünbigen*  Einmal  fierben, 
barna$  baö  ©eria)t.  SBebenfe  ba$  GEnbe!  2)a  wir 
nun  3 ett  £aben,  fo  laffet  un$  ©ute$  tljum"  jc» 

7}  2)ie  ftebente  SKegel  $ti$u  Sßanble  alle$eit  al$ 
vor  bem  Singe fid;t  t>e^  a  11  wi ff enben  ©Ott eS,  unb 
lag  beinen  $3orfa£  in  £bat  unbSeben  übergeben* 
—  <£$  gibt  23iele,  bie  ^war  beS  Borgens  fromme  (£ntf$lüffe 
faffen,  bann  aber  ftd;  fo  fej?r  in  ba$  3rbif$e  vertiefen,  baß  fte 
3llle$  vergejfen  unb  nur  nadj  bem  ©tnne  ber  2öelt  leben.  2)a3 
ijl:  eben  fo,  xt>k  wenn  ein  ©ofm  feinen  $ater  be$  SlftorgemS 
füffete,  unb  naa)l)er  i£m  Sitten  §u  £eibe  tpun  würbe,  tva$  er 
nur  fönnte*   £)er  (5l>rift  f oll  ftd)  ftet$  an  bie  SKorte  erinnern, 
welche  ©Ott  au  2ibral?am  fagte:   „3$  hin  ber  allmäd^ 
tige  ©ott;  wanble  vor  Tlix  unb  fe^  fromm!"  @x 
foll  wijfen:  „bag  ber  £err  il)n  erforfd;t  unb  fennt, 
bag  (Ex  feine  ©ebanfen  von  ferne  verfielt!"    (£r 
mag  alfo  fe^n,  wo  er  will,  fo  foll  er  nia)t£  reben  ober  t(nm, 
aU  wa6  er  vor  bem  gerechten  unb  ^eiligen  ©ott  verantworten 
gu  fönnen  glaubt*   (£r  foll  jtd?  ber  grömmigfeit  unb  ber  Waty* 
folge  @ü>rifti,  feinet  (Mofer£,  nirgenb^  fd)ämen;  vielmehr 
foll  er  bebenfen,  bag  nidjt  blo$  ba3  ben  £erm  verläugnen 
Jeige,  wenn  man  wirllicfj  von  3pw  abfällt,  fonbern  audj,  wenn 
man  3puburc^  ein  unfertiges  £eben  betrübt,—  2)er  re$tfa)affene 
^rift  ^<xt  nia)t  balb  biefeS ,  balb  jene$  ^leib  an,  fonbern  §at 
nur  @m  $leib,  in  bem  er  allezeit  einher  ge£t,  nemli$  ba$, 


630 


wovon  ber  2tyof!elfagt:  „3ie£et  an  ben  £errn3efum 
(^riftum!"  £>ber:  „3te£et  an,  als  bte  2lu$erwä£l* 
ten  ©otteS  ^er^ic^eS  Erbarmen,  greunbtid)fett, 
2)emut£„©anftmut!J,  ©ebulb/'  —  Ueberteget  baS  woljl, 
$r  dfmfien,  unb  bebenfet  bag  ifw^war  tn  ber  SQBelt  fe$b,  aber 
nidjt  mit  tyx  (eben  fotlet  8etra$tet  fte  »telme^r  als  einen 
©djaupla(j,  auf  wettern  iljr  eurem  d^rtpent^um  (£J)re  madjen 
follet,  eingeben!  be$  2lu$fyrucJ?S  @jmf*i:  „Saffet  euer  Sic^t 
teuften  vor  ben  beuten,  baß  fte  eure  guten  SGßerfe 
fe^en  unb  ben  Sßater  im  ^tmmel  greifen/'—  2öa$ 
für  (griffen  wäret  i£r,  wenn  ifjr  eu$  ber  ©ottfetigfeit  ba  fa)cU 
men  wolltet,  wo  eS  am  meinen  Sftotl?  fy\\\,  fte  $u  geigen?  3$ 
e$  genug,  ber  treue  Wiener  eines  £errn  ju  fepn,  fo  lange  wir 
in  fetner  SRcipe  fmb  ?  Püffen  wir  nidjt  überall  auf  feine  @j)re 
unb  auf  feinen  9htgen  bebaut  fe#n  ?  Söenn  uns  atfo  ber  6a* 
tan,  bie  Söelt  unb  unfer  eigenes  gtetf$  jum  23öfen  »erführen 
will,  fo  laffet  uns  beulen:  je£t  ijt  es  3ett,  ben  ©tauben  unb 
bie  Zitbt  su  $e fu  $u  beweifen ;  benn  atSbann  will  ©Ott  uns 
prüfen,  ob  uns  baS  23erfyre$en,  baS  wir  3f>m  bei  mannen  ©ele* 
genljjeiten  gaben ,  audj  (£rn(t  fep  ?  fftocij  je£t  prüft  ©Ott  bie 
©einigen,  voit  eiml  ben  frommen  2lbraljam,  nur  nia;t  auf 
gleite  SQSeife,  unb  Ijätt  biejenigen  für  (Seine  guten  $tnber, 
welche  ft$  niä;t  freuen,  eö  ber  2Belt  $u  aeigen,  baß  fte  3!>nt 
angehören»  —  gerner ,  foll  au$  unfer  $cruf  fein  £inberniß 
m  ber  ©ottfetigfeit  fepn,  vielmehr  foll  er  uns  ©elegenljeit 
geben,  biefelbe  $u  beweifen*  din  Regent,  %.&.  ber  ftets  von 
feinen  Untertanen  angegangen  wirb,  %at  bit  befte  ©elegen* 
tyit,  feine  Stebe,  ©anftmut|>,  ©eredjtigfeit  unb  greunblic&feit 
ju  aeigem  (£benfo  wirb  ein  redjtfdjaffener  £auSoater,  ber  von 
allen  <5tittn  in  2lnfpru$  genommen  wirb,  feinen  Unwillen 
ni$t  burtt)  glucken  unb  ©gelten  auSfafTen,  fonbern  beweifen, 
baß  er  feinen  SOSilten  bredjen  unb  mit  ben  geilem  beS  9lä$ften 
©ebulb  £aben  fönne*  $ur$,  ber  wa^re  dfjrifi  fü^rt  ein  fliffeS 
unb  ehrbares  Seben,  unb  befolgt  ben  2luSf»rud)  beS  StyoßetS: 
„<£ure  £tnbtgfett  (äffet  funb  f e 9 tt  alten  3tten* 
fc^en!"  <£$  wirb  ja  audj  von  © ott  gefagt :  „£>u  gewal* 
tiger  £errf$er  rtc^tejtmit  Sinbigfett,  unbregie* 


631 


rep  unö  mit  x>itl  $Berfa)onen!  —  2)aß  ein  folc$e£ 
betragen  möglitt)  fep,  beweist  bag  53e£fptel  meler  frommen 
(griffen.  3a)  felbjt  fannte  einen  frommen  ©eemann,  ber  eine 
groge  2lnaa£l  2)?atrofen  unter  fta)  Ijatte,  fte  aber,  oljne  feinem 
Slnfejjen  ttvoaö  au  vergeben,  mit  fola)er  ©anftmut£  p  Ufyan* 
feein  towfytt,  bag  man  auf  bem  ©a)iffe,  wa$  gana  feiten  i% 
feinen  glua)  Ijörte*  Sluf  gleiche  SSeife  wirb  woljl  aua)  @orne* 
liuS  unb  ber  Hauptmann  au  £apernaum  feine  Seute  befjanbelt 
Ijabem  —  £)emnatt)  fönnen  unb  f  ollen  wir  uns  in  allen  2)in^ 
gen  bewetfen  al$  Wiener  unb  $tnber  ©otteS,  3öäl?renb  ber 
Slrbeit  foll  ba$  ber  9ttittelpunft  feyn,  um  ben  fta)  Sitten  brept : 
„9lia)t$  wiber  ©Ott,  nia)tg  wiber  ba$  ©ewiffen, 
nia)t$  wiber  bte  Siebe  be£  92ätt)ften/'  —  £)amitaber 
bieg  um  fo  ej>er  geftt)ef?e,  iji  nötljig,  baß  ber  Gtjjrifi  fein  £era  flet$ 
$u  ©ott  ergebe»  @3  iß  ja  fo  leidet,  bei  ber  Arbeit,  tt>ie  in  ber 
©efellftt)aft,  aufeuften:  £err3efu,  l?tlf  mir!  ©egne 
mia)!  Regiere  mia)  mit  deinem  ©etfte!  ©ewajjre 
mia)  x>or  ©ünben  :c*;  benn  babura)  werben  wir  in  i>tn 
©tanb  gefegt,  ben  £üften  unfereö  gletftt)e$  unb  ben  £otfungen 
ber  Sßelt  au  wiberfkpem 

83  (£me  wettere  Siegel  tfh  SBermeibe  2Ille£  ernfk 
Ua),  waö  bia)  an  ber  Hebung  ber  © ottfeltgfetf 
fHnbern  fönnfe,  befonberä  aber  fa)Hmme  ©efell* 
fa)aften;  bagegen  f>alte  bia;  a«.  frommen  9tten* 
fa)en  unb  benü#e  jebe  Gelegenheit,  im  (Epxiften* 
tpum  weiter  ju  fommen»  —  <£$  gibt  £eute,  wela)e, 
obwohl  fte,  fta)  fonf*  i£r  @imf}entl?um  angelegen  fe#n  lajfen, 
boa)  gern  in  weltlicher  ©efettftt)aft  ftnb,  t>on  ^euigfeiten  reben, 
£uftbarfeiten  anwojmen ,  unb  furaweilige  23ütt)er  lefen;  aber 
aufrichtig  geftroa)en,  ia)  fejje  nta)t  ein,  xt)k  bergreia)en 
Singe  mit  ber  wahren  ©ottfcligfeit  befielen  fönnen?  2)enn 
weltlta)e  ©efellfa)aft  maa)t  weltlia>gefmnte  £>eraen;  übertrbi* 
fa)en  fteuigfeiten  wirb  \m$  baS  <££rif*ent(wm  alt.  £)er  Satan 
fennt  bie  Neigungen  ber  $?enfa)en  unb  bemüht  fta),  t$  Sebem 
3u  mäa)en,  wie  er'$  gerne  £at;  barüber  gef?t  bte  eble  SHtf  bie 
uns  aur  23uge  gegeben  ijt,  ba£in,  bat  £era  wirb  unbemerft 
som  $öfen  eingenommen,  wirb  trag  unb  gleichgültig  gegen  ba$ 


632 


Qbute,  unb  jtnbet  nteljr  ©efatlen  an  bengreuben  ber  SSelt,  aU 
anber£ornenfronebe3  ©efreu^tgten.  ©ajeqrebenfmbifim  lieber 
als  bte  2lu6fyrüa)e  ber  ©a)rtft,  unb  e£  wirb  entließ  gan$  irbifa) 
geftttnt»  —  3a)  berufe  mta)  auf  bte  Grrfaprung  unb  bin  ver* 
jtdjert,  b&$  bei  beneu,  bte  fola)e  £>inge  nca)  lieben,  bag  (Sjjri* 
ßentjmm  auf  fa)waa)en  gügen  ftejjt  £enn  unmöglia)  fann  bte 
wapre  ©ottfeltgfett,  biefe  $arte,  in'mmlifa)e  23lume,  unter  fo 
vielem  Unfraut  befielen,  2)arum  enthalte*  eua)  fola)er  weit* 
lta)en  (£rgo§lta)feiten  unb  faejet  3um£aa)en:  bu  bijt  toll! 
unb  ^ur  greube:  SSaS  maa)jit  bu?  —  Raffet  eua)  2ll(e$ 
^uwtber  fepn,  wa$  bem  glcifa)e  wojrtgefättt*  6ua)et  vertrauten 
Umgang  mit  erfahrnen  d^rijten,  beren  gottfelige  ©efpräa)e  aua) 
euer  #er$  $ur  2lnbaa)t  ftimmeh  fann,  lieber  tritt  ta)  bei  einem 
fransen  unb  betrübten  Qtjmften  fepn ,  aU  Ui  einem  auSgelaf* 
fenen  SBeltftnb-  £)te  ££ränen  be$  (öfteren  gleichen  einem 
Stegen,  ber  ba^^erg  befeua)tet  unb  frua)tbar  maa)t;  be$  £e$tern 
©c^erje  aber  einem  petfen  Söinbe,  ber  Sitten  verborrt  2)arum 
aa)tet  t>k  23elujn'gungen  ber  t£örta)ten  SSeltfinber  nia)t  für  bie 
33iüj?e  wert£,  baß  i£r  barnaa)  fe^et;  tyx  l)abt  2ßia)tigere$  $u 
tpwu  2Q3aS  ba$  J^erg  nia)t  beffert,  ift  ma)t  wertp ,  baß  man 
e3  anfielt,  viel  weniger  ba$,  waö  fcaffel^e  ärgert*  Raffet  t>ie 
SD3ett  laa)en,  fa)eraen,  tanken  unb  fprtngetu  Raffet  fte  aber  aua) 
wtfjen,  baß  tyx  nia)t  barauf  aa)tet,  unb  benfet  jiet$  baran,  n?aö 
ber  2l»ofteifagt:  „£abt  nia)t  lieb  bte  Seit,  noa)  was 
in  ber  Seit  ijl  ©0  Semanb  bie  SOS elt  lieb  Jjat,  in 
bemift  nia)tbie£iebe  beS  SBaferS;  benn^WeS,  wa^ 
in  ber  Seit  ift,  nemlia)  beS  gleifa)e£  £uji  unt>  ber 
Slugen  £ufi  unb  IjoffärttgeS  Seben,  ift  nia)t  vom 
SSater,  fonbern  von  ber  Seit;  unb  bie  Seltver* 
ge£et  mit  tprer  £uft;  wer  aber  beu  Sillen  ©oiteS 
tf)\\t,  ber  bleibet  in  (£wigfett," 

9)  2>te  neunte  Siegel  iß :  Raffet  eua)  jebe  (£rtnne* 
rung  gerne  gefallen,  unb  banfet  einem  3eben, 
ber  eua;  eure  geljler  freunblia)  fagt  —  (B  ijl  eine 
große  ©nabe  von  ©Ott,  wenn  ber  $Renfa)  fta)  felbß  fennt  unb 
wenn  fein  ©ewiffen  an  Barett  bem  5luge  gleicht,  wela)e3  aua) 
nia)t  baS  gertngße  ©täublein  oime  ©a)mer$  unb  £J)ränm 


633 


ertragen  fann;  boä;  i(i  fcaä  eine  eben  fo  groge  ©nabe,  wenn 
ber  ^enfdj,  mit  er  ferne  geiler  nid)t  immer  fteljt  ober  weig, 
ftd;  gern  *>on  2lnbern  erinnern  nnb  $ureä)tweifen  lagt  —  3" 
biefem  ©inne  faßt  2)aoib :  „£)er  ©erea)te  fd;lage  midj 
freunbtia),  unb  ftrafe  miä),  ba$  wirb  mir  fo  wofjl 
tfynn,  aH  ein  33atfam  anf  meinem  £anpt,  unb  tä) 
will  barum  für  tpn  bitten,  wenn  e$  il?m  wibrtg 
g  e  f>  e  t"  —  3«  bem  krümmten  Softer  Gtfareoatt  fott  e$ 
©itte  gewefen  fe^n,  bag  berjenige,  welker  $on  feinem  33ruber 
auf  einen  genfer  aufmerffam  gemaä)t  würbe,  für  benfetbenem 
S3ater  Unfer  beten  mugte,  (ürbenfo  lefen  wir  oon  mehreren  S3i* 
fä)öfen,  bag  fie  gerabe^u  einige  93erfonen  aufteilten,  bie  auf  ij>r 
£jmn  unb  Waffen  2la)t  ijaben  mugten,  ober  Slnbere  um  biefe 
©efättigfeit  baten,  unb  Sebem,  ber  jte  auf  einen  g-eljler  auf* 
merffam  maä)te,"  fepr  banfbar  waren,  —  @o  follen  ade  redjt* 
fä)affene  djmjtot,  benen  e£  mit  ber  ©ottfeligfeit  (£rnfl  tft, 
gejtnnt  fe^n/2ßir  muffen  3ebem,  ber  mit  un$  umgebt,  gejiatten, 
bag  er,  wenn  e$  -Kon;  fyi\t,  un£  freunblid)  erinnere,  unb  un$ 
unfere  hänget  aufbeefe;  biefeS  aber  fott  un3  nia)t  £ur  (ümtfdjul* 
bigung  unferer  Sepier,  fonbern  31t  ernfHia;er  33efferung  bienen* 
©0  oft  wirnemliä)  einen  gepler  an  unSwalmtepmen,  ober  »on 
Hnbern  baran  erinnert  werben,  muffen  wir  un$  $ur  2)emutj>, 
(Sanftmut^,  $um  fleißigen  %ibtt  unb  $u  grogerer  33orfta)t  ange* 
trieben  fügten.  £)enn  beffen  @fmftent(ntm  i(t  uoa)  fa)ledjt 
befdjaffen,  ber  au$  feinen  gestern  feinen  9ht#en  ju  fiepen  weig, 
unb  ftä)  babura)  nta)t  um  fo  meljr  an  feinen  (£rlöfer  anfliegen 
lernt  33enuu;et  euä)  alfo,  bieg  §u  t^uh ;  weil  aua;  bie  ©ünbe 
$u  beu  fingen  gebort,  wela)e  euä)  $um  33eften  bienen. 

10)  (£ntfä)liege  bi$  nia)t  blo$  im  ungemeinen, 
unter©otte$23eij*anbtdgliä)befferunb  frömmer 
ju  werben;  fonbern  unterf  ua)e  ben  3ujlanb  beineS 
£er$eng  genau,  erforfa)ebiege£ler,  benenbujjaupt* 
fäa)lid;  ergeben  b ip,  unb  gib  bir  9ftüpe,  ttor  Slllem 
^inenberfelbenab5u(egen,--^an|>örtbiemeiften9)?en^ 
fd)enfageu:  iä)  will  miä)  gerne  beffern  unb  fromm  werben;  aber 
e$  bleibt  gewöpnlic^  hä  biefen  SSorten ,  weil  jte  bt'e  geiler  ntd)t 
fennen,  $u  benen  fie  sor  anbern  geneigt  (tnb  unb  jta)  alfo  au$v 


634 


nityt  bagegen  waffnen  fönnett.  9flana;er  xft  aum  3ä^om,  gut 
£runfen£eit,  sunt  Müßiggang  ic.  geneigt;  aber  er  aa)tet  nia)t 
barauf  unb  gibt  ffa)  feine  TOtfje,  ba*>on  frei  $u  werben*  Daraus 
entpept  größtenteils  £eua)elei,  ®ta;erl?eit  unb  ein  gotttofeS 
SBefen,  weit  man  glaubt,  ber  gerea)te  ©Ott  muffe  fola)e  tag* 
Iia)e  ©ünben  an  uns  fa)on  fo  gewohnt  fepn,  l>a$  (Ex  fte  nia)t 
nte£r  3urea)nen  bürfe«.  £)af>er  ijt  f>öa)fi  nötjjig,  baß  man  jta) 
felbjt  genau  f  ernte,  unb  (eine  geiler  gehörig  $u  fa)ä§en  wiffe, 
bann  aber  einen  um  ben  anbern  ber  größten  befämpfe  unb  in  ber 
$raft  3efu  (grifft  $u  überwältigen  fua)e.  —  3ßenn  ein  2lcfer 
»erwitbert  i%  fo  ijt  eS  nia)t  genug,  ba$  man  fage :  ia)  will  ben 
5lcfer  rein  l?aben,  ©ott  jjelfe  mir  baS  unfraut  ausjäten;  fonbern 
man  muß  felbjt  £anb  anlegen,  unb  einen  Dornbufa)  um  ben 
anbern  abbauen,  hiß  ber  2ltfer  gereinigt  ijt  Da£er  fyahtt  2la)t 
auf  eure  £ieblingefünben  unb  $ergejfet  nia)t,  xvaö  iö)  oben  ge* 
fagt  $aU,  baß  aus  fielen  fleinen  geilem  enblia)  ein  ©trttf  ber 
©iajerlmt  wirb,  ben  ber  ©atan  benü#t,  um  ben  großen  Raufen 
tnS  SSerberben  $u  (türmen,  kernet  biet  ©ünbe  gehörig  fa)ä£en, 
aber  nia)t  naa)  eurem  (Eigenbünfel  ober  naa;  bem  Urteile  ber 
SSelt,  fonbern  naa)  bem  äöorte  ©otteS*  23ebenfet,  baß  )[ebe 
©ünbe  ein  Unrea)t,  eine  Uebertretung  beS  göttlichen  ©efe^eS 
tft,  unS  *>on  ©ott  trennt  unb  gegen  unS  ^eugt.  3ebe  ijt  ein 
Unfraut,  baS,  wenn  eS  serfäumt  wirb,  fortwua)ert  unb  $uie£t 
fcte  eble  ^ftan^e  beS  ©laubenS  erftteft*  —  Darum  foll  ein 
reü)tfd>affener  (££rijt  feine  ©ünbe,  fte  ijabe  Tanten,  wie  fte 
wolle,  gering  aa)ten,  feine  mit  gleiß  unb  SBorfag  £egen,  fonbern 
ftejebälber,  je  lieber  ausrotten*  Die  geinbfa)aft,  wela)e  $wtfa)en 
einem  wtebergebornen2ttenfö)en  unbber<Sünbe  bejte^t,  follnia)t 
bem  Streite  unter  (Regatten  ober  9*aa)barn  gleiten,  bie  fuf> 
balb  wieber  serföjmen,  fonbern  foll  eine  Sobfeinbfdjaft  fepm 
Da£er  fagt  ©traa):  „gleuä;  *>or  ber  ©ünbe,  wie  »or 
einer  ©anlange;  benn  fo  bu  ifjr  gu  nafjef  ommft,  fo 
flicht  fiebta);"  —unb  5>auluS;  „gleifa)lia)  gefinnt 
fe^ntjt  einegeinbfa)aft  wtber©ott  unbber  £ob"JC. 
11)  S3ebenf  e  bei  Willem,  was  but£uj*,  baS(£nbe; 
£auble  fo,  wie bueinftwünfa)en wirft,  ge^anbelt  au 
paben,  unb  £alte  jieben  £ag  für  ben  le&ten,-— 28aS 


635 


würbet  tyr  wopltpun,  wenn  tljr  gewiß  rottet,  baßtyrnur  noa) 
Einen  5)?onat  lebet?  SGßürbet  if>r  eua)  3eit  nehmen §um £rinfen 
unb  Spielen,  aum  ©ajeraen  unb  £aa)en?  £)ber  Würbet  iljr  eua) 
nia)t  vielmehr  mit  göttlichen  £)ingen  befdjäftigen  unb  eua)  mit 
gajlen  unb  33eten  auf  bie  Ewigfeit  vorbereiten?  —  2Ber  aber 
ver(td)ert  uml,  baß  wir  noa)  Einen  Slttonat  ju  leben  ljaben? 
Söte  viele  würben  mitten  in  ipren  Unternehmungen  vom  £obe 
weggerafft,  ba  fte  eö  am  wenigften  vermuteten!  3$  war  £te 
unb  ba  bei  einer  £oa)aeit  mit  ^erfonen,  bie  an  nia)t$  weniger 
als  an  ifjr  nafjeS  Enbe  baa)ten,  unb  boa;  mußte  ia)  i£nen  naa; 
wenigen  £agen  fa)on  $u  ©rabe  folgern  S3ei  SSttandjen  ijt  gaK 
unb  £ob  betfammen,  unb  boa)  geljen  bie  Reiften  fo  fta)er  £tn, 
alg  pätten  fa  ntit  bem  £obe  einen  33unb  gemaa)t  Raffet  un$ 
t£un,  wag  noa)  gu  tbun  tfl,  fo  lange  wir  3^tt  Jjaben;  laffet  e$ 
uns  aber  aua)  fo  tljun,  baß  e£  un$  auf  bem  £obtenbette  unb 

in  Ewtgfeit  nia)t  gereuen  möge! 2tte£rere  gromme,  bie  ta) 

lennen  lernte,  fa)rieben  au  bem  Enbe  in  ü)re  23üa)er,  an  Spüren 
unb  2öänbe:c*  fur$e  Erinnerungen  an  ben  na£en  £ob,  al$: 
„  2Ber  wti%  wie  lange  ?  £ebe,  baß  bu  leben  mögeft !  2erne  jterben, 
weil  bie  Ewigfeit  folgt"  jc*  irrtet  biefe  23eifyieie  naa),  ijjr 
Ejmfkn,  e$  wirb  m^  feljr  £etlf  am  feyru 

<£tt>fg,  a$  enngt  tyx  9flenfc$en,  tfi  lange, 

dwitfät  fofget  auf  eilende  3ett, 

<£tt>tgfett,  (£nngfeit  machet  mir  bange, 

Gtwtgfett  folget  auf  irbiföe  ftreub'; 

3ä£let  bie  ©tunben  mit  3ittern  unb  ©treuen, 

£)afü  eö  eu#  ewig  nicj)t  möge  gereuen! 

12)Enblia):  £aß,  wo  möglta),  feinen  £ag  vor* 
über,  ojjnebaßbu  b  ein  ©ewiffen  prüf  ft,  unb  untere 
fua)ebeg  SlbenbS  beinen  £eben$wanbef.  ©leicfje  bem 
flugen  £au$vater,  ber  fein  £au3bua)  genau  füprt  unb  fleißig 
naapftept,  ob  er  ©ewinn  ober  Serlujt  erlitten  pabe  —  Sßir 
muffen  xt>\^nf  ob  wir  ben  £ag  über  in  unferem  E£rifient#um 
ab*  ober  3 ugenommen  paben,  ob  wir  in  ber  gura)i  ©otteS 
wanbelten,  ober  ob  wir  un3  von  ber  ©ünbe  übereilen  ließen* 
2)a$  ift  von  großem  9ht$enunb  fann  o£ne  3eitverluft  gefa)e£en, 
wie  wir  im  aweiten  ££eil  in  ber  vierten  55rebigt  näljer  ange* 
geben  fjaben. 


636 


Stnmenbuttg, 

prüfet  eua)  nun,  meine  3u!?orer,  tt)te  euer  #er$  be* 
fa)affen  tft,  unb  waö  tpr  bei  2ln£orung  tiefer  ^rebigt  empfunben 
I?abt    SQSaö  mia)  betrifft,  fo  famt  ia)  eua)  t>te  23erfta)erung 
$tUn,  baf?  t£r  eua)  fe£r  woljl  babei  befmben  unb  ein  fromme^ 
€eben  niä)t  me£r  für  fa)wer  ober  gar  für  unmögtia)  Ratten 
»erbet,  wenn  i£r  bie  t>orgefa)Iagenen  Wlittd  gewiffenjjaft  ge* 
fcraua)et  UebrtgenS  paben  5D?eprere  fejjr  richtig  bemerft,  baß 
fofa)e  $orfa)fäge  nur  für  biejenigen  fe^en,  bie  $ur  ©aa)e  felbft 
£uft  haben.  2)enn  man  wirb  einem  jungen  9ftenfa)en,  ber  mefir 
greube  an  ber  £anbelfa)aft  ober  an  bem  $rieg$wefen,  aU  am 
©tubiren  £at,  oergebenö  Wliitcl  an  bie  £anb  geben,  wie  er 
gur  ©eleü>rfamfeit  gelangen  fönne,   (£benfo  ift  9ftana)er  gteia> 
gültig  bagegen,  ob  man  tj?m  t>ic  Mittel  $ur  wahren  ©ottfelig* 
fett  angibt  ober  nifyu  dv  pat  feine  £uffc  bie  ©aa)e  anzugreifen, 
f  onbem  MtiU  lieber  bei  feinen  gewohnten  ©ünben  unb  fa)meia)elt 
fta)  babei  mit  ber  angenehmen  ^ofnung,  in  ben  Fimmel  gu 
fommem  —  $ber  wa$  Ijilft  bem  atte$  ^rebigen  unb  ©a)reiben, 
ber  fein  £er$  bem  guten  dlaty  oerfa)liefit?  £)oa)  fotten  fola)e 
9ftenfa)en  wi  jfen,  baf?  fte  an  jenem  grofen  £age  feine  @ntfa)uf* 
btgung  {mben,  unb  baß  il?re  SBerbammnif?  nur  um  fo  fa)werer 
fepn  wirb,  je  leia)ter  ipnm  ber  Sßeg  jur  ©  eltgf  eit  gemaa)t 
wotben  iji.  £)arum  bitte  ia)  eua)  noa)maia  um  ber  23arml?er* 
$tgf  eit  ©otteö  Witten,  baß  i£r  eua)  ratzen  faffet*  35enü§et  in 
@otte$  tarnen  bie  angegebenen  Wlitttl  unb  laffet  e£  eua)  in 
biefer  widrigen  ©aa)e  (£rnft  fepn ;  bann  wirb  eua)  ber  £öa)f*e 
©einen  ©egen  nia)t  oerfagem  —  (£$  if*  noa)  übrig,  mit  wenigen 
^Sorten  t>k  grommen  $u  tröjlen,  bte  fta)  bisher  oieie  2)M!?e 
gaben,  aur  wahren  ©ottfeligfeit  $u  gelangen  unb,  iljrer  Meinung 
naa),  bie  angeführten  TOttel  ojwe  Erfolg  gebraustem  —  Raffet 
begljalb  ben  Wlufy  nia)t  ftnfen,  fonbern  erinnert  eua)  baran, 
baf  ^autuS  t>on  bem  £imotj>eu$  unb  un$  Sitten  nur  eine  Uebung 
verlangt  2Ber  aber  noa)  in  ber  Uebung  begriffen  ijl,  oon  bem 
fann  man  noa)  feine  23ottfommenlj  eit  erwarten,    SSon  einem 
£tnbe,  bae  fa)reiben  lernt,  forbert  man  nia)t,  baß  e$  naa)  we* 
nigen  £agen  fertig  unb  fa)ön  fa)reiben  fott;  fonbern  man  iß 
bamtt  §ufrteben,  wenn  e$  fleißig  tji  unb  einen  auten  ^Bitten 


637 


$etgt  ßfbenfo  fjält  e$  ©Ott  cwd)  mit  feinen  ^inbern*  D  baß  wir 
£e£rer  e$  Ui  unfern  3"^örern  bafjin  bringen  motten,  baß  fte 
einmal  anfangen,  mit  rechtem  Grifer  ©Ott  $u  bienen!  üttödjte 
eö  un$  nur  gelingen,  fte  t>on  t^rer  gewohnten  ©tctyerjjeti  ab^u* 
galten  unb  einen  wahren  Grrnff  in  i^nen  ju  erwecfen;  benn  an 
guter  Slnfang  in  ber  ©ottfeligfeit  ijt  bann  fd)on  gemaa)t,  wenn 
man  fta)  petita)  barum  befümmert  unb  unter  Qtbti  unb  gießen 
bann  fortzufahren  fudjt  —  £)amit  t^r  alfo  nta)t  fleinmüt^tg 
werbet,  fo  bebenfet,  baß  tpr  e$  mit  einem  gütigen  unb  liebreichen 
SSater  ju  tfmn  pabt,  ber  mit  einem  aufrichtigen  £er$en  unb 
guten  bitten  aufrieben  iji  ^»enfet  an  bie  Sorte  beö  frommen 
51  r  n  b  t :  „  Senn  bu  beinern  lieben  ©Ott  ntdjt  fo  große  unb  siele 
Dpfer  bringen  fannft,  fo  bringe  3^nt,  wa$  bu  ljajt  unb  »er* 
magjt,  unb  ba$u  einen  guten  Sitten,  mitbem  ernjtlia)en  Sunf$, 
baß  3!)ntbein©ottesbienfiwo!?lgefau'ettmöge*  £>enn  ein  fol$e$ 
Ijeiligeö  Verlangen  fjaben,  ja  l?aben  wollen,  tfi  feine  fleine  ©abe 
unb  Dpfer,  fonbern  gefallt  ©Ott  wofrt,"  Bweifelt  auc$  nia)t  baran, 
baß  eure  33efferung  eben  in  biefem  eurem  Kummer  täglia)  $u* 
nehmen  werbe*  £)enn  ©otteö  Serf  gebeizt  in  ben  bemütpigen 
unb  befümmerten  ©eelen  am  beftem  —  Aftern  fte^t  nia)t,  baß  bie 
55flan3enwaa)fen;  aber  man  jtept,  baß  fte  gewadjfen  ftnb*  Senn 
e$  eua;  alfo  aua)  bünft,  al$  ob  ij?r  in  eurem  ©fjrijrentjmm  feine 
ftdjtbaren  gortfa)ritte  machet,  fo  wirb  es  ft$  bodj  bei  anfyab 
tenbem  gleiß  unb  (Eifer  mit  ber  3ett  geigen,  ba$  eure  Sirbett 
in  bem  £erw  nia)t  sergeblitt)  gewefen  fe^  — 
Raffet  un$  baljer  mit  ben  Sorten  fliegen : 

3$  leb  im  ©trett  unb  ttiberfireb',  fnlf,  o  £err  <£!)ritf,  mir 
©a)tt)a#en!  Sern  betner  @nab1  allein  tc$  leb',  2)u  fannfl  mta) 
fräfttg  maa)en.  Äommt  nun  2lnfea)tung,  £err,  fo  tt>e£r,  2)afl  fte 
m#t  bring1  ber  ©eeP  ©efä^r ;  £>u  wirfi  mt#  nü$t  »erlaffen.    Slmen. 


638 


SB  lerte    ^reH  jt 

Bon  bem  inneren  $ityt  unb  ber  (£rfenntniß 
b  e  r  S  e  e  I  e* 

£..  <£p$.  1 ,  17—19.  ©er  ©Ott  unfere$  £errn  3*fu  grifft,  ber 
Sater  ber  £errlt#feit,  gebe  eu#  ben  ©elf*  ber  2Bet$$eü  unb  Offen* 
Gärung  :c» 

S  i  n  3  a  n  9» 

5«t  Planten  Sefu!  2lmm. 

2)ie  ©eleprten  paBen  »tele  Unterfua)unge;n  bantter  ange* 
Pettt,  tx>a^  baS  St^t  unb  D?ec^t  gewefen  fey,'  wela)e$  SOJofe^ 
auf  ©otteS  S3efe£l  in  ben  2lmt$f4)ilb  t£un  mußte,  ben  ber 
#o£epriefier  auf  ber  35ruß trug?  Einige  verfielen  barunter  bie 
gwölf  (£belfletne,  n>eI4»e  $um  3ei$en  ber  awolf  Stämme  tn  bem 
33rujrf$ilb  waren ;  2lnbere  benfen  an  einen  befonber$  großen  2)ta* 
mant,  berft$,  wenn  ber  £opepriej}er$ftedjtfpraä),  bei  einer  fal* 
fc$enSadje*>erbunfelt,  bei  einer  rechtmäßigen  aber  in  feinem  voU 
len  ©lan$  gejtrajrtt  £aben  foll*  £o<$,  wo$u  mag  eö  bienen,  über 
einen  ©egenfknb  ju  grübeln,  ber  |iet$  im  £unreln  Wetten  wirb  ? 
Ober  roaö  Ijilft  eä,  ml  aufragen  über  ba$  2ic$tnnb  *ftea)t  bellten 
£eflament$,  ba$  boa)  aufgehört  £at,  für  uns  gültig  ^u  fepn  ?  <£$  iji 
oljne  3wetfel  Keffer,  wenn  wir  felbfi,  als  ^riefier  beä  bleuen  £efla* 
mentS,  ba$  unvergängliche  £ic$t  unb  9^e^t  auf  unfern  #er$entra* 
gen«— 3*oar  fotten^an^e  ber  Meinung  fepn :  ©ott  antworte  ben 
Seinigen  im  ^euen  SEeftament  ebenfo  burd>  baö  %ia)t  unb  SRta)t, 
aU  e£emal$  im  bitten  £ejiament,  unb  e$  gebe  eine  fr^allene  £afel, 
auf  ber  man  2llle$,  wa£  im  Fimmel  unb  auf  (£rben  tft  unb  ge* 
\§itf)\f  feigen  unb  erforf^en  fönne*  — -  allein,  t$  fann  ni$t 
begreifen,  tvaö  fte  eigentlich  barunter  »erftepen*  2)enfen  fte  an 
eine  unmittelbare  Erleuchtung ,  t>k  außer  bem  SBorte  ©otteä 
gefeiten  foK,  an  außerorbentltdje  Henntmffe,  wo$u  man  o£ne 
9ttü£e  unb  gleiß  gelangen  fonne,  fo  ftnb  fte  ber  23eaa)tung  nia;t 
wert^  Sprechen  fte  aber  btlblicf),  um  andeuten,  baß  ©Ott 
no$  je$t  bk  ©laubigen  bur$  Sein  23ort,  Seine  ©nabe  unb 
Seinen  ©eifterleua;te,  unb  mit  Seie^ett  erfülle,  umbie  ©eljeim* 
niffe  Seinem  $l?ia)t$  ju   tterjkjjeu  unb  bte  £errlt$fett  unb 


639 


©eltgfeit  be$  $imm?tt  gtetcpfam  au$  ber  gerne  gu  flauen,  fö 
verbienen  fte  33eifatl.  2)emt  e$  ift  gewig,  bag  auä)  im  9?euen 
£eftament  ein  £ia)t  unb  $edj>t  vorpanben  tjt,  woburcp  bie  ©Tau* 
bigen  erleuchtet  unb  regiert  werben»  $autu3  verftept  barunter  bie 
@rfenninig  3efu  ^rtjti,  beffen  göttliches  Hngeftcpt  jtcp  gteicpfam 
in  ben  £er$en  ©einer  ©laubigen  abriegelt,  ber  fte  burdj  <Btin 
SBort  unb  ©einen  ©eifi  fo  erleuchtet,  baß  fte  pineinfepen  !6nnen 
in  bie  liefen  ber  ©ottpeit,  bie  ©epeimniffe  be£  ©nabenreiä)£ 
verfiepen,  ftcp  in  bie  unerforfäjlicpen  2Sege  ©otteö  willig  fdjicfen, 
bie  ©cprtft  ftcp  recpt  $u  9ht$en  machen,  für  ftcp  felbft  baö  23efte 
wäplen ,  Slnbern  mit  gutem  3?atpe  bienen ,  unb  ftä;  vor  beä 
©atang  hänfen  püten  lernen  jc*  —  2)ieg  ijt  eine  ©abe,  bie 
auf  ben  ©lauften  folgt,  unb  ftcp  bei  allen  grommen,  nur  auf 
verfä)iebene SSeif  e, ftnbet*  —  SBon  biefem  inneren?icpt  ber 
gläubigen  ©eeten  wollen  wir  biegmal  reben*  — $cp,  £err 
3efu!  i$  bin  aufrieben,  wenn  i$  aufy  nia)t  gan$  »erfiepe,  waö 
ba£  £icpt  unb  3£ecpt  im  Sitten  £ejkment  gewefen  i(i !  £ag  nur 
2)ein  ©nabenlidjt  in  mein  £er$  fcpeinen;  lag  deinen  peiligen 
©eift— b  aöewigeSHä)  t— meine  «Seele  burcpleucpten,  regieren 
unb  auf  ebener  23apn  führen,  fo  werbe  ia)  nimmer  irren*  2Imem 

2l6$anblung* 

2)ie  peilige  ©cprtft  leprt  beutlicp,  bag  in  bem  £er$en  bejfen, 
ber  mit  @prijto  vereinigt  ijt,  ein  neues  £tcpt  aufgepe,  woburcp 
bie  angeborne  ginjkrnig  vertrieben,  ber  SBerffanb  erleuchtet, 
unb  mit  pimmlifdjer  2Q3ei$peit  begabt  werbe*  2öie  fte  ben  3ufianb 
be$  Üttenfcpen  vor  feiner  33efeprung  mit  ber  gmfternig  ver* 
gleicht,  fo  vergleicht  fte  ben  3ujtab  bejfelben  nacp  ber  ©efeprung 
mit  bem  Mty.  Segpalb  fagt  3efuS:  „3$  bin  b'a*  JHcpt 
berSBett,  wer  Sföir  nacpfolgt,  ber  wirb  nicpt  wan* 
beln  in  ginftemig,  fonbern  wirb  ba$  £tcpt  be$ 
2  eb  e  n  $  p  a b  e n"  it.  2iua)  bie  2lvof*el  reben  bavon ;  fo  fcpm'bt 
95aulu$  von  ben  Unbefeprten:  „6ie  w  an  beln  in  ber  (EU 
telfeit  tpreS  6inneS  bapin,  ipr  SB  erlaub  iß  v  er* 
finfUrt,  unb  fie  finb  entfrembet  von  bem  £eben 
©otteSburcpbie  Unwiffenpeit,  bie  in  ipnen  ijt, — 
bur$  bie  8linbpeit  tpreS  £er$en$!"  —  2$on  ben 


640 


33efef>rten  aber  [priest  er:  „9lun  fpiegeltfta)  in  un$  211* 

lenbe$£errn$lar!jett,  unb  wir  werken  o  er  flär  tut 

baffelbe  23ilb  von  einer  $larl>eit  $u  ber  anbern:c* 

®ott,  oer  ba  ^ t e g  t) a ö  £ia)t  auö  ber  ginjternig  I?er* 

»orleua)ten,   pat  einen  pellen  ©a)etn  in  unfere 

£er$en  gegeben*"    betrug  fagt:  „©Ott  fy&t  eua)  be* 

rufen  von  ber  ginfternif?  ut  ©einem  wunberbaren 

£tä)  t" —  Sßeil  aber  biefe  gnabenrei<$e  Grrleua)tung  bura)  3efum 

niä)t  gleia)  gan$  voll!  ommen  i%  fonbern  nur  allmäfjlig  $unimmt, 

fo  wünfa)t  ber  Slvoftel  in.  unferem  Xtxt,  ba$  ©Ott  ben  (griffen 

ben  ©eift  ber  2Bet3l?eit  unb  ber  Offenbarung  nt 

©einer  (£rfenntnifjgeben  wolle, bamit ftebaburdMntmer 

mepr  einfejjen  mögen,  wa$  fte  an  3£m  Ijaben,  wie  gut  Güx  e$ 

mit  ben  Seinigen  meine  unb  wie  geneigt  er  fep,  Sebermamt  $u 

Reifen»  —  Serner  wünfa)t  er  tattert:  (£rleua)tete  21  u  gen 

t£re3  SBerpanbeö,  bamit  fie  erfennen  mögen,  wel* 

$e$  ba  fep  bie  Hoffnung  iljreä  Berufes  unb  ber 

9teiä)tfutm  feinet  l?errlia)en  (£rbeg*  —  £>emnaä)  fotlen 

bie  grommen,  welche  in  biefem  £eben  mit  mana)erlet  £rübfal 

unb  2lnfea)tung  ^u  fämvfen  Ijaben,  allezeit  $um  £immel  auf* 

fclitfen  unb  im  ©eift  bag  Äleinob  vor  2tugen  jjaben,  ju  welchem 

fte  berufen  ftnb,  unb  jta)  bamit  in  aller  Sßtberwdrtigfeit  troffen. 

2lua)  follen  fte  fia)  in  ifjrer  ©a)waa)!>eit  auf  ©otteg  überfa)weug* 

Iia)e  ^raft  verlaffen,  bie  (£r  fa)on  fo  vielfaa)  an  ijmen  bewiefen 

#abe,  unb  bura)  wela)e  (£rung  jMrfen,  vorbereiten,  fräftig^n, 

grünben  unb  $ur  ©eligfeit  bewahren  werbe.  —  ©a)on  barauö 

liefe  fta)  abnehmen,    was  wir  unter  bem  inneren  £tä)t  ber 

glaubigen  ©eelen  verfielen;  wir  wollen  unö  aber  noa)  beutlia)er 

barüber  erflären.  ©o  balb  nemlta)  Sefuä  bie  ©eele,  bie  bura) 

ben  ©lauben  mit  3{?m  in  ©emeinfä)afi  jfejrt,  bura)  ©ein  23lut 

von  ©ünben  gereinigt  unb  bura)  ©ein  23erbienjt  gerea)t  gemaa)t 

pat,  ffellt  (£r  ba$  (£benbilb  ©otteS  wieber  in  tyx  per  unb  er* 

neuert  fte  bura)  ©einen  ©eifh  2Beil  aber  ^k  ©eele  vor  bem 

©ünbenfatt  einem   gellen  ©ptegel   glia),    in   wela)em   jta) 

ba$   ewige  %ifyt  mit  feinem   ©lan$e   abriegelte,    fo  ffellt 

ber  £err  biefe  £errlia)fett   in    berfelben  wieber  per*    (£t 

vertreibt  bie  gtnjfermg  ber  ©ünbe,  ber  Unwiffenfjeit  unb  be$ 


641 


3rrtpum$ ,  unb  burcpleucptet  bie  ©eele  mit  Seiner  ©nabe,  ba* 
mit  fte  bie  SBunber  ber  göttlicpen  ^tebe,  Slllmacpt  unb  2Bei$peit 
an  unb  in  ftcp  felbft,  im  2öorte,  in  ben  peiligen  ©aframenten 
unb  in  allen  ©ingen  fepen  möge*  ©aburcp  wirb  fte  ntcpt  blo& 
mit  poper  Sßetepeit,  fonbern  aucp  mit  greube  unb  £rojl  erfüllt 
unb  $um  £obe  ©otte$  ermuntert 

1)  ©te  glaubige  ©eele  fann  alfo  in  biefem  Cicpt  ftcp 
felbfi  recpt  ernennen;  —  fte  fiept  auf ipren  vorigen  3uftonb 
3urücf,  unb  betrachtet  bie  früpere  gütfiermp  au£  bem  \t%U 
gen  £icpt  ©ie  erwägt!,  n?ie  fte  t>om  ©atan  serblenbet  würbe, 
unb  feinem  SQSillen  geporcpte*  ©ie  benft  über  ipre  ©ünben 
nacp,  unb  oerwunbert  ftcp  über  bie  £angmutp  ©otte&  ©ie 
burcpgept  ipren  ganzen  £ebenSlauf,  unb  ftnbet  feinen  £ag,  ben 
fte  nicpt  mit  £eicptfmn,  ber  £>err  aber  mit  ©üte  unb  23arm* 
per^igfeit  be^eicpnet  pätte,  unb  füplt  ftcp  baburcp  $um  £obe 
©otteS  angetrieben*  5lcp,  mein  ©Ott,  foricpt  fte,  bu  liebreicper, 
gütiger,  gnctbiger  SSater,  wie  tpbrtcpt  unb  blinb  hin  icp  gewefen, 
wie  pabe  icp  ©icp  fo  ganj  sergeffen  unb  in  fo  großer  ©icperpeit 
baptngelebt  £>  xt>k  paf*  ©u  bocp  fo  lange  ©ebulb  mit  mir 
pabenfonnen?©oa),©u biß:  ©Ott  unb  nicpt  ein^ttenfcp, 
2Bie  groß  ift  ©eine  ©üte,  )x>k  unauSfprecplicp  ©eine  Zieht, 
wie  unbegretflicp  ©eine  SBeispeit ,  tck  mwergleicplicp  ©eine 
$raft !  3cp  bin  ein  SBunber  ©einer  2lllmacpt  unb  2Bei$peit 
£)  SSater!  ©u  läffefi  uns  jwar  überall  Stterfmale  ©einer  Ziehe 
erblicfen  unb  paft  auep  bie  germgfk  33lume  mit  ©einem  ginger 
be^eiepnet;  allein  an  mir  »ornepmlicp  ftept  man,  tt>ie  groß 
©eine  ©üte  ift  2Ba$  war  icp  früper,  unb  m$  hin  icp  nun  ? 
grüper  ein  $inb  ber  £olle,  nun  aber  X>ein  liebet  $inb  unb 
ein  (Jigentpum  3efu  dpriftu  Söarum  feilte  icp  ©icp,  meinen 
©ott  unb  SBater ,  nicpt  von  ganzem  £er$en  greifen?  ©u  paji 
mta)  ia,  ba  icp  tobt  war,  in  (Sprifio  lebenbig  gemaept;  ©u  paß 
miep  t>on  ber  £ötte  erlöst  unb  fammt  3pm  in  ben  Rummel  *>er* 
fe£t  ©u  pafi  mir  meine  große,  fcpwere  ©ünben  »ergeben  unb 
alle  meine  ©ebreepen  gepeilt  ©u  pafl  miep  gleicpfam  an$  ber 
Stiefe  ber  (£rbe  perauf  gepolt,  pafl  miep  in  ©einer  ©nabe  groß 
gebogen  unb  miep  au  allen  Seiten  getröfiet  ©arum  banle  icp 
©ir  für  ©eine  £reue,  mein  ©ott,  unb  meine  «Seele  lebt  in 
<5cvi»ev'S   ©eelenfc^rt^.  41 


642 


2)ir,  3a,  greifet  mit  mir  ben  £errn,  i£r  Jeütgen  (£ngel  unb 
ijjr  frommen  ©eelen  atte,  unb  lagtunö  miteinanber  ©einen 
tarnen  er£öfjen ! 

2)  ©ie  lernt  ferner  in  biefem  %i$t  ©Ott  rea)t 
erfennen*  ©ie  x>ergleiä)t  nemfi<$  2Wes,  wa$  ber  £err  an 
t£r  getljan  jwt,  mit  ben  2luSfyrüa;en  ber  ©$rift,  unb  biefe  wie 
bie  eigene  (£rfaf>rung  tjjut  if>r  bie  2lttmaa)t,  bie  Söeteljeit,  bie 
ßiebe  unb  (Sitte  be$  £ö$fkn  funb*  ©ie  tte^t  mit  greuben  in  bem 
55ua)  be$  Gebens,  erwägt,  wie  ©ot.t  unö  au£  ©naben  erwägt 
Ijatin  Gtfmjto  3efu,  e£e  ber  SOSeXt  ©runb  gelegt  war;  unb 
ber  ©eift  be$  £errn  bezeugt  i£r,  baf?  aua)  ijjr  IKame  im  £im* 
mel  angefa)rieben  ift  -—  ©ie  betrautet  in  finb(ia)er  (££r* 
fura)t  bie  $orfe£ung  unb  weife  Regierung  ©otte$,  erwägt 
©eine  unbegreiflichen  ©eria)te  unb  unerforfcpcfyen  2öege,  unb 
wirb  babura)  überzeugt,  baß  aW  ©ein  £jmn  gerecht  unb  J?et(ig 
tji  ©ie  lernt  fta)  immer  meljr  in  ©otteä  wunberbare  gü^ 
rungen  fäjitfen,  mit  fte  weig,  bag  dv  eS  niä)t  böfe  meinen 
fann,  wie  bie  ©a)rift  fagt :  „<£r  iß  getreu,  gerecht  unb 
fromm,  unb  ift  fein  33öfe$  an  3£ro*"  ©ie  ruft  mit 
Paulus  au$:  „£>  wela)  eine  £iefe  be$  9?eid>t£um$, 
beibeber  2ÖeiSf?eit  unb  (£rfenntntß  ©otteg!  2ßie 
gar  unbegreiflich  finb  ©eine  ©eria)te  unb  wie 
unerforfa)fic§  ©eine  2öege!"  Unb  mit  Txxofox  £err, 
mein  ©Ott:  groß  finb  £>eine  Söunber  unb  ©eine 
©ebanlen,  bie£)u  an  unö  beweifeft;  £)ir  ift  nia)t$ 
gletc^  3ö)  willfte  »erfünbigen  unb  basonfagen, 
wiewohl  fienia)tau  S<*He«  finb/;— 3ugleia)  wirbiijr 
bti  biefer  Betrachtung  rea)t  flar,  wk  gering  aller  $?en* 
fc^en  3ttaa)t  unb  SBBeiö^ett,  wie  nichtig  unb  wie  flüchtig  aller 
3ttenfa)en  ©röfje  unb  £errlid;fett  fet)*  Seim  2lnfdjauen  be£ 
großen  ©otte$  erfctmnt  tyx  bif  gan$e  Sßelt  mit  Willem,  tt>a$  fte 
Ijatunb  »ermag,  aU  ein  £raunu  —  2Bte  gering  ift  fte  fta;  bann 
in  i^ren  eigenen  klugen,  wie  wunbert  fte  fic£  barüber, 
baf  ber  große  ©Ott  fta)  fo  fepr  um  ben  fa)wa$en  9flenfa)en 
befümmert,  fo  baf?  fte  mit  £>aoib  aufruft:  „£err,  wa$ 
ift  ber  Sttenfa),  baf?  2)u  2)ia)  fein  fo  annimmjl, 
unb  be$2£enf$enJUnb,  bafj£)u  i$n  fo  aa)tefi!"  — 


643 


£>  xoit  glücflto)  fo)ä§t  fte  fta),  bag  ber  ewige  ©Ott  fte  $u  ©ei* 
nem  ©ienfte  erforen  £at,  w>te  bereitwillig  wirb  fte  fepn,  3!w 
ju  lieben,  gu  eieren  unb  gu  greifen ! 

3)  £auptfäa)lta)  aber  lernt  fte  aua)  tn  bem  göttlichen 
£ia)te3efum  £l)riftum,  ba$  £ta)t  ber  2Belt,  rea)t 
e  Hennen;  dx  offenbart  fta)  tpr  j[e  mepr  unb  mepr, 
wnb  ©eine  ©nabe  tft  iljr  tpeurer,  als  alle  $errlia)!eit 
ber  Söelt  ©ie  betrautet  ba$  ©e^etmnig  ©einer  9ttenfä)* 
Werbung  mit  $erwunberung  unb  freut  fta),  baß  fte  iljren 
©a)ityfer  unb  £errn  —  33  ruber  nennen  barf»  Sfftit  <Btau* 
neu  fteljt  fte  bie  f>immlifa)e  äBei$£eit  unter  ber  Einfalt, 
bie  göttliche  2lllmaa)t  unter  ber  ©a)waa)l)eit,  ben  unerfa)opf* 
lia)en  ^ei^tjjum  unter  ber  Slrmutlj,  bie  @erea)tigfeit  unter 
ber  ©ünbe,  ben  ©egen  unter  bem  glua),  ba$  £eben  unter  bem 
©terben  »erborgen»  ©ie  wirb  ©einer  $kbt,  3)emut£  unb 
©anftmutl?  nia)t  fatt  ©ie  ergoßt  fta)  täglich  an  ©einem  treuen, 
ltebreta)en  £er$en*  ©ie  erquicft  fta)  an  beti  f&unben  iljreö  (£r* 
föferS,  alö  an  ben  wahren  £ebenöquellen,  unb  »ergießt  bi$* 
weilen  greubent^ränen  in  ©einem  SBejt#*  ©o  paft  2)u  mta) 
benn  fo  fe£r  geliebt,  fpria)t  fte,  bag  2)u  £ia)  fefbji  filr  mi^ 
bafungegeben  IjafL  ©o  barf  ia)  mia)  rühmen,  baß  ber  ©ojm 
©otteg,  ber  @lan$  ©einer  £errlia)feit,  ba$  <£benbilb  ©eines 
SBefenS  mir  gefa)enft  unb  mein  £eilanb  unb  Erretter  fe^  — 
£>  £tebe!  D  ©eligfeit!  3efu3  ift  mein  unb  ia)  bin  ©ein!  5la) 
»eqei^e  mir,  o^efu,  bag  ia)  fo  lange  3«t  3ugebraa)t  pabe, 
o£ne  jDeine  %kh?  $u  erfennetu  (£$  ijt  mir  leib,  baß  fe  ein  ®e* 
banfe  in  meinem  £er$en  aufzeigen  fonnte,  ber  ©ir  $uwiber  tfi, 
bag  ia)  gelebt  £abe  o{me  £>ta)  au  lieben  unb  $u  ejjrem  TB  tfi 
mir  leib,  bag  ia)  auger  2)ir  meine  greube,  meine  (£fjreunb 
meinen  Sffttfmi  fua)te,  bag  ia)  an  Qtint  Streue  unb  ^tc^e  fo 
wenig  baa)te  unb  2)tr  noa)  nie  fo  Jjer^lia)  unb  innig  banfte, 
als  2)u  es  »erbient  £afi  —  3e|t  erji  fe£e  unb  erfenne  ia),  wa$ 
ta)  an  2)tr  £abe,  unb  wela)e  tjjeure  ©abe  ©otteS  2)u  bifi  — 
3n  deinem  £ia)te  fe£e  ia)  baS  £ta)t*  —  9tun  follfi 
2>u  in  3ett  unb  (Ewigfeit  meines  £eraen$  Sonne  unb  £öa)fte 
greube  feipn*  3a)  Witt  9tia)t$ ,  2)u  folljt  SllleS  feym  3a)  Witt 
nia)t$  wiffen  als  3efum  Gprtfium,  ben  ©efreu$igten;  ia)  Witt 

41* 


644 


bte  SQßelt  fammt  alT  tyrer  £ufi,  (£l)re,  greube  unb  £errlia)feif, 
j[a  mia;  felbji  ttergeffen  unb  nur  an  £)ia)  benfen.  2>u  fottjt  meine 
©erea)tigfeit,  meine  S&eiöjmt ,  mein  ^eidjtljum,  meine  ^^re, 
meine  greube,  meine  $raft,  mein  £rofi,  mein  ©dnnucf,  mein 
geben  unb  Me$  fe^n.  2ln  £)ir  ^abe  ia)  ba$  Ztbtn  unb  solle 
©enüge  gefunben  :  Sag  fehlet  mir  noa;  ?  —  SBenn  iä)  nur 
®ic^  £abe,  fo  frage  ia)  nia)t$  naa)  Fimmel  unb  GErbe,  wenn 
mir  gleia;  2etb  unb  ©eele  t>erf$ntaa)tet,  fo  bift  2)u  boa)  alle* 
3ett  meinet  ^er^enö  £roft  unb  mein  Zfytill  T>\x  ^ap  Söorte 
be$  ewigen  £eben$.  2)u  paft  ©nabe,  ©eift  unb  $raft;  2>u  £ajl 
SEroft  unb  greube.  3$  fjabe  erfannt  unb  geglaubt,  baf?  £)u 
bifi  (£jmftu$,  ber  ©o£n  beS  lebenbtgen  ©otteS,  ber  £eilanb 
ber  Seit,  unfer  (£rlöfer  unb  6eligmaa)er! 

4)  3n biefem  £ia)t  lernt  jte  autf;  bie©emetnftt)aftbe$ 
£  eiligen  (Seiftet  »erfreuen,  unb  wa$  bie  ©a)rift  barüber 
fagt.  ©ie  vernimmt  in  jta)  täglia)  me£r  ba$  3eugnig  be$  £et* 
Kigen  ©eijieö,  weiter  3efum  (££riftum  in  i£r  »erflärt,  inbem 
<£r  jte  auf  beffen  sergoffeneä  33tut  unb  »ottgütttgeS  SBerbtenffc 
Jjinmiöt  unb  fpria)t:  „©ie£e,  bag  $lle$  ift  bein  unb  bir  £at  e$ 
©ott  jur  ©eligfeit  gegeben.  —  £>er  £.  ©eifi  ift  ber  göttlia)e 
£ejjrer  beS  ©laubigen  unb  erflärt  if?m  bie  ©e^eimniffe  beö  dlä* 
rf)e$  ©otteS,  ber  ©a)rift  unb  ber  ewigen  Siebe.  £>af?er  fagt  ber 
2tyoftel:„Sir  £aben  empfangen  ben  ©eifi  au6  ©Ott, 
baß  wir  wiffen  fönnen,  waö  unö  von  ©ott  gege* 
ben  iji"  Sir  einfältige  9D?enfä;en  verfielen  freilia)  bie  £err* 
lia)feit  unb  ©eligfeit  nia)t,  bie  un^  von  ©ott  in  @£rijto  gege* 
ben  ijt;  aber  ber  ^eilige  ©eift  öffnet  uns  bie  5lugen  be$  23er* 
flanbel,  ba§  wir  bie  %kbe  unb  ©üte  ©otte£,  bie  ©röf? e  ©einer 
©nabe,  ben  SertJ)  ber  ©ünben* Vergebung,  ber  $tnbfa)aft 
©otteö,  unb  ber  Hoffnung  bes  ewigen  £eben$  begreifen  lernen. 
(£r  jeigt  un$  wie  wir  baä  2llleä  benü£en,  unb  une  beffelben  im 
Seben  unb  «Sterben  tröften  fotlen. 

5)  (ürbenfo  lernen  bie  ©laubigen  in  biefem  £ia)t  aua)  bie 
©a)rift  serfteljen,  btefclbe  ale  ©otteS  Sort  j?oa)fa)ä#en,  unb 
al$  eine  $raft,  feiig  $u  maa)en  Sitte,  t>k  baran  glauben.  — 
Denen,  bie  noa)  nia)t  im  wirflia)en  ©tanb  ber  ©nabe 
leben ,   ijt  bie  £immftfa)e  2SeiöJ>eit  eine  ££or£eit ,  unb  t)k 


645 


©c^rtft  ein  *>erftegelteä  33ucb.  Senn  fte  barm  tefen,  gereift  e$  ijj* 
nen  sunt  2lergermf?  ♦  ßmtweber  fpotten  fte  über  tk  Einfalt  t>ef^ 
felben,  ober  Rängen  fte  bloS  an  bem  tobten  33u$ftaben,  oljne 
bie  $raft  $u  emttftnben,  weit  fte  bie  ©d;rift  als  ein  gewöjimü* 
$e3  33ud>  betrauten,  $u  beffen  SSerjtänbnig  feine  pokere  (£r* 
leudjtung  nötfng  fe^*  2)ie  ©laubigen  bagegen  werben  burdj  ben 
Reuigen  ©eift in  t>k  ©c^rtft,  aU  in  ein  ^eiligtjmm  eingeführt,  ba* 
mit  fte  barin  bie  £errli$feit©otte$  3uij>rem£roße  fa)auenmö* 
gen.  Sie  werben  erfüllt  oon  ber  ©nabe  unb  £iebe  be&£>ö$ften,  unb 
erquicft  nadj  £er$enälujt.  —  ©leia)wie  ber  £err  feinen  3ün* 
gern  auf  bem  Sege  nad)  (£mmau$  bie  Sajrift  erflärte,  t>a$  i>a$ 
£er$  gleta)fam  in  ij?nen  brannte,  fo  thut  er  e$  Jeute  noa)  be* 
nen,  bie  tjm  lieb  Ijaben.    2Benn  fte  ba$  Sort  mit  2lnbaa)t  le* 
fen  ober  jjören,  wirb  tyv  £er^  bat>on  manchmal  fo  ent^ünbet, 
bafj  e$  glei^fam  t>or  $kht  brennt.    £)ft  ftnben  fte  in  Einern 
Sprudj,  ja  in  Einern  Sorte  fo  oiel  ^raft,  £rojl  unb  £abfal, 
bafj  fte  e^  nia)t  auefprec^en  fönnen;  benn  e$  ift(£in©etß,  burcfy 
2)effen  Eingeben  bie  Schrift  aufgezeichnet  tft,  bura)  Neffen 
$ityt  fte  ben  ©laubigen  erftärt,  unb  burc$  Deffen  $raft  jte  ip 
nen  an$  £er£  gelegt  wirb.   (£benbal?er  f  ommt  U ,  baf  etnfd^ 
Jige  aber  fromme  Wienern  e$  in  ber  (£rfenntniß  ©otteS  unb 
3efu  (grifft  oft  fe£r  mit  bringen,  t>a$  fte  üoll  ln'mmlifcf)er  Seiä* 
$ät  unb  $lugj>eit  ftnb,  unb  ben  lijtigen  Anläufen  be$  Satans, 
wie  bem  Spott  ber  Seit  unb  ben  £e£ren  falfctyer  55rop|jeten 
mit  greubigf  eit  wiberfief>en  fönnen.  —  Sie  ftnb  imStanbe  ft$ 
unbStnbere  $u  tröjten,  $u  ratpen,  unb  wiffen  überall  baä^edjte 
gu  treffen.    Sie  fönnen  mit  2>aotb  fagen :  2)umac$ftmt$ 
mit  ^Deinem  ©ebote  weifer,    benn  meine  geinbe 
finb,  i$  bin  gelehrter,   alg  alle  meine  £e£rer|; 
benn  2>eine  3eugniffe  finb  meine  Sftebe.    3$  wei* 
a)e  xiifyt  von  deiner  dietyttn;  benn  bu  le^refl  mia;* 
2)ein  2Bort  raad)t  mia)  fiug;  barum  £affe  iify  alle 
falf^en  Sege,"— £>iefHf*  auc$  ber  ©runb,  warum  einige 
Ceprer  ber  $ird?e  viel  fräftiger  reben  unb  f ^reiben,  alt  an* 
bere,  was  bie  @rfa£rung  älterer  unb  neuerer  3ät  le£rt.  SJlan 
fann  i£re  Sorte  nia)t  o£ne  befonbere  $üj>rung  anpören  unb 
baö  £er$  empfinbet  balb  tit  ^raft,  tk  in  ipren  ©Triften 


646 


»erborgen  ijh  2>ie  33ucj$aben  finb  awar  tobt,  aber  man  füjrtt 
boa)  ein  £eben  tn  tjmeiu  So£er  bieg  anberö,  als  weil  biefe 
Männer,  erleuchtet  burd)  bae  innere  %\tyt,  gerebet,  —  unb  beget* 
fiert  burcfj  ben  £tnblicf  auf  3efum  ßljrtjhutt,  ben  ©einigten, 
gefc^rteben  ljaben?  £)er  £err  felbft,  ber  einjt  fo  gewaltig  fcre* 
bigte,  fprtc^t  bura)  fte,  aU  burd?  ©eine  Ser^euge;  ber  jjei* 
lige  ©eifi  erfüllt  t^re  £er$en  mit  ber  £tebe  ©otte$  unb 
tjeilt  ifmen  bie  Sorte  mit,  mit  welken  fie  Rubere  tröffen  unb 
erbauen»  —  £)a£er  füjjlt  man  e$,  bag  tf»re  (Schriften  unb  $re* 
bigten  aus  einer  lauteren  Duelle  fommen,  au£  einem  erleuch- 
teten, erneuerten  unb  »on  ©ott  felbjt  geheiligten  bergen»  — 
2)er  fromme  5lrnbt  fagt  barüber:  „Solche  »on  ©Ott  gefanbte 
unb  gelehrte  Männer  gibt  es  nocb;  aber  bie  Seit  achtet  ij?rer 
m$t  3fjre  tenn^eictyen  ftnb  feurige  3ungen  »oll  traft;  benn 
fte  ljaben  feine  Sorte  oljme  traft  Sie  »tel  fjunbert  33ü* 
d>er  werben  gefdjrieben,  in  benen  nichts  ijt;  aber  wie  man<$' 
t lein  $ü$lein  wirb  getrieben,  ba$  »oll  ©eijt  unb  geben  iß  !"— 
Sie  ftcfj  aber  biefe  ljerrlicbe  @abe4$otte$  an  einige*  £el>rern 
geigt,  fo  ftnben  wir,  bag  aucf)  fromme  3n£orer  unb  einfältige 
©laubige,  je  nadj  UmfMnben,  einen  empfänglichen  @inn  für 
geiftltdje  unb  pimmlifdje  Singe  {wben*  €efen  fie  33ü$er,  bie 
im  ©inne  ber  Seit  getrieben  ftnb,  unb  nid?t  »om©eifk©ot* 
teS  jeugen,  fo  werben  fie  berfelben  balb  überbrüfng,  weil  tjjnen 
bie  lebenbige  traft  (grifft  mangelt  £ören  fte  eine  ^rebigt, 
welche  »Ott  einer  rechten  (£rfenntm§  ber  (Schrift  unb  »on  bem 
inneren  £id)te  be$  ©laubenä  £errüprt,  aua)  fu$  auf  eigene  (£x* 
fajminggrünbet,  foerquicft  unb  erfreut  biefelbe  t£re  £er£en,  wie 
ein  fanfter,  warmer  Pflegen  ba$  bürre  £anb*  ©leicht  aber  ber 
^rebiger  einer  Solle  ojme  Saffer,  —  gibt  er  bloä  Sorte, 
benen  e$  antraft fe£lt,  ober  be^anbelt  er  $>a$  göttliche  Sort  ofme 
2lnba$t,  ofme  ©lauben,  ojme  (£ifer,  fo  merlen  fie  eä  balb*  — 
2>er  gläubige  (£jmj*  fann  leicht  unterf Reiben,  wa$  au$  ©Ott 
lommt,  unb  wa$  »on  einem  irbifc^  gejtnnten  ^e^en  perriu)rt* 
2)enn  eben  btefeS  innere  £td)t  fc$enft 

6)  aua;  bie  (§>aUr  bie  ©elfter  ju  unterfc^eiben 
unb  aufrufen,  ob  fie  au$  ©ottfinb?  2)er6atanfucf>t 
manchmal  bur$  falfc^e  £e£rer,  bte  ft$  lieblicher  Sorte  unb 


647 


fa)oner  $eben  bebtenen,  bte  unfa)ulbigen  £er$en  $u  verführen; 
ber  £err  aber  »erleijjt  ben  ©einen  9SeteI?ett  unb  23orfta)t,  fte 
51t  erfennen  unb  fia)  sor  tfmen  $u  Ritten*  2)en  treuen  Servern 
gibt  (£r  fota)e  traft  unb  SBeisljett,  bftfj  ifwen  bie  geinbe  nid^t 
wiberftefjen  fonnen;  unb  man  fte^t  manchmal  mit  2uft,  wie  bie 
SÜ3a£r£eit  ftegt  unb  bie£üge  $u  ©Rauben  wirb,  wenn  ein  front* 
mer,  geijtreic^er  £e£rer  ee  mit  einem  3rrle£rer  §u  tfmn  Iwt  — 
2lber  aua)  ben  3uj>örern  »erteilt  ©ott  *>on  ber  ©abe  bie 
©etfter  $u  unterfa)eiben,  fo  t>iel,  äl$  tfjmen  nötljig  ifK 
Unb  wie  bie  ©a)afe  t>on  -ftatur  bie  ©abe  beft£en  ,  bie  fa)äblt* 
a)en  trauter  $u  meiben,  unb  bagegen  biegefunbenunbfräftigen 
auftufua)en,  fo  ijaben  t>k  glaubigen  ©eeten  eine  befonbere 
(Dabe  son  ©Ott,  baß  fte  falfdjen  £el>ren  fein  ©eijör  fa)enfen* 
—  ©0  ging  e$  *>or  £ut£er3  Säten*  £)b  gteia)  fta)  bamalS  mit 
3rrlef?ren  eingefa)lia)en  Ratten,  unt>  ba£  (£t>angeltum  fo  ent= 
fiellt  würbe,  baß  man  wenig  Xxoft  unb  $ujje  barin  fanb,  fo 
£at  boa)  ©Ott  »tele  ©eelen  im  redeten  ©lauben  ergattern  Dbgteiä) 
$u  jener  3«t  baS  2Bort  ©ottee  gan^  fetten  war,  fo  wußten  fte 
boa)  au£  i^ren  ©laubenöartifeln,  auö  ber  £eibenggefa)ia)te  be$ 
£errn  unb  auö  einigen  frommen  ©a)riften  ber  SSdter  fo  viel 
ju  fammeln,  baß  fte  ber  2öa£r£eit  treu  blieben,  ©te  wußten 
mitten  unter  bem  tlnfraut  bie  $erl)eißung  beö  (£$attgelium$ 
twn  ber  ©nabe©otte$  in  @l?rijto  l?erau$3ufmben,  »erließen  fi'a) 
barauf  unb  würben  feiig* 

7j  ßmblia)  lernen  bie  ©laubigen  bura)  biefeä  $i$t  bie  £  i  ftb  e$ 
©atanä  unb  btegalfa)£ettunb  (Htelfeit  ber  Söelt 
erfennen,  unb  fta)  ttor  benfelben  Intten*  „Un3  i(l  nia)t  unbe* 
wüßt,  waö  ber  ©atan im  ©innehat;"  fagt  ber 2lpofieT* 
(£benfo  erfennen  i£n  noa)  fegt  bie  ©laubigen,  aua)  wenn  er  fia)  in 
einen  (£ngel  beS  £ia)ts  seriellen  würbe,  unb  fmten  fta)  t>or  i£m. 
3efu3  waa)t  allezeit  über  bie©einigen,  unb  warnt  fie,  wenn  ©efa£r 
*>or£anben  ift*  ©erat^en  fte  auf  einen  3*rweg  unb  unternehmen 
etwas  ©ünblia)eS,  fo  fa)lägt  i|men  aläbalb  baS  £er$,  wie  bem 
Satrib*  Waffen  fte  fta)  wirflia)  $u  einer  böfen  Zpat  verleiten, 
fo  rü£rt  ber  ©eift©otte$if)r©ewiffen,  baß  fte  2Ingj*  unb  Unruhe 
füllen,  unb  um  fo  fdmetler  fta)  befe^ren*  —  2lua)  bte  SBelt  fe* 
$en  bie  ©laubigen  mit  erleua)teten  Singen  an,  unb  erfennen, 


648 


fcag  alle  ipre  greube  unb  £errlia)feit  nidjts  tft,  als  dittiUit, 
ein  füger,  aber  nic&tiger  £raunu  2)arum  tvunbern  fte  fta), 
ttne  fte  vor  t£rer  25efe£rung  fo  albern  feipn  fonnten,  in  ber 
SBelt  tfjr  Vergnügen  ju  futtjen.  ©te  galten  bte3ett  für  verlo* 
ren,  tt>eld^e  fte  mit  ben  £Jjorpetten  ber  SBelt  $ugebraa)t  ijaben, 
©ie  fprea)en  mit  ©alomo :  „<£Stft2lleS  eitel  unbSam* 
nur  unb  ntdjtS  meljr  unter  ber  ©onne."  —  3n  biefem 
%xfytt  ijt  ijmen  bte  2)ornenfrone  3efu  lieber,  als  alle  fronen 
trbtfa;er  SD?acf)t  unb  £opeit,  bte  ©a)maa)  GtyrtjH  lieber,  als  bie 
<££re  ber  2Belt.;  ©ie  erfennen,  tt>tc  Ijetlfam  baS  treuj  für  fte  fe$, 
unb  tvie  forberliä)  pm  9^ei(^e  ©otteS*  2lua)  galten  fte  ben 
£ob  nia)t  für  einen  geinb,  fonbern  für  iljren  beften  greunb,  ber 
t£nen  alle  Reiben  unb  25ef ererben  abnimmt  unb  fte  ^u  ewigen 
greuben  fufjrt  —  <£nblta)  betrachtet  ber  erleua)teteQ[!mftaua) 
bie  ©efä)öpfe  ©otteS  von  einer  gan$  anbern  <&t\tt>  2)er 
©ottlofe  aa)tet  auf  nia)tS,  unb  lebt  gebanfenloS  bajjin,  ttrie 
ein  unvernünftiges  £f>ier,  baS  $\x>ax  feine  5ttitgefcbb>fe  unb 
bie  ©a)önj>eit  ber  (£rbe  ftept,  aber  barauS  feinen  9ht£en  jieljt 
2)ie  Spiere  fua)en  unb  ftnfcen  ij?re  -Ucaprung;  aber  fte  tviffen 
nia)tS  von  tjjrem  ©a)öpfer  unb  (£r£alter,  ber  allem  gleifa; 
feine  ©peife  gibt  unb  es  aud)  bem  gertngften  Sßogeletn  nia)t  an 
fftajjrung  mangeln  lägt  (£benfo  gentegen  bie  ©ottlofen  bie 
mannigfaä)en  2Bo£ltf?aten  ©otteS  täglia) ,  aber  fte  banfen  3N 
nidjt  £)te  ©laubigen  bagegen  benrnnbern  an  ben  verfa)iebenen 
©efä)öpfen  ©otteS  ©eine  2Hfota$t,  SöeiSjjett  unb  ©üte*  2)a 
ift  fein  23aum,  feine  33lume  unb  fein  23latt,  in  ttm  fte  ma)t 
ben  tarnen  ipreS  gütigen  ©a)öpferS  eingegraben  ftnben.  — 
3ebe  5lepre  auf  beut  gelbe  fe^en  (te  als  einen  auSgeredten 
ginger  an,  ber  fie  $um  Fimmel  weist  Die  gan$e  SSelt  ift  ü)nen 
ein  großes  33 udj  mit  vielen  blättern,  bte  allenthalben  mit 
$3ua)ftoben  ber  £iefce  unb  ©üte  ©otteS  befdjrieben  ftnb;  ein 
gr  o g  er  ©  a;  au pl a  $,  auf  bem  fte  täglta;  bie  SSunber  ©einer 
Slllmaa)t  unb  SeiSpeit  betrauten;  ein  groger  Tempel,  in 
tvela)em  fte  bie  (££re  bes  ©a)övferS  vor  allen  Kreaturen  beftän^ 
big  verfünbigen  fjören ;  eine  groge  ©  a)u le,  in  tvela)er  fte 
eben  fo  viel  £el?rer  als  ©efa)b>fe  ftnben*  ©ie  ft#en  in  ber  £iebe 
unb  gur4>t  ©otteS  $u  £ifa)e  unb  erfennen ,  bag  (£r  ijmen  Un 


649 


£tfd)  Bereitet  unb  SBorrctü)  fa)afft;  fte  nehmen  jeben  33if[en  unb 
jeten  £ranf  au#  ber  £anb  t^re^  lieben  23ater$,  ftt)mec£en  in 
allen  Singen  ©eine  greunblta) feit,  unb  fprea)en  voll  2)anf: 
„£err,  ia)  bin  $u  gering  aller  93arm]jer3igfett  unb 
alter  £reue,  bie  2)u  an  deinem  ®nca)t  (an  ?)ei* 
ner  3ttagb)getjjan  £aft!" 

Slnmenbung* 

I.  %u$  ber  bi^er  vorgetragenen  £e£re  von  bem  inneren 
£tä)t  ber  ©laubigen  lernen  wir  bte£errliä) feit  unb 
©eligfeit  ber  $inber  ©ottetf  vor  ben  $inbern  ber 
2Belt  erfennen.  —  £>  mt  glücflta)  ijt  ber  wapre  d^rtftvor 
allen  ©ottlofen,  mögen  fte  noa)  fo  weife,  reia)  unb  mäa)ttg 
fepn!  3a ,  er  ijl  auä)  glü<flia)er,  alä  alle  Reiben  unb  anbere 
Ungläubigen* 

1)  2)ie  Reiben  leben,  tt)ie  $aulu£  fagt,  ojme  ©Ott, 
unb  wanbeln  in  ber  (£ttelfeit  i£re£  ©inneä  ,  mit  verfüttertem 
DSerfianb  unb  verblenbetem  ^er^en  bapin.  ©ie  wiffen  $war 
woljl,  bag  ein  ©Ott  ifi,  aber  fte  ej?ren  3£n  niä)t  als  ©ott  ©te 
bauen  „b  e m  u  n  b  e  f  a  n n  t  e  n  ©  o  1 t"  Elitäre,  unb  wiffen  niä)t, 
Wie  fte  jta)  mit  £er$lttt)em  Vertrauen  auf  3pn  verlaffen  follen; 
fte  leben  in  ber  SBelt  wie  bie  £f?iere,  unb  ftnb  aufrieben,  wenn 
fte  t£re  53egierben  beliebigen  fonnen.  ©ie  trinfen  au$  bem 
©trom,  unb  Riffen  von  ber  Duelle  nia)tg.  —  (Ein  S^etfenber 
eqctylt,  er  fe$  mit  einem  Silben  bura)  einen  £Balb  gegangen 
unb  fyahe,  gerührt  bura)  bie©a)önl?eit  ber  9tatury  ben  104  $5falm 
angejttmmt  211$  ber  SBtlbe  wiffen  wollte,  WM  er  finge,  pabe 
er  tyn  auf  bie  2ttlmaa)t,  $ßti$pät  unb  ©üte  ©ottetf,  welä)e 
in  ber  ganzen  9?atur  fta)ibar  fe#,  aufmerffam  genta  ä)t  £)te§ 
fep  jenem  fo .$u  ^er^en  gegangen,  bag  er  voll  SBerwunberung  au&* 
gerufen  tyahz :  ,,2la),  waö  für  glücf  li$e$tafä)en  ftnb  boa)  biedert* 
ften,  weil  ftefol^e^errli^e^inöewiffen!^— 3a  wo£lglütfliä)e 
9)?enftt)en,  wela)e  al$  Gmgel  jrienieben  unter  ben  übrigen  @e* 
fä)öpfen  leben,  unb  bura)  bie  drfenntnig  i^reö  ©ä)öpfer$  tägliä) 
erfreut  unb  gu  ©einem  £obe  ermuntert  werben ! 

2)  2)ie  (griffen  ffnb  aber  auä)  glücflia)er  aU  bie  5D?apo^ 
mebaner  ober  dürfen,  welä)e  |fa)on  fo  lange  in  ber  35linb£eit 


650 


hafyiti  leben  unb  ben  2llbernl?etten  glauben,  bte  in  tyrem 
©efegbua)  (2llforan)  ntebergelegt  fmk  9Äan  möchte  weinen, 
bag  fta)  fo  ttiele  taufenb  Seelen  babura)  verleiten  lajfem  £), 
wie  weit  bejfer  ftnb  wir  (griffen  baran,  tag  wir  ©Ott  fennen 
unb  £>en,  welchen  (£r  $u  unferem  *£>ett  gefanbt  jjat,  3efum 
(Sfjriftem,  unfern  Erretter!  2)ie  2lrmut£  unb  9h'ebrigfeit  3efu 
(grifft,  be$  ©efreu^igten,  ift  ung  lieber,  al$  ber  SKeia)t£um, 
bte  3ttaa)t  unb  <££re  be$  5tta£omet*  51$  ö^9er/  barmherziger 
SBater !  erbarme  2)ia)  boa)  über  jene  serblenbeten  9ttenfä)en, 
unb  lag  aua)  fte  enblta)  frei  werben  $on  ben  sBanben  be$ 
Satan$ !  — 

3)  gerner,  ftnb  bie  dfmjlen  glüdllia)er  aU  bie  3uben, 
x>ox  beren  £er$en  biä  auf  ben  heutigen  £ag  eine  £>etfe  £ängt, 
xt>k  ^auluS  fagt  Sie  lefen  $war  bte  ©Triften  be$  2L  £,,  boa) 
ben  $ern  be$  ©an^en,  ben  ebenen  Sa)a§,  3efum,  ben  ©e* 
freilegten,  tonnen  fte  nia)t  barin  ftnbem  tiefem  23olfe  gehört 
bie  $tnbfa)aft  unb  bie  £errlia)fett,  ber  23unb  unb  baä  ©efe§, 
ber  ©ottesbienft  unb  bk  $erf>eißung ,  t!?m  gehören  aua)  bie 
SBäter  an,  x>on  wela)en  @I?rifhi$  £erfommt  naa)  bem  gfeifa),  — 
unb  boa)  beftnbet  e£  fta)  peute  noa)  in  fo  großer  25linbj>ett  unb 
wetg  ma)t,  woran  e$  fta)  palten  foÖL  &$  jte£t  wo£l,  baß  bk 
3tit,  we(a)e  ©Ott  in  Seinem  Sßorte  benimmt  f>at,  oerfloffen 
i%  unb  mi$  nia)t,  wa$  e$  fagen  foll,  weil  ber  $er£etgene 
immer  noa)  ausbleibt?  £>ie  dinen  glauben,  ber  SftefflaS  fe$e 
längft  ba,  aber  verberge  ©ia)  bi$  ju  feiner  3eit;  bie  2lnbent 
meinen,  (£r  werbe  nia)t  früher  fommen,  als  am  Grnbeber  SSelt— 
©Ott  erbarme  fta)  biefeä  $olfe£ ,  ba$  um  feinet  Unglauben^ 
willen  in  fola)e  33linb£ett  bapingegeben  würbe,  in  ©naben,  unb 
jjelfe,  ba$  balb  bie  Seit  fomme,  wo  bie  gitlle  ber  Reiben 
eingeben  unb  3frael  feiig  werben  foll*  Snbejfenaber 
laffet  un$  mit  Dan!  erfennen,  i>$  uns  baö  £ta)t  be£  £ebenö  in 
Ctyrtjto  3efu  fo  £ell  fa)eint  unb  ba$  un$  in  ber  Sa)rift  ba$ 
£eiligtjmm  ©otteö  aufgefa)loffen  ijt,  in  wela)em  toit  uns  naa) 
£er$en$luf*  erquiden  unb  groß  unb  3?u£e  für  unfere  Seele 
ftnben  fönnem 

4)  ©lütfliä)  ftnb  bie  ©laubigen  aua)  »or  allen  Unbuß* 
fertigen  unb  ©ottlofen,  wie  angefepen,  wie  weife,  tt>kx^ 


651 


unb  mäcfjttg  tiefe  aua?  fep  mögen !  ®enn  bte  ©ottlofen  ftnb 
bei  alter  i£rer  £oljeit  boa)  ©ftaven  beä  £eufet£;  fte  ftnb  £tjo* 
ren  bei  aller  ttjrer  $tugl?ett,  arm  bei  allem  $eiä)tlwm,  unbe* 
fannt  vor  ©oti  unb  feinen  Engeln  bei  altem  Sftufmt  vor  ber 
SSett  2lua)  bie  ©a)rift  nennt  fte  £l?oren,  bie  nia)t  wiffen,  was 
fte  tjmn;  bie  fta)  fetbjt  regieren  unb  verforgen  wollen,  von 
©Ott  fta)  toögeriffen  J>aben  unb  auf  einem  Söege  wanbetn,  ber 
nia)t  gut  tfi.  2)arum  fallen  fte  von  einer  ©ünbe  in  bie  anbere, 
unb  fluten  fta)  fetbß  in  tyx  $eittta)eg  unb  ewigeä  SBerberbem 
2)enn  wer  von  (£(>rijto  nia)t  erleua)tet  wirb,  ber  wirb  nie  $um 
(£rbtü>eil  ber  fettigen  im  £ia)t  gelangen  unb  baä  £ttt)t  be£ 
gebend  nia)t  feigen,  —  £)ie  grommen  bagegen,  obgteia)  fte  arm 
unb  veraltet  in  biefer  Söett  ftnb,  werben  von  ©otteö  £anb 
geführt  unb  vom  tjunmlif ä)en  £ta)t  aum  ewigen  £ia)t  geleitet* 
,/3a)  bin  baö  Zifyt  ber  SSelt,  f»ria)t  i£r  £eilanb,  »er 
fOTir  naa)fotgt,  ber  wirb  nta)t  wanbeln  in  ginfier* 
nig,  fonbern  wirb  baä  $Ha)t  be3  £eben$  £aben*" 
3efuö  geljt  ü)nen  voran  mit  £ef?re  unb  33etfaiel,  fte  folgen  3{m 
willig  unb  tyx  £er$  wirb  bura)  «Seinen  ©eifl  regiert  —  Söela) 
eine  groge  ©nabe,  bag  ber  £err  fetbft  ©eine  ©laubigen  leitet, 
fte  vor  ££or£eit  unb  ©ünben  bcwatjrt,  unb  $u  allem  ©uten 
antreibt!  2Sela)  ein  ©lütf,  bag  bie  ©otteäfüra)tigen  fta)  fetbft 
lennen  unb  von  £ag  $u  £ag  meljr  fennen  lernen,  um  fta)  gegen 
bie  ©nabe  be$  £öa)fkn  rea)t  banfbar  ju  geigen  unb  bie  ©ünbe 
ernfHia)  gn  fliegen  unb  $u  meiben!  SSaS  if*  mit  ber  ©eltgfeit 
$u  vergleichen,  bag  fte  in  ba$  35ater^er^  ©otte$  blttfen  unb  fta) 
an  ©einer  ewigen  Ziehe  täglia)  ergoßen  bürfen,  —  bag  3efuö 
©ia)  if?nen  immer  wieber  auffc  neue  offenbart,  unb  ©ia)  mit 
t£nen  nia)t  bloä  fetbft  bura)  ben  ©lauben  verbinbet,  fonbern 
fte  aua)  biefen  feiigen  3uftanb  fo  empftnben  tagt,  bag  fte  barauS 
grieben  unb  greube  im  jjeit  ©eifie  fa)ö>fen  fönnen?  —  2)te 
©taubigen  ftnb  jwar  anfangs  ben  unmünbigen  ftütbern  gteia); 
aber  fte  UeiUn  nia)t  immer  Äinber,  fonbern  waa)fen  unb 
lernen  bte  £errlia)feit  verfielen,  weta)e  fte  bura)  He  ©erneut* 
fä)aft  mit  (^rifto  erlangt  jmbem  3fl  e£  alfo  nia)t  ein  groger 
Sßor^ug,  bag  fte  ben  ljeiL  ©eifi  $um  £e£rer  £aben,  ber  fte  in 
ben  ©epeimniffen  be$  Sfteia)S  ©otteS  fo  unterria)tet,  bag  fte  in 


652 


Aftern  eine  große  greubigfett  beft§en  unb  *>erft$ert  ftnb,  baß  alle 
2)inge  ipnen  gum  25efien  bienen  muffen,  ba$  fte  be$  ©atanS 
£ij*  unb  £ücfe  merfen  unb  feinen  Anläufen  wiberfiepen  Ion* 
nen,  —  baß  fte  bie  (£itelfeit  ber  2öelt  $u  würbigen  unb  gu 
*>erac$ten  wiffen,  —  ba$  fte  im  £obe  ba$  £eben  erblicfen,  unb 
ftc$  überall  ol£  foldje  begeugen,  bie  ber  SBelt  oorleucpten 
follem  -— 

II)  ©o  prüfe  ftcp  nun  ein  3eber,  ob  er  bieg  innere  ©na* 
benltcpt  fcpon  pabe  unb  baburcf)  in  all*  feinem  £j>un  geleitet 
werbe  ober  nicpt?  Söenn  man  oon  folgen  fingen  rebet,  fo 
wirb  e$  freiließ  ben  meiften  (Spriften  unferer  £age  oorfommen, 
äi$  ob  man  oon  (auter  fvemben ,  unbefannten  fingen  rebete, 
SDenn  ber  größere  £peil  befümmert  ftcf)  wenig  um  ba$  ©öttlicpe, 
unb  liebt  bie  SOßelt  mit  ifjrer  GEitelfett  mej>r,  aU  bie  £errlidjfeit 
<££rifiu  £)er  ©lang be$  ©olbeS  unb  ©ilber3  serblenbet  bie  Slugen 
ber  Sftenfcpen,  unb  wer  ftc$2?eid;t!?ümer  gu  erwerben  mi$,  ber  gilt 
für  flug  unb  weife;  aber  t>k  Erleuchtung  bur$  3efum  fennen 
fte  nic^t  unb  galten  fte  für  eine  entbehrliche  ©a$e.  2)en  33eft£ 
trbifeper  ©üter  palten  fte  fürba$pöd$e©lücf;  aber  ben^eief)* 
ipum  ber  ©nabe  ©otte$,  griebe  unb  greube  im  peiligen  ©eifl 
unb  ba3  (£rbe,  t>a$  unö  aufbepalten  ifl  im  £immel,  wiffen  fte 
nicfjt  ju  fdjäfcen*  —  3$  mußte  mid?  oft  barüber  wunbern,  xt>k 
bie  flügfien  ^inber  btefer  SQSelt  in  pimmlifcpen  fingen  fo  uner* 
fahren  ftnb,  ba^  fte  niept  einmal  ipre  ©laubenäariif  el,  gefebweige 
benn  tpre  $flid)ten  gegen  ®0tt,  gegen  ftep  felbji  unb  gegen  ben 
yiäty jlen  tec$t  fennen*  —  Unter  bem  gemeinen  $olfe  perrfc^t 
ofmepin  eine  folepe  Unwiffenpett  in  göttlichen  fingen,  ^  bie 
2fletfien  nic^t  einmal  wiffen,  warum  fte  (£prifien  ftnb,  unb  vok 
fte  ftep  be$  (£prißentpum$  im  2ebm  unb  «Sterben  gum  £roß, 
gur  greube  unb  jum  grieben  iprer  ©eele  Ut>kmn  follem  3mr 
Srbifcpen  bagegen  ftnb  fte  fc^lau  unb  lijttg,  unb  fein  2)ienfibote 
iß  f  o  einfältig,  baß  er  feine  £errfcpaft  niept  $u  oeroortpeilen 
xohfyk.  $ein£irte  unb  fein  £aglöpner  ifi  fo  albern,  baß  er 
nic§t  verjttmbe,  ju  gewiffen  3eiten  aus  feinem  35eruf  SBortpeit 
ju  gießen;  fragt  man  aber  naep  bem,  tvaö  ipr  ©eelenpeil  be* 
trifft,  fo  ftößt  man  auf  lauter  gtnfkrniß  unb  Unwiffenpeit*  ©ie 
wunbern  ftep,  ^k  man  fo  geringe  i^eute,  'cok  fte,  nur  naep  fo 


653 


f>o£en  fingen  fragen  möge,  unb  (teilen  ftc$,  als  ob  jte  feine 
(Seele  Ratten,  t>te  3efuS  mit  ©einem  33lute  erlauft,  unb  jum 
ewigen  Ceben  berufen  jjat  —  ©od)  nicljt  bloS  bem  gemeinen 
SBolfe,  fonbern  aud)  bem  größten  Ztytil  ber  £ol?en  unb  Leihen, 
ber  klugen  unb  SSeifen  biefer  2Belt  fe£lt  jenes  ©nabenlid?k 
2)ie  irbifct>  gefmnten  Ottern  er^iejjen  tpre  i^inbcr  nidjt  in  ber 
gurc^t  unb  Gmnalmung  $um  £errn,  jte  galten  biefelben  nictyt 
an  $um  ®tbtt  unb  $u  einer  lebenbigen  GErfenntniß  (Lottes  unb 
3efu  (£fjrijti;  fonbern  fmb  gufrieben,  wenn  jte  i£ren  $ated)is* 
muS  bem  23ua)jtetben  na$  f ennen ,  augerbem  aber  liflig ,  »er* 
fragen,  entfdjloffen  urio  allzeit  fertig  fmb*  (Es  maä)t  irrten 
greube,  wenn  fte  getieft  werben  im  £anbel  unb  Sßanbel, 
unb  überhaupt  viel  Anlagen  geigen  gu  weltlichen  fingen.  3(i 
eS  ein  Söunber,  wenn  Jene  jt$  fpdter  in  bie  GEitelfeit  ber  2Mt 
gan$  vertiefen,  baS  dptifient^um  geringfe^ä^en  unb  £eu$let 
ober  <Spotter  unb  ©otteSldugner  werben?  3n  unfern  £agen 
gibt  eS  beren  in  Stenge,  unb  wer  i>k  SBelt  nur  einigermaßen 
fennt,  wirb  zugeben,  bag  id)  ni$t  ju  oiel  fage*  —  <Sol$e  Wim* 
f$en  wiffen  freute^  von  bem  inneren  £t$te  nichts ,  fonbern  folgen 
bloS  bem  natürlichen  Zifytt  t£reS  3SerfknbeS,  welchem  bie  geiji* 
liefen  £)inge  eine  £j)orj?eit  ftnb*  £)aj>er  legen  fte  feinen  SBertlj 
auf  t>k  Religion  überhaupt  unb  machen  im  (£ij>rtjtentjmm  feinen 
Unterfc^ieb  unter  ben  ©laubenSbefenntniffen.  <§ie  lefen  @otteS 
Sort  feiten,  unb  wenn  fte  eS  lefen,  foftnben  fte  nichts  barin, 
was  tfjrem  irbifdjgejtnnten  £>er$en  ^ufagt;  2llleS  ifi  i£nen  bunf et 
unb  unoerftdnblid) ,  unb  fte  werben  ber  8aa)e  balb  mixte.  — 
©ejjen  fte  in  t>k  $trd?e,  Jo  fdflt  eS  i^nen  ni$tfc$wer,  allenfalls 
eine  8tunbe  gleichgültig  ^u^ören,  unb  feine  ^rebigten  gefallen 
i£nen  beffer,  als  bie,  welche  mit  frönen  Lebensarten  auSge* 
fcfmtücft  unb  mit  er£eiternbenGrr$d£lungen  t>ermifd?t  ftnb»  Slber 
an  benen,  bie  baS  £er$  $u  beffern  fudjen,  aufSefum  (EJriftum, 
ben  (Mreu^tgten  {itnweifen,  auf  einen  tätigen  (Glauben,  auf 
innige  %kbt ,  auf  SSerldugnung  feiner  felbft,  auf  33erfdjmdpung 
ber  Seltrc.  bringen,  ftnben  fte  feinen  ®efdjmaci  2>a£er  wiffen 
fte  nichts  BuoerldjngeS  oon  bem,  was  $ur  ©eligfeit  gebort; 
bie  SÖ3elt  ifi  groß,  ber  Fimmel  f lein  *>or  ü)ren  klugen/  Tian 
ftnbet  auc$  Ui  i£nen  feinen  befonbern  (£ifer  ux^  Um  xtfyU 


654 


-f^affene  grüßte  beS  G^riftentJmmS;  benn  mö  ferne  Suraeln 
unb  fernen  ©aft  |jat,  wie  fann  baS  tüchtige  grüdjte  bringen  ?-- 
—  S^oc^  me£r,  baS  innere  ©nabenltdjt  fel)lt  audj  oielen  gelehrten 
unb  berühmten  Männern  im  gei)llid)en  ©tanbe  felbfi  ©ie  be* 
fc^äfttgen  ft$  awar  mit  ber  ©c£rift  unb  unterfu^en  biefelbe 
manchmal  aufs  genauefie,  aber  fte  tlmn  baS  nic^t  mit  ber  2ln* 
ba$t  unb  (£ljrerbietung,  bie  fte  bem  Sorte  ©otteS  f^ulbig 
ftnb,  ©ie  t£un  es  ofme  peralidjeS  ©ebet  unb  ofme  2)emutj> ; 
fte  fucljen  bur$  tpren  gleifü  mdjt  ^eiliger  unb  frommer,  fonbern 
geteerter  unb  berühmter  au  werben ;  fte  öffnen  jtoar  bie  ©<$alen, 
aber  ben  $ern  foßen  fte  xiityu  ©ie  paben  ben  53u#aben  ber 
©djrift  jietS  unter  ber  £anb,  im  SDhmbe,  in  ber  geber;  bie 
$raft  aber  unb  ber  ©eift  gelangt  nicfyt  ^u  ipren  £eraen,  wa$ 
man  aus  t£rem  ©tola,  i£rem  9leib  unb  i£rer  ©$mäijfucl;t,  fura 
aus  t£rem  ganzen  £eben  bcutlify  erjtepet*  —  Siugujtin  pat  bar* 
über  ein  fctyöneS  ©letcfmtf?  £interlaffen*  (£r  sergleidjt  ft$  oor 
feiner  23efe£rung  mit  einem  Sftenfdjen,  ber  in  einem  23u$ 
liest,  wä^renb  er  baS  $iä)t  hinter  ft$  jwt*  2)er  ©d?ein  fällt 
$war  auf  ba$  33u$,  baß  er  t>k  ©$rift  lefen  fann ;  aber  ba$ 
©eft$t  beS  £efer$  wirb  »on  bemfelben  ni$t  beleuchtet  @o 
gept  es  aucf)  oielen  ©otteSgeleJjrten,  —  fte  faffen  awar  ben  Hfy 
fläblt$en  ©tnn  ber  ©$rift;  aber  ijjr  Unglaube  fteljt  im  SBege, 
bagba$£i$t,  rcelcfjeS  barin  »erborgen  tft,  i£r£era  nidjterleuc^ 
tenunb  burdjbringen  fann*  2>al?er  fagt£utf>er:  „  Einige  $tutt 
reben  unb  fc^reiben  siel  oon  geijfticfjeu  fingen ;  aber  eS  feplt 
ijmen  an  ber  ©nabe  ©otteS,  unb  (te  leben  ffeifc^li^  3a, 
ber  ©atan  Ijat  mehrere  ^Jrebtger  flug  unb  gelehrt  in  ber 
©$rift  gemalt,  bamit  fte  nad$er  trag  unb  ftc^er  würben, 
©otteS  2öort  ni$t  meljr  fleißig  treiben,  nod)  ftd)  im  Lepren, 
SErojien,  <£rma£nen  unb  iBeten  üben  mochten,  woraus  zulegt 
folgen  muß,  baß  fte  ben  rechten  ©inn  ber  ©$rift  verlieren, 
ficf>  in  ftrifcjtnbige  gragen  eihtaffen,  unb  bie  ©laubenSartifel 
nacf>  i£rem  £>ünfcl  ^u  meifiern  anfangen/'  —  2)0$  ia;  bin  mit 
entfernt,  bamit  ben  gleig  mancher  ©elefjrten  au  tabeln,  unb  au 
behaupten,  als  ob  2llleS,  was  fte  fc^reiben,  ojme  ©eij*  unb  £t$t 
wäre*  SSielmepr  erfenne  ic^  gerne  an,  baß  ^it  2öiffenf$aften 
üUxfyaviptvitiDbit  tontnifjber  ©|)rae^en  eine  eble  ©abe  ©otteS 


655 


fep ,  bereit  (ta)  ber  peilige  ©eif*  $ur  Sluälegung  ber  ©cprift  mtt 
!^u§en  bebient  2lucp  wetg  icp  wopl,  bag  ©Ott  tn  ©einer 
$ira)e  pte  unb  ba  nocp  voqüglicpe  Männer  pat,  bte,  bura)  ©eine$ 
©eifieg  $raft,  mit  peiligem  (£ifer  ba$  Sßerf  be$  £errn  treiben« 
3a)  fcpäfce  btefelben  fepr  unb  banfe  ©Ott  für  bie  perrltcpen 
©aben,  womit  er  jte  $ur  Haltung  unb  (Erbauung  ©einer  ©es 
tneinbe  reicplicp  auägejtottet  pat  unb  wünfcpe  von  £er$en,  bag 
(£r  biefe  ©aben  in  ipnen  je  mepr  unb  mepr  erwecfen  unb  sur 
(£pre  ©eines  peiligen  9lamen$  unb  jum  £rojt  vieler  ©eelen 
einrichten  möge»  Slber  ta)  bin  aua)  überzeugt,  bag  3ene  mit  mir 
bef lagen,  bag  $iele  jwar  ba6  SBiffen  paben,  aber  opne  ©e* 
wiffen,  ober  wie  ber  2tyoßel  fagt:  „baß  fi-e  ba$  ©epeim* 
n ig  be$  ©lau  ben  3  in  einem  reinen  ©ewiffen  ma)t 
bewapren,  bag  jte  ©eleprfamf  eit  genug  beft^en,  gute  Dieben 
unb  treffliche  ^rebigten  palten,  aua)  grünblia)  fcpreiben  tonnen, 
bocp  von  @prtjtf  ©eijt  unb  $raft,  von  ©einer  ©nabe  unb  von 
©einem  £ia)te  nicptg  im  ^eqen  empftnben  unb  biefen  Mangel 
burd)  tin  unpeiligeS  £eben  $u  erfennen  geben.  £)tefe  befonberS 
muß  man  warnen,  bamit  jte  ftcp  prüfen,  fo  lange  e$  Sät  ift, 
bag  jte  nicpt  einjt  unter  btejenigen  ge^äplt  werben,  welcpe  ber 
£err,  „ob  fie  wopl  in  ©einem  tarnen  geweiffagt 
paben,"  boa)  nicpt  für  bie  ©einigen  erfennen  will,  — 

SÖßoplan  benn,  ipr  Regenten,  ipr  Sftätpe,  ipr  geleprte  unb  be* 
rüpmte  Männer  aus  allen  Siemtern  unb  ©täuben,  prüfet  eua),  eb 
tpr  bloä  burcp  ba$  Sicpt  ber  9latur  ober $ugletcp aucp, unb 
pauptfäa)licp,  burcp  ba$  2ta)t  ber©  nabe  geleitet  werbet?  graget 
eua),  ob  ipr  bura)  ben  wapren  ©lauben  in  ber  ©emeinfcpaft 
3efu  (Jprijti  fiepet  unb  burcp  ©einen  ©etjt  regiert  werbet,  ober 
ob  ipr  bloS  bem  ©eipe  ber  SSelt  unb  ber  9tatur  folget?  (&$ 
fann  eua)  nicpt  verborgen  fepn ,  bag  ber  natürltcpe  SÄenfcp  auf 
ber  pöcpften  ©tufe  ber  Sößeiöpeit  auger  Gtprifta  nicptS  tji,  al$ 
ein  geinb  ©otte$,  unb  ein  Söerf^eug  be£  ©atang,  babura)  er 
fein  SKeia)  $u  beförbern  fucpt.  (£$  gibt  überpaupt  nur  (£ine 
2Bei3pett,  itemlitt)  bie  von  Dben  per,  bie  uns  ben  2öeg  $ur 
©eligfeit  ^eigt  unb  un6  in  ben  Fimmel  bringt  ©iebejkpt,  bamit 
ia)  es  fur$  fage,  in  einem  per3lia)en  ©lauben  an  3efum  ^prijtum, 
ben  ©efreujigten,  woraus  ein  peiligeS  unb  gottfeligeS  Ccben 


656 


folgt*  Sie  tfl  atfo  leicpt  $u  erfennen ;  benn  tpre  grüßte  fmb 
^eufcppeit,  grtebfertt^fett,  (Sanftmutlj,  £)emutp,  $8arm!>er$tg* 
fett,  Un^arteiltc^feit,  fern  *>on  ©tol$  unb  £eucpelei*  —  3)arna$ 
beurteilet  nun  eure  SBetepeit,  ©eleprfamf  eit,  eure  Siffen* 
fcpaft,  $unjt  unb  ©efcptcf  lidjfeit,  unb  $war  aufrichtig  unb  ernftlicp, 
als  »or  ©ott  Raffet  eudjburd)  eure£o£eit,  euer2lnfepen  unb 
euern  berühmten  tarnen  nicpt  btenben*  £>er  geregte  Sftidjter, 
ber  £er$en  unb  dienen  prüft,  achtet  auf  ba$  alles  mcpt,  <£x 
fiepet  bie  $erfon  nicpt  an*  (£r  ftept  nur  auf  ba$  $erj,  unb  wenn 
ijjr  md^t  als  foldje  erfunben  werbet,  bte  in  ber  @emeinfa)aft 
©eineö  @ojme$  3efu  (grifft  fielen,  fo  werbet  tyx  »erbammt, 
unb  wenn  t^r  ben  ©alomo  an  2Öei3I?eit  unenblicp  mit  über* 
treffen,  alte  ©prägen  ber  2öelt  fprecpen  unb  alte  $ünfk  t>er* 
fiepen  würbet  (£in  einfältiger  (£jmft,  son  beut  man  in  ber 
SESelt  md)t$  $u  fagen  wufüte,  ber  aber  feinen  Qrrlöfer  per^licp 
liebte  unb  tjm  burcp  einen  frommen  SGßanbel  eprte,  wirb  alöbann 
glücflicper  fepn,  als  ipr,  bie  tpr  in  ber  Seit  fo  siel  5luffepen 
erregtet  —  ©o  befirebet  eua)  nun  l)i^  Staatsmänner,  baß  ü)r 
nicpt  btoS  in  weltlichen  fingen,  fonbern  aucp  im  Qtprijientpum 
wopt  erfahren  fet>b,  unb  f$a§et  ben  einfachen  ©lauben  an  3efum 
ßprifium  poper,  als  eure  weltliche  SöeiSpeit*  ^eracptet  in  eurer 
(ewigen  |)opett  bte  Sftiebrigfeit  be£  ©efreu^igten  nicpt,  ober  ipr 
wetbet  auf  immer  erniebrigt  werben*  2BaS  pilft  es,  bajHpr 
eucp  burcp  flugen  Stafy  bk  ©unfl:  eures  Regenten ,  @pre  unb 
@üter  erwerbet  ?  3pr  tonnet  ja  bocp  in  biefem  23efl§  ntcpt  bleiben, 
fonbern  muffet  bason  unb  2llfeS  a«rütflaffen»  2öaS  nügte  eS 
bem  Stpitoppel,  baß  er  wegen  feiner  SBeiSpeit  fo  pocp  angefepen 
war,  bafj  „es  war,  wenn  er  einen  Sftatp  gab,  als 
pätteman®ottumetwaSgefragt;"baerbocpaule$ttter* 
zweifelte  unb  ein  fcprecf ticpeS  <£nbe  napm  ?  —  ttucp  £utper  fagt : 
„3cp  lernte  einige  berühmte  Männer  fennen,  bie  bei£erren  unb 
gürten  in  großem  2infepen  ftonben*  5itS  aber  ipr  lefcteS  @tünb* 
lein  lam,  feufjten  fte:,atp  £err,  wären  wir  nur  unter  ben  ge* 
ringften  Wienern  gewefen!  ßrbenfo  bebauerte  jener  £ofmann  auf 
feinem  £obtenbett,  baß  er  in  feinem  Men  fo  stet  Rapier  im 
SMenjte  feinet  £errn  tterf abrieben  pabe,  aber  nicpt  ein  einiges 
23ucp  aur  Slufaeicpnung  von  göttlichen  fingen  unb  aum  £eil 


657 


fetner  ©eele  gebraust,  unb  alfo  in  großer  Ungewißheit  unb 
Unruhe  abfc&etben  muffe.  £)arum  fyütct  eua)  woljl,  tyx  Sitte,  bte 
tyx  \t%t  fo  5>oc^  gefreut  fepb,  ba{?  ipr  cinp  nia)t  aua)  baS  gleite 
©a)itf  fal  ljabet,  unb  px  fpcit  erfennen  muffet,  baß  alle  eure  2öet3* 

jjeit  £ljorbett  gewefen  fep! gradjtet  t>or  allen  fingen 

barnaa),  tyx  berühmten  Seljrer  an  Jjopen  unb  niebern  ©ä)ulen, 
baß  euer  9tame,  eure3  ©laubeng  unb  eurer  ©ottfeltgfeit  wegen, 
im  £tmmel  angefa)rieben  werbe,  3ßittzt  ©Ott  täglia),  baß  (£t 
eure  ©aben,  eure  ©eleprfamf  ett  ^eiligen,  fegnen  unb  $u  ©einem 
2)ienfte  in  ©naben  gebrauten  möge.  ^Bittet  3£n,  baß  (£r  bur$ 
©ein  £ia)t  eure  £eqen  erleua)ten  unb  eua)  mit  ber  wahren, 
tebenbigen  Grrfenntntß  3efu  (grifft  beglMen  wolle.  £eget  täglta) 
eure  Sßürbe,  euren  dlufym,  euer  2lnfe£en,  eure  ©aben  unb 
eure  2Biffenfa)aft  fammt  euren  ^er^en  3efu  Qtlmjto,  bem  ©e* 
freu^igten,  $u  güßen,  unb  bittet  3!>n,  baß  dx  eua)  bura)  unb 
bura)  ^eilige,  31t  ©efäßen  ©einer  33armljer$igfett  unb  gu  Sßerf* 
geugen  ©einer  ©nabe  maä)e.  ®e£et  täglich  in  bie  ©a)ule  be$ 
^eiligen  ©  ei  fteö  unb  lernet  eua)  felbfl,  euren  ©Ott  unb  bieSBelt 
rea)t  f  ernten,  übet  eua)  felbfl  in  ber  ©ottfeligfeit,  wela)e  $u 
allen  fingen  nüfclia)  ijt,  unb  bte  9Ser£etßung  ^at  btefetf  unb 
beä  ^ufünftigen  £ebeng.  Raffet  all1  euer£efen,  ©abreiben,  (£r* 
fläretuc.  $ur  ^re  ©otte$,  gum  ©ienfte  be£  9?äa)|ten  unb  $ut 
©ottfeligfeit  eingeritt)tet ,  mit  ber  Siebe,  £>emutlj  unb  ©anft* 
mut$  3efa@j?rifH  gewürzt  unb  *>on  ©einerGEmfalt  unb  £auterfeit 
bura)brungen  feipn.  —  £ie  2Bei3ljeit  biefer  SÖßelt,  eure  Söiffen* 
fa)aft  unb  ©elcj?rfamfett  fep  nia)t3  anbereS,  aU  eine  2)ie* 
nerin  bc3  ©fauben£  unb  ber  ©ottfeligfeit.  2)ie  ©ela^rtpeit 
mag  wofrt  ein  SRing  fetm,  ben  man  jur  3ierbe  am  ging^r  trägt, 
aber  ßimftue,  ber  ©efreu^igte,  muß  ber  (£belftem  biefeö  9?inge$ 
femt,  ber  i£m  erft  ©lan$  unb  Söertjj  geben  muß.  £>ie  2Btffen* 
fa)aften  biefer  SSelt  follen  gleia)fam  bie  erfiegarbe  fetw,  bie  man 
bem  %\x$e  $u  geben  pflegt,  bamit  hk  £auptfarbe  beffer  barauf 
pafte*  ©te  ftnb  baö  ©erüjk  $u  bem  33au  ber  (£rfennt* 
niß  unb  ber  $kbt  3efc  G^rijli;  boa)  muß  baffelbe  jule^t 
abgebroä)en  unb  wegget^an  werben,  bamit  ber  ©laube  allein 
bleibe  unb  feiig  mad?e.  —  (^thet  eua)  aber  aua)  Wityt,  tyx 
^!eprer,  benen  ©ott  unb  bie  $ira)e  töten  ^flanggarten,  baran 


658 


fo  viel  gelegen  i#,  —  Ut  <£r$ie£ung  ber  Sugenb,  ^  anvertraut 
$at,  baf  j$t  in  bemfelben  fein  Unfraut  auffontmen  laffet,  fon* 
bern  junge,  frudjtbare  33dume  ergte^et*  33tftet  nid)t  blo3  ge* 
lehrte,  fonbern  axtfy  gottfeltge,  nta)t  hlc$  fa)arfjtnnige,  fonbern 
auti)  fota)e  %mtz,  Uz  erfüllt  ftnb  von  bem  ©elfte  <^otte& 
(£rimteri  fte  ftet3  an  bte  (£itel£ett  ber  28elt  unb  reifet  fte  f>in 
auf  bie  aUz$  vergeltenbe  Grtvigfeit;  geltet  aber  aua)  ber  Sugenb 
mit  gutem  Setfptele  voran,  unb  laffet  euer  %ityt  leua)ten  vor 
ben  beuten,  tamit  fte  eure  guten  2©erfe  fej?en  unb  ben  SBater  im 

#immel  ^reifem 2ludj  ipr^rebiger  unb£)tener  bertirdje 

feljet  wol^u,  H$  ifjr  o^nebiefeö  innere  ©nabenlidjt  in  eurem 
tma)tigett  Slmte  nidjtg  unternehmet  teufet  niä)t,  i£r  fe^b  e£, 
bie  ettva£  tfmn;  ipr  hottet  burd)  eure  ©efa)icfftd)feit,  Verebt* 
famfeitunb2Bet'3{>eit  bie  $tra)e  erhalten,  unb  be©  £eufel$ 8?eta) 
äerßörem  2la)nein!  ©Ott,  3efu£,  <&tva  ©eijt  unb  «Seine  ©nab* 
muffen  2ltle3  fe^n  unb  2llle$  t£un,  3f>r  fottet  nia)t£  fe^n  unb 
je  meljr  unb  mefjr  ntd)t3  werben,  nad)  bem2Ut$fprud)e  Scannte 
be3  gduferS:  „3efu$  mu$  warfen,  ia)  aber  muß  abnehmen/' 
%{\t  ^rebigten,  bte  ntc^t  in  biefem£ta)te  abgefaßt  unb  in  bem* 
felben  gehalten  werben ,  ft'nb  2öoI!enolpne2S>a  f  f  e  r*  We 
menfa)lid)e  Seisfjeit  unb  23erebtfamfeit  iß  ber  Duette  auf  Hncm 
©emälbegleia),  an  welker  fta)  bedürftige  nia)t  laben  famu- 
3Me  ^rebigten  unb  ©Triften  eine£  Wieners  Gtfmfii  follen  ma;t 
au3  bem  ©elfte  ber  Sßelt,  fonbern  au$  bem  ©eifte  ©otteg 
fliegen,  nia)t  @itelfeit  unb  @£rfud)t  foll  i^n  bei  il)rer  2lbfaffung 
leiten,  fonbern  bie  2khc  gu  3efu  d^rifto.  £>a{>er  fagt$aulu£: 
„$ötr muff en  ni ä) t  in fleiftt}lia) er  SBeigj? ei t,  fonbern 
in  göttlitt)er  Einfalt  unb  Saute-rfeü  unb  in  ber 
© nabe © o tte Sauf  ber  Sßeltroanb ein,  aUau$®ott 
unb  vor  ©Ott  muffen  wir  reben  indjmfto/'  (£l?rifiu$ 
muß  un3  erleud)ten,  unfer  £er£  mit  l?immlifd;er  2Bet3l?eit  unb 
traft  unb  mit  guten  ©ebanfen  erfüllen,  dx  mu§  bura;  un$ 
reben  unb  tvirfen-  ©o  lange  ein  ^rebtger  fta;  ni^t  $u  t>m 
pgen  feinet  gefreußigten  £errn  gelegt,  3N  fein  £er£,  feine 
3unge,  feinen  SSerftanb  unb  alle  Gräfte  bt$%tiU$  unb  ber  ©eele 
$u  ©einem  1? eiligen  £>ienffe  übergeben  f?at,  tft  fein  SOSirfen  frua)^ 
l^*  ^^  fann  jia  aua)  ber  ©ärtner  feine  Blumen  nia)t  begießen, 


659 


epe  er  feine  tarnte  am  Brunnen  gefüllt  £at  (£ftenfo  wenig  fann 
ber  ?5rebtcjcr  feine  ©emeinbe  mit  9ht|en  unterrichten,  wenn  er 
nid)t  fein  ^er^  t>orf?er  fcet3efu,  —  auö  deinen  Söunben  unb 
au$  ©einem  2Bort  gefüllt  ijat  28te  fann  berjenige  intern  teud)* 
ten,  welcher  feine  gacfel  nidjt  an  bem  geuer  ange^ünbet  Ijat?  — 
3^r  Jünglinge ,  bie  t£r  eu$-  auf  bie  SBtffenfdjaften  leget, 
laffet  e$  eu$  (£rnfi  fepn  mit  eurem  Verhaften,  unb  gebet  eu$ 
alle  Wltyt,  tiz  3eit  wofjl  ansuwenbem  33ebenfet,  weld)  eine 
fdjwere  Verantwortung  eS  fc#,  wenn  il?r  bie  ftefte  3^t  mit  Mß* 
iggang,  @$ weigeret,  Üeppigfeit,  Zan$  unb  <5:piel  ^ringet, 
t>m  fauern  @$weiß  ber  (Eltern  serfcr)wenbet,  unb  i>k  Hoffnung 
eure$  SSaterlanbeS  $u  nickte  machet,  ©lauftet  nicfjt,  genug  ge* 
tljan  gu  haften,  Wenn  ijjr  eure  ©aften  wo|rt  anwenbet  unb  eudj 
*>or$ügli$e  ^enntniffe  erwerftet  Söenn  if>r  2llle£  wifftt,  wa$ 
euc$  bie  Söelt  lehren  fann,  fo  ift  t>a$  2öi$tigße  noc^  üftrig  — 
nemlicfy  bie  IMmmltf$e2Sei3f>ett,  bte  feligma^enbe 
(£rfenntniß  3efu  (Sljrifti,  t>it  $unft  be$  ©lauft eng, 
ba$®efe£  ber  tiefte,  bie  tieft  ung  in  ber  ©Ott  feiig* 
feit,  bie^unp  felig  $u  fterften.  Wlit  anbern  fingen 
tonnet  tl)r  euc§  ftei  ber  löelt  ftelieftt  machen;  after  wenn  e3  eud) 
an  biefem  fejlt,  fo  fönnet  tyv  ©Ott  nicfjt  gefallen*  2Saö  ftilft 
e$  after,  wenn  il?r  ber  Sßelt  gefallet  unb  x>ox  ©Ott  ein  ©reuet 
fe#b  ?  Darum  hitkt  ©Ott  tägtic!)  im  tarnen  3efu  grifft,  baß 
(£r  eure  «freien  mit  feinem  ©nabenlicf)t  erleuchten,  euren  gleiß 
fegnen,  unb  euc$  §u  feinem  Dienfte  ftereiten  möge*  SSefieißiget 
eu$,  ein  gutes  ©ewijfen  $u  haften,  bdbt,  gegen  ©Ott  unb  t>k 
9ftenf$en,  wanbelt  in  ber  gurd;t  be3  |)ö$ften,  benfet  fleißig  an 
euren  £aufftunb,  leftetin£)emutfj,  ©anftmutfj,  $euf$j?eit,  Wlä* 
ßigfeit,  unb  galtet  eud)  unfteflecft  *>on  ber  Seit  3f>r  fepb  $um 
2)ienjie  ©otteä  unb  ©einer  $ird;e  erforen,  fe^b  bk  jungen 
23ctume,  tton  benen  einjt  x>kU  ©eelen  grüdjte  ber  £efjre,  be$ 
£rofte$  unb  ber  (£rftauung  erwarten*  £>al?er  bükt  tdglidj  rnn 
ein  erleuchtetet,  gottfeligeS  £er$,  unb  ftefleißiget  eu$  etne^  red;t^ 
f^affenen  2Banbel&  gießet  o£ne  Unterlaß  mit  jenem  SSeifen: 
„£)©ott,  mein  Vater  unb  £  er r  aller  ©üte,  gtft  mir 
bie  2SeiSf>eit,  bie  ftet$  um  Deinen  £j?ronijl;  benn 
td?fttn  einf$wad)er3#enf$,  mein£eftenijtfura  unb 

42* 


660 


t<$  bin  $u  gering  int  SBerftanbe  be$  $iefyt$  unb  ®e* 
fe£e3*Unbweruig!cia;Gnnerunterbensi)?enfa)en 
»ollf ommen  wäre,  fo  gilt  er  boa)  ni$t$,  wenn  er 
oI)nebie2öei£!?eitift,  ttjel^esjonDtrfotnmt.  <5enbc 
fte  f>erab  r>on  deinem  ^eiligen  £immel,  unbwon 
bem  Zfy  rotte  deiner  Spcxvtity  feit,  fenbe  fte,  bag  fie 
beimir  fe$  unb  mit  mir  arbeite,  bafndjerfenne,  wa£ 
£ir  woplgcfdllt"  — - 

3^r^üuftter  unb  £anbwerfer  enblia;,  bie  ij)r  eua)  buref;  eure 
©efdjicflic^feit  einen  berühmten  tarnen,  3rnc§tl?um,  ©unft  unb 
(£  bre  erwerbet;  waä  pilft  e$,  bag  ijjr  2llleS  wo£l  »erfreuet,  unb  ba£ 
euer  ©ewerbe  eua)  tdglid;  großen  9ht£en  bringt,  wennt^r  ntc^t 
wiffet,  wie  man  bura)  3efum  ££rijtum  in  ben  23eft§  ber  ©eligfett 
gelangen fann  ?  203a3  Inlfteud)  aller  @ewüm,  wenn  i£r  $on  bem 
(Gewinn  ber  ©ottfeligfeit  nickte  wiffet?  2Baö  nügen  tufy  noa)  fo 
gut  geführte  23üd)er,  wenn  iljr  mit  eurem  ©ewiffen  nia)t  im 
deinen  fe^b?  2Bo^u  euer@elb,  wenn i^r  fein  OTttelfennet,  baf* 
felbe  fo  anzulegen,  ba$  ifyx  aua)  naa?  biefem  £eben  einen  9ht£en 
bason  HU  ?  2Bo$u  bie  33efanntfa)aft  mit  allen  £anbcläwegen, 
wenn  t  pr  ben  S3eg  ^um  Fimmel  ni$t  fennet  ?  5111*  euer  ££un  unb 
Waffen,  euer  kaufen  unb  kennen  nimmt  eingrübe,  —erfolgt  bie 
Grwtgfett  2Sa6  werbet  ifjrbann  oon  biefem  Stflem  ^aben,  wenn 
tljr  an  eure  ©eligfeit  nie  backtet?  2Ba3j>  elfeneu  d),  tyxWlcnfätn* 
finber,  alle  eure  fünfte  unb  gerttgfetten,  wennnicbtbaS  Silbjefu 
Gtfmjtt  in  eurem  ganzen  £ebenftd)tbarifi,  wenn  if>r  ba£  3Öerf 
be$  ©laubeng,  bie  Arbeit  in  b er  £icbe  unb  ben  23a u 
ber  ©ebulb  unb  Hoffnung  ma)t  serfrepet,  wenn i^r fein 
Söerf  auszuführen  wiffet,  ba$  eud)  folgen  wirb,  wenn  tjjr  ba$ 
3eitlia)e  mit  bem  (Ewigen  sertaufdjet  ?  —  ©o  arbeitet  nun,  ij?r  be* 
rühmten  SDfeijter,  in  allerlei  SSerf ;  aber  arbeitet  für  bie  Grwigfett 
©a)on  ber  berühmte  3flaler  3euri$,  welcher  lange  3^it  an  einem 
©emdlbe  arbeitete,  unb  begljalb  gefragt  würbe,  gab  $ur  Antwort : 
„3d?  male  für  bie  (£wtgfett,"  .&♦  t.  ia)  Jjoffe,  baf  meine  Arbeit 
um  i^rer  ^unft  willen,  nodj  r>on  ben  fpdteßen  9taa)fommen  boty 
gefa)d#t  werbe»  —  Sollte  niefct  »ielmepr  ber  Gtjmft,  ber  an  ein 
ewigem  Sieben  glaubt,  alle  feine  Sößerfe  in  ber  gura)t  ©otte£ 
unb  im  £inblicf  auf  bie  (£wigfett  »errieten? 


661 


H#,  wie  ni$ÜQ,  a$,  rote  fliid?ttg,  Sfnb  ber  $?f.Htfdjen Sachen; 
3We$,  alles  was  wir  fefcen,  £)a$  muf  falten  unb  ö ergeben,  28er 
<2Wt  fitrajt't,  bleibt  ewig  fielen! 

Sollte  nun  3emanb,  ber  bag  33i3perige  wopl  bebaut  pat, 
ein  per$licpe3  Verlangen  naep  btefem  iMcpte  paben,  fo  mag  er 
au3  bem,  w>a$  wirfrüper  $on  berSBuße,  oont©lauben,  von  ber 
^Bereinigung  mit  (£prifto  unb  son  ber  ^olpwenbigfett  cine$  gott= 
feiigen  £eben£gefagt  paben,  fepen,  wie  man  3U  bemfelben  gelan* 
gen  fann.  2)ocp  wollen  wir  ben  3npatt  pier  fur$  wieberpolen: 

1)  3$  nötpig,  baß  ber  Sfftenfcp  feie  angeborne  SBlmbpett 
feinet  ^er^enS  unb  bie  natürliche  ginfierniß  feiner  Seele  be* 
mütpig  erfenne  unb  ©Ott  um  Erleuchtung  bitte.  5Dtcfc  9re- 
gel  ftimmt  mit  ben  Sorten  unferes  £eilanbeö  überein:  „3cp 
bin  $um  ©ertept  in  biefc  Seit  gefommen,  aufbaf 
bie  banieptfepen  C^  t^re  angeborne  33linbpeit  ernennen, 
unb  ftep  naep  bem  £icpte  fernen)  fepenbwerben,unbbteba 
fepen  (hk  fiep  felbß  für  weife  palten  unb  auep  ba£  £icpt  ber  Seit 
nicptacpten)bltnb  werben.  Säret  iprblinb,  fo  pdttet 
tpr  feine  Sünbe;  weil  ipr  aber  fpreepet:  wir  finb 
fepenb,  fo  bleibet  eure  Sünbe."  3m  gletcpen  Sinne  fagt 
$aulu$:  „9ciemanb  betrüge  ficpfelbft;  wer  fiep  unter 
euep  bünfet  weife  ju  fepn,  ber  werbe  ein  £por  in 
biefer  Seit,  ba$  er  möge  weife  fet)n;  benn  biefev 
Seit  Sei^peit  i(i  gporpeit  f>ei  ©Ott."  —  ©er  grie* 
epifepe  $pilofopp  2)emefritu£  foll  fiep  felbft  geblenbet  paben,  um 
burcp  bie  Außenwelt  uiept  mepr  yerpinbert  ju  werben,  unb  befio- 
grünbltcper  über  bie  Setöpeit  naepbenfen  ju  fonneiu  So  foll  auep 
ber  wapre  (Sprift,  welcper  ber  göttlicpeu  Seiöpeittpeilpaftig  wer* 
hm  Witt,  bie  klugen  feiner  Vernunft  fepließen  unb  ftep  felbjt 
für  blinb  palten,  bainit  er  oen  ©Ott  erleucptet  werbe. 

2)  gerner  muß  ftep  berflttenfcp  %u  ©Ott  in  ßprifto  palten. 
Seine  Seele  gleicpt  einem  Spiegel;  benn  wenn  fte  fiep  $u  bem 
3rbifcpen  wenbet,  fo  erfepeint  barin  ein  leerer  Schatten,  xcen* 
bet  fte  ftep  aber  ^um  $tmmlifcpcn,  fo  wirb  fte  mit  pimmltfcper 
tlarpeit  erfüllt  ©leicpwte  üttofeS,  ber  längere  3eü  auf  bem 
33erge  bei  ©Ott  war,  mit  glän^enbem  2lngejtcpt  jurücffam,  fo 
werben  auep  bie  Seelen,  bie  fiep  im  Qdebtt  unb  in  fleißiger  Se^ 


662 


tracptung  be3  2öorte3  befMnbtg  31t  ©Ott  galten  ,  immer  mepr 
erleuchtet  9cün  aber  pat  ©ort  fem  ©uabenliept  in  (Epriflo 
3efu  ber  ganzen  SBeltmitgetpeilt,  w>te  g3aulu3  fagt :  „£)  e r  £  err 
pat  einen  gelten  (Scpeinin  unfere  #er$en  gege* 
ben":c*;  barum,  wer  $on  ©ott  erleuchtet  fepn  will,  ber  muf? 
3efum  £prifhtm  lieb  gewinnen,  unb  3P*t  befMnbtg  im  ^er^en 
pabem 

3)  Püffen  wir  aucp  a&tinber  be£  £ia)t$  wanbeln,  unb 
allem  gottlofen  SBefen  $on  £eqen  feinb  fe^n*  Denn  b ie  © e^ 
recptigfeitpat  fein  en  ©enug  mit  ber  ltngerea)tig* 
feit  unb  ba3  £icpt  feine  ©emeinfcpaft  mit  ber 
ginfternif^  3Ber  ftcp  in  einen  ftnftern  Heller  serfriecpt,  ober 
bie  $ugen  »erfcpltefit,  barf  ftcp  nia)t  wuubern,  ba$  er  bie  ©onne 
ntcpt  fiept,  unb  wer  beuSerfen  ber  ginfternig  nacpgept  unb 
bura)  mutwillige  @ünben  fein  £er$  »erfa)ließt,  ben  barf  e$ 
ntcpt  befremben,  bag  er  bei  bem  peilen  £icpt  bee  (übangeliumg 
niept  erleuchtet  wirb,  unb  mit  ber  wahren  (Erfenntnig  ©otteS 
unbefannt  bleibt 

III.  &$  ift  nocp  übrig,  b&g  wir  aucp  jenen  frommen  et* 
wa£  311m  £rofte  fagen,  bie  glauben,  bie  pimmlifcpe  SBet^peit 
fep  gar  §u  pocp  für  fie,  unb  fte  fönnen,  fo  ttiele  9Mpe  fte  fta) 
aucp  geben,  fö  fleißig  -fte  aucp  ©otteS  28ort  pören,  fo  anbäcptig 
fte  aua)  beten,  boep  wenig  ober  ma)i$  batton  begreifen*  —  £), 
werbet  barum  niept  mübe  in  ber  ©ottfeligfeit,  fonbern  paltet 
an,  e£  wirb  euep  gepen  tck  bem  90cofe3,  beffen  2lngeftcpt,  opne 
bag  er  e£  \m$tt,  glän^enb  geworben  war,  naepbem  er  ftcp  40 
£age  unb  40  9läa)te  bei  ©Ott  auf  bem  23erge  aufgepalten  patte. 
Die  cpriftltcpen  ©eelen  werben,  inbem  fie  fid)  beftänbig  $u  ©Ott 
unb  3efu  palten,  $war  täglicp  mepr  erleuchtet  unb  in  $>a$  23ilb 
3efu  Gtprifti  serflärt,  boa)  merfen  fte  e$  niept,  benn  fte  ftnb  in 
bem  Dtenjie  ipreö  £errn  fo  »ertieft,  bag  fie  fta)  felbft  »ergeffen, 
unb  ftnben  in  3pm  fo  *nel  $u  betraepten ,  ba$  fte  auf  fta)  felfcjt 
niept  2Ia)t  paben  fönnem  —  Subein  fagt  ©alomo:  „Der  ©e* 
recpten$fab  glänzt  wie  ein? iept,  ba$  ba  fortgepet 
unb  leueptet  big  aufben  pellen  £ag."  2Bie  e£  alfo 
niept  auf  einmal  £ag  wirb ,  fonbern  allmäplig ,  f 0  ift  eg  aua) 
mit  ber  grfenntnif?  ber  ©laubigen;  fte  werben  serfldrt  r-on 


663 


einer  fäaxfjtit  aur  aubern,  nad)  bem  2tu$fpru$  beö  2lpojkl#, 
U$  fte  enblia)  von  aller  gtnjkrniß  gän^licl)  befreit  werben,  Wa3 
jeboa)  erft  in  bem  ewigen,  feligen  Ceben  ©tatt  ftnben  wirb. 
Ueberbieß  gibt  ©  ott  mä)t 3ebem  gletdj  viel $on btefcm  £ta)te,  tw$ 
läßt  er'eä  deinem  an  bem  fehlen,  wa£  ^u  fetner  ©eltgf  eit  notl)* 
wenbig  ijk  —  ©ei)b  ipü  alfo  ber  Meinung ,  tfjr  jjabet  bi&Jjer 
nur  wenig  ober  gar  ni$t$  t>on  biefem  £tä)te  empfangen,  fo 
bebenfet,  baß  il)r  gleicfjwoj?!  im  £ta)te  wanbelt  unb  aU  tinber 
be£  £ia)tg  t>k  SBerfe  ber  ginfterniß  Raffet*  (£uer  £er$  fiängt 
j(a  an  (£f>rifto,  bem  ©efreu^tgten,  unb  tf?  $um  £>tmmel  gerichtet, 
t|>r  Ijabt  alfo  baö  jnmmlifdje  $$ 1  unb  febet  im  2ta)t  (ber  ©nabe) 
3efum  Qtjmfhtm,  —  baS  $ifyt  ber  Söelt.  28emt  ijjr  gleia)  nitt)t 
wiffet,  wie  groß  ba£  2ia)t  eures  ©laubenS  fep,  fo  bient 
biefeö  nur  ba^u  ,  baß  ibr  nidjt  mit  Eigenliebe  erfüllt  werbet, 
fonbem  eure  klugen  beftänbig  auf  3etym,  $>a$  £ia)l  eurer  ©eele, 
rieten  follet.  Denn,  wenn  wir  biefeS  £ia)t  serlaffen  unb  uns 
fetbft  befa)auen,  fo  muß  atP  unfer  £ia)t  in  ginfterniß  serwanbelt 
werben.  —  £),  wie  gut  ip  eö  alfo,  wenn  Slnbere  ben  ©lan$ 
be£  göttlichen  2ia)t$,  ba$  in  un3  iß,  in  unfern  ©aben,  in  un* 
ferer  2lnbaa)t,  in  ber  fr'ebe,  in  ber  ©anftmutlj,  greunblia)feit, 
©ebulb  u.  f.  w.  wajjrneljmeu,  wäfjrenb  wir  felbfl  nia)tS  bavon 
wiffen,  unb  un£  wunbern,  wenn  Rubere  fagen,  baß  wir  ein 
£ta)t  in  bem  Gerrit  fe^en!  —  —  Sötffet  au$,  baß  unfer  £tc|t 
tägltd)  zunimmt,  fe  mepr  wir  uns  im  ©lauben,  in  ber  %khe, 
in  bei*  ©ottfeligfeit  unb  im  ©cbet  üben;  ba^er  wirb  e3  ffä)  31t 
feiner  Seit  ftnben,  baß  wir  me£r  %ifyt  £aben,  aU  wir  glaubten. 
@ott  patfa)on  oft  bewiefen,  baß  erbte  (£mfäTtigjten  mitfolcber 
%&ei$$tit  unb  ©nabe  au^rinlen  fann,  baß  nic^t  nur  bte  flugen 
2Beltmenfa)en ,  fonbem  felbft  ber  lifiige  <&atan  an  iljmen  ^u 
©d;anben  wirb.  2lua)  fwben  e£  gan^  fcpajte  fromme  Männer 
bura)  beftdnbige  Uebung  im  ©lauben,  bura)  baS  ©ebetic.  hi$* 
weilen  fo  mit  gebraut,  ba$  bk  ©elef>rtejten  ftd)  über  fte  wun^ 
berten.  —  ©0  wirb  von  einem  9j?önd;,  ber  nic^t  einmal  lefen 
fonnte,  er^lt,  baß  er  eine  fo  reia)lia)e  Erfenniniß  @otte$  unb 
eine  fola)e  Einfielt  in  bie  @d)rift  gehabt  |>abe,  baß  felbjt  ge- 
lehrte  Männer  ij>n  über  t>k  (Mldrung  bunfler  unb  fa)werer 
©teilen  um  Siafy  fragten.  Da^er  er  aud)  ^u  fagen  pflegte; 


864 


matt  muffe  me£r  gletg  auf  ein  gottfeltge^  geben  unb  auf  %u$* 
rottung  ber  fünblia)en  33egierben  oerwenben,  aU  auf  ba6 
£efen  oteler  33üd)cr.  2lua)  m  ber  ©egenb  »on  Nürnberg  fott 
fta)  e£emal$  etn  armer  33auer  aufgehalten  f»aben,  ber  ebenfalls 
Weber  lefen  noa)  fa)reiben  fonnte,  aber  über  ba$  ®ebet  be$ 
£errn  trefjlia)e  ©ebanfen  patte,  bte  er,  auf  bitten  Ruberer, 
nieberfa)reiben  lieg,  unb  bte  fpäter  aua)  gebrucft  worben  ftnb. 
8etne(JrfIärun3tPfoigenbe:2Bennta)fage:  „SSater  unfer," 
fo  foll  ia)  babei  benfen,  bag  ©Ott  unfer  Sater  tfh  —  31*  £r 
mein  SSater,  fo  foll  ia),  alg  ©etn  ^tnb,  3£u  ernennen  unb  3jm 
mit  rea)ter  £tebe  unb  £reue  loben;  ia)  fett  mta)  aua)  freuen, 
bag  wir  Sitte,  naa)  biefer  3ett,  ein  £errlia)e$  SSaterlanb  im 
Fimmel  jwbem  —  2öenn  ta)  f}>rea)e:  „©epeiligtwcrbe 
bein  9t  ante!"  fo  mug  ia)  benfen:  Dein  ^eiliger  Sftame  tfi 
bieder  oon  mir  nta)t  geheiligt,  fonbern  oielmebr  entheiligt 
worben,  bura)  meinen  £eia)tfuut  unblBo$£eit.  3d;  l?abe  Deinen 
fettigen  tarnen  oft  leiä)tfmnig  in  ben  Sftunb  genommen  mit 
@a)elten  unb  ©a)wören.  Darum  bitte  ia)  Dtä),  bu  wollefi 
mein  £er$  änbern,  bag  Dein  91ame  burä)  mia)  unb  alle  9tfenfa)en 
geheiligt  werbe ,  bag  wir  Dia)  anrufen  um  2lile$,  toaö  un$ 
Vlofy  \$nit*  —  —  Darauf  erhellt,  bag  aua)  geringe  unb  ein* 
fältige  2ttenfa)en  oon  bem  ©nabenlta)te  ©otte£,  unb  oon  ben 
©aben  besS  ^eiligen  ©eifte£  nia)t  au3gefa)loffen  fe^en*  Die 
SBerfieigungen  betf  £errn  ftnb  allgemein,  voie  bte  @a)rift  fagt: 
,/3$  will  meinen  ©eift  autfgiegen  über  alles 
gleifa)  unb  eure  S6J?ne  unb  £oä)ter  follen  wetf* 
fagen;  3$  will3f>n  au «gtcg.cn  betbe  über Jhtea)te 
unb  3Mgbe!"  Unb  3efu$  fagt:  „^ein  Im« nth'fa)er 
SSater  wirb  ben  ^eiligen  ©eijl  geben  benen,  hie 
3 ^n  bitten;  wer  an  9$ ta)  glaubt,  oonbeffen  ^eibe 
w  erben  Ströme  beö  lebe  nbigenSBaff  er  Sf  liegen/'—- 
Darum  übet  eua)  in  ber  ©otffcligfeit  täglia),  unb  paltet  an 
am  (^efcet,  laffet  baö  Söort  ©oiieS  ein  $ifyt  auf  euren  SSegen 
fevn,  fo  wirb  ber  £ag  je  me^r  unb  me£r  anbred)en,  unb  ber 
SDtforgenjtern  aufgeben  in  euren  £er$en.  Der  ^eilige  ©eifl 
wirb  S^fum  @f>rtftum,  in  eua)  oerflären,  unb  eua)  mit  fola)er 
Sete£ett  unb  Äraft  auSrüfien,  bag  Weber  ber  Satan  noa)  bie 


665 

SBelt,  mit  affer  iprer  £i|1,  eu$  werben  fdjja'ben  tomien«  — • 
$tag  auu)  9ttand)er  unter  eu$  e$  m'djt  fo  weit  bringen,  als 
Slnbere,  fo  fotf  er  ftdj  bamtt  begnügen,  bem  #errn,  feinem 
©Ott,  au  gefallen,  können  wir  ntdjt  leuefjten,  wie  bie  ©terne 
erjier  ©röße,  fo  laffet  un3  aufrieben  fe^n,  baj?  wir  bocl;  unfern 
$lag  am  £tmmel  (ber  3tir$e)  ftnben  unb  aU  ©ferne  unterge* 
orbneter  ©rofite  flimmern.  Raffet  un3  nur  mit  ber  @afce,  bie 
wir  empfangen  paben,  fte  fep  grog  ober  flein,  ©oti  unb  un* 
ferem  ^ddjfkn  fro£  unb  willig  bienen;  bemt  am  £age  tc*5 
©erid?t£  wirb  man  mdjt  barnact?  fragen :  xok  groj?  unfere  <£r* 
fenntniß,  unfere  2Biffenf$aft  unb  unfere  Gbahtn  gewefen  fepen, 
»ielmepr,  welken  ©ebraud?  wir  batwn  gemalt  $aben?  Raffet 
unö  immer  an  ba£  @rbt£eil  ber  #  eiligen  benfen,  §u  welkem 
wir  na$  biefem  2eben  gelangen,  wo  wir  ©ott  r>on  Hngeffcfrt 
$u  Slnge(to)t  flauen  unb  tton  ©einer Miaxfyät  gan$  burc^brungen 
werben  follen,  —  %fy !  wann  werbe  auefj  t$  ba£in  fommen, 
bur$  Sefum  ßjjrifmm!  &men. 


fünfte    ^trc&igiL 

33  o  n  ber  öewunberüng  ber  ©  ü  t  e  ©  o  H  e  & 

%.  ff.  40,  6.  #ett,  mein  ©Ott,  grof  fmbSeme  IBunbet  um> 
©eine  (Sebanfen,  bie  £)u  an  unö  beweifefi;  ©ir  ift  ni#tf  gfe«$. 
3$  will  fte  öerffinbtgen,  unb  babön  fagen,  ft)fewo$l  f?e  n($t  flu 
gä^ren  ftnb. 

Eingang, 
gm  Stamm  Sefttt  Simen. 

ÜÄevfwürbtg  tjt,  wa$  ein  ^ugen^euge  •oon  ber  Belagerung 
unb  Eroberung  ber  ©tabt  ^onftantinopel  burd?  bie  dürfen,  im 
%  <£$r.  1453,  er$c$ll,  baf?  nemli$  bti  Wafyt  ein  großes, 
f>elle$  ?id^t  am  Fimmel,  gerabe  über  ber  ©tabt,  gefepen 
werben  fe$.  £>ie  (griffen  wie  bie  Surfen  jjaben  biefe  <2n> 
fd;eimmg  fo  aufgelegt,  aU  ob  ©ott  baburd)  anbeuten  wollte, 


666 


bag  He  Stab*  unter  deinem  unmittelbaren  6a)uge  fiefyA 
2)ie  £e£teren  fe^en  babura)  fo  m  ©djrecfen  geraden,  bag 
fte  bie  Belagerung  Ijaben  aufgeben  motten,  unb  als  fte  eben 
tm  Begriff  waren,  bieg  $u  tfmn,  Ijabe  man  bewerft,  bag  ba3 
wunberbare  %ityt  völlig  verfdjwunben  fe^,  bieg  l?abe  fte  ju  bem 
©lauben  gebraut,  ©Ott  ijmbe  ben  te'lmflen  «Seinen  <&fyn%  tnU 
gogen;  unb  ben  £ag  barauf  fepe  aua)  bte  ©labt  würflig  von 
ijjnen  erobert  worbem  —  2)ura)  biefeö  ftdjtbare  Seiten  wollte 
©Ott  ojme  3wetfet  ©eine  ©egenwart  offenbaren  unb  $wav, 
um  t>k  in  ©ünben  verfunfene  ©tabt  $ur  Buge  aufeuforbern, 
unb  ij)r,  im  galt  fte  reuevoll  %\x  3£m  aurücffeljrte,  ©eine  ©nabe 
gu  verjta;em;  bann  aber  aua),  um  ben  geinben  gu  geigen,  bag 
ffe  mit  ijjrer  Stfadjt  allein  nichts  au6rta)ten  fonnen,  fonbern 
bto6  SBer^euge  ©eines  8?atl?fcf)luffe0  fet;en,  vermöge  beffen 
(?r  bie  llnbugferitgen  ber  geregten  ©träfe  übergeben  pabt\  — 
Sßer  beult  Ui  biefer  ©eftt)ia)te  nta)t  an  t)k  geuerfäute,  bte  ben 
3fraettten  in  ber  2ßüjte  M  5^aa)t  geleua)tet  l)at,  unb  an  Ue 
SBolfenfäute,  bieipnen  hei  £age  vorangegangen  ifl?  ~  (£benfo 
werben  wir  baburd)  an  ba£  erinnert,  wag  fta)  naa)  ber  GErsäplung 
bee  jübifa)en  ©efa)ia)ifa)reiber$  3ofepJm$  fur$  vor  ber  3erftorung 
ber  ©tabt  3erufatetn  zugetragen  fwben  fott,  3m  £empel  j?abe 
man  nemtiä)  ein  Jjetleg  £ia)t  gefe^en,  wela)e3  bte  ftnjkre  Wafyt 
gum  £ag  madjte.  gerner  £abe  ft$  eine  groge  fa)were  £pre 
be3  SEentpelö,  wela)c  fonß  von  zwanzig  2D?ann  geöffnet  werben 
mttgte,  von  fetbft  aufgetpan,  aua)  fe^e  im  3«nern  be$  £eilig* 
t£umg  ein  jkrfeS  ©eräufa) ,  unb  balb  naa)per  eine  ©timme 
gebort  werben,  bie  rief:  £aff  et  un£  v  on  bannen  $ie* 
^  e  n !  —  (£twa3  2le£nlia)e3  wirb  aua)  von  ber  erfkn  Belagerung 
ber  ©tabt  SWagbeburg  in  ten  Sauren  1550  unb  1551  er^lt, 
bag  man  nämlta),  naa)  ber  einpimmigen  2lu£fage  ber  ©efan* 
genen,  Ui  bem  £>eere  ber  Betagerten  einen  weigen  Leiter  ge* 
fej>  en  £abe,  ber  jebesmat  vorangehen  fe$,  fo  oft  (teeinen 
Ausfall  matten,  unb  ben  geinben  gura)t  unb  ©a)recfen  einge* 
jagt  Ijaben  fott,  wegwegen  W  ©tabt  immer  flegreia)  gewe* 
fen  fep. 

2lus  biefem  Gittern  erhellt:  1)  bag  ©otteä  ©nabe  unb  ©a)ug 
bie  befte  gejhmg  tft,  unb  bag  weber  ber  geufel  nod)  bie  SBeJt 


667 


benen  etwas  angaben  f Annen ,  „bie  untci  bem  Schirm 
beS  £ö elften  finb,  unb  unterbem©$atten  beä  21 Ih 
mädjtigenbleib e  n/'  ©ie t önnen mit greuben fagen :  ,,2)  e  r 
£err  tfi  mein  ?tc^t  unb  mein  £>eit,  vor  wemfoHte 
i^mi^fürc^ten?Der  |>ervtfimeine0  5ebenö^raft, 
ioov  wem  foUte  mir  grauen?"  —  Stfeg  füllte  jener 
fromme  gürfi  wofrt,  ben  eine  benachbarte  ©tobt,  bie  vom  getnbe 
£art  bebrängt  würbe,  um  £ülfe  angegangen  fyattz.  $LU  nämli$ 
t>k  Abgefanb^n  ft$  ifjrer  dauern,  ©reiben  unb  Stürme  rü£m* 
im,  fragte  er;  ob  jle  au$  von  Dben  fejt  verwahrt  feyen,  &♦  i 
ob  fte  bei  ©Ott,  bem  Allmächtigen,  tn  ©naben  fiepend  ©onfi, 
fe£te  er  J>in$u,  tft  meine  £ülfe  vergebens,  wie  £>avib  einjt  fagte: 
„233  o  ber  £err  ntcfjt  bie  ©tabt  behütet,  ba  finb  bie 
SBäcjjter  umfonft!"  £)arum  verlaffe  füi;  Sftiemanb  auf  weit* 
li$e  $?ad)t  unb  SSaffen;  bieg  |>ilft  nichts,  wenn  bie  ©nabe 
unb  ber  ©d)u$  ©otteS  uns  fejrtt*  ßaffet  uns  and)  nidjt  bura) 
fortgefe^te  ©ünben  ben  gütigen  ©Ott  nötigen,  baf?  (£r  von  uns 
wetzen  muß,  vok  <£r  von  ben  Suben  wt$,  über  bk  dt  fragte, 
bag  fte  3!?nt  bie  ©tabt  3erufatem,  bie  (ix  ©i$  ^u  ©einem 
©i£e  erwählte,  burd?  Abgötterei  vertagt  gemalt  pabem 

2)  fernen  wir  barauS,  H$  nifyt  nur  bie  ganje  ®ir$e  ©ot* 
teS,  f onbern  auct)  jebe  gottfelige  gamif  te,  ja,  jebe  fromme  ©eete 
bura)  ©otteS  Wiafyt  bef$ü|t,  bur$  Seinen  ©etfi  regiert  unb 
bur$  ©eine  Borfejntng  bewabrt  wirb»  3a,  wollte  ftc&bie  gott* 
licfje  ©üte  f!d;tbar  geigen,  fo  würben  wir  uns  überall  mit  einem 
gelten  %id)t  umgeben  fefien,  unb  würben  mit  Staunen  bemer* 
fett,  bag  ber  SBater  im  Fimmel  ©eine  $inber  nie  allem  fäg  t,  fon* 
bern  fte  verforgt  unb  burcl?  ©eine  ^eiligen  (Eng  elbe  wahren  lägt 
vor  allem  UebeL  3n  au§erorbentli(^en  püeu  $etgt  jtd)  wirf?' 
ftd)  au$  bte  £ütfe  unb  ber  ©d)u#  beS  Atter£öa)fteu  fo  beutl% 
baff  man  jt<£  gan$  bavon  überzeugen  famu  Wttymz  ^eifptete 
ftnben  ft$  im  alten  unb  neuen  &ef!ament  3afobA  <£lifa,  bie 
«Öirten  bei23eii?tej>em,  ^etruS  vu  2L  Ratten  (£nge(S*(£rfc§eimm* 
geit  —  Allein,  wenn  gleich  mcfyt  alle  5D?enfa)en  ä|mttdje  (£rfa£* 
rungen  machen  fonnen,  fo  ijt  bennod)  fein  3w^tfel,  ba^  namens 
litt)  alle  ©laubigen  von  ber  ^lar^eit  beä  ^)errn  umlenktet, 
burc^  ©eine  %flad)t  Umhxtf  unb  von  bem  ^ic^t  ©einer  ©nabe 


668 


begleitet  Werbern  3>a$  lefjrt  nityt  b!o$  bie  peiltge  ©cfjrift  an 
Briefen  ©teilen,  fonbern  burd)  i£re  Anleitung,  unb  burd?  bie  $raft 
beä  ^eiligen  ©eijleS  »erben  Senen  btc  2lugen  beS  ©eifle^  auf* 
getarnt,  bag  fte  im  ©rauben  fe£en,  voaä  bte  leiblichen  2lugen 
nifyt#i  fe£en  serntc-gem  ©ie  tjmn  bisweilen,  tt)ie  ©tepfjanuS, 
einen  35li<f  in  ben  offenen  £immet  unb  emöfxnben  bte  Gräfte 
ber  aurunftigen  2Bett  9Ule$eit  aber  erfennen  fie,  baf?  ©ein  £t#t 
über  ijmen  teuftet,  Btin  2luge  fie  leitet,  ©ein  ©eifl  fte  regiert 
unb  wiber  be$  ©atan$  £ifi  unb  9fta$t  ben?a^rt  gur  ©eltgfeit 
Dajjer  fommt  e$  nun,  bag  fteft$  über  bie  unbegreifliche 
©üte  ©otteS  fo  febr  wunbern,  wooon  wir  weiter 
tniteinanberr eben  wollen,  ©ott  gebe,  bafj  e3  mitsJcu$enaef$e!>e 
burdj  3efum  (Sjjrtflum  in  ber  £raft  beS  £  eiligen  ©etjktf.  hinten. 

I  &|  a  n  t)  U  n  ^ 

Die  rechtgläubige  $ir$e  (mit  ben  40fien  33falm,  au$  wel* 
$em  unfer  £ert  genommen  tjt,  für  eine  Söeiffagung  auf  ben 
SReffiaö,  ^werin  äugleid)  beffen  £ob  gegen  ©einen  |>immlifd)cn 
Sßater  wie  aud>  ©eine  gür^ttte  für  ©eine  ©emeinbe  enthalten 
tft*  3*Mä#  ober  tnacfjt  <£r  ©eine  SÖerejjrer  barauf  aufmerf* 
fam,  baß  jte  bie  SSunber  ber  ©üte  ©otteS,  bie  (£r  in  t£rer  (£rlo* 
fung,  Erneuerung  unb  Ermattung  bettriefen  foiit,  nid;t  auf  er 
2lc$t  laffen  follen,  wie  bie  unb  auf  bare  2ßelt«  Darum  fprt$t(£r 
im  tarnen  ©einer  gangen  großen  ©emetnbe:  „£err,  mein 
©  o  it,  gr  o§  f  inb  D  eineSSunb  er  unbD  ein  e©ebanfen, 
bie  5)u  an  uns  beweifeft!"  Du  £aft  nid?t  nur  $on(£wig* 
feit  jjer  in  ©naben  an  un$  gebaut,  fonbem  pap  auc^  Deinen 
9>tatj?fd)lu*j  von  unferer  ©eligfeit  wunderbar  unb  mit  olraft 
ausgeführt  Du  £aft  aber  ntc^t  bloS  einmal  an  uns  gebaut, 
fonbern gebenfßnodt)  imm er  an uns,  unb  bewetfeß Deine ©üte 
ofme  Unterlaß;  benn  fte  ijt  täglich  über  unSneu,  unb  unaufpör* 
tid)  paben  Wir  ©elegenljeit,  beine  Wlafyt,  2öetSj)eit  unb  %itit 
gu  bewunbern*    SBaS  anberS  fönnen  wir  t{mn,  als  ®iä)  pxcu 
fen  unb  ben  9ftupm  bemeS  Samens  ausbreiten?  —  Wlifyin  fmb 
unfere  £erteSworte  eine  23ewunberung  beS  iftei^tfcumS  ber 
©üte  ©otteS,  unb  je  mej>r  wir  biefe  betrauten,  befto  beffer  Ter* 
nen  wir  ben  ©tnn  berfelkn  Servern 


669 

3n  ber  sengen  ^rebigt  war  son  bem  inneren  £ia)f 
ber  g  laubigen  ©eele  bte  9?cbe,  woburä)  fte  bie  2öo£K£a* 
ten  ©otteä  rea)t  fennen  lernt;  nun  wollen  wir  bte  erjle  grua)r 
biefer  (ürrfenninig,  —  ndmlt^  bte  33ewunberung  ber  ©üte  @otte$, 
gehörig  erwägen.  —  SSetm  einem  ^enfe^en  wwer^offt  etwa# 
®ntz$  begegnet,  wenn  er  etwas  2Iugerorbentli$e$  erblicft,  ober 
eine  frope  IBotföaft  vernimmt,  fo  oerwunbert  er  flä).  $LU 
g;  ©•  fene  Königin  r>on  Arabien  ©alomo  tn  aller  fetner  Sperr* 
licbfeit  falj  unb  feine  Sßet^cit  tternafmt,  brac$  fte  mit  23er* 
wunberung  tn  bte  Söorte  auS:  „35 u  pafx  me£r  Söetö^eit 
unb  ©ute$,  benn.  ba$  ©erücljt  ift,  ba£  ta;  gehört 
jjabe."  Slucfc  bte  SSewobner  *>on  Dla^aret^  tterwunberten  ftdj, 
als  (te  ben  £eilanb  in  if?rer  ©d?ule  reben  Porten,  über  bte 
£olb feiigen  Sorte,  bte  au3  ©einem  Sftunbe  gingen; 
unb  $ctru$,  ber  burdj  einen  ßrngel  auü  bem  ©efängnig  errettet 
würbe,  fpraa):  „9htn  tözify  tcf>  wa^r^afttg,  bag  ber 
£err  ©einen  (£ngel  gefanbt  unb  mid)  errettet  £at." 
—  SBarum  follte  £a)  nun  ber  glaubige  (Elmfi  nidjt  wunbern, 
wenn  er  bte  unbegreifliche  £tebe  beä  ©obneS  ©otte$  fte^t  unb 
bie  große  SBeisbeit  unb  ©üte  be$  £öa)(ten  in  bem  Sßerfe  ber 
(ürrlöfuna  betrachtet.  3a,  wenn  er  bie  £errlia)e  grei^eit  ber 
$tnber  ©ofteS  bepeqigt  unb  im  (Seifte  fte£t,  bag  fein  9?ame 
im  £immel  angetrieben  ift,  fo  fann  er  nia)t  umfctn,  wtt 
SBerwunterung  anzurufen:  £err,  män®ott,  grog futb Deine 
Söunber  unb  Deine  ©ebanfen!  ©rog  ijt  Deine  £iebe,  grog 
Deine  ©üte,  grog  ©eine  2lilma#t  unb  %ßei$peitf  bie  Du  an 
un$  beweifeft  i 

Die  ^Be wunberung  ber  ©üte  ©otteS  aber,  t>on  welcher 
Jier  bie  $ebe  ijt,  befielt  i)  bann,  bag  bie  erleuchtete  ©eele 
baä  £ia)t,  bag  fte  ijjrem  l)immlifa)en  SBater  t>erbanft,  mit  tprer 
früheren  gtnfkrnig,  ©eine  SSo^ltjjaten  mit  tpren  ©unben, 
©eine  $kbt  mit  ijjrem  $alt(tnn,  ©eine  &optit  mit  iprer  9h'e* 
brtgfeit,  ©ein  2Ille$  mit  iljrem  «Ridt>t^  t>ergleia)t;  2)  barin, 
bag  (te  bie  göttlichen  SSojjltljaten  begwegen  befonberS  Jjoa> 
fa)ä$t,  weil  (te  einfielt,  bag  ber  £err  t£r  nia)t  bloö  vergäng* 
liefen  D?eid)t|utm  unb  (F£re,  fonbern  pimmlifc^e,  ewige  ©üter 
gefa)enft  $at;  3)  barin,  bag  (te  mitDemut£  erffnnt,  bag  ©Ott 


670 


%üt$,  m$  dt  an  ipr  getpaft>  nifyt  na§  iimm  33erbtenf?,  fon^ 
bern  au£  lautet  ©habe  unb  SSarmper^igfeif  getpan  pat;  4)  baff 
fteftcp  freut  ,  weil  fte  ftcp  in  ben  @cpoof?  ber  göttlichen  ©nabe, 
in  bie  ©emeinfcpaft  mit  3^fu  unb  m  bie  ©efellfcpaft  ber  (£ngel 
unb  2lu$etwäplten  ©ottegtferfe&tftept,  unb  ftcp  beßpalb  5)  aucp 
^wn  Sobe  unb  greife  be$  SKter^öc^ften  angetrieben  füplt  — 
2>ieß  folgt  nicpt  bloS  aus  unferem  £erte,  fonbern  aucp  au$ 
»ielen  anbern  SBeifptelen  ber  peiligen  ©djrift,  <&o  fagt  3afob, 
tnbem  er  bte  göttliche  ©itte  erwägt:  „3cp  bin  ^u  gering 
aller  33armper$igfeit  unb  £reue,  bie  2>u  an  Dei- 
nem ®necpt  getpan  paft!"  Unb  $?ofe$  bri<£t  bei  ber$3e* 
tracptmtg  ber  göttlichen  Sonaten  in  bie  Sorte  au6:  „Sie 
pat  ber  £err  bie  £eute  fo  liefr;  Sllle  ^eiligen  finb 
in€>einer  £anb!"  Dar>ib  rüpmt:  „Ser  bin  icp,  £>err, 
£err,  unb  was  ift  mein  S?an$,  baf?  2)u  micp  bi$  ^ i e^ 
per  gebracht  paft?  £)a$ii  paft  Du  baS  .gu '  noenig 
geacptet,  £>err,  £err,  baf  Du  mir  im  3eitltcpen 
fo  fciel  ©uteS  erliefen,  fonbern  pafi  bem  £aufe 
beineS -tnecpiS  nocp  $on  fernen  sufünftigen  Din* 
gen  Oon  bem  $?effta$  unb  feinen  Segnungen)  gerebet2e." 
$on  folcper  SBerwunberung  sengen  &**#  bk  Sorte  ber  <£lifa* 
betp,  al$  t>k  Butter  beS  £errn  £u  ipr  fam;  am  beutlicfjfkn 
aber  fprid;t  fte  fiep  in  bem  £obgefang  ber  $?aria  felbfi  au& 
„steine  ©eele  ergebet  ben  £errn,  unb  mein  ©etft 
freuet  fiep  ©otteä,  meinet  Erretters;  benn  (£r 
pat  <Stint  elenbe  Sftagb  angefepeit  unb  *>on  nun 
an  werben  mid;  feiig  greifen  alle  $ in beSf in b  l"  — 
Diefen  33eifpielen  nun  folgt  ber  ©laubige.   $ucp  er  tarn  fiep 
über  bie  ©Ute  unb  i^iebe  feinet  ©otteä  mc^t  genug  wunbern, 
mtt  ftnbet  feine  Sorte,  fte  naep  Siirben  ^u  greifen,  —  (So 
Un  tdj  benn,  fpriept  er,  waprpaftig  ©otteS  $inb,  pabe  SBerge* 
bung  aller  meiner  <Sünben,  lebe  in  ber  ©emeinfcpaft  beS  <Sop* 
neS  ©otteS  unb  bin  zin  (Erbe  ber  ewigen  @eliglett   2lcp,  icp 
armer  $knfcp,  wie  fomme  icp  $u  foldjer  @pre  unb  grogen 
£errltcpf  eit?  ü,  mein  ©ott,  icp  fürepte  micp  sor  ber  £ötle, 
un^  Du  gibft  mir  ben  $>ünmet,  icp  erwarte  ben  glucp,  unb 
Du  frönejl  mic|>  mit  ©egen*    3c^  backte  ^on  ^tinen  klugen 


671 


»erjtoßen  $u  ifeptt,  unb  Ddne  ©üte  umgibt  mio)*  2Bad  Mit 
id),  baß  bu  mid)  fo  feljr  liebeft?  9flan  ergoßt  ftc$  an  einer 
gtfume  wegen  tyxcß  lieblichen  ®eru$3,  an  einem  fdjönen  33uct)e 
wegen  feinet  trefflichen  3n^att^ ;  —  aber,  »ad  war  an  mir,  baß 
Du  mityfo  fepr  geliebt  unb  Di<$  meiner  fo  tmterlicb  angenommen 
baft?  —  Die  Urfadje  Deiner  ?iebe  iß  nid?t  in  mir,  fonbern 
in  Dir,  Du  liebjt  mid),  weil  £>u  fo  gütig  btfl,  unb  Du  btfi 
gütig,  weil  Qu  fo  feljr  liebft  Darum,  o  ©Ott,  bewunbere  ta) 
Deine  frebe  unb  ©üte  mej>r,  a&  Med,  wad  in  ber  3Bdt  ijt, 
unb  t$  weig  rndjt,  wad  i#  jagen  foflL  3$  fann  m#td  me£r 
als  feuf^en  unb  »or  greuben  weinen,  — 

Um  aber  bie  <Bafyc  nocf>  beutlid)er  ju  machen,  ijt  notjitg, 
baß  wir  einige  2öojrtt£aten  ©otteS,  welche  ^ur  ^Bewunberung  ber 
©üte  ©otteg  Iwuptfäcpcf^nlaß  geben,  genauer  betrauten*  ~ 
1)  ©Ott  ijt  obne  B^eifel  ein  in  jt$  felbft  feliged  SQSefen,  unb 
bebarf  nicJjtg  auger  ©i$,  um  feine  ©lücffeligf eit  p  Mrmejjrenv 
$lber  ©eine  große  ©üte  unb  %kU  bewog  3|m,  mancherlei  @e* 
fd?b>fen  £eben  unb  Dafe^n  $u  geben.  Unter  liefen  fmb  t)k 
Gntgel  unb  t>k  sD?enfd>en  bie  vorne^mjlen,  unb  fte  ^unäc^jt  foll* 
tcn  ©efäße  ©einer  ©nabe  unb  $kht  fepn*  dv  wollte  ©eine 
©lücffeltgf  eit  nia)t  für  ©i$  allein  bebalten,  fonbern  btefelbe 
au$  ©einen  ®efct)o>fett mitteilen,  (Er  wollte  nidjtnur  ©Ott  — 
bie  $kU  unb  ba£  fjo$f*e  ©ut  —  fe^n,  fonbern  au$  fo  erfanntf 
werben.  3n  biefer  2lbjtd)t  j>at  dt  audj  und  ^enfdjen  erraffen, 
bamit  in  und  ©ein  ebleS  33ilb  leuchten,  unb  wir  ©eine  ©üte 
unb  %kbt  in  3ett  unb  (Ewigfeit  genießen  möchten.  Unb  ob  wir 
gletdj  burd)  eigene  ©c|mlb  in  t>k  ©ünbe  unb  in  allerlei  dknb 
geraden  fmb,  fo  war  bo$  t>k  $kht  bed  $ßdjjten  fo  groß,  baf 
dv  und  ni$t  in  biefem  (£lenb  lajfen  wollte.  Darum  j?at  dt 
und  ©einen  eingebornen  ©o£n  $mn  £eilanb  unb  Mittler  ge* 
fd)enft.  —  2Öie  Ariele  Urfaa)e  ^urlBerwunberung  unb  $ur  greube 
ftnben  wir  barin?  2öie  tonnen  wir  ed  faffen,  baß  ©o#  au$ 
©einem  %iti)t  gleidtfam  herausgetreten  ijt,  ©eine  Mmafyt, 
SBeteljeit  unb  ©üte  burdj  fo  Ijerrltdje  SOßerfe  geoffenbart,  unb 
bie  9ttenfdt)en  gefd?affen  §at,  bamit  fte  biefe  Söerfe  genießen 
mögen?  2öeld)e3unge  vermag  bie£iebe  aud$ufpre$en,  biemc^t 
aufhörte  gu  lieben,  afd  »tele  Grngel  abtrünnig  würben  unb  auc^ 


672 


*  bie S$enf$en$um  Abfall  verleiteten,  fonbern  b(ejta)  bann  erf!  im 
£eafkn£ia)te  geigte?  £>a£er  fagt  berKpoftel:  „©Ott  preifet 
6 ein eOic^e  g eg en  und,  bagGtfjrifiuS  für  unS  geftor* 
ben  {(I,  ba  wir  noa)  ©ünber  waren,"  —  £)tefe  ^tebe 
gegen  uns  SDcenfa)en  ijt  aber  barum  befto  gröger,  weil fte  ben  gefall 
lenenßrngeln  nia)t  wiberfu^r,  welche®  Ott  in  berginfkmifj  gelaffen 
unb  $um©erta)t  beS  grogen£ageS  aufbehalten  pat  3a,  fte  wirb 
unbegreifKa),  weil  ber  fnmmlifa)e$ater  feinen  @ngel  gefanbt  $at, 
um  baS  menfd>lid)e  ©efa)lea;t  ju  erlofen,  aua)  nia)t  ©olb  unb 
©ilber  $um  Cofegelb  befh'mmte,  fonbern  ©einen  eingebornen 
©opn  in  ben  £ob  gab,  bamtt  Me,  bie  an  3£n  glauben,  nia)t 
verloren  ge£en,  fonbern  baS  ewige  £eben  jjaben.  £)a£er  fagen 
bie  Sipofiel:  „3£r  fepb  treuer  erfauft.  —  Siffet,  bafl 
i$x  nifytmii  vergänglichem  ©olb  ober©tlber  er* 
läfei  fepb,  fonbern  mit  bem  tf> euren  23lut  (5£rifH, 
als  etneö  unfdjulbigen  unb  unbefleckten  SammeS." 
2)  2)ie  $kU  unb  (Bitte  ©otteS  verbient  aber  auc§  bef?* 
wegen  unfere  33ewunberung,  weil  fte  vonOrwigfeit  31t  (£wig* 
feit  wä£rt.  ©Ott  fyat  uns  geliebt  unb  erwählt  in  Görifto ,  e£e 
ber  2Mt  ©runb  gelegt  warb.  $lts  wir  noa)  m$t  ba  waren, 
erfa£  unS  fa)on  ber  Slllgütige  $u  ©einen  Itinbern.  2Sir  erfann* 
ten  unb  liebten  3£n  uoa)  nia)t;  Grr  aber  liebte  unS  fa)on  unb 
befc^loj?  mit  SBeiSpeit  unb  ®ütt,voie  dv  uns  verfovgen,  fa)ü$en, 
fegnen  unb  bura;  bie  2Mt  ^um  £tmmel  führen  wolle.  33et  unS 
war  noa)  gar  fein  Söerbienft;  aber  M  3£m  war  ©nabe  unb 
i*iete.  <£r  j>at  unS  baS  £eben  gegeben  unb  pat  ©ta)  als  an 
gndbtger,  gütiger  ©Ott  unb  23ater  an  uns  bewiefen  von  2flutter* 
?dbe  an,  ©obalb  wir  geboren  waren ,  jwt  Q£v  ©einen  Engeln 
befohlen,  baf?  fte  um  uns  waa)en,  auf  allenS&egen  uns  behüten  unb 
uns  auf  ben£änben  tragen  f  ollen,  ©ein  vciterlia)eS  2luge  war  in 
unferer  ®inb£ett  fletS  auf  uns  gerietet,  ©eine©üte  unb  ©arm* 
^erjigfeit  folgte  uns  überall  naa),  ©eine  2Ulmaa)t  befa)ü$te  uns, 
unb  ©eine  $kte  patte  ©ebulb  mit  unfern  gejjlerm  —  £)iefe 
väterliche  gürforge  wäjjrt  noa)  unb  ©Ott  wirb  nia)t  mübe  uns 
©uteS  ju  tfcun»  3a,  oft  lagt  er  unS  ©eine  gürforge  fo  beut* 
lia)  füllen,  bafj  wir  fte  gleia)fam  mit  ben  Rauben  Utafttn  fön* 
um    €S  ij*  manchmal,  als  nebme  <£r  uns  an  ber  £anb,  \xm 


673 


un$  $u  Kehren,  welken  SÖ3eg  wir  wählen  f  ollen*  (£r  ruft  un$ 
gleia)fam  mit  tarnen,  wie  bem  2lbral)am  unb  2lnbern;  wir 
serne|>mett  ©eine  ©timme  in  unfern  -freien,  wenn  er  uns 
»or  ©a)aben  warnt,  ^um  ©uten  ermuntert,  in  ber  Strübfat 
tröffet  unb  jiärfi!  —  O  wer  wollte  fiä)  mtt)t  barüber  wun* 
bem,  bag  unfer  9?ame  im  Fimmel  woljl  befannt  iji,  bag  ber 
£err  alT  unfer  anliegen  fennt  unb  ©ta)  unfer  fo  treulich  an* 
nimmt!  — 

2)ie  ©üte  ©otteS  wirb  ferner  ntä)t  mübe*    2Öir  leben 
60,  70,  80  3apre,  unb  ©Ott  ragt  ©eine  ©üte  alle  borgen 
neu  über  unS  aufgeben*  Sitte  £age  liebt  (£r  un6  auf  gleiche  Seife, 
»erforgt  un$  naa)  ©eele  unb  Zeih,  fc^ü^t  un$  gegen  unfere 
geinbe  unb  erfreut  uns  mit  allerlei  2ßo£ltljaten,  me  wenn  e$ 
jum  erftenmal  gefa)e£en  würbe*    2)ie  5Dlenfa)en  werben  balb 
mübe  unb  t>erbroffen,  unb  feiten  wirb  man  ein  folä)  liebrei* 
d)eg  $erj  ftnben,  btö  einen  Traufen  o|mc  Durren  Sajjre  lang 
verpflegt,  ober  einen  Firmen  längere  3eit  ojjme  Siberwillen  $er* 
forgt;  ber  liebreiche  ©Ott  aber  wirb  nicfjt  mübe;  felbft  bie 
SDtage  unferer  ©d;wad)beiten  unb  ©ünben  fönnen  3fm  nt$t 
serbroffen  machen*  <£x  £at  ©ebulb  mit  unö,  wenn  wir  (kau* 
c^eln,  julft  uns  auf,  wenn  wir  gefallen  ftnb,  folgt  ung  naa), 
wenn  wir  abtrünnig  werben ,  unb  nimmt  uns  auf,  wenn  wir 
wieberfejjren  unb  23uge  t|>un*  (£in  frommer  Zefyxex  fagt  bar* 
über  fe£r  fa)ön:  ,,©o  lange  wir  leben,  lägt  ©Ott  ©eine  ©üte 
über  un$  ausgebreitet  fe^n  me  eine  £)ecfe;  wenn  wir  fterben, 
wictelt  dx  uns  in  biefelbe  ein  unb  lägt  ung  burd)  ©eine  (£ngel 
tragen  in  ©einen  greubenfaaL"  —  ®otte$  Zieht  währet  in 
@wigfeit    Sir  follen  hei  bem  £errn  fe^n  allezeit  unb  ©eine 
#errlia;feit  unb  ©eligfett  geniegen  ojme  (£nbe*  —  SBenn  ^k 
9flenf$en  einen  ©aft  belommen,  fo  ift  er  tjimen  eine  Bett  lang 
lieh  unb  wertjj,   hteiht  er  aber  $u  lange,  fo  wirb  er  $ur 
Saji*  ©Ott  aber  will  uns,  wenn  wir  sonbiefer  (£rbe  fa)eiben, 
in  ©eine  jnmmlifcfje  Söofmung  aufnehmen  unb  uns  bort  ©eine 
Zieht  o|me  2Iufj?ören  geniegen  laffen*  —  £)  unbegreifliche  ©üte, 
o  £iefe  ber  göttlichen  35armj?er$igfett !  Wlit  SRtfyt  wunbert  fta) 
ber  ©laubige  barüber  unb  ruft  au$:  „£err,  mein  ©ott, 
grog  ftnb  £)eine  Sunber  unb3Deuie  ©ebanfen,  bit 


674 


©u  an  uns  beweife)!!"  ©ir  ijt  weber  an  9ittad)t,  nod>  an 
SösiSfjeit  unb  £tebe,  noa)  an  Grljre  nnb £errli$feit  3emanb  gletdt)* 
©ubtft  unbegreiflich«!  allen  ©einen  Sßegen,  unbegreiflt$inben 
Werfen  deiner  ©üte  unb  23arm|>er5tgfeik  2lcfj,  mein  ©ott!  ©u 
£ättejtmidj  wofrt  entbehren  tonnen;  benn  wenn  idjauä)  nid)i  ba 
wäre,  fo  ftnb  viel  taufenb  Gmgelba,  bte  Qity  Koben  unb  greifen, 
unb  wenn  awfy  btefe  nic$t  ba  wären,  fo  würbe  ©ir  boef  an  £err* 
lttt)fett  unb  @eltgf  eit  mc^tö  fejjlen*  ©oa)  e$  jjat  ©ir  nac$  ©ei* 
ner  ewigen  ^tebe  gefallen,  aua;  midj  au$  bem  9ft$t$  fjervor* 
prüfen,  unb  mi$  als  ein  2öunber  ©einer  2lllmad)t  unb  ©üte 
£in$uftellen*  ©u  jjafi  bi^er  ©eine  wunberbare  ©üte  an  mir 
fo  rei$li$  beriefen,  ©u  l)aft  mid?  von  Sflutterleibe  an  tx>eife 
befep^t  unb  erhalten,  |jaft  mir  große  35arntfjer$tgfeit  unb 
Sangmutj?  erzeigt;  SBater  unb  Butter  Jjaben  mid)  verlaffen, 
aber  ©u  fjaft  ©i$  meiner  angenommen»  3$  bin  ba  unb  bort 
in  ber  SHklt  gewefen,  fanb  aber  überall  ©einen  £immel  unb 
©eine  ©nabe  über  mir*  3$  !wbe  Won  fo  viele  3a£re  in  ber 
S&elt  gelebt  unb  feine  Stunde  oifme  ©eine  väterliche  Slufjtdjt 
unb  o£ne  Hn  ©enuß  ©einer  SBofjltjjaten  angebracht,  —  £), 
mein  ©Ott!  wer  bijt  ©u  unb  wer  bin  tc$,  baß  ©u  mia;  fo  podj 
acjjtejt  unb  3^t4>  meiner  fo  annimmjt,  i$  ^a^e  ©ir  fa  ntdjts 
^uvor  gegeben,  baS  ©u  mir  wieber  vergelten  müßteft  SSag 
£abe  iä)  arme£  $inb  tjmn  tonnen,  ba  ta)  no$  nicfjt  in  ber  Seit 
unb  boct)  f$on  von  ©einer  ewigen  ^Oiebe  auSerforen  war?  Unb 
wa$  fann  i$  jegt  tljun,  ba  i$  in  ber  Seit  bin  ?  3$  madje  ©ir 
nur  $ftt£e  unb  Arbeit,  balb  fef?lt  mir  bieg,  balb  etwas  anberS, 
balb  freue  tetj  mi$  ©einer  ©üte,  balb  weine  unb  feufee  ta%  — 
©0$  e$  mag  mit  mir  flehen,  wie  e$  will,  fo  ftnbe  tc$  fiet$ 
meine  3nflua)t  bei  ©ir;  i$  mag  Ui  £ag  fommen  ober  bei 
9lati)t,  in  greube  ober  £raurigfeit,  mit  gutem  ober  bofem 
©ewiffen,  fo  nimmft  ©u  mt$  auf/  ©u  erprfi  mein  ®tbtt, 
©u  vernimmji  meine  ©eufter,  ©u  $äjjlji  meine  ££ränen  unb 
läffefl  ©ir  meine  bitten  Wohlgefallen,  wenn  fte  auejj  bisweilen 
nod)  fo  tljöricfjt  finb.  ©u  befd;ämjt  mi$  nia)t,  pilfft  mir  au$ 
ber  9lotjj,  fc^efl  mid)  in  ©efapr,  errettefi  mia)  von  meinen 
geinben,  vergibft  meine  Sünben,  unb  maa)(J  wieber  gut,  m$ 
ify  bofe  gemalt  jrnbe.  ®my.  ©u  bejjanbelft  mi$  wie 


675 

ein  5Hnb,  £>,  to)  elenbe  treatur,  \w  fomme  ia)  ju  btefer 
(£!jre,  wie  foll  ity  £)ir  vergelten  alle  SSoljltüiaten ,  fr'e  3Du  an 
mir  tjwfl?  —  2lä),  mein  ©Ott,  i$  fann  mcfjt  umljin,  o|me  mtd> 
über  ©eine  große  Siek  $u  tterwunbern  unb  2)u$  mit  meinen 
©eufeern  $u  loben  l  SÖunbem  muß  icfy  mi$  aber  au$  barüber, 
tag  2)tr  mein  2ob  fo  wojrt  gefällt,  wie  wenn  t$  etwas  ©roße^ 

3)  3)ie  ^iek  ©otteä  gegen  uns  ljat  ftd^  pauptfää;ti$  in 
bem2öerfeber(£rlöfung  gezeigt,  weldjeä  bem  ©laubigen 
f o  unbegretflid) i%  ba$  er  ft$  faji  meßbarem  fmben  f  ann,— $Bun* 
berbar  ijl  bie  ^erfon  beS  GErloferS,  in  welchem  bie  gott* 
Kdje  unb  menf$lia;e  9?atur  ur^ertrennlidjj  vereinigt  tfL  (B  ift 
meijr,  aU  wenn  man  fagte :  ber  Fimmel  fy&ttc  ftdj  mit  ber  (£rbe 
oerbunben,  ober  bie  ©onne  mit  einem  GSxbenflofiL  2)enn  ber 
£tmmel  unb  Hc  ©onne  ftnb  t>ergängli$  wie  bie  @rbe,  ob  fte 
gleidj  meljr  Marfj  eit  Ijabem  %lun  aber  |>at  fiä)  ber  <5a)o>fer 
mit  bem  ©ef<$opf,  ©ott  mit  bem  50*enftt)en,  unb  2)er,  wetzen 
aller  £immel  #tmmel  ntc^t  $u  faffen  »ermögen,  mit  einem 
jkrblta)en  £etbe  tterbunben,  unb  jwar  un$ertrennlia),  —  au 
(£iner  ^erfon;  baS  ift  einSßunber  über  alle  203unber*  —  (EfyxU 
fta$  ift  ein  $?enfdj  gleidj  anbem  9ttenfä)en,  unb  an  ©eberben 
als  ein  SÖtafd)  erfunben,  unb  bocf>  ift  biefer  9ftenf$  „©ott 
über  SllleS,  getobet  in  (£wigfeit/'  2Bir  rühmen  und 
mit  ^ecfjt,  baß  ©otteS  ©ofm  unfer  33ruber,  unfer  sBetftonb, 
SSttittter  unb  ©eltgmaa;er  geworben  tfL  —  Söunberbar  ift  fer* 
ner  aua)  bie  5lrt  ber  <£rlofung*  2)er  ewige  ©ojm  ©otteS 
ift  »on  einer  3ungfrau  geboren  worben,  ber  £err  ber  £errlt$* 
Uit  jfommt  in  bie  SBelt  unb  liegt  in  einer  Grippe.  2)er  große 
©Ott  i(i  tin  $inb  geworben,  ber  <£rjjalter  aller  £>inge,  ber 
5WeS,  was  ba  lebet,  mit  £uj*  fätttget,  fudjt  9?af>rung  an 
ber  Butter  S3ru(l;  ©er  2llleS  trägt  mit  ©einem  fräftigen 
SÖBort,  lägt  ftd)  auf  ben  Slrmen  tragen,  3)er  SllleS  wrforgt,  be* 
barf  ber  ©orge  feinet  $flcgt>ater&  £)iefe$  Äinb  iß  ber  3nbe* 
griff  aller  Söunber,  aller  %kfo ,  $&eityät,  Wlafyt  unb 
©üte  ©otte^,  es  ift  me(?r  ^errtt^feit  an  ifjm,  alö  m  aller 
SOSelt,  me^r  §iebe,  als  in  ben£er$en  aller  9ttettf4>en,  me^r 
!Äei(4t^um,  aU  in  adeif  6ä)ä£en ,  me^r  ^reue,  aU  bei  allen 

43* 


676 


greunben,  meljr  Setöfjeit,  aUM  atfen  ©eleljrten,  ntejrtr  #et* 
ftgf  eit,  aU  in  atfen  fettigen*  @g  tft  ein  ®inb,  unb  boä)  We#, 
t€  vermag  Sitten,  n)eig  2itfe$  unb  |at  2ito*  2luger  biefem 
$tnbe  tft  9h'emanb  reta),  9tfemanb  weife,  9ftemanb  fettig, 
•ttiemanb  felig ;  e$  tft  attettt  ba$  f>öa)(le  ©ut  —  <£ben  belegen 
würbe  btefeö  $inb  lange  vor  fetner  ©eburt  „Söunberbar" 
genannt  3e  mefjr  aber  ber  Gfmit  barüber  nadjbenft,  befio 
me£r  wirb  er  aufrufen:  2la),  mein  (£rfofer,  ba$  ©ejjeimniff 
©einer  9ttenfä)werbung  tfi  mir  viel  $u  jjoa),  ta)  fann  eö  nidjt 
begreifen !  ©ie  Gntgel  ^riefen  ©ta;  auf  bem  £jj>ron  ©einer  £err* 
ttc^fett,  unb  lobten  ©Ott  bei  ©einer  ©eburt,  um  wie  viel  me£r 
Ijabe  ia;  Urfaa)e,  ©ia)  im  ©lauben  unb  in  ber  ©emutlj  an$u* 
beten,  wenn  ta;  ©ia)  im  ©eift  in  ber  Grippe  fepe  unb  ©eine 
unau$fprea)fia)e  $khc  erwäge,  D,  wte  wunberbar  ifi  ©eine 
©eburt  auf  (£rben ,  bura)  wda)e  wir  aum  Fimmel  geboren 
werben!  SQSie  wunberbar  ijl  ©eine  ©ä)wad$eit,  bura;  wetdje 
©u  ben  ©atan  überwtnbeft;  wte  wunberbar  tft  ©eine 
9tiebrigfeit,  bura)  weta)e  ©u  unö  bie  $inbfa)aft  erwirbffc,  ©eine 
23eraä)tung,  bie  un£  au  Citren  bringt,  ©eine  2lrmutlj ,  t>k  un£ 
|rimmftfa;e  unb  ewige  ©üter  verfa;afft !  (£$  ift  fonft  nta)t$  9?eue£ 
unter  ber  ©onne  auger  bem,  ba§  ©Ott  Sftenfa)  geworben  tft, 
unb  baft  baS  Heine  menftt)Iia)e  £era  im  ©tauben  ben  ganzen 
£immel  faffen  fanm  — 

©ejjen  wir  weiter  unb  betrauten  ba$  £eben,  hk  £jjaten 
unb  ©tt)iäfafe  3efu,  wk  viel  ©toff  aur  SBewunberung  bieten 
un$  biefe  bar !  %m  meijlen  aber  erregt  ba3  unfer  <£rftaunen, 
wenn  wir  3£n  im  ©arten  ©etljfemane  mit  blutigem  ©a)weij? 
bebeeft  auf  bem  5lnge(ta)t  liegen,  mit  bem  £obe  ringen,  von 
©einen  Sägern  verlaffen  unb  von  ©einen  getnben  gefangen 
genommen  feiern  3öir  ftaunen ,  wenn  wir  3!m  gebunben  vor 
bem  JjoJjen  Sftatt)  unb  vor  bem  j)eibniftt)en  Dftdjter  erblichen, 
Wenn  wir  fefjen,  wie  (£r  gegeißelt,  mit  ©ornen  gefront,  mit 
gäuffcen  gefä)lagen  unb  bem  tßolh  aum  ©pott  vorgejMt  wirb, 
ttnfere  SSerwunberung  jleigt  auf  ba$  £öa)jk,  wenn  wir  wa£r* 
nehmen,  wie  ber  Unfa)utbtgfte  ©ein  treua  trägt,  aum  £obe  ge* 
füljrt  wirb  unb  mitten  unter  ben  Uebettfjätern  enblia)  ©einen 
©eiji  aufgibt  Sttüffen  wir  ba  niä)t  aufrufen:  2la),  ©u  ©oljn 


677 


©otteS,  wer  mag  ba$  begreifen?  ©u  biji  tn  bie  SÖSelt  gefom* 
men,  um  bag  menfcpd[>e  ©efc^ledjt  aufzurichten,  unb  wir  feljen 
©td)  auf  ©einem  2lngefi$te  liegen!  ©u  bijt  gefommen  uns  von 
ber  ©ewalt  be3  ©atan$  $u  erlöfen,  unb  wir  muffen  Qiä) 
gefangen  fefjen !  ©u  bijt  gekommen  un$  von  ©otteS  ©ericljt 
unb  von  bem  ewigen  £ob  ^u  befreien  unb  ©u  läffejt  ©i$  felbfi 
gum  £obe  fuhren !  —  ©od)  bieg  ij*  ber  wunberbare  3^at|>  ©ot* 
te$,  bieg  ©eine  unbegreifliche  %kht.  ©ein  fallen,  o  3ef«> 
tji  unfer  Slufftefjen,  ©eine  33anbe  fmb  unfere  greijjeit,  ©eine 
©cfmtadj  ift  unfere  (£Jjre,  ©eine  2lngft  unfer  £roft,  ©eine  SSev^ 
urtpeilung  unfere  £o3fpredf)ung,  ©ein  glua)  unfer  ©egen, 
©ein  £ob  unfer  geben!  — „©elobet  fep  ber  £err,  bag 
(£r©etnewunberbare@üteanungbewtefentjat! 
4)  2ludj  über  ft$  felbft  verwunbert  ftcf>  ber  glaubige 
Ctjjrijt,  weil  nämlicfy  eine  folcfje  feiige  ^eränberung  mitifjm  vor* 
ging,  bag  er  aug  bem  £obe  jum  £eben  gefommen  ift,  bag  er 
ftott  be$  glucks  ben  ©egen  erlangt  pat,  burdj  ©otte$  9ttac§t 
von  ben  SBanben  be$  «Satans  errettet  unb  in  bie  ©emeüifdjaft 
3efu  (grifft  serfe^t  worben  tfL  (Ex  erfennt  feine  £errlicf)fett, 
welche  barin  befielt,  bag  er  mit  ber  ©ere$tigfett  (grifft  ge* 
fcfmtücft,  ^ur  $inbfc|)aft  ©otteg  erhoben  würbe*  dx  £ält  eg 
für  an  ©tücf,  bag  ber  fällige  ©ciji  in  tfwt  wofjnt,  beffen  3^0* 
nig,  £rojt,  Äraft  unb  Leitung  er  beutlid)  füplt*  —  (Benfo  be* 
wunbert  er  bie  ©nabenmittel  $ur  ©eligfeit,  bie  .fraft  be$ 
SÖorteS,  ba$  bie  ^er^en  erneuern  unb  cinbent  rann,  ben  23unb 
ber  £aufe,  bag  2Ibenbma£l  be3  £errn  3efu  (grifft  :c»  2D?it  <5tan* 
nen  benft  er  über  bie  Mittel  unb  Segc  ©otteg  nadj, 
burcf)  welche  bieferbie  gan$e2öelt  lenft,  fo  bag  b e  i  all e r  Un* 
orbnung,  benuocf)  ©eine  £>rbnung,  bei  allem  £f?un 
unb  treiben  ber  Steffen  <&tin  dtafy  unb  bei  fo  mancher* 
lei£l)orj)ett  <&tint  Seigjjett  allein  bejtepen  unb  2ltte£ 
$u  ©einer  ^J»r e  gereichen  mug*  —  ©a  ift  greube  unb  58er* 
wunberung,  (£l>rfurd?t  unb  £ie^e  beifammen ;  ber  @  prift  fdjä§t  ft$ 
glücflic|),  bag  er  einen  folgen  ©ott^at,  unb  fprtdjt:  „kommet 
per  unb  flauet  an  hit  Söerfebeö  £errn,  ber  fo 
wunberbar  ifi  mit  ©einem  ££un  unter  beulen* 
f  djen  *  $inbem."  —  ©aper  fommt  eg  auc$,  bag  wir  in  ber 


678 


peil  ©eprift,  befonber$  in  ben  $fatmen  fo  x>iete  ©teüen  finben, 
tt^eWe^onber  wunberbaren  ©üte  ©otteö  panbeln,  fr  35* :  „2)  er 
£err  ift  grog  unb  poxt)  gu  loben,  unb  wunberbar 
über  alle  ©otter/'  „£)anfetbem£errn  nnb  rühmet 
©einen  üftamen,  oerfünbtget©ein£$un  unter  ben 
IBolferm  ©inget  oon  3M  unb  lobet  3Nr  rebet 
*>on  allen  ©einen  SQSunbem/' 

21  nw  enb  ung» 

L  Raffet  un$  nun  »or  aßen  fingen  eine  Prüfung  barüber 
anfielen,  ob  wir  biöper  bie  ©üte  ©otteS,  bie  Sßunber  ©einer 
^iebe  unb  ©eine  un3ä^%en2öo^ltf>atenauc^|)o^gefc^d$t^aben? 
SÄdj,  wie  groge  geiler  werben  fiep  in  biefem  gall  hä  un$  bitten 
finben !  58on  ber  gottlofen  Söelt,  bie  in  iprer  Unwiffenljett,  gleicp 
ben  £l)ieren,  bapingept,  will  ify  gar  nieptg  fagen,  fonbern  mit 
2)aoib  fpreepen  :„£err,wiefinb2)eine2Berfefogrog? 
2>eine@ebant'enfinbfofe£rtief,  (ginZfyox glaubt 
ba$  niept  unb  ein  Sftarr  achtet  e$  ntept"  2)ie SSelt frei* 
lify  oerfiept  bie  ©epeimniffe  be£  D^eic^eS  ©otteS  unb  bie  2Bun* 
ber  ©einer  ©üte  nidjt,  unb  weig  fte  alfo  aud)  nidjt  $u  fragen; 
aber  leiber  laffen  ft$  aud?  bie  ©laubigen  pierin  eine  groge 
©ftic^gültigfeit  $u  ©Bulben  fommem  2)a$  »erberbte  £er$  ift 
oft  gay  gu  träge  in  ber  Betrachtung  ber  göttlichen  ©üte.  2Bir 
jtnb  wie  bie  ßtnber,  welche  bie  Siebe  iljrer  Altern  $war  täglich 
geniegen,  aber  niept  gu  fragen  wiffen.  Sßetl  aber  ipr  SBerftanb 
mit  ben  S^ren  tt>äd)$t,  fo  begreifen  fte  enblicp  boep,  wa$  an 
SBater*  unb  Sttutff-rpera  ift  —  £),  bag  aua)  wir,  benen  ©otteS 
©üte  alle  £age  $u  ££eil  wirb,  biefelbe  einigermagen  au  fo)ct£en 
wügten!  —  ©o  prüfet  zwfy  nun,  meine  Qijmften,  ob  i£r  bigjjer 
über  bte  ©üte  beg  pimmltf$en  SBaterS,  bie  dx  Ui  eurer  (Erfcpaf* 
fung,  Haltung,  <£rlöfung,  Belehrung  unb  Regierung  Uwk#, 
na^gebaept  fjabt,  unb  fte  mit  £)emutp  unb  2)anf barfeit  aner* 
fennet?  Söie  fiept  e$  um  euer  £er$,  wenn  man  an  2Beifmaä> 
ten  »on  ber  9ttenf$werbung  bes  ©opneö  ©otteä,  in  ber  gaften* 
&it  oon  ©einem  Seiben  unb  ©terben,  unb  ba$  gange  3af)r  pin* 
burcp  tton  3efu  uttb  atten  ©einen  SSunbern  prebtgt?  SQSaö  füjj* 
let  ipr  bef  ber  <£rflärung  ber  2lu$fyrü$e:  „2Ufo  $at®ott 


679 


bie Seit geliebt,  baß(£rSeinenetngebornen<Sol)n 
gab*  Der@o£n©otte$  tyatmity  geliebt  unb  St d> 
felbft für  mid;bargeg eben.  —  ©ottljatunögefegnet 
mit  allerlei  geifUtdjem  (Begentn  £tmmlifd)en  ©ü* 
tern  bur<#  Sjjnjlunw"  SWctyi  waf>r,  ba  benfet  tyv,  ba$  {m* 
ben  wir  fdjon  oft  gehört;  ba$  ift  nia)t$  9teue$.  gijr  fdtfafet, 
benfet  an  etwaö  anbertf,  fe^b  mit  euren  ©ebanfen  balb  ba,  balb 
bort,  unb  achtet  md^t  auf  bie  außer  orbentltcf)en  Serfe  beä  £ernu 
—  Um  aber  bk  Saprjjeit  31t  fagen,  fo  tragen  wir  £ej)rer  felbji 
einen  großen  Xfyäl  ber  <Bä)utc>  an  ber  ©leict;gülttgfeit  ber  QfyxU 
ften  unferer  £age*  Str  felbß  fmb  fo  lau  unb  trag  im  Gtjmften* 
tjjum  unb  ftnb  meiften^  ^u  irbifdj  geftnnt  So  ftnbet  man  Jjeut 
3U  £age  bie  feurigen  3ungen  unb  bk  brennenben  $er^en  ber 
kpofiel?  So  ftnb  biejenigen,  mlfyt  *>on  ber  £tebe  @otte$  trun* 
fen  bie  großen  £baten  be$  £o#en  mit  traft  oerfünbigen  ?  So 
ijt  £utper3  freubiger  ©eifl  unb  geueretfer  ?  —  Der  größere 
££etl  unferer  ^rebtger  nimmt  feine  ^rebigten  au$  gewiffen 
33ü$ern,  unb  ift  ficofj,  wenn  nur  bk  ©tunbe  aufgefüllt  wirb. 
Die  SEKeiften  gefallen  ft$m  gezierte»  Sieben  unb  prächtigen  Sor* 
tenr  aber  son  ber  traft  be$  ©etfteö,  burd)  welchen  bie  Zieht 
©otteS  in  unfere  £>er$en  auögegojfen  wirb,  wiffen  jte  nichts, 
©ie  üben  ftd)  md)t  im  (Glauben  unb  benfen  ben  Sunbern  ber 
ewigen  i^iebe  nid;t  nadj*  —  21$,  £err !  erbarme  £)ia)  unfer  unb 
Ijilf  allen  unfern  Mängeln  ah.  Oeffne  uns  bie  klugen,  baß  wir 
feljen  bk  Sunber  in  beinern  ®efe£,  bk  Sunber  Deiner  ©nabe 
unb  ©üte,  unb  ba^on  mit  traft  unb  greubigfeit  ^eugen  fön* 
nen.  — 

IL  Sofjlan  benn,  ijjr  (Elmßen  alle,  lajfet  un$  Ijeute  an* 
fangen  mit  Daotb  gu  fagen:  „Sie  föftlid)  finb  £or  mir, 
©Ott,  Deine  ©eb  an  fen;  wiegroß  finbDeineSun* 
ber,  bie  Du  an  un$  beweif  eji!  Dir  ift  nid)t£  gleich" 
£eutenoc|)  lajfet  un$  anfangen  bk  große  ©üte  ©otte$,  bie£iebe 
3efu  Qfyxtfü  unb  bie  ©emetnfdjaft  be$  £eiL  ©eifkä  über  Me$ 
3U  fragen  unb  bte  Sonaten  ernjtlid;  p  erwägen,  bkdxunö 
hifytx  erwiefen  £at.  Dft  wollen  wir  hü  un£  alfo  fprecfien: 
£err,  werbinid;,  unb  wer  bift  &W?  Duliebfimi$, 
ob  Du  gletdj  meiner  ntc^t  bebarfj*  unb  obgleich  an  mir  nic£t$ 


680 


Sh'eben^würbigeS  tft.  2)u  IjaftDia)  für  mia)  bajun  gegeben,  £afi 
mein  arme3,  fünbigeS  #er$,  ba6  mir  felbß  nic^t  gefällt,  su  2)ei* 
ner  2ßo£nung  erwäplt.  3$  bin  2>em  $inb,  2)u  l;ältft  mia), 
wie  Dein  $inb,  Du  liebftmia)  pernio),  serforgft  mia)  reia)lia), 
3üa)tigeft  mta)  säterliä),  füprfi  mia)  wunberbar,  boa)  feiig.  3$ 
bin  Dein(£rbe,  ber  #immel  ift  mein,  bte@eligf  eit  ijimein.  Dief? 
(£rfenntm£  ift mir  §u  £oa),  iä)  fann  eö  nia)t begreifen;  tä)  muff 
Dia)  lieben,  mufü  Dia)  (oben.  Deine  ^?te^e  brcmget  mia),  au£* 
3urufen:  „Daö  tfintein  ©Ott,  ia)  will3£n  greifen, 
bagifimetne3$aterS©ott,  ia)will3£n  ergeben!'' 
Die  ©üte  ©otteS  foll  alfo  für  bie  3n!unft  ber  £auptge* 
genftonb  unferer  23ewunberung  fe^n.  Darum,  0  d^rift,  wun* 
bere  bta)  nia)t  fowofjl  über  ein  wi£ige$,  geiftreia)e$  23ua),  ba$ 
tin  ffuger  $opf  aufgearbeitet  fyat,  aU  sietmejjr  über  bta)  felbft; 
benn  bu  bift  ein  23ua) ,  bas  auf  allen  ©eiten  mit  ber  £tebe  unb 
©üte  beö  £öa)ften  befa)rieben  ifi  SBunbere  bia)  nia)t  fowopl 
über bie  flöet^pett  ber  SBelt,  a(3  t>ielme£r  über  bie  grofje  SöeiS* 
ljeit  ©otfeS  in  bem  SSerfe  ber  (Erlöfung.  SÖunbere  bia)  nia)t 
fowoljl  über  bie  55raa)t  ber  2Belt,  at$  suelmeljr  über  ben  <Sa)mucf 
ber  ©laubigen,  welä)er  in  ber  ©ereä)tigfeit  3efu  (üfyxifii  bejkjjt* 
SÖSaö  tffc  alle  £errliä)feit  unb  aller  ^eia)tjum  ber  Sßelt  gegen 
ben  überfa)wengliä)en  9?eia)tfutm  ber  ©nabe  ©otte$  in  Gt^rifto 
3efu  unb  gegen  bie  ©eltgfeit,  wela)e  ber  £err  allen  benen  auf* 
bellten  Jjat,  bte  3!?n  lieb  £aben?  —Dem  Gtfiriften  follen  alle 
Dinge,  mit  wela)en  hie  2Mt  fta)  brüftet,  gering  fa)etnen;  benn 
er  tt>eiß,  baf  nia)t$  mit  ber  großen  #errlia)feit  feinet  (£rlöfer$  $u 
ttergleia)en  ift.  konnte  ben  $önig  Datub  fein  irbifa)e$  ®ut  ^ 
frieben  ftellen,  fonbern  feinte  er  fta)  ftet£  naa)  ber©nabe  feines 
©otteS  unb  naa)  beffen  5lnfa)auen  im  ewigen  Men,  um  wie 
vielmehr  foll  ber  (Sjm'ft  ba$3eitlia)e  »eraa)ten  lernen  unb  naa) 
ben  ewigen ©ütern  fta)  fernen?  —  £),  barum  wunbere  i>iä) nia)t 
att^u  fejjr  überbau,  Wa3^enfa)enfunft  bereitet  bat,  fofern  eSnur 
^ur  $raa)t  unb  Uepptgfeit  bienen  foll.  2Ba3  iß  e3,  wenn  t>u  ein 
präa)tige3  ©ebäube  erbtitfft,  ba£  mit  bem  foftbarftett£au3gerätl?e 
angefüllt  ift?  $ann  es  nia)t  aua)  *>on  biefem  Reifen,  wie  3efu$ 
tton  bem  ^em^el^u3erufalemfagte:„^ia)t  ein  Stein  wirb 
auf  bem anbern bleiben,  b er nia)taerbroa)en  werbe?" 


681 


g)er  £f>rift  fett  jwar  in  ber  SBett  leben,  unb  btc  itbifd^en  $inge 
naa)  33ebürfmß  gebrauten,  aber  feinen  att^ugroßen  SSertp  bar* 
auf  fegen,  <£r  fott  Ijauptfattjlta)  auf  ben  53  au  feljen,  wela)en 
@ott  aufgeführt  fjat,  „auf  ben  ©runb  ber  SlpofUlunb 
^ropljeten,  ba  3efu$  (Sljriftuö  ber  (£tfftein  ijl,"  unb 
auf  ben,  t>on  wefa)em  ber  Stpofiel  fagt:  „Sir  wiff  en,  f o 
unf er  irbtfa;e$|> aus  3 erbrochen  wirb,  baß  wir  einen 
$3  an  paben  von®  Ott  erbaut,  ein  fyanö,  nia)tmit 
£änben  gemacht,  ba$  ewig  ifi  im  $tmmeL"  —  £em 
wahren  (griffen  gilt  e$  gteia),  ob  feine  Sßotmung  präa)tig  ift, 
ober  ob  er  in  einer  armfeügen  glitte  Uli,  wenn  er  nur  bie  23er* 
fia)erung  fwt,  baß  fein  £ers  ein  Tempel  beg  Zeitigen  ©eißeä  tfL  (Er 
fua)t  ntä)t  meljr  23equemlta;feit  als  er  sunt  £)ienfte  ©otteg  unb 
be$  -Käajften  bebarf*  Ueberljaupt  ift  ifjm  j[ebe  SBojmung  gut 
genug,  baer  mi$,  baß  er  biefelbe  auf©ötte3  2öinf  früher  ober 
fpäter  serlaffen  unb  in  t>k  wajjre  i^eimatfj  aufgenommen  wer* 
ben  fott*  <£$  gilt  tynx  gfeia;,  ob  er  an$  fttbewen  ober  irbenen 
©efäffen  ißt ,  ba  er  m\$r  ha$  er  ein  SBerl^eug  ber  ©nabe  unb 
ein  ©efäß  ber  23arnu)ersigfett  ©otteg  ift  3war  fott  ber  Gtljrifi 
nia)t  atte  23equemlia)fett  entbehren,  aber  aua)  fein  $tx$  nidjt 
an  ba$,  was  er  Jwt,  fangen,  noa)  jta)  für  unglücflia;  palten, 
wenn  er  2ftana;e£  entbehren  muß.  £>enn  er  f>at  atte^ett  sötte 
©enüge  an  feinem  (Möfer,  an  beffen  ©nabe  unb  %kte,  an  ber 
$tnbfa)aft  ©otteS,  an  bem  groß  beS  f)etf*  ©eifteä,  an  ber 
Hoffnung  unb  bem  93orfa)macf  be$  ewigen  £eben& 

£)te  2BeIt  bewunbert  fünfHia)  gemalte  Silber  unb  fegt 
i^nen  oft  einen  j?o£en  SSertij  M;  ber  wafjre  (£fmß  aber 
richtet  fein  £au:ptaugenmerf  nur  auf  fofa)e,  auf  welchen  et* 
wa$  (£rbaulia)e$  sorgeftetti  tfL  UebrigenS  iß  tym  ein  armer, 
aber  frommer  3Äenfa),  ben  er  für  ba$  ßftenbilb  feinet  £etfan* 
be$  5>dlt  unb  um  beffen  Witten  tkU  unb  ejirt,  ein  mit  tvifytU 
gerer  ©egenjbnb,  unb  er  wunbert  jta;,  baß  bie  $?enfa)en  ein 
leMofeö  33ifb  oft  fo  treuer  bellen  unb  bie  lebenbigen  Silber 
be$  £errn,  bte  frommen,  wiewohl  armen  $mtt  m'djt  aa)ten,  fon* 
bem  fte  fogar  unterbrüden  unb  betrübem  —  2>te  weftlia)  geftnn* 
ten  9ttenf$en  wunbern  fta)  ferner  über  tunfUta)e  Uljren  unb  bqäfy* 
kn  fte  treuer.    5lua)  ber  wa^re  @imft  freut  ftcf)  über  i^ren 


682 


33eftg  unb  gekauft  biefelben,  um  feine  3?it  barnaa;  woljl  ein* 
feilen ;  boa)  am  meijlen  bewunbert  er  bie  große  2Belt*Uj?r, 
welche  ©Ott  fo  eingerichtet  jwt,  baß  $#e3  au  feiner  &it  gefojieljt, 
unb  ft$  alle  Sttenfcfjen,  felbjt  bie  ©rösten  unb  ©ewaltigften, 
naa;  ©einem  2öillen  richten  muffen.  3a)  »erfreue  barunter  bte 
SBorfefmng  unb  Regierung  ©otteä ,  welche  \>k  ©laubigen  fo 
mit  SSerwunberung  unb  £rofi  erfüllt,  baß  jie  bagegen  bie  tunfi 
unbSeiSjjeitber  ganzen  Seit  für  9cu£t$  aä)ten.  —  Leiter  ver* 
wunbert  fia)  bie  Seit  über  fünfftic^egeuerwerfe,  befonberä  über 
bie  vergebenen  giguren,  t>k  bura)  bajfelbe  vorgejMt  werben; 
ein  Gtfmji  aber  weif  nia)t,  ob  er  barüber  laa)en  ober  weinen 
foll?  — (£r  mochte  lachen,  weil  bie  Seit  fta)  an  folgen  fingen 
ergoßt,  welche  ipr  ettte^  Sefen  fo  treu(ia)  barftellen;  benn 
was  jtnb  bie  $?enfc$en,  aua)  t>ie  ©roßen  unb  ©ewaltigen  ber 
@rbe,  anberg,  aU  äpnlidjje  £ia)ter,  hk  fur$e  3^tt  brennen,  fei- 
gen, unbenblia)  fallen  unb  »ergeben?— Seinen  aber  möcbteer, 
i>a$  man  fo  viel©elb  auf  biefeetteln  Dinge  verwenbet,  mit  mU 
a)em  man  viele  2lrme,  tranfe  unb  ^ot^leibenbe  unterftü^en 
unb  erfreuen  tonnte*  —  Der  (££rift  jwt  ein  ganj  anbereS  geuer, 
über  ba$  er  jtä)  wunbert,  —  bie£iebe  ©otteS  in  ij?ren  verfa)iebe* 
nen  Sirfungen.  (£r  pat  bisweilen  gan$  auffallenbe  9fterf$eia)en 
von  ber  Sftäpe  be£  £errn,  an  welchen  er  mepr  Vergnügen 
fmbet,  als  an  ber  |>errlia)feit  ber  ganzen  Seit  — 

(£benfo  bewunbern  bie  SD?enfa)en  bie  verfa)iebenen  tünfte, 
welche  burä)  baS  Saffer  hervorgebracht  werben.  Die  wahren 
<£jjrijkn  feigen  babei  aber  pauptfäcpd)  auf  ba$  Saffer  beS 
^ebenö,  welches  auö  ber  ewigen  Siebe  entfvringt,  aus  ben  Sun* 
ben  3^f«  fa  bie  ^erjen  ber  ©laubigen  fliegt,  fie  \tiit  Zvoft  er* 
füllt  unb  $u  allem  ©Uten  gefa)icft  maa)t.  Sie  fepen  auf  bk 
mancherlei  ©aben  beS  ^eiligen  ©eijfeS,  mit  welchen  bie  grom* 
mtn  gur  @pre  ©otteä  unb  jum  Diente  ber  9ttenfa)en  auSge* 
ftattei  werben.  —  <£nblia)  if*  bie  traft  beS  Magnets,  welcher 
tag  (£(fen  anjte^t,  ein  ©egenftanb  ber  allgemeinen  SBeWunbe? 
rung.  Doa)  vergeffen  bk  (Slmjten  barüber  ben  weifen  ©a)bV 
vfer  nia)t,  welcher  in  einen  unanfejmlicpen  ©tein  eine  fo  wun* 
berbare  unb  nü#litt)e  traft  gelegt  unb  ben  ©eleprten  ©elegen* 
$tit  gegeben  $at  über  bk  Urfacfie  unb  Sirtung  biefer  traft 


683 


nad)$ubenfen.  3$efonberö  aber  benfen  jie  an  He  ?fe6e  3efa 
(grifft,  welcher  ben  £immel  mit  ber  (£rbe  fo  verbunben  T^at  unb 
mit  Seinen  ©laubigen  in  folget  ©emeinfdjaft  fte£t,  bag  (£r 
fagenfonnte:  „SÖSenn  td>  er£öI?ettt>erbevon  ber(£rbe, 
xo\U\$%Wt  $umir  aieljen/'  —  ©emna#foll  alfo  ber 
©ottfelige  auf  bie  vergänglichen  ©inge  biefer  (£rbe  feinen  att^u* 
großen  SBertl?  legen,  fonbern  vielmehr  ba$  ©öttlidje  unb  (5wige 
fiet$  im  Sluge  £aben>  <£x  fann  ^tvar  t>k  Sßerfe  ber  9tatur  be* 
nmnbern,  burcfj  welche  ©Ott  ©eine  2ltlmad?t,  $8ti$$üt  unb 
©üte  offenbart,  aber  fie  follen  tyn  nur  vorbereiten  auf  bie  33e* 
trac^tung  ber  SBunber  ber  göttlichen  %kfo  im  dltityt  bev  ©nabe, 
welche  fo  unbegreiflich  unb  feltfam  fmb,  ba$  auc^  bte  ^eiligen 
<£ngel„mit  £uftbiefelben  anfeuern"  —  £),  ba$  e$mir 
gelingen  möchte  bur$  biefe  ^rebigt  meine  W&tfyvi\ki\  p  ermun* 
tern  über  hk  lnmmlifd?en  ©inge  mit  mefjr  gletg  nacl;$ubenfen, 
unb  fte  £odj$uaa)ten,  über  ©otieS  ©nabe  urü>@>ütt  ftcf>  mejjr 
ju  freuen,  unb  bagegen  Uc  @itelfeit,  $ra$t,  SBotfujl,  tfläfy 
t£um  unb  £errlicf>feit  ber  Söelt  immer  rne^r  gis  veralten! 
©enn  e$  ifl  fef>r  ju  bebauern,  bag  ^k  meinen  ©jjrijten  peut^u? 
tage  fo  raltftnnig  fmb  in  Betrachtung  ber  göttlichen  %kU.  — 
£)  3efu,  t>\x  tvunberbarer  £eilanb  unferer  (Seelen,  gib  mir  unb 
Sitten,  bie  bieg  Ijören  unb  lefen  bk  ©nabe,  bag  mtö  ©eine  $kte 
unb  ©erecfjtigfeit,  ©eine  W&citytit  unb  ©cligfett  von  £ag  $u 
£ag  in  einem  £errlt$eren  £ia)te  erfa)eine,  bamtt  unfere£er$en 
von  inniger  %kU  $u  ©ir  enthübet  werben  unb  unfer  SJhmb 
©ein  £ob  unb  ©einen  ^ul^m  frö^lio)  verfünbigen  möge !  2lmen* 


684 

®  e  #  d  t  e   ?P  t  e  J  i  ö  t. 

SBon  ber  ^Betrachtung  *>e3  £aufbunbe& 

$.  ©afatet  3,  27.  2Bte  »tel  euer  getauft  jtnb,  bte  $akn  $$*tfium 
angezogen, 

GH  n  g  a  n  <}♦ 

Sm  0tamett  Sefu!  2fttten. 

3um  Eingang  biefer  frebigt  wotfen  wir  fürs  ^  8r«9^ 
erörtern:  „SSetc^e^  ber  glüdfitt)jte  £ag  im  ganzen 
£eben  eines  2D?enfd?en  fc^?"  —  X)tc  trbtf$  ©ejmnten 
werben  fjier  an  ben  £ag  benfen,  an  welchem  iljmen  ein  befon* 
bereS  ©lud  wiberfupr,  unb  etm$  nafy  SBunfd)  gelungen  tft. 
<E$  ereignete  jta)  nemlid)  fcpon  öftere,  baf?  9)?enf$en  gan$  arm 
unb  »erlaffen  an  einen  Ort  famen,  unb  in  bemfetben  bura) 
©otteS  SBorfelwng  retct)  unb  angefe^en  würben»  ©o  wirb  von 
einem  angefetjenen  Bürger  in  Söittenberg  er$äJ?It ,  baj?  er  in 
feiner  3ugenb  auf  ber  SDSanberfcfjaft  lange  oijne  Arbeit  f>erum* 
laufen  mugte,  unb  entließ  in  t>k  gröffte  Sftotjj  gefommen  fe#. 
©et  bem  Stnbtfd  biefer  ©tabt  nun  pabe  er  C^ott  £er$tf$  gebeten, 
<£v  möge  tj)m  in  berfelben  einen  rec^tfc^ajfenen  SD?etfter  geben, 
bei  welchem  er  arbeiten  unb  *>on  feiner  langen  Sfteife  auSrupen 
fönne-  ©er  gute  ©Ott  £abe  feine  23itte  fo  gewährt,  baß  er 
fpäter  oft  gefagt  paben  fott:  ©e£et  mie  reid)lt$  mi$  ©ott 
gefegnet  Jat;  idj  bin  nun  20  3a£re  {rier,  unb  ber  £err  £at 
mir  nic^t  blo£  mein  reidtfid)eS  2lu$fommen  gegeben,  fonbern 
mir  au$  no<$  eine  gute  Sßopnung,  2öetb  unb  $inb  befeuert, 
für  foldje  überföwcnglic&e  2SoJ?Itj)aten  fann  i$  3pm  nia)t  ge* 
nug  banfen!  —  tiefer  fonnte  ftälify  mit  dlttyt  Un  £ag  feiner 
5lnfunft  in  ber  ©tabt  einen  gtüdlicpen  £ag  nennen,  unb  e$  wäre 
fe£r  3U  wünftt)en,  baj?  5lüe,  benen  folcf>e$  begegnete,  erfennen 
möchten,  ba$  jfe  2ltte$  son  ©Ott  unb  ©einer  ©nabe  paben 
unb  3pm  bafür  $u  banfen  unb  ju  bienen  f^utbig  feiern  ®ar 
oft  aber  mac^t  ftcf)  ber  gute  ©ott  geinbe  buref)  ©eine  ©üte; 
benn  manche  $cenfa)en  banfen  3£ra  f$lec|>t  für  bae  ©lud,  i>a$ 
(£ri£nen  befeuert  $at,  weit  fte  baffelbe  $ur  Uefcptgfeit  unb 


685 


$u  allerlei  ©ünben  mißbrauchen*  —  2)odj  icp  rebe  pter  nicpt  fowopl 
von  bem  seitfiepen,  afö  vielmehr  von  bem  ewigen  ©lud,  unb 
frage  naa)  bem  £age,  ber  uns  bie  voUfommene  ©lücf* 
f eltgf ett  gegeben  pat?  —  &$  ifi  bieg  ber  £ag  imferer  £aufe, 
an  welcpem  wir  eintreten  in  t>k  ©tabt  ©otteS  —  in  bie  tyxip 
tf  cpe  $trcpe*  (£$  ijt  ber  £ag ,  an  welkem  wir  in  ben  ©naben* 
bunb  ©otteä,  in  bie  ©emeinfcpaft  3efu  unb  ©einer  fettigen 
aufgenommen,  von  atten  unfern  ©ünben  gereinigt,  mit  ber 
©erecpttgfett  (grifft  bef  leibet,  mit  bem  peiligen  ©eifte 
verftegelt,  unb  gu  Erben  be$  ^immelö  erflärt  worben  fmb*  — 
SöelcpeS  ©lücf  fann  großer  fe^n,  als  biefeS  unb  m$  jmb  alle 
©üter  ber  SBelt  gegen  baffelbe  ? — 2)te  Körner  patten  einen  %ifc 
tag,  an  welcpem  fte  bie  Brunnen  mit  Zürnten  unb  ®rän$en 
fcpmücften,  aucp  einige  au$  £>anf  barfett  in  baö  Sßaffer  warfen* 
©ie  ptelten  bie  Duetten  für  peilig  unb  betrachteten  fte  ät$  Un 
©i$  einer  ©öttin;  bocp  erfannten  fte  ben  ©cpöpfer  aller  Singe 
nicpt,  9lucp  wir  Epriften  pätten  Urfacpe,  ein  äpnlicpeS  gefl  gu 
feiern,  um  be$  £aufwaffer3  Witten,  welcpeS  für  uns  baS  23ab 
ber  Söiebergeburt  i(l  aum  £rofi:  unb  gur  Vergebung  ber  ©ün* 
ben*  5tteptere  matten  es  wtrflicp  fo,  xoit  bie  ©efcpicpte  feprt 
©te  feierten  Jicxprlicp  tpren£auftag  mit©eBet  unb  Sanffagung 
gegen  ©Ott,  befannten  unb  bereuten  tpre  ©ünben,  baten  um 
Übergebung  berfelben,  um  bie  Regierung  beS  peiligen  ©etfieS 
unb  um  SBewaprung  vor  neuen  Uebertretungem  Slnbere  tru* 
gen  $ur  Erinnerung  an  Ut  £aufe  tpre  ^atpengefcpenfe  ßetS 
bei  jta)  unb  fpracpen  aucp  aufiprem  £obtenbettemit  Sftüprung  von 
ber  großen  ©nabe,  bie  tpnen  fcpon  in  ber  früpejtot  föinbpett 
wiberfapren  fe^  —  5^erf würbig  tft,  was  in  biefer  23eatepung 
von  £ubwig  bemgrommen,  $önig  von  granfreicp,  er^äplt  wirb* 
Er  war  $u  ^otffy  geboren  unb  getauft,  weßpalb  er  biefen  Ort 
befonberS  liebte,  unb  öftere  befudEjte*  3ur  Erinnerung  an  feine 
£aufe  unteqetcpnete  er  ftcp  mancpmal  in  feinen  ©riefen :  „Sub* 
wig  von  *Poiffy";  benn  er  pflegte  $u  fagen:  an  btefem  Orte  fep 
ipm  mepr  ©lücf  unb  £eil  wiberfapren,  als  an  irgenb  einem 
anbern.  Sa  man  ipm  entgegnete,  gu  ^petmS  pabe  er  ja  bie 
fönigltcpe  $rone  empfangen,  fo  antwortete  er:  atterbingS,  aber 
au  ^oiffe  pabe  tcp  bieEprijten^trone  erpaltem  —  £>  baß 


686 


alle  (griffen  iptt  £aufe  redjt  »erlauben  unb  von  3ugenb  auf 
baau  angehalten  würben,  t^ren  £auftag  für  ben  glütfli^ften 
gag  t£reä  £ebenS  gu  galten»  2)ann  würben  jte  wtjfen,  wie  jte 
ftdj  ijjren  23uub  mit  ©Ott  im  £eben  unb  Sterben  re$t  gu  9to* 
$enma$enf  ollen.  —  2)ie|>errli$feit  unb  Seligfett,  welche  un£ 
in  ber  £aufe  gef^enf  t  wirb,  f ommt  in  feinen  Söergletdj  mit  bem, 
waSbie  ganje  2Belt  enthalt  2>a£er  fagt  ein  frommer  ^rebtger: 
„2)u  jjodjwürbtge  £aufe,  wie  foll  ity  £>i$  genug  rühmen  unb  pret* 
fen!  Ueber£i$ wunbernjtc^  bie  £  eiligen  ßrngel,  »or  2>ir fürchten 
pdj  aber  au#  bte  Teufel  jDu  loföeft  auö  bie  feurigen  Pfeile 
beö  @atan$  unb  erquitffl  unfere  Seelen ,  fo  oft  wir  an  Qify 
benfem  3"  ®*r  feigen  wir  unfer  £eil,  auö  £)ir  (eu^tet  unfere 
£errlidjfett  £ert>or,  wel$e  wir  mit  aller  Wiatyt  gegen  bie  $for* 
ien  ber£otte  sertjjeibtgen  f  ollem  5ln  2)ir,  liebe  £aufe,  unb  an 
ben  ^eiligen  SBunben  3efu  l^abe  ity  meine  Jjö#e  £ufL  3n  eudjj 
felje  i<$  eitel  £tebe,  eu$  will  t<!>  immer  anbauen,  au$  in  ber 
größten  £obe£not^  3k  2>ir  fann  man  ba$  unruhige  ©ewijfen 
füllen,  mit  2)tr  bie  Einfettungen  be3  Satans  vertreiben,  mit 
2)ir  foll  man  auffielen  unb  au  33ette  geben,  effen  unb  trinfen 
unb  in  2)ir  t>on  Spet^m  fröjtficlj  fepn,  wenn  bie  ganae  SSSelt 
trauert  3«  2)tr  foU  man  ein  gutes,  artiges  geben  führen  unb 
bereit  fepn  Sebermann  au  bienen;  in  2)ir  foll  man  treu  fe^n  bi$ 
an$  <£nbe  unb  feiig  fterben." 

33on bief em  tr o ßr  ei $en£aufbunb  mit  ©Ott  wollen 
wir  fefct  weiter  reben*  £)enn  bie  erleu^tete  Seele  betrautet 
nidjt  bloS  bie  SESoJU^aten  ©otteS,  weldje  fie  wirflief;  ge* 
niefüt,  fonbern  jte  benft  au$  über  ben  Anfang  ij?reö  £eil£ 
na$,  ba  jte  burdj  ^k  £aufe  in  bie  ©emeinfdjaft  mit  3efu 
getreten  unb  ein  ©lieb  ©eines  £eibe$  geworben  ifl  2)abur# 
Wirb  fie  täglid)  meljr  im  ©lauben  befeftigt,  pr  Zieht  unb  aum 
?ok  ©otteS  erwetft  unb  aur  wahren  ©ottfeligfeit  angetrie* 
*en.  —  2>er  breieinige  ©ott,  auf  bejfen  tarnen  wir  getauft 
jtnb,  fegne  unfer  SSorijaben,  bamit  wir  unfern  £aufbunb  redjt 
tterßeljen  lernen,  unb  jum  greife  beS  £ö$jien  bejto  freubiger 
unb  williger  werben  mögen!  Slmen* 


687 


2lfcf>anbtung> 

v2Ötr  fvre^en  alfo  biegmal  von  ber  IjetL  £aufe,  aberntet 
na$  tt;vem  ganzen  3nbegriff ,  fonbern  nur  in  fofern  e$  $u  un* 
ferem  $or£aben  bient,  bte  ©laubigen  von  ber  l?o£en  Bürbe 
i  £  x  e  $  £  a  u  f  &  u  n  b  e  $  unb  von  beffen  unvergleichlichem  Vlut&tn 
gu  unterrichten,  bamit  fic  baö  GtJjriftentljum  um  fo  £öljer  fdjcU 
£en  lernen,  bte  ©nabe  unb  £tefce  ©otte$  um  fo  meljr  bewunbern 
unb  $u  einem  jjeiligen  £eben  ermuntert  werben.  —  <&$  gefiel  bem 
Slllweifen,  bie£o£e  SBürbe  ber  fettigen  £aufe  ni$t 
mit  ciufjjer liefern  5lnfe^en  gu  umgeben,  tnbem  wojjl  nic£t£  un= 
fcebeutenber  fevn  fann,  als  bk  ©tirne  eine$  $tttbe$  mit  an  we* 
nig  Sßaffer  au  befvrengen*  £>ef$alb  waren  Sßiele  von  je^er 
barauf  bebaut,  biefem  ©acrament  burdj  allerlei  ©erränge  mepr 
geterltdjfcit  $u  geben,  was  fymtt  nodj  bei  ben  tatijolifen  unb 
©rieben  ber  gall  ifL  Mein  e$  tft  umfonj*,  bag  bie  SRenfctjen 
ftcfj  bemühen  bie  Ganfegung  ^otte^  $u  verbeffern;  bennbaS 
dttity  ©otte$  fommi  ntc^t  mit  äußerlichem  ©e* 
prange,  unb  ©ott  tjt  ein  verborgener  ©Ott*"  (£rver* 
birgt  feine  traft  manchmal  unter  ber  ©cf>wac!#eit  unb  $at  su 
feinen  ^eiligen  ©acramenten  einfache,  unfdjeinbare  Dinge  er* 
wäjjlt;  bamit  wir  m'cjjt  am  2leu§eren  unb  ©i^tbaren  Rängen, 
fonbern  bie  verborgene  göttliche  Söirfung  im  (Stauben  beachten 
motten*  —  Die  ßrbelßeine  £aben  einen  prächtigen  ©lan$,  unb 
bodj  fjat  ber  Sittweife  in  ben  Magnet,  ber  einem  gewöhnlichen 
<5tein  gleicht,  eine  augerorbentlic^e  traft  gelegt  ©benfo  (tnb 
bie  Pulpen  unftreitig  t>k  vrädjtigjten  33lumen;  aber  fovtel  bi$ 
it%t  befannt  ift,  beffen  fte  feine  £etlfräfte,  unb  ba$  SSeil^en 
xoit  baä  3Äaiblümc^en,  ba$  unter  ben  Dornen  xcäfyüt,  Jjaben 
einen  großen  $or$ug  vor  ijraen.  Demnach  $at  ber  @$ö>fet 
fc£on  im  S^eic^e  ber  Statur  gezeigt,  baß  ©eine  traft  ntc^t  an 
i>a$  Sleitßere  gebunben  fep,  um  wie  viel  me£r  aber  tfi  biefe$  im 
S^ei^eber  ©nabe  ju  erf  ernten?  —  <£$  ifi  alfo  vergebliche  Sftujji?, 
*>a$  bie  Sftenfdjen  bem  £aufwaffer  me£r  Slnfejjen  geben  wollen, 
benn  ee  j?at  an  bem,  wa$  ber  ©tifter  ijmt  gegeben,  fdjon  ge* 

nug. 2öir  wollen  nun  bie  Stürbe  ber  £aufe  au$  einigen 

©prüfen  ber  ©djrift  ztm$  näljer  betrauten.  3ft  unferem  £ert 


688 


fagi  be*  Sipofiel:  „£>te  ©etauften  fyabtn  (£l)rtftum  ange* 
Sogen*"  (£3fa)eint,  aU  trotte  er  bamtt  auf  bte  ©ttte  ber  erfien 
Gtfjrifien  Anbeuten,  bte  übrigens  aua)  je#t  noa)  $on  ben  Muffen 
unb  ©riea)en  beobachtet  wirb,  naa)  welcher  bte  Täuflinge  ganj 
in£  Sßaffer  getaua)t  würben»  (ix  wttf  alfo  fagen:  euä)  tft  ein 
foPareö  ttetb  angelegt,  tpr  fepb  mit  ßjprißo  unb  mit  ©einer 
©ereä)tigfeit  gefa)mücft  daraus  folgt,  ba§  Gtijriftuö  mit  ©ei* 
iter  ©nabe,  ©einem  ©eift  unb  ©einer  $raft  in  unb  bei  ber 
Saufe  fe$,  waä  biefer  £anblmtg  eine  untfergteia)Iiä)e  Sürbe 
gibt  —  2lte  3efu$  biefeS  jjdt  ©acrament  einfette,  fpraa)  (£r : 
„Saufetim  tarnen  be$  23ater$,  be$  ©oljneS  unb 
b.e$  Reuigen  ©etfU&"  £>ieg  gefa)te£t  nocb  jefct  bei  atten 
©taubigen,  unb  bk  Saufe  pat  eben  bajjer  t£re  $raft  unb  £of>eit, 
weil  fte  mit  bem  2Bort  unb  tarnen  be3  breieinigen  ©otteö  x>tx* 
bunben  tft  £ut£er  fagt  barüber :  „SBenn  2)u  fteljfi,  wie  biefeS 
SSaffer  mit  ©otteö  SBort  unb  Flamen  »erbunben  tji,  fo  fannft 
bu  nia)t  fagen,  bafü  t&  noä)  ein  gewöhnliches  Saffer  fep,  fon= 
bern  ein  tton  ©Ott  felbjl  geheiligtes  unb  son  ©einer  £errtia> 
feit  bura)brungene$  SSaffer,  mit  weichem  dx  felbft  bura)  unfere 
£anb  tauft  SBenn  bu  ein  gfttpenbeS  ©fen  ftejjß,  fo  ifi  es  nia)t 
MoS  (£ifen,  fonbern  aua)  geuer»  3a,  biefeS  ipat  baS  (£ifen  fo 
burä)brungen ,  baß  man  fonß  nia)ts  fm)lt,  als  tankt  geuer* 
<£benfo  fotf  man  aua;  bte  Saufe  anfej>en,  aU  wäre  fte  $on  bem 
tarnen  ©otteS  gan$  unb  gar  bura)brungen,  unb  (£in  2öefen  mit 
3fmu"  —  ©päter  nennt  £ut!jer  bie  Saufe  an  geiftigeS  SBaffer, 
bura;  wela)e$  ©ott  wirft,  ©einen  ©eijl  gibt  unb  geijtige  Wim* 
fa)en  aus  uns  maa)t"  —  Senn  bie  ©djrift  fonfi  oon  ber  |jett 
Saufe  rebet,  fo  serbtnbet  fte  bieSQSorte  „2B  äff  er  unb  ©  etfl'' 
„SQßaff  er  unb  Sort^,  wie  aua;  „SQBaff  er  unb^IutSefu'7 
miteinanber,  um  ausbeuten,  baff,  obgletä)  baS  Ieiblia)e  2luge 
nia)tS  jtefit,  als  natürlichem  SBaffer,  bennoa)  baS  geizige  Sluge 
meijr  babei  waprnejjmen  fott  —  £)ajjer  fommt  eS  aua),  baj? 
jwar  alte  £e£rer  ber  e»angelifä)en  $ira)e  Ui  bem  £aufwaffer 
etwa6  ©öttliä)eö  annehmen,  wobura)  bie©nabenwirfung|>aupt^ 
fätt)fta)  gefa)ä|ie,  aber  in  ber  Benennung  beffetben  nia)t  einig 
jtnb*  Einige  fagen  :e^fe9ba^2Bort©otte^,  wetä)eö  mit 
bet  Saufe  ^erbunbenifi;  Slnbere:  e^  fe^  ba^  33(ut3efu, 


689 


baS  uns  von  ©unten  reinige;  nodj  2Inbere:  eS  fe^  ber  #eit 
©eift,  ber  bte  £aufe  jjeilige  unb  fegne  unb  bte  SÖtebergeburi 
wirf  e*  Slnbere  enblict)  benfen  an  bte  ganae  \b  o  a;  g  e  l  o  b  t  e  3)  r  e  t* 
etnigfeit  2)iefe  Meinungen  aber  fmb  eütanber  ma)t  nur 
nia;t  entgegen,  fonbern  laufen  alle  auf  bahnte  JrinauS,  t>a§ 
ber  getreue  wahrhaftige  ©Ott  biefeS  SBaffer  bura;  ©ein  2öort 
unb  <Btm  SBerljeigung  ntd)t  blos  Ijeiligt  unb  fegnet,  fonbern 
aud)  fetbjt  babei  augegen  tft;  —  ber  SSater  mit  ©einer  ©nabe, 
ber  ©o£n  mit  ©einem  23lut,  ber  peil,  ©eift  mit  <Sätmn%iä)t 
unb  ©einer  göttlichen  traft  Cutter  fpria)t  jta)  barüber  auf 
folgenbe  Seife  auS:  „©Ott  ifi  bei  ber  £aufe,  um  baS  einige 
rea)te,  pöo)fle  SQSerf  ber  göttlichen  Süttajeftät,  welkes  unfre  (£r* 
löfung  unb  ewige  ©eligfeit  betrifft  unb  einer  (eben  $erfon  ber 
göttlichen  9ttaj[efMt  eigen  ift,  auSaufübren:  @S  ift  ba  ber  Sater 
mit  ©einem  £ta)t,  ber  ©o£n  mit  ©einem  23lut,  ber  pett  ©eift 
mit  ©einem  geuer*  £>arum  muß  man  btefeS  SBaffer  ober  bte 
£aufe  nia)t  anfepen  als  ein  gewöhnliches  Safferbab*  2)enn 
wo  ©Ott  felbf*  gegenwärtig  fe$n  will,  ba  muß  <£r  aua)  fräftig 
f e$n  unb  große  göttliche  £)inge  ausrichten ;  woju  follte  (Er  ©ic$ 
fonfi  jtdtfbar  geigen  unb  fola;  ©erränge  machen?  —  ©otteS 
SBitte  unb  Meinung  Ui  ber  £aufe  i%  bag  (£r  uns  ©eine  Wla* 
jefiät,  £ia)t  unb  traft,  unb  ©iä)  felbj*  mit  Hllem,  was  (Er  l)at, 
barin  geben  wilt  £)arum  foll  man  biefeS  £etl.  ©acrament 
nta)t  als  blogeS  SBaffer  anfepen,  fonbern  gleia)  als  baS  23lut 
beS  ©ojmeS  ©otteS  unb  baS  geuer  beS  £eil.  ©eijie&c/'  Sin 
einem  anbern  £)rte  fagt  er:  „2Ber  in  (üfyxifto  getauft  wirb,  ber 
wirb  bur$  ©ein  Reiben  unb  23lut  getauft  2)ür$  bk  £aufe 
wirb  er  gereinigt  Don  ©iinben;  baper  ^auluS  jene  aud>  ein 
23ab  ber  Sßiebergeburt  nennt  "-—Um  bieg  mftänblidjer  $u  ma* 
$en,  wollen  wir  einige  23etfpiele  aus  ber  ©djrift  unb  aus  ber 
Üftatur  anführen*  —  2)aS  Söaffer  beS  SorbanS,  in  wela)em  ber 
$roppet  (Eltfa  auf  ©otteS  23efe£l  ben  fyrifdjen  Hauptmann 
•ftaeman  fta;  baben  l?ieg ,  um  feines  2luSfa#eS  loS  au  werben, 
war  ein  gewöhnliches  2Baffer,  unb  feiner  ©üte  naa;  mit  me£* 
reren  anbern  jener  ©egenb  gar  nia}t  au  vergleichen ;  aber  weit 
ber  £err,  ber  ©ott  3frätf/  *$  fä  biefen  Traufen  verorbnete, 
f o  würbe  er  baburdj  t>on  feinem  SluSfage  rein*  <£benfo  war  auc^ 


690 


ba$  Söaffer  beö  Seiä)e$  53etpeeba  ein  natürliches  SBaffer,  unb 
vermocpte  an  unb  für  fta)  feine  ^ranfpeiten  $u  feilen;  aber 
©Ott  legte  von  3eit  £u  Seit  eine  befonbere  $raft  barem,  baf? 
ber  (£rße,  ber  pinein  (Heg,  gefunb  würbe,  —  2)ie  -ftatur  gibt 
uns  £eil  ä  unb  Sauerbrunnen,  warme  33äber  unb  bergleia)en* 
2)iefe  ftnb  aw^  nta)t3  anber£  aU  natürlichem  Sßaffer,  wetä)e£ 
aber  bura)  ba$  (£rbreia),  bura)  welcpeS  e£  fliegt,  bura)  bie  WIU 
neralien,  welcpe  e$  berührt,  bura)  bte  fünfte  unb  Gräfte,  bte 
ipm  beigemifcpt  werben,  eine  augerorbentlicpe  $raft  erlangt, 
unb  babura)  bie  ©efunbpeit  be$  90cenfa)en  beförbert*  —  9hm, 
meine  geliebte  Triften,  wa$  werben  wir  von  bem  SBaffer  in 
ber  peil*  Saufe  erwarten  bürfen,  welcpeS  ©ott  ber  SSater  feg* 
mt,  ber  Sopn  ©otte£  mit  ©einem  S3lute  färbet,  unb  ber  peil* 
©ei(i  peiligt?  können  bie  Saffer  fo  viel  wirfen,  wela)e  ipre 
$raft  von  ber  Waim  labert,  wie  viel  mepr  wirb  ba$  Saffer 
ipun,  baS  feine  ^raft  von  bem  £errn  ber  9catur  felbft  pat?— 
2)ie  Sürbe  ber  peiligen  Saufe  wirb  un$  übrigens  am  meiften 
einleuchten,  wenn  wir  uns  an  bie  Saufe  3efu  fetöji  erinnern* 
„211$  (£r  getauft  war,  fagt  ber  (£vangeltjt,  flieg  (£r 
aus  bem  SSaffer,  unb  fiepe,  ba  tpat  fia)  ber  £tm* 
mel  auf  über  3pW/  unb  3opanneS  fap  ben  ©eij* 
©otteS  gleia)  aU  eine  Saube  perab  fapren,  unb 
überSpnfommen,  unb  eine  (Stimme  vom  Fimmel 
fpraa):  £)ie£i  iß  mein  lieber  Sopn,  an  welcpem  ia) 
SQSoplgefatlen  pabe*"  Dpne  B^eifel  lie§  jta)  3^  nicpt 
um  Seinetwillen,  fonbern  um  unfert  mUtn  taufen,  unb  peiligte  ba* 
bura)  ba$  2öaffer*  2Str  5ltle  ftnb  in  unb  mit  3pm  getauft  worben 
unb  dt  pat  unferer  Saufe  bura)  Seine  Saufe  Äraft  gegeben*  2)a$, 
wa$  hei  Seiner  Saufe  gefa/epen  tjt,  wirb  aua)  uns  $u  Speil; 
aua)  über  uns  pat  fia) ,  als  wir  getauft  würben,  ber  $immel 
aufgetpan,  unb  er  ftept  uns,  als  getauften  dprijien,  noa)  offen 
im  lieben  unb  Sterben»  2>er  pimmlifepe  $ater  erflärt  aua) 
uns  für  feine  lieben  ttnber,  unb  ber  peitige  ©et'fi  rupet  auf 
uns*  —  SQSela)  eine^raft,  welcpen  Segen  unb  welcpe  £errlta> 
feit  pat  alfo  ber  barmper^ige  ©Ott  in  baS  Gaffer  hei  ber  Saufe 
gelegt!  <g$  gibt  viele  glüffe  in  ber  2öelt,  welcpe  ©olb  mit  fta) 
füpren ;  aber  fein  SÖSaffer  f ommt  bem  Saufwaffer  gleia),  welcpeS 


691 


$war  fein  vergängliches  ©olb,  bo$  fcte  ßraft  be$  breieintgen 
©otteS  enthält  2)ieg  verfielt  freiließ  ber  irbifdj  ©eftnnte 
nidjt,  unb  achtet  au$  ni$t  barauf ;  beim  e$  war  von  jeljer  fo, 
bag  bie  $tnber  ber  Seit,  bte  ©nabenmittel,  welche  ©Ott  $u 
unferer  ©eligfeit  verorbnet  l^at,  wegen  ifjrer  angeritten  Un* 
fc^etnbarfeit  verachtetem  2lua)  bte  ^artfäer  verachteten  ben 
IRaitj  ©otteS  unb  liegen  ftc$  nt$t  von  3of)amte$  taufen*  — 
2)oa)  ©ott  wirb  um  ber  Ungläubigen  Witten  ©einen  $at£fd)lufj 
nic#t  embew  unb  feine  anbere  Mittel  jur  ©eligfett  etnfefcen, 
wela)e  ttwa  ntepr  in  bte  2lugen  fallen»  &  foll  unb  mug  ftdj 
bte  £ojjeit  ber  Seit  unter  bie  9tfebrigfett  be$  ©efreugtgten, 
t£r  SKeidjtljum  unter  »Seine  Slrmutjj  bemütljigen  ,  wenn  fte  an* 
berS  ££etl  Jiaben  will  an  ©einer  ©eligfett  Saljer  fagt  fern* 
M:  „Seil  bte  Seit  burefj  t£re  fSSetö^ett  ©Ott  in 
©einer  SetSpett  ni$t  erfannte,  gefiel  e$  ©Ott 
woljl  bura)  bte  tljöric^t  fdjeinenbe  $rebtgt  (unb 
unanfejmlitt)e  ©acramente)  feiig  $u  machen  alle  bte, 
welche  baran  glauben»" 

Sir  f  ommen  nun  auf  ben  9lu£en  ber  £  eiligen  £aufe ; 
eg  wirb  aber  nötl)ig  fepn,  bag  wtrbenfelben  etwas  genauer 
betrachten»  —  2)er  2tyoflel  fagt  in  unferem  Stert:  „Sie 
vielunfer  getauft  ftnb,  bte  paben  (£f>riflum  ange* 
3  o  g  e  n»"  feiner  Slnftdjt  naefj  liegt  nun  in  btefen  Sorten  me#r, 
al$  wir  fur$fta)tige  9ftenf$en  begreifen,  $aulu$  will  fagen, 
bag  bie  getauften  (£jmj*en  in  bie  innigfte  ©emeinfe^aft  mit 
3efu  treten,  unb  mit  3pni  fo  genau  verbunben  werben,  baß 
©Ott  fte  nia)t  anberV  -anfielt,  aU  @imflu$  felbjh  ©ie  werben 
nemlia)  mit  ©einem  SBerbienf*  unb  mit  ©einer  ©erea;tigfeit 
angetan,  erhalten  Vergebung  tfjrer  ©ünben,  werben  für 
$tnber  ©otteS  erflcirt  unb  barum  von  alten  Gmgeln  geehrt, 
geliebt  unb  £o$gef<|}ä£t»  ©leic^wie  bte/enigen,  welche  $u  einer 
neuen  Sürbe  gelangen ,  audj  neue  Kleiber  bef  ommen,  ebenfo 
werben  bie  ®ctau^Un,  tnbem  fte  au$  bem  ©taub  ber  ©ünbe 
in  ben  ©taub  ber  ©nabe,  aus  bem  Sleify  ber  ginßemig  in 
ba$  Sfteta;  ©otteS  f  ommen,  mit  einem  neuen,  ^errlic^en  bleibe 
verfemen,  unb  gleidjfam  mit  dfjrtjio  felbft  angezogen*  —  $>em* 
naefy  ftnb  alfo  tit  getauften  griffen  mdji  mit  bem  foftbaren 

44* 


692 


bleibe  be$  £ol)e!}mefler$  im  5llten  £eftoment,  au$  nicfytmtt  einem 
tom'gli(f>en  Gleite  gegiert,  fonbern  mit  3efu  (£ljrijto  f eXBft ,  ber 
fte  in  <Btint  ©nabe  unb  Siebe  eingefroren  unb  mit  bem  9?ocf 
©einer ©ere^tigf  eit  angetan  fjat  —  $ättt  ber  Styofiel gefaßt: 
bie  ©etauften  fe^en  mit  göttlicher  £errlicf)fett  befleibet,  fo  wäre 
ba£  unau£fpre$lia;  triel;  weil  er  aber  fagt:  „fte  jjaben 
djmjtum  angezogen/'  fo  gibt  er  eUn  bamit  baS  £ö$fie 
unb  ©roßte  an*  2)enn  waö  fann  teurer  unb  foflbarer  fepn, 
al$  3efuS,  ber  ©lan$  ber  £errli$feit  ©otte$  unb  ba£  (Benbilb 
©eüte$  2öefen$?  £>al?er  fagt  ^auluS  ^  einer  anbern  ©teile: 
t>k  ©emeinbe  @£rifti  fei;  £errlid?,  petlig  unb  unfträjüi^;  gleidj* 
wie  f$on  Dasib  bie  ©laubigen  Jjeilige  9ttenf$en  nennt,  an 
melden  ber  £err  ©ein  SBojjlgefallen  Ijabe*  —  2)te  erfien 
(Sbrijlen  nannten  u)re  £äuflinge  Bewerber  um  bie  ewige  ©e% 
fett*  SEflan  30g  i^nen  begwegen  weife  Kleiber  an,  falbte  fte 
mit  föj,lia)em  £>el  unb  fegte  ifjnen  einen  fronen  $ran$  auf  $ 
£aupt*  2llle$  aber  in  ber  2lbftd;t,  um  ijjnen  bie  £olje  SBürbe, 
bie  jjeilfame  ihaft  ber  £aufe  unb  bie  £errlia)fett  ber  ^inber 
©otteS  rec^t  x>ox  Slugen  $u  fetten»  —  Ser  unter  unö  wollte 
M  biefer  Betrachtung  ntc^t  mit  bem  $rop£eten  aufrufen:  „3$ 
freue  micj)  in  bem  £errn  unb  meine  ©eeletfl  fr öljjs 
U6)  in  meinem  ©Ott;  benn(£r  fyat  mief  angezogen 
mit  ben  Kleibern  be$  £etl$  unb  mit  bem  $tod  ber 
©erea)tigf  eit"  D,  bag  wir  Sitte  bieg  recfjt  fajfen  unb  ge* 
jiörtg  befjeqigen  möchten !  —  O  feiige  ©tunben,  in  welken  wir 
getauft  worben  ftnb  unb  @l?riflum  angezogen  £aben !  D  erwünfd)* 
ter,  ^eiliger  unb  f>errlic$er  £ag,  ba  un$  t>k  ©emeinfcfwft  3efu 
(S^rifttgef^enft  Kurbel  Sßiegrog  ifi  unfere  £errltd)fett!  3efu$ 
@imfhtä  iji  unf er  Meib ,  ©ein  SSerbienft  unfer  ganzer  ©$muci 
53epatte,  oäßelt,  waSbujwft,  behalte  beme  neue Sttoben,  beuten 
£anb  unb  bein  eitlem  ©erränge*  lln^  gefallt  ,bie  alte  9ttobe, 
welche  bte  (Slmflen  von  jeper  trugen,  —  3efu$  unb  ©eine  ©e* 
rea)tigfeit  2>amit  tf*  unfere  23loge  augebetft,  unb  unfere  2lr* 
muu)in  Sfteic^tljum  serwanbelt  —  £>ieg  allein  ifi  unfere  95ratt)t, 
barin  befteljt  unfer  2infel?en,  barin  achten  wir  bie  (£itelfeit 
ber  2Belt  m$t,  unb  trogen  wiber  bie  ©ünbe,  £ob,  Teufel  unb 
£olle*  293er  will  uns  fcjjaben,  i>a  3efu$  un$  in  <Bäm  ©emem* 


693 


fa)aft  aufgenommen  ljat;  wer  will  uns  »eraa)ten,  ba  wir  ben 
£errn  ber  ^errlidjfeü  angezogen  Ijaben  ?  2öer  will  uns  $er* 
bammen,  ba  wir  mit  ©einer  ®erca)tigfeit  gefa)mücft,fmb?  — 
SGBtr  wollen  aber  aua)  noa)  anbf  re  ©teilen  ber  ©a)rift  er* 
wägen,  we($e  sort  ber  feiigen  $raft  unb  2öirfung  ber  Saufe 
ljanbelm  2öa3  ^auluS  in  bem  oben  angeführten  ©prua)e  un* 
ter  bem  23ilbe  eineö  $leibeS  von  ber  Bereinigung  mit  Gtfmfto 
bura)  bie  Saufe  faßt,  ba$  brürft  er  an  einem  anbern  Orte  fo 
au$>.  „SBiffetiJr  nia)t,  baß  Sllle,  bie  in  (£f)rijto 
3efu  getauftftnb,  t>ie  finb  in  ©einem  Sob  getauft? 
2Birfinbmit3£moegrabenbura)bie  Saufe  inotn 
X ob, wir  finb mit 3 umgepflanzt  £ugleia)emSobe." 
—  2>abura)  will  er  zwar  feine  £efer  zu  einem  neuen,  ^eiligen 
£eben  ermuntern*  £)oa)  iß  nia)t  zu  überfein,  worauf  er  biefe 
(Ermahnung  grünbet,  unb  woJ>er  er  btn  23ewetä  nimmt,  baß 
ein  Gtl?riß  gottfeiig  leben  muffe*  —  dx  izitü  biefeS  au$  ber  ®e* 
meinfa)aft  mit  (S  jmfto  bura)  bie  Saufe  ah ,  unb  fagt :  „2B  i  r 
finb  in  dljrijto  3efu  getauft,"  Mj  wir^aben  un$  3fw 
in  ber  Saufe  mit  %eih  unb  ©eele  ergeben  unb  ftnb  mit  ©ei* 
nem  ©eifte  serftegeft  worbem  gerner:  „2Bir  finb  in  ©ei* 
nem  So be  getauft/'  b*  i.  wir  finb  barum  getauft,  bamit 
wir  ©eines  SobeS  i^eilfjaftig  feip.n,  bura)  ok  $raft  beffelben 
ber  ©ünbe  abwerben,  unb  mit  3^m  in  einem  neuen  £eben  wan* 
befn  foUen,  —  Unter  bem  Sobe  (grifft  aber  wirb  ©ein  ganzem 
Reiben,  ©ein  231ut  unb  Berbienjt  oerfknben ;  ber  ©tnn  ij*  alfo  : 
tf?r  fe^b  bura;  bie  Saufe  gleia)fam  im  $8lute  (grifft  gebabet 
unb  tton  ©ünben  gereinigt  werben*  £)er  Sob  (grifft  ijt  eua) 
bura)  bte  Saufe  fo  zugeeignet ,  aU  wäret  ii)x  felbft  mit  ©einer 
SBtut*  Saufe  getauft.  —  ^auluö  fegt  Jmtzu:  „3jjr  fe^b  mit 
3^m  begraben  bura)  bie  Saufe  in  ben  Sob*"  Wlitpin 
Zeigt  er,  baß  bie  Qtjjriften  in  allen  Dingen  mit  (Sprifto  ©emein* 
fa)aft  I?aben,  —  aua)  in  ©einem  35egräbniß*  —  %Ran  fonnte 
Zwar  bk  legten  2öorte  fo  erfären,  aU  Ijätte  ber  Hpojtel  fagen 
wollen:  bura)  ba£  33egräbniß  (Sfmfti  fepen  unfere  ©räber  ge* 
peiligt  worben,  fo,  baß  wir  um  <Sänetmtlzn  in  benfelben  fanft 
ruljen  follen  hi$  an  ben  jüngjten  Sag,  um  bann  mit  einem  ser* 
ftärten  $eiht  au$  tbnen  persorzugejjen*     £)oa)  ijl  e$-  wa£r* 


694 


fa)eütfia)er,  bog  $autug  pier  bat  23ilb  von  gewtffen  ^flan^en 
gekraust,  lote  au$  ifjren  3tvteoefn  junge  treiben,  weta)e  ber 
©ärtner  wieber  in  bie  C^vbe  legt,  bannt  fte  $ur  gehörigen  3et* 
33lumen  unt>  grumte  bringen»  —  3^  alfo  feipb  e$,  Witt  er  fa* 
gen,  wela)e  @ta)3efu$  bure)  SeinSlut  erworben  ££ ;  ijjr  fc^b  mit 
3£m  bura)  bte  £aufe  begraben,  auf  baj?  i&r  in  3!?m  unb  bura) 
3|m  mit  neuer  $raft  unb  neuen  grüßten  ber  ©ered/tigfeit  er* 
füllt  werbet  —  £)en  gleiten  <Sinn  Ijaben  bk  SBorte:  „25ir 
ftnb  mit  3£m  ge^flanjt  §u  gleichem  £obe,"  2)enn 
wie  ber  <Stamm  fammt  bem  ^frovfreig  gfeia)fam  abjterben  muß, 
inbem  jener  atter  feiner  3«>eige  beraubt,  biefeS  aber  von  bem 
55aume  abgebrochen  unb  einem  anbern  eingeimpft  wirb,  bamit 
beibe  bura)  gleiten  £ob$u  neuem 2eben  vereinigt  werben,  fo  ifi 
aua)  @£rifto$  geworben  unb  ü)r  fei^b  mit  3pnt  bura)  bie  £aufe 
fo  vereinigt,  ba$  dv  in  euc^  unb  ü)r  in  3N  atte^eit  fe^tt  unb 
grüßte  bringen  fottet  —  %u$  biefem  fef>en  wir  nun,  bajj  wir 
in  ber  £aufe  mit  unferem  (ürrlofer  auf  3  innigjle  vereinigt  Wor- 
ten ftnb,  unb  baß  uns  2itte$,  t»a$  <£v  für  un$  getfjan  unb  ge* 
litten  $at,  fo  zugerechnet  wirb,  aU  Ratten  wir  e£  feibfl  ge* 
tjjan«  — 

gerner  fe£rt  un£  ba$  2Bort  ©otte$,  ba$  wir  bura)  bie 
£etf ♦  £aufe  in  einen  23unb  mit  ©Ott  treten,  unb  babura)  bk  $tnb* 
fa)aft,  bie2Biebergeburtunbbie23erfta)erungber  ©eligfeit  erian* 
gen*  2>  ief?  folgt  sunäa)f*  au$  ben  <£infe#ung$worten,  naa)  welchen 
wir  im  tarnen  beS  23ater3,  be$  ©o£ne$  unb  be3  Jeff.  ©eifteS 
getauft  werben  fotten,  unb  alfo  biefen^oa)^eiligen  tarnen  gleia)^ 
fam  an  unferer  (Stirne  tragen*  <£in£irte  aeia)net  feine  Sa)aafe; 
fo  finb  bie£jjrifkn  von  bem  @qln'rtett  unb  33ifa)of  unferer  @ee* 
len  ge^eia)net,  unb  je  länger  unb  getreuer  fte  3!wt  bienen,  befio 
tiefer  fa)reibt  (£r  Seinen  tarnen  in  ü)r  £er$+  —  ^etruö  nennt 
bte£aufe  ben  SBunbeineS  guten  ©ewiffenSmit  ©Ott 
3)a£er  fott  e$  hti  ben  erjten  @£rtfien  ©Ute  gewefen  fepn,  bag 
bie  Täuflinge,  wenn  fte  ü)r  ©laubenebefenntnifj  ablegten,  bie 
klugen  aum  £immel  richteten  unb  bie  rea)te  £anb  in  bie  $fyz 
Joben,  um  ©Ott  mit  einem  leiblichen  (£ibe  £reue  3U  fä)wören. 
SDtefj  gefa)ajj  in  ©egenwart  von  3eugen,  ber  (£ib  würbe  von 
bem  Täufling  unterfa)rteben,  verjtegeft  unb  $u  ben  tira)enaften 


695 


gelegt  —  Sfßtr  fefcen  Inn^u,  ba§  ber  33unb,  ben  wir  mit  ©Ott 
tn  ber  ^eiligen  Saufe  fa)lie§en,  aua)  tm  £immet  beftcittgt  unb 
bort  gleia)fam  oerjtegelt  unb  beigelegt  wirb,  —  £)iefer  35unb 
nun  veranlagt  ben  9ttenfa)en  son  3eit  31t  3ett  in  fein  ©ewtffen 
gu  geijen  unb  fta)  befonberg  tn  5Infea)tung  unb  Srübfal  $u 
fragen:  S&aS  betnibft  bu  bia),  meine ©eele,  unb  biß  fo  unruhig 
tn  mir?  ©tejjji  bu  nidbt  burd)  bie  Saufe  in  einem  ©nabenbunb 
mit  ©Ott,  biß  bu  nia)t  ©ein  liebet  $inb,  mit  bem  tbeuren  331ttt 
be3  ©o£ne$  ©otte£  erfauft  unb  mit  bem  ^eiligen  ©eiß:  oer* 
jtegelt  ?  28er  will  bia)  auä  ber  £anb  ©otteS  reißen  unb  tton 
ber  £tebe  beineä  $?ilaxti>z$  fajeiben  ?  —  Ebenfo  fragt  ber  Gtyrtjt 
feinen  ©Ott  mana)mal  im  ®zhet :  33iß  £)u  nia)t  mein  $ater, 
mein  Erlöfer?  £afl  £>u  £)ta)  nia)t  31t  ewiger  ©nabe  unb  $kU 
mit  mir  serbunben,  unb  mir  £ülfe,  Sroß  unb  S^ati)  in  allen 
meinen ^ötpen  *>erfproä)en?  —  Slcr)  ja,  ta)  weiß  t>on  feinem  an* 
bem  ©ott,  unb  will  and)  »on  feinem  anbern  wijfen,  an  £)ir 
Ijabe  ia)  genug;  „wiewojjl  £)u  fola)e£  in  deinem 
£er$en  serbirgejl,  fo  weiß  ia)  boa),  baß  £)u  beffen 
gebenfeft!" 

55aulu$  nennt  bie  ^eilige  Saufe,  „einSBabberSQBieber* 
geburtunb  Erneuerung  be$  Zeitigen  ©eifteS,"  jftun 
aber  tfl  befannt,  baß  wir  Sitte  in  ©ünben  empfangen  unb  ge* 
boren  werben,  unb  t>a$  febeS  $inb,  ba$  au$  $?utterleibe  fommt, 
nta)te  mit  fia)  bringt,  afö  bk  Erbfünbe,  bie  bajfetbe  be$  ewigen 
SobeS  unb  ber  $erbammniß  fa)utbig  maa)t,  SQSie  nun  t>k 
Eltern  bem  $inbe  naa)  feiner  lei&lia)en  ©eburt  ein  $8ab  bereiten 
laffen,  in  welchem  e£  son  ber  leibüa)en  Unreittlia)fett  gefäubert 
wirb,  fo  yat  unä  ©ott  ein  Sdah  bereitet,  $>a#  bie  geiftige  Un* 
retnlta)f  eit  wegnimmt,  £>ieß  ijt  baä  Saufbab,  in  welkem  wir 
bura)  baS  $lui  3efu  unb  bura)  ben  ©eijt  ©otteS  gereinigt,  aus 
Äinbern  be$  3orn$,  $tnber  ber  ©nabe  unb  Erben  be$  ewigen 
£eben$  werben,  2Iua)  werben  wir  in  bemfelben  mit  neuen  ©a&en 
unb  Gräften  auSgerüftet  unb  aum  E&enbilb  ©otteS  erneuert, 
£afjer  bürfen  wir  überzeugt  fesw,  ba$  ein  getauftes  $inb  nia)t 
mei?r  unter  ben  3orn,  fonbern  unter  bie  ©nabe  gehört,  baß 
e$  für  bie  ©itnbe  bte  ©erea)tigfeit  3efu,  für  ben  glua) 
ben  Segen  erlangt  $at,  baß  e$  ber  göttlichen  yiatux 


696 


ipetlpaftig  worben  ifl,  unö  t>ag  ber  (Deip,  berein 
©etft  ber  ^errlicpfeit  unb  ©otte$  tft,  auf  ipm 
rupet»  Unb  wenn  baffelbe  au$  in  ben  reifern  Sapren  hi$* 
weilen  $ur  Untreue  gegen  feinen  £aufbunb  verleitet  wirb,  fo 
Utiht  bocp  bie  £aufe,  tr-ag  fte  iß,  unb  ipm,  wie  un$  Tillen  fiept 
burcp  bie  ©nabe  ©otteä  t>k  dlüdhfyx  au  biefem  33ab  ber  2Bie* 
bergeburt  offen,  fo  t>a$  wir  uns  feiner  $raft  U$  ang  (£nbe 
erfreuen  bürfen»  —  £arau$  'erpellt  beutlicp,  warum  bie  ©cprtft 
aucp  von  ber  £aufe  fagt,  bag  fte  un$  feiig  macpe»  „SS er  t>a 
glaubt  unb  getauft  wirb,  ber  wirb  feiig  werben»" 
„©Ott  maa)t  un$  feiig  nacp  Seiner  33armperatg* 
feitburcpba$23abber2öiebergeburt.  2)a$2öaffer 
in  ber  £aufe  maa)t  uns  feiig!"  9ttan  tauft  ^iemanb 
barum,  fagt  Sutper,  bafji  er  ein  prji,  fonbern,  wie  t>k  Sorte 
tauten,  baf  er  feiig  werbe»"  ©elig  werben  peifjt  aber  niä)t$ 
anberS,  aU  von  ber  S^rannei  ber  <Sünbe,  be$  £obeä  unb 
be$  £eufel$  befreit,  in  gprijti  Sftetcp  verfemt  werben  unb  ewig 
mit  3pm  leben»  —  25er  ©etaufie  fann  aucp  wirfticp  mit  allem 
Sftecpt  rüpmen:  er  fe$  fä)on  feiig;  benn  er  ift  mit  (£prtf*o 
in  ben  Fimmel  verfemt,  tft  mit  3pm  auferfianben,  fein  Sftame 
tf*  im  Fimmel  angetrieben,  fein  £erg  ift  fcpon  im  Fimmel, 
er  überwinbet  t>ie  Einfettungen  beS  Satans,  lebt  in  ber 
©nabe  ©otte$  unb  3efu  (Sprifti  unb  wirb  im  Reiben  mit  bem 
£rojle  be$  peiligen  ©eifteS  erfüllt  £>arum  fagt  £utper  von 
ber  £aufe:  „Bit  ifi  fo  voll  £roji  unb  ©nabe,  baf?  eg  we* 
ber  Fimmel  nocp(£rbe  begreifen  fann,  unb  jeber  Gprift  pat  fein 
$tbtn  lang  genug  $u  lernen  an  ber  £aufe,  unb  er  wirb  genug 
ju  tpun  paben,  bag  er  fefi  glaube,  was  fte  sufagt  unb  bringt,  — 
nemlt$  bie  Ueberwinbung  beS  Teufels  unb  beS  £obe$,  ?Bex* 
gebung  ber  Sünben,  ©ottes  ©nabe,  ßpriftum  mit  allen  ©einen 
SBopltpaten  unb  ben  peiligen  ©eifi  mit  Seinen  ©aben»" 

2lnw  enbung» 

I.  Caffet  un$  nun  aud)  fepen,  tok  ber  ®taubigt  fta)  t>k 
Sepre  von  ber  peiligen  £aufe  ^u  9lu£en  mad;en  foll»  —  Sieg 
ift  um  fo  nötpiger,  wenn  man  ba$  treiben  unb  £pun  ber  peu* 
tigen  SBelt  betrachtet;  benn  man  fönnte  von  ipr  baS  nemlicpe 


697 


fagen,  w$  $aultt$  cinp:  ju  ben  feuern  fagte:  „t$  felje, 
baf  t£r  all$u  trbtfa)  geftnnt  f  epb."  2)ie  vergänglichen 
2)inge  werben  von  ben  Wintern  biefer  SLßelt  viel  $u  £oa)  geaa)* 
tet,afcer  bte  fnmmlifa)en  unbcwigen  weig  jte  nia)t$u  fa)ä#em(£ben* 
fo  ge£t  egaua)nutber£aufe,  welche  ^warMe,  bie  ben  tarnen 
(grifft  tragen,  empfangenden;  wäprenbbieSBenigjienwtffen, 
für  wag  jte  t'^re  £aufe  galten,  ober  wie  fte  jta)  berfelben  freuen 
unb  tröfien  fetten«  £>ie  Sfteijkn  gleiten  ^inbern,  bte  eine  reia)e 
(Erbfa)aft  befommen  Jmben,  fte  aber  nta)t  verfielen,  fonbern  im 
©anb  mit  (Steinten  fielen,  ober  fpäter  fta)  von  böfen  ©efell* 
fa)aften  verleiten  (äffen,  baß  fte  ij?r  ©ut  vergeuben  unb  jta; 
felbft  in  2lrmut£  jiüqem  £)er  £aufbunb  ift  manchem  (griffen 
wie  bag  tinberfpiel  feiner  3ugenb,  an  wela)eg  er  naa)per  nia)i 
meljr  gebenft,  ober  wie  ein  ©nabenbrief  in  frember  ©praa)e 

gefa)rieben,  ben  er  nia)t  lefen  fann  unb  nia)t  verfielt* 

£)arum,  o  ^rifi,  lerne  beine  Saufe  |>oa)  flogen  unb  $war 
1}  an  bir  f  elbjt  £)enfe  an  beinen  (Eintritt  in  bie  2Belt,  unb 
vergleiche  ü)n  mitbem  Eintritt  b  er  er,  bie  auger  ber  $ira)e  ©otteg 
geboren  würben»  2>tefe  £aben  an  ber  ©emeinfa)aft  (grifft  unb 
©einer  $ira)e  feinen  SlntpeiX;  wir  aber,  obwohl  in  ©ünben 
empfangen  unJ>  geboren,  werben  boa)  gleia)  bei  unferer©eburt 
von  ber  göttlichen  (3nat>t  umfangen,  von  allen  ©ünben  abge* 
wafa)en,  für  $inber  ©otteg  erflärt,  in  bie  ©emeinfa)aft  mit 
3efu  gefegt  unb  su  (Erben  ©einer  ©eltgfeit  angenommen.  — 
2öa$  ip  alfo  bie  vorne^mfie  ©eburt  gegen  bie  feiige  SBieberge* 
burt,  wa^  iß  alle  £errlia)feit  ber  äöelt  gegen  bie  $tnbfa)aft 
©otteg,  bie  ©erea)tigfeit  3efu  grifft,  t>k  ©emeinfa)aft  be$ 
^eiligen  ©eifteg  unb  bk  2inwartfa)aft  ber  ewigen  Seligkeit?  — 
2Bie  lommt  eg  aber,  baß  wir  jiene  fo  j>oa),  btefe  aber  fo  gering 
fa)ä$en  ?  Wlan  mad;t  bte  $tnber  fo  früJaettig  auf  ben  ©tanb 
tjjrer  Altern  aufmerffam ;  warum  fagt  man  ijmen  nia)t  aua> 
von  3ugenb  auf,  m$  für  eine  #errlia)fett  bte  $mbfa)aft  @oite£ 
fe^,  unb  wela)e  ©eltgfeit  ber;£aufbunb  enthalte?— $)a$  $£inb 
eines  SMa)en  wirb  auf  bie  grage:  wer  bijt  bu,  —  antworten: 
ia)  bin  tint$  vornehmen  Cannes  ©ol)n;  wetyrenb  $>a$  arme 
fagt:  meine  geringen  (Eltern  jjaben  mia)  fümmerlia)  erlogen, 
ia)  fann  mia)  feiner  £errlia)f  eit  rühmen  ?c.  —  $ber  gibt  eg  benn 


\ 

698 

fettte  anbete  Wthttft,  aU  bk  leibltdje,  unb  gibt  e£  fonfl  ni$t$, 
bejfenft^  ber  (Sfjrifl  rühmen  tonnte,  alSbie  irbifcf>e  unb  r>eraäna> 
lityt  £errlid)feit?  ©tnb  wir  nityt  au$  Safer  unb  ©eifi  n>te^ 
bergeboren,  unb  tn  ben  ©nabenbunb  @otte$  aufgenommen; 
Report  uns  nia)t  ber  £immel  unb  bte  ©effyfett?  2Bie  lange 
wollen  wir  ben  $inbern  gleiten,  welche  bte  wapren  ©üter 
ntc^t  au  f$ä£en  wiffen ;  wie  lange  wollen  wir  un$  über  ben 
©Ratten  freuen  ober  betrüoen  unb  ba$  Sefen  fahren  laffen? 
2Ba$nü#t  ung  bie$ra$tunb£errli$fettber28elt,  was  Sfatc^ 
tf>um  unb  (£j?re,  ba  wir  nur  gremblinge  ftnb  unb  balb  baoon 
muffen?  2Bir  muffen  fol$e  £>inge  Ijaben,  bte  wir  mitnehmen, 
unb  auf  weldje  wir  un$  serlaffen  fönnen,  wenn  uns  2llle$  w* 
lagt  Unfere  GEjjre  unb  greube,  unfere  tyxatyt  unb  unfer  SRcify 
tpum  iß  bie  £aufe,  ^öret  eg  unb  wunbert  eu^  barüber.  Drei 
£änbe  x^oll  Safferä  achten  wir  bofjer  als  alle  trotten, 
allen  D^cidjtfmm,  allen  @$mucf  unb  alle  dpxt  ber  Sßelt  2)tefe $ 
fSSaffer  ifl  uns  ein  Saffer  be$  £eben$,  ein  fräfttgeg  £abfal,  ein 
<Bfy\x§mittd  gegen  ben  ewigen  £ob*  ©epriefen  fep  ber  QxtU 
einige,  auf  beffen  tarnen  wir  getauft  ftnb  I  Sirftnb  rei$,  geehrt 
unb  feiig  um  unferer  gaufe  willen,  £>er  Fimmel  fte|>t  un3 
allezeit  offen;  gelobt  fe?  ©Ott  in  (£wigfeit! 

kernet  aber  aud?  bte  £aufe  £o$fd)ä$en  2)an2lnbern, 
befonberS  an  euern  ^inbern*-— 3f>*  Altern!  liebet  eure 
^inber  nic^t  blo£  bef wegen,  weil  ftc  lieblid?  unb  artig  ftnb 
unb  eua)  manche  greube  madjen,  baS  ibun  ja  aufy  i>k  Reiben; 
fonbern  £auptfä$ltd>  barum,  weil  fte  burdj)  bte  ^eilige  £aufe 
au3©ott  geboren,  bur$  baS23lut  3cfa  gereinigt  unb  mit  bem 
^eiligen  ©eif*  erfüllt  ftnb,--  (£lmftlid)e  Altern  muffen  ijjre  $inber 
lieben  nid;t  allein  aU  gleifdj  *>on  ifjrem  gletfd),  fonbern  auc£ 
aB  ©lieber  (grifft,  aU  £empelbe$  ^eiligen  ®etjie$.— 35etrad>tet 
fie  alfonid)tfowo£l  in  bem  bunten  9?ocf,  mit  welkem  i£r  fte  be* 
fleibet  J)abt,  aU  vielmehr  in  bem  bleibe  ber  ©erec^tigfeit  3efu, 
ba$  ijmen  in  ber  ^eiligen  £aufe  angelegt  würbe,  ©ewöljnet 
fte  von  Sugenb  auf  baran,  ba§  fte  auf  t>k  grage:  xx>a$  ijt  euer 
größtes  ©lud,  euer  fa)önjler  <Bfymuä  unb  eure  pöc^fte  (££re,  — 
mit  greubtgfeit  antworten:  ba§  wir  in  ber£eüigen£aufe£inber 
@vttt$,  ein  (Figentfjum  3efu  <£jmjti,  £cm»el  be$  ^eiligen 


699 


©etfleä  unb  Erben  be£  £immel$  geworben  finb*  &ber  gewönnet 
fte  auc^  baran,  tag  jte  btefeä  ni$t  blog  fagen,  fonbern  aua)  von 
ganzem  £ergen  glauben  unb  bte  Eitelfeit  ber  28elt  bagegen 
veralten  lernen»  —  Ebenbegw  egen  f ollen  a)rtfilitt)e  Altern  tyvt 
Aber  nta)t  gering  fa)ä#en,  noa)  jte  auf  irgenb  eine  Slrt  mifj* 
jianbeln*  ES  gibt  leiber  fola)e  2Öeltmenfa)cn,  bte  über  t^re 
ifr'nber  bte  fa)redlta)jtot  glüa)e  ausflogen,  rete  rafenb  auf  fte 
losgehen,  fte  bei  ben  paaren  £erumfct>leppen,  mit  ben  gügen 
flogen  ic,  wä^renb  jte  ifmen  fonft,  wenn  jte  gerabe  bä  guter 
£aune  ftnb,  tm  größten  Sftutfjwiften  gu  gut  galten.  ©efonberg 
verfünbigen  fta)  in  biefem  gatt  bte  ©tiefeitern,  wela)e  gar  oft 
ein  angetretene^  $inb  fajlimmer  äl$  ein  ££ier  be^anbeln.  — 
allein  ein  fola)e6  heftiges  betragen  nü$t  bti  ber  $inbergua)t  am 
atlerwentgften ,  unb  maa)t  bie  $inber  woljl  fnea)tifa)*fura)t* 
fam,  aber  nia)t  fromm,  2Bie  !ann  ba  ber  ©egen  @otte$  fepn, 
unb  wie  fann  ba  ber  2ltler£öa)fre  bie  Ergie^mng  öetligen,  wela)e 
mit  vorfä$lia)en  ©ünben  unternommen  wirb?  3ubem  ijt  offen* 
bar,  bag  fola)e  tyranmfdje  Ottern  Uc  l?eilige  £aufe  an  ü)ren 
^inbern  nia)t  gebü^renb  aa;ten  unb  ba^er  einjt  eine  fajwere 
Sftec^enfapaft  gu  erwarten  ^aben  werben.  —  Efmftlta)e  Altern 
f  ollen  i£ren  3om  mit  %kbz  unb  Sanftmut^  mäßigen  unb  barauf 
fel)en,  bag  jte  mit  tj?rer  ©trenge  ma)t  mejjr  fcfjaben,  al$  nüfcnu 
dagegen  follen  fte  jta;  freüta)  autt)  ba3  SSo^l  iji>rer  $inber  eifrig 
angelegen  fepn  laffen,  weil  fte  ein  anvertrautet  ©ut  be$  £öa)jten 
ftnb,  £)enn  mt  wollen  fte  eS  »erantworten ,  wenn  jte  bura) 
naa)lägtge  3ua)t,  burd?  Unterlaffung  be$  (&cbtt$  unb  bura) 
eigene  böfe  ©eifpiele  biefe  garten  fangen  ©otteg  im  Untraut 
erjh'tfen  unb  verberben  lajfen?  Me^inber,  wela)e  gur  ^eiligen 
£aufe  fommen,  gelangen  jia  bura)  biefefbe  gum  ©unb  mit  ©Ott, 
gur  ©eftrengung  be$  23lut3  3efu  E!?rifti  unb  gur  ©emetnfa)aft 
be3  ^eiligen  ©eijleS,  wela)er  jofort  ba$  SÖerf  ber  Erneuerung 
in  tljnen  beginnt,  3*var  geigt  jta)  ©eine  feiige  Söirfung  nia)t 
fo  beutlia),  wie  bei  ben  Erwaa)fenen;  allein  bie  fletnen  fanget* 
genießen  eben  fo  gut  ben  wohltätigen  Hinflug  ber  6onne  Mit 
bie  größeren*  Sßer  alfo  ein  fola)e$  $inb  ärgert,  ober  vernaa)* 
lägtgt,  ber  tjt  ©a)ulb  baran,  wenn  feine  (Seele  verloren  gejjt, 
unb  I?at  ©otteö  Serf  gerjtört.  2Be£e  aber  folgen  Eltern,  bie 


700 


bat  tpun,  f?e  gepen  voran  auf  bem  2Öege,  ber  $xx  Skrbammmg 
füprt  unb  bte  armen  ^inber  folgen  ipnen*  ©ie  paben  tpreg 
£aufbunbe$  oergeffen  unb  ftnb  ©cpulb,  bag  biettnber  baffere 
tpmu  %n  jenem  großen  £age  werben  biefe  oerwaprloöte  $inber 
auftreten  unb  fagen :  SSerffacpi  f  e£  ber  $ater,  ber  micp  gezeugt 
pat!  Sßerflucpt  betreib,  ber  micp  getragen,  oerfluept  bie  23rüfk, 
bit  mify  gefeutgt  paben!  Skrflucpt  fepen  meine  Altern,  bie 
micp  ^war  $ur  peiligen  £aufe  gebraept,  aber  micp  nte  an  meinen 
£aufbunb  erinnert,  nie  mir  benfelben  erflärt,  fonbern  ba$  an* 
gefangene  SBerf  ber  ©nabe  ©otteä  in  mir  jerfiort  paben  unb 
ben  gunfen  be$  ©laubenö  erlösen  liegen ! 

SGßoplanalfo,  tpr(£ltem,  nepmeteuep  eurer  Äinberper^licp 
an»  SBebenf  et,bag  fte  ein  tpeureS  ^leinob  in  ben  5lugen  3efu  (£prifti 
ftnb,  welcpeä  ipr  mit  allem  gleigverwapren  unb  $u  ©einer  <£pre 
gottfelig  ergiepen  follet  3pr  Mütter  pflanzet  früp^ettig  in  bie^ar* 
ten  £er$en  eurer  $mber  bte  ?iebe  $u  ©ott  unb  iprem  £eilanbe* 
3pr  SBäter,  betrautet  fte  aU  eble  $flan$en  unb  pabet  2icpt,  ba$ 
fte  ntept  ©cpaben  leiben,  gebet  ipnen  bejMnbig  gute  (£rmapnun* 
gen ;  machet  fte  aufmerffam  auf  bie  SBicptigf  eit  ipreä  £auf* 
bunbeö,  unb  geiget  ipnen  burcp  euer  eigene^  33eifpiel,  tote  fte 
benfelben  in  Grpren  palten  follem  33eftrebet  euep  ben  3?upm  $u 
erlangen,  bag  eure  ®tnber  einfi  von  euep  fagen  fönnen,  jpr 
pabet  fte  eprifiliep  erlogen  unb  $u  einem  reeptfepaffenen  Söanbel 
angeleitet  Söelcpe  greube  wirb  e$  fepn  am  £age  beS  ©ericptS, 
wenn  tpr  eure  ^inber  um  euep  fepen  unb  fagen  fönnet:  „  ©  t  epe 
£err,  pierfinbwtr,  unbbte$inber,bie2)u  unä  ge* 
geb en  p  aft!"  —  unb  bie  ^tnber:  ©iepe,  $>k$  ift  ber  fromme, 
gute  Sater,  bieg  bk  gottfelige  Butter,  bie  micp  niept  allein  $ur 
peiligen  £aufe  gebracht,  fonbern  auep  burcp  £>eine  ©nabe  unb 
burcp  ipre  gute  ßrr^iepung  in  deinem  ©nabenbunb  bewetprt  unb 
erpalten  paben!  —  ©rog  ifl  bie  greube  ber  Altern  an  wopl* 
geratpenen  Ämbern  fepon  in  biefem  ?eben;  aber  welcpe 
greube  wirb  eg  erg:  fe^n  in  jenem  £eben?  —  £)arum  laffet 
euep  bk  9Mpe  ntept  oerfcriegen,  bte  ipr  auf  bte  (£r$tepung  eurer 
$inber  vetwenbet!  —  ©epr  gut  fagte  eiml  ein  weifer  Plannt 
#,2)ie  (£r$tepung  ber  tinber  ift  eine  ©a<pe,  bte  fiep  fei bfl  be* 
praf t,  wenn  fte  niept  reepter  Irt  war,  weil  fte  nur  Kummer 


701 


unb  ©ram  bringt;  —  ober,  bie  fta;  felbj!  belohnt,  roetf 
greube  unb  Vergnügen  barattS  entfielt,  wenn  fte  m  ber  gurdjt 
be$  £errn  gefd;a£."  2)aS  aber  fann  man  nia)t  nur  »on  bem 
gegenwärtigen,  fonbem  aua)  »on  bem  $ufünfttgen  ?eben  fagen. 
2Ber  feine  ßtnber  wojrt  eqogen  $at ,  ber  wirb  »tele  greube  an 
ijmen  £aben;  aber  wer  bte  Er^telwng  berfelben  »ernaa)läßigte, 
ber  wirb  e$  in  aüe  Ewtgfett  besagen  unb  bereuen, 

SBenn  ia)  mta)  Ui  biefer  Ermahnung  ttm$  länger  aufge* 
galten  £abe,  fo  mag  ba$  $u  meiner  Entfa)ulbtgung  bienen,  baß 
fola)e  Erinnerungen  in  unferer  3«*/  wo  bie  9Jaa;läßtgfeit  tn 
ber  $inber$ua)t  täglta)  mebr  einreißt,  pa)|J  nötjug  fmb,  Epe 
wir  jeboa)  weiter  ge^en,  madjen  wir  noa)  barauf  aufmerffam, 
ba$  wir  bie  £aufe  aua;  an  allen  anbern  Eljrtjten  Jjoa)* 
fa)ä#en  muffen,  Leiber  ifi  e$  hei  un$  baljun  gefommen,  baß  ba$ 
23anb  ber  Zieht  gerriffen  tjt  unb  bie  brüberlia)e  Eintragt  auf* 
gehört  $at  SDkn  ftnbet  wenige  Efmßen,  bie  etnanber  alö 
E Triften  aa)ten  unb  bejjanbeln.  Einer  wiberfegt  fta;  bem 
5lnbern  mit  großer  Sitterfeit  Wlan  beneibet,  »erfolgt,  unter* 
brüdt,  »ersortljeilt,  beleibigt  unb  betrübt  ben  9täa)ften  fo  gut 
man  fann;  befonberä  aber  werben  bte  Slrmen  »eraa)tet  unb 
mißfmnbelt,  £>arum  $at  fta)  ber  waljre  Eprtft  wopl  au  pütett, 
baß  er  nia)t  aua)  ju  fola)er  2ieblo(tgfeit  »erleitet  werbe.  35emt 
2Ule  jtnb  ßinber  EtneS  SBattxe,  Sitte  ftnb  «ruber  in  Eprifto, 
Ein  niebriger  Sföenfa),  ber  an  feinem  £aufbunb  feftjjält  unb  naa) 
bemfelben  lebt,  tft  fein  fa;lea)ter  Sftenfa),  unb  wer  ipn  »eraa)tet 
ober  betrübt,  ber  »erachtet  unb  betrübt  feinen  £errn.  —  SDSte 
$aulu$  fagt:  „hinfort  maa)e  mir  9Uemanb  weiter 
2ttü£e,  bennia)  trage  bie  9ttal$eia)enbe$|>errn3efu 
an  meinem  Ceibe;"  fo  fann  ber  ©etaufte  fagen :  beletbtge 
mia;  nia)t ;  benn  ia)  trage  bie  £auf*  unb  33unbe$$eia)en  be£  2)ret* 
einigen  an  meinem  Zeihe  unb  in  meiner  Seele !  £ütet  eua;  alfo, 
baß  u)r  9h'emanb  »eradjtei  noa)  »ielweniger  tyn  £art  bepanbelt. 
SDenn  »telfeia)t  gilt  berj'enige,  ber  »or  ber  2Belt  gering  geaa)tet 
\%  in  ben  Slugen  ©otteS  me£r,  alö  mancher  Slngefepene  unb  ®e* 
waltige,  Sie  fönnteß  bu  überhaupt  benjenigen  gertttgfa)ä#en, 
ber  eben  fo  xoie  2)u  im  53unb  mit  ©Ott  fiept,  ein  $inb  be$  £oa> 
fhm  ijt  unb  bte  Hoffnung  be$  ewigen  &ben$  Ijai? 


T02 


II.  Raffet  un$  nun  au$  bte  £efire  von  t?er  Jjetl.  £aufe 
gum  SErofi  üt  aller  greubigfeit  benü#en.  £>amtt  aber  berfelbe 
befto  gewiffer  unb  $uverfta)tlia)er  fep,  muffen  wir  1)  bte  £aufe 
nitt)t  bloS  ifjrcm  SIeufjern  naa)  beurteilen,  fonbern  vielmehr  auf 
tjjre  innere  33ef<^affenf>eit  fepen.  @te  ijl  ©otteg  2Bort,  ni$i 
eine  leere  Zeremonie,  fonbem  eine  £eilige£anblung,  bei  weiter 
©Ott  felbjl  mit  ©einer  ©nabe  unb  Zieht  gegenwärtig  ift,  unb 
wela)e  gur  SEBiebergeburt  unb  ©eligfeit  be$  9ttenfa)en  angeorb* 
net  würbe,  ©otteö  Slnftolten  ftnb  nidjt  blo$  ©a)ein,  fonbem 
Xauter  $raft  unb  £eben.  Unb  wie  unfer  (£lenb  feine  Möge  (£in* 
fctlbung  ift,  fonbern  ein  wirfita)eä  SBerberben,  fo  i(i  auä;  ©ot* 
tt$  ©nabe  unb  ©üte  lauter  <£rnj*  unb  Sßaljriieit.  2Ba$  (£r 
an  uns  fy\xt,  ba$  tyut  (£r  von  ganzem  £eqen.  (£r  gibt  nid) t, 
Wie  bie  SBelt  gibt,  bte  balb  gibt,  balb  nimmt,  ober  bte  mit 
falfa)em  bergen  gibt,  fonbern  er  gibt  au$  £eraltä;er  £tebe  unb 
Streue.  SBetl  wir  nun  getauft  jmb,  fo  ftnb  wir  wafjrjiaft  au$  SQSafc 
fer  unb©eifl  wiebergeboren ,'  unb  bürfen  aller  ©nabe  unb£err* 
lia)fett  ber  Ämber  ©otteS  verfta)ert  feipn. 

2)  dürfen  wir  aber  aua)  bte  £aufe  nta)t  fo  anfefjen,  als 
ob  jte  bloS  eine  3ettlang  gültig  fe^e.  £>er  33unb,  welchen  ©Ott 
in  unferer  $inbljeit  mit  un$  gefcfjloffen  Jjat,  i>anttt  nta)t  bloä 
Wenige  3al?re,  fonbern  ewig.  2)ie  %hf>t  unb  ©üte  ©otte$ 
Währet  fa  von  (£wtgfeit  $u  (£wigfeit,  unb  «Seine  ©nabe  ift  eine 
ewige  ©nabe.  „3<Ha&e/  fyria;t  (£r,  bic^jfe  unbjege* 
liebet;  bar  um  j>  ab  e3a)bta)$u2ttirg  exogen  au$  lau* 
ier  ©üte.  (£3follenwof>l33ergeweia)enunb£ügel 
Einfallen;  aber  50? eine  ©nabe  foll  nta)t  von  bir 
weiä)en  unb  ber  33 unb  meinet  griebenS  follnidjt 
Einfallen,  fpriä)t  ber£err,  bein  @rbarmer."  ©ot* 
ie$  ©aben  unb33eruf,  fagt  ?5aulu$,  mögen  3^nnia)t 
gereuen.-— TOt  bem  £aufbunb  verhält  e$  jta)  alfo  gan^  an* 
fcer$,  als  mit  ben  23ünbnijfen  ber  3ttenfa;en  unter  ftä),  welche 
päuftg  nia)t  von  SBeßanb  ftnb.  (£&  ijl  ein  ewiger  SBunb  mit 
©Ott,  ben  feine  £änge  ber 3ett,  feine  £rübfal,  feine  2lnfea)tung, 
fein  Teufel  unb  fein  £ob  aufgeben  fann.  3war  fann  eö  ge* 
f<$ej>en,  bag  ber  3ftenf$,  vom  ©atan  verleitet,  biefen$3unb  au$ 
ben  otogen  fegt,  unb  ftä;  ber  feiigen  grua)t  beffelben  verlufiig 


703 


mafyt;  aber  Bei  ©Ott  bleibt  er  feft,  (£r  lagt  nidjt  naa;  ben  $&> 
trünnigen  mit  £tebe  unb  ©üte  ju  fua)en  unb  wieber  $u  fia)  $u  %\i* 
pen,  <£v  lägt  tj?m  bie  ©nabentljüre,  bie  (£r  tym  in  ber  £aufe 
geöffnet  $M,  offen,  unb  nimmt  t|>n  mit  greuben  an,  wenn  er  in 
jta;  geptunb  $urücffommt  —  2öie  ein  $inb  um  feiner  feiblid)en 
©eburt  Witten  zeitlebens  Sßoplt^aten  »on  feinen  Altern  $u  ge* 
«legen  ljat ;  fo  empfängt  ber  @j?rijl  um  feiner  geiftigen  ©eburt 
Witten  unaufpörlia;  SBopltpaten  $on  ©ott»  ©er  ©reieütige 
tterbinbetjtdjmt'tunS,  nidjt  wie  etgennüfcige  Sföenfdjen,  bie  bloS 
fo  lange  vereinigt  bleiben,  als  fte  SRu^en  batton  paben,  fonbem 
wie  treue  GFbegatten,  t>k  nur  ber  £ob  trennen  fann. 

3)  ©er  £aufbunb  ifi  übrigens  nia)t  fowopl  auf  baS  %dU 
li$e,  als  meltnepr  auf  baS  (beifüge  unb  (£wige  gerietet,  ©er 
breieinige  ©Ott  tterföria)t  uns  in  bemfelben  niebt  zeitliche  33or* 
tljeile,  fonbem  bie  ewige  ©eltgfeit,  dt  tterforgt  unS  $war  aua) 
im  3eitlia)en,  unb  es  folgt  eben  aus  unferem  £aufbunb,  tag 
wir  atte  ©orgen  auf  3pn  werfen  fotten ;  aber  @r  gibt  unS  nur, 
was  notlng  i%  dv  witt  uns  ernähren  unb  erhalten;  boa),  bie 
2Irt  unb  Söeife,  xok  (£r  baS  tjjun  will,  ^i  (ix  ©ia;  »orbepalten. 
©arum  fott  ber  (Sprtft  nid;t  blos  auf  baS  3rbtfä)e,  fonbem 
pauptfädjlia)  auf baS  £tmmlifa;e  febem  —  £a§  es  bia>  alfo  nidjt 
befremben,  bag  bir  allerlei  2öiberwärtigfeit  unb  Unglücf  begeg* 
net,  wiewohl  bir  ©ott  in  ber  £aufe  $kfo  unb  £reue  sugefagt 
pat  Die  3ö$tigung  gebort  ja  mty  pxx  säterlia)en  &'ebe,  unb 
ein  SSater  fann  ni$t  treulofer  an  feinem  $inbe  panbeln,  als 
wenn  er  biefe  serfäumt  ©traft  bia)  alft>  bem  $immlifa;er  35a»» 
ter,  fo  Ijanbelt  (ix  nur  ©einer  £iebeunb  bem  £aufbunbe  gemäß, 
unb  Witt  ©eine  ©eligfeit*  —  2ßir  jtnb  auf  dlmjfr'  Stob  getauft 
unb  mit  3£m,  vok  $auluS  fagt,  ju  gleichem  £obe  gepflanzt; 
mithin  jtnb  wir  bura)  t>k  peil.  £aufe  fo  in  bie  ©emeinfepaft 
beS  ©efreu$tgten  getreten,  bag  wir  3£m  baS  $reu$  3ettleben£ 
wittig  nachtragen  fotten,  —  2Sir  jtnb  getauft  jum  ©terben  bem 
alten  Sflenfcpen  naa;  unb  gum^eben  bem  neuen  9ttenfa)en  naep* 
©aper  fagt  ^utper:  „©obalb  tin  $inb  aus  ber  £aufe  lommt, 
ip  eS  fcon  ©tunb  an  eingeweiht  ^um  ewigen  £eben,  bag  eS  fortan 
nur  tin  ©a(t  in  biefer  SBelt  fe^  unb  jta)  alfo  barein  fa)icfe,  bie* 
feS  jeitlia;e  $ebm  ^u  t)erla(fett  unb  auf  jenes  unioergängli^c 


704 


geben immerbar  $u  hoffen*"-—  SSir  bürfen  alfo  nitpt  vertagen, 
wenn  un$  ®reu$  unb  Srübfal  begegnet,  weil  aucp  tiefet  eine 
golge  unfereä  SaufbunbeS  ifi.  3ubem  pat  ia  ber  breietnige 
©Ott  ©tdj  m  ber  Saufe  »etpflidjtet,  bajj  (Er  uns  nie  o^ne  Sroft 
unb  £ülfe  (äffen  motte,  „3  cj>  w  t  11,  fpridjt  @x,  b  i  d>  n  t  fyt  s  er* 
Xaffen  nocp  tterfäumen.  3$  will  bicp  mit  meinen 
Slugenleiten.  gürcptebtcp  nid?t,  3$  pabe  bicp  erlö* 
fet,  pabebtcp  bei  beinemSftamen  gerufen,  bu  6ifi 
Sttein;  bennfo  bubur(f>$2BaffergeJjefl,  will  3$  6 et 
fcirfe9n,baßbicpbie@trome  ntcptf  ollen  erfäufemc*' 
<£per  müßte  £tmmel  unb  (£rbe  sergejjen,  al$  baß  ©Ott  ben 
grommen  aus  ©einer  2lufjtdjt  unb  gürforge  lajfen  fottte.  £>er 
£err  $at  einen  ewigen  SBunb  mit  un$  gemalt,  welchen  feine 
Srübfal,  feine  2lnfe$tung  unb  fein  Äreuj  auflöfen  fann.  3«; 
gerabe  bie  Srübfal  ift  ein  Mittel  in  ©einer  £anb,  "woburcp  <£x 
un$  in  ber  Streue  erpalten  unb  $u  ber  ewigen  |>errlicpfeit  brin* 
gen,  will,  —  2)arum,  o  Gtfjrify  fe#  freubig  unb  getrofi,  aucp  mit* 
ien  in  ber  Srübfal,  weil  bu  ber  ewigen  ©nabe  unb  Zitbe  bei* 
ne$  Jnmmlifc^en  ?8attx$  serftcpert  bijt,  unb  gewiß  fe$n  fannjl, 
bafü  bi$  weber  ©lud  nocp  Unglücf,  Weber  £eben  nocp  Sob  fcpei* 
ben  fann  *>on  ber  $kte  ©otte£,  bie  ba  ijt  in  (Sjmfio  3efu,  un* 
ferem  £errn.  —  jDu  bletbf*  ein  $inb  be$  £öd;jkn,  ein 
@igentjmm  betneS  (ErlöferS,  ein  Sempel  beö  peiligen  ©ei* 
pe$  audj  mitten  in  ber  Sraurtgfeit.  £alte  btd?  fej*  an  ©ot* 
te$  SSerpeißungen  unb  fprtcp:  „3$  weiß,  an  wen  td) 
glaube,  unb  bin  gewiß,  baß  (£r  mir  meine  $8tU 
läge  bewahren  fann  bi$  an  jenen  Sag."  £)b  mir 
ßleup  alle  SSiberwdrtigfett  begegnet,  fo  weiß  ü$bodj,  baß  nicf>t$ 
oljne  ©otte$  9?atp  unb  Sitten  gefiept,  unb  ta^  biefer  allezeit 
heilig  unb  gut,  unb  auf  mein  Sßopl  gerietet  ifL  3$  will 
meinem  <£rlöfer  ba$  treuj  gerne  nachtragen;  icp  weiß  ja, 
wo  i$  e£  ablegen  unb  bie  $rone  ber  <£pre  bafür  empfangen 
werbe.  3$  überwinbe  2Itte$  in  ber  straft  meinet  ©otteö, 
welche  mtc$  ftörft  unb  erpält.  £>er  Fimmel  gehört  mir;  unb 
wenn  aud?  ber  Seufel  unb  bie  SBelt  entgegen  wäre,  fo  werbe 
tcp  bocp  bajjin  gelangen,  burcp  3efum  (£j)rif*um,  meinen  £errn, 
ben  t$  in  ber  ^eiligen  Saufe  angezogen  >abe  *c. 


705 


HI.  Saffet  unö  enbltd)  aua;  bk  2e|)re  von  ber  £eil+  £aufe 
als  eine  Aufmunterung  ^ur  ©ottfeligfeit  unb  ju 
einem  jjetL  2ebenbenü£en*  i)3n  ber  £aufe  fmben  wir, 
tt)te  fa)on  gefagt,  Gtfjrifhtm  angezogen  unb  fmb  gleid)fam  in 
©eine  @erea;tigfeit  geffeibet  korben*  SÖSenn  wir  aber  (££riftum 
an$te£en,  fo  $te£en  wir  aud)  augleid)  eine  neue  traft,  ei* 
nen  neuen  © etft  unb  einen  neuen  @inn  an,  weßjjalb 
aud)  bie  erften  (Sprijlen  i£re  Täuflinge  in  mifyt  Leiber  fleibe* 
ten*  3«  biefem  @d;.mucf  follen  wir  alfo  tägtid)  einlj  ergeben, 
vor  ben  9flenftt)en  wanbeln  unb  unfer  $ifyt  leuchten  laffen  in  gu* 
ten  äßerfert*  2)tef?  verlangt  93aulu$  auSbrücllttt)  mit  ben  2Bor* 
ten:  „2öie  tjjr  nun  angenommen  fyaht  ben  £errn 
3efum  Qtjjrtßum,  alfo  wanbelt  in  3{?m.  —  2Öenn 
man  ein  ®leib  i)at,  fo  lägt  man  e$  titelt  bei  bem  SBeftg  bewen* 
ben,  ober  rupmt  fta)  bloS  beffelben,  fonbern  man  gebraucht  e$ 
aud)  unb  läßt  fta)  barin  fe^en*  <£benfo  iß  e$  nia)t  genug,  ba§ 
wir  unö  rühmen:  wir  fmben  Qtlmfhtm  in  ber  £aufe  angezogen, 
wir  muffen  aud)  in  3put  wanbeln  unb  gleiche  %kte,  (Sanftmut^, 
Semutjj,  $eufa)jjett,  TOpgfrit,  greunblicftfett  :e*  geigen  wie 
(£r*  —  28er  aber  an  fä)öne$  ®iäb  an$te£t,  ber  Jmtet  fta),  baff 
er  eS  nia)t  beflecfe*  2)arum  fotl  aua)  ber  dfmft  ftd)  vor  wiffent* 
liefen  ©ünben  Ritten  unb  fein  fojtbareö  £auf  *$leib  nia)t  vor* 
fä|ltd)  verunreinigen*  —  —2)  <Sinb  wir,  vok  ber  2lpoftel  fagt* 
mit  @i)rifto  begraben  bux^bie  £aufe  tnben  Stob, 
aufbaf?,  gleia)wie  dprifluS  ift  auferweeft  von  ben 
lobten  bura)  bie  £errlia)feit  beS  SSaterö,  aud) 
wir  in  einem  neuen  %tltn  wanbeln*  -t  £utper  er* 
flärt  bk$  fo:  „£)ie  SÖaffertaufe  bebeutet,  ba£  ber  alte 
2lbam  in  uns  burd)  täglid)e  9?eue  unb  $3u$e  getobtet  wer* 
fcen  unb  mit  alten  ©ünben  unb  böfen  Cüjien  jterben  foll* 
dagegen  foll  auferjiefjen  ein  neuer  ^enfd),  ber  in  ©erea)tig* 
feit  unb  *ft  einigfeit  vor  ©ott  ewig  lebe/'  2Ser  fta)  nun  nid)t 
mit  allem  (£rnftbeftrebt,  ber  wichtigen  23ebeutung  ber  petL  £aufe 
nad)$ufommen,  ber  verfielt  feinen  £aufbunb  noa)  nta)t,  unb  e$ 
ift  3U  befürchten,  bafj  er  benfelben  längft  vergeffen  fyahe. 

3)3jt  bie  £aufe,  wk  wir  oben  angeführt  paben,  ber  23unb 
eines  guten  ©ewtffenS  mit  ©Ott,  unb  verlangt  ewige  %khz  unfc 


706 


£reue*  2)a])er  fegt  man  bett  £aufpat!jen  »ort  alters  l)er  bte 
fragen  $or :  Entfaget  ij)r  bem  Teufel  unb  allen  feinen  Söerfen  unb 
SSefen?  ©laubeti£ran©ottben$ater,  ben©olmunb  ben  fytit 
©etft? —  SQStenunbiefe  ba$  2krfpted>en,  ba$  fte  im  tarnen  ber 
$inber  baraufgeben,  btnbet,  unb  tlmen  t>k  tyfiityt  auflegt,  iljre 
Pfleglinge  $u  allem  ©uten  an^ufj alten,  fo  ift  mty  ber  Täufling 
fämlbig,  feinem  23unb  mit  ®ott  na^uleben,  fobalb  er  benfetten 

»erflehen  lernt* - 

4)3flbte£aufe  eingab  berSöiebergeburtunbber 
Erneuerung  be$  £etL  ®etfte-$,  weil  ber  Anfang  ba%\i 
burä;  ©otte$  ©nabeunb®etfUeibiefer  jjeil*  £anblung  gemalt 
wirb,  unb  fobann  ^eitlebeng  fortgefe^t  werben  muf  ♦  £)aran  nun 
f oll  fta)  ber  (££rift  fein  ganzes  £eben  pinburd)  erinnern  unb  ba$ 
SQSerf,  basinijjm  angefangen  ifontc^erftörenjonbern  ©Ott  UU 
ten,  t>a$  G£r  ijjm  $ur  SMfüprung  ©eine  ©nabe  derlei  Jen  wolle*—- 
©o  prüfe  ftd)  ein  3eber  ernftlidj> ,  unb  fudje  ben  3uffanb 
feines  i^er^enS  ju  erfordern  2ötr  ftnb  ja  Me  getauft  unb  $a* 
ben  Ejjriftum  angezogen,  wir  2llfe  Ijaben  mit  ©Ott  einen  Sßunb 
gemalt,  bem  Teufel  unb  feinen  Werfen  abgefagt  2iber  adj, 
xcit  Söenige  Ijaben  il?r  £auffletb  unbeflecft  erhalten  unb  ftnb 
bem  $unb  mit  ©Ott  treulich  nadjgefommen !  2Bie  Senige  le* 
ben  in  täglicher  9tae  unb  23upe,  unb  fudjen  ben  alten  9tten* 
f^en  mit  feinen  fünblidjen  £üjten  $u  tobten!  2ßie Jöiele  paben 
t>a$  2öer!  be$  £eiL  ©eijleS  burdj  mutwillige  ©ünben  $er* 
Port  unb  ftd)  von  ber  SBelt  Einreißen  laffenl  25enn  wa$  ftnb 
bie  mutwilligen  unb  t>orfä£li$en  ©ünben  ber  heutigen  SSelt 
anberö,  aU  eine  Slbtrünnigfeit  son  ©ott  unb  ein  2)ienß  be$ 
©atanS?  —  Einige  rud)lofe  $Zenf$en  gingen  3  warf  $on  fo  mit, 
baß  fte  ijjren  £auf6unb  wiberrufen,  ©ott  abgefagt,  ben  ©lau* 
ben  serläugnet  unb  ftd?  mit  bem  ©atan  in  einen  förmlichen  23unb 
emgelaffen  Ijaben;  allein  jwifc^en  biefen  unb  ben  rollen,  ftdjern 
Söeltfmbern  ift  woljl  nur  ber  Unterfd;ieb,  bafü  jene  öffentliche 
Ueberläufer  ftnb,  biefe  aber  f>etmlidje  $errät|>er,  welche  $war 
äußerlich  bä  ber  Eljriftengemeinbe  bleiben,  j'ebodj  innrem 
£er$en  ba$  ©egentljeil  benfen,  unb  btefeS  Ui  jeber  (belegen* 
|>eit  beweifen.  &$  fann  überhaupt  bem  ©atan  gleichgültig  fepn, 
*>&  tjjm  3emanb  öffentlich  ober  |>eimli$  bient,  wenn  tym  nur 


707 


gebtent  wirb;  er  f>ctt  ben  (£inen  fo  gut  m  feinem  9?e|e  aU  btn 
Slnberm  ©o  oft  io)  baratt  benfe,  fcefct  mein  £era  unb  i(^  famt 
man  (£ntfe#en  m$t  verbergen.  —  2)te  £aupturfad)e  biefer  Un* 
treue  gegen  ©Ott  finben  wir  in  ber  $ernad)lctfh'gung  ber  $in* 
ber$ud;t*  2)ie  3ugenb  roä^^t  letber  gana  serwilbert  auf  unb 
wirb  fetten  an  ifcren  Saufbunb  erinnert  (£$  feljlt  nta)t  an  2ter* 
gemiffen ,  bie  tinber  ajjmen  ipre  got+tofen  Ottern  naa),  fünbi* 
gen  ofme  @(^eu  unb  werben  be$  SBofen  fo  gewohnt,  baß  fte 
glauben,  e$  %$t  nidjtS  $u  bebeuten;  —  baper  bie  fd)ltmmen 
grüßte,  bie  wir  täglia;  $or  klugen  fe{>en.  2öie  nun  (£üteg  au£ 
bem  5lnbern  folgt,  fo  nimmt  aua)  bie  ©otttoftgfeit  immer  meljr 
au,  unb  wir  ftnben  unter  ben  (Slmßen  ©otte^läugner  unb  ©pöt* 
ier,  2krd'd;ter  beö  göttlichen  SSortg  unb  ber  IjeiL  ©aframente* 
<&k  ftnb  graufam  unb  un$erfö!?nlid),  fluten  unb  fdjwören,  *>er* 
läumben  unb  betrügen,  rauben  unb  morben,  treiben  Un$uä)t 
unb  allerlei  ©ünben  unb  £afler+  (sie  fd)äi3en  bk  greuben  bie* 
fer  SOSeXt  ^ö|>ev  als  @ott,  ftnb  jlofy  unb  üppig,  unb  Jjaben  fo 
sriel  mit  ipren  neuen  Stoben  au  tljun,  ba$  fte  ij>r  Sauffleib  tängft 
»ergeffen  jjabem  ©ie  fdjämen  fta)  be$  @fmftentfmmS  unb  woll- 
ten lieber  ber  2öelt  als  ©ott  gefallen;  fte  wollen  tfiren  Tillen 
niä)t  brechen,  ftd;  felbfl:  ntd)t  serläugnen,  tljr  gteifd)  fammt  ben 
Süßen  unb  33egterben  m'd)t  freudigen,  $on  bem  gotttofen £au* 
fennid)t  laffen,  unb  wenn  fte  il?r  Seben  fo  in  ©idjerjjeit  unbUn* 
bußfertigfeit  Eingebracht  jjaben,  bod)  gute^t  feiig  werben»  — 
9hm,  meine  lieben  $ftt$rifkn,  nehmet  biefe  geregten  Etagen 
$u  £eraen,  taffet  fte  eua)  aur  SÖarnung  unb  aur  ^efferung  bie* 
neu*  3pr  febet,  wolrin  e£  mit  bem  (Etmfientjimm  gefommen  \% 
feljet,  tok  baS  gotttofe  Sßefen  über^anb  genommen,  mt  man 
©Ott,  bie  peit  Saufe,  ben  £immel  unb  bie  £olle  sergeffen  £at* 
3£r  fef)et,  vok  SBielc  auf  bem  breiten  SQSege  wanbeln,  ber  aur 
Söerbammnifj  führet — £>armn  prüfet  euä)  wolrt  unb  benfet  über 
euren  3uftanb  naa).  2lud)  ipr  fe^b  getauft  worben;  wo  ftnb 
nun  bie  grüßte  eurer  Saufe?  3£r  jwbt  ^rijium  angeaogen; 
war  e$  bi^er  eure  £auptf orge,  aua;  in  3N  au  wanbetn  ?  —  3|>r 
fe^b  au$  Sßaffer  unb  ©etfi  wiebergeboren;  allein  Sllleö,  toa$ 
aus  ©ott  geboren  tjt,  überwinbet  bie  Sßett  Söenn  nun  bie 
SOSett  eud)  überwunben  jjat,  bap  i^r  in  ©ünben  lebet,  wo  ift 

45* 


708 


eureSBtebergeburt? — 3D*  ^bt  einen $unb  mtt©ott  gemalt; 
bebenfet,  ob  ifjr  tjm  aua)  täglta)  erneuert  unb  ij)m  nachlebet? 
Eure  £aufe  €ft  ein  23ab  bev  Erneuerung  be$  JjeiL  ©etjte^;  fe^b 
tfjr  nun  in  Sßaprpeit  eine  neue  Kreatur  ?  £eget  ipr  aua)  täglta) 
ben  alten  ^enf^en  ab  unb  atepet  ben  neuen  9ttenfa)en  an,  ber 
naä)©ott  gefa)affen  tjt  in  rea)tfa)affener@erea)tigfeitunb£ei* 
ligfeit?  — 3prpabtbem£eufel  unb  berSßelt  abgefagt;  fe^bipr 
benn  aua)  allem  gottlofen  SBefen  von  ^er^en  feinb?  Reibet  tpr 
bte  ©elegenpeit  $ur  ©ünbe,  unb  flieget  bie  böfe  ©efellfa)aft? 
Eifert  ifjr  aua)  um  bte  Epre  eureg  ©otteö  unb  eureg  £eifan* 
be$  3efu  Epriftt?  2öiberfyrea)et  tj>r  ber  ©ottloftgfeit  unb  fu* 
a)et  itjr  berfelben  ^u  fieuern  burd)  23eten  unb  2Saa)en,  bura) 
9QBarnenunb?e^ren?— Spvfe^bbem^ermSefu  einverleibt  wie 
bie  Sftebe  bem  SQSetnftocf ,  wie  ein  3wetg  beut  33aum;  wo  ftnb 
aber  t>k  grüa)te?  2)enn  in  Eprijto  fet;n  unb  feine  gruä)t  brtn* 
gen,  tjt  fo  unmöglia),  al$  baß  in  Eprijb  fein  ©etfi,  fein 
«eben,  feine  traft  fe^n  foKte*  „2B er  in  9ttir  bleibet,  fagt 
Er  felbjt,  unb  3$  inipm,— berbringetviele  grua)t 
SfiSer  nia)t  in  9D?tr  bleibet,  ber  wirb  weggeworfen, 
unb  verborret  unb  wirb  jum  geuer  bemaltem"  — 
grüner  pabe  ia)  gefagt :  2)ie  £aufe  fe^  ein  petlt'ge^  ©aframent, 
aber  ia)  fegenoa)  pin^u,  baß  bie  ©träfe  berer,  welche  biefeö  <5a* 
frament  veralten  unb  bura)  tpren  Söanbel  entheiligen,  um  fo 
großer  fe^n  werbe*  £enn  je  groger  bte  @nabe  ijt,  bte  bem 
9Äenfä)en  bargeboten  unb  gefa)enft  wirb,  befto  größer  wirb  aua) 
bieUngnabefepn,  wela)e  auf  biefenigen  fallen  wirb,  btebie®nabe 
nußbraunen  unb  von  fta)  ftoßem  —  SKtr  paben  gehört,  va$  bie 
5taufe  voll  göttlicher  traft  unb  göttlta)en  STrofteö  fep ;  allein  man 
f ann  jta)  berfelben  bura)  Unglauben,  Unbußfertigf  eit  unb  ©ia)er* 
pett  verlufltg  maajen*  3n  Eprijto  3efu  tfi  bte  gülf  e ber  ©nabe  unb 
wirb  un$  bura)  bte  £aufe  unb  anbere  peil*  Mittel  mitgeteilt; 
aber  bte  Unbußferttgen  unb  ©ottlofen  ftnb  bavon  auSge* 
fa)loffen*  Daper  warnt  Sutper  naa)brü(flta)  vor  @ia)erpeit 
unb  vorbem^tttßbraua)  ber  ©nabenmittel,  inbem  erfagt:  „2)a* 
bei  follen  wir  un$  aua)  vorfeljen,  baß  feine  falfa)e  ©ia)erpeit 
bei  ung  einreiße,  bamit  wir  nia)t  ^u  uns  felbjt  fagen :  wenn  bie 
£aufe  eine  fo  außerorbentlia)e  <Saa)e  tjt,  baß  ©Ott  un$  bte 


709 


<Bünbe  ntdjt  anrennen  Witt  unb  wenn  %tlt$  bura;  bie  Greift  ber 
Saufe  gefä)lia)tet  iß,  fobalb  wir  tuxüdUfyxm  von  ber  ©ünbe, 
fo  wollen  wir,  fo  lange  wir  leben,  unfern  Sitten  tl)un  unb  erjt 
beim  ©terben  unfcvev  Saufe  gebenden,  0>ott  an  ©einen  33unb 
mahnen  unb  bemfelben  genug  tfmn*  —  Ja)  fage  bir,  e$  tjt  aller* 
btngS  etwas  ©rogeS  um  bie  Saufe,  bag,  wennbu  von  ©ünben 
umfeljrft  unb  bitt)  auf  ben  Saufbunb  berufjt,  beine  ©ünben  bir 
vergeben  finb*  2iber  ftelje  $u,  wenn  bu  auf  bte  ©nabe  fo  mutjj* 
wittig  fünbigeft,  bag  biä;  ba$  ©eriä)t  niä)t  ergreife;  benn 
wenn  biej'enigen  fautn  bleiben;  wela)e  nia)t  fünbigen  ober  nur 
bisweilen  aus  ©d)waa)f>eit  fehlen,  wo  will  bein  grevel  bleiben, 
ber  bie  ©nabe  verfua)t  unb  verfpottet  fjat?  £)arum  laffet  uns 
mit  gura)t  waiibein,  bag  wir  ben  9?eia;tfwm  ber  göttlichen  ©nabe 
burä)  einen  fepen  ©lauben  behalten  unb  ber  33arnu)er$igfett 
©otteS  fröl?lia)  banfen  mögen  immer  unb  ewigliay  —  2ln  einer 
anbern  ©tette  fpridjt  er:  „Sir  fotten  uns  mit  Sorten  unb 
Serfen  unb  mit  unferem  ganzen  £eben  befleißigen,  baß  wir  bie 
Saufe  eljren  unb  f)oa)fa)ci$en*  £)enn  barum  fielen  Saufftein, 
Slltar  unb  f  rebtgtßu^l  t>a,  bag  fte  uns  baran  erinnern  unb  be* 
geugen,  bag  wir  getauft  ft'nb,—  bag  wir  ben  Saufftein  efjren  unb  fo 
leben  fotten,  bag  wirbenfelbenfröl?lia)anfej>enbürfen,  bamiter 
nic^twiberun^euge»  £)a3j?eigtnid)t  bie  Saufe  gebraust,  wenn 
man  bem  alten  SD?enfd;en  ben  3aum  lagt,  bag  er  immer  prfer 
wirb,  fonbern  wiber  bu  Saufe  geffr ebt/'—  Senn  bir  nun,  o 
@lm#,  Ui  biefer  Betrachtung  bein  ©ewijfen  fagt,  bag  bu  bti* 
nen  Saufbunb  mana)mar  auö  ben  2htgen  gefegt  unb  t£n  mit 
mutwilligen  ©ünben  verlegt  paß,  fo  eile  unb  fäume  nia;t 
wieber  $u  lehren,  Gmteuve  beineu  25unb  mit  bugfertigem,  glau* 
bigem  bergen,  bereue  beine  Unbanfbarfeit  unb  Sreuloftgfeit 
aufrichtig,  bitte(&cU,  bag  <£x  bia)  ©eine  ewige  Siebe  unb  ©nabe 
um  3efu  Witten  geniegen  laffen,  ein  reinem  £era  in  bir  fa)affen 
unb  bir  einen  neuen,  gewiffen  ©eijt  geben  möge,  —  SBerfäume 
feine  ©elegenpeit,  bia;  an  beine  Saufe  unb  an  bie  $flia)ten 
$u  erinnern,  welche  bu  in  berfelben  übernommen.  2)ieg  fann 
namentlia)  gefd)epen,  fo  oft  bu  ein  $inb  taufen  ftepjt,  ober  bte 
§5atl?enftette  übernimmft,  befonberS  aber  fottjt  bu  tdglia)  im  @e* 
bei  vor  ©Ott  an  beine  Saufe  benfen,  unb  immer  wieber  aufs 


710 

neue  fcenf  Satan  unb  alten  feinen  SSerfen  unb  Sefen  entfagen 
nnb  bagegen  betnem  treuen  ©$ö>fer  unb  @rlöfer  btc^  Jjinge* 
ben.  2)ieß  btent  J*J8  Mo«  amn  Strofi  unb  aur  ©tärfung  beute* 
©fauben$,  fonbefn  *!*****  w$  au$  3ur  Hebung  in  ber  ©ottfe* 
Kßfeft  am  —  Darum  n^^ffe  e*  nie  beinen  23unb  mit  ©ott 
firt*  t>or  Slugen  unb  im  SjW$P  ^u  ^em  ^  *>«  SÖeft  bi$ 
frtfat  unb  aur  @fint>e  verleiten,  ^  fW:  3d)  bin  auf  ben  9to* 
men  ©oite^  getauft,  unb  bin  ©ein  £}*&?  wein  £etlanb  j?at  mief> 
fo  treuer  erfauft  unb  ©ein  (Stift  $at  mty  ö^«%t,  »te  fottte 
i$  ein  fo  große«  Uebel  tyun  unb  nriber  meti?*»  ©Ott  fünbigen? 
©ollte  icj>  mein  f  oftbare«  gauffleib  mutwillig  verunreinigen, 
unb  meine  28tt$rtjien.  ärgern?  ©oKte  id)  miä)  au*?  ber  (3nat>t 
in  bie  Ungnabe,  au«  ber  dlufo  in  bit  Unruhe,  au$  bem  ©djoofüe 
©otte«  in  bie  $oüz  ftüraen?  Dafür  oe^üte  mify  ©Ott  ber  %$& 
ter,  ber  ©ojm  unb  ber  ^eilige  ©eijL  beffen  diamtfum  ify  in 
ber  £aufe  geworben  bin,  welkem  fepSob,  53tei«  wnb@£re»on 
Cwiflfeit  &  @wigfeiü  Hmem 


@  i  e  &  t  nt  e    5PteH  jt 

«Bon  bem  ^eiligen  2ibenbmaJ?f* 

1.  <£orini$er  10,  16.  ©er  ßefegnete  £eu#,  welken  wir  fegnett, 
ffj  ber  m#i  bis  ©emeinföafi  be$  SBfuteS  (grifft?  ©cö  53rob,  ba« 
Wir  bre<$ett,  fji  bat  nic&t  bie  ©emeinföaft  be«  SefbeS  (grifft? 

(g  i  n  g  a  n  g. 
Sm  0lamm  Sefu!  Staat. 

(£«  gibt  eine  95ffan$e,  welche  man  „3e  langer,  /e  lie* 
ber"  nennt,  weil  i^re  Surael  anfang«  bitter  ifl,  aber, 
je  langer  man  fte  taut,  befto  angenehmer  unb  füger  wirb*  £)ieß 
mag  3eber  felbft  verfugen,  weil  i$  aber  ben  25eruf  fytöc,  au$ 
ber  ©$rift  geiftlidje  Kräuter  au  fammeln,  fo  bemerfe  i$,  baf* 
biefelbe  mehrere  enthalte,  benen  man  ben  gleiten  %lamm  UU 
fegen  fanm 


711 


1)  Sunädjf»  wirb  bas  gan^e  <££rtftentf>ummtt9?ed)t 
alfo  genannt  £>emt  bte  ©ottfeligfett  fommt  benen,  bie  erft  an* 
fangen,  unangenehm  itnt>  Mtter  vor»  2)er  irbifa)  ©efmnte  ftn* 
t>et  e£  befä)werlid),  jtd)  felbft  31t  verläugnen,  bie  SÖelt  $u  ver* 
achten,  unb  (Sprijto  baS  &vw%  nachzutragen.  Mein  bura)  bte 
Hebung  wirb  tym  bie@ottfeugfeit  füg»  Oft  ftnbct  in  ber  SSollbrin* 
0ungbe$gött{id?en  28illen$,  inber@emetnfd)aft  mit3efuunbin 
bem  £roft  be$  f)eil»  ©etftcö  fo  viel  Vergnügen,  baß  er  bte  greuben 
ber  SSelt  für  ^td;t^,  tljre  £ujt  für  eine  £ajt  unb  tyx  £öa)jte£ 
@lüd  für  £fjorl?eti  p&tk   &k  gebt  ijnu,  wie  einem  Knaben, 
welü)er  anfangt  feine  greube  an  ben  33üd;ern  £at,  unb  lieber 
fpielen  Witt;  fo  balb  er  aber  mit  benfelben  mejjr  befannt  wirb, 
fmbet  er  ©efdjmad  baran  unb  vergißt  ba$  ^inberfpiel»  £)em* 
Kau)  foll  ftd)  Sfttetnanb  abfe^reden  laffen ,  wenn  mau  iljm  von 
ber  $3uße,  von  wahrer  S^eue  über  bte  ©ünbett,  von  einem  3er? 
tmrfa)ten  unb  3erfü)lagenen  ^cr^en,  von  ©euftern  unb  Zfyxä* 
nen,  von  Saften  unb  Zetert  fagt»  diu  einziger  ©nabenblid  aus 
bem  2lngeftd)t  3efu,  ber  groß  au$  ©einen  SSunben  unb  ber 
Sorfajmad  be$  ewigen  £eben3  bringt  SttfeS  wieber  anregt»  — 
,,3a)  will  bidjin  eine  2öüjte  führen,  fagt  ©Ott,  unb 
will  freunblid?  mit  bir  reben,  baß  es  bir  burä)3 
£ers  ge^en  foll"  3m  Anfang  freiließ  fc^eint  eS ,  <xtt  ob 
bei  bem  d^rifientbum  nic^tö  al3  SlrmutJ  unb  dkrio ,  £rübfal 
unb  ^er^eleib  fe#;  nad;ber  aber  ftnbet  jtd)  ber  reiche  £roft,  wenn 
ber  ^Bußfertige  feinen  (Erlofer  im  (Blauhm  ergreift,  fein  betrüb? 
teö  $er^  i»  ©otteiS  ©d;ooß  legt  unb  ©nabe  um  ©nabe  barau£ 
nimmt» 

2)($uä)  bem  SO  orte  ©otteS  tann  man  mit  9?e#t 
jienen  tarnen  geben»  d£$  ift  $war  nur  einfach,  unb  cpne  rebne* 
rifd)en  ©djmud;  aber  e6  ij»  voll  traft,  voll  |>immliftt)er 
3ßei3f?eit,  voll  ©eift  unb  £eben»  2)arum  petf  t  e£  auc$:  „3)ie 
9fcett)te  beS$>errn  finb  föftlia)er,  benn  @olb;  i>a$ 
©efe§  £)eine3  3Äunbe$,  mein  @ott,  t'ft  mir  Heber 
benn  viel  taufenb  ©tüde  ®olb  unb  ©über»"  2)ie 
größten  ©c^dg'e  biefer  (£rbe  ftnb  nia)t  im  ©taube  bte  angefocD* 
tenen  unb  betrübten  ^er^en  $u  erquiefen,  nur  t>a$  SÖSort  be$ 
£erw  a,iht  £roji  unb  traft  31t  aßen  ©tunben»  SJttag  alfo  bie 


712 


Vernunft  3ttcm$e$  bar>on  nicfjt  Begreifen  unb  mögen  wir  an* 
fangS  feinen  ©efatfen  an  feinen  -2lu$ft>rüc$en  finben,  bießfottunS 
nia)t  abfäjrecfen*  2>emt  ©otteS  SBort  mujj  lange  unb  gehörig 
erwogen  werben,  ein  £er$ft$e$  ©efcet  nnb  eine  innige  2lnbaa)t 
gehört  ba^u,  wenn  man  feine  traft  empjtnben  will.  —  £>arum, 
bu  irbifd)  ©ejumter,  oeraa)te  biefeS  einfache  2Sört  in  ben  £a* 
gen  beS  ©tücfS  nia)t;  benn  bn  wirf!  bajfelbe  einft,  wenn  e$ 
bir  übet  gept,  unb  bk  £obeSangft  bein  #er$  beflemmt,  fo  nö* 
ti)ig  Jjabem  2kraa)tc  bie  ilraft,  SBei^peft  unb  ©üte  ©otteS 
nta)t,  ob  fte  gteia)  nur  in  ein  fa)lia)teS  ©ewanb  gejnilit  ijt;  benn 
eS  fommt  t>te  Sät,  ba  auf  ber  gan$en  (£rbe  nia)tS  ju  finben 
fepn  wirb,  um  bein  betrübtes  £erj  31t  erquicfetu  £)  wie  frol? 
wirft  bu  bann  fet;n,  wenn  man  bir  aus  bem  SBrünntein  SfraelS 
t>en£roft  ©otteS  einflößt! 

3)  (£benfo  fann  man  bk  £rübfal  beS  (Efmjten  „je  tan* 
ger,  jie  lieber7'  Reißen,  wenn  man  an  bie  SBorte  ber  @a)rift 
benft:  „51  He  3üa)tigung,  wenn  fte  ba  ijt,  bünfet  fie 
unSnia)tgreube,  fonbernSraurigfeitaufe^n,  bar* 
na a;  aber  wirb  fie  geben  eine  fjeüf  am  egrua)t  ber 
©erea)tigfeit,  benen  bie  baburä;  geübei  finb*"  £>te 
©taubigen  fömtett  fta;  anfangs  in  bie  Sege  ©otteS  nia)t  fäU 
am  unb  begreifen  fo  wenig  als  bk  tinber,  baß  unter  ber  Slutfa 
fo  tnel  ©uteS  verborgen  fe^  £rjt  burd;  bie  (£rfa£rung  lernen 
fte  baS  ®e|?eimniß  beS  treues  *>erj!ef?en,  unb  finben,  baß  bte 
2lbfta)t  ©otteS  babei  lauter  %kU  unb  ©üte  ijt.  6ie  bemcrfen, 
bag  ©ott  ©einen  Ämbern  bisweilen  timn  bittern  £ranf  bar* 
reicht,  fie  aber  aua)  wieber  mit  fnmmltfa;em  STrofre  erquicft* 
Sie  benn  überhaupt  bte  größten  Setbensbrüber  gemeiniglia) 
bk  größte  greube  in  ©ott  unb  ben  metfien  ^orfa)mad  beS  ewtV 
gen  Gebens  paben,  unb  öfters  ausrufen:  9ioa)me£r,£err, 
n  0  ä)  m  e  £  r !  Sie  rühmen  jtc$  ber  £rübfai  unb  falten  es  für  law? 
iergreube,  wenn  fte  in  mancherlei  2lnfeä)tnng  fallen,  ^ie^enipre 
£rübfat  ber  £errtia)?eit  biefer  2®ett  x>ox,  unb  wählen  bk  £>or* 
nenfrone  jtatt  alles  irbifc^en  SdmtucfS.  Sie  flagen  mit  jenem 
Sitten,  beffen  jä£rtia;e  $ranffmt  eimuat  ausgeblieben  war: 
tüit  fommt  eS,  mein  SSater,  baß  £>u  im$  in  biefem  Saljre  nidjt 
t?etmgefua)t  £afi?  —  €0  wollen  wir  benn  ntcöt  fowopl  auf  ben 


713 


Anfang  ber  £rübfal  aU  auf  ben  Ausgang  berfel^en  fepen*  Sßir 
nehmen  ja  mana)mal  eine  Slqnei,  bie  fo  bitter  ift,  ba£  im$  bie 
klugen  übergeben;  naa)£er  aber  fagen  wir:  ©ottlob,  biefev 
£ranfifi  mir  gutbefommen!  grüife  alfo  mutljig,  oQnjriß,  au$ 
bem  £eiben£bed?er,  ben  bir  ber£err  barreia)t,  imb  wenn  er  bir 
aua)  noa)  fo  Utkx  fd)etnt,  fo  wirft  bxt  boa)  balb  erfahren,  baj? 
bu  btd)  in  Sät  unb  @wigfeit  wo£l  barauf  befinben  wtrfhv 

4)  Gntblia)  »erbient  au$  ba$  i?etlige  2lbenbmaf)l  biefen 
Warnen.  £)er  irbifa)e  <Sinn  £ält  fretlta)  ein  wenig  23rob  unb 
äBein  für  unbebeutenb ;  aber  ber  ©laubige  nennt  e$  feinen  £im* 
mel  auf  (£rben  unb  je  länger  er  baffelbe  mit  j?er$lidjer  3lnbaa)t 
geniegt,  befto  lieber  wirb  e£  ifjnu  3$  £abe  (£f>rij*en  fennen  ge* 
lernt,  welche  bezeugten,  fte  fönnen  bm  Xxoft  unb  ba$  SßergnüV 
gen  nttt)t  betreiben,  ba$  fte  an$  bem  ©enug  be$  |>eiL  2lbenb* 
ma£l3  geköpft  J)aben*  @o  lange  man  noa)  jung  unb  uner* 
fahren,  unb  nia)t  burcf)  bie  ®reu$  =  unb  £eiben$fa)ule  gegangen 
tft,  aber  ein  aufrtd;tige3  gute£  £er$  fyat,  empfängt  man  ^war 
bag  £iebe$ma£l  be3  £erw  mit  (£{?rerbietung  unb  finblia;er 
gurd)t,  boa)  fejlt  nod)  immer  ber  eigentlidje  ®efa)mad:  bar&n* 
SöSirb  man  aber  älter  unb  wirb  ba$  £ers  burd)  2lnfe$tung  unb 
Srübfal  geübt,  fo  entfte^t  re$t  eigentlid)  ein  junger  unb  2)urjt 
nad)  biefem  üttapl,  unb  man  empfmbet  Ui  bem  ©enuß  beffelbett 
fo  ttiel  groß  unb  ©üßigfeit,  bag  man  e£  nidjt  auSfprec^en  famu 
£)alj>er  lommt  e$  aufy,  t>a$  $>k  ©laubigen,  wenn  fte  naa)  ©ot* 
ie3  Sitten  biefem  $cUn  »erlaffen  follen,  in  biefem  greubenmaltf 
fa)on  auf  dxbm  entpftnben,  toa$  ber  #immel  fe^,  unl>  bag  fte 
naa)I?er  *>on  ber  $&?U  rttc^t^  mefjr  wt'ffen  wollen,  fonbern  gleid)* 
fam  bie  ©tunben  unb  Hugenblicfe  ^äljlen,  M#  fte  bapin  fom* 
men,  wo  fte  au$  bem  ©trome  be3  £eben3  fd?öpfen  fönnen,  sott 
welkem  fte  f$on  einige  tropfen  gefofkt  paben. 

<££e  wir  aber  $u  ber  näheren  33etraa)tung  be$  peiligen 
Slbenbmaljls  fd)reiten,  fannio)  nia;t  unbemerft  laffen,  baf?  mi# 
ber  £inblicf  auf  baffeibe  öftere  mit  großer  gre  übe  unb  gu* 
gleia)  aua)  mit  groger  grauri  gleit  erfüllt  —  greube 
maa)t  mir  mein  3efu^  mit  ©einer  unenblia)en  %kUf  bkdv 
in  biefem  ©ejieimnig  gelegt  fyaL  —  <£$  fa)eint  mir,  aU  pabe 
ber  £eilanb  alle  ©eine  So^lt^aten  in  biefem  2iebe$ma£l  »er* 


714 


einigen  wollen*  2)emt  in  bem  deinen  Riffen,  vt)te  in  bem  gerin* 
gen  £ranf,  ben  wir  ba  empfangen,  tfi  bie  gan^e  Greift  ber  (£r* 
tofung,  bie  bura)  Sefum  Gtfjrijfttm  gefä)ef?en  i%  —  $erfta)erung 
ber  ©nabe  ©otte£,  Vergebung  ber  ©ünben  unb  bie  Hoffnung 
ber  ewigen  ©eligfeit*  SlÜeg,  m$  uns  ber  ©o|m  <25otteö  bura) 
©eine  2lnfunft  im  Sieifa),  bura)  <&Hn  Seiben  unb  ©terben  er* 
worben  ^at,  ba£  fa)enft  dt  un3  im  ^eiligen  2lbenbmaJ>l*  2)aJ>er 
fagt  ^utper:  „©Ott  gebe  aßen  frommen  (£jmj*en  ein  folä)eä 
§zx%,  H$  fte  auftauten,  wenn  fte  som  ^eiligen  2tbenbmal# 
reben  ijbrem  3$  jwbe  e$  *>on  #er$en  lieb  baS  liebe,  feiige 
2lbenbmal)l  meinet  #errn,  in  welkem  (£r  mir  ©einen  Setb  unb 
©ein  23lut  a«  geniepen  gibt,  unb  t>a$  Mt$  mit  fo  überaus 
freunblia)en  Sorten :  gür  euä)  gegeben,  füreua)s>er* 
goff  en/'  SOSer  follte  baran  nic^t  mit  greuben  benfen  unb  biefe 
itnau$fprea)lia)e  Siebe  mit  ©egenliebe  vergelten  V  — 

Traurigkeit  aber  maa)t  mir  Uc  Seit  mit  iprem  Unbanf, 
mt  bem  Sttifibraua)  unb  ber  $eraa)tung  tiefet  ptmmltfajen 
ffial)U$  !  2)ie  ®elej)rten,  welä)e  bie  ©epeimniffe  ber  a)rtftlia)en 
£ej;re  beleuchten  wollen,  jjaben  ein  3änfmaj?l  aus  btefem  Sie* 
be&napl  gemalt;  benn  fte  läugnen  e$,  bafl  un$  ber  waj?re  £eib 
unt>  ba$  waf>re  23lut  3efu  (grifft  im  ^eiligen  2lbenbmajjl  bar* 
gereift  werbe.  ©ie  galten  es  für  unmöglia),  baß  ber  £err  mit 
©einem  Setb  unb  23lttt  im  {jetligen  Sbcnbmafjl  augegen  fe^n 
fonne;  wäbrenb  fte  auf  ber  aubern  ©ette  gua,eben,  bag  (te  jtä) 
im  ©lauben  $u  3|jm  erpeben  unb  auf  fola)e  Seife  ©einen  Selb 
unb  ©ein  33lut  genießen  tonnen*  £)  wie  .tljöriä)*!  —  211$  ob 
3efu£  burd)  ©eine  2illmad)t  nia)t  bewirlen  lonnte,  wa£  wir 
bura)  Un  ©lauben  bewirken  können,  ober  aU  ob  unfer  ©laube 
mächtiger  wäre,  aU  ©eine  Äraft?  Ueberpaupt  ftnb  über  biefen 
wichtigen  ©egenftanb  fold)e  2)inge  gefa)rteben  worben,  beren 
jtcf)  bie  (Ejmj*en|>ett  fa)ämen  mufL  3)ie  ©ottesläugnerfpot* 
ten  über  btefe$  peilige  3J?apT;  bte£euä)ler  gebrauten  eö 
gum  £)ectel  tprer  ^o^eit;  ber  gemeine  £>auf  e  läuft  unbe* 
fcaa)tfam  jnn$u,  ojme  Vorbereitung,  o£ne  ©lauben  unb  2lnbaä)t, 
unb  iß  aufrieben,  wenn  er  baffeibe  empfangen  |>at;  wie  er  e$ 
aber  empfangen  unb  wela)en  9cu§en  e£  gehabt  £ai,  ba^  ift  ipm 
gleia).  —  £)  tut  arge,  gottlofe  Seit,  m$  foll  ber  liebreia)e 


715 


®ott  me|jr  an  btr  tpuir,  aU  (Er  getfjan  1)at,  unb  »te  fonnteft  t>it 
e$  ärger  machen,  aU  bu  es  gemacht  jjaji?  (Er  pat  btr  ©einen 
©oljn  gegeben,  tu  £aft  3£n  3um  ©unberufener  gemalt;  (Er 
$at  bir  Vergebung  ber  ©ünbe  serfünbigen  laffen,  bamit  bu  3!>n 
furzten  unb  tiefen  fottteß,  bu  £aft  bir  aber  bie  greijmt  genom* 
inen,  bcfto  me£r  ju  fünbigem  ©Ott  jmt  bir  ©ein  SSort  gegeben, 
bu  poft  e$  mißbraucht,  (Er  J?at  in  ber  £aufe  einen  ©unb  mit 
bir  gemacht,  bu  £aft  tyn  feid?tftnnig  sergeffen,  (Er  Ijat  ein  §ie= 
be&nalrt  eingefe^t,  um  bie  ©emeinfd)aft  mit  3£m  ^u  unterhat- 
ten, bu  aber  jiajl  fcaflf^be  gum  SSorwanb  genommen,  bein  gott* 
iofeö  Söefen  ungeflraft  treiben  gu  fonnen*  20tocj>e  sott  baö  5D?aag 
beiner  IBc^j>ett,  halb  wirb  ber  geregte  ©Ott  bir  vergelten,  xx>k 
Ou  serbient  pajt;  bu  £aji  ben  ©egen  unb  bk  ©nabe  ni$t  ge* 
weilt,  fo  wirb  ber  giuef)  unb  ber  Soxn  über  biet)  fommen!  — 
D  (E^rijlen,  machet  md)  nifyt  $eft£aftig  ber  ©ünben  ber  SSelt! 
©uc^et  sielme^r  eure  greube  in  eurem  ©o#!  33eper$tget  bie 
SBunber  ber  iHebe  be£  £erm  3efu  unb  laffet  ©ein  p  eiliges 
Slbenbma^euer^immtif^e^  greubenma£tauf(Er* 
ben  fe$n!  — -  SDaju  tvotlm  wir  eu$  nun  nähere  Anleitung 
%thtn\  ©Ott  £elfe,  ba%  U  mit  3?u§en  gefcfjepen  möge  bur$ 
3efum  (Ejmjfrmt  l    2lmen. 

Sl&^anblung* 

2Btr  fomre«  pitx  nifyt  bk  gan^e  £e£re  t>om  peiL  &benb* 
«tatjf  befprec&en,  fonbern  wollen  nur  ba£  betrachten,  wa3  $u 
unferem  23orf?aben  btent*  £)er  bußfertige  foft  nemlic^  jnnge* 
wiefen  werben  auf  bk  große  ©nabe  unb  %kht  ©ottetf,  auf  bie 
^Beseitigung  feinet  £auffcunbe$  unb  feiner  SBerföfmung  mit 
©dt,  auf  bie  #errli$feit  bee  (Ej?riSentl)umg  unb  auf  ben  Sert^ 
ber  gei(Ui$en  ©üter,  bamit  er  baburd)  31t  größerer  Siebe  unb 
£)anfbarfeit  gegen  ©Ott  angetrieben  werbe» 

Söir  fe^en  affo  auerft  auf  ben  Stifter  btefeS  f>etX  Wlaffi, 
auf  3efum  (S&rtftom.  £)ie  (Esangeliflen  fagen :  „Unfer£err, 
3efuäd£riftu$,  tn  t>  er  9ia<H  ba(Er  *>errati?enwarb, 
naj)m  (Er  bat  23rob  icJ1  Unb  tyanluö  bezeugt:  „3$ 
Jjabe  es  t>on  bem#errn  empfangen,  wa$t$eua)ge* 
gebenpab  tJ*  —  ©ei  ber  Stiftung  biefeS  WläfyU  jeigte 


716 


3efu$  ben  pc^fiett  ©rab  ©einer  Siebe,  inbem  er  2ille6  ipaf, 
tva^  au  unferem  ^eil  nötpig  tt)ar.  Dbgleia;  bte  Siebe  (grifft 
gu  ben  2ttenfa)en  jtd)  fdjon  bei  ©einer  ©eburt  taste ,  namens 
liti)  aber  in  ©einem  Sepramt  unb  hei  ©einem  Seiben  unb  ©ter* 
len  unbegreiflich  groß  i%  fo  fa)eint  mir  boa),  al$  ob  fte  hei  ber 
(Stiftung  be$  petltgen  2lbenbmapl3  am  größten  gewefen  fc^* 
£)enn  @r  patte  bamafö  nta)t  blo3  ben$orfa£  für  uns  au  leiben 
unb  au  (ierben,  fonbern  <£r  wollte  un£  aud;  ben  ©egen  ©eines 
SBerföpnung^tobeS  auf gana  befonbere  Sßeife  aneignen.  —  2)em* 
naa)  ift  ber  Urfprung  tiefet  p eiligen  ©aframentö  in  bem  Sptx* 
gen  3efu  au  fua)en;  unb  2llle£,  wa£  wir  in  biefem  ©aframent 
waprnepmen,  ifl  lauter  ©üte  unb  Siebe*  —  (£$  war  awar  9toa)t, 
al6  (£r  baffelbe  fttftete;  aber  in  ©einem  £erjen  flammte  2lßeg 
»on  Siebe.  ©etnSSerrätper  war  nid; t  weit,  unb  (£r  wußte  wopl, 
tag  @x  in  wenigen  ©tunben  ©einen  geinben  überliefert  unb 
bann  au  einem  fa)meralia)en  unb  fdmtäplta;eri  £obe  t>erurtpeitt 
werben  würbe;  aber  barauf  artete  (ix  ntd;t,  fonbern  war  nur 
barauf  he'oa^t ,  uns  Bein  ganaeS  Söerbienft  auaueignen  unb 
un$  ©eine  Sopltbaten  au  t>erfta;ern.  @r  gltd;  einem  fterben* 
ben  SBater,  ber  ttor  feinem  (£nbe  ein  £ej*ament  madjt  unb  bafür 
forgt,  voie  baö,  wa$  er  bura;  fauern  <&$mi$  erworben  $at, 
feinen  ^inbern  au  gut  lommen  unb  fte  in  glüdlia)e  UmjMnbe 
verfemen  möge.  — -  i)ii\ei  SSermä^tntg  ber  Ziehe  beS  Spevxn 
wtyxet  hiß  an  ben  jüngften  £ag,  unb  wir  tyahen  eö  immer  reia> 
lid)  au  genießen.  —  Dbgleio;  ber  £eilanb  bejMnbtg  ben  Flamen 
3efu3  serbtent,  fo  fa;etnte£  bodj,  aU  ofydv  benfelben  gleia)* 
fam  auf  3  neue  serbiene,  fo  oft  (£r  un$  im  peiltgen  2lbenbmapf 
©einen  Selb  unb  Bein  23lut  barreta)t.  tyRify  bünft,  i^  jjöre  hei 
bem  £ifd;e  be3  fytUn  jebe^mal  Beine  ©timme,  bte  fpriebt: 
3a)  bin  3efu^,  euer  trüber;  fommet  boa;  per  ^d  Tlixl  $om* 
metper  ^uTlix  Sllle,  bte  ipr  müpfelig  unbbelaben 
fe^b,  3a;willeua;  erqniden.  303  er  au  mir  fommt, 
fcen  will  3$  tti(^t  pinau^jtoßen.  Stttcp  bünft,  als  ob(£r 
3U  allen  betrübten  ^erjen  fagen  würbe:  £ierbin3d;!£ier 
bin  3a;!  ©uepß:  bu  mtep,  bu  bugfertiger  ©ünber?  ©ua)f*  bu 
mia),  bu  beängjn'gteS  ©ewiffen?  $iex  hin  3a) ,  was  wittfi  bu,. 
baß  3a;  btr  tpun  fott?  Unb  jene  antworten:  21a;  ia,  ^err  3efu, 


717 


£){<$  fudjen  wir  unb  leinen  Sintern;  ©idj  fuo)en  Wir,  ber  ©u 
unfer  (£rlcfer  unb  prfprea)er  bijt,  in  ©ir  fuo;en  wir  Sftupe 
unb  grteben  für  unfere  Seele !  —  ©te  erlangen  aua;  reia;lta;, 
tva$  fte  fudjen*  — 

©er  £f>rijt  fett  überhaupt  mä)t  aweifeln,  baß  3efu$  noa) 
je§t  überall,  wo  ©ein  £iebe0tna!?l  gehalten  wirb,  fo  waprijaft 
zugegen  fep,  wie  (£r  bei  ber  (£tnfe#ung  gegenwärtig  war* 
©ein  £er$  xft  noa;  jefct  bie  Duelle  ber  %itbt,  bie  jta;  in  bie  #er* 
jen  aller  bußfertigen  unb  glaubigen  Gtommuntfanten  ergießt, 
©ein  fj  eiliger  Sttunb  fegnetnoa)  Ijeute  baS  23rob  unb  ben  %ßein 
unbfpria)t:,/©a^i(imein^eib/ba6ip:mein53lut.//©einc 
£änbe  feilen  noa)  fegt  baS  t^eure  $fanb  ber  £iebe  aus\  SDic 
Wiener  be$  2öort3  ftnb  bei  biefer  ^eiligen  £anblung  nur  ©eine 
SÖSerf^euge,  fte  reben  unb  tjjun  2llle£  an  ©einer  (Btatt,  auf  ©et* 
nen  23efe£l,  in  ©einer  Äraft  unb  in  ©einer  £iebe. 

gerner  betrauten  wir  aua)  Ue  ©tiftung  felbft,  weldje 
unfer  £etlanb  Jrinterlaffen  faU  (£r  serorbnete,  baß  ba$  ge* 
fegnete  33rob  eine  ©emeinfdjaft  ©eine$  £  eiligen  %äU$  unb 
ber  gefegnete  $elc()  eine  ©emeinfa;aft  feinet  fjeiligen  23lute£ 
fe^n  foll;  wie  bk  Sorte  lauten:  „SKeljmet,  effet,  t>a$  tfl 
„$?ein£etb,  berfüreua)  gegebenwirb,  nehmet  J>  in 
„unb  trinket,  ba$  ijt  3ttein  3$lut  be3  neuen  £ejta* 
„ntentö,  wela)eöfür  eua)tf  er g  offen  wirb*"  —  2öie ber 
gottlitt;  e  ©tifter  biefe$  Ij  eiligen  WlafyU  in  biefer  ©eftolt  auf 
bie  Orrbe  tarn ,  unb  unter  Sftiebrtgf  eit  ©eine  göttliche  Spm* 
lidjfeit  verbarg,  fo  $at  dv  aua;  in  btefem  ©aframent  ©eine 
große  ?te^e  unb  ©üte  unter  einer  unfdj  einbaren  £ülle  tterbor* 
gern  —  ©er  irbifä)  ©eftnnte  wirb  freilia)  »on  biefem  Staple 
geringfa)ci§enb  urteilen  unb  fagen:  3Ba$  fann  nu'a)  ein  fo  ge* 
ringer  Riffen  33rob  unb  fo  wenig  2Bein  nügen,  wa$  für  greube, 
£roftunt  traftfann  barin  enthalten  fepn*  —©er  ©laubige  äbtt 
mi$,  wela)*  ebler  ®ern  in  biefer  ©a)ale  »erborgen  liegt!  ©er 
£err  gibt  un6  33rob  unb  fagt:  wir  fetten  ©einen  £etb  ejfen; 
@r  reidjt  unfein,  unb  tyxifyt:  wir  f  ollen  ©ein  $lut  trinfen* 
©amtt  wir  aber  niä)t  meinen,  als  ob  bieg  blo$  bura;  ben  ©lau* 
ben  gefa)e£e,  nennt  $aulu$  btö  23rob  eine  ®emeinfa)aft,  ober 
9ttttt£eilung  beä  %eite$,  unb  ben  Sein  eine  SÖftitjmlung  be£ 


718 

©ftrte$3efu/  ober,  wie  WtreS  auSbrücfen  würben:  eintüte!, 
ba$  ba$u  geheiligt  unb  gefegnet  tft,  baf?  uns  in  unb  mit  bem* 
felben  ber  ^eilige  ?eib  unb  t>a$  tpeure  2>lut  beS  £errn  bärge* 
reicht  unb  als  eine  wtrfltdje  ©petfe  unb  ein  wal?rl)after  £ranf 
mitgeteilt  werben  foll*  ©o  wapr  td)  alfo  bas  gefegnete  23rob 
mit  meinem  SD^unbe  empfange,  fo  wapr  empfange  ia)  aucf>  mit 
bemfelben  ben  ^eiligen  Seib  meines  £errn3efu,  weil  baS  23rob 
unb  ber  £etb  bura)  ©ein  SBort,  unb  vermöge  ©einer  (Einfe* 
#ung  bura)  eine  faframentliaje  Bereinigung  beifammen  ftnb* 
2)oa;  wirb  ba$  33rob  unb  ber  $8än  auf  natürliche  unb  leibliche 
SBeife  genoffen,  ber  £eib  aber  unb  i>a$  331ut  beS  £erm  auf 
übernatürliche  unb  unbegreifliche  SQSctfe,  alfo  jebeS  naa;  feiner 
5lrt,  baS  9?atürlia;e  natürlia),  ba$  £>immlifa)e  übernatürlich, 
bodj  fo ,  baß  ber  Unterfdjieb  beS  (£jfenö  unb  £rinfen$  an  bem 
wajjrjjaften  wirflia)en  ©enug  mdjt  lnnberli$  tjt  —  <£S  $er* 
£ält  fta)  mit  bem  Jjeiligen  2lbenbmal?l,  wie  mit  ber  ©eburt 
Gtlmfti,  ber  aus  bem  Söefen  beS  Baters  $on  (Ewigfett  erzeugt 
tfL  2)iefe  ©eburt  ijt  eine  wahrhaftige  ©eburt;  aber  wer  fann 
bie  5lrt  unb  Söeife  berfelben  erflären;  ober  wer  will  es  wagen, 
tpre  Söafjrfjett  in  3weifel  $u  sieben,  mit  er  bie  5lrt  berfelben 
tua;t  begreifen  fann?  (£$  tttiht  babei,  SefuS  ijt  ©Ott  unbSWenfa; 
in  (Einer  $erfon  unb  ift  wa£r£aftig  in  ber  gülfe  ber  3eit  t>on 
ber  Jungfrau  3D?aria  geboren  worbem  —  Söetl  alfo  laut  ben 
<£mfe£ung$worten  baS  gefegnete  33rob  ein  Mittel  geworben 
i%  babura)  uns  ©ein  ^eiliger  Mb  au  effen  gegeben  wirb,  unb 
weil  ber  gefegnete  SBein  mit  bem  ^eiligen  331ut  beS  #errn  w* 
einigt  ijl,  fo  empfangen  wir  burdj  (Einen  ©enu§  33cibeS,  jenes 
auf  begreifliche  unb  biefeS  auf  unbegreifliche  ISSetfe ,  —  jebo$ 
SBeibeS  wa£r|>aftig  unb  Wirfita;.  SBetl  aber  Paulus  nid)t  fagt, 
baS  gefegnete  23rob  fep  bloS  eine  OTtt  J>  eilung  ber  grua)t  beS 
2etbe$  (grifft,  unb  ber  gefegnete  SBein  eine  yftitty eifung  ber 
$raft  beS  SBluteS  (Sjmfti,  fonbern  auSbrütflia)  U^wpttt,  e$ 
fep  eine  $fttt#etlung  beS  £  eiligen  $eiht$  unb  231uteS  felbjt,  fo 
bürfen  wir  3M>erfta)tlia;  glauben,  bag  baS  9ttafjl  beS  £errn 
3#n  uia)t  bloS  vorteilt,  tok  etwa  ein  ©piegel  ba$  23tlb+  2)af* 
felbe  erinnert  aber  aua)  ni$t  bloS  an  baS  Reiben  unb  ©terben 
3efu,  m$  fa)on  baS  233 ort,  im  9tot£fall  aber  jebeS  C^ruatftr 


719 


ipun  fcmn;  fonbern  e$  gibt  uns  waprpaftig  unb  wirftia)  bert 
Mb  unb  baS  23lut  Giprijtu  Söir  paben  tm  Slbenbmapl  ben 
Gerrit  nia)t  bloS  tm  ©tauben ,  fonbern  wir  geniegen  ©einen 
£et6  als  eine  wtrflia)e  ©peife,  unb  trinfen  ©ein  tpeureS  33lut, 
Sßir  legen  unfern  Wlnnb  nta)t  bloS  an  ben  Mo),  ben  wir  fe* 
pen,  unb  trinfen  ben  Söein,  ben  wir  fcfjmetfen,  fonbern  atta) 
an  &tw  petligen  28unben,  bk  wir  uicpt  fepen,  unb  trinfen 
©ein  23lut,  baS  wir  leiblta)  nia)t  fcpmetfem  $ur$:  wenn  wir 
gunt  peiligen  2lbenbmapl  gepen,  fo  tfi  unfer  £er$,  ob  wir  gleiä) 
ma)ts  als  natürlia)eS  23rob  unb  28ein  fepen,  auf  3efum,  t>m 
©efreu^igten  gerietet,  unb  ia)  weif?  aus  ©einem  SQSort,  bafj 
<£r  nia)t  nur  waprpaft  zugegen  tfi,  fonbern  aua),  baß  <£r  mia) 
wirflia)  mit  ©einem  peiligen  £eü>e  fpeföt,  unb  mit  ©einem 
«Blute  tränft  Steine  ©eele  pänget  an  3pm  unb  rupet  in  3pnu 
@r  fommt  p  mir,  ijt  in,  bei  unb  mit  mir,  iß  mein  unb  ia)  hin 
©ein*  3$  pcibe  3pn  uia)t  nur  als  einen  lieben  greunb  im  ©e* 
bä^tniß  f  unb  ta)  freue  mia)  nia)t  bloS  über  ©eine  £tebe  unb 
©ute;  fonber-n  ia)  effe  ©einen  peiligen  Setb,  ber  für  mia)  in 
ben  £ob  gegeben  ijl,  unb  trinfe  ©ein  23lut,  baS  für  mia)  tter* 
goffen  i%  Unb  eben  babura)  unterfa)eibet  jta)  biefeS.  peilige 
Sttapl  son  anb^rn  ©nabenmitteln  auf  ©eiten  ©otteS,  unb  s  on 
anbern  ©laubenSübungen  auf  ©eiten  ber  9ttenfä)en* 

Unfere  unfterblia)e  ©eele  fann  nur  mit  gbttlia)en .  unb 
pimmlifa)en  fingen  befriebigt  werben;  baper  ift  es  tixx  um  fo 
größeres  SSunber  ber  %kU  3cfu,  baß  <5r  ©ia)  uns  im  peiligen 
Slbenbmapl  auf  fota)e  innige  Söeife  mittpeilt  £),  baß  aua)  wir 
bei  bem  ©enuß  biefeS  tpeuren  £tebeSpfanbeS  in  Söaprpeit  fa* 
gen  fönnten:  (§£  ift  uns  *>on  ganzem  £er$en  unb  $on  ganzer 
©eele  leib,  baß  wir  £)ia),  unfern  £errn,  je  betrübt  paben !  Bon 
ganzem  £er$en  unb  t>on  ganzer  ©eele  lieben  wir  2)ia)  unb  er* 
geben  uns  £ir !  —  Siber  aa) !  wie  albern  unb  einfältig  pellen  wir 
uns  manchmal,  wk  trag  unb  falt  ftnb  metßenS  unfere  £er$en! 
—  §la)  £err  3efu,  pabe  ©ebutb  mit  uns !  Seine  ZkU  iß  ^u  groß 
unb  unfer  £er$  $u  flein;  wir  fonnen  fola)en  großen  ©trom  in 
ein  fo  Heines  ©efäß  nia)t  faffem  Seine  £tebe  tjt  unS  gu  po-a), 
wir  fonnen  fte  nia)t  erlernten  noä)  begreifen,  gib  uns  an  wtU 
feS  £era,  baß  wir  x>kl  bat)9n  in  biefem  Seben  faffen,  unb  ptlf 


720 


tm$  $u  fernem  £immlifä)en  Sfteio),  wo  wir  We$  begreifen,  unb 
£>ia)  ewig  loben,  lieben  unb  greifen  werben ! 

ßrnblio)  wollen  wir  aua)  noo)  ben  9?u£en  biefer  jjet* 
ligen  ©tiftung  erwägen»  <£$  tfl  freilia;  unmöglich ,  va$ 
©an$e  $u  erfa)b>fen,  boä)  wollen  wir  GmugeS  $um  £rojt  ber 
©laubigen  anführen*  —  £)ie  Sllten  geben  biefem  ftebe^majjl 
in  2lnfefjung  be$  um>ergleia)lia)en  91u|en^ ,  ben  e£  gewährt, 
»erfa)iebene  tarnen*  ©ie  nennen  z$  bie  ©nabe,  ba6  ©ute,  baS 
SBollfommene,  ba6  £eben,  bie  geiftftä)e  l^nei,  ba$  ©ut  aller 
©üter,  bte  $raft  unferer  ©eele,  ben  ©runb  unfereS  ©laubenö 
unb  unferer  Hoffnung,  ka$  $ti\,  £ia)t  unb  Gebern  ©ie  wollten 
bura)  biefe  tarnen  anbeuten,  ba#  biefeS  ©aframent  ber  3nbe* 
griff  aller  ©üte  unb  (Hebe  beS  £errn  3^fu  fep*  —  Unfer  £ef* 
lanb  wollte  nemlia)  in  biefem  SXRaljle  1)  ©ia)  felbfl  fa)en* 
f  en,  (£r  wollte  un$  barin  ©ein  l)eiltge$  SBerbienjt  zueignen,  unb 
©ia)  mit  un$  auf  3  genauere  serbinbem  £)a£er  Ipeigt  @r  un£ 
©einen  £etb  effen  unb  <&än  33lut  trinken,  tamit  unfer  £er$ 
mit  ©einem  £er$en,  unfer  $äh  mit  ©einem  £eib,  unfer  331ut 
mit  ©einem  SBlut,  unfere  ©eele  mit  ©einer  ©eele  unauffjör* 
lia)  vereinigt  unb  @:r  bura)  ©eine&ebe  unb  ©nabe,  bura)  ©eine 
©erea)tigfeii  unb  ©ein  SBerbienj*  unfere  ßraft  unb  ©tärfe, 
unfere  greube,  unfer  £abfal  unb  unfer  £eben  werben  moä)te* 
2)tefe$  fagen  ©eine  SSorte  auöbrücflia) :  „9)? ein  gleifa)  ift 
„bterea)te©petfe,  Sttetn  25lut  tfl  ber  reo) te£ranf* 
,,2Ber9ftetngletfa)  iffet  unb  trinfet9ttein$3lut,  ber 
^bleibet  tn  Ttix  unb  3a)  in  t^nt.  SQSie  $h'a)  gefanbt 
„jjatberSBater,  unb 3a)  lebe  um  be£33ater$  willen, 
„alfo  wer  9ttia)  tffet,  ber  wirb  aua)  leben  um  5ttei* 
„net  willen."  GEbenfo  fpria)t  (£r  naa)  ber  (£infe£ung  biefeS 
Wläfytt  su  ©einen  Süngern:     ,,3a)  lebe  unb  ijv  follt 
„aua)  leben;  i£r  werbet  ernennen,  ba§  3a)  in  9ttet* 
„nemSSater  bin,  unb  i|>r  in  $h'r  unb  3a)  in  eua)* 
,,20 er $Ha)  liebet,  ber  wirb  von  deinem  $ater  ge* 
„liebt  werben,  unb  3a)  werbe  ij>n  lieben  unb  $Ma) 
„t£m  offenbaren."  —  J^ätte  ber£eilanb  eine  blofie  Gmnne* 
rung  ©etneS  £obe$  unb  ©einer  Etebe  fh'ften  wollen,  fo  ljätte 
(£r  opne3tt>eifelnia)t  bieSßorte  gebrannt:  „9te£met,  effet, 


721 


ba$  ijlmetn£etb,  ber  für  eu$  gegeben  wirb*"  (£r 
will  niüjtbloS  tn  unferem  ©ebaä)tnig,  fonbern  aud)  tn  unferem 
£er$en  fe^n,  unb©ia)  mit  uns  auf $  genauefte  vereinigen;  fur^, 
(£r  tx>iCC  unfere  ©peife  unb  unfer  £ranf  werben ,  barum  fagt 
(£r:  „9lef)met,  effet,  ba£  ift  meinSetV  Unb  wenn  (£r 
gleidj  {jfaaufegt:  ,,©old)e$  ijjut  ^u  meinem  ©ebcxdM* 
nifj,"  fo  ift  btep  nia)t  fo  gü  verfielen,  als  ob  (£r  uns  bloS  vor* 
übergeljenb  an  ©ein  vollbrachtes  Reiben  erinnern  wollte;  fon- 
bern (ix  Witt  bamit  fagen;  ©old)eS  fyut,bamit  ifjr  eua)  5D?ei* 
ner  allezeit  erinnern,  SOHa)  im  ©lauben  eua)  gueignen  unb  im* 
mcrfort  in  Wlix  leben  moget*  —  2)arin  fttmmen  aua)  bte  lir* 
c^enväter  überein,  inbem  jte  fagen:  2)er  ©enuf  beteiligen 
Slbenbmaljls  maä)i,  bag  wir  in  djjrtfto  bleiben  unb  (§$xi$®$ 
in  uns*  £>cx  fromme  fauler  bemerlt:  „Uns  ift  nia)tS  nä£er, 
als  was  wir  effen  unb  trtnfen,  weil  eS  in  unfer  gWff  unb 
33lut  übergebt  fS5etl  nun  (£{)riftuS  ftd)  aufs  genauefte  mit  uns 
vereinigen  wollte,  §at  dx  biefeS  Jjeilige  ©aframent  eingefe^t, 
tn  welkem  wir  mittelft  be^  gefegneten23robS  ©einen  £eib  effen, 
unb  mittelft  beS  gefegneten  SSeinS  ©ein  23lut  trinfen,"  2Bie 
ber  D^egen  bie  ^pausen  nia)t  bloS  von  äugen  befeuchtet,  fon* 
bern  auc^  p  ^en  innerften  Sßur^eln  bringt,  unb  ftd)  auf  biefe 
Söeife  mitiljmen  $u  ij?rem28aa)StJmm  vereinigt,  fo  bringt  (£jm* 
ftuS  im  ^eiligen  Slbenbma^l  3U  unfern  £er$en  unb  bis  gu  bem 
innerften  ©runb  unferer  ©eele,  bamtt  (ix  unfer  i*eben,  unfer 
£roft,  unfere  greube  unb  unfere  ©eltgf eit  fepn  möge*  — £>em* 
naa)  fann  Seber,  ber  btefeS  £tebeSmaf>l  würbig  empfangen  $<xt, 
gleia)fam  auf  feine  SBruft  beuten  unb  fagen:  ,3 er  will  bie 
2luSerwäl?lten  ©otteS  befa)ulbtgen?  ©ott  ift  Jjier, 
ber  geregt  mac|t  Ser  will  verbammen?  gprijtuS 
ifl  JHer,  ber  geftorben  ift  3a)  lebe,  boa)  nun  nia)i 
ta),  fonbern  (£Imfiu£  lebet  in  mir/' Dber  er  fann  mit 
£utl?er  aufrufen:  @J>riftt  ©erea)tigfeit,  ©ieg  unb  Men  tfi 
mein!  Ober  mit  jenem  ^rebiger:  Söie  follte  ia)  mia)  vor  bem 
£obe  fürchten;  iä)  £abe  ja  Den  im  #er$en,  ber  ben  £ob  ver* 
fa)lungen  fyatl  —  IBet  allem  bem  aber  biirfen  wir  nia)t  an  eine 
fleifa;lia)e  SSerbinbung  (£f?rifti  mit  uuS  benfen,  fonbern  vielmehr 
an  eine  geifiige,  unbegreifliche  ©emeinfa)aft   Sir  fjaben  fner 


722 


ein  göttlich  ©eijeimnig,  wela)e$  bte  menfo;lia)e  Vernunft  jwat 
m  tiefer  £) emutjj  betrachten,  aber  nia;t  sorwigig  beurteilen 
fott*  —  gerner  t|t  m$t  ^u  überfeinen,  bag  babura;  ben  übrigen 
©nabenmitteln,  ber  £aufe,  bem  SBorte  u.f  nia)t$  son  tijrem 
po|jen  SSert^e  benommen  wirb,  ^ielmeljr  greift  eineö  in  ba£ 
anbere,  gleichwie  bie  Sftinge  an  einer  ®zt\t,  unb  m$  in  ber 
Jjeiligen  £aufe  unb  bura)  taä  SBort  angefangen  werben  ifi,  baä 
wirb  im  ^eiligen  2lbenbmaljlbeftätigt  unb  gleic^fam  twllenbek  — 
2)te  poc^fie  ©iufe,  welche  ber  ©laubige  in  bem  ©eljeimnifij  ber 
Bereinigung  mit  d^rifio  erreichen  !ann ,  ijt  ojute  3weifel  bie, 
welche  ijjm  in  biefem  jjeiligen  CtebeSmattf  gegönnt  wirb,  Unb 
wirflia)  i(t  aua;  nia)tö  mejjr  geeignet  gur  ©tärfung  be$  ©lau* 
ben$,  unb  nidjtö  $erfa;afft  eine  größere,  solffommenere  greu* 
t>i$ätf  aU  eben  biefe$  ©aframent  2)af>er  fagt  £aulev  abermals : 
„(£jmjtues  ift  unfer  23ruber,  unfergreunb  unb  Mittler  geworben; 
biefe$  aber  war  noä)  nia)t  genug  für  <Bdn  liebreiches  £eq, 
(£r  pat  ©ia)  uns  aua;  $ur  ©peife  gegeben  unb  wirb  einfl  unfer 
£ojm  fepn*  2öie  fönnte  QSrr  uns  aber  £öi(?er  erpeben,  als  bag 
<£x  ©eine  2Bo|mung  in  uns  aufgerichtet  Ijat,  unb  wie  fönnte 
<£r  ©ia;  felbfl  tiefer  erniebrigen,  als  baß  (£r  ©einen  ©efa)ö* 
pfen  gut  ©peife  geworben  ift?" 

2)  £)aS  Zeitige  3D?apl  beS^errn  tft  ferner  ein  gefegne* 
teSunbfräftigeS  Mittel,  uuSmit  J>immlifd;en  ©a* 
ben  unb  geizigen  ©ütern  $u  befeligen  unb  auer* 
füllen*  2Öir  geniegen  in  biefem  ©alrament  waJH'!?ctftig  hm 
jjeil.  Mb  unb  baS  peil*  23lut  <££rt|tt,  was  wo£l  nia)t  opne  gro* 
gen  -iftugen  für  unfere  ©eele  gefdjejjen  fann;  benn  ljier  ijt  ber 
^!ei^,  in  welchem  bk  gütle  ber  ®ottytit  woljnt,  £ier  iftbas  23lut 
beS  ©oljneS  ©otteS,  welches  uns  rein  maa)t  $on  allen  ©ün* 
bem  —  ©a)on  bamalS  als  ber  £err  nod;  in  $?enfd?en*@eftolt 
im  jtübifcfjen  £anbe  umherging,  »erlangte Ma He S  $olf  3Jjn 
anaurüfjren,  weil  eine  ^raft  t>on  3£m  ausging, 
biefieaUepeiKete/'  SaSpabenwir  je$tt>on3£m$uerwar* 
ten,  ba  (£r  uns  naa;  ©einer  <£rj)ö£ung  3ur  9^ea;ten  ©otteS  Bein 
gleifdj  unb  33lut  gum  ©enuffe  barreidjt?  —  2)aburd;  wirb  ber 
gan^e  SWenfa)  erneuert,  erquidt,  geftärft  unb  mit  grtebe  unb 
greube  im  jjeil*  ©eijt  erfüllt  SefuS  gibt  un$  hk  Berjtcperung 


723 


ber  göttlichen  ©nabe,  ber  Vergebung  ber  ©ünben,  ber  Sfocptfer* 
ttgung  unb  ®inbfd)aft  ©otte^  (£r  fprtcft  gu  ber  ©eele: 
„gurrte  bttfjnicpt,  3$  bin  mit  btr;  n>etd^e  ntc^ t, 
benn3tf>  bin b  ein®  Ott,  3$  flärfebtcp,  t$  ^ etfe btr 
au$,3<Mr£a*tekt$kur$btere$te#anb9ftetner 
©ere^ttgfett"  £)af>er  Ummi  e$,  bä#  viele  gläubige 
©eelen  beim  ©enug  be$  £eibeS  unb  33luteS  @fmftt  mit  einer 
unauSfprecpcpen  ©eligfeit  erfüllt  werben,  bag  fte  barüber  aU 
le  Seiben  vergefjen  unb  mit  greubigleit  auerufen:  wir  paben 
3efum  (£fjriftum  urb  soften  SP  tit^t  laffen*  2>a  fliegen  bie 
greubentijrcinen  unb  ein  ©eufter  folgt  auf  ben  anbern ;  51$, 
£err  3efu,  was  fmb  wir,  baf?  £)u  un6  folc^er  %kU  würbtgejH 
2öa£  follen  wir  fagen,  wie  follen  wir  £>ir  biefe  SÖopltljaten 
vergelten  ?  £>u  bift  unfere  greube,  unfer  Xvo%  unfer  Sfteicfjtlmm 
unb  unfere  3uverftc$t.  2)u  bift  unfere  ©tärfe  unb  unfer  Seben, 
in  £)ir  fmben  wir  Hlleg,  wa$  ung  in  3eit  unb  (£wtgfett  beglü* 
den  unb  befeligen  f ann !  — 

Söeiter  gibt  un$  ber  £err  in  ©einem  §tebeSmajrt  neue 
$raft,  neue$  Qifyt  unb  neue£  £eben;  (£r  rüfiet  bie 
glaubigen  @ä(te  mit  neuer  ©tärf  e  am,  bamit  fte  ^>k  21n* 
feeptungen  be6  £eufel$  unb  ber  SQßelt  überwinben  tonnen*  — 
3m  natürlichen  £eben  fcpwcicpen  wir  burd)  Arbeit  unb  £jjätig* 
tat  unfere  Gräfte;  aber  fte  werben  burcp  33rob  unb  anbere 
©peifen  wieber  erfegt*  (£benfo  ift  anfy  ba3  geiftltcpe  2eben  tin 
beftänbiger  ^ampf,  ber  viele  Gräfte  erforbert  imb  vergeprt ;  biefe 
aber  werben  buret)  ba$  SÖort  unb  burd>  i>a$  Siebe&napt  be$ 
£erm  erfegt  ©leiepwie  ber  23aum  beg  £ebeng  in  ber  2lb|u£i 
von  ©ott  mitten  im  tyaTat>k$  gepflanzt  war,  baf?  er  ba$  be* 
jMnbtge  Mfal  b^  ÜRenföen  fe^n  follte,  fo  jtefft  ©icp  3efuS  in 
btefem  ©aframent  ^ur  ©tdrtag  unb  (£rquicfung  ©einer  ©lau* 
bigen  bar»  Deswegen  be^tept  man  auf  biefe  ptmmlifcpe  WlafyU 
$ett  alle  ©teilen  ber  peiligen  ©etyrtft,  in  welchen  von  ber  Zkbe 
unb  greunbli^f eit  ©otte^  bie  9?ebe  ijt;  ^23*:  „©epmeefet 
unb  fepet,  wie  freunblid;  ber£err  ijt  :c.  dx |>at  ein 
©ebäc^tnif  ©etnerSBunber  gejtiftei,  bergnäbtge 
unb  barmperatge  ©Ott  xcJ*  9tomentlicfj  geboren  {riefjer 
auc$  bieSQSorte  be$£eitanbe$  felbjh  „kommet  per  $u  SD.tr, 

46  * 


724 


%IU,  bteiljr  mül)fett9  unb  betaben  feipb,  3(^  tvtU 
tufy  erquicken.  2Ber  3u5ftirfommt,  ben  witl3d?  titelt 
|>irtau$fto#ett*  2öen  ba  bürftet,  ber  f  omme  au  Wlix 
unb  t  r  t  n  !  e,  2ltt3  btefem  @runb  fd;nutcfte  man  fa)on  in 
ben  älteften  Sitten  bte  Slltdre,  wte  kt  einem  greubenmaftf, 
mit  SBtumcn,  unb  günbete  aur  Erinnerung  an  bie  &\\  ber  ©tif* 
tung  ^ic^ter  am  3^od^  fc$t  wirb  frei  ben  £atj>oltfen  baä  gropn* 
teia)namgfeft  mit  Blumen  unb  Sttaten  gefeiert,  unb  felbft  nod) 
in  mannen  proteftantifc^en  $ira)en  brennen  wäjjrenb  be$  J>ei* 
(igen  2lbenbmal)t$  £i$ter  auf  ben  Sittären*  —  £)  3efu,  wie 
tonnen  wir  £>ia)  genug  e^ren  für  biefeS  Unterpfanb  ©einer 
£tebe  unb  mit  weta)en  SBorten  mögen  wir  2)ia)  greifen  für  ba£ 
®ebäa)tnig  ©einer  SBunber,  ba6  £)u  aufy  unter  uns  geftiftet 
jjaft?— 5la),  wir  finb  arm  unb  etenb,  unb  tonnen  £)ir  ma)t$  ge* 
ben  als  ein  fünbtia)e3  £er$ ! 

2$erfa)m<tye  nia)t  bie  fä)leä)te  @a^, 
Ob  fte  fä)on  tf*  geringe, 
2Mett>etf  ic^  ja  nttt)t3  ©effreö  ^ab, 
£)a$  i§  2)ir,  3efu,  bringe. 
3ä)  bringe,  n>a$  ta)  fann, 
21a),  nimm  es  gnäbtg  an! 
(£g  ift  t>o0  ^er^ta)  gut  gemeint 
O  3efu!  meiner  ©eefen  greunb. 

2tnwent>utt<^ 

*ftad)  bern,  wa^  wir  bieder  son  btefem  podjwürbt'gen  Sie* 
be$ma|>i  gebort  jwben,  iffc  e$3JfK<H  bag  wir  baff  etbe  tp  euer 
unb  werthalten,  öftere  unb  mit  peralia)er  5lnbaa)t 
geniegen  foltert, 

1)  (S$  tfi  offenbar  einer  ber  erften  SBoqüge  ber  (griffen, 
ba£  fte  tton  tjjrem  £errn  ntd;t  nur  für  trüber  unb  ©a)weftern 
erftärt,  fonbern  aua)  auf  eine  übernatürlia;e  SBeife  mit  ©einem 
Zeitigen  2eib  unb  Sötut  gefpeifet  unb  fo  in  ber  fetigen  ©erneut* 
fajaft  mitS^nt  befeftigt  werben*  Äatfer  unb  Könige  Regten  *>on 
fejjer  biejienigen,  welche  fte  ef?ren  wollten,  jur  £afel  $u  laben, 
unb  bewirteten  fie  mana;mat  felbjh  SMef?  wirb  »on  ber  2Bett 
für  eine  große  (£fjre  gepalten,  dllein  voa$  ptlft  eö  ^ur  ©etig* 
Uitf  —  3efu$  labet  bie  ©taubigen  mcf>t  nur  an  ©einen  £ifa), 


725 


fonbern  (£r  felbft  wirb  3{>re  <&$äfej  unb  läfjt  fte  au$  <Btinm 
^eiligen  Sunben  trtnfen  311t  23erfta)erung  ©einer  ewigen  @nabe. 
Sag  ift  alfo  ber  ^eia)tljum ,  bie  fxafyt,  dfyxt  unb  ©lüdfelig* 
fett  ber  ganzen  SBSeXt  gegen  bie,  welaje  wir  im  ^eiligen  2lbenb* 
mapl  l^aben?  £>ie  Seit  fann  ben  ©laubigen  nia;t6  £öl)ere3 
geben,  alg  wag  wir  fa)on  beft^en,  unb  fte  fann  i£rer($lücffeltgfeit 
mit  ad'  iprem  Vermögen  nia)t3  beilegen.  3efu^  gibt  ün£  <5ei* 
nen  ^cib  unb  ©ein  23lut  ^ur  SBerftcfjerung  unfereg  £etf$,  wa^ 
wollen  wir  weiter  ?  £>,  wie  wof?l  befmbet  fia)  unfer  £er$  babet, 
wie  getroft  ift  unfere  ©eele;  wie  gering  ift  bagegen  bie  £>err* 
lia)feit  ber  Seit,  'coie  tf>örta)t  erfa)eint  fte  un£,  wenn  fte  fta)  mit 
tprer  (£itelfeit  brüften  will!  —  2)te  irbifa)  ©eftnnten  oerftejjen 
freilia)  biefeS  nia)t;  „wir  aber  |>aben  nid)t  ben  ®  ei  jl 
berSeltempfangen,fonbernben@eiftaug@ott, 
b aß  wir  w tffen  fönnen,  tt>a$  ung  von  ©ott  gegeben 
ift."  £)arum  laffet  un£  ftetg  beweifen,  bag  wir  Triften  finb, 
unb  ba$  wir  oerftepen,  wa$  wir  fmo*  Raffet  un£  aua)  bie  ®e* 
meinfdjaft  mit  (£f>rifto  3*fu,  bie  im  f>eil  2lbenbma£l  fo  £err* 
lia)  beftätigt  wirb,  pö^er  aa)ten,  afe  bie@emeinfd;aft  ber  Seit, 
unb  ben  £of)en  Sertj?  beg  @£rtftenipum3  bei  jeber  (Megenjjeit 
jjoa)  greifen*  2)ie  3«*  wirb  lehren,  wer  ben  beftet  £fjeü 
erwählt  Ijffa 

2)  Raffet  ung  aber  ba$  Jjeilige  2ibenbmaf)l  niajt  blog  mit 
bem  SDhmbe  e£ren,  fonbern  aud?  mit  ber  Xfyat  beweifen,  bag 
wir  e$  für  ben  größten  SSor5ug  beg  Qtpriftentpumg ,  fürbaß 
foftbarfte  £eiligtf?um  ber  $ira)e  unb  für  ba3  t^euerfte  $fanb 
ber  Zkht  3efu  galten.  Wlit  Qcmuty ,  mit  per$It$ev  $uge  unb 
2lnbad;t  wollen  wir  un^barauf  vorbereiten  unb  woi?lbebenfen,  mit 
Sem  wir  es  $u  tfnm  jjaben*  Sir  wollen  bte  Std;tigfeit  biefer 
£>anblung  gehörig  überlegen  urb geigen,  tck  öielunS  an  bem  wür* 
bigen  ©enug  tiefet  Wlafykö  gelegen  fe^  —  £>a£er  warnt  ber 
Slpoftel  $aulug  aufs  naa)brüdlta)fte  oor  ber  ©eringfa)d|ung 
biefer  ^eiligen  £anblung,  wenn  erjagt:  „Selber  unwür* 
big  oon  biefem  23rob  iffet,  ober  oon  bem  $ela)  be$ 
£errntrinfet,  ber  iffet  unb  trtnf  ei  fia)  felbftbag®  e^ 
rta)t,weilernia)tunterfa)eibeiben£etbbeg 
Gerrit/'  Senn  id?  baran  benfe,  mit  wela)er  Ijopen  (££rer- 


726 


bietung  bie  erften  (Eljrtften  btefeS  jjocfjwürbigc  Saframent  be* 
gingen,  fo  fann  ia)  nur  mit  ©d)aam  unb  ©euften  auf  bte  je^tge 
3eü  feiert.  3ene  Geretteten  fia)  mit  gaffen,  25eten  unb  2ßa* 
c$en  barauf  t>orr  unb  bte  yiatyt  x>ot  bem  ©emtffe  karten  fte 
mit  beftänbigem  £ob  ©oiteg  unb  mit  ber  Betrachtung  be$  £o* 
be$  @jmfti  3m  Bit  gelten  alfo  ben  Sag,  an  welchem  fte  ba$ 
3Ibenbma|rt  empfingen,  für  einen  fjoljen  gefttag*  —  2ln  bem  Sftajjfe 
felbft  burften  nur  diejenigen  Speil  nehmen,  Ut  im  Triften* 
ijjum  fä)on  einige  gortftt)ritte  gemacht  patten,  bte  Uebrigen 
mußten  fia)  an$  ber^ira)e  entfernen*  £)ann  ermahnte  ein£)ic* 
ner  i>k  Gtommunifanten  gutn  ©titlfcftweigen  unb  gur  gebühren* 
ben  2lnbaa)t  hierauf  würbe  gebetet,  ber  3tt>ecf  tiefer  ^eiligen 
£anbhmg  sorgeftettt,  enbliä)  fegnete  man  Ut  äußeren,  fta)tba- 
ren  ©nabenmittel  ein,  unb  genoß  t>m  £eifc  unb  ba£  $8iut  be3 
#errn  mit  ^eilebegierigem  ^eqem  —  Sie  aber  leiber  |>eut 
3u  Sage  t>k  Uebungen  in  ber  ©ottfeligfeit  son  $ielen-lau  unb 
gleichgültig  bepanbelt  werben,  fo  fyat  aud;  t>k  (£jj>rfura)t,  t>k 
wir  biefem  ^eiligen  Staple  fa)ulbig  ftnb,  abgenommen,  unb  wir 
fönnen  nur  mit  SBejmuttl)  barauf  lunblicfen*  2)te  tägliche  dx* 
faljrung  $eugt  immer  me£r  batton ,  unb  bte  getnbe  beS  ^reu^eS 
(££rifti  fäumen  nia)t  in  i^ren  ©griffen  ober  auf  anbere  SÖeife 
mit  großer  33ttterfeit  barauf  aufmerffam  3a  maa)en*  £)a£er 
paben  diejenigen,  wefa>n  e$  um  if>r  ©eetenj>etf  ernftft'c^u  tfmn 
tft,  atte  Urfaä)e  ba£tn  3U  ftreben,  ba^  fte  fta)  aua)  in  biefem 
gatt  »on  ber  SSelt  imbeftecft  erhalten  mögen,  —  £)er  5ipofM 
Witt,  ba^  wir  ben  £eib  be£  £errn  *>on  anbern©peifen 
unterfa)eiben,unb  benfelben  nta)t  aus  leerer  @ewofmf>eit 
ober  mit  einem  fta)em,  rud)lofen  «freien,  fonbern  mit  inniger 
Slnbaa;t  empfangen  fotfen.  23ebenfet  alfo,  fo  oft  ifjr  biefe£ 
Wlafyl genießen  xcoUet,  sorSttfem,  wienot^wenbige^fe^, 
^  tyx  eueru  Saufbunb  mit  ©ott  fleißig  erneuert ,  unb  in  ber 
($emeittftt)aft  3efu  G>f?rifii  befidnbig  bleibet,  weil  ijjr  o^ne  bie^ 
felbe  bürren  Zäunten  g(eid;et,  weld;e  feine  gute  grüßte  brin* 
gen  unb  in$  geuer  gehören,  —  Ueberteget,  tmt  fe^r  ber  ©atan 
bemüht  tft ,  ba$  23anb  ber  Bereinigung  ^wifajen  £jmjtug  unb 
eua)  aufeulöfen,  unb  vok  er  feinen  3 wer!  nia)t  immer  burd; 
SBerfüfjrung  ^u  groben ,  in  bie  klugen  fa&enben  ©ünben  $u 


727 


erretten  fu$t,  fonbern  eud>  mtmtfx  burdj  Herne,  gewohnte 
imb  unerfamtte  geiler  aur  Untreue  verleiten  wtü\  2)arum 
tjl  notljwenbig,  tag  wir  immer  wa$en,  beten,  arbeiten, 
in  beßdnbtger  23uße  leben  unb  bte  Mittel,  welche  ©Ott  aur 
©tärfung  be$  ©laubenS  angeordnet  ^at,  fleißig  gebrauten* 
Unter  tiefe  gehört  ^au^tfd^ü^  ba$  2lbenbma£l,  weßwegen  baf* 
felbe  ber  (Efyxift  mit  aller  5lnbad)t  genießt,  fo  oft  er  nur  f amu  — 
„2)er  ©erec^te  wirb  feineö  ©laubeng  (eben/'  fagt 
bie  ©djrift;  wir  fonnen  aber  mit  $e$t  ^ingufe^en :  ber  ©laube 
muß  be$  2Borte£  unb  ber  peiligen  ©aframente  leben ;  benn  unfer 
£era  gleist  einer  £ampe,  in  ber  ba$  £id)t  be$  ©laubenö  brennt, 
welches  t>on  bem  Del  ber  ©nabenmtttel  erhalten  werben  muß. 
9ttitj?in  ftnb  biejenigen  feine  wüvbige  (Mfte  bei  bem  £ifdje  be$ 
$errn,  welche  ©ein  Httaljl  längere  Sät  nifyt  genießen  unb  audj 
nidjt  baran  benfem  ©ie  fommen  nur  aus  @ewoljnf)eit  p  bem* 
felben,  ober  um  SInbern  feinen  Slnffoß  au  geben,  unb  jjaben  fein 
befonbereS  Verlangen  bama$.  ©ie  finben  feinen  eigentlichen 
9tu|en  barin,  ftnb  reidj  unb  fatt,  unb  fi'nben  an  ben  ©ütern 
unb  greuben  ber  2öelt  fo  x>kl  Vergnügen,  baß  fie  biefeS  Wläpt 
letdjt  entbehren  fonnen,  —  3e  mejjr  biefer  ^altfmn  M  ben  Je* 
#igen  Triften  um  ftcf?  greift,  befto  me£r  !?at  ftdj  ber  ©otte&* 
fitrd)tige  au  Ritten,  ba^  er  nidjt  aud;  bason  angefieeft  werbe* 
2)ai)er  wirb  ber  wa£re  (£|>riß:  ben  ©enuß  beS  2lbenbmaljlg  nie 
lange  auffdjiebem— £>ie  erpen  dfyxiften  genoffen  baffelbe  eine  Sät 
lang  alle  £age,  nad^er  alle  2Bo$en,  befonberS  ba  fte  burdj 
Verfolgungen  gedngftigt  würben  unb  ben  £ob  tdglidj  x>ov  klugen 
fajjem  2öeil  man  aber  in  unfern  £agen  bm  ©enuß  beffelben 
fo  lange  ^erfd)iebt,  fo  fann  man  barauS  fließen,  baß  ber 
(Eifer  im  (£{mjlentJmm  fej?r  nadjgelaffen  pabe*  (£$  ift  gerabe 
tok  mit  alten  beulen,  hü  benen  ftdj  ber  %wtüt  aum  (£f[en  all* 
md^lig  verliert,  —  m$  ij>ren  najjen  £ob  bebeutet  —  3$ 
fann  nifyt  begreifen,  warum  wir  un£  fo  lange  befmnen,  ob  wir 
ba$  Wlafyi,  weites  3efue  au$  fo  großer  %kU  geftiftet  unb  m 
welkem  (£r  uns  ein  fo  frdftigeg  Wlitut  aur  ©tärfung  be$ 
©laubenS  gegeben  fyat,  benügen  f  ollen*  (Ebenfo  rät£fel£aft  ifl 
eämir,  warum  ffianfyt  nod)  lange  fragen,  ob  wir  baffelbe 
au$  bebürfen?  ©inb  wir  benn  weifer  als  ber  £err,  »evjiejfett 


728 


nur  beffer,  m$  un$  petffam  ift,  als  (Er,  ober  »erachten  wir 
ben  9?eia)u)um  ©einer  ©nabe  unb  @üre?  —  Raffet  eg  bei  euä), 
meine  3u£örer,  nia)t  aXfo  fe*m  unb  fa)ä£et  bie  £tefce  beg  £errn 
3efu  nia)t  gering,  bannt  (£r  niä)t  Ilagen  muffe:  „bajü  (£r  uns 
fo  feljr  Hebe  unb  boa)  wenig  geliebt  werbe*"  (£tfet 
mit  greube  unb  Verlangen  $u  Seinem  £tfä)e,  fo  werbet  ü)r 
Seiner  Jn'er  ^eitlia)  unb  bort  ewtglicf)  ^ur  ©eligfett  genießen,  — 
^Sollet  i£r  würbige  ©äjte  bei  bem  £ifa)e  bes  £erot  fepn,  fo 
benlet  ferner  aua)  an  bie  SÄajejlät  be£  $errn  3efu,  be$  ©ol?ne$ 
©otteS,  unb  vergleichet  bamtt  eure  ^ctebrigfeit  unb  Unwürbig* 
feit*  £)ieß  wirb  eua)  vor  ©ia)erjjeit  unb  Unbußferttgfeit  be* 
wahren  unb  eua)  £ur  23uj?e,  §ur  Demuu)  unb  gur  2lnbaa)t 
ermuntern*  2)er  liebreiche  £eilanb  nimmt  $war  bk  ©ünber 
an  unb  verbeißt  ben  SOcuj?  feiigen  unb  23elabenen  Grrquicfung, 
ben  traurigen  groft,  ben  hungrigen  ©peife,  ben  dürftigen 
£ranf;  aber  dx  pat  aua)  über  bk  unbußfertigen,  fiebern  23er* 
achter  unb  #eua)ler  vielfaa)  ba$  SOßejje  aufgerufen*  (£r  fteljt 
$war  gerne,  ba$  „©eine  Stifte  unb  ©ein£au$  voll 
werben,  (ix  geltet  aber  aua)  Innern,  bie  ©äfte  $u  beteljen  unb 
lägt  bem,  ber  „fein  £oa)$eitli$  ®leib  an  £at,  »&dnbe 
unb  güge  binben,  unb  ij?n  in  bie  äußerfte  ginfter* 
nig  hinaufwerfen,  ba  beulen  unb  3ä$nftap$tn 
fe^n  wirb/'  — Unb  fo  fagt  aua)  ber  Hpoftel:  „233e(ä)er 
unwürbig  iffet  unb  trinket,  ber  iffet  unb  trinfet 
t£m  felber  ba$  ©eria)t*"  —  &  ift  auf allenb,  baß  e$  hä 
bem  fetten  £ta)te  be£  (Evangeliums  $u  unferer  3eit  fogar  viele 
fmftere  unb  verjtocfte  £er$en  gibt;  aUtin  wenn  man  bk  ©aa)e 
genau  betrachtet,  fo  wirb  man  ftnben,  ba$  biefer  Unglaube 
größtenteils  baljer  fomme,  ba$  bie  Reiften  ojme  bk  gehörige 
Vorbereitung  ^um  Ij  eiligen  2lbenbmaf)l  geljen*   ©ie  prüfen  fia) 
nia)t,  verfyrea)en  frömmer  5U  werben  unb  tjn?  £eben  $u  bejfern, 
aber  ü)r  £er*  weiß  nichts  bavou*  ©te  gebrauchen  biefeS  tylapt 
3um  £>ecfmantel  berS3o3jmt,  unb  fc£en  cö  al$  ein  Mittel  anr 
ba$  i^nen  fpäter  gut  ^u  (Statten  remmen  werbe,  einftweilen, 
unb  fo  lange  fte  gefunb  fei;en,  wollen  fte  fortfahren  in  i£ren 
gewohnten  ©ünben,  fta)  felbft  leben  unb  mä)t£)em,  ber  für  fte 
geworben  unb  auferfianben  ift.  —  £)abura)  werben  nun  t^re 


729 


fersen  tmmermeljr  tterfmftert,  unb  t>a$,  m$  tfmen  $ur  6e% 
fett  gegeben  tft,  gereift  ijmen  burc^  eigene  ©cfyulb  ^ur  SSer^ 
bammniß*  —  £5arum,  if)r  £eilgbegierigen,  nähert  eua)  bem 
^eiligen  Slltare  in  iieffter  2)emut£  unb  prüfet  $uoor  genau  bett 
3ufknb  eureg  ^er^enä*  £)er  £err  labet  jwar  alle  9ttenfa)en 
mit  großer  ^iebe  unb  greunblic^ett  ^u  ©iü)  ein;  aber  im  ©e* 
füljle  unferer  ^idjtigfeit  muffen  wir  boa)  mit  einem  bemüt|rigett 
unb  bußfertigen  #er$en  $u  S^tn  fommem  2lbral)am  wirb 
ein  grcunb  ©otte£  genannt;  adein  er  ftel  sor  3£m  auf  Sern 
2lngejta)t  unb  fagte:  „51a)  fie£e,  ta)  ^ abe  mid;  unter* 
w un benm it  bem £errn$ur eben,  wie  woj)Ua)(£rbe 
unb  2ifa)e  bin/'  Unb  ber  Hauptmann  au  ®apernaum,  bem 
3efug  fo  liebreich  entgegenkam,  fagte:  „£err,ta)binnta)t 
wertl),  baß  £>u  unter  mein  £)aa)  ge^eft,  fonbern 
fpri$  nur  ein  Sßort,  fo  wirb'  mein  ®ned)t  ge* 
funb,"  —  SQßenn  alfo  autfy  ber  £eilaub  un6  guruft:  ,,3a) 
will  gu  bir  fommen  unb  beine  (Seele  gefunb  madjen;  3$  will 
bia)  mit  deinem  £etb  unb  23fut  fpeifen  unb  tränfen,  fo  wollen 
wir  3!w  antworten:  2la),  mein  £>err  3efu!  wer  bin  ta),  baß 
2)u  bia)  meiner  fo  annimmt  unb  baß  2)u  mid?  fo  J>o$  aa)teft? 
3a)  armer  ©ünber  hin  ja  fola)er  großen  ©nabe  unb  &fyxt  nia)t 
Wertjj;  ta)  fann  mia)  auct?  nia)t  barein  ftnben,  £)eine  Siebe  ift 
gu  groß  unb  £)eine  ©üte  ift  unoergleicpa).  2öa3  fofl  ify  2)tr 
geben,  o  3efu,  unb  n>k  fotl  ta)  2)ir  begegnen?  3a)  j^abe  nia)t$ 
al£  ein  fünblid)e3,  elenbe3  #er$;  gefaßt  e£  £)tr,  fo  nimm  e£ 
Inn,  id)  übergebe  e£  2)tr  auf  ewig»  Wd)  fc^recft  ^war  Seine 
Sftajeficit  unb  meine  Unwürbigfeit;  aber  mia)  locft  X)äne  ©nabe 
unb  meine  ©ürftigfeit*  $£eicf>  unb  arm  muß  betfammen  fe^n, 
ber  Slr$t  unb  bk  $ranfen,  ber  Mittler  unt>  bie  ©ünbcr,  bk 
©peife  unb  bie  hungrigen.  6o  fomme  ia)  benn,  o  £err,  aber 
nia)t  in  meiner  2$ürbigfetf,  fonbern  in  deiner  ©ercd;ttgfeit 
3el)  bin  nia)t3,  t$  $ahe  nia)t$,  unb  weiß  nia)t3;  2)tt  bif*  mir 
2i(le3,  unb  teilte  große  5ttenfa)enliebe  ift  mein  i?örf)fter  £rojh 
SKacbc  £)u  mid)  würbtg,  £err  3efa,  fo  bin  i$  Würbig,  beilige, 
reinige  unb  fegne  mia),  fo  bin  ia)  geheiligt,  gereinigt  unb  ge* 
fegnet  £)u  fwft  einen  utt$ergleia)lia)en  ©$ä§  in  miefj  gelegt, 
ia)  bezeuge  aber  oor  (£ngel  unb  3ttenfd)en,  laß  id>  ein  unreine^ 


730 


®efäg  unb  btefer  ©nabe  ni<$t  wertlj  Mn.  Do$  t^ue  t$  bieg 
in  ber  2lbjtcr)t,  bannt  ©eine  ©üte  befto  meljr  gepriefen  werbe, 
weif  Du  aufy  bte  ßrfenben  unb  Ernten  ni$t  t>erad)teft  :c* 

IL  gerner  motten  wir  fepen,  welker  £roft  in  ber  £e|jre 
unb  in  bem  würbigen  ©enug  be$  peittgen  2lbenbma£te  enthalten 
fe^*  —  3efu^  CtijriftuS,  ber  ©tifter  be£  jjeifigen  Slbenbmaptö, 
tjt  unfer  greunb,  unf er  23ruber,  unfer  <£rföferf  $on  3£m  f annnur 
@ute$fommen*  (£r  fam  inbie"2öelt,  umbie@ünberfeftg$uma* 
djen,  unb  £at  bieSelt  tterf  äffen  mit  bem$orfa$,  eö  immer  gu  tputt, 
(Er  forgt  atfo  allezeit  für  un$,  unb  Uweiüt  bieg  befonberö  in  bem 
peil*  Slbenbmajjf,  in  welkem  (Er  ©i^fefbft  unb  ©eine  gan^e&ebe 
uns  fdjenft*  (Er  tt>iftbie  ©emeinfcfjaft,  welche  tt)ir im  ®fauben 
mit  3Dmf>aben,  babur,dj  beftätigen,  will  unfern ©fauben ftärfen 
unb   iefejtigen,  unb  unfer  £er$  mit  griebe  unb  greube  im 

fieifigen  ©eifi  erfüllen* 2Benn  tyx  alfo  $um  ^eiligen 

Slltar  Eintretet  unb  bte  SBorte  £öret:  „Unfer^errSefus 
(EjjrifiuSittber  9ta$tje*",  fo  bebenfet,  1)  bag  i£r  e$  mit 
3efu,  eurem  treueften  greunb  im  Fimmel  unb  auf  (Erben  au 
i£mi  Ijabt,  ber  Seinen  2eib  für  mfy  in  btn  £bb  gegeben  unb 
©ein  23fut  für  eu$  ^ergoffen  ])at*  ©pre^et  mit  greubigf eit: 
#err  3efu,  iä)  ©ünber  fomme  $u  Dir,  meinem  @eu'gmacf>er 
unb  erwarte  *>on  Dir  $We$,  wa$  man  *>on  einem  folgen  $eU 
lanb  erwarten  barf,  -—  Vergebung  ber  ©ünben,  £rojt,  griebe, 
greube,  2eben  unb  ©efigfeit*  3$  bin  arm  unb  fomme  $u  Dir, 
tag  i$  rei$  werbe;  ify  $in  franf  unb  fomme  $u  Dir  meinem 
Strgt,  bag  id)  gefunb  werbe;  ify  bin  hungrig  unb  burfKg,  Zn 
Itft  bag  33rob  beg  £eben3  unb  btetHtetle  be3  lebenbigen  2Baffer$, 
td>  fomme,  i>a$  iä)  fatt  werbe*  3^>  fomme  aU  ein  ©$wad()er, 
bag  td)  »Ott  Dir  £vaft  empfange  gegen  meine  geinbe  $u  fämpfen ; 
ify  bringe  aber  nicf;t3  mit,  aU  tin  leeret  ^er^,  benn  icf>  weig, 
bag.tdj  tu  Dir  bte  gülle  ber  ®nabe  $aH.         \ 

2)  -55ebenf  et,  bag  in  biefem  (Baframent  bie  Bereinigung  unb 
(^emcmf^aftmit^^riftounferem^rlöfer,  betätigt  wirb*  2Ba$ 
fann  iröftltd;er  fepn,  aU  bag©id)  ber£errwaif>rJ?afttg  unb  wirf* 
ii$mitun$t>erbinbet,  fo  bag  wir  in  Söa^eit  fagenfonnen:  tyxU 
jui^iftunfere  traft,  (50rifiuölebtinunaunbwirin3Jm*  SBelc^e 
greube  fyaüc  &mbf  als  fM;  3onat£an  fo  mit  ifmt  serbanb, 


731 


bafü  er  tjm  fo  liebgewann,  wie  feine  ©eele;  unb  wte  oftjatle 
er  biefe  greunbfa)aft  $u  gemegen !  SQSte  viel  meljr  follte  eS  unS 
greube  machen  unb  £roß  unb  $raft  wiegen,  weil  fta)  3efuS 
ma)t  MoS  mit  uns  verbunben  l^at  unb  uns  |)er$lta)  liebt,  fonbern 
uns  aua)  mit  ©einem  ?eik  fpeifet  unb  mit  ©einem  IBXute  tränftl 
2öaS  vermag  ber  ©atan  wiber  einen  $?enfa)ett,  ber  eine  fola)e 
fräftige  Slr^nei  genoffen  Ijat?  2Bas  will  bie  ©ünbc  gegen  Den* 
Wenigen  ausrichten,  bev  mit  ber  @erea)ttgfeit  (£jmjtt  befleibet 
t(l?  2öela)e  ©ewalt  jjat  ber  £ob  über  diejenige,  welche  baS 
£eben  im  -freien  paben?  SSarum  sollten  wir  uns  fürchten, 
zweifeln  unb  sagen,  ba  (IjmßuS  unfer  ©d)trm  unb  ©a)ilb  iß?  — 
SQSir  fjaben  nta)t  nötljtg  $u  wünfa)en,  toie  ber  fromme  $aifer 
#einria)  Iv  bag  unfere  ©eele  in  bem  ?eibe  eines  ^eiligen  SDc'ona)^ 
wolmen  möchte*  ©Ott  fep  Danf,  wir  wijfen  eS  beffer,  wir 
£aben  eine  jjöpere  unb  bejfere  Bereinigung,  wir  fütb  in  (grifft 
unb  djmfhiS  iß  in  uns*  SBarum  wollten  wir  nia)t  aufrieben 
unb  frdj>tic^>  fe^n  ?  SSarum  fagen  wir  nia)t,  wenn  wir  bieg  gött* 
lia)e  $fanb  ber  ©eligfeit  empfangen  fjaben;  5D?etn  £err  3efu, 
Du  Iwft  mta)  Jjoä)  erfreut,  Du  fjaß  mta)  fräftig  getrottet!  3$ 
pabe  ma)t  ©olb  ober  ©über,  ma)t  $fanb  unb  IBrief  ^ur  58er* 
fta)erung  meiner  ©eligfeit,  fonbern  Dia)  felbfi  3a)  jjalteDia), 
unb  Witt  Diu)  niä)t  lajfen*  —  2Bir  fmb  (£üt$,  0  £>err;  wie 
fönnte  ta)  alfo  verlorengehen,  wie  femnte  Dein  f>immlifa)er 
Söater  mir  ungndbig  fe^n,  mt  fönnteßDu  mein  vergejfen?  3ä) 
bin  ein  ©lieb  an  Deinem  £etb,  beg  tröß1  ta)  mia)  von  £er$en, 
von  Dir  ia)  ungefa)ieben  bleib  in  £obeSnotj?  unb  ©a)mer* 

gen ! 

3)  2BaS  wir  biSjjer  von  ber  ^edjtfertigung,  von  ber  ©ün* 
benvergebimg ,  von  ber  SSaterliebe  ©otteS,  von  unfern*  Ber* 
etntgung  mit  (Sjjrifto  unb  t>tm  3^ugniffe  beS  ^eiligen  ©eißeS 
gehört  ^aben,  baS  wirb  uns  in  biefem  £icbeSmal?le  betätigt 
güra)tct  eua)  alfo  nia)t  vor  bem  ©atan;  benn  er  fann  eua) 
nichts  anpaben,  er  wetg  woljl,  welchen  ©a)ut$errn  iljr  fyaht, 
wa$  eure  ©eufter  unb  eure  grauen  vermögen*  (£r  famt  eua) 
nia)t  fa)aben  um  Deffenwitteu,  ber  eua)  geliebet,  ©ia)  felbß  für 
eua)  gegeben  unb  ©ia)  mit  eua)  vereinigt  f?at  —  Denfet  an  bie 
©ünberin,  wela)e  $u  ben  gügen  3efu  lag;  an  bie  3#ttner,  bie 


732 


mit  3efu  fyetfeten,  an  ben  Uebeltfiäter,  ber  mit  3^m  gefreu^tgt 
würbe»  3£a6  fonnte  ben  Satan  meijr  entrüften,  aU  bag  t£m 
bie  Seelen,  bte  er  fo  lange  in  feiner  ©ewalt  fyatte,  fo  mwer* 
£offt  entriffen  würben?  2lber  er  war  nidjt  im  ©tanbe,  bte 
©ünbertn  x>on  ben  gügen  beS  £errn  wegauftogen;  bte  S^ner 
son  3efu  $u  entfernen,  no$  ba3  ®efyräc|>  be$  ©$äc[)er$  am 
£reuj  ^u  serfjinbern,  ober  t£m  bie  tterfproctyene  ©eügfeit  31t 
rauben*  Durren  fonnte  er  wojrt;  aber  er  mugte  ber  ©nabe 
unb  25arm|>eqigfeit  be$  $errn  ijjren  £auf  (äffen*  —  ©0  tji  e$ 
nod)  ie$L  &  fc^mergt  ben  Satan,  wenn  er  fe£en  mug,  ba$ 
Sit  ©ünber,  mtfye  er  fo  fange  verleitet,  wblenbet  unb  *>on 
(&dtt  ahwenbia,  gemalt  parte,  gläubig  unb  bußfertig  unb  mit 
frommen  $orfä£en  ^um  gifcfje  be3  £errn  gepen;  ba%  fte  nidjt 
aUein  mit  3j)nt  effcn  unb  trinfen,  fonbern  bag  Qrr  felbfl  t^re 
©peife  unb  £ranf  wirb,  ba$  fi'e  be£  £etfanbe$  ©nabe  fud;en 
unb  xeifytia)  fmben.  —  2Ba£  toiü  er  aber  machen ;  fann  er  uns 
wicber  au£  ben  Firmen  3efu  reifen,  ober  unfere  ©emeinfcfyaft 
mit  3j?m  trennen?  Mittag  er  un£  auä)  ängften  wollen,  wir 
achten  eg  nid;t,  fonbern  ftnb  fröplidj  in  3efu  Gtyrijto,  unferem 
£>erw*  Sttag  er  ung  unfere  ©ünben  vorwerfen,  fo  faffet  un$ 
getroft  fagen:  i$  toei$  *>on  leiner  ©ünbe,  $on  bem  $mn  3efu 
toeify  i$  wopf,  ber  mtdj  geliebt  unb  Sic!)  felbft  für  miö)  gegeben 
$at  SSttt  er  un$  mit  ber  ©röge  unb  Stenge  ber  ©ünben 
fd;recfen,  fo  f äffet  unß  fpredjen:  i$  fenne  nichts  ©roge$,  aU 
bte  unaussprechliche  ©nabe  ©otte£,  bie  £icbe  3efu  @£rijti,  unb 
bte  ©üte  be3  fjeiliaen  ©etfleS.  SQSitt  er  uns  bange  machen, 
afö  ob  es^  nid;t  möglich  fcp,  bag  ©Ott  e3  fyexßi)  mit  bem  $cen* 
fd;en  meinen  fönne,  ber  3$n  fo  oft  unb  fo  lange  beleitugt  fyabt, 
fo  wollen  wir  t£m  antworten:  wir  fjaben  bte  SBerljjeigmtgen 
beö  Spexxn,  gemegcn  täglich  ©eine  2Bo£U£aten  unb  ©eine  unenb* 
tifye  £tebe  seigt  ftcfc  im  ^eiligen  2lbenbma£l;  baran  genüget 
ltn^  __  £äU  un£  ber  Satan  unfere  Unwürbigfeit  »or,  unb 
fprtdjt:  meinft  bu  wofjl,  bu  fe^eft  bu  ©ott  fo  fe£r  in  ©naben, 
bag  i>n  atfo  pod;en  barfft  ?  3d)  will  r>on  bem  Vergangenen 
nutog  fagen,  benfe  nur  an  beuten  feigen  3«f^anb,  unb  fiepe, 
wie  x>tele  Bünden  bu  nod)  täglich  begebt,  wie  faltftnnig  bu 
hi\i,  wie  wenig  bu  ©Ott  liebft,  wie  unbanfbar  t>\i  btd;  gegen 


733 


3jm  &eaei#,  unb  twte  gering  bie  SSercinberitttg  tft  weta)e  bur$ 
bie  ©emeinfd)aftmit  (S'pripo  bt^^er  an  btr  bewirft  würbe*  £)ann 
Kaffet  un$  tym  antworten:  eben  barum  l)at  nnsS  3efuS  tn  ©eine 
®emeinfa)aft  aufgenommen,  ba$  dx  allen  Mangel  naa)  beut 
Sfteidjtfmm  ©einer  ©üte  erfe^en  will;  Sitten  roa^  un$  fej)lt,  baö 
nehmen  wir  an$  ©einer  gülle*  (B  ift  un3  *>on  ^er^en  leib, 
baß  wir  manchmal  noa)  ftraudjeln;  aber  wir  wiffen,  baß  unfere 
©iinben  ^on  ber  @erea)tigfeit 3efc getilgt  werben*  Unfer  ©laube 
tfl  ^war  noa)  unt)  ollfonimen  unb  unsere  %kU  mfyl  fo  innig,  afö 
jte  fe^n  follte;  aber  wir  traa)tenbura)  ©otteS  ©nabe  iäglia) 
weiter  gu  fommem  2Bir  finb  $war  noa)  tinber  im  (£fmftentl?um ; 
aber  wir  wad;fen  mit  @otte3  £ülfe  unb  fua)en  3efum  Gtyrijhmt 
immer  mejjr  ^u  ergreifen,  gleia)wie  wir  aua)  tton  3£m  ergriffen 
fi'nb*  3**bem  wijfen  wir,  baß  wir  e$  mit  einem  gnäbiaen  ©Ott 
unb  SBater  unb  mit  einem  liebreia)en  (£rlofer  |u  tfyun  fjaben, 
ber  unfere  ©a)waa)l?cit  fotnt,  aber  begwegen  ©eine  $kU  nidjt 
*>on  ung  wenbet,  fonbern  un$  nur  um  fo  forgfctlttger  pflegt 
unb  wartet  —  £ält  un3  enblia)  ber  <Batan  bie  Reiben  biefer 
3ett  x>ov,  erinnert  er  an  ba6  (Henb  unb  bie  23eraa)tung  vieler 
G^rißen,  fo  antworten  wir  ifmt:  wir  ftnb  niä)t  arm;  bemt 
3efu6  iß  unfer,  —  wir  leiben  leinen  Mangel;  benn  dx  pat 
ung  änm  £ifä)  bereitet  gegen  unfere  geinbe  :u  2Bir  ftnb  nia)t 
elenb  unb  x>eraa)tet ;  benn  unfer  9*ame  ijl  im  $immel  ange* 
fd;rieben  unb  unfere  ©eele  mit  bem  ©opne  be$  £oa)ften  $er* 
einigt  28ir  aa)ien  feine  SBiberwärtfgfett,  weil  wir  3efum  pm 
greunbe  l?aben,  un£  fa)retft  feine  £rübfal,  weil  ber  göttliche 
£roft  ung  erquicft  23eleibigt  un3  bie  Söelt,  ber  £err  fantt 
un$  ttertjjeibigen,  ftreitet  fte  gegen  un$,  (£r  wirb  um3  fa)üisem — 
3öer  will  uns  alfo  Reiben  son  ber  £tebe  ©otteS  unb  *>on  ber 
©emeinfa)aft  unfereö  £eilanbe£  3efu  dpxifti  ?  2)ie  £anb  if* 
$u  jlarf,  bie  uns  jalt  unb  ber  gel$  $ü  fefi,  barauf  wir  gegrünbet 
finb*  SQSir  finb  gewig,  ba$  weber  £ob  noa)  Seben, 
Weber  (£ngelnoa)  gürftentljum,  noa)  ©ewaft,  we* 
ber  ©egenwärtigeg  noa)  3ufunftige$,  Weber 
£o£e0  noa)  £iefe£,  noa)  feine  anbere  Kreatur un$ 
fa)eiben  mag  $on  ber  £iebe  ©otte$,  bie  in  C^prtfio 
3efu  ift  unferem  £errn!  — £>enmaa)  tfl  affo  ba^  ^eilige 


734 


Ubenbmafrt  ein  pimmtifa>6  greubenmaftf  auf  (£rben ;  gebe  ©Ott, 
fcag  wir  2lfle  Heg  in  ber  ££at  empftnben,  unb  t>te  ©ügigfeit 
fa)mecfen,  bt'e  Grr  in  biefem  ©ejjeimnig  Seiner  Ziehe  verborgen 

mi- 
ni. 92oa;  t$  übrig,  bag  wtrauäj  baraufaufmerff  am  machen, 
t>ag  uns  bal  peifige  Abenbmaljf  ^ur  Aufmunterung  in  ber  ©Ott* 
fefigfeitbienen  fann.— 2)tefe$  ©aframent  gibt  neml'ia)  traft  unb 
^iebe,  ©eifl:  unb  Sebem  2)enn  bö£  ^erj  3efu  @fjrifti,  baö  @r 
un$  in  biefem  Sttajjle  fa)enfet,  ifi  x>oü  göttlicher,  unbegreiflicher 
Ziehe,  €>cin  ^eiliger  Zeih  t#  ba$  SBrob  be£  SebenS,  sott  Ijimm* 
ftfa)er  traft  unb  ©ein  peiligeS  SBM  unb  ©ein  ©eiji  ftnb  heu 
fammen*  $ßenn  nun  etnft  ba$  33rob  unb  ba£  SBaffer,  wefdjeS 
ein  @nget  bem  (£liaS  brachte,  fo  groge  traft  geben  fonnte, 
wa$  wirb  ber  jjeifige  Zeih  unb  $>a$  SBlut  be$  £errn  au  tj?un  im 
©tanbe  fe^n?  ©aper  fagte  ein  frommer  Wlannx  „©ort  erweeft, 
sermefjrt  unb  (Mrft  ben  ©tauben  in  un£  nia;t  Mos  babura), 
tag  ®x  un$  in  biefem  ©aframent  dfmftum  mit  ©einem  Zeih 
unb  33Iut  ciugerfitt)  barftettt,  fonbern  aua;  babura;,  bag  (Ex 
innerlitt)  fräfttg  in  un$  wirft,  wenn  man  biefer  göttlichen  2Bir* 
fung  nia)t  bur$  Unbugfertigfeit,  Unglauben  unb  £eu$efet 
pinberfiep  tjh"  —  SDte  Otfmften  fjaben  alfo  feine  Urfaaje,  ftdj  über 
©Ott  $u  beffagen,  baß  (ix  jte  in  bem  Jjarten  Kampfe  mit  bem 
©atan,  ber  2öelt  unb  bem  eigenen  gfeifa)  unb  23fut  ojjne  £ülfe 
gefaffen  fyahe.  SefuS  felbß  ifi  Ja  unfere  ©tarfe  unb  £itffe* 
„SÖStr  vermögen  2lUeS  burd)  2)en,  ber  un3  mächtig 
in  a  d)  t ,  (S  ij  r  tfiu^*"  SD^it  ©einer  §üffe  fönnen  wir  gottfefig 
leben,  bie  3Serfua)ungen  be$  ©atan$  überwinben,  bie  £ocfungen 
ber  Sßeft  verachten,  unb  unfer  gletfc$  freudigen  fammt  ben 
ßüften  unb  23egierbem  ©uro)  (£fjre  unb  ©d;anbe,  in  greube 
unb  Zeib,  in  ©emutfj  unb  ©anftmutjj,  in  ^eufa)peit  unb  Sfflfe 
gigfett,  in  ungefärbter  Ziehe,  in  beftdnbiger  ©ebulb  unb  £off* 
mtng ,  in  SSerfd;mä|>ung  ber  titelt eit  unb  mit  fejjnlidjem  2kr* 
langen  naa)  bem  £immel  fönnen  wir  uns  allezeit  aU  Wiener 
@otte$  unb  9taa)fofger  3efu  geigen,  —  aber  atteS  bieg  bura) 
fcte  traft  unfereö  (MöferS,  beffen  ©lieber  wir  jtnb,  ber  un$ 
mit  ©einem  ©eijtbefeeft,  bura;  ©eine  traft  erhält  unb  mit 
©einem  ^eiligen  Mb  unb  ®lut  fpeifet  unb  tränft*  —  3$  rebe 


735 


#ter  nidjt  wn  $ollfommen|j  eit,  weldje  bem  ewtgen  £eben  vor* 
behalten  i%  fonbern  von  bem  Anfang  etne^  wal?r|?aft  gotifeliaen 
£eben£,  weld)e$  QTjmftue,  ber  unfere  ©erea)tigfeit  vor  ©Ott 
ifi,  in  un$  wirft  Unb  von  biefer  ©eite  betrachtet,  ^abcn  bk 
(griffen  gewiß  feine  (£ntfd)ulDigung ,  wenn  fte  bie  Uebung  in 
ber  ©ottfeligfett  entweber  letc^tjtnnig  verfäumen,  ober  unter 
bem  SSorwanb,  aU  fepe  biefelbe  au  fo)wer,  gana  aus  ben  klugen 
fe&en*  ©Ott  ^at  nid;t  adein  ewjHidj  befohlen,  baß  wir  heilig 
unb  unfiräflia)  leben  fotlen,  fonbern  Qcr  jjat  un£  aua)  burdj 
Gtyrtftom,  ©einen  ©opn  unb  burdj  bie  ©nabe  ©eine$  ©eifieS 
i>k  Gräfte  baau  verliefen* — TOPrauc^et  alfo  baö  jmlige  2Ibenb* 
majrt  nia)t  aur  £rägf>  eit  unb  © orgloftgf dt  in  eurem  d^rtfxen^ 
$um,  fonbern  genießet  e$,  um  in  bemfelben  (£rquicfung  unb 
©tärfung  gu  ftnben,  ben  $ampf  mit  bem  ©atan,  ber  Seit  unb 
eurem  gleifa)  unb  SBlut  mit  neuem  @ifer  unb  neuer  $rafi  au 
beße^en,  einen  ©teg  nao)  bem  anbern  au  erhalten  unb  eurem 
©Ott  treu  au  UäUn  f>i$  ans  (ümbe!  —  23ebenfet  wopl, 
bafHpr,  fo  oft  t^r  aum  Ijeiligen  2lbeubma£l  geljet,  öffentlich 
bef  erntet,  oaß  t£r  £!mßo  angehöret,  unb  ha$  tyx  in  (£l?rifto 
fepn  unb  bleiben  wollet  „SBeldje  aber  (Sljrtjlo  ange* 
Jjoren,  bie  freudigen  ipx  gleifd?  fammt  cen  £üßen 
unb  Söegierben,  unb  weldje  in  dljrtßo  Sefu  finb, 
bie  leben  nifyt  nad)  bem  gleifcf;,  fonbern  nadj  bem 
©etjh"  —  3n  biefem  %Jla$i  wirb  unfer  &aufbunb  erneuert 
unb  beftätigt.  allein  \i>k  wir  un3  QtfjriftuS  unb  <Bän  Skrbtenfi 
aum  Xxofi  unferer  ©eele  aneignen,  fo  verpflichten  wir  un$  aua), 
3J)m  treu  au  fe#n,  3fm  befMnbtg  au  lieben  unb  ©einem  $or* 
bilb  nachfolgen*  —  3m  Slbenbma^l  wirb  un3  ferner  bk  2kr* 
gebung  ber  ©ünben  unb  ba3  ewige  £eben  angeführt;  aber  biefe 
Vergebung  bürfen  wir  ntcft  mißbrauchen  unb  bk  Hoffnung  be$ 
ewigen  £eben$  nia;t  aur  greif?eit  be$  fünbli^en  gleifd)e£  an* 
weriben*  2Me  ©nabe  wirb  uns  »erzeigen,  „baß  wir  ©Ott 
btenen  follen  o£ne  %uxfyt  unfer  £ebenlang  ixt 
£etltgfeit  unb  ©erea)tigf tit,  bie  3?ut  gefällig 
i%"  —  2)te  ©ünbe  wirb  un£  vergeben,  „baß  wir  ©Ott 
fürchten  unb  3£ubefto  me^r  lieben  follen/'  —  SaS 
ewige  £eben  xoixb  \m$  nifyt  baau  verbeißen,  baß  wir  m$  rujn'g 


736 


inebertegen,  ober  unfern  £üßen  na^wanbetn,  fonbern  um  fo 
freubiger  ben  föamtf  be6  ©laubenö  fämpfen  fetten»  9to  gott* 
lofe,  tterjbtfie  üftenfepen  fönnen  bte  ©nabemniitel,  welche  ©Ott 
©einen  IHnbern  pm  £ro$  unb  $ur  SBerftcperungiprer  ©ettgfeit 
gegeben  pect,  aU  SSorwanb  gebrauepen,  um  bejb  forgtofer  unb 
fixerer  su  fünbigen.  Der  wapre  dprift  aber  fu$t  in  btefem 
3D?apte  neue  $raft  unb  neue  £ülfe  $u  einem  pettigen  unb  ©Ott 
woplgefälltgen  £ebem  —  2öir  feptiegen  mitbem  ©ebete:  £>err 
3efu,  Dein  Eiliger  £ei6  unb  33fut  peilige,  fegne  unb  ftdrfe 
unfern  ^eib  unb  unfere  Seele  unb  behüte  uns  oor  allen  ©ünben! 
bleibe  bei  un3,  bamit  wir  bei  Dir  bleiben,  lebe  in  un$,  bag 
wir  in  Dir  (eben,  Entferne  au$  unferem  £eqen  alle  Untugenb, 
unb  madje  e3  allein  ju  deiner  SÖopnung*  ©djmütfe  unfere 
©eele  mit  pimmlifspem  ©dpmmf,  mit  ftorfem  ©tauben,  mit 
inniger  Siebe,  mit  unerfcpütterlitt)er  Hoffnung,  mit  ebler  De* 
mutp,  mit  peiliger  ©ebulb,  mit  waprer  ©anftmutp,  mit  brün* 
fiigem  Qbtltt  unb  fepnticpem  Verlangen  nad?  Dir  allein  unb 
itacp  bem  ewigen  Seben*  Sag  ung  mit  Sir  in  inniger  ©erneut* 
fa)aft  ftepen,  bamit  Du  ftetg  bei  un£  fe^eft,  wir  mögen  effen  ober 
trinfen,  fcplafen  ober  waepen,  leben  ober  fte'rben*  $on  ©tr  lag 
un$  reben,  unb  an  2)t(^  benfen  opne  Unterlag,  bag  wir  ftetä 
Deine  ^raft  in  unferem  £er$en  unb  ben  £rieb  Deinem  ©eifteS 
in  unferer  ©eele  empfmben,  bag  wir  in  Dir  unb  bura;  Dia) 
Sitten  überwinben,  voa$  im$.  f Reiben  f önnte,  Dir  willig  btenen, 
fo  lange  wir  leben,  unb  enblicp,fanft  unb  feiig  in  Dir  emftpfafen 
mögen*  Slmen. 


737 

21  cfi  t  e  «tetigt 

33  on  ber  ewige«  ©nabenwaijl* 

%.  e^cfer  1 ,  3  —  6.  ©elobt  fep  ®ott  unb  ber  SSater  unfere« 
#enn  3efu  (SJjrtfU,  ber  un$  öcfegnet  ^at  mit  alletlet  geififtgem  ©egen 
in  $tmmttfc&en  ©ütern  bur#  (S^iftum.  2Bte  (£t  un$  beim  ewctylt 
$at  burd)  SDenfelbigen ,  e$e  bet  2Mt  ®tunb  Gefegt  war,  baf  wir 
fallen  ^eifig  unb  unffrafUa)  fepn  »or  31>m  in  ber  Siebe  je. 


S  i  tt  g  a  n  g. 

Sm  Flamen  Sefu!  2*men. 

3Äofe3  er$äf>lt  uns,  tag  er  einft  mit  ©Ott  fe£r  t>evtrauli^ 
gefyrodjen,  unb  3jw  gebeten  J?abe,  (£rmöd>te  i£n  ©erneuert:* 
UfyUit  fejjen  laffen.  hierauf  £abe  ber  £err  i£m  geantwortet: 
„Äetn  9ftenf$  fönne  ©ein  2lngeftd)t  feljen  unb  am 
£eben  bleiben/'  Demnadj  patte  9Äofe3  groge  ©nabe  bei 
©Ott;  aber  ebenbiefe  greunblicftfeit  beg£errn  machte  ijmbreiß, 
bag  er  no$  um  etwas  £öj?ere$  bat  (£r  mag  $war  babei  bie 
gute  2lbft$t  gehabt  paben,  t>k  £errlt$fett  femeö  ©otteS  no$ 
näjjer  fennen  £u  lernen;  allein  e$  fc^eint  bo<$,  baß  ijjn  paupt* 
fä$li$  bie  bem  Uftenfdjen  angebowe  9ieugierbe  babei  geleitet 
pabe*  SOßenigfienS  lägt  ftcfy  bieg  au$  ber  Antwort  (fliegen,  tk 
©Ott  bem  2ttofeS  gab:  „2öem  i$  gnäbtg  bin,  bem  bin 
3$  gnäbtg,  unb  weffen  3$  inify  erbarme,  beffen 
erbarme3$$H  $♦"  2)amit  wollte  ber  £err  oljne  3wetfel 
fagen:  3$  will  $war  beine  23itte  gewähren,  fo  mit  e£  fep 
fann;  bo$  wtffe,  bag  SUleS,  waä  3$  an  bir  tjme,  au$  lauter 
©nabe  gefiept,  unb  nifyt  att  wenn  ify  irgenb  ein  SSerbienft 
an  bir  gefunben  fyättt.  —  £>em  fep  übrigens,  tok  ipm  wolle, 
wir  ftnben  in  biefer  ©ef$id)te,  bag  \m$  9ttenf$en  na^  bem 
gall  ber  33orwi£  angeboren  ift  2öir  laffen  uns  nityt  baxan 
genügen,  bag  ftd)  ©ott  in  ber  9latur,  in  ber  ©<$rift  unb  in 
unferem  ©ewiffen  fo  beutlicf)  geoffenbart  tyat,  auty  nicj)t  baran, 
bag  ©ein  eingeborner  ©ofm  gleif$  unb  33lut  angenom* 
mcn  $<xt,  $u  un$  perabfam  unb  uns  ben  gnäbigen  $a$f4>lu|S 

@eu»et'S  @eefettfdfja$.  47 


738 


©otteS  ätt  unferer  ©eltgfett  funb  tjjat/fonbern  wir  wollen  noa) 
mejjr  wiffen,  wir  möchten  ©eine  unbegreiflichen  ©ertöte  unb 
unerforfa)lia)en  2Bege  »erfie^en  unb  ©eine  verborgene  £errlia)* 
fett  erfordern  £>ie  Erfahrung  lejjrt  Ipinlcinglia;,  bag  bieg  jjeute 
nocf)  ber  gatf  ifi,  unb  bag  felbft  bte  gläubigen  ©eelen,  bte  in 
einer  innigen  ©emeinfa)aft  mit  bem  £errn  fielen,  fejjr  viel  %u 
tpun  Mtiy  um  ft'a)  vor  biefem  gefährlichen  23orwt§  ju  büten* 
—  —  Seil  wir  ober  nun  biefe  ©efa)ia)te  einmal  vor  un^aben, 
fo  lajfet  unm  weiter  fejjen,  wa$  wir  baxauö  lernen  tonnen* 
2)er  freunblid;e  ©Ott  fagte  ncimlia;  $u  ©einem  Wiener:  $etn 
SDtafa)  tonne  ©ein  5lngefta)t  fej;en  unb  am  £eöen  bleiben*  Er 
gabijmtalfo^u  verfielen,  bag  er  etwam  Unmöglichem  unb  ©a)äb* 
liebem  verlangt  Jjabe*  £>oa)  fe^te  Er  £üt$u:  wenn  bu  bemo|>n* 
geachtet  Steine  £errlia)feit  feljen  willjt,  fo  wiffe,  bag  3)? eine 
©üte^etne£errtta)fett  ifi;  bennSa)  {mite  em  für  Steine 
größte  E£re,  wenn  ta)  ben  90i*enf<*>enfinbern  ©nabe,  33arml?er* 
$tgf  eit,  ^tebe  unb  £reue  erweifen  fann*  £)arum  i(i  bieg  9ttem 
tkhfttv  tarnet £ er r,  |>err,  ©Ott,  barm^er^ig,  gnä* 
big  unb  gebulbig  unb  von  groger  ©nabe  unb 
£reue*  —  2)a£er  Jmben  aua)  bie  frommen  23ere|>rer  bem 
£>errn  biefen  tarnen  fo  oft  wieberljolt  unb  ipren  ©Ott  bamit 
angerufen*  —  £)em  Wtofö  würbe  gwar  geftattet  von  ber  £err* 
lia)feit  be^  Merf>öa)ften  foviel  3U  fejjen,  aU  ü)m  nüglia)  war; 
aber  eben  barin,  bag  er  eigentlta)  nur  fyintcnnafy  fefjen  burfte, 
lag  aua)  für  ijm,  wie  für  unm  2We,  bie  Erinnerung,  bag  man 
auf  ©ottem  SBcrf  #<$*  paben,  aber  ©einen  $at£  titelt  fowoltf 
au$  bem  Anfang,  aU  aum  bem  Enbe  f  ernten  lernen  foll* 

SDStr  lernen  baraum,  lj  bag  em  vergeblia),  ja  gefäj?rli$ 
unb  fa)äbliä)  fep,  wenn  ber  Sttenfa)  fta)  vornehme,  bie  ©e£eim* 
niffe  unb  bie  verborgene  Wlaftfiät  ©ottem  ^u  crforfa)en*  3e 
weiter  man  in  biefelben  einzubringen  fua)t,  befto  weiter  verirrt 
man  fta)*  ©o  wenig  bu,  0  9ttenfa),  bie  2Bafferbef?äTter  ber  Erbe 
ergrünben  fannft,  ebenfo  wenig  fannft  bu  bie  liefen  ber  ©Ott* 
|>eit  ergrünben*  ©Ott  fyat  bir  bie  Duellen  $um  9ht$en  unb  Un* 
ter^alt  gegeben;  wenn  bu  bir  aber  baran  nta;t  genügen  läffeft, 
fonbern  tjjren  Urfprung  erforfa)en  unb  bid)  in  bie  Klüfte  ber 
Erbe  hineinwagen  wollteft,  fo  würbejt  bu  ojme  3weifel  beinen 


739 


Untergang  fmbetu  2Ber  all^ubegierig  unb  allzulange  in  bie 
©onne  ftept,  ber  wirb  blinb.  £aijer  füjjrt  uns  ©ott  felbjison 
ber  (£rforfc|mng  ©einer  2öege  auf  bie  ^Betrachtung  ©einer 
©nabe  unb  ©üte,  unb  faßt:  willft  bu  btd)  mit  etwas  befd)äfti* 
gen,  o  5D?enfd?,  fo  erwäge  bte  2Öunber  deiner  Siebe  unb  ©üte* 
£)a  wirjf  bu  mef?r  fmbeu,  als  bu  begreifen  lannftunb  wirft  bo$ 
ben  meiften  9hi#en  ba$on  paben,  ©e$  in  biefem  galle  einem 
$tnbe  äjmlt$,  baS  ftd)  um  bie  wichtigen  ©efcödfte  feines  23a* 
terS  nichts  befümmert,  fonbern  bloS  tljut,  was  man  eS  tjjun 
j^etgt  unb  bie  Siebe  unb  ©orgfalt  feines  $aterS  mit  banfbarem 
£er$en  geniegt  SaS  fümmert  eS  bid)  alfo,  wie  3$  bie  2ßelt 
regiere,  unb  warum  wttfft  bu  mel?r  wiffen;  als  3$  bir  in  deinem 
Söort  geoffenbart  f>abe?  SSarum  läffeft  bu  bir  nidjt  an  deiner 
©nabe  genügen  unb  geniegefi  biefelbe  mit  einem  bemütjngen 
unb  banf baren  £>er$en? 

2)  ©ejjen  wir  aud),  baj?  uns  ber  liier  Ijödjfte  auf  ©einen 
©oj?n  »erweist,  in  welchem  dx  ben  ganzen  ©$a(3  ©einer 
SöetSIjeit  unb  ©üte  niebergelegt  fyaU-  2ßer  bie  #errlicf>feit 
©otteS  fe|>en  will,  ber  betrachte  Sefum  dljriftum,  ben  ©e* 
f  reu$igtcn ,  unb  er  wirb  in  3j?m  fo  $M  greube  unb  ©elig* 
feit  jtnben,  bag  er  ni$t  weiter  »erlangen  wirb»  £)eßwegen 
gab  ber  fromme  ©taupt£  feinem  ©djüler  Sutjjer,  ber  etnjt  wegen 
ber  ©nabenwal?l  in  großer  2lnfed;tung  war,  ben  guten  dtafyt 
er  folle  M  ben  SBunben  3efu  anfangen,  ba  werbe  er  feine  (£r* 
wäjrtung  fxnben,  unb  fonft  nirgenbS*  Unb  biefer  äußerte  ftd^ 
fpäter  mehrmals  über  ben  genannten© egenftanb  auf  merf  würbige 
SBeife.  „  3ur  <£rfenntmf}  ©otteS",  fagt  er,  „fann  fein  $?enf$ 
fommen,  auf  er  burdj  dfiriftum;  b,enn  ©ott  Jjat  <Bify  nirgenbS 
als  in  unb  burd)  ©einen  @ofm  offenbaren  wollen,  ba$  man 
©ein  £er$  unb  ©einen  SBillen  fefje.  9ton  aber  fte|»t  man  nichts 
in  Ctlmfto,  als  eine  I?errfi$e,  unergrünblicfje  %kte  unb  ©nabe, 
unb  auger  Spm  nichts  als  3<>nt  u^  Ungnabe  ic.  £)arum  fyaht 
ify  oft  gewarnt,  ba%  ftcf)  3ebermann  »or  allen  £o Jen  ©ebanfen 
unb  unnötigen  ©rübeleien  Juten  foE,  woburdj  man  ©otteS 
£errlid)feit  ergrünben,  <Bän  SBerf,  ©einen  diafy  unb  SBilfen 
erforfcpen,  eine  befonbere  Offenbarung  unb  bergleidjen  |>aben 
will.    2)iefeS  SllleS  fü£rt  auleat  in  ben  Stbgrunb  unb  ftür^t  ben 

47* 


740 


2$enfd?en  in$  SBerberben."  gerner  ft>rt$t  et :  S3ta<l  bu  ft^er 
ge£en,  bag  bu  ©nabe  unb  £ü(fe  bei  ©ottftnbeft,  fo  lag 
bir  ni$t  einreben,  bag  bu  3£n  anberewo  fua)en  fottjt,  aB  in 
(£{)rifto;  aut^  frage  ni$t  nad>  anbem  fingen ,  unb  befümmere 
bia)  nia>um  anbere  ©egenftänbe,  fonbern  bU$  barum,  »te 
unb  warum  ©Ott  (£f)riftum  gefanbt  habe.  SDftt  unb  bet(££rtjto 
fange  beute  ©tubten  an,  kt  3£m  tag  fte  au$  Hetzen,  unb  wenn 
btd)  beine  Vernunft  ober  fonft  Sentanb  anber£  füfjren  Witt,  fo 
fa;liege  betne  klugen  gu  unb  fyria;:  „ia;  fott  unb  tt)itt  *>on  ttU 
nem  anbem  ©Ott  ttnflfen,  aU  in  meinem  £errn  Gtfmjto*" —  (££ 
tfl:  atfo  umfonft,  bte  ^errftajfeit  ©ottes  ergrünben  $u  motten, 
mit  (£r  un3  einen  ©nabenftufrt  sorgejMt  #ai,  an  welken  wir 
unö  Ratten  foöem  Sir  fönnen  ©otte£  Serie  unb  Sege  son 
Anfang  nidjt  begreifen,  fonbern  fotten  auf  ben  Ausgang  fejjen, 
unb  ba  werben  wir  ftnben,  „baß  6 ein  e  Sege  tittl(&ütt 
unb  Sajjrljeit  fhtb  jc/' 

tiefer  Eingang  ijt  nötjrig,  weil  wir  biegmal  *>on  ber  un* 
begreifen,  aber  wia)tigen  unb  jjödHl  iröjtfta)en  ©naben* 
w  a  £  t  reben  motten,  grüperlonnten  wir  btefelbe  nia)t  betraa> 
ten,  weil  ber  @f>rifi,  welcher  bie  ©nabenwajtf  mit^u^en  erwägen 
will,  vorder  von  feinerSkreinignng  mMljrijfa  bura)ben  ©lauben 
aus  bem  Sort  unb  ben  IjeiL  ©aframenten  überzeugt  fe^nmug. 
2)enn  nur  mit  bem  2luge  be$  ©Iauben£  unb  fcerfenft  in  bie 
Sunben  £jmfti  lann  manbiefeS  ©efjeünnig  gehörig  betrautem 
Uebrigenö  wollten  wir  tiefe  Seljre  auä)  niä)t  länger  unberührt 
(äffen,  tväi  btefetbe,  fobalb  fte  redjt  erwogen  wirb,  bem  ©lau* 
bigen  *riel  £roft  unb  greubigleit  *>erfa)afft  unb  tyn  veranlagt, 
©Ott  um  fo  ^era(ia)er  au  lieben  unb  au  greifen.  —  3war  i(i  e$ 
feljr  an  bebauern,  baß  befonberä  biefe  Sefjre  ein  ©egenpanb 
vieler  unnü^eu  ©trettigfetten  geworben  tjl,  unb  eine  Stenge 
unnötiger  fragen  hervorgerufen  $<xtf  fo  bag  mit  9?ett)t  t>k 
Sorte  £uti?er$  über  ben  Slrttfel  von  ber  Werfen  (grifft  audjj 
pier  ijjreSlnwenbung  ftnben:  „%$ #err,  über  biefen  feiigen  Slrti* 
fei  fottte  man  (ofme  3^nf  unb  3^eifeO  im  teä)tcn  ®lauUn 
immer  frö#lta)  fepn  unb  £)ir  banfen  für  fola)e  unau$fprecpä)e 
SBarmperaigleit;  fo  aber  rietet  ber  ©atan  bura)  ftolae  unb 
e{>rfüa;tige  Seute  nia)t$  als  Unglütf  an,  bag  uns  bie  greube 


741 


verborben  wirb.  „2>a$  fcp  ©ott  gefragt!"  (Benfo  fattn  nta)t 
geleugnet  werben,  baß  ber  ©atan  fa)on  viele  ©laubigen,  bie 
nia)t  rea)t  auf  tprer  $ut  waren  unb  fia)  in  unnötige  ©rübe* 
Heien  einlieg en,  bura)  biefe  2el?re  feljr  ängftigte  unb  bk  ©ewtjü* 
$eit  be$  £eil£  in  (auter  3weifel,  3ittern  unb  Bögen  üerfe^rte» 
Allein  baran  tjl  biefe  Cejjre,  wie  fte  in  ©otteS  2öert  fte^t,  ntc^t 
©a)ulb,  noa)  vielweniger  will  ber  barmherzige  $ater  im  Fimmel 
bte  bugfertigen  ©eelen  bamit  ängfKgen,  fonbern  (£r  will,  bag  jte 
baraug  einen  gewiffen  Xvoft  fa)opfen,  fta)  ©einer  ©nabe  unb 
$kfo  |?er$lia)  freuen  unb  naa)  bem  vollfommenen  ©enug  i^rev 
©nabenwalrt  jta)  fernen  follen.  £)te  Au3fprüä)e  ber  ©a)rift 
barüber,  wela)e  etwaä  |>art  fringen,  finb  ben  £eua)lem  unb 
(fallen  Söerffjeiligen  entgegen  gefegt  unb  bienen  ba$u,  $>a$  bte 
Vernunft  fta)  vor  ©ottbemütpigen  unb  ©einer  ©nabe  allein 
leben  lerne.  (£$  gibt  jt'eboa)  aua)  anbere  ©teilen,  wela)e  rea)t 
ba^u  geeignet  jtnb  bie  hetxixhtm  ©eelet?  ^u  erqutefen.  3u  bie* 
fen  gehören  namentlid)  unfere  £erte£worte,  naa)  welken  wir 
unfere  ©nabenwaljl  in  2)emutf?  betrachten  wollen;  ©Ott  fegne 
biefeg  SSorJaben  bura)  3efum  @j?riftum*  Amen! 

5lt^ant)tung. 

2)a$  menfa)lia)e  ©emüt£  ij*  nia)t  $u  jieber  3ett  gleta)  fäfjig 
über  £ol?e  unb  wichtige  2)inge  nad^ubenfem  2>teg  gilt  fa)on 
von  weltlia)en  Angelegenheiten,  um  wie  vielmehr  von  geiftlt* 
ö)en  unb  bünmlifa)en?  — 28enn  ba^  menfa)lia)e  £eq  ftillunb 
ruljig  in  ©ott  unb  Gtj)ajfo  tjl,  fo  fann  e$  bie  ©el)eimntffe  ber 
a)rifllia)en  £ef?re  mit  2ht£en  betraa)ten;  ift  e£  aber  unrupig 
unb  fann  e£  jta)  nia)t  unter  bem  ©efjorfam  (£f)rifti  unb  be$ 
©laubeng  pfammenneljmen,  fo  wirb  tym  ein  fola)e$  -ttaa)ben* 
fen  me^r  fa)aben  als  nügem  ©o  ift  e$  aua)  mit  unfern  ©e* 
bauten  über  bie  ©nabenwaltf.  £)arum  fagt  ber  berühmte  ©er* 
fon:  wenn  bie  grage  in  ipm  aufzeige,  ob  er  aua)  311m  ewigen 
geben  erwählt,  ober  von  ©Ott  verworfen  fep,  fo  prüfe  er  fo- 
gleia)  ben  3uftanb  feinet  £er$en£,  wenn  er  nun  ftnbe,  ba$  baf* 
felbe  ru!)ig,  voll  grieben  unb  greube  im  ©lauben  fe#,  unb  fta) 
mit  3efu  wojrt  gefagt  Ijabe,  fo  f?änge  er  in  2)emuti>  unb  mit 
SBorfta)t  biefen  ©ebanfen  naa),  wenn  e$  aber  anberö  um  tjw  ftejje, 


742 


fo  fu$e  er  btefelben  ^u  unterbnicfen  unb  tväfyk  ft$  einen  ankern 
©egenftanb»  —  £>iefer  dlafy  ift  fepr  gut  unb  fotXte  von  allen 
©ottfeligen  tt>opt  benü^t  Werbern  2)enn  gleichwie  wir  unter 
ben  3erftreuungen  unb  ©ef  elften  be£  gageö  manchmal  etwa$ 
fuc^en  unb  eg  bodj  nic|t  ftnben,  ob  e3  gletcf;  unter  unfern  £än* 
ben  liegt,  fo  verteilt  e£  fid)  auty  mit  btefer  £e#re.  —  Die  bejie  3eit 
gum  -ftacfjbenfen  über  biefelbe  ift  ofme  3weife*  Diejenige ,  wenn 
bie  ©eele  na$  unb  nadj  bte  ©tufen  erfiiegen  jwt,  bie  wir  U& 
per  anbeuteten,  —  wenn  fte  ftcf)  nadj  aufrichtiger  23uge  mit  3efu 
im  (flauten  innig  vereinigte,  bur$  ba$  innere  3eugnig  be£  fjeil* 
©eifte^  ber  Vergebung  iprer  ©ünben  unb  il?rer  Itinbfdjaft  mit 
©Ott  verfidjert  iftf  'äu$  ber  Betrachtung  beö  £aufbunbe$  unb 
bem  ©enuge  beS  fjM  8töenbma$l$  £rof£  unb  traft  geköpft 
unb  ben  J>eiL  ©eift  %um  güprer  burcB3  £eben  erforen  Jjat  3)ar* 
auf  beutet  auti)  ber^lpoftel  in  unferm  Xatc  jjm,  unb  will,  baf 
bie  ßrpjjefer,  welche  inr@fmftentf>um  unb  in  ber  (^rfenntnif  tfj* 
rer  felbft  fd)on  einen  guten  ©runb  gelegt  Ratten,  bur$  t>k  33e* 
tradjtung  btefer  ^e^re  nifyt  mit  3weifeln,  ©$recfen  unb  Wlip 
trauen  erfüllt  werben,  fonbern  vielmehr £roft  unbgreube  bar* 
au£  fdjöpfen  follen*  ©ie  fotten  ©Ott  für  ©eine  ©nabe  in 
Gtfmfto  per^lic^  loben  unb  greifen  unb  ijjm  na^fprec^en:  „®  e* 
lobt  fe^  ©Ott  unb  berSSater  u ufere  3  £errn3efu 
@£rijti,  ber  un3  gefegnet  Ijat  mit  allerlei  geiftli* 
d)en  ©egen  in  JMmmlifdjen  ©ütern  burdj)  QfyxU 
jtum  !"  —  (Ebenfo  paben  au$  wir,  W  wir  in  ber  ©emeinfcjjaft 
mit  Gtfmfto  3efu  buret)  ben  ©lauben  fielen,  bte  wir  getauft  unb 
mit  bem  teuren  5$fanbe  beg  %tiU$  unb  Blutet  (grifft  ber 
©nabe  ©otteS  verftdjert  ftnb,  feine  Urfadje,  bie  £e£re  von  ber 
©nabenwajjl  anberö  aU  mit  großer  greubigfeit  $u  betrachten 
unb  babei  ©ott  $u  loben»  Söarum  folite  unä  ba$ ,  wa$  un$ 
©Ott  aum  £roft  gegeben  f&$,  traurig  machen?  SBarum wollten 
wir  burd)  ben  ©atan  3weifel  in  un3  erregen  lajfen,  wo  ni$t$ 
aU  ©nabe  unb  Zieht  ift?  £)  barum  laffetung  ben  Silier Jöc^ften 
frö£lid)  greifen,  baf?  <£v  un£  aur  ©emeinfe^aft  ©eine3  lieben 
©ojmeg  gebracht,  in  bemfelben  geliebt  unb  erwäjrtt  £at,  cfje 
benn  ber  Söelt  ©runb  gelegt  warb ! 


743 


£)er  2tyoftel  fyrtd)t  in  unfern  £erteSw orten  nia;t  bloS  *>on 
ber  Gxwäjtfung  ^um  ©nabenreid;  (grifft,  fonbern  aua)  son  ber 
(S-rwäjjlung  3 um  ewigen  £ebem  <£r  befd)reibt  uns  ben  9?  a  1 1> ^ 
,,fa)luß@otteS,  burd;wela)en(£rÄon(£wigl:eitl}er 
„aus  lauter  ©n  ab  eunb  33  arm  ber^  tg  fett,  in  @ü>rifto 
„3efu  ©einem  lieben  ©obn,  alle  3 u  «Seinem  @igen* 
„tjjum  erforen  unb  3ur©efigfeit  $erorbnet  j>at, 
„welä)e(£rs)orj>er  gefeljen,  baß  f t e  im©lauben  hi$ 
„anS(£nbe  ti er  j>  arten  würben  ju  ^job  unb3)reiS©et:= 
„ner  £errlta)en  ©nabe*  Sßir  reben  alfo  fiter  abermals 
tton  einem  großen  ©nabenwerf  ©otteS  unb  einem  unbegreifli* 
$en  Söunber  ©einer  ©üte,  —  £)er  2l(terl;öd;fte  j?at  ©ta)  nem* 
lia)  aus  ber  Sttenge  ber  gefallenen  2ttenfd)en  eine  2ltt3a£.l  au 
Sterben  ©eines  ©otmeS  unb  in  9ftitgenoffen  ©einer  £err* 
lta)fett  aufriefen,  unb  $war  aus  lauter  ©nabe,  %kU  unb@üte, 
***»  ©Ott  Ijdtte  bte  $?enfa)en,  na$bem  fte  burd)  bic  SBerfüfjrung 
beS  £cufcl3,  wie  burd)  eigene  ©a)ulb  von  3|m  abtrünnig  ge- 
Worben,  unb  in  baS  größte  dknb  gefallen  waren,  in  tfjrem  un* 
glüdlid;en3uftanbe  laffen  fönnen;  benn  (ix  beburfte  i£rer  nid)k 
allein  B^in  £er^  war  anbern  ©inneS  unb  ©eine 
löarmperaigfett  ^u  groß,  baß (ix  ntd)t  Ijanbeln 
fonntenad)©etnem3o^ne,  nod)  fia)  lehren,  um  bte 
9)?enfa)en  gar  ^u  tterberbem"  Darum  fanb  (ix  ein  Mit* 
tel,  welches  allen  ©ef$o>fen  ©eine  2Ulmad;t,  SöeiSpeit,  ©üte, 
©ered;tigfe  unb  33arml?eqigfett  aufs  beut!ia)fte  offenbaren 
unb  gur  ©eligleit  ber9)?enfd)en  am  fräfttgften  mitwirken  fonnte* 
(Ex  befdjlcß,  ber  Seit  ©einen  ©oljn  $u  geben,  wollte  3^n  am 
$reu$e  erfwl)en,  mc  bte  eherne  ©anlange  in  ber  SBüfte,  bamit 
3llle,  bk  an  3fm  glauben,  nia)t  »erloren  werben,  fonbern  baS 
ewige  $ehm  fjaben  fotten*  (£r  befa)loß,  SllleS  für  bie  20?enf$en 
^u  tjjun,  was  ©eine  ©nabe  unb  53arm^er^igfeit  tyun  fonnte; 
benn,  weil(£r  ©eines  eigenen  ©o£neS  nia)t  *>erfa)ont  |wt/  fon* 
bern  pat  3{>n  für  uns  $(le  bafnn  gegeben,  wie  follte  dt  unS 
mit  3N  nid;t  2llleS  fa)en!en?  (£r  wollte  ben  9ttenfd)en  bte 
©nabenmittel  barbieten,  bura)  weld;e  fte  ^um  ©lauben  unb  ^ur 
©emeinfa)aft  3efu  GTjmfti  gelangen  unb  baxin  »erharren  fbnn* 
ten;  fur$:  „(ix  wollte ifrnenf/elfentr*eult$,  t>ona,an* 


744 


$em  £er$en  unb  von  ganger  ©eete*"  £)a(£r  aber  oer* 
möge  ©einer  SWwiffen Jett  vorljerfaj,  baß  ber  größte  £J  eil 
ber  9)?enfa;en  bte  angebotene  ©nabe  tn  Gt  jmfio  verachten  würbe, 
fo  mußte  (Er  aW  ein  geregter  unb  ^eiliger  ©Ott  tfmen  ©eine 
©nabe  entjie^en;  Ut  2tnbew  bagegen,  von  benen  (£r  vorder 
faj,  baß  fte  ©einer  ©nabe  nta)t  mutj) wittig  wtberjtrebcn,  fon* 
bern  fta)  an  ipren  Mittler  im  ©lauben  galten  unb  barin  beljar* 
ren  würben  tt$  ang  (£nbe,  pat  dv  in  Gtjmjto  geliebt  unb  er* 
wäjtt,  eje  ber  2Öelt  ©runb  gelegt  warb*  2)iefe  J?at  (£r  in 
©eine  ewige  £iebe  unb  ©nabe  eingefcjtoffen  unb  ijjren  tarnen 
tn  ba$  Söua)  be£  £eben$  eingefdjrteben*  2>iefe  jtnb  bie  2lu$er* 
wägten,  bie  3efuä  für  bie  ©einen  erfennt,  unb  bie  3!w  %lk* 
manb  rauben  fann;  fte  jtnb  e$,  an  wela)en  ber  SBater  SBoJlge* 
fallen  Jat.  3)enn  bie  ©nabenwapt  bringt  eine  außerorbenttia)e 
$itbt  ©otteS ,  eine  unaup$tttt)e  ©emeinfa;aft  mit  ^rtjto,  ei* 
nen  immerwäjjrenben  53eiftanb  be$  Jetligen  ©eifteö,  eine  fort* 
bauernbe,  väterlta)e  2luffta)t  unb  eine  mächtige  33ewaprung  $ur 
©eligfeit  mit  ft$.  3war  rönnen  aua)  Sluäerwäljtte  aus  ber 
©nabe  falten  unb  ben  ©tauben  eine  3«tlang  verlieren,  aber 
$ute§t  fann  fte  bod)  tfäfytö  von  ber  Zieht  ©otteS  fa)etben,  ^k 
ba  ift  in  (£Jrifto  3efu  unferem  £errn* 

2)tefe  ©nabenwapl  Jat,  tck  fa)on  gefagt,  ijren  Itrfprung 
allein  in  ber  gotttia)en  ?te^e,  ©üte  unb  ^armjjeraigfeit*  2)er 
#err  faj  ber  33?enfa)en  SBerbienjt  unb  SSürbigf  eit  ni$t  an ;  (£r 
fanb  M  ijjnen  nia)t$  als  ©ünbe  unb  (£lenb*  3ftemanb  fyat 
3Jm  dttoaö  $uvor  gegeben,  baS  3fjm  fyättt  müf* 
fen  wieder  vergotten  werben*  (£$  ift  eine  ©naben* 
wajt;  ift  eö  aber  aus  ©n;aben,  fo  ift  e$  ntä)t  aus 
BerbtenftberSöerfe,  f onft würbe ®nabenia;t ©nabe 
fe^m  @r  £at  un$  mit  einer  ewigen  %itbz  geliebt 
ttnbunS  $u  ©ia;  gebogen  au$  lauter  ©üte*  —  £)oa) 
gefa)aj  bieß  nia)t  ojne  ©runb,  fonbern  wie  ber  gerechte  ©ott 
ben  größten  £fml  ber  2ttenfa)en  ntdjt  bura;  einen  bloßen  fd;recf* 
lia)en  ^atfjfajluß,  vielmehr  um  ijreä  Unglauben^  unb  ijrer 
ttnbußfertigfeit  willen  verworfen  Ijat,  fo  $at  dv  $>k  Uebrigen 
erwählt  um  (SJrtfti  willen,  bem  pe  im  (§>iauUn  ergeben  fmb* 
£>er  Unterfapieb  tttiter  ben  2lu$erwä£lten  unb  Verworfenen  ift 


745 


alfo  biefer,  baf  fene  in  £j?rijb  ftnb,  biefe  aber  auger  ßfmjto, 
S)a^erfagtt)er5(pü^elau^brüc!(ta);„©ott^atun^  erwägt 
buräjdlmftum;  (£r  £at  uns  angene£mgemaa)tin 
bem  ©eliebtem"  303ir  ftnben  aber  nirgend  eine  ©teile,  in 
weldjer  gefagt  wirb,  baß  wir  erwählt  fe^en  $u  <5j?rifto, 
als  Jjätte  ®ott  unter  ben  3ttenfa)en  eine  Söapl  ge* 
p alten,  ben  größten  Zfytil  verworfen  unb  bie  übrigen  (£jjrißo 
gur  (£rlöfung  übergeben*  SSieltne^r  T^eigt  e^:  @ottfaI>baö23er« 
bienfl  (Spvtjli  unb  fein  ©üjmopfer  für  tk  9ttenfa)en  unb  war 
eben  um  ß  1?  r  i  jH  w  i 1 1  e  n  Sitten  gnäbtg,  bie  mit  SlJnt  im  ©lau* 
ben  vereinigt  waren»  darauf  beuten  namentlia)  t>k  Sßorte  be£ 
2lpoßel6  l)m:baf  bk  ©nabe  ©otteSunS  gegeben  fe?  in  @prij!o 
3efu,  &♦  u  um  (£f)rifH  willen  vor  ber  ©runblegung  ber 
2Belt—  Ueberjjaupt  verbmbetbie  ©a)rift  bie  ©nabe  ©otteS  unb 
ba£  2krbienft  Gt  jmjH  f o  genau  mit  einanber,  baf  man  e$  gleta;  auf 
ben  erjten  Slnblicf  ftept,  baß  fte  auf  er  bemfelben  von  feiner 
©nabe  etwas  wiffen  will*  Söeil  in  @l?riftu$  Mt$  in  Willem 
\%  unb  auf  er  ij?m  Sftemanb  \w  ©eligfeit  gelangt,  fo  ift  wofrt 
fein  3weifel,  baf  bie  ©nabe  be£  $oa)jten  unb  unfere  (üürrwäp* 
lung  aud>  von  (£wigfeit  per  in  3£m  gegrünbet  fep,  5^t(^t  um* 
fonß  legt  ber  2lpojM  in  unferm  £erte  einen  fo  großen  Vlafy* 
brud  auf  bie  Sorte:  „2Str  finb  gefegnet  buro)  (EfyxU 
(htm,  finb  erwäjjtt  in  3£m;"  kenn  er  will  bamit  fagen, 
baf  wir  auf  er  3J?m  an  ©otteS  ©nabe  unb  an  unfere  @rrwä£* 
lung  gur  ©eligfeit  gar  nia)t  benfen  f ollen.  Wlifyin  mögen  bk* 
j[enigen,  wela)e  fuij  bie  ©nabenwapl  auf  er  ^^rifium  ben* 
fen,  $ufe£en,  \vk  fte  £rofi  für  ij?re  ©eele  ftnben  fönnem  3$ 
für  meine  $erfon  palte  mi$  an  3efum  G^rijlum,  an  welchen 
mia)  ber  grof  e  ©Ott  felbji  gewiefen  pat  —  Darauf  folgt,  ba^ 
©Ott  in  ©einem  ewigen  9?atbfd;luß  aua;  auf  unfern  (^laubm 
fftM\ifyt  genommen  fwbe.  ©leia)wie  SefuS  unb  t>k  ©nabe 
niä)t  getrennt  werben  fann,  fo  muf  dv  unb  ber  (Staube  bei* 
fammen  fe^n,  mit  e$  für  uns  hin  anbereg  Mittel  giebr,  woburdj 
wir  gu  ber  ©emeinfa)aft  unfereS  (ErlöferS  gelangen  fönnem 
Sßir  finb  alfo  erwählt  i  n  (£  £  r  i  j*  o ,  ober  m  i  t  3  p  m  verbunben ; 
weil  aber  bloä  bura)  ben  ©lauben  eine  ©emeinfa)aft  mit  bem* 
Wb^n(Btau  ftnben  fann,  fo  läft  jta)  eine  SSerbinbung  mit  3N 


746 


m$t  ben!en,  o£ne  baß  babei  ber  ©taube  in  23etra$t  fommt  — 
kluger  (££rifio  jtept  ©Ott  nia)t$  an  un£  als  @ünbe  unb 
(£lenb;  aufüer  beut  ©Kauften  aber  Ijaben  wir  feinen  £petf 
an  3N>  SÖcnn  un$  atfo  ©ott  in  tyxifto  erwählt  £at,  fo  $at 
dv  un$  nidjt  erwägen  fonnen,  ofme  gugteid;  X>a$  Wlitid  in  SBe* 
txatyt  3U  gießen,  bur<$  wel$e£  wir  mit  (Sjmfto  verbunben  wer* 
ben*  —  3ebod)  ift  babei  ber  Unterfc|>ieb  wo£l  gu  merf  en,  bag  ©Ott 
(Ejjriftat  angefeljen  l^at  als  bie  Urfacfye  au  unferer  ©nabenwapt, 
unfern  ©tauben  aber  aU  ein  Mittel,  baburcf)  wir  mit  unferem 
Sptilanb  »ereinigt  werben,  wetdjer  übrigens  nidjt  aus  uns  fetbft 
entfpringt,  fonbern  ebenfalte  eine©abe©otteS,  eine  $raft  Sei* 
neS  ©eifteS  ift,  bte  (£r  in  uns  aus  lauter  ©nabe  hervorbringt  — 
Sttitjun  fteljt  ©ott  ben  ©tauben  nid)t  an,  in  fo  fern  er  in  uns 
gefunben  wirb,  unb  von  uns  fjerrüprt,  fonbern  btoS  in  fo  fern, 
als  er  auf  3efum  ^rijtum,  an  welken  uns  ber  £err  gewiefen 
Iwt,  gerietet  ift,  unb  in  bemfelben  befte^t*  £)arum  fagt  $au* 
luS  beutli$:  „©ott  Ija*  uns  von  Anfang  gur  »Selig* 
fett  erweist,  in  ber  Heiligung  beS  ©eifteS,  unb 
tm©Iauben  ber  28a£r{jeik"  £)iefe  Heiligung  beS  ©ei* 
fteS  aber  ift  Jjier  nifyt  bie  £eiligfeit  beS£ebenS,  welche  ber  £eit, 
©eift  aud?  nad?  unferer  Rechtfertigung  in  uns  wirft;  (benn  eS 
i|t  offenbar,  ba§  unfer  SSerbienjt  fowopl  von  ber  ©nabenwaijf 
üU  and)  von  ber  Rechtfertigung  gang  auSgefd)toffen  ift)  fonbern 
eS  ift  bie  SBirfung  beS  jjeiL  ©etfks ,  woburd;  dt  überhaupt 
ben  ®lmhm  in  uns  erweeft,  unS  mitQtjmßo  vereinigt  unb  auf 
biefe  Seife  gur  ©eredjtigfeit  unb  £eiligfett  bringt.—  2)amit 
ftimmen  anfy  bie  SQSorte  beö  nemlictyen  2ipoftetS  übereüt: 
„3f>r  fe^b  abgewafdjen,  i£r  fet;b  geheiligt,  ifyx 
fe^b  gerecht  worben  burd)  ben  tarnen  beS£errn 
3efu,  unb  burd)  ben  ©eift  ©otteS*"  —  Unter  bem 
©tauben  ber  Söafjrjjeit  verfielt  berfelbe  ben  ©tauben,  ber 
jt$  auf  bie  SSerpeigungen  beS  Evangeliums,  als  auf  eine 
untrügliche  2öal?rJ?eit  grünbet,  ober  ben  wabrf?aften,  rea)t* 
fa)affenen  ©tauben»  3n  bemfelben,  fagt  er,  ftnb  wir  erwäfjtt 
ober  in  ber  Bereinigung  mit  (£j?rifto  bur<$  ben  ©tauben  £ai 
unö  ©ott  gnäbig  angefeilt  unb  aur  ©etigfeit  erforem 


747 


gerner  leprt  wt$  ber  Slpojtcl,  bag  uns  ©ott  in  <£tmjfr> 
erwägt  fwbe  „e£e  ber  SÖclt  ©runb  gelegt  warb*" 
@£e  ber  £immel  unb  bie  (£rbe  gefa)ajfen  würbe,  fjat  un$ 
ber  ewige  ©Ott  fdjon  in  ©einem  £er3en  getragen,  @r  |jat 
uns  ju  ©einer  $inbfa)aft  nnb  $ur  ©eligleit  beftünmt,  noa)  e£e 
wir  erfa)affen  würben.  @benfo  fagt  er  in  einer  anbern  ©teile t 
„£)ie®nabe©otte$fe9un3gegebentn(£j)rifto3efu, 
»orber  3  eit  ber  2Belt/'  —  2Senn  fta)  nun  Stativ  barüber 
wunberie,  baß  ©Ott  ©ia)  um  bie  5^enfa)en,  fo  lange  fte  leben, 
fo  fejjr  behtmmert,  um  rote  stet  mel?r  muffen  wirun&wunbern, 
ba§  (ix  bieg  sonßrwigfeit  per  getpan  §at,  unb  fpreajen:  „£  e  r  r, 
roaS  ift  ber  9^enfa),  baß  2)u  fein  geben feft,  unb  be£ 
9!ttenfa)enfinb,  baß  Du  Dia)  feiner  annimmft?"  — 
2öir  bürfen  alfo  serftajert  fe^n,  baf?  ©Ott  an  einen  3eben  un* 
ter  un6  fa)on  *>or  ber  (£rfa)affung  ber  SSelt  gebaa)t  unb  in 
©einem  dtafy  bef&loffen  fyabe,  bura)  Wtttifi  ffliittd  dx  uns 
3um  ©lauben  bringen  unb  in  bemfelben  ermatten  ,  auf  wela)en 
Söegen  (ix  un$  führen,  woie  (ix  unö  fa)ü£en  unb  burd)  ©eine 
S!ttaa)t  ^ur  ©eligfeit  bewahren  wofle*  Daper  fönnen  wir  nia)t£ 
beffereö  tfmn,  aU  unß  ber  \>äterlta)en  Regierung  unfere$  ©otteS 
in  ftnblia)er  ©elaffenpett  ergeben  unb  3£m  aua)  auf  ben  Segen, 
t>k  uns  bunfel  fa)einen,  willig  folgen»  —  Die  ^i-ebe  unb  ©üte 
©otteä  an  un£  fyat  in  ber  (£wigfett  begonnen,  epe  ber  SQSelt 
©runb  gelegt  warD,  fte  waltet  über  un3  in  ber  3^it  unb  wäp* 
ret  U$  in  Girwigfeü,  wenn  bie  SBclt  aua)  fa)on  vergangen  ifL 
©oltten  wir  einen  fola)en  ©Ott  nta)t  immerbar  loben  unb  prei* 
fen?  ©oltten  wir  ©einer  uta)t  aüe^lt  gebenfen  unb  3pn  jtetS 
üor  Singen  I;aben?  3«,  banfet  bem  £erm;  benn  dx  ift  freunb* 
lia)  unb  ©eine  ©üte  währet  ewtglia),  laffet  unö  ben  £errn  lo* 
ben  allezeit,  ©ein  £ob  fotf  immerbar  in  unferem  $cunbe  fepn! 
Grnblta)  fprtcbt  ber  Slpoftel  aua;  son  ber  2tbfta)t  ©otte3  bei  ber 
©nabenwayl  28ir  follen  nämlta)  1}  £  eilig  unb  unjträflia) 
9or3pntfe9nittber£iebe*  2öie$ieliftalfobem peiligen unb 
liebreta)en  ©ott  an  ber  £eiligfeit  unb  £icbe  gelegen,  ba$  (ix 
von  (Ewig! dt  per  2l(le3  ba^u  einrichtet,  bamtt  wir  3pnt  btenen 
mödjten  in  £etligfeit  unb  ©ered)ttgfeit  unfer  Sebenlang!  2ßir 
follen  aU  ©eine  ^inber,  ofme  £abel  unb  lauter  unb  unjfräf* 


748 


Itö;  mitten  unter  bem  serf ehrten  ©efa)lea)t  un$  seigen,  unb  aU 
Sinter  in  hex  SÖSelt  freuten*  —  2)tefe  Stbftdjt  jjat  (£r  aber  aua> 
bei  ©einen  übrigen  SBoljltjjaten,  <£r  ^at  un$  erfa)affen  unb 
btöljer  ermatten,  bamit  wir  ©eine  ©üte  erfennen,  3£m  banfen 
unb  eifrig  bienen  mögen*  (£r  jiat  un$  ©einen  ©opn  jum  £ei* 
lanb  gegeben  unb  in  bemfeiben  ©eine  feligma$enbe  ©nabe  allen 
fjftenfc^en  erfreuten  laffen,  ba§wirt>erläugnenba$un* 
g ö ttl ia) e  ^efen  unb  bie  weltlichen  £üfle  unb  3 üd)* 
tig,  geregt  unb  gottfelig  leben  follen  in  biefer 
SBelt/'  <£x  fyat  ung  berufen  nirf;t  ^ur  Unreinigf  ett,  fon* 
bem  3ur  Heiligung»  @r  Jjat  unö  unfere  ©ünben  vergeben 
unb  in  (£fjriflo  gerecht  unb  feiig  gemacht,  baff  wir  3(m  fürchten 
unb  befto  mejjr  lieben  follen,  (Ex  f?at  un$  ©einen  ^eiligen  ©eift 
gegeben,  bag  wir  ©einer  Leitung  folgen  unb  „nia)t  na$  bem 
gleifa)  leben  follen/'  2Ber  alfo  unterbeffen  biefe  2lbfta> 
ten  ©otteS  aug  ben  klugen  gefegt  unb  ber  Heiligung  nic^t  mit 
allem  gleiß  nad;gejfrebt  $at,  ber  $at  ben  rechten  2öeg  serfeplt, 
unb„wanbelt  in  bergin  ft  er  niß,  unb  wetfj  nia)t,  wo 
er  £in  geijt;  benn  bie  ginfternij?  pat  feine  5lugen 
verblenbet," 

2)  $at  un$  ©ott  aua;  ba$u  erwählt,  ha$  wir  ©eine 
$inber,  Sterben  ©eines  ©o£ne$  unb  SDfttgenoffen  ber  ©elig* 
feit  werben  möchten,  D  wie  grog  iß  hie  ©üte  ©otte$,  wela)e 
unter  ben  gefallenen  Steffen,  bie  hie  SBerbammnifj  serbtent 
|>aben,  $mber  ber  ©eligfeit  gefua)t  unb  erwählt  Jjat!  £)a!jer 
fagt^auluS:  „2Sel$e  ©Ott  ioerorbnet  pat,  hie  pat 
(Frauenberufen,  we(dje(£r  aber  berufen  ^at,  hie 
jjjat(£rautt)gerea)tgemaa)t,  wela)e  Araber  geregt 
gemacht  l)<xt,  hie  p at  (Er  au$  f>errlia)  gemalt* 
dx  $at  funb  getrau  ben  dleifytfynm  ©einer  £err* 
üdjfeit  an  ben  ©efäfien  ber  ©arm^erjigfeit,  bie 
@r  bereitet  $at  $ur  £errlia)feit/'  ©o  ij*  nun  2llle$, 
yoa$  ber  gndbige  unb  barmherzige  ©ott  $at,  ber  gan^e  dteify 
ii?um  ©einer  £errlia)fett  unb  alle  ©eine  ©üte  für  ©eine  2lud* 
erwählten  benimmt  ©te  jinb  bie  lieben  ^inber,  bie  (£r  aufs 
£errliä)ße  fa)müc!t,  fte  ftnb  hie  23lumen,  wela)e  er  mit  ben  tan* 
fenbfacfjen  tropfen  ©einer  ©nabe  erquieft*  £enn  wenn  aua) 


749 


ber  langmütige  (Bett  an  bat  2Öiberfyenftigen  unb  ©ottlofett 
t>iel  SBarml)  eqtgf  eit  unb  ©üte  beweist,  fo  serwanbelt  ftd;  bodj 
entließ  2ltle$,  wegen  it)rer  beharrlichen  IBo^pett,  tn  lauter  Un* 
gnabe*  23et  ben  2lu6erwct£lten  aber  läuft  ple£t  2l(le3  auf  bie 
©eltgfeit  jnnauä,  fo  wunberbar  fte  aufy  eine  3^tt  lang  geführt 
unb  fo  l?art  fte  bem  5lnfcf)eine  naefy  beljanbelt  werben. 

3)  mm$  ^ttt  ber  £err  audj  bie  2Ibjtd)t,  bag  <£r  aB 
ein  barmherziger  unb  gütiger  ©Ott  erfannt  unb  6ein  fertiger 
;iftatne  baburefj  gepriefen  werben  möchte ,  ober  wie  ber  2tyoftel 
fagt:  „3um  £ob  6einer  Ijerrlidjen  ©nabe*"  —  2Ö*it* 
£in  verlangt  ber  liebreiche  ©Ott  für  alte  ©eine  ©üte  unb  3Öo£l* 
traten  nichts  anberS,  als  baf  <£r  t>on  uns  gelobt  unb  gepriefen 
werbe*  £)aljer  foll  eS  auc^  unfer  tägliches  ©efc^äft  feipn  Seine 
große  ©nabe  $u  rühmen,  fo  viel  an  uns  ifl 

Stttwcnbung. 

I.  SSir  fommen  nun  ^ur  Slnwenbung  ber  £el?re  tton  ber 
©nabenwajrt  unb  bemerf  en,  baß  fte  uns  ^ueinemfreubtgen 
Vertrauen  $u  ©Ott,  £um  getrogen  Wlutfy  wiber 
alle  geinbe  unb  $ur  23eru£igung  in  $reu$  unb 
£rübfal  bienen  foll,  —  £>ie  (£rfafmtng  aller  grommen 
lef)rt,  baß  bieSSorte:  ©oti  J?at  mid>  geliebt  unb  er* 
wäjjlt  in  Qfyxifo  3efu,  el)e  ber  2ßelt  ©runb  ge* 
legtwarb,  ober tet)  btneinau$erwä!?lte3$tnb©ot* 
ie$  eine  Sßunberfraft  enthalten,  welche  alle  Söitterfeiten  be$ 
£ebenä  serfüßt  £)ie  greube,  welche  ein  @pr i (1  auS  ber  SSer^ 
fic^erung  feiner  <3eligfett  ober  ber  (Erwägung  ^um  ewigen  £e* 
ben  erhält,  tjl  ni$t  ju  betreiben.  —  @$  gab  £eute,  welchen 
©Ott  »ergönnte  im  ©eifie  einen  23ficf  in  ben  offenen  Fimmel 
^u  tpun  unb  tyren  tarnen  bafetbft  angefc^rieben  ju  ftnben ;  audj 
folc^e,  welche  burd)  ba$  innere  3eugniß  beS  £e&  ©eifteS  eine 
fo  fiarfe  SSerjtc^erung  i(jrer  6eligfeit  erhielten,  baß  fte  mit  tyau* 
luS  fagen  fonnten:  „3$  wti$,  an  2öen  ity  glaube,  unb 
bin  gew  ig,  baffer  mir  fann  meine  Beilage  bewajj* 
ren  bi$  an  jenen  £ag*  3$  bin  gewiß,  baß  mtdj 
ntc^tö  son  ber  ^0te6 e  ©otteS  in  Gtjjrifto  f^etben 
wirb/'—  ©emeiniglic^  erhalten  biejenigen,  welche  burdj  x>itl 


750 


^rü6fat  unb  ^Infe^tun^  Bewährt  ftnb,  emefotd)e  $erftd)erung, 
baf  fte  niä)t  barauf  aä)ten,  wenn  ber  ©atan  unb  bte  2öelt  ba£ 
©egentjjeil  behaupten,  fonbern  i£ren  ©Ott  mit  l)oä)fter  greube 
loten  unb  greifen*  ©ie  aä)ten  weber  harter  noä)  £ob,  wenn 
fte  mit  ©tepf)anug  ben  Fimmel  offen  fe£en,  unb  überwtnben  %U 
le£  mit,  wenn  fte  mit  $aufu$  bte  ©ewif^eit  Ijaben,  baf?  feine 
©ewaft  unb  leine  Kreatur,  ba£  Weber  £eben  noä)  £ob  fte  oon 
ber  £iebe  ©otteä  f^eiben  fotf*  —  SBetf  fta)  aber  Sftiemanb  biefe 
greubigfeit  aneignen  fann,  al$  berjem'ge,  welcher  bie18erfiä)e* 
rung  feiner  ©eligfeit  in  feinem  3nnern  fyat,  fo  ijt  nötfng,  baj? 
wir  jner  bie  wichtige  5^ge  erörtern:  „ob  bie  gläubige 
©eetefdjonau£©otte32Bort,  b uro)  bie  $raft  beS 
£eiL  ©eiftee,  einefefteunb  untrügliä)e©ewtgf>ett 
»on  ijjrer  ©nabenwaljl  unb  ©efigfett  £aben 
fönne,  ober  ob  fte  ba^u  einer  befonbern  ljintm* 
Iifä)en  Offenbarung  bebürfe?"  —  @$e  wir  auf  biefe 
gragen  antworten,  muffen  wir  (Einiget  in  (Erinnerung  bringen, 
unb  awar  1}  baf?  wir  femeäwegä  im  ©inne  Ijaben  ben  ©tä)ern, 
Unbufj fertigen  unb  ©ottlofen  ba$  Sßort  $u  reben,  bte  fta)  äu* 
ßerttc^  $u  ber  e*>angel:fä)en  $irä)e  befennen  unb  ftä)ü)re£  ©lait* 
benS  rülmten,  babei  in  allerlei  wiffentfia)en  ©ünben  (eben,  fo 
baß  fein  rea)tfa)affener,  lebenbfger  ©taube  an  i£nen  wafjqu* 
nehmen  tjh  £)iefe  fönnen  fta)  woljf  etnbtlben,  feiig  £u  werben, 
aber  bie  <&zvoi$$ät  fcfylt  t'Jmett.  £)te  6ä)rift  enthält  nirgenbS 
für  Unbufjfertige  unb  ©otttofe  bie  SBerjjeigung  ber  ©efigfett, 
wo£f  aber  bropet  fte'tJpnen  bie  ewige  23erbammmf?.  Unb  wenn 
bie  ©ottlofen  fta)  ber  ©eligfeit  rühmen,  Cwie  e$  manchmal  ber 
gatt  ify)  fo  ßel?t  es  gerabe  am  gefä£rlia)jkn  um  fte,  unb  eö 
ijl  $u  befürchten,  baj?  ber  ©atan  t^nen  biefe  3werftä)t 
eütgepfft  Ijat,  welcher  bie  ©einigen  burd)  falfä)e  2krfpreä)un* 
gen  fo  einfc^ldfert,.  ba$  fte  bie  Pforten  ber  £otfe  nia)t  ej?er  er* 
Miefen,  aU  bte  fte  hineingehen»  —  *Bon  folä)en  5D?enfä)en  ift  alfo 
ljier  nid)t  bie^ebe,  unb  bteSDrbmmg,  mifyc  wir  bi$£er  in  bte* 
fem  SÖerfe  beobaa)tet  jjaben,  geigt  Innlänglia),  ba$  wir  »onber 
©nabenwajjl  ber  53ugfer  tigen  unb  ©laubigen  fprea)en, 
welä)e  in  ©emeinfd)aft  mit  ijjrem  (Erlöfer  leben ,  ben  2Men 
©otteä  au  tjwn  fiä)  befleißen,  ^cm  antrieb  be$  |>eil*  ©eifie£ 


751 


folgen,  tfjren  £aufbunb  täglta;  erneuern,  ba3  £etl  Stbenbmaljt 
oft  unb  würbtg  geniegen  un*>  in  bem  feften  $orfa#  knarren, 
tjjrem  3cfu  getreu  ^u  bleiben  big  in  ben  £ob» 

2)  3ft  ju  bewerfen,  bag  bie  $erfta)erung  ber  ©eligfeit 
iljre  ©tufen  $$  unb  fiel)  niä)t  bei  allen  unb  )[eben  ©lau* 
bigen,  auc^  nia)t  allezeit  unb  in  gleichem  3ftaage  fm* 
bet— 2Öir  jjaben  oben  angeführt,  bag  Einige  zuweilen  eine  fola)e 
Qbtmfyät  oon  ij?rer  (£rwäj>luttg  pm  ewigen  £eben  erhalten, 
wie  wenn  fte  t^re  Tanten  im  Fimmel  angetrieben  gefefien 
Jjätten ;  allein  ba$  währet  niajt  immer,  unb  biefe  ©nabe  wiber* 
fä^rt  ifmen  nur  bieweilen  im  ®tUt,  beim  £ören  unb  £efen  beö 
göttlichen  2Borie3,  ober  in  groger  £rubfat  Dann  [fliegt 
ftcb  ber  offene  Fimmel  wieber  unb  wirb  zuweilen  mit  bieten, 
fc^war^en  SBolfen  überwogen;  ber  3ufprua)  ©otteg  in  iljrem 
£er^en  tterftummt,  unb  fte  geraden  in  Anfechtung ,  trauern 
unb  3cigen*  £>ieg  lägt  ©Ott  um  ber  ©ünbe  willen  $u,  bte 
noa)  in  ipnen  wohnet,  ober  aua)  um  fte  oor  &tfy  $u  hmäfy* 
ren,  burdj  Anfechtung  ^u  »rufen,  pm  ®ehtt  $u  ermuntern, 
unb  i^ren  ©lauben  in  freier  Uebung  $u  erhalten,  —  ©elbß 
ber  Apoftel  ^aulug  Ijatie  na$  feinem  eigenen  SBefenntnig 
bie  $erftä)erung  ber  ©eligfeit  nia)t  immer  in  gleichem  ©rabe* 
<£r  erfuhr  olme  3weifel  t>a$  9temlia)e,  \va$  alle  (BlaubU 
gen  erfahren,  —  bag  fte  manchmal  fo  $on  ginjiermfü,  gritbfal 
unb  Anfechtung  umgeben  ftnb,  bag  fte  nia)t  lefen  tonnen,  wa£ 
tljnen  boä)  fonft  in$  ©$$  gefa)rteben  ift,  unb  bag  fte  nia)t  im 
©tanbeftnb,  ben3ufprua)  be3  AtferfjocPen  ^u  oernefmtem  ©ie 
ftnb  oft  fo  UtxüU,  bag  fte  i^ren  Qnrlöfer  ntdjt  erlernten,  no$ 
t>k  ©cf>rift,  bie  oon  iprer  ^Begnadigung  in  ©einem  23lute  3eugt— 
©eratj?en  wir  nun  in  einen  äjimlid?en  3uftanb,  muffen  wir  un$ 
mit  täglichen  Anfechtungen  plagen  unb  ftnb  wir  unferer  ©eltg* 
tat  nia)t  fo  gewig,  wie  Anbere,  fo  Dürfen  wir  barauö  nietyt 
fa)liegen,  aU  ob  Ue  Gjrrwäljlung  pr  ©eligfeit  bei  un$  fejjle* 
tiefer  ©a)lug  wäre  fo  unrichtig,  aU  wenn  wir  fagen  wollten* 
SBir  fe^en  bie  ©onne  nta)t,  fonbern  lauter  ftnftere  2Bolfen; 
barum  tjaben  wir  un$  be£  ©onnenlidjteS  nia)t  ^u  erneuen*  — 
Der  peilige  ©eift  gibt  awar  ben  ©laubigen  3tu&M$,  bag  fte 
©otte£  $inber  jtnb ,  aber  nia)t  immer  unb  auf  einerlei  2Beife> 


752 


£)emna$  fömten  fte  eine  ©ewigpeit  ber  ©etigfeit  Ijaben,  wenn 
tiefe  gteia)  unter  siel  gura)t  unb  2lngft  rerborgen  tji  2Sir  muffen 
alfo  jn'er  einen  Unterbiet)  matten ,  unb  guerft  $on  ber  ©  e* 
U> tf  ^ ett  beglaubigen  reben,  bie  fta)  m'c^tm  Slnfe^tung 
beftnben,  na$j?er  aber  wollen  wir  bie  angefochtenen  unb  23e* 
flimmerten  über  biefen  ©egemlanb  tröfkn  unb  beruhigen» 

3)  3ft  nidjt  auger  tldjt  au  laffen,  bag  !)ier  $on  feiner  fol* 
<$en  ©ewiglpeit  bie  9?ebe  fe^n  fann,  weldje  alle  gurtet  au&= 
fdjltegt,  wie  wenn  ft$  bte  ©laubigen  nac$  Erlangung  berfelben 
«m  iljre  ©eligfeit  gar  nü$t  mejir  befümmern,  wie  wenn  fte  nidjt 
mel?r  fampfen  unb  Uttw,  ober  fonft  im  ©lauben  unb  in  ber 
©ottfeltgfeit  ft$  üben  bürften.  £)a£  fep  ferne !  —  £>ie  ©ewtgljeit 
unferer  (£rwäljlung  3um  ewigen  £eben,  son  welcher  wir  reben, 
fließt  $war  alle  fnec^tifc^e  gurcfit  unb  allen  Unglauben  au$, 
aber  ni$t  \>it  finbli^e  gur$t,  nid)t  bie  c$riftli$e  Borftdjt  unb 
(Sorgfalt  ©ie  mac$t  bie  ^e^en  nityt  ruc^loS  unb  fieser,  fon* 
bern  rei^t  fte  $ur  gurc^t  ©otte$,  $um  (&tUt,  jur  ©otteg*  unb 
Sftenfdjenliebe*  tyauluä  war  gewig ,  bag  tyn  ni#t$  t>on  ber 
$kht  ©  otteö  in  dprijto  3efu  Reiben  würbe  ^o$be$ä£mte 
er  fetnenßetb,  baß  er  nic^t  Stnbern  prebige  unb 
felbft  tterwerflidj  werbe*  3efu$  felbft  fprid)t  jwar  $u 
©einen  3üngern :  „greuet  euci),  baß  eure  tarnen  im 
£immel  angetrieben  finb/'  dt  fagt  aber  aud)  $u 
ipnen:  „finget  bamaefj,  bag  iljr  eingebet  burd)  bte 
enge  Pforte;  fepbwacfer  allezeit  unb  betet,  bag 
tyx  würbig  werbenmöget  auflegen  sor  be$  Wien* 
f  dj  e n  <B  o  £  iu"  —  2)te  Oen>tg|>ett  alfo,  t>on  ber  wir  reben,  iffc 
eine  ©ewtgl?eit  beö  ©laubenö;  ber  ©laube  aber  maa)t  mdjt 
|t$er  unb  gottlos,  fonbern  wac^fam,  sorftc(?tig  unb  gottfelig. 
2>iefe  ©ewtgfjeit  iß  fefy  unfehlbar  unb  untrüglich,  weil  fte  auf 
©otteS  ewiger  2BaJ?rj?eit  beruht;  boct)  ijt  bie  23ebütgung  i>a* 
mit  »erbunben,  bag  wir  im  ©tauben  hiß  an$  (ürnbe  beharren, 
«nb  un$  aller  $on  ©ott  serorbneten  Mittel  bebienen  follen* 
2)ie  ©laubigen  gleiten  in  biefem  galt  £inbern,  bie  son  ber 
Skfo  tl?re$  SSaterö  gan$  überzeugt  ftnb ,  aber  bemfelben  boa) 
fcen  fc^ulbigen  ©eljorfam  leijkn,  <&$  ij*  bei  ilmen  eine  2Jte 
fc^ungöon  gewiffer  Hoffnung  unb  finblic^er  gurc^t,  burc§  welche 
fte  $t$ti$  t)or  3weifel  unb  ©tt^er^eit  bewahrt  werben* 


753 


Hflati)  Hefen  vorläufigen  Erinnerungen  beantworten  wir 
bie  obige  grage:  ob  eine  gläubige  ©eele  au$  ©otte$  2Öort 
eine  fefie  unb  untrügliche  ®mi$fyät  von  tljrer  Erwägung  $ur 
©eligfeit  paben  fonne?  bafwi,  baff  alterbtngS  biejienigen, 
Welche  in  ber  ©emetnf^aft  be$  £errn  3efu  bleiben,  unb  barin 
bte  an$  (£nbe  ^u  verharren  wunden,  t^rer  ©nabenwalrt  aus 
©otteö  2Sort,  weld;e$  ber  £eil*  ©eift  in  iljrem  £er$en  bur$ 
<Sein  3eugni§  verftegelt  unb  aus  atXerfet  anbern,  unfehlbaren 
«Jetten  gewig  fe#n  fönnen;  ja,  bag  fte  um  ber  ^errltc^en  grüßte 
Witten,  bte  au$  biefer  ©ewigljeit  erwa^fen,  nemlt$  —  grtebe 
unb  greube  im  ^eiligen  ©eift,  ©ebulb  in  ber  £rübfal  u*  b*  gl, 
barnad)  trauten  foll'en,  von  allen  3weifeln  unb  aller  fned)tifct)en 
gurdjt  täglich  meljrloö  gu  werben,  unb  ben23er£eigungen©ot* 
m  von  ganzem  bergen  $u  trauen*  —  <£$  ij*  nicfjt  fdjwer,  bte* 
fe$  aug  ber  ^eiligen  ©d;rift  3U  beweifen,  unb  wir  fönnen  mit 
unferem  Xcxt  ben Anfang  machen,  in  welchem $auluS  mit  gro* 
ger  greubigfeit  von  biefer  Erwägung  rebet  unb  ft$,  als 
ein  au^ge^eic^neter  Wß&fkfy  mit  anbern  (griffen  ^u  @»befug 
3ufammenjMt :  „(belobet  f cp  ©Ott  unb  ber  SSater 
unfereö  £errn  3efu  (Efyxifi,  ber  un3  erwäget 
patin@!)rijto,el?eber28elt©runbgelegt  warb»" 
2)ajjer  bürfen  bte  £ef>rer  aufy  f>eutige£  £ageS  fein  33ebenfen 
tragen,  mit  it?ren  gottfeltgen  3u£örem  barüber  3U  reben,  bag 
fte  von  ©Ott  in  S^rtfto  erwäget  fe^en,  e£e  ber  Seit  ©runb 
gelegt  warb,  unb  biefe  follen  e£  für  wafjr  galten*  £)enn  tva§ 
ber  Sipopcl  au$  eintrieb  be£  Reuigen  ©eifteS  an  bk  (£j>rif!en  gu 
GrpjjefuS  fc^rteb,  ba3  £at  er  augleid)  an  äffe  gläubigen  ©eelen 
getrieben,  bie  hi$  $um  jüngflen  £ag  auf  biefer  <£rbe  fe^n 
werben»  SDHtjnn  foll  ftcf>  fein  bußfertiger  von  biefer  3apl  au&* 
fliegen,  fonbern  mit  greuben  bem  2tyoffelnad)fpre<#en:  ,,©e* 
lobet  fe$  ©ott,  ber  un3  erwctfjletjjat  in  ££rijto, 
e£e  ber  Seit  ©runb  geleget  warb*" 

3n  einer  anbern  ©teile  fagt  $5aulu$:  „3$  weig,  an 
wen  tdj  glaube,  unb  bin  gewig,  bag  dv  mir  fann 
meine  Seilage  vzwafyxzn  hi$  an  jenen  £ag."  (£)ie 
6eltgfeit  ber  ©laubigen  wirb  nemlidj  eine  Beilage,  einanver* 
trautet  ®ut  genannt,  ba£  ©Ott  unb  SefuS  in  ©einer  $erwaljrung 


754 


$at,  bei  »eichen  es  tt>o^I  nia)t  verloren  ge£t)  —  gerner  petgt 
eS:  „2©er  will  uns  fo)etben  oon  ber  €iebe  ©otteS? 
S£rübfal  ober  Slngft,  o t> e^  Verfolgung,  ober 
junger,  o  ber  $  löge,  ober  ©efapr  ober  ©a)  werbt?" 
3n  bem  2ille*m  überwtnben  wir  weit  um  Neffen 
willen,  ber  uns  geliebet  fjat*  £)ennia)  bin  gewig, 
tag  weber  £ob  n^  £eljen,  Weber  <£ngel  no$ 
gürftentf)um,no$©ewalt,  weber  ©e gen wärttgeS 
noa)  3u*wnftigeS,  wefcer  £ojjeS  noa)  £iefeS,  noa) 
eine  anbere  Kreatur  uns  fa)eiben  mag  oon  ber 
Riefte  ©otteS,  bie  ba  ifl  in  ££rijto<3efu  unferem 
#errn."  —  $auluS  fommt  auf  tiefen  $ewfprua)  erft  am  (£nbe 
eineö  aiemlia)  langen  Kapitels  beS  Briefs  an  bie  Körner,  in 
welkem  er  hk  *>oraüglia)jten  ©rünbe  angegeben  I?at,  auf 
Wsla)en  ber  gewiffe  £roft  ber  ©laubigen  beruht,  unb  will  bamit 
geigen,  wie  ber  @j?rtjt  über  bie  ©nabenwaljl  naa)benfen  unb 
fta)  berfelben  ^ule^t  gan$  *>erfta)ern  folL  —  (£r  mu§  nemlia) 
juerftbei  fia>  9taa)frage  galten,  ob  er  aua)  in  ^^rtfto  f?9? 
£>teg  ifi  barauS  ju  ernennen ,  baß  er  nia)t  naa)  bem  gteifa), 
fonbern  naa)  bem  ©eift  wanbelt,  bag  er  (grifft  ©eift  £at,  ber 
baS  wa£re  £eben  in  tjmt  hervorbringt,  oag  er  bura)  ben  ©eift 
beS  gleifa)eS  ©efa)äfte  tobtet  unb  |ta)ttts  ©otteS  $inb  som  £ei* 
iigen  ©eijt  regieren  l&ffet*  25  o  ahev  ber  £rteb  beS  Zeitigen 
©eijteS  ift,  ba  wirb  eS  aua)  an  bejfen  innerem  3eugntjfe  nia)t 
fehlen,  babura)  er  unfern  ©eijt  »erjta)ert,  bag  wir  ©otteS 
ßmber  ftnb*  SSeil  jefcoa)  bie  ©lauMgen  noa)  in  tiefer  2öelt 
leben  unb  alfo  ojjne  Prüfung  unt>  grübfal  nia)t  feon  fönnen, 
fo  jetgt  fta)  ber  ©eijt  ©otteS  in  ifjnen  burd?  ©ebulb  unb  £off* 
nung  ber  aufünftigen  £ errlia)f dt,  bie  an  uns  offenbaret  werben 
foll,  unb  bura)  eine  |>erälia)e  ©e£nfua)t  naa)  ber  greipeit  ber 
$inber  ©otteS*  SOSo  fta)  nun  bieg  2WeS  fxnbet,  ba  barf  man 
gewig  fe$n,  bag  fola)en  $flenfa)en  alle  2)mge  ^um  heften  bienen 
muffen»  $>iefe  fönnen  fta)  aua)  oerfta)ert  galten,  bag  ©ott  baS, 
was  (£r  tu  tynen  angefangen  J>at,  in  ©naben  hinausführen, 
unb  wie  dx  fte  oon  <£wigfeit  J>er  erwählt  unb  ^ur  $inbfa)aft 
mit  3£m  bura)  (£j)rtjtum  oerorbnet  £at,  alfo  aua)  bura)  ©eine 
5^aa)t  in  biefew  ©tanbe  erhalten  unb;  wx  ewigen  ©eligfeit 


755 

Antigen  werbe*  —  3)arawg  fofgt  nun  weiter  bie  groge  greu* 
btgfett  Bei  allen  Einfettungen  be3  ©atang  unb  ber  Seit,  imb 
zulegt  bie  t>öKfge  ©ewif^ett,  ba§  un$  nia)t£  baS  raupen  fonne, 
tt>aö  uns  ©Ott  t>on  ßrwigfeit  fjer  gugebadjt,  unb  3efue  bura) 
©ein  Selben  unb  Sterben  erworben  ffatf  ^*  £)iefe$  aa)te  Si& 
pitel  beS  SBriefä  an  bte  Körner  nannte  cm  frommer  £e£rer  mit 
fRtfy  ba$  golbene  £rofibüa)fein  ber  $inber  ©otteS, 
unb  e£  wäre  $u  wünfa)en,  bafj  alle  ©laubigen  baffelbe  au£* 
wenbig  fernen  unb  rea)t  oft  $u  t£rem  £rofte  Behüben  motten. 
£)emt  wenn  wir  t>a#  gan^e  Kapitel  bura)lefen -unb  ftnben,  ba$ 
ber  2lpoftel  rea)t  eigentlich  ben  3uftanb  imfereS  $tV$t$  betreibt, 
fo  fönnen  wir  feinen  anbern  ©a)luf  machen,  aU  ben,  Wellen 
aua)  er  gemacht  tjah  — $ßer  mit  tyaulüü  unb  anbern  ©laubigen 
(£inen  ©lauben ,  (£inen  ©eijt,  dinm  ©tmt,  Einerlei  .freu^ 
unb  ©efmfua)t  fyat,  wer  nebft  l^rtt  in  ber  ®emeinfa)aft  ÖfjrifK 
lebt  unb  feinem  Girrlofer  täglia)  ä(mlid)er  jlt  werben  fua)t,  ber 
barf  nia)t  zweifeln,  ba$  er  aua)  mit  tjmt  b%i  gleiche  3id  er- 
reichen werbe*  ©ott  ift  ja  noa)  ber  alte,  treue,  weife,  gütige, 
barmherzige  unb  mächtige  ©ott,  ber  (üEr  allezeit  war,  ©eine 
£anb,  bie  ben  ^auluS  ergriff,  iß  noa)  nia)t  tferfüqt,  ©eine 
9}?aa)t,  bura)  welche  <£r  iljn  gur  ©eligfeit  bewahrt,  unb  ifjm 
bura)  fo  in'el  -ifte^e  beS  ©atan3,  bura)  taufenb  Strübfal e  unb  2öi* 
berwärtigfeiten  ausgeholfen  fat  au  ©einem  j?immlifa)en  9?eio), 
ifi  noa)  nia)t  gefa)wäa)t,  wie  fia)  aua)  ©eine  ^iebe,  ©eine 
I  2Öaf>r£aftigfeit  unb  £reue  noa)  ma)t  tm©eringflenr>erminbert 
pat*  £)ai?er  bürfen  alle  grommen  bem  Sipofiel  jene  äöorte 
mit  sollfommenem  ©lauben  naa)fprea)en;  beim  wenn  ta)  ober 
bu,  ober  Sltibere  bieg  nia)t  tyun  Dürften,  wo$u  fmb  jene  gol* 
benen  ©lauben^worte  in  ber  ©a)rift?  Dber  gelten  un$,  bie 
wir  an  Sefum  Gijmjrum  glauben  unb  3jm  lieb  l?aben,  blo$  bie 
2)rof> worte  ber  ©a)rift  an?  ©el?ört  nta)t  baS  $rob  für  bie4 
hungrigen,  bie  frifa)e  Duelle  für  bie  2)ür|tenben  uttb  bieflare, 
lautere  Wilfy  für  bie  matten,  betrübten  «freien  ?  — 

3ener  2lu$fprua)  allein  würbe  |>inreia)en,  um  bie  ©laifc 
bigert  iprer  ©eligfeit  $u  serjtcfyern;  bo$  e£  gibt  nodj  mehrere, 
tt>ela)e  wir  $war  anführen,  bie  genaue  23etraa)tun<5  aber  benen 
uberlaffen  wollen,  welchen  t$  mit  ijjrer  ©eligfeit  etil  (£rhjt  tjß 

48* 


756 


me,unb3a)fennefie,  unbfiefolgenSttir,  unb3a)gebe 
i£nen  ba$  ewige  2eben,  unb  ft«  werben  tt immer« 
me^rumf  omme  nun  bleiern  anb  wirb  fieauS  deiner 
£anbretßem  Der  JBater,  ber  ffe  SDHr  gegeben 
£at,  ift  großer,  benn  2llle3,  unb9Hemanb  fann  fie 
au$  deiner  £anb,  reißen*"  —  2la),  £err  3efu,  bu  trener 
£irte  unb  23ifa)of  unferer  ©eelen,  t)abe  Danf  für  biefe  33erfta)e* 
rung  unfereö  £eilö!  Sitte*  beruht  barauf,  baß  wir  wiffen,  ob 
wir  $u  Deinen  ©ä)afcn  gehören;  bann  wirb  fia)  ba$  Uebrige 
»cn  felbß  geben»  —  %n  gipp  bn  zmi  ^ennaeiajen  an:  „baß 
Deine©a)afe  Deine  «Stimme  J?ören  unb  baß  fie  Dir 
n  a  a)  f  o  l  g  e  n*"  SBeibeS  ftnben  wir  bura)Deine  ©nabe  in  un$,  wenn 
aua)  ma)t  in  fola)erJBolifomment)eit,  wie  fia)'*  gebühret,  boa) 
in  2tufria)tigfeit  Dein  SSort  ift  unferer  ©eele  i*ujt  unb  Deine 
9"taa)folge  ift  unfere  täglia)e  23emüt)mtg,  barin  wir  un$  üben.  — 
Du. wirft  um  affo  in  Deiner  £anb  bewahren,  wir  werben 
nimmermehr  umkommen,  unb  Du  wirft  uns  au$  ©naben  ba$ 
ewige  £eben  gebem  ©elobt  fei;  ©Ott,  unb  gelobt  fe$  Bän 
jjeiliger  flaute  immer  unb  ewigtia)  ! 

Raffet  un3  £ören,  m$  ber  Styoftel  weiter  fagt,  wela)er 
mit  mü)x  £rübfal,  2lnfea)tung  unb  SÖtberwärtigfeitJum  beS 
Samens  3efu  willen  erbulbete,  aU  Rubere,  unb  ba^er  aua) 
mit  einer  größeren  greubigfeit  erfüllt  gewefen  $u  fepn  fa)eint* 
„2Öirftej>en  in  ber@nabe,"  ruft  er  au$,  „unbrüj>men 
un$  ber  Hoffnung  ber  zukünftigen  £errlia)feü, 
bit  ©ott  geben  füll*  9cta)t  allein  aber  ba$}  fon* 
bern  wir  rühmen  unö  aua)  ©otteö  bura)  unfern 
£>errn  Sefum  @i)riftum,  bura)  wela)en  wir  bit 
$erfö£nung  empfangen  £aben."  —  X>ic  Triften 
tonnen  unb  foltert  fta)  alfo  ber  fünft  igen  £errlia)fett  unb  ©e* 
ligfeit  rühmen ;  fte  füllen  eo  nia)t  allein  fagen,  fonbern  bamit 
allen  Einfettungen  be$  ©atanS  unb  ber  28elt  trogen.  —  2öa  $ 
aber  noa)  mej>r  ifh  „Bit  rühmen  fia)  aua)  ©otteö, 
jle  rüt)men  fia)  Setner  2lllmaa)t,  ©einer  Sei^jjeit,  ©einer 
©nabe,  ZitU  unb  ©üte,  fte  wiffen  unb  glauben  e$  fe|t,  ba^ 
<£r  ij>r  ©ott  unb  23ater  fep  unb  bleiben  werbe  immer  unb 


75? 

ewtgttä;,  ©tefer  Sftupm  if!  aber  feine  leere  ^raljlerei,  fonbern 
2öal)rf>ett,  unb  grüntet  ftd?  auf  bie  SSerfjeifmngen  ©otieä,  auf 
baä  SBerbtenfi  3efu  GtyrtfK  unb  auf  ba$  3eugnig  bes  fettigen 

©etjte$. £)te  SBerb:»  bung  ber  2lueerwäf?lten  mit  3efu 

Gtyrtjto  fann  ber  ©atan  $war  anfechten,  aberntet  trennen; 
„bennberfefte©runb©ctte$beftefjt  unb  t?atbtefeS 
©iegel:  ber  §txx  fennet  bte  ©einen*"  2Öa3  aber  ©Ott 
fennt  unb  auf  einen  feften  ©runb  gefegt  fyat,  ba$  wirb  jfejrett 
Metben  unb  fein  getnb.wirb  e$  3£m  entreißen*  — 

£ie£er  gehört  aua)  no1$  ber  Slusfprud)  be$  StyoftelS  $e* 
trug:  „3£t  werbet  auö@otte^9^aa)t  bura)ben©lau2 
ben  bewahret  gur©e(,tgfcit"  2)er  Slpoftet  rebet  nemlta) 
tton  benen.  bte  bura;  ©orieg  ©nabe  wiebergeboren  finb 
§u  einer  lebenb  igen  Hoffnung  unb  £U  einem  uns  er- 
gättglia^en  unb  unbe fteeften  unb  uns  er w et flia;en 
<£rbe  tm£tmmel  SBett  aber  gerabe  biefe  bura)  altertet 
Reiben  unb  Siberwärttgfeiten  angefügten  werben,  fo  fegt  er 
ben  £roft  Din^u,  bag  fte  aus  ©otteg  Wlafyt  bura)  ben  (Glauben 
bewahret  werben  $ur  ©etigfeit  —  Demnaa)  fmb  wir  wn  ber 
9ttaa)t  ©otteS  überall  umgeben  unb  babura)  sor  bem  Angriff 
ber  getnbe  gefiebert;  unb  $>a$  Mz$  tljut  ber  £err  an  un$  um 
beg  ©taubeng  willen,  mit  bem  wir  unö  an  3efum  Gtyriftum 
Ratten*  —  —  (ümbtia)  wollen  wir  noa)  eine  ©teile  auö  ben 
Briefen  S^^anni^  fnn$ufügen:  ,,©ota)e$£abeia)eua)ge* 
fa)rieben,  bte  i^r  glaubet  an  ben  tarnen  be^©o^ 
ne£©otte3,  aufbafn^r  wiffet,  t>a$ifyvba$  ewige 
£eben£abt  unb  bag  t  ^  r  glaubet  an  ben  9?  amen  be$ 
©  o  y  n  e>$  ©  o  1 t  e  fc*  ©ie  ^eiligen  Männer  ©otteä  fa)rieben 
aug  antrieb  beö  ^eiligen  ©eijleö  unb  unterrichteten  bie  ©tau* 
bigen  $on  ber  ©nabe  unb  £tebe  bes  £errn,  bamit  fte  wiffen, 
bag  fte  ba$  ewige  2eben  fyaUn*  tylityin  i(t  e$  ©otteS  gnäbiger 
$8i\lz,  ba$  wir  nia)t  zweifeln  noa)  »erjagen,  fonbenfson  un* 
ferer  Grrwäftfung  gur  ©ettgfeit  überzeugt  fepn  unb  un$  alle$ett 
fciefes  3Trofte^  erfreuen  füllen. 

SSenn  wir  nun  i>a&  33iSj?erige  wc|?l  bel)er$igen,  fo  wer* 
ben  wir  un$  mit  groger greubigfeit  bason  überzeugen,  fcafhmS 
bie  ©ettgfeit  in  @£rijlo  3efu  nia)t  bloS  erworben  mt>  beigelegt, 


758 


fonbern  aua)  buro)  (Sottet  $Raü)t  fo  bewaljret  werbe,  bag 
nid)t$  in  ber  StöeXt  un$  biefelbe  rauben  fonue*  2BeiI  aber  ber 
(Satan  biefe  freubtge  ©ewigjjeit  ber  ©oitfeligen  mit  Siber* 
Witten  ftejjt,  ba  er  mi%,  bag  biefefbe  einen  SÖorf^macf  be$  ett)i^ 
gen  SebenS  mit  ftd)  bringt  unb  aur  @ottfeIfgfeit  immer  me£r 
aufmuntert ,  fo  lägt  er  nidjt  naa),  bie  ©laubigen  uuaufjjörlia; 
anaufea)ten,  tyxt  £eraen  in  beftänbiger  2lngjt  unb  gurä)t  gu 
erhalten,  ij?nen  ben  grieben  (S'^rtfit  ju  nehmen,  fte  au  allen  £ei* 
ftgen  Hebungen  tterorojfen  unb  unfähig  ^u  maa)en,  unb  wo 
mögtia)  in  Söeraweiflung  gu  ftür^en*  2)af>er'ift  nötijtg,  bag  wir 
un3  noa)  weiter  mit  biefem  ©egenflanb  befa)äftigen,  unb  na* 
mentlia)  mehrere  beg^alb  fa)on  gemaa)te  Einwürfe  $u  wiber* 
Cegen  fudjen. 

1)  könnte  tin  §ingefoa)tener  fagen:  3djJ>abebi$f>er 
gehört,  bagbte©faub  ig  eniJjrerSeHgfeitgewig 
fepn  fonnen  unb  foHe-n,  wa$  tä)  gerne  angebe;  aber 
ba$a^gftigtmi$,bagiä)befüra)te,ia;mö$*eniä){ 
unter  bie  3&H  ber  2lu3erwäl?Iten  gehören,  unb 
affoaua)feine#offnungaur<öeUgfeit£a&en,i$ 
mag  t£un,  wa$  iä)  will,  darauf  antworte  ia):  3ene 
ängftlia)en  ©ebanfen  über  bie  ©nabenwajrt,  wefa)e  bte  9?ujje 
ber  <Seefe  fioren,  rühren  ojme  3wetfel  *>om  ©atan  per,  wa$ 
$>axa\x$  erpeftt,  bag  ba$,  wa$  un$  in  ber  <5a)rift  gum  £rojl  unb 
$ur  greube  geoffenbart  i%  in  2lngfl  unb  3weife*  s  erfeijrt  wirb» 
„2öa$  gefajrieben  ift,  fagt  ber  2tyoftef,  t>a$  ift  un^  aur 
„£el?re  gef  abrieben,  aufba§  wir  bura)@ebulb  unb 
„£rojt  ber  <5$r ift  Hoffnung  Ijaben."  60  oft  bie  jm* 
{igen  Männer  ©otteä  »on  ber  ©nabenwajrt  reben,  reben  fte 
nie  f$üa)tetn  ober  in  bunfeln  Muöbrücfen  barüber,  fonbern 
fprett)en  mit  ©ewig^ett  unb  gveubtgfett  bason,  um  (ta)  felbjt 
unb  5lnbere  %u  tröjten  unb  ber  £iebe@otteö  au  t>erfta)enu  SSenn 
nun  atfeg  ba£  umgefe^rt  wirb,  wenn  ftd?  t>k  @ewtg£eit  tu 
3wetfel,  ber  £roft  in  Slttgji  »erwanbelt,  fo  fönnen  wir  unä 
leia)tbenfen,  baß  bieg  ein  Söerf  beg  ©atanö  ift,  ber  feine  greube 
baranjjat,  bie  frommen  £eraen  au  ängffr'gen  unb  au  plagen» 
jDegijafb  jmo  wir  tterpfltajtet,  folgen  ängfilta)en  ©ebanfen  aus 
att.en  Gräften  $u  Wiberßejen.  ®ie  ©a)rift  fagt:  „SSH.r  fe^en 


759 


ertönt  au$ber£anb  unftrer  geinbe,  f  offen  Od  Ott 
bienenopnegurdjtunfer^ebenfangin^eiligfett 
unb  ©ereä)tigfeit,  bie3jjm  gefälfigifl  SBirfof* 
fett  niä)t  for gen,  unb  ber  griebe  ©otteä  f off  unfere 
£er$enbel?errfä)enunb  bewahren/'  £)emnaa)  follen 
tt>tv  allen  ängjtlta)en  ©ebanfen,  bie  un$  nur  in  ber  ©ottfe'tg* 
feit  jnnbern,  von  £er$en  feinb  fepn.  Sollte  jtä)  wol?f  ein 
$inb,  boö  unter  liebreicher,  väterlicher  2luffta;t  fte^t,  mit  bem 
©ebanfen  quälen,  ob  eg  and;  in  ber  Ziehe  feinet  93aier$  hUU 
ben  werbe?  ©enieft  e$  nia)t  vielmehr  mit  fröl?liä)em  £er$en 
ba$,  wa$  fein  SBater  i£m  gibt,  unb  befleißt  fia),  ibm  mit  finblt* 
ä)em  ©eljorfam  $u  begegnen?  Sßarum  wollten  wir  un$  anberS 
gegen  unfern  £immltfä)en93ater  betragen,  unb  ettoaä  von  3!w 
erwarten,  voa$  ©einer  Ctebe  $uwtber  wäre  ?  —  gerner  ift  ntä)t 
auger  2l$t  au  faffen,  bag  fota)e  ängftlia)e  ©ebanfen  metftotS 
olme  @runb  ftnb  unb  bag  bie,  welä)e  benfelben  nad^ängen, 
auf  bte  grage:  warum  fte  jweifeln,  —  gewöjmlia)  nichts  |tt 
antworten  wiffen,  al3:  e$  bünfe  i^nen,  fte  fe^en  aua)  unter 
ber  3a£f  ber  Verworfenen  u»  bergL  @ie  plagen  ftä)  alfo  mit 
iljrett  eigenen  ©ebanfen,  unb  geben  ftä)  einer  unnötigen  £rau<* 
rigfeit  £üu  <&ie  glauben  ben  Grinflüfterungen  beö  ©atanä  me£r, 
aU  ben  $aljlreiä)ett  SBerftdjerungen  ber  Ziehe  be$  getreuen  ©ot* 
ie$.  —  9)?ir  fällt  f>ier  baö  23eifptel  von  einer  grau  ein ,  bie 
feljr  aur  Traurigkeit  geneigt  war,  unb  fta)  befonberä  barüber 
betrübte,  baf?  fte  von  (&ott  verworfen  fep*  2>iefe  befafytt  einp 
t!)r  Beichtvater,  bem  ü)r  anliegen  wo£l  berannt  war»  <£r  fanb 
fte  gerabe  mit  bem  (Stillen  i^reS  ^tnbe$  befa)äftigt,  baö  in  ber 
SDhtiter  ©a)oo§  lag,  unb  mit  einer £anb  an  t£rem£alfe  fpielte* 
SÖßd^renb  bem  weinte  bie  grau  bitterliä) ,  ber  Beichtvater  aber 
fpraef)  gu  t£r :  2Bcmn  werbet  3!>*  @«a)  bod)  einmal  gegen  ©Ott 
fo  betragen,  tt>ie  biefetf  Sft'nb  gegen  Oma)?  &  liegt  p  ^utrau* 
fia)  an  (£urer  Bruft,  freut  fta)  (Eurer  Ziehe,,  unb  benft  babei  an 
nichts  2Irge$,  2Bantmmadkt3l?re$  nia)iaua)fo?  ©ottjjatunS 
Tillen  ©einen  ©oj?n  gegeben,  wir  {jaben  ©ein  SBort  unb  <Seint 
peiligen  ©aframentc,  bie  voll  £rofte3  ftnb,  Sßarum  beilüdet 
3£r  biefelben  nia)t  mit  gleicher  greube,  unb  fä)öpfet  £xoft  bar* 
au$  mit  fro!)lia)em  £er$en  ?  SÖSarum  Ränget  3#r  £uren  angfi* 


760 


Itytn  ©ebanfen  meljr  naä),   aW  ben  $erfta)erungen  ®ot* 

Söitf  aber  ber  2utgefoa)tene  barüber  ®eroij$eit  erlangen, 
ob  er  3um  ewigen  £eben  erroci^lt  fep ,  ober  nicbt,  fo  tjt  not^tg, 
bag  er  guerjt  über  bie  vergangene  %iit  feineö  ßebenö 
m  b  über  bte  ?tebe  unb  ©üte  ®otte£,  bie  i£m  roiberfa^ren  ift, 
rea)t  naa)benfe,  roeil  biefe  beutlia)  bavon  $eugt,  rote  gut  ber 
£err  es  mit  un$  meint  unb  un$  ©einen  lieben  ^inbern  ©eine 
etvige  ©nabe  augebaajt  fyäbt.  33ebenfe  alfo,  oQt^rift,  $>a$ 
bu  bura)  ©otteg  ©nabe  im  ©djoog  ber  ä)rijtlia)en  $irä)e  ge* 
boren  unb  burd)  bie  ^eilige  £aufe  in  einen  $3unb  mit  ®ott  ge* 
treten  bift  unb  fo  vor  vielen  taufenb  9ftenfd;en  einen  2Sor$ug 
erlangt  jwft  SBebenfe,  roie  bia)  beut  ®ott  von  Rintyät  an  fo 
gnäbig  geführt,  fo  väterlid)  verforgt,  fo  mäa)tig  befa)ü£t  unb 
erhalten  j?at,  roie  ©eine  ©üte  unb  ^Barmjer^igfeit  bir  alleni* 
palben  nachgefolgt  ift,  roie  (£r  bieb  burd;  ©ein  Sßort,  bura) 
©einen  ©eift,  bura)  bein  ©eroiffen,  bura)  beine  Altern  unb 
treuen  greunbe  fo  oft  erinnert,  geroarnt  unb  von  beinen  ©im* 
benroegen  prücfgerufen  $at,  roie  (£r  bir  ein  fytxfiifytä  SBerlan* 
gen  naa)  beinern  @rlöfer  unb  ben  ernftlta)en  23orfag,  3pn  mm* 
mer  $u  betrüben,  einigte  ib.  2Bie  fannff  bu  alfo  2flifitrauen 
in  ©eine  @üte  unb  ^Barmper^igf eit  fe§en,  bie  t>u  fo  oft  fä)on 
*vfajren  £a(t?  SBarum  lebjt  bu  nia)t  ber  geroiffen  3uverfta)t, 
bag  „£)er  in  bir  angefangen  fyat  ba$  gute  SBerf,  ber 
tt>erbee£aua)vollfüj)ren  bi$  an  ben  £ag  3efu 
ß^riftt?"  SQSarum  fprta)jl  bu  ni^t  mit  jener  gotteefüra)tt* 
gen  grau:  „2$enn  ber  £>err£uft  fyättt  un$  $u  tobten, 
fo£dtte<£rba£Dpfernt abgenommen  von  unfern 
£änben;  (Jjätte  unfer  <&tbtt  unb  ©eufjen  nia)t  fo  vielfältig 
erkort,)  <£v  fyättt  uneaua)  nitt)tfola)eS2llle$  erzeigt 
ttoa)un£  fota)e$  £ören  laffen,  roie  je$t  gcfü)e£en 
tfL"  —  fiä  ijt  fürrca^r  an  beutlia)er  33e*vei$  von  ber  auger* 
orbentlia)en  $izhe  ©oiiee,  roenn  @r  bir  mit  ©einer  ©üte  über* 
all  unb  bein  gan$e3  £eben  lang  nad)folgt,  unb  biefelbe  bir 
jjauvifddnia)  aud;  belegen  fo  reia)ltcb  ersetzt,  ^amit  bu  nia)t 
nur  au3  ben  Fertigungen,  fonbern  aua)  w$  eigener  Grrfab* 
nma,  V^on  ©einer  ©nabe  verjta)ert  fe^n  foüefl    3jt  eö  alfo 


761 


iua)t  Unrecht  twn  bir  unb  ber  grögte  Unbanf  gegen  beuten  ge* 
treuen  ©Ott,  wenn  bu  Seiner  früheren  £icbe  gleia)fam  $er* 
giffefi  unb  bir  som  ©atan  3weifel  unb  ängftlicpe  ©ebanfen 
einbögen  läffejt?  — 

2>enfe  ferner  aua)  über  bie  gegenwärtige3ei*  unb 
über  beu3uftanb  naa),  in  welkem  bu  bta)  j[e£t  beftn* 
bejt.  —  £)ag  ber  23unb  ber  ©nabe  auf  ©eiten  ©otteg  noa)  fejt 
fiept  unb  ©ein  #er$  gegen  bia)  um>eränbert  bleibt,  fannft  bu 
barauö  abnehmen,  bag  dx  mit  beiner  ©a)waa)peit  noa)  immer 
©ebulb  trägt  unb  bir  ba$  Mißtrauen  ntü)t  gurecfmet,  wela)e$ 
ber  ©atan  hü  bir  erwecfte.  9Roa)  jic#t  lägt  er  Seine  ©nabe 
über  bir  walten,  noa)  fe^t  rebet  <£r  bir  in  ©einem  SBorte  unb 
bura)  ©eine  ©iener,  wie  bura)  r>iele  anbere  fromme  ©eelen 
tröjtlia)  §»;  Unb  bein  (£rtöfer  fpria)t  $u  bir:  „$omm  per  $u 
„$Hr,  ber  bumüp feiig  unb  be laben  bif*,  3  a)  will  bia) 
„erquiden,  bei$Hr  foUft  bu  Sftupefinben  für  betne 
„©eele."  (£r  bietet  bir  ba$  tpeure  $fanb  ©eines  MU$  unb 
S3luteö  im  peiligen  2Ibenbmapl  bar,  unb  ber  peilige  ©eif!,  ber 
in  bir  wirft,  be£eugt,  bag  bu  noa;  in  ber  ©emeütfa)aft  3efu 
CEpriju'  lebefL  —  allein  bu  fannjt  augerbem  aua)  au$  mepreren 
^enn^etcpen,  wela)e  ber  ©taubige  an  fiä)  paben  foll,  fa)liegen, 
bag  auf  beiner  <5citt  biefer  23unb  ebenfalls  nicpt  aufgepoben 
ijt.  2)er  Siuserwäptte  iß  nemtta)  ma)t  jta)er  unb  rua)lo$,  tcit 
bie  ®inber  ber  SOßett,  feine  ©ünben  macpen  ipm  Kummer  unb 
er  ift  um  feine  ©eligfeit  beforgt.  <Btin  ©taube  iffc  ein  fteter 
$ampf,  er  ringt  barnaa),  bag  er  eingepe  bura)  bk  enge  Pforte, 
tk  #\m  £eben  füpret,  er  fa)afft  mit  gurcpt  unb  3tttern,  bag  er 
feiig  werbe.  (£r  freujigt  fein  gleifa),  unb  pält  feine  Regier* 
ben  im  3anm,  bag  er  nia)t  Ui  falfa)er  drinbitbung  serwerflia) 
werbe,  <£r  tput  grogen  gleig,  bag  er  feinen  33eruf  unb  Gi:r* 
wäplung  fejt  maa)e,  er  yeracptet  bie  eitle  £ujt  ber  Sßelt  unb  tfi 
bereit,  um  feines  £erw  ^iü^x  Mt$  aufzuopfern.  —  Unfer 
£etlanb  fagt:  „2üleS,  wads#Hr9ttetn  25ater  gibt,  ba$ 
f  ommt  ($u  $h'r,  unb  wer  $u  Ti  ix  fommt,  ben  werbe 
3a)  nta)t  pinauejlogen.  (£j  fann  Sftiemanb  ^u  5fttr 
Jommen,  es -fey  benn,  bag  ber  SSater  ipn  jiepe."  $fr't* 
pin  werben  bie  tiueerwäplten  baran  ernannt,  ba$  jte  gußprijüo 


762 


fommen,  ftc$  an  3^n,  als  ipren  einigen  Butler  unb  tiebfien 
<£rlofer,  Ratten,  fta)  fietö  naa)  3N  fernen  unb  mit  einem  büß* 
fertigen  £er$en  immer  31t  3f>m  napen»  2lua)  fpria)t  ber  £err, 
Wer  $u  $h'r  fommt,  ben  will  3$  mc^t  hinausflogen.  —  9?un, 
fo  maepe  felbfi  ben  ©$luß;  biefeS  MeS  ftnbet  fta)  ja  an  bir, 
bu  gottfeltgeS  unb  befümmerteS  £er^  £)u  bift  um  betner  ©elig* 
feit  bitten  fepr  in  (Sorgen,  unb  beine  £f?ränen,  beine  ängffti* 
<$en  ©eufoer,  btin  IjeftigeS  Beten,  bein  fingen  unb  kämpfen 
ftnb  nichts  anberS ,  als  3eia)en  beineS  ©laubenS  unb  beS  pei* 
tigert  ©eifteS,  ber  in  bir  wopnt  (£S  ifl  alfo  flar,  wie  po$  bu 
bk  ©nabe©oiteS,  bk  @emeinfa;aft3efu  (grifft  unb  bie  Selig*» 
feit  fa)ä$efi.  ©0  maa)en  es  bie  Verworfenen  ni$t ;  biefe  mei* 
neu,  eS  fe^  leiajt  in  ben  £immel  $u  fommen  unb  ftnb  beßpalb 
c{>ne  borgen.  £)ie  gura)t,  man  möa)te  unter  bie  Verworfen 
nen  geboren,  ftnbet  fta)  nur  bei  ben  2luSerwäplten ;  benn  jene 
laßt  ber  ©atan  abfta)tltcf>  opne  Slnfedjtung,  weil  er  ftc  eper 
burc§  ©ia)erpeii  in  feiner  ©ewalt  bepalten  mag»  2)en  ©ott* 
feiigen  unb  ^luSerträplten  aber  fe£t  er  part  $u,  mit  er  fiept, 
baß  fte  feinen  ©triefen  entronnen  ftnb  unb  mit  @xnß  naa)  tprer 
©eligfeit  trauten.  —  £)u  biß  ferner  aua;  von  «£)eqen  befltffen, 
bem  £erw  3efu  nachzufolgen  unb  ipm  ©ein  ßreua  täglia) 
nachzutragen,  bu  »eracptefl  bk  (£itelfeit  ber  SQSelt  unb  ipre 
Jperrtidjifeit  ifi  bir  eine  gporpeit»  2Seil  bir  aber  ©Ott  eine 
fola)e  ©ejtnnung  gegeben  fyat,  fo  barffl  bu  jta)er  glauben,  ba$ 
er  bta)  $u  einer  größeren  £errlicpfett  auSerforen  pabe»  — 
Itcberbieß  fommj*  bu  ja  täglich  gu  beinern  <£rlöfer  in  wahrer 
Buße,  im  ©lauben,  im  (Bebet,  in  Slnpörung  unb  Betrachtung 
©eines  28orteS ,  im  anbäa)tigen  ©enuß  ©eines  peil»  2l6enb* 
maplS ;  bu  opfevß  3bm  bein  £er3  unb  hi$  bereit ,  bic^  ganj 
©einem  X)knfte  {ringugeben.  £)aper  btjibu  aua)  unter  ber  3apf 
bercr,  welche  3£m  ©ein  $ummltfa)er  23ater  gegeben  $at,  unb 
welche  Qrr  nia)t  JrinauSffoßen  wirb.  £u  gepörft  unter  ©eine 
2IuSertt>äf>lten  unb  ©eliebten,  ©eine  £raft  erfüllt  bia)  in 
großer  ©$waa)peti,  ©ein  Sluge  leitet  bid)f  ©eine  £anb  fä)ü* 
#et  bia),  ©eine  ©nabc  erquiefet  unb  ©ein  ©eift  trofiet  bia).  — 
2öaS  fott  ber  gütige  ®ott  mepr  tfjmt,  um  bity  beineS  £eilS  $u 
serfta)em  ?  — - 


763 


(£nblidj  benfe  aud)  anbie3ufunft,  benfe  baran,  toit 
£0$  ©ia)  beut  ©Ott  imb  SSater  befeuert  fmt,  bag  (£r  bid) 
ntc^t  tterlaffen  nod?  serfäumen  wolle,  unb  bag  bia)  Sftemanb 
aus  ©einer  £anb  reiben  werbe.  2)emnaa)  fannjt  bu  mit  D^ec^t 
alle  ©eine  Steigungen,  tn  tx>etd;en  (£r  tterfyroa)en  Ifiat,  bie 
©einen  btö  anS  (£nbe  im  ©tauben  ^u  erhalten.,  aua)  auf  bi# 
be$ief>en.  Erinnere  bic$  juna^ft  an  folgenbe:  „3$  ^ abe 
3ttein  2lngefta)t  im  2lugenbticf  be$3orn$  etnwe* 
ttigvor  btrs  erborgen;  ab  er  mit  ewig  er  ©nabe  will 
3$mi$beinerbarmen,fpri$tber£err,  bein(£r* 
töfer.  <£$  fotlen  wo£l23erge  weichen  unb  £ügef 
Einfallen;  aber9)?eine©nabe  foltnidjt  sonbir  wet* 
$en  unb  ber  33 unb  meines  grteb eng  f oll  nta)t  £in* 
falten,  fpria)t  ber  £err,  bein  (ürrbarmer.  Dbetn 
SBetb  ipreg  $inbleine  ttergeffe,  [o  wilt34>  bo# 
bein  ntc$t  ttergeffen,  ftef>e,  inbie£änbe  £abv3$ 
bic^gegeic^net  2)ie©nabebeS|)errnwä|>ret$ott 
(SwigfeitsuGEwigfeitüberbie,  fo3 £  n  für  d;te nie  — 
2)abur$  werben,  alte  3weifet  befeitigt,  welche  namentlich  bie 
frömmften  ©eeleu  oft  fo  lange  beunruhigen,  ©ie  fragen  jta) 
manchmal:  wer  weig,  ob  ify  &öl  anS(£nbe  ausharren  fann  unb 
felt'g  werbe?  ©Ott  freiließ  weif  baS;  aber  wir  fönneri  eg  au$ 
wiffen,  auger  eg  mügte  an  ©Ott  ober  an  un3  fehlem  — - 2ln 
©ott  fe£lt  e$  nie;  benn  (Er  ijt  ein  getreuer  ©ott,  unb  eö  wer* 
ben  eijer  Fimmel  unb  (£rbe  vergeben,  att  bag  ©eine  33er Jet* 
gungen  trügen,  äöie  fönnte  (£r  bte  ©eelen,  bie  (£r  fo  perjlicjj 
geliebt  unb  mit  bem  33tute  ©eines  ©ojjneg  erfauft  fyat,  »er* 
werfen?  ©oüte  ber  barmjjergige  23ater,  ber  t>k  fünbjwften 
9Äenfc$en  mit  fo  groger  %khe  unb  £angmutf?  gefugt  unb  \>om 
SBerberbett  errettet  bat,  biejirnigen  tterfbgen,  bk  in  ©einer 
gurtöt  leben  unb  mii^m  bura?  3efum  ^Jrijlum  vereinigt  ftnb? 
SDßäre  ba$  nidjt  eine  fdjlmtme  Butter,  bte  i|>r  $inb,  bat  fte 
mit  2tng$  unb  ©c^meqen  geboren  imt>  mit  ©orgfatt  erlogen 
l>atf  sule^t  gan^  »ergeben  tonnte?  Unb  wir,  wir  wollten  bieg 
von  bem  guten  ©ott  erwarten?  —  San  uns  mvi>  e3  auty  m$t 
festem  S&ir  ftnb  ^war  fd)Waa)e  SWenföen,  ftnb  mit  allerlei 
SBerfü^rungett  be3  ©atanS  unb  ber  Seit  umgeben  unb  Ijaben 


764 


ttoa;  mit  t>em  eigenen  gletfa;  unb  SBlut  gu  fämpfen,  wegwehen 
wir  wadjen,  beten,  fämpfen  unb  bejttmbig  auf  unferer  £ut 
fepn  muffen;  allein  wir  muffen  in  folgen  fingen,  bie  unfere 
©eligfett  betreffen,  nia)t  fo  fej?r  auf  uns  felbft,  als  auf  ©ott 
feiern  Die  2öeinrebe  ift  fdjwaa),  unb  fann  son  bem  Sßinbe 
leicht  niebergebeugt  werben ;  wenn  jte  fta)  aber  um  einen  ftor* 
!en  ©aum  f  anfingt,  ober  an  einen  $fa£l  befefh'gt  iß,  fo  ij*  jte 
ftc^er*  <£benfo  wäre  jebe  2lnfea)tung  beS  €>atanS  mäa)tig  ge* 
nug  uns  gu  überwältigen,  wenn  wir  uns  auf  eigene  $raft  ser* 
faffen  wollten;  allein,  weil  wir  an  £lmjto,  bem  Saume  beS 
Gebens,  Rängen  unb  bura)  ©otteS  $raft  gur  ©eligfeit  bewahrt 
werben,  fo  fann  uns  ber  ©atan  nia)ts  angaben,  (£S  ifl  Grine 
<5mabe,  bura)  weldje  wir  aufgerüstet  werben,  unb  barin  wir 
$efkjjen,  unb  G£tne$raft©otteS,  bie  uns  in  ben  Einfettungen 
teS@atanS  erhält  unb  im  ©lauben  hewafyxt  bis  ausübe»  — 
<$ott,  ber  einen  Xa'$  um  ben  anbern  gibt,  gibt  aua;  eine  ©nabe 
mm  bie  anbere,  unb  wie  unfer  natürliches  £eben  aus  fielen 
auf  einanber  folgenben  3«ten  Uftefyt,  fo  befteljt  baS  geifttia;e 
$eben  aus  fielen  an  einanber  Ijängenben  ©naben  unb  2Bo£l* 
traten  beS  £öü)ften.  3eber  £ag  l?at  feine  eigene  $lage,  aber 
anä)  feine  befonbere  ©nabe  unb  2Bof>ltjmt;  beim  bie  33arm* 
$er$igfeit  beS  £errn  Jjat  fein  (£nbe,  fte  ifi  alle  borgen  neu, 
unb  Beine  Zxeue  ijt  groß.  SSie  nun  unfere  ©a)waa;l?eit  unb 
Ue  2lnfe$tung  beS  ©atanS  bie  ©nabe  unfereS  ©otteS,  bärin 
wir  gegenwärtig  fielen,  nia)t  fiinbent  ober  aufgeben  fann,  fo 
wirb  altes  baS  aua;  bie  ^ufünfttge  ©nabe,  babura)  wir  bis 
<*nS  Gntbe  $er£arren,  nia)t  Ijinbem  fömten.  —  Darum  fa)liege 
ii)  mit  ben  SSorten  $etri:  Der  ©Ott  aller  ©nabe,  ber 
uns  berufen  pat  $u  ©einer  ewigen  £errlia)feit, 
berfelbige  wirb  euar,  bie  ipx  eine  tltine^eitleU 
bei,  sollbereiten,  jtärfen,  fräftigen,  grünben;  bem* 
fclbigen  fepgbre  unb  ättadjtson  (Ewigfeit  gu  (£wtg* 
feit!" 

2)  gerner  tonnte  ber  2lngefoa)tene  einwenben:  ©er 
größte  Z$ei\  ber  5D?enf d;eu  tft  tton  ©Ott  verworfen, 
unbnur2öentgefinbauSerwäplt;baSij^eSeben,waS 
mia)  mit  ©a)recfen  erfüllt.  Darauf  antworte  ia):  Silier* 


765 


btngg  tft  ber  größte  £(ml  ber  $?cnfdjen  verworfen  ,  aber  nifyt 
burdj  einen  Dfatljfdtfuß  ©otte£,  fonbern  um  if>re$  Unglaubens 
willen,  ginben  wir  nun,  baß  wir  burä)  bie  ©nabe  beS  £erw 
*>on  bem  großen  Raufen  abgefordert  unb  jur  33uße  unb  ^um 
©lauben  gebraut  fmb,  fo  tonnen  wir  barauö  fc^Iiegen,  baf 
nur  ^u  ber  fleinen  beerbe  geboren,  weld)erba$  9?etdj  $u 
geben  ba$  Sßojjlgefallen  beg  l?immlifa)en  S3ater# 
tj!.  @te£t  ein  gef>orfame£  $inb,  baß  fein  SSater  über  fä)lea;te 
£)ienßboten  gorntg  wirb  unb  fte  aug  bem  #aufe  entfernt,  fo» 
fajeut  e$  fta)  ^war,  ben  SSater  $u  beleibtgen,  ober  ei  fürchtet 
nidjt,  auä)  son  il?m  serßoßen  jju  werben,  ba  e$  niä)t  im  ©inne- 
hat, ungeljorfam  gu  fepn,  tt)te  jene«  Grbenfo  ge^t  e$  aud>  bie 
glaubigen  $inber  ©otte$  nidjt  an,  wenn  ber  £err  bie  Unbuß* 
fertigen  unb  ©ottlofen  ffraft.  ©ie  furzten  3J»n  gwar  als 
einen  geregten,  beiligen  unb  eifrigen  ©Ott;  aber  fte  lieben  3!w 
au$  als  ifjren  SSater  in  ^rtfto  3efu.  — 

3)   Sßeiter  fönnte  3emanb  ein^enben;    tdjjja&eoft 

unb  siel  gefünbtgt,  befonberStn  metner  3ugenb, 

unb  bin  ein  unreines  ©efäß  geworben,  baS  ber  Satan  ju  fei* 

nem  SBtllen  mtßbraud)t  $at,  barum  fürdjte  td),  td)  mochte 

nid)t  erwählt  fesm;  benn  wie  |>ätte  ©ott  fonjl  gutaffen  fonnen, 

baß  i^  in  fo  fa)were  ©ünben  gefallen  bin  ?  —  Slber ,  wenn 

alle  btejenigen  verworfen  würben,  weldje  ftd>  fdjwer  tterfünbtgt 

^abtxi,  fo  müßte  man  aud;  £>a$ib,  $etruS,  ^auluS  unb  2ln* 

bere  unter  bie  Verworfenen  ^ctplen.    ©Ott  Jjat  fäne  ^eiligen 

Slbfta)ten  babei,  warum  <£r  eS  juweilen  guläßt,  fcaß  i>k  ©et* 

nigen  in  bie  ©triefe  beS  ©atanS  fallen  unb  in  benfelben  oft 

längere  3^it  verharren  muffen.    3ubem  offenbart  ft$  ©eine 

SBeiSljett,  2ltlmaa)t  unb  ©üte  nirgenbS  perrlid)er ,  als  an  fol* 

djen  ©efallenen,  wenn  fte  fte?)  befehlen,    2lua)  fte£t  ©Ott  nifyt 

auf  baS,  was  wir  gewefen,  fonbern  was  wir  burc$  ©eine 

©nabe  geworben  jtnb.  dx  fali>  ^war  Wi  unferer  (üfrrwäfjlung  gur 

©eligfett  unfere  ©ünben  oorper,  aber  (£r  fap  aua)  wnfere  53uße 

unb  unfern  ©lauben,  gu  welchem  wir  burc$  ©eine  ©nabe  ge* 

langen  würben.    £)arum  bürfen  wir  um  ber  ©ünbe  willen 

nia)t  an  unferer  (£rwä£lung  zweifeln,  fonbern  um  unferer  33uße 

unb  um  unfereS  ©laubenS  willen  bte  ©eligfett  bur^  3efum 

ßSmjtum  erwarten. 


766 


I)  (En  anbcrer  (Einwurf  tf* :  „Wl  a  n  p  a  B  e  v t  e  I  e  58  e  t* 
fpiele,  bagaua)  f*  omme  $?enfa)en  vor  ip  rem  (£nbe 
fa)were  Einfettungen  erbulben  unb  einen  garten 
^arnpf  auSp alten  muffen,  fte  paBen  gegittert  unb 
gesagt  unb  ipnen  fep  um  £roß  Bange  werben*" 
203er  tvetß,  fo  fagen  33iele,  oB  e$  uns  nia)t  aua)  fo  gepen  unb 
vB  wir  üBerwinben  unb  ben  ©teg  Bepalten  werben?  —  (£3  ijt 
allerbingg  rta)ttg ,  bag  fa)on  mana)e  fromme  unb  glauBige 
<££rificn  vor  ipremßmbe  einen  fa)weren  ©tanb  Ratten;  aBer  jle 
üBerwanben  bura)  bie  ©nabe  ©otteS  unb  bura)  bie  $raft  3efu 
ßprijti;  fte  gitterten  unb  jagten  aU  9#enfa)en,  fte  ftegten  aBer 
<iU  G^riften*  2Benn  ber  £err,  unfer  ©ott,  bte  ©einigen  gu* 
teilen  vor  ijjrem  (£nbe  in  Einfettung  fallen  lägt,  fo  gef  a)iept 
«3,  bamit  bte  ©ottlofen,  bie  fofa)e$  feiert,  gum  $ftaa)benfen 
geBraa)t  werben,  in  fta)  gepen  unb  fagen:  gefa)iej>t  baS  am 
grünen  £olg,  \x>a$  wtlTö  am  bürren  werben?  Q£$  gefa)iept, 
bamitbie  umfiepenben  frommen  babura)  vor  ©ia)erjjeit  gewarnt 
werben,  bantit  fta)  ber  Sieg  ber  jterBenben  Gtfmften  befio  beut* 
lia)er  geigen  unb  bie^raft  unb  £teBe  ©otteg,  welcher  bie  ©ei* 
nigen  Bio  an^l  Gmbe  nia)t  verlägt,  jta)  bejio  mepr  verperrlidjett 
möge*  —  ©ollte  e$  ©Ott  gefallen,  bag  aua)  wir  Bei  unferem 
©Reiben  au#  ber  2ßelt  in  äpnliä)e  Einfettungen  fommen, 
fo  wirb  (£r  boa)  Seine  $erpctgungen  an  uns  erfüllen,  unb 
wie  (£r  fta;  in  unferem  gangen  SeBen  aH  einen  getreuen  ©Ott 
gegeigt  ljat,  unb  un$  nie  über  unfer  Vermögen  verfua)t  werben 
lieg,  fo  wirb  <£r  bag  aua;  tfmn  in  unferer  legten  3?otp*--  ©lauBet 
nia)t,  bag  Qdott  uns  bem  ©atan  üBerlaffen  will,,  wenn  (£r  un$ 
bura;  fo  viele  £teBe  unb  ©üte  Bio  an  bie  Pforten  be$  |)immel$ 
geBraa)i  fyat.  £>ie  ©eelen,  bit  3efuö  fo  treuer  erfaufte, 
ftnb  in  ©einen  klugen  poa)geaa)tet,  unb  wenn  dx  fte  fo  lange 
unter  vielem  Einfettungen  unb  Elergerniffen  vor  beS  £eufel$ 
2ftaa)t  unb  £#  Bewahrt  tyat,  fo  wirb  (£r  fte  aua)  in  bem  legten 
$ampf  gu  Bewahren  wtffen  unb  in  ©eine  £errlia)fett  aufnehmen* 

5)  (£nblia)  pört  man  päuftg  fagen:  wir  wollten  un$ 
gerne  folc^er  angfUtdjen  ©ebanfen  entpalten; 
aber  wir  lonnen  berfelBen  nia)t  lo$  werben*  —  <fe 
tfl  xifyti&,  bie  ©inflüperungen  be$  ©atanö  bringen  fta)  immer 


767 

Ytrieber  auf  unb  laffen  fta;  nicbt  fo  leicht  abwetfen;  bcd^  wäl>rt 
bieg  nur  eine  beftimmte  &it,  unb  wenn  eS  bem  £errn  gefällt, 
fo  muß  ber  gemb  weisen  unb  wir  werben  mit  $ftuf>c  unb 
^rieben  in  (Sfmfb  3efu  erfüllt   <£inftweilen  aber  muffen  wir 
fülle  fepn,  auf  ^k  ©üte  be$  £errn  hoffen  unb  barauf  bebaa)t 
feyn,  baß  wir  im  ©ebet,  im  £obe  ©otteg  unb  in  anbern  gott^* 
feltgen  Uebungen  nict)t  verbroffen  werben»  —  £öret,  wtö  ein 
frommer  3flann  in  einem  är)nftc$en  galle  get!?an  %at.  £>a  ber 
(Satan  i£n  mit  Bweifeln  über  feine  (£rwär)lnng  jur  6eltgfeit 
gu  ängftigen  fua)te,  unb  iljm,  wenn  er  im  £>ienjte  ©otte$  noct) 
fo  eifrig  war,  ben  ©ebanfen  eingab:  tfme,  xvaö  bu  witfft,  e$ 
tft  boä)  umfonfl:,  bu  btjt"  boa)  nict)t  ^um  ewigen  £eben  befhmmt  jc«. 
fo  antwortete  er:  bem  mag  fepn,  wieipm  will,  \^u  folljl  aber 
wiffen,  baß  ia)  ©ort  nidjt  au$  £ol?nfud)t  btene,  fonbern  um 
Seiner  felbjt  Witten,  —  weil  dv  e£  wertt)  tft,  baß  (£r  von  mir 
unb  allen  ©efct)öpfen  t)oa)gee^rt  unb  gepriefen  werbe,  —  Unb 
auf  biefe  Sßeife  fwtte  (£r  ^rieben.  —  $?acr)e  e$  aua;  fo ,  o 
(££rift,  unb  laffe  biet)  nict)t$  irren,  fonbern  bleibe  beinern  ©Ott 
getreu  unb  jjalte  bia;  ju  3efu,  bem  ©efreu^igten ,  fo  wirft  bu 
über  beine  (Erwägung  jur  ©eligfeit  naä>  unb  naa)  genügenben 
5luffct)luß  ermatten',  ©teigen  audj  noa)  fo  ängjtTict)e  ©ebanfen  irr 
bir  auf,  fo  fpria) :  2J?ein  ©Ott,  wenn  bu  mict)  von  Grwigfeit  t)er 
unter  bie3at)t  ber  Verworfenen  gefegt  Ijätteft,  fo  müßte  ia)bo$ 
befennen:  „£err,  £u  bift  gerecht  unb  2)  eine  @ertcr)te 
ftnbreei)t;  unb  wenn  2)umia)  gl  ei  et)  tobten  wolltefl, 
fo  wollte  ict)  boct)  auf  £)ia)  hoffen!7'  Söenn  icr)  nie  eine 
Verheißung  von  deiner  ©nabe  empfangen,  auet)  nie  ein  3eug* 
niß  aus  eigener  (£rfa£rung  vor  mir  gehabt  pättc,  fo  würbe  ict) 
e$  machen  wie  ein  Zeltler,  ber  einen  reichen  3flamt,  welct)tn 
er  $uvor  nie  gefet)en  fjatte,  breiji  um  ein  Slllmofen  bittet,  — 
ober,  um  mit  ber  ©a)rift  $u  reben,  tet)  würbe  e£  mact)en,  wie 
ba£  cananäifct)e  2Bei&,  welct)e  feine  Verheißung  vor  ffer)  l^atte, 
unb  ftet)  boct)  niö)tabweifen  ließ,  fonbern  fo  lange  anfielt,  U$  fie 
©nabe  erlangte,  —  2lber  nun  j?abe  i$  2)eine  vielfältigen  Ver* 
peißungen  unb  bie  mannigfachen  (Erwetfungen  ©einer  ©ütr 
vor  mir,  mithin  würbe  ict)  £ir,  o  ©Ott,  Unrecht  tjjwt,  wemr 
tet)  nict)t  lauter  ®wte$  von  2)ir  erwarten  wollte,  jc. 


768 


gmro)  ba$  SBi^erige  ftnb,  wie  wir  poffen,  bie  3weifef 
über  unfere  (£rwä£lung  ^ur  ©eligfeit  weggeräumt,  fo  bag  ber 
©unfertige  imb  ®taubi$e  mit  allem  D^e^t  fagen  tarnt:  ,,ta) 
bin  ein  au$erwä£lte$  linb  ©otte&"  (B  wirb  baljer 
ma)tnotptg  fepn,  bag  wir  eua)  noa)  weiter  ausführen,  wie 
man  biefe  £errlta)e  $erfta)erung  allen  £rübfalen  uttb  SGSiber* 
Wärtigfeiten  entgegenfe$en  foll*  —  2Ba£  fann  un$  ferner  be* 
trüben,  ba  biefe  $  er  jta)erung  uns  erfreut;  wa$  fann  un$  in 
$reuj  unb  Traurigkeit  fräfttger  troften,  aU  baß  wir  be$ 
#immel$  unb  unferer  ©eligfeit  gewig  fmb  ?  23in  ia)  arm  in 
ber  2Belt;  ber  Fimmel  iß:  mein  mit  allen  feinen  ©a)ä#em 
23ütia)  seradjtet,  serlaffen,  sergeffen;  ©ott  fiat  mein  gebaut, 
e£e  ber  Seit  ©runb  geleget  warb.  3a)  bMm  Fimmel,  als 
ein  au^erwä£lte$  ih'nb  $ odjgef a)ä$t  unb  ber  £err  fann  meiner 
nia)t  ttergeffen;  benn  Grr  {mtmia)  in  ©eine  £änbe  ge$eia)neh  — 
35er  ©atan  fegt  mir  ^war  gu,  unb  plagt  mia)  mit  feinen  2ln* 
fea)tungen ;  aber  tt>a$  fann  unb  will  er  gegen  ein  iltnb  ®otte$ 
au$ria)ten  ?  $ann  er  wojrt  meinen  tarnen  an$  bem  SBua)  be$ 
Gebens  au&tfgen,  ober  fann  er  mia)  aug  ber  £anb  meinet 
©otteS  unb  meinet  (£rlöfer$  reißen?  —  ©e£t  e£  aua)  in  ber 
SSelt  wunberbar  gu,  mel?rt  fta)  ba3  gottlofe  2ßefen,  bie  galfa> 
peit,  bieEüge,  bie  23o$£eit;  lag  e£  geljen,  ber  fefle  ©runb 
©otte$  befielt  unb.  J?at  biefeö  ©iegel:  „2)er  #err  fennet 
bie  ©einen/'  Üftag  aua)  ber  ©atan  Sitten  verwirren  unb 
tterbre^en,  mag  er  feinen  ganzen  ©rimm  über  un3  au^laffen, 
weil  er  weig,  bag  er  nia)t  lange  3?ü  M>  er  fann  boa)  fein 
auäerwäplteS  $inb  ©otteS  gän^ta)  »erführen,  unb  bis  an$ 
CEnbeaufbiefem  3rrweg  ergattern  @r  famtjefu,  biefem  getreuen 
gurten,  fein  ©a)äflein  nehmen,  noa)  imS  $on  berfr'ebe  ©otteS 
fa)ciben.  SSenn  gleia)  bie  2luSerwä£lten  im  ginflern  ft£en, 
fo  ifl  boa)  ber  £err  ipr  £ia)t;  wenn  fte  fa)on  bebrängt  werben, 
f  o  fann  man  fte  boa)  nia)t  überwältigen,  „©iepabenawar 
allentpalben  £rübfal;  aber  fte  ängfien  fia)  nia)t, 
weil  fie  wtffen,  bag  if>re  £rübfal,  t>it  aeitUa) 
unb  leia)t  tjl,  fä)affet  eine  ewige  unb  über  alle 
5DUag  wia)tige  £errlia)fett.  3£nenijlbange,  aber 
fte  »erjagen  nia)t;  fie  leiben  Verfolgung,  aber 


769 


fte  werbennic[)ti)er(affen;  fiew erben unterbrütft, 
aber  fie  f  ommen  nitt)t  um,  ©iewiffen,  ba§  t^nett 
a((e2)inge  aum  23ejten  bienen  muffen,  bag  @ott 
fte  (eitet  nad)@ einem  SRatj?,  enbtta)  aber  $u@?£ren 
annimmt/'  2ßol)(an  benn  ijjr  2lugerwäl?lten,  galtet  eua)  an 
btefen£roft;  (äffet  biejenigen  trauern,  bie  an  ber  ©e(igfeit 
ber  $inber  ©otteö  feinen  £t?ei(  Iwben,  beren  Hoffnung  auf 
hk  (Eitetfeit  gegrünbet  tft  2Öir  ftnb  im  £imme(  unb  jum  £tmme( 
erwägt;  wir  ftnb  für  ben  £imme(  erfauft  unb  werben  audj 
täg(i$  bura)  ba$  Söort  unb  ba£  (tebe  $reua  aum  £imme(  be* 
reitet  <£$  ift  um  ein  $(eine£  $u  tljun,  fo  werben  wir  im 
#imme(  feptu  — 

Saturn  fofft'  i$  mta)  benn  grämen?  £abuf>bo#  <£&d|him 
noö) ,  2Ber  ttrilt  mir  2)en  nehmen  ?  23er  Witt  mir  ben  £immet  tauben, 
2)en  mir  f#on    ©ottes  ©otjn    S3eige(egt  im  ©tauben? 

IL  (£nb(iä)  wetten  wir  biefe  trojtreia)e  £etjre  von  ber 
©nabenwajrt  au$no$  jur  Aufmunterung  in  ber  ©Ott* 
fe(igfeit  unb  $u  einem  tjeüigen  £ eben  unb  2ßanbe( 
anwenben(ernen*  —  3n  unferem  £erte  fagt  ber  Sfyofteh 
($Qtt  jmbe  un$  erwägt,  bamit  wir  Jjeütg  unb  unfträf (idj 
fe^n  fo((en  t>or3^winber?iebe,  £)amtt ftimmen autt) 
fo(genbe  2tuefprüa)e  von  tym  genau  überein:  „203ir  finb 
©otte$  203  er  f,  gef Raffen  tn  (J^rifto  3efu  $u  guten 
Söerfen,  3uwe(^enunö@ottaur>or  bereitet  jjat, 
baß  wir  barin  wanbe(n  fo((en.  ©er  £err  fennet 
bie  ©einen,  unb  e$  trete  ab$onberUngerea)tig* 
feit,  wer  ben9}amen(£ifmfti  nennet  <Bo  fiepet  nun 
an,  aU  bie  2lu$erwäjj(ten  ®otte3,  £ei(tge  unb 
(beliebte ,  £er$(ia)e$  Erbarmen,  greunb(id)fett, 
£>emutf>,  ©anftmutfj,  @ebu(bjc/'  (Benfofagt^etruS: 
„hieben  33rüber,  tfyut  befto  meljrg(etg  euren  33e* 
ruf  unb  @rwäl?(ung  feft  au  machen,  unb  reibet  bar 
in  eurem  ®(auben£ugenb,unbinber  £ugenb  33 es 
fä)eibenljeit,  in  ber  33efa)eibenl)eit  Seifig  feit,  in 
berfJMßigfett@ebu(b,  in  ber  ©ebu(b  @ottfe(ig* 
feit  unb  in  ber  ©ottfe(igfett  brüb  er  (id?e  Siebe  un& 
in  ber  brüberttä)en  Siebe  a((gemetne  Siebe  :e/' 
©criüer'ä  ©eetenf<$a&.  49 


770 


2lu$  biefen  ©tetfett  erfjetlt  nun  beuttidj,  ba$  ©ottki  ber 
©nabenwafjl  n)te  bei  ©einen  übrigen  2Ö3o£tt£aten  beab* 
fta)tige:  wir  feilen  3{rot  bienen  in  £eittgfeit  unb  ©erecij* 
tigfeit  unfer  £eben  lang*  5ludj  erforbert  bte  £)anfbarfeit, 
bafj  wir  bie  ©nabe  ©otteS  urfcjjrtflo  3efu  bentüt^tg  erfennen 
unb  2We3  tjjun,  wa$  $um  ?obe  eines  fo  gütigen  unb  liebreichen 
SBaterS  gereichen  fann:  „2Bir  finb  ba$  augetwäljlte 
©efdjlec^fr,  ba$  ^eilige  93otf,  ba$  $olfbe$  Girigen* 
tljumö,  bag  wir  tterfünbigen  füllen  bie  £ugenben, 
(bie  £tebe,  t>ie  ©nabe,  bie  SÖeiöljeit,  bie  $raft) 
Neffen,  berun$berufenl)at$>onberginfternifnu 
©einem  wunberbaren  $i$t  —  3ubem  ifi  eg  unum* 
gänglic$  notljwenbig,  baf?  wir  uns  ber  ©oitfetigfeit  Befleiß 
fttgen,  wenn  wir  unferer  Rechtfertigung  unb  unferer  ©eltgfeit 
gan^  gewig  fe^n  wollen*  £)enn  bie  ©djrift  fiat  feine  $er* 
Jjeigung,  noc$  weniger  eine  Söerftdjerung  ber  ©etigfeit  für  t>k 
unbußfertigen  unb  fiebern  9J?enf<$en*  2öer  jtd;  auf  ©otteg 
©nabe,  auf  baö  SSerbtenjt  3efu  (grifft  unb  ben  SCrofl  be$  jjei* 
ligen  ©eifte$  berufen  will,  ber  mug  abtreten  t>on  ber  Ungerecf)* 
ttgfeit  2ötr  jtnb  in  Gtjmjb  erwäget;  wer  aber  in  dljriffa  ijl, 
ber  empfangt  au#  bem  ©etfte  d^rtpt  aua;  ein  neue$  £eben, 
eine  neue  Äraft  unb  einen  neuen  ©inn.  3$o  biefe$  nia)t  ifi, 
ba  fann  man  ber  ©emeinfdjaft  mit  ££rifta,  alfo  audj  ber  gott*. 
fttt)en  ©nabe  unb  be$  ewigen  £eben$ ,  titelt  serfta)ert  fepm 

Raffet  uns  ba$  wofrt  erwägen-,  meine  3ujjörer,  unb  uns 
ber  wahren  ©ottfeligfett  befleißigen.  2öa3  fönnen  wir  bem 
lieben  ©Ott  für  alte  ©eine  ©üte  anbers  erweif en,  aU  baß  wir 
3^n  wieber  lieben,  ij>n  fürchten,  toben  unb  greifen  ?  £),  ee  gibt 
leiber  ber  ©ottlofen  in  Stenge,  bie  ©einen  ^eiligen  Warnen 
läftern  unb  3Pn  burä)  mutwillige  ©ünben  unb  beharrliche  Un* 
bußfertigfett  beleibigen !  £5a{>er  wollen  wir,  bie  wir  ^>cin  (£U 
gentium  jtnb,  ©einen  tarnen  loben  unb  3Ü>n  burd)  einen  un? 
ßrciflidjen  Sßanbel  erfreuen!  Raffet  un$  eifern  um  unfern  ©Ott 
unb  um  ©eine  <££re*  3a,  laffet  un$  ate  2lu$erwä£tte  3N 
unfer  £er$,  unfere  3nnge,  unfere  Gräfte  unb  unfer  ganzes  £eben 
wittig  unb  mit  greuben  jum  Opfer  bringen,  2öir  fa)ließen  mit 
ben  Sorten: 


-771 

Wim  ©Ott,  öffne  mit  bte  Pforten 
©einet  @nab  unb  ©üitgfeit, 
?afl  mtö)  aUtfit,  aller  Orten, 
©ä)metfen  ©eine  ©üfigfeit; 
Siebe  miä)  unb  treib  mt<#  an, 
£>af  itt)  3Mtt),  fo  gut  iä)  fann, 
SBieberum  umfafj  unb  liebe, 
Unb  fortan  m$t  me&r  betrübe,  Slmen, 


3t  tun  t  t    ^teiijt 
58  on  kern  ^rieben  mit  ©Ott 

2,  dornet  5,  1.  üRun  nrir  benn  finb  geregt  würben  burtfc  ben 
glauben,  fo  $aben  wir  ^rieben  mit  @ott  bur#  unfern  £ertn  3efum 
<£$ri|ium. 


ß  t  n  9  a  n  g* 

^m  9lamm  Scfu!  Staat, 

3)er  fromme  unb  gebulbtge  £tbb  fpraä)  tn  fetner  größten 
*ftot£:  „8iefK  ba,  mein  3euge  iftim£immeL"  9lafy 
©otte$  unerforfä;lia;em  SRatjjfc^Iufü  fyattt  er  all  ba$  Peinige 
verloren,  unb  fanb  nichts  metjr  auf  ßrrben,  tt>a$  i£n  tröjten 
forntfe,  ©eine  tinber  rcareri  ipm  geftorben,  feine  grau,  anftatt 
tjm  au  tröffen,  betrübte  ijm  noa),  fein  ©efmbe  aa)tete  nia)t 
auf  ijm,  feine  greunbe  Rotteten  unb  erhärten  tyn  für  ben 
Ur^eiber  fernes  eigenen  Ungfütf^  3n  biefer  traurigen  £age  berief 
er  ftä;  auf  einen  3*ugen,  ber  im  Fimmel  t'jt,  be'r  £er$en  unb 
Vieren  prüft,  unb  fua)te  hä  biefem  £rojt  unb  £ülfe»  —  2)em* 
naä)  fönnen  betrübte  nia)tg  33effere$  t£un,  aU  bajrfte  Slugen 
unb  £eqen  $um  £immel  emporheben»  3 war  fe£en  bie  £rauew* 
ben  gewö^nlia)  unter  fta) ;  aber  bie  Triften  fotten  t>a$  fyaupt 
emporheben  unb  in  i£rer  9?otj)  ben  Fimmel  anfa)auen*  3)a£er 
fagt  2)a$ib:  „3$  pebe  meine  klugen  auf  ^u  ben  33er* 
gen,  ttotttt>ela)ett  mir  £ülfe  fommt,  meine  £ülfe 
tommt  »om^errn,  ber  £imme*  unb  @rbe  gemalt 

49* 


772 


f}at"  SBeralfo  £roft  unb  Sabfal  m  ber  Sftotp  bebarf,  ber 
fa)winge  ftcp  im  ©eift  unb  ©lauten  31t  feinem  ©Ott,  ba  wirb 
er  finben,  rcaS  er  auf  Grrben  umfouft  gefugt  pat  £)enn  je 
näf>er  bem  £immel,  beftomepr  Xxt>%  —  £)  wie  fa)ön 
unb  lieblia)  ftnb  bie  ©teilen  ber  peiligen  ©a)rift,  in  welchen  ^ 
gefaxt  wirb,  baj?  ©ott  $om  £immel>auf  bie  (£rbe  fejje,  nia)t 
bloö  um  bie  2Bege  ber  ©ottlofen  3U  beobachten,  fonbern  aua) 
auf  bie  ^ränen  unb  ©eufoer  ber  (Henben  jumerfen!  2) er 
£err  fa;  au  et  *>on  ©einer  p  eiligen  £öjje,  (Er  fielet 
ttom£immel  auf  GFrben,  baf?  (Er  ba$  ©euf^en  ber 
©efangenen  pör e  unb  lo$maa)e  bie  $tnber  be$ 
£obeS,  ©0  ftept  benn  ber  liebreiche  SSater  im  £immel  naa) 
©einen  $inbern  unb  fte  fepen  naa)  iprem  lieben  SBater*  2)arum 
gewönnet  eua),  ij?r  frommen,  ben  Fimmel  oft  an$ufe£en  mit 
©eufeen  unb  Verlangen,  unb  zweifelt  ma)t  baran,  ba£  ber 
£err  aua)  auf  eua)  fiept,  unb  eua)  mit  £roft  unb  £ülfe  erqmcfen 
Wirb,  ^icpt  bloS,  wenn  man  un$  beleibtgt,  motten  wir  mit 
£iob  fagen:  ,,aa),  fiepe  ba,  mein3£uge  ijt  tm£immel,"  —  aua) 
in  anbern  fallen  wollen  wir  biefe  SQßorte  gebrauchen»  —  S3i(t  bu 
eine  %Sitttoe,  fofpria):  aa),  ftepemem$erforgerifHm£immel! 
23tjt  bu  ein  SSaife,  fo  fprta):  mein  93ater  ift  im  JMmmel!  S3ijt 
bu  elenb  unb  $on  ber  Söelt  tterlajfen ,  fo  fprta) :  Steine  3u* 
flua)t  unb  mein  £roft  tftim  Fimmel!  Sötrft  bir  ber  ©atan 
beine  ©ünben  t)or,  fofprta):  Sftein  Mittler  unb  gürfpreä)er 
tjHm£immel.  ©a)recft  bid)  ber  £ob,  fofprta):  Sföein  £eben 
ij*  im  £immel,  unb  ia)  fomme  in  ben  Fimmel!  Jhtq,  welche 
fftotp  eua)  plagen,  weld)er  Kummer  mä)  brüden,  wela)e$  Äreuj 
eua)  quälen  mag,  bi'icfet  getroj*  auf  ^um  £tmmel,  serlaffet  eua) 
auf  ©Ott,  unb  e$  wirb  eua)  an  £roft,  <&fyu%  unb  £ülfe  nia)t 
feplem 

3u  merfen  tj*  ferner,  baߣiob  jta)  wiber  bie  23efa)ulbigung 
feiner  greunbe  auf  ©ott  beruft  unb  3P«  feinen  3eugen  nennt 
SBirflia)  gab  ipm  aua)  ber  £err,  aU  t>k  Prüfung  ein  (£nbe 
patte,  ein  fa)öne$  3eugnifl-  „SP*  pafct,  Cfagte  ©ott  au  ben 
greunben  £iob$)  nio)t  reo)t  von  $cir  gerebet,  wie 
Slttein  $neo)t  ©epet  pin  unb  opfert  33ranbopf er 
für  eua)  unb  laffet  Wl einen  ßnecpt  für  eua)  bitten; 


773 


benn3$  will  tpn  anfefjen."  2)amü  fiatte  aller  ©treu 
ein  <£nbe,  unb  £iob  erlangte  ^ujje  unb  griebetu  Sie  »iel  liegt 
alfo  an  bem  3eugniffe  ©otteS,'  unb  wa$  fann  uns  mejjr  er* 
freuen,  unb  unferer  ©eele  mefjr  grieben  unb  Sftulje  »erfa)affett, 
als  ein  fola)eS  3eugnig  »om  Fimmel?  Unb  biefeS  Beugnig 
legt  ©ott  auf  ^eiertet  2lrt  für  bie  ©einigen  ab,  —  einmal 
öffentlta)  unb  ciugerlia),  wenn  (£r  ©eine  ©üte  »or  aller 
Söelt  an  i^nen  betvei^t  unb  bura)  bie  £ülfe  in  ber  -ftotfj  aeigt, 
bag  (£r  fte  für  ©eine  $inber  erfennt  £>iegfe£ettwiran3ofc$), 
£iob,  2)a»ib  unb  Slnbern,  unb  jjeute  noa)  leljrt  eS  bie  tägliä)e 
Qrrfajjrung.  —  (Ein  fola)eS  3^«gni§  legt  ber  £err  aber  aua)  im 
©tillen  unb  innerlich  ab,  wenn  (£r  bura)  ©ein  Sßort 
unb  bura)  ©einen  ©eift  in  unferem  ^er^en  bezeugt,  bag  wir 
©eine  Jttnber  fmb,  bag  (ü:r  uns  nia)t  »erlajfen  noa)  »erfäumen 
wolle;  wenn@r  uns  ©einen  £rof*  einfloßt  unb  ©eine  Qkht 
ju  ernennen  gibt  Dafer  fagt  bie  ©a)rifi:  „ber  jj  eilige 
©eingibt  3 eugntg  unferem  ©eift,  bag  wir  ©otteS 
$inber  ftnb»  2öer  ba  glaubet  an  ben  ©oljn  ©otteS, 
ber  fyat  folä)eS  3eugntg  bti  tpnn"  Unb  3efuS felbft »er* 
fta)ert :  „2öer  überwinbet,  bem  will  3$  5"  effett 
geben  »on  bem  verborgenen  Sttanna,  unb  will  ijjm 
geben  ein  gutes  3eugnig  unb  mit  bem  3eugni§ 
einen  neuen  tarnen,  wela)ett  -ftiemanb  fennet,  als 
ber,  welcher  ijjn  erhalt/'  2BaS  nun  biefeS  3^ugnig  »er* 
mag  unb  wk  fe£r  eS  t>k  ©eele  beliebigen,  tröften,  fiärfen 
unb  erfreuen  fann,  ba»on  jjaben  wir  fa)ott  früher  in  ber  £efjre 
»on  ber  $inbfa)aft  ©otteS,  »on  ber  innigen  ^erbinbung  ber 
©eele  mit  ££rifto  unb  »on  bem  innerlia)en  3eugnig  beS  f>ei* 
ligen  ©eijkS  gefproa)em  £)af>er  wollen  wir  je§t  weiter  gefjen 
unb  bebenfen:  wie  ber  ©laubige  bura)  ein  fola)eS  3 eugnig 
$um  grieben  mit  ©ott  gelange  unb  beffelben  reia)* 
Ua)  geniege*  —  £err  3efu,  bu  griebenSfür|l unferer ©eelen, 
gib  uns  deinen  ©egen  $u  unferer  23etraa)tung  um  Deiner  ZkH 
Willem  5lmen. 

ä  i  M  n  H  u  n  g, 
griebe  tfl  ein  ebleS,  foftbareS  Sort,  tok  ma)t  Ut>$  bie 
täglia)e  (£rfa£rung,  fonbern  aua)  bie  peilige  ©a)rift  befugt* 


774 


%U  im  3a£r  1645  bie  ©tabt  Dtagburg  in  $oljkm  längere 
3ett  von  bem  geinbe  belagert  war  unb  bann  unvermutet  ber 
griebe  verfünbigt  würbe,  ber  aller  9?ot£  unb  £)rangfal  ein 
(£nbe  mad;te,  ba  war  allgemeine  greube*  $iele  fonnten  biefe 
unverhoffte  yiafyxifyt  nia)t  glauben,  unb  bieSQSorte  beS  ^falmg 
gingen  in  (Erfüllung:  „SSennber  £err  bie  befangenen 
3ton^  erlofen  wirb,  fowerben  wir  fe^n  wie  bie 
^räumenben,  £>ann  wirb  unfer9#unb  vollSadjenS, 
unb  unf  ere3unge  voil3tüfnnen$  f eipm"  —  Unb  wela)e 
greube  brachte  ber -9Migton£friebe,  ber  im3al)r  1648gef$lof? 
fen  würbe,  in  gan^  2)eutfa)lanb  hn  £o£en  unb  fieberen  Ijer* 
vor !  ©er  bamalige  ^aifer  gerbinanb  III.  befa)enfte  ben  Ueber* 
bringer  be$  grieben$vertrag3  auf$  reiö)ltd)fte,  fo  bag  jjier  ein* 
traf,  was  bort  bie  ©a)rift  fagt :  „2öie  Itebltd)  finbauf 
ben$ergenbiegügeber23oten,  bie  bagrteben  ver- 
!  ü  n  b  t  g  e  n !"  allein  fo  ebel  unb  f  ofibar  aua;  ber  seitliche 
griebe  fe^n  mag ,  fo  ijt  ber  griebe  ber  (Seele  noa)  taufenbmal 
ebler  unb  fojioarer,  unb  unbefä)reiblia)  ift  bie  greube,.  wenn 
ber  Jjeilige  (Seift  ein  betrübtet  ©ewtffen  beSgriebenS  mit  ©Ott 
verfta)ert  unb  bajfelbe  mit  £rojt  unb  $u£e  erfüllt  —  Sllö  t>k 
(Engel  ben  £ag  ber  ©eburt  be3$eilanbe3  eljren  unb  ben  Tlcn* 
fc$en  bie  greubenbotfa)aft  mitteilen  wollten,  riefen  fte  au$x 
„griebe  auf  (Erben,"  3efu3  felbß  grügte  ©eine  3ünger 
naa)  Seiner  Sluferfte&ung  mit  ben  Porten:  „griebe  fet;  mit 
(Eutt)* "  Unb  ber  Styoftel  $aulu$  fagte,  wenn  er  feinen  ©e* 
tneinben  allen  geiftlia)en  ©egen  auf  einmal  wünfa)en  wollte: 
„©nabefep  mit  eu$  unb  griebe  von  ©Ott,  bem  S3a* 
ter  unb  bem  £errn  3^fu  ßjmfto*  £>er  griebe 
©otteS  bewahre  eure  £er$en  unb  ©innejc."  — 

Diefeä  eble  ^leinob  ber  ©laubigen  wollen  wir  nun  mxfjer 
betrachten  unb  1)  fef>en,  was  biefer  griebe  ber  @eele 
fe^?  —  <£rift  eine  feiige  SBirfung  be$£errn3efu 
unb  ©eines  ©ei jteg  in  ben  ©laubigen,  wobura)(£r 
fie  ber  ©nabe  ©otteg,  ber  Vergebung  ber©ünben 
unb  ber  ©erea;tigfeit  völlig  verfio)ert,  i£r  unrujn* 
ge$©ewiffen  füllet,  fie  vonaller  fnea;tifa)engur$t 
feefreit,  wiber  bie2lnfe$tungenbe$©atan$  uubber 


775 


Seit  trö|Ui  unb  fte  tn  J^m^u^e  für  tljre6eele  ftn* 
ben  läffet  9ttitl)tn  tfi  ber  3uftant>  ber  gerea)tfettigten  unb 
bura)  ben  ©lauben  mit  @fmfto  vereinigten  ©eelen  etn  $>öd)jt 
.  glücffio)er  3uftonb*  ©te  fe^en  ben  Fimmel  frottier)  an;  benn 
fte  tviffen,  ba§  fte  von  bortber  nia)t  3^rn  unb  Ungnabe,  fon* 
bern  lauter  ©nabe,  £tebe  unb  £reue  ^u  erwarten  ijaben,  aua) 
jtnb  fte  überzeugt,  bag  fein  SSater  fein  tinb  fo  Ijerslttt)  liebt, 
als  fte  von  ©Ott  geliebt  werben«  «Sie  banfen  ©ott  für  ©eine 
3üd)ttgungen ,  unb  fpreajen:  „©Ott  $ürnet  nta;t  mit  uns, 
@r  tvtrb  unö  erhalten  unb  uns  gruben  fa)affen,  (£r 
ift  unfer  £eil,  tvir  finb  fta)er  unb  furzten  uns  nia)t; 
benn  ©ott,  b er  £err,  i ft  unfere  ©tärf  e/'  D  tvte  tvolrt 
ifi  ber  ©eele  in  biefem  3uf*anbe,  tvelay  ein  <Sfya%,  tvelay  eine 
£  errlia)f  eit  tfi  biefer  grtebe !  dx  ift  ein  23orfa)matf  beS  £im* 
melS  unb  eine  ©lücifeligfeit,  mit  welker  W  $radjt,  (£f?re  unb 
Sotluji  biefer  Seit  in  feinen  ^ergleia)  fontmt  Sie  frö£fta) 
lobt  bie  ©eele  ü}ren©ott,  tvie  tväa)3t  i£re Siebe  au3efu!  Sie 
gering  ift  bagegen  bie  (£itelfeit  ber  Seit  ift  ü)ren  Slugen !  Sie 
lieblia)  ftnb  iljr  bie  $uefprüä)e  ber  ©a)rift,  bie  biefen  grieben 
verfünbigen;  tvie  angenehm  ift  ü)r  baS  jjeilige  Hberiomafrt, 
baS  tj>r  benfelben  beftdtigt !  Sie  reia)  ift  btefelbe  an  grüßten 
ber  ®erea)tigfeit,  tvie  frö^lia)  unb  willig  ©Ott  unb  bem 
9täa)ften  ^u  bienen!  Sie  Uityt  ifi  ü)r  ba$  fanfte  3oa)  <Slj>rijH, 
tvie  erträglia)  ©ein  Mttifo  tvie  füg  felbjt  ber  £ob!  —  Ha), 
£err3efu,  gib  unfern  ^er^en  beuten  grieben,  unb  betvafjre 
uns  in  bentfelben  ^unt  etvigen  Seben!  Sir  aa)ten  eS  nia)t,  ob 
unö  gleia)  Setb  unb  (Seele  verfa;matt)tet,  tvenn  tvir  nur  in  £>ir 
unb  bura)  3)ia)  grieben  mit  ©Ott  £abem  ©ein  griebe  fep  un* 
fer  Begleiter  burdjs  Seben ,  unfer  £rojt  im  Reiben  unb  unfere 
(£rqutcfung  im  £obe,  fo  genüget  un& 

2)amit  ü)r  aber  nia)t  glaubet,  tvir  greifen  biefen  grieben 
ju  f>oa),  fo  pöret,  tvas  t>k  ©a)rift  fagt:  $aulu$  nennt  benfei* 
ben  einen  grieben  mit  ©Ott  Sie  e£  nun  nid)tS  £o£ere£ 
unb  ©röfjereS  gibt,  als  ©Ott,  fo  tjt  aua)  fein  ®ut  für  Ut  ©eele 
ebler  als  biefer  griebe,  £emt  tvaS  ifi  fd;recftia)er ,  als  ©Ott 
$um  geinbe  $u  #aben,  tvela)er2etb  unb  ©eele  verber* 
ben  mag  in  t>i^  £olle;  unb  tvaS  trbjilia;er,  als  mit  bem 


776 


liefernden  unb  gncibigen  ©Ott  im  grieben  gu  fielen  unb  ©einer 
©nabe  unb£tefee  t>erfta)ert  $u  fe^n  ?  —  3n  bem  nemlidjen  $apt* 
tüf  au£  wef$em  imfer  £ert  genommen  tft,  gctgt  ber  Sipofiel 
an  einigen  grüßten,  welche  jener  griebe  erzeugt/  tt>elc^*  ein 
eble$  ^leinob  berfelfce  fep*  2lu3  ipm  entfprütgt  nemlid)  eine 
groge  greubigf  eit,  mit  weldjer  wir  un$  ber  $ufünftigen  £err* 
licfyfett,  bie  ©Ott  geben  wirb,  getroft  rüjmten  fönnen;  aud) 
mau)t  er  atte  £rüfefal  ,  bie  uns  naci)  ©otte$  Sitten  treffen 
lann ,  Uityt  unb  fogar  angenehm ,  fo  baf  wir  meijr  Urfa$e 
pafeen,  un£  berfelfeen  $u  rühmen*  tiefer  griebe  ift  entließ 
ni$t£  anberg,  aU  t>iz  in  unfer  £er$  bur$  ben  fjetligen  ©eiffc 
au^gegoffene  £iefee  ©otte$,  wornaä)  wir  son  bem  barm^eqi* 
gen  SSater  im  Fimmel  nichts  als  ©ute£  erwarten  bürfen*  —  SÖemt 
SDtenfctyen,  bie  mit  eüianber  gelitten  tjaben,  grieben  machen, 
fo  wirb  biefer  meifteng  nur  fo  gefdjloffen,  t>a$  fte  für  hk  3u* 
fünft  einanber  nid?t  weiter  feeteibigen  wotfen,  aber  $u  £er$K* 
$er  greunbfe^aft  unb  aufrichtigem  Söoljlwotten  verfeinden  fte 
ftdj  fetten»  £)er  gute  (&ott  bagegen  mad?t  griebe  mit  unä  unb 
tterfpricfyt  ni$t  nur,  bag  dv  atte  unfere  ©ünben  vergeben  unb 
»ergeben,  fonbern  ung  au$  in  (£wigf  eit  ©eine  2iebe  genießen  laf* 

fen  wotte. ©c$on£)a*>ib  hmUt  in  feinen  ^falmen  auf  Un 

feligen3uf*anb  ber  ©laubigen  fnn,  wennerfagt:  „3ur3eitbe$ 
9tteffia$  wirb  blitzen  ber  ©erec^te,  unb  groger 
griebe,  fet$  bap  ber5^onb  nimmer  fe  9  (immer  unb 
ewigftdo,  <£feenfo  fyxifyt  3efaia3 :  „Wl  einSSotfwirbtn 
^>äufernbe^grieben^wopnen,infi(^ernSBo^nun* 
genunbinftoK^er  ^ulje*"  2)ie  Käufer  be$  griebenS  ftnb 
t>k  ©nabe  ©otte$,  ber  ©4m£  3efu  (grifft,  ber  £roft  be$  jjei* 
Kgen  ©eijleS,  barin  t>k  ©laubigen  bie  Anfechtungen  be$  ©a* 
tanS  verachten  fönnen,  gleich  benen,  bie  auf  eine  ftarfe  gefiung 
trogen  unb  bie  5lnf erläge  ber  geinbe  »erlaben» 

2)  2)iefer  griebe  J?at  einen  guten  ©runb.  —  2)ie 
©ottfofen  fyabm  au$  grieben,  oft  me^r  aU  bie  ©laubigen, 
fte  lennen  bie  Slngft  be$  £er$en$  nic^t,  3roeifet  unb  Anfeejjtun* 
gen  ftnb  ijwen  fremb,  unb  fte  glauben  feft,  ba£  fte  feiig  werben. 
Slfeer  ©ott  bewahre  uns  vor  einem  folgen  grieben,  ber  nur 
i>ur#  Sajm  unb  SBerfeJenbung  entfielt!  ©er  Styoftel  $eigt  un$ 


777 


einen  beffern  ©runb,  auf  wela)em  ber  grtebe  ber  ßtnber  ©ot* 
ttö  beruht,  wenn  erfagt:  9tun  wir  finbgerea)t  wor* 
benbura)ben©lauben,  fojjabenwirgriebenmtt 
©ott  bura)  unfern  Gerrit  3efum  @]i>rtftunu"  —  £>te 
©ünbe  iß  ein  ©reuel  sor  ©ott,  unb  fo  lange  ber  SDfenfa)  ba* 
mit  befletft  i%  ijt  er  ein  geinb  ©otte^  3efu$  aber  reinigt  bt'e 
bußfertigen  mit  ©einem  lölute,  maa)t  fte  bura)  ben  ©lauben 
©einer  ©erea)ttgfeit  tpetljjaftig  unb  erwirbt  tfwen  fo  ben  grie* 
t)cn  oon  ©einem  £immlifa)en  SSater.  ©o  lange  t>U  ©ünben* 
fa)ulb  auf  un$  laßet,  fann  ©Ott  oermöge  feiner  ©erea)tigfett 
feinen  grteben  mit  un$  maa)en,  unb  feine  Ungnabe  waltet  über 
un&  Söenn  nun  unfer  ©ewiffen  bura)  ba$  ©efe$  ba^on  über* 
geugt  wirb,  fo  wirb  un$  um£roft  bange;  wir  möchten  woplum 
©nabe  Utttnf  aber  wir  tonnen  in  folgern  3nftonb  nia)t  $u©oti 
f ommen,  M$  unö  bura)  t>a$  (hmngelium  3efu^  (Sjmjhtg  in  ©ei* 
nem  Reiben  unb  ©terben  gezeigt  wirb*  liefen  $at  ber  barm* 
peqige  ©Ott  allen  ©ünbern  $um  ©nabenßulrt  sorgefiellt  unb 
$um  Mittler  oerorbnet,  unb  3£nt  legt  fta)  bie  bußfertige  ©eele  mit 
©eufoen  unb  ordnen  $u  güßen  unb  Utkt  um  ©nabe*  23ei 
3£m  finbet  fte  aua)  9?u£e  unb  grieben;  benn  fobalb  bie  ©eele 
ben  ©efreu^igten  im  ©lauben  ergreift,  tjt  fte  oor  ber  Ungnabe 
©otteS  jta)er,  ba  oerfa)wtnbet  alles  £)unfel  um  fte  per,  ba 
gej>et  bie  ©nabenfonne  über  iljjr  auf  unb  3efu£  fprta)t:  ©e# 
getroft,  mein  $inb,  beine  ©ünben  ftnb  bir  vergeben,  bein 
©laube  |>at  bir  geholfen,  gej>e  pin  mit  griebem  ~  ©o  tjt 
alfo  3^fu^  ber  Mittler,  bem  wir  allein  ben  grieben  mit 
©Ott  $u  banfen  paben;  @r  pat  an  unferer  ©tatt  ber  gbtt* 
lia)en  ©erea)tt'gf  eit  ©enüge  getpan,  fo  baß  2llle,  bie  bura)  ttn 
©lauben  mit  3jw  vereinigt  ftnb,  ber  ©nabe  unb  beg  gvte* 
ben$  mit  ©Ott  gewiß  fepn  bürfen*  —  ©obalb  wir  in  wahrer 
Süße  £u  3^fu  unfere  3uffa$t  nehmen,  Werben  wir  in 
©eine  ®emetnfa)aft  aufgenommen  unb  für  ©ein  GEigentfmm 
erflärt  ©tnb  wir  aber  in  biefe  ©emeinfa)aft  mit  3N  getre* 
ten,  fo  ift  nichts  $erbammlia)eS  meljr  an  un$,  fonbern  wir  finb 
bura)  ©ein  33lut  unb  SBerbtenft  gerea)t  unb  oon  allen  ©ünbeit 
gereinigt,  3ß  aber  tk  ©ünbe  weggenommen,  fo  fyc&cn  wir 
grieben  mit  ©Ott  unb  $u£e  in  unferem  3nnern  unb  tonnen 


778 


mit  Kaufes  *>otf  greubigfett  fprea)en:  „2Ber  teilt  bte  51  u^ 
erwarten  ©otteS  befa)utbigen?  —  ©ott  if  £te, 
t>  erger  ea)tmaa)t.—  2Ber  Witts  er  bammen?  —  (££rt* 
jluS  ijt  £ie,  ber  geworben  tfi*  —  2)te§  fiimmt  mit  ben 
3eugnijfen  ber  Jmfigen  ©a)rift  genau  überein,  tt)e(c|)e  nia)t 
btoS  fagen,  baj?  3efuö  unfere  ©erea)tigfeit,  SöetSpett, 
#eittgung  unb  (£rtöfu,ng,  fonbern  aua)  unfer  griebe 
unbgriebefürjtfep*  (Bki6)  ki  ber  (Geburt  beffetben  rte* 
fen  bie  (£nget  ben  grieben  auf  Arbeit  au$.  Unb  <£x  fetbji 
nennt  ben  ©eeten^grieben  Seinen  grieben,  wenn  (£r  $u  ©ei* 
nen  3üngern  fagt :  „£>en  grieben  taffe3a)eua),  Wltv 
nengriebengebeta)  eua)."  @r  jjat  unSbiefen  grieben  am 
Stamme  beS  $reu$e$  erworben,  (£r  fa)enft  iljn,  wem  <£r  Witt, 
unb  auger  3j>m  wirb  berfetbe  sergebtia)  gefua)L—  Diefer  griebe, 
tt>eta)er  unfer  $er$  berujjfgt,  ift  atfo  fein  füger  graum  unb 
feine  teere  (£inbitbung ,  fonbern  er  %at  feinen  ©runb  in  bem 
teuren  SBerbienfte  3efu  ^rijti  unfereS  £erw*  Sßie  wir  nun 
tn  SQSapr^ett  fagen  fonnen,  bafü  wir  bura)  Sefum  Qtjjriftum  er* 
lost,  bura)  ©einen  Stob  mit  ©ott  serföfjnt,  bura)  ©ein  $3tut 
gereinigt,  unb  bura)  ©ein  SSerbienjt  im  ©tauben  gerea)t  wor* 
ben  ftnb,  fo  fonnen  wir  aua)  in  2Bal>rl?eit  fagen,  baß  wirgrie* 
ben  mit  ©Ott  Jaben  unb  *>on  3Nt  weber  Ungnabe  noa)  $er* 
bammnig  erwarten  bürfen» 

jDiefer  grieben  iß  3)  *>on  gan$  befonberer  2lrt  unb  fann 
aua)  mitten  im  Unfrieben  bejkijen.  £)er  2lpojM  fagt;  „2Sir 
paben  grieben  mit  ©Ott"  ober  wir  wijfen  aus  unferer 
Rechtfertigung,  bura)  ben  ©tauben,  baj?  wir  einen  gnä* 
bigen  ©Ott  £aben,  ber  unferer  ©ünben  nia)t  me£r  geben* 
fen,  fonbern  uns  £eqtia)  lieben  unb  enbtia)  $um  ewigen  grieben 
bringen  Witt*  @r  fagt  aber  nia)t,  ba§  wir  grieben  £aben  mit 
bem  ©atan,  mit  berSöttt  unb  mit  unferem  eigenen  gteifa)  unb 
S3tut«  2)enn  eben,  mit  wir  bura)  t>cn  ©tauben  gerea)t  wor* 
ben  ftnb  unb  grieben  mit  ©ott  bura)  @£rijtum  ertangt  £aben, 
feinbet  uns  ber  ©atan  unb  bie  SQSelt  an,  unb  beibe  fua)en  biefen 
grieben  $u  ftören,  wo  fte  fönnen.  ©etbjl  unfer  eigenes  gteifa) 
unbS3tut  ijt  nia)t  rupig ,  fonbern  ^tagt  unb  ängjtigt  fta)  mit 
©orgen  unb  ftnbct  Mt>  ba,  batb  bort  nia)t$  at$  Untujh   %a, 


779 


©ott  felbfi  fiettt  j*$  manchmal  fo ,  aU  Ratten  wir  feinen  grie* 
ben  mit3£m,  aU  ljätte  (£r  vcrgejfen,  wag  ber  liebreiche  <£xW* 
fer  für  unö  getrau  jjat*  —  X)a^er  ijt  wo£l  $u  merfen,  wie  bie* 
fer  griebe  mit  ©ott  eigentlich  befa)affcn  fe$*  —  dx  ijt  feine 
gänalia)e  Befreiung  von  allen  Stberwärtigfeiten  unb  2lnfed^ 
tungen,  fonbern  er  fnlft  btefelbe  überwinbem  (£r  befielt  nia)t  in 
einer  äußerlichen  3 uf rieben jjeit,  in  ber  man  von  feinem  Unglücf, 
von  feinen  geinben  unb  von  feiner  9?otf)  ettvaö  mi$,  fonbern 
in  einer  innerlichen  iftufie  ber  ©eele  in  Gtjmjto*  (£&  $  ein 
fola)er  3«ftanb,  wo  man  mitten  im  Streit  be$  Siegel,  im 
$ampf  ber  $rone,  im  3om  ber  ©nabe,  in  £rübfal  beä  Xxo* 
fteä  unb' ber  £ülfe,  in  ber  gtnßerniß  beS  2ia)te3,  in  ber  ©ünbe 
ber  ©erect)tigfeit,  im  £obe  be$  £ebeng  verfuhrt  tjh  SBenn  e$ 
alfo  aua)  fa)etnt,  alg  ob  ber  £err  uns  ungnäbig  wäre,  wenn 
ber  Satan  feinen  ©rimm  an  unö  aueläßt,  wenn  un$  bie  SBelt 
£aßt  unb  verfolgt,  wenn  unfer  £er$  unruhig  wirb,  wenn  un£ 
bünft,  als  Ratten  wir  unfereä  ©laubenS  unb  unferer  ©erneut* 
fa}aft  mit  (E^rijto  nia)t  $u  genießen,  aU  fyätte  bie  £aufe  unb 
ba$  ^eilige  2lbenbma£l  feinen  9ht£en  für  uns,  fo  bleibt  boa) 
ber  griebe  mit  ©Ott  fejl  unb  unverrücfh  Senn  fo  lange  bie 
@emeinfa)aff  mit  ßljrifio  nia)t  aufgehoben  ijt,  fo  lange  (tnb 
wir  aua)  gerecht  vor  ©Ott  unb  j?aben  grieben  mit  3pnn  — 
S83ir  müßen  aber  einen  Unterfa)teb  machen  $wtf$en  Dem  33ejt$ 
be$  griebenS  unb  $wifc$en  bem  SBewußtfepn,  baß  wir  benfei* 
ben  jjaben.  (Bin  $inb  wirb  öftere  von  feinem  SBater  mit  $ax* 
ten  Porten  angelaffen  unb  zuweilen  förperlta)  ge^üc^tigt,  mit 
er  Urfaa)e  ba$u  £at;  bennoa)  aber  Mäht  bie  %khe  be£  SBaterä 
jta)  gleich ,  wenn  gleid)  ba$  ®irio  von  berfelben  in  bem  gatf 
niä)t  fo  verfta)ert  ijt,  vok  wenn  e3  von  i£m  freunblidj  beljan* 
belt  wirb*  2)ie  Sonne  fa)?int,  aua)  wenn  trübe  SBolfen  jte 
verbergen,  (ürbenfo  Mäht  aua)  ber  griebe  ©otteö,  ben  (Ex  un£ 
in  Qtfmjlo  gefa)enft  $at,  wenn  wir  benfelben  gleia)  wegen  ber 
£rübfal,  bie  ung  trifft,  nia)t  fo  empftnben  wie  fonfi.  <£inSa)iff 
wirb  von  SBinb  unb  SBeßen  jun*  unb  fjergeworfen ;  aber  bie  2ttag* 
netnabel,  nccc$  ber  fta)  ber  Steuermann  richtet,  behält  immer 
biefelbe  3fca)tung.  ©erabe  fo  verhält  eö  jta)  mit  bem  grieben 
ber  S*ele;  wenn  au#  alle  Söetter  ber  grübfal  ben  grommen 


780 


überfallen,  fo  iß  bo$  fein  £er$  bejMnbig  auf  ©Ott  gerietet, 
er  tft  rupig  in  3pm  uhb  tjt  ©einer  ©nabe  in  Gtprifto  3efu  ser* 
ftcfjert*  Unb  obgleich  ber  ©türm  auweilen  fo  groß  wirb ,  baf? 
fcte  Söellen  fclbfi  über  baS  ©djiff  perfcplagen  unb  bie  Magnet* 
itabel  au$  iprer  SRicptung  gu  bringen  bropen,  obgleich  e$  mandj* 
mal  ben  Anfcpein  pat,  äl$  wollte  aud)  im  3nnerften  ber  ©eele 
Unrupe  entjtepen,  fo  behält  bo$  immer  ber  griebe  ©otteS  bie 
£>berjjanb,  baä  Ungewitter  gept  vorüber,  unb  ber  £err  fiept 
enbltcp  auf  unb  bebropt  SBinb  unb  9tteer,  bag  es  gan$  ftitfe 
wirb.  —  £)teß  fyattt  ojme  3weifel  ber  Apoftel  im  Auge,  wenn 
er  fagt:  „£) ergriebe© Ott e$,  welker  fjöper  ij*,  benn 
olle  Vernunft,  bewahre  eure  ^er^enunbSinne 
in  (Sprifto  3efu!"  —  GtiU  e$  wopl  etwa-S  Unbegreiflicheres, 
tilö  baf  bie  ©ünber  grteben  mit  ©ott  beft^en,  ba$  ©lue!  ber 
$mbfcpaft  erlangen,  mitten  in  ber  Unruhe  9?upe  in  ©Ott  pa* 
fcen,  unb  unter  allen  Anfechtungen  fagen  tonnen:  „Steine 
©eele  ij*  (Hlle  $u  ©ott,  bermirpüft;  bennGErif* 
mein  £  ort,  meine  £ülfe  unb  mein  ©cpu#,  bag  mt$ 
fein  gall  ftüraen  wirb,  f o  gro§  er  ift"  ©ie  fmb  reiejj 
in  ber  Armutp,  fröplidj  in  ber£rübfal,  vergnügt  bei  bemSttan* 
gel,  ftarf  in  ber  ©djwad$eit,  soll  ßrpre  in  ber  ©cfcanbe.  ©ie 
palten  bas  2eben  für  ipren  £ob  unb  ben  £ob  für  ipr  2eben,  — 
fte  wiffen,  baj?  jte  Atleö  gewinnen,  wenn  jte  auep  Alles  »erlie* 
im  Alleg  bieg  tfi  freiließ  für  ben  menfc^licpen  SSerftanb  un* 
faglid? ,  ba  biefer  »on  feinem  anbern  grieben  mify ,  aU  oon 
bemjiettigen,  welker  in  9?uJ>e|,  ©ieperpeit  unb  ^Befreiung  oon 
33ef$wetben  befielt  —  £)iefer  griebe  foll  na$  bem  äßunfe^e 
be£  Slpopet^  bie  bergen  unb  ©inne  ber  ©laubigen 
bewahren»  ©ie  bleiben  alfo  ntept  opne  Anfechtung  unb  Söt* 
berwärtigfeiten ;  aber  ©ott  ftärft  unb  erhält  fie  burc$  ©einen 
f räftigen  £roft  unb  gewaltigen  ©djufi,  fo  bafü  jte  ber  Teufel  mit 
all  feiner  9ftadj)t  unb  £ijl  nidjt  überwältigen  fanm  —  An 
einer  anbern  ©teile  fagt  $aulu$:  „£>  ergriebe  ©otteS 
regiere  in  euren  £er$en,"  wa$  topes  fo  erflärt:  „er 
fep  heißer  unb  erpalte  eudt)  in  atten  Anfechtungen,  bafj  ipr 
nicf>t  murret  wiber  ©ott,  fonbern  eu$  auf  ben  Spexxn  feft  t>er* 
fajjen  mtytt."  —  ©letc$  wie  e$  im  gemeinen  £eben  nifyt  an 


781 


©etegettpett  gum  ©tmt  feplt,  welken  übrigens  ber  grtebfer* 
tige  $u  meicen  unb  $u  unterbrütfen  fud)t,  alfo  feljlt  e$  aucfy 
ben  d^rt'Pett  ntc^t  an  allerlei  £rübfal  unb  Einfettungen,  wobur$ 
ber  ©atan  t^r  £er£  beunruhigen  unb  in  Bweifel  unb  Ungebulb 
»erfe^en  will  Raffet  eu$  aber  nie  überreben,  baß  ©Ott  ©eine 
©nabe  x>on  eudj  gewenbet  unb  eudj  ©eine  säterlic&e  Elufftd)t 
endogen  l>abe;  sielmeljr  beruhiget  euer  #er$  mit  ber  $kbt 
©otteS  unb  3efc  (grifft  —  Elu3  biefem  ©runbe  ma$t  audj 
ber  £eilanb  felbft  einen  Unterfdjieb  ^wifctjen  ©einem  grieben 
unb  bem  grteben  ber  28elt,  (deinen  grieben  gebe  ify  eudi>, 
ober  ni$t  wie  bie  Söelt  gibt,)  unb  Witt  fagen:  i£r  bürft 
nic^t  glauben,  baß  meine  Elnljcmger  $on  aller  Einfettung  befreit 
fe^n  werben;  tnelmejjr  fage  3$  eu$  vorder,  ba$  eudj  bie  SSelt 
paffen  unb  verfolgen  wirb,  gleichwie  fte  Wliv  getrau  fyat,  „tyt 
werbet  weinen  unb  jjeulen;  bie  SSelt  aber  wirb 
ftcb  freuen/'  3$  serfpreclje  eudj  aber  einen  anbern  grteben, 
welken  ify  mit  dtcfyt  deinen  grteben  nenne,  weilic^ben* 
felben  bur$  5D?ein  Reiben  unb  ©terben  erworben  Ipabe*  tiefer 
griebe  befteljt  in  ber  ©nabeSttemeg  23aterS,  im  ©enu§  deiner 
2tebe,  tn  ber  Vergebung  ber  ©ünben,  in  ber  ^u^e  be$  ©e* 
wtffenS  unb  in  ber  gewtffen  Hoffnung  be$  ewigen  £eben$+  — 
2)iefj  fyat  ftd;  son  jeljer  an  allen  ®inbern©otte$  betätigt  SSer 
patmepr  £rübfal  unb  Einfettung,  Elngft  unb  9?ot£  erlitten, 
als  ber  Elpoftel  95aulu$  ?  Unb  bod;  fagte  er:  „2öir  $ahtn 
grieben  mit  ©Ott,  wir  rühmen  un$  ber  £rübfat, 
wir  finb  überfdjwenglid?  in  greuben,  wir  finb  er* 
füllt  mit  £r  oft  in  aller  uuf  er  er  £r  üb  fal:c*  3$  bin 
Qcwify,  bag  mify  nta)t$  t>on  ber  Siebe  ©otte$  in 
@£rtjto  3^fu f Reiben  wir b/'  —  Eluf  feiner  9?eifenad?9tom 
würbe  er  oon  einem  fjeftigen  ©türme  überfallen;  aber  auf  bem 
ganzen  ©$iffe  war  wof>l  9h'emanb  fo  rujig  unb  jtill,  aU  ber 
EtyojM,  welchem  ber  #err  auef)  in  ber  größten  9Jotj)  mit  ©einer 
©nabe  naije  war*  2)a^emli$eftnben  wir  bei  $eiru3,  senwek 
$emer$äf>ltwirb,  erlabe  in  ber  9tad)t  oor  bem  £age,  an  welkem 
t|m£erobe0pinri$tenlaffen  wollte,  foruljtg  unb  fejt  gefdjfafen, 
bafi  er  erft  bann  erwachte,  als  ber  Gmgel,  welker  ij?n  retten 
wollte,  feine  ©ette  berührte*    2öie  pättt  ber  Einfiel  unter 


782 


folgen Umftönben rupen fönnen  o£ne  ben  grteben  ©otteg, 
b  er  f  ein  £er$  unb  feineSinneinQtijrtfto3efu  bewahr* 
ie?  @o  würbe  erfüllt,  wteeSinben^falmenljetgt:  ,,3a)  liege 
unb  fa)lafe  unb  erwache;  benn  ber  £err  ^ alt  mia% 
3a)füra)temia)nta)t  ooro tele n£un b  er t tauf enben, 
bte  fic|  untrer  wiber  mta)  legen*"  —  (^tir-a^  Hejwlia)e$ 
trug  ftä)  aua)  im  oortgen  3<Wunbert.tn  ber  ©a)wet$  $u,  wo 
ein  frommer  SBauer  um  ber  eoangefifa)en  SÖa^rpeit  Witten  $um 
geuer  x>erurt^eilt  würbe»  %l$  e3  nun  an  bem  war,  ba§  ber 
<5ä)eiter£aufen  ange^ünbet  werben  f elfte ,  »erlangte  ber  SBauer 
ben  Sftdjter  noa)  einmal  su  fpreä)en*  tiefer  fam,  unb  ber  23er* 
urtfjeilte  fagte  ju  ifmt:  3f?r  £abt-mia)  aU  einen  $e#er  $um 
£obe  oerbammt,  nun  befenne  ia)  gwar,  ba§  ia)  ein  armer 
©ünber,  fetne$weg$  aber,  baßtä)  ein  Serbin;  benn  ia)  glaube 
*>on  £er$en  SlKeö,  wa3  in  bem  apoftolifa)en  ©laubenäbef enntnig, 
(ba$  er  gan$  perfagte,)  enthalten  i%  3$  £abe  b^er  oor  mti* 
nem  (£nbe  nur  noa)  biefe  33itte  an  Grua),  mein  £err,  baj?  3Jr 
nahertreten  unb  juerjt  bte  £anb  auf  meine,  bann  aber  aua) 
auf  (£ure  ©ruft  legen  unb  oor  bem  gangen  »erfammefien  Sßolfe 
frei  befennen  möget,  weifen  £er$  oor  5lngft  ftärfer  fa)lage,  — 
tag  meimge  ober  baö  eurige?  3$  gepe  getroft  unb  fröfjlta)  $u 
meinem  (£rlöfer,  an  wela)en  ia)  glaube;  mc  (£ua)  aber  babei 
$u  5ftutl?e  fep,  baö  werbet  3£r  am  beften  wtffem  —  Der  !Rtd)ter 
wußte  nia)t,  was  er  fagen  fottte,  unb  befahl,  man  folle  ba$ 
geuer,  fo  fcfmetl  aU  möglia),  an^ünben;  allein  man  fajj  e$  i£m 
wojrt  an,  baß  er  erfa)rotfener  war,  aU  ber  Sttärtyrer»  — 
<5e£et,  meine ©eliebten ,  baSljeifjt:  „wirpabengrteben 
mit  ©Ott  bura)  unfern  £erm  3efam  (Epxifium; 
ober:  £err  nun  (äff  eft  2)u  Deinen  Diener  im  grie* 
ben  fahren!  —  £>  bu  £amm  ©otteS,  erbarme  Dia;  unfer, 
unb  gib  aua)  un$  Deinen  grieben! 

Slnwenbung* 

Der  erjte  9ht#en,  ben  wir  oon  btefer  £ej>re  fjaben,  ijt,  baß 
wir  unfer  (5£rijtenl&um  £oa)  fa)ä£en  unb  bagegen 
bte  GEttelf  eit  ber  Seit  t>eraa)ten  lernen»  — 3a)  maa)e 
abfta)tlia)  barauf  aufmerffam,  mit  ia)  3U  meinem  großen  S3er* 


783 


trug  öfters  feiert  mag,  rote  bie  Söelt  mit  u)rem  £anb  unb  ettetn 
Söefen  »rafrtt,  was  td)  iijr  $war  gerne  gönnen  wollte,  wenn 
nur  nia)t  bie$inber©otteSbabura)  manchmal  oerlettet  würben, 
aua)  naa;  bem  ©Ratten  $u  greifen ,  unb  ft$  etwas  barauf  etn^ 
äubilben,  wenn  jte  fiele  trbifa)e  ©üter  beft$en,  ober  fta)  au  be* 
trüben,  wenn  jte  biefelben  entbehren  muffen/—  D  wir  albernen 
$inber,  rote  letd;t  laffen  wir  uns  boa;  blenben  unb  bereben, 
als  roenn  bie  trbtfcr)en  ©üter  wirfltd)  fo  jjoa)  ju  fa)ä$en  wären, 
ba  fte  boa)  nur  eitles  (Sdjattenwerf  jinb!  SDßir  fönnen  uns  iii0 
beffer  baoon  überzeugen,  rote  nia)tig  baS  tft,  worauf  ftd;  bie 
$inber  btefer  2Belt  fo  fiel  einbilben,  als  roenn  rotr  baffelbe 
genauer  prüfen»  —  Slleranber  ber  ©roge,  $önig  oon  Wlact* 
bonten,  roar  ein  glüdltajer  Eroberer  unb  unterwarf  fta)  fiele 
dltifyt,  ja  er  brang  fogar  bis  nad;  3nbten  for.  25ieg  machte 
u)n  ftofy;  er  wollte  nun  feinen  9teta)t£um  unb  feine  ffiafyt 
öffentlia)  aeigen,  unb  befahl  begfmlb,  bag  Seberntann  f$  etwas 
oon  ipm  erbitten  folle»  darauf  hattn  einige  fluge  Banner, 
bie  u)n  an  feine  üfttctytigfeit  erinnern  wollten,  um  He  ©abe  ber 
Unjterblia)fett;  bennbtefe  fonnte  er  weber  ftd)  felbft  noa;  5lnbern 
geben.  —  (Ein  anberer  $enig  befugte  etnft  einen  getreuen 
Wiener,  ber  an  einer  fa)weren  $ranf£ett  barnieber  lag,  unb 
bot  ifjm  alle  mögliche  ©nabenerweifungen  an/  £)er  Wiener  ant* 
wertete:  (£w*  9ttaju  gebe  mir  bie  ©efunbJKit;  was  jnlft  mid) 
alles  Slnbere,  wenn  ta)  nidjt  gefnnb  bin?  £)er  üönig  erwieberte: 
ta>  will  $war  meinen  Siebten  befehlen,  bag  fie  alle  ij>re  ^unf* 
aufbieten  f ollen,  aber  bei  ©Ott  atitin  fte^t  eS,  bag  @r  t>k 
Slrpeien  fegne  unb  bir  hk  ©efunbf>eii  wieber  gebe,  —  Collen 
wir  alfo  wiffen,  was  bie  SSelt  vermag,  fo  lajfet  uns  ^unäa)fi 
feljen,  ob  fie  im  ©taube  fep,  einem  beängfh'gten  ©ewijfen  ben 
grteben  mit  ©ott  $u  geben?  —  $3of>lan  alfo,  o  2Selt,  bie  bu 
fo  gerne  »raljlft  mit  betner  ffiafyt  unb  mit  beinern  sReifyfyum, 
geige,  was  beute  ganje  £errlia)feü  oermag,  $itx  tfi  ein  \xx& 
gtüdlidjer  9ftenfa),  ber  oon  feinem  x> erlebten  ©ewijfen  perum* 
getrieben  wirb,  unb  ntrgenbS  3tu^e  ftnben  fantu  S^imm  btdj 
boa;  fetner  an,  tröjte  ipn  unb  fa)affe  ijmt  9htpe  unb  griebetu 
bringe  alle  beine  @a;ä£e  gerbet  fammt  beinern  ©dmuuf;  fua)e 
5llleS  fceroor,  m^  bir  gewö^nlta)  greube  unb  Vergnügen  §u 


784 


nta$en  pflegt*  £j)ue  beine  SSorrat^fammern  auf  imb  bringe 
perlet,  m$  bu  paß  unb  vermagft  unb  fc&affe  !Rat^  für  foldje 
betrübte  %zute.  $ann(i  bu  aber  t>a$  m'djt,  unb  will  beute 
gan$e  £errlicf>feit  m$t£  nü£en,  fo  erfenne  boa),  bag  bu  bi$ 
^f^^er  an  einem  leeren  ©chatten  ergcgt  unb  biejem'gen  (Mter 
vernadjläßigt  £ajt,  welche  fctr  m  ©ewtffenöattgjt  unb  ©eelen* 
notlj  £rofl-  geben  fbnnen.  (£m  greunb  wirb  in  ber  Wotf  er? 
fannt;  @eelen<,  @ewiffen3*  unb  £obeSangft  ift  bie  pöc^fteSftotlj, 
ba  erfennt  man,  wer  greunb  ober  geinb,  unb  tva$  ein  wapr? 
IjafteS  ©ut,  ober  $ra£lerei  unb  eitles,  nichtiges  Sefen  iji  — 
Wun,  meine  Cieben,  vergleichet  $>a$,  xcaö  i$  eudt)  fo  eben  gefagt 
Jjafce  mit  bem,  was  in  ber  Seit  vorgeht,  fo  werbet  i£r  e$  wirf? 
fi$  fo  fmbetu  Senn  alfo  baS  3rbifa)e  $u  ber  3nitr  wo  wir 
ber  £ülfe  unb  beS  £rofte$  am  meinen  bebürfen,  uns  Weber 
Reifen  nod>  troffen  fann,  warum  wollen  wir  uns  auf  feinen 
93e|tg  ttxotö  einbilben  ober  uns  grämen,  wenn  wir  baffetbe  ent* 
Lepren  muffen?  £)er  23aum  lägt  im  £erbft  feine  Blätter  fallen 
unb  grämt  jt$  mdjt  (£$  tft  ein  geringer  $  er  luft,  fc^rteb 
einft  3emanb  in  t>k  Sftinbe  eines  folgen  53aumeS ;  er  tft  fa  ooll 
©aft  unb  traft,  barauS  bergleic^en  wieber  warfen  fann*  — 
3$  baU  nie  gefeljen,  baf?  eS  einem  armen,  aber  frommen 
Triften  begwegen  auf  feinem  £obtenbette  an  bem  Rieben  mit 
©Ott  fehlte,  weit  er  an  ^en  oergänglic^en  ©ütev  Mangel 
fattt ;  aber  baß  fyäbt  ify  erfahren,  bag  ben  $eicf)en  tiefer  Seit 
um  SErofl  fe£r  bange  war,  wenn  ft'e  baS  3eült$e  oerlaffen 
mußten,  ja  baf  ft'e  manchmal  gar  leinen  ftnben  fonnten,  weil 
jte  bte  lebenbige  Ciuelle,  bie  fte  früher  nic^t  auffaßten,  nun  aucf; 
tiityt  $u  ftnben  wußten  unb  i£re  fetbft  gemachten  Brunnen  hin 
Saffer  geben  wollten*-—  2)emnac()  ift  baS  (SJjrijtattfmm  ober 
bie  ©emeütfcfyaft  mit  ©Ott  bur$  ben  ©lauben,  ber  redjte  ©e* 
brauet)  beS  SortS  unb  ber  ^eiligen  ©aframente,  baS  einzige 
bewährte  Wlitttt,  woburdj  ber  Slngft  ber  ©eele  abgeholfen  unb 
baS  Utxixhtt  £er$  getroflet  unb  befriebigt  werben  fann*  £)er 
SSttittelpunft  beS  ganzen  ßpriftentfjumS  ift  SefuS,  ber  ©efreu* 
$tgte,  beffen  teures  33lut  allein  Xxcft,  grieben  unb  9^upe 
verfefcaffen  faim.  Sollen  wir  alfo  not$  ferner  bie  Seit  unb 
ijjre  (Sitelfeit  poc$f$ä§en,  Sefum  aber,  ©ein  treua,  ^titi 


785 

SBort  unb  ©eine  ©aframente  gering  aa)ten?  Söotten  wir  noä) 
länger  naa)  bem  ©Ratten  greifen  unk  baSSBefen  fahren  lajfen? 
holten  wir  nidjt  enblia)  ernennen,  tag  bie  ©eele  unfev  tpeuer^ 
fk£  ^lernet  unb  bie  Seelenangft  baß  größte  Uebef  fcp,  unb  baf 
ber  £roft  unferer  Seelen,  —  bev  griebe  mit  ©Ott,  tiefet  ebelfte 
(&\it,  nirgenbS  aU  bei  3efu  gefunben  werben  fönne  ?  —  3la),  mein 
lieber,  bu  fiaft  bta)  ^ieUetc^t  bi^er  mit  atten  23cbürfniffen  be3 
£ebcn$  wojrt  »erfe^en,  paffc  bein£au$,  barin  bu  woljnjt,  £afi 
alle  33eouemtia)fetten,  fjaft  ©elb  unb  Nahrungsmittel,  £ajt 
fa)one  Leiber  unb  ein  gutes  SBcttt,  fmft  Wiener,,  bie  bir  $u 
©ebote  (te^en,  fannjt  bir  bie  3ett  serfüqen  bura)  ©piele  ober 
bura)  angenehme  33üa)er,  bura)  gute  greunbe  unb  bergt;  — 
aber  fage  mir,  haft  bu  bta)  aua)  fc)rn  mit  bem  serfe^en,  wa$ 
beiner  armen  ©eele  9ruj;e  unb  grieben  bei  i^rem  2lbfa)ieb  au$ 
ber  Söett  $erfa)affen  famt?  28aS  £üft  e$  bta),  wenn  bu  atteö 
untere  £aft,  unb  tiefet  entbeljrft?  8fi  e£  Hug,  wenn  man  bem 
fterblia)en  £etbe  alle  2Bünfa)e  unb  33ebürfnijfe  t>erfa)afft,  bie 
unfterblidje  ©eele  aber  t>ernaa)lä£iigt?  —  £>,  ia)  hüte  unb  er* 
maf?ne  eua)  im  tarnen  3efu,  forget  »on  nun  an  nia)t  mef>r 
bloS  für  ben  %eib,  fonbern  {muptfää)tia)  für  eure  ©eele*  2la)tei 
bie  28elt  mit  i^rer  dittifdt  gering;  aber  ba$  £l?rif*enu)um 
unb  euren  Qrrlöfer  um  fo  I?öber*  ©ammelt  einen  SBorrau)  $um 
£roft  eurer  (Seele  unb  t>erfta)ert  eua)  be$  griebenS  mit  ©Ott* 
<£$  mag  eua)  in  ber  2Öelt  gel)en,  ivic  es  immer  will,  wenn 
ipr  mit  ©Ott  nia)t  gut  ftepet,  fo  tft  Wittes  umfonjt.  —  Qtin  fönig* 
tiefer  Verwalter  lebte  im  größten  2Bol?lftonb  unb  befaß,  wa$ 
er  nur  wünfa)en  fonnte*  £)ieg  maa)te  t^n  fta)er,  ba$  er  fein 
2lmt  »ernaa)läfngte ;  um>ermutl?et  würbe  er  t>on  feinem  £erm 
gur  $ea)enfa)aft  geforbert,  untreu  erfunben  unb  ju  lebenslang* 
lia)er  ©efangenfa)aft  »erurt^eüt*— Jlmi  fagt  mir,  meine  greunbe, 
was  twt  biefem  Spanne  gefegt?  Dfjme  3wetfet  baS,  bager  niä)t 
baran  backte,  wie  er  ftcr)  bura)  £reue  unb  2öo£lx> erhalten  feinet 
£errn  ©nabe  befiembig  flerfta)em  möa)te*  @r  war  auf  2llle$ 
bebaa)t,  nur  nia)t  auf baS  53efte.  6o  £ütet  eua),  baß  ü)r  biefem 
£auS*>alter  nia)t  gleia)et,  unb  ba§  eua)  niä)t  $ule£t,  wenn  i£r 
SltteS  $u  ^aben  glaubet,  bie  ©nabe  unb  ber  griebe  ©otteS  in 
(S^rijto  Sefumangle»  —  ®ib  uns,  o  3^/  *™  »erjiälibigeö 


786 


#er$,  baf*  wir  bae  3*bifa)e  $em  £immltftt)en  unterfa)etbeu 
lernen,  unb  ©eine  ©nabeunb  bengrieben  (&ottt$  altem  Hnbern 

3n  ber  2ebre  twm  grieben  ©otteö  liegt  2)  ou^  ein  f  räf* 
ttger  £reft  tu  alten  2tnfea)tungen  unb  £rübfaten. — 
25er  2lpeftet  fagt  am  (£nbe  unfereS  £erteS  :  „20  e  t  ö)  e  b  u  r  a) 
ben  ©lanBcn  gerecht  werben  finb,  bie  paben  grte* 
b  e  n  m  i  t  ©  e  1 t"  £a  nun  ü)r  ausfertigen  bura)  ben  ©tauben 
gerea)t  werben  fet)b,  fo  babribr  aua)  grieben  mit  (&ott  £)enfet 
ferner  an  bie  Sufage  bee  #etianbe$:  „ben  grieben  taffe 
ta)  eua),  Steinen  grieben  gebe  3$  eua)*"  2BaS  aber 
ber  £>err  felbft  uns  gegeben  f>at,  bat  weiten  wir  aua)  mitfrötj* 
Iia)em,  banfbavem  £eqen  annehmen»  ©ebr.  febon  f?abcn  baber 
bie  bitten  gejagt:  3efuö]>abe  deinen  ©taubigen  ein  bereites 
(Erbgut  ^interta (Ten ;  ©  ein  &'reu$  unb  ©einen  grieben* 
J&aben  wir  nun  t*a$  dint  wirfl'ia),  —  ba$  %^n§>  weta)eS  wir 
unferem  (£rfefer  täglich  nachtragen,  fe  fann  unb  wirb  uns  aua) 
baS  2lnbere  uiebt  festen;  benn  Qtbrifti  fe&g  unb  £reft  werben 
nie  getrennt  £)ie  &inber  befemmen  ^war  bie  dlufye,  bea)  barf 
e$  it)nen  an  53rob  unb  anbern  33ebürfniffen  nia)t  festen.  $RiU 
£in  bürfen  aua)  wir  uns  bee  griebenS  mit  ©ctt  um  fe  metjr 
$erfia)ert  Ratten*  %ßitt  ber  <Baian  uns  fa)reaen  unb  $>ie  9)?enge 
ber  ©ünben  uns  »ermatten,  fe  tajfet  um  getroft  fagen:  wir 
ftnb  gezeitigt  unb  gereinigt  bura)  ben  tarnen  beS  £>errn  3efu 
unb  bura)  ben  ©eift  unferem  ©etteS,  barum  jiefjen  wir  M  3!?m 
in  ©naben  unb  fürchten  uns  nia)t  3f*  ©otr  für  uns,  wer  mag 
wiberunSfepn?  —  Spricht  ber  23erfüj?rer:  i\)x  paht  euren  (Bott 
fo  oft  beteibigt,  unb  fennet  atfe  nia)t  ungeftraft  bleiben;  fe 
galtet  eua)  an  euren  <£rlefer  unb  nehmet  mit  X)anf  an,  was  (£r 
eua)  mit  ©einem  23lut  erwerben  fjat  Sir  finb  3war  ©ünber, 
aber  nun  J>etgt  es  t?en  unS:  „eS  ift  nia)ts  2$erbamm* 
Ha)eS  an  benen,  tit  in  gjjrifte  3efu  f in b-""£)aS2amm 
©etteS  ljat  attc  unfere  ©ünben  getragen ,  unb  wir  finb  gewig, 
ba$  baS  33tut  3?fu  @jmfti  uns  reinigt  t>en  alter  ©ünbe.  3Me 
©a)ulb  ift  ttettftcmbt'g  getilgt;  bal?er  baben  wir  feine  Urfaa)e 
tne^r  ihretwegen  Utxixbt  gu  fepn*  —  2öel?f  an  benn,  t£r  grem* 
tnen,  fejet  fröjrtta)  $um  ^immet  emper,  wenn  er  aua)  mit 


787 


bidjten  Soften  überwogen  tft,  tljr  wtffet  fa,  tt)ie  i£r  mit  @oit 
Pe^et,  unb  wiffet,  bag  aua)  unter  ©ewitterwoften  bie  ©onne 
noa)  fa)eint  ©Ieia)wie  bie  9}aa)ttgatf.  beim  ©ewittet  unb 
in  fmßerer  yiafyi  fta)  £ören  teilet,  fo  ^örte  ta;  fromme 
(griffen  bei  Bonner  unb  28ft$  mit  ben  3^^en  baö  Sieb  an* 
jtimmen : 

2Ufein  ©Ott  in  ber  £öT  fc^  <S$r' 

Unb  2>an?  für  ©eine  ©nabe, 

£)arum,  ba#  nun  unb  nimmermehr 

Uns  rühren  fann  fein  ©$abe. 

<£tn  SBofrtflefatt'n  (Sott  an  un$  $ai, 

9hm  ift  grof  grieb'  o$n'  Unterlaß 

%W  gejjb1  $at  nun  ein  (£nbe. 

ffttdjt  fo,  tfrt  a)rijtfia;en  (Beeten,  baa)te  ia)  bei  mir  felbft, 
faffet  un£  be3  griebenö  genießen,  ben  unä  3efu^  bura)  «Seinen 
£ob  erworben  $cd;  Xaffet  ben  2tttmäa)ttgen  bonnern  unb  UU 
ijen,  um  bie  fiebere  Seit  $u<  fd;reden  unb  ©eine  9)?aa)t  unb 
£errlia)fett  !unb  $u  tj?un;  wir  fürchten  un$  ntc^t;  benn  (£r 
tjat  ung  8 eine  ©nabe  in  (Slmfio  3efu  serfproebem  sJÄag  aua) 
bie  $ö((e  toben,  wir  erfdjrecfen  barum  nia)t;  benn  ber  23unb 
be£  griebenö,  ben  wir  mit  ©ott  traben,  ftefjt  fe.fi*  3e  größer 
t)k  gälte,  befto  fräftiger  wirft  ba$  geuer;  je  ftdrfer  bie  2ln* 
griffe  ber  $öl(e,  befto  fefter  ber  ©taube  an  3efum  djmftum, 
bejto  inniger  bie  ©emeinfa)aft  mit  3fJM/  nnb  befto  ftajtbarer* 
ber  griebe  mit  ©Ott  3e  me£r  tit  getnbe  auf  un3  einbringen, 
bejto  me£r  nähern  wir  un£  bem  &errn;  wir  bleiben  im  grie* 
ben  mitten  im  Unfrieben  unb  e£  i)ti$t  »on  une:  „Sir  furo)* 
ten  unö  nia)t,  wenn  gteia)  bie  Sett  unterginge, 
wenn  gleia)  ba6  9tteer  wittl^et  unb  »on  feinem  ttn* 
g  e  jtümm  b  i  e^Ber  g  e  einfiel  en;  bennoa)  foU  bie 
<&  tabt®  otttöbltiht  n."  -  Unter  ©otte$  3uiaffung 
fann  e$  $war  gefa)et)en,  t>a$  fa)wcre  Seiben  über  un$  fommen, 
ober  ba$  un$  ber  &atan  bura)  böfe  Sftenfajen  altertet  liebet 
zufügt;  aber  er  fann  un3  ben  grieben  mit  ©Ott  nia)t  rauben, 
fann  ©eine  ©nabe  ma)i  in  Ungnabe  serwanbetm  @r  mu§  e$ 
geftatten,  baf*  wir,  tt>k  mv  ©otb,  bura)  ba$  geuer  ber  £rüb* 
fal  nia)t  oer$e£rt,  fonbern  bewährt  werben,  baj?  wir  enblia) 
tro£  alter  Unruhe,  rujng  abfa)eiben  unb  in  ben  £mtmel  ftm* 

60* 


788 


men.  Darum  fep  ©Ott  gelobt,  ber  itnö  ben  ©teg  gegeben  pat 
bura)  unfern  £errn  3efcm  Gtfmfhtm !  — 

©o  wollen  wir  benn  unfere  ©lücffeligfeit  gentegen,  bte 
wir  in  bem  £errn  paben.  2Bir  ft'nb  ©a)afe  ©einer  £anb,  wer 
tvitf  un$  3N  entreigen  ?  üttugte  ja  ber  ©atan  fefbjt  ßcpef>en, 
bag  ber  £err  ba$  $au$  $iob$  mit  einem  fkrfen  3<*un  w* 
tittfwt  'jra^c,  bura)  welken  er  nia)t  Bremen  fonnte,  um  rote 
vielmehr  wirb  (£r  unfere  Seele,  bie  mit  bem  S3lute  Seinem 
©opneS  erlauft  ift,  $u  fa)üöen  wiffen?  Darum  fe^b  getrofi, 
meine  dprifien,  unb  füra)tet  eua)  nia)t  23erlaffet  eua)  x>kU 
mepr  auf  ben  grieben  mit  ©Ott,  ben  bie  (£ngel  ber  Grrbe  an* 
fünbigten  unb  ben  peute  noa)  alle  frommen  Diener  ©otteg  pxt* 
btg*n.  2Bte  ein  $inb  fo  forgloS  an  ber  Butter  23ruf*  liegt 
unb  fta)  fättigt,  fo  follte  ber  Gtjmft  fta)  an  feinen  (£rlöfer  an* 
ftt)liegen  unb  aus  ber  gülle  ©einer  ©nabe  Rupe  unb  grieben 
fä)o>fen,  bag  er  bie  feinblia)en  anfalle  nia)t  mepr  aa)tet.  — 
®i&  uns  bie  ©nabe,  o  gefu,  bag  wir  fola)en  $inbern  glet* 
a)en,  unb  erfülle  un$  mit  beinern  £rofte  im  Sterben,  bag  wir 
fanft  einfa)lafen,  unb  au6  ber  gettliä)en  Unruhe  ^um  ewigen 
grieben  gelangen ! 

III.  Damit  aber  biefer  griebe  niefci  mfanni  werbe,  fo 
wollen  wir  $um  53ef a>lug  b  t  e  ©  o  1 1 1  o  f  c  n  u  n  b  U  n  b  u  g  f  e  r* 
tigen  \>or  bem  falfa)en  grieben  warnen.  SSie  ©ott 
nemlia)  ben  §3ugfertigen  ©einen  grieben  gibt,  fo  tterfa)afft  ber 
©atan  aua)  ben  Unbugferttgen  einen  grieben,  aber  einen  pöa)fi 
gefäprltd)en  unb  ftt)äblia)en,  bura;  weisen  er  fte  gum  ewigen 
Unfrieben  bringt.  Sßenn  btefe  bie  £epre  »on  ber  ©nabe  ©ot* 
te$,  tton  ber  Vergebung  ber  ©ünben,  son  ber  Rechtfertigung 
bura)  ben  ©lauben,  00m  grieben  beS  ©ewiffcnS  unb  son  ber 
Hoffnung  be3  ewigen  gebeng  pören,  fo  beulen  (ie:  baö  ift  eine 
gute  ©aa)e,  wir  glauben  fte  unb  Reffen  aua)  bura)  bie  ©nabe 
3efu  @  jjrifh  feltg  $u  werben,  wie  Rubere  k.  SBeil  fte  nun  H$ 
SBort  bua)ftablia)  aufgefagt  paben  unb  e$  für  wapr  galten,  fo 
fiepen  fte  in  bem  2&ajwe ,  fte  paben  ben  ©lauben  unb  bürfen 
alfo  aua)  2ltfe£,  wa$  bemfelben  in  ber  peiligen  ©a)rift  bei^e* 
legt  wirb,  auf  fta)  be^iepen.  —  2lel?nlia)e  ©ebanlen  unterftügt 
ber  ©atan  treulta),  unb  fieigert  ftegu  einer  fala)en  fejtenUeber* 


789 


$eugung  von  ber  göitlidjen  ©nabe,  baß  jene  $?enfa)en,  00 
fte  gleta)  alle  £age  mutwillig  füubigen,  nia)i  barau  zweifeln, 
bie  ©nabe  d5otte^  imb  eine  fejk  Hoffnung  be£  ewigen  £eben$ 
gu  befi#en.  Bieg  ijt  eine  bcr  fa)recfltd#en  Sßerblenbungen,  mit 
wetzen  ber  «Satan  in  biefen  legten  3etten  fo  viele  $?enfa)en 
berücft  3ubem  kfyxt  *>k  (Erfahrung ,  baf?  biefe  Verblendung 
oft  fo  groß  ift,  bag  alle  SBorftcllungen  unb  Tarnungen  vergeh 
lia)  finb.  3ene  wollen  einmal  ipren  3uftonb  nia)t  für  gefä(?rti<$ 
palten,  unb  träumen,  inbem  fie  ber  Verbammnifj  entgegeneilen, 
nur  von  bem  ^rieben  mit  ©Ott,  von  ®nabe  unb  ©eligfeit*  — 
Diefen  3uffanb  betreibt  ber  Styofiel  mit  ben  ^Sorten :  „  20  e  n  n 
fie  werben  fagen:  es  ifü:  triebe,  ?$  fyat  feine  ©e* 
faljr,  fo  wirb  fie  baö  Verberben  fd>net(  über* 
falten/'  3n  ber  Zfyat  i?at  and)  ber  ©atan  fein  fia)erere$ 
Mittel,  bie  3Dilenfd;en  in  if?ren  gewohnten  ©ünben  $u  ermatten, 
unb  fte  mit  ber  Hoffnung  beg  £immef$  ftdjer  in  bie  £ötle  $u 
bringen,  aU  tiefet  £a£er  ift  nötju'g,  biefem  9#i§braua)  ber 
iröjtliaxn  £el)re  vom  ^rieben  ©otteg  vorzubeugen,  t  — 
Bie  ©a)rift  fagt:  „bie  ©ottlof  en  f>aben  feinen  grte* 
ben."  SQSenn  alfo  ber  9ttenfa)  bie  gura)t  be£  £errn  au$  ben 
Slugen  fe£t,  unb  meint,  er  fyabe  grieben  mit  ©Ott,  fo  tj*  e$ 
blofje  (£inbilbung.  2Btr  ftnben  überall,  ba§  bie  £eljre  von  ber 
©nabe  ©otteg,  von  ber  Vergebung  ber  8ünben  unb  ber  ewigen 
©cligfeit  nur  bie  ausfertigen  angebe.  ©Ott  fetbft  fagt:  „3$ 
»c^ne  hei  benen,  bie  ^erfa)* agenen  unb  bemü* 
tljigen©eifte$finb,  bamtt3d)erquicfeben©eiftber 
BemütjMgen  unb  ba$  £er$  ber  3*rf  djlagenen."  — 
@S  ift  alfo  Xboxfyeit,  wenn  fta)  ein  ©orttofer,  ber  in  feinen 
©ünben  be^arrt,  einbilbet,  bie  ©nabe  ©otte$  ju  beftijen.  3« 
biefem  fönnte  man  fagen,  wie  %epu  $u  bem  23oten  3oram3: 
„2öa3  ge^et  bid;  bergriebean?"  —  Benfet  eud>  einen 
guten  &önig,  ber  feinen  Untertanen,  bie  von  ifrnt  abgefallen 
waren,  unter  ber  53ebingung  ©nabe  verfünbigen  lajfet,  bafj 
fte  reuevoll  gu  tj?m  ^urütffe^ren  unb  i£n  um  Vergebung  bitten. 
SSenn  nun  (Einige  biefem  fynn,  bie  Reiften  aber  abtrünnig  bleiben 
unb  fia)  bamit  beruhigen,  baf?  ipr  £err  irrten  ©nabe  fmbe  ver* 
i ünbigen  laffen,  m$  würbet  ij>r  von  fola)en  Untertanen  Jraften  ? 


790 


finb  fte  ber  ©nabe  woljl  anfy  wert£?  —  5Jh't|mt  tjt  ber  einge* 
hütete  griebe— ber  Itnbußfertigen  nidjtß  an  b  e  r  3,  aU 
©iäVerljeit,  Sftuäjlofigfeit  unb  £äuftt)ung  be$ 
^cufetö*  —  Um  tiefet  noä)  beutlia)er  au  erflären,  motten  wir 
t>ie  $ennaeiä)en  bes  wahren  ©eelenfriebene  fitrj  angeben*  <$r 
fjolgf  auf  bie  23uße,  auf  l?eralia)e  9?eue  unb  2etb  über  bie  <Sün* 
ben  unb  auf  bte  bemütl?ige  %hh\ttt  berfelbem  —  £)a$ib  fagt: 
„£a{?  mid>  I?ören  greube  unb  Sßonne,  baß  bte  ©e* 
#e»tnefrö£lia)  werben,  biebu  aerfa)lagen  ^af!.  (5tn 
geäng(tete3unbserf$lageneg£er*  wtrjt£>u,  ©Ott, 
niäjt  oeraä)tem/y  tfi  bittet  alfo  um  greube  unb  Sonne, 
ober  um  ©ewiffenSrufie  unb  ©eelenfrieben  für  aerfa)lagene 
©ebeine,  ober  für  aerfnirfa)te  unb  bußfertige  Jörgen,  (£r  fagt: 
©Ott  werbe  ba$  £era  ma)t  oeraa)ten,  aber  er  fegt  Jmtau,  wenn 
e$  aerfa)Iagen  unb  bußfertig  fe'^  —  2>\\  ber  reuevollen  ©ün* 
berin  fagte  3efu3:  „2)tr  finb  beine  ©ünben  vergeben, 
bein©laubej?atbir  geholfen,  gel?e  Ijin  mit  grie* 
Itn]"  weil  fte  oorfjer  #x  ©einen  güßen  gelegen  war  unb  bk* 
felben  mit  tjjren  Tratten  benegt  £atte.  SSte  fann  jtä)  alfo  an 
©ünber  einbilben,  grieben  mit  ©ott^u  Jaben,  ber  bieffh  grieben 
nie  mit  f}eralid)er  9?eue,  mit  £>emuti?,  mit  Streuten  unb  ©eufaen 
tfom  #errn  verlangt  fjat?  ©oft  ©Ott  benen  grieben  geben,  bie 
tjim  ntä)t  begehren  ?  G£x  Witt  il?nen  ©eine  ©nabe  gwar  an, 
unb  iflauä)  bereit,  tfmen  fciefelbe  au  geben;  aber  fie  finb  ber* 
felben  niä)t  fettig  unb  können  fte  nid)t  erlangen,  fo  lange  fte  in 
tjjrer  SßSiberfpenjtigfeü  unb  in  i^rem  tlnge^orfam  oerjarren* 

gerner  tfi  nia)t  $u  überfein,  baß  s]3aulu3  ben  grieben  mit 
©Ott  al$  eine  grua)t  ber  ©ereä)tigfeit  bura)  ben  ©lauben  bar* 
jtellt,  wenn  er  fagt:  „-ftun  wir  bennf  tu  b  gerecht  wor* 
ben  bura)  ben  ©lauben,  fo^aben  wir  grieben  mit 
©ott  bura)  unfern  $errn  3efum  Gtjjrtjtum."  2)er 
©laube  alfo  serfdjafft  tk  ©erea)iigfeit  unb  biefe  ben  grieben 
fcurd)  3efam  (Sf?riftum,  23enn  nun  ber  bußfertige  ber  ®erea> 
ttgfett  unb  be$  griebeng  (äpxifii  t^ettyaftta,  wirb ,  fo  entfaringt 
aus  biefer  ®emeinfd)aft  aua)  ein  neueg  £era  unb  an  neuer 
Sinn.  3Bo  aber  biefe  Umänberung  fid)  nid)t  jtnbet,  wo  ber 
fSftenfdj  noa)  fortfahrt  au  fünbigen,  ift  jene  Bereinigung  noo) 


791 


md)t  $u  ©taube  gefommem  —  (iMid)  ^efte^t  ber  gricbe 
(S £r t fri  fo  311  fagcn  im  Unf rieben,  unb  bieg  ifi fein  beuttid)* 
fteö  $enttäeia)en*  So  3>efu$  mit  ©einer  ©nabe  unb  ©einem 
©eijt  ift,  ba  ru|t  ber  ©atan  nia)t  unb  lägt  ein  folä)e$  £erg 
nid;t  unangefochten  28er  nic^t  weiß,  ba£  ber  ©  taube*  ein  tampf 
tjt,  wer  bie  §lnfeä)tung  niä)t  fenht,  wem  e3  bei  feinem  d^rißen* 
ifjum  altert  woI?t  iß,  wem  feine  ©ünben  feinen  Kummer 
maa)en,  wer  md)i  mit  gura)t  unb  3ittern  fc^affet  feiig  ju  wer* 
ben,  fonbern  mit  einem  fröfrtidjen  unb  fia)ern  £er$en  in  ben 
£immet  $u  fommen  glaubt,  ber  ift  nod)  ferne  $on  bem  grieben 
mit  ©Ott,  unb  t£m  gilt  nicfyt,  wae  wir  bi$  jjer  von  biefem  ebetn 
$teinob  ber  ausfertigen  gefagt  Jjaben*  —  9ftöge  ber  barmjjer* 
gige  ©Ott  un$  Sitten  an  bußfertige^  $tx%  geben,  fo  wirb  e3  am 
gn'eben  nia)t  mangeln;  3bm  fep  $ob  unb  (5#re  in  (£wigfett! 
Sintern 


Sehnte   *  r  e  H  ö  t. 

$  0  n  ber  greube  i  n  ©  0  t  t 

2:»  gtytl.  4,  4.    freuet  eu#  in  bem  £errn  erttewege,  unb  aUt* 
maU  fage  i#:  freuet  eu#! 


(Sing  an  g, 

3m  Flamen  3tfu!  ^men. 

gajt  mö'dKe  td>  23eben£en  tragen  $u  behaupten,  baf  ein 
©terblid)er  ben  unfterbtidjen  unb  in  fta)  fetbft  fetigen  ©Ott  er* 
freuen  fonne,  wen«  ma)t  bie  Zeitige  ©a)rift  felbft  ba^u  SBeran* 
laffung  geben  würbe»  —  ©ie  fef)rt  nemtia),  bag  bieg  jwuptfädrttä) 
*auf  breiertet  Seife  gefc(;e^en  fönne,  unb  $war  1)  wenn  man 
einen  ©otte£füra)tigen  erfreut  £>enn  bie  ©emein* 
ftt)aft  swifd;en  ©Ott  unb  ©einem  Sluserwä^tten  ift  fo  innig  unb 
feft,  baß  (£r  bae>  wa<3  bem  ©eringjkn  unter  biefen  wtberfä^ri, 
fo  anfielt,  aU  ob.ctf  3j?m  fetbft  wiberfajn'en  wäre,  £>aj?erfagt 


792 


3efu3:  „SBer  eu$  aufnimmt,  ber  nimmt  Wliä)  auf. 

2SaS  ifjr  getrau  jjabt  Einern  unter  biefen  Getuen 

geringen  SBrübern,    ba$  l?abt  i£r  tylix  getjjan. 

2Berbiefer©eringften(£inennurmiteinem23ed>er 

falten  SSafferg  träntet  tn  ein e^  3ünger3  tarnen, 

waprlidj,  idjfageeudj,  bemwtrbeänid>tunbelobnt 

bleiben/'  2lud)  $aulu$  äugert  feine  greube  über  bte  SSo£k 

n)ätigf  eit  ber  ©  emeinbe  $u  ^fjilippi  unb  nennt  fte  ein  angenehmes 

Opfer  vor  ©Ott  —  (£m  einfältiger  33auer  fyatte  einft  barüber 

einen  fejr  guten  (Einfall.  (Er  fragte  nemlicf)  feinen  Surften,  njte 

grofj  ©ottfep?  211$  i£m  btefer  antwortete:  Oft  tji  fo  grog, 

ba§  (Er  Fimmel  unb  (Erbe  erfüllet,  unb  H$  3fjm  alfer  Fimmel 

Fimmel  nic^t  8U  fäffen  vermögen,  fufjr  er  fort:  ep,  faget  mir 

boa),  wie  viel  (£Öen  £uct>  ©Ott  ^u  ©einem  dioä  braudbe? 

<Der  gürfi  bebacbte  ftä)  ein  wenig,  ba  fam  ü)m  ber  33auer  $u* 

vorunb  fagte:  i$  benfe,  fo  viel  als  ein  armer  SBaife,  ober 

fon(i  ein  elenber,  frommer  £!?rijt  —  £),  barumlaffet  uns  gerne 

unb  wißig  ©ute$  tjntn,  lajfet  uns  ben  £ag  für  verloren  galten, 

an  welchem  wir  feinen  betrübten  getrottet,  feinen  Traufen  be* 

fuefjt  unb  erquieft,  feinen  hungrigen  gefpeiSt,  feinen  dürftigen 

getränft,  feinen  Firmen  bcfc&enft  paben.  —  ©e£et,  bte  ©üte 

©otteS  iß  fo  grofj  unb  wunberbar!  (Er  gibt  uns  2l£feS,  unb 

Wir  ljaben  yiifytö,  ba$  wir  nicfjt  von  3N  empfangen  Jmtten, 

wie£)avib  fagt:  „$on  £>ir,  mein  ©ott,  ift  2itle$  fom* 

tuen,  unb  von  deiner  £anb  fjaben  wir  £)ir  2Ule3 

gegeben,    £>enn  wir  finb  gremblinge  unb  ©äfte 

vor  2)tr,  wie  alle  unfer  e  SSdter 2c."  —  £)enno$  nimmt 

©Ott  ^it  ©aben,  tit  wir  lfm  ©eineiwitfen  frommen  Firmen 

fa)enfen,  mit  Jreuben  an  unb  befugt  uns  barüber  ©ein  2Scpl* 

gefallen,   ©Otiten  wir  alfo  nid?t  willig  unb  frö£lia)  geben,  unb 

unfern  ©Ott  mit  ©einen  eigenen  ©ütern  erfreuen  ?   2ßer  bei 

ben  Altern  2)anf  verbienen  will,  ber  ifyue  i^rett  ^inbern  ($ute$, 

unb  wer  ©Ott  erfreuen  will,  ber  erfreue  ©eine  frommen,  bebürf- 

tigen  ?!Jccnfd)enfmbei\ 

2)  2ßir  f$wad>e  3ftenfä)en  fönnen  ben  großen  ©ott  aua) 
baburä)  erfreuen,  t>a$  wir  allezeit  in  reä)tfä)affener 
33ufje  unb  waljr  er  ©o  ttf  eligf  eit  leben  unb  3N 


793 


©elegenljeit  geben,  uns  ©uteS  au  tlmn,  „(£3  bejammert 
©  o  t 1 i  n  6  e  t  n  e m  $  e  r  $  e  n  ,"  wenn  bie  9ftenfa)en  fünbigen, 
e$ift3N  ,/einfremb2öerf,"  wenn  (*rftrafen muß;  <£rt£ut 
e3  fo  ungerne,  als  ein  S3ater,  ber  feinen  ungeratenen  ©oljn 
enterben  ober  ber  £>brigfeit  überliefern  muß*  ÜÖenn  dx  aber 
bte  bußfertigen  311  ©naben  annehmen,  bcn  grommen  unb  ®e* 
Ijorfamen  SSo^ltljatcn  erweifen  unb  fte  mit  allerlei  ©egen  im 
leiblichen  unb  ©eiftlid)en  erfreuen  fann,  fo  gereift  e£  3£w  $ur 
greube.  2)aper  bezeugt  ßrrfelbjt:  ,,3  a)  willnicbtablaffen 
t£nen  ©ute$  ^u  tjSun,  unb  will  ijjnenSDeeineg  uro)* 
in'$  £era  geben,  baß  fte  xxitytvonWlix weichen,  unb 
eö  wirb  9fteine  £uft  fepn,  baß  ia)  iljnen  ©ute$ 
tljun  folljc/'  2lua)  unfer  £eilanb  fagt  son  bem  Skter  be$ 
verlornen  6o£ne$,  baß  er  bem  9?eueooüen  nia)t  blo$  entgegen* 
gegangen  fep,  i£n  umarmt  unb  mit  neuer  Reibung  tterfejmt,  fon* 
bem  aua)  befohlen  imbe,  eine  fofibare  SDcajj^eit  pt  fleranftalten, 
bamit  fte  effen  unb  fröj?lia)  fetm  rönnen*  —  $3eljer$iget  ba£, 
iljr  fta)ern,  unbußfertigen  $?enfd;en;  il?r  htixx\Ut  ©Ott  mit 
euren  ©ünben,  ber  boä)  etwas  gan$  anberd  um  eua)  wbienfc 
£at  3£*  8^*  in  eurer  ^öor^ett  unb  SSerblenbung  bal?in, 
wcu)renb  ber  liebreiche  ©Ott,  euer  ©a)o>fer  unb  kalter,  eine 
fejmfua)tS90Ü'e$lageüber  eua)  fü^rt:  „£öret  i£r  £immef, 
unb  bu  (Erbe  nimm  e£  §u  £)l?ren:  %fy  fyahc  ftinbtv 
aufgewogen  unb  er^ö^et,  unb  fie  finb  son  Ttiv 
abgefallen!  ID  wej?e  be£  fünbigen  S8oU$,  be$ 
2$olf£son  großer  9ftiffetpat,  beS  bo£f>aften  6a? 
mens,  ber  fa)äblia)en  $inber,  bie  ben  |>errn  »er? 
laffen!"  ©o  fe^ret  um  unb  erfreuet  euren  ©Ott  mit  einer 
rea)tfa)affenen  53uße!  £>ber  wollet  i£r  3N  lieber  betrüben  aU 
erfreuen,  wollet  t£r,  ftatt  ©einer  %khz  unb  ©üte,  ©einen 
3om  unb  ©eineUngnafce  auf  eua)  laben  ?— ©e^et :  „3  ö)  n  e  p  m  e 
£immel  unb  (Erbe  l)txxiz  über  eua)  ju  3eugen,  idj> 
f>abeeua)£ebenunb  £ob,  ©egenunb  gl ua)  sorge? 
legt,  baß  ibr  ba$  £eben  erweiset/'  — 

3)  Grnblta)  fönneu  wir  unferem  ©ott  greube  maa)en,  wenn 
wir  un£  in  3!>m  unb  ©einer  ©nabe  freuen*  —  ©ott 
freut  fta)  barüber,  wenn  bie  (££rijkn  ©eine  ©üte  rea)t  erfennen, 


794 


wenn  fte  über  ifjre  ©emetnfdjaft  mit  3>efu,  über  bie  Vergebung 
t>er  ©ünben:c*  wn  £er$en  fröljlta)  ftnb,  wenn  fte  ©eine  leib* 
liefen  ©aben  mit  £)anf  unb  £>emuti?  unb,  £>eqlia)em  Vertrauen 
auf  3^n  genießen*  freuen  \ify  ja  gute  Regenten  über  ba$ 
©lücf  t^rer  Untertanen,  um  fo  mej?r  ber  tiebreia)e  SSater  im 
Fimmel,  tt)enn  t>k  (Erlösten  6etne$  ©obneS  fta)  in  ©einer 
©nabe  unb  ©üte  wo£l  beftnben  unb  tyxz  greube  bura)  2ob  unb 
2)anf  ^u  ernennen  geben.  —  Söillft  bu  alfo,  o  Qtijriji,  beinern 
©Ott  unb  Grrlöfer  eine  greube  maa;en,  fo  freue  bta)  oon  £eqen 
über  ©eine  groge  ©nabe,  unb  befuge  Dein  Vorgefallen  über 
bie  %kbe,  bie  (Ex  bir  erzeigt  ©a^u  ermahnt  uns  ber  ^eilige 
©eift  in  mehreren  ©teilen  ber  ©djrift,  befonberS  aua)  in  un= 
ferem £erte,  wirrebenba^er:  son  ber  greube  beS  ©lau^ 
bigen  in®otU  Sftöge  ber  $err  and)  mein  £er$  mit  £imm* 
ltfa)er  greube  erfüllen,  unb  biefelbe  bura)  meinen  SDtab  hj 
euer  £er$  fta)  ergießen  (äffen!  Slmem 

2tBI>ant>lutta,* 

Db  ef  gleia)  ben  $lnfa)ein  Jai^  als  ob  f>aß  ßfmftentjntm 
einer  Seinrebe  ober  einem  Stofenfiraua)  im  Sinter  gleia)e, 
fo  lejjrt  boa)  hk  (£rfa{>rung,  ba$  baffelbe  bie  £errlta)ften 
23lumen  unb  grüdjte  trägt,  unb  siel  grofi  unb  greube  gewäjjrt* 
2)t>fee  beftätigt  3unäa)fi  bie  2tyoftelgefcfu'i)te,  roeia)e  i?on  ben 
9Reubefel?rten  fagt:  fte  fepen,  fobalb  fte  ben  ©lauben  annahmen, 
mit  £vojl  unb  greube  erfüllt  werben*  Sind;  jegt  noa)  emöftnben 
alle  bugfertigen  unb  glaubigen  ©eelen  ba$  ^teia)  ©otteö  in  fta),  — 
*>♦  L  „griebe  unb  greube  im  £  eiligen  ©eiß,"  &<># 
jebe  naa)  bem  Sttaag,  welkes  ©Ott  gefällt  9tteljrere  laffen  ij?re 
greube  aueb  laut  werben,  unb  rufen  mit  3efataS  an$:  „3$ 
freue  mia)üt  bem  £>errn  unb  mtint  ©eele  ift  fröjj* 
lid)  in  meinem  ©ott,"  sber  mitSOtoia:  „teilte  ©eele 
er  ^ebetben^  er  rn  unb  mein  ©eift  freuet  fia)  ©ott  es 
meineö  ^eilanbeg]"  —  SBSie fönnte  H$  and)  anbers  fepn ? 
SSer  ba3  beft'gt,  \va$  bie  ©laubigen  beftgen,  bem  fann  e$  an 
£roft  unb  greube  ntdjt  fehlen;  wer  ©oite$  ©nabe,  Vergebung 
ber  ©ünben,  ba&  innere  3eugnig  beö  ^eiligen  ©eiftes  unb  t)k 
gewijfe  Hoffnung  ber  ewigen  £>errlia)fett  ^at,  ber  mug  üq§ 


795 


wo|>l  barüber  greubeempftnbetu  —  ^ennber$knfä)fta)woj>l 
beftnbet,  fo  freut  er  ftcf) ;  ebenf o  fmpfen  unb  fpringen  bie  jungen 
ST^iere  im  ®efül?l  be$  SSo^lfe^ng*  ^)tef  wirft  bie  allgemeine 
©ute  ©otteg,  von  welker  bte  (£rbe  unb  ba$  9tteer  voll  ift 
SBarum  fodten  fia)  nid)t  vielmehr  bte  ©laubigen  freuen  über 
bte  ©nabe  (35c»tte^,  bie  ü)nen  in  ^rifto  3efu  gegeben  ift?  ®te 
^tebe  ©otteg  ift  au^gegoffen  in  ijjr  £er$  bura)  ben  ^eiligen 
©eijt,  fte  füllen  fta)  glüdlid)  in  ber  ©emeinfa)aft  3efu  (Sjjriftt, 
unb  £aben  retten  £rcft  au$  ©einer  gülle,  warum  feilten  fte 
nid>t  fröplia)  fesm,  unb  tyxm  © ott  für  alle  ©eine  ©üte  preifen?— 
Der  $?enfa)  freut  ftd;  ferner,  wenn  er  ba$  Uebel  entfernt  ftebt, 
bag  t£n  nieberbeugte*  2Öie  freuten  fta)  bort  bie  tinber  Sfrael, 
al£  $J?arao  im  rotten  Speere  umgefommen  war,  unb  al£  ber 
morberifa)e  2lnfä)lag  beg£aman  bura;  ©otteögnäbigepgung 
vereitelt  würbe!  -ftun  aber  ift  ber  ©laubige  verfuhrt,  baf  ilm 
ber  barmherzige  ©ott  von  ber  £anb  aller  geinbe  errettet  Ijat,  baf 
alle  feine  ©ünben  vergeben  ftnb  unb  ba$  er  bura)  feinen  (Möfet 
von  aller  2lngft  befreit  tjl;  warum  follte  er  barüber  nia)t  von 
£eqen  frejrtidjfe^n?  @$  ift  ifmt  gleia)fam  eine  groffe  Saft  vom 
£erjen  weggeräumt,  weil  er  weiß,  ba$  er  wieber  hü  ©Ott  in 
©naben  fte(?t,  unb  er  lobt  feinen  £erm  mit  Davib:  „2m 
läffeft  mia)  erfahren  viele  unb  große  2lngft,  unb  maa)ejt  mia) 
Wieberlebenbig;  ©u  mad)efi  mia)  feljr  groß  unb  troßejt  mia) 
wieber,  fo  banfe  ta)  Dir  aua)  mit  ^falterfpiel  für  Deine  £reue, 
mein  ©Ott,  unb  lobjtnge  Dir  auf  ber  £arfe,  Du  fertiger  in 
3frael;  meine  Sippen  unb  meine  ©eele,  bie  Du  erlöfet  Ijaf*, 
jtnb  frö^lta)  unb  lobfmgen  Dir/' 

(£nblia)  freuen  wir  un$  über  ben  $ejt$  eim$  ©uie$,  über 
t>k  Erfüllung  eine£ 3£unfd)e<$,  über  gute  Altern,  liebreia)e@|>e* 
gatten,  treue  greunbe  unb  bergL  Um  mc  vielmejjr'bürfen  fta) 
hie  ©laubigen  freuen ,  bte  iljre  £ftufje  gefunben  jwben  in  ber 
©nabe  ©otteS  unb  in  ben  SSunben  3efu  (Djrift;.  ©ie  Iwben 
einen  <&$a%  gefunben,  ber  meljr  wert!?  ijt,  aU  alle  ©a)äge 
ber  2Mt,  —  $>a$  SBerbienfi  if>re£  Erlöfer^,  ba$  fte  auf  em$ 
glüdtia)  maa)t  ©ie  befüjen  ein  ^teinob,  ba$  von  ber  größten 
$kfo  ®otte$  ^eugt,  —  $>a$  Evangelium,  wela)eg  bie  Erfennt* 
«ig  ü)re£  £eil$,  Strofl,  traft,  Seis^ett,  ^ic^t  unb  Seben 


796 


enthält  Sie  Wtffen,  bag  fte  mit  iljrem  £eilanb  in  berinnigften 
©emeinfa)aft  fielen,  unb  »on  3N  Mt$  erwarten  rönnen, 
ttriffen,  baß  fte  hinter  be$  |>immlifa)en  35ater^  ftnb,  ber  fte  ttt 
yiofy  unb  £ob  nia)t  serlägt  unb  einjf  einfe^en  wirb  gu  Arbeit 
aller  f)immltfa)en  ©üter,  —  Darauf  erhellt,  warum  ber  HpofteX 
in  unferem  Zcxt  tu  (£Jmften  fo  ernftlta)  gur  geiftlia)en  greubc 
ermahnt  (£r  wieberljolt  feine  SSorte  unb  will  bannt  fagen, 
bag  er  einen  guten  ©runb  £abe,  gur  greube  in  bem  £errn  auf* 
gutnuntern*  Der  gange  53rtef  an  bie  tyfyitipptv,  aus  welkem 
unfer  £ert  genommen  ift,  geigt,  bafü  $aulu$  jene  ©emeinbe 
augerorbentlia)  geliebt  fyabe,  weil  er  fo  otele  33cweife  *>on 
iljrem  wahren  ©lauten  bei  ifmen  fanb*  (£r  gibt  ijjnen  baS 
3eugniß:  ba£  fte  „all.egeit  geljorfam  gewefen  fe^en, 
nia)t  nur  in  feiner  ©egenwart,  fonbern  au*  in 
feiner  2lbwefeni?ett,  bagfie  unter  bem  oerfe^rten 
©efa)tea)t  fa)etnen  al$  bie  £ta)ter  in  ber  Söelt, 
babura),baßfie  galten  an  bem  $3  orte  be3  £eben&" 
@r  nennt  fte  „feine  lieben  SBrüber,  feine  greube 
unb  feine  ^rone;  er  xtymt,  ba$  fte  oor  allen  Slnbern  Jia) 
feiner  £rübfal  angenommen  unb  \$m  in  feiner 
9cot£burft  £ülfe  g.eleijtet  j?aben/'  Dann  ermahnter 
fte,  tu  bem  £erm  gu  befreien  unb  nta)t  gu  wanfen,  tlpre^ 
©laubenö  gu  genießen  unb  fta)  im  £  errn,  gu  freuen*  Da* 
mit  will  er  olme  Bweifel  fagen :.  3a)  fann  au£  ben  grüßten, 
bte  ia)  an  eua)  ftnbe,  fa)ltejjen,  baß  ü)r  in  bem  £erm  3efa 
fe^b,  baß  i£r  bura)  ben  wahren  ©tauben  in  ©einer  ©erneut* 
fa)aft  lebet  unb  alfo  sor  ©ott  geredet,  jj eilig  unb  feiig  fe^b. 
Darum  befielet  nun  aua)  in  3Dnt,  laffet  eua)  bura)  yiitytö  son 
3jjm  abwenbfg  maa)en  unb  freuet  eua)  in  3|nn,  freuet 
eua)  über  euren  feltgen  3uftanb,  über  bte  ©emeinfa)aft  mit 
3efu  Gtyrtfto,  über  bte  ©erea)ttgfett,  bte  <£r  eua)  fa)enft,  über 
bie  ©nabe  ©otte£,  bie  (£r  eua)  erworben,  über  ben  grieben, 
ben  (£r  eua)  mttgeu)eiirunb  über  bie  ©eltgfeit,  bte  (£x  eua) 
Gerettet  £at.  —  Sin  einer  anbern  Stelle  fagt  $3aulu$:  „©e^b 
flar!  in  bem|)errn  unb  inber5Waa)t@  einer  ©tärfe;" 
b»  i.  ermahnet  eua)  in  bem  |>erm  3efc,  unb  serlaffet  eua)  auf 
6etne  ©ewalt,  bie  3N  gegeben  tfi  über  2ille$,  fua)et  U\  3!nn 


797 


straft,  ttenn  tyv  mit  bem  ©atan  unb  ber  SSelt  $u  fampfen  Ijabt.  — 

Söenn  er  alfo  jn'er  faßt:  „greuet  eua)  in  bem  £crrn," 

fo  j>etgt  baä  fo  viel:  hattet  3efum  mit  ©einem  Skrbienf*  für 

eure  £öa)jte  greube,  für  euren  größten  ©dja$  unb£rofh  £)enfet 

oft  baran,  too$u  (£r  eua)  oon  ©ott  gegeben  fey*   ©e^et  ©eine 

©erea)tigfeit  ber  ©ünbe,  ©eine  ^tek  bem  £a§  unb  ber  93er* 

folgung  ber  2Mt,  ©einen  9^eia)t|>um  ber  2lrmut£,  ©einen 

£ro|t  aller  £rübfal,  ©eine  gülle  allem  Mangel,  ©eine  £ülfe 

aller  ©efaljr  unb  9cot£  unb  ©eine  ©eligfeit  bem  £obe  ent* 

gegen,  (ürnoäget  oft,  bajj  if>r  bura)  bte  ^eilige  £aufe  mit  3^m 

serbunben  unb  bura)  3fw  in  ©otteg  ©nabe  unb  (?iebe  einge* 

fcbloffen  fepb,  baj?  euer;  nichts  au$  ©einer  £anb  reiben  unb 

ma;t$  eua)  oon  ©einer'  ^?iebe  fd)ett>en  fann*  —  9taa)  biefem 

laffen  fta)  bte  übrigen  2Iu$fprüa)e  ber  Zeitigen  ©a)rift,  bie 

gleiten  3nf>alt  fyahen,  Uifyt  erHaren.  3-  33*  wenn  £)aoib 

faßt:  ,,3a)  freue  mia)  unb  bin  frö^Uß)  *n  2>*r  un*> 

lobc£)einen  tarnen,  £)u  2tllerl)öa)  jter*  3$  f)abe 

ben  Gerrit  alle  Seit  oor  klugen;  benn  (£r  ijt  mir 

3ur  Otea)ten,  barum  werbe  ta)  ro  o  £  (  bleiben^. 

freuet  eua)  beä  £erm  unb  fe^b  fröf>lia),  il)r©e* 

rea)ten:c*  £)agiftmeine§reube,  ba§ia)mta)  $u  ©Ott 

jjalte.  9ttetn£eibunb  ©eele  freuen  fta)  in  bem  le* 

benbigen  ©ott;  benn  ©ottber £errijt  ©onneunb 

©a)ilb,  dv  gibt  ©nabe  unb  (Spre,  unb  rotrb  fein 

©uteä  mangeln  laffen  ben  frommem"  (£benfo  3^ 

fataS:  ,,3a)  freue  mia;  in  bem  £errn,   unb  meine 

©eele  ift fr öijlitt)  in  meinem  ©Ott;  benn  (£rDatmta) 

<ange$ogen  mit  ben  Kleibern  beö  £eÜ33C."    gerner 

3ep£ania$:  „3aua)£e,  bu  £oa)ter  3ioit,  freue  bia> 

i  unb  fep  frö^lia)  oon  ganzem  £er$cn,  bu  £oa)ter 

3er ufalemö;  benn  ber^err^at  beine  ©träfe roeg* 

geno  mm  en,ber£errift  bei  bir,ba£bubia)oor  fei* 

nemUnglücf  mepr  füra)ten  barffL"  (£nblia)3aa)aria$: 

„greuebia)  unb  f et;  fröj>lia),  bu£oa)ter  3ion;  benn 

ftelje,  ia)fommeunb  will  beibir  roojjnen,  fpridjt 

ber  £err."  —  3a;  führte  btefe  ©teilen  ber  3rei£e  naa)  an, 

bamtt  i£r,   meine  hieben,  um   fo  me£r  ©ferf   £rojt  unb 


798 


(ÜFrquicfung  au£  ber  üftenge  berfelben  fcppfen  moget*  (Sie  tnU 
galten  tfjetfö  ben  ©runb  unferer  gciftliijen  greube,  tfeett^  er* 
muntern  fte  uns  unter  ben  ©orgen  tmb  £rübfalen  biefeS  2ebeng, 
bie  greube,  welche  ba$  (Sjjrtjtentinim  oerfajaffr,  ntcf)t$u  oer* 
geffen,  tfjetlg  lehren  fte  uns  aua),  t>a$  biefe  greube  nia)t  ober* 
ftött)licf)  unb  oorüberge!?enb  fe^n,  fonbern  auö  bem  ^erjen 
fommen  urib  £etb  unb  ©eele  baran  Zfytil  nehmen  folL 

Raffet  img  nun  fetter  fepen ,  K>a$  tt>tr  unter  ber 
a,etjtlta)en  unb  göttlichen  greube  gu  oerfte^en 
Reiben?  <£ä'lä$t  jta)  freiließ  beffer  empfmben,  als  fagen,  tua^ 
greube  fe^  Erleben  (Altern  greube  an  ij?ren  ®inbem,  fo  fielet 
man  tf?nen  ba$  woftf  an,  wollte  man  fte  aber  fragen,  wie  ibnen 
babei  suSDhttljefe^,  fo  werben  fte  uns  tjjr  ©efü^X  fa)werfia)mit 
Porten  auöbrücfen  fönnem  2Bte  ftd;  nun  btefe  natürliche  greube 
mtyt  wo£t  befa)reiben  lägt,  um  fo  stel  weniger  t>k  geijtlube 
unb  göttliche  greube*  3$  würbe  es  aua)  nia)t  unternehmen, 
wenn  mia)  nic^t  mein  2lmt,  naa)  welchem  ia)  2lnbere  untere 
richten  unb  erbauen  foli,  ba^u  aufforberte*  —  deiner  Meinung 
naa)  beftef>t  btefe  greube  in  einer  angenehmen,  lieb- 
lichen (ümpfinbung,  welche  ber  ^eilige  ©eift  in 
ben  ©e  eleu  ber  ©laubigen  übe  r  bie  £iebe  unb  ©üte 
©otteS,  über  bie  ©emeinfa)aft  3efu  @|>rifti  unb 
anberepimmlifa)e  ©üter  erzeugt  — Sluc^fonftfe^ntfta) 
bte  ©eele  beä  Uttenfdjen  naa;  bem,  was  fie  für  gut  unb  nü|lict;  er* 
fannt  fyat,  unb  wenn  il?r23erlangen  befriedigt  wirb,  fd  entfielt  bar* 
auö  ein  angenel?me#  ©efüfrt,  ein  Vergnügen,  welches  man  greube 
nennt  SBenn  nun  bie  Seele  beS  ©laubigen  bura)  bas  £ia)t 
ber  ©nabe  bte  ©üte  unb  £icbc  ©otieS  in  @j?rtfto  3efu  e-rfannt 
l)at,  fo  feljnt  fte  fia)  barnaa)  unb  eignet  ftet)  biefelbe  burd)  ben 
©lauben  gu*  daraus  folgt,  ba§  fte  in  fta)  empftubet,  v>a$  fte 
$on  ©Ott  unb  ©einem  Söorte  mi$,  ba§  fte  gtetebfam  febmeeft 
unb  fielet,  toie  freunblia)  ber  ^err  ift,  baf)  fie  barüber  innertia) 
»ergnügt  ijt,  unb  biefe  füge  (Emkftnbung  aua)  burd?  fröfjlirije 
SQßorte  unb  £anbfungen  an  ben  Sag  legt  —  £>iefe  geiftlia)e 
greube  unterf Reibet  ftet;  aber  oon  ber  weltlichen  babura),  baß 
fie  r-om  ^eiligen  ©eift  felbft  in  ben  ©laubigen  erregt  wirb* 
,^einfleifa)lia)  gejumter  SDknfcf)  ift  berfelben  fäfng,  unb^iemanb 


799 


fctrm  fte  au3  eigenen  Gräften  Ijeroorbringen,  fonbern  fte  mu$ 
vom  ©etfte  (Lottes  fcXbft  gewirft  werben,  (ü£r  fa)afft  fte  aber 
nur  m  ben  bußfertigen  unb  gläubigen  ©eelen,  £)te  ©ottlofen 
baben  feinen  grieben,  olfo.  aua)  feine  greube;  einbüßen  mögen 
fte  fta)  biefelbe  wobl,  aber  fte  tauften  fta). 

2Btr  paben  ferner  gefagt ,  bag  bie  greube  tu  ©Ott  einen 
Weit  pöljeren  unb  ebleren  ©egenftanb,  ein  tocit  föfftia)ere£  @ut 
£abe,  voorauf  fte  fia)  grünbe,  cdü  bie  greube  ber  2Öelt.  2)tefe 
$at  ijjren  ©runb  in  5eitlia)en  unb  eiteln,  oft  aua)  in  fünblta)ett 
Singen;  jene  Dagegen  in  ewigen  unb  waprpaften  ©ütern«. 
£>ie  9Jcenfa)en  freuen  ftd)  über  bie  oerfa)tebenften  Singe;  aber 
überfallen  biefen  ftejH  ein  l?öj?ereg  unb  grögereS  —  ber  alte 
mäa)tige  ©a)öpfer  unb  (Erhalter  atter  Singe,  ba£  t>öa)fte  unb 
ewige  ©ut*  Mitbin  übertrifft  ®int  greube  alle  anbere  greuben, 
nemlia)  t>k  greube  an  unb  m  ©Ott  Sieg  tft  bte  J>öa)fte  ©lücf* 
fetigfdt,  ju  welcher  ber  ©laubige  gelangen  unb  in  ü)t 
allein  oolle  ©enüge  ftnben  fanm  —  Ser  gütige  ©a)öpfer 
f)at  e$  aua)  in  ber  ^catur  fo  eingerichtet,  baß  wir  3fw 
au$  ©einen  Werfen  erlernten ,  in  ben  @efa)ö»fen  3jw  fua)en, 
unb  un3  in  3f>m,  al$  bem  £öa)ften,  äufs  inuigjte  freuen  follem  — 
2113  aber  t>k  9Jcenfa)en,  »erblenbet  bura)  bie  ©ünbe,  bei 
biefen  trbifa)en  Singen  fiepen  blieben  uno  in  ibnen  ibre  greube 
fua)ten,  fo  fyat  ©Ott  fta)  un3  in  ©einem  SSorte  uoa)  beuttia)er 
geoffenbart,  boa)  am  beutlta)ften  in  ©einem  ©opne,  ber  unfere 
9)cenfa)j?ett  an  fta)  nal)m.  3u  3!?m  geigte  (£r  itn$  ©eine  gan$e 
(Butt  unb  bie  gütfe  ©einer  $kbe  unb  ©nabe,  bamit  wir  in 
3|?m  unfere  £öa)fte  greube  fua)en  unb  ftnben  follten.  (£$  gibt 
alfoJeine  göttlia)e  imb  geiftltd)e,  ebenfo  aua)  feine  wa|?re  unb 
Dauerhafte  greube  auger  ber  @emeinfa)aft  3efa  grifft.  2itte$, 
wa$  in  ber  Seit  tft ,  oerfa)afft  entweber  eine  fünblta)e  ober 
eine  eitk  unb  unoollfemmene  greube,  wela)e  in  ber  größten 
Vlofy  un$ulänglia)  tft,  unb  $>a$  £er$  nia)t  beliebigen  fanm 
Ser  Stamant  glänzt  gwar;  aber  er  |»at  leine  ^raft  ben  junger 
ober Surft  311  füllen*  Sa3  ©olb  erfreut  tk  weltlia)  ©eftnnten, 
fo  lange  fte  im  äöoplftanb  ftnb;  aber  in  2lnfea)tung,  in  $ranl^ 
peitunb  £obeenou)  f>at  e£  feinen  3öeru)*  3^fuö  aber,  in  welkem 
bie  gülle  ber  ©ott^ett  wopnt,  fann  51t  aller  3?it  erfreuen 
unb  bie  ©tele  mit  grieben,  8?ujje  unb  Zxdfi  erfüllen* 


800 


£)tefe  getftltdje  greube  btent  enblid)  gu  unferer  0e* 
rufjigungunb  bringt  eine  n$orfc!)macfbeäewigen 
£  eben 3  mit  fid;.  2Bir  werben  baburo)  im  ©lauben  geftärft, 
mit  5iebe  erfüllt,  sum  £obe  ©otteS  erwecfi,  gur  ©ottfeltgfeit 
ermuntert;  Ut  vergänglichen  £)inge  werben  ung  überbrüfjig 
unb  wir  fernen  nnö  naa)  ber  ewigen  ©eligfeth  £)al?er  fagt  bie 
(Schrift:  „bie  greube  am£errn  ift  eure  ©tärfe;  unb 
$aulu$  wünfa)t  ben  Römern:  „@ott  erfülle  eudj  mit 
aller  greube  unb  griebeim  ©lauten,  bafHljrburdj 
bie  Äraft  beä  ljeiligett©eifteg  vollige  Hoffnung 
paoet/y  £ne£er  gehören  aua)  bieJS&orte  £>avtbS:  „Sie 
gerben  trunfen  von  ben  reichen  (Gütern  deines 
£aufeg;  £>u  tränfejtfiemitSBollujt,  alömüeinem 
©tronu"  2)er  geiftreidje  2lrnbt  fagt  barüber:  „©Ott  fwtunä 
t>tn  9teid;tfwm  ©einer  £immlifci)en  ©üter  auf  einmal  in  d^rifto 
gefa)enft,  —  bie  ®inbfd)aft,  ber  ^eilige  ©eifi,  bie  mancherlei 
©aben  ©einer  ©nabe  unb  ^iebe,  Vergebung  ber  ©ünben  unb 
t>ic  Hoffnung  be$  ewigen  £ebenS.  2)iefe  ©üter  ftnb  fo  grof?, 
bag  leine  menfa)licr)e  3unge  fte  au^ufprecfyen  vermag,  unb 
erfüllen  unfere  ©eetemit^immlifa)en^ro(tunbmitunbefc^reib^ 
lieber  Sßonne  11." 

(gpc  wir  nun  auf  bie  Sütwenbung  biefer  £e£re  übergeben, 
tfi  nötjng,  tag  wir  fepen,  warum  ber  2looftel  bk  ©laubigen 
gur  immerwäj?renben  greube  ermahnt,  inbem  er  fagt:  „freuet 
eua)in  bem  £errn  allewege!''  —  £)iefe£  Men  ift  fo 
mana)en  33eränberungen  unterworfen,  unb  bie  ©laubigen  j?aupi= 
fäa)lid)  l?aben  mit  Seiben  aller  2lrt  3U  Mmpfen,  )x>k  3efu$  felbji 
©einen  Süngern  vor^erfagte :  „  w  a  fn*  l  i  a) ,  w  a  £  r  l  i  a) ,  3  a) 
fage  eud;,  t£r  werbet  weinen  unb  beulen;  aber 
bieSeltwirbfia)  freuen*"  £)a£er  fa)eint  e3  unmöglia) 
3U  fevn,  baj?  bie  dfmjkn  flete  $ur  greube  geftimmt  ftnb.  allein 
fcer  Slvofiel  verlangt  bloS,  baf?  wir,  fo  viel  möglta),  barnaa) 
trauten  follen,  baf?  unfere  greube  in  bem  £errn  fortwähre; 
er  fvridjt  alfo  von  bem,  was  gegeben  foll,  ntct)t  von  bem, 
waö  wirflid)  gefdjtefjt*  (Benfo  fagt  ber  £eilanb  $war  ben 
©einigen,  bafj  fie  £rübfal  unb  Verfolgung  leiben  unb  barüber 
trauern  unb  flagen  werben;  boa;  will  er  nia)t,  t>a$  bk  innere 


801 


greube  babur$  gan$  aufhören  fotf*  ©aper  fagt  (£r  an  einer 
anbern  ©teile:  „@ö^e^  rebe  3$  $u  eud),  auf  ba§ 
9ttetne  greube  in  eu<$  bleibe,  unb  eure  greube 
ttollfommenwerbe,  unb  in  bem  Ijoljenprtejterlic^en  ©ebet: 
3$  fomme  $u  £)tr  unb  rebe  feiges  tn  ber  Sßelt, 
auf  bag  fie  (nteüte  Sünger)  in  ft$  £aben  Steine 
greubettcllfomme  n."  (£x  unterfc^eibet  alfo  awiföen  ber 
erft  angefangenen  unb  ber  f$on  soltfommenen  greube,  ober 
jwtfc^en  SBur^el  unb  33lume,  (Stamm  unb  grud)t*  2)ie  SOSur^eJ 
füll  unb  muß  allezeit  in  bem  £er$en  ber  ©laubigen  fe^n,  wie* 
woljl  bte  23lume  juf  nt(^)t  immer  sorfmbet,  fonbern  unter  ben 
©türmen  ber  £rübfal  fwuftg  serwelft*  £)en  ©runb  ber  greube 
fwben  bte  ©laubigen  allezeit,  fo  lange  fie  in  ber  ©emeinfdjaft 
mit  3efu  leben;  aber  bk  gru^t  wirb  öfters  burd)  beS  £eufel$ 
9teib  unb  bk  SBotyeit  ber  2öelt,  zuweilen  au$  bur$  bie  ©c|)Wad)* 
Ijett  unfereS  gleifdjeS  am  2öa$3tfwm  $erl)inbert.  2)ennodj  fetten 
bte  Triften  ft$  bemühen,  baß  ijjre  greube  soßfommen  fep 
unb  alle  £raurigfeit  überwinbe*  —  SSir  fejjen  aud;  wtrfli$  an 
ben  erjten  Gtjmften,  baß  bie  greube  in  bem  £errn  mitten  in 
ber  £rübfal  nod?  fortbauern  fann*  ,,©ie  finb  als  bit 
traurigen,  fagt  $aulu$,  aber  allezeit  froplidj* 
<Bic  rühmen  fi$  ber  £rübfal  unb  achten  e$  für 
lauter  greube,  wenn  fie  in  mancherlei  51  nfedjtung 
fallen*"  (£$.  gejjet  ifmen,  wie  einem  gefunben  unb  ftarfen 
Spanne,  ber  Ui  allen  SDftijjfeligfeiten  unb  33ef$werben  ft$ 
immer  wo^l  beftnbet  unb  guten  SDhttljeS  ijt,  befcnberS  wenn 
er  irgenb  einen  SBortji  eil  babä  au  erreichen  glaubt*  2Bajjre(££ris 
jlen  beftnbenftdj  wojjltn  ber  ©emeinfe^aft  ipreö  ^rloferS,  weil 
jte  ber  ©nabe  <3otte$  *>erftd)ert  ftnb,  ein  gutes  ©ewijfen  £aben, 
unb  bte  Hoffnung  ber  ewigen  ©eligfeit  beftfcen*  6ie  ertragen 
bte  äußerliche  £rübfal  mit  Wlnty,  ba$  $reua  ift  ijmen  eine 
£uji  unb  jte  überwinben  2WeS  mit  greuben,  um  2>effen  willen, 
ber  jte  geliebet  £at* 


<Scti*tt>&  <Sertenftf>afc.  51 


802 


Sltttt>ettbung. 

I.  Raffet  un$  nun>rüfen,  itrie  unfere  greube  in  bem  £evrtt 
&efd;affen  fe#,  unb  fe£en,  worin  fte  ftdj  von  ber  greufce  ber 
SEßelt  unterfc^etbe*  — 

3n  ber  SDßelt  ftnben  fta)  breierlei  Hrten  von  greuben, 
bo$  ifl  nur  eine  51  xt  bie  rechte;  unb  $»ar  1)  biejenige, 
*vela)e  tvir  bi$£er  befdjrieben  baben,  welche  ber  5XpofieI  „  g  r  e  u  b  e 
in  bem  £erm,"  aua)„greube  im  ^eiligen  ©eijV' 
3efu$  aber  „Seine  greube"  nennet*  Sie  tvirb  bura)  bte 
^raftbeö  ^eiligen  ©eijkS  in  ben  bugfertigen  unb  gläubigen 
fielen  hervorgebracht,  unb  Ijat  if?ren  ©runb  in  ber  ©nabe 
©otteS,  in  ber  ©emeinfa)aft  3efu  (£jmfti  unb  in  anbem  J>imm* 
lifdjen  ©ütenu  ©ie  ifl  leia)t  ju  ernennen,  ttjetlS  aus  bem, 
tt>a$vor£erge|>t,  —  tvatjre  9?eue  unb  £eib  über  bie  <5ünbe, 
ber  $ampf  beö  ©laubenS,  ?iebe  $u  bem  ©efreustgten,  ber 
tljr  tpeurer  ifi,  afö  alle  @$a|e  ber  2Beft,  ^iebe  be$  göttlichen 
Söorteö,  Knbac^t  im  ©ebetjc*  —  t£eil3  aus bem,  tvaS 
fie  mit  fia)  bringt,  —  Vergnügen  in  ©ott  unb  $eraa)tuug 
ber  (Jitelfeit;  -—  tljeilS  a\x$  bem,  tva$  barauS  ent* 
fpringt  —  aufrichtige  ?iebe  ju  ©ott,  williger  unb  freubiger 
@e£orfam,  an^altenbe  ©ebulb  in  ber  £rübfal  unb  beftanbige 
SSer^errIia)ung  be$  göttlichen  ^amenä  unb  bergl. 

2)  £>te  fötite  2lrt  ift  bte  greube  ber  £eua;ler  unb 
©a)eindt;rifien,  welche  ein  goitfeligeS  Sßefen  $ur  <5a)au 
tragen,  aber  in  ber  ££at  baffelbe  verläugnen.  £>er  £eilanb 
fagt  von  (Jimgen  feiner  3ul?ör er :  „bafjfiebaögeprebigte 
SB ort  mi t  greuben  annehmen;  aber  f ie£ ab enf eine 
2öur$et  in  fta),  fonbern  finb  »  etter  wenbtf  a); 
wennfi$umbe$9Sorte$tt>illen£rübfalunb23er* 
folgung  ergebt,  fo  ärgern  fie  fia)  balb/'  5lua)  ber 
5Ipoftel  rebet  von  (Jinigen,  welche  bie  £immlifd)en  ©aben  ge* 
fcpmecft  £aben  unb  t>a$  2öort  ©otteS  unb  bte  Gräfte  ber  %u* 
fünftigen  üfiklt,  aber  naa)£er  abfallen*  So  bing  ba3  j[übtfa)e 
SBolf  bem  Käufer  3o£anne6  einige  3eü  ein  unb  fa)ä'£te  lfm  j/oa; ; 
aber  biefe  Zuneigung  währte  nia)t  lange»  ^oa)  j?eut  $u  £age 
Ö^^  *$  folc&e  SRenföen  unter  ben  Gt£rij*em  2Bemt  e$  t&nen 


803 


nao)  Sunfa)  unb  Stilen  geljt,  £6renfteba$  Groangelium  gerne* 
3{jr  £eq  wirb  zuweilen  gerührt,  wenn  ber  9?eitt)tfmm  ber 
göttlichen  ®nabe  in  djm'fio,  bie  trö(Hta)en  Zerreißungen,  bte 
6eligfeit  ber  ^inber  ©otte6,  btc  greuben  ber  (£wigfeit  rea)t 
lebhaft  gefa)ilbert  unb  erflärt  werben,  ober  wenn  fte  ba$  J>ctltge 
2Ibenbma£l  genießen,  wenn  t^nen  33eifpiele  »on  ber  greubtg* 
feit  frommer  d^rtften  im  £obe  $u  Dljren  fommenjc.  2)iefe 
Sprung  galten  3ene  fa)on  für  bte  wcu)re  greube  in  ©Ott; 
allein  bte  angeführten  ©teilen  ber  Schrift  lehren,  baß  noa) 
anbere  Sfterfmale  be$  wahren  GtfmftentlwmS  baju  fommen 
muffen,  wenn  fte  fta)  unter  bte  wahren  Gtfjrijien  $ä£fen  wollen, 
unb  baß  fte  alle  Urfaa)e  1/aben,  ben  3uftonb  ijjreä  3nnern  wojrt 
3u  prüfen,  wa$  naa)  ber  Anleitung,  bte  wir  oben  gegeben  £aben, 
nia)t  fa)wer  t|L 

@in  rec^tfdjaffener  Ctjmft  fyat  greube  an  (Bott  unb  feinem 
£errn  3efu,  aber  in  einem  3erfnirfa)ten  unb  bußfertigen  £er$en« 
Sie  geiftlid)e  greube  gleicht  einer  fremben  $flan$e,  bte  nur 
in  einem  woplbefielften  guten  33oben  fortfommt;  il?re  SBorläu* 
fertn  ift  bie  göttliche  £raurigfeit,  unb  man  wirb  jene  ofme  biefe 
niä)t  leicfjt  fmbem  3ft  fta;  ber  bußfertige  aua)  feiner  groben 
unb  mutwilligen  6ünben  bewußt,  tok  $aulu$,  jo  f>at  er  boa) 
mit  ber  in  ijjm  woljnenben  ©ünbjjaftigfeit  fo  vkl  $u  tjjun,  baß 
er  fia)  oft  von  £er$en  barüber  betrübt,  feinen  Mh  für  einen 
^cib  be$  £obe£  erflärt,  unb  fejmlia;  wünfa)t,  je  ejjer,  j[e 
lieber bason befreit $u  werben*  —  gereerfreut  fta;  ber  ©laubige 
nid;t  blo$  über  ben  £ro jt  be$  Grüangeliumä,  fonbern  aua;  t>a$  ©e* 
fe§  be$£errn  ift  t'ljm  lieb*  @3  ijt  t^m  eben  fo  lieh,  wenn  erge* 
ftraftunb  an  feine  genfer  erinnert,  at$  wenn  er  getröftetwtrb,  weit 
er  woljl  weiß ,  baß  ©träfe  unb  £ro|t  son  einem  unb  bemfelben 
liebreichen  33ater  l?errü£ren,  ber  t>eß^at6  ernfilia)  (traft,  bamtt 
ernacb^er  fräftig  tröften  möge»  3&/  ta)  fann  in  Sßaljrfjeit  fagen, 
baß  ia)  rea)t  liebe  ©eelen  gefunben  J>abe,  wela)e  meinten,  man 
tröfte  fte  aü^uttiel,  man  follte  ifmen  ba$  ©efe#  me£r  unb  et* 
friger  aU  baö  (Eoangelium  sorljalten,  weil  fte  noa)  all^u^iele 
gelter  an  fta)  jwbem  2lua)  machte  ia)  bte  @rfa£rung,  baß 
anerfannt  fromme  9ttenfa)en  bi^tt>eilen  weniger  mit  befeligenben 
©efüjrten  $um  ^eiligen  2ibenbmajrt  gegangen  jmb,  aU  Stobere, 

61» 


804 


bk  tfmen  nidjt  $u  $ergleia;en  waren*  ©ie  fyatten  mefjr  finblia;e 
gurä;t  unb  (Ehrerbietung,  al$  £roß  unb  greubigfeit,  fte  waren 
immer  in  ©orgen,  ob  fte  auä)  il?r  £cr£  gehörig  vorbereitet 
£aben,  wä$>renb  wir  fte  glütflia)  priefen  unb  son  iDeqen 
wünfa;ten,  ijmengleiajsufep*  —  £>arau3  er^etft,  bag  bie  befe* 
ligenben  (£mpfmbungen,  bk  Wlanfye  bei  bem  ©enug  be£  fettigen 
Slbenbma£l$  an  ben  £ag  legen,  nia)t  immer  ein  beweis  son 
einem  bugfertigen  unb  gläubigen  ^er^en,  aua;  nia)t  bie  rea)te 
greube  in  bem  £errn  ftnb,  *>on  berwirbi£j?ergefprott>n  Ijaben, 
fonji  würbe  man  jene  lieben  unb  frommen  (Seelen,  bei  benen 
jta;  boa)  ber  lebenbige  ©laube  in  anbern  grüßten  $ur  ©enüge 
erweist,  für  unbugfertig  unb  ungläubig  erflären  muffen*  — 
<£benfo  empftnbet  ber  waljre  djjrijt  bie  greube  in  ©Ott  nia)t 
nur  in  guten  £agen,  fonbern  ljauptfcta)litt;  aua)  in  ber  £rübfaL 
(Er  freut  jt$  in  ber  £raurtgfett,  unb  ifi  vergnügt  über  feine 
Seiben;  feine  £bränen  ftnb  ifnn  füg,  unb  er  ijt  fttyüti)  barüber, 
bag  ber  £err  i£m  ©ein  ®xzu%  aufgelegt  £at*  (Er  ift  reia;  in 
ber  2lrmutlj  unb  palt  fta;  für  glücflia),  aua)  wenn  >)k  Söelt  tyn 
seraa)tet  unb  serläumbet»  3ubem  ift  ein  rea)tf$affener  (Eprift 
aufrtdjttg  unb  lauter  gegen  ©Ott  unb  ben  9?äa)ften,  e$  maa)t 
t£m  greube,  b.en  Stilen  be£  £o$ften  $u  tfjun  unb  feinem  £ei* 
lanb  nachfolgen*  (Er  behalt  fiel)  hin?  ©ünbe  *>or,  ber  er 
noa)  bienen  will,  fonbern  fte  alle  ftnb  i£m  mx  ©reuel*  2)ie 
S3erftä;erung  ber  ©nabe  ©otteS  unb  ba$  beruhigte  ©ewiffen 
in  (Eljrifto  machen  ifm  nia)t  naa)ldgig  im  Dienjte  ©otteS  unb 
beS  9?äa)ften,  fonbern  freubig  unb  tvitii$  $u  allem  ©utem  (Er 
lägt  fi$  t>k  Uebung  in  ber  ©ottfeligfeit  nta;t  blo$  $u  gewiffen 
3etten  unb  ©tunben,  ober  M  gewiffen  geterlia)feiten  ange* 
legen  fepn,  fonbern  fte  ift  fein  täglicfjeS  ©efa)äft*  —  £äglia) 
fiellt  er  jtä)  ©einem  (Erlöfer  bar,  unb  fprirbt:  ftej?e,  £ier  hin 

i$,  ©einen  Sötllen,  mein  ©ott,  fynt  ia)  gerne! (ES  war 

nötpig,  barüber  etvotö  ausführlicher  au  reben,  weil  leiber  Ue 
(Erfahrung  lejjrt,  bag  bie  meiften  (Stiften  eine  ^u  gute  Meinung 
über  ben  3uftonb  il?reg  3nnern  ^aben*  ©ie  glauben,  weil  fte 
©OtteS  SDSort  jjören  unb  $um  peiligen  2lbenbma|jl  gejjen,  aua; 
naa)  tjjrer  ©ewopnpeit  anbäa)tig  beten,  unb  babei  innerlia)  t>er* 
gnügt  fe^en,  fo  (tepe  2We$  gut,  meljr  tonne  man  wn  i^nen 


805 


nicf)t  fordern*  2lber  wer  mödjte  e$  läugnen,  bag  alle  bt'cfe 
Singe  fid;  au$  bei  einem  £eu$ler  ftnbeti  fönnen?  3eber  Ctfmjt 
prüfe  ftt$  alfo  wopt  unb  fef?e  $u,  bag  feine  innerliche  3ufrieben* 
feit  nic^t  Selbjttäuf^ung  unb  $erblenbung  beS  ©atanS  fey*  — 
Sttanaje  werben  ^war  fagen,  man  verlange  $u  viel,  man  maa;e 
bte  £eute  baburdj  nur  irre,  wenn  baS  2llleS  fo  genau  genommen 
werbe,  fo  lönne  ftc£  9ftemanb  Hoffnung  auf  bie  ©eltgfeit 
maa)enu*f,w*  Sarauftjtguerwiebern:  SDfanforbert  weltweiter, 
als  wa$  ©Ott  felbft  in  feinem  Söort  forbert,  nemtta):  bafj  bie 
9ttenfa)en  aufrichtig  unb  o|me  galfa;  erfunben  werben  follen, 
2)enn  bem  ^laer^ö^ften  ift  nichts  mejjr  ^uwiber  als  t)k  £eu* 
ekelet,  bie  3^n  mit  bem  SDfunbe  e£rt,  wä^renb  baS  £er$  ferne 
von  3N  tfr  —  gerner  muß  man  in  8aa)en,  bie  unfer  ewigem 
£eil  betreffen,  2ltIeS  fo  genau  als  moglta)  nehmen,  weit  ber 
geringjte  geiler  $u  größeren  ©ünben  verleiten  fann  unb  bie 
ewige  ©eligfeit  oft  von  einem  einigen  Slugenblitf  abhängig 
ift»  £>odj  ift  md;t  $u  überfein,  bafi  wir  £ei)rer  M  unfern  3u* 
pörern  nia)t  fowojrt  auf  S8ollfomm.enb eit,  als  auf  ein  aufriefe 
tigeS  unb  bußfertiges  £er$  bringen*  28o  ßrrfenntniß  ber  ©ünbe, 
ber  ^arnpf  beS  ©faubenS  unb  an  aufrichtiger  SSorfag  tjl,  ha 
ftnb  wir  gerne  aufrieben,  weil  ©Ott  aufrieben  i%  SBenn  nur 
£eud?elei,  Unbußfer  tigfeit,  Unglauben  unb  ©ia)erl)eit,  bie  fta) 
oft  unter  einem  fa)önen  ©$em  gu  verbergen  wiffen,  entfernt 
jtnb,  fo  wirb  ©Ott  uns  gnäbig  fep  burdj  3efum  dfm'ftum, 
unfern  £>errn*  —  (£nbfi$  ift  es  auc^  beffer  in  £raurigfeit  unb 
23efümmerniß  in  ben  £immel,  als  in  falfa)er  8ia)er£ett  unb 
greube  in  bie  £ötte  ^u  fommem 

3)  £)te  britteSlrtbergreubetjtbte  greube  ber  SBelt, 
unb  bie  Söottujt  biefeS  Gebens,  welche  fajt  überall  für  bte  {wcfjfte 
gehalten  unb  von  ben  meinen  ^enfa)en  gefugt  wirb*  —  Einige 
£eibntfd)e  Golfer  ber  alten  &it  £aben  bem  £aa)en,  als  einem 
©ott,  eine  33ilbfäule  errichtet,  unb  bemf elben  alle  3a£re  an 
geft  unter  allen  erbenflidjen  ^ufibarfeiten  gefeiert  (£in  groger 
£|>eil  ber  heutigen  Triften  ift  offenbar  mtttpnen  gleichen  Sinnet 
53etraa)tet  nur  an  ©onn*  unb  geter*£agen  bie  ©täbte  unb 
Dörfer,  unb  i£r  werbet  ftnben,  bag  bie  meiften  (^mwoljmer, 
wennfte  beS  Borgens  @ine  ©tunbe,  manchmal  oljne  alle  Sfabcta;*, 


806 


in  ber  $irö)e  gewefen  jtnb,  ben  ^acfjmittag  kirn  £rtnfgelag 
unter  Spiel  unb  Sd?er$  ^bringen*  Stiele  begnügen  fta)  aber 
nia)t  mit  ben  Sonntagen,  fonbern  wenben  aua)  bie  S&erftage 
auf  gleiche  Seife  an,  unb  wenn  ber  $obel  nia)t  au6  -ftotp 
arbeiten  mügte,  fo  würbe  er  auf  alle3  9ftöglta;e  fommen*  2)a3 
üppige  Seben  be$  reiben  Sftanneg  gefaßt  allgemein,  unb  ba$ 
2)ia)ten  unb  £raa;ten  ber  meipen  $?enfa)en  gefrt  barauf  hinaus, 
t>teX  ©elb  3U  Ijaben,  gut  $u  effen  unb  3U  trtnfen,  bte  Sangen 
reicfylia;  31s  verforgen,  von  feinem  Mangel  gu  wiffen,  in  (£i?re 
unb  Slnfeljen  $u  fielen,  unb  fo  bequem  aW  moglia)  $u  leben* 
£>ie  greube  in  bem  £errn  aber  ift  ben  SSenigflen  befannt,  unb 
obgleia)  M  jeber  (Gelegenheit  bavon  gefproa;en  wirb,  fo  ver* 
flehen  fte  e$  boa)  nia)t  £)aj>er  l)aben  manäje^enfajen  feine beffere 
unb  eblere  greube,  aU  bie  unvernünftigen  ©efa)öpfe*  —  prüfet 
eua)  alfo  wojrt,  meine  3ul)orer,  wie  e6  um  eucf;  fteljt,  unb 
waö  eigentlich  bie  greube  eurcö  £er$en$  tft  ?  £)enfet  barüber 
naa),  ob  ij?r  eure  greube  in  ®ott,  in  ber  ©emeinfa)aft  3efu 
G^rifii,  in  bem  Stvojl  beö  fmltgen  ©eiftes,  in  einem  guten  ©e* 
*viffen,  in  ber  Uebung  ber  ©ottfeiigfeit  :c*  ober  in  ber  2öelt 
fua)et?  SBenn  ipr  von  ber  greube in  ©ott  nia)tö  wiffet,  fonbern 
an  ber  (£itelfeitber  2Belt  Ränget,  \x>k  pe^et  e3  um  euer  (Sfiriften* 
tljum,  —  toa$  ift  bann  euer  ©laube  unb  eure  Hoffnung  ?  2öa$ 
1?at  ber  Slflenfcfy  vor  bem  £l?iere  vorauf,  wenn  er  nia)t  im 
Stanbe  ift,  jta)  über  ben  £anb  biefer  &it  au  ergeben,  unb  in 
@ott*Jtupe$ufua)en?  — 

2>ie  greube  biefer  2Mt  ift  1)  eine  tporidjte  unb 
vergängliche  greube;  benn  fic  grünbet  ftcf)  auf  eitle,  nia> 
tige  2);nge*  greuen  wir  unS  über  eine  23lume,  fo  vergebt 
unfere  greube,,  wenn  biefelbe  »erweift*  3ünben  ^inber  Rapier 
ober  Strop  an,  fo  gibt  baS  in  ber  dilt  eint  l)elle  glamme  unb 
maa;t  il)nen  greube;  aber  wenn  bag  geuer  verlöfcftt,  fo  ift 
2Ille$  vorbei*  ©0  ijt  e$  mit  ber  greube  ber  Seit,  fte  ijt  eitel 
unb  nia)tig,  tok  bie  tägliche  Grrfaljrung  leljrt*  2ßer  fein  £er$ 
tyx  Eingibt,  ber  freut  fta)  über  einen  Schatten,  über  eine  33lume 
ober  über  ein  Strohfeuer;  ber  Schatten  ifi  verfa)wunben,  bie 
Sölume  verweift,  baö  Strohfeuer  verlofa)t  unb  if?m  bleibt  nia)t$ 
übrig,  als  ewigem  &ib* 


807 


2)  £u'efe  greube  tjl  ferner  eine  unfjeütge  unb  fcf)äb* 
Xifyt  greube*    £)er  gottfelige  2lrnbt  nannte  fte  mit  attem 
9?ecf)t  be£  Teufels  £ocffpetfe,  wobur<$  er  bie  £er$en  ber 
SDfenfdjen  für  fitf)  ^u  gewinnen  fu$t;  fte  gfetc^t  ben  3rrwif$en, 
wefc^e  bie  SBanberer  verleiten*   2)eS  £etbe$  SOBofjfergefjen  tft 
ber  ©eeleSBerbcrben;  bur$  t>iz  greube  ber  SOBelt  wirb  bag  £er$ 
immer  mcljr  von  bem  ©efreu^tgten  abgewenbet  3öer  bie  2Bol* 
tufi  btefer  2Belt  erwägt,  ber  wirb  immer  meijr  irbifd>  geftnnt, 
ber  (Sinn  wirb  rerfefjrt,  bie  Slnbat^t  verfc^winbet,  ba$  ©ebei 
wirb  geftört,  baS  28ort  wirb  erfn'cft,  ber  ©taube  erltfd?t  unb 
bie  %khc  erfaftet— £>er@iaube  unb  bie  ©ottfeligfeit  bä  täglichem 
2öofj(*eben  ftnb  einem  £t$te  an  einem  feuchten  Drte  äljmttdj, 
welches  nur  bunfel  brennt  unb  enbltdj  gan$  au$löf$t  Denn  wiz 
fann  baS  $ifyt  beS  ©iaubenS  in  einem  £eqen  erpalten  werben, 
t>a$  ftdfj  ber  Ueppigfeit  unb  ditdfät  ber  SQSett  ergibt?  —  Sic 
bte  ©#lm<#flan$e  ftdj  um  bte!23äume  wenbet  unb  t£ren  @aft 
aftmäjjltg  auSfaugt,  baf?  fte  am  (£nbe  vcrborren;  fo  i(i  e$  aucjj 
mit  bem  SSflenfdjen,  welkem  bae  tägliche  SBoptfeben  allen  <5mn 
für  ba$  (Sjjrtftentfmm  unb  atte  Gräfte  raubt ,  ijm  au$  einer 
©ünbe  in  bie  anbere,  unb  enbfid)  ins  Serberben  ftürjt*  2)a£er 
fagt  gjetatö:  „28ir  follen  uns  entsaften  von  fl"eif$* 
liefen  lüften,  we(<$e  wiber  bie  ©eefe  jtretten."  2)a$ 
£e£tere  aber  gef$tel?t  ntdjt  mit  2öe£r  unb  SBaffen  unb  offen* 
barer  ©ewalt,  fonbern  burd)  f>etmlic$e  £ift  unb  verborgene 
£ütfe,  gleichwie  \)k  33ctume,  bie  am  Ufer  eines  gluffeS  flehen, 
ntd)t  auf  einmal  weggertffen,  fonbern  natf>  unb  nadj  von  btm 
SSSaffer  untergraben  werben,  bi$  bit  (£rbe  weggefcf)Wemmt  ift, 
bte  2Bur$efa  entblößt  ftnb,  unb  ber  33aum  von  ft$  felbß:  faßt, 
ober  burd)  einen  fleinen  SBinbftoß  umgeworfen  wirb*  —  33ei 
Sttenfttjen,  bie  von  einem  Vergnügen  ^um  anbern  etfen,  Ijabe 
ta)  nie  eine  wa£re2lnbaa)t,  nie  eine  innige  iHebe^u  ©Ott  unb  bem 
Mafien,  nie  einige  ©efbftverläugnung  ober  (£ifer  in  ber  ©Ott* 
feligfett  gefunbem  203a$  fann  unter  ben  Dornen  unb  Dt'fMrt 
ber  täglichen  SöoKuft  ©uteS  warfen?  2Ba3  für  eine  ©entern* 
fc^aft  l?at  ein  üppiger  2flenf$,  beffen  ©Ott  ber  23audj  unb 
beffen  greube  bte  (üulhit  i%  mit  bem  nü^ternen  unb  tnfyätU 
famenßrföfer? 


808 


3)  Gmblitt;  i(l  btefe  äöeltfreubc  aufy  eine  fe^r  gef  dpr*= 
lta)e  unb  tterberbltdje  greube*  ^egttJegett  fagt  unfer 
£eilanb:  „Sßejje  eud)  ^et$en,  bie  tj>r  euer  £er$  an 
tie  (MterbiefeS  2  eben$  Ränget  unb  fiejurlteppig* 
fettmifübraua)et,  ifjr£abteuern£rofUaJHn,  SBe^e 
eudj,  bte  ij>r  »oll  fepb,  benn  eud)  wirb  {jungem; 
wepe  eua),  bte  ij>r  ljter  lachet,  benn  i£r  werbet 
weinen  unb  Jjeulen/'  —  (£m  fepr  paffenbeg  33eifptel  *>on 
bem  fläglt^en  Ausgang  ber  greuben  biefer  Seit  ft'nbet  ftd)  in 
ber  £eben$bef$reibung  eüteä  SMrtyrerS  ber  erften  d>rtftft$en 
$tr$e*  2)iefer  law  etnjl  in  eine  £eibnifd;e  ©tabt,  unb  fanb 
bafetbft  einen  jungen,  f$on  gefleibeten  9#ann,  ber  alle  £age 
perrlta;  unb  in  greuben  lebte  unb  von  3ebermann  geliebt,  ge* 
eprt  unb  bebtent  würbe*  2)er  TOrtyrer  wunberte  ftd)  barüber 
unb  fragte:  wa$  für  ein  SDfenfd)  ba$  fe^?  $?an  antwortete 
t|mt:  atte  3apre  werbe  ein  Sttenfd)  ben  ©öttern  jum  <5ül?nopfer 
für  ba$  SSaterlanb  beftimmt,  unb  weil  Sener  ba$u  erwäfjtt 
werben  fe^,  fo  Ijabe  er  bie  gretfjeit,  6  bte  8  Monate  lang  jebeS 
erbenflia)e  Vergnügen  au  geniefjen,  am  erßen  3anuar  aber 
tnüffe  er  fiä)  in  vollem  £arnifc$  auf  ein  reichtet)  auSgeftatteteS 
$}ferb  fe&en  unb  ft$  von  einem  fjoljen  gelfen  jjerab  ins  2D?eer 
ßür$en*  —  3Öof?lan  alfo,  i£r  SSeltftnber,  geltet  Jnn,  effet  unb 
irinfet,  ftnelet  unb  fa)er$et  unb  tajfet  euer  £er$  guter  £>mge 
fei^n;  bebenfet  aber,  bag  eure  greube  mit  ewigem  £etb  enbigt, 
unb  baß  iljr  gule^t  ein  £)pfer  be$  ©atanS  werben  werbet!  — 
greue  bidj,  Süngling,  in  beiner  3ugenb,  unb  lag 
bein  £er$  guter  2)inge  f e^n,  tl)ue,  )x>a$  £)i$  ge* 
lüftet  unb  b einen  klugen  wol?t  gefällt;  aber  wiffe, 
baflbta)©ottumbief?2llle$wtrb$>or©eri($t  for* 
bern*  ■—  D  traurige  greube,  bie  ewigem  £eib  bringt,  o  unfe* 
lige  Sujt,  bie  ft$  in  ewige  Unluft  serwanbelt!  —  2Ba$  iß  e$, 
wenn  Semanb  einen  fügen  £raum  jjat,  in  welkem  ifjm  atte 
erbenftia)en(^rgo^t^feiten3u^eil  werben,  unb  er  feilte  bafür 
mehrere  3^re  gefiraft  werben  ?  2Ba$  ift  eine  fc^embar  gute 
9taa)t  gegen  bie  wirflietye  $etn  t>on  fo  langer  3ett?  Unb  wa$ 
ift  t>tö  £oa)jie  greubenleben  btefer  Söelt  anber$,  al$  ein  foldjer 
itraum,  auf  welken  m  f$recflitt)e$  (£rwac|>en  folgen  wirb? 


809 


Senn  bu  auö;  btefe  greuben  60,  80,  ober  100  3af>re  unge* 
pinbert  genießen  fönnteft,  waö  ift  biefe  3?ft  Öe3en  W*  @wig* 
fett?  —  Darum,  i£r  Spttjten,  wenn  eS  eud)  (ürrnjt  tji  mit  eurer 
©engfett  unb  wenn  ifjr  an  ©ott  unb  in  ©ott  ^eittia)  unb 
ewig  greube  ^u  f>aben  gebenfet,  fo  flieget  bie  greube  ber  Söeft. 
2Ber  biefe  fudjt  unb  genießt,  ber  J>at  fein  ©uteS  empfangen  in 
btefem  £eben,  unb  was  fönnte  er  anberS  erwarten,  aU  baö 
©a)td:fal  beS  reia)en  ©cj)femmerS,  ber  naa)  einem  Sieben  ttott 
©enuß  feinen  tropfen  SBafferS  erhalten  fönnte,  nur  um  feine 
3unge  $u  fügten* 

9htn  aber  fönnte  3emanb  einwenben:  3(t  eS  benn  ni$t 
erlaubt,  in  ber  SSelt  fröjtfirf;  gu  fe^n?  J£>at  ber  gütige  ©Ott  nt$t 
felbjt  ben  SCßenfcfjen  t>m  2Bein  unb  anbere  ©aben  tter(te£en, 
um  ijjr  £er$  gu  erfreuen?  £ai  (£r  ntdjt  einji  ©einem  $off  be* 
fohlen,  t>a$  fit  bisweilen  fröjrttcf)  fepn  fotfen?  ©agt  nia)t  ber 
weife  ©afomo  auö  antrieb  oß  fmligsn  ©eipeS:  „© e!? e  ljtn, 
unb  iß  betn^rob  mtt  greuben,  unb  trinf  betnen 
205 ein  mit  gutem  $Rut$2c."  $ann  unb  barf  benn  eine 
©Ott  ergebene  (Seele  nid;t  naa)  $eittia)er  greube  traa)ten  ?  — 
Darauf  antworte  tä) :  SSofrt  barf  ber  gromme  auö)  ber  kib* 
fta)en  ©aben  ©otteS  ftä)  erfreuen;  benn  eö  wäre  $u  bebauem, 
wenn  biefelben  btoS  für  Ut  ©ottlofen  i>a  wären*  #aben  niä)t 
gerabe  bie  grommen  baS  erfte  *fte$t  $u  biefem  ©enug  ?  3^  fie 
bürfen  fta)  ber  ©aben  be3£>öa;fknnia)tbto3  ^ur -ftotljburft,  fon* 
bern  aua)  $ur  greube  unb  $um  Vergnügen  bebienen*  (£$  ift  fogar 
iljre$flta)t,  bei©elegen£eitfröl?lid;  31t  fe^n,  unb  tjjr  Vertrauen 
auf  ben  £errn,  i£r  gutes  ©ewigen,  i(?ren  griebenmit  ©Ott  unb 
t^re  gewiffe  Hoffnung  aua)  x>ox  ber  SfÖeft  ju  geigen»  Denn  ©Ott 
ftej?t  eS  gerne,  wenn  wir  nta)t  bloS  Slnbere  erfreuen,  fontern  auty 
felbft  ©eine  &ahcn  mit  banfbarem  unb  frö£lia)em  £er$en  ge* 
nießen*  —  Dabei  ift  aber  wobt  $u  bebenfen,  1)  ba§  foldje 
äußerlta)e  greube  nur  ben  ©ottfaligen  vergönnt  ift,  welche  Hc 
©ewif$eit  {laben,  baß  fte  im  ©tanbe  ber  ©uabe  unb  in  ber 
©emeinfä)aft  mit  3efu  @!?rifto  leben*  9tfrgenb3  wirb  gefagt, 
baß  bie  ©ottlofen  fta)  freuen,  woltf  aber,  baß  fte  weinen  unb 
2eib  tragen  foKen»  3af obuS  fä)retbt :  ,, 91  e in t g  e  t  b  i e  £ ä n b e, 
t£r  ©ünber,  unb  maa)et  eure  ^er^en  feuf$,  i$v 


810 


Sanfelmütlngen;  Uyb  efenb  unb  traget  $tib  unb 
weinet;  euer£a$en  verfepre  fidj  in  Seinen  unb 
eure  greube  in  graurtgfeit"  (B  mug  aua)  wtrftidj 
ein  rucfrtofeg  £er$  fepn,  ba3,  feiner  ©ünben  fta)  betrugt,  ben* 
noa)  frö fjlid)  fepn  fann,  wäl?renb  if?m  baß  ©djwerbt  be$  gött* 
liefen  S^xnß  über  bem  £aupt  jjängt  unb  ber  ©atan  tjjn  in$ 
ewige  SSerberben  gu  gießen  fua)t*  Dal)er  wunbert  fta)  aua)  ein 
berühmter  £el)rer  beß  5D?tttefalterö  barüber,  bag  ein  SERenfa), 
ber  jta)  grober  ©ünbeu  Um$t  iji,  noa)  fdjergen  unb  lachen 
fönne,  —  ©o  oft  ify  alfo  mit  einem  ©otttofen  gu  tlnm  ^abe, 
peige  ic^  t^n  vor  allen  Dingen  bie  greuben  ber  2Belt  meiben; 
benn  biefe  ftnb  iljm  ebenfo  fa)äb(ia),  \vk  bem  gieberfranfen  ber 
SSein,  unb  von  ifjm  £etgt  es:  e£  fep  i£m  beffer  tn$ 
3Hag£au$  geljen,  al$  in  baß  £rinf£au$*  (Einern 
grommen  aber  fage  ia):  gefje  |>tn  r  ig  bein  23rob  mit  greuben 
unb  trtnfe  beinen  Sßein  mit  gutem  SRutfj ;  benn  bein  Sßerf  ge* 
fällt  ©Ott  wo|>r*  — 

2)  ÜWüffen  wir  aber  aud>  auf  bie  5lrt  unb  auf  baß  %Jlaa$ 
foldjer  leiblichen  greuben  fejen,  wenn  fie  bem  ßfmftentjmm 
nia)t  fdjciblia),  fonbern  nü£tia)  fe^n  follen.  —  Sßtr  follen  fr b£lid> 
fe$n  vor  bem  #errn,  b,  u  vor  ©einem  ^eiligen  2lngejta)t, 
tn  ber  greubefotten  wir  unfere3@otte$ni4>tvergeffen,  fonbern 
an  3j)m  unfere  jwd;fie  greube  fyabcn.  —  3n  atten  Dingen  jxnbet 
ber  Qpxift  bk  ©üte  be3  £öa)f*en,  betrachtet  j[eben  Riffen  aU 
tin  ©efa)enf  feinet  in'mmltftt)en  Katers,  unb  fvria)t  oft  mit 
©euften:  2ta),  mein  ©Ott,  fiaji  Du  un$  armen  $?enfa)en  in 
biefem  Sieben  fo  viele  ©üter  bereitet,  tt>aß  wirft  Du  benen  bort 
bereiten,  bie  Dt$  lieb  t;aben?  £err,  wenn  ia)  nur  Dia)  I?abe, 
fo  frage  i$  nia)t$  naa)  £immet  unb  (£rbe  jc.  I  —  Die  ©eria)te 
ber  ©laubigen  werben  burd)  Reuige  ©ebaufen  gewürgt;  ber 
äugerltdje  3)cenfa)  freut  tfdj  über  bie  ©abc,  ber  tnnerliaje 
$c>nfd)  aber  £at  ben  göttlichen  ©eber  vor  klugen.  Der  dfmft 
benft  mitten  in  ber  greube  an  baß  2eib,  baß  ü)n  in  biefem  wea> 
fetvotten  Seben  treffen  fann,  unb  fa)on  fo  $iele  getroffen  fyaU 
2lua)  erinnert  er  ftd?  fleigig  an  feine  ©terblid;fett,  unb  fe^t  bamit 
feiner  greube  ein  3ÜI,  bamit  fte  nia)t  in  fünblic^e  äöettfreube 
ausarte.  — 


811 


3)  (£nbtia)  tjt  noa)  31t  erinnern,  welchen  3wetf  bie 
greube  ber  ©laubigen  fjaben  fotte.  —  £)ie  greube  an  bcn 
®aben©otte3fotfber  greube  in  ®ottfemen^bbrua)tfnm; 
ber  2ftenfa)  foll  babura)  $uni  «Dienfte  ©otteS  unb  beS  9Md)jten 
nia)t  untüd^ttg,  fonbem  üielmeljr  willig  unb  gefa)itft  ba^u  ge* 
maa)t  werben»  £)a£  Vergnügen  ber  ©ottfeligen  g(eia)t  ber 
fftufje  eines  SBanbererS,  ber  fta)  zuweilen  in  einer  Verberge  mit 
(Speife  unb  £ranf  labt,  nia)t  um  $u  fa)welgen  unb  bort  ^u 
bleiben,  fonbem  um  jta)  $ur  gortfe^ung  feiner  Steife  ^u  jMrf  em  — 
2)er  wa  fjre  @j?rift  wabfa)ettt  alfo  2llleS,  was  bie  greube  in 
©Ott  jtort,  unb  bem  ©uten  ^inberlia)  i%  dt  wet§  gu  jeber 
3eitt>aö  D^eajte  $u  treffen,  fejmt  fta)  naa)  ber  äu§erlta)en  greube 
nie  $u  »tri,  unb  wenn  er  biefelbe  geniefjt,  fo  gibt  er  fta)  ij>r  nie 
gan$  ptti*  — 

IL  2ßir  gepen  nun  $u  bem  feiten  2lbfa)nitt  über,  üt 
wela)em  wir  $u  ber  geifUidjen  unb  g#ttiia)en  greube 
aufmuntern,  unb  sugleta)  aeigen  wollen,  ba§  buro)  biefelbe  alle 
£rübfal  btefeS  £ebenS  überwunben  werben  fönne*  <£in  23eifw'el 
bason  gibt  uns  ein  frommer  2lbt,  ber  gegen  500  33rüber  unter 
fta)  pattt.  tiefer  fonnte  eS  nia)t  leiben,  wenn  einer  tton  feinen 
5D?ona)en  traurig  war.  ©obalb  er  alfo  einen  33ruber  httxüht 
fa£,  fragte  er  gleia)  naa)  ber  Urfaa)e,  unb  fagte;  warum  wittji 
bu  bia)  mit  beinen  eigenen  ©ebanfen  plagen;  —  wegen  ber 
©eligfeit,  t>k  ünS  im  Fimmel  aufbehalten  ijt,  fa)itft  t$  fta) 
für  unö  ßfmften  nia)t,  traurig  $u  fesm*  £aß  bie  Reiben  trauern 
unb  bie  ©ottlofen  Utxüht  fepn,  hk  grommen  follen  fta)  freuen* 
£>ie  irbifa)  ©eftnnten  ergoßen  jta)  an  t>ergänglia)en  ©ütem,  war* 
um  follten  wir  uns  nia)t  befrant^tg  in  bem  £errn  freuen,  t>& 
@r  uns  einer  fola)en  unauSfprea)lia)en  Hoffnung  gewürbigt 
fyatt  —  tiefer  Platin  fyat  fein  GJ)riflent!?um  wo£l  serftanben 
unb  jta)  bemüht,  aud)  Rubere  ^ur  rea)ten  (Erfenntniß  zubringen, 
bamit  fte  ipreS  ©laubenS  frol?  werben  möa)tem  ^eut^u  £age 
aber  tterjtejjen  bie  Sßenigjten  iljr  GtfmftentJ?um  rea)t,  wiffen 
ba^er  aua)  nia)ts  $on  ber  greube  in  bem  £errn  unb  tonnen 
biefelbe  weber  bura)  iijre  ©ebärben,  noa)  bura)  Sorte  unb 
SOSerfe  äußern*  £)en  glaubigen  ßlmjten  follte  man  i£re  greube 
in  ©ott  äufjerfia)  anfejien;  fte  fottten  fta)  unb  Rubere  täglia) 


812 


gum  2obe  ©otteS  ermuntern;  aber  leiber  bemerft  man  bavon 
nta)t3,  man  ftefjt  nur  traurige  dienen,  unb  £ört  überall  nia)t£ 
aU  Seufzen,  Sorgen  unb  Etagen*  begegnet  uns  ein  §röjj* 
lieber,  fo  rüljrt  feine  £)citerfeit  meiftenu  baper,  ba$  e3  tfjm  unb 
ben  ©einen  naa)  28unfa)  geljt,  wie  auf  ber  anbern  ©ette  bie 
£raurigfeit  ber  meinen  H)?enfa)en  t^ren  ©runb  in  irbifa)en 
fingen  j)at*  3^  würbe  man  wirflia)  bei  ben  betrübten  Um* 
frage  galten,  fo  würbe  eS  bei  ben  Reiften  feigen:  2la),  warum 
follte  ia)  mia)  nia)t  grämen,  warum  follte  ia)  nia)t  traurig 
fepn?  —  3a)  bin  ja  fo  unglüdlia)  in  ber  Seit  unb  fann  es  nia)t 
weiter  bringen ;  eS  fe£lt  mir  an  bem  nötigen  2luSfommen,  tä) 
fann  bie  Peinigen  nia)tverforgen;  ia)fe£e,  bageS  bei  Slnbern  gut 
ge£t,  aber  meine£age  will  fta)  nia)t  »erbeffenn— S^eljrere  würben 
antworten:  warum  follten  wir  nia)t  traurig  fe^n?  SQSir  jjaben 
ein  £au$freu$  um  ba3  anbere,  paben  einen  ftea)en  Körper  unb 
faß  feinen  guten  Slugenblid;  wir  leben  in  unglüdlia)er  QStye, 
Ijaben  ungeratene  $inber,  böfe  9?aa)barn,  einen  langwierigen 
©treit  unb  fönnen  nia)t  gu  unferem  9?ea)t  gelangen*    Sftoa) 
Rubere  würben  fagen:  warum  f  ollen  wir  nia)t  weinen?  — 
©atten  unb  $inber  ftnb  uns  geworben,  ober:  ber  Stob  $at  uns 
frü^eitig  bie  (Altern  geraubt,  unb  wir  ftnb  2Baifen:c.  Unb 
biefer  £raurtgfeit  Rängen  fte  naa)  unb  glauben,  fte  paben  alles 
Sftea)t  ba$u;  fte  meinen,  es  fe^  ijmen  gar  nia)t  übel  ^u  nehmen, 
noa)  weniger  aU  (Srnbe  anzurechnen,  baf?  fte  fta)  ijjren  ©orgen 
unb  iljrem  ©ram  Eingeben*  $?ana)e  treiben  eS  fo  mit,  bag 
fte  fta)  ber  menfd)lia)en  ®efellfa)aft  ent^en,  um  fta)  fatt 
weinen  unb  ungelnnbert  trauern  $u  fönnen;  babura)  verbittern 
fte  fta)  felbj!  baö  &btnf  *>eqel?rett  tpre  Gräfte  unb  verfügen 
tljr  2)afe^n*  3n  biefem  3nftanbe  verliert  ber  sJ)cenfa)  nia)t  bloS 
alle  £uß  jur  ^^eit,  fonbern  aua)  $u  anbern  gottfeltgen  Ue* 
Bungen,  dv  betet  nia)t  meljr  mit  ?tnblia)er  3ut>erfta)t,  wirb 
serbroffen,  mürrifä  unb  ungebulbig;  fein  £eq  wirb  miftrauifa) 
gegen  ©Ott,  argwojmifa)  unb  neibifa)  gegen  ben  9cäa)ften  unb 
neigt  fta)  jum  Unglauben  unb  gur  Verzweiflung.  —  tiefes 
Uebel  aber  fommt  i?auptfäa)lia)  bajjer,  ba$  bie  (griffen  i£r 
Ctfmjtentljum  nia)t  rea)t  verfielen,  bie  £>errlia)feit  ber  $inb* 
fa)aft  ©  otteS,  bie  ßrrlbfung  bura)  3efum  @j?rijutm,  bie  Vergebung 


813 


ber  ©ünben  unb  tk  Hoffnung  beg  ewigen  £ebcn3  trieft  genug 

$u  ftt)ä§en  wiffen*  £)a3  3rbtf$e  unb  Sergcinglidje  |iat  einen 

3U  großen  Sertjj  in  tprett  klugen,  bagegen  werben  bie  geifi* 

lidjen  unb  lnmmlifa;en  ©üter  viel  $u  gering  angefangen,  — 

£5arum  bebenfet  woljl,  baß  eine  fola)e  £raurigf  eit  t>u  ben 

©a)wacl)ljeitgjunbett  ber  Triften  gebore,  unb  gebet  eud)  Wltye, 

bavon  frei  $u  werben*  SÖSer  ben  ©orgen  unb  ber  £raurigfeit 

$u  viel  naa)fjängt,  verfünbigt  fia)  an  ©Ott,  vergißt  t>k  große 

©üte  beS  £errn,  vergißt  feinen  gaufbunb,  feine  ftinbfa)aft, 

feine  Grrlofung,  feine  gcm^e  ©eligfeit  derjenige  föäjjt  feinen 

£eilanb  gering,  ber  in  3£m  nia)t  fo  viel'greube  ftnbet,  baß  er 

bte  Traurigkeit  über  ben  SSertuft  ber  ©üter  biefer  SBelt  über* 

Wittben  fann*  &$  ift  mit  folgen  Sftettfajen,  wie  mit  ben  $inbern 

3frael  in  ber  28üße ,  Uc  be$  23robe£  00m  £immel  überbrüßig 

waren,  unb  fta)  naa)  ben  gleifcfjtövfen  (£a,9pten$  ^urürff ernten*— 

Sßer  fta)  über  vergängliche  &mgefo  betrübt,  unb  feinen  fanget 

nia)t  au$  bem  (Ewigen  unb  Unvergänglichen  ^u  erfe^en  m\$t 

ber  mi$  fürwahr  t>m  £immel  gegen  bie  fBSefi  nodj  nid;t  $u 

fragen,  unb  ift  mcl;t  im  ©tanbe,  au3  feinem  @f>riftentjfmm  ben 

gehörigen  9cu£en  $u  $ief  em  2ßer  an  3efu  unb  ©einer  ©nabe 

feine  greube  f>at,  fonbern  fta)  naa)  ber  SSelt  mit  lüfternem 

£er$en  fe  jmt,  bejfett^altfmtt  unb©leia)gültigf  eit  liegt  am£age,— 

2öenn  ba$  $mb  eute$  reichen  ffltamzä  ,  bag  mit  Gittern  woljj 

verfepen  ift,  $u  feinen  9?aa)barn  ge^en  unb  fte  um  ©aben  unb 

9cäfa)ereien  Uttcn  wollte,  fo  müßte  ba$  bem  Sater  mißfallen, 

ber  ro$t  bafür  angefe^en  fepn  Witt,  t>a$  er  feine  $inber  nidjt 

gehörig  verforge.  5D?aa)en  e£  aber  bie  ^inber  @otte$  nia)t  oft 

ebenfo,  obwohl  fte  einen  fo  reiben  unb  gütigen  Sater  j)aben, 

ber  i^nen  alle  ©eine  ©üter  in  Gtjmjb  3efu  gefa)enft  fyat? 

3£r  £er$  fliegt  fta;  manchmal  weg,  ge£i  Jrinauö  in  bie  Sßklt, 

unb  ift  lüjtern  naa)  ben  ©ütern  berfelben,  naa>  (ürjire,  $raa)t, 

9?eia)tfjum,  Sßolluft  unb  £errlitt)feit*  ©ie  glauben,  im  23eft§ 

fola;er  2)inge  re$t  fröljlid)  unb  glücftid)  fepn  p  fönnen.  $ti$t 

ba$  aber  nia)t  ben  lieben,  reichen,  jnmmlifctyen  Sater  be* 

fdjtmvfen  ?  ton  berjenige,  welcher  ©Ott  unb  ©einen  ©o£n, 

©eine  ©nabe  unb  ®inbfä)aft,  Sergebung  ber  ©ünben  unb  ben 

Fimmel  fyat,  über  Mangel  flagen  unb  jta)  beßwegen  betrüben, 


814 


weit  er  an  $eitltd)ett  Gütern  nidjt  fo  t>tel  Beft^t,  als  Inbere?— 
2öer  bieg  tlmt,  serfünbigt  ft$  ni$t  allein  an  ©Ott,  fonbern 
aud;  an  fidj  felbji  unb  an  bem  9fä$ften.  —  2ln  fid) 
felbft,  inbem  er  fein  eigenes  £er,*  mit  Sorgen  befcfywert,  fia) 
fein  £eben  verbittert,  unb  %n  allem  ©uten  untüchtig  madjt* 
£>ie  ©orgen  für  baS  Srbifdje  beugen  ben  9ftenfd>en  nteber,  bafj 
er  fta)  nid;t  jum  £)immel  ergeben,  nid;t  mit  Vertrauen  beten 
unb  bem  9M$ften  ni$t  willig  bienen  fann*  ©ie  machen  ijjm 
fein  Äreuj  fdjwerer  unb  ben  2Beg  $ur  ©eligfeit  müjjeooller* — 
£)er  $fab,  ber  gum  Fimmel  füj?rt,  tji  freiließ  fd;mal  unb  mit 
dornen  bewarfen;  aber  3efuS  felbjt  ging  tyn  voran,  henkle 
tyn  mit  Streuten,  unb  hkkt  allen  fcenen,  Ik  3£m  folgen,  (kx* 
quidung,  Xxoft  unb  £abfal  an.  ©ollten  wir  uns  biefer  BiaU 
fungSmittel  nidjt  bebienen,  fonbern  auf  Nebenwege  gejjen  un& 
am  Titeln  Rängen  ?  —  2lnfeinem-ftäd;ften  enblidj  verfünbtgt 
fid)  ber  ££riji,  ber  fic|  einer  all^ugroßen  £raurigf  eit  Eingibt, 
weil  er  babur$  anbere  Unerfa^rne  von  bem  Ctfmftentjwm  ah 

|wlt,  baS  nidjtS  als  $reu$  unb  £rübfal  mit  ftd)  bringe* • 

£)arum  wieberi?ole  i§  mit  9te$>t  bk  Sßorte  beS  Slpojtel^  unb 
rufe  aßen  ©laubigen  $u:  „greuet  eudj  in  bem  £errn 
allewege,  unb  abermals  fage  i$:  freuet  eudj»"  — 
greuet  eua;  von  £eqen,  ü)r  getauften  (griffen,  ipx  Äinber 
©otteS,  i£r  Bürger  beS  Fimmels,  tyx  (£rben  ber  ©eligfeit! 
SBarum  wollet  i£r  trauern?  Raffet  biejenigen  trauern,  tk  feine 
Hoffnung  ^ur  ©eligfeit  fjaben!  Raffet  bie  bttxnht  fepn,  bie  von 
3efü  unb  ©einem  £eil  nid?tS  wiffen  ober  nichts  wiffen  wollen ! 
$afttt  biejenigen  forgen,  bie  feinen  $ater  unb  SSerforger  im 
Fimmel  unb  fein  gutes  ©ewiffen  jjaben !  SBtv  aber  wollen  unfer 
(Sj?rijknt£um  redjt  genießen  unb  in  ber  ©emeinfdjaft  3efu 
fröl?li$  f^n»  —  23ebenfe  bo$  re$t,  o  (H?rij*,  was  t>\x  bifi  unb 
paji  £>u  btjt  ein  tinb  ©otteS,  ein  Angehöriger  3efu  (grifft, 
tn  welkem  ber  |>eilige  ©eifi  wo^nt  2)u  mifyt  nia)t  bloS,  baß 
tin  ©Ott  ij*,  fonbern  aua),  baf?  (£r  bein  ©Ott  i%  unS  liebt  unb 
für  unS  forgt ;  bu  biji  mit  ber  ©eredjtigfeit  3ef«  @fmfH  ange* 
iljan,  wirft  bur$  ©einen  ©eift  regiert;  beine  ©ünben  ftnb 
getilgt,  bein  9tame  i^t  im  Fimmel  angefd;rieben,  ni^tS  fann 
bt$  Reiben  von  ber  %kU  ©ottes,  bie  ba  ijt  in  ^rijio  3efu, 


815 


imfevem  £errn.  2)u  gebjt  $war  noa)  bura)  biefe$  3«mmeriiS)af, 
aber  unter  ber  Begleitung  betnee  ©cite&  2)u  wirft  awar  t>on 
bem  (Satan  unb  ber  2ßelt  angefeiubet,  aber  3efu3  iß  beut  IBet» 
ftanb,  <Sd?irm  unb  ©a)ilb;  bu  £aß  be£  ^reu^eS  da(i  $u  tragen, 
aber  fit  ber  traft  3efu  unb  <5eine3  ®etj*e6,  (£3  mag  btr  man* 
a)e$  S&brtge  begegnen;  aber  bu  bijt  t)erfta)ert,  baß  btr  alle 
£)inge  $um  heften  btenen  muffen*  £)ir  mangelt  ^war  ml; 
aber  t>u  ljajt  einen  retten  SSater,  ber  btr  2llle3  geben  faun  unb 
will,  n>aö  bu  tn  btefem  geben  unb  $ur  ©etigfett  nötfjig  i^ap*  — 
SSarum  willft  bu  alfo  traurig  fe^n  unb  ba$  £aapt  Rängen? 
9fta)te  e$  sielmefjr  mit  greuben  $um  £immel  empor,  ben  btr 
beut  ®ott  $ur  ewigen  Sßolmung  berettet  £at  ©te£e  boa),  wie 
bte  Sßelt  fta)  tn  t^rer  (£itelfeit  freuen  fann !  Erwägt  man  aber 
bte  Urfacfje  iprer  greube,  fo  tft  es  Qrffen  unb  £rinfen,  £an$  unb 
©piel,  ©elb  unb  ©ut;  ober  es  fmb  fa)öne  Kleiber  unb  anbere 
ttergänglidje  £>tnge*  Um  fo  me£r  follten  wir  un$  freuen  über 
bte  jnmmlifa)en  ©üter,  bte  uns  burd)  ben  £ob  3efc  @!?rtjtt 
erworben  unb  betgelegt  worben  jmb* 

SBojrtan  alfo,  o  ©eele,  bu  mufüt  frofrtta)  fepn,  bu  5afi 
alle  Urfad)e  ba$u !  3ft  Iciffe  btr  ferne  3?u£e,  bte  bu  beute  Xrau* 
rtgfett  fabren  läffejt  unb  bia)  $ur  greube  tu  bem  £errn  fa)itfejh 
Du  ft|ejt  gleia)fam  an  ber  greubentafel  beutet  £erm,  unb  (£r 
nötigt  bta)  ^u  ejfen  nad)  £eqen3luft  SBilljt  bu  m'a)t  zugreifen 
unb  frö£lid)  f  e^n  ?  Sßarum  !>ängft  bu  beuten  eigenen  ©ebanfen 
nad)?  SSarum  fte^ej*  bu  mef>r  auf  bte  Sßelt,  aU  auf  tnx  £im* 
tuet?  23ebenfe,  wer  bu  bijt  unb  wo  i>n  bift!  —  £>u  biji  an  dU 
gentium  3efu  grifft',  bijt  tn  bte  ewige  £tebe  @otte$  etnge* 
fa)loffen,  btft  im  *fteia)e  beineS  £eilanbe$,  unb  alfo  mitten  in 
ber  28elt  gleia)fam  im  JMmmeL  —  Darum,  meine  ©eliebten, 
fo  laffet  uns  allezeit  unb  allenthalben  in  ©otttton£er$enfröjjlia) 
fepn!  —  löeten  wir,  fo  wotfen  wir  mit  greuben  beten;  benn 
wir  |>aben  e$  mit  einem  lieben  SBater  $u  tyun.  23eia)ten  wir, 
laffet  un$  mit  greubigf eit  Eintreten  ju  bem,  ber  Ue:  $?ü> 
feiigen  unb  SBelabenen  erquitfen  will»  ©e^en  wir  311m  fytiti$m 
5lbenbma^l,  fo  laffet  \m$  mit  greuben  ba$  tpeure  ^3fanb  unferev 
25erfö{>nung  mit  ©Ott,  ber  Bereinigung  mit  Qfyxifto  unb  be£ 
ewigen  Gebens  Jiiune^men.   ^)ören  wir  ba$  Sort,  fo  (äffet 


816 


uns  mit  £anf  unb  greuben  bie  traft  ©otteS  aufnehmen,  welche 
unfere  See(en  fe(ig  machen  fatttn  ©eljen  wir  w  bte  $ir$e, 
fo  tajfet  uns  mit  bem  Ijeiligen  Sewjjarb  fagen:  „bleibet  jn'er 
an  ber  £pre,  i£r  «Sorgen,  tcfj  fann  mi$  mit  tufy  in  biefer 
(Stunbe  unb  an  biefem  Byte  nityt  abgeben*"  (£ffen  nnb  trinfen 
wir,  fo  (äffet  eS  uns  mit  frofjti^em  ©er$en  tlmn,  w>ett  wir 
Riffen,  bajjj  unfere  Speife  mit  ber  ©üte  ©otteS  unb  ber  ^iek 
3efu  gewürzt,  unb  unfer  £ranf  mit  «Seinem  Segen  t>ermif$t 
tfL  arbeiten  wir  £um  £>ienfte  ©otteS  unb  beS  9Mdjfien,  fo 
(äffet  eS  uns  mit  greuben  t^un;  benn  wir  wiffen,  ba$  unfer 
Söerf  ©Ott  wo£l  gefällt,  unb  au§  baS  ©eringjte  nidjt  unbe* 
(oljnt  blefbt*  28enn  wir  reifen,  fo  wollen  wir  unfere  Strafe 
fröj?li$  sieben,  weil  wir  wiffen,  ba§  uns  ©otteS  ©üte  allezeit 
Begleitet  unb  nachfolgt  Sieben  wir  auf,  fo  laffet  uns  ben  £ag 
mit  gf  euben  anfangen,  unb  bem  liebreichen,  gütigen  ©ottfröjrtid) 
unb  willig  bienen.  £egen  wir  unS  nieber,  fo  (äffet  uns  fröijlid) 
etnfdjlafen,  weit  wir  wiffen,  ba$  ber  £err  aud)  in  ber  ftnftern 
yiatyt  oei  unS  ift,  unb  Ue  fjeiltgen  ßrngel  als  2öä$ter  um 
unfer  SBette  befMt  fyat  —  trifft  uns  £rübfal,  fo  taffei  uns 
aucf>  biefe  mit  greuben  annehmen,  weil  wir  wiffen,  baff  bie 
£tebe  ©otteS  unoeränbert  Wxbt  unb  baß  unfere  £rübfal,  t>k 
Seittid?  unb  leidjt  ift,  unS  eine  ewige  unb  über  alle  Stfaag  wic§* 
tige  £errlid)feit  f^affet  Püffen  wir  fterben,  fo  (äffet  uns  aufy 
im  £obenodj  frotjttd)  fepn,  weil  wir  wiffen,  ba$  ber  Ausgang 
aus  biefer  2Belt  ein  Eingang  ift  in  bie  ewige  Seligfeit,  bafi  ber 
£ob  uns  in  ben  ipimmel  füj?rt  unb  $ur  greube  beS  £errm  — 
SSon  einem  Patriarchen  $u  23enebig  wirb  eqäfjlt,  baß  er  auf 
feinem  £obtenbette  große  greubtgfeit  gehabt,  unb  als  er  bie 
Seinen  weinen  fafj,  gefagt  Ijabe:  „  2Beg  mit  euern  Streuten, 
\t%t  ift  eS  ni$t  Stit  ^um  Söetnen."  (£benfo  foll  ein  2)om|jerr 
ftdj  tin  befonbereS  £ro(t^23ü$lein  x>on  serfc^iebenen  $ern* 
[prüfen  ber  Schrift  unb  (e^rretc^en  33eifpielen  angelegt  unb 
fcefofcten  JKtben,  baß  man  t£m  baffetbe  in  feiner  £obeSjhmbe 
in  bte  £anb  gebe,  bamit  er  ftcfj  biefer  Sprühe  erinnern 
mochte,  au<$  fotte  man  tjjmaurufen:  „SepfröpUc^inbem 
£errn!"  Stuf  gleiche  äöeife  wirb  *>on  einer  frommen  grau  er* 
7  hty%  b$  (te  *>or  i£rem  @nbe  bte  £änbe  mit  greuben  aufgehoben 


817 


unb  gefegt  paBe:  *Kun  Jjabe  ify  überwunben,  nun  mufj  ber 
©atan  unb  bie  Sö3elt  mid)  aufrieben  laffen !  9?un  j)a&e  ia)  er* 
reia>t,  worauf  id)  bret  3a^re  gewartet  fiabe !  9tun  fe|»e  id) 
meinen  Qrrlofer  3efum  Gtyrtftum !  £uer  ijj  greube  bfe  güße  unb 
fieblia)e$  Höefen^ur  9?ea)ten  ©otteS  immer  unb  ewiglich !— Dar* 
auf  fd)lief  fte  balb  fanft  unb  feiig  ein.  —  Das  ^etgt  a)riftlia) 
geftorben!  —  £)  3efu,  gib  un3  bie  ©nabe,  in  Dir  fröfjlta)  ju 
leben,  frol)lta)  ^u  leiben  unb  fröjjliä)  $u  fterben  !  ©ep  Du  un* 
fere  greube,  imb  gib,  baß  wir  alte  anbere  greuben  gerne  w* 
geffen!  2lmem  — 

3d)  fomtie  {e|t  fa)lie§en;  aber  id)  fjabe  nod)  einige  (£in* 
Würfe  ju  beantworten,  wela)e  ber  greube  in  ©Ott  feljr  oft  $in* 
berlia)  jtnb.  —  1)  SDfandjer  fromme  nemlia)fagt:  3CW0**te 
gerne  frö^lia)  fe^n  in  meinem  ©Ott,  ia)  fann  aber 
nia)t,  ia)  hin  von  Statur  $ur  ©a)wermutp  unb 
Xx aurigf ei t  geneigt,  unb  muß  fap  immer  trauern 
unbfeuf$eiu  —  Man  bie  ©nabe  tft  ftärfer,  alö  bie9?atur, 
unb  bie  Uraft  3efu  @i?rijti  vermag  meljr,  aU  unfere  ©d)waa> 
#ett  $ranf£eüen  brücfeft  nur  ben  äußerlichen  9ttenfa)en,  aber 
ben  ©eift  fönnen  fte  ma)t  fjemmem  3d)  &nne  bk  ©a)wermut|j 
au$  eigener  (£rfalmtng,  aber  ia)  weif?  aua),  baß  wenn  gleid) 
ba£  ©emütfj  gan$  büjtat  unb  niebergebrndt  ijVft'd)  bod)  ttwtö 
in  un£  ftnbet,  bag  an  3efu  fe^ält,  unb  in  ©einer  ©nabe 
Vergnügt unb  fröjjlia)  ift  Der  innerliche  Sftenfa)  freut  fta)  bar* 
über,  baß  ©ott  an  i(m  benft,  unb  il?n  bura)  forderliche  23efd)wer* 
ben  von  ber  SBelt  ab^iejjt*  —  Söenn  i$  mana)mal  äußerlich  be* 
trübt  war,  fo  backte  ify  an  meinen  Gtrlofer,  ber  ta  fagte:. 
//3e§t  ift  meine  ©eele  betrübt,  unb  wa$  foll  id) 
fagen?  SSater,  Jjilf  mir  au$  biefer  ©tunbeje."  ober; 
„Steine  ©eele  ift  hetxüht  bi$  in  ben  £ob!  SÄein 
SBater,  ift'ö  moglia),  fo  gepe  biefer  $ela)  von  mir, 
boa)  nia)t,  wie  ia;  will,  fonbern  wie  Qu  willfi." 
3m  £inbüd  auf  meinen  trauernben£eilanb  fanb  ia)  in  meiner 
eigenen  Straurtgf eit  fo  ml  greube,  baß  ia)  mia)  getrojt  in  ben 
peiligen  Söillen  meinet  ©otteä  ergab,  unb  fagte:  „3$  Kill 
fa)weigen  unb  meinen  $htnb  nia)t  auftf>un;  Q\t 
wirji'ö  wojjl  maa)en/'  3$  glia)  bann  einem  Sßanberer, 


818 


ber  in  entern  bieten  Sfte&et  reifet,  aber  bcnnoc^  gutes  $cutb$ 
ift,  ^et't  er  weif,  bafj  er  fia)  auf  bem  rechten  SSeg  beftnber, 
ober  einen  guten  güfjrer  tjat*  —  SD?tr  einem  grommen,  welcher 
fa)wermüti?ig  tjt,  ser^äli  e3  ft'a),  wie  mit  einer  SHume,  Welche 
aufbrechen  will,  aber  $uoor  t>on  einem  ftarfen  Regenwetter 
überfallen  wirb;  ©o  unangenehm  btcfeö  nt  fet;n  fa)eint,  fo  tjt 
eä  boa)  bte  Urfadje,  ka$  bie  23tume  naa)f>er  beim  ©onnenfa)ein 
um  fo  fa)öner  blühen  unb  fta)  entfalten  fann»  —  £)oa)  ber 
®tauh\^e  yerftc^t  ben  Siatfy  ©otteS  wof>t;  er  leibet  ,$war  bem 
äufjertidjen  9Äenfa)en  naa),  abereriftfröirtia)  in  Hoffnung  naa) 
bem  inner!ia)en  9D?enfa)en,  weil  er  wei§,  ba§  bie  äuj?ertia)e 
£rübfatbura)  ©otteS  ©nabe  ein  bittet  ift,  wobura)  ber  ©taube 
befto  beffer  gebeizt  unb  gruebt  bringt.  —  £)te  freubigen  ©e* 
banfen,  wetebe  bisweilen  in  ben  (^riften  aufzeigen,  ftnb  2ßir* 
fttngen  beS  Zeitigen  ©eifteS*  3&)  petbe  aua)  manchmal  gan$ 
hetxixhttie  ^an^etbeftiegen,  fo  bag  es  meine  3u£örer  wofrt  feiert 
unb  merfen  fonnten;  aber  ber  peilige  ©eift  §at  fta)  fo  gütig 
gezeigt,  baff  wir  alte  Urfaa)e  Ratten,  ©einen  tarnen  ^u  pret* 
fett*  —  £)  £err,  £)u  mi$t,  toa$  ia)  f treibe,  unb  welche  2lb* 
fta)t  ta)  babei  Ijabe :  —  nemtia)  um  anbere  beiner  lieben  ^inber 
eben  bamit  gu  tröften,  womit  aua)  ia)  getröftet  worben  bin*  — 
2)  Rubere  meinen,  man  muffe  b  en  £  Triften  bte 
greube  nta)t  all^ufepr  angreifen,  weil  3efu£  fetbft 
fagte:  „©etig  finb,  bte  ba  £eib  tragen;  benn  fte  fot- 
Ten  getröftet  werben/'  —  Man  ber  liehe  £eilanb  fegt 
23eibe$  nebeneinanber,  ba$  £ejb  unb  Ue  greube,  bie  traurig* 
Uit  unb  ben  £rojt,  unb  beutet  bamit  an,  bag  S3eibe3  hei  ©einen 
©taubigen  ftc^  ftnbcn  muffe*  SBenn  nemlia)  bie  ©eeten  bura) 
ba$  ©efe§  erfa)recft  werben  unb  über  ij?re  ©ünben  £etb  tragen, 
fo  fotten  fie  getröftet  unb  ber  greube  in  ©ott  tfjeitpaftig  werben» 
3Bir  reben  aber  £ter  oon  ben  ausfertigen,  benen  if?re  ©ünben 
leib  ftnb,  unb  biefe  ermahnen  wir  $ur  freubigen  2lnnajjme  be$ 
£rofte£,  ben  ifmen  3efu3  oerpeigt  2öiewo£t  ia)  aua)  augebe, 
baff  hei  ben  gläubigen  Beden  M$  Zeit*  mandjmat  neben  ber 
greube  befielen  fann,  ba  eines  bem  anbern  nia)t  jnn'bertia)  i$& 
2)enn  wie  füg  unb  angenehm  ftnb  mana)mat  bie  grauen ;  wie 
Viele  greuben  führen  fte  oft  mit  fta)*  2öie  päuftg  wünfa)t  fiä)  ein 


819 


grommer  bie  ©nabe  ber  £jj>ränen,  bamit  er  befto  mebr  greube 
in  fernem  Grrlöfer  ftnben  möge,  ©o  fönnen  wir  nun  bte  SÖorte 
3efu  fo  verfteljen,  ba$,  wer  £eib  trägt,  ber  fotX  wäjjrenb  biefeS 
£eibtragen3  getröftet  werben,  Die  greinen  brütgen  au$  bett 
'klugen,  ber  £roft  aber  tn£  $eq;  ba3  £etb  öffnet  gleia)fam  ba£ 
J^erg  unb  maa)t  eg  be$  göttlichen  £rofteg  fälng,  (£in  weltliches 
£eq  weig  fta)  freiließ  in  fola)e  Dinge  nia)t$u  ftnben,  einglau* 
bige£  aber  n>etg,  baß  e$  tonten  Triften  ^ctgt:  „2U3  bie 
traurigen,  aber  allezeit  fröf>lta);"  nnb  wie  e$  @ljre 
unb  ©a)anbe,  2lrmutf>  unb  ^eia)tfmm,  £ölle,unb  Fimmel  w* 
einigen  fann,  alfo  weig  p§  aua)  £eib  unb  greube  in  dinex  ©eele 
wojjl  ^u  vereinigen, 

3)  9coa)  untere  fagen:  3ä)  wollte  wo£l  frö$U# 
fe^n  in  ber  @nabe  meinet  (Sottet,  ia)  füra)te  aber, 
baß  ia)  berfelben  nid)i  würbig  bin,  weil  ta)  noa) 
viele©  d;waa)pettenanmir|)  ab  eunbtäglid)gegen 
meinen  SSillen  fünbige,  £)eßl?alb  glaube  ta)  me$nr 
Urfaa)e  gur  Trauer  alg  jur.  greube  su  Jaben.  — 
$ber,  o  (SJfrifi,  bu  erwägft  bieSBortc  be£  2tyoftel£  nia)t  rea)t, 
ber  ba  fagt:  ,„©o  ift  nun  nichts  23erbammlid)e3  an 
benen,  bie  in  (J^rifto  3^fu  finb,  bie  nia)t  naa)  bem 
gleifd),  fonbern  naa)  bem  ©etft  wanb.eln,"  3a)£alte 
btc^>  für  einen  folgen,  ber  in  Qtprifto  3efu  ift,  unb  barum  bürfen 
beute  noa)  übrigen  ©a)waa)ljeiten  bic^  an  betner  greube  in  ©ott 
nta)t  l)inbern,  3efttö>  welchem  bu  im  wahren  ©lauben.  ergeben 
bifi,  ift  beine  greube;  bk  ©ünbe,  bte  noa)  in  bir  ift,  ift  öeine 
33etrübniß,  28a6  foll  nun  ben  SSorjug  jjaben?  Djme -3»etfel 
3efu3  unb  ©eine  greube,  3a)  benfe  aua)  oft  mit  greinen  an 
meine  ©ünben,  wenn  ta)  aber  meinen  £errn  3efum  ^etrad^te 
unb  ©eine  %kfo,  fo  ift  e3  mir  faft  leib,  baß  ia)  mia)  UtxiiU 
$töt,  weil  ta)  glaube,  e$  fep  Unrea)t,  baß  ia)  im  $inblid  auf 
meinen  (ürrlöfer  um  meiner  ©ünben  willen  traurig  fepn  fann«. 

33ebenfe  ferner,  t>a$  bie  Klipper,  wela)e  ber  2lpoftel  in 
unferem  Zzxt  fo  emftlia)  ^ur  greube  ermahnte,  aua)  9)cenfa)en 
waren,  wk  wir;  mitfrin  werben  fte  aua)  nia)t  ofjne  ©,a)waa> 
Jetten  unb  geiler  gewefen  fepn.  ©ie  mußten  gewiß  aua)  beten : 
©o  SDu  willft,  £err,  ©ünbe  ^urea) neu,  wer  wirb 

52* 


820 


befteljen?  Slberbenno^petgtfieber^oflelfro^t^fepnmbem 
£errn. —  Sluf  bte  festeren  2B  orte:  „inbem|>erm,"  fommt 
fretfia)  Me$  an.  Sefuö  ift  ber  ©runb  unb  bie  Urfad)e  unferer 
greube;  fejrtt  bicfer,  fo  paben  wir  Urfaa)e  einen  (eben  gefrt* 
tritt  Bi^  in  ben  £ob  ^befragen*  Söenn  wir  aber  3jm  £aben, 
fo  fotf  un$  $war  bte  ©ünbe  leib  fepn,  boa)  fann  unb  fott  <£r  uns 
erfreuen,  Unfere  ©ünben  attein  ftnb  an  unb  für  fta)  feljr  grog; 
wenn  wir  aber  auf  3efum  ljtnfeljen,  fo  verfa)winben  jte* 

4)  <£nblia)  fagen  Wltyxext :  20  i  e  f  a  n  n  i  a)  f  r  ö  jj U  a)  f  e  9  n, 
ta)  f>abe  ja  feine  greube  in  ber  SBelt  unb  wenig 
Qutt  £age?  Du  faft  rea)t,  0  (£fmfi,  bag  bu  feine  greube 
in  ber  2Keft  f>a|t;  benn  bte  SBett  f>at  nta)tg,  womit  fte  eine 
bugfertige  Seele  erfreuen  fann.  ©te  $at  $war  9fai$tjjum,  (£f?re, 
^raa)t  unbbergl. ;  allein  folo)e  £)inge  fönnen  bia)  nia)t  aufrieben 
(leiten.  Söennbu  affo  aua)  in  ber  Sößett  ma)tS  j?aft,  ba$  bia)  er? 
freuen  fann,  fo  wirft  t>u  boa)  im  $imme(  noa)  etwas  ftn* 
ben,  ba6  bir  Vergnügen  madjt.  UebrigenS  würbej?  bu  bta)  fefjr 
verfünbigen,  wenn  bu  nia)taua)  an  ber  fta)tbaren  SQSeft,  an  bem 
grogen  ©ebäufce.  ©otteä,  barin  bu  lebft,  U^  ergoßen  wotfte|i 
Grntfjäft  fte  nia)t  fo  viele  £)enfmate  ber  (Mte  be$  ©a)ö»fer£? 
erinnert  fte  bia)  nia)t  an  3efum  Gtyriftum  ben  ©efreu^igten, 
ber  am  £tebe  ©ta)  fetbft  für  uns  bajn'n  gegeben  fyat?  gtnbeft  bu 
Ijiemta)t©ein2Öert,  ©eine^nabe,  ©eine^raft,  ©einen  @etft, 
©einen  £roft  unb  ©eine  ^eiligen  ©afvamente ;  fottte  bir  ba6  feu*.f 
greube  maa)en?  S3ift  tn  arm;  (£r  maa)t  bta)  reta).  23tft  bu 
veraltet;  (£r  $at  bia)  lieb  unb  wert£.  SÖStrft  bu  ver* 
lafiert;  — -  (£r  wttt  bia)  vor  ©einem  fnmmfifa)en  23ater,  vor 
(Engeln  unb  ÜRenfa)en  für  ©ein  (£tgentjwm  erftären.  33tj!  bu 
franf;  (£r  will  bta)  erquttfen  unb  bein  5lr^t  fepm  33tjtbu  efenb 
unb  verlaffen ;  dt  wiß  bia)  aufnehmen  unb  verforgen.  SStrft 
bu  »erfolgt  unb  bebrängt;  @r  wiö  beute  3uflua)t  fepn  unb  bia) 
in  ben  Srimmef  aufnehmen.  $ur$:  2ltfe3,  waö  bir  fejrtt,  ba$ 
ftnbe|t  bu  in  unb  Ui  beinern  (ürrlöfer.  S3erfua)e  eg  nur  mit  3fmt 
unb  bu  wirft  erfahren,  bag  bta)  wtber  ber  ©atan  noa)  t>k  SQSeft 
fo  betrüben  fann,  afä  (^r  bia)  erfreuen  Witt.  —  £iob  fagt 
jwar:  „Söennman  meinen3«mmerwägenwürbeunb 
meine  Seiben  gufammen  in  eine  Söaage  legte,  fo 


821 


würbe  e$  fcfywerer  fepn,  ctfä  ber  @anb  am  9tteer." 
(?r  fpria)t  aber  l)ier  nia)t  von  feinem  @r(öfer,  auf  ben  er  fta) 
fonft  fo  Ijeräfta)  beruft*  ©o  bleibt  e3  atfo  babci:  33 unfertig e  unb 
glaubige  Qtjmften  foüen  fta)  in  bem  £errn  freuen,  unb  bä 
atten  #inberniffen,  bie  tljmen  in  ben  Sößeg  gelegt  werben,  boa) 
immer  naa)  ber  greube  m  ©Ott  trad)ten  unb  in  3efu  aiie^tit 
fröjirtia)  au  fe^u  fua)en;  tiefem  fe$  £ob,  $rei$,  (£(>re  unb 
SDanf  in  (£wigfeit.  kirnen» 


gilfte   ^reJiät 
SSon  ber  $itbe  3  u  ©  o  1 1. 


'S.  1.  3o$.  4,  19.    gaffet  un$  3|n  lieben;  Senn  <£*  $ai  un$ 
gucrfi  geliebt. 


(S  i  n  g  a  n  <$♦ 

Sm  Stauten  S^fa*  Sfmen, 

Qtteprere  ©efa)ia)tfa)reiber  ersten  un$  *>on  ben  Urem* 
woljnern  2lmerifa$,  welche  in  ber  fa)recftia)jten  ginfiernip 
leben,  siele  @reue(,  befonberS  aber,  $>a$  fte  bura)  ben  ©atan 
unter  bem  Sßorwaub  be$  ©otteöbienfteS  von  einer  9ttorbt£at 
gur  anbern  getrieben  werben,  unb  i$>ren  ©öitern  oftbaS  £iebjie 
unb  ^euerftegumDpfer  bringen.  (So  fetten  atte  3a£rein  einer 
©tabt  gegen  jwan^tgtaufenb  $?enfa)en,  namentlich  3ünglinge, 
3ungfrauen  unb  $inber  ben  ©ö$en  gefa)laa)tet  worben  fep. 
2)iefer  ©raufamf  eit  fei;en  bie  3nbianer  enblia)mübe  geworben 
unb  fyaUn  baä  fanfte  S^a)  beS  £errn  um  fo  freubiger  auf  ft$ 
genommen.— £)arau$  erteilt  bie  fdotytit  beä  ©atanä,  welken 
unfer  £etfanb  mit  3ftea)t  einen  ^enfa)en*9ttorber  nennt.  3£m 
maa)t  e$  greube,  wenn  er  bie  9)cenfa)en  gegen  einanber  auf* 
reiben  unb  ein  33(utbab  unter  ijmen  anrieten  fanm  —  Raffet  und 
btefj  wof>l  be^eraigen,  unb  barauö  ben  Unterfa)ieb  beä  ©naben* 
reia)$  (grifft  unb  be$  erfa)recftia)en  ditifyö  be$  XttfeU  fennen 


822 


lernen*  gaffet  un£  um  fo  williger  ba£  fanfte  3oä)  beS  £erm 
tragen  unb  un$  um  fo  inniger  mit  3£m  »erhüben*  2Sie  jener 
$Me  feinem  ©ojjn  ein  ©ut  in  bem  £anbe  eine3  frommen  £erw 
laufte  unb  für  baffelbe  200  ZpaUv  mefjr  fce^afrtte,  als  eg  n>ert^ 
war,  nur  um  feinen  ©ojm  unter  bte  Regierung  biefeS  #errn 
zubringen,  fofofften  wir  Meßbar  an  fe£en,  um  unter  bem  fanften 
$irtenftab  3efu  (£jmfti,  bes  liebreichen  unb  gütigften  §erm, 
$u  wojmen*  (£r  fua)t  bie  ©einigen  nicl;t  ^u  »erberben,  fonbern 
gu  erhalten*  dv  j>at  nfa)t  £uft  $ur  Uneinigfeit,  fonbern  ^ur 
(£intraa)t,  nia)t  ^um  $rieg,  fonbern  $um  grieben,  unb  ermahnt 
aufy  bie  ©einigen  ^er^lia)  ba^u*  (£r  regiert  fte  mit  vieler  <Sa)o* 
nung,  $at  ©ebulb  mit  t^ren  6a)waa)J)eiteri  unb  geltfern,  £tlft 
ben  ©efaKenen  lieber  auf,  fua)t  bte  Verlornen,  serbinbet  bie 
SBerwunbeten,  bringt  bk  Srrenben  $urea)t,  nimmt  bie  23u§fer* 
tigen  $u  ©naben  an,  fegnet  fte  an  ?eib  unb  ©eele,  unb  bewahrt 
fte  bura)  ©eine  Wlatfyt  ^ur  ©eligfeit*  —  £)af?er  fyabtn  wir  alle 
Urfaa)e,  unfern  £aufbunb  täglia)  gu  erneuern,  bem  (Satan  unb 
feinen  Surfen  ab^ufagen,  unb  un£  bem  £errn  3efu  $u  ergeben* 
Dfme  Steife!  werben  2Itte,  bie  *>on  biefen  £eibnifa)en 
©reuein  froren,  jta)  baritber  entfe^en  unb  fragen,  wie  e£  mogtia) 
fep,  bag  bte  Altern  an  tfjren  ^inbern  fo(a)e  ©raufamfeiten 
Ijaben  begeben  fönnen?  5lKetn  muffen  wir  um?  nta)t  noä)  mepr 
barüber  wunbern,  wenn  wir  Jjören,  bag  es  unter  ben  d^rtflett 
felbft,  benen  boa)  ba£  f>elte?ia)t  beö  @oangefium3  leuchtet,  unb 
wela)e  ©Ott  *>on  ber  Dbrigfeit  ber  ginfterntj?  errettet  Jjiat,  fola)e 
gibt,  wela)e  W  £eqen  i^rer  föinber  bem  ©atan  opfern  ?  3$ 
meine  aber  niä)t  btoS  btejenigen,  welche  ü)re  tinber  fa)on  in 
ber  früpeften  3ugenb  bem  ©atan  weisen ,  um  babura)  irgenb 
eine  böfe  5lbfia)t  p  erreichen,  fonbern  aita)biej[enigen,  bie  oI?ne 
baran  ^u  benfen,  ü)re$inber  bura)  böfe  23eifpiele  :c*,  über* 
paupt  bura)  eine  fa)lea)te  <£qiefmng,  früf^eitig  $ur  ©ünbe  ge* 
Wonnen,-  fo  ba§  fte  oft  e£er  ftua)cn  aU  beten  fonnem  ©ie 
geljen  irrten  in  ber  35eraa)tung  betf  göttlichen  SBorteS  soran, 
erinnern  fte  nie  an  if>ren£aufbunb,  unb  ftnb©a)utb  baran,  ba$ 
fte  bie  gura)t  ©otteS  aus  ben  klugen  fegen,  bte  ©ünbe  gering 
fa)ä$en,  unb  ein  tterftocfteS  £er$  befommen.  —  $t\$t  ba$  niü)t 
bie  ^er^en  feiner  $inber  bem  Teufel  opfern?  —  D  biefü  ift 


823 


freilia)  eine  parte  SKebc,  aber  welcher  ©cwiffenfjafte  möchte 
J>ier  anberS  fprea)en? 

^oa)  ift  5u  bewerfen,  bag  ber  ©atan  belegen  nad)  ben 
SÄenfdjjenopfern  fo  Begierig  ift,  mit  ipm  ki  benfelben  bte 
£ergen  gegeben  werben  müßten*  Dieß  erinnert  mia)  an  baä, 
ttaö  ün  gotifeligcr  £e£rer  faßte:  „(£$  fepen  3wei,  bic  fta) 
um  ba6  menfa)ltd;e  $eq  eifrig  bewerten,  —  3  cfu£  unb  ber 
8a tan/'  Diefer  fua)t  baffelbe  bura)  allerlei  ma)tta,eSBer$>etJ5* 
ungen  für  jla)  gu  gewinnen,  er  verfpria)t  me£r  gu  geben,  aU 
er  galten  fann,  wie  wir  au£  bem  wiffen,  m$  gwifttjen  ü?m  unb 
unferem  £>eilanb  vorgefallen  ijt  (ix  geigte  von  einem  f?oj>en 
23erge  £erab  bem  (Erlöfer  alle  3^eicl)e  ber  Seit  unb  verfpraa) 
t£m  tjn*e  £>errlta)feit,  mnn  (ix  nieberfalle  unb  ij?n  anbete*  (ix 
rüljmt  fta)  alfo  eine$  &tei$$wt$,  ben  er  ma)t  fjat,  unb  fua)t 
bie  bergen  ber  3ftenfa)en  gu  bekommen,  um  fta)  an  i£rem  ewigen 
^?e{b  gu  ergoßen.  —  3efu^  aber  bmixbt  fta)  um  ba$  menfa)lia)e 
«£>erg  au£  lauter  ^iebe  unb  SBarmpergigfeit;  (ix  verfpria)t,  bafj 
(£r  e$  von  ©ünben  reinigen,  bura)  ©einen  ©eijt  erneuern,  mit 
©einem  £roft  erfüllen  unb  mit  ewiger  ©eligfeit  erfreuen  wolle* 
(ix  verlangt  ba3  £erg  gu  einem"  lebenbigen,  {^eiligen  unb  ©Ott 
wohlgefälligen  Opfer,  begehrt  es  nia)t  gum  $erberben,  fonbern 
gum  ^igentpum,  bamit  (Er  barin  wolmen,  unb  e£  mit  ©einer 
@üte  unb  $kbe  befeligen  möge*  —  Urteilet  nun  felbft,  meine 
3uj)örer,  wem  wir  unfer  £erg  geben  follen?  —  Sem  anbertf, 
ale  Dem,  ber  e£  erfajaffen,  unb  mit  ©einem  teuren  23lute  erfauft 
j)at?  2Ba$  anberg  fönneu  wir  3£nt  für  ©eine  %kbz  unb  £reue 
geben,  als  unfer  £>eq?  Unb  a&l  xtie  gering  ift  biefe  @abe  für 
ben,  ber  ein  fo  foftbare^  £öfcgelb  auf  un$  verwenbet  §at  ?  — 
O  3efu !  SBie  fönnten  wir  uns>  weigern,  Dir  2ttte$  jungugeben,— 
follte'n  wir  nur  einen  Slugenbfitf  23ebeufen  tragen?  i^ein;  — 
wenn  wir  taufenb  unb  aber  taufenb  bergen  von  größerem  Um* 
fange  unb  von  größerer  toft  Ratten,  aU  bieg  einzige  arme 
£erg,  baö  wir  paben,  fo  wollten  wir  fte  alle  Dir  willig  unb 
freubig  gum  Opfer  bringen*  -  $cögen  aua)  $aifer  unb  Könige 
tpre  bergen  naa)  bem  £obe  tu  tira)en  unb  Flößer  bringen  unt> 
bortwopi  aufbewahren  laffen,  mein  £er§  bUibt  ha,  wo  3efuä 
ift,  ia)  mag  leben  ober  fterben.  —  golget  mir,  meine&eben,  unb 


824 

opfert  eure  #eqen  hei  lebenbigem  Zeihe  3efu  ££rijlo,  bem  ©e* 
freu^igtem  G£r  altein  l?at  ba$  kfte  9te^t  ba$u,  (£r  fjat  jte  er* 
f Raffen,  erlöst  unb  ge^eiXtgt,  unb  -ftiemanb  fann  fte  beruhigen 
unb  befetigen,  als  dx.  —  SOSottet  i£r  aber  wtffen,  wie  if>r  3N 
euer  £er$  ergeben  fottet,  fo  antworte  ia;  fur$:  mit  brün* 
fHger,  reiner  Ziehe.  „£aff et  un<S  3£ n  lieben,  benn 
<£r  $at  un$  juerfi  geliebt"  28enn  wir  3jjn  aber  son 
gan$em£er$ett,ttong  an  aer©eeleunbsong  andern 
©emütfje  Helen,  fo  Jwben  wir  3!)ut  unfer  £er$  geopfert 
2>aflon  wollen  wtrbiegmatreben;  ©ott  gebe,  bage£  mit  inniger 
€ie6e  gefa)e{>e,  unb  bag  unfere  £eqen  mit  wahrer  £immlifa)er 
Ciebe  erfüllt  werben  mögen !  kirnen, 

3)a$  £auptgebot,  weta)eg  ©Ott  gegeben  f>at,  tfh  „£>u 
f  oll  ji  ben  £  er  rn,  b  einen  ©Ott,  lieben  t>on  ganzem 
£er$en,  $on  ganzer  (Seele  unb  au  &  alten  Gräften/' 
Snbem  ©Ott  auf  fo  ernfttia;e  Sßeife  ZieU  wn  wie  forbert, 
offenbart  (£r  baburd;  <5eine  eigene  Ziehe  gegen  ung  unb  gibt 
bk  ©rünbe  an,  warum  wir  3S?n  lieben  feilen*  SDfan  fottte 
meinen,  bem  2llterl?öa)fien  fey  an  unferer  £tebe  wenig  gelegen, 
weil  fte  3fw  nia)t$  nü^en  frurn*  Ziehen  wir  3£u,  fo  £aben 
wir  ben  9tu$en  ba^on;  benn  (ix  belohnt  unfere  Zuneigung  mit 
fo  fciet  £roft  unb  ßtaft ,  bag  wir  uns  wojjl  barüber  freuen 
fonneiu  (ix  aber  £at  nta)t$  bason,  wenn  wir  3£n  ^od;aa)ten, 
ba  dx  fa)on  in  6ia)  felbft  ber  Sillerfetigfte  tfh  (ix  pai  niajtS 
bason,  wenn  wir  3f>n  mit  unfern  geringen  ©eufgern  toben, 
t>a  (ix  ofmejnn  fa)on  fo  stete  (£nget  unb  un$cu)ttge  anberc  ©e* 
fa)öpfe  fyat,  bie  3{m  oljne  Untertag  greifen.  £)emofmgeaa)tet 
»erlangt  (ix  unfere  Ziehe  fo  ernftlia),  ai$  wäre  3£ut  met 
baran  gelegen,  unb  $>a$  tynt  dx  pauptfäa)tia)  um  unfertwillen, 
ba  dx  wetg,  bag  unfere  <Seete  etm$  liehen  mug*  9?un  gibt  e^ 
aber  im  Fimmel  unb  auf  (£rben  nia)t$,  ba£  unferer  Ziehe  wür* 
biger  wäre  unb  fte  aua)  beffer  belohnte,  atä©ott  —  <£$  wärege* 
nug,  wenn  ber  groge  ©ott  uu3  armen  9ftenfa)en  vergönnte, 
3jm  $u  lieben;  nun  aber  ift  <5eme  2tebe  ^u  uns  fo  grog,  bag 
dx  unö  fogar  befiehlt:  ,/3)u  foltfi  'oen  £erm,  bei* 


825 


tun  ©Ott  lieb  paben."  -  dß  tji  frctltcp  traurig,  baf 
man  btefe  Ctebe  von  un$  fortern  muß,  bte  wir  freiwillig  J>aoen 
fottten,  unb  tfl  ein  53evx>eiö  eineö  bura)  bte  <5ünbe  verberbten 
#er$enS*  ©Ott  aber  fep  gelobt,  ber  uns  eines  folgen  ©ebote$ 
für  würbig  pält,  nnb  uns  fo  podwcptet,  baß  Grr  von  un$  ge* 
liebet  fe*>n  Witt!  —  Sirb  eine  grau  ijjrem  Scanne  untreu,  fo 
wirb  er  ifyci  £iebc  wopl  nicpt  Xetcr)t  mefjr  verlangen,  benn  er 
palt  fte  feiner  %kbt  nnwüvbig;  verlangt  er  aber  bennocp  ifjre 
$kbe,  fo  beweist  $>u$  ein  verföfmtcS  unb  beftänbig  liebenbe£ 
£er$.  —  fftnfo  verpält  e3  ftd;aua)^wifa)en©ottunbun^  unb 
wir  muff en  un$  wunbern,  baß  ber  gute  ©ott  von  ben  untreuen, 
bura)  ©ünbe  verleiteten  9J?enfd)ett  noa)  £iebe  forbert.  s2lber  (fr 
tput  bieg  au$  peqltcpem  Erbarmen,  weil  (£r  wopl  weif,  baß  wir 
auf  er  3|>m  niepttf  als  £äufa)ung,  (Jitelfeit  unb  SBerberben  fin^ 
bem  —  gerner  ijt  bte  ©röße  ber  ^?iebe  ©otteS  aud;  baran  flu 
erlernten,  baß  (ix  von  ganzem  ^erjen,  von  ganzer 
©eele  unb  von  allen  Gräften,  geliebt  fepn  will. —  (£3 
tjtgerabefo,  wie  wenn  ein  9?eid;er  31t  einem  Firmen  fagen  Würbe: 
2)u  unb  beine  gan^e  gamilie  foll  mta)  liebem  £)pne  S^eifel 
läge  barin  ba6  SBerfprecpen,  baß  fte  ijjre  $kbc  retdrtia)  ju  genießen 
paben  werben,  wenn  fte  bü  9ciemanb  anberS  al3  bä  3pnt 
Unterftü$ung  fuepen  unb  fta)  3put  allein  ergeben»  3nbem  nun 
ber  liebreid;e  ©ott  fo  ernftlicf)  verlangt,  baß  wir  3pu  auö  allen 
Gräften  lieben  fotten,  will  <£r  opne  3weifel,  baß  wir  un$  3pnt 
gan$  pingeben ,  unb  ba^  unfer  £er$  mit  feinem  Vermögen  unb 
Unvermögen,  mit  atten  feinen  geilem  unb  ©a)wad;peitcn,  mit 
feiner  greube  unb  £raurigfeit,  fuq  mit  feinem  ganzen  2ln* 
liegen  an  3Pw  pängen  fette*  —  Ö  liebreicher  ©ott,  wenn 
£>u  mein  ganzes  £er$  paben  wittft,  fo  werbe  iii)  2)tr  viele 
©d;waa)peiten,  fänblicpe  Süße,  ©orgen  unb  2Bünfa)e  über* 
geben  muffen;  boa)  bin  i§  verfta)ert,  baß  £>u  um  Sefu 
willen  mit  mir  aufrieben  fepn  unb  Qix  btefe  geringe  ®abc  wopl 
gefallen  laffen  wirft! 

3n  jenen  SSorten  „ben  £errn,  beinen  ©Ott  folljt 
tu  lieben''  tjl  aber  aud)  ber  ©runb  angegeben,  warum  wir 
3pn  lieben  fotten»  <£r  Witt  bamit  fagen:  weil  3$  beut  £err, 
©cpöpfev  unb  (Srpalter  bin,  unb  au$  lauter  ©üte  bia)  fo  per$* 


826 


XU)  liebe,  ireulia)  für  bia)  forge,  bify  fpeife,  trcmfe,  f  leibe, 
f$üge  unb  täglia),  bewahre,  weil  3$  altem bä$  Verlangen  beineS 
$er#|S!6  verfiele,  allein  barmljeratg  bin  unb  !Kt(^  beineg  GrlenbS 
annehme,  weit  3$  ö^em  aKtndc^ttg  bin  unb  bir  in  allem  anliegen 
Reifen,  aud)  bia)  aeitlid;  unb  ewig  beglüden  fann  jc,  fo  follßbu 
Sftia)  über  2Weö  lieben*  3$  fiabe  Wlty  in  ber  ^rfc^affung, 
Erhaltung,  (£ rlöfung  unb  Heiligung  al$  einen  liebreichen  ®ott 
gegen  bia)  gegeigt,  unb  n)ue  e3  täglia)  noa),  mithin  btft  bw  aua) 
tterpfliajtet,  $h'a)  für  ba$  j>öa)fte,  lieben^würbigfte  ®ut  au  pah 
ien.  —  Unb  unfer  $älanb  will  fagen:  3$  £abe  2illee>  baran 
gefegt,  um  bia),  o  2)?enfa),  son  ber  ©ewalt  be£  geufelg,  be£ 
£obe3  unb  ber  £olle  au  erlöfen ;  warum  folltejt  bu  Sttia)  m'a)t 
lieber  lieben  unb  mir  bein  gangem  £era  aum  Eigentum  ge* 
ben?  —  2Q?anä)em  fa)eint  e$  mellctcbt,  alö  galten  wir  un3 
bei  biefem  ©ebot  au  lange  auf,  boa)  wirb  biefe  wettläu* 
ftge  Erörterung  babura)  entfa)ulbigt  werben,  wenn  wir 
bemerfen,  bajT  fte  au  unferem  23orjjaben  förberlia)  war* 
23emt  wir  wollen  über  awet  ^auptpunfte  rcben,  unb  awar 
1)  bafi  wir  fa)ulbig  fe^en  ©ott  au  lieben,  wenn  wir 
mä)t  mit  D?ea)f  für  bte  unbanfbarften  ©efa)öpfe  gehalten 
Werben  wollen*  2)  SBollen  wir  unterfua)en:  auf  wela)e 
SQSetfe  wir  ($ott  Heben  feilen.  £)a$  Grrftere  gibt  un£ 
für  biegmal  ©toff  genug,  baper  wir  ba$  yrnitt  auf  baS  näa)fte* 
mal  erfparen.  — 

2Bo£>lan  benn,  ipx  @fjrt(tot,  Taffet  unä  mit  gleig  barüber 
nadibenfen,  roie  um  unfer  ©ott  geliebt  unb  ©eine  grojk  ®üte 
bura)  fo  viele  2JBo$>lt(>aicn  an  uns  geoffeubart  pat,  bamit  wir 
erfenuen,  bag  ber  Slpoftel  mit  vollem  9?ea)t  fagt :  „£  a  f  f  e  t  un£ 
3&nlicben;-benn(£rj)aiun$  au  erpgeliebt,  unb  ba* 
mit  wir  in  btefer  Uebeqcugung  un£  beftreben,  3pn  um  fo  me£r 
au  lieben.  Sir  tonnten  uns  awar  auf  ba3  berufen,  wa$  fa)on 
früher  von  ber  £iebe,  ©arm^ergtgfeit  unb  ©üte  ©otte3  gefagt 
worben  ift,  unb  wir  hoffen,  baß  eS  ma)t  gana  oergejfen  fe»n 
werbe;  allein  e£  ift  not^wenbtg,  H%  wir  l;ier  2We$,  rotä  fia) 
auf  bie  göttliche  %kbt  beaie^t,  fura  jufammenfaffen,  bamit  unfere 
£eraen  babura)  mit  wahrer  Gegenliebe  erfüllt  werben  mögen.— 
DSefu,  maa)e  2)cm  SBort  an  geuerflammen ,  bamit  wir  em^ 


827 


pftnben  unb  erfahren ,  was  wir  fefyt  naa)  bemfetben  fcetradjfett 
wollen!  — 

23ebenfe  alfo,  o  <££rtfh  L) 2Ba$  bein  ©  Ott  bisljer 
an  bir  getp an  £at  „©ott  f;at  btd>  je  unb  je  gelten 
bet;  barum  $at  er  bic^  $u  fid)  gebogen  au^  lauter 
©  ütc/7  QrS  gibt  wolrt  eine  3ett,  ba  bn  nod>  niebt  tn  ber  Seit 
warft,  aber  feine,  ba  ©oft  biet)  nid)t  geliebet  pat  (£r  J>at  btc^ 
burd;  ©eine  ©nabe  $ur  ©emeinfd;aft  ©eines  ©ofmeS  berufen/ 
hat  bia)  geliebt,  epe  ber  2Öelt  ©ritnb  gelegt  warb  unb  $at  biefe 
^tebe  immer  fortgefegt  ©eine  Zieht  gleicht  bem  Fimmel,  ben 
dv  über  uns  ausgebreitet  pat,  t>on  bem  wir  einen  ©egen  um 
ben  anbern  erbalten,  unb  unter  bem  wir  unSbeftnben,  fo  lange 
wir  leben.  —  ©er  £citanb  fagt:  „©ein  $ater  fyahe  3ptt 
geliebet,  epe  bte  2Belt  gegrünbet  war*  (£r  pat  alfo 
©einen  ©of?n  $on  (Fwigfeit  per  geliebt  unb  in  £5emfelbenaua) 
uns,  2Öie  nun  bie  ewige  £tebe  ©otfeS  an  ©einem  eingebor* 
nen  ©opne  fia)  in  ber  3üt  geoffenbart  unb  über  bemfelben  im* 
merbar  gewaltet  fjat,  aua)  bis  in  (fwigfeit  wahret,  alfo  wirb 
aua)  bte  Zkhe  ©ottcS  über  uns  wäl;ren  *>on  (Ewigfeit  ^u  GEwtg* 
fett  — -  „©Ott  ifi  bte  Ziehe''  fagt  3opanneS;  was  (£r  von 
(Fwigfeit  per  gewefen,  baS  wirb  (fr  aua)  in  (Fwigfeit  bletbem 
3opanneS  fagt  ntcr)t:  ©ott  £at  große  Ziehe,  ober  (Fr  tft  t>ot£ 
Ziehe,  fonbern  „©  ott  tft  bte  Ziehe;''  um  baburd)  ausüben* 
ien,  baß  ©Ott  nifyt  liehe,  \v>ie  bie  Sttenfdjen  gewölmlia)  lieben, 
(gleid)fam  gezwungen  unb  bura)  irgenb  eine  äußere  Urfaa)e  be* 
wogen,)  fonbern  frei  unb  auS  lauter  ©itte.  (£r  ftnbei  ben  ©runb 
©einer  Ziehe  uia)t  in  ben  $ccufd;en,  fonbern  in  ©ta)  fclbft  unb 
in  ©einer  ©üte*  —  ©o  erwäge  benn,  o  dlmjt,  ob  ©ott  nid)t  mit 
©einer  ewigen,  freiwilligen,  immbienten  unb  un»ergeßtia)cn 
Ziehe,  beute  ^citlidje  unb  geringe  Ziehe  tterbient  tyahe?  — 
©tepe,  wo  warft  bu  Bor  ^unbert  Jahren?  —  ^irgenbS*  £)ie 
3öett  wußte  nia)ts  »on  btr;  aber  sor  beinern  ©ott  warft  bu 
fa)on,  Q£v  fap  bia)  im  £ta)te  ©einer  Sltfwiffenpeit  unb  fd)loß 
biet;  tn  ©eine  Ziehe  ein.  @t  befummle  ndo)  ©einem  atiweifen 
9?at|>  bie  Seit,  ba  er  biet)  in  SJhtttertetbe  bitten,  unb  bie  ®ahen 
.unb  Gräfte,  mit  wela)en  (£r  biet)  auSftatten  wollte*  (Er  he* 
feploß,  tvie  (Er  bia)  naa)per  bein  Mentang  tterforgen,  fa)ü£en, 


828 


Xeftett,  führen,  bewahren  unb  ermatten  wollte*  —  2)enfe  aber 
nia)t  bloS  baran,  waö  ber  attwiffenbe  ©ort  über  bia)  bcfa)loffen 
fyat,  noa)  e£e  bu  ba  warft,  fonbern  aua),  tx>ie  <Ev  bieg  2l(le$  in 
ber  ßdt  »otogen  fyat  ;ftaa)bem  (Er  bia)  im  Verborgenen  ge* 
hübet  unb  bura)  ©eine  9ftaa)t  bewahrt  patk,  braute  <£r  bia) 
an  ba^  £age£lia)t  ©tef>e,  ba  war  ©eine  ©nabe  unb  ©üte 
$leia)fam  ba6  erfte  £ua),  in  wela)e$  bu  gebüßt  würbet  £)a$ 
J  erjre  23ab,  bartn  man  bia)  reinigte,  war  »on  ber  ^ie^>e  beineS 
©ottee  bereitet,  unb  ber  ^armljeqige  nalnn  bia)  atsbalo  in 
©einen  ©ä)oog  unb  ©eine  ©üte  warb  beine  SBärteruu  £)u 
braa)teft  nia)t3  mit  in  tiefe  Sßelt,  nadt  unb  Mos,  me  alle  9tten* 
fa)enfinber,  wmbeft  tu  geboren;  aber  bie  $äterlia)e  gürforge 
unb  Slufftc&t  beineä  ©otte3  begleitete  bia%  —  2Bo£l  ifreä  wapr, 
bag  mit  bem  (Eintritt  in  btefe  2Öelt  um  ber  ©ünbe  willen  aua) 
ba$  menfa)lia)e  (Etenb  feinen  Anfang  nimmt,  waö  baä  £inb 
burä)  fein  Seinen  unb  ©freien  fta)  fetbjt  gleia)fam  vorder  t>er* 
lünbigt;  allein  wir  rönnen  aua)  nia)t  läugnen,  ba$  mit  bem 
<£fenb  bie  weiterliefe  2lufjta)t  unb  ©üte  ©otieö  beginnt,  unb 
bag  feie  33arml)ersigfeit  be3  $errn  auf  unfer  erfteö  flcigtidjeö 
©efa)rei  gteia)fam  antwortet:  „gürdKe  bia)  nia)t,  bu 
Slöürmle  in,  Schelfe  btr,  3  a)  pabebttt)betbennem 
tarnen  gerufen,  b u  btft$?ein;  3a)  w ill  bei  birfepn, 
bu  follfr  leben,  3$  roMIbta)  nia)tserlaffennoa)oer* 
fäumeu/'  2U£balb  befiehlt  ber  £err  aua)  ©einen  Engeln,  baß 
jte  fta)  um  bie  3Siege-be3  ^inbeä  jMen  unb  e$  behüten  follen* 
(Er  bereitet  ihm  eine  fcaffenbe  9ta£rung  in  ber  23rujr  ber  9flur* 
ter,  weit  <£r  weig>  bag  baffelbe  noa)  feine  jMrfere  ©peife  ge= 
ntegen  fann*  —  ©o  liegt  ba£  Hinb  in  feiner  Sßiege  ober  im 
©a)oog  ber  Butter  unb  tjt  reia)liä)  serforgt;  eS  irinft  unb 
fa)täft  $ugleia),  cö  wächst  unb  weiß  nia)t  wie,  ru^t  unb  weig  nia)t 
wo,  jfioergnügt,  unb  fennet  boa)  2)en  nia)t,  ber  ilnn  btefeS  23er* 
gnügen  tterfa)ajft  (Eö  tft  ber  ^Ote^e  noa)  nia)t  fcifng ,  aber  e$ 
wirb  fa)on  ^er^lia)  geliebt,  ma)t  btoS  t>on  feinen  Altern,  fon* 
bem  £auptfäa)fia)  »on  feinem  ©a)öpfer,  ber  ben  (Eltern  bie 
£tebe  ins  &er$  SePf*anSt  un^  i^re  mvoollfommene  unb  oft  o{m* 
mäa)iige  Ziehe  bura)  feine  wollfommene  unb  admadjtige  $khc 
unterpü^t,  •—  ©ie^e,  o  Ctyrtft,  bieg  Sltteö  ^at  bein  ©ott  aua) 


829 


an  t>ir  getpatt;  »erbient  (£r  alfo  md)t  fd;on  belegen,  baf?  bu 
3jm  wieber  per^ttc^  liebeft?  —  (£ö  gibt  $?enfa)en,  wela)e  iljren 
&mmen  unb  Särterinnen  aeitlebenä  banfbar  ftnb,  unb  tjmen 
bte  erwiefene  £reue  auf  alle  Söetfegu  belofmen  fua)en;  um  wit 
melmepr  finb  wir  unferera  ©Ott,  ber  un$  fo  J^lia)  geliebt, 
fo,  ttäterlta)  tterforgt,  fo  mäa)tig  befa)ü#t  unb  fo  gnäbig  erjml* 
ten  Ijiat,  ben  ütmgfkn  £)anf  fa)ulbig ,  unb  wie  fönnen  mir  un£ 
enthalten,  3£n  f>er$lta)  ^  lieben?  ©elbjt  Reiben  erfannten 
biefe  So|>lt{?at,  unb  erria)teten  bem  f>öa)ften  Sefen,  baä  für 
jte  in  tfjrer  Sugenb  forgte,  Tempel  unb  Altäre,  um  babura)  tpre 
2)anf  barfeit  an  t>tn  £ag  ju  legen»  Senn  ft'e  fta)  nun  aua)  in 
bem  tarnen  beffen  irrten,  ber  un3  $Hfe  erfa)affen,  ernährt,  be* 
fdyt£t  unb  erhalten  Jmt,  fo  fallen  fte  boa)  ein,  ba§  ba$  eingüti* 
geö,  liebreich  unb  wohltätiges*  Sefen  fe^n  muffe,  wela)e3bie 
9£ftenfa)en  son  $httterleibe  an  fa)ü$t  unb  serforgt  Um  wie 
sielmefjr  gekernt  c$  mi$  (griffen,  bte  wir  *>on  $inbe$beinen 
Oitütit  bem  gütigen  ©Ott  tn  ber  innigften  SSerbinbung  fielen, 
3^n  f)er$lia)  su  lieben,  unb  Slßeg  ju  t^un,  um  ©einen  tarnen 
gu  serfjerrlidjen.  können  wir  3!)m  aua)  feine  Stempel  bauen, 
fönnen  wir  feine  ^ün^en  gu  ©einem  ©ebäa)tnij?  fa)lagen  laf* 
fen,  fo  feit  boa)  unfer  £er$  ein  Tempel  biefeS  liebreichen  ©ot* 
teä.fepn. 

Sir  wollen  aber  noa)  weiter  gepen,  um*  uns  noa)  rnejr 
aufzumuntern,  ©Ott  über  2llle£  31t  lieben.  —  $?an  fann  mit 
$ea)t  fagen:  wenn  bie  $cenfa)en  waa)fen,  fo  Weicht  bk  Siebe 
unb  Mterlia)e  gürforge  ©oüe3  mit  iijnen,  befonberä  weil  wir 
in  ber  finbjMt,  wenn  wir  ^u  ge^en  unb  $u  fpielen  anfangen, 
ber  meiften  2luffta)t  bebürfem  £)ie  ©a)rift  gebraust  t>on  biefer 
Zieht  unb  ©üte  ©otte3  mancherlei  fa;öne  Sfteben  unb  ©leia)«* 
niffe,  $unciä)fi  t>on  ben  Altern  unb  ilprer  Siebe  entlehnt,  um  an* 
Anbeuten,  baß  man  bei  ber  (£qiej>ung  ber  ßinber  nia)t  blo$  auf 
SDcenfc^n,  fonbern  jjau:ptfäa)lia)  auf  ©Ott  fe£en  fott,  t>cn  bem 
bie  (Eltern  felbft  SllleS  ^aben+  —  Sie  bie  £age  eine$  2ftenfa)en 
auf  einanb er  folgen  unb  gleia)fain  eine  tette  bilben,  fo  folgen 
aua)  bie  Sofrttfwten  ber  Altern,  befonberS  aber  bie  Soj?lt£a* 
ten  ©otteS  aufeinanber,  unb  man  fann  \><x$  ?ekn  eines  from* 
men  3)?enfa)en  mit  $ea)t  eine  golbene  ftttte  ber  Siebe  unb 


830 


fffiojjltjaten  ($ctte$  nennen.  SÖenn  wir  ber  Sftutterbrufi  tnU 
wöfjnt  Korken,  fo  Het'Ben  wir  bca)  naa)  ber  Schrift  noa)  an 
ben  prüften  ber  gctifid;en  £tebe  fangen;  beren  wir  autf)  im 
Ijofjen  Sllter  nid)t  entbehren  tonnen.  —  2)ie  ©djrift  fagt:  ber 
#err  gängle  itnb  fitere  urt3  wie  tue  3ugenb*    „3$  najjm 
(ürpjjratm  bei  feinen  Firmen,  fpriä)t  ber  £crr,  unb  lei- 
tete i£n  nnb  lieg  tbn  in  ©eilen  ber  Zieht  gefjen." 
üftofeS  fagt  ^u  bem  tfraelttifc^en  SSolf :  „£>u  f?aft  gefejjen,  tx>ie 
bia)  ber  £err  beut  ©ctt  getragen  £at,  uue  ein  Wlann  feinen 
©ofm  tragt,  bura)  alle  Söege,  anf  weld)en  tf>r  gcwanbelt  feipb. 
—  £)  güttgfier  ©Ott,  wie  lieblid)  ift  betten  ©ein  SOSort,  bie  e3 
mit  glaubigem  bergen  annehmen!  2£<ie  tröftlidj  ift  £)eine  ?iebe 
für  biejenigen,  welche  fte  mit  banfbarem  $er^en  betrauten!  — 
gerner  petfjt  eS  in  ber  ©$rtft:  „£)ie  21  u  gen  beS  £errn 
f  e  J>  en  au  fbie  ©er  eckten  unb  ©eine£)f>renmerfen 
auf  i£r  ©  a)reien."  SSie  ber  SSater  ober  bie  Butter  aufy 
unter  ben  ©efdwften  i^r  $inb  mä)t  aus  ben  21ugen  lajfen,  ba* 
mit  eS  feinen  ©a)aben  leibe,  unb  fdmetl  herbeieilen,  wenn  baf* 
felbe  (kaupeln  unb  falten  will,  fo  achtet  ber  £)err  auf  alle  hkr 
wela)e  3jm  fürchten*  3«,  e$  wirb  t>on  ©ott  gefagt:  (Er  nefmte 
ft$  unfer  an,  benfeanunS  unb  bemüf>efia)mttun$.  SSie 
nemlia)  bie  f  leinen  ^inber  tyren  Altern  immer  tüstö  gu  tfmn 
geben,  inbem  fte  balb  effen,  balb  htnfen,  balb  biefeS,  balb  jeneö 
Ijaben  wollen,  fo  ge£t  e3  aua)  mit  uns,  wir  geben  bem  lieben 
©Ott  $on  bem  erften  Slugenbltd;  unfereS  £eben3  an  bi$  anö 
©rab  immer  genug  $u  tyun*  23alb  feljlt  uns  biefeS,  balb  je* 
tte3,  was  wir  allein  bei  3£m  fucfyen  unb  fmben.   (£r  wirb  boa) 
nia)t  mübe  ©id)  unfer  an^une^men  unb  was  wir  Wltyt  nennen, 
baS  maa)t35m  greube.  Sie  leiblichen  Altern,  wela)e  ein  £äuf* 
lein  ^inber  £aben,  werben  oft  »erbroffen  unb  ungebulbig;  un* 
fer  ©Ott  aber  hkiU  immer  bereitwillig  ©uteS  gu  t£un,  ob  (Sx 
ßleia)  fo  siele  taufenb  ß'inber  J?at,  t>k  3jm  o£ne  Unterlaß  hiu 
ien  unb  2Bo£l$aten  *>on  3N  »erlangem  —  ^)tej>er  gehört 
aua),  waS  £)aoib  $on  bem  @a)u£  ber  jjeil.  (Engel  fagt:  „(Er 
pat  ©  ei  n  en  (5nge  In  befoplen,bagfiebia)  behüten 
aufall  enb  ein  eu2öegen,bagfiebia)aufben«£)än* 
ten  tragen  unb  bu  beinen  guß  nid;t  an  einen©tein 


831 


fl  ogeftV'  2Btc  lieb  muffen  wir  alfo  unferem  ©Ott  fet>n,  ba  (Er 
31t  unferem  £)ienfte  fo  »tele  erhabene  (Engel  beftetlt  fyatt  Sott: 
wact)en  unb  fä)lafen,  wir  effen  unb  trinfen,  wir  gepen  unb  fmV 
len,  wir  warfen  unb  gebeifmt  unter  bem  ©a)u£  unb  in  ber 
©nabe  unfereS  ©otte3,  hiß  wir  mit  ben  3^ren  einen  23eruf 
erwägen,  in  welchem  wir  ©ott  unb  unferem  ^täajjfcu  3U  bie* 
nen  unb  un3  eprlia)  buret)  bie  Seit  $u  bringen  peffem  — £)cum 
aber  getgt  ftet)  btc^tebe  ©otte3  aufä  ^eue,  inbein  fte  fcfyon  letngjt 
barauf  bebaut  war,  wie  fte  ftet)  imfer  in  ber  Sßett  bebienen  unb 
3U  wela)cm  ©tanbe  fte  un$  gebrauten  wolle.  —  „(Er  leitet 
un$  naa)  ©einem  dtatfy,  (Er  erf ovfct) et  un$  unb 
fennet  untf,  (weif?  alfo,  wo^u  wir  am  33eften  taugen)  (£r 
tterftept  unfere  ©ebanfen  son  ferne,  (ix  \itfyzt 
alle  unfere  2ßege,  (Er  f 07 äffet  eä,  wa£  wir $or  ober 
t)ernaa)  tpun,  unb  palt  ©eine  £anb  über  un3*  (ES 
waren  unfere  £age  fa)on  auf  ©ein  23  u  a)  g  e* 
fd;  rieben,  btenoa)  werben  foUtenunbberen  fein  er 
ba  war/'  —  (Er  beftimmt  alfo  naa)  ©einem  weifen  9?att> 
einen  Seben  $u  feinem  ©tanbe  unb  Hrnie,  unb  f>at,  fo  ^ufagen, 
3ebem  feinen  23entf  to  £er$  gefa)rteben*  25afjer  fommt  e£ 
auä),  ba§  ber  (£ine  ftet)  biefem,  ber  Rubere  einem  anbern  53 erufe 
wibmet  —  Unb  bieg  SlfleS  tput  ©ott  au3  £iebeunb  ©üte,  wie 
ein  SSater,  ber  bie  Anlagen  unt>  Neigungen  feiner  $mber  genau 
erforfä)t,  unb  barnaa)  jtebeS  berfelben  ba^u  anpeilt,  ^u  waö  eS 
ipm  am  iauglicpften  gu  fe^n  fa)etnt  —  £>te  5lbfta)t  be£  gütigen 
©otteS  hti  ©einer  ganzen  Regierung  tft  t>k  seitliche  unb  ewige 
SBoplfaprt  aller  berer,  t>k  3pn  füra)ten  unb  jta)  3pm  ergeben* 
(Er  ruftet  beßpalb  auä)  einen  3eben  mit  ben  nötigen  <3ahm 
unb  Gräften  $u  feinem  Berufe  au$.  (Er  gibt  bem  Slaron  eine  be* 
rebte  3unge,  bem  ©alomo  ein  weifet  £er$,  bem  (Eliaö  einen 
geuereifer,  bem  33a^)tt>  einen  £>elbenmutt)  u*  f*  w* ,  unb  bamü 
9cicmanb  Urfaa)e  t)dtte,  jta)  feines  popen  ©tanbe3  wegen  $u 
erpeben,  ober  wegen  be$  geringen  fleimnütpig  31t  feyn,  fo  pat 
ber  £err  erffärt,  baj?  in  ©einen  klugen  baö  <5zufoen  be£  ge* 
ringjten  £aglöpner£,  mc  t>aö  Qbthet  beg  Königs,  wenn  e3  im 
©lauben  gefepepe,  gleia) x>kt gelte*  „(Erfiepetbie^erfon 
nia)t  an,  fonberninallerleiSSolf,  wer3pnfüra)tet 


832 


*unbreä)it£ut,  berift3£nt  an  genehm/'— ©ein  £tmmelf, 
©eine  ©nabe,  ©cm  ©olm  u.  f»  w,  t'jt  für  Sitte,  bie  an  3fm 
glauben  unb  ra  ©ebulb  unb  guten  SBerfen  trachten  naa)  bem 
ewigen  ^eben»  (Eine  £tebe  beg  £oa)ßen  ift  e$,  welche  bem 
SIeugern  naä)  einen  Unterfa)ieb  unter  ben  $Dknfa)en  maa)t,  aber 
fte  $lKe  bem  3nnern  naa)  vereinigt  in  Qt^riffo  3efu,  un* 
ferem  £ernu  dim  ©onne  befdjeint  bte  anfetmlidjen  wie  bte 
itnanfefmltdjen  23lumen,  diu  £iebeSregen  unb  (Ein  ©na* 
bentpau  befeua)tet  fte  alle.  Mannigfaltig  ftnb  bte  ©aben 
i>e$  liebretd;en  ©a)öpfer£,  aber  alle  1)  aben  (Urin  3^1,  —  bte 
swige  ©eligfeit.  * 

SSer  bieg  red^t  überlegt  unb  verftdjert  ift,  baff  il)m  ba$ 
£00$  naa)  ©otte^  {»eiligem  SöüKen  jtef,  ber  wtfb  mit  feiner  £age 
aufrieben  fe^n*  (£r  wirb  aber  aua),  wenn  er  fta)  in  feinem 
©taube  glüdlia)  füljlf,  in  wela)en  er  bura)  bie  Leitung  be£  £errn 
gefommen  ift,  bem  2l£gütigen  für  feine  gnäbige  gürforge  ban* 
!en*  —  $ift  bu  atfo,  o  Qtprijt,  in  ber  SÖeft  geehrt  unb  geliebt, 
verwalteft  bu  ein  fjoljeS  2lmt,  wirft  t>u  au  wichtigen  33erria> 
tungen  gebrauo)t  unb  bift  fonft  mit  manchen  23or$ügen  auäge* 
ruftet ,  fo  erinnere  bia)  boa) ,  von  wem  alleg  bieg  j?erfommt. 
<£$ift  ©nabe  von  ©Ott,  ber  bir  au$  freier  Zirtz  gegeben  $at, 
wag  (Er  bem  geringften  9ttenfa)en  fyätte  geben  fönnem  (Er  pat 
e£  bir  auä  %itbt  gegeben  unb  erwartet  ©egenliebe  von  bir.  — 
SBtft  bu  ein  angefe^ener  Krieger,  ber  von  ber  nieberßen  (Stufe 
U$  gur  f>öa)ften  ftieg,  unb  von  bem  ©lud  bcftänbig  begünfltgt 
war,  fo  bebenfe,  ba$  bia)  ©otteg  ©üte  allein  aw$  bem  (Staube 
erhoben,  bia;  bewabrt  unb  mit  Lorbeeren  gefa)müdt  £at,  wä> 
renb  £aufenbe  in  Deiner  <Bt\tt  gefallen  ftnb.  —  2BaJ>rlia),  ber 
#err  $at  bia)  nia)t  barum  wiber  beine  geinbe  befa)ü$t,  bag  bu 
©ein  geinb  werben,  fonbern  baß  bu  ©eine  ©üte  erfennen  unb 
3£m  mit  %kht  bienen  foitefh  — -  S5ifi  bu  ein  glüdlia)er  £anbel$* 
mann,  ein  gefa)idter  £anbwerfer,  ober  ein  gefegneter  £anb* 
mann>  „beffen  Kammern  voll  finb,  ba$  fiefjerau$* 
geben  lönnen  einen  SSorrat^naa)  bem  anbern,"  fo 
vergiß  nia)t,  wofjer  aller  ©egen,  alleö  ©lud  unb  alle  9lajj* 
rung  fommt.  ®mi$  nia)t  von  beinern  SBerftanbe,  von  beiner 
$raft,  von  beinern  Tillen,  kaufen  ober  Kennern  Die  ©a)rift 


833 


[agt  Ja:  „3 um  Saufen  $> £If t  ntctyt  f  djnellfe^n,  $um 
©trett  Jjilft  ntdjt  parf  fepn,  $ur  9cal)rung  p i t fit 
nicfjt  getieft  fe^n,  aum  $ei#tfjum  JHlft  nic^t  flug 
fe 91t;  baf?  (^tner  angenel;m  fe#,  IHlft  ntdjt,  baß  er 
ein  2)ing  wopl  fenne,  fonbern  SllleS  liegt  an  ber 
Seit  unb  am  ©lüci"  Sin  ©otteS  ©egen  ifi  alfo  Me$ 
gelegen*  —  SBenn  nun  ©ott  MeS  aus  unverbienter ,  freiem 
©üte  gibt,  wetten  wir  uns  von  ben  unvernünftigen  Stieren 
bekämen  lajfen,  bie  i^re  SQßofrttljäter  fennen  unb  bicjlenigen 
wieber  lieben,  vonbenen  ji'e  geliebt  werben?  SBotten  wir  2>ejfen 
vergejfen,  ber  uns  vor  Stnbern  fo  reidjlicfy  bebaut  Ijat?  £öret 
e$,  i£r  ©ewaltigen  ber  (£rbe,  ifjr  reiben,  angefe^enen  unb  be* 
rühmten  Männer,  unb  nehmet  su  £er$en,  m$  ify  euety  fage! 
£eget  md)  mit  Stflem,  wa$  i^r  fyabt,  $u  ben  güf?en  eures 
©otteS,  erfennet  ©eine  %khe,  ©eine  gürforge  unb  wunberbare 
güf>rung  unb  fprec^et  von  ganzem  £cr$en:  „23on  ©otteS 
©nabe  bin  ify,  was  id)  bin/'  Vergleichet  eure  glücffidje 
Sage  mit  ben  23ef$werben  eines  armen  L'anbmannS,  etneS  £ag* 
löl)nerg  ©ber  ©eitler*,  unb  bebenfei,  baß  fein  Unterfdjieb  jwif^en 
biefen  unb  eu$  ift,  aU  berjenige,  welken  ©otteS  unverbiente 
$iete  unb  ©nabe  gemalt  ijat  £at  (ix  gfj  um  eud)  verbient, 
baf?  ü)r  3fmt  ungeporfam  fct)b?  tann  fo  viel  ©uteS,  ba$  tfjr 
von  ©Ott  $aht,  nic^t  baS  bei  zufy  hervorbringen,  xoa$  ein 
wenig  gutter,  baS  wir  unfern  £au3tfueren  reiben,  bei  biefen 
bewirft?  —  %$,  raffet  uns  ©Ott  Heben;  benn  <£r  $at 
un$  ^uerft  geliebt! 

2lber  nic^t  bloS  bie  Vornehmen  unb  SKeutyen,  fonbern  auefj 
biejentgen,  welche  in  einem  geringen  ©tanbe  (eben,  Ijaben  Ux* 
fadje,  iprem  ©Ott  gu  banfen  unb  Sfraftg  lieben ;  benn  fte  bürfen 
verfuhrt  fepn,  baß  ©ott  ben  SDfenfc^en  nichts  gibt,  als  wtö 
(ix  vorder  mit  Söet^^eif  unb  l^iebe  abgewogen  £at.  —  ©Ott  Ijat 
bei  2lllem,  was  (ix  fyut,  ©eine  Verherrlichung  unb  unfere  ©elig* 
fettimSluge,  unb  barnac^  rietet  ®xWt$ä\\.  3jit  nun,  0  £lmft, 
ÜÄanc^eö  nidjt  naef)  beinern  Söunfd;  unb  Söillen  ausgefallen,  fo 
lag  bir  genügen;  benn  eS  ift  von  einem  liebreichen  ©Ott  unb 
Vater  ju  beinern  ewigen  £eil  alfo  angeorbnetworbem  — 2öa£ 
liegt  baran,  tok  ©ott  nu$  auep  na$  ©einem  wunderbaren 


834 


Sftatlje  leiten  mag,  wenn  ter  nuä)  nur  entließ  mit  teuren  an* 
nimmt?  6ollte  ba$  mta;  irre  machen,  wie  idj  geführt  werbe; 
wenn  ify  nur  gut  geführt  werbe  unb  beim  SluSgang  m$  tiefet* 
SBelt  ben  Eingang  in  ben  £immel  ftnbe?  3$  glaube  feft,  bag 
Sllleö,  was  mir  begegnet,  tton  ber  väterlichen  ^iebe  unb  bem 
^eiligen  9tatf>fa;lug  meines  ©otteS  i)errü£re,  bag  e$  auf  mein 
wapteS  2ßo  jrt  abgefe^en  f  ep,  unb  bag  alle  meine  Sege  auf  eiteK 
©üte  unb  2BaJ?rl)ett  funauslaufen,  was  will  ia)  weiter?  — 
3ubem  wetg  tä),  bag  mein  3«ffanb,  er  fep  fo  gering,  als  er 
Witt,  mia)  am  ©emtg  ber  göttlichen  %kht  nia)t  jnnbern  fann* 
2)er  ©chatten,  ber  meinem  I'örper  folgt  ober  vorangeht,  maa)t 
mtclj  weber  größer  noa)  Heiner ;  ebenfo  wenig  f  ann  bie  äußere 
1?age  meinem  ©Rauben,  meinem  (&cUt  unb  metner  Hoffnung 
etwas  benehmen*  —  ©efegt  alfo,  o  dlmft,  bu  fepeft  ein  ge* 
ringer  Sttann,  ein  armer  £anbwerfer  ober  £aglöfmer,  ber 
beS  £ageS  Saß  unb  £i§e  $u  tragen  Ijat  jc*;  —  t>u  fjaji  bennoa) 
teilten  £erm,  tetnen©lauben,  teine£aufe,  teinen 
©Ott  unb  SBater,  teinen  terlöfer  unb  £röfier  mit 
ben  IBorneljmften,  ^eid^en  unb  Slngefefjenften  in  ber  Seit«. 
SBtr  Sitte  Ijaben  teinen  3ugang  *u  ber  ©nabe  ©otteS,  —  ben 
#errn  3efum  (^rtfiunu  2öir  Sitte  j>aben  (Einen  £roft,  —  bte 
füge  Siebe  unb  baS  Sort  ©otteS;  Einerlei  Hoffnung,  —  t>tn 
£tmmel,  woljin  wir  Sitte  *u  fommen  gebenfett*  —  Motten  wir 
uns  nun  befa)weren  über  ben  ©Ott  ber  %kltf  bag  (£r  uns  im 
3rbifa)en  unfern  trübem  nia)t  gleich  gemacht  l)at,  ba  ter 
uns  boa)  4u  ben  ewigen,  fnmmlifa;en  ©ütern  gleiches  dlttyt 
erteilte?  — ter  war  uns  ja  gar  nichts  fdmlbig*  —  Unb  fyättz 
ter  uns  mit  bem  Seitlichen  aua;  baS  (ÜEwige  endogen,  fo  J?ätte 
ter  uns  boa;  nirf;t  Unrecht  getrau;  weil  dt  uns  aber  aus  lauter 
$kl>t  biefeS  gefa)enft  fyat,  fotten  wir  begpalb  nta)t  mit  bem 
$tyo|Mfprecf)en:  ,,£affet  uns  3 jjn  lieben;  benn  ter  l?at 
uns  £.uerft  geliebt!'' 

tejje  wir  aber  weiter  gelten,  muffen  wir  aua;  noa;  barauf 
aufmerffam  madjen,  bag  uns  bte  göttliche  %khc  überall  nadj* 
folgt  unb  ftd)  allenthalben  ftnben  lägt,  weil  wir  uns  niebt  immer 
an  teinem  Drte  aufhalten  fönnen*  —  darüber  enthält  bie 
^eilige  «Schrift  ebenfalls  fa)öne  StuSfprü$eunb33etftnele,  wela)e 


835 


uns  $u  peralicper  ©egenliebe  antreiben  fönnem  3©ie  siele 
$mber  muffen  fcpon  früpe  ipre  Altern  untf  ©efcpwifier  Der«» 
(äffen,  «nb  ipr  ©lücl  tn  ber  grembe  fucpeni  £)er  liebreicpe 
©ctt  aber  pat  serfprocpen,  (£r  wolle  ©ia)  ber  grembtinge, 
wie  ber  Sittwen  unb  SQSatfen  annepmeny unb  fagt  nocp  au$* 
brücfticp:  ,,3a)  will  bir  ben  SÖSeg- ^igen,  ben  bu 
wanbetn  f oltft;  3cp  will  bia)  mit  deinen  Slugctt 
leiten/'  UnbwaS(£reinft  au  3afob  fpracp,  baS  fagt  <£r  peute 
nocp  au  atfen  frommen  $eifenben:V/©iepe,  3cp  bin  mit 
bir,  unb  will  bia)  behüten,  wo  bu  pinaiepf*,  3# 
will  bicp  nicpt  l äffen/'  2SaS  €r'a#3*fep£  ^tpan  pat, 
ben  <£r  aus  feinet  Katers  $aufe  in  ein  f&mbes  £anb-; führte, 
unb  tpn  bort  naa)  langem  Reiben  au  ^rofen  @^ren  erfro^ba^ 
tl^ut  @r  aua)  J>eute  noa)  an  fielen  Zubern*  £ie>©a)rift  'tft'jia 
nicpts  anberS,  als  ein  ©piegel,  in  wetcpem  wir  bie  $&a,e  be£ 
£errn  mit  (Seinen  $mbern  fepen  fönnen*  —  SttofeS  fagt  au 
ben  $inbern  3frael :  „£>er  £err  euer  ©Ott  ging  fcor 
eua)  per,  eua)  bie  ©tätte  au  weifen,  wo  ip?  eua) 
lagern  f  olltet/'  3<*  wopl  gepet  ©ott  «ait  ©einer  £iebeunb 
©nabe  vor  uns  per,  wenn  wir  in  bie  grembe  aiepen,  unb  jeigt 
uns,  wo  wir  uns  pinweuben,  wo  wir  bleiben,  wo  wir  eine 
neue  £eimatp,  £auS  unb  £of,  2öeib  unb  $inb,  löeruf  unb 
$uSfommen  ftnben  f  ollen*  —  Sarum,  meine  ßpriftot,  beulet 
barüber  naa),  ^k  U  in  biefem  gatte  um  eua)  ftepe?  33ielleia)t 
pabt  aua)  ipr  bte  Sßunber  ber  göttlichen  $kU  erfahren,  unb 
ber  #err  pat  eua)  aus  eurem  Skterlanbe  in  einen  fremben 
23  oben  verfemt,  mit  ber  ©onne  ©einer  ?tek  bejiraplt  unb  mit 
bem  ^egen  unb  £pau  ©einer  ©üte  befeuertet,  fo  baf?  ipr  nun 
fa)önen  Blumen  gleia)  ba  fiepet  unb  tief  eingewühlt  fe^b*  £)enn 
wie  Paulus  feinen  ©ppefern  wünfept,  baß  pe  bem  innern 
9ttenfa)en  naep,  in  ber  £tefce  ©otf  eS  eingewurzelt  unb  gegrünbet 
werben  mögen,  fo  fann  man  aua)  »on  bem  äußeren  3uftanbe 
eines  2)cenfa)en,  ben  ©Ott  feiner  befonbern  gürforge  würbigt, 
fagen:  (Ex  fe#  gegrünbet  in  ber  £iebe©otteS>  —  ©epteSbtr  alfo 
wopl,  unb  empftnbejt  bu  täglia)  ben  ©egen  unb  tk  ©nabebeg 
£öa)ften,  fo  benfe,  ba$  bu  einer  ?5flanae  gteicpji,  wetepe  traft 
unb  ©aft  aus  ber  £tebe  unb  23armperatgteit  ©otteS  giept, 

53* 


836 


blü^e  beinern  |>ertn  aur  i(£j)re,  unb  lag  2t(le$,  tx>aö  bu 
tJap^ittMe,  b^  £>öo)ften  bienen*  Brette  bio)  aus  gegen 
tetne  ©onne,  «>te  eine  eole  SBlume  unb  erinnere  bia) fto baran, 
wa^  ber  %oftel  f$gl:  Raffet  unö  @ o tt  Heben;  benn 
@r  fyat  unö  auerjl  geliebt!  —  ^ir  fönnten  fjier  aua) 
noe^  an  bie  attgemeinen  Sonaten  ©otte^  erinnern,  bte  <£r 
un$  bura)  bte  g<ro|e  9?atur  reia)lta)  mitteilt;  aber  e$  würbe 
un$  au  weit  führen,  baperserweifenwir  aufbiefa)önen2lbfi>anb* 
fungen,'bte  un&  ber  fromme  2trnbt  im  aweiten  23ua)  feinet 
wahren  djriftent^utn^ -^ .^ap*  §.  4  unb  im  29*  ®ap.  §♦  1 
barüber  -|)interIafe^nW> '  Mbeffen  wirb  ber  geneigte  Sefer 
aua)  in  unfern  G® 0t JjolbO  aufätltgen  2lnbaa)ten 
12$el?re,re$  ftnben,  WM  $»  aur  ^iebe  unb  $um  £obe  ©otteä  er* 
muntern  t ann*  — 

SKunberi  eua)  nia)t,  nu  3*/  baf?  ia)  bei  btefer  33e* 
tra^tung  ber,  göttlichen  Siebe  etwa^  länger  verweile,  unb  bie 
leiblicben  SBo^ltpaten  unfereg  @otte3  atmlia;  weitläufig  auf* 
gejault  |>abe*  Stielt  e$  für  nötljig,  weil  ia)  aus  Grrfaljrung 
wetg,  baff  nur  we;n$$e  2D£enfa)en  auf  bte  häufigen  SBeweife  ber 
göttlichen  %kbe  achten,  unb  e£  für  feine  befonbere  @nabe  galten, 
baß  fte  leben,  bag  e$  ifjnen  wol?l  geljt,  baff  fie  mit  allerlei 
<$aben.  auSgerüftet,  mit  $ätlid)en  ©ütern  gefegnet  ftnt> ,  in 
(Sjjre  unb  Slnfe^en  ftepen  unb  viele  äSoqüge  x>ox  2lnbcrn  be= 
ft£en.  ©ie  benfett  nia)t  barüber  naa),  wo£er  ba$  Wde$  fomme«. 
©ie  ft£en  gleta)fam  mitten  .im  SKofengarten,  bebenfen  aber  nta)t, 
wer  biefe  9tofen  waa)fen  läffet  ©te  genießen  bie  Siebe  ©otte£, 
@ott  felbft  aber  sergeffen  fte;  unb  anftatt  3f>n  wieber  au  lieben 
unb  in  ©einer  gura)t  ^u  wanbeln,  ergeben  fte  fta)  ber  Ueppig* 
tiii,  $ratt)tunb  53o3I)ett  ©ie  gleichen  unoernünft.tgett  £jneren, 
bie  auf  fetter  ^StiU  il?re£  &Un$  fia)  freuen,  aber  von  tj)rem 
©a)öpfer  nia)t$  wiffen* 

3a)  |>a^e  aber  aua)  noa)  einen  anbern  ©runb,  warum  ta) 
son  ber  Siebe  beg  £6a)ften,  bie  *>on  tmbjm't  an  fo  aärtlia) 
für  un$  beforgt  ift,  fo  ausfütjrlia)  rebe»  Steine  eigene  @r* 
faprung  gibt  mir  fo  beutlia)e  23eweife  ba$on,  unb  wenn  ia) 
aua)  fonft  feine  jjätte,  fo  würbe  ia)  fa)on  um  berfelben  willen 
alle  Urfaa)e  £aben,  ben  £errn  aeitlebenS  au  loben  unb  au 


837 


greifen*  —  £erHtfgüttge|jatmid;  nad;  Seinem  unerforfä)Iiä)en 
dtzfy  $u  einem  ©teuer  ber  $ira;e  erforen,  (£r  famtte  mta), 
elje  ermia)im$?uttcrletbe  bereitete,  unb  fonberte  ittify  au$,  e£e 
ia)uon  meiner  Butler  geboren  warb,  baß  dv  ©einen  ©ofm  in 
mir  offenbaren  unb  mia)  gebrau  d;en  tX)oUte,  ©ein  Gbangelutm  $u 
tterfünbigem  —  2)teß  tfijtf;onbarau$erfttt)tlia),  baf?  mein  $ater, 
wefa)er  ungefähr  ein  JmfbeS  3a£r  nad;  meiner  (Geburt  ftarb,  mid), 
ba3  jiüngfte  feiner  ®inber,  fd;on  in  ber  2ßiege  bem  2)ienfte  be$ 
£errn  wibmete,  unb,  gewiß  auf  Eingeben  ©otte£,  öftere  fagte: 
td;  muffe  ein  ^rebiger  derbem  SBenn  er  atfein  mit  mir  im 
3immer  war,  fo  nal)m  er  mid;  mandmtaf  auf  bie  2Irme,  Jjer$te 
unb  fügte  mid),  gleia)  afä  wollte  er  je#t  fc^on.bie  greube  ge* 
nießen,  t>k  er  au  Ijaben  hoffte,  wenn  er  mia)  emjt  in  bem  £)ienfte 
©otte3  feljen  würbe*  —  (B  erfjetft  aber  aua;  barauS,  ba$  ia> 
fd;on  in  meiner  ^artejten  ®inb£eit  große  $kU  ^u  ben  35üa)em 
Jjatte,  unb  einen  £rieb  $u  prebtgen  in  mir  füllte*  £)emt  faum 
tyatte  ify  $u  reben  angefangen,  als  ia)  einige  ®tUte  mit finblidjer 
Einfalt,  aber  borf)  mit  großem  (£rnft  l)erfagte  :c*  —  2lm  meifien 
aber  wirb  ber  3?att?fd)tuß  ©otteS  über  mia>  au£  ber  2lrt  unb 
Söeife  erlannt,  tt^k  (£r  midj  son  bem  erfkn  Slugenblicf  an  fo 
mda)tig  befd)ü£t  unb  erhalten  ijaL  — 3n  ben  legten  2ßod)en  ber 
6a)wangerfa)aft  meiner  Butter  mit  mir,  ftel  nemlia)  mein  bret* 
Jähriger  trüber  beim  ^kkn  in  einen  tiefen  £eia),  ber  in  un* 
ferem  ©arten  war*  Slttein  älterer  trüber,  ber  babei  war,  rief 
um  £ülfe  unb  fprang  $ur  Butter,  £>iefe  tiitt  x>oU  Slngft 
unb  ©djrecfen  bem  ©arten  $u*  £)er  2Beg  führte  ffe  bura)  eine 
©djeune,  in  we(a)er  an  SSagen  jtanb,  ben  fte  in  ber  Slngjl 
nia)t  gewahr  würbe,  fonbern  fte;  mit  ijjrem  £etbe  fo  fjeftig,  an 
benfelben  ftieß,  baf?  fte  $u  25oben  ftürjte  unb  fta)  unb  tpre  Mbtte 
frud)t  in  bie  größte  ©efafjr  braa)te*  33atb  aber  erpolte  fte  jta) 
wieber,  eilte  fo  fd)nell  als  moglia)  baj>in  uttb  fprang,  ba  ba$ 
$tnb  eben  unterftnfen  wollte,  ju  t^m  tn1ö  SOSaffev.  SSeil  aber 
ber  £eia)  tief  war,  fo  fam  ^k  Butter  mit  bem  $inbe  in  ©e* 
fapr,  unb  fte  waren  beibe  ertrunfen,  wenn  nia)t  meine  ©roß* 
mutter  fte  gerettet  pätte*  —  <£in  fjafbeS  3ajjrnaa)  meiner  ©eburt 
ftarb,  wie  fa)on  gefagt,  mein  lieber  $ater,  $wei  ©djweftem 
unb  ehn  jener  trüber  an  ber  $e|l  £nblia)  würbe  aua)  meine 


838 


Butter,  on  beten  $ruft.ia)  lag,  bavon  ergriffen*  Sßeil  ia)  il?re 
ungefunbe  $cila)  einfog,  fo  glaubten  bie  Umftepenben,  babura) 
tverbe  bie  Butter  gerettet  werben,  baS  $inb  aber  t>a$  £eben 
einbüßen.  2lber  ber  £err  fyat  abermals  ein  SÖunber  an  mir 
unb  geigte,  baff,  wie  m  (£rwaa)fener  nta)t  allein  vom  23rob, 
alfo  aua)  ein  $inb  nia)i  allein  von  ber  9Ma)  lebet,  fonbern 
„von  einem  jieglia)en  SSort,  ba$  bura)  hen  Sttunb 
©otteS  gejKt*"  —  3n  meinem  fünften  3aj>re  fiel  aua)  ia) 
au£  Unvorfta)tigfeit  in  t>a$  Söaffer  unb  würbe  von  bemfelben 
fortgeriffen*  2)ura)  ©otte$  pgung  aber  fam  eine  grau,  bie 
SBaffer  fa)öpfen  wollte,  noa)  ju  rea)ter  ^tit,  30g  mia)  jjerauS 
unb  trug  mia)  fjalbtobt  naa)  £aufe*  —  (£$  würbe  ju  weit 
führen,  wenn  ia)  bie  übrigen  @a)tdfale  meinet  ßeben$, 
aug  benen  ©otteS  ©üte  beutliä)  ^u  erfejjen  tft,  erääfjlen 
wollte,  befonberS  wk  dv  mir  fo  auferorbentlidje  Mittel  gum 
©tubieren  gab,  ba  mein  elterlia)e$  Vermögen  burä)  ben  $rieg 
fajt  gang  verloren  gegangen  war*  3$  jwbe  bura)  biefeö  2ße* 
nigenuranbeuten  Wolfen,  wk  feljr  ia)  meinem  guten  ©Ott  unb 
SBater  verpf(ia)tet  hin*  Wltin  ganzes  £eben  jeugt  von  ber  ©üte 
unb  £iebe  beö  £öa)ften ,  unb  wenn  ia)  eS  in  einem  befonbern 
2Bua)e  befa)reiben  wollte,  fo  würbe  anfallen  ©eiten  oben  fielen 
muffen;  <£ine  (£r$äfjlung  von  ber  wunberbaren 
©üte,  väterlichen  %itvtf  gropen  £angmutlj  unb 
53armperaigfeit  ©otte&  —  3#  £abe  viele  £age  erlebt, 
aber  noa)  me£r  SSunber  ber  gi>ttlia)en  %kU;  ia)  £abe  in  ber 
Sßelt  viel  gelefen,  gehört  unb  erfahren,  aber  nia)t6  mejjr  unb 
reia)lia)er,  als  ok  offenbaren  unb  verborgenen  23e weife  bev 
©üte  unb  £angmutfj  ©otteä*  3a)  mi$,  baß  unter  ber  <5onne 
$lle$  eitel  unb  unbejMnbig  i(t;  aber  bie  ©üte  unb  ^tebe  un* 
fereä  ©otteä  währet  ewiglia)*  <E$  jtnb  mir  SBater,  Butter, 
trüber,  <Sa)weftern,  $inber,  SSerwanbte  unb  greunbe  ge* 
ftorben;  aber  bie  $kht  be$  £öa)fien  |>at  mia)  nie  verlaffen* 
2)te  $cenfa)en,  mit  welken  ia)  umging,  waren  fe£r  veränber* 
litt)  unb  unbeftänbig;  aber  ber  #err  blieb  mir  treu*  3&)  J^tte 
mana)e  5Diupe  unb  Arbeit;  aber  bie  %kU  ©otteö  ftärfte  mia) 
unb  jjalf  mir  tragen,  fte  tft  e3,  bura)  wela)e  id)  2ltte$  über* 
winbe*  3»)  würbe  oft  verfolgt,  verlagert,  bebrängt,  vom 


839 


teufet  unb  von  ber  SBelt  geangjiigt;  aber  bie  fr'ebe  met* 
ne$  SSaterS  im  Fimmel  war  meine  3uflua)t,  meine  @pre, 
meine  £ülfe  unb  mein  fcfcpjt  3$  Hn  Hö  an  bie  Pforte  be$ 
£obe3  gekommen,  nnb  patte  gleia)fam  fa)on  einen  guß  im 
©rabe;  aber  ©otte3  ©üte  patmia)  lieber  perau^gefüprt,  baß 
ia)  mit  bem  2tyoftef  fagen  fann:  „al6  bie  ©terbenben, 
unb  fiepe,  wir  (eben*"  —Sie  Sftenfcpen  fagen:  bafb  re* 
giere  biefer,  balb  jener  planet;  id)  weiß  von  feinem  anbern, 
als  von  ber  £iebe  meto  ©otteö,  wela)e  aüqät  unb  atfent* 
palben  regieret,  fo  baß  ia)  fte  nie  genug  greifen  famu 
„£>err,  mein  0  Ott,  groß  finb  Qtint  Söunber  unb 
©eine  ©ebanfen,  bie£)u  an  un$  beweifeß,  £>ir 
tßnia)t$gleia);itt)winfieverfünbigenunbbavon 
f  agen,  wiewopl  fte  nia)t  $u  aäplen  finb/'  —  gofget 
mir,  meine  3ubörer,  unb  benfet  aua)  über  euren  £eben$fauf 
naa),  ber  ebenfalls  fo  »tele  ©puren  von  ©otteS  ©üte  an  ftä) 
trägt,  unb  ipr  werbet  eua)  überzeugen,  baß  tyauluö  mit  D^e^t 
von  uns  forbert:  wir  foden  ©ott  Heben,  weif  (£r  uns 
juerft  gettebet  pat*  — 

23ispcr  paben  wir  gezeigt,  tok  ©Ott  fa)on  bura)  bie  utt* 
ääptigen  SSopftpaten,  bie  @x  un$  im  £eiblta)en  erweist,  unfere 
per$Ka)fle  ©egenfiebe  verbiene,  nun  Wolfen  wir  noa)  fur$  er* 
wägen,  wela)e  23ewetfe  von  ^tebe  @r  un$  aua;  im  ©eißlidjen 
gegeben  pabe*  $?eine  lieben  £efer  werben  fta)  wopl  noa)baran 
erinnern,  wa$  wir  im  ^weiten  £peil  biefeS  293erfe$  von  ber 
©nabe  unb  ©üte  ©otte$  Ui  ber  23efeprung  ber  ©ünber,  von 
Seiner  £angmutp  unb  33armper$igfeit,  von  ©einer  greunb* 
licpfeit,  mit  ber  @r  ben  bußfertigen  aufnimmt,  ferner  von  ber 
Vergebung  ber  ©ünben,  ber  @erea)tigfeit  u*  f;  w*  gefagt  pabem 
©aper  wollen  wir  e$  pier  nia)t  wieberpolen,  unb  jtä)  bitte 
eua)  nur  noa),  baß  tpr  bie  vielen  groben  ber  göttlia)en  ^te^e^ 
bie  ipr  in  eurem  ganzen  %tltn  erfahren  pabt,  anbäa)tig  bepeqigen 
möget,  bann  werbettpr  ma)tumpinfontten,  eua)  befonberS  über  bie 
£angmutJjbe$£oa)fiett3uwunbem,  unbzugeßepen,  baß  ein  fol* 
a)er  ©ott  ber  größten  (£pre  unb  %kU  würbig f e^  —  ©an§  ria)ttg 
fagt  £utper:  „SQSenn  ber  £err  mit  ©onner  unb  $5li§  barein 
fa)fagen  wollte,  fobalb  wir  e$  verbienen,  fo  fönnte  temer  von 


840 


tmS  7  Safite  alt  werben*"  0  wie  jfarf  regt  jt$  fc^on  fcet  utt* 
fern  ®inbew  bie  Qrrbfiint>e ,  unb  wie  oft  f  ommt  fte  Ui  ü;nen 
3um  SluSbrud^  Eine£  verleitet  ba$  anbete  gunt  23öfen,  unb 
S3ieXe  feufoen  5eitleben£  über  bie  böfe  ©efetff haften,  in  weld;e 
fte  von  3ugenb  auf  geraden  ftnb*  flöte  mancher  $nabe  fpielt 
mtb  fc^t,  unb  man  fiefjt  e£  ilmt  nidjt  an,  baß  er  fdjori  mit 
fo  vielen  ©triefen  be*3  ©atan$  gefeffelt  i%  2Ber  ba3  menfd)* 
ft$e  Sefcen  nur  einigermaßen  re$t  fennt  unb  auf  t>k  3ugenb 
ttwa$  genauer  achtet,  ber  wirb  ftd;  entfe£en  über  bte  jjäuftge 
SBerriactyläßigung  ber  ©ottesfur^t,  über  ba$  leid;tftnnige 
(Schworen  unb  glühen,  über  bie  Entheiligung  be3  ©onntag^, 
über  ^k  £intanfe#ung  beS  ©ottegbtenjleS,  über  t>m  Unge* 
£orfam  ber  ^inber  gegen  bie  Eltern  unb  dejjrer,  über  ifjren 
Sttutjjwillen  unb  ü)re  gred^eit,  über  bie  £ojfart,  ben  $äd)U 
ftnn,  t>k  VLn$nd)t,  SBitterfeit,  3cmffu$t,  über  if)re  £ügen  unb 
XMt,  wa$  2ltleg  f>ä  ber  3ugenb  fo  Jjäuftg  anzutreffen  tft  — 
2)od)  id)  fixere  bieg  nur  barum  an,  bannt  id)  ben  bußfertigen 
SBeranlaffung  gebe,  i£rem  eigenen  SBanbel  von  Rintycit  an  nad;* 
^ubenfen  unb  an  ftdj  felbft  bie  Söunber  ber  göttlichen  %kU  unb 
£angmutl)  gu  ernennen.  2)enn  waljrlü$  es  ^eugt  von  einer 
großen  ©üte  ©otteS,  baß  Er  au£  bem  faft  verwilberten  unb 
mit  Unfraut  überwachsenen  35flan3garten  ber  §tixd)t  immer  nod> 
einige  ^flan^en  l?ervorfud>t,  welche  Er  p  Räumen  ber  ©ere$* 
tigfett  bur$  ©eine  ©nabe  gebeten  läßt  Er  Ijat  mit  t>m 
^inbern  große  ©ebulby  läßt  fte  ti?ren  £aufbunb  retcpdp  ge* 
nteßen  unb  be$eugt  beutli$,  baß  Er  nid;t  wolle,  baß  Eineö 
von  ben  kleinen  verloren  gel)e*  SBebenfet  bieß  t£r  Ejmften, 
unb  erfennet,  baß  ü)r  and)  in  biefer  ^iefwng  Urfac^e  pabt 
3U  fpre^en:  „Raffet  un$  ©Ott  lieben;  bennErj)at 
un$3uerf*  geliebt!"  —  ©e^b  ifjr  and)  j[e£t  eine  gefegnete 
55ffon$e,  erfüllt  mit  grüßten  ber  ©erec^ttgfett,  fo  benfet  %n* 
rüef,  ob  e6  nta)t  eine  Bett  gegeben  fyabc,  ba  ü)r  mit  ©ünben 
unb  Unreinigfeit  behaftet  wäret?  —  £)enfet  ferner  barüber  na$, 
wie  euc$  ©Ott  in  euren  Sünglingeja^ren,  auf  Reifen,  in  ©c* 
fettfdjaften  k.  oft  wunberbar  befdjügt,  Umfyxt  unb  erhalten, 
wie  Er  eurer  £fjorpett,  eurem  £eid;tfinn  unb  eurer  Ueppigfeit 
mit  ^angmutp  sugefe£en,  tok  ©eine  ©üte  unb  ^öarm^eraigfeit 


841 


euö)  su  ©u$  gejogcn  unb  ben  Rauben  ber  ^otteentrijyenijai,  fo 
werbet  tl;r  erfennen,  bag  ©eine  £angmtttj>  eure  ©eligfeitift,  unb 
bag  ipr  3N  bie  pödjfte  ?tebe  unb  25anfbarf  eit  fdjulbig  fc^b ; 
„benn,  wemstef  gegeberi  ift,  bermug  DieHtebeiu"— 
3a)  erinnere  mia)  iptev  an  einen  Kaufmann ,  welcher  mir 
er^dplte ,  bag  er  ttor  einigen  Sauren  auf  ber  SRetfe  ttort 
©tragenräubern  angefallen,  beraubt,  an  £änben  unb  gügett 
gebunben  unb  in  einer  grogen  Söilbnig  Eingeworfen  worbett 
fep»  <3o  fep  er  einen  ganzen  £ag  in  groger  $ngft  ha  gelegen, 
unb  fyabe,  wie  Ieia)t  $u  eraa)tcn,  ©ott  ernftlia)  um  £ülfe  an* 
gefiept  ©egen  Slbenb  fe^  ber  6  trief,  mit  wefa)em  ipm 
bie  £änbe  auf  ben  9Wen  gebunben  waren,  um>ermutl?et  toefer 
geworben,  fo  bag  er  naa)  unb  naa)  bie  £änbe  unb  $ute§t  and) 
t>k  güge  fo3gemaa)t  pabe.  £)ura)  ©otte6  £ülfe  pabe  er  jtä) 
enbtia)  am  näa)ßen  borgen  aus  ber  Söüfte  perautfgefunbett 
unb  einige  9?eifenbe  angetroffen,  Ut  tyn  ferner  in  ©ia)erpeit 
brachten.  —  3um  ^fnbenfen  an  biefe  groge  -ftotj)  bewahrte  ber 
Kaufmann  bie  ©triefe,  mit  benen  er  gebunben  war,  in  feiner 
©a)reibftube  wofrt  auf  unb  feierte  ben  £ag  feiner  wunberbaren 
Rettung  alte  3apre  mit  gajten  unb  33eten  unb  f>er$Itd;em£)anf 
gegen  ©Ott  —  2)iefe3  war  aber  nur  eine  leib(ia)e  9cotj?,  eS 
waren  bloß  feibfia)e  33anbe,  unb  boa)  erfannte  ber  ©erettete, 
bag  er  feinem  ©Ott  zeitlebens  $crpflia)tet  fep*  Um  wie  wU 
mepr  aber  jtnb  wir  unferem  ©ott  r>er:pflia)tet,  weil  <£v  unfere 
geijtfta)en  23anbe  jervtffen  unb  nn$  auö  fo  mana)er  ©efapr  ber 
©eefe  gnäbig  errettet  $at?  —  SÖaprlia),  wenn  wir  bieg  rea)t 
bebenlen,  fo  feilten  wir  m'ä)t  bloä  (£inen  £ag,  fonbern  atte 
gage  unfere^  %thcn$  peilig  palten  unb  biefelben  in  ber  gura)t 
unb  £icbe  ©otteS  unb  gur  @pre  ©eines  Zeitigen  -ftamenä  yx* 
bringen,  2lüe  £age  fotften  wir  mit  ben  Sorten  be$  $fa(meit 
fagcn:„£err,  mein  ©ott!©tricfebe$£obe$patten 
mia)  umfangen  unb  2tngft  ber  £oUe  fyattt  mta)  ge* 
troffen.  3a)  fam  in  Sommer  unb  9cotp;  aber  ia> 
rief  ben  tarnen  be$  £>errn  an:  o  £err,  errette 
meine  ©eelehc*  —  25 u  paft  meine  ©eele  an$  beut 
£obe  gertffen,  meine  klugen  »on  ben  £pranenf 
meinen  gug  »om  ©leiten,  3$  wfU  tvanbeln  vor 


842 


bem£errntm£anbe  ber  £ebenbigem  D  £err,  ia) 
tinbetn  $nedjt,  2)u  Jjafi  meine  SBanbe  ^erriffen, 
Sirwill  ta)  £>anf  opfern  unb  beS  £errn  tarnen 
»erfünbigen!"  — - 

IL  2)enfe aber  aua) baran,  was  betn  ©Ott  jiefct  noa) 
iäglia)anbirtj>ut.  $ebenfe,  wooon  unb  worin  bulcbft  ?— 
9tur*>onunbinbertautern£iebeunb©üte  ©otteS. 
2)u  polft  $war  2ltj>em  aus  ber  allgemeinen  £uft,  aber  nie  oljne 
©otteS  ^iebe  unb  ©üte*  Statik  faßt:  „bte  (Erbe  iß  ooü 
ber  ©üte  b  e  $  £  e  r  r  n"  iinb  wir  bürfen  i£m  naa> 
fprea)en:  bie  £uft,  baS  Stteer  unb  alle  SSelt  iftüoll  ber  ©üte 
beS£ernn  2öir  (eben  ma)t  fowopl  som  23rob  unb  anbern 
SSRitteln,  bie  ber  £err  p  unferer  (Erhaltung  beftimmt  £at,  als 
von  ber  $raft  unb  ©üte  ©otteS,  bie  barin  enthalten  tjh 
SllleS,  waswirfe£en,  pören,  fä)metfen,  rieben  unb  füpUtt, 
Beweist un$  ©otteS  ©üte,  unb  ber  SDfenfa)  fann  nia)ts  genießen, 
was  nia)t  bura)  fte  gewürzt  würbe»  —  %n  einem  fa)onen  grü> 
lingStage  gingen  einft  gwet  SBerwanbte  mit  einanber  auf  baS 
gelb»  £er  (£me  war  fromm  unb  gotteSfüra)ttg  unb  in  feinem 
(Sjjriftentjjum  fefjr  eifrig;  ber  Slnbere  gleia)gitftig  unb  ber  Sßelt 
noa)  fe£r  ergeben.  3ener  rief  soll  33ewunberung  auS:  %fy, 
wie  ifi  bie  ©üte  ©otteS  fo  groß,  wojnn  wir  unfere  Singen 
wenben,  ba  begegnet  uns  ©eine  greunbtia)feitunb£iebe!  ©eine 
©üte  bringt  bura)  alle  unfere  <Sinne  tnS  £er$,  unb  überzeugt 
uns  aua)  wiber  unfern  Sßillen*  SSer  wollte  einen  fo!a)en  ©Ott 
nia)t  finblia)  lieben,  füra)ten  unb  3£m  vertrauen?  darüber 
fa)eqte  fein  greunb  unb  wollte  tyn  auf  bie  $robe  fettem  —  2)u 
fagft,  erwieberte  er:  kk  2tebe  ©otteS  bringe  bura)  alle  unfere 
©innen  ins  ^er^;  tokabtY,  wenn  ta)  je§t  bie  klugen  fa)lief?e  unb 
weber  SMume,  noa)  Kräuter,  noa)  Blumen  fepe?  —  2)er  (Erfte 
antwortete:  ©o  wirft  buboa)benlieblia)en@erua) ber  33lumen, 
beS  gelbes  unb  ebenbamit©ottcS@üte  empftnben»  2öie  aber,  fagte 
ber  Sxctitt,  wenn  ta)  meine  9tafe  oerftopfe?  —  ©o-  wirft  bu, 
entgegnete  Sener,  wenigftenS  bie  SÖoget  fingen  unb  bas  $aub 
auf  ben  Räumen  raufa)en  pören*  —  ©ut;  aber  nun  will"  ia) 
aua)  bie  £)l?ren  tterf  fliegen,  fujjr  ber  Ungläubige  fort  —  5lua) 
baS  wirb  bia)  nia)tS  nügen,  fagte  ber  gromme;  benn  überall 


843 


umgibt  bia)  bte  fanfte  Suft  unb  bu  wirft  ntc^t  feiert  fönnen,  ojjne 
baß  bu  2lt£em  Ijolft,  unb  jeber  Htpem^ug  überzeugt  bidj  von 
ber  ©üte  beutet  ©djöpfen?.  (Fnblia)  geftanb  ber  Scta)tftnntge, 
ba$  er  blo$  fa)er$e  unb  nia;t  läugnen  wolle,  baß  man  in  allen 
fingen  ©  otteö  ©nabe,  Siebe  unb  £reue  er!  ennen,  unb  3j)m  bafür 
banfbar  fe^n  muffe,  allein  fein  greunb  tabelte  fein  ^Betragen, 
weil  man  mit  fola)en  vt)tc^ttgen  fingen,  bte  ©Ott  unb  ©eine 
@j?re  betreffen,  nia)t  f$er$en  bürfe.  —  •—  2Öir  fönnen  freiließ 
bie  Siebe  ©otteS,  t>k  Mz$  in  Ottern  iji,  nt$t  entbehren, 
jte  umgibt  un$  überall,  unb  2ille$,  was  bie  ©efa)öpfe  Jjaben, 
wa$  an  ij?nen  unfere  ©mne  erfreut,  baSpaben  jte  vonber  Siebe 
unb  2Mmad)t  ©otte£.  ©ie  fönnen  gwarniajtreben,  bezeugen 
fie  mit  ifjren  mancherlei  ©aben  unb  Gräften,  baß  ijjr  ©cfjöpfer 
i>k  ewige  Siebe,  bie  |>öa)fte  233et^pett  unb  Slllma^t  fe#*  3)er 
5lufmerlfame  pori  überall  ba3  Sob  be$  ^öc^ften,  ipm  ijt  jebe£ 
35latt  auf  ben  Räumen  ein  3?W  ^on  ©otteö  ©üte  unb  j[ebe 
tomäpre  ein  aufgeregter  ginger,  ber  ifm  gen  Fimmel  weifet 
unb  feinen  ©ajöpfer  lieben  unb  loben  peißt.  ©ejjr  f$ön  fagt 
ber  feiige  Irnbt:  „Sffterfe  auf,  o  Sföenfa),  unb  jtejje,  wo|>m 
bief)  t>än  ©ajöpfer  gefegt  j?at.  Wliüm  unter  fo  »tele  äugen* 
fdjeinlia)e  Sßolrttljatett,  'oa  t>k  (Engel  bia;  umgeben  mit  tfirer 
feurigen  Siebe,  ba  e6  fo  viele  Kreaturen  gibt,  welche  btr  ©eine 
Siebe  verfünbtgen!  £)ie  ©onne  bient  bir,  wie  ein  fleißiger 
$ne$t,  ber  alle  £age  frü!)  auffielt  unb  ba£  Sia)t  vor  bir  £er* 
trägt  ©te  erinnert  bify  an  ba^  ewige  Si^t,  welches  iß  dljrifhtS 
unb  ©ein  göttlich  SBort,  baä  foll  beiner  ©eele  Sia)t  unb 
Senate  fe^n,  baß  bu  folljt  aU  ein  $inb  be3  Sia;te$  wanbeftu 
2)ie  9?aa;t  beefet  bia)  $u  mit  iijrem  ©Ratten,  xck  mit  einem 
SBette,  bringt  bify  gur  ^u^e,  unb  leprt  bia)  unter  bem  ©chatten 
be$  £öa;ften  bleiben,  ©er  $?onb  i(i  wie  eine  emftge  5iftagb, 
bie  2ßafferl)olt  unb  bie  @rbe  befeuchtet;  ja,  e$  ijt  fein  ©ternlein, 
ba3  nta)t  feinen  ©egen  bem  9ftenfa)en  $u  gut  empfangen  pätte  unb 
um  be3  9ftenfa)en  willen  leuchtete  jc/'~-  2)iefe  unb  ä]mlia)e203o£r* 
traten  aber  jtnb  allgemein,  unb  aua)  unbanfbare  unb  gottlofe 
5Jttenfd)en  J?aben  jte  täglia;  gu  genießen.  D  möchten  jte  aua) 
von  biefen  rea)t  erfannt  werben!  —  Sßenn  bk  ©onne  be$ 
Borgens,  aufgept,  fo  ge^t  ©otteS  ©nabe  unb  ©üte  gleia)fam 


844 


»Ott  neuem  mit  auf,  «nb  vergönnt  bem@ünt>er  tötxmaU  eüten£ag, 
um23ußeautfmn*  2)a£er  jjeißt  e$:„  $ie23arm!)er$igfeti 
©otteS  iji  aüe  borgen  neu  unb  ©eine  £reue  tft 
g  r  o  ß."  —  2ötr  wollen  Ju'er  aber  £auptfä$ltd)  bie  ^tebe  ermäßen, 
welche  ber  2illgütige  ben  ©laubigen  in^befonbere  erweist.  2)enn 
alle  Zerreißungen  ©otte$  in  ber  ©$rift  gejjen  alle  ©eine  SJteunbe 
an,  unb(£r|>atatt(£m£eltten,  bereu  $eifpielQ!:r  in  ©einem  SScrte 
aufzeichnen  lief,  gezeigt,  waö  jte  von  ©einer £iek  unb  ® üte  $u  er* 
warten  pa&eiu  (£r  fprid;t  $u  bem  3af  ob :  ■  „©  i  e  £  e,  3  cf>  b  t  n  m  i  t 
bir,  3$  willbtd)  behüten,  «so  bu  (jingepft,  3$  will 
bi^nid;ttaffem"^)ur^ben^ro^eten3efaiaölägt^rfa9en: 
„gurrte  bidj  nidjt,  3$  bin  mit  bir,  binbein  ©Ott 
unb  bu  bift  Sflein.  3*  prfe  btc$,  3*  Mfe  bir,  3* 
ermatte  bidj  bur$  biered?te£anb  deiner  ©eredj* 
tigfeit"  Unbber  $poftelerflärtvon3!wu„3d>  willbtdj 
ntct) t  verla ff en  no$  verfäumen/'  —  £)ieß  beweist  (£r 
alle  £age  an  ©einen  ßinbern,  unb  wir  Sitte  wiffen  unb  glauben 
eg,  baß  ©eine  ©üte  un$  überaß  Umleitet  unb  ©eine  £anb  uns 
f>cilt,  wo  wir  gepen  unb  fielen*  —  SBie  fcf)ön  ifi  e$,  wenn  bie 
©$rift  faßt,  baß  ©ott  über  3afob  wachte,  aU  er  fd;licf,  bafr 
(£r  bem  3ofep!>  na$  ^g^pten  folgte  unb  ipn  naef  fo  vielen 
£rübfalen  $u  £of?en  (£j?ren  brachte;,  baß  (£r  bm  ffiejjenben 
£)avib  begleitet  unb  unb  tyn  nid;t  verlägt,  tt$  er  bie  $rone 
auf  fein  £aupt  gefegt  $at  ffißte . troffttty  ifl  e$  ju  lefen,  baf* 
ber  2luferffanbene  ben  3üngern,  bk  na$  (£mma|>ug  gingen, 
©id;beigef  eilte  unb  ijjre  £er£en  mit  £roft  erfüllte,  t>a$  <£x  $ur 
Ataxia  SERagbalena,  t>ie  3jw  wü  Reißen  freuten  fuc^te,  fagte: 
$ßtih,  m$  weinefi  bu;  baß  (£r  ©i$  ©einen 3üngern  näherte, 
welche  bie  gan^e  9lad;t  auf  bem  ©ee  ftfd;ten,  aber  nid;t$  ge* 
fangen  tjatten*  Sie  freunbh'ct)  geigte  &ity  ber  £m,  ber  fte 
fragte:  ^inber,  Jjabt  tyx  nichts  ^u  effen,  —  unb  ijjnen  bann 
bk  $?af>l$eit  felbft  bereitete,  fo  ba$  fie  am  Eanbe  gifc^e  auf 
^o^ten  gelegt  unb  lörob  fanben  k.  —  <$$  tft  tröftft$  $u  be* 
benfen,  wie  3efa$  ©einen  2lpofteln  im  ©efängniß  $ur  ^titt 
flej?t  unb  ij)nen  SD?u#  einfpricfjt;  aber  es?  ift  nodj  tröftlidjer, 
wenn  wir  un$  erinnern,  baß  ber  $txx  nod;  immer  bei  uns  tfi, 
unb  un$  allenthalben  mit  ©einer  %kU  nachfolgt  —  Reifen  wir, 


845 


fo  tf.  (£r  unfer  ©efäfrte;  ber  un3  fd;üget.  ©inb  wir  $rebtger 
tn  unfercm  Berufe  befo)äftigt,  befugen  wir  einen  Traufen,  ober 
beten  wir  au  3pm,  fo  ift  (Er  mit  ©einer  £iebe  bei  un$,  unb 
lägt  unä  btefelbe  oft  reid;ltd)  erfahren»  (ix  erfüllt  unfcre  #er$en 
mit  guten  ©ebanfen  unb  mit  pimmlifdjer  Setepett;  dx  regiert 
unfcre  3unge  unb  unfere  geber.  28tr  gleidjen  ben  $inbern, 
wela)en  man  bie  £anb  führen  mujj ;  wir  wiffen  nidjt,  w$  wir 
bitten,  fajretben ,  reben  unb  tjmn  fotlen,  aber  ber  peiltge  ©eift 
leprt  unb  regiert  un$,  eröffnet  uns  bie  ©epeimniffe  ber  ©djrift 
unb  entjünbet  unfer  #er$  mit  2tebe  unb  (£ifcr.  —  £)t$  gleiten 
25eijknbe$  *>on  £>ben  paben  fta)  auä)  alle  fromme  Regenten  $u 
erfreuen,  an  benen  man.  ©otteS  ©nabe  unb  ©üte  bisweilen 
rea)t  beutlia)  waprnepmen  fann.  Grbenfo  bürfen  alle  a)riftlia)e 
£auesäter  unb  £au$mj[ttter,  in  welchem  ©taube  fte  aua)  fep 
mögen,  alle  betrübte,  ©efangene,  ßrlenbe  unb  Sßerlaffene, 
wela)e  auf  ©otteS  ©üte  hoffen,  serftdjert  feptt,  baß  (£r  ©ia; 
tprer  annehmen  werbe*  2öa3  ber  2lllerpöa;fte  an  benen  getpan 
pat,  beren  23eifpiel  bie  peilige  ©a)rift  un$  ttorpält,  ba$  fyut 
dx  nod)  Tillen,  bie  ©einen  tarnen  lieben,  @r  tjt  ipnen  napc 
an  jebem  Orte,  ftept  iprer  Slrbeit  au,  fegnet  ba£  2öerf  tprer 
£änbe,  ftörft,  tröftet  unb  tterforgt  fte.  (£r  ijt  mit  ipnen  über 
£ifa)e,  fegnet  ipren  Riffen  unb  gibt  tpnen  ein  aufriebeneö  £er$* 
SBenn  fte  fa)lafen,  fo  ben)ad)t  (Er  fte,  wenn  fle  mübe  ftnb,  er* 
quidt  (£r  fte,  wenn  fte  hüxixU  ftnb,  tröftet  (Er  fte,  £)arum 
gepe  deiner  im  £eia)tftnn  bapüt,  wie  bie  Seit  $u  tpun  pflegt, 
fonbern  erfennet  mit  £)anf,  wk  fepr  eudj  ber  £err  geliebt  pat 
unb  no$  liebt.  —  Erwäget  ferner,  rok  tyfc  and)  burd;  ©otte£ 
©nabe  täglid)  in  eurem  ßpriftentpum  unterftü^t  werbet.  33e* 
ranntlia;,beftept  bie  23ollfommenpeit  aller  ^eiligen  in  ber  (Er* 
fenntnij?  iprer  Utwollfommenp  eit,  in  ber  ©emeinfd;aftmit3efu 
Iura)  t>tn  ©lauben  unb  in  bem  ernftlidjen  25eftreben,  täglia) 
sollfommener  $u  werben.  2öir  ftnb  tok  bie  fleinen  $inber, 
bie  bloS  s>on  ber  %kht  tprer  Altern  leben.  £)ie  $kte  ©otteS 
bulbet  un$,  unterria)tet  un$,  peilt  uns  unfere  täglichen  geiler 
3U  gut  unb  regiert  unö  mit  vieler  ©a)onung.  <S$  ift  dint  ©nabe, 
(£ine  %kbz  unfere^  ©otte^,  bie  un$  belehrt,  beruft,  erneuert, 
peiligt,  jtärft,  trägt,  hmfyxt  unb  erpält  ttom  Anfang  U$  sum 


846 


<£nbe*  ©eine  ©üte  unb  33arm£er$tgfett  £at  immer  mit  uns  gu 
iljun,  wir  fönnen  fte  feinen  Slugenblitf  entbehren;  benn  fie  tft 
unfereS  ©laubenS  Anfang,  SÄütc  unb  (£nbe;  fte  ift  unfer  33rob, 
unfere  $raft,  unfere  Slrgne^,  unfer  £eben,  unfer  2Hfc&  — 
(Büßten  wir  nun  einen  folgen  ©ott,  in  beffen  ^ie^e  unb  ©nabe 
Wir  leben,  weben  unb  ftnb,  nia)t  pernio)  unb  innig  lieben?  — 
©iepe  boa),  o  dprift,  ber  £immel  ftejjt  bir  offen,  bie  ©naben* 
tpüre  beineS  ©otteS  iji  nie  verfa)loffem  Sötllji  bu  beten  unb 
baS  anliegen  beineS  £er$enS  einem  treuen,  liebreia)en  greunbe 
anvertrauen  —  pier  ift  bän  ©Ott,  pier  iji  baS  treue  £er$ 
beineS  ßrrlöferS,  in  welä)eS  bu  opne  ©a)eu  Sitten  auSfa)ütten 
barffL  £aft  bu  mit  beinern  ©Ott  etm$  %u  beraten?  —  $omm, 
wann  bu  willfi,  p  Mittag  ober  $u  2flitternaa)t,  Sein  £auS 
unb  £er$  Pe&i  bir  allezeit  off em  —  ©ua)fi  bu  beinen  ©ott  in 
ber9totp,  wenn  dt  jla)  aus  väterlia)em  Söoplwollen  um 
»erborgen  $<xt,  fo  fann  (£r  bic|>  nia)t  lange  Jjarren  laffem  ©o* 
balb  (£r  bcin  ©eufeen  jjört,  ruft  (Er:  „£ier  bin  3$,  In  er 
hin  3$ W  —  33ift  bu  von  Sorgen  unb  Arbeit  mübe,  fo  lege 
ttin  £aupt  in  ©otteS  ©a)ooß  ober  auf  bie  23ruft  3efu,  ben 
man  mit  3?ea)t  btn  £empel  ber  %kU  nennt  —  SÖSirfi  bu  ver* 
folgt;  —  (Er  will  beute  3uffaa)t  fepn  unb  unter  bem  ©a)atten 
©einer  glügel  follft  bu  ©a)u£  fmbem  —  SBifi  bu  büvübt;  — 
(Er  ift  ein  ©Ott  alles  ^rope^— ©frauü)elftbu;  — ^rwillbia) 
mit  ©einer  $anb  galten*  —  gäßft  bu;  —  (Er  Witt  bia)  wieber 
aufria)tem  —  ©ünbigji  bu ;  —  (Er  warnt  bia).  —  ^eljrft  bu 
reuevoll  ja  3pm  ^urücf;  —  (Er  will  bia)  nia)t  verlogen 
unb  nimmt  bia)  wieber  51t  ©naben  an.  —  ©iepe,  3efuS  ß$* 
in  ©einer  $trä)e  mit  ©einen  offenen  SBunben,  aus  benen 
tauter  ©nabe  unb  %kht  fliegt;  (Er  fommt  täglia)  mit  SBaffer 
unb  23lut,  um  uns  $u  befprengen  unb  §u  reinigem  (Er  fommt 
als  ein  £irte,  uns  gu  fua)eu,  als  Slrjt,  uns  $u  peilen,  als 
greunb,  uns  ju  trogen,  als  Mittler,  uns  gu  verfcpnen,  als 
$önig,  uns  &U  fa)ü|en,  als  £eprer,  uns  ju  unterria)ten*  Sie 
fönnten  wir  uns  entpalten,  einen  fo  tiebreitt)en  ©ott  unb£errn, 
einen  fo  wohltätigen  £eilanb  von  £er$en  au  lieben  ?  SÖ3en 
biefe  %kbt  nio)t  riu)rt,  beffen  £er$  mug  felfenpart  fepn,  wer 
bura)  bk  glamme  ber  göttlia)en  ^te^e  nia)t  entjünbet  wirb, 


847 


beffen  SnnereS  mug  mit  bem  plltfdjett  ©ift  ber  33o#eit  unb 
beS  Unglaubens  erfüllt  fep*  „Saturn  laffet  un$  ©Ott 
liefen;  bentt(£r  £at  unö  suerjt  gelt  eb  et!" 

IIL  $ebenfe  enbtiä),  »a6  bem  ©Ott,  fo  lange  bu 
lebejt,  unb  tn  alle  (£wi  gleit  an  bir  tl?  utt  will!  dxpat 
ausbrücfltä)  in  ©einem Sßort ner^etßen:  „£)affWof?l23erge 
weia)ett  unb  £ügel  Einfallen,  aber  ©eine  ©itabe 
nia)t  »o«  bir  tt>eia)en  uub  ber  25uub  ©eitteö  grie* 
bettS  tttdjt  Junfallett  folL"  „#r  wolle  bia;  titelt 
»erlaffett  itoa)  »erfäumen,  bt$  <£x  2llle3  tljue,  voaö 
(£r  bir  ^ugefagt  Jjai"  Sföie  G£r  un$  geliebt  unb  erwäplt 
pat,  ej)e  benn  ber  SBelt  ©runb  geleget  warb,  fo  wirb  @r  un£ 
lieben,  aua)  wenn  bie  SBelt  »ergangen  i%  <£r  will  unö  bura; 
©eine  Wlafyt  bewahren  $ur  ©eligfeit  mtb  £at  uttö  »om  5lnbe* 
ginn  ber  Sßelt  ein  Ijerrliä^eS  Sfteia;  bereitet,  barm  wir  nad) 
biefer  9ttüi?  feltgf  eit  ewig  bei  3pm  leben  follem  <£x  Jwt  »er* 
fproä;en:„2Betttt  wir  3£mgetreu  bleiben  bis  in  htn 
£ob,  baß  (£r  uns  bte  trotte  beS  £ebenö  geben 
wolle*"  „2Bir  f ollen  für uttfere  £rübfal,  bie  geit* 
li$  unb  leiä)ttft,  eitte  ewige  unb  über  alle  5üflaa$ 
wichtige  £errlta)feit  pabetu"  (£r  aa)tet  auf  uufer 
£fwtt  unb  Reiben  unb  will  aua)  einen  £runf  SßafferS, 
beti  ©einige«  gereift,  nia)t  unbelofjttt  laffen«. 
@r  säblet  bie  ©djritte,  bie  wir  ©einetwege«  tfwu,  unfere 
£fjränett,  bie  wir  im  ^ampf  mit  bem  Teufel  unb  ber  Seit 
»ergießen,  unfere  ©eufter,  bie  wir  31t  3£m  auffdjicfen;  — 
fur$  ba$  We$  fyat  dx  in  ©ein  23ud)  »eqeidmet,  um  eS  mit 
ewiger  greube  uub  ©eligfeit  »ergeltett  $u  föttnen*  3(i  ttun  tixt 
fola)er  ©Ott,  ber  au$  lauter  ©üte  ben  Fimmel  für  u«3  bereitet 
pat  unb  uns  bura)  ©eine  9)iaä)t  ba^u  bewahrt,  nia)t  wert£, 
t)a$  wir  3jm  £er$lia)  lieben?  fe  €ft  fogütig,  bag  brutto  biege* 
ringfte  ©a&e,  t>ie  wir  um  ©einetwillett  jnttgebett,  taufenbfaa) 
»ergilt  28er  wollte  einen  folgen  Gerrit  nia)t  tpeuer  unb  wertp 
galten?  SSotten  wir  uufer  £er$  frei  »erfa)ettfen,  fo  tjt  e£ 
9tfemanb  mel)r  wertj),  als  unfer  ©Ott,  bem  billig  baS  (£belfte 
uub  IBeflre  $um  Opfer  gebraut  wirb*  Sßolfeu  wir  e$  aber  3e* 
mattb  um  einen  jjojjen  3JreiS  überlajfen;  wer  lann  unb  will  es 


848 


ijjeurer  bellen,  als  eben  unfer  ©ott,  ber  <Bity  uns  bafür 
mit  aller  Siebe,  ©nabe  unb  ©elitjfeit  geben  will,  tt>ie  unfer 
£eilanb  felbft  fagi:  „£Ber  $Ha)  liebt,  ber  wirb  nn 
deinem  Sßater  geliebt  werben,  unb3d)werbetl?rt 
üeben,  unb  $?td;  ipm  offenbarem"  —  2öir Heben 2)aS* 
jenige  mit  9?c^t,  was  uns  glüdlid)  mad;t,  warum  alfo  follte 
unfere  ©eele  etwas  anberS  lieben,  als  ©Ott,  t>on  bem  fie  allein 
3eitlid)eS  unb  ewiges  (Blixd  p  erwarten  {iat?  SQSir  lieben  baS, 
was  unö  greube  unb  Vergnügen  macpt;  wer  aber  fann  unfrer 
Seele  wapre  unb  bauerfjafte  greube  serfajaffen,  als  ©Ott,  *>on 
welkem  £)aoib  fagt:  „£abe  beine  £uft  an  bem^erm, 
ber  wirb  bir  geben,  was  betn  &tx$  wünfdjeh"  9ftan 
liebtben,  *>on  weld)em  man  aufrichtige  unb  peqlicpe  ©egenliebe 
erwartet»  23ei  ber  293elt  aber  ftnben  wir  btefe  feiten;  benn 
fte  ift  falfa)  unb  unbeftänbig  in  tprer  %kfo;  ©Ott  backen 
liebt  uns  mit  einer  treuen  unb  ewigen  %itUf  nid)t  um  ©eines 
■ftugenS  Witten,  fonbern  auS  freier  ©nabe,  xt>k  (£r  uns  x>on 
@wfgfeit  per  opneatf' unfer  £erbienft  geliebt  pat  Wlan  liebt  baS, 
waSliebenSwertp,  was  fa;ön,  polbfclig,  reid),  mäa)tig,  tugenbpaft 
unb  mit  allerlei  perrlicpen  ©ab.cn  auSgeftattet  ift  -iftun  aber  fommt 
von  ©Ott  alles  ©epone  per,  @r  ift  baS  reia)fte,  mäajiigfte,  polb* 
(eligfte,  weifefte,  gütigfte  unb  feligfte  2Befen,,  ift  hk  ewige 
jh'ebe;  warum  wollten  wir  in  ber  Sßelt  ftücfweife  fua)en,  was 
wir  in  ©Ott  oereinigt  ftnben?  ©Ott  pat  2WeS  unb  ift  SllleS; 
unb  wir  mögen  begepren,  was  wir  wollen,  fo  tonnen  wir  bod) 
niä)t  fo  oiel  verlangen  unb  wünfepen,  als  wir  in  ©ott  ftnbem 
£)arum  fpreepen  wir  mit  $ffapp:  „Senn  icp  nur  2>icp 
pabc,  fo  frage  id)  nicptS  naep  £immel  unb  (Erbe, 
unb  wennmir  gleid)  %eih  unb  ©eeleoerfcpmadjtet, 
fo  bift  bod)  £>u,  ©Ott,  allezeit  meines  £eraenS 
£ro(tunb mein £p  eil*  "—£>  ewige %ithtl  2Ber wollte 2)ia) 
niept  lieben?  £)  unergrünbltcpe  ©fite!  2öer  wollte  £>icp  niept 
pod;,  treuer  unb  wertp  palten?  2öaS  paben  unb  was  finb  wir 
auger  2)tr?  Sollten  wir  2)en  nid;t  lieben,  ber  unfer  Seben, 
unfere  $raft,  unfer  ©cpujs,  unfer  £roft,  unfere  £ülfe,  unfere 
Hoffnung,  unfere 3uoerfia)t  unb  unfere  ©eligfeitift?  «Sollten  wir 
2)en  niept  lieben,  ber  ©«p  felbft  für  uns  gegeben,  aus  ber 


849 


©ewalt  be$  £eufeig,  be3  £obe3  unb  ber  S?$Ke  uns  erlofet,  un$ 
fo  Steife  ©ünben  »er^tepen,  fo  »tele  Sonaten  erwtefen  unb 
ben  £immel  erworben  pat  ?  (Sollten  wir  2)en  ntc^t  lieben, 
ber  un$  mit  ©einer  Siebe  allenthalben  umgibt,  erauicft,  tröftet 
unb  erfreut?  —  Sollten  wir  fagen,  baß  wir  ©otteS  Siebe  tm 
Seben  mtf)t  un&äfrtigemal  genoffen  unb  ifjr  Me$  3«  banfen 
Jjaben,  waö  wir  beft^en,  fo  wären  wir  Lügner;  wenn  wir  tyn 
aber  für  alle  Ziehe  nia)t  wieber  lieben,  fo  ftnb  wir  bie  unbanf* 
haxften  9ttenfa)en  unb  nia)t  wertp,  bag  Üe  (£rbe  un$  trägt  — 
2la),  mein  ©ott,  wenn  wir  taufenb  fersen  Ratten,  fo  wären 
wir  fa)ulbig,  jte  äffe  2)ir  für  ©eine  Ziehe  aufzuopfern,  unb  roit 
foltten  ba$  einige,  baSwtr  *>on£)irpaben,  £)tr  »erweigern?— 
„^er^lia)  lieb|>abtdj  £)ia),  £err,  m eine  ©tärf e, 
ntetn.geis,  meine  SSurg,  mein  Erretter,  mein 
©ott,  auf  ben  ta)  traue,  mein  <5a)tlb  unb  £orn 
meines  £eil3  unb  mein  6c$u$!"  — 

SD?etn  ©ott,  i$,  bete  geringer  Äne#t, 
3$  fag'  e$  frei  unb  mein'  eö  retyt, 
3$  liebe  3)i#,  bo#  m$t  fo  »ief, 
2tB  i$  £>t#  aerne  lieben  will, 
©er  2BitP  ifi  ba,  bie  Äraft  ift  Ilejn, 
£>o#  wirb  £)tr1$  ni#t  suroiber  fepn, 
Stfctn  armes  £>ers,  unb  waö  eö  famt, 
SStrfi  £>u  in  ©naben  nehmen  an. 

L  Raffet  uns  nun  ^u  ber  2lnwenbung  biefer  Wichtigen 
Seljre  »on  ber  Ziehe  ©otteS  übergeben  unb  naa)  berfelben 
unfere  33uf?e,  unfern  ©Kauben  unb  unfer  gan$e$ 
@£rifientpum  prüfen,  @S  ifi  nia)t  anberS  mogtia),  als 
baf?  eine  glaubige  ©eele  ©Ott  liebt,  naä)  bem  2lu$fprua) 
be$  StyofkB:  „3n  ££rifto  3efu  gilt  nta)t$,  aUber 
©laube,  ber  bura)  bi4e  Ziehe  t^ätig  tfL"  2Wanfaunba$ 
?ia)t  eper  »on  ber  @onne,  aU  bie  Siebe  $on  bem  ©laube« 
trennen*  £)er  ©laube  t'jt  eine  verborgene  ßraft  beS  £er$en£, 
wela)e  fia)  mit£f)rifto  befa)äftigt,  o£ne  bage^Semanb  bemerft; 
bie  Zieht  aber  ijt  ber  ©lan$,  wela)en  ber  ©laube  »on  fta)  gibt. 
£)er  ©laube  ijt  bie  ©eele  unb  ba$  Zthtn  be$  <S£rt{ient£um$; 

©cuöer'S  6ee*ettfc$a$.  54 


850 


bie  Zieht  aber  fann  mit  ber  natürlichen  SQSärme  verglichen 
werben,  weldje  burdj  tjre  alimäljltge  2ibna£me  $etgt,  bag  bie 
©eele  balb  vom  Körper  ftd>  trennen  wirb,  ober  fcf>on  von  tpm 
getrennt  tfh  —  ©er  23ugferti$e  unb  ©laubige  fann  ni$t  o£ne 
£tebe  fe?m  Denn  weit  ber  ®Iaufce  ba$  £er$be$  (£jmjlen  mit  bem 
^erjen  3*fa  vereinigt,  unb  au$  bemfelben  feine  ©eredjtigfett, 
feinen  ©ei(i  unb  fein  Zeh  en  f djopft,  fo  wirb  er  auty  » on  bem  in  ?iebe 
ffammeaben  ^er^en  Ctljrtjti  ent$ünbet  unb  mit  göttlicher  Zieht 
erfüllt  Dfäemanb  fann  Stfum  re$t  erfennen,  wenn  er  3£n 
triebt  aud)  liebt;  wer  aber  3efum  liebt,  ber  mug  au$  ©ott 
lieben,  ber  uns  ©einen  ©o£n  aus  groger  Ziehe  gefc§enft  Ijat 
£)ieg  lehren  bie  ^eifpiele  aller  glaubigen  Äinber  ©otteS,  welche 
man  $war  oft  ofme  irbif^e  ©c£äge  unb  greuben,  oljne  ©lan$ 
unb  5lnfej>en,  aber  nie  oljne  Ziehe  gu  ©ott  unb  iljrem  9M$ßen 
gefunben  f>at  <£in  (Jfjrijt  oljne  Zitht  gleicht  einem  gemalten 
33ilbe,  ober  einem  Setcfmam,  ber  fdjön  gefleibetunbmit33lumen 
gefdnnücft  ift,  ober  er  ijt,  ^ie  $aulu$  fagt:  „ein  tonenbe$ 
@r$  unb  eineflingenbe  ©ereile,"  —  mit  (£inem  SBorte 
Stttc|>t$*  —  2Ser  feine  Ziehe  31t  ©Ott  in  ft$  füfjlt  unb  ftnbet, 
ber  taufet  ftc$  felbjt,  wenn  er  meint,  er  fyahe  ben  geregt*  unb 
feiig  *madjenbett  ©laubem  Senn  wo  ber  ©laube  ijt,  ba  mug 
(SprijhtS  im  £er$en  wohnen,  wo  aber  (Epxtftuö  iß,  ba  mug  bie 
Zieht  fepn;  benn  (£r  ijt  lauter  Zitht  unb  ©üte,  9ttan  fann  feine 
glüjjenbe  Äople  in  ber  £anb  tragen,  ojme  ftclj  au  brennen,  auejj 
fann  man  fein  Zifyt  auf  einen  Seudjter  fe£en,  o£ne  bag  eö  einen 
©djein  »on  ftd)  gibt ;  ebenfo  fann  man  (£fmftum  nic^t  im  ©lauben 
faffen  unb  bejtfcen,  oljne  baß  baö  £er$  baburd)  in  Siebe  ent* 
3ünbet  wirb*  —  Ser  bie  Zieht,  Sangmutjj  unb  ©üte  ©otteS 
genießt,  wer  bur$  ba$  S3lut3efu,  bag  au$  Siebe  »ergoffen 
tji,  unb  beßänbig  »on  ber  Zieht  bewegt  wirb,  gerecht  worben 
tjl,  wem  viele  ©ünben  »ergeben  jmb,  wer  ben  ©eift  ber  Zieht 
empfangen  pat,  wer  in  ber  ©emeinfdjaft  3efu  CtjmfK  leht,  wie 
follte  ber  feinen  ©ott  mdjt  lieben  ?  yiifytö  fommt  mir  unge*  I 
teimter  vor,  alä  wenn  icf>  mir  einen  bugfertigen  unb  glaubigen 
Gtyrijien  o£ne  Ziehe  benfen  fott*  Ziehe  erzeugt  Ziehe,  wie  ein 
geuer  ba$  anberc*  Darum  wirb  auc^in  ber  ©dprift  ber  ©laube 
unb  bie  Zieht  fo  oft  mit  einanber  in  SBerbinbung  gefegt  9lutt 


851 


aber,  fagtber2fyojtel,  bleibt  ©taube,  Hoffnung,  Ziehe, 
btefebrei,  ab  er  bi  e£iebeiftbie  groß  efte  Untertanen* 
Unb  abermatö:  „£alte  an  bem  SBorbilbe  ber  £eü* 
famen  Söorte,  bte  bu  son  mir  gehört  pajl,  *>om 
©tauben  unb  ber  Siebe  in  (S  jjrifto  3efu,"  —  2)anut 
wir  aber  nid)t  meinen,  att  ob  e$  in  ber  Sßittfujjr  be$  (Stiften 
liege,  ob  er  ©Ott  unb  3efum  lieben  wolle  ober  nidjt,  ober, 
ob  ijrnt  baran  nia)t  gar  ttiel  gelegen  fepn  bürfe,  fo  (äffet  un$ 
an  S>a$  ernße  ©ebot  unferetf  ©otteS  benlen:  „2)u  follffc 
lieben  ©ott,  deinen  £errn,  son  ganzem  ^er^en, 
t>on  ganaer  ©cete  unb  *>on  ganzem  ©emütpe," 
weta)e$  ber  ^)ei(anb  im  9ft  £efh  wieber&olt  unb  für  ba$ 
vornepmße  unb  größte  ©ebot  erflärt  fyat  —  9tterfwürbig  ift 
aud),  baß  unfer  (Möfer  nad)  ©einer  2luferjlejmng  ben  ge* 
fattenen,  aber  bugfertigen  $etru$  breimal  fragt,  ob  er  3£n 
lieb  Ijabe,  unb  i£m,  fo  oft  er  biefe  grage  heidfyte,  ben  Huftrag 
gibt,  baß  er  ©eine  Lämmer  reiben  fotte*  £>l)ne  3wetfel  woüte 
ber  £err  bamit  anbeuten,  baß  bie  bußfertigen  ©eelen,  welche 
burä)  ©otteä  ©nabe  son  iprem  gälte  lieber  aufgeftanben  jtnb, 
unb  Vergebung  ber  ©ünben  erlangt  £aben,  *>or  allen  anbern  »er* 
pffia)tet  fe^en,  3£u  Jjeqlid)  $u  lieben,  unb  baß  fte  jiebe  ©ünbe, 
womit  fte  ©Ott  sor^er  beteibigt  Ijaben,  gleia)fam  burä)  eine 
neue  Ziehe  gut  maä)en  folten,  unb  wie  x>ov  ijjrer  53e!eprung 
eine  ©ünbe  ber  anbern,  fo  folt  naä)i^rer53efeljrung  ein  Ziehete 
befenntniß  unb  eine  £iebe£übung  ber  anbern  folgen,  2)ie  Ziehe 
bürfe  atfo  nid;t  blo£  in  ©ebanfen  unb  20 orten  beftepen,  fonbern 
muffe  jtd)  in  allerlei  £iebe$werfen  beweifen,  jum  greife  ©otte$ 
unb  gum  £)ienfte  bc£  ;ttäa)ftem  Qefyath  befielt  ber  £err, 
baß  fctxnö  feine  Ziehe  burä)  fleißige^  Sputen  ©einer  ©d)aafe 
unb  Lämmer  geigen  fotle*— ^hut,  t'^r  (griffen,  prüfet  eua)  mit 
gleiß  unb  erwäget  e$  wo£t,  benfet,  aU  ob  euer  (Erlöfer  jtegt 
aua)  au  eud)  fprea)e:  meine  auSerwäljtte  ©eete,  £aj1  bu  $fta) 
lieb?  ©iepe,  3$  pabe  bid)  fo  ^er^ia)  geliebt,  baß  3a)  $tta) 
fetbfifürbia)  Eingegeben  fyahe;  3$  £abe  nidjt  ©ifber  ober©olb, 
fonbern^ein  S3tut  auf  biä)  gewenbet,  unb  begepre  nia)t$  bafür, 
aU  baß  bu  Steine  2öo£lt|>aten  frop  genießeji  unb  2ttta)  liebeft! 
$enfei  baran,  att  ob  ber  liebreiche  ©ott  fyeute  au  eu$  fpred)«: 

54  • 


852 


Stepe,  mein  $inb,  3$  pabe  bia;  erraffen,  erttaprt  unb  er* 
palten  beut  Menlang;  3$  pabe  gwge  25armfjer$igfeit  unb 
£angmutlj  anbir  erwiefen,  Jjabe  bta;  3u9flir  gebogen  au$  lauter 
©üte,  pa6e  bta)  bura)  S^etn  SGßortunb  SD^eine  ©nabe^ur  35uge 
gekaut,  Ijabe  btr  bte  ®aU  bes  ®lauben$  »erliefen  jmbe  bia) 
in  bte  ©emeinfa)aft  2tteüte£  Heben  6ofmeS  aufgenommen,  alle 
beute  Sünben  btr  vergeben  unb  bia)  für  einen  (£rben  ber  Selige 
fett  erfldrt  2lua)  pabe  3a;  bta)  wctprenb  beutet  ganzen  Gebens 
mit  fo  tuelen  Bojrttjwten  überhäuft,  bag  bu  felbft  belennen 
mugt,  bu  fonnefi  (lernet  aalten;  „fjaft  bu  Wlity  benn  au ä) 
lieb?  $annft  bu  in  9Saj>rf?eit  fagen>  bag  bu  2ftia)  von  ganzem 
£eqen,  »on  ganzer  (Seele  unb  au£  aflen  Gräften  liebeft  ?— £enf  et 
baran.,  toa$  iä)  oben  fa)on  fagte,  bag  ü)r  ^flan^en  fepb  in  ber 
5tebe  ®otte$  gewurzelt,  mit  bem  Volute  3efu  befeua)tet  unb  bura) 
ben  <5a)u$  be$  Spöfyftm  erhalten*  2)enfet  baran,  baß  ü)r  ba$ 
SSort  be£  £eben$  fo  oft  fjoret,  in  tr>ela)em  eua)  bte  SÖSopltjwten 
©otteS  reia)lia)  t>orgef!ettt  werben;  bag  t^r  baS  £iebe$ma£l 
be£  ^crrn  3efo  fo  oft  genieget  unb  fo  mana)e  23erjtd;erung 
©einer  ^tebe  in  eurem  £er$en  empfanget*  @ntfa)lteget  euä) 
enblia),  roaö  ifjr  eurem  @ott  unb  (£rlöfer  antworten  wollet 
(£r  fragt  ma)t  einmal,  fonbern  breimal  na^emanber:  £aji 
bu  5D^ic^  lieb  ?  —um  babura)  ausbeuten,  bag  e£  3N  »ollfommen 
(irnfl:  fep  unb  bag  eg3|wt  mit  wenigen  ^iebe^be^eugungen,  ober 
mit  einer  futä)iigen  2lnbaa)t,  welche  aufy  bte  £eu$ler  fyabtn 
fönnen,  nia)t  gebtent  fep.  (£r  will  eine  peilige  Sprung  beg 
£eraen$  um  bte  anbere,  ein  Sßefenntntg  be£  Sttunbeä  unb  ein 
SÖSerf  ber  ?tebe  naa)  bem  anbern  ijabem  2Öte  dv  ung  geliebt 
|>at  unb  noa)  liebt,  fo  will  (£r  aufy  geliebt  feprt,  •—  nemlia) 
son  £er$en,  treulia),  wirflia)  unb  ewig. 

3n  btefer  (Selbftprüfung  werben  freilia)  wenige  (griffen 
befielen*  £>enn  ber  groge  £aufe  gejjt  in  ©ia)er£eit  ba£in, 
rüfmtt  jta)  $war  feinet  ©laubenS,  aber  er  weig  $on  ber  ^t'ebe 
©otteS  nia)t$*  3$  f  enne  nur  SBenige,  M  benenia)  eine  jjeilige, 
innige,  £eraliä)e,  eifrige,  fepnfua)t^o(le,  ber  Sßelt  überbrügige, 
lautere  unb  ungefärbte  ©otteS4*iebe  gefunben  Jjätte.  3$  be* 
paupte  nia)t,  bag  e^  feine  fola)e  3Äenfa)en  gebe,  fonbern  nur, 
t>a^  ia)  Wenige  ber  5lrt  fenne|  ify  witnfa)e  »or  ©Ott,  bag 


853 


cmbettt  frommen  $el?rern  $?eprcre  Mannt  fe^n  mögen !  jDie 
tnetften  Steffen  ftnb  t>ol(  »on  2Öelt*unb  ©elb*£tebe,  unb 
weil  fie  irbtfo)  geftnnt  jinb,  fo  wtffen  fte  bie  2tebe  ©otteö  nia)t 
gu  fd;ci#en,  m'elwemger  biefelbe  bura)  ©egcnltebe  31t  erwiebem. 
(Sie  (äffen  fta)  an  bev  äugerltä)en  ®emeinfa)aft  mit  (Sfmfto  unb 
©einer  $ira)e  begnügen,  unb  eg  gefällt  ijmen  wolrt,  wenn  man 
tton  ©einem  teuren  SBerbienft  unb  x>on  ber  großen  £iefee  unb 
23armberatgfeit  ©otte£  predigt,  weil  fte  meinen,  eS  fep  eine 
gute  ©aa)e,  baß  man  einen  fo  liefernden  ©ott  pabe,  mit  bem 
man  am  (£nbe  be$  2eben$  leia)t  abjjaubeln  fönne»  ItebrtgenS 
finb  fte  faltfumig,  unb  l)oren  nia)t  auf,  ben  liebreichen  ©Ott, 
bura)  bcjfen  53arm|»eqigfeit  fte  feiig  au  werben  |>offen,  mit 
©ünben  au  beleibigen*  ©te  warnen,  ba3  ernfte  ©ebot  ©otte$, 
baß  wir  3fw  wn  ganzem  £eraen,  son  ganzer  ©eele  unb  t>on 
allen  Gräften  lieben  follen,  fonne  man  unmögliä)  befolgen,  barum 
bürfe  man  fia)  aua)  nid)t  ml  barum  befümmerm  ©ie  wollen 
*wn  ©Ott  geliebt  fe|n|  aber  fte  meinen,  e6  Ijabe  nta)t  ttiel  auf 
fia) ,  baß  fte  3|m  wieber  lieben  unb  bieg  bura)  t'jjre  Saaten  be* 
weifen  follen,  —  &$  tft  unter  Slnberem  aua)  barauS  erfta)tlia),  baß 
fta)  wenig  %kbt  gtt  ©Ott  unter  ben  heutigen  (^prtjlen  fmbet, 
weil  feiten  Semanb  über  ben  Mangel  biefer  %kbe  flagt*  9tur 
Wenige  ftnb  UxxnU  barüber,  ba$  ipr  £era  fo  faltftnnig  i%  unb 
bie  Söem'gjlen  galten  biefen  Mangel  für  eine  ©ünbe  wiber  ba$ 
erfte  ©ebot  (£benfo  tjt  faft  aller  (£tfer  um  hk  (££re  ©otteS 
erlofa)en.  fe  gibt  SSentge,  wela)e  bie  $kbe  Gtjmfii  treibt  unb 
brängt,  (&ute$  au  tlwn  unb  au  ftiften,  unb  bem  33öfen  au  fleueuu 
—  $?an  lagt  e£  in  ^eiligen  unb  göttlichen  fingen  meifieng 
gejjen,  tok  e$  wiü.  pTe  !0?etpen  würben  auf  bie  grage  grifft': 
£aftbuüttia)  liefe?  antworten:  ja  £  er  r,  Du  weißt,  t>a$ 
ia)  2)ia)  lieb  pafee*  ©pria)t  (£r  aber  weiter:  „SBeibe 
$ceine£ämmer,  nimm  biß)  ber  ©eelen,  bie  3a)  mit  deinem 
33lut  erlauft  "gäbt,  treu  unb  jjer$lia)  an,  feeförbere  3ttein  3?ei$, 
fcp  deinen  armen  trübem  unb  ©a)weftern  ein  Proper  unb 
greunb,  forge  für  bie  3ugenb,  bafj  fte  $rem  £auffeunb  gemäß 
gottfelig  ergogen  werbe,  jjafee  nia)t  lieb  Uc  Sßelt  unb  i£re  £üj*e, 
meibe  bie  ©ünbe  unb  j'ebe  ©elegenpett  baau,  fo  tyun  fte, 
M$  Porten  ober  wfiänben  fte  e$  nifyt  -~  äöenn  3efu^  ruft: 


854 


„kommet  £er  $u  Wlix  2llle,  bie  t^r  müjjfelig  unb 
fcelaben  f e 9b ,  3  a)  will  eua)  erquiden,"  fo  nehmen  fte 
biefe  ßrinlabung  mit  £>anf  an  unb  benfen  jta)  btefelbe  feiner 
3eit  au  9ht$en  31t  macfjem  Sßenn  aber  ber  £err  ptn^ufe^t: 
„Steintet  auf  eua)  SfteinSoa)  unb  lernet  von  2fltr," 
fo  fa)eint  e$,  aU  Jjätten  fte  feine  D^ren  $u  £ören  unb  feine 
£er$en  e$  $u  vernehmen»  —  Um  e3  fuq  $u  fagen :  ber  größte 
££eil  ber  heutigen  Gtimjtcnjjat  einen  ©lauben  opne  Siebe,  t>.  £♦ 
eine  ©onne  ofme  £ia)t,  dn  geuer  ojjne  28ärme,  einen  Sa)all 
ppne  ßraft  @ie gleia)en  einem  pflta)tvergeffenen  SSetbe,  wela)e$ 
in  Slbwefenjjeit  i^reS  2tfanne$fta)  allerlei  2lu3fa)weifungen  £in* 
Qibt,  wenn  berfelbe  aber  naa)  £aufe  fommt,  fta)  treu  ftelltunb 
ipm Siebe  £eua)elt  80  wirb  swar  mana)er  oute  9ttann  betrogen, 
»eil  er  tin  Sttenfa)  ift,  ber  nia)t  ins  £er$  fe£en  fann;  aber  wie 
wollen  bie  6a)eina)riften  befielen,  wenn  fte  vor  bem  ^eiligen 
©Ott,  ber  £er$en  unb  Vieren  prüft  unb  ans  £ia)t  bringen  wirb, 
was  im  Jinftern  verborgen  ift,  von  ifjrem  (£jmftentl)um  9^ea;en* 
fa)aft  geben  f ollen?  —  £)arum  warne  ify  eua)  in  biefer  voify* 
tigert  ©aa)e  ^er^lia),  bag  il?r  eua)  nia)t  felbft  betrüget  Sa)meia)elt 
eua;  nia)t  mit  falfa)er  (Einbilbung  unb  begnügt  eua;  nia)t  mit 
fcem  äußeren  <5a)ein,  iljr  wiffet  ja,  baß  i£r  einft  nia)t  naa) 
eurer  <£inbilbung,  aua)  niä)t  naa;  bem  ©a)ein,  fonbern  naa) 
©otteS  SBort  unb  naa)  ber  23efa)affenj?ett  eures  $er^enS  ge* 
rta)tet  werbet  —  SßoauJbaS  35ra£len  unb  9?ufen:  ia)  glaube, 
ia)  glaube,  baß  ©Ott  bie  SQSelt  geliebt  $at  u,  f*  w,,  wenn  tu 
ma)t  bura)  (Gegenliebe  beinen  ©lauben  beweifeft  ?  Söetgt  bu 
nia)t,  baß  bie  ©a)rtft  bie,  wela)e  (ia)  beS  ©laubens  rüpmen  unb 
tyn  boa)  nia)t  mit  ber  Xfyat  beweifen,  für  £cua)ler  unb  i£ren 
©lauben  otjne  SÖSerfe  für  tobt  erflärtljat?  2Bo$u  alfo  bte  fxap 
terei,  wo$u  ber  <5a)ein  unb  bie  <£inbilbung,  t>k  bu  von  bir 
£aft?  Siebe  ©Ott  unbSefum,  ber  bia)  geliebt  pat,  pernio),  eifrig 
unb  beftänbig ,  ober  jjöre  auf,  bia;  beS  ©laubend  $u  rü£mem 
„2)a$  Üteia)  ©otteS  befielet  nia)t  in  Sßorten,  fon* 
fcernin&raft" 

Slber  aua)  bie,  wela)e  ben  wahren  unb  lautern  ©lauben 
£aben,  follen  bei  biefer  Prüfung  genau  auf  fta)  felbft  fepen  unb 
bebenfen,  m$  fte  t£rem  £etlanb  antworten  wollen  auf  t>U 


_855_ 

grage  j  &a  $  t>  u  Wt i  #  I U W  ^  Q  taffet  un$  batnaa)  fircben, 
bagwtvmit  2lufria)ttgfeit  fagen  fönnen:  „£err,  3)u  wetgej* 
aüeDingc,  Duweigeft  aua),  bagtä)  Dia)  Heb  £abe." 
2lber  wir  wollen  un$  nia)t  au  siel  auftauen,  fonbern  mit  ^etruä 
unter  Streuten  fprea)en:  £err,  Du  fennjt  mein  £er$  beffer, 
al*  ia)  felbft,  ta)  wetg  e$  titelt  anber$,  als  bag  ta)  2)ttJ  pernio) 
liebe,  ta)  s^eifle  aber  nia)t,  bag  Du  noa)  große  gepler  unb 
<5tt)waa)fjeiten  in  meiner  ^ie^e  fmbeji,  £üf  mir  biefelben  ab* 
legem  3$  liebe,  £err,  Jrilf  Du  meiner  fa)waa)en  ^tebe  auf l 
3a)  geftepe,  bag  noä)  ttiel  (£igen*  unb  Seitliebe  bamittter* 
bunben  tfr,  unb  fepe  wolrt,  bag  meine  Siebe  ma)t  fo  lauter  tjl, 
al$  fte  fepn  fottie*  3#  öc^e  au$/  *#  menie  Ör^tc  ttnt>  &ffe 
Siebe  gegen  Deine  unm;tletä)lia)e  Siebe  für  9lta)tä  au  aa)ten  tjt 
©neö  aber  i(!  mein  £ro  ,  —  bag  Du  mit  Siebe  unb  in  Knaben 
$on  meiner  Siebe  urt;     jt,  mit  bem  guten  Stilen  unb  bem 
Verlangen  Dia)  au  liebtn  aufrieben  bijt»  —  Senn  ta)  alfo  ant* 
worte:  Du  weigt  £err,  ber  Du  alle  Dinge  weigeft,  bag  ta) 
Dia)  lieb  f>abe,  fo  fage  ta)  e$  mit  gura)t  unb  £J?ränen,  weit 
ta)  wetg,  bag  m&ine  Siebe  fe£r  fa)waa)  unb  unioollfcmmen,  unb 
gegen  D  eine  Stebe  für  yii$t$  au  palten  tfL  Senn  ia)  aber  fage: 
£err,  Du  Neigt  alle  Dinge,  Du  weigt,  bag  ta)  Dia)  gerne 
lieben  wollte,  Du  weigt,  bag  e$  mein  täglia)er  Sunfa)  unb  mein 
®tbtt  tjl,  tn  Deiner  Gfrfemttmf?  unb  in  Deiner  Siebe  au  wao)fen, 
^u  weigt,  bag  ta)  mta)  in  ber  $un|t,  Dia)  beralia),  lauter, 
brünjttg  unb  ewig  a«  Heben,  tdglio)  ü6e  jcv  fo  fage  ta)  e$  mit 
greubtgfeit.  Denn  Du,  £err,  weigt,  bag  e$  Sa£r£eit  tfh  — 
2la),  £err  3efu!  erfefce  allen  Mangel  naa)  bem  9teta)tpum 
Deiner  ©üte!  3a)  befenne  oor  aller  Seit  unb  beaeuge  wx  allen 
Engeln  unb  2flenfa)en,  bagia)fa)ulbigbüt,  Dia)  fammt  Deinem 
23ater  unb  bem  ^eiligen  @etß  ewig  au  liebem  3a)  fcefenne,  ba£ 
Dir  mein  £era  augefwrt  unb  bag  e$  ^)än  treuer  erfaufteS  (£i* 
gentyum  tjt,  tä)  £abe  aua)  bura)  Deine  ©nabe  ben  ernßlia)en 
$orfa$,  2llle$,  wa$  ta)  bin,  fyahe  unb  vermag,  au  Deinem  £ei* 
ligen  Diente,  in  einfältiger,  lauterer  Siebe,  willig  unb  fröplia) 
pinaugeben,  (g$  tjl  mir  ana)  £eralia)  leib,  bag  meine  Siebe  noä) 
fo  fa)waa)  unb  um?ollfommen  tjl,  unb  ta)  will,  fo  lange  ta) 
lebe,  nia)t  naa)laffen,  mta)  tn  Deiner  ^kU  au  üben  unb  Di$ 


856 


gu  fctitett,  bag  £)u  ftetmmerbar  tn  mfr  erhalten  unb  sermejh'en 
wollefl  Wirft  fann  tc^  nia;t,  ttte^r  j>abe  ia>  nia)t,  o  3efu,  »er? 
fa)mä£e  mein  armes  £er$  nia)t  mir  feiner  Siebe,  ©>u  *>oüfom* 
mene  unb  ewige  ^iek!  £)  eine  Siebe  glimmt  in  meinem  £er$en, 
fadje  jte  $ur  fetten  glamme  an»  Sag  t)aö  f>etltgeunb£immlifa)e 
geuer  allenthalben  aus  meinem  ^eqen  auflägen,  lag  e£ 
mein  ^eben,  meine  Gräfte,  unb  lullet,  \va$  fleifa)lia)  unb  trbifa) 
an  mir  ijt,  $er$e£ren,  lag  alte  fünblia)e  Süfte  in  meinem  gleifa)e 
ausbrennen,  bag  fte  Hö  $ur  Sursel  serborren !  23lafe.Du  in 
ba$  l?  eilige  geuer  mit  bem£>bem£)  eines  ©eipe^,  bag  e$  immer 
3une$>me,  lag  mein  £er$  einen  Slliar  fetm,  auf  wela)em  ba$ 
geuer  deiner  £iefce  nimmer  x>erlöfa)e+  Sag  mir  alle  SBeltliebe 
bitter  werben,  bamitmir  Steine  Siebe  allein  füg  fe^  — *£>  liebfter 
£err  3efu,  bura)bringe  mein  £eq  je  meljr  unb  mepr  mit  ben 
Pfeilen  Seiner  Siebe,  unb  fenfe£ia}  in  bie£iefe  meiner  ©eele! 
2)rü(fe  mein  £er$  an  2>ein  £er$,  bag  eS  ent^ünbet  werbe,  gib 
mir  eine  reine,  lautere,  eifrige  unb  brünftige  Siebe! 

O  3cfu  (E$rifi,  Sttein  fünftes  £ic$t,  ©er  ©u  in  ©einet 
€5eelen  ©o  fefjr  nun)  liebft,  ©afj  i#  e$  nt#i  2lu3ft>re<$en 
fann  no#  jaulen,  ©ib,  baf  mein  f)erg  ©t#  ttaeberum  Wlit 
Steten  unb  Verlangen  .  Stfög'  umfangen  Unb  att  ©ein  <£tgen- 
t&um       Slut  einzig  an  ©tr  fangen» 

@ib,  ba$  fonfl  m4>t$  in  meiner  @eeP  TO  ©eine  Siebe 
»o$ne,  ©ib,  bafü  i§  3)etne  Sieb  ewä&l'  2tte  meinen  <§#a$ 
unb  Ärone,  @tof  Stiles  au$,  nimm  Sllleö  IHn,  2Ba3  min)  unb 
©i#  tbttt  trennen,  Unb  nu$t  gönnen,  ©a#  mein  £er$,  9ftut$u«b 
<3tnn       3n  ©einer  Siebe  brennen. 

IL  SGßeib  aber  $?ana)e  ki  biefer  25etraa)tung  benfen 
motten:  &  ifl:  £ö#  billig  unb  ?>ffia)t,  ^g  wir  unfern  ©Ott 
son  ganzem  fersen  lieben,  aber  wie  gelangen  wir  311  biefer 
£iefce,  unb  wela)es  ftnb  t>k  Mittel,  unf er  taltjtnnigeS  .fteryur 
eifrigen  Siebe  ©otteS  $u  ermuntern,  fo  wollen  wff  einige 
Mittel  t>orfa)lagen,  wie  wir  ba$u  gelangenunb 
fcar in  immer  me£r  $une£men  mögen* 

D&aSerfte  Mittel,  ba$u  $u  gelangen,  tjt  bie  per 3* 
Ji<#e  53 egierbe  unb  baS  fe£nlia)e  Verlangen,  ©ott 
,$u  liebem  ©leia)wie  ein  ^nabe  babura)  ben  erjten  ©runb 


857 


tn  ber  (Meprfamfeit  legt,  tag  er  ctwtö  lernen  will  unb  Suji 
unb  Stete  $u  ben  Sägern  $at,  fo  iß  bte  erjte  ©iufe  unb  ber 
Anfang  in  ber  göttlia)en  Stebc  batf  Verlangen,  ©ot&inntg  jtt' 
liefen  unb  über  bie  ^aliftnmgfeit  feinet  £>er$en3  betrübt  ju; 
fepn.    2)iefe  SBegierbe  ift  ein  3e^en  bes  ©laubenä  unb  ber 
lebenbigen  (£rfenntnig  ©otteS;  benn  leine  ©eele  begehrt,  @ott 
gu  lieben,  wenn  jte  nia)t  florier  ©eine  Zirtt  erfannt  unb  3£n 
allein  aller  Siebe  würbig  gefunbenljat  —  ©äff  bu  nun,  o  GtyrijV 
ein  folc^e^  Verlangen,  @ott  gu  Heben,  jjäfij!  bu  bia)  für  tter* 
pflia)tet,  3£n  über  2Ille3  ^u  lieben,  unb  beflagjt  bu  ben  iMtfum 
uno  bie  Zvä$tit  bdne£  £er$en$,  fo  banfe  bem  £>erm,  bag  (£r 
bein  £er$  bereite  mit  (Seiner  %kfo  ent^ünbet  $at.    2Bo  ein 
dtaufy  ift,  ba  mug  geuer  fepn,  unb  wo  ein  fola)e$  Verlangen 
ijt,  ba  mug  Siebe  fepn*    Unfer  £eq  gleicht  einem  grünen 
£ol$,  ba3  gwar  brennt,  aber  2lnfang3  me^r  9toa)  aU  glam* 
men  von  fta)  gibt";  boa)  gibt  biefeS  £c($  gewöfjnltä)  t>k  meijte 
£ige,  wenn  ba£  geuer  gulefct  bie  £>berljanb  befommt*  — 
3u  näherer  GErflärung  mag  folgenbeS  33eifpiel  bienen»    din 
armeg  9ttäba)en  wirb  son  einem  reichen  unb  angefeljenen  tarnte 
j>er$lia)  geliebt  unb  gur  grau  begehrt  £)bgleia)  biefer  an  unb 
für  fta)  liebensäwürbig  ifi,  unb  man  bem  9ttäba)en  allgemein 
ratpet,  biefe  urtoerbiente  %itU  nia)t  au£sufa)lagen,  fonbern  jte 
banlbar  gu  erwiebern,  fo  fann  baffelbe  jta)  boa)  nia)t  gleta) 
barein  ftnben  unb  fein  £>er$  bem  ergeben,  ber  e$  treu  unb  ret* 
lia)  meint,  weil  es  fta)  in  feiger  Unerfahrenst  son  einem  an* 
bem  :ptaf>lerifa)en  $ttenfa)en  betrügen  lieg»   3ule§t  aber,  wenn 
tit  Altern  unb  greunbe,  mt  ber  Bewerber  felbjt,  nia)t  naa> 
laffen,  in  bag  2ttäba)en  au  bringen,  lagt  jte  fta)  eineä  S3effern 
belehren  unb  gejkjjt,  bageg  einegroge££or|?eitfev,  einefolape 
fa)ä£bare  $itU  nia)t  gehörig  tuerwteberm  ©iebefennt,  bagi£r 
biefer  Bewerber  lieb  unb  wzxtf  fe#,  i£r  £er$  aber  £abe  guerp  ma)t 
barein  willigen  wotten,  weil  jener  betrügerifa)e  Nebenbuhler 
e$  gan$  für  fta)  eingenommen  £abe,    <Sie  beflagt  ifjren  3rr* 
iSwm,  UttH  um  SBeben^eit,  um  gu  ©ott  ju  beten  unb  fta)  söl* 
Kg  entfa)ltegen  $u  tonnen.    (£nbli$  gibt  jte  ipre  $icU  $u  er* 
fennen,  ^ält  jtd)  aber  nia)t  für  wertp,  son  einem  folo)en  Spanne 
geliebt  Jö  werben,  unb  ^ürnt  mit  fta)  felbp,  weil  i^r  ^er^  fta> 


858 


bisweilen  no$  wiberfpenfu'g  unb  unbanfbar  seigt,  —  £>arauS 
erijellt,  baß  baS  S^äbc^en  ben  Sttann,  ber  es  liebt,  bereite  auc^ 
wieber  liebe,  unb  ijmt  tpre  völlige  3uneigung  balb  mit  ber  £fjat 
bewetfen  werbe*  —  Grbenfo  setfwlt  eS  fta)  mit  bem  ©ußferti* 
3*n*  ©ein  oerberbteS  ^er^,  baS  fein  eigenes  23ejtes  ntc^t  oer* 
$  $*<i  seigt  fta)  3  war  gegen  Scfum  unb  ©eine  unauSfyrecpdje 
$kbz  wiberfpenjiig,  unb  iß  bisweilen  no$  lüßern  na$  ber  <IU 
ielfett  ber  2Belt,  weil  er  biefen  3ujtonb  aber  mit  Streuten  be* 
flagt,  unb  eS  für  feine  ?5fli$t  Jjält,  feinen  drlöfer  über  HlleS 
gu  lieben,  au$  um  grfft  Wut,  biefe  $kh  redjt  $u  beweifen  unb 
bie  trügerifcf)e  Cte6e  ber  Sßelt  lernten  $u  lernen,  fo  barf  man 
annehmen,  ba§  er  bem£errn  bereite  gan$  ergeben  fep*  dt 
wirb  eS  $war  felbft  ni$t  glauben,  aber  bie  £tebe,  welche  immer 
meint,  fte  liebe  ni$t  genug,  tjl  bie  £eftigfte  unb  bejk*  —  2>ar* 
um,  tf)r  @ljriflen,  wenn  tl?r  einen  folgen  $am£f,  unb  ein  fol* 
djeS  Verlangen  naä;  bem  £eilanb  in  euä)  wabrnefjmet,  fo  be* 
nü§et  eS  als  an  £  eiliges  Mittel,  in  ber  gottli<$en  %kht  §u 
warfen*  £>iefe  i^iebe  ijt  gleidjfam  eine  geiftlidje  £runfenjjeit, 
gu  welker  man  burdjj  eine  öftere  33etra$tung  ber  ©üte  ©ot* 
teS  gelangt  Wlan  muß  aber  babei  £auptfci$li$  barauf  fejen, 
baß  baß  £er$  <>£«e  8Wf$  \ty,  unb  an  ernftli^eS  Verlangen 
^aU,  ©ott  $u  lieben  unb  Stiles  in  entfernen,  was  biefeS  SBor* 
^aben  Jrinbern  fann.  —  ©lei^wie  jenes  9ftäb$en,  nafy  bem 
obigen  ©leidjnig,  ben  anbern  £iebj?aber  gan$  aufgeben,  unb 
allen  Umgang  mit  ifmtmeiben  muf,  fomuf?au$berGtyrijl,  bem 
eS  ein  <^rnft  ijt,  ©Ott  unb  feinen €rlöfer  x>on  ganzem  £er$en 
gu  lieben,  ber  Sßelttiebe  entfagen',  jt$  felbjl  »erläugnen  unb 
einzig  unb  allein  bem  £erm  anhängen*  2)er2öeltgreunb* 
fdjaft  ig  ©otteS  geinbf^aft,  unb  wer  ber  SOBelt 
greunbfepn  will,  ber  wirb  ©otteS  getnbfepn,  fagt 
3afobuS;  unb  3oj?anneS :  „£abtnicbt  lieb  bteäSeU, 
no$  was  in  ber  Söelt  i%  @o  Semartb  bie  Söelt 
liebhat,  inbemiftnic^tbieSiebebeS  Katers»"  ©o 
wenig  wir  mit  einem  Sluge  ben  Fimmel  unb  mit  bem  anbern  bie 
GErbeanfejjen  tonnen,  ebenfo  wenig  fönnenwirunfer£eq$ugleicj> 
auf  bie  2Selt  unb  auf  ©Ott  ria)tem  2ttag  ein  9Mer  anfy  no# 
fo  getieft  fepn,  fo  wirb  er  boa)  nid^tau  gleicher  3«*  feine  2luf* 


859 


merffamfeit  auf  feine  Arbeit  unb  auf  eine  Sftujtf  ria)ten  fönnen- 
£)enn  wäprenb  ber  ©etft  mit  bem  (£tnen  befc^äfttgt  ifi,  fann 
er  fta)  niept  aua)  bem  Unten  wtfcmen.  Grbenfo  fann  ber  9ttenfa> 
ni$t©ott  bienen  unb  bem  Mammon;  beim  wer  fta)  ber  (£itel* 
feit  ber  SGBeÜ  pingibt,  beffen  $eq  wirb  irre  geführt  —  2öer 
alfo  ©Ott  aufrichtig  lieben  will,  ber  muß  ber  Seit  unb  ber 
(Eigenliebe  cntfaam  ©Ott  butbet  feinen  Nebenbuhler/ (£r  Witt 
$>a$  £>er$  allein.  (Eine  ©eele  aber,  bie  3jm  rea)t  erfannt  pai, 
finbet  ein  fo  *>o#fommene3  Vergnügen  an  3SW/  t>ag  fie  »Ott 

ber  Sßelt  nia)t$  23effere3  erwarten  barf. (Epe  wir  aber 

weiter  gelten,  wollen  wir  einige  3weifel  gu  befeitigen  fua)em 
9flana)er  nemlta)  mochte  Ui  ftcJj  benfen :  tt>k  iß  e$  möglich 
baß  ia)  in  ber  2Belt  leben,  unb  boa)  nichts  al$  ©Ott  lieben  foll ; 
tet)  muß  meinen  SJttann,  mein  Söei^,  meine  $inber,  meine  ©e* 
fa)wifkr,  meinen  9cäa)jten  u*  f.  w.  lieben?  —  Mein,  wir  ser* 
fiepen  unter  ber  2Seltliebe  bloS  bie  unorbentltcfje,  fletfa)li$e, 
fünbliaje  £tebe  ber  2Belt,  bk  Söolluft,  $raa)i  unb  Ueppigfeit 
berfelben  —  alle  vergängliche  £)inge,  an  wela)e  ftep  baS  menfa)* 
litt)e  £er$  fo  leicht  pängt,  unb  bie  fleifa)lid)  geftnnten  2)?en* 
fa)en,  welche  un£  päuftg  &n  *>er  ^'e&e  I»  ©ott  fjinberm  —  £)ie 
^Cte6e  ber  Regatten,  ber  Altern  unb  $inber,  ift  ber  göttlichen 
£tebenia)t  nur  nia)t  jjtnberlicp,  fonbem  fogar  förberlia);  benn 
man  fann  in  berfelben  bie  Zieht  $u  ©Ott  ausüben  unb  beutlia) 
jeigen»  2öenn  (Regatten  einanber  um  ü)rer  guten  (Eigenfa)af* 
ten  willen  b erlief)  lieben  unb  fia;  al$  ©ejmlfen  in  biefem  mü£* 
feiigen  &Un  betrachten,  i>k  ©Ott  aufammengefüpr!  fyat,  fo  lie* 
Un  fie  ebenbamit  ^m  £errn,  ber  bieg  2lileS  fo  fügte.  SBenn 
eine  Butter  ü)r  $inb  nia)t  bloS  barum  liebt,  weil  fte  baffelbe 
unter  bem  £er$en  getragen  $at,  fonbem  aua)  belegen,  weil 
fie  mi%,  baß  t$  ein  oon  ©Ott  ü)r  anvertrautet  ©ut  unb  ein  @tgen* 
ipum  3efu  (grifft  ift,  ba$  <£r  e$@ia)  mit  Seinem  23lute  erlauft 
patic*,  wenn  jte  jta)  befleißt,  baffelbe  wopl  in  2ld)t  au  nehmen, 
bannt  fie  e$  bem  £>errn  an  jenem  großen  £age  mit  greuben 
wieber  geben  fonne,  fo  fann  man  mit  dltfyt  behaupten,  ba$  jte  auf 
fola)e  Söeife  aua)  ©Ott  IkU.  2)ie  %kU  $u  ben  Unfrigen  fann 
mit  ber  ZkU  ©otteS  fo  gut  befiepen,  aU  \^k  £tebe  einer  grau 
gu  ü)ren  Äinbern  ober  ©efa) widern,  mit  ber  %kU  au  iprem 


860 


Spanne;  bcnn  i$>re  Siebe  $u  biefem  tjl  jlärfer  unb  groger*  — 
Stefeg  a^Ö*  ft$  «m  beutltctyfien,  wenn  man  (^elcgenpeit  pat, 
bte  $raft  ber  Siebe  ausüben*  SBemt  auc$  eine  Butter  ijjr 
$inb  no$  fo  gerne  fyat,  baffelbe  Ijerat  unb  fügt  unb  mit  tf>ren 
5lugen  überallhin  begleitet,  fowirbjte  bod),  tt)enn  t£r  ©atte  er* 
franft,  balb  bieg  2llle$  bei  (Seite  fe£en  unb  für  tiefen  £ag  unb 
iftacbt  mit  unermübeter  Siebe  (Borge  tragen*  —  @benfo  iß  e$ 
aud)  mit  ber  göttlichen  Ziehe;  ber  ©laubige  liebt  awar  (Einiges 
tu  ber  Seit,  aber  Me£  in  ©Ott,  mit  ©Ott  unb  naa)  ©Ott,  @$ 
fann  fepn,  bag  e$  fd)eütt,  atö  ob  er  einlinb,  einen  ©atten  ober 
greunb  gar  au  eifrig  liebe;  fo  balb  ftclj  aber  eine  ©elegenpeifc 
geigt,  feine  Ziehe  au  ©Ott  $u  bewetfen,  ;fo  wirb  er  ft$  bereit 
wittig  jtnben  Haffen,  febe  anbere  Siebe  hei  (Bäte  %\x  fe#en»  (£$  iji 
gerabe  wie  mit  bem  geuer,  ba$  fid)  im  £ola  unb  in  ben  $o£* 
lenerpält,  bie  aufber(£rbe  bleiben;  bie  glamme  aber  jieigt  aum 
Fimmel  empor*  ©o  fann  3*  SB*  ber  ©laubige  ft$  an  einer 
33lume  feljr  ergoßen  unb  iljre  (54>dnp eit  bewunbern,  aber  fein 
£era  ift  fietS  auf  ben  <5$6>fer  gerietet,  unb  freut  ft$  £aupt* 
fäa)lidj  über  beffen  $Sei0$>eit,  2ltlma$t  unb  ©üte,  bie  jt$  an 
ber33lume  geigt*  -— 2luc$  bie  weltltcfen'©ef$äfte,  welche  einem 
Sebennad)  feinem  Berufe  aufommen,  jtnb  ber  Siebe  ©otteS  nidjt 
Innberlid),  fonbern  fönnen  ein  Mittel  fepn,  biefe  Ziehe  auSau* 
üben  unb  an  ben  £ag  a«  legen*  Senn  xoie  bie  vielen  pdu^Xt^ 
$en©efd?äfte  eine  5raunicf)t  abgalten  fönnen,  i£ren9ttanntreu 
unb  ^er^  au  lieben,  fonbern  i!)r  $eranlaffung  geben ,  tljre 
3uneigung  gegen  tyn  babur$  reä)t  au  aeigen,  bag  fte  il?m  in 
allen  Singen  gefällig  au  fepn  fudjt,  fo  fann  unb  barf  unS  unfer 
23erttf  von  ber  Siebe  a«  $<>**  ni$t  abgalten,  vielmehr  Ijaben 
wir  baburdj  ©elegenf?eit,  biefelbe  gehörig  au  beweifen,  unb  ber 
@i?rifl  mug  2ltle3,  wag  er  tfjut,  in  ber  2lbftcJjt  t£un,  feinem  gu* 
ten  ©Ott  unb  £errn  au  bienen  unb  3Jw  woplaugefallen* 

2)  Sae  aweite  Mittel,  wel$e$  um?  au*  Siebe  ©otteS  be* 
pülflidj  fe^ttfann,  ift,  bag  ber  (£fmfi  bie  33  ü$ er  ber  Siebe 
beftdnbig  vor  klugen  fjabe*  —  Sie  SBelt  £at  siele  23ücl)er  ber 
Siebe,  alte  unb  neue/  von  benen  aber  manche  bem  vergifteten 
3ucfer  gleiten,  woburc^  bie  aarten^eraen  ber  3ugenb  verberbt 
werben»  ©ott  Jat  e$  ben  ©einigen  hieran  nic^t  fehlen  (äffen, 


861 


@r  pat  ^voge  unb  f  leine  23üeper,  bie  alle  von  ber  Siebe  panbeut, 
2Benn  wir  fie  nur  lefen  wollten,  fo  würben  wir  jtnbn,  bag 
alle  23ucpftaben  tn  benfelben  gletcpfam  mit  geltet  unb  glammen 
gefeprieben  fmb,  woburcp  unfere  £eqen  mit  pimmlifeper  Sie^e 
ent$ünbet  werben  fönnem 

a)  £>a$  erfle  23ucp  ber  Zieht  ©otte$  tfi  bie  petlige 
©eprift,  3pr  furger  3n^att  ijt:  „Stefce  ©Ott;  benn@r 
pat  btep  $uerft  getieft"  33alb  locft  fte  freunbltcp  unb 
tröffet,  balb  verfprtcpt  fte  Meß,  m$  ©Ott  Cieto  unb  ©uteS 
vermag,  balb  bropt,  fc^reef t  unb  eifert  fte,  balb  flagt  unb  trauert 
fte,  nn'e  bie  Stebenben  p  tpun  pflegen,  Sie  Jett*  «Schrift  fann 
einem  mit  Qrbeljkinen  befe£ten  ©olbrapmen  verglichen  wer* 
ben,  in  welken  baS  33ilb  eines  großen  #errn  gefaßt  ijt  unb  ba§ 
berftnige,  bem  e$  gefepenft  wirb,  billig  aufbeut  .£>er$en  trägt  6ie 
entpält  in  vielen  taufenb  tenfpritepen  baö  eble  23ilb  be$  @ee* 
len*33räutigamg  3efu  Ctpriftt,  baper  fte  allen  glaubigen  Seelen 
treuer  unb  wertp  fepn  muß*  3a,  jeber  ßernfpruep  gleicht  im* 
merglüpenben  Kopien  von  bem  2lltare  ©otte$,  um  unfere  £er* 
gen  bannt  $u  umgeben,  $u  peiligen  unb  in  göttlicher  Siebe  $u 
ent$ünbem  —  $erlangfi  bu  nun  in  ber  £tebe  (&ottt$  $u  waep* 
fen,  unb  beut  faltet  £er$  immer  mepr  anzufeuern,  fo  nimm 
biefeä  33ucp  £ag  unb  9?acpt  vor  biep,  unb  lies  e$  fleißig,  £ie$ 
e$  aber  niept  obenpitt,  fonbern  in  ber  2lbftcpt,  Ut  Qkbt  unb 
©üte  ©otte$  barauS  fennen  unb  3^m  von  £er$en  vertrauen  $u 
lernen*  $?an  muß  jtep  bie  £auptfprüä)ebefanntmacpen  unb  bie* 
felben  tägltcp  gleicpfam  tvie  ptmmlifcpe  Kopien  um  fein  £er$  legen, 
bamit  baffelbe  immer  in  flammen  fiepe ,  unb  jta;  ber  gött* 
Itcpen  Siebe  niept  enthalten  fönne*— 2)iefe  ©prücpe  fmb :  „$  a  n  n 
auep  ein  %&tib  tpre$  $inblein$  vergeffenjc,  SQ3t c 
fiep  ein  23ater  über  feine  Äinber  erbarmt:c*  3cp 
pabe  bi cp  je  unb  je  geliebet,  barumpabe3cp  bi cp  ju 
SSttir  gebogen  au$  lauter©üte,  3fl  niept  (£ppratm 
meintpeurcrSopn  unb  mein  tvauttö  $inb?  9ttettt 
^er^brieptmir  gegen  ipn,  baß3cp5^iepfein  erbar* 
men  muß/'  gerner:  „2ilfo  pat  ©ott  bie  2Selt  geliebt, 
baß  ^r  ©einen  eingebornen  ©opn  bapingabic* 
£>er  6opn  ©otteS  pat  miep  geliebt,  unb  <5icp  felbft 


862 


für  nu$  gegeben.  ®a$  tftje  gewiglia;  wa^runbein 
iljeuer  weriljeg  Bort,  fcag  3efuö  ££riftu$  in  bie 
Söelt  gefommen  ift,  bte  ©ünber  feltg  $u  madjen 
u.  a.  nu"  £>iefe  unb  cü?nltd;e  ©prüdje  ftnb  gleia)fam  baö  $0(5, 
womit  man  baö  geuer  ber  göttlichen  iHek  auf  bem  Elitär  be$ 
£er$en$  brennenb  erhalten  muß*  —  -ftiemanb  fann  @ott  unb 
3efum  lieben,  wenn  er  nid;t  ^ugleia;  ©ein  2öort  liebt,  unb  fta) 
fcefirebt,  e$  täglia;  lieber  $u  gewinnen.  2)amit  will  ta)  aber 
ntcft  fagen,  bafj  ber  ©laubige  feine  anbere  $riftlia)e  33üd)er 
lefen  bürfe;  er  fett  nur,  wie  oben  angegeben  würbe,  einen  Un* 
terfa)ieb  maa)en  $wifa)en  bem,  wa$  er  Iteöt,  unb  £auptfäa;lid> 
fola)e  33üa)er  wägten,  weldje  bie  Siebe  ©otteS  in  dljrifto  3efu 
am  bejlen  barjtellen  unb  unfere  £er$en  pr  (Gegenliebe  ent^ün* 
bem  3öa$  au$  bem  ©eifte  ber  Söelt  fliegt,  ba£  tan^t  nia)t  für 
eine  nadt)  ber  Siebe  ©otteS  begierige  ©eele* 

b)  £)a$  zweite  23ua)  ber  Siebe,  in  weitem  ber  @ljrijt 
fleißig  lefen  foli,  ift  3efu^  ber  ©efreu$tgte*  3m  £immel  unb 
auf  @rben  ift  nia)t$,  wa$  me^r  Zieht  in  fta)  begreift,  al$  bie* 
fe$,  unb  nia)t$,  ba$  fräftiger  ift,  bag  £er$  in  Siebe  3U  ent$ün* 
bem  —  3)?iä;  bünft,  wenn  mir  3emanb  ba£  S3ilb  meinet  &x* 
Idferö  geigen  würbe,  wie  (£r  entweber  in  ber  Grippe  Stiegt,  ober 
am  Delberge  fniet,  ober  toit  (£r  am  $reu$e  £ängt,  ober  von 
bemfelben  abgenommen  unb  gu  ©rabe  getragen  wirb,  unb  er 
föte  noa;  f>in$u:  „Sllfo  $at  ©Ott  bie  2öelt  geliebt" 
über :  „@  i  a)  f  ür  m  i  d?  g  e g  e b  en,"  fo  müfjte mein £ers  gerührt 
Werben,  bie  Streuten  würben  mir  in  bie  Slugen  fommen, 
unb  ta)  glaube,  ia)  würbe  hti  biefem  5lnblicf  ma)t$  anberö,  als 
feuften  fönnen:  „3efu$,  meine  Zieht  ift  gefreujigt; 
3efu,  £>u  mein,  ia)  2)ein;  3efu,  meine  Zieht,  gib 
mtr,bafnd>2)ta)  liebe/'  —  £reffcnb  fyat  ein  ©ele^rter  ben 
SBerg  @olgat£a,  auf  bem  3efc$  gefreu^igt  würbe,  bie  £opc 
©c^ule  ber  Siebe  genannt;  ©ein^reug  ijUerSeJjrfht^l,  von 
bem  au$  un$  bie  Siebe  geprebigt  wirb*  SltfcS,  wa$  ber  £err  bort 
rebet,  fyut  unb  leibet,  geugt  von  ©einer  großen  Siebe  unb  er* 
muntert  uns  gur  (Gegenliebe«  —  2)arum,  0  dbrijt,  wenn  bu 
ttin  £er$  von  ber  Siebe  ©otteS  ent^ünben  laffen  wittji,  fo  ftnbe 
bi$  oft  in  biefer  6a)ule  ein,  trinfe  gleia)fam  au$  ben  Sunben 


863 


3efu,  lege  beut  £er$  öfters  unter  ©ein  $reu$,  tag  ©ein  ©lut  über 
baffelbe  herabfliegt,  fo  wirb  eS  btr  an  £iebentct)t  fehlen  fönnen.  — 
c)  £)aS  brttte  23uä)  ber  fr'ebe  tjl  baS  eigene  ©ewif* 
fen  beS  ausfertigen ,  welkes  ipm  bie  ©ünben  feinet  ganzen 
£eben$  vor  2Iugen  ftetlt,  angteid)  aber  ana;  Ue  große  £angmutp 
unb  33armper$igfeit  ©otteS ,  bura)  welche  er  $ur  ©tnneeänbe* 
rung  gebracht  worben  ift  unb  ©nabe  erlangt  bat»  üBenn  er  bie* 
feS  33ua)  bürdetest,  fo  wirb  er  geftepen  muffen,  baß  er  ^war 
manage  ©ünbe  begangen  unb  managen  <5d)xiü  auf  beut  breiten 
SSege  getpan,  baß  aber  auct)  ber  gnäbige  unb  liebreiche 
©Ott  t^m  viele  ©ünben  vergeben  unb  t^n  mit  SSatertreue  auf 
ben  fcpmalen  2Beg,  ber  pm  Fimmel  füprt,  ^urücfgefüprtpabe.— 
©oute  nun  biefer  barmherzige  ©Ott  unfere  Ziehe  nicpt  im  pöa> 
pen  ©rabe  verbienen?  gürwapr  bie  Erinnerung  an  bie  Sftenge 
von  ©ünben,  t>ie  uns  fa)on  vergeben  worben  finb,  enthält 
33rennfioff  genug,  um  baS  geuer  ber  Ziehe  in  unferem  £eqen 
$u  unterhalten  unb  $u  vergrößern»  —  Senn  ^auluS  fagt:  bie 
Ziehe  ©otteS  brängt  uns  alfo,  fo  pat  er  opne  3wetfel 
nicpt  bloS  bie  allgemeine  Ziehe  beS  £errn,  ber  um  unfertwillen 
am  $reu$e  ffarb,  fonbern  aua)  hie  befonbere  im  Sluge,  vermöge 
welcper  Er  ben  2lpof*el  mitten  auf  feinem  ©ünbenwege  aufge* 
palten  pat  Ebenf  o  verfiept  JopanneS  in  unferem  Zexte :  „Z  a  f* 
f et  uns  3p n  lieben,  benn Er  pat  uns  $u er fi  geliebt" 
—  bie  ganje  Zieht  ©otteS,  wie  fte  ftd)  in  allen  ©einen  2öopl* 
tpaten,  in  ©einer  ©nabe,  £angmutp  unb  23armper$igfett,  in 
ber  ©enbung  ©eines  ©opneS,  in  ber  Vergebung  ber  ©ünben, 
Rechtfertigung,  Heiligung  unb  Erneurung  $eigt,  unb  immer 
ein  ©lieb  an  bem  anbern  pängt,  wie  an  einer  ftette.  —  Söie 
nun  auf  <Beiten  ©otteS  bie  SBopltpaten  fletS  auf  einanber  fol* 
gen,  fo  foll  es  aua;  mit  unferer  ©egenliebe  fepn,  eine  £präne 
ber  Ziehe  muß  bie  anbere  verbrangen,  ein  ©eufter,  ein  £ob,  ein 
Verlangen,  eine  23egterbe  ber  anberen  folgen»  —  9?epmet  bie 
bußfertige  ©ünberin,  bie  $u  ben  güßen  3efu  lag,  $um  SSeifpief, 
unb  lernet  von  tpr,  m$  ipr  bem  ©efreujigten,  bem  ©naben* 
ftuple,  ben  uns  ©ott  in  feinem  33lute  vorgefMt  pat,  fcpulbig 
fepb*  Sitte  28opltpaten  ©otteS  finb  groß  unb  beweifen  ©eine 
£tebe  unb  ©üte,  bie  Vergebung  ber  ©ünben  aber  übertrifft 


864 


Me&  —  &  ijt  etwas  ©rofieS,  wenn  ein  $onig  einen  armen 
2ttenfa)en  aus  bem  Staube  ergebt  unb  gu  <££ren  bringt;  aber 
c$  tji  noa)  tnel  grögcr,  wenn  er  benfelben,  nacfcbem  er  ijmt  un* 
ireu  geworben  tji,  wieber  ju  ©naben  annimmt  unb  mit  neuen 
Söojrttljaien  üb?ri  äuft 

d)  Dämmerte  33ua)  i  jt  bie  eigene  (£rfa!jrung  ber 
mana)erlei  ©üte  ©otteS«.  3a)  fann  mity  jn'er  um  fo  für$er 
faffen,  ba  ta)  in  biefer  ^rebigt  fa)on  pte$u  Anleitung  gegeben 
fyate,  baS  aßein  rat£e  ic^  noa)  aus  treuem  £er$en,  ba§  bu  bir 
nia)t  Mos  bisweilen  3ett  nimmß,  bie  ^orneljmfien  33eweife  ber 
%itU  ©otteS,  t>k  bu  in  beinern  £eben  erfahren  fmft,  ^u  über* 
legen,  fonbern  fte  aua)  noa)  ^um  befMnbigen  2lnbenfen  in  ein 
$eräeia)nif?  bringjt,  unb  bapfbe  bura)Itefeft,  wenn  fta)  ®feta> 
gültigfeit  in  bir  regen  wt(L  —  £)iefeS  Ser^ei^nig  lägt  fta)  un* 
gefäjjr  auf  folgenbe  SSeife  einrichten*  3n  bem  3a|>re,  an  bem 
£age  bin  ta)  in  große  ©efapr  meines  MenS  unb  meiner  ©efig* 
hit  geraden,  unb  ber  barmherzige  ©Ott  fyat  meine  Seele  aus 
bem  £obe  geriffen  ic;  5ln  bem  £age  bin  ify  gefäl)rlia)  fran!  ge* 
werben  unb  mein  ©Ott  l?at  mia)  auf  meinem  Äranfenlager 
erqutäet  unb  mia)  naa)  Seinem  Ijeiligen  SRafy  unb  SSitlen  er* 
galten  ic.  2ln  bem  gage  $at  mir  ber  gnäbige  <3ott  t>k  ££fire 
gu  5lmt  unb  Grijren  geöffnet,  unb  mia)  aus  ber  9h'ebrigfeit  £er*' 
ttorge^ogen  :c*  %n  bem  #age  fmbe  i§  naa)  ©otteS  SRaty  ben 
23unb  ber  GEJje  gefa)loffen,  wobura)  mir  mana)e  hittext  Stunbe 
meines  £ebenS  verfügt  würbe  :c.  Sin  bem  £age  %at  mia;  ein 
fa)wereS  ®xm%  getroffen,  eS  Ijaben  mia)  2lnfea)tung  unb  £rüb? 
fal  überfallen;  aber, ber  £err  j?at  mia)  barauS  errettet  —  Wlit 
fola)cn  Sßer^eia)nijfen  t>erpdXt  eS  fia)  wie  mit  ben  3aSJrbüa)ern 
beS  2lI?aSüeruS*  dv  fyattt  früher  aua)  f  ergeffen,  waS  2ftar* 
baa)ai  an  iijm  getrau,  als  er  fola)eSabersorlefen  parte,  fpraa) 
er:  „2BaS  für  ©uteS  #aben  wir  bemfelben bafür  erwiefen?  — 
Setber  £aben  wir  arme  9ttenfa)en  manchmal  ein  fo  fa)lea)teS 
©ebää)tnifj,  baß  wir  hk  fielen  2öo£lt£aien  ©otteS  Ieia)ter  als 
alles  Rubere  sergeffen ;  werben  wir  aber  bura)  fola)e  58er? 
jeidmiffe  baran  erinnert,  fo  feuften  wir  unb  fprea)en:  D©ott, 
xx>a$  für  ©^re  unb  £)an!  ^aben  wir  £)ir  erzeigt  für  Qtinz  große 
©nabe  unb  Ziibt,  biz  2)u  une  erwiefen  pajt? 


865 


e)  £)aS  fünfte  23ud;  ber  ZizU  enblidj  tfl  bie  Sftatur, 
ober  ber  große  ©djau»la§  blefer  %8eUf  in  welker  fein  ©e* 
fd)6>f  tft,  baS  nia)t  ein  3eidjen  ber  ^tebe  beS  £öd>)ten  an  fta) 
trüge,  ©leia)wie  vermögtia)e  £eute  iljr  #auSgercit(>e  mit  il?rent 
tarnen  nnb  2Bavpen  $u  besetzen  pflegen;  fo  £at  ®ott  allen 
feinen  ©efcfyöpfen  ein  3«^cn  ©einer  £ie&e  unb  ©üte  aüfge* 
brütft.  —  2ßo£in  bu  aua)  beine  2lugen  wenbeft,  o  $cenfd),  t>a 
leud)tet  bir  bie  göttlia)e£iebe  entgegen;  was  bu  iffejtunb  trinfejt, 
baS  fmt  biefe  ^t'eBe  gewürgt  unb  bereitet.  3)aS  große  23ua)  ber 
9iatur  Jjat  t>tele  löldtter,  fie  ade  aber  ftnb  mit  ber  2iebe©otteS 
befdjrieben  unb  bie  Ueberfa)rift  aller  ®a)$itd  in  biefem  23u$e 
t|t:  23bnber?iebe©otteS,—  »onber©üte©otte$,— 
vonber2tllmaa)tunb  3Ö3etS£eit  ©otteS*  *Rü$t  btoS 
bie  £immel,  fonbern  aud;  alle  Kreaturen,  bis  auf  ben  gering* 
ften  Sßurm  £erab,  er^äplen  t>xt  (£l?re  ©otteS,  bie 
$efle,  unb  Mt$,  was  biefelbebebecfet,  verfünbiget  ©ei* 
ner£änbe28erf.  —  ©trebft  bu  alfo  naa)  ber  £tebe  ©otteS, 
fo  gewönne  biä),  ade  2Öerfe  beS  £errn  mit  ^ad)benfen  $u  be* 
trad)ten.  Grrfenne  in  allen  ©eine  ©üte  unb  Zitbt,  unb  lag  bia) 
babura)  gur  |>eqlid)en  2)anfbarfeit  unb  ©egenliebe  ermuntern» 
S03ir  fotXen  nia)tben  unvernünftigen  gieren  gleiten,  bk,  überall 
umgeben  von  ber  2iebe  unb  ©üte  ©otteS,  btefetbe  boa)  niä)t 
verfielen  unb  md)t  Verden  fonnen.  £>enn  unS  pat  ber  ©a)opfer 
me£r  anvertraut,  barum  wirb  (Ev  aud)  me£r  von  unSforberm  — 
i  dint  näbere  Einleitung  ba$u  geben  meine  (©ottpolbSJ  3U* 
fällige  Einbauten, 

3)  2)aSbritte  bitter,  gur  ^tebe  ©otteS  $u  3^ 
i  langen,  beftefrt  barin,  tag  wir  uns  taglidj  in  bt'efer  ^eiligen 
$unjt  üben  unb  2llleS  t£un,  wobura)  wir  unS  biefelbe  aneignen 
I  fonnen.  Uebung  maa)t  $ule$tben  $?eifler  unb  aua;  ben  (griffen, 
ober,  was  ebenfoviet  ift,  einen  SDtetfdjen,  ber  ©Ott  liebt*  ~ 
©taube  alfo  ni$t,  baß  bu  eS  in  biefer$unjtfa)on  weit  gebracht 
$aht%  wenn  bän  £er$  aua;  mana;malvofrfüßer@mpfmbungen 
beinern  ©Ott  entgegenwallt.  ©Ott  lieben  iß  eine  $unfi,  in  ber 
wir  unfer  ?ebentang  nia)t  auslernen  fonnen ;  unb  wenn  wir  e$ 
aud;  barin  noa)  fo  tt>tit  gebracht  Jjaben,  fo  ift  es  boa;  gegen  bie 
@r£abenf>eit  unf eres  gütigen  ©otteS  für  9ha)iS  gu  aa)ten.  SBenn 


866 


auty  bie  9ttenf$en  auf  bie  p^ßengetfen  £Jmrmeunb@c|)töffer 
bauen,  fo  reiben  fie  nod)  lange  ni$i  jum  -£>tmmel,  unt>  wenn 
tin  Wax  auf  einem  ^o^en  25erge  jleK  fr  tj*  er  bo$  no$  mit 
ttom  -£)immeL  Sie  £tebe  (Lottes  ift  o!?ne  $taa§  unb  3t et,  unb 
wer  ftc£  bunten  täget>  bag  er  ©Ott  liebe,  fo  ütel  er  folt,  ber 
mi$  md?t,  m$  ©otHieben j)eif?t,  unb  fyat  bk  Hnfangggrünbe 
biefer  $un$  nocfy  nte^t  erlernt  —  @3  ift  oielmebr  pcfyftnötjng, 
um  bte  Siebe  ©otte£  unb  ibre  23ermejmmg  tägtidj)  mit  Grifer  ^u 
Beten»  %fy  mein  ©Ott,  fpricfyt  eine  gtauljige  unb  gottttebenbe 
©eete,  tr-ie  lange  foft  mein  £er$fo  faft  unb  träge  fepn  ?  Söarum 
macf)ft  Su  e$  md)t  jum  Opfer,  baS  gan$  in  deiner  Siebe 
ser$ejn:t  werbe?  £)  ewige  Siebe,  ent^ünbe  mid;,  ojefu,  lege  mein 
#er$  an  Sein  tiebreic$e3  «Iper^,  hamit  es  enblicfj  erwärmt 
werbe  unb  Sidj  über  Medtiebe!  —  33eijjeifäbegierigen  Seelen 
bebarf  e$  aber  feiner  23orfd)rift,  tjjr  £er$  £at  ein  beftdnbigeö 
Verlangen  unb  eine  fortwäjjrenbe  Se£nfud)t,  unb  bittet  immerbar 
um  mepr  ©nabe,  brunftig  ^liebem  ©eine  ©eufter  entsaften 
au$  me£r,  att  man  au^ufpreetjen  vermag*  @ü  gleist  einem 
gtimmenben  Sichte,  wetcfjes  bie  über  i£m  fdjwebenbe  gtamme 
fu#t  unb  fte  auü)  enbti$  erreicht  —  Ser  <3ta\xhi$e  wirb  bur$ 
ba$  <$cbet  immer  me|?r  t>on  Siebe  ent$ünbet,  unb  es  ift  tjmt, 
aU  ob  ber  £err  fetbfi  $u  t^m  fagen  würbe :  „  S  u  f  o  1 1  (l  ©  o  1 1 
lieben  $on  ganzem  £er$en,  von  ganzer  Seele  unb 
son  ganzem  ©emütlje/'  (£r  antwortet:  3$  will  Sieb, 
meinen  £erm,  meinen  Schöpfer,  @rtöfer  unb  £röfter  *>on 
ganzem  £e'r$en  unb  $on  ganzer  Seete  lieben,  i$  rann  aber 
nic^t,  mt  ity  mit;  ba$  Motten  fjabe  i$  oon  Str,  gibauef)  ba£ 
SMbringen. — 2Bie  bort  3faaf  fagte:  „$?etn$ater,  Ijier 
ift  geuer  unb  £ot^;  wo  ift  aber  ba$  Scfjaaf  ^um 
%  r  a  n  b  o  p  f  e  r  ?"  —  So '  fprec^e  id) :  f3D?em  ©Ott  unb  SSater, 
fiter  ift  £ol$  unb  ein  £er$  jum  33ranbopfer,  wo  ift  aber  ba£ 
geuer,  wetdjeg  e6  oeqe^re?  3«nbe  Su  e$  an  $om  £immel, 
unb  lag  mid>  in  Seiner  Siebe  tter^rt  werben ! 

(^nbtic^,  o  @!?rift,  ^etge  bic|>  tägtic^  at^  einen  ^riefter  be^ 
neuen  ^eftamentö;  rici;te  beinern  @ott  aiit  borgen,  Wtta$ 
unb  Slbenb  ein  Dpfer  ^u,  unb  erwarte  in  atten  Singen  ntd;t^ 
anberö,  aU  m$  bify  sur  Siebe  ®ottt$  ermuntern,  biefetbe  in 


867 


btr  vermehren  unb  bid)  barm  befefh'gen  fann*  9?ebe  t>on  9tfä)tS 
lieber,  als  von  bem,  was  31t  beinern  ^eiligen  SBorfjaben  bienen 
«tag»  Suä)e  nur  ben  Umgang  fola)er  (griffen,  bie  (£ine$ 
Sinnes  mit  bir  jtnb,  ©Ott  von  ganzem  ^er^en  lieben  unb  biefeS 
auf  jebe  SBeife  unb  bei  jeber  ©elegenfjett  an  ben  £ag  $U  legen 
fi*d)em  Erinnere  bta)  mitten  unter  beinen  ©efä)äften  baran, 
was  bu  beinern  ©Ott  unb  ßrrföfer  fä)ulbig  bift,  — -  nemlta)  Siebe 
von  ganzem  «freien  unb  von  ganzer  Seele;  lag  baS  2lnbenfen 
an  btefe  $khe  bura)  feine  anbere  ©ebanfen  »erbrängt  werben, 
fonbern  fjalte  bid)  an  biefeS  geuer,  bamit  betn  £er$  erwärmt 
bleibe*  Ergreife  wittig  unb  mit  greuben  Jebe  ©elegenf;eit,  beinern 
9&ia)ftett  23ewetfe  ber  $khc  $u  geben;  weil  biefeS  ein  gutes 
Glittet  ijt,  Siebe  $u  ©Ott  $u  geigen  unb  ^u  vermehren»  3öitt 
ber  Satan,  W  2öelt  ober  beut  gleifä)  unb  23lutbia)  auf  Abwege 
fübren  unb  von  ber  %kht  ©otteS  abbringen,  fo  fpria)  mit  3ofep^ : 
„Sollte  tä)  ein  fo  großes  Uebel  tljun,  unb  wtber 
ben  £errn,  meinen  ©Ott,  fünbigen?"  —  SpäLtt  btn 
Sag  für  verloren,  an  weitem  bu  nia)t  etwas  aus  Siebe  $ 
©ott  getrau,  gerebet  ober  erbulbet  jmfi  5lm  5lbenb  bitte  beinen 
©Ott  bemüt^ig  um  SBer^eifjung,  wenn  bu  bta)  ntd)t  immer  fo 
eifrig  in  Setner  Siebe  bewiefen,  mä)t  fo  vorjta)ttg  unb  heilig 
in  berfelben  gewanbelt  j?ajt,  ^k  fta)S  gebührt  fyättt.  ©e£fi  bu 
$u  23ette,  fo  f?ülle  bia)  gleiä)fam  in  bie  $kU  betneS  ©otteS  ein, 
bringe  3j?m  bein  ganzes  ^)eq  ^um  2lbenbopfer,  UtU  3fWr  bafir 
fein  unfertiger  £raum  beine  Seele  verunreinige,  unb  baf  &x 
bia),  bu  fa)lafeft  ober  tca^tft,  in  ©einer  ©nabe  unb  Siebe  er* 
galten  wollen  —  £)  3efu,  2>u  unbegreifliche  Zkte,  lafü  mia) 
erfahren,  empjtnben  unb  tljun,  was  tä)  Sinbern  prebige  unb 
fd)reibe!  Sag  mia)  in  deiner  Siebe  leben,  leiben  unb  fierben! 
2)ir  fep  Sob  unb  £>antut  (£wtgfeit!  Sintern 


55 


868 

3  m  St  f  t  e  iP  re  fc  i  g-.t. 

23  ott  ber  ?  t  c  b  e  au  ©  Ott 

$,  fflaity.  22,  37.    3efuö  fpracfr:  £u  fotffl  lieben  @ott  beinm 
f>mn  »on  ßanaem  f)ctjen,  »on  ganzer  ©eete,  »on  ganaem  ©emiitye« 


Eingang. 
3>m  0lamcn  Sefa*  intern 

Sit  mehreren  Steifen  ber  petttgen  ©djrift,  m  welchen  bem 
löoXf  ©otte$  eine  !?errlic$e  (£rlöfung  ober  irgenb  eine  unser* 
Jjoffte,  geiftlicfje  unb  leibliche  2öo£lt£at  serpeigen  wirb,  fi'nbet 
ftc$  ber  33eifa#:  ,,©old)e$  wirb  tfjun  ber  Gnfer  be$ 
£errn  3ebaot£+"  %U  $♦  $•  ©an^erib  biefejkn©täbtebe$ 
jubtfe^en  £anbeä  eroberte  unb  au$  bie  £auptftobt3erufatem  mit 
ifjrem  frommen  $önig  $i$fia  bebroljte,  tröftete  S^faia^  ba3  Sßoit 
im  tarnen  ©otteä  bamtt,  baf  er  tterfpra$,  ber  graufamegcütb 
folle  ni$t  in  bk  £l?ore  ber  <Stat>t  fommen,  au$  üjmidjtbenge* 
ringften  ©$aben*ufügen;  bennber£err  wolle  tyn  bänbigen  unb 
benSBeg  lieber  {rinfüjjren,  ba  er  Jjergefommen  fe#.  ©eine  93er* 
Neigung  aber  Uftäti&t  ber  poppet  mit  ben  Sorten:  „2)  er 
^ifer  beö  |)errn  3ebaot|>  wirb  folc^e^  t£un."  SDie 
gleiten  Sorte  gebraust  3ef aia$  aufy  hü  ber  merfwürbtgen  33er* 
peißung  eineä  ©ofmS,  ber  Jjeifjen  folite:  „Sunberbar, 
fftatfy,  $raft,  £elb,  ewiger  33ater,  griebefürfL 

(£ifer  UbmUt  j>iev  ojme 3weifel  bie  heftige  un1>  per^e 
$kU  ©otteS,  bie  <£r  $u  ©einem  Söolfe  trägt,  unb  welche  3{m 
bewegt,  baf*  (£r  baffelbe  wiber  alle  geinbe  $u  fcfm&en  fucfjt  — 
Sftan  famt  t>i?$  am  bejten  bura)  33eifpiele  auebem  gemeinen  £e* 
$en  erläutern*  (£ine  Butter  licht  ifyx  $inb  nid?t  blo$  !?er$lia;,  fon* 
fcern  jte  eifert  aua)  hei  /eber  ©elecjett^eit  um  baffelbe,  jte  hittti 
tyx  Vermögen  unb  alle  Gräfte  auf,  um  baffelbe  $u  erhalten, 
$u  ft$ü#en  unb  ju  retten*  SQBenn  if>r  $inb  herumläuft  unb  fpielt, 
fo  folgt  ftc  t£m  überall  mit  tjjren  klugen,  unb  fobalb  ft$  irgenb 
eine  ©efa£r  $eigi,  t>k  bem  Äinbe  f$äbli$  werben  tonnte,  fo 


869 


beatmen  ipre  klugen  $u  flammen,  tyx  £era  eifert,  unb  fte  Kauft 
unb  rennt,  um  tyx  $inb  gu  retteiu  —  (£m  merfwütbige$  Sei* 
ftriel  biefer  2lrt  trug  fia)  üor  einigen  Sauren  $u  gloren$  in 
3talien  $u.  2)ort  war  ein  groger  2öwe  au$  feinem  fBe^dfter 
au£gebroa)en  unb  lief  brüllenb  burdj  bie  ©tabt,  fo  baß  Seber* 
mann  soll  (£ntfe$en  pdjtete*  Stuf  feinem  SOSege  ftieg  ber  £owe 
auf  bag  einzige  ©öfmlein  einer  armen  Butter,  t>k  fta)  mit 
©pinnen  nährte*  ©obalb  btefe  gewapr  würbe,  bap  ber  £öwe 
t£r  $inb  faffen  unb  zerreißen  wollte,  uergaf?  fte  alle  gura)t  unb 
eilte  mit  eifernber  $kht  auf ba&  £!jier  $u,  riß  tljm  ba3  $inb 
au$  ben  flauen  unb  brachte  e$  unt)erfe£rt  naa)  £aufe.  (£benfo 
ftür^tc  fta)  im  3<ipr  1664  eine  £oa)fa)wangere  grau  in  ber 
Wlaxt  Sranbenburg  mitten  in  bie  glammen,  bie  ipr  £auS  in 
,  tljrer  2lbwefenl?eit  ergriffen  Ratten,  unb  rettete  t£r  ^tnb*  — 
QjrtwaS  2kl?nlia)e3  er^äplt  aua)  bie  griea)ifa)e  ©efd)ia)te  sott 
bem  ßummen  ©o£n  be$  reichen  Königs  Profus  in  Stybien,  beffen 
£auptfiabt  son  bem  perftfdjen  $önig  (£yx\x$  erobert  worben 
war*  —  2113  nemlia)  ber  ©tumme  wäj)renb  beS  ©turmg  einen 
©olbaten  mit  bem  ©anwerbt  in  ber  £anb  auf  feinen  SSater  ein* 
bringen  fa£,  entbrannte  er  fo  in  eifernber  $kU,  baf  er  plö§li# 
bk  ©praa)e  erhielt,  unb  aufrief:  ©a)one,  fa)one,  ©olbat,  e$ 
ijtber  $önig!  —  £>arau£  nun  erpellt  beutlia),  xok  bie  3te 
benSart  beS  ^roppeten:  ,,©ola)e<?  wirb  t£un  ber  (£ifer 
beg  £errn  3ebaotp,"  %u  serfteijen  fe^*  SBSir  Begießen  fte 
$unäa)jt  auf  ba$  S&erf  ber  (Frtöfung  be$  2ftenf$engefc|lea;t$, 
wie  eS  Jefaiaö  felbft  in  ber  testen  oben  angeführten  ©teile 
tput  —  @ott  jjat  ben  2ftenfa)en,  baS  ebelfie  unter  ben  fta)i* 
baren  ©efc^öpfen,  ^eqlid)  geliebt,  unb  mit  allerlei  £errlia)en 
©aben  au^gejfattet  %U  3i?m  aber  ber  ©atan  biefeö  liebe  $inb 
»erleitet  unb  bura)  tk  ©ünbe  Derberbt  Ijatte,  fing  ber  #err 
an,  um  baffelbe  mit  heftiger  %kU  $u  eifern,  unb  e$  fjiefh  „3(i 
nia)t  ber  9ftenfa)  SIR  ein  teurer  ©ol>n,unb2Rettt 
trautet  $inb?  3a)  gebenfenoa)woljl  bar  an,  was 
S^iljmgerebetjjabe;  b ar um  bricht  2ttir  2ttein£ev$ 
gegen  i£n,  bap  3$  9fti$  feinererbarmen  mufiL" 
2lu$  biefer  eifrigen  %kU  entfyrang  aua)  bie  erjte  23erljeijwna, 
naa)  bem  gaff:  „2>e$  SB eibe^  ©amen  fort  ber 


870 


©$  lang  ebentopf$  et  treten^"  wie  alle  übrigen  bt'3  $ur 
Seit  ber  (£rfüttung* 

%8iti\t  bu  alfo  wiffen,  m$  fcte  eifernbe  ?tebe  ©otteS 
fe$,  fo  betrachte  3efym  @j?rifhim  »ort  ©einer  ©eburt  btS  $u 
©einem  £ob*  ©letc^t  er  ntc^t  jener  Butter,  bie  bem  Soweit 
ifjr  tinb  au$  ben  stauen  rtg  —  ober  ber,  welche  tljren  ©o£n 
mitten  anö  ben  glammen  rettete,  —  ober  jener,  welche  $u  iljrem 
tinb  in'3  SSaffer  fprang?  tarn  er  nu$i  $u  uns  Jjerab,  als  wir 
in  ber  äußerten  ©efafjr  waren,  unb  würbe  uns  in  Willem  gleid;, 
auger  ber  ©ünbe?  Spat  (Ev  uns  nid)t  aus  ber  ©ewalt  beS  ©a* 
ianS  errettet,  inbem  (£r  ft$  fetbfi  für  tml  babingab?  ©ief?e 
3£n  an  in  ©einem  ganzen  Reiben;  ber  2lllmäd)tige  lägt  ©i$ 
bie  £änbe  binben,  ber  bitter Ijeiltgfte  lägt  ©id>  üt$  2lngeftd?t  fcf)la* 
geny  ber  2Werfrommfte  lägt  ©i$  geigeln,  ber  2iller!>eTrlid$e 
lägt  ©i$  oerfpotten,  ber  2lllergered)tefte  lägt  ©t$  oerbammen, 
ber  £err  ber  £errli$feit  lägt  ©icf)  freudigen  unb  ber  gürft  be£ 
Gebens  lägt  ©idj  tobten.  —  $&0  ifi  bie  Urfac^e?  —  „2)iefe$ 
Jjat  ber  (£ifer  (bie  eifrige  ^?iebe3  be£  £erm  3ebaotli>  getrau." 
—  Sebenlet  alfo ,  ob  eine  folepe  eifrige  ZitU  nifyt  and)  eine 
eifrige  (Gegenliebe  oerbiene  unb  ob  wir  nityt  wieber  um  £)en 
eifern  f  ollen,  ber  unfertwegen  fo  geeifert  Jmt?  —  3nt  Anfang 
ber  djriftlidjen  ftixfyt  ftnben  wir  wojjl  SBtele,  t>k  ©Ott  unb  3e* 
fum  eifrig  liebten,  beren  £er$  ber  drifer  be£  £errn  entjünbete, 
welche  freubig  auf  bem  ©Weiterlaufen,  ober  rnittm  unter  rei* 
genben  £f>ieren  i  j?r  £  eben  enbeten,  welche  ©erwerbt,  geuer, 
Söaffer  unb  alle  erbenflic&en  harter  für  yiid)t$  achteten,  unb 
e$  für  bie  grögte  @ü>re  hielten,  um  3efu  willen  etwas  $u  lei* 
ben.  k*  2lber  wo  wollen  wir  biefe  eifrige  ZkU  in  unfern  $>ü* 
ten  fud)en?  £)  wir  järilid)e  fettige!  SB3aS  tjmn  unb  leiben  wir 
um  ©otteS  unb  beS  (£rlbferS  willen?  Sie  Söenige  gibt  eS,  bie 
um  ©einetwillen  ein  partes  2Bort  anpren,  tfjren  SBillen  bre* 
$en,  fid)  felbft  tterläugnen,  ber  SSklt  abfagen  unb  ft$  in  £)e* 
ntutp  bem  (Erlöfer  aufopfern  wollen!  2öaS  würben  jic  tfjun, 
wenn  fte  um  ©einetwillen  tbr  2eben  laffen  unb  il)ren  ©eift  unter 
Dualen  unb  Sftigljanblungen  aufgeben  füllten  ?  —  3£r  eifrigen 
SefuSfreunbe,  -wo  fepb  i£r? •-<£$  mögen  $m  nod;^mige  »or* 
Jjanben  fepn,  mir  fmb  nur  äßemge  befannt;  bod)  ©Ott  lerntet 


871 


eud),  —  3£r  aber,  meine  3«fwrer,  ^ebenfet,  wie  eg  um  eua) 
fiepe,  prüfet  euü),  ob  t£v  ©ott  unb  3efitm  $«frgli($;  eifrig  unb 
brunftig  liebet?  „Söffet  unö  3N  lieben,  benn  (£r  £at 
ung  guerft  geliebt"  2lber  laffet  ung3ü>n  fo  eifrig  unb  perg* 
lia)  lieben,  »ie  er  ung  geliebt  pat.  „3$  bin  fommen,  fpria)t 
ber£eilanb,  bag  3d;  ein  geuer  aufßrrben  angünbe, 
wag  wollte  3$  lieber,  benn  eg  brennete  fä)on?"  3$ 
^>al)e  aua)  ben  SBorfa^ ,  btefhnal  ein  geuer  unter  eua)  angugün* 
ben;  ic^  wünfa)e,  biefe  gange  ©erneute  in  geuer  unb  glammen 
gu  fe£en,  unb  waö  wäre  mir  lieber,  alg  bafj  iä)  biefeg  feiige 
geuer  allentbalben  brennen  fej?en  tonnte?  3$  fprea)e  $on  bem* 
fetben  geuer,  son  welchem  ber  (£rlöfer  rebet,  ptoü  ber  göttli* 
a;en,  berglta)en,  brünftigen  ?iebe*  din  anbereg  geuer  bringt 
£ergeleib,  2irmut£  unb  GElenb;  biefeg  aber  bringt  greube  beg 
£ergeng,  dleifytpum  unb  $errlia)feit  —  3$  ^be  m  ber  »ort* 
gen  ^rebigt  gegeigt,  t>a$  wir  @ Ott  lieben  f ollen,  j'egt  will 
ia)  mit  ©otteg  £ülfe  geigen:  wie  wir  3£n  lieben  fotlen. 
£)er  £err  fegne  biefeg  33ov^aben  um  3efu  willen.    2Imen» 

51  n  a  n  U  u  n  ^ 

(5g  tffc  ntä;tg  alliäglidjereg ,  alg  bte  Siebe,  unb  boä)  tfl  eg 
fä)wer,  biefelbered;t  gu  bef abreiben  unb  gu  fagen,  xva$  jte  etgent* 
lia)  fep;  jte  lägt  fta)  beffer  empfmben,  alg  augfpreä)em  Grine 
Butter  Ipat  ü)r  eingigeg,  woblergogeneg  $inb  Ijerglia)  lieb  unb 
begeugt  bieg  hä  j'eber  ©elegenpcit  fnnfänglta),  gragft  bu  fte 
aber,  m$  benn  bit%kbe  fep?  fo  wirb  fte  nia)t  wiffen,  wag  fte 
antworten  foll  unb  wettetet  fagen:  btö  fann  man  fta)  beulen* 
£>affelbe  gilt  nun  aua)  tton  ber  Siebe  gu  ©ott  9ttana)eg 
fromme  unb  einfältige  £erg  pat  einen  reichen  $orratj?  baoon, 
aber  wetg  fte  nia)t  gu  befa)reiben,  wäjjrenb  fte  sielletä)t  man* 
a)er  ©eleprte,  bem  fte  mangelt,  einigermaßen  befa)reiben  fann* 
Ob  tä)  gleia)  wünfä)e,  ba§  eg  Ui  ung  Tillen  fetner  23efa)ret* 
bung  ber  göttlichen  Siebe  bebürfe,  fonbern  baß  wir  fte  fräftig 
unb  reia)lta)  in  unfern  bergen  empftnben  möchten,  fo  tfi  boa)  "gu 
sermuu)en,  ja  faft  gewtg,  bafü  SBiele  Weber  aug  ber  <5a)rift  noa) 
aug  ber  ^rfa^rung  ben  rechten  begriff  »on  ber  Siebe  gu  ©ott 
Jaben,  unb  fta)  mit  ber  falfä)en  (£inbilbung  betrügen,  inbem  fte 


872 


glauben,  fte  lieben  ©Ott,  ba  e$  bocp  ni$t*  iü  £>egpalb  palte 
icp  für  nötpig,  tton  ber  recptfcpaffenen,  ungefärbten  CicBc  au 
©Ott,  wniprerBefcpaffenpeitunbipren  Äenn^ei^en  auäfüprlt* 
(per  au  reben,  waö  ben  wapren  greunben  ©oiteg  aum  Unterricht 
unb  £rofl,  aur  Söefeßigung  unb  Aufmunterung,  ben  $eucJ;lern 
unb  ©ottlofen  aber  jur  Prüfung  unb  Söarnung  bienen  famu 
Wtiv  wirb  bieg  eine  fcpwere  Aufgabe  fepn,  tpetl£  weil  ber  ©e* 
genjtonb  fo  wichtig  unb  reichhaltig  i%  ba$  man  ein  gan$e$  Bucp 
barüber  fcpreiben  fönnte,  tpeifä  weil  icp  in  ber  Jhtnfi  unb  $3% 
fenfcpaft,  ©Ott  au  lieben,  felbft  nur  nn  Scpüler  hin.  —  ©Ott 
erwecfe,  nacp  ©einem  peiligen  SÖitten,  einen  Wlann  in  ber  esan* 
geltfcpen  $tr<$e,  ber  mit  reifem  ©eifte  auSfüprlidj  bason  fcprei* 
ben,  au$bemgrogen£iebe$bu$e©otte$,  ber  peil,  ©cprtft,  ba$ 
9ft>tpige  fammeln  unb  unter  göttlichem  Beijknb  au£  eigener 
<£rfaprung  erklären  möge !  3$  will  tpun,  fo  siel  icp  in  ber 
$raft  ©otteS  vermag,  unb  gerne  ba$  Söenige  mittpeilen,  ba$ 
icp  pake*  — 

2)ie  Siebe  $u  ©ott  wirb  awar  fonjt  auf  tterfcptebene  Sßetfe 
Betrieben,  aber  micp  bünft,  eö  laffe  ftcp  SllleS  in  bie  wenigen 
SÖ3orte jufammenfaffen :  2)iefe  £tebe  tjt  etnepimmlifcpe 
$raftunb  einneueö  Zthzn,  welcp e$  ber  peil*  ©eift 
Bei  einem  Bußfertigen  unb  ©laubigen  persor* 
Bringt,  fo  baß  biefer  fcon  ganzem  £eraen  unb  au$ 
allen  Gräften  au  ©ottpingeaogen  wirb*  —  SBunbert 
eucp  nicpt,  ba$  tcp  fte  eine  pimmlifcpe  Äraft  unb  ein  neues  £e* 
ben  nenne*  3#  pätte  melletcpt  fagen  follen:  fte  fep  eine  Be* 
wegung,  eine  8epnfucpt,  etn  Verlangen  ber  ©eele  unb  bergt, 
aber  icp  pätte  bannt  nitfpt  genug  gefagt,  weil  bie  $kU  dm  folcpe 
Bewegung  unb  eine  folcpe  $raft  ber  «Seele  ifi,  welcpe  mele  an* 
bere  Bewegungen  in  ftcp  faßt  ©ie  ifialfo  gleicpfam  ber  <3am* 
mefylaa  vieler  Begterben,  Gräfte  unb  £ugenben,  welcpe  alle 
auf  ©Ott  gerietet  jinb,  unb  3pn  aum  einigen  ©egenfianb  ipreS 
Verlangens  paben*  — 2)tefeS  wollte  wopl  ber  £err  felbfi  unter 
Sfaberem  in  unfern  £erteeworten  anaeigen,  wenn^rfagt:  „2)u 
folljl  lieben  ©Ott,  b  einen  £  er  rn,  *>onganaem£er* 
i%n,  von  ganaer©eele  unbfcon  ganaem@emütpe/' 
C$ie  <£»angelij!en  fegen  nocp  pinau  unb  au$  allen  Äräf* 


873 


»ort  Söorten  bert  ganzen  $ftenfa)en,  mit  Ottern,  wa$  er  i(l  unb 
vermag,  51t  ©einer  Siebe  aufforbern  möct)te ;  boct)  t)alte  tei)  ba* 
für,  bag  G£r  bamit  sugleia)  anbeutete,  bag  bie  Siebe  nict)t(£ ine 
$raft,  nict)t  <£ine  Bewegung  be$  £eqen$  fey,  fonbern  batj 
fte  in  »ielen  Gräften  unb  Jjeiltgen  Bewegungen  b** 
ftet)e,  bie  mit  einanber  gletä)fam  serbunben  finb, 
bie  tfytiU  von  bem  Stilen,  tt)eil£  von  bem  23er* 
ftanbe,  tt)eils  von  bem  ©ebää)tnig,  tfjetlä  $on  an* 
bem  Vermögen  ber@eelej> er rühren,  unbboa)a lle 
in  bem  angenehmen  unb  innigen  Verlangen  naa) 
©ott  fta)  vereinigen*  —  £)ieg  mag  folgenbe  Betrachtung, 
beutlta)er  machen* 

1)  £)ie  SBur^el  unb  ber  ©runb  ber  Siebe  iß  olme  3mU 
felbie  @rf  emttnig©otte$  unb  ber  ©enußSeiner  ©nabe  unb  ©üte; 
benn  tote  fönnen  wir  ba£  lieben,  wag  nur  nta)t  ber  Siebe  würbtg  er* 
f  ernten?  3e  gtöper  nun  bie  (Erfenntnig  i%  je  tiefer  ber  SDtafct) 
in  bie  Betrachtung  ber  göttlichen  ©üte  unb  Siebe  einbringt,  unb 
je  met)r  er  von  berfelben  erfährt,  empftnbet  unb  genießt,  bejto 
größer,  heftiger  unb  l)er^id)er  wirb  feine  Siebe*  2)emnact)  tft 
bie  lebenbige  Grrfenntnig  ©ottcS,  ober  ber©laube,  welcher 
©otteS  unbegreifliche  ^khc  in  @t)rifto  3efc  erfannt  unb  erfat)* 
ren  t)at,  bie  Butter  ber  Siebe*  2öer  nemlta)  bie  göttliche 
Siebe  erfahren  unb  genoffen  t)at,  ber  füt)lt  greube  unb  SBergnü* 
gen  in  biefem  ©lud  unb  ein  per^lidieö  2öoi)lgefallett 
an  ©ott,  eine£oa)fct)ä§ung  beffelben,  aU  be$  »ollfom* 
menften,  gütigen,  liebreiä)ften,  barmjjeqtgften,  weifeflen,  mää> 
itgftot,  gerechteren,  t)eiligften  unb  feligjlen  SöefenS*  — -  ©er 
©laube  erfennt,  ba$  ©ott  Sltteö  in  Willem,  unb  auger  3t)m  fein 
wat)re$  ©ut  ^u  jtnben  t'fi*  dt  bewirft,  bag  ba$  ^erg  biefeg  in 
ber  ©emeinfa)aft  3efa  empfmbet  unb  erfährt,  unb  bag  baffelbe 
anfängt,  feinen  ©Ott  treuer  unb  wert!)  ^u  palten,  —  ober  $u 
lieben*  2)ieg  tjt  bie  erfte  (Stufe,  ober  bie  erfte  Äraft  unb  Be* 
wegung  ber  Siebe*  —  SBetl  ber  ©laubige  in  ber  ganzen  SSelt 
nta)ts  BeffereS  unb  GrblereS  jtnbet,  als  ©ott  in  Gtyrijto,  unb 
fein  tl)eurere$  $letnob  fennt,  att  fta)  felbf*,  fo  ergibt  er  fta) 
mit  Willem,  waö  er  tfi  unb  §M,  an  ©ott,  unb  ba$  ift  feine 
Siebe,  wie  wir  balb  weiter  $etgen  werben.  —  £>arau$  nun  ent* 


874 


Jpringen  bte  Sleugerungen  ber  $ieU  in  Söorten  unb  Werfen, 
2Ifap£  fagte:,,£err,  wenn  ia)  nur  2)ia)  f>abe, -  fo frage 
ta)  nia)t$  naa)  Fimmel  unb  Cürrbe;"  unb  £xunb  wollte 
feinem  ©Ott,  ben  er  fo  jjeqlia)  liebte,  einen  £empel  bauen, 
«?03it  er  unermefülia)e  @a)a£e  aufhäufte,  £)oa)  bünfte  ifjm  baS 
noa)  ^u  wenig  für  feinen  ©ott;  barumfagte  er  unfeinem  8oi?ue 
6alomo:  er  Ijabe  in  feiner  2lrmutij  fo  t>iel  gefammelt,  er  fotte 
noa)  mefjr  tljun*  3a,  ta)  fyaltt  bafür,  wenn  2>atrib  alles  ©olb 
unb  (Silber  ber  SSelt  ^ätte  anfa)affen  fönnen,  um  feinem  ©ott 
einen  £empel  bason  gu  bauen,  fo  würbe  er  boa)  5ltte^  für  »trf 
31t  gering  geartet  £aben*  (£r  fotmte  aua)  nia)t  anberS  fjaubeln, 
weil  er  i>U  9ttaa)t,  Seteljeit  unb  ©nabe  bee  £öa)ften  errannt 
unb  3pn  befüwegen  liebgewonnen  Ijatte*  —  ßrbenbaljer  fommt 
e$  aua),  ba§  Spannes,  ber  Käufer,  ber  wegen  feinet  ©laubenS 
unb  feiner  Siebe  »on  3efu  felbft  ein  brennenb  unb 
fa)einenb  £ia)t  genannt  würbe,  fta)  nia)t  für  würbig 
frielt,  bem  t£rlofer  bie  6a) u Ariern en  auf $ulö fem  2)arum 
fagte  er:  er  fe$  nur  ein  greunb  be$  SBräutigamS,  ber  iijm  $u* 
Ijöre  unb  fta)  £oa)  freue  über  feine  Stimme;  er  wolle  gerne 
abnehmen,  wenn  nur  3efc3  sunefjme.  2lu£  biefem  ©runbe 
warf  fia)  jiene  groge  ©ünberin  ^u  ben  pgen  be$  £errn,  fügte 
fk'e  unb  ne$te  fie  mit  ij)ren  £i?ränen*  ßrbenbarum  freuten  fta) 
bie  Sipofiel,  bag  fie  würbig  waren,  um  be$  9?amen$  3efu 
Witten  <Sa)maa)  ju  leiben*  2)aljer  aa)tet  fauIu^weberSTrübfat 
noa)  23anbe  unb  £ctlt  felbjt  fein  %tUn  nia)t  für  $u  treuer,  nur 
um  fein  2lmt,  ba$  er  son  bem  £errn  3efu  empfangen  f>atte, 
Cbie  $ rebigt  be$  ^angeliumö  »on  ber  ©nabe  ©otteej  treu  $u 
erfüllen*  <£r  f>ielt  Mt$,  v>a$  erfonß  £oa)  fä)ätjte,  für  ©a)aben 
gegen  ber  überfa)wenglia)en  @rfenntnt'§  3efu  (£fmftt,  um3Jm 
§u  gewinnen  unb  in  3f)m  erfünben  ju-  werben*  2)'tefj  bewog  bie 
©laubigen  ber  erjten  $irä)e,  .Sitten -gu  »erlaufen  unb  t>a$  ©elb 
3U  ben  gügen  ber  Slpoftel  $u  legen,  bamit  e$  ^um  heften  ber 
ganzen  ©emeinbe  angewenbet  werbe*  2)ieft  gab  ben  Sttärtprern 
9ttutjj,  Weber  ®nt  noa)  @£re,  %&äh  unb  $tnb,  noa)  i£r  eigene^ 
Seben^u  aa)ten,  fonbern  Me$  um  ©ctteä  unb  3efu  Witten 
freubtg  jnnaugeben*  ©ie  waren  wittig  unb  bereit,  ben  ©arten 
ber  a)riftlia)en  $ira)e  mit  ijrem  23lute  jtt  befeuerten,  bamit 


875 


viele  anbere  Humen  aufgeben  motten,  woburd)  ©Ott  fjodjge* 
^rtefett  würbe.  —  23on  bem  frommen  $ird)entel?rer  2lugufh'n  wirb 
ergäbt,  er  |iak  ein  $i$t  ju  fep  gewünfdjt,  wefd)e$  ft$  in  ber 
?tebe  unb  tm  Äienfte  ©oties  auf^reit  möchte,  GEbenfo  pabe 
td?  t>on  einem  Märtyrer,  ber  gum  geuer  x>erurtpeilt  würbe, 
gelefett,  baj?  er  faßte :  er  wolle  ftd)  gerne  t-erbrennen  laffen, 
wenn  nur  auö  fetner  5lfcr)c  ein  35lümlein  warfen  würbe 
jur  (£fn;e  unb  gum  ^uljm  fetneö  ©otteä.  —  £te£er  gehört 
auc^  ba$  merfwürbige  53etfpteX  ber  frommen  Königin  Mo* 
tjjarina  tn  ©eorgien,  welker  auf  33efejjl  be6  graufamen 
£öntgö  öon  Verfielt,  in  beffen  ©efangenfrfjaft  fte  geraden 
war,  mit  glüpenben  Saugen  ba$  gleifd)  langfam  som  Zeiht 
geriffen  würbe»  Unier  tiefen  entfe#tid;en  Martern  rief  fie 
wieberpolt:  D  mein  ©oft,  0  mein  3efu,  mein  (üErfofer,  biefe£ 
Me$  ijt  nod>  gu  wenig  um  ©emetwilfen!  3$  fann  Dir  ©ein 
SSerbienft  md&t  bellen,  Zehen  um  hebert,  53Iut  um  IBM  Bin 
i§  ©einer  ?iek  f^ulbig,  weif  ©u  aus  £tebe  gegen  midj  ge* 
jlorben  bijh  —  ©ef?et  alfo,  meine  (Sjmften,  me  £0$  unb  treuer 
bie  wahren  greunbe  ©otie3  ijjren  £errn  unb  wie  gering  fte  fta; 
felbft  fd)ä£en,  unt>  erfennet  baraus  bie  2lrt  unb  SGSetfe  ber 
ädjten  göttlichen  £iebe*  ©ie  feufgt  unb  benft:  21$,  mein  ©Ott! 
t$  l^aoe  ©i$  jjeqlic^  lieb !  2Bte  treuer  unb  wert!)  ijt  mir  ©eine 
©nabe,  me  grog  unb  Ijerrlicfy  fmb  mir  alle  ©eine  Sößerfe !  ©eüt 
Söort  ift  mir  lieber,  benn  viel  taufenb  ©tue!  ©ofbe£  unb  ©tlber&. 
©u  Ijaft  mir  unb  aller  2Belt  au3  großer  Ziehe  ©einen  ©o£n 
gegeben,  £ätteft  bu  mir  bie  gange  28eltmit  allen  iljren  <5fyä§en 
gefd;enf  t,  wa$  wäre  bieg  gegen  biefe  <&ahe,  unb  wa$  nü|te  mir 
hie  Seit  mit  alter  i£rer  £errltd;feit  o^ne  meinen  3efuö?  — 
21$  mein  £err  3efu,  t^ie  lieh  unb  wert!)  bijt  ©u  mir !  Söemt 
tdj  ©i$  ntc^t  l^ätte  unb  m$tin  ©einer  ©ememfd;aft  wäre,  aber 
bagegen  Me$  bejt^en  würbe,  wa6  Fimmel  unb  (Erbe  vermag, 
fo  wollte  ify  Me$  frö^lid?  Eingeben,  um  ©td;  51t  ijaben  unb 
unter  bie  ©einigen  gerechnet  gu  werben*  —  SBenn  alle  fronen 
ber  %ßelt  mir  gehörten,  fo  würbe  i&)  fte  willig  gu  ©einen  gügen 
legen  unb /mit  ©einen  £eiligett  fpred;en:  „£err,  ©tt  otjt 
würbig,  $u  nehmen  fxeiö,  (£fjreunb$raft!"--28etttt 
mir  3emanb  alles  ©olb  .unb  ©ilber  ber  @rbe  für  mein  £er| 


876 


geben  romtie,  fo  Wäre  e$  mir  boa)  nia)t  fetL  Denn  wo$u  baS 
■Slffe«,  wenn  ia)  fem  £er$  pätte  ?  Dir  aber,  t£euerf*er  £eilanb, 
will  ia)  e$  umfonft  geben,  weil  ta)  Dia)  über  Sldeö  liebe*  — 
Doa),  »a^  fage  ta)  umfonf*  ?  Du  l?afi  j[a  Dein  tpeureS  33lut 
um  meinetwillen  vergo (Ten,  unb  ia;  frmn  Dir  alfo  nia)t£  fa)enfen, 
aB  m$  Dir  fa)on  vorljer  gebort  —  3$  liebe  Dia),  mein 
©Ott,   mein  £err  unb  £eifanb  me£r  al$  mein  ©elb, 
ta)  Witt  e$  gern  D)ir  jur  (£j>re  unb  naa)  Deinem  2Billen  an* 
wenben;  meljr  aH  meinen  ©a)mucf,  mit  bem  ta)  meinen 
#erblia)en  $tif>  bebetfe*  5Tu(^  ba£  f offtarfte  $leib  t(t  nur  ein 
fa)lea)te$  ©ewanb  gegen  Deine  ©erea)tiglett,  bie  meiner  Seele 
<Sa)mutf  i%   3&)  liebe  Di^  meljr  al$  meine  (£l>re, 
wela)e  nur  ein  ©chatten  ifi,  unb  wenn  ia)  Deute  (Sjjre  nia)t  barin 
fua)en  unb  beförbern  foflte,  fo  wotfte  ia)  lieber  ber  veraa)tetfte 
unb  unwert£efie  Sftenfa)  auf  ber  Sßelt'  fe^n*  —  3a)  liebe  Dia) 
me£r  als  £au$  unb  £of,  £ab  unb  ®ut  uns  ade  bequem* 
Itdjfeit*  3$  bin  bereit,  Sitten  um  Deinetwillen  ju  verlaffen, 
wenn  ta;  nur  in  Deiner  ©nabe  wohnen  unb  mein  £>aupt  in 
Deinen  ©a)ooßlegen  mag*  3a)  liebe  Dia;  mejjr  al$-2Öei&  unb 
$inb,  gr  eunbe  unb  23er wanbte,  $ater  unb  Butter* — ^>u  fagtef*, 
o  3efu,  als  ^)\t  einj*  mitten  unter  Deinen  Süngern  fagejh 
„<Bit$ci>a,  ba$  tjt  meine  Butter  unb  meinelBrü* 
ber,';  obgleia)  Deine  Butter  unb  ©ruber  in  ber  9tfif)e  waren 
unb  Dia)  $u  fpreä)en  verlangten.  3a)  fage  ciua)  fo,  mein  <£x* 
Iöfer,  wenn  man  mta)  fragt,  wer  mir  ber  £iebf*e  ift,  beute  auf 
Dia),  wie  Du  am  Äreuje  j?ängf*,  unb  fprea)e:  „©iepe  ba, 
baä  tf*  mein  SBetb,  $inb,  SBater,  Butter,  trüber 
unb  & XI ei V--  (£mer  von  ben  Märtyrern  fagte:  @ein233eib 
unb  $inb  feye  ü)m  fo  lieb,  baf?  er1  gerne  ben  ^eid^um  ber 
ganzen  SÖSelt  bafür  geben  wollte,  wenn  er  fönnte,  er  möa)te  fte 
aua)  im  ©efängniß  hei  23rob  unb  Söaffer  M  jta)  jjaben,  boa) 
fe^e  u)m  GtyriftuS  noa)  lieber*  —  6o  tft  e$  rea)t*  Raffet  bie 
£ta)ter  brennen,  wenn  eö  9?aa)t  ifir,  wenn  aber  bie  Sonne  auf* 
gejjt,  bebarf  man  u)rer  nta)t  mejjr  unb  löfa)t  fte  gerne  au$+  — 
SBeib,  ^inber,  SSater,  Butter  ftnb  nur  Heine  £ia)ter,  Du  aber, 
o  3efa,  bt(i  meinet  ^eraenö  ©onne,  wenn  ta)  nur  Dia)|>abe, 
fo  fann  iö)  ber  Sia)ter  leia)t  entbehren.  —  3$  IWN  ^iö)  we£r, 


877 


o  3efu,  als  meine  kugelt;  bemt,  wemua)  fie  auo)  berltete, 
fo  tt)iUfl  Du  mta)  mit  Deinen  klugen  leiten,  wie  Du  je£t  fa)on 
i£ufl  Söofjin  i(^  aua)  meine  Slugen  wenbe,  felpe  ia)  nia)tg, 
alä  Gfttelfeit,  wenn  ify  aber  Dia)  anfelje,  fo  genüget  meiner 
©eele*  —  3  a)  Hebe  Dia)  mef>r,  alömein£era*  3a)  fann 
nta)t  fagen,  wie  böfe  i^  meinem  £eqen  bin,  wenn  ia)  e$  außer 
Dir  betraute;  benn  m$  ifl  e$  von  Statur,  aU  eine  2Belt  soll 
llngerea)tigfeit  unb  33o3f)eit?  SQSenn  ia)  e$  aber  anfelje,  wie 
e£  su  Deinen  pßen  liegt  unb  mit  Deinem  33lute  befprengt  i(!, 
unb  wie  t$  anfangt,  fta)  naa)  Dir  unb  Deiner  Riebt  $u  fernen, 
fo  l^abe  ia)  e$  lieb;  —  aber  nia)t,  weil  es  mein,  fonbern  weil 
e$  Dein  ijh  —  (£nblia)  liebe  ia)  Dta)  meljr,  al$  mein £ eben, 
weil  mia)  baffelbe  oljme  Dia),  mein  wajjreg  Sieben,  nia)t£  nü$t; 
ta)  liebe  Dia)  aber  aua)  mefjr  aU  meine  ©eele,  Diefe  ijt 
gwarmein  t£euerfie$  $leinob,  boa)  wollte  ia)  fte,  wenn  e$ 
möglia)  wäre,  gerne  Eingeben  unb  Dia)  behalten*  —  3Ber  nun 
feinen  Grrlöfer  auf  fola)e  innige  SBeife  liebt,  ber  wirb,  fobalb 
i£m  ttm$  <3a)öne$  unb Meßbares  ttorfommt,  eine  $ergleia)ung 
barüber  anftellen  unb  3efutn  allem  Hnbern  mit  vorstehen«   Ger* 
blidt  er  fa)öne  531umen,  fo  greifet  er  bie  2lllmaa)t  unb  2öei$* 
pett  feinet  ©otte^,  benft  aber  ^ahtit  bit  ebelfte  unb  fa)önfte 
33lume  iß  mein  3efu3,  fte  l)at  in  meinem  ^eqen  @runb  unb 
S3oben,  unb  gibt  iljm  $raft,  Xxoft  unb  Ztbtn.—  <Bitfyt  er  einen 
blülpenben  ober  frua)ttragenben  23aum,  fo  benft  er:  t>a$  iß  tin 
$ilb  meinet  gefreu$igten£eilanbe£,  be$  wahren  £eben$baume$, 
wela)er  grüa)te  ber  ©nabe,  be£  £rofte$  unb  £eben$  trägt*  — 
&ommt  er  an  eine  frifa)e  Duelle,  fo  benft  er,  o  mein  3efu, 
Deine  Söunben  unb  Dein  göttlia)e3  #er$  ffnb  bit  Duellen,  au$ 
betten  meine  ©eele  i^ren  Durfl  fh'ttefc  —  Stebet  man  vom  51  b  tt 
ber  ®  eburt,  fo  fpria)t  er:  mein  Slbel  iß  ber,  baß  iö^  au$ 
@ott  geboren  unb  ein  33lut3t>erwanbter  3efu  Ötyrijtibim—  hiebet 
man  von  £erren'©unf*,  fo  fagt  er  $u  fta):  wa$  f>ilft  mir 
biefe,  wenn  ia)  au$  ber  SBelt  fa)etben  muß?  T>it  Siebe  unb 
©nabe@ottegtjlbeffer*—  6pria)tman  r>on  SGBetepeit  unb  ©e* 
lejjrfamfeit,  fobenfter:  „@I?rijlum  lieb  fyabtn  tjt  beffer, 
b  e  n  n  21 1 1  e  $  w  i  f  f  e  n,"  — -  3f*  tton  einem  guten  23ua)e  bie  iftebe, 
fo  gejjt  er  e$  bura)  unb  freut  fta)  barüber,  wenn  er  ftnbet,  baß 


878 


e$  in  ber  ^te^e  ©otteS  unb  3efu  tyxifii  gefdjrieben  ift,  wo 
ntdjt,  fo  aa;i£t  er  e$  wenig,  cö  fe?  beim,  baß  er  etwaöbarauS 
famtnetn  rennte,  um  e$  nad;^er  feinem  (£tlöfer  $u  ^eiligem  — 
(£rwägt  man  bie  $raa)t  unb  |>errlia;feit  ber  Seit,  fo  ruft  er 
auS:  3m  £ünmel  ift  ?)raa;i,  greube  unb  £>  errlidjf  eit,  bte  mir 
3efu$  frjjrtftug  erworben  unb  Gerettet  fiat  u*  f.  f. 

23  Leiber (?te&eftnbentt)tr ferner etne5luf Opferung  ober 
Ergebung  in  ©otteS  Stilen,  <£$  tft  berfelben  eigen, 
baß  fte  nta)t  me^r  fta)  fefbfr,  fonbern  bem  ©eliebten  angehören 
will*  ©ie  legt  fta)  täglia)  mit  Willem,  n>a^  fte  tft  unb  j>at,  ij)rem 
©Ott  unb  £etlanb  $u  Pfüen,  opfert  3{mt  t^r  £er3  mit  aßen 
Gräften  unb  Vermögen,  ergibt  fta)  frop  unb  n>tUtg  in  Seinen 
2)ienfi  unb  fua)t  ©elegenljeit,  fta)  sor  ber  Seit  $u  offenbaren; 
bagegen  metbet  fte  allen  Slnlaß  ^ur  ©ünbe  unb  wäblt  $um 
2)enffprua)  bie  Sorte:'  9liü)t  met)r  fünbigen!  lieber 
fr  erben,  al3  fünbigen!  -—  ©te  verlangt  t)er$lia),  um  3efu 
willen  etm$  su  leiben  unb  begehrt  ma)t$  anberS,  als  ©Ott  $u 
leben  unb  31t  flerbem  Sir  fef>en  btefeg  an  bem  3onatt)an ,  ber 
bem  £amb,  fobalb  er  ijjn  liebgewonnen  \)ditzf  nia)t  blo$  fein 
#er$,  fonbern  £ftotf,  Hantel  unb  ©erwerbt  :c*  gab*  2>ag1put 
bie  ^iebe,  baö  erfte  @efa)enf  an  ben  ©eliebten  ift  ba3  £er$,  unb 
wenn  fte  ba$  Eingegeben  t)at,  fo  trägt  fte  fein  23ebenfen,  ijjrem 
<£rlöfer  aua)  atteö  2lnbere  an^ulteferm  —  £ktraa)tet  ©ott 
felbjr  unb  unfern  £etfanb*  —  ©*>#  ift  bie  $kfo  unb  lt>at  un$ 
joon  (£wigfeit  geftebet,  begt)al&  fonnte  ernia)tumf>inunsetwa$ 
gu  fa)enfen*  —  SaS  f>at  @r  un£  aber  gefä)enft?  —  ©ein  £er$, 
Seinen  eingebornen,  lieben  ©ofm  unb  mit  bemfelben  ©eine 
©nabe,  ©eine  £t'nbja)aft,  ©einen  ^immelunb  Md.  3efu$ 
tyat  ©ta)  un£  fel&jt  aus  inniger  Siebe  mit  ©einem  ganzen  23er* 
bienftunb  mit  ©einem  ©eifte,  groft,  ßtaft,  ©nabe,  Zehen 
unb  ©eligfeit  gefa)enft*  2>ieß  erpellt  befonberS  au$  ©einem 
2tebe$mat)le,  in  welkem  @r  un$  ©einen  peiligen  Setb  unb 
Bein  tt)eure$  23lut  aU  Unterpfanb  ©einer  ewigen  Ziehe 
t>arreta)t,  —  £)affetbe  ift  ber  gatt  Hi  allen  benen,  tie  ©ott 
lieben  unb  ©eine  greunbe  ft'nb*  ©ie  bringen  an  jlebem  borgen 
unb  an  j'ebem  5lbenb  fta)  felbfr  unb  ü)r  eigenem  £er$  ©ott  sunt 
JDpfer*  ©ie  fyrea)en:  3a)  hin  £>ein,  £err  3efu,  ta)  bin  Sein, 


879 


mein  ©ott,  unb  Mt#,  wa$  mein  tfi,  ba$  tjl  £>eün  3$  »tiX 
3llle$  mit  greuben  $u  deiner  ^re  unb  $um  ©ienfte  meinet 
%üa)ften  anwenben,  gib  mir  nur  Gelegenheit,  ba#  ta)  e$  mit 
ber  ££at  bewctfe,  wie  feljr  ta)  2)ia)  liebe*  —  ©leidjwte  eg  bem 
liebreia)en  ©Ott  greube  maa)t,  ©ute£  au  tjjun,  fo  macljt  e$  ber 
liebenben  Seele  greube,  ifire  Gräfte,  tljr  ®ut  unb  2l(le$  tn  ber 
Siebe  ©otteg  31t  ver^rem  ©ie  fa)ct#t  fta)  glücflia),  wenn 
fte  um  i^re^  £errn  willen  etwaü  leiben  barf,  unb  ift  bereit,  um 
©einetwtllen  (£!jre,  ©ut  unb  33lut,  %tih  unb  hebert  jnnaugeben«. 
<£f>emal$  gab  e3  $?el)rere,  bie  fta)  barüber  betrübten,  wenn 
fte  feine  (Gelegenheit  Ratten,  um  Qtbrifii  willen  etwag  $u  bulben* 
Unter  Zubern  weif?  man  namentlia)  von  Cutter,  bag  er  fta)  oft 
barüber  beflagte,  er  allein  müjfe  ^ufe^en,  wenn  Slnbere  um  be£ 
Grvangeltum6  willen  gerben  bürfen*  &$  gibt  wo|>l  aua)  noa) 
fegt  foldje  Triften,  bie  fta)  glücflta)er  fä)ägen,  wenn  fte  um 
Qfyxifü  willen  gefa)mctl)t,  aU  wenn  fte  von  ber  SBelt  geehrt 
werben,  benen  eg  nia)t  wo^l  ift,  wenn  fte  ofme  2lnfea)tung  (tnb, 
weil  fte  aus  (£vfa£rung  wiffen,  t>a$  bk  $kU  51t  ©Ott  vok  ba£ 
geuer  in  ber©a)mibeffetft,  weld;eg  bura)  eingefprengteg  SBajfer 
verftärft  wirb» 

3)  2lu£  btefer  liebevollen  Ergebung  entfielt  ferner 
t)k  greube  an  ber  Befolgung  ©eineg  ^eiligen  2öil* 
leng,  wobura)  alle  ©eine  ©ebote  leicht  werben*  ©ej?et  eine 
Butter  an,  tok  viel  $flü£e,  ©orge  unb  Arbeit  fte  mit 
einem  Häuflein  üinber  $aU  SBte  oft  muß'  fte  alle  Sftulje 
unb  33equemlia)feit  entbehren,  wk  mana)en  SBerbrug  pat  fte 
hä  £ag  unb  bei9?aa)t!  £>oa)  überwinbet  fteMeg,  weil  fte 
liebt,  (£benfo  bünft  bem,  ber  ©Ott  liebt,  nia)t$  gu  viel,  noa)  31t 
fcbwer  um  3efu  willen,  bem  erbte  gum  £ob  verpflia)tet  ift  Qa$ 
Qbtbzt,  bie  23eraä)tung  ber  @itelfeit  biefer  SBelt,  bie  ©ntpaltuna, 
von  ©ünben  unb  anbere  Uebungen  ber  ©ottfeligleit  ftnb  tynx 
ein  [anfiel  3oa)*  £>arum  fprta)t  aua)  So^anne^,  ber  feinen 
^elfter  fo  innig  liebte:  „£>a0  ift  bie  Ziehe  au  ©Ott,  ba§ 
wir  ©eine  ©ebote  galten,  unb  ©eine  ©ebote  ftnb 
nia)t  fa)wer/'  —  ©leia)wie  aber  tk  %kht  greube  $at  am 
2)ienfte  ©ottee,  fo  iß  t£r  bagegen  alle  ©ünbe  ein  ©reuel;  fte 
erfa)ricft  nic^t  bloö  vor  böfen  SSorten  unb  Sßerfen,  fonbern  aua) 


880 


x>n  bflfen  ©ebanfen.  ©te  wünfd)t,  ein  fetter  unb  unbeffedter 
(Spiegel  ju  fepn,  in  welkem  ba$  eb£e  23t(b  be£  Gerrit  3efu  opne 
gierten  fkapten  möge»  ©ie  ift  iprem  eigenen  <£>er$en  feinb  unb 
würbe  alles*  baran  fegen,  um  es  t?on  ber  ©ünbe  ^u  befreien, 
wenneä  mbglia)ware.  ©ie  fagt  nia)t&(o$  t?on  anbern  serfepr* 
ten  2flenfa)en:  ,,3a)  paffe,  £err,  bte£>ta)  paffen,  wnb 
e$  serbriegt  mia)  auf  fie,  bag  fte  fia)  wiber  2)ic^ 
fegen,  i(^  paffe  fie  im  rea)ten  (£mfV  fonbern  fte  eifert 
aua)  wiber  fia)  felbjt  unb  tpr  eignen  gteifa)  um  ber  ©ünbe  wtl* 
Jen,  bte  barin  wopnt»  2)aper  fommt  e$  aua),  bag  fte  fta)  bte* 
weiten  mit  einem  (£ib  3um©eporfam  gegen  ©ott  unb  $uf9taa> 
folge  ipre$  <£rloferä  »erbinbei,  wie  $. 53.  £)a*>ib :  ,,3a)  f  a)  wöre 
unb  will  e3  palten,  bag  ia) bte $ea)te  deiner  ©er ea> 
tigfeit  palten  will*"  —  3a  es  gab  fotepe  gromme,  wela)e 
im  <£ifer  gegen  bie  ©ünbe  alfo  beteten:  £>  3efu!  meine  Giebel 
£)u  wetgt,  wie  fetnb  ta)  ber  ©ünbe  bin,  bk  in  meinem  gtetfa)e 
wopnt,  aa)  fränfe  unb  freudige  baffelbe,  bag  e$  ber  ©ünben 
vergeffe!  3erfntrfc^e,  ^erfajtage,  germalme  ba3  wiberfpenfttge 
$er3,  bag  e£  aua)  wiber  feinen  ^Bitten  folgen  mug!  — Steuer* 
fler  £etlanb,  tag  lieber  meine  Bunge  an  meinem  ©aumen  fte* 
ben,  ati  bag  ta)  etwas  wiber  deinen  Söitlen  rebe !  £ag  meine 
#anb  tterborren,  epe  ia)  fte  $ur  fünbtia)en  £ufi  unb  31t  gottlofen 
Söerfen  auSftrecfe!  £afj  meine  klugen  lieber  erbtinben,  als  bag 
id)  fte  auf  ba$  ria)ten  fotfte,  was  deiner  Siefce  nia)t  gemdg  tfi! 
£ag  mia)  lieber  fterben,  als  wiber  feinen  Sßtden  unb  mein  ©e* 

wiffen  panbeln! diu  frommer  23ifa)of  fagte:  f,(£t  wolle 

lieber  in  ba$  geüer  fpringen,  als  eine  wiffenttia)e  ©ünbe  wiber 
feinen  ©Ott  begepem"  (Sin  anberer  betpeuerte:  Senn  er  auf 
ber  einen  ©etie  bie  #£lte  fepen  fofüe,  unb  auf  Der  anbern  bte 
©ünbe,  unb  eö  würbe  ipm  £wifa)en  beiben  bie  SSapt  getaffen, 
fo  wollte  er  lieber  mit  gutem  ©ewiffen  fta)  in  bte^öHeftürgen, 
aU  ttorfäglia)  wiber  ©ctt  fünbigen.  2113  bte  Äatfertn  (£uborta 
bem  Ctprpfoftomuö,  ^rjbifcpof  $u  $onftantinopet,  fa)were  2)ro* 
jungen  fagen  lieg,  antworteten  tpre  Wiener:  (£$  tfi  umfonft 
tiefen  Sttamt  mit  £>ropungen  gu  fepretfen,  ber  fta)  »or  9Zta)t$ 
füreptet,  als  »or  ber  ©ünbe.  —  £)er  gromme  befirebt  fta)  alfo 
feinem  (£rtöfer  opne  gura)t  unb  au^  reiner  %izU  au  bienen, 


881 


ttne  Stugufim  faßt:  Grtn  dfmft  wirb  bura)  beftänbtge  Uebung 
enbtia)  ba£üt  gefangen,  baß  er  feinen  ©ott  meljr  Hebt,  aW'  er 
bte  £ö^e  füra)tet  SBenn  alfo  ©Ott  $ut£m  fpräc^e :  GErgib  biä) 
tmmerbar  ber  fünblidjen  £u|t  beutet  §(eifa)e3  unb  fünbige,  fo 
viel  bu  wittji,  bu  fotXfl:  barnm  Weber  fterben,  noa)  tn  t>a$  j>öttifa)e 
Jeuer  geworfen  werben,  fonbern  WoS  meines  5Infa)auettg  ent* 
fahren,  —  fo  würbe  er  fef>r  bavor  erfa)recfen  unb  nimmermehr 
fünbigen,  aber  nta)t  fo  wof>l  beßwegen,  bamit  er  nta)t  in  bte  QöUt 
fomme,  fonbern  vielmehr  barum,  baß  er  feinen  ©Ott  nia)t  be* 
leibige,  ben  er  fo  Ijerälia)  liebt 

4)  9tttt  btefer  l'tebe  $u  ©Ott  tft  aber  aua)  eine  immer* 
wäljrenbe,  wirf enbe  unb  treibenbe  traft  verbunben* 
(Ein$ex%,  t>a$($ott  ftebt,  tft  einSlftar,  auf  bem  ba£  geuer  nitt)t 
erlöfa)t,  beffen  gtammen  immer  ^um$imme(  feigen,  £)ie£tebe, 
eine  £oa)ter  beS  ©lauben6,  artet  tfjrer  Butter  naa)  unb  fte£t 
in  bejMnbiger  Uebung,  fte  J>at  ftets  mit  ©ott  unb  tf)rem  (Erlöfer 
3U  tfmn;  eS  folgt  an  ©eufter  unb  an  Verlangen  bem  anbern, 
fie  benft  immer  an  ifjren  £>erm  unb  bejtnnt  fta) ,  wie  fie  ttm$ 
i|mn  unb  fäjaffen  möge  gu  feiner  (£ijre*  2l(le3  aber,  wa$  fte 
il)ut,  ba£  tjutt  fte,  aU  vor  bem  2lngefta)te  ©otteä  unb  tn  bev 
§tebe  tf?re3  (£rföferS,  wie  jene  fromme  9ftagb,  bte  fta)  bei  alten 
tfjren  arbeiten  anSefum^rtftum  erinnerte  unb  an  ba$  $reu$, 
baS  <£r  aus  ^te^e  $u  ipr  fo  willig  getragen  Jjabe*  3a,  ta)  fiabe 
(£j)rtften  fennen  gelernt,  wela)e,  w?nn  fte  aua)  nur  eine  gebet 
probirten,  nta)t$  fa)rieben,  als  was  von  ber&ebe  ^u  i£rem£ew 
tob  geugte,  $♦  53.;  meinen  Sefum  lag  ta)  nia)t;  ober:  j?eqlta) 
lieb  £ab  ia)  ©ia),  o  £err!  —  @in@f?rift,  ber  (Bonität,  gleta)t 
einem  (Siegelring,  ber  ma)tS  anbete  abbilbet,  als  waä  in  tjmt 
eingegraben  tft;  in  feinem  Snnern  perrfa)t  unb  lebt  3efuS  mit 
©einer  %kbe,  beg£alb  brütft  eS  @eur3$tlb  unb <5ein  Slnbenfen 
allenthalben  au$.  £)ie  (£rfaj>rung  teBrt,  ba§  fota)e  $?enfa)en 
aua)  im  ©a)lafe  ipreS  GrrloferS  nia)t  vergeffen  tonnen,  unb  tck 
fte  im  feiigen  ^Inbenfen  an  3j?n  etnfdjlafen,  fo  fommt  <£x  ijmen 
aua)  nia)t  aus  bem  Sinne,  wenn  ber  %tih  xn%  —  (£in  lieben* 
beS^er^  gleia)t  einem  ©efdß  mit  fiebenbem  Baffer,  ba$  immer 
fprubett^  ober  einer  Springquefte,  bie  au$  ben  verborgenen  Zie* 
fen  ber  (^tbe  $j  Sßaffer  hervorbringt  2öaS  baö  ©ewia)t  an 


882 


etner  Ufjr  ifl,  baS  ifi  bte  Siebe  in  bem  ^er^en,  fte  erhalt  eS  in 
bejMnbiger  2lrbett  unb  täffet  eS  nimmer  ptCfe  fielen,  (£ine  lie* 
benbe  ©eele  if*  eine  unruhige  ©eele,  aber  tiefe  Unruhe  bringt 
ijjr  feinen  Vertrug  ober  <Sd)aben,  fonbern  fte  fffc  i£r  angenehm 
imb  jjetlfanu  Sie  fdwfft,  rebetunbbenft  immer  etwas  £eiltgeS, 
£immltf$eS,  ©öttlidjieS;  aber  fte  ift  $><xM  mit  ft$  felbj*  nidjt 
aufrieben*  (£S  ift  iljr  immer  im  ©inn,  als  ob  2llleS  ^u  wenig 
für  ©Ott  wäre*  @ie  fagt  $u  ftd):  <£r  ift  tnel  me£r  wertl),  <£x 
$at  taufenbmat  mel?r  »erbient  —  SBenn  fte  bk  Siebe  ©otteS 
betrautet,  fo  gept  eS  i£r,  wie  wenn  man  einen  <&tein  in  ein 
fitlleS  SBaffer  fallen  läffetr  woraus  ein  $reiS  um  ben  anbern 
entfielt,  »onbenen  einer  immer  größer  ift  als  ber  anbere*  SOßenn 
fte  aber  ipre  ©egentiebe  erwägt,  fo  bünft  eS  tyx,  als  ob  bte* 
fefbe  faum  einem  $reiS  ^u  wgleid?en  fep,  ber  ni$t  größer  ift, 
als  tyt  armes,  fleincS,  fünblitt)eS  £er^  £)arum  wünfa)t  fte 
oft,  baß  fte  entweber  un^ä^Iige  #er$en  f>aben,  ober  Ue  Gräfte 
aller  GFngel  unb  Sföenfdjen  in  u)r  deines  £er$  oerfammeln  unb 
alfo  ©Ott  über  alte  Sftaaß  lieben  möchte,  gleidjwie  <£r  fte  ge* 
liebet  £at  <5ie  weiß  wojjt,  baß  man  ©ott  ojjne  9D?aaß  unb  3«t 
Cteben  foll,  unb  wenn  man  au$  in  anbern  fingen  $u  t>tel  t^un 
fann,  fo  fann  man  bo$inberStebebeS£ö$ftenm>3Uttt>lt£um 

5)  Söeiter  tß  in  ber  $kU  ein  Verlangen  ft$  auS$u* 
fc retten,  fte  ifi  ein  geuer,  baS  immer  weiter  um  ftdj  greift 
Stebenbe  £er$en  ftnb  xok  glüjjenbe  $of>len,  weldje  anbere  an$u* 
äünben  fu^en,  unb  xok  weltlich  Siebenbe  nidjt  nur  ben  Warnen 
beS  ©eliebten  befttinbig  im  Sttunbe  führen,  fonbern  audj  ben* 
felben  in  8üe$er  ober  an  bie  Sßanb  f^reiben,  bisweiten  au$ 
in  bte  Sftinbe  eines  Raumes  eingraben,  fo  ift  eS  baS  Qifytm 
unb  Straften  ber  ©Ott  Siebenben,  baßaKe^er^enber  9Äenfd)en, 
mit  benen  fte  umgeben,  mit  t>m  Warnen  3efu  be§ei$net  unb 
mit  ber  Siebe  ©otteS  übertrieben  fe^n  mortem  SMeß-  fefjen 
toir  $auptfäd[)lidj  an  Paulus  unb  ben  übrigen  Styoftetn,  welä)e 
mit  unserbroffener  Wltyt  unb  unermübetem  gleiß  alle  Sauber 
turc^reifeten,  unb  2llleS  mit  ber  @rfenntniß  unb  ^kU  ©otteS 
unb  3efu  (grifft  $u  erfüllen  fuä)tem 

6)  2>iefe  ^kU  ju  ©ott  $etdmet  ftd)  au$  burij  ^efiän^ 
^iöfeit  unb2)auerpafttgfett  aus*   2Beber3eit,  noc^ 


883 


Drt,  nodj  UmjMnbe  fönnen  fte  änbern,  fte  ijt,  wie  ber  Styofiet 
.  fagt,  unüerrütft,  nia)t balb falt,  balb  warm,  nia)t leia;tfmm'g 
unb  unbefMnbig,  fonbern  treu,  fejt  unb  unbeweglia;  bt^  in  ben 
£ob*  2)aljer  bezeugt  bie  Sa)rift:  „£>ie  Siebe  ift  fiarf,  tt)ie 
ber£ob,  unb  ifjr  Gnfer  t|*  feft,  wie  bie  £ölle,  tpre 
©lutfj  ifi  feurig  unb  eine  glamme  be$  £erm" 
„(£in  greunb  Hebet  allezeit,  fpria)t  8alomo,  unb  ein 
trüber  wirb  in  ber  ^ot^erfunbcn»"  2)ie  waljre  Siebe 
3u  ©Ott  wirb  twn  feinem  ^egen  ber  £rübfal  ausgetilgt  unb 
lägt  jt$  bura;  leinen  ©turmwinb  ber  Verfolgung  son  iljrem 
©ott  abwenbt'g  machen*  @ie  gleicht  jenem  guten  $inbe,  baS 
son  feinem  Vater  wegen  eines  Vergehens  ge$üa)tigt  worben 
war»  211S  eS  »on  feiner  Sftutter  gleiä)  nad^er  im  ©a)erj  ge* 
fragt  würbe,  ob  ber  Vater  nia)t  tili  bofet  statin  fep  unb  ob  e$ 
benfelben  aua)  noa)  lieb  Jjabe,  bej'atjte  es  bas  Se£te  unb  ser* 
•  neinte  baS  &f|e,  ob  tjmt  gleia)  noa)  bie  £pränen  über  bie 
Sangen  perabltefen.  Sie  ftm'c^t  mit  bem  ^eiligen  Sluguftin: 
£u  bift  unb  bleibft  mein  ©ott,  —  ein  lieber  Vater,  £>u  tröjlefi 
ober  ^üdjtigej!,  ober  mit  jenem  grommen: 

£>u  bifl  bennorf;  mein  @ott, 

Unt»  f^lägft  2)u  mtfy  ju   taufenbmalentobt 

©ie  liebt  ®ott  niä)t,  ttriebte$£om$ter,  welche  ii?re©ö§ett 
mit  soften  £afa)en  unb  deuteln  ahhüttttnf  weil  fte  meinten, 
eS  gebe  feinen  beffern  $8e\vti$  für  t>it  ©ott^eit,  als  ben  Sfteta)* 
tljum,  unb  feine  größere  Urfaa)e  fte  gu  sereljren,  als  ben  Heber* 
flfefl  an  allen  fingen;  fonbern  fte  tji  wie  $?ofeS,  ber  fta)  übet 
ben  £errn  serwunberte,  obgleia;  (Et  ifnn  bloS  in  einem  Dorn* 
bufä)  erfd;tem  —  &te  Siebe  ftept  nia)t  fowopl  auf  bie  ©aben 
©otteS,  bie  fte  beftfct  ober  erwartet,  als  auf  ben  milben  ©eber 
felbft  Bit  liebt  ipren  (£rlöfer  nia)t  bloS  auf  bemlBergeS^abor, 
wo  (£r  fta)  in  soller  Marfjeit  fe^en  lägt,  fonbern  aua)  am  Del* 
berg  unb  auf  ©olgatpa,  wo  fte  3^"  in  grofkr^lngfl: mit  dornen 
gefront  unb  am  $reu$e  ljängenb  ftnbet*  @S  ift  SefuS,  t>tn  fte 
liebt  unb  nia)tS  anberS;  entbehrt  fte  aua)  @f?re,  ^etdjtljumunb 
anbere  Vergnügungen,  fo  ift  fie  boa)  freubig  unb  vergnügt 
wenn  fie  nur  Sefum  f>aU 

56* 


884 


T)  GEnblia)  wirb  bie£tebe  mo)t unvaffenb  eine33egterbe 
naa)3$eretntgung  genannt;  benn  jte  fejmt  fta)  tmmerbar 
unb  feufaetftets  naa)  i£rcm  ©ott;  fte  verlangt  nur  bei  3efu 
pfe^n  unb  in  Seiner  §iebe  au  leben.  —  3fl  bie  9tebe  vom  £obe, 
vom  £tmmel  unb  ber  Seligfeit,  fo  raffet  i£r£er$  unb  fcuftet: 
5la),  wann  werb'  ia)  balnn  fommen ,  ba$  ia)  meinen  ©Ott  unb 
meinen  3efum  fa)aue!  —  (£$  ift  ben  2Biebergebornen  eigen,  ba{* 
fte,  gleia)  ber  glamme,  immer  aufwärts  fkeben.  (Ein  liebenbeS 
£era  |>at  awar  in  ber  2Mt  noa)  50?ana)eS  au  tfmn,  aber  alle 
[eine  ©ebanfen  vereinigen  fta)  barin:  balb  aus  ber  305  elt, 
balb  in  ben  £immeL  <£$  lebt  naa)  ©otteS  %Bükn  in  ber 
(Eitelfeit,  aber  fepnt  fta)  immer  naa)  ber  (Ewigfett  2)aJ?er  Jjört 
man  ben  grommen  feufaen  unb  fagen:  3te£  mia)  £>tr  naa),  £err 
3efu!  „2Bie  ber£irfa) fa)reiet  naa)frifa)em28affer, 
fo  fa)reiet  meine  Seele,  ©Ott,  au  £>ir»  Steine 
Seele  bürdet  naa)  ©ott,  naa)  htm  lebenbtgen 
©Ott,  w  an  n  w  er  be  ia)ba£  in  fommen,  bafHa)  ©otteS 
3lngefta)tfa)aue?  (£J?rifiuS  ift  mein  £eben,  Sterben 
tßmetn  ©ewinn*  3a)  Ijabe  £uft  abaufa)eiben  unb 
&ei(££rijtoau  fe^n."—  3ener  fromme  fagte,  fo  oft  er  bie 
U£r  fa)lagen  J>örte:  ©ottlob!  abermals  eine  Stunbe  meinet 
Sefu  näper!  din  Ruberer  meinte:  <£$  fcp  an  bem  £obe  nia)t$ 
2u  tabeln,  als  b<x$  er  bie  au  fliegen  Pflege,  bk  ijm  »erlangen, 
unb  benen  naa)eile,  bie  vor  ijfjm  fliegen*  3?oa)  ein  Slnberer 
vergog  am  ©rabe  frember  ^erfonen  viele  S^ränem  211S  man 
tjm  fragte :  wie  es  f  omme ,  baj?  ber  £ob  biefcr  Eingegangenen 
i£n  in  foldje  Traurigkeit  verfeme ;  erwieberte  er :  ia)  weine  nia)t 
um  ber  2eta)en,  fonbern  um  meinetwillen,  weil  fo  SBiele  vor 
mir  auS  ber  (£itelfeit  aur  feligen  (Ewigfeit  eingeben,  wctyrenb 
bem  ia)  in  ber  Seit  Utihtn  unb  beS  fro£liä)en  Umgangs  meines 
(ErloferS  entbehren  muß,  ia)  weiß  nia)t,  wie  ia)  mia)  an  meinem 
©ott  verfünbtgt  $abz,  ta  (Er  mia)  fo  lange  im  £anbe  ber 
Sterblia)feit  verweilen  läffet.  (Ebenfo  fagte  einft  ein  $ranfer, 
bem  man  Hoffnung  aum  %$m  maa)en  wollte:  man  tonne  tym 
feine  traurigere  9*aa)rta)t  bringen,  als  bag  er  noä)  länger 
(eben  unb  nia)t  balb  bei  feinem  (Erlöfer  fep  folle*  (ES  Ijeifft 
betonen: 


885 

Seg  ©üfer!  weg  <£$re!  Weg  trbtfäe  Stifte! 

21$,  baf  t#  no#  f>eute  sunt  f>imme(  ein  muffe! 

£>  ^{mmUfc|eö  Äteinob,  o  ewige  greuben! 

21$,  tap  mia),  £err  3efu,  t-on  Rinnen  batb  föetben! 

D  $immttfa)e  $(arljett,  o  ewtge$  2eben! 

SSann  wirft  i>u  boä;  enbtia)  mtd)  Slrmen  umgeben  % 

2tdj  3efa  wie  fange!  vs>k  lange,  o  ©onne 

3Äu£  icf>  boä)  entbehren  ber  $tmmtif($en  Sonne! 

SlniDenbuttg. 

L  9Btr  fyahm  nun  bie  £aupieigen($aften  ber  Siebe  $u  ©Ott 
betrautet  unb  tdi  gebe  gerne  3«,  baß  noa)  mehrere  bason  ange* 
füprt  werben  fönnten,  bod;  l?alte  ia)  bafür,  baß  baS  ©efagte 
3U  unferem  $orj)aoen  i)inreia)enb  fe^.  3ttöa)ten  Sitte,  bte  tiefe 
@d;rift  tefen,  in  fuqer  3zü  &u3  eigener  (£rfaj?rung  mej>r  bar* 
über  $u  fagen  voifim,  als  ia)  in  meiner  Sa)wad$eit  $u  t£un 
im  ©tanbe  war !  3$  werbe  nun,  meiner  @ewoIm{>eit  na$,  bie 
Sin wenbung  biefer  Sel?re  $on  ber  Siefce  © otie$  f ur j  angeben»  £>ie* 
f  elfte  rann  nemTtdjba^u  bienen,  baß  wirunfer@!mjient£um 
prüfen,  unb  bie  33efd)affen£eit  unfereS  ©lau&enS 
erfahren*  —  £)aS  <S£rijleni£iim  o|me  jjersiidje,  orünftige 
Siebe  $u  ©oft  iß  fein  wal)re$  Qtjmßentljmnu  2)ennberteoenbige 
©lauoe  eräugt  eine  innige,  ungefärbte  Siebe,  unb  wo  3efu$ 
bura)  ben  ©laufen  im  fpf^M  wofmt,  ba  muß  ?iebe  fe^tt  unb 
Siebe  entpepen;  benn  wa$  iß:  (SfmftoS  anber£,  alö  Stefce?  2Bir 
jjafcen  baoon  in  ber  »orpergejjenben  ?5rebigt  weitläufiger  ge* 
fprodjen,  weil  wir  aber  nidjt  zweifeln,  baß  SSiele  ffä)  einoilben 
werben,  e$  fefrte  ifwen  niä)t  an  ber  Siebe  31t  ©Ott,  fo  wirb 
bteßmal  nötjjig  fe'pn,  baß  wir  biefeloe  naa)  bem  £)bigen  prüfen, 
@  iß  ßet3  ein  böfe£  3eia)en,  wenn  ein  2)?enfa)  in  biefer  ©aa)c 
gleia)  mit  fid;  feloft  aufrieben  iß  unb  fta)  nia)t  einmal  bie  2Eü£e 
nimmt,  bie  33efa;  äffen!)  eit  feinet  «fre^enS  genau  $u  unterfud;en» 
28er  ©ott  wirf(ia)  tkht,  ber  meint  immer,  zx  liebe  3N  nic^t 
fo  Jeralid)  unb  eifrig,  wie  er  3jm  liefcen  fottte*  —  ©onß  v>tx* 
tragen  fta)  geuer  unb  Söaffer  nia)t  miteinanber;  allein  oei  ben 
©laubigen  iß  Siebe  im  £er$en  unb  Gaffer  in  ben  Slugen,  unb 
ba$  geuer  wirb  jn'er  bura)  ba$  äöaffer  nicfjt  gelöfa)t,  fonbem 
vergrößert  mx'o  unterhalten.  Spat  alfo  ber  S^enfc^  wegen  tu 


886 


diebe  $u  ©Ott  feinen  Kummer  unb  logt  er  2ll(e£,  m$  er  bason 
port,  als  eine  unwichtige  ©a$e  sorübergejjen ,  fo  ij*  fein  £er$ 
ofme  3weifel  noejj  fe£r  falt  unb  |>at  noa)  leinen  gunfen  t>om 
£immel  erfjalten*  — 

1)  $rüfe  bia)  alfo  ernftlia),  o  djmfi,  wie  e$  behalt  mit 
bir  pe^e?  ©ielje,  bein  ©Ott  forbert  *>on  bir,  ba$  H  3£n  liefen 
fotfjHon  gangem  £>ergen,  son  ganzer  @eele,  son  gangem  ©e* 
mittle  unb  au$  allen  Gräften»  £aft  bu  biefen  ernfftia)en35efef>l 
aua)  wopl  je  reiflidj  erlogen  unb  tj>n  beinern  Snnern  sorge* 
galten  ?  #afi  bu  aua)  fa)on  £ergli$  unb  mit  £f>räncn  befragt, 
baf?  frei  bir  fo  wenig  gu  ftnben  ift,  weiprenb  bein  ©Ott  mit  allem 
9?e$t  fo  siel  son  bir  forbert?  £aft  bu  bir  aua;  fa)on  sorge* 
nommen,  bein  £erg  fo  siel  al$  möglia)  unb  tyi  jieber  ©elegen* 
fytit  gur  £iefce  ©otieS  angufjalten  unb  immerbar  mit  eifrigem 
Verlangen  um  eine  brunftige  £tebe  gu  bitten  unb  nt'djt  na$gu* 
laffen,  U$  bu  empftnbefl,  ba$  baß  geuer  gleia)fam  som 
Fimmel  gefallen  unb  baß  £)pfer  beineS  £ergen£  angegunbet 
^abe?  $ielleia)t  Jwfl:  bu  baß  Meß  Ußfyzx  entweber  gar  nic&t 
ober  mit  fä)lea)ter  2inbaa)t  getrau,  unb  bennod)  willft  bu  ein 
glaubiger  (££rtji  unb  alfo  an  greunb  ©otte$  feigen? 

2)  $rüfe  biä)  nun  weiter,  wiebu  deinen  ©Ott  unb  (Er* 
Idfer  fa)ä£eft?  £>b  bu  in  SOßaprjmt  sor  ©einem  peiligen  2lnge* 
ftc^t  fagen  lannfi,  baß  €r  über  Meß  in  ]bcx  Seit  in  beinern 
£ergen  l)oc$  geartet  tji?  ©agft  bu  3a,  fo  wirb  tß  nid)t  fdjwer 
fe^n,  bid;  ju  überzeugen,  baj?  bu  mcjjr  fagfi,  al3  bu  beweifen 
fannjl  SSiellei^t  pältfi  bu  bia)  felbfi  nod^  über  Meß  fyofy  unb 
werty,  unb  jjafl  no^  nie  gelernt,  auß  %kfo  gu  ©ott  bia)  felbft 
gu  serläugnen,  beinen  SM«*  gu  brea)en  unb  bein  gfeif$  fammt 
ben  Süjkn  unb  SBegierben  gu  freudigen  ?  2$iellei$t  actytef*  bu  bie 
dfyxt  Ui  9tfenf$en,  ben  ^eit^tpum,  bk  fxatyt  unb  Sottufi 
ber  {ewigen  ^tit  pf>er  als  baß  $reug,  bie  £)omenfrone,  bie 
Slrmutj»  unb  Skrac^tung  beutet  (MöferS?  3ene£  serlangfl:  tu 
unb  fu$ji  e$  mit  sieler  Wltyc  burd;  erlaubte  unb  unerlauWe 
Mittel  gu  erwerben;  aber  an  biefe£  benlj^  tu  nia)t,  auger  wenn 
bu  beinern  ©ewiffen  S^upe  serfa)affen  wilip,  fonfi  aber  erfüllt 
t$  biti)  mit  ©a)recfen  unb  bu  magji  mit  fold)en  unangenehmen 
fingen  ntc^t^  $u  tpun  paben?  Sl$,  waö  ijmn  bie  ^rijien 


887 


heutigen  £ageS  um  beS  ©elbeS  wott(cn;  was  aber  tyun  fte  um 
©otteS  bitten?  —  goTgenbe  53ei[ptete  mögen  bieg  noä;  beut* 
lia)ermaä)en:  53etber  Belagerung  von  Dfienbe  1601  geigte  ein 
Sefutt  einem  ©olbaten,  ber  fe|>r  gerne  fhtcfyte,  ein  großem  ©olb* 
jKttf  unb  verfpraa;  eS  tym  $u  f^enlen,  wenn  er  tyn  bura)  baS 
Sager  begleiten  unb  jeber  ©elegenfjeit  ^um  glühen  ausweichen 
wotte;  ber  ©olbat  naf>m  bie  33ebtngung  an  unb  folgte  tpm> 
Db  er  gleicfj  von  feinen  ßameraben  vielfältig  geregt  würbe, 
fo  ^wang  er  ftd)  boa)  um  beS  ©olbjtücfs  Witten  unb  enthielt  ftdj 
ailtö  gluefienS*  211S  ber  3efuit  bem  ©olbateu  enblia)  baS  ©elb 
reta)te,  erinnerte  er  t£n  ernffti$,  wie  f^Iea)t  er  für  feine  ©eele 
forge,  wenn  er  ferner  feiner  Übeln  ©ewofjnjjeit  folgen  unb 
jt$  berfefben  ni^t  aus  Zkte  $u  ©ott  unb  feinem  £etlanb 
enthalten  wotte;  ba  er  eS  ja  um  eines  fo  geringen  ©ewtnnS 
Witten  getjjan  fyaU.  2luf  gleiche  Seife  verfpra$  einjt  ein  ^ei* 
fenber  feinem  g;u£rmann,  bafji  er  ijm  boppelt^len  wolle,  wenn 
er  unterwegs  nid)t  fluche,  was  biefem  aua;  ni$t  f$wcr  fiel*  — 
SefetbaS,  meine  @fjriflen,  mit  9*aa)benfen  unb  prüfet  babet 
euren  eigenen  SSanbeL  £abt  ijjr  ni$t  <xua)  fd;on  um  fcfjnöben 
©ewinnS  Witten  Zieles  getrau,  unterlaffen  ober  erbulbet,  WaS 
tyx  auS  %kU  au  ©ott  fd;werliä)  tf)un,  unterlaffen  ober  bulben 
würbet?  Urteilet ,  ob  tbr  eucl;  unter  folgen  UmjMnben  eines 
wahren  ©laubenS  unb  re^tf offenen  telmjkntlwmS  rühmen 
tonnet? 

3)  Sefet  fleißig,  was  wir  oben  von  ber  SBefa;  äffen  Jiett  ber 
göttlichen  Siebe  gefagt  |mben,  unb  prüfet  cud)  na$  hm  an«* 
geführten  ©teilen  ber  <3a)rift  unb  ben  33eifpieTen  ber  £et* 
ligen,  ob  t£r  tägliä)  ma)  felbft,  euer  £er$,  eure  Gräfte/  euer 
®ut  fammt  Ottern,  was  i£r  pabt,  an  ©ott  in  Siebe  opfert 
unb  Eingebet? 

4)  prüfet  eu^,  ob  tyv  ben  eroftlicfjen SBorfag  pabet,  lieber 
eua)  felbjt  unb  5ltteS  §u  verlieren,  als  wiber  bie  $flia)t  ber  Siebe 
Su  ijanbeln,  hit  iljr  eurem  (Möfer  für  ©ein  teures  33lutf$ulbig 
fepb?  Ueberleget,  ob  eua)  bie  ©ebote  eures  ©otteS  eine  Suji 
ober  tint  Saft  fe^en,  ob  if>r  aufrichtig  fprec^en  fönnet:  „2)  et* 
nen  Sßillen,  mein  ©Ott,  t$ut  i$  gerne/'  ob ijjr lieber 
<5a)matt)  unb  2kraa)tung  erbulben,  als  fünbigen  wollet,  ob  t$r 


888 


enbtidj  um  ©ottunb  ©eine  <£{jre  eifert,  wenn  euo)  (Gelegenheit 
ba$u  gegeben  ifi?  —  ®efe|t  nun,  u)r  werbet  an  eurer  (££re 
angetafiet  unb  befdjintyft,  unb  biefe  33efd;impfung  wäre  wie 
gewofmlta)  mit  glühen  unb  ©otteSläfterungen  oerbunben,  waä 
Würbe  euo)  mepr  $u  Herren  gelten,  eure  ©ä)maa)  ober  bie  33e* 
leibigung  (^otte^r  eure  @jjre  ober  bie  <©eete  beö  oerbtenbeten 
^äc^ften?  @eipb  i^r  reä)tf djaffene  (£i?rifien,  foaa)tetiljregnid)t, 
obijjr  gteitt)  gefdjmäljt  unb  geldwert  werbet,  mnn  nur  ©Ott 
nidjt  beleibigt  wirb*  (£$  wirb  eucf?  nte^r  betrüben,  wenn  ©ott, 
aU  wenn  eua;  Unreä)t  gefdu'ejjt,  nacJjben2Bortenbeg${almen: 
„3$  eifere  miä;  fester  ^u  Ztöt  um  bein  $au$  unb 
fcte  <5a)maa)  berer,  bie  £) tdj  fa)mdl?en,  ift  auf  mid; 
g ef alten."  —  5tttein  bebenfet,  toie  ifyx  eufy  in  folgen  hätten 
ju  oerjiatten  pfleget?  SBte  hielte  tonnen  bie  f$recffiö)jten  glücke 
unb  ©oiteStdfierungen  gleichgültig  anpren,  fobalb  aber  fte  nur 
mit  Einern  Söorte  bereibigt  werben,  fo  fahren -fte  in  heftigem 
3orn  auf.  Unb  me  mand)e  £au£$dter  unb  Hausmütter  feiert 
fta)  barüber  weg,  wenn  ifyt  ©eftnbe  ben  £aufbunb  verlebt  unb 
ben  teufet  im  iftunbe  füfjrt,  £anbett  baffetbe  aber  wiber  bie 
£au$orbmmg  unb  ben  Winsen  ber  gamilie,  ober  txitt  eö  ben 
$inbern  etwa  mit  einem  2öorte  ^u  na|>e,  ba  entfielt  oft  ein 
Carmen,  aU  ob  ba$  &au&  brennete.  Unb  Me  biefe  wollen  boa) 
gute  ^rijten  unb  greunbe  ©otteS  $ei$enl 

5)  prüfet  eud)  weiter,  auf  welche  Söeife  i(?r  eua)  bemüht 
Ijabt,  bie  Ziehe  ©otteS  auszubreiten?  Bähtet  einmal biejenigen 
£er,  weta)e  tfjr  bura)  euer  gutes  23eifpiet  unb  eure  brübertid;e 
Erinnerung  für  ©Ott  ^u  gewinnen  unb  ^ur  Ziehe  gegen  3pn  gu 
bewegen  fua)tet?  3eiget,  wie  tyx  eS  eua)  angelegen  fernlieget, 
eure  (Regatten,  ^inber,  ©eftnbe,  9catt)barn,  Söerwanbte  unb 
greunbe  mit  bem  geuer  ber  Ziehe  ©otteS  $u  ent^ünben?  Raffet 
fepen,  toie  tyx  fte  $ur  £oa)aa)tung  beS  @>Qttiiti)en  unb  ^ur  25er^ 
adjtung  ber  ditüfeit  ber  üBelt  angeleitet  jjabt?  Sie,  werben 
wotjt  eure  $inber ,  wenn  tjmen  auf  einer  <&eite  ein  Äreu^, 
eine  SSibet  unb  anbere  d?rtftu'$e  23udjer,  auf  ber  anbern  ba* 
gegen  ©etb,  harten  unb  anbereS  ©pielwerf  gezeigt  würbe, 
btö  <£rfte  wallen  ?  $aht  tyx  fte  unterrichtet,  bag  fte  bie  2)or* 
nenfrone  3efu  unb  <&ein  $reu$  fjo|>er  ftt)ägen  fotfen,  aU  alle 
£errti#feit  ber  Seit?  ~ 


889 

6)  gerner  bebenfet,  ob  tyv  auty  entfdjloffen  fe^b,  ©oft 
imb  ben  £errn  3efum  in  Steb  unb  Seib,  in  ©lud  unb  Ungfücf 
au  liefen  ?  5Wan^er  benft,  icb  liebe  ©Ott,  fo  lange  e$  <$m  wojrt 
gejjt,  wenn  aber  Unglüd  unb  £rübfal  l)  er  einbricht,  fo  würbe 
er  mit  jenem  angefochtenen  Bergmann  ju  feinem  $3ettt)ttfater 
fagen:  „9ftetn£err,  melbetbem  lieben  ©ott,  baßia)  ©ein  tinb 
nia)t  meljr  fet;n  wolle,  weil  @r  mir  a\\$  meiner  9?o$  ma)t  Reifen 
will/'  Stiele  fejjen  ©Ott  immer  naa;  hcn  £änben,  tljut  (£r  fte 
auf  unb  gibt  dv  reia)lia),  fo  ift  (£r  ein  lieber  ©Ott,  f  abließt  (£r 
fte  aber  $u,  fo  [abließen  aua)  fte  ba3  $>erg  ttor  t£m  p,  unb  bem* 
naa)  ijt  tpre  Siebe  nia)t  auf  ©ott,  fonbern  auf  ©eine  ®ahtn 
gerietet!  (£tne  falfd?e  Siebe,  welche  nur  bau  Qbut  unb  ma)t  bie 
ferfon  liebt!  — 

7)  (Enblta)  wirb  ftd)  aua)  bei  fielen,  weld;t  fid)  ber  Siebe 
©otte£  rühmen,  nur  wenig  Verlangen  tab  geben,  bie  Söelt 
3u  serlaffen  unb  M  (£f)rifto  %n  fe^n,  $tana)e  ^enfd)en,  benen 
man  bm  Fimmel  wünfa)t,  würben  antworten:  „3a,  aber  fo 
fpät,  als  immer  möglich"  Ueberpaupt  fürd)te  ify,  biewenigfien 
^ripenunferer  ^age  möchten  in  biefer  Prüfung  bejk|jen,  weil  fte 
t>k  Sßotluj*,  SÖeltunb  ©itelfeit  me$r  lieben,  afö  ©Ott  üttana)e 
werben  e$  fogarläd)erlid)  ftnben,  ba$  man  benlöogen  fo  Ijoa) 
fpaunt,  unb  fola)e  unmöglia)e  £)inge  $on  ben  d^riften  forbert, 
obgleia)  ©ott  fefbfi  fprid;t:  „£>u  follft  ©ott  Seinen 
#errn  lieben,  $on  ganzem  £er$en,  ^on  ganzer 
©eele  unb  $on  ganzem  © e m ü t f? e/y  —  £>  iljr  wahren 
greunbe©otte3,  wo  fot(id)  eua)fmben?  3d) felbfl: erfenne meine 
große  ©d;watt)pett ,  unb  weiß  nid)t,  ob  iä)  bie  2lnfang6grünbe 
t)on  ber  tunfi,  ©ott  $u  lieben,  gefaßt  fyabt,  barum  möa)te  i$ 
gerne  einige  rea)tfd;affenc  greunbe  ©otte£  fennen,  um  bura)  fte 
aufgemuntert  unb  angeleitet  ^u  werben*  3a)  weiß  wo£l,  baß  e$ 
fola)e  gibt,  aber  e6  mögen  naa)  Sutjjerg  Meinung  fdum  %mi  Ui 
einanber  wohnen»  3nbeffen  ift  bod)  3eber  ftd>er,  rüfjmt  fta)  be£ 
©laubenö,  ber  ©creä)tigfeii  unb  ©eligfeit  (Ben  bieß  aber  jtnb 
bie  legten  traurigen  Bitten,  wo  \>k  Ungerea)tigfeit  über^anb  ge* 
nommen  fyat  unb  bk  Siebe  in  fielen  erfaltet  t|L  ©ott  fe^^anf, 
baß  3efu^  nid)t  gefagt  pat:  in  Stilen* 

3Sa3  wollet  Araber  nun  tbun,il)r  d;rifi  liefen  Seelen? 


890 


$Ba$  fett  euer  SSorfag  fepn?  Sottet  ifjr  bie  Siebe  ©sttes  ferner 
£eringf$ä$en  unb  fott  es  euä;  gleichgültig  feytt,  ob  i£r  fte  fyäbt 
ober  ni$t?  ©ann  wäre  es  mir  leib,  t>a$  ify  eucf>  c^rtfUidpe 
Seelen  genannt  Jjätte*  Senn  was  für  ein  (£lmfi  ift  ber,  weiter 
leinen  ©tauben  |>at?  ©er  aber  Jjat  feinen  ©lauben ,  welket 
leine  £iebe  ^u  ©Ott  unb  bem9M#en  £at  —  ©oc&idj  Ijabeeine 
beffere  Hoffnung  von  eud)*  Raffet  un£  ©Ott  Heben; 
benn  dv  fyat  uns  auerfl  geliebt"  .€a(fet.  uns  ©Ott  unb 
3efum  Glmfhmt  mit  ber  j)o#en,  remften  unb  eifrigen  %izU 
lieben;  benn  es  gibt  nichts  im  £immel  unb  auf  (Erben,  bas  biefe 
Siebe  beffer  verbient,  als  unfer@ott*  ©ottteaberSlttes,  wasi$ 
feiger  angeführt  pabe,  nichts  ausrichten,  fo  fege  tet)  ^um  33e* 
f$lug  nodj  He  ©ropworte  bes  StyojMs  ^teper:  ,,©o  3emanb 
t>en  #erw  Sefum  nia)t  lieb  f>at,  ber  fe?  verflucfjt  unb  bem 

£obe  übergeben*" 2ld)  mein  ©Ott!  yjlötyteiü)  bodj  atte 

Kreaturen  3U  ©einer  Siebe  anetfem  fonnen!  Wlöfyte  es  mir 
gelingen,  He  #eraen  atter^cnfcfjen  mit  bemgeuer  ©einer  Siebe 
5u  entaünben!  £)  bag  atte  Triften,  bie  biefe  <3$rift  lefen,  mit 
ber  perali#en,  innigjten  Siebe  au  ©ir  erfüllt  würben !  Wlein 
£era  fann  tdj  a^ar  nidjt  tf>eilert,  lag  aber,  o  ©Ott,  jebeS 
<£remplar  biefer  «Schrift  ffatt  meines  armen  &eqens  fepn  unb 
lag  in  bemfelben  einen  Slbbrud  ©einer  ^kht  unb  ©üte  erfahrnen, 
bamit  viele  £er$en  baburc^  au  ©einer  Siebe  gebracht  ober  barin 
geftärlt  unb  erhalten  werben !  Sag  mein  #era  einem  23rennfpieget 
gleiten,  ber,  ob  er  gleich  fonft  lalt  unb  opne  $i£e  iß,  bodj 
von  ben  @onnenjira]?len,  bie  er  in  ftd)  aufnimmt,  anbere  ©inge 
erwärmt  unb  ent$xti>etl  D  3e.fu,  ©u  ewige  Siebe !  entaünbe 
mify,  lag  mi$  ntdjt  Zubern  prebigen  unb  fepreiben  unb  felbft 
verwerflich  werben,  um  ©einer  unbegreiflichen  Siebe  Witten! 
Slrnem  — 

3$  würbe  mit  biefem  9Sunfd;e  gefa)loffen  fyaben,  wenn 
ify  es  ni$t  für  ©c^ulbtgfeit  JKelte,  für  He  frommen  (Seelen, 
bie  e$  nic^tglauben  unb  nic^t  wiffen,  bag  fte  ©Ott  lieben,  unb 
jta)oftfe{>r  barüber  betrüben,  no$  einige  Borte  bes£rojtes  pin* 
aupfügen.  3ttancfjer  gromme  nemli$,  ber  bas  ernpe  ©ebot: 
,,©u  follfi  ®vtt,  ©einen  £errn  lieben  von  ganaem 
^eraen:c./'  fo  teie  anbere  <Bptüfye  ber  ©$rift  unb  He 


891 


33eifyiete  bei*  wahren  S3ereprer  ©otteä  fieät  unb  betrachtet,  ge* 
rät£  oft  barüber  in  2lngft  unb  £raurigfeit  unb  benft:  ,,$a)  wie 
tt)ett  Hn  ta)  noa)  »on  biefer  eifrigen  unb  brünfltgen  Siebe  ©otteS 
entfernt!"  3a)  ^>abe  noa)  nic^t  einmal  angefangen,  ©Ott  $u 
lieben,  nein  Jper^  ij*  noa)  fo  faß,  unb  alle  meine  Gräfte  ftnb 
wie  ein  feuchter  3unber,  ber  feine  gunlen  fangen  Witt*  3a> 
fiu)le  baä  bringen  unb  treiben  ber  %itU  nia)t  in  mir,  wo»on 
boa)  mein  Gnrlöfer,  wie  aua)  $aulu$  fpria)t  9ttein  £er$  fepnfc 
ftcp  nia)t  fo  naa)  ©Ott  unb  göttlichen  fingen,  wie  bie  ju  tljun 
pflegen,  welche  ©Ott  wixtlify  lieben  ic.  —  darauf  antworte  td)  r 
d$  ift  unmöglich,  baß  ein  bußfertiges  unb  gläubige^  £er$  (benn 
nur  mit  fola)eu  rebe  id>  jie^t)  gan^  opne  %kU  ©otteS  fep 
fonnc*  2)er  (£int  fann  3 war  eine  größere  %khz  imben,  aU  ber 
Slnbere,  wie  unfer  £ei(anb  feX6ffc  anbeutet,  wenn  £r  fagt: 
„3£r  ftnb  üte(e  Sünben  »ergeben,  benn  fie  Ijat 
t> t et  geliebt;  welchem  aber  wenig  »ergeben  wirb, 
berliebet  wenig*  Sluf  ber  anbern  (Bäte  aber  ift  e$  noa) 
nie  erhört  worben,  baß  ber  rea)tfd>ajfene  (tyxift  ganj  ofme  %itlt 
gu  ©Ott  fe$n  fottte;  benn  wo  ber  ©laube,  @ü>rifht$,  @ein$3lut, 
<3ein  ©eift  unb  eine  neue  Kreatur  ifi,  ba  muß  aua)  bie  Siebe 
fepn,  fo  gewiß  al$  t><xf  wo  eine  ©eele  im  Ztöt  tf*,  natürliche 
SBärme  unb  Bewegung  fe^n  muß,  wela)e  jebod)  m$t  immer 
unb  aua)  nia)t  bei  Sitten  gleich  €ft*  2Ste  nun  ber  gatt  fe^n  fann 
Cwaö  wir  weiter  oben  bewtefen),  t>a^  ein  (£prift  ©lauben  $at 
unb  boa)  in  ber  Meinung  fiept,  eS  feple  ipm  baran,  fo  leprt 
aua)  bie  (£rfaprung,  t>a^  mana)e  G>f)rifkn  Stebe  $u  ©ott  paben, 
ob  fte  gleia)  baran  zweifeln*  ©  leia)wte  ber  $?enfd)  bei  befonbent 
gätten  im  gewöhnlichen  Seben  mepr  $raft  unb  ©tärfe  ^eigf, 
ale  er  jtü)  fetbft  zugetraut  pcüie,  fo  gept  e$  aua)  in  geifilia)en 
Fingern  3«  9*0$  unb  3lnfea)tung  paben  fromme  (Elrnften  oft 
meljr  ©lauben,  %kbt  unb  ©ebulb,  als  fte  in  guten  £agen  er«* 
wartet  Ijätten*  —  3n  geuerSgefapr,  M  Belagerungen  unb  an* 
bern  Unglüc&fätten  tragen  9ttana)e  eine  Saft  fort,  bie  fte  fpäter, 
wenn  bie  2lngjt  »orbet  ift,  nia)t  einmal  aufgeben  fönnem  2)ie 
Urfaa)e  ba»on  ift,  baß  Uc  ©eele  in  fola)en  Slugenblicfen  gleia> 
fam  atte  Gräfte  »ereinigt,  unb  btefclben  bem  Zeiht  mittpeilt. 
2>a$  9tanlia)e  fepen  wir  aua)  im  ©eiftlia)em   ^etruö  $♦  Sk, 


892 


ber  früher  bur$  bie  2lnrebe  einer  SRagb  fo  erfa)retft  würbe, 
bag  er  fernen  £erm  serläugnete,  würbe  fpäter  fo  freubig  unb 
brünjh'g  m  ber  Siebe,  bag  er  nia)t  altem  öffentttc^  auftrat,  um 
ben  Ramm  beffelben  wx  einer  großen  $knge  SBolU  au  $er* 
fünbtgen,  fonbern  ftä)  aud)  freute,  aW  er  würbtg  gefunben 
würbe,  um  biefeS  £errn  wißen@ä)matt)  $u  leiben.  ©ewig  aua) 
fcer  SlpoffceC  $aulu6,  ben  man  mit  ditfyt  unter  biejjenigen  $ci$lt, 
wela)e  3efum  unenbltä)  liebten,  füllte  nidjt  immer  bte  $raft 
ber  Siefce  @otte$,  Uc  in  t'Jjm  war,  befonberS,  wenn  er  ftä)  in 
ber  Ganfamfeit  befanb,  wenn  er  fta)  mit  feiner  £änbe  Arbeit  §u 
ernähren  fuä)te  unb  bte  2lnfea)tungen  be£  ©atanS  erbulbete* 
fyattt  er  aber  ©elegenljeit,  ©eelen  für  t>a$  9teia)  <£f?rijH  ^u  ge* 
winnen,  tit  <£j)re  feinet  ©otte$  gu  beförbem,  unb  ba$  ifteiä) 
be3  £eufel$  anzugreifen,  ba  offenbar te  jta)  feine  ?iefce,  ba 
flammte  feine  3"^/  feine  Augen  unb  fein  £er$,  ba  war  t£m 
felbji  fein  Sefcen  nidjt  $u  treuer* —  (£benfo  lie$t  man  aua)  mit 
SSerwunberung  t>on  ber  grogen  greubigf  eit  ber  Märtyrer,  bie 
auö  j?er$lia)er  ?iek  unb  innigem  Verlangen  naa)  3efu  nia)i$ 
arteten,  mittat -üt-ben  glammen  noa)  fangen  unb  ©Ott  greife* 
iem  @ie  waren  aber  2ttenfa)en  voit  wir,  unb  flagten  oft  über 
t£reUm>ollfommenj>eit;  aber^ur  redeten  3eitserwanbelte  ©Ott 
i£re  <3a)wad$eit  in  $rafi  unb  if>ren  Meinmutf)  in  greubigfeit« 
dö  ging  ij?nen,  mt  bem  Safob,  welcher  fpraä):  „©ewiglich 
tft  ber  £err  an  biefem  Ort,  (in  meinem  ^er^en)  unb  iä) 
wußte  %$  nt^t."—  ©taljl  unb  ©ifen  fmb  falte  Dinge,  unb 
boa)  geben  fte  gunfen,  wenn  fte  an  einanber  gefa)lagen  werben; 
ebenfo  »erhält  e£  fta)  mit  ben  £er$en  ber  ©laubigen,  ijmen 
bünfi  manchmal,  bag  fte  in  ber  %khz  ©oite$  Mt  fe^en,  forn* 
xnen  aber  Anfechtungen,  ober  ^eigt  fia)  fonj*  eine  ©elegenjjett, 
fo  werben  fte  inne,  bag  fte  ©Ott  lieben.  2Bte  ©Ott  oft  feine 
liebten  $inber  nid;t  wtjfen  lägt,  bag  (£r  fte  fo  £er$ltä)  liebt,  fo 
lagt  £r fte  aua)  nia)t  wtffen,  bag  fte3pn  fo  brünjttg  lieben,  t>amit 
fte  nidjt  ffolg  werben  unb  Rubere  neben  ftd>  'oeraa)ten* 

gerner  mug  man  bte  £tebe  ^u  ©ort  nia)t  naa)  ber  fügen 
^Bewegung  be$#er$cn$,  naa)  ben  greubentjjränen,  naa)  ber 
©röge  ber  #nbaa)t  unb  bergt  beurteilen:  benn  bie  ih'ebe  Üann 
aua)  ol?ne  biefe  Dinge  befielen*  &in  53aum  lann  gut  unb  frua)t* 


893 


kr  fe^n,  ob  er  glet'o;  mdjt  immerfort  blüljt  T>k  Tlutttv  aetgf 
tljre  Siebe  au  bem  tinbe  burd;tüfien,  £eben,  fragen  unb  bergf, 
£)er.  Sater  t£ut  ba$  nia;t,  er  Itebt  aber  bej^alb  baS  Äinb  ntc^t 
weniger;  ebenfo  ip  e<3  aua;  mit  ber  Siebe  $u  ©Ott;  ber  (£ine 
empfmbet  fte  mepr,  aU  ber  Rubere,  unb  fte  fann  boa)  Ui  bie* 
fem  pärfer  unb  bejMnbiger  fe^n*  —  SQStr  biirfen  nid;t  fo  fa)liegen : 
weil  ta)  feine  befonberg  auffallenbe  3uneigung  ju  ©Ott  em* 
pftnbe,  alfo  liebe  i$  3£n  ma)t*  (£$  gibt  noa;  anbere  unb  un* 
trüglidjere  $ennaeia)en  unferer  Siebe  ju  ©ott*  £)ie  ttoraüglta)* 
ften  berfelben  ftnb :  Seraa;tung  ber  Sßelt  unb  iljrer  Grttelfeit, 
Serlangen  naa)  bem  Fimmel,  £ag  ber  <5ünbe,  gleip  unb  ftete 
Uebung  in  ber  ©otifeligfeit,  SSitligfeit  bem  -ftää;ften  $u  bienen, 
©ebulb  in  ber  £rübfal,  unb  ba$  Seffreben,  aua;  Rubere  $ur 
Gnrfenntnij?  unb  Siebe  ©otteS  $u  bringen*  Söenn  eine  fromme 
Butter  ftä)  ma)t  bloS  felbf*  eines  ^eiligen  SanbelS  befleißigt, 
fonbern  aua)  i£re  ^inber  ba$u  anhält,  unb  in  ifjre  garten  S&iu 
sengura)tunb  %kU  ©otteS  au  pflanaen  fua)t,  wer  wollte  bann 
noa;  baran  zweifeln,  t>ag  aua)  fte  ©Ott  liebe?  Senn  fte  ü)ren 
©Ott  niä)t  lieb  fyättt  unb  ©eine  GErfenntnig,  ©nabe  unb  %\tlt 
über  SltfeS  fa;ä$te,  fo  würbe  fte  fta)  feine  SD^üpe  geben^biefen 
©Ott  aua;  ijjren  ^inbern  befannt  au  maa)en  unb  fte  3j)m  auau* 
fuhren;  unb  bennoa;  £ört  man  bergleia)en  fromme  SWüttcr 
manchmal  über  Mangel  an  Siebe  au  ©Ott  flagem 

3)  Oürnblia;  muffen  wir  noa;  aum  £rofi  folo)er  Zwirnen 
bebenfen ,  ba$  wir  in  biefem  Mcn  feine  ttollfommene  ^kU 
©otteS  erwarten  fönnen;  pter  tft  lauter  ©tütfwerf,  wir  ftttb 
@a;üler,  bie  in  ber  ©a)ule  beS  £evm  3efu  unb  beS  ^eiligen 
©etßeS  bie  Äunfi,  ©Ott  au  lieben,  evji  lernen  muffen»  3n  biefer 
@o;ule  gibt  eS  serfdnebene  Abteilungen;  Einige  fangen  an 
unb  lernen  Uc  35uä)jkben  fenn?n,  Rubere  lernen  fte  aufammen* 
fe#en,  noa;  Hnbere  lefen*  ©Ott  aber  iß:  mit  Allen,  bie  nus 
fleigig  unb  aufrichtig  ftnb,  wo^l  aufrieben;  (£r  jjält  e$  für  ein 
3eio)en  einer  brünßtgen  ^kU,  wenn  wir  3£u  au  Ikbtn  be* 
getreu,  bie  Um>ol(fommen{>  eit  unferer  ^kH  bemüt^ig  erfennen 
unb  3jm  um  Sermeprung  berfelben  bitten*  &a$  Söaffer  ift 
öftere  ein  Seiten,  $>a$  geuer  irgenbwo  vorpanben  »fr;  a*  $8. 
wenn  man  etwas  bejHKtrt  ober  t>m  @af  t  wn  Krautern  afytepfc 


894 


<£benfo  tfi  e$  ein  fixerer  tBmtiö,  bag^tebe  ^u  ©Ott  in  imferem 
Snnern  fe#,  wenn  fc>te  klugen  wäjrenb  be$  ©ebeta  Streuten 
vergießen,  unb  wenn  ba$£er$um  brunftige  £tebe bittet  ©arurn 
gebei^attenGtjmfien,  bieinber  Siebe®  otte$  ju  warfen  wünfe^en, 
Sunt  ©ef$fafj  ben  wohlgemeinten  SKatJ?,  baß  fie  nur  immerhin 
glauben  fetten,  fte  lieben  ©ott  entweber  nocf>  gar  tttc^t,  ober  bo$ 
m>$  nidjt  genug,  femer/  bag  fte  biefen  ©ott,  berbie  Siebe  tfi  unb 
befohlen  pat,  baß  man  3£n  »on  ganzem  ^er^en  unb  son  ganzer 
@eele  lieben  fotte,  jjer$(tdj  anrufen,  baß  @r  i£nen  bie  ©nabe 
»erleiden  wotte,  3£n  $u  lieben  unb  in  biefer  %kht  immer  brün* 
ftiger  $u  werben;  enblid?,  baß  fiejta)fo  x>itl mogtia) im  ©lauben 
bem  £er$en  3efu  @£rtfii  näfjern,  aus  welkem  atte  Siebe  fommen 
muß;  bemtjt'e  nä£er  bem  geuer,  bejio  meljr  £ige,  unb  j[e  nä£er 
bem  #erw  3efu  im  ©toben,  bejio  meljr  Siebe*  —  &men* 


33on  bem  Sobe  unb  greife    ©  o  1 1  e  £♦ 

£.  ^farm  103,  1—4,  Sobc  ben  £erw,  meine  @eete,  unb  tt>a$ 
in  mir  tft,  ©einen  fettigen  Tanten.  Sobe  ben  £errn,  meine  ©eele, 
unb  öergif  ni#t,  tt>a$  dt  bir  ®uW  getfcan  $aUc. 


ß  t  n  g  a  n  g* 

gm  Flamen  Sefu!  2*uteru 

©er  <£oangetifi  $D?att£ciuS  f treibt:  $etru$  ^aht  einji  au 
3efu  gefagt:  <5ief>e,  wir  fyahen  %l\t$  oerlaf  fen  unb 
finb  2)tr  nachgefolgt,  was  wirb  un$  bafür?  £>er 
liebreiche  £etfanb  antwortete  barauf  mit  einer  £errfta)en  23er* 
Neigung.  Skrantaffung  aber  $u  biefer  grage  gab  ein  Süngling, 
welchen  ber  $err  ermahnt  fyattt,  feine  ©üter  t>tn  Firmen  ju 
§tf>tnf  jt$  einen  @$a§  im  £immef  ju  fammefa  unb  tyxip 


895 


nac^aufotgem  Denn  aU  ber  Süngling,  ber  t>tete  ©üfer  ipatte, 
fcetritöt  wegging,  benü£te  3efuS  biefe  ©elegenljeit,  um  mit  feinen 
Süngern  über  bie  ©efajjr  be£  9?ei$tpumS  $u  rebem  —  @$ 
fc^etnt  alfo,  ^etruS  |>afce  btefe  grage  aus  menfa)tta)er  ©a)waa> 
5>ett  getljan,  unb  ©tolj  unb  S3egterbe  naa)  geitlic^em  ©lücf  Ijabe 
tjm  baju  angetrieben,  @r  mag  etwa  fo  bei  fta)  gebaut  fwben : 
£)er  £err  petgt  ben  Jüngling  2Iffe$  weggeben  unb  verfprta)t 
t^m  bafür  einen  @a)a§  im  Fimmel,  bieferaberwoffteeSljierauf 
ni$t  wagen,  aber  wir  jjaben  eS  gewagt,  9hm  aber  fpridjt  ber 
heißer  von  ber  ©efaijr  beS  SReia)tf)umg ,  unb  bafj  mx  Sfteidjer 
fa)wer(ia)  ins  Sfteid)  ©otteS  fommen  werbe;  m$  ^aben  wir 
benn  au  fjojfen?  —  löei  ben  3«ben  war  nemtia;  bamatö  unter 
2Ut  unb  3ung  bie  Meinung  von  einem  großen  irbifdjen  9?eia> 
beS  ÜÄefftaö  verbreitet,  unb  aua)  bie  3ünger  Ratten  biefen 
©tauben,  was  jte  oft  beutlia)  genug  gu  erlernten  gaben*  $etru£ 
will  atfo  fagen:  lieber  OTetper ,  wir  Ijaben  getfjan,  was  biefer 
3üngling  nia)t  tpun  woffte,  wir  paben  Wit§  vertaffen  unb  ftnb 
Dir  gefolgt,  weil  Du  aber  ben  Sftetajtljum  unb  ba$  ©tücf  btefer 
SöSelt  für  gefcU?r*ia)  ^äXtft  unb  fagffc,  bag  9?eia)e  fdjwerfia;  in£ 
Sfteia)  ©otteS  fommen  werben,  fo  werben  wir  woi?I  feinen 
sfteiajtjjum  M  Dir  ju  erwarten  jjaben*  SQSaS  wirb  uns  äbtx 
bafür,  weffen  f  offen  wiriun^^u  getrogen  unb  $u  erfreuen  £aben? 
8epet  boa),  meine  greunbe,  xok  £oa)  wir  9J?enfa)en  ba$ 
Unfrige  aa;ten,  \x>k  viel  wir  uns  einbilben,  wenn  wir  glauben, 
wir  jjätten  mejjr  getrau  aU  Rubere,  tok  poa)  wir  vtnxlkten 
©Ott  unb  £ei(anb  unfere  geringen  Dienfte  anrechnen  unb  wie 
batb  wir  3fm  mahnen,  wenn  wir  glauben,  ba£  (£r  uns  ttm$ 
fa)uft>ig  fe^  —  2BaS  tjt  benn  baS  affeS,  xoa$  $etru$  verlaffen 
patte?  —  S5ieffeia)t  eine  geringe  gifdjerpütte,  an  alter  Mcfyn, 
einige  geflttfte  9?e|e  unb  ä£ntf $e  wertfrtofe  Dinge*  —  Unb  wie 
pat  er  biefe  ©egenjMnbe  verlaffen?  —  (Ex  fyatte  fte  opne  3wet* 
fei  nia)t  verlauft  unb  ba$  ©elb  ben  Firmen  gegeben,  fonbern 
er  war  noa)  in  t£rem  S3ep§»  Denn  ber  £err  felbjj  nennt 
vor  feinem  Reiben  bie  ©üter  ber  Slpoffcel  tpr  (Eigentum, 
wenncrfagt:  „<5tejje,  eS  fommt  bie  ©tunbe  unbiji 
„fcfjon  fommen,  baf?  ifyv  ^erftreut  werbet  ein  3eglt* 
„a)er  in  baS  (Beine  unb$?i$  allein  laffet"  Unb  wirf* 


896 


Itcfj  begaben  fte  ft$  na$  bem  £ob  unb  ber  $luferjk|mng  tjjreS 
UJJeifiesr^  lieber  in  iljr  @tgent£um  unb  bebienten  fi'4)  i^rer 
©$iffe  unb  ^ege,  2öaS  für  einen  2ßertfj  Jatte  alfo  btefeS  SSer^ 
Waffen?  «g>ätte  $etruS  ntdjt  bebenfen  f  ollen,  bag  er  fetter 
fcem  ©ojm  be^  lebenbigen  ©otteS,  bem  £>eilanb  ber  2Belt  ge* 
folgt  war,  welcher  t^n  unb  bte  übrigen  Sünger  (Seiner  greunb* 
f^aftunb  ber  Offenbarung  ©einer  ^errlidjfeitgewürbigt  jjatte? 
<£r  gefielt  j[a  felbft,  bafü  er  in  fcenSBorten  beS£erm  einen  SBor* 
fd)matf  beS  ewigen  £ebenS  gehabt  £abe.  (£r  Ijatte  bte  SOßunber 
3efu  gefejjen  unj>  fogar  felbft  einige  in  befjen  tarnen  serri^tet. 
(Ex  jiatte  audj,  fo  lange  er  3efu  nachgefolgt  war,  nie  einen 
Spange*  gehabt,  was  bie  Sünger  felbft  bezeugten*  —  2BaS  §<itte 
er  alfo  ©rogeS  getrau,  bag  er  fragen  fonnte:  „SSaS  wirb 
un$  bafür?  <£x  jjatte  getljan,  was  er  au  tfmn  fdjulbig  war, 
baf*  er  bem  Sftuf  beS  ©ojmeS  ©otteS  folgte,  (ix  jjatte  babei 
feinen  fanget,  fonbern  manchen  ljerrli$en  SEvoffc  unb  allerlei 
geiftlidjeS  Vergnügen»  Wlifyin  würbe  i£m  feine  Sftüpe  fcf>ott 
ret4>(id^  be$a£lt,  was  Ijatte  er  alfo  no$  an  forbern  ?  2)ie  ©cf;rift 
%<xt  uns  aber  folcfje  £(jatfa$en  als  einen  ©Riegel  beS  menf<$* 
liefen  £er$enS  aufbewahrt,  bamit  wir  uns  baran  prüfen  follen* 
—  2ludj  wir  ftnb  no$  fegt  fo  geftnnt*  Senn  wir  etwas  um 
©otteS  unb  beS  £erm  3efu  willen  tljun  ober  leiben ,  fo  bilben 
Wir  uns  triel  barauf  tin,  unb  wenn  wir  es  aufy  nifyt  an  ben 
Sag  legen,  fo  benfen  wir  bo$:  S3aS  wirb  uns  bafür?  — 
£aben  wir  mit  Slnbac^t  gebetet  unb  wlber  unfere  ©ewofmpeit 
ben  £erw  mit  Snnigfeit  gepriefen,  ijaben  wir  einem  Slrmen 
mit  einer  Keinen  (Bube  geholfen,  fiaben  wir  tin  wenig  um  bk 
dpxe  ©otteS  geeifert,  ober  fon|t  na$  $flicf)t  unb  ©ewijfen  ge* 
panbelt,  fo  fagen  wir  eS  $war  nt$t  öffentlich ,  aber  wir  benfen 
fcei  uns  felbjh  SBaSwirbunS  bafür?  2Btr  fielen  alSbalb 
in  bem  SSalm,  baff  wir  beffer  unb  ^eiliger  fepen,  als  Slnbere, 
unb  ©Ott  fepe  uns  *>iel  fdwlbig*  —  Unfer  $ptx%  f>at  x>on  Sftatur 
ben  ©inn  beS  $etruS  unb  ma$t  eS  gar  oft,  xt>k  ber  33ruber 
beS  verlornen  ©o|meS,  ber  feinem  ^ater  in1$  ©eftdit  fagte: 
„©telje,  fo  tuele  Safjre  biene  i$  bir,  unb  bu  pajl 
mir  nie  etnenSBocf  gegeben/'  28ir  follten  aber  vielmehr 
fcebenfen,  bafü  SllleS,  was  wir  tfun,  unfere  ©$ulbigfeit  iji,  unb 


897 


baß  wir  uttttüfe  tnecpte  wären,  wenn  wir 
aucp  %Ut$  getpan  pätten,  waä  ung  ^efopten  tfL 
Söirfollten  erwägen,  baß  unfer  £pun  urtb  Setben  gegen  bie 
Söopltpaten  ®otte£  für  nicptg  ju  achten  fep  unb  baß  wir  auger 
©einer  ®nabe  unb  ®üte  in  (£prij*o  3efu  un3  nicpt£  $u  rü> 
nten,  aber  audj  nid;t3  $u  forbern  ßaBetti 

Sftun  fepet  aber  aucp,  mit  welker  Seutfeligfett  unb 
gteunblicpfeit  3efu3  biefe  grage  beantwortet  (£r  fiept, 
baß  ?5etru$  btefelbe  in  ber  Einfalt  unb  Unwiffenpeit  machte, 
weil  er  bie  redete  33efcpaffenp  eit  beS  9tet$$  (£prifli  nocp  nidjt 
!annte;  (£r  fiept,  baß  fein  £er$  opne  23o3pett  unb  galfcppeit 
tft,  beßpalb  pilft(£r  ipm  aU  einem,  ber  $on  einem  gepler  über* 
eilt  ift,  mit  fanftmütpigem  ©etft  jürc^t»  @r  pätte  tpm  Wopl 
feinen  napen  gaß  sorpalten  uub  fagen  können:  mein  lieber 
greunb,  bu  hift  nocp  nicpt  über  ben  25erg,  in  fur^er  3züwixb 
bir  ba£  begegnen,  wag  bu  jegt  am  wenigen  glaubp,  bu  wirft 
$ftcp  serlaffen,  ^erläugnen  unb  bie  SBefanntfdjaft  mit  5D?ir  ab* 
fcfywören*  «Später  wirf*  bu  nicpt  lange  fragen:  wa$  wirb 
mir  bafür;  fonbern  wirft  mit  petßen  greinen  ®nabe  fuepem 
—  3)a3  abexfyut  ber  liebreiepe  £eilanb  nicpt,  fonbern  gibt  tpm 
ben  £roft  einer  punbertfältigen  2klopnung*  ~  $&k,  wenn 
man  aber  j;e#t,  naepbem  $etru6  fepon  fo  Tange  3ett  ein  SCtfitge* 
noffe  ber  £errltcpfeit  feinet  £erm  ift,  benfelben  fragen  wollte, 
ob  er  t4  bereue,  Mt$  ^erlaffeit  au  paben  unb  3efu  nachgefolgt 
3U  fe^n?  Sürbe  er  nicpt  antworten :  3$  pabe  nieptö  au  bereuen, 
icp  banfe  sielmepr  meinem  ^errn  in  (^wt^f et't  für  ©eine©nabe, 
icp  pabe  für  ba$  Senige,  ba$  icp  verließ,,  ben  ganzen  £immef, 
@ott  unb  2l(le$  gewonnen.  —  £ajfet  uns  pier  aber  auep  beben* 
fen,  xok  un$  unfer  (£rlofer  nocp  Jiegt  mit  vieler  ©eponung 
bepanbelt,  wie  (£r  uns  fo  manche  ungebulbige  unb  ungereimte 
©ebanfen,  2Borte  unb  SSerfe  au  gut  peilt,  xx>k  dx  un#  unwtfc 
fenbe  tinber  mit  ÄrJtcper  %kU  unb  ©üte  au  ©up  atept*  (Ex 
lönnte  manchmal  fagen :  SÖenn  bu  glaubjl,  baß  bu  bir  ein  2$er* 
bienft  erworben  pabeft  mit  beinern  £pun  unb  baß  3$  bir  *>tel 
fepulbig  fe^  ,  f<y  wollen  wir  Sftecpnung  mit  einanber  ablegen, 
bann  wirb  eS  ftep  aeigen,  wer  bem  Zubern  fepulbig  i$t  Hber 
(ix  erbarmt  ff<§  über  un^,  wk  fi'cp  tixi  SBater  über  feine  $inbet 


898 


erbarmt;  unb  wenn'gr  einen  £runf  falten  SSafferS 
mit  bem  £immel  be^ajlt,  fo  bürfen  tt)tr  »erftd)ert  fepn, 
bäfj  @r  un$  nid;t$  fcjulbig  bleuen  wirb* 

Gmblia;  wollen  wir  tttc^t  auf  er  2ld>t  Taften,  baf?  unfer  lie* 
ber  £eilanb  snel  me^r  Urfacje  fwtte,  obige  grage  an  uns  gu 
ijmn*  dx  fann  mit  9?e$t  fagen:  ;Stej?e,  o  Sttenfcb,  3d;  Jabe 
Sltteö  »erlaffen  unb  bin  btr  nachgefolgt,  wa$  wirb  SJHr  ba* 
für?  Siejje,  3$  pabe  $?eine  £>errlidjfeii  »erlaffen  unb  Jabe 
$nedjt3geftalt angenommen;  3$  bin  ber  eingeborne  Solm©ot* 
leg,  bie  greube  aller  (Engel,  unb  bin  ein  Spott  ber?eute  gewor* 
ben;  3$  hin  in  beut  @lenb  $u  bir  gefommen,  unb  ^abe  beine 
Seele  Jojer  geartet  als  Sföetn  Seben;  3$  Jdbe  niejt  Silber 
ober  ®olb,  fonbern  mein  SBlut  an  beine  (Möfung  gewagt;  3$ 
Bin  btr  mit  £angmuti)  unb  (Mte  fo  viele  3dl?re  nachgegangen; 
3dj  Jjabe  bia)  burej  deinen  kräftigen  ©naben^ug  gur  23uße 
gebracht,  jjabe  bir  beine  Sünben  »ergeben,  unb  bid;  angenom* 
men;  3#  Jabe  biefj  mit  unzählbaren,  geiftlicjen  unb  leiblichen 
Sßoblt  Jäten  überfcjüttet  tc,  wa$wirb$Hr  nu  nbafür? 
—  2ßaS  wollen  wir  nun  barauf  antworten,  waö  wollen  wir 
unferem  @ott  unb  (Erlöfer  für  alle  Seine  ©üte  geben?  2öo* 
mit  wollen  wir  3  JntJS  eine  S&ojltfmten  »ergelten?  £>  wir  arme 
^enfcjen,  wa$  wollen  wir  %%m  geben,  baS  niejt  »orljer  fdjon 
Sein  ijt?  Unb  toa$  iftllteS,  m$  wir  Jjaben  unb  geben  tonnen, 
gegen  Seine  überfcjwenglidje  ©nabe  unb  $kU$  —  2lber  wir 
muffen  uns  bod)  banfbar  befugen  unb  3Jnt  etwas  geben,  ju* 
mal  ba  wir  wtfifen,  baß  bieg  audj  tin  23ewetS  Seiner  großen 
@üte  ift,  baß  (£r  mit  Söenigem,  i>a$  wir  3N  <w$  aufrichtigem 
£er$en  barbringen ,  aufrieben  fe^n  will»  —  (£tn  tapferer  gelb* 
Jerr  in  33öjmen  befua)te  einft  feinen  jungen  $ömg  unb  jeigie 
ijjm  unter  Ruberem  and)  bie  SBunben,  bk  er  in  feinem  ©ienfte 
erhalten  Jatte*  hierauf  fragte  erijn,  welche  Hoffnung  auf 
eine  gute  33elo Jnung  er  ftcj  inSBälbe  machen  bürfe?  £>er  junge 
$onig  faj  ftcj  um,  unb  als  ijm  zufällig  ber  Beutel  feinet  £of* 
metfterS  unter  bie  klugen  tarn,  in  welchem  aber  nid)t  mejjr  als 
6  Pfennige  waren,  najm  er  biefen  unb  gab  ipn  bem  (General 
mit  ben  ^Sorten:  wenn  ify  mejr  {mtte,  würbe  td)  bir  mejjr-ge* 
ben*  £er  tapfere  f  rieger  najm  baS  ®efcjenf  banfbar  an,  unb 


899 


fa£  babet  nia)t  auf  bie  ©röße  beffelBett,  fonbern  auf  bie  ©efttt^ 

nung ,  mit  welcher  eS  iljjm  fein  ßonig  gegeben  fyatte.  dv  Ineft 
überhaupt  biefe  ©a^e  fo  in  Grfjren,  baj?  er  biefe  Pfennige  %ziu 
lebend  an  einer  golbenen  $etteam  £alfe  trug*  —  (ürbenfo  madjt 
e$  ber  gütige  ©Ott  aud>  mit  un&.  2Benn  wir  tjjm  unfer  arme$ 
.^)er^  in  £tebe  opfern,  unb  ©einen  tarnen  greifen  wollen,  fo 
bürfen  wir  wo£l  mfy  fagen:  „2öenn  i$  mef?r  l)ätte,  mein 
@ott,  fo  wollte  i$  2)ir  mei)r  geben,  nimm  vorlieb  mit  meiner 
2lrmut£! 

£)u  ttuttfi  ein  Öpfet  loben,  £ter  brina/  t$  meine  ©aben,  Stfein 
2Bet|>rau#  unb  mein  SBibber  ©tnb  mein  ®&ti  unb  Sieber,  ©ie 
witfi  £)u  mc$t  fcerf$ntät)en,  2)u  fannft  tn'3  £etae  fe#en  Unb  weift 
n>o$l,  baf  a«r  @abe    3$  fa  nichts  SefpreS  £abe. 

2Bir  reben  alfo  von  ber  ©anfbarfeii,  bie  wir  ©Ott  füt 
©eine  (Hebe  unb  £reue  fdjulbtg  ftnb,  unb  ^war:  von  beut 
£obe  unb  greife  ©  eine$  -iftamen^  — -£err,  ijjue 
unfere  kippen  auf,  baß  unfer  Sttunb  2) einen 9?ujjm 
«oerfünbige!  kaufet  bem  £errn;  benn  @r  ijt  freunblic^ 
unb  Seine  ©üte  währet  ewiglich !  5lmem 

21  b^anbtun  9* 

SQSte  bk  glüljenben  Kopien,  wenn  man  fte  füll  liegen  (aßt, 
von  ber  eigenen  2lfc$e  bebeeft  unb  gleöjfam  ausgelöst  werben, 
aber  wieber  ^u  ijjr er  früheren  ©lutl)  fommen,  wenn  man  fte  an* 
bleibt,  fo  verjjält  e£  ftdj  manchmal  mit  bem  ^er^en  ber  ©laubigem 
<£$  i|1  eine  ^eilige  ©lutp,  ober  ein  £)rang  ©Ott  $u  lieben  unb 
$u  loben  in  itjnen;  aber  weltliche  ©ebanfen  unb  irbif^e  ©e* 
fa)dfte,  $ergeßlid;feit,  £rägjjeit  unb  9to$läfj igfeit  be$  gleifc^eS 
lofdjen  fte  au^  2lber  baö  2Bort,  wel$e£  un$  bte  2öof>  Itljaten 
©otte3  vorteilt  unb  bm  £immlif$en  üöinb  Cben  fjeiligen  ©ei© 
mit  ft$  fü|>rt,  erregt  biefe  fieilige  ©lutjj  wieber  unb  erweeft 
un$  pr  brünftigen  %kht  unb  ^um  innigen  £obe  ®otte&  —  2ötr 
fudjten  in  ben  vorfjergeljenben  ^rebigten  t>k  ^er^en  ber  ©lau* 
bigen  $ur  %kbc  gegen  ©Ott  ^u  ermuntern;  j)eute  nun  machen 
wir  e$  uns  $ur  Aufgabe,  fte  ^um?obe  unb  greife  ©otte3  p  er* 
weefem    2ötr  Ijaben  unö  babei  3weierlei  gu  merfen:  1)  ba§ 
e$  bie^flt^t  etne$  @J)riften  fe$,  fein en© Ott o£ne 

57* 


900 


Unterlaß  loben,. unb  2)  wie biefeg£obbef Raffen 
fe^n  muffe? 

L  2öa£  ^)a^tb  in  unferem£erte  t£ut,  inbem  er  fta;  felbft 
3Utn  £obe  ©otteg  ermuntert,  ba$  tffebte  Sdmlbigfett  etne£  (eben 
Bußfertigen  unb  glaubigen  (griffen;  benn  er  T^at  bie  nemlidjen 
©rünbe  ba$u,  wie  £)cnnb*  tiefer  will  ©ott  loben,  nidjt  bloS 
mit  Söorien,  fonbem  $on  ganaer  Seele  unb  aus  allen  Gräften* 
„£obe  ben  .perrn,  meine  Seele,  fagt  er,  unb  was 
in  mir  tfiS  einen  £  eilig en tarnen!  Sobe  ben^errn, 
meine  Seele,  unb  öerg  ig  n  iä)t,  wa$Gi:rbir©ute3 
getjjanljat!  —  2ßaS  £oben,  greifen  unb  Saufen  fe^,  füllte 
aber  in  a)riftlta)en  ©emeinben  feiner  weitläufigen  (£rflärung 
bebürfen,  weil  jieber  (£|jrift,  er  fev  fo  einfältig,  aU  er  will,  von 
Sugenb  auf  wiffen  mu§,  ba$,  —  unb  n)k  er  feinen  ©Ott  loben 
foll*  —  2Btr  wollen  übrigeng  unferer  ty\lifyt  ©enüge  leijlen 
unb  aus  ber  Sa)rift  fur$  erflären,  m$  ©Ott  loben  fjeifie*  — 
3a;  motzte  es  mit  bem  eblen  9?auä)pultter  im  alten  £ef!ament 
vergleichen,  welches  ber  £err  aus  allerlei  Spe^ereien,  SBalfam 
unb  Söeifjraucf)  machen  £ieg,  um  bamit  in  ber  Stift$i)ütte  unb 
fpäter  im  Tempel  au  räua)erm  —  2)tefe3  ©leidmifj  wirb  aua; 
im  £ol?elieb  gebraucht,  wenn  e3  bort  vom  ©ebet  ber  glaubigen 
Seele  l)eifjt:  wer  i$  bie,  welche  aufzeigt  au$  ber 
SÖSüfie,  ttne  ein  Olaua;  unb  wie  ein  ©erua)  uon 
Sitt^rrj^en  :e+?  —  £)emnad>  ijt  ba6  £ob  ©otte£ gleta)fam  ein 
Sftau$:putver,  verfertigt  unb  vermifa)t  mit  allerlei  gugenbem  (fg 
fommtba3ulebenbige(£rfenntni§©otteg,  wahrer  ©laube,  Ziehe, 
Söewunberung  ber  Wlafyt,  2ßei#(j>eit,  ©ereä)tig!eit,  ©üte  unb 
£angmut|)  ©otteS,  ferner  t>k  5lnbaa)t,  ba$  ^eilige  Verlangen, 
2)emutj),  £)anfbarfeit,  ©eljorfam,  SSeraa)tung  ber  SSelt,  unb 
bie  Cuffc  ab^ufd)eiben  unb  im  Fimmel  unter  ben  Seligen  ^u  fe^n, 
um  bort  ben  2lli£rf)oä)jlen  befto  mejjr  Reifen  gu  fonnem  SBenn 
biefeS  eble  ^aua)werf  ber  glaubigen  Seele  vorn  geuer  beS 
^eiligen  ©eifteS  enthübet  wirb,  fo  fyut  e$  fta;  in  un^djligen 
£eraen3erf>ebungen ,  in  Seuftern,  SBorten,  ©ebeten,  ©e* 
fangen  unb  Sanffagungen  funb,  welche  von  greuben^IjräV 
neu,  SBlufen  gen  £immel,  ^nieebeugen  unb  anbern  ^eiligen 
tBeUxbrn  begleitet  fmb*   £aau  gefellen  fta)  allerlei  fromme 


901 


Serfe,  baß  mattj*  ^au$  Rubere  3um£obe©otte6  ermuntert, 
auf  ©eine  Sonaten  aufmerffam  maä)t,  ;ftotf?leibenbe  unter* 
fffigt  unb  bergL  —  2lu$  btefem  ©letcfmiß  erhellt,  baß  ein  £jmft 
@ott  lobe1,  wenn  er  b  effen  £tebe  unb  ©üte  in  (Ejmjto 
3efu  erfcnnt,  ftd;  felbft  mit  Willem,  wa$  er  iß  unb 
pat,  ®ott  au  güßen  wirft,  3£m  auf  bie  innig fte 
SÖeife  bau! t  unb  ©einen  Sftupm  allenthalben  au£* 
^breiten  fua)t 

28te  wir  uns  aber  $um  2obe  ©otteS  aufmuntern  follen, 
geigt  £avib  in  ben  Porten:  „Vergiß  nta;t,  wa$  (£r  bir 
©ute$get!)an!?at,berbirallebeine©ünbenver* 
gibt  unb  peilet  alle  b4eine  ©ebreä)en,  ber  bein 
£eben  »om  33  erb  erben  erlöfet,  ber  bia)  frönet  mit 
©nabe  unb  23armfjer£igfeit/'  (£r  faßt  alfo  pter  bk 
vielerlei  geif*lia)en  unb  leiblichen  2Bo£ltljaten  feinet  ©otteö 
furg  3ufammen  unb  palt  fte  fetner  ©eele  vor,  bamit  fte  ;bura) 
bereu  ^Betrachtung  ^um  £obe  ©otteS  erwecft  werben  möge, 
bergig  ntct) t,  fagter,  toa$  dx  bir  ©uteS  get|>an|?at 
Ueberbenfe  beuten  ganzen  £eben3lauf,  burajblättere  ba$  23ua) 
betneS  ®ebcta)tniffeS  unb  beiner  eigenen  GErfaprung,  nnb  fua)e, 
%x>a$  ber  liebreiche  ©Ott  auS  unverbienter  33armpersigfett  an 
bir  armen,  fünbigen  $?enfcfjen  getpan  px>tt  „ber  bir  alle 
btint  ©ünben  vergib  t"  —  Crr  fe|t  mit  9?ea)t  bte  $er* 
gebung  ber  ©ünben  unter  bm  göttlichen  ÜBo^Itpaten  obenan, 
tpetfö,  weil  e£  baS  poc^pe  Sunber  ber  göttlichen  ^te^e  %  baß 
ber  j) eilig  e  ©  o  1 1  unfere  ©ünben  fo  gern  vergibt,  tpeilS  weil 
btefe  Vergebung  ber  ©runb  aller  anbern  ©lücffeligfetttfl,  unb 
un$  aUe  33itterfeiten  beS  SebenS  verfügt  —  £)enn  tva$  würbe 
unö  baS  $thm  nü#en,  wenn  wir  feinen  gndbigen  ©Ott,  fein 
gutes  ©ewtffen,  feine  Vergebung  ber  ©ünben  hätten?  2So 
biefe  ©omte  nidjt  fajeint,  ba  i(i  lauter  ginfterntß,  Slngfi  unb 
©epreefem  £ießve4rfkpen£warbie©ottlofen  nia)t,  aber  fteftnb 
teßpalb  um  fo  mepr  £u  beflagem  ©Ott  vergibt,  fagt  &avib, 
alle  ©ünben,  flehte  unb  große,  wiffentltcpe  unb  unwtffentlia)e, 
befannte  unb  unbefannte*  —  2ltt),  fyria)t  bagegen  baSgeäng* 
ftigte  ©ewtffen,  bu  Wlaxm  ©otteS,  fagft  wojrt  von  Vergebung 
aller  ©ünben;  aber  bu  weißt  nia)t,  tt)k  viele  ia)  begangen  Jmbe,— 


902 


t$  £a&e  toojjl  taufenbmal  gefünbigt    ®ax>ib  <\nu 
wortet:  £obe  unb  greife  @ott  mit  mir,    ber  btr  alle  beute 
(Bünben  ^ergttt !  —  2Bte  —  t$  fjabe  tt>o  J» I  $e£ntaufenb* 
mal  gefünbigt!  —  £)ax>ib  hltiUbabä:  2llle©ünben »ergibt 
©ottV  — 2lber—t$f>  ab  e  feine  Heine,  fonbern  groge, 
f^retflidje  ©ünben  begangen,  einganaerSBerg  liegt  auf 
mix;ify  §aU  nicfjt  allein  aus  ©$wa$J)eit  unb  Unwiffenjmt, 
fonbern  aud;  sorfä§litt)  gefünbigt  ©let^wofjl,  fagtbertömg, 
lobe  mit  mir  ben  gnäbigen  unb  barmherzigen  ©ott,  ber  biralle 
beute  ©ünben  »ergibt  —  %a)\  fpricf)t  baS geängftigie ©ewiffen 
weiter:  3$  fjabe  leiber!  no$  j[e£t  »iele  (Bfywatypätm  unb 
©ebredfjen  an  mix  unb  meine  grömmigf  eit  ift  no$  lange  nidjt 
ber  2lrt,  baß  fte  mir  gefallen  fönnte,  wie  fann  ia^  alfo  meinem 
<^ott  gefallen?  £)aotb  antwortet:  £obe  mit  mir  ben  £erm, 
beinen  <3ott,  ber  au<$  alle  beine  ©ebredjen  feilet! 
(ix  lajfet  täglich  ©eine  ©nabe  über  bir  walten*  £)er#err3efug 
tfi  an  2lr£t,  ber  feine  Traufen  fleißig  befucf)t,  alle  u)re  3ufälle 
beobachtet  unb  bienlic^e  Mittel  bagegen  »errafft  dx  träufelt 
ben  eblen33alfam  ©eines  23luteS  unb  ben  MenSfaft  beS  peili= 
gen  ©eijieS  in  unfer  £era,  (£r  Jjält  unS,  Wenn  wir  ftraucf)eln, 
Ijilft  unS  wieber  auf,  wenn  wir  fallen,  unb  bringt  uns  aure^t, 
wenn  wir  auf  3rrwege  geradem  (ix  t|mt  2llleS,  was  ein  treuer 
greunb,  2lrat,  23ruber,  Söuter  tfyun  foll;  wir  Jjaben  nichts  als 
©ute$  x>on  3N  ju  erwarten  unb  3j)n  für  alle  ©eine  ©üte 
beftänbtg  ^u  greifen.  —  dnblia)  tonnte  ein  geängftigteS  ©ewiffen 
einwenben:  3$  befürchte,  mir  möchte  no$  siel  ttnglücf  be* 
gegnen,  welches  idj  mit  meinen  ©ünben  wo£l  »erbient  Jjabe! 
3$  wä$,  baß  mir  ber  ©atan  nacheilt,  unb  mir  ift  bange,  i$ 
möchte  wieber  in  feine  9te£e  fallen,  möchte  im  ©lauben  wanfen 
unb  ins  SSerberben  geraten.  £)a»ib  erwiebert:  £obe  mit  mir 
beinen  ©Ott,  ber  bein  £eben  »om^erberben  errettet* 
dx  fjat  bicty  aus  ben  ©trufen  beS  ©atanS,  aus  bem  Sftacjjen 
ber  #olte  errettet,  als  (ix  bi$  pr  23ufje  braute,  unb  bis  je#t 
jjat  dx  bidj  nicfjt  aus  ©einer  2lufjtd)t  gelaffen ,  (ix  xotify,  baf? 
W  eines  $3eratf)erS  unb  £elferS  bebarfji,  mi$f  baff  ber  Batan 
bir  nacheilt,  barum  jwt  dx  befto  me£r  3la)t  auf  bid),  unb  xck 
dx  bic|)  bisher  gnäbig  geführt  unb  »or  bem  Sßerberben  Uwafyxt 


903 


hat,  fo  wirb  Grr  e£  aud)  fünftig  tjjun*  —  @r  frönet  t>id) 
mit  ©nabe  unb  Barmljeraigfeit,  (ü:r  aetgt  nia)t  allein 
©eine  ©nabe  fo  reid;lia)  unb  fjerrlict)  an  bir,  ba$  3ebermann 
fta)  über  bia)  wunbert,  ttue  wenn  bu  mit  einer  golbenen  Sirene 
gefa)mücft  wäreft,  fonbern  @r  umgibt  biet)  aua)  unb  bebiift  bta) 
mit  ©einem  gnäbigen  ©cfm§  unb  mit  ©einer  Barmt)eraigf  eit, 
wie  mit  einem  ©a)ilbe* 

Btöber  fudjte  ict)  t>k  SSorte  &avib£  gu  erläutern  unb  ifjren 
<&inn  fura  anzugeben,  ia)  fann  aber  hä  biefer  SSerantaffitng, 
nia)t  umi)in,  md)  (St)rijten  aua)  baburd)  aum  £obe  ©otteg  auf* 
aumuntern,  baf  id)  eud)  ©eine  %khe  unb  ©üte  nochmals  vor* 
palte*  3a)  formte  mid)  awar  auf  ba$  berufen,  vx>a^  in  ben  vor* 
J)erge|>enben  ^3rebigtcn  aur  (£rwecfung  ber  $ieU  ©otte3  gefagt 
würbe,  tt)ei(  aber  ber  2lnbäa)tige,  wie  bte  (Erfahrung  leljrt,  beim 
£efen  unb  3?aa)benfen  nid)t  gerne  lange  fua)t,  fo  will  iä)  mia) 
bie  SC^üpe  nia)t  verbriefen  laffen,  abermals  t>a$  ;ftött)ige  sott 
ben  göttlichen  28oj)ltt)aten  anaufüt)ren*  £)enn  x$a$  ijt  liebtid)er 
unb  nü£lid)er  $u  bejer^igen,  al£  bie  ©üte  ©otte£?  — ©o  lerner 
atfo  vor  allen  fingen  von  bem  tönig  Qavib ,  ba$  t$  beute 
$flict)t  p,  ©otteS  2Boi)ltt)aten  nta)t  bloS  im  allgemeinen  au 
betrachten,  n>te  @r  bk  SSelt  unb  2ttte3,  tvaö  barin  tfi,  regiert, 
verforgt  unb  erhält,  tt)ie  (ix  alle  feine  @efd)öpfe  liebt  unb  fta) 
tt)re$  SoplfepnS  freut,  wie  (£r  allen  SDfenfäjen  ©einen  lieben 
©olm  aum  £eifanb  gefa)enft  i)at  unb  allen  ©eine  ©nabe  an* 
bieten  lägt  :c* ;  fonbern,  bag  Seber  befonber^  erwägen  foll,  wa$ 
it)m  für  feine  ^erfon  wiberfaljren  i%  wie  ©Ott  ijm  bura)  ©eine 
väterliche  ©üte  verforgt,  bura)  ©eine  gnäbige  SSorfepung  ge* 
füt)rt,  buref;  ©einen  mächtigen  <5d)u%  erhalten  jjat,  wie  (Er  aua) 
lfm  ©einen  ©ot)ngefd)enftt)at  unb  u)m@nabe  anbieten  läjfet  jc* 
Mit  ber  allgemeinen  Betrachtung  vert)ätt  e£  fta),  wie  wenn  wir 
einen  fruchtbaren  Baum  feljen  unb  uns  an  bemfetben  ergoßen; 
mit  ber  befonbern  aber,  me  wenn  wir  unter  einem  fotd)en  Baume 
ff§en  unb  feine  ebeln  grüd)te  naa)  |>er$en3luft  genießen»  —  <£$ 
tjtjebtnfo ,  xok  wenn  bie  ©onne  im  allgemeinen  einen  Ort  be* 
fd)eint,  ober  wenn  u)re  ©trauten  in  einem  Brennfpiegel  aufge* 
fangen  unb  gleia)fam  in  €inem  $unft  vereinigt  werben*  2)ie 
er  jie  Betrachtung  erwärmt  t>a$  £era;  von  ber  aweiten  aber  wirb 


904 


t$  in  Stammen  gefegt  —  2)ie  Betrachtung  ber  göttlichen  £tefce 
unb  ©ute  im  2tttgemeinen  ift  eine  Vorbereitung  ^u  ber  IBeper* 
3igung  ber  A?tek,  bte  jeber  unter  uns  inSbefonbere  erfahren 
$at,  unb  biefe  legiere  bient  pauptfäcpticp  baju,  bau  §er$  sunt 
£obe  ©otteS  ^u  ermuntern*  —  ©eßpalb  ratpe  icp  btr,  o  £pri|l, 
baj?  bit  btr  angewopneß:  batf ,  tt>a$  bu  tton  ©otteg  Siebe  unb 
Vorfepung  porjt,  fogleic!)  auf  bia)  p  be^iepen  unb  mit  Samt 
^u  fprecpen:  „bergig  nicpt,  meine  (Seele,  t»a^  (£r  bir 
©uteS  getrau  pat"  Vergleiche  atäbato  bein  <3c^tcffaX  mit 
*em  beiner  5£ftitmenfcpen  unb  erjage,  wie  siel  bir  sor  2tnbern 
gegeben  tfi,  ob  bu  gteicp  beinern  ©Ott  nic^t  mepr,  aU  jene, 
ZWoot  gegeben  paft,  ba$  bir  e$  lieber  vergolten  werbe,  ja  3pn 
»ietfetcpt  mit  mepr  ©ünben  beteibigt  paß,  als  fte*  —  Um 
baS  aber  burcp  Beifpiele  beutticp  $u  machen,  "fo  nimm  ben 
erjten  51  r tuet  betneS  cprifttcpen  ©tauben s  fammtber 
<ü£rftärung  beffetben,  wie  fie  im  $ateä)i3mui?  jlept,  sor  btc^>  unb 
fpri^  ^u  bir  fetbft:  Stteine  ©eete,  Wir  paben  fcpon  oft  bieSSorte 
biefeS  2lrtifet3  gefprocpen  unb  gehört,  nun  wollen  wir  fie  aucp 
einmat  genau  erwägen  unb  bepeqigen*  2)u  gtaubft  an  ©Ott 
ben  Vater,  bebende  aber,  ba%  biefer  grofe  ©Ott  ©t$  feitper 
aU  einen  liebreichen  ©Ott  unb  gütigen  Vater  gegen  bicp  er* 
wiefen  fyat  (£r  ift  b  et n  ©  o  1 1  u  n  b  V  a  t  e  r ,  bu  lebfc  wanbetjf, 
n#,  benfft,  ftepjl,  porft,  rtec^ft,  fcpme#  unb  füplfl,  woper 
paft  t>\t  baS  2ttte3?  ©ewtg  nicpt  von  bir  fetbft,  fonbern  *>on 
beinern  ©cpctyfer,  ber  bicp  in  WlntttxUiU  bereitet,  gebttbet  unb 
mit  atten  biefen  Qöabtn  auSgeffattet  pat  ©ib  auf  beine  23ruffc 
Slcpt,  welcpe  fiep  bejMnbig  i^ebt  unb  jmft;  greife  an  beinen  tyuU 
unb  bewunbere  biefe  natürliche  Itpr  beineS  MUß.  ^etracf>te 
beine  9cafe  unb  beinen  $cunb,  bura)  welcpe  bu  hk  £uft  ein*  unb 
ausatpmeft;  wer  pat  biefeS  fenpwer*  »erfertigt  unb  btSper 
ün  ©ange  ermatten?  £put  eS  nicpt  ber  tiebreicpe  ©Ott,  in  2)em 
wir  leben,  weben  unb  ft'nb?  SDfo't  jebem  5Itpem^ug  geniegeft  bu 
©eine  gütige  $raft;-fottte  atfo  nicpt  jeber,  wenn  eS  möglicp 
wäre,  an  £ob  ©eine*  9camen3  fep?  Deine  ^ulSaber  fcplägt 
burcp  3pn,  unb  ©eine  $?acpt  unb  ©üte  ijtgletcpfam  baß  ©e* 
wicpt,  woburcp  biefe  Upr  im  ©ang  ermatten  wirb*  ©Otiten  wir 
nicpt  bei  j'ebem  ©cptage  aufrufen:  Zeitig,  gütig,  gnäbig 
fftber£err!" 


905 


IBebenfe  aber  weiter,  ba$  bia)  bein  ©Ott  nia)t  altem  er* 
fa)affen,  fonbern  aua)  bt^^er  entehrt,  serforgt,  befa)ü£t  unb 
erhalten  pat!  (£r  pal  alle  übrigen  ©efa)ö>fe  ^u  beinern  2)ienjte 
yerorbnet,  „patbia)  $um  £errn  gemalt  über  ©einer 
r,£änbe2Berf,pat2ineSunterbeinegüßegeipan, 
,,©a)aafe  unb  £) a) f en  allzumal,  ba^u  aua)  bte  wil* 
„b  en  Spiere, bie  $ögelunt  er  bem&immelunbbte 
„gifa)e  im  9D?eer  unb  2Ille3,  wa$  im  Wlttx  gepet" 
£te  gan$e  SSelt  ift  eine  große  23orratp3fammer  ©otte3,  auS 
welcper  bu  fa)on  fo  viele  3apre  verforgt  unb  erpalten  wirft 
Sie  pajt  bu  aber  biefe  Milbe  beinesS  ©otteö  erlannt  unb  m$ 
wirb  3pm  bafür ?  —  fonbern  (Sqper^og  Gilbert  in  ben  lieber* 
lanben  wirb  eqäplt,  ba$  er  einem  (£belmann,  ber  bura)  Kriegs* 
unglüd  gau$  verarmt  war,  täglia)  2  bi£  3  gute  @eria)te  bura) 
einen  Wiener  in'3  $au$  gefa)ia*t,  biefem  j[eboa)  ftreng  befoplen 
pabe,  nta)t  ^u  fagen,  woper  ba$  @efa)enf  fomme,  2)er  (£bel* 
mann  Wunberte  fta)  fepr  barüber,  aU  tpm  ^um  erßenmal  biefe 
©nabe  wiberfupr,  aU  er  aber  fap,  ba$  biefe  Söopltpat  aua) 
ben  anbern  Sag,  ja  2Boa)en,  Monate  unb  3apre  lang  fortge* 
fe§t  würbe;  fo  wünfa)te  er  fepnliä),  feinen  SBopltpäterlennen 
gu  lernen  unb  ipm  ^u  banlem  %l$  er  benfelben  aber  nia)t  er* 
fapren  fonnte,  fo  befragte  er  von  £eqen,  baß  er  opne  £)anf* 
fagung  fterben  folle,  —  9?un  bebenfe,  liebe  (Seele,  reit  man* 
a)e£  gute  ©eria)t  bu  fa)on  fo  t>tele  3apre  lang  au£  ber  $üa)e 
beine£  ©oiteS  empfangen  paft,  mt  oftmat  (Ex  bia)  mit  ©veife 
unb  Sranf  erfüllt  pat?  £)ir  aber  ijt  bein  äßopltpäter  nia)t  un* 
befannt,  es?  wäre  bemt,  $>a$  bu  ipn  mit  23orfa|3  vergeben  unb 
nid)t  fennen  woHteft.  Söillft  bu  im  Unbanf  jierben  unb  eine  fo 
liebreia)e  Spaltung  nia)tmit  beinern  geringen  £ob  erwiebern? 
SQBitlfi  bu  feplimmer  fepn  al$  ein  unvernünftige  6  Spier,  ba$ 
feinen  £erm  fennt  unb  feinem  SSopltpäter  bura)  aKerpanb 
£iebfofungen  feinen  £>anf  $u  bezeugen  fua)t? 

(£nblia)  erwäge,  o  ©eele,  bie  väterlia)e  SSorfepung  beutet 
©otteg,  mit  ber  dx  bia)  bi£per,  wenn  aua)  wunderbar,  boa) 
feiig  gefüprt  pat  —  2)amit  aber  fommt  bie  Sorgfalt  ber  flügften 
unb  liebevollen  SBäter  für  ipre  hinter  in  gar  feinen  23ergleia> 
—  2Öir  glauben  mit  $ea)t,  unfern  Altern  großen  £)anf  fa)ul* 


906 


big  au  fc^ti  für  btc  tttclc  SÄüpe,  Cte^c  unt>  £reue,  bie  jte  unfern 
wegen  geljabt  frf&ejt,  t»tc  viel  Dan!  werben  wir  bann  unferem 
(Sott  fa)ulbig  fep,  beffen  Sorge  über  alle  ©orgen  gept,  ber  mit 
©einer  Cfefce  bte  $kU  ber  Altern  leitet  unb  ftej  belehrt,  \vk  jte 
unfer  33efie3  beförbern  follen*    Die  Altern  ftnb  ben  $ö<)ren 
gu  vergleichen,  burcf)  welcpebte  2Bo£ltpaten  im$  aufliegen;  ©Ott 
aber  ift  bte  Ouelle*  —  2öem  verbanden  nur  alfo  am  meiften? 
3ftir  falten  ptet  bte  2öorte  meinet  ©ottes  ein:  „3$  naf>m 
„(£pl)ratm  hei  feinen  Firmen  unb  leitete  i|nt;  aber 
„fte  merften  e$  nia)t,  wie  3a)  ihnen  palf."  —  2la) 
©Ott!  wie  mancher  SDcenfa),  ben  bu  fa)on  fo  viele  3af?re  gelei* 
tet,  geführt,  ernährt,  gebulbet  unb  mit  taufenberiet  2Boj?ltf?a* 
ten  befeligt  fjaf*,  pat  bieg  noa)  nie  bemerlt,  gefa)weige  benn  gu 
£ergen  genommen!  3a)  felbjl,  ia)  ££or,  bin  viele  3aJ)re  £m* 
gegangen  unb  jjafee  auf  beine£anb,  bte  mia)  leitete  unb  erhielt, 
ntä)t  &a)t  gehabt    ID  wie  unenblia)  ift  Deine  ©üte  unb  wie 
gering  ift  mein  Dan! !  Sßenn  ia)  bebenfe,  wa$  bu,  o  ©Ott,  an 
mir  getjwn  jjaft,  fo  weip  i^  nia)t,  wo  ia)  anfangen  ober  aufbo- 
ren folL  —  SÖenn  ia)  aber  bebenfe,  wag  ia)  gu  deinem  £ob 
unb  5H*ets  getrau  £abe,  fo  weiß  ia)  nia)t,  was  ia)  fagen  folt 
!ftun,  mein  Später,  Du  btft  ©Ott  unb  ia)  bin  ein^cenfa);  ©eine 
Söoljltjjaten  ftnb  göttlia),  jte  ftnb  J?errlia)  unb  ungctfrtbar;  mein 
Dan!  aber  ift  menfa)lia),  er  ift  gering  unb  fa)waa).  —  3d>  wun* 
bere  mia)  oft  barüber,  ba$  25u  Dia)  meiner  fo  anntmmft,  wie 
wenn  Du  etwaä  ©roßeg  von  mir  gu  erwarten  pätteji,  wäljrenb 
bod)  aller  Dan!,  ben  ia)  Dir  in  Ghvigfeit  fagen  werbe,  für 
sJtia)t3  gu  galten  tjl  gegen  Deine  ©üte* 

(££e  wir  aber;weiter  gepen,  wollen  wir  bie  ©üte  be$  £oa)fren 
nod)  jn  einer  gang  alltäglichen  @aa)e  betrachten  unb  feljen,  ob 
wir  nia)t  aua)  in  berfelben  eine  Aufmunterung  gum  £obe  @ot* 
m  ftnben  fönnem  Der  <5a)fof  5*  55*  t(i  etwas  2illtäglia)eS, 
unb  ber  größte  ££etl  ber9Jcenfa)en  betrachtet  tyn  als  eine  gang 
gewöhnliche  ©aa)e*  @benbaj?er  t'ommt  e3  ben  Reiften  fonber* 
bar  vor,  wenn  man  baxin  eine  S3eranlaffung  gum  £obe  ©otteS 
jtnben  will;  obgleia)  ber  @a)laf  eine  ber  größten  2Bof>ltl?aten 
unter  ben  geitlidjen  Dingen  ift  SBeil  ber  £err  vorauf  fap, 
baß  btö  menfa)lia)e  geben  naa)  bem  ©ünbenfall  eine  SRetye  von 


907 


üXftüpfeligfeiten,  arbeiten,  grübfalen  unb  Sorgen  fe^n  werbe, 
fo  verlief?  er  ben  ^enf^en  ^ur  ©tärfung  unb  GErquidung  ben 
©a)laf,  in  welkem  wir  faft  ben  brüten  £peil  unferer  Seiend 
3«'t  zubringen.  3war  fa)Kef  §ibam  aua)  *wr  bem  gaHe ;  allein 
bieg  ift  ettt>a3  2lugerorbentlia)e3 ,  unb  id)  weig  nia)t,  ob  ber 
pejnfa),  wenn  er  im  ©tanbe  ber  Unfa)ulb  geHieben  wäre,  fo 
x>id  gefa)lafen  paben  würbe,  als  er  fegt  fa)laft  ©oa)  bem  fe$, 
wie  if?m  mtif  fo  tfi  ber  6a)laf  jegt  eine  groge  Sßopltpai  ©ot* 
ieS,  unb  nimmt  einen  bebeutenben  £peil  biefcS  elenben  SebenS 
weg ,  opue  baß  wir  eS  med en.  Sir  fa)lafen  ein  unb  wiffen 
nia)t  wie?  — 33ei  bemßrffen,  £rtnfen,  arbeiten,  £efen,  ©a)rei* 
ben  benfen  wir,  aber  im  ©a)laf  ift  2llleS  »ergeffen  unb  wir 
wijfen  nia)t,  ob  wir  noa)  in  biefer  traurigen  2Belt  finb  ober 
nia)t  2lud)  bafür  forgt  ber  £err;  benn  „(£r  p  äit,  tok  hk 
@ä)rift  fagt,  unfere  klugen,  ba$  fie  waa)en,  (£r  gibt 
aber  aua)  Schlaf/'  wenn  eS  3pm  beliebt  ©aper  barf  ia) 
wopl  fagen,  bxe  @üte  ©otteS  fep  gleid)fam  unfere  Butter  ober 
unfere  Wärterin,  bie  uns  unruhige  ^inber  in  ben  ©a)laf  bringt 
Seine  ©nabe  erlaubt  uns  fogar  in  ©einen  Firmen  unb  in  ©ei* 
nem  ©a)oog  au  fo)lafen.  —  -ftoo)  mepr :  inbem  wir  fa)lafen,  ^iepi 
ber  2lllerpöa)jk  bie  SBorpänge  ber  ytatyt  um  unfer  SBeit  unb 
waa)t  felbft  naa)  bem  2luSfprua)e  ©atubS:  „©er  bia)  bepü* 
tet,  fä)räftnia)t;fie^e,  ber  £üter  SfraelS  fa)läft 
noa)  fajlummert  nia)t*/y  (Er  befiehlt  feinen  Engeln,  bag 
fte  t>k  pößifa)en©eißer5itrüdtreiben,  ba$  fie  unfere  9?upe  nia)t 
jtörem  2Benn  wir  aufwaa)en,  fo  bürfen  wir  mit  3pm  fyrea)en, 
3pm  unfer  anliegen  entbeden,  unb  uns  an  ©einer  ©nabe 
ergogem  —  ©aper  fagt  ©ax>ib  abermals:  „28ennia)er* 
wa^c,  fobinta)noa)bei©ir."  ©leid)  als  wollte  er 
fagen:  $Rtin  ©Ott,  \x>k  iä)  mia)  pinlege,  fo  fmbe  ia)  mia)  xok* 
ber,  ia)  fa)lafe  ein  in  Um.  ©a)oofie  ©einer  ©nabe  unb  wenn 
ia)  erwaa)e,  bin  ia)  noa)  barim  3$  £leia)e  einem  $tnbe,  baS 
in  feiner  Butter  ©cpoofj  entfa)läft  unb  beim  (£rwaa)en  baS 
5lngejta)t  unb  bie  23ruft  feiner  Butter  erblidt;  fo,  mein  ©Ott, 
befehle  ia)  mia)  beim  (£infa)lafen  ©einer  ©nabe  unb  £)fyut, 
unb  wenn  ia)  erwaa)e,ifmbe  ia)  mia)  bar  in.  —  gerner  ift  au 
bebenfen,  bag  ©ott  für  uns  forgt,  wäprenb  wir  fa)lafen  unb 


908 


alle  ©orgen  gleiajfam  ^urüclgelegt  Ijaben*  dv  hat  fa)on^ine 
neue  @üte,  neuen  £rojt,  neue  $raft  unb  $ülfe  für  teu  fom* 
menben£ag  tn33ereitfa)aft,  unb  j?i(fifo  einen  Sag  btefeS  mü£* 
feiigen  £ebenS  nad)  bem  anbern  äurücflegen ,  U$  wir  enblia; 
^ur  swtgen  $£ul?e  fommem  5Xber  »te  t>iele  $tafa>en  gibt  e$, 
biebtefe  unl> dpnlt^cSQSo^ttpaten ©otte^  erfennen?  SBett  jtefo 
alltdglia)  unb  allgemein  fmb,  fo  glauben  fte,  fte  fwben  feinen 
Msxtf*  2>a£er  fommt  e3  aua) ,  ba§  9ttandjer  »tele  ©tonjben 
naclj  einanber  fanft  unb  ftä)er  fajldft,  unb  wenn  er  erwacht,  fo 
begrübt  er  £)en  niä)t,  ber  ij>m  ben  ©ö)laf  gefajenlt  unb  il?n 
wä^renb  beffelben  behütet  j)at,  ©  wie  »tele  9^äa)te  j?abe  iä) 
feltft  fanft  unb  rujn'g  burä)fa)lafen  unb  e6  mdji  genug  erfannt, 
fcajj  M;  meinem  (Sott  bafür  $u  banfen  fdmlbtg  fep,  H^  mia;  enb* 
lid)  ble  fa)lafiofen  üftä^te  lehrten,  i>a$  ber  Schlaf  eine  auSge* 
geia)neie  2öo£lt!)at  @otte$  fep!  £)arum,  o  «Seele,  erlernte  boa) 
von  #er$en,  baff  ber  erffe  @euf3er  be$  £>anfe3  beim  (£rwa$en 
@ott,  beinern  £üter  unb  Södcjjter,  gebührt 

SQStr  fönnten  nad)  Anleitung  be3  erften  $riif eil  nod)  manche 
anbere  Sonaten  anführen,  unb  würben  viele  3eit  nötjng 
|>aben,  wenn  wir  un£  in  bie  Betrachtung  ber  verborgenen  @üte 
@otte£  einlaffen  wollten,  worüber  bie  @a)riftcn  be$  SRovarm 
unb  be£  3o^ann  »♦  $ornfel3  nachliefert  ftnb.  %8äi  e^  aber 
unfere  2lbfta)i  ijl,  nur  eine  Anleitung  $ur  Erwägung  ber  man* 
perlet  ©nabe  (Bßh4  gu  geben,  fo  gefjen  wir  gu  bem  swet* 
i  e  n  21  r  i  t  f  e  l  ü  b  e  r*  tiefer  ift  in  unferem  ®ated)i$tnu$ '  fo 
ftt$i§  unb  mit  fo  viel  ^aa)brucf  erlldrt,  ba$  ber  (Jjjrifl  bte 
SÖorte:  SDcein  £ err,  3efu3  (£i):ijlu£,  ^at  mia)  verlornen  unb 
»erbamtnten  $?enfa)en^erlöfet,  erworben  unb  gewonnen  von 
allen  ©ünben,  vom  £obe  unb  von  ber  (Gewalt  beg  £eufel3, 
nict)t  mit  ®olb  ober  ©ilber,  fonbern  mit  ©einem  ^eiligen  fym* 
ren  $Blut  :c*  —  faft  ofme  ordnen  nid)t  wieber^olen  fanm 
2)er  ewige  ©or)n  ©otteg,  ber  2lbglan$  ber  £errlut)leit  be$  $a* 
ter£  unb  $>a$  <£benbitb  @eüte3  SBefeng,  iß  alfo  vom  Fimmel 
gefommen,  nia)t  um  9?eia)t|mm,  (FJ?re  unb  $errlia)feit  in  ber 
2öelt  au  fua)en,  Jonbern  um  t>te  6ünber  fe%3u  mad)en,  £>ic$ 
$>at  ^r  auf  bie  wunberbarj^e  Sßeife  vollbracht;  (ix  tft  erfcfrie* 
neu  in  ber  ®efklt  be^  fünblia)m  gleifa)e^  unb  f>ai  fia)  ben 


909 


©ünbern  gt^fÄ  @x  pat,  obwohl  (Er  von  feiner  ©ünbe  m$* 
te,  ber  ganzen  Seit  ©ünbe  auf  ©ia)  genommen,  Ijat  für  biefelbe 
mit  ©einem  unfa)ulbigen  ^obe  gefügt,  imb  unS  bie  ©nabe©ot* 
tc3,  ®erea)tigfeit  unb  ©eligfeit  erworben*  —  35etraa)te  aber, 
o  ©eele,  noa)  befonberg,  waö  ber  ©ofm  ©otteS  an  btr  getrau 
pat  naa)  bem  3fo$ßmt$  be3  2lpojtog:  ,/Der©oljn©otte6 
£at  mia)geliebtunb  ®*$  felbftfürmia)  bargege* 
bem"  Sie  ©a)rift  unb  bie  (Erfahrung,  geben  bir  bie  $erfta)e* 
rung,  bag  bein  (Erlöfer  aud)  bia)  von  (Ewigfeit  per  geliebt  unb 
unter  bie  3aj)l  ©einer  2tu3 erwählten  aufgenommen  pat*  211S 
(Er  in  bie  28elt  fam,  um  ba$  Söerf  ber  (Erlöfung  ^u  beginnen, 
pat  (Er  vom  Anfang  M$  ^um  (Enbc  aud;  auf  bia)  gefepen  unb 
bein  -ftame  warb  3fmt  gleia)fam  tn$  £er$  gefa)rieben.  Söie 
(Er  bia)  je§t  fennt,  ba  (Er  ^ur  9?ea)ten  ©otteS  jtfct,  fo  rannte 
(Er  bia),  al$(Er  in  ber  Grippe  lag  unb  aU  (Er  am  $reu$e  Jn'ng* 
Unb  wie  im  alten  £e|tament  Seber  feinem  Dpfer,  epe  er  t$ 
fa)laa)tete,  bie  £anb  auf$  ^aupt  legte  unb  bie  $erjta)erung 
Jwtie,  bag  eS  ifmt,  nad)  bem  SSunfa)  feinet  bugfertigen  unb 
glaubigen  £eqen$,  £u  gut  fommen  fotle:  fo  fannft  bu  gewig 
fepn,  bag  3efu3,  „ber  ©ta)  felbft  batgegeben  pat für 
un$  jur  ©abe  unb  £)pfer,/;  aua)  bein  Opfer  fep,  unb  bag 
©ein  tfjeureS  23lut  unb  ©ein  ganzes  $erbienf*  bir  $u  gut  fom* 
me*  ©eine  gürbttte  ij*  aua)  für  bia)  gefa)ej?en,  ©eine  SSunben 
ftnb  für  bia)  geöffnet;  um  bia)  tn  ©eine  5lrme  $u  fa)liegen,  fyat 
(Er  ©eine  Slrme  am  trenne  ausgebreitet,  unb  um  bir  ben  $ug 
beS  grtebenS  ^u  geben,  j)ai  (Er  ©cm  £>aupt  geneigt*  Sid)  pat 
(Er  in  bie  £änbe  ©etneS  23aterS  empfohlen,  bia)  in  ber  peiligen 
£aufe  in  ©eine  ©emeinfa)aft  aufgenommen;  bir  lagt  (Er]bura) 
fein  Sößort  ©nabe,  %kU  unb  ©eligfeit  anbieten,  bir  verftegelt 
er  ©eine  SÖopltpatcm  bura)  £arreia)ung  <&äm$  Mhe$  unb 
23luteS  im  peiligen  Slbenbmapl,  unb  beiner  gebenft  (Er  opne 
Unterlag  im  Fimmel  vor  bem  2lngefta)te  ©otte&  (Er  pat  jta) 
^war  pod)gefe£t;  aber  (Er  ftept  tmmerbar  auf  bia),  magftbu 
aua)  noa)  fo  niebrig  in  ber  2öeft  fe$m  (Er  begleitet  bia)  überall 
mit  ©einer  ©üte,  ^tebe  unb  breite,  unb  fa)ü$t  bia)  wiberSöelt, 
£ob,  Teufel  unb  £ofte*  (Er  j?at  eine  ©tätte  im  Fimmel  für 
bia)  bereitet,  f>at  bia)  für  ©einen  trüber  unb  Sterben  erflärt, 


910 


\x>iü  bv$  na$  biefem  Seben  aufnehmen  ttt  ©eine  ^errtidjfeit 
unb  bir  bte  trotte  be$  SebenS  geben*  —  SBeljeraige  alfo  wofrt, 
meine  ©eele ,  welchen  £)anf  bu  beinern  (£rlöfer  fdjulbtg  bijh 
©c&weife  nidjt  mit  beuten  ©ebanfen  untrer,  wenn  $on  ©einem 
SSerbtenfte  bie  Sftebe  ift,  fonbem  vereinige  fte  aufs  Snnigfte  in 
©einer  ?iebe,  imb  überlege  tlüeä  wofjt,  bamit  bu  baburd)  $u 
©einem  Sob  unb^reig  ermuntert  werbet  3a,  follten  wir  ni$t, 
fo  oft  wir  ein  $reu$  feljen,  hei  mt$  felbft  fagen:  £)a3  ift  ein 
griumpjj  unb^enf^ei^en  ber  Siebe  3efu  ^prtftt !  £3  tfi  ein  2)enf* 
mal  ©eineg©iege$  über  ©ünbe,  £ob  unb  £>ölle,  wet$e$un$gur 
Sanfbarfeit  aufmuntert!  ©oflte  nidjt  3efu3,  ber  ©efreu^tgte, 
ber  9)?enfä;enfreunb,  ber  tf>eure  ßrrlöfer,  ber  einzige  Xxcft  unb 
bie  einzige  3u$erfta;t  unferer  armen  ©eele,  beftetnbig  in  unferem 
^er^en  unb  Sttunbe  fepn?  ©oflten  wir  nia)t  allezeit  ftre^en : 
3efu,  ta)  greife  £>iä),  3efu,  ia;  bete  £>itt)  an,  ta)  eljre,  liebe, 
lobe  3>ia>! 

5luä)  ber  b ritte  Sir  tif  et unf ere $  <$rt(ltta;en©lau= 
ben3  foll  unö  eine  Aufmunterung  ^umSobe  ©otteS  geben  unb 
bieg  um  fo  me^r,  ba  fo  Vieh  (£J>rifien  bie  2So|)ln)aten  beS  |>ei* 
ligen  ©eifie£  nia)t  rea)t  erlernten,  £)ie  britte  ^erfon  in  ber 
(Botfyeit  petfüt  in  ber  ^eiligen  ©d;rift  35eifknb,  £röfler,  gür* 
fprea)er,  weil  fte  ber  9ftenfa)en  Stdjt,  ßtaft,  £roft,  Jreube  unb 
Seben  fe^n  Witt*  2)er  Ijeitige  ©eijf  ergießt  ft#  mit  ber  göttli* 
($en  Siebe  in  unfere  £eqen,  serfläret  3efum  (£j)riftum  in  uns, 
fajafft,  $erme|>rt  unb  erjjält  in  un$  ben  ©lauften,  ent^ünbet  bie 
Siebe,  befeftigt  bie  Hoffnung,  trojkt  in  Srübfal,  gibt  3engnig 
unferem  ®eifte,  baß  wir  ®otte£  ®inber  finb,  tefjrt  uns  beten, 
ja  @r  felbft  hetet  fixt  nng  unb  vertritt  un£  mit  unau3fyrea;li* 
fyen  ©euftenu  (£r  erfüllt  unfer  $er^  mit  allerlei  ©otteSfüEe, 
mit  ^eiligen  ©ebanfen,  gottfeligem  @ifer  unb  Inmmtifdjen  33e* 
gierbem  dx  füjjrt  un£  auf  richtiger  $8a$n,  aeigt  uns  bie  %u$* 
taufen  3efu  unb  leiert  un3,  wie  wir  3Dnt  nachfolgen  foltern 
(ix  gibt  ung  guten  diath,  wenn  wir  ^weifelpaft  ftnb,  warnt  unb 
%iefyt  uns  aurücf,  wenn  wir  auf  3rrwegen  pnb,  gibt  SOcutlj  unb 
greubigfeit  im  ©treit  wiber  ben  teufet  unb  bie  böfe  2öelt, 
tfU  reiben  £rojl  in  ber  £rübfal,  $raft  in  ber  ©tt)wa#eit, 
ruftet  unö  mit  allerlei  £errlia)en  ©aben  au^ ,  loerbinbet  uns 


911 


buro)  ben  ©laufen  mit  3cfu  dprifto  unb  gibt  SBeflänbigfett 
unb  ©cwt^ett  unfereS  £etf&  $ur$  (Et  tput  SltteS,  wa$  ein 
treuer  greunb,  diaty ,  33eiftanb,  gürfprea)er  t|mn  folL  —  Grr* 
wäge  bieg,  meine  <5eefe,  aber  nt$t  bto£  im  ^gemeinen,  fon* 
bern  wie  eg  bir  Bt^|>er  wtberfajjren  tft  unb  wie  bu  bie  ©nabe, 
bie  ©aben  unb  ben  23eiffanb  be$  peil".  ©eifte$  an  bir  wapr* 
mnwnjl»  23ebenfe,  bag  bu  nidjt  burcp  eigene  Vernunft  noep 
$raft  $ur  ©emeinfepaft  mit  3efu  gefommen  bijl,  fonbern  bag 
bia)  ber  petL  ©eijt  burcp  ba$  (Eoangeltum  Berufen,  mit  ©einen 
(gaben  erteueptet  unb  im  regten  ©tauben  gezeitigt  unb  erhal- 
ten pat.    28ie  mannen  fräftigen  3ug  paft  bu  in  beinern  £er* 
gen  gefügt;  wie  oft  pat  (£r  bia)  gewarnt,  unterrichtet,  befeprt 
unb  ^ureept  gebraut!  fJBte  »tele  gute  ©ebanfen  pat  dx  in  bir 
erweeft,  me  »tele  perrtia)e  ©aben  bir  »erliefen !  2)u  liefejt 
unb  pöreft  ba£  2Bort  manchmal  unb  emöfmbejl  feine  febenbige 
Äraft  in  beinern  bergen,  bu  fommjt  betrübt,  ffeinmütpig  unb 
unruhig  in  bie  $ira)e  un'o  »erlaffeft  fte  getrottet,  freubig  unb  »er* 
gnügt.  —  (Eine  fromme  grau  wäplte  ftep  etnjt  gu  iprem  £eicpen* 
tertebenbefannten  tenfpruep:  „£>a$$  23lut  3efu  d^rtftt, 
be£©opne$©otte3,  m a cp t  un$  r  ein  »on  allen  <Sün* 
ben/'   Senn,  fagte  fte  au  iprem  23eicpt»ater :  att  3pr  benfei* 
fcen  neuliep  anführtet,  festen  eg  mir,  als  oo  ba£  peiltge  33lut 
meinet  (ErtöferS  über  mein  £au#t  unb  #er$  gegoffen  wor* 
ben  wäre.  $epntia)e3  paben  wir  auep  fepon  empfunben;  wir 
paben  t>ie  füge  $raft  be6  SSorteg  gefa)mecft,  manchen  ^atnpf 
mit  bem  6atan  beftanben,  wir  ftnb  bem  £obe  gletcpfam  im  dla* 
epen  gejkdt  unb  paben  boep  unfere  greubigfeit  in  (Sprtfto  3efu 
beibehalten*  &$  iß  mancpmal  lauter  9?ebel  unb  ginfterniß  um 
un$  per;  aber  wir  paben  boa)  ein  pellet  £ta)t  im  ^eqen,  bat 
unfere  ginjternif  erleuchtet*  SSir  ftnb  oft  äl$  t>k  traurigen, 
aber  allezeit  fröptia),  wir  paben  oft  ntcptS,  unb  paben  boa)  Mtö. 
Sir  ftnb  oft  arm  unb  boa)  fepr  »ergnügt ;  wir  werben  geänftigt 
atnb  »erfolgt  unb  beftepenboep.  (B  bonnert  unbbli^t,  eg  regnet 
unb  ftürmt  um  uns  per;  aber  wir  paben  9?upe,  griebe  unb 
greube  im  bergen,  unb  awar  Mt$  bura)  bie  $raft  unb  ©nabe 
be£  peiligen  ©eifte^  <Sinb  wir  alfo  biefem  treuen,  göttlia)en 
33et|.anb  nia)t  ewige  2)anf barfeit  fcpulbtg?  3?  e$  nia)t  $jfta)t 


912 


anzurufen:  „£obe  ben  £errn,  meine  ©eele,  unb  aU 
lt§,  vtaö  in  mir  tjt,  ©einen  $tih  tarnen,  Sobe  ben 
£errn,  meine  ©eefe,  unb  öergig  nio)t,  was  (£r  bir 
®utt$  getfjanfjat!" 

3nbem  ia)  mia)  biefcn  frommen  Betrachtungen  jnngebe, 
erinnere  iä)  mia)  an  bie  ©tetfen  ber  ©djrift,  in  wetä)enbie  päL 
Mnbtx  ©otteS  i£ren  £errn  fo  ijoa)  erpeben,  ©o  fingt  ba3 
gan^e  Öolf  Sfrael:  „£>er  £err  ift  meine  ©tärfe  unb 
:mein£obgefang  unb  mein  £eiI;ba$ijtmein©ott, 
iä)  will  3pn  greifen;  (£r  ijt  meines  23ater£  ©ott, 
i^  will  3$4i  er  p  eben/'  ©ie  beuteten  mit  biefen  Porten 
auf  ipre  wunberbare  (£rtöfung  auS  ber  äg^ttfa)en  ©ftoeret 
unb  auf  bk  S8ernia)tung  beS  äg9ptifa)en  £eere£  im  rotten 
Speere;  benn  pier  aeigte  fta)  ©Ott  in  ©einer  Wlatyt  unb  £>err* 
U0ÜU  2) arum  fprea)en  ft'e :  „2>  a  S  ifi  m  e  i  n  ©  o  1 1 !"  f  olo)e 
Späten  fann  (£r  tpun,  fo  grog  i(i  ©eine  ©üte  über  bte,  welä)e 
auf  3£tt  hoffen,  unb  ©eine  (Gewalt  wiber  bie,  wtla)z  fta)  3pm 
wiberfeketu  —  ©ie  fegen  pin^u:  „(Er  tji  meinet  SSaterS 
(55  ott/'  — (£r  fängt  nia)t  erfl  peute  an  mein  ©ott  $u  fe^n,  fon* 
bern  (£r  pat  fta)  fa)on  unfern  SSätern  als  ein  gnäbiger  unb  mäa)* 
tiger  ©Ott  geoffenbart,  unb  wie  (£r  tpnen  tterpeigen,  ba$  dt 
wofte  ipr  unb  ijjrer  ^aa)fommen  ©ott  fepn,  fo  |>at  (£r  es  ge* 
galten  bis  auf  biefe  ©tunbe*  —  Raffet  uns  biefem  23eifpiele 
folgen,  unb  bie  2lftmaa)t,  SBei^peit,  ©üte,  Siebe  unb  ©nabe 
unfereS  ©otteS  in  ©einen  SBerlen  oft  betrauten,  3fw  uns  atS 
gegenwärtig  sorfteßen  unb  fprea)en :  pier  ftnbe  ia)  meinen  ©Ott 
wieber!  2)aS  ift  mein  ©Ott,  bie  ewige  %kht,  bie  pöa)#e  $raft, 
ber  mäa)tigjl:e  ©a)u£*  (Ex  fängt  ntä)t  erß  peute  an  mein  ©Ott 
gu  fe^n,  fonbern  (£r  pat  fta)  als  ©o!a)en  in  meinem  ganzen  £e* 
Ben  erwiefen,  was  mir  meine  $äter  auS  eigener  (Erfahrung  von 
3pm  gefagt  paben,  baS  f»abe  ia)  mannigfaltig  wapr  gefunben; 
fotfte  ia)  biefen  ©ott  nia)t  greifen  unb  ergeben?  —  gerner  i(i 
merfwürbig,  ba§  SttofeS  ben  £erm,  unfern  ©Ott,  beS  SBolfeS 
3frael  3?  u  fj  m  nennt  „©er  £err,  bein  ©ott  tjt,  b  ein 
Sftujjm/'  ©aper  aua)  ©attib  fagt:  „Steine  ©eele  foH 
fiä)  rühmen  beS  £errn;"  unb  ©imeon  nennt  3efum  baS 
Stc^t  ber  $ävm  unb  ben  ?3rei^  beS  Joffes  Sfraet  — 


913 

SHofeS  will  olme  3n?etfet  fagen:  2)u  J#,  o  3fraet ,  einen 
©Ott,  beffen  tu  bia>  nia)t  fcpmen  barfft,  (£r  ift  fein  opnmäa> 
tiger  unb  tobter  ©b£e,  bergteiajen  bie  btinben  Reiben  anbeten, 
nein,  (£r  ijt  ein  allmächtiger,  altweifer,  gütiger,  Tebenbiger  ©Ott, 
auf  welchen  bu  bia)  sertaffen ,  beffen  Zkfo  unb  2öoj?ltpaten 
bu  bia;  öffenttia)  rühmen  fannjh   2)at>ib  will  fagen :  3a)  rüpme 
mia)  beffen  billig,  t>a$  i$  bei  meinem  ©Ott  in  ©naben  bin, 
ba§  (£r  mein  ©ebet  erhört  unbmirmepr  @ute3  erweist,  afö 
ia>  wert!)  hin.  —  <5imeon3  ©ebanfen  ftnb :  Dbgleia)  ©Ott  bem 
SSoTfe  Sfrael  ttiele  $or$üge  $or  allen  anbern  Golfern  gegeben 
f?at,  fo  ift  bodj  baS  feine  ^öa)fte  (£f>re,  bag  baö  £i$t  unb  ber 
£roft  aller  Reiben  au£  ipm  entfpr  offen  tjh  —  2öa3  bünfet 
eucb  nun  ipr  Ctlmften,  paben  wir  nia)t  aua>  Urfac^e,  unfereS 
©otte£  un£  $u  rühmen  ?  3ft  (£r  nid;t  unfer  @tol$  unb  unfere 
greube?  ©ollen  wir  nia)t  bie  SBunber  ©einer  ©üte,  bie  wir 
fo  reia)tia)  erfahren,  aller  28elt  »erf ünbigen ?  3ft  nia)t3efu^ 
@priftu£,  ber  ©otm  ©otteS,  ber  $ubm  unfere^  £eqen$? 
3ft  £r  nia)t  unfere  @pre  unb  unfer  ganzer  ^eid)t^um  ?  2Ba£ 
fann  bie  2öeU  unferem  9?ujnn  entgegenpalten  ?   5Ba3  fönnen 
wir  weiter  begehren,  wenn  ©ott  unfer  ^ufjm,  wenn  3efu6 
unfere  (ürpre  unb  unfer  Me$  ift.  —  ©tauben  wir  nun  ba$ 
wirffia)  »on  bergen,  palten  wir  ©ott  unb  3efum  für  unfern 
9?uj?m ;  warum  ftnb  wir  fo  ftilte  ?  SOßarum  jaucht  unfre  ©eele 
nta)t  über  tit  ©üte  ©otteä?  SSarum  fingen  unb  fagen  nix 
niajt  $on  ©einer  ©nabe,  bie  ß:r  un3  allenthalben  erwiefen 
W?  —  £)ie  ^eiligen  @otte£  hvafyten  ipre  meifte  3«*  mit 
bem  £obe  ©otteS  $u;  fte  waren  barin  ftetä  fo  eifrig,  ba§  mit 
SRtfyt  gefagt  werben  tonnte:  „©Ott  wopne  unter  bem 
i-  o  b  e  3 .  f  v  a  e  l  $ ;"  ober :  £)u  ©ott,  wopnft  in  Seiner  $irc$e, 
bie  2)ia)  allezeit   lobt,  Du  bift  mit  iprem  £ob  unb  ^ret'S 
überall  umringt,  unb  fte  wirb  £)iü)  in  alle  (Jwigfeit  nur  lieben  unb 
loben  fönnem  —  3Bie  ©ottes  ©üte  unb  SBopltpaten  ung  5^enfa)en 
überall  umgeben ,  fo  t>a$  man  mit  £ftea)t  tton  un$  fagen  fann, 
wir  wofmen  in  benfelben ,  fo  f oll  aua)  unfer  i*ob  an  allen  Orten 
erfüllen,  bag  ©ott  barin  wofmen  möge*  SBie  ein  guter  gürft 
son  feinen  Untertanen  ber^lia)  geliebt  wiri>,  unb  wir  Sllle 
barin  wetteifern,  feine  gute  Regierung  5U  greifen,  fo  wirb  unfer 
©ott  ma)t  bloö  von  feinen  ©taubigen,  fonbern  aua)  öon  allen 
Engeln  unb  anbern  ©efa)ö^fen  gelobt  unb  gepriefen.    2>aper 

®  c  r  t  i>e  t  '6  ©cetenf^fl^*  58 


914 

fagtbte©$rift:  bte  £tmmel  ex%ä$Un  bie  GEJjre  ©ot*~ 
ie$  unb  serfünbtgen  ©eine©erecbttgfeit."  3ebe^ 
©eföjöpf  preist  feinen  ©Töpfer;  ^war  fte  ljaben  nia;t  2llle 
3ungen,  um  ©otteö  £ob  $u  tterfünbigen ;  boa>  tfjun  fte  eSmit 
ben  t'^nen  verliehenen  Gräften  unb  mit  willigem  ©e^orfanu 
2)a$  geringfte  23lümd)en  lobt  ®ctt  naa>  feinem  SBermögen,  tn* 
bem  eg  fteb  gegen  bte  ©onne  öffnet  unb  feinen  ©eruä)  »erbreitet* 
&a$  ffempe  23ä$lein,  ba$  au$  feiner  £tuette  bajnn  riefelt, 
tk  gelber  befeuchtet,  bte  ©arten  wäffert,  bie  £jnere  beö 
gelbem  tränft ,  ben  9ftenfa)en  bient  unb  einem  größeren  «Strom 
guetlt  unb  tyn  fa)tffbar  machen  frilft,  lobt  ©Ott  mit  ber  ®äbt, 
bte  e$  empfangen  pat  <£benfo  trägt  jiebc  Kreatur  ba$  3$rige 
bei  $ur  (Erfüllung  be$  ^eiligen  SBillen^  ©otte£  unb  $um  greife 
<Bäm$  Jftameng,  fo  baß  man  baS  gan^e  große  SÖßeltgebäube 
ein  Snftrument  nennen  fönnte,  wela)e£  fto;  ojme  Unterlaß  $um 
£obe  be$  2lllerf>öd)ften  Jören  läßt,  wenn  wir  9ftenfä)en  nur 
bar  auf  merfen  wollen.  —  2Ba£  wollen  wir  alfo  tjmn,  meine 
Triften?  SBoHen  wir  allein  ftill,  faltftnnig  unb  unbanfbar 
fepn,  ba  SllleS,  m$  lebt  im  Fimmel,  auf  (£rben,  im  SStteer 
unb  in  aHen  liefen,  fo  eifrig  tft,  feinen  ©cfyöpfer  #i  »reifen  ? 
(£$  gibt  fein  ft$tbare£  ©efa)öpf,  ba£  meljr  (&abm  unb  ©nabe 
x>ön  @ott  empfangen  pat,  äl$  ber  9#enfa)  unb  unter  t>tn 
Sftenfeben  feiner  melpr,  al$  bie  Triften  unb  unter  ben  (griffen 
üftiemanb  mepr,  äi$  bie  bußfertigen  uno  ©laubigen,  ©ollten 
fte  alfo  ma)t  sor  allen  Slnbern  tjjren  ©Ott  ojme  Unterlaß  fjer$* 
lia)  loben  unb  greifen?  Senn  $nea)te,  ^ad;barn,  dinptu 
ntifaje  unb  grembe  bk  WMU  eineö  9#anne£  greifen;  follen 
benn  bie  Äinber,  welche  btefelbe  am  meiften  genießen,  baoon 
fc^weigen?  2)ie  Slbjta)t  ©otteä  in  allen  ©einen  SBunbem, 
bie  (£r  an  un6  htmi$tf  ift  j[a,  baß  wir  3!?n  erfennen,  lieben, 
loben  unb  ©einen  $ujmt  »erfünbigen  follen.  —  2)er  ^ropjjet 
SefaiaS  fagt  *>on  bem  9Äefjta$,  baß  Qcx  ben  (Elenben  prebtgen, 
t>k  ^erbrochenen  ^er^en  tterbmben  unb  bie  traurigen  tröffen 
werbe,  bamit  fte  (bie  getrosten  ©eelen)  genennet  werben 
35äume  ber  ©erecf>tigf eit  unb  ^flan^en  zum 
greife  be$  £erm.  —  3efuö  pat  unö  alfo  beßwegenauf* 
genommen,  in  ©ein  ©nabenreia;  verpflanzt  unb  mit  ©einer 
mannigfaltigen  ©nabe  begoffen,  t>a^  wir  grüßte  tragen  follen 
aU  gefegnete  93flan$en,  ©ott  $u  preifem  —  (Ebenbieß  ipat  olme 


915 

3weifel  ber  Styoftel  im  2luge,  wenn  ev  von  ben  ©laubigen 
forbert  utib  tt)ünfd&t ,  baf  fte  mit  grüßten  ber  ©e* 
rea)tigfett  erfüllt  werben  burd)3efum  Gtfmftum 
$ur  (Eljre  unb  3 um  £obe  ©otteö.  3n  einer  anbern 
©tellefagter:  „©Ott  Ijat  ung  erwählet,  el?eber2Belt 
©runb  geleget  war,  unb  uns verorbnet^ur $tnb* 
f4>af t  gegen  3Dn  felbfi,  burd)  3efum  Gfmfium 
3um£obe©einer  f>errliä)en  ©nabe."  (Er gekauft ba* 
bei  ein  feljr  paffenbeö @leia)nig,  wennerfagt:  „(£$  gefdHeljt 
SllleS  um  euretwillen,  auf  bag  tic  überfajweng* 
lid;e  ©nabe  burdj  bte  Danffagung  Vieler  ©Ott 
reiajlia)  greife/'  —  dt  vergleia)t  alfo  bte  ^er^en  ber 
<£ Triften  mit  ©efägen,  wela)e  ©ott  mit  (Seinen  mannigfaltigen 
©aben  in  ber  2ibfta)t  füllt,  bag  fte  überfliegen  follen  mit  vielem 
£ob  unb  $rei£  ©eines  ^eiligen  Samens*  @benfo  empfängt 
aua)  bte  ßrrbe  barum  fo  viel  9?egen  unb  ©egen  vom  £tmmel, 
bamit  fte  allerlei  grüßte,  Blumen  unb  Kräuter  tragen  fett.  — 
Dieg  ft'nbet  aua;  barin  feine  23eftätigung,  bag  bie  l)immlifa;en 
£eerfa)aaren,  fobalb  fte  ben  Wirten  auf  bem  gelbe  bie  groge 
greube  verfünbigt  Ratten,  bag  ber  £eilanb  ber  Sßelt  geboren 
wäre,  anfragen  ©ott  ju  loben*  Damit  wollten  fte  freilta) 
3unäa)ß  lehren,  wie  wir  ©otteS  ©nabe  annehmen  unb  (Seine 
groge  $kfo  erwiebern  follen;  allein  fte  Ijaben  ben  £obgefang 
angeftimmt,  welchen  bie  a)riftlia)e  $ira>  bis*  an  ben  jungfien 
£ag  fortftngen  follte*  ©ie  paben  angefangen :  £err,  ©Ott, 
Didjloben  wir;  wir  fottten  antworten:  £err,  ©ott, 
wir  banfen  Dir!  Die  alte  $irä)e  war  barin  wirffia; fe£r 
eifrig;  benn  wir  ftnben,  bag  bie  2tyofkl  mitten  in  ber  Sflebe, 
wenn  fta;  nur  irgenb  eine  ©elegenpeit  geigte,  in  baS  Sob  @otte$ 
einftimmen.  SKamentlia)  ftnben  wir  bieg  in  ^tn  ©Triften  9Jault, 
unb  Petrus  fagt  auebrütflia) :  ,,©o  Semanb  ein  21  mt 
l>at,  fo  foll  er'S  tjjun  ai'$  au$  bem  Vermögen,  t>a$ 
©ott  barreia)et,  auf  bag  in  allen  Dingen  ©ott 
geprtefen  werbe,  bura;  Sefum  (Sfmjtum,  wel* 
d)em  fep  (££re  unb  ©ewaltvon^wigfeitaüßrwtg* 
fett!"  Darauf  erhellt,  bag  ifjr  £er$  immer  voll  war  von 
bem  Verlangen,  ©ott  $u  geifern  —  Diefen  ^eiligen  S8ov* 
gangem  folgten  bie  Später  unb  alle  ©laubigen ;  fte  ^riefen  ©ott 
nia)t  blo$  in  ber  verfammelten  ©emeinbe,  fonbern  aut|>  in 

58* 


916 

tjjren  Käufern,  wäljrenb  ber  2lrbett,  auf  bem  gelbe  unb  Bei 
allen  anbern  ^egebenpeitem  £)aoon  geugt  befonberS  ber  f>errlttt)e 
£obgefang:  £err,  ©Ott,  2)t$  (oben  wtnc,  welker 
von  ben  beiben  berühmten  33if$öfen  SlmbroftuS  unb  2luguftin 
Ijerrüljrt*    2)erfelbe  ift  neben  ben  ©anfyfalmen  £5atrib$  f$on 
»tele  Saprjmnberte  im  ©ebrau$,  unb  wirb  e3  au$  immer 
bleiben,  —  fSon  ben  erften  d^rtpen  lefen  wir,  bafj  fte  ftcf>  febe$* 
mal  mit  bem  ßteu$e  beertet  j>aben,  efje  fte  eine  Arbeit  an* » 
fingen,  2lu$  fagten  fte  ba^u :  dfyxc  fep  bem  SSater,  bem  @o£n 
unb  bem  fettigen  ©etjl,  —  unb  wollten  bamtt  anbeuten,  baß 
fte  hei  all1  tjirem  ££un  bie  (£fjre  be3  breieintgeri  ©otteS  unb 
t£re$  gefreu^igten  (£rlöferS  $u  beförbern  wünfc^en.  —  ©o  be*  ' 
geugt  53aftliu3  ber  ©ro§e,  bag  bte  erften  G>  Triften  beim  %n* 
^ünben  ber  £t$ter  gefagt  f)aben:  2Btr  loben  ben  SSater,  ben 
©ojm  unb  ben  ^eiligen  ©eift  —  ^rieronpmuS  erjagt,  t>a$ 
man  $u  feiner  3eit  t>k  f leinen  finber,  fobalb  fte  ^u  lallen 
anfingen,   gewöhnt  jjabe  ba$  #allelu]ial?  gu  fagen,  unb 
bag  z$  bamaltf  unter  ben  G^rtften  fo  allgemein  gewefen  fep, 
bag  aud)  bte  £anbleute  hti  i£rer  Arbeit  auf  bem  gelbe  e£ 
fröjjlid;  gefungen  paben,  —  £ut£er  er^äfjlt,  bag  man  früher 
in  Flößern  bte  jungen  Xtute  baran  gewöjmt  fyaht,  wenn  ijjnen 
nur  eine  geber  gefd?enft  würbe,  ft$  gu  bücfen  unb  au  fagen: 
„©Ott  fei)  gelobt  für  alle  ©eine  @aben/'  —  Slber 
"aty,  wo£in  ift  e$  fegt  gefommen!  glühen,  läftern,  fc^impfen, 
freiten,  un^üdjtige  lieber  fingen,  f$änblidje  hoffen  treiben, 
ift  je£t  fo  allgemein  geworben,  bag  man  2lefwlicf)eS  oft  »on 
ben  fleinften  $inbern,  bie  ben  breieinigen  ©Ott  nod;  nifyt  $u 
nennen  wiffen,  Ijören  mug.    233o  Jört  man  ^nt^nta^c  einen 
^Bauern  auf  bem  gelbe  ba$  £  allein fafy  fingen?    3war 
follten  alle  Käufer  ber  Triften  gleid)fam  fleine  $ir$en  fep, 
barin  man  nid;t$  jjören  fönnte,  äi$  m$  ^eiüg  unb  gottfelig 
wäre,  e3  follten  in  benfelben  £auptfci$li$  am  Sonntag  nadj 
bem  ©otte^bienft  nia)tö  aU  geiftltdje,  liebliche  lieber  ertönen; 
allein,  ©Ott  fep  e$  geflagt,  man  ftnbet  leiber  ba$©egent£eil! 
2>a  ift  nichts  al$  £a$en  unb  ©freien,  unb  2llle$  »on  bem 
Wärmen  ber  33etrunfenen  »oll.—  £),  tyx  unartigen  Stiften, 
tl?r  unbanfbaren  9>?enf(i)en !  28ie  mögct  il?r  etnft  eure  klugen 
au  ©Ott  ergeben,  beffen  2Boj>ttI?aten  t£r  nic&i  fo)ä|et?    2öie 
mögen  eu$  bie  erften  ^prtften  für  i£re  Äinber  unb  ^ac^folger 


917 

erlernten,  fca  tyt  tjmen  fo  gana  unäjwlia)  fe^b?  ©elbfi  bte 
Reiben,  3nben  unb  SDcujjamebaner  werben  eua)  »erbammen 
an  jenem  £age,  weil  tf>r  bei  all  eurer  tontniß  »on  ©Ott, 
©einem  2Befen,  SSttlen  unb  SBerfen  benfelben  boa)  nia)t  ge* 
priefen,  fonbern  »ielmeljr  beletbigt  unb  betrübt  jjabt,  2Bir  lefen 
SDcana)eS  »Ott  tfmen,  tt>a£  un$  tief  bekämen  muß,  wenn  man 
eg  mit  bem  Gfjjriftentjmm  unferer  £age  »ergleia)t  —  ©o  fagt 
(Epidtet,  ein  J?eibutfa)er  Söeltweifer :  ©ollte  man  nia)t  billig, 
wenn  man  gräbt,  pflügt  ober  \§t,  ben  £obgefang  anjtimmen: 
groß  ift  ©ott,  berunS  Ut  #änbe  sur  Arbeit  gegeben  pat,  wie 
aua)  einen  ©a)lunb,  um  bte  ©peifen  au  »erfa)lingen,  —  einen 
Sttagen,  um  fte  »erbauen»  ©roß  ift  ber  £err,  wela)er  maa)t, 
baß  wir  waa)fen,  ojme  ba$  wir  e£  wiffen,  —  baß  wir  im 
©ä)laf  atpmen  fönnen,  —  ber  uns  Vernunft  unb  Sßerftanb 
gegeben  |>at,  unb  uns  biefelbe  gebraua)en  leprt  :c.  gerner 
fagt  er:  „wenn  ia)  eine  9caa)iigall  wäre,  ober  ein  ©a)wan, 
fo  würbe  ia)  ijmn ,  m$  biefe  au  tjjun  Pflegen ;  ba  ta)  abcx 
ein  vernünftiger  Sftenfa)  bin,  fo  muß  id)  wojrt  ©Ott  loben; 
bieg  ift  meine  $flia)t,  baö  tjme  ia;  aua)  unb  will  baoon  nia)t 
ablaffen,  fo  lange  id)  lebe,  unb  ermahne  eua),  baß  ipr.baS 
©leia)e  tyuL"  —  ©alenuS,  ein  berühmter  £eibntfa)er  Slr^t, 
wunberte  jta)  feljr  über  bte  große  %8eitytit  @otte$,  t>k  (£r 
bei  ber  (£rfa)affung  be$  menfa)lia)en  Körpers  bewiefen,  unb  er* 
malmte  alle  Gerate,  baß  fte  benfelben  naa)  allen  feinen  feilen 
genau  unb  fleißig  betrachten,  bte  Söunber  ©otteö  baran  erfennen 
unb  3f?tt  loben  follem  —  60  fe£r  aua)  bk  3uben  noa)  peutU 
ge3  &age$  in  großer  SSerblenbung  balnn  leben,  fo  ftnb  fte  boa) 
fe£r  eifrig  im  2obe  be$  2tllerjöa)ften,  23ei  ipren  ©aftmaplen 
4>aben  fte  lange  (Bebde  unb  2)anffagungcn ,  bk  fte  »or£er 
f prea)en,  uub  fo  oft  an  neues  ©eria)t  aufgetragen  ober  wenn 
aua)  nur  Dbft  aufgeftellt  wirb,  wieberljolen  fte  t£re  £)ant> 
fagung  unb  fagen:  „©elobt  fe^  ©Ott,  unfer  ©a)opfer,  ber 
gütig  ift,  unb  uns  fo  »iel  ®üti$  zu  genießen  gibt,  ber  fo 
fajmacfpaften  SBein,  fola)  fräftigeS  ©ewüra  unb  fo  »iel  Ijerr* 
lia)e  grüa)te  für  uns  btxtiiü  pat  !"  $ura,  fte  palten  barauf, 
baß  man  nia)tS  auf  biefer  SSelt  genießen  unb  benutzen  foll, 
clme  ©ott  »or£er  au  loben,  2ßer  anberS  j)anbelt,  \>tn  nennen 
fte  einen  Räuber,  ber  ©ott  ©eine  ©aben  unb  ©üter  raubt  — 
(Sin  weifer  Sttujjamebaner  fa)reibt:  „3eber  Supern,  ben  matt 


918 

an  fta)  3te£t,  verlängert  bag  Seben,  unb  jeber  2ltf>emaug,  ber 
ausgeflogen  wirb,  erfreut  bte  (Seele,  mithin  §at  ber  Sttenfa) 
beim  2lt£etm)olen  eine  boppelte  ©nabe,  unb  für  j'ebe  fotl  er 
©Ott  von  £eraen  banfem"  —  9hm,  biefe  $?enfa)en ,  fage  ta) 
nochmals ,  werben  an  bem  grogen  ®erta)t£tage  be£  £errn  auf* 
treten  unb  bte  verfemten  unb  unbanfbaren  Triften,  bte  mef>r 
geflutt  aU  ©Ott  gelobt  f?aben,  verbammen.  —  3£r  aber,  ij>r 
frommen  ©eelen,  erfennet  von  £eraen,  bag  tyt  euren  ©ott 
brünjfc'g  lieben,  aber  aua>  anbääjttg  loben  fottet*  —  ©ott  tjt 
eure  ©onne ,  iijr  fe^b  bte  33lumen ;  fo  breitet  benn  euer  £era 
fo  viel  mbglia)  aus  in  ^Oiebe,  unb  (äffet  e£  t>a$  £ob  ©otteS, 
a(3  einen  angenehmen  ©erua),  von  fta)  geben,  —  2)er  £err 
Wirb  nta)t  mübe  uns  ©uteS  ju  tl?un;  @r  ift  ein  ftetS  wtrfenbeS, 
mittpeifenbeS,  gütiges  2Befen,  bejfen  2UU  wir  alle  klugen* 
bfitfe  genießen*  Partim  wollen  wir  ma)t  ablaffen,  3fm  au 
greifen*  Raffet  uns  3£m  für  ade  ©eine  2öol?lt£aten  aurütf* 
geben,  was  wir  £aben,  —  nemlta)  unfer  armes  £er$  mit 
feinen  ©euftern  unb  baS  Opfer  unferer  Sippen.  —  ©ott  £at 
uns  bura)  baS  23lut  ©eines  ©ojmeS  treuer  erlauft;  dv  fyat 
uns  fo  vteXe  ©ünben  »ergeben,  Ijat  uns  au  ^inbern  ange* 
nommen  unb  will  uns  einfe^en  au  (£rben  aller  j>immlifa)en 
©üter.  @r  J>at  uns  in  @J>rifto  ©einen  Engeln  entweber  vor* 
geaogen,  ober  boo)  gleia)  gemao)t,  aber  ma)t,  bag  wir  3{m 
mit  ben  Teufeln  veraa)ten  unb  mit  ben  ©ottlofen  läftern,  fon* 
bern  bag  wir  3jm  mit  t>tn  ^eiligen  Engeln  aeitlta)  unb  ewig 
preifen  fotten*  —  2BaS  maa)en  wir  fonft  in.  ber  2Belt,  unb 
warum  (eben  wir,  wenn  wir  ©Ott  nia)t  (oben  unb  preifen 
wollen?  (£jfen,  trinlen,  fa)lafen  fonnen  aua)  bie  ©ottlofen 
unb  t>k  unvernünftigen  Spiere;  follen  wir  benn,  bie  wir  fo 
$pa)  von  3^m  begnabigt  ftnb,  nia)t  mejjr  tlnm?  —  2)avib 
fagt:  „Sag  meine  ©eele  (eben,  bag  ta)  2)ia)  (obe! 
baS  ifi  meines  £eraenS  greube  unb  SBonne,  bag 
ta)  £)ia),  mein  ©ott,  mit  fröDliö)em2!ttunbe  loben 
mag»  Sobe  ben  £erm,  meine  ©eele;  ta)  will  ben 
£errn  (oben,  fo  lange  ia)(ebe  unb  meinem  ©ott 
lobftngen,  fo  (ange  ta)  j?te*  btnic»  —  (£r  ijält eS  alfo 
für  fein  Seben  unb  für  feine  ^öa)fte  ^^nbe,  bag  er  feinen 
©ott  (oben  fann*  2)emnaa)  wünfa)t  auö)  \z$t  noa)  fein  grommer 
3U  (eben,  opne  ©Ott  a«  (oben;  er  begehrt  feine  greube  auger 


m 

bie,  wela)e  mit  bem  £obe  ©ottc3  verbunben  tft.  —  2Bo  ©laube 
tft,  ba  mug  &'ebe  fepn,  unb  wo  ih'ebe  tft,  ba  ift  aua)  ba$ 
£ob  unb  ber  ^upm  be£  göttlichen  D^amen^.  —  ©o  wenig  man 
im  alten  gefiament  ben  Elitär  o^ne  geuer  unb  3?aua)  fanb, 
fo  wenig  wirb  man  ein  frommet  £er$  opne  £tebe  unb  opne 
ben  *ftupm  göttlicher  ©üte  jtnben.  (B  mug  feinen  ©Ott  im* 
merpin  preifen  unb  follte  e3  aua)  nur  mit  peimlia)en  ©eufoew 
gefa)epen*  —  ©o.  prüfet  eucp  benn,  meine  3upörer,  naa)  bem 
23i$perigen,  unb  fordet,  ob  euer  (Spriftentpum  reä)tf$affen 
fep  V  —  SSie  fann  ein  unbanlbarer  $?enfa),  ber  bte  23opl= 
traten  feinet  @otte$  leia)tfmnig  »ergigt  unb  gering  aa)tet, 
m  (Sprift  feigen  ?  Unb  foldjer  Steffen  gibt  e£  leiber  in  tiefen 
legten  3eiten  gar  Sßiele,  wäprenb  fte  fta)  bemungeaa)tet  bodj 
für  gute  (Spriften  galten,  —  3m  alten  £ejkment  patte  ber 
£err  befohlen ,  bag  ok  ©a)aubrobe  immer  vor  ©einem  peiligen 
2lngefta)t  liegen  folltem  ©ie  waren  in  z>mi  Welpen  auf  bem 
golbenen  Xtfty  aufgelegt,  unb  oben  ftanb  eine  golbene  ©a)aale 
voll  Sßeipraua)  mit  etwa£  SBein  unb  ©al^  2)arau3  follten 
bie  3fraeliten  fepen,  bag  ipr  23rob  eine  @abe  be$  £errn  fep,' 
unb  bag  fte  fa)ulbig  fepen ,  e£  mit  pcralia)em  £ob  unb  2>anf 
3U  geniegem  —  5^un  fmb  wir  gwar  im  neuen  £eftament  $u 
folgern  Dpfer  nia)t  mepr  verpflichtet;  allein  t$  gebührt  un$ 
boa),  mit  bemütpigem  JDanfe  täglia)  au  erfennen,  bag  wir  ben 
Unterpalt  be$  £eben$  von  @ott  paben,  unb  bag  (£r  allein  ba$ 
23rob  au$  ber  (£rbe  warfen  lägt  unb  ung  mit  aller  -iftotpburfi 
täglia)  unb  reta)lia)  verforgt*  —  Slber  aa),  tok  viel  23rofc> 
wirb  opne  SSeipraua)  auf  ben  £ifcp  gebracht  unb  gegeffen! 
■Bit  Wenige  benfen  bei  bem  lieben  2>rob  an  ok  @üte  ipreä 
@otte$!  Einige  beten  ^war  noa)  vor  unb  naa)  £ifa);  aber 
aua)  ba$  wirb  von  ben  SBenigften  mit  rechter  2lnbaa)t  gefcpepen, 
unb  e3  fa)eint ,  al£  ob  fta)  naa)  unb  naa)  bie  2inbaa)t  mit  om 
SSBorten  verlieren  wollte  —  £)oa)  follte  billig  jtebem  a)rift* 
liefen  £au£vater  fein  gebetfter  £ifa)  ba$  fepn,  h)a$  ber  gol* 
bene  £ifa)  im  alten  geftament  war;  er  füll  tpn  billig  mit 
2Ulem,  xoa$  barauf  ift,  auerj*  feinem  @ott  bura)  anbäa)tige$ 
@ebet  peiligen,  foll  5llle^  mit  2)an£fagung  geniegen,  unb  aua) 
feine  ^inber  unb  ^au^genoffen  ba$x  anpalten,  —  xotö  aber 
leiber,  xok  bie  (£rfaprung  leprt,  von  ben  SSenigjien  gefa)iept, 
9)?an  igt,  trinft  unb  wirb  fatt,  unb  weig  £>em  wenig  2)anf# 


920 

fcer  ©eine  tntlbe  £anb  auftaut,  unb  fättigei  Mt$,  m$  ba 

lebet,    mit  SBo^gefaKen* Wlit  ben  geiftltc^en  2Bo&t* 

traten  ge£t  e£  md;t  bejfer*  £)al?er  fagt  ber  fromme  2lrnbt 
bei  bem  (£*>angelium  über  bie  selben  2lu3fä§ige,  t>on  benen  neun 
unbanfbar  waren:  —  „Söenn  man  biefen  Raufen  CBujwrer 
ober  @lmften  überhaupt}  j(e  in  3?fon  unb  Styin  tjjeilen  würbe, 
unb  e$  wäre  ein  ^er^en^fünbiger  ^caM,  (ber  ben  3uftanb 
eine$  3eben  genau  erforfcben  tonnte,)  fo  würbe  fta)  geigen, 
fca§  unter  &$tn  f aum  (Einer  bem  £errn  (£f>rifto  für  bie  dtcU 
ntgung  üon  feinen  ©ünben  gebanft  fyabc.  —  £)er  £err  ftagt 
darüber,  baß  bie  'Renn  %$m  nia)t  für  bie  leibliche  Soldat 
gebanft  £aben;  um  wk  ml  meljr  wirb  @r  über  un3  Hagen, 
tag  wir  3jjm  für  ©eine  t^eure  Gürlöfung  unb  für  Seinen  bituxn 
Zob  nia)t  banfen,  2öie  |joa)  wirb  dx  uns  biefen  Unbanf 
an  jenem  £age  anrennen  !"  —  prüfet  eucf),  meine  3u  jiörer, 
waö  ifjr  bte£er  getrau  fjabt  hattet  i{>r  bi3j?er  aua>  bie  ®e* 
wojmljett,  ©Ott  unb  3efum  in  eurem  Kämmerlein  auf  ben 
Knieen  für  bie  tjleure  Qjrrlöfung  gu  greifen,  bie  burdj  Sein 
53Iut  gefa)eljen  ift  V  £5enfet  i£r  aua)  zuweilen  bei  9J  adjt,  wenn 
tjjr  erwachet ,  an  euren  (Erlöfer,  mt  (£r  am  Defberg  im  %o* 
bedampf  lag,  wie  (£r  Serratien,  gefangen,  gebunben,  oon 
©einen  Süngern  serfaffen,  t>or  ben  Ijojfen  dlafy  geführt,  mip 
£anbelt  unb  pm  £obe  tterurtjetft  würbe,  unb  banfet  ipr  3£m 
bafür  mit  ijeräliajen  (Beugern?  2öie  ift  fonft  eure  2lnbaa)t 
befa)affen,  wie  bie  borgen  ?  unb  Slbenb  *  £)pfer ,  mit  weisen 
i£r  euren  £etfanb  e£ret?  —  2öie  SStele  wirb  e$  unter  eua) 
geben ,  bie  fia)  wunbern ,  baf?  man  »on  fola)en  fremben  2)üi* 
gen  reben  mag!  £>,  wie  gro§  ift  ber  Mtftnn  unb  Unbanf 
ber  je^tgen  SSelt!  2Benn  ia)  baran  benfe,  xok  »tele  ©ünben 
iägua)  \>on  ber  (Erbe  auffteigen  unb  n)k  Wenige  bagegen  ij>re 
£er$en  $u  Altären  gemacht  baben,  auf  benen  fie  bie  Dpfer 
t£re$  Qbtbtm  unb  2}anfe3  oarbringen,  fo  erfa)recfe  ia)  unb 
füra)te,  e$  möa)te  ber  äöelt  batt>  fo  ge£en,  vok  ©obom  unb 
©omorrlja,  über  wela)e  bie  aufgeftiegenen  ©ünben  enbua)mit 
geuer  unb  ©a)wefel  wieber  {»erabfteiem  3a,  e$  wunbert  mia), 
ba§  ber  gerechte  unb  ^eilige  @ott  ma)t  mübe  wirb,  biefem 
unbanlbaren  $cenfa)en(?aufen  ®nte$  au  tjmn* 

'.   £)arum,  ij>r  frommen  ©eelen,  bie  ij?r  aufrichtig  @ott  in 
ßjmfto  3ef«  SU  gefallen  wünfa)et,  £abet  feine  @emeinfa)aft 


921 

mit  ber  unbanfbaren  2öeXt,  fonbern  beftrebet  eua)  w'etmef>r  ba$ 
am  £obe  ©otteö  $u  erfe^en,  was  jene  »crfäumt.   ©Ott  mug 
auf  Girrben,  wie  im  Fimmel  getobt  werben,  unb  Wenn  wir 
fa)weigen,  fo  werben  bie  ©teine  [freien:  „£)anfei  bem 
£errn;  benn  <£r  ift  freunblta),  unb  ©eine  @üte 
währet  ewiglia)."    „3a;  will   ben  £errn   loben 
aHe^ett,   ©ein  £ob   foll  tmmerbar    in  meinem 
$cunbe  feptu"  „Steine  ©eele  foll  fia)rül)menbe$ 
£erm,  bag  bie  (£tenben  e$  jjören  unbfta)  freuen, 
preifet  mit  mir  ben  £errn    unb  laffet  un$  mit 
einanber  ©einen  tarnen  erljöjjen*"  —  greifet  mit 
mir  ben  £errn,  ijr  bugfertigen  ©ünber;  benn  Mx  £at  uns 
bura)  ©eine  £angmut£  unb  ©üte  erbalten,  bura)  ©eine  @nabe 
gur  33uge  gebracht,  bie  ©ünben  un£  »ergeben  unb  uns  mit 
liebeooller  ^öarmjer^igfeit  angenommen!  greifet  mit  mir  ^cn 
£errn,  i£r  Äinber  @otte$ ;  benn  @r  |>at  un£  errettet  von  ber 
Dbrigfeit  ber  ginfternig  unb  serfe^t  in  bau  9?eia)  ©eines  lieben 
©oJme$!  greifet  mit  mir  tm  #errn,  tf>r  Firmen;  benn  dt 
$erfa;mct£et  eure  ©eufter  nia)t,  @r  lennet  eure  ©eele  in  ber 
9tot!? ,  (£r  fyat  fte  in  @  j>rifto  reia)  gemaa)t  unb  n\§  einen  ©a)a§ 
im  Fimmel  htxtittt !  greifet  mit  mir  ben  #errn,  i£r  9?eta)en ; 
benn  if>r  f>abt  nid;t£,  $>a$  nia)t  von  ©einer  £anb  gefommen 
ift,  ipr  ft'£et  in  ©einen  ©ütern  unb  *>on  3N  allein  muffet 
tjjr  £roft  £aben,  wenn  alle  3eit(ia;en  ©üter  unb  irbifa)ev  £roft 
x>erfa)winben  werben !  greifet  mit  mir  ben  £erm ,  if>r  28ittwen 
unb  SBaifen;  Denn  dx  ift  euer  SSater,  euer  Diopter  unb  33er* 
forger!   greifet  mit  mir  ben  £errn,  ityx  (Stiften  alle;  benn 
(ix  fwt  eua)  erwägt  $u  ©einem  $olf  unb  $u  ©a)aafen  ©einer 
beerbe!   greifet  mit  mir  ben  £erm,  i£r  2ttenfa)en  alle;  benn 
eS  ift  ^iemanb  unter  eua),  beffen  Mm  unb  2So£lfa£rt  nia)t 
in  ©einer  £anb  ftejjtl  greifet  mit  mir  t>tn  £errn,   ipx  £ei* 
ligen  (£ngel,  Fimmel  unb  dxH,  unb  Stteer  unb  alle  Area* 
turen,  tk  barinn  ftnb!  2Ule3,  tx>a$  £)bem  pat,  lobe 
ben  £errn! 

@$  ift  eine  33efa)reibung  sorjjanben  über  ben  merfwürbigen 
@in$ug  be£  ^aiferä  gerbinanb,  be$  @rften,  in  Sit  bojmufc&e 
£auptftabt  $rag;  aus  wela)er  wir  erfe^en,  bag  alle  ©tänbe 
unb  ©efa)lea)ter  mit  ber  Regierung  biefeS  berühmten  unb  front* 
men  $aifer$  wo£l  aufrieben  waren,  unb  bag  begijatb  aua) 


_922_ 

We,  3nnge  unb  %itt,  #o!?e  unb  hebere,  ©eleljrte  unbltn* 
gelehrte,  Männer  unb  grauen,  il)ren  £errn  mit  groger  greube 
unb  Vergnügen  empfangen  £aben.  £),  ba§  e3  noa)  fo  in  ber 
2Belt  fMnbe,  ba§  alle  Unterhatten  eine  gleite  2ln!jcmglicf>feit 
an  ifjre  Ferren  Ratten!  —  2öie  aber,  wenn  man  einem  ir* 
bifdjen  £erw  wegen  feiner  guten,  väterlichen  Regierung  fola)e 
(££re  eqeigt,  wa£  follen  wir  unferem  galant*  tjmn?  Söerijt 
freunblia)er ,  gütiger,  leutfeliger  aU  (£r?  235er  liebt  feine 
Untertanen  me£r  al£  @r,  ber  ©ein  lieben  für  fte  gelaffen 
j?at?  SSer  nimmt  fta)  ü)rer  9*ot£  treulicher  an,  wer  erhört 
williger  tyx  teuften  unb  @ebet,  wer  forgt  meljr  für  fte  Mt, 
aU  €r?  dx  ift  ber  ewige  £roft,  ber  ©a)u§,  bie  3nflutt)r, 
t>a$  £ia)t,  £eben  unb  £eil  Mer,  bie  3fmt  vertrauen.  Sollten 
wir  3£m  niefrt  täglich  mit  ber  fjöa)ften  GEjjrerbietung ,  mit  kr 
tieften  Demutl?,  mit  frp£lia)em  £ob  unb  ^3ret^  (Seinem  ^eiligen 
Samens  begegnen?—  3a,  vereiniget  eua),  tjjr  £ giften !  23er* 
bt'nbet  eua)  im  ©et'ft,  ipr  gürften  unb  Qrbeln,  ij)r  Dbrigfeiten, 
£e£rer  unb  $)rebiger,  tyx  @jjeleute,  SGSittwen  unb  Söaifen,  tyx 
Bürger  unb  dauern,  i£r  Knaben  unb  Stftäbajen ,  3ünglinge 
unb  ©reife,  —  verbinbet  eua>,  3efum  täglia)  gu  loben  unt> 
3^m  ein  £er$  voll  £)anfbarfeit  für  alle  ©eine  2iebe  unb  £reue 
Su  fa)en!enl  —  SüleS,  xx>a$  erfa)affen  unb  burd) 
<$otte3  @üie  bt^per  erhalten,  $liU$,  v>a$  bura) 
t>a$  tl?eure  33lut  (SfmfH  treuer  erlöst,  2lHe£, 
xoa#  burd)  be£  ^eiligen  ©eijteä  $raft  unb  ®nabe 
berufen  unb  geheiligt  ift,  2lile3,  wa$unter@ot* 
t-e$,  ©nabe,  &a)u%  unb  ©egen  von  ©einer  ©üte 
Je t>t/  ba$  lobe  ben£errn!  kaufet  bem  Sptxxn; 
benn  (£r  ijl  freunblia)  unb  ©eine  ©üte  währet 
ewiglia)!  5 

IL  2Bir  fommen  nun  aum  aweiten  Zfytit,  in  welchem  wir 
geigen  wollen,  wie  $>a$  £ob  @otte$  befefjaffen  fe^n 
muffe.  £)avib,  welcher  jto)  baffelbe  $)auptfätt)lia)  angelegen 
fep  lieg,  let?rt  un3  in  unferem  Xttt,  t>a$  eS  1)  ernftlta) 
unb  £era*id?  fe^n  muffe.  (£$  ift  tpm  nia)t  genug,  @ott 
auf  feiner  £arfe  unb  mit  bem  Sftunbe  a«  loben,  fonbern  er 
forbert  aua)  feine  ©eele  unb  Mt$,  wa$  in  ifmt  tft,  t>a^u  auf : 
„2obe  ben  £errn,  fagter,  meine  ©eele  unb  2Ute3, 
wag  in  mir  ift,  ©einen  ^eiligen  tarnen."-- £)iefe 


923 

Söorte  fann  nur  ber  verjtejjen,  ber  aufy  fa)on  etwas  von  ber 
^raft  be$  ©eifteS,  ber  in  Qax>it)  war,  empfunden  f)ah  2Bir 
wollen  übrigens  £ier  nocf>  anbere  geiftreidje  £eprer  $u  £ülfe 
nehmen  unb  baS,  wa^  ©ott  aus  ©naben  verteilt,  mit  ein* 
faltigem,  willigem  £er$en  mitteilen»  —  £)ie  ©eele  iß  ber  vor* 
nejmtfte  unb  ebelfte  £{>etl  beS  Sttenfcfjen  unb  erfdjemt  bitttö 
mit  alten  tyren  Gräften  vor  ©Ott  28er  alfo  o£ne  bie  innerfte 
@eelen*2lnbaa)t  im  SMenjie  ©otteS  etwas  tjjut,  ber  gleicht 
einem  Sfftenfajen,  ber  Datteln  fanb,  ben  $em  ver^rte  unb 
Uc  6a)aalen  ©Ott  gum  ©efcjjenfe  braa)te*  2)enn  wa^  ift  ber 
äußere  Sttenfa)  ofme  ben  innern,  was  ift  ber  £ei&  olme  bie 
€eele?  äßie  wir  nun  unfern  ©Ott  von  ganzem  £er$en,  von 
ganger  ©eele,  von  ganzem  ©emüt|>  unb  aus  allen  Gräften 
UtUn  muffen,  fo  muffen  wir  3pn  aua)  loben.  Söa^  ©Ott mit 
uns  tfut,  baS  tjmt  er  von  ganzem  £>er$en  unb  von  ganzer 
©eele,  fo  f  ollen  aua)  wir  es  maa>n*  —  SSarum  ftnb  t>k 
©a)meia)ler,  bie  uns  ^u  ©efallen  reben,  bei  allen  rebl'ic^en  @f>ri* 
jhn  vertagt  V  —  28eili£r  £ob  aus  talfa)em  £er$en  f  ommt. — 
Sßenn  nun  uns  $c*enfa)en  bie  3unge  ojme  baS  £er$  nia)t  ge* 
fällt,  wie  fann  fte  ©Ott  gefallen,  ber  vor  Willem  baS  £er$ 
anfielt  ?  2)arum  f  lagt  @r  aua)  über  bie  £eua)ter  unb  fpria)t ♦ 
„£>teß  Bolf  naljet  fta)  a u 5D^ i r tn i t ©einem  $?unbe 
unb  mit  feinen  £tppen;  aber  i£r  £er$  ift  ferne 
von  90? m"  @r  nennt  aua)  i£re  l'obgefänge  im  Tempel  ein 
©eplerr:  „£  j>uenur  weg  bas©eplerr  beiner  lieber; 
benn  icf>  mag  bein  $f  alterfptel  nia)t  £ören."  — 
£>iefeS  wufte  2)avib  wo^l;  barum  will  er  feinen  ©Ott  loben 
von  ganzer  @eele  unb  aus  allen  Gräften.  2)er  Berftanb  foll 
fta)  mit  gteig  bejmnen,  m$  aum  £obe  ©otteS  bient,  baS  @e* 
bäa)tnig  foll  alle  Söo^lt^aten  ©otteS  auftauen  unb  bem  23er* 
ftanbe  pxt  Betrachtung  vorlegen,  ber  SöiKe  foll  fta)  gan$  ^u 
©Ott  neigen,  unb  alle  Begierben,  alle  Gräfte,  alles  Vermögen 
foll  auf  ©otteS  (££re  unb  dlutyn  gerietet  fe^n ,  bamit  aber 
ift  er  noa)  nia)t  aufrieben,  fonbern  er  will,  bafj  2illeS,  m$ 
in  ifmt  ift,  —  fein  ganzes  SnnerfteS  ^um  £obe  ©otteS  bei* 
tragen  folle.  —  &  verhält  fta)  tamit  gerabe  fo,  wk  wenn 
an  (SJrift,  ber  feinen  ©Ott  rea)t  lieben  möa)te,  aufruft:  21a;! 
bog  ia)  nur  (Ein  #er£  unb  eine  fo  geringe  traft  j?abe,  meinen  £errn 
au  lieben  unb  ju  loben!  —  2le|mlia)e  Sleugerungen  fannfreilio) 


924 

ber  weltltcfj  ©ejtnnte  nifyt  begreifen  unb  $ai  feinen  Spott  bamit. 
2Btr  reben  aber  Jier  nidjt  mit  folgen  3D?enfa;en,  fonbem  wün* 
fc^en  nur,  baß  ifmen  $u  2)2ut{)  gerben  möchte,  wie  bem  £a$tb 
unb  anbern  frommen  Seelen,  bann  wirb  fta)  i^r  Spott  bafb 
in  Streuten  unb  in  an  ä!mlia)e$  Verlangen  oerwanbeln*  3e 
mebr  nemtta)  bie  Seele  ©Ott  im  ©lauben  erfennt  unb  (Seine 
SSollfommenjjeit  unb  Stfajeflät  jte£t,  befto  mefjr  wunbert  fte 
ft$  barüber,  befto  mef>r  liebt  fte  3fw  unb  wirb  überzeugt 
baß  5t(le^,  wa$  fte  su  ©einer  (£f)re  unb  in  (Seiner  ^tebe  tput, 
für  9fta)t3  3U  achten  tffc.  —  Wlan  möchte  fte  in  biefem  galie  mit 
ber  £era)e  oergleid&en,  wela)e  befto  lieblicher  unb  ftdrfer  fingt, 
j[e  Jöljer  fte  fteigt,  bi$  fte  enblic^  gteid?fam  ermübet,  fta)  wteber 
herabläßt  unb  ifjren  Schöpfer,  wie  s>orj?er  mit  (Singen,  fo 
na#er  mit  ©Zweigen  eprt*  £)ie  gläubige  Seele  pat  ben  Reißen 
SSunfd;,  ©Ott  su  greifen;  barum  fa)wingt  fte  fia)  in  ^eiliger 
2lnbaa)t  auf  unb  fängt  an  tk  ©üte  @otte£  su  bejer$igen  unb  ^u 
rühmen,  3e  £ö£er  fte  aber  fteigt  unb  je  mej?r  fte  naa)benf t,  befto 
größer  unb  £errlic$er  erfa)eint  tljr  bie  iüebe,  2tllmaa)t  unb 
SSete^ett  ©otte#,  aber  befto  mefjr  erfennt  fte  aua)  ifjre  eigene 
S$waa)ljeit  unb  Unsollfommenpeit.  2la),  benft  fte,  wtö  ift 
mein  ©Ott  unb  tva$  bin  ta)  ?  2Ba3  ift  Seine  unermeßliche  £err* 
lia)fett ,  $kbt  unb  ©üte,  unb  wa^  ift  mein  geringe^,  fd;waa)e3 
£ob  V  2)a  fammelt  fie  benn  alle  i£re  Gräfte,  vereinigt  alle  i£re 
Sinne,  ij?ren  äkrftanb,  i^ren  $Qittm  unb  ij?r  ©ebäa)tmß  unb 
fcria)tin  bie  Sorte  auä :  „£o  beben  £  er  m,  meine  Seele, 
unb  21lle3,  wa$  in  mir  ift,  Seinen  ^eiligen  9la* 
men/'  — Sßenn  aber  bie  Seele  bemofmgeaa)tet  füitft,  t>a$  all 
ipv  £ob  für  biefen  großen  ©Ott  ttiel  &  gering  ijr,  fo  gejt  fte, 
wie  hie  Sa)rift  fagt,  mit  fia)  felbft  au  9?atf?  unb  fpridjt :  „2Bie 
foH  ia)  bem  Gerrit  vergelten  alte  Seine  2Boi)t* 
tfyat,  bie  (Er  an  mir  ffyuW  3$  lann  fie nid)t  bellen ; 
wie  meine  Sünben  el?emalg  über  mein  £aupt  gingen  unb  mir 
3U  fa)wer  würben,  fo  gef?t  je£t  bie  ©nabe  meinet  ©otteS  über 
mein  £aupt.  Seine  ^tebe  unb  23arnu)cr3t'gfeit  ift  mir  su  groß, 
gu  mannigfaltig  unb  unbegreiflich ;  ia)  weiß  niebt,  wie  t$  bafür 
banfen  foll!  £>af?er  fommt  e3  benn,  t>^  fte  Fimmel  unb  (Erbe 
unb  2üle$,  m$  barin  ift,  sunt  £obe  ©otteö  aufmuntert  unb 
fpria)t:  „i'obet  i£r  Fimmel  ben  £errn!  2  ob  et  3£n 
alle  Seine  (Engel;  lobet  3j?n  Sonne  unb  2tfonb; 


925 

lobet  3pn  alte  leudjtenben  Sterne!  £obet  3&tt 
auf  Arbeit  tjjrSßattfifc&eunb  alterte fen,  Jeuer, 
£aget,  ©a)neejc."  —  Wtyin  fua)t  bie  goitlobenbe  (Beete 
überall  ein  2)enfmat  ber  9J?ajeftät  beö  SlUerpoc^pen  $u  errieten 
unb  2ltte$  mit  feinem  £obe  gu  erfüllen.  3a,  wenn  e$  in 
ijjrer  9D?aä)t  ftänbe,  fo  würbe  jte  bte  Blätter  auf  ben  ^Bäumen 
in  Bungen,  bie  ©ragjjatme  unb  33tumen  in  £ergen,  bie  £biere 
in  2föenfa)en,  t>k  9D?enfa)en  in  Gntgel  serwanbeln,  nur  bamit 
ber  gtorwürbige  ©Ott  um  fo  perrltcf?er  gepriefen  würbe.  £ie* 
]j?er  gehört  aua)  ber  merfwürbige  ©a)lug  beä  gotbenen  ^fatterS : 
„2tlle3,  was  £)bem  p a t ,  tobe  ben  £errn;  £alle* 
luj'ajj!"  ©leid;  alö  wollte  £)attib  fagen:  3a;  £abe  gwar 
mana)e$  £oblieb  meinem  ©Ott  in  (££ren  gefungen,  tä  tft  aber 
noa)  tn'el  au  wenig  für  biefen  gütigen ,  majeftätifajen  ©Ott ; 
barum  j)elfe  mir  ©ott  greifen  Mt&j  m$  fegt  lebt  unb  £)bem 
£at;  unb  mit  ©otte3  ©üte  währen  wirb  hi$  in  <£wigfeit,  fo 
möge  biefeä  £ob  fortfe^en ,  wag  naa)  mir  bis  an  ber  SBelt 
(£nbe  leben  wirb*  £attetujia £ !  ©elobt  fep  ©Ott!  fe$  be£ 
SBotfeö  unb  ber  tirdje  ®otte$  £>anffprua)  für  ewige  Seiten! 
2)er  fep  nia;t  wertl) ,  bag  er  £)bem  Jabe  unb  lebe ,  ber  nia)t 
feinen  £)bem  gum  $rei$  beö  £öa)ften  anwenbet  unb  ft$  be* 
fleigigt  $ur  C^pre  ©otteö  gu  leben. 

2)tefeö  ^eilige,  nidjt  gu  befriebigenbe  Verlangen,  ©ott  $u 
loben,  fpraa;  fta)  bet  jenem  frommen  $?anne  au$,  ber  eben 
auf  einer  %ante  fpiette  unb  ein  fa)öne$  £teb  bagu  fang,  afö 
einer  feiner  greunbe  i£n  befua)te.  dt  empfing ,  ijm  mit  biefen 
SSorten:  e£  ift  mir  lieb,  bag  bu  fommft,  bu  fannft  mir  Reifen, 
meinen  ©Ott  loben.  SBiffe  aber,  bag  ta)  mir,  epe  bu  famft, 
eine  ©timme  wünfa)te,  welche  *>om  borgen  bi$  gum  2lbenb 
unb  *>on  3Kiiternaa)t  U$  aum  %flitta$  gehört  würbe,  um  bie 
$>errtia)en  £J>aten  ©otteg,  ©eine  %itbtf  ©nabe  unb  23arm* 
^»ergigfeit  allenthalben  funb  gu  tpun.  Dber:  ta)  wünfa)te, 
ba$  bie  gange  %&tlt  mit  Slflem,  m$  barin  ift,  eine  $antt 
wäre,  auf  welcher  ta)  gum  £obe  beg  atler£öa)ften  ©otteg  fpieten 
fönnte.  —  Grinen  anbern  grommen  £örte  man  fagen,  aU  tton 
ber  ©üte  ©otteS  bie9?ebewar:  aa),  bag  mein  £er$  ein  2BeijM 
raua)forn  wäre,  ba$  fta)  in  ber  ©tut  ber  $itbc  »erge^rte  unb 
einen  angenehmen  ©erua)  beö  S^u^me^  unb  $reife$  ©otte^  in 
ber  2Belt  »erbreitete  !  —  Ö,  bag  wir  batb  fterbenfonnten;  benn 


926 

ifix  Jaben  in  ber  SSelt  attautfel  £inbermg  am  Sobe  ®otte$* 
Unfer  £era  gleicht  einem  »erftimmten  Snffrument,  baraufman 
titd&t  rec^t  fielen  fanm  2ld),  Sefu,  ptlf  mir  au  ber  Stenge 
deiner  ^tmmlif^en^eerfc^aaretiunb  au  berSBerfammlung  deiner 
Slu&rwäfjlten  im  Fimmel!  Sort  fott  2ltte$,  tt)a^  in  mir  ijt, 
Seinen  tarnen  ewig  loben  unb  greifen;  bort  Witt  t$  meine 
<£{jre,  meinen  D^ufnnunb  meine  ©eele  au  Seinen  gügen  ewig  nie* 
berlegen.  ©o  lang  iti)  aber  in  ber  2öelt  lebe,  mein  @ott,  Witt 
tdj  Sid>  toben  unb  Witt  in  atten  Singen  ba$  wallen,  wa&au 
größerer  SSer^errli^ung  Seinem  9lamen3  bienen  mag*  3$  Mut 
St'd)  aufy,  bag  Su  mity  aU  ein  SSerfaeug  Seiner  (£!?re  überall, 
alle  3zit  unb  auf  allerlei  SBetfe  gebrauten,  unb  Seine  £err* 
li$fett  an  mir ,  in  mir  unb  bur$  micjj  beförbern  wotteß  unb 
fottte  e$  auä)  bur$  ©$maa)  unb  ©a)anbe,  bura)  ben  SBerluft 
meiner  (Mter  unb  meiner  ©efunb^eit  unb  meines  Mens  ge* 
fiepen«  3n  allen  Singen  fep  e$  meine  einige,  un* 
abänberlic$e  abfielt,  baff  ber  breietnige  ©Ott, 
SSater,  ©oljn  unb  ©eift,  ber  §  eilige,  gerechte, 
barm^eraige,  liebreiche,  gütige,  langmütige, 
allmächtige,  weife  unb  allgegenwärtige  ©Ott, 
mein  ©a)ö>fer  unb  (£rl?alter,  mein  ßrrlofer  unb 
£röfter  poa)  gepriefen  werbe! 

SBäfirenb  ta)  W%  fa)reibe,  tommt  mir  *>on  einer  j>o£en 
£anb  ein  33üä)lem  au,  in  welchem  eine  fromme  grau  t>on  »or* 
neunter  Slbfunft  Ariele  ä^nlic^e  Blumen  aum  £obe  ©otteS  ge* 
pfianat  Jak  Sa  fte  mir  fei?r  erfreulich  waren,  fo  werben  fte 
ofme  3weifel  atten  j>eilSbegterigen  $>tx$n  nia)t  auwiber  fe^n; 
we$?alb  ia)  Einiges  bawn  anführen  Witt.  —  „  21$ !  fagt  fte,  bu 
ewigem  2Bort  beS  ewigen  SBaterS,  gib  ©eifi  unb  SBorteSein 
£ob  au  lieben  unb  Seine  %itbt  au  loben*  $erlei£e,  lieber  £ei* 
lanb,  Sir  au  unenblio)em  dlufymt,  baß  Sein  £ob  mein  £eben 
unb  mein  2eben  bein  tmmerwä|>renbeS  £ob  fep.  £a§  Mt$,  m$ 
ia)  benf e  unb  t£ue,  in  unb  aus  Sir  gelfjan  fe^it  ^u  Seinem  Sienpe! 
£),  bag  ia)  Sir  allein  mit  aller  9ttenfa)en  ©innen  unb  33er* 
mögen  bienen  fönnte!  D,  bag  ia)  mir  bie  $raft  ber  (£ngel  au$* 
bitten  bürfte,  um  Sia)  bamit  au  t>ere£ren!  2lo),  mein  £err 
3efu,  ber  Su  mir  fo  siel  Verlangen  gegeben,  gib  mir  nur 
baS  germgfie  Vermögen,  baffelbe  aufy  ine  SBerf  ^n  fegen! 
SBenn  aus  allen  unfern  ©eufaern  unb  Blutstropfen  (£ngel 


927 

würben,  fo  fönnten  fte  Dir,  o  3cfu,  boä)  nimmer  genug  banfen* 
Sßenn  mit  taufenb  £eben  bafür  aufopfern  fönnten,  m$  wäre 
e$  für  Den,  ber  bie  @wtgfett  erfüllet?  Doa)  fott  man  nia)t 
fa)weigen,  fonbern  ©otteö  £ob  verfünbigen*  Darum  fage  tau 
Dir  fc^  2ob,  Danf,  $reis  ttnb  ^^re,  $?aa)t,  traft,  ©tärfe, 
dlvfym  unb  £errlia)feit  in  Bett  unb  (£wigfeit  !  £> ,  bag  mein 
SDfunb  fta)  nie  öffnete,  als  su  deinem'  £obe,  bag  meine  klugen 
fta)  allezeit  ^u  Deiner  @f>re  bewegten,  ja  ?M3  unb  £er$  lauter 
Warfen  wären,  um  Dir  für  beine  unauöfprea)lia)e  Slngft  $u 
fpielen!  3a)  freue  mia)  £auptfäa)lta)  auf  bie  (£wigfeit,  in 
wela)er  ta)  3^t  f?aben  werbe,  Dia)  unauftörlia)  &  greifen. 
SSäre  e3  erlaubt,  bt'efen  £ebengfaben  abaufajnetben,  fo  würbe 
ia)  tjm  Jeute  abreißen,  um  ba^u  $u  gefangen  unb  Dia)  red)t 
loben  ^  fönnen.  2la) ,  mein  (£rföfer,  löfe  bie  $anbe  balb  auf, 
t>k  meinen  ©eift  funbern,  miß)  31t  Deinem  £ob  auftufajwingen, 
boa)  nia)t,  wie  ia)  Witt,  fonbern  wie  Du  wittfi  —  ©elobt 
fcp  ber  £err,  ber  noa)  überall  ^er^en  §at  unb  erhält,  bie  3?« 
lieben  unb  loben!  ©elobt  fep  3efu$,  ber  bura)  ©eine  ©nabe 
fola)e  eble  55lumen  pflanzt,  fte  mit  ©einem  23lut,  SSort  unb 
©eift  befeua)tet,  unb  mit  traft  unb  2Bei£l)eit  erfüllt,  Hrnit 
fte  ben  fügen  ©erua)  Seinem  £obe$  verbreiten  mögen !  Darum, 
t'J>r  frommen  ©eelen,  wo  tpr  aua)  in  ber  Sßelt  leben  möget, 
raffet  uns  @ine$  ©tnneS  fepn  allezeit!  £ajfet  un$  ©Ott  olme 
Unterlag  aus  allen  Gräften  loben ;  —  laffet  unö  mit  greuben 
fo  viel  möglia)  erftatten,  voa$  bie  unbanfbare  SBelt  bem  £obe, 
©otte$  entsteht.  Raffet  un$  unfern  ©Ott  £ag  unb  9taa)t  für 
alle  ©eine  ©üte  greifen!  2ötr  ftnb  ^war  bem  %äU  naa) 
getrennt,  aber  im  (Seifte  vereinigt ;  wir  flehen  überall  vor  bem 
£l)rone  be3  pretewürbigen  ©otte$;  barum  laffet  uns  3J?n  ein* 
mütjug  ergeben!  —  ©euf^et,  weinet,  finget,  fpielet,  lefet, 
fa)reibet  Sllfe,  fo  gut  t'Jir  fönnet,  gur  ®f?xt  3efu  (grifft,  ber 
©ta)  für  un£  bargegeben  $at,  ia)  Witt  aua)  ba3  Peinige  ba^u 
bettragen,  fo  gut  ia)  fann,  i^  Witt  ben  £errn  loben,  fo  lange 
ia)  lebe  unb  meinem  ©ott  lobfingen,  bieweil  ia)  £ier  hin.  — 
(jemals  war  e$  <BitH  unb  ift  eö  noa),  baß  man  vor  Männern, 
bie  fia)  um  ba$  2Bol)l  tljrer  Mitbürger  verbient  gemaa)t  Ratten, 
Blumen  (freute  unb  tyntn  tränke  ^uwarf*  Unfere  53lumen 
ftnb  unfere  anbäa)tigen  ©eufter,  unfere  tränke  ftnb  unfere 
vereinten  £ob*  unb  Dan!  lieber,  fte  wollen  wir  unferem  £oä> 


928 

serbienfen  (Möfer,  3efu  (Sjjrifio  auwerfen.  —  (Benfo  war  e$ 
aud;  6ttte  unb  tfi  e$  nocj),   berühmten  Männern  unb  oor* 
aüglidjen  gürften  (££ren  ?  ober  Bilb  *  ©äulen  »on  Marmor, 
(£ra  ober  gar  son  ©ilber  ober  ©olb  au  errieten.    2ötr  wollen 
noc$  meipr  tljun,  meine  Gfmfien;  wir  wollen  unferem  £eilanb 
eine  lebenbige  (£fyxen*<Säüte  errieten,  —  nemlicty  uns  felbft; 
wir  wollen  oor  aller  SQSelt  bie  Sonaten   ©otteS  unb  bie 
£iebe  beS  £erm  3efu  rühmen,  wir  wollen  bie  SBunber  ©einer 
©üte  auf  $inbe3*Jtinb  oerfimbigen,  wollen  fromm  unb  heilig 
(eben,  bamit  bie  2Be(t  unfere  guten  Serie  fe£e  unb  unfern 
SBaier  im  £>immet  preife!  -ftur  biefe  ^renfäule  gefaßt  bem 
£errn,  unferem  ©Ott.  —  Sir  tefen,  bag  9Siele  unter  ben  erften 
@fmften  au$  $kU  au  iljrem  Grrlöfer  feinen  fettigen,   teuren 
tarnen  ober  baS  3ri$en  be£  ^reuseö  ftc$  tn1$  gfeifa)  brennen 
ober  einfefmeiben  liegen,  weil  fte  lebenbige  £)enf*@äulen  beS 
£errn  3efu  fepn  wollten.  £)iefe3  aber  ift  unnötig;  wtrfmb 
ja  f$on  in  ber  ^eiligen  £aufe  mit  bem  treua  beS  £erw  3ef« 
unb  mit  bem  tarnen  beS  bretetnigen  ©otteS  beaeietmet,  raffet 
uns  unferem  £aufbunb  treulia)  na$fcmmen  unb  bie  (£i)re 
©otteS  überall  im  ?eJ?ren  unb  £eben  fo  x>kt  möglich  auSau* 
Breiten  fu^en,  bann  ft'nb  wir,  wa#  wir  au  fe^n  begehren, — 
nemli$  lebenbige  Bilb*  unb  (££ren  *  Säulen  be£  £errn  3efu 
(grifft.  —  2)  2)a$   £ob   ©otteS  mug  aber  and)  immer* 
wäljrenb  unb  bepdnbig  fe^n;  bafier  gebraust  £)aotb 
bie  nemltcfcen  Sorte  in  unferem  £erte  wieberpolt,  unb  oer* 
langt,  bag  bie  (Seele,  bie  fonft  in  beftänbiger  ££ätigfeit  ip, 
fo  lange  fte  im  $äht  wo{mt,  auc$  in  ber  Betrachtung  ber 
©üte  ©otteS  unb  in  Seinem  £obe  o{me  Unterlag  beföäftigt 
fe^tt  foll.    (Ex  beutet  bieg  übrigens  auef)  baburef)  an.  bag 
er  bie  göttlichen  Soldaten  aufammenpngenb   aufaäjrtt  unb 
fagt:  ber  £err  oergibt  bie  ©ünben,  J>eilt  bte  ©ebrec^en,  be- 
wahrt baS  £eben  t>om  33erberben  unb  frönt  uns  mit  ©nabe 
unb  Barnu>raigfeit.  —  25er  gromme  a^eifelt  md&t   baran, 
bag  bieg  Sitten  uns  x>on  bem  lieben  ©Ott  unaufhörlich  au  ££eil 
Werbe,  unb  bag  wir  ber  göttlichen  ©nabe  unb  Barm^eraigfeit, 
gürforge  unb  Regierung  feinen  2lugenblicf  entbehren  fönnen. 
2)enn  wenn  bie  Blume  son  ber  Surael  abgeriffen  unb  ber 
3weig  *>om  Baume  gefdjmtten  wirb,  fo  fangen  fte  au  tter* 
weifen  an,  unb  wenn  wir  ber  ©nabe  unb  2lufftc§t  ©otteS  ent* 


929 

fahren  müßten,  fo  wäre  es  um  unfere  leiblia;e  unb  geiftlu$e 
SOSopIfa^rt  öef^epen !  2ßte  nun  aber  unfer  (Sott  nio;t  mübe 
wirb,  uns  2Bo£f  traten  £u  erzeigen,  fo  fallen  aua)  Wir  nicfjt 
mübe  werben,  ©eine  ©üte  mit  befMnbtgem  £>anfe  gu  erfennen.— 
3n  anbern  ©teilen  rebet  £)aoib  no.a)  beutliajer  barüber.  Ort 
fagt:  „3$  will  ben  £errn  toben  alleaeit;  ©ein 
£ob  foll  tmmerbar  in  meinem^unbe  fe^m  9ttetrt 
Sttunb  foll  $erf  ünbigen  2)eine  ©ereajtigfett  unb 
2)ein  £eil*  ©inget  bem  £errn  unb  lobet  <Seinen 
tarnen,  prebiget  einen  £ag  naa;  bem  anbern 
©ein  fyeiV  ^ie^er  gehört  aud)  ber  SluSfprudj  2)a*>ibS: 
„©inget  bem  £errn  ein  neues  £ieb,"  weites  einige* 
mal  sorfommt  Grr  wollte  bamit  fagen,  bag  wir  bem  Softe 
©otteS  tmmerbar  naäjbenfen,  unb  wenn  eS  möglia)  wäre,  jebeä* 
mal  ein  neues  £>anflieb  anftimmen  follten,  um  ©eine  ©üte, 
btealle  borgen  neu  ift,  au  greifen,  aud)  f  ollen  wir  nie  mübe 
unb  tterbroffen  werben,  unfern  ©ott  ^u  loben*  £)iefe  2)anf* 
gefänge  follen  uns  immer  fo  neu  fep,  als  Ratten  wir  fte  noa) 
nie  gefungen,  unb  bie  2lnbaä;t,  bte23egterbe,  ©einen  SRufym  au 
»er£errlid)en,  foll  in  uns  fo  lebenbig  fe^n,  als  jmtten  wir  ben 
#errn  noa;  nie  gelobt  —  iSefonberS  merfwürbig  aber  jmb  bie 
SSorte  beS  frommen  Honigs :  3$  Witt  fingen  tum  ber©nabe 
beS  £errn  ewiglta)  unb  ©eine  2Ba£rj)eit  serfünbtgcn  mit  meinem 
Sflunbe  für  unb  für.  2)enn  er  bauet  bamit  nia)t  bloS  auf 
feine  @inria)tung  in  bem  Zmpel  unter  ben  ^rießern  unb  Petiten 
J>itt,  fonbern  aua)  auf  fein  ganzes  ©efa;led;t,  ba^  er  fo  $u 
belehren  hoffte,  baß  Sitte  naa)  feinem  £obe  ©Ott  ofme  Untere 
lag  füra)ten,  lieben  unb  loben  werben.  —  2öte  nun  2)a»ib 
gefront  war,  fo  muffen  alle  grommen  gefront  fep*  ©ie müjfen 
®ott  immer  unb  ewiglia)  au  loben  wünfd;en,  fte  muffen  2ltte£ 
tlmn,  um  ©einen  9?uj>m  auf  ade  mögliche  SSeife  *>on  @efa)lea)t 
au  ®efa)lea)t  au  serbreitem  2)teß  ift  bie  ^eilige  unb  feiige 
Unruhe,  bie  in  biefem  Seben  anfängt  unb  in  (^wigfeit  währet, 
unb  sott  weiter  3ol?anneS  in  feiner  Offenbarung  bilblia) 
fagt,  baß  bie  *rier  Siliere  mit  fea)S  glügeln  unb  soll  x>on  klugen 
clwe  Unterlag  gerufen  J>aben:  „heilig,  petlig,  fjetltg  ift 
©Ott,  ber  #err,  ber  5lllmäa)tige,  ber  ba  war,  unb 
ber  ba  tft  unb  ber  ba  fommt."  —  Die ©etigen im £im* 
mel  begehren  feine  anbere  $uj>e,  als  bie,  wela)e  fte  in  ber 

®c*it>er'$  ®ttitn\'ä)<\i).  59 


930 

2tebe  unb  im  %ob  ©otteS  ftnben;  jte  bebürfen  aua)  lex  Slufyt 
nia)t,  bte  wir  Iner  auf  @rben  unfereS  $äbc$  wegen  nötpig 
Jaben,  t£re  greube  unb  ©eligfeit  befteljt  im  2lnfa)auen  unb 
t!?re  2ftu£e  unb  SSonne  in  bem  £ob  ©otteS.  —  2)iefeS  Verlangen 
gibt  fia)  bei  ben  ^eiligen  jft'nbern  ©otteS  fa)on  wä^venb  il?re3 
<£rbenleben$  funbj  ba£er  feufaen  jte  oft:  £),  baj?  wir  nur  ©Ott 
immer  mit  £era  unb  Wlunb  (oben  fömtten,  H$  nur  Weber  effen, 
noa)  trinfen,  noa)  fa)lafen  bürften,  fonbern  immer  tmStanberoä* 
ren,  un$  mit  £immlifa)en  Singen  au  befa)äftigen !  —  £)ie@lau* 
bigen  fydbtn  in  ber  Sßtebergeburt  ein  neues  $m%  befommen* 
SBte  nun  bie  S^ulje  beS  natürlichen  $ergen3  eigentlia)  in  ber 
Unruhe  beßejrt,  (wenn  wir  t£m  bie  Bewegung  nehmen  wollten, 
fo  würben  wir  t£m  aua)  baS  ^eben  nehmen,)  eben  fo  ftnbet 
baS  neue  £er$  feine  Sflulje,  fein  "Vergnügen  unb  feine  greube 
in  bem  befiänbtgen,  rujjelofen  Verlangen  ©ott  au  bienen  unb 
£u  greifen»  (£ine  Duette  muß  immer  SQBajfer  geben,  fonft  ift  fte 
feine  Duelle,  unb  t>k  gläubige  ©eele  mu§  immer  feufaen unb 
fta)  fejmen,  ©Ott  ^u  loben,  fonft  ift  fte  nia)t  gläubig.  Sie 
iji  »ott  Slugen,  um  bie  £ervlia)feit,  5lllmaa)t,  Slßet^^ett,  ©üte 
unb  £reue  ©otteS  ju  betrachten*  6te  |>at  glügel,  um  fta) 
über  alles  3*bifa)e  au  ergeben  unb  fta)  au  i^rem  ©ott  aufau* 
fa)wingen ;  fte  begehrt  feine  9?ul?e,  mit  ©eine  £tebe  unb  &ein 
£ob  i£re  einzige  Sftujje  ift-«. 

2öeil  eS  aber  3D?ana)em  unbegretflia)  fe^n  wirb,  vok  wir 
arme  SDtafajen  bei  fo  sielen  £mbermffen  unb  9ttü£feligfetten 
tiefes  £ebenS  ©Ott  o£ne  Unterlag  loben  fönnen,  fo  Ijalte  ta) 
für  nötfng ,  barüber  eine  furae  Anleitung  ^u  geben.  —  Q:S  ge* 
fa)teü>t  a}  wenn  ber  (£j>rift  ben  ©lauben,  tk  2tebe  unb  t>k 
Hoffnung  immer  in  fta)  au  bewahren  fua)t,  unb  ein  beftänbigeS 
Verlangen  £at ,  ©ott  au  gefallen ,  3j?m  in  £eiligfeit  unb  ®e* 
rea)tigfett  au  bienen  unb  bie  (£l?re  ©eines  Samens  naa)  Gräften 
au  beförberm  —  b}  SQSenn  er  fta)  ernftlia)  »orntmmt,  nia)t 
baS  au  wählen,  was  iljm  angenehm  ift  unb  am  meiften  aufagt, 
fonbern  2ItleS  naa)  ©otteS  SSillen  unb  au  ©einer  (££re  au 
tpum  —  2öie  ber  Styoftel  fagt:  „SllleS,  was  i£r  t$ut, 
mit  Söorten  ober  Sßerfen,  baS  tfynt  SllleSinbem 
üftamen  beS  fytxxn  3efu  unb  banfet  ©ott  unb 
bem  SSater  bura)  3£u."  —  (Es  gefa)ie£t  c)  wenn  er  fta) 
an  beftänbige  ©eufaer  unb  anbäo)tige  ä5et>ete  gewöhnt,  wela)e 


931 

er  mitten  unter  feinen  ©efepften  aum  Fimmel  fdjt'dt,  <£in 
folc^c^  gel)eime3  ©eufoen  aber  fnnbert  ben  ^enfajen  Weber  an 
ber  Arbeit,  noa)  an  einem  ©efpreia),  nod?  cm  einer  (55efeKfc^aft* 
2)enn  tt)ie  Sftejjenuaö  in  ©egenwart  feinet  ^önigg  unb  beffen 
©emaplin  nia)t  üerfrinbert  werben  fonnte,  feinen  ©Ott  an^u* 
rufen  mit  peimlidjen  ©euftew  feinet  £eqen$,  alfo  fann  ben 
grommen  ntc^tö  pinbern ,  feinen  ©ott  auf  gleia)e  SOSeife  an^u* 
rufen*  —  £),  wie  oft  J»abe  ta)  meinen  ©Ott  gelobt,  o|me  bag 
tk  9ttenfa)en  um  mtdj  Jer  etwaä  bason  hörten;  aber  ia)  zweifle 
nia)t,  bag  ©Ott  im  £immel  mia)  fjorte!  d)  gerner  gefdn'ejjt 
e£,  wenn  ber  @j?rift  gewiffe  ©tunben  erwäpit,  unb  feinen 
anbern  Verrichtungen  fo  siel  3^  abbricht,  um  ftc|>  im  £obe 
©otte£  au  üben;  (Ü  lägt  fta)  jwar  feine  beftimmte  Siegel  für 
alle  ©tänbe  geben ;  boa)  mug  Sebem  fetbft  t>axan  liegen ,  bag 
er  fta),  fo  viel  tnöglia),  jum  @ebet  unb  2obe  ©ottetf  anfände, 
befonberö  Sftorgeng  unb  2ibenb$,  »or  unb  naa)  £ifa),  fo  tck 
bei  3^aa;t,  fo  oft  er  erwaa)t  Ueberjmupt  werben  wenige  gromme 
Ue  gan^e  9^aa)t  pinburd)  fdjtafen  fönnen;  benn  Ue  peilige 
Unruhe ,  *>on  ber  ia)  oben  gefproepen ,  unb  ijure  ©ewo pnpeit 
wedt  fte  wenigftenö  einmal  be$  9?aa)t$  auf,  um  su  beten  unb 
ba$  33eifpiel  2)at>ib$  naa)$uapmen,  ter  bafagt:  „Um  $Rit* 
ternaept  fiepe  iepauf,  £>iraubanf  enfürbte£ftea)te 
deiner  ©  e  r  e  d;  t  i  g  f  e  i t."  2Btr  lefen  ja  aua)  $on $aulu$ 
unb  @ila$,  bag  fte  um  üftitternacpi  im  ©efdngnig  gebetet  unb 
©Ott  gelobt  paben,  unb  ha$  war  gewig  nia)t  bag  erftemal  bet 
tpnen.  —  ©o  oft  man  ein  freiet  ©tünblein  paben  fann,  mug 
man  e£  Willig  ^um  greife  ©otie6  anwenben,  befonberä  aber 
tfi  bie  3ftorgenftunbe  ba%u  paffenb ,  weil  ba  t>a$  ©emütp  noa) 
munter,  ber  Körper  burd)  ben  ©cplaf  erquidt  unb  ba$  £er$ 
noa)  nia)t  burd;  anbere  ©efepäfte  ^erftreut  i%  ©epr  richtig 
peigt  e£  baper  im  33ua)  ber  2Bet3pett :  ba$  Wltmna,  mit  welchem 
ba$  $olf  Sfrael  in  ber  2Büfte  gefpeifet  würbe,  fe#  serfcpmolsen, 
fobalb  t^k  ©onne  barauf  pingefepienen  pabe,  auf  bag  funb 
würbe,  bag  man,  epe  i>ie  ©onne  aufgebt,  ©ott 
banfen  unb  s>or  3pn  treten  f oll/'  —  *)  SSir  loben 
©Ott,  wenn  wir  eine  greube  baran  paben,  bag  anbere  ben 
£erm  greifen,  unb  wenn  wir  unfere  ©eufter  mit  ben  £obge* 
fangen  Ruberer  vereinigen.  3uweiien  gept  ein  (Sprijt  feinen 
©efepäften  naa)  unb  pört  anfällig  einen  ©efang  in  einer  $ira)e 

59* 


932 

ober  m  einem  Haufe.  @r  freut  fto)  barüber,  bag  wem'ajfen* 
Slnbere  ben  Haften  preifen,  wä^renb  er  an  feine  Arbeit  gef?en 
mug,  unb  fpria)t  bei  ft$  felbjh  3a,  mein  ©ott,  Su  bift 
würbtgallent^albensu  nehmen  $ret$,  <££re  unb 
$raft!  Sein  ^eiliger  -iftame  fe#  gelobt  in  (£wtg* 
feit!  —  Sieg  aber  ift  ein  löewete  etneö  zum  £obe  @otte$ 
immer  fertigen  Helena.  Senn  wie  ein  guter  3«nber  leia)t  unb 
balb  geuer  fängt,  fo  nimmt  autt)  ber  fromme  (üpxift  überaß 
bie  ©elegenfieit  begierig  wal?r,  feinen  ©Ott  zu  loben,  f)  Grnblia) 
toben  wir  ben  Herrn,  wenn  nur  aua)  Slnbere  ^u  ©einem  £obe 
aufmuntern,  unb  naa)  Gräften  bap  beitragen,  bag  ©ott  alle* 
#it  unb  allenthalben  gepriefen  werbe.  Sieg  fann  auf  »er* 
fa)tebene  SSeife  gefeiten ;  $.  25.  wenn  ein  Hau$»ater  feine 
^inber  unb  £auSgenojfen  zur  watjren®otte6fura)t  anleitet,  ijmen 
bie  göttlichen  äöSoJrttjjaten  t>or  Slugen  fwlt,  fte  zur  Sanfbarfeit 
ermahnt  unb  mit  feinem  eigenen  guten  SBeifptel  vorangeht*  Sa* 
bura)  fann  er  bewirfen,  bag  biefelben  an  feiner  (Statt  ben 
£o$ften  greifen,  wenn  er  für  feine  $erfon  baran  gejunbert 
tfi;  ja,  wenn  er  naa;  @otte3  Sßillen  aua)  biefe  2öelt  oerlaffeit 
$at,  fo  werben  feine  Hinterbliebenen  boa)  ben  Herrn  loben 
unb  ©einen  divifym  fortpflanzen.  —  Unb  wenn  man  im  &hm 
bejfen  gebenft,  ber  irgenb  einen  fruchtbaren  Söaum  gepflanzt 
y<xt,  fo  oft  man  grüa)te  baoon  geniegt,  follte  nia)t  aua)  im 
Himmel  bejfen  gebaa)t  werben,  ber  23äume  ber  @erea)tigfeit 
unb  ganzen  zum  greife  be$  Herrn  erzogen  Ipat?  @o  oft 
alfo  gutgeartete  ^inber  ©Ott  bura)  ijiren  frommen  2Banbel 
preifen,  fo  £at  e$  o|me  3«>eifel  ber  $u  geniegen,  ber  fte  bazu 
angeleitet  fyat.  Wlittyn  leben  fromme  Altern  aua)  naa)  i£rem 
£obe  noa)  fort,  unb  loben  ©ott  in  tjjren  wohlgeratenen  ^inberm 
Slua)  bura)  erbaulta)e'©a)riften  fann  man  zum  £obe  ©otteS 
beitragen;  benn  babura)  werben  nia)t  bloö,  fo  lange  bie  33er* 
faffer  leben,  fonbern  aua)  naa)  ijirem  £obe  oiele  ©eelen  an 
manchem  Drte  im  ©iauben  befeftigt  Unb  $ur  33erjerrlia)ung 
be$  göttlichen  üftameng  angetrieben*  ©o  lebt  je§t  noa)  naa) 
vielen  3a£r jjunberten  mana)er  £e£rer  in  feinen  ©Triften  fort, 
unb  ermuntert  unfere  Herzen  zum  greife  be$  Jperrn.  £>  xoit 
fllücflta)  ift  ber  zu  preifen,  ber  bur$  ©otteä  ©nabe  eine  er* 
baulia)e  unb  geiftreia)e  ©a)rift  getrieben  j>at,  wobura)  bie 
(£&re  be$  Herrn  beforbert  unb  ©eine  (£rfenntnig  fortgepflanzt 


933 

wirb !  £)er  große  £ag  beö  Gerrit  wirb  e3  lejjren,  bag  bie  ©iege 
ber  mäcbtjgftett  gürften  nia)t  bamit  ^u  vergleichen  finb,  xok 
gering  aua;  bte  2Selt  foltt)e  ©a)riftjteller  fa)ä#t  unb  rote  t>tet 
2luf£eben6  fte  von  ipren  gelben  maa)t.  £){me  allen  3weifel 
ftnb  bte  Jjerrlicfyften  Saaten  beS  Königs  £)avib  ntc^t^  m  il?rem 
SSertjje  gegen  fein  golbeneS  ^3fatterbud>. —  Gntblta)  geboren  Ine^er 
noa)  fromme  Stiftungen  unb  $ermcid)tniffe ,  welche  jur  (Ex* 
Haltung  be3  ©otteäbtenfteS ,  $ur  (^iefmng  ber  3ugenb,  ^um 
Unterhalt  ber  Firmen  unb  $u  anbern  milben  Bleien  verwenbet 
werben,  60  ftiftete  in  früherer  3ett  ein  reicher  Wlann  <öu  $on* 
ftantinopel  ein  Softer,  in  welkem  Wlonfye  waren,  bte  ein* 
anber  ablösten,  um  £ag  unb  92aa)t  ©ott  £u  loben.  Jener 
muß  ojme  3^eifel  von  groger  %kbt  su  ©Ott  befeelt  gewefen 
femt,  ba  er  bloS  auf  bie  Qrfjre  beS  2Ulerl?öajften  bebaut  war, 
wä^renb  viele  Rubere  naa)  ipm  bloßer  $ur  (£jjre  irgenb  eines 
^eiligen  ftifteten,  ober  um  Vergebung  u)rer  ©ünben  unb  tk 
©eligfett  ja  erlangen*  £)b  nun  gleia)  mit  obiger  Stiftung  einige 
Unwiffen^eit  verbunben  gewefen  femt  mag,  fo  feigen  wir  bodj 
barin  "ocn  (Eifer  ©ott  liebenber  ©eelen,  welche  mit  &ax>it> 
fagen:  „3$  »tH  von  ber  ©nabe  be$  Jen«  fingen 
ewiglitt)  unb  (Seine  2öa£rl?eit  verfünbigen  mit 
meinem  $Utnbe  für  unb  für/'  —  gretlia)  ftnb  nur 
wenige  S^riften  im  ©tanb,  folc^e  Softer  $u  ftiften,  unb  baä  tft 
auä)  nid;t  nöt^ig;  benn  e$  fann  boä)  ein  Seber  nadj  feinem 
Vermögen  baju  beitragen,  bag  bie  (£rfenntnig  ©otteö,  bie 
%kht  gu  3|>m  unb  ©ein  2ob  ausgebreitet  unb  erhalten  werbe 
U$  an'3  (£nbe.  25er  gromme  wirb  wittig  unb  frb^lia)  geben, 
waö  jur  (Erhaltung  ber  $ira)en  unb  ©a)ulen  unb  tprer  Wiener 
nötfu'g  tjt.  <£r  wirb  arme  SSaifen  er^tepeu  raffen  unb  bk 
Unglücfliajen  unterftüisen,  bamit  aua)  fte  aufgemuntert  werben, 
bie  ©üte  ©otteS  $u  greifen.  2Ber  ein  armes  $inb  ^ur  ©ott* 
feligfeit  anweifen  lieg,  lebt  in  bemfelben  fort,  unb  lobt  gleicfcfam 
©ott,  fo  oft  baffelbe  ft$  naa)per  feinem  Gtjiriftentlwm  gemäg 
beträgt.  Unb  welä)e  fa)one  $erjj>eigung  ift  an  eine  fola)e  milb* 
tätige  Janblung  gefnüpft!  £er£eilanbfelbftfagtjia:  „2öer 
ein  folä)eS  $inb  aufnimmt  in  deinem  tarnen, 
ber  nimmt  Wlity  auf."  —  Sßkk  $at£olifen  legen  einen 
fjo^en  SOSertp  barauf,  ein  immerwä^renbeS  Vityt  in  eine  ^t'rcfje 
3u  ftiften;  aber  xotö  follen  fola)e  Siebter  bem  ewigen  Zifytt? 


934 

28er  ein  $inb  aur  grömmigfeit  ergte^t,  ber  f>at  ein  St^t  an* 
geaünbet,  ba$  ©Ott  gefällt,  weil  e$  ^u  ©einer  <£l?re  bient. 
SBer  arme  SÖttttrcn  unb  Söatfen  erfreut  unb  txöfot,  ber  er* 
freut  unb  lobt  ©Ott  in  t£nen.  ~  ®e  liege  fta)  no$  tnel  barüber 
fagen,  unb  bfe  6a$e  wäre  e3  auc^  wert!*,  bag  jte  ausfuhr* 
Ito)er  bef>anbelt  würbe;  aber  bte  3ät  geftattet  eS  nia)t  3a) 
fege  baljer  nur  noa;  bei,  bag  t$  ofme  3weifel  ein  faltfinniges, 
ungläubiges  unb  lieblofeS  £era  *>errät£,  wenn  man  fta)  um 
fola)e  £)inge  gar  nia)t  bekümmert. 

21  n  tt)  *e  it  t»  u  n  gt 

I.  ÜBir  wollen  nun  auä)  noa;  <£inige$  über  ben  ©ebraua) 
biefer  £ej)re  fagen,  obgleich  fa)ori  früher  ttwa$  ba^on  berührt 
Würbe  unb  bte  ©aa)e  an  unb  für  fta)  lei$t  tjt;  SBBir  wollen 
itemliä)  unfer  djmftentbum  barnaa)  prüfen,  um  31t 
fe£en,  ob  wir  wtrflia)  befef?rt  ftnb  unb  bura;  ben  ©lauben 
mit  bem  £errn  3efu  in  ©emetnfcbaft  fielen  ?  —  <£$  gibt  feine 
bußfertige  unb  glaubige  Seele,  welche  nidjt  ein  J>eralitt;e3  SSer^ 
Jangen  £ätte,  ©Ott  au  loben,  <&k  gleist  einer  SBlume,  bie  »on 
ber  ©nabe  ©otteS  unX>  bem  ln'mmltfa)en  £ta)te  beftra^lt,  mit  bem 
33lut  3efu  QLfyxifü  gefärbt  unb  mit  bem  £j)au  beS  ^eiligen 
©eifteS  befeuchtet  ijt.  SÖSarum  follte  biefelbe  nia)t  einen  guten 
©erua)  $on  ftd;  geben  ?  SSenn  ber  ^eilige  ©äft  ein  £era  mit 
%khz  $1  ©Ott  erfüllt  |>at,  fo  mug  e£  ben  £errn  laut  greifen, 
Wie  wir  eS  an  2)a$ib,  an  ber  Sungfrau  Sftaria,  bem  3a* 
<§aria$  unb  anbern  ^eiligen  ^inbern  ©otieS  beutlia)  fef>en» 
(£in  red)tfa)affener  @£rijt  will  lieber  H$  £eben,  als  baS  2ob 
©otteS  aufgeben  unb  bem  35eifpiel  Daniela  nachfolgen, 'ber 
i>a$  ©ebot  feinet  Königs,  tag  binnen  30  £agen  -ftiemanb 
von  ©Ott  ober  9ftenfa)en,  fonbern  bloS  $on  t£m  ctm$  tvfttten 
follte,  nia;t  aa)tete,  unb  breimal  täglich  in  feinem  $äm* 
merletn  auf  bte  $niee  fiel,  httttt,  lobte  unb 
fcanfte,  wie  er  ttorljin  au  t^itn  pfleg te+— ©leic^wie 
bie  Blätter,  bie  Sftinbe  unb  ber  ©aft  ber  53alfamftaube  wo£l* 
rieben,  fo  wirft  in  einem  (Sfmften  Witt,  m$  in  unbanipm 
ijt ,  aum  2obe  ©otteS  mit*  2Ber  alfo  nur  feiten  an  bie  28o£l* 
traten  ©otteS  unb  feines  (£rlöferS  benfet,  unb  wem  ba$  4!ob 
©otteS  eine  frembe  unb  ungewohnte  &ati)e  ift,  ber  rü£me  ft# 
feinet  <££rtftoi#um$  nify,  ber  beflage  feine  Unwijfenpeit  unb 


935 

Unbanfbarfeit,  unb  Wtt  ©ott  im  Tanten  3efu  um  SSer^eipung 
unb  2>ejferung*  —  Wlan  ftnbet  aber  leiber  unter  ben  heutigen 
(Sänften  nur  attgu  SStele,  welche  ©Ott  entweber  gar  ni$t  loben 
ober  babei  fo  naa;lci§ig  unb  faltfmnig  ftnb,  al$  wenn  ma)i 
Steg  barem  gelegen  wäre  unb  ber  große  ©ottmiti!?rer©lei$* 
gültigfett  noa)  woljl  aufrieben  fe^n  müfjte.  2ßte  leiber  £eut  $u 
£age  ba£  gan$e  @£rtj*etttfmm  bei  ben  Reiften  ijt,  fo  ift  au$ 
ü)xt  5lnbaa)t  unb  iljr  ©fer  gum  £obe  ©otteö.  3n  weltlichen 
fingen  geigen  (je  £uf*  unb  (Eifer,  aber  in  geiftliajen  unb  In'mm* 
lia)en  nur  £rägl?eit  unb  Unluft.  £)a  $ti$t  e$:  e$  fft  fdjon 
rea)t  —  ^etrac^tet  einmal  bie  fröj>fia)en  3ufammenfünftc 
ber  SSeltfinber.  2Sie  werben  biefe  fo  eifrig  befudji,  tvie  ijt 
man  ba  fo  sott  greube,  man  laa)t,  fa)er$t,  faucht,  fmgt  unb 
fpringt  ©e{>et  aber  aua)  auf  ber  anbern  ©ette  bie  üBerfamm* 
fangen  ber  Triften  an,  tt?ie  man  fingt,  Uta  unb  ©Ott  lobt, 
unb  t'pr  werbet  balb  gewahr  werben,  bag  e$  ben  Wltifttn  nidtf 
reä)t  (£rnft  ift  Einige  gaffen  untrer,  um  etwaä  -ifteuetf  unb 
£äd;erlia)e$  gu  fepen ;  Slnbere  fepefern  unb  lachen,  Rubere 
fa)lafen,  noefj  5lnbere  fi'nb  sott  irbifcfyer  ©ebanfen,  unb  i£r  ©eift 
ge£t  feinen  gewohnten  2Begen  naa),  obgleia)  ber  $äb  in  ber 
^ird;e  ift  £>,  bugottlofe^,  unbanfbare£/mfe|>rte$sIftenf#ens 
^er^!  23äre  ©otte3  ©üte  unb  £angmm|>  nia)t  fo  unermeßlia) 
grog,  wie  f önnte  (£r  fo  lange  ^aa^fta^t  mit  bir  j?aben  ?  —  ©ottte 
nia)t  atten  (Stiften  bie  ^tnbaa)t  aus  ben  klugen  leuchten,  wenn 
in  ber  $ira)e  $on  ben  2Bol?(t£aten  be£  £errn  3efu,  x>on  ©einem 
SSerbienft,  »ort  ber  ©nabe  ©otte$  unb  ber  Vergebung  ber 
©ünben  bie  9eebe  ift ,  unb  wenn  irgenb  ein  £obgefang  ange* 
ftimmt  wirb  V  ©ottten  fte  ifjren  ©ott  nia)t  t>on  ganzer  ©eele, 
x>on  ganzem  ^er^en  unb  au£  atten  Gräften  preifen  ?  2)er  gütige 
23ater  im  £immel  forbert  für  alle  ©eine  28ot)ltijaten  unfer 
geringes  £obopfer,  —  einen  fetter  für  punberttaufenb  dentner 
©olb,  unb  wir  fottten  biefeS  Opfer  nia)t  frojrtict)  unb  tviüiQ 
barbringen?  —  5lm  meiften  aber  tfi  baS  gu  bef  lagen,  bag 
viele  Glmfien  unferer  Sage  ©ott,  i£ren  6a)öpfer,  (£rjalter 
unb  £röfter,  nict;t  nur  nict)t  loben,  fonbern  fogar  mit  fc&recf* 
lict)en  glüct)en,  fct)änblia)en ,  ärgerlichen  SBorten  unb  abföeu* 
lict)en  Sßerfen  läfkrn  unb  beleibigem  2Sie  manct)e£  £er$  läuft 
über  von  fcf>änblict)en  ^eben  unb  gibt  babura)  feine  ^uctjloftgfett 
funb!  2ßie  manche  3unge,  bie  ©ott  au  ©einem  £06  fiefc&affen 


936_ 

unb  3efu$  ßprtfhtS,  wie  bte  Sitten  fagen,  im  poajwürbtgen 
Slbenbmapl  mit  ©einem  teuren  23lut  gerottet  pat,  ift  bem 
Sienfte  be$  £eufel3  gewtbmet,  ber  fte  fammt  bem  ^er^en  na# 
[einem  SBitten  leitet!  2öte  manche  Seele,  bte  boa)  bem  £errn 
3efu  fo  fauer  geworben  ift,  gept  in  SBlinbpett  batyn,  unb 
#at  3pnt  noa;  nie  für  ©eine  (Erlofung  gebanft,  3pn  aber  ftt)ott 
oft  mit  tpren  beharrlichen,  freien  ©ünben  betrübt,  beleibigt 
unb  gefajänbet!  konnte  (£r  nidjt  t>on  fielen  @prifien  fagen: 
„2)afür,  baß  3$  f ie  liebe,  finb  fie  wiber  $cta);" 
ba$  ift  man  SDanf,  ba§  fte  meine  geinbe  unb  Verfolger  ge* 
werben  finb !  —  £)tefe  Sftenfcpen  finb  e£,  bte  ben  ©o Im  ©oticS 
*>on  feuern  freudigen,  3pn  mit  (£fftg  unb  ©alle  tränfett  uttb 
mit  güßen  treten.  Unb,  was  baö  £raurigfte  ift,  eben  biefe 
3J?enfa)en  fiepen  in  ber  5$eittung,  fte  fe^en  gute  @prtftett  unb 
bie  ©eligfeit  fe#  iprtett  gewiß*  ©ie  meinen,  weil  fte  be$ 
©onntagä  einmal  \>k  $tra)e  befugen  unb  etwa  alle  3<*pte 
ein  *  ober  aweimal  zum  peiligen  2lbenbmapl  gepen,  fo  glauben 
fte  an  (Spr iftum  unb  bie  ©eligfeit  fonne  ipnen  tuä)t  feplen*  — 
©Ott  erbarme  fta;  folcper  fcerfüprten  ©eelen,  bte  in  t>k  ©triefe 
feeS  ©atanS  tterwtcfelt  ftttb  unb  gebe  allen  Stetigem  bie  ©ttabe, 
baß  fte  auf  bie  ©el&ftprüfung  unb  auf  bie  grüd)te  beS  (Spri* 
ßentpumS  unabläßig  unb  mit  allem  Prüfte  bringen  unb  bie 
»erblenbeten  ^er^en  oon  ber  großen  ©efapr  überzeugen  mögen, 

in  ber  fte  jtcfj  beftnben. 3pr  «ber,  meine  3uporer,  bie 

i^v  mit  (£rnfi  naa;  ber  ©eligfeit  trachtet,  fanget  fepon  pier 
auf  (£rben  mit  ber  peiligen  Arbeit  (mit  bem  £obe  ©otteS)  an, 
bie  ipr  einft  im  Fimmel  ewig  ^u  oerria)ten  pabet  Uebet  euep 
mit  allem  gleiß,  ben  £errn,  eureit  ©Ott,  $u  preifeiu  ©efeHet 
eu$  gtt  ber  ©a)aar  ber  petligen  (Engel  unb  ber  2lu3erwäplten 
im  Fimmel  unb  ber  lieben  Linker  ©otteS  in  ber  ftreitenben 
$ira)e  auf  (£rben*  —  könnten  tt)ir  einen  231icf  in  ben  Fimmel 
tpun,  fo  würben  wir  fepen,  wk  2llle3  itt  ber  Zkte  ©otteä 
totit  unb  lebt,  unb  tt>k  2lKe3  son  ©einem  greife  erfajallt 
2)oc$  wir  bürfen  nur  'ck  peilige  ©eprift,  befonberS  bas  53ua; 
ber  Offenbarung  lefen,  fo  werbe«  wir  ftnben,  womit  fta)  bk 
©eligen  im  Fimmel  befepäftigem  könnten  wir  aber  auep  ben 
3njtanb  aller  ©laubigen  auf  ßrrben  fennen  lernen,  fo  würben 
wir  ebenfalls  fepen,  ba$  fte  entweber  im  Verborgenen  auf 
ipren  ßnieen  ©Ott  greifen,  au  £aufe  ober  in  ber  $iro)e einen 


937 

£obgefang  fingen,  —  bog  if>re  ©eufeer  aum  £immel  fteigen,  ober 
bag  fte  fonfi  etwaö  anr  @r£re  ©otteö  unb  gum  £>tenft  tfjreS 
9?äa)ften  serriä)ten.  Ä'ur$,  wir  würben  i£re  £eraen  allezeit 
»ort  peiliger  2lnbaa)t  entaünbet  fejjen.  SSollen  wir  nun  allein 
fo  falt  unb  unbanfbar  fepn  unb  nur  feiten  unb  opne  21nbaa)t 
an  bte  £tebe  ©otteö  benfen  ?  —  Söenn  man  ein  fa)öneS  £ieb  (Ingen 
J6«t>  fo  ftimmt  man  gewofmlia)  mit  ein,  wie  ©aul  bort,  als 
t£m  bte  $rop{>eten  mit  $falter  unb  Warfen  begegneten»  9tun 
aber  j>ören  wir  im  ©eift  bte  ^eiligen  (£ngel  unb  !öftenftt)en 
fingen  unb  ©Ott  preifen ,  warum  motten  wir  uns  nia)t  au  il)nen 
gefetten,  unb  mit  i^nen  emfh-mmen  in  i£re  2)anf=  unb  £ob* 
lieber?  „3a,  jaud^e  bem£erm  alle  2öelt,  bienet 
3!?m  mit  Jreuben.  kommet  oor  (Bein  2lngefia)t 
mit  grofilotfen!  @e£et  au  ©einen  ££oren  ein  mit 
hänfen,  t>u<8einen  SBor^öfen  mit  toben;  banfet 
3{nn,  lobet  (Seinen  tarnen;  benn  ber  £err  tft 
freunblia)  unb  ©eine  ©nabe  währet  ewiglia) 
unb  ©eine  2Ba|>r{>eit  für  unb  für."  — 

IL  5^00)  ift  übrig,  bag  wir  mit  wenigen  SSorten  bte  ein* 
fältigen  unb  aufria)tigen  (Seelen  troften  unb  beruhigen,  wela)e, 
wenn  fte  in  ber  ©a)rtft  son  bem  grogen  (Eifer  ber  ©laubigen 
Hefen ,  mit  33etrübnig  fagen :  2la),  tva$  ift  unfer  geringe^  £ob, 
ba$  wir  bitfjjer  unferem  ©Ott  bargebraa)t  $>aben !  Un3  fe^lt 
e$  leiber  überall!  Unfere  2lnbaä)t  ifi  nia)t  feurig  unb  brünftig 
genug,  unfer  Wlufy  nia)t  freubig,  unfer  Snnered  tft  meifienS 
mit  (Borgen,  £raurtgfett  unb  ©a)wermutl>  erfüllt,  wir  wiffen 
nia)t  x>id  $u  fagen ,  unb  m$  wir  fagen,  tfl  fa)lea)t  u.  f.  f.  -— 
allein  ber  £oa)fte  ftept  wraüglia)  auf  ein  aufria)tige$  £er$ 
in  (Sjjrißo  3efu ,  biefeä  ift  $>a$  ttornejmfte  £)pfer ,  ojme 
weldjeö  3^m  fein  anbereö  gefällt.  —  (B  t(i  fo  tröplia),  bag 
©Ott  ber  £err  felbft  in  ©einem  ©efeö  tton  ben  Dpfern  einen 
Unterfajieb  maa)t  awifa)en  ben  2fteia)en  unb  Slrmen,  unb  son 
jenen  mejr  »erlangt ,  aU  tton  biefen.  203enn  a*  33.  ein  2lu£* 
fähiger  *>on  feiner  $lage  befreit  würbe,  fo  mugte  er  awet 
Sämmer  unb  ein  einjährigem  ©a)aaf  aum  Opfer  bringen,  war 
er  aber  arm,  fo  genügte  e$  an  einem  £amm  unb  $tvä  £auben*— 
(Ebenfo  will  ber  gute  ©Ott  *>on  ben  Firmen  im  ©etfte  aua)  ein 
£äublein,  —  ein  betrübtet  £era  aum  Dpfer  annehmen»  2)a£er 
fagt  Qavib:  „ein  geängfteteS  unb  serfc&lagenetf 


938 

£er$  wirft  bu,  ©Ott  nityt  serac&tetu"  —  $annjt  bu 
alfo,  o  @prifi,  ni$t  wie  2lnbere  froptta;  fetm  in  bem  £errn,  fo 
feufte  ju  ©einem  $rete  au$  bem  innerften  ©runb  betner 
©eete*  ^annft  bu  nidjt  *>iel  Söorte  maa)en,  fo  gib  ben  we* 
ntgen  befto  me|>r  üftaajbrucf ,  unb  wenn  e£  btr  aua)  barem 
fejjten  will,  fo  tfme,  m$  b«  fannft  unb  weigt,  umbem^erj 
3ur  2lnba$t  su  ftimmem  Döring  jt  bu  e$  aber  ntc^t  bafun,  fo 
litte  @ott,  bag  (£r  beine  2lrmutj?  in  ©naben  anfej?en  möge, 
unb  fep  überzeugt,  bag  Grr  mit  beinern  guten  SBttten  aufrieben 
i%  2Biffe  and) ,  bag  unfer  @ebet  nia)t  fowojrt  nacb  unferem 
£er$en  unb  Vermögen ,  aU  x>ielmej?r  naa)  bem  2Sertl?  ber 
gitrbttte  be$  £errn  3efu  im  £immel  gefragt  wirb»  Saber 
fagt  bie  ©$rtft  faß  überall,  bag  wir  unfer  ©ebet  unb  San?* 
x>^>fer  in  unbbur$(S£riftum  #or  ©Ott  bringen  f  ollen. 
„Raffet  unö,  fagt  ber  2tyo)M,  bura>  3efum  opfern 
t>a#  i'obopfer  ©Ott  allezeit,  b.  u  bit  gru$t  ber 
kippen,  bie  ©einen  tarnen  befennen/'  gerner: 
„£!?ut  %IU$  in  bem  tarnen  3efu  unbbanfet  ©Ott 
unb  bem  SSater  bura)  3pn/' 

2Ba$  aber  bie  £raurtgfett  betrifft,  in  ber  ftd)  bie  fronvmften 
CE^rtften  oft  lange  ^ät  befmben,  fo  bag  fte  meinen,  ftefonnen 
ijren  ©Ott  nia)t  toben,  fonbern  muffen  ftetd  Hagen  unb  feufaen, 
fo  ift  wofrt  £u  merfen,  bag  man  aua)  in  ber  2tng(t  unb  £rau* 
rigfeit  ©Ott  loben  fann,  wenn  nur  bag  $er^  rea)tfa;affen  im 
©tauben  tfh  Sie  betrübten  glauben  freifia)  nia)t ,  bag  fte  e3 
tlnm,  unb  loben  boct)  t^ren  ©Ott  in  ber  ©tilte,  nemlia)  bureb  ©e* 
lafjenljeit  unb  burd?  ipre@rgebung  in©einen  £eiligen3ßil(en,  bura) 
©ebulb  unb  baö  2Bof?lgef alten,  welkes  fte  an  Seinem  allerlei* 
ligften  SQitten  Jwben,  unb  bur$  bie  Hoffnung  auf  ©eine  ©üte. 
©ie  feufeen:  2la>  ©Ott,  Su  bift  boa)  unfer  SSater  unb  wir 
Seine  tinber!  Dein  ^atlj,  Seine  SÖSege  unb  Sein  treus  &* 
fällt  un$  wo£t,  unb  wenn  Su  un$  aua)  tobten  würbeft,  fo 
wollen  wir  boa)  auf  Sia)  poffen;  wir  wiffen,  bag  Su  e^  ntc^t 
bbfe  meinen  fannft ,  bag  Sein  diatfy  wunberbar  ift,  aber  boa) 
2llle$  tjerrlta)  j>inau$fiu)rt  :e.  —  Unb  mnn  aua)  tytfoi  bk 
£l)ränen  fliegen,  ber  2lngftfa)weig  cmöbxifyt  unb  t>a$  £era 
unter  feiner  üaft  erliegen  Witt,  fo  gleiten  boa)  fola)e  ©e* 
banfen  unb  ©eufter  bem  lieblichen  ©efang  ber  ^ac&tigafl  bei 
einem  (BmitUx  in  bunftev  SKac&t.    ©Ott  fte^t  fte  in  ©naben 


939 

an;  beim  fte  fliegen  aus  finblia)em  Vertrauen  auf  ©eine  ©üte 
unb  geben  3!wt  bie  <£{>re* 

3um  35efa)lug  fragen  wir  noa):  £)b  man  unferem 
©Ott  unb  £eilanb  ettt>aö  wünfa)ett  fonne?  9Str 
jjaben  alle  tirfaa)e,  baran  au  zweifeln,  weil  e$  immer  ein 
33ewetS  ijt,  bag  bem  etwas  mangle,  welchem  man  timö 
wimfa)t  2öünfa)en  wir  $,  33*  einem  2D?enfa)en  gute  ©efunb* 
°J>eit,  fo  fe£en  wir  »orauS,  bag  fein  Körper  noa)  mancherlei 
^ranf Reiten  unb  Unglücksfällen  unterworfen  fep*  —  Wlan  wünfa)t 
Königen  unb  dürften  ein  langet  £eben,  eine  glücf lidje  Re- 
gierung, ©teg  wiber  tj)ve  geinbe  unb  alles  2Bof>lergej)en,  weil 
man  weig ,  bag  fte  ebcnfowenig  ttor  Unglücksfällen  fta)er  jtnb, 
wie  ber  ©eringfte  i£rer  Untertanen.  2öeil  aber  ©Ott  unb 
unfer  lieber  £eifanb  bie  *>ol(fommenften  2ßefen  jtnb,  fo  fa)eint 
es  »ergeblia),  tarnen  etwas  $u  wünfa)en,  2)oa)  will  ia)  am 
@nbe  biefer  ^Betrachtung  t>on  ©runb  meiner  ©eele  meinem 
lieben  ©Ott,  SBater,  Grrlöfer  unb  £röfter  ctm$  wünfa)en,  unb 
icj)  zweifle  nietyi,  bag  3£m  biefer  2Sunfa)  in  ©naben  wol?Ige* 
fallen  werbe.  —  3a)  wünfa)e,  bag  ©ein  ^eiliger  -iftame  immer 
mej?r  in  ber  SQSelt  gelobt  werbe,  bag  bte  Söunber  ©einer  2111* 
maa)t ,  Sßtitytit  unb  ©üte  *>on  £ag  $u  Sag  me£r  er!  annt, 
bag  immer  meljr  anbäa)tige  greunbe  unb  SSere^rer  ©einer  Wla* 
jeftät  gewonnen,  unb  bag  allezeit  unb  an  allen  £)rten  ^u  bem 
Häuflein  ©einer  ©laubigen  einige  ©eelen  mögen  l?in$uget!jan 
werben,  bag  (£r  immer  me£r  ©efdge  ©einer  33armjSer3tgfeit 
Ijabe,  welä)e  gu  ©einem  2ob  unb  $rei$  mit  befMnbjgem  Danf 
überfliegen,  unb  bag  enblia)  auä)  biefe  geringe  ©a)rift  bur$ 
©eine  ©nabe  ba^u  beitragen  möge!  —  Diefer  Söunfa)  ftimmt 
mit  bem  überein,  wa$  &v  uns  tdglia)  bittm  Jjeigt:  „@e* 
heiligt  werbe  Dein  9came,  Dein  Sfteia)  fomme, 
Dein  Sille  gefd?ef>e,  toie  im  Fimmel,  alfo  aua) 
auf  (ürrbem  —  3£m  alfo,  ber  uberfa)wenglia)  tljun 
fann  über  Dilles,  n)a$  wir  bitten  unb  x>erfte£en, 
naa)  ber  ^raft,  bte  ba  in  uns  wtrfet,  fep  (££re 
tn  ber  ©emeine,  bie  in  ßjmjto  3efu  tft,  a"u  aller 
Seit  tton  @wigf eit  au  (£wtgfeit!"   Slmen. 


940 
SS  o  n  t> e r  Ergebung  in  ©  o  1 1  e  S  Stile n» 

2fpojt  ©efcfy.  21/  14.  3)a  er  ft$  aber  md)t  ubemben  lief,  [<§  wiegen 
wir,  unb  fpracfyen:  £e$  £erw  SÖttte  gefcfyefye! 


5  t  tt  §   ft  tt   J, 
Sm  Flamen  Sefu!  Slmeiu 

2)ie  ©ef$tc$te  »on  ber  bugfertigen  ©ünberin,  für  welcjje 
man  insgemein  >  wtewofrt  olme  ©runb,  Sparta  9ttagbalena 
pält,  ijt  eine  ber  lehrreichen  unb  troftoollfum  im  ganzen 
neuen  ieftamente»  2)enn  in  berfelben  wirb  un3  unfer  lieber 
£eilanb  in  feinem  Hauptberuf,  um  beffen  Witten  (£r  eigentlia) 
in  bie  2Belt  gefommen  war,  »orgeftettt,nemlic()-- bie  ©ünber 
feiig  gu  machen,  Söt'r  fef>en  3fm  barin  al£  ben  regten  ©na* 
benftu^l  »on  ©ott  ben  bugfertigen  ©ünbern  bargeftettt,  bei 
welchem  eine  groge  ©ünberin  ©nabe  unb  £roft  fuo)t  unb 
finbet,  —  aU  ben  rechten  6eelenar^,  ber  ein  serfnirfa)teö 
$er$  tferbinbet,  unb  eine  betvixbte  ©eele  tröget.  £)aran  aber 
ift  un$  me£r  gelegen,  aU  an  ben  übrigen  SBunbern  3efu,  mia)e 
nur  3U  bem  (£nbe  gefc^ejjen  jtnb,  bag  wir  an  3pn  glauben,  3jjn  für 
unfern  einigen  Mittler  galten  unb  bei  3£m  Vergebung  ber  Sun* 
ben,  £eben  unb  @eligfeit  fua)en  unb  erlangen  fotfen. — 2)iefe  @e* 
fcfyicfyte^eigt  un$  in  ber  ££at,  waö  ber  (£rlöfer  in  bem  unübertreff* 
liefen  ©leia)nig  »om  verlornen  ©ojme  gefagt  §at,  unb  t|i  fo  reia) 
an  J>errlta)en  £eJ?ren ,  bag  fte  eirier  eigenen  au^fü Jrlic^en  (Irr* 
flärung  wertl?  wäre,  wie  wir  fte  aua)  fr  üb  er  in  suerimb^wanaig 
gjrebigten  unferer  ©emeinbe  vorgetragen  jjabem  —  gür  je$t 
wollen  wir  nur  baS  f uq  erwägen,  voa$  unferem  Sßorjmben  am 
bienlia)ften  ift,  unb  unfere  Slufmerffamfeit  gunäa)ft  auf  bie 
bugfertige  ©ünberin  richten» 

SMefe  f  önnen  wir  1)  clU  einen  33  u  g  f  p  i  e  g  e  l  anfefjen ;  benn 
ber  GEvangelift  ^efc^retbt  fte  fo,  bag  man  barauS  fliegen  fann, 
fte  fep  eine  groge  unb  in  ber  ganzen  6tabt  berüchtigte  ©ün* 
berin  gewefen,  welche  bem  <8atan  lange  sunt  2öerf$eug  ber 


941 

33erfül?rung  vieler  5D?enfdjen  gebtent  fyattc  —  ,,©tef)e,  fagt 
er,  e$  war  ein  2Betb  tu  ber  ©tabt,  bie  war  eine 
©  ü  n  b  e  r  i  n;"  2öte  nun  ber  G^angelijt  wn  bem  alten  ©imeon 
fpria)t:  „©ie£e,  e$  war  ein  Stfenfa)  au  Sentfalem  :c»  unb 
berfelbe  war  fromm  unb  gotte3füra)tig"  —  um  bamit  feine 
au^geaetcfmete  unb  in  ber  ganzen  ©tabt  befannte  grömmigfeit 
gu  befa)retben,  fo  fagt  er  £ier:  ©ie£e,  e$  war  ein  Slßetb  in 
ber  @tat>i:,  bie  war  eine  ©ünberin  —  unb  will  bamit  tl?r  all? 
gemein  befannte^  leia)tftnnige3  unb  fa)lea)te$  ^Betragen  be$eia> 
nem  gerner  will  er  t>amit  anbeuten,  bag  @otteg  ®nabe  m 
ßf>rtj.o  3efu  fe£r  grog  unb  merfwürbig  fep,  wert  (£r  aua)  fo 
groge  ©ünber  unb  i£re  $uge  nia)t  üerfa)md^t.  —  (£nblia>, 
will  er  fte  ber  ganzen  $tra)e  aU  25etfpiel  »erretten  unb  allen 
bugfertigen  ©ünbew  hi$  ang  (^nbe  ber  2öelt  befteng  em? 
Pfeilen»  —  2)ie  ©ünberin  Ijatte  tk  troftreiajen  unb  aur 
löuge  erweefenben  ^rebigten  3efu  gehört;  befonbere  aber  ging 
tj?r  ©eine  ßrtnlabung  3u£er$en:  „kommet  l?er  ju  TOtr 
Sllle,  bie  tfjr  müMelig  unb  belaben  feipb,  3a> 
will  eua)  erqutefen!  33et  3C^ir  follt  i£r  Sftu£e  fin? 
ben  für  eure  ©eeten!"  SSie  jte  nun  früher  bura)  bie 
gewaltigen  ^rebigten  be£  £erm  erfa)üttert  unb  aur  Gntfennt? 
nig  ij>:er  ©ünben  gebraut  würbe,  fo  würbe  fte  bura)  biefen 
freunbli^en  3uruf  mäa)tig  angezogen,  hü  3£m  dlnfyt  unb 
£rofi  für  tljr  geängfh'gteS  ©ewijfen  gu  fucfjem  —  2öeil  fte 
aber  öffentlid)  gefünbtgt,  unb  fciel  Slergernig  gegeben  jjatte, 
fo  fam  fte  nun,  um  öffentlia)  23uge  au  tynn,  unb  bk  gegebe? 
nen  2lergerniffe  bura)  bemütfrige  %hbittc  unter  £ljränen  foiriel 
möglid;  gut  ^u  machen,  ©ie  trat  bem  Sptxxn  nia)t  x>or  ba&  2lnge? 
jta)t,  fonbern  warf  fta)  tfmt  t>on  hinten  ^u  pgen,  negte  bie? 
felben  mit  ijjren  Bremen,  troefnete  fte  mit  ifjren  fyaupfyaa* 
reu,  fügte  unb  falbte  fte*  —  £>emnaa)  tfi  alfo  bie  wa£re  S3uge 
unb  diene  über  bie  ©ünben  tun  Uo$  flüchtiger  ©ebanfe,  ber 
baö  £era  nic§i  berührt,  unb  feine  2lenberung  beö  ©inneS  be? 
wirft,  tt)k  oiele  fta)ere  5ttenftt)en  unferer  £age  wäfmen,  fon? 
bem  eine  burctybringenbe  göttliche  Sirfung,  welche  £>emut£, 
gura)t,  Slngfi,  ©a)recfen,  ©eufter,  klagen  u*  f.  w*  in  ber 
©eele  Jraorbringt*  Unb  boa),  wie  glücflia)  ift  ber/enige, 
weitem  ©ott  bie  ©nabe  $erlei£t,  bag  er  feine  ©ünben  £er&* 
lia)  bereuen  unb  Umintn  fann !  SQ3ie  unglücflia)  bagegen  ber, 


942 

weldjer  übet  feine  ©ünben  nocf)  nie  2tngft  unb  ©cfjrecfen  em* 
pfunben,  gefdjweige  benn  einige  Streuten  »ergoffen  |>at!  — 
£)a£er  mug  ic!)  mi$  oft  mit  £eraeletb  barüber  wunbern,  bag 
&ute,  bie  e$  jenem  SBeibe  in  ber  ©ünbe  gleich  getlmn  J>aben, 
ijjr  in  ber  23uge  nidjjt  nadjjajjmen  trotten,  unb  meinen,  fte 
fe^en  f^on  im  ©tanbe  ber.©nabe  unb  bie  ©eligfett  fönne 
t£nen  ni$t  fehlen*  2ßir  $abm  aber  fd&on  früher  gezeigt, 
bag  e$  eine  Eingebung  be$  @atan$  fe#,  wenn  man  ©nabe 
olme  diene  Joffe,  unb  ein  Evangelium  be$  £eufel£,  wenn  33er* 
gebung  ber  ©ünben  ofme  23uge  geprebigt  werbe;  benn  3efu$ 
fe£t  beibe  neben  einanber,  unb  traft  fte  ungetrennt  wiffen* 
2J?anc(je  wollen  fjeut  $n  £age  von  bem  £errn  Xxoft  für  ijjre 
©eele  unb  Vergebung  ber  ©ünben;  aber  fte  wollen  3Jnt  nidljt 
3U  pgen  fallen;  fte  meinen,  eö  bebürfe  nietyt  fo  vieler  Wltyt 
unb  Umfiänbe.  ©ie  wollen  ein  ruljigeS  ©ewiffen  Ijaben,  e£e 
baffelbe  redjt  beunruhigt  gewefen  tft,  •—  b.  t.  fte  wollen  ben 
©ieg  opne  $ampf,  ba£  Evangelium  o£ne  ©efeg,  einen  £eilanb 
ojme  $reua.  @£rtjlu$  foll  iijre  £eraen  Verbittben,  ejje  fte  ftdlj 
»erwunbet  füllen,  Er  foll  fte  triften,  ejje  fte  betrübt  (tnb,  fte 
für  geregt  erflären,  e£e  fte  jur  Erfenntntg  ijjrer  Ungere^* 
tigfeit  gekommen  ftnb*  £teg  £eigt  eigentlich:  aur  verfeljr* 
ten  Seit,  wie  Jener  ©ajtwirt£  auf  feinen  ©djjilb  fdpreiben 
lieg.  —  Wlatytt  e$  nifyt  alfo,  meine  Sieben,  Jwbt  iijr  bisher 
ba$  Söeifpiel  jener  ©ünberin  nid&t  nacfjgeapmt,  fo  eilet  nnt>  tyut 
e$  nodjj,  unb  Uttü  ®v>tt  um  ein  bugferiigeS,  gerfntrfcfjteö  unb 
aerfc§lagene$  £era,  welches  allein  fäjng  ijt,  ba$  Spät  au  er* 
langen,  ba$  un3  3efu£  bur$  ©ein  teures 23lut erworben  $<xt. 
2)  2)ie  ©ünberin  ifl  aber  auefr  tin  ©laubenöfpte* 
gel.  2ötr  fyabm  früher  fdjjon  bemerft,  bag  ber  £eilanb  burd^ 
(Seine  ^rebigten  ben  ©lauben  tn  i^rem  £eraen  erweeft  fyabt, 
mithin  wollen  wir  jfegf  fe£en,  wie  fte  benfelben  äugerlidj  seigte. 
—  Qa-bk  wa£re$fteue  über  ij>re  ©ünben  unb  baö  fejmlidje 
Verlangen  na$  ©nabe  in  t£r  erwacht  war,  eilt  fte  nic$t  in  ben 
Stempel,  ni$t  a«nt  Elitär,  nidfjt  au  bem  bamaligen  £oj>eprie* 
per,  fonbern  au  3efu,  welchen  jle  al^  ben  einzigen  Mittler 
^wifc^en  ©Ott  unb  ben  Slttenfctyen,  alö  ben  ©nabenftu^l  unb 
bie  3ufluc$t  aller  armen  ©ünber,  al$  ttn  wahren  «&opeprie* 
^er  be$  neuen  ^öunbeö  erfannt  fjatte.  ©ie  berührt  ©eine 
güge  in  Seimig,  um  anauaeigen,  bag  (te  von  £eraen  ver* 


943 

lange  mit  3£m  vereinigt  31t  werben*  Sie  legt  ifjr  forgenoolle£ 
Spaupt  auf  6eine  güge,  aU  auf  ein  $tjfen,  unb  fu$t  mit 
Streuten  gleidjfam  alle  if)re  ©ünben  atif  biefetben  $u  wälzen ; 
fte  fuc^t  sftupe  bei  3jjm  unb  ftnbet  fte  auti).  DJ>ne  3weifeT 
füllte  fte  ft$  in  biefem  3ufcmbe  unau$fpreci)lid[>  glücflicfy,  bag 
(te  mit  feiner  Königin  ber  SQSelt  getaufctyt  J>ättc*  —  D,  wie  glücf* 
ltd>  ift  ber  ßljrif* ,  ber  $u  ben  gügen  feinet  £errn  liegen  unb 
fte  umfajfen  f ann !  SOSte  füg  ftnb  bte  £j?rcmen,  welche  gleidjfam 
auf  bt'e  güge  be$  £errn  3efu  fallen!  2öie  wol?l  ift  bem,  ber 
fein  fyaupt  bort  aur  Sftupe  legen  fann !  —  <5el?et  alfo  bie  redete 
2lrt  beö  geregt  *  unb  feligmac^enben  ©laubenö.  2öie  bie  23tene 
bie  Blumen  unb  ber  burftige  £trfd>  bie  SSafferquelle,  fo  fu$t 
ber  ©laute  @£riftum.  ©einen  £etlanb  mug  er  ijaben  unb 
feftyatten,  bei  3efu  ntug  er  fe^n,  e$  fojte,  wa$  e£  wolle* 
(£r  f ucf)t  feine  Nebenwege  unb  feinen  -Jlebentroft,  fonbern  allem 
3efum,  ben  ©efreu^tgten,  baran  genügt  tym  unb  mit  9*e$t; 
benn  in  3&nt  iß  bie  gülle  ber  ©nabe ,  <£r  allein  tjt  2llle&, 
2Bo£lan  benn,  i£r  Triften,  warum  wollten  wir  perumfc&weifett 
unb  wanfen,  ta  un£  ©Ott  in  Seinem  ©oljne  einen  ©naben* 
jluljl  florgeftelft  $at  in  ©einem  33lute,  bag  wir  $u  3£m  fliegen 
unb  unö  an  3£n  palten  follenV  2ßarum  wollen  wir  anbertf* 
wo  Brunnen  fudjen,  bie  löcherig  ftnb,  unb  fein  SBajfer  geben, 
ba  wir  bie  lebenbige  Duelle  wr  un$  £aben,  —  t>k  SBunben 
unfere$  @rlofer$? 

£)  3efu!  »öfter  ©nab', 
2Cuf  ©ein  ©ebot  unt>  dlaty, 
$emmt  mein  betrübt  ©emütf)i>, 
3u  ©einet  großen  ©üte. 
ßajj  aud)  auf  mein  ©enuffen 
(Sin  ©nabentropflein  fließen ! 

3)  £5ie  ©ünberintftun£enbli$ein  £eben$fptegel.  ©ie 
Wirft  jtdj>  3efu  $u  gügen,  aU  tin  Tcbenbigeö  Dpfer,  unb  mit 
fte  biefelben  ni$t  blo£  umfagt  unb  fügt,  fonbern  aufy  mit 
££ränen  benegt,  mit  ijjren  paaren  trocfnet  unb  einfalbt,  fo 
Witt  fte  o£ne  3weifel  bamtt  anzeigen,  bag  fte  ftdj  felbjt  mit 
Ottern,  m$  fte  jjat,  bem  £errn  aum  @igentf)um  fyn&btn  wolle, 
©te  ma$t  au$  bm  2öerf$eugen  ber  ©ünbe  SSerfteuge  be$ 
©laubenö  unb  ber  Zitbc.  Spren  Wlvrnb,  ben  fte  bte£er  Slnbent 
bürgerest  $attt,  legt  fte  nun  auf  bie  güge  be*  mttkxö  unb 


__944_ 

^eiltgt  tfmt  bettfe)C6ett ,  —  tpre  klugen,  bte  reo)t  eigentlto)  *>om 
©atan  entaünbet  waren,  um  bte  Sugenb  au  verleiten,  ftnb 
nun  ££ränenquellen  geworben,  —  i£re  £aare,  wela)e  bt^er 
fttege  be$  £eufel$  waren,  gebraua)t  fte,  um  bte  güge  i^reö 
£eilanbe$  a"  trotfnen,  —  t£re  ©alben,  mit  benen  fte  ij>ren 
Setb  gefa)minft  i^atte,  gießt  jte  freiwillig  auf  bte  güge  be$ 
£errn.  $ura  fle  *>erpflia)tet  fta),  eine  2in|mngerin  Sefu  au 
fe^n,  fte  »erlangt  nia)t$  anber$,  als  ein  2Berfaeug  Seinem 
^eiligen  2öillen$  au  werben;  fte  ergibt  fta)  3{mt,  mit  Slllem, 
wa^  fte  $<xt,  unb  wünfa)t  t£re  Gräfte  in  ©einem  ^eiligen 
Dienfie  au  t>erae£ren*  —  @&en  biefeS  aber  tft  bie  unausbleib* 
Iia)e  grua)t  unb  ba$  untrüglia)e  $ennaeia)en  beS  wahren  ©lau* 
fcenö,  wenn  ber  2)?enfa)  fein  £era  ber  Söelt  tnt^t  unb  e$ 
bem  £erm  3efu  aufopfert,  wenn  er  eine  peilige  Sßeränberung 
in  fta)  füplt,  wenn  er  bereit  ijt,  Mz$,  tvaö  er  $at,  aua)  ba$ 
€iebfie  unb  ££euerfie,  ber  Zieht  au  3efu  aufauo&fern,  wenn 
er  fta)  mit  willigem  £eraen  in  ©einen  ®eporfam  ergibt,  unb 
aufria)tig  wünfa)t,  bag  ber  peilige,  allein  weife  unb  gute 
Höille  ©otteS  an  ijmt,  in  ipm  unb  bura)  ipn  wllbraa)t  werben 
möge.  Diefe £ugenb nun,  —  bie  a)rifUta)e  ©elaffenpett 
ober  bte  Ergebung  in  ©otte$  SS  i  He  n,  —  tft  eine  ber 
£aupttugenben  beö  @priftent|mm&  SQSir  werben  jfegt  au$* 
fül?rlia)er  von  berfelben  Ijanbeln.  Der  £err  fegne  unfer  2Sor* 
paben  um  ©eines  *ftamen$  willen!  5lmem 

Slfc^anblung* 

@in  ©eleprter  tarn  einfi  m  einer  fa)laflofen  9taa)tanba£ 
SBaterunfer  unb  batyte  barüber  naa) :  wela)e  Bitte  wopl  für 
bie  befie  unb  »ornepmjte  au  galten  fep?  £r  ernannte  awar, 
tag  alle  bitten  gleia)  ben  ©liebern  einer  Rtttt  aneinanber 
Rängen  unb  un$ertrennlia)  fepert ;  aber  er  entfa)ieb  fta)  boa) 
für  bie  aweite 33itte :  Dein  Sfteta)  fomme  au  uns!  — unb 
erwarte  fte  in  ber  golge  aua)  au  feinem  £eiä)entert*  (£$  ifi 
nun  freilto)  wapr,  bag  bie  fteben  bitten  beS  SSaterunferS  au* 
f ammenpeingen,  unb  bag  alle  gleia)  foftbar,  nötpig  unb  nü£lia), 
aua)  gleia)  fa)on  unb  gldnaenb  ftnb,  wk  bie  perlen  an  einer 
©a)nur,  fo  bag  fta)  nia)t  wopl  fagen  lägt,  wela)e  bte  befte 
fev;  allein  eö  tft  boa)  bejfer  mit  fola)en  ©ebanfen  umaugepen, 
als  trbifa)en  Dingen  na$aupängem—-©ollteta)  übrigens  meine 


945 

Meinung  über  biefe  grage  abgeben,  fo  würbe  t$  für  bie 
brüte  35itte  ftimmen:  £>etn  SGSille  gef^e^e!  2)enn  in 
biefer  23itte  geben  wir  ntc^t  nur  ©Ott  bte  <£{)re,  bag  @r  all* 
mächtig,  allweife,  gütig  unb  barm^er^tg  fe^,  bag  man  alleä 
©ute  von  3^m  erwarten,  unb  fta)  ©einem  ^eiligen  S^atl)  unb 
Söillen  anvertrauen  bürfe,  fonbern  fte  ift  un$  au$  am  auträg* 
fid?ften ,  weil  uns  ni$t$  33ejfere3  unb  £eilfamere$  wiberfapren 
fann,  aU  wenn  ber  fjeiltge  unb  gute  SBüle  ©otteS  an  un£ 
unb  allenthalben  vollbracht  wirb.  @ie  [fliegt  auc$  alle  an* 
bere  bitten  in  ft$,  unb  fönnte  wo^l  für  ben  furzen  Snbegrtff 
be3  ganzen  $aterunfer$  gelten.  2)enn  wenn  ©otteS  ^eiliger 
Sßille  gef$ie£t,  fo  wirb  aufy  ©ein  ;jftame  geheiligt,  fo  wirb 
©ein  ©nabenreicf)  fortgepflanzt,  fo  wirb  e$  un3  an  bem  -ftotl)* 
wenbigen  nid)t  fehlen  ic  —  £)arum  jmtte  jener  gromme  dttfyt, 
wenn  er  fagte:  man  fönne  bie  brei  erften  ©tütfe  be$  Rate* 
c$>iSmu£  in  fünf  SBorte  fajfen,  nemlic|>  bie  jejen  ©ebote  in 
ba$  SSort:  Ziehe,  bte  brei  ©laubenöartifel  tn  ben  ipeuren 
tarnen:  3efu^,  (wer  25en  $at  unb  rec^rfennt,  jjat  auo)  bie 
(Erfenntnig  be$  SBaterei  unb  be3  ^eiligen  ©eifteö)  unb  ba$  ©ebet 
be$£errn  in  bieSQSorte:  £>etn  SötHe  g  e  f  cjj  e  j>  e !  —  2)iefe 
Söorte  fratte  au$  Sucaä,  wie  bie  übrigen  ©efäbrten  be$  2lpoftel3 
35aulu3,  im  Sftunbe  unb  im  £er$en,  wie  unfere  Xexteö Worte 
fagen*  Paulus  war  nemtia)  auf  ber  pfeife  naef)  Serufalero 
begriffen,  unb  würbe  überall  getarnt  ft$  nieijt  bafun  $u  be* 
geben,  weil  tyn  bort  £rübfat  unb  23anbe  erwarten,  £>ieg 
gef$ai)  aule£t,  aU  er  f$on  ^u  Gtäfarea  angekommen  war, 
burd)  bett  $rovf>eten  2igabu3,  ber  ben  ©ürtel  be$  2tyoftel$ 
na^m,  unb  ij>m  bamit  £änbe  unb  güge  banb  mit  ben  2Öorten : 
„£a$  fagt  ber  ^eilige  ©eift:  2)en  Sftann,  bejfen  ber  ©ürtel 
ift,  werben  bie  Suben  alfo  binben  gu  3erufalem,  unb  über* 
antworten  in  ber  Reiben  £änbe/'  2113  bie  ©efäprten  be$ 
2lpoftel$  biefeS  hörten,  baten  fte  ijjn  vereint  mit  ben  borttgen 
Triften,  unter  £jjrcinen,  bag  er  nid)t  na$  3erufalem  ge^en 
folle*  dx  lieg  fta)  aber  ni$t  abpalten,  fonbern  erflärte :  „3$ 
bin  bereit,  mtclj  p  Serufalem  ni$t  allein  binben  gu  lajfen, 
fonbern  aud)  au  fterben  um  be$  -ftamenö  3efu  willen/'  — 
©a  fte  aber  fapen,  bag  tyautnö  ft$  ntd^t  abgalten  lieg,  fo 
merften  fte,  bag  bie  £anb  ©otteö  babet  war,  welker  bie  ^re 
Seinem  Slamen^  bura)  ba$  ^efenntnig  beg  Hpopelö  nic^t  allein 


_946_ 

2u  Serufalem,  fonbern  aua)  %u  $om  unb  an  oielen  anbern 
Orten  beforbern  wollte*  ©te  brangen  alfo  mc^t  weiter  in 
ijm r  fonbern  fpraajen:  Deö  £errn  SQ3 1 lle  gefd)el)e! 
(©ie  fragten  ben  2lpo|M  foa),  aber  ben  SBttten  ©otteSnoa) 
weit  £o|jerO  ^D^tt  3?ea;t  feilten  biefe  SSorte  ein  Denffprud) 
für  alle  ©laubigen  fep ,  ben  fte  ftet$  im  Sttunbe  führen,  um 
i^re  gänaltdje  Ergebung  in  @otte$  gnäbtgen  Söillen  bamit 
au^ubrücfem 

Die  ©elaffenjjeit  ift  eine  eble  £ugenb,  unb  entspringt 
not|>wenbig  m$  bem  ©lauben*  Unmöglia)  fann  ein  üttenfa) 
wa£rj?aft  befef)rt  unb  gläubig  fepn,  wenn  er  fra;  ni$t  sugleta) 
feinem  ©Ott  in  alten  gälten  Eingibt,  Denn  wenn  3efu£  bura) 
ben  ©lauben  im  £er$en  wofmt,  fo  bewirft  (£r  bura)  ©eine 
©nabe  unb  ©einen  ^eiligen  ©eift,  ba§  ber  Sttenfa)  ebenfo  ge* 
jtnnt  wirb,  vok  dv  war,  unb  mit  3^m  freubig  unb  wittig 
fpric&t :  „SSaier!  nia>t  mein,  fonbern  &zin  2öille 
gefcfjejje!"  —  &a$  2Serf  ber  ßrrtöfung  Ijat  unter  anbern 
aud)  t>m  3wecf,  ba$  Qrbenbitb  @otte$  in  un$  9ttenftt)en  wieber 
Jjerpjklten ,  unb  unfere  £er$en  *>on  ©runb  au$  p  erneuern, 
33or  bem  galt  ftimmte  ber  SBitle  be$  $cenfa)en  mit  bem  J)ei= 
ligen  SBtCten  ©otteä  bura)au$  überein,  unb  er  fanb  fein  £odjfteg 
SSergnügen  im  Dtenfte  ©otte£  unb  im  ©ejwrfam  gegen  3fm* 
Qdpin  fotl  eS  wieber  fommen;  ber  Anfang  ba$u  Wirtin  ben 
gläubigen  (Seelen  burd)  @{?riftu$  unb  ©einen  Qdeift  gemalt; 
biefer  l?errftt)t  in  ifjrem  |>er$en,  lebt  in  tfmen,  lenft  unb  re* 
giert  ifiren  SSilfen,  unb  wirft  in  ifynm  einen  finblia)en  unb 
freubtgen  ©efjorfanu  Unb  mt  (Er  felbfi  fagte:  „3$  bin 
»om  Fimmel  gefommen,  nia)t  baß  3$  meinen 
SBillen  tyw,  fonbern  ben  Söitlen  Deffen,  ber 
mia)  gefanbt  £at;"  fo  fprid)t  ber  ©laubige  aua):  „3dj 
lebe  ma)t  barum  in  ber  303eft,  um  meinen  Söillen,  fonbern  um 
bm  SBitten  Deffen  au  tjmn,  ber  mio)  erfdjaffen,  geliebt,  er* 
lUt,  befe^rt  unb  ^u  ©naben  angenommen  $at."  Da$  £era  beS 
©laubigen  gleid;t  einem  Kompaß,  ber  2öitle  beffelben  ift  bie 
Sttagnetnabel,  tk  fta>  allein  naa)  iprem  Magnet,  —  bem 
aller{>eiligjten  Tillen  ©ottetf,  richtet  —  Der  ©lau* 
bige  $at  bura)  ©ottes  Erleuchtung  au$  ©einem  SSort,  wie  aus 
eigener  Erfahrung  bte  2lllmatt)t,  t>k  $8titytit,  t>k  $kbc, 
bie  *>äterlia)e  gürforge,  bk  gnäbige  Regierung,  fur^:  Die 


947 

SMfommenpett  ©otteö  fennen  gelernt;  Darum  ergibt  er  ftd& 
in  ©einen  2Bi(len,  in  ©einen  wunberbaren,  boa)  feügen  $atjj, 
mit  fröf>lia)em  £er§en  ,  unb  ijt  $>erfta)ert,  (Ex  werbe  t£tt  nia)t 
unglücflia)  maa)en.  —  3)tc  glaubige  ©eefe  gleia)t  einem  ge* 
borfamen  $mb,  ba£  in  ber  ^?tebe  feinet  23ater$  vergnügt  tfl 
unb  il?m  immer  naa)  ben  klugen  fsfyt)  um  auf  feinen  3ßinf 
3U  gelten*  ©ie  ift  eine  Verlobte  be$  #erot  3efu/!)ängt3fM 
an  unb  j?at  ©einem  Jjeiligen  Söillen  ben  irrigen  untergeordnet. 
©ie  iß  ein  Tempel  be$  ^eiligen  ©etfte3,  ber  fte  belehrt,  an« 
treibt,  regiert  unb  fte  ben  bitten  ©otteö  au3  ©einem  ÜESort 
erfennen  unb  vollbringen  lejjrt  ©ie  weig  n>o^l ,'  bog  fte 
nia)t  fta)  felbft  angehört,  fonbern  demjenigen,  ber  fte  ge* 
liebt,  erwählt,  erlogt  unb  geheiligt  $at.  Darum  fann  fte 
nia)t  anber$,  aU  fta)  3N  in  finblia)em  ©efwrfam  ergeben* 
©o  J>art  ipr  £er$  t>or  ber  SBefeljrung  war ,  fo  weia)  wirb 
e$  bura)  ba3  geuer  ber  £tebe  unb  ©üte  ©otte$,  eS  wirb 
gleia)fam  flföfftg  n)ie  @ifen  unb  ©tapl  im  geuer,  unb  lägt  fta) 
nun  in  alle  gormen  be$  göttlichen  9ßilfen$  gtegen.  SBenn 
fte  tk  unbegreifliche  23arm£er3t'gf  eit  be£  SBaterS,  t>it  Zieht 
be6  ©o{me£  unb  bie  ©üte  be3  ^eiligen  ©elftem  nia)t  nur  im 
allgemeinen  betrachtet,  fonbern  3unäa)ji  an  fta)  felbjt,  -— 
wie  ©ott  ©ia)  i£r  befonberS  als  $ater,  3efu3  aU  35rubetr 
unb  Gnrlöfer,  unb  ber  fjeilige  ©eift  all  £röfter  unb  ftüljrei: 
bewiefen  ipat,  fo  mug  jte  banfbar  fepn*  Darum  beginnt 
fte  aua)  3{m  ^er^ltct)  3U  lieben  unb  innig  au  greifen*  SBeil  i£r 
aber  bieg  ^u  wenig  bünft,  fo  opfert  fte  fta)  felbft  bem  bretet* 
nigen  ©Ott,  mit  2Wem,  xva$  fte  $at  unb  vermag»  •—  2Ber 
fta)  bie  ©aa)e  bilblia)  sorftellen  Witt ,  ber  benfe  fta)  eine  $rau 
mit  gebunbenen  Rauben  unb  auf  ben  $nieen  liegenb  ab&e* 
hütet,  oben  aber  bie  Ueberfa)rift:  ^ur  Danfbarfeit,  ober: 
noa)t)iet3u  wenig*  (Die  ©eele  mba)te  nemlta)  tin Danf* 
Opfer  ij>re$  ©otte$  werben  unb  fta)  in  ©einer  Siebe  tter^ejjrenO  — 
Sttan  fann  fta)  aua)  bie  ©aa)e  fo  »orftetfen,  at$  ob  ber  ©lau* 
bige  in  bem  Hinterteile  eines  ^apnö  fäge>  wctyrenb  ber  £err 
fteuert  Die  Ueberfa)rift  wäre  bann:  SSie  3efu^  wilL 
(Der  gromme  verlangt  eigentlia)  nia)t  ^u  wiffen,  wo  er  lanben 
unb  wo$>in  er  fommen  wirb,  fonbern  überlägt  fta)  gan^  feinem 
(Erlofer,  ben  er  fta)  aum  ©teuermann  auf  ben  bewegten  SÖMen 
beä  £eben$  erforen  J?at) 

60* 


948 

SluS  bem  53töJ>ertgen  erhellt  nia)t  Mo$,  tt)te  n  o  t  £  w  e  n  b  t  g 

e$  fe#,  bag  ber  @jj>rifi  fta)  ©Ott  ergebe,  fonbern  e$  würbe  aua) 

fa)on  beiläufig  angebeutet,  worin  biefe  eble  £ugenb  befiele* 

2)a^  £e§tere  wollen  wir  nun  fetter  augfüijren.   2)te  ©elaffen* 

^ett,  eine  grua)t  be$  ©taubeng,  tfi  eine  finblia)e  3uoerfta)t 

ber  (Seele  ^u  ©Ott,  in  welcher  fte  fta)  gan^  ©einem  Ijettigen 

unb  gnäbigen  SQSitten  überlägt,  fta)  ©einer  i>äterlia)en  gwv 

forge  unb  weifen  Regierung  willig  unb  bemütpig  unterwirft, 

unb  nia)*$  2lnbere$  fua)t  unb  wünfa)t,  aU  bag  fte  allenthalben 

unb  allezeit ,  in  iW  unb  2eib,  in  ©lud  unb  Ungtücf,  in 

dieifytynm  unb  2lrmutj?,  im  £eben  unb  ©terben  einSBer^eug 

©einer  ©nabe,  ein  ©efäg  ©einer  @:{?re  fepn  möge.  Derfurje 

Inbegriff  pon  bem, s-wtö  man  t>on  ber  ©etaffenf?eit  fagen  fann, 

tfh  ,/3a)  opfere  unb  ergebe  mia)  Dir,  mein  ©Ott!  3a)  bin  Dein, 

£err  3efu!  Dir  leb5  ia),  Dir  ftcrb'  ia)!  Dein  bin  ta)  tobt 

unblebenbig!  2öa3  ©Ott  Witt!  —  SDtan  SSater !  Dein SBilte  mein 

SOBitte !  Dein  SBille  mein  Fimmel  unb  mein  2llle6  u-  f.  w/'  — 

23et  erfahrnen  Gtjjriften  bebürfen  fota)e  ©eufeer  feiner  (£rf(ärung; 

fte  wiffen  Sitten  beffer,  at$  e$  fta)  fagen  lagt;  altem  um  ber 

©a)waa)en  unb  Unerfa^rnen  Witten  ift  nöttrig,  bag  wir  fte 

ttm$  erläutern*  —  2öenn  nemlia)  ber  ©laubige^  fta)  auf  fota)e 

SSeife  feinem  ©Ott  ergibt,  fo  will  er  fagen:  „  üflein  ©Ott  unb 

SBater!  2Äein£err  3efu!  ©Ott,  Reuiger  ©eift!  Ewiger  ©ott; 

©a)ö»fer ,  @:rtöfer  unb  Größer !  2Benn  ia)  nia)t  oor  alter  2Belt 

befennen  würbe,  bag  ia)  Dein  Glrigentpum  bin,  fo  wäre  ia) 

ber  Unbanfbarfie  unter  ber  ©onne,  ba  Du  mia)  erfa)affen, 

serforgl,  befa)ü£t  unb  btefjer  erhalten  jjaft!  —  Du,  o  3efu, 

£af*  mia)  fo  treuer  erfauft,  J^ap  Dein  S3tut  aU  Söfegelb  für 

mia)  »ergoffen,  £aft  mia)  bura)  Dein  SÖBort  berufen,  bura)  bte 

fettigen  ©acramente  gefertigt  unb  aU  Dein  ßrigentfmm  oer* 

ftegeft.    3war  lebte  ia)  nia)t  fietS  meinem  £aufbunbe  gemäg, 

ta)  wia)  bason  ab,  tevok$  mia)  unbanfbar  unb  leia)tfmnig ; 

bennoa)  £ajt  Du  Deine  ©nabe  unb  23arm£er$igfeit  mir  nia)t 

endogen,  fonbem  mit  groger  2angmut£  auf  meine  33uge  ge* 

tcaxtttf  Ijaf*  mia)  mit  göttlicher  $raft  au  Dir  gebogen  unb  mia) 

mit  groget  $itU  au  ©naben  angenommen!  ©o  befenne  ia)  nun 

»or  aller  Seit,  bag  ia)  Dein  (Eigentum  bin,  o  ©Ott,  unb 

mit  allen  Gräften  Dir  angehöre,  unb  wenn  ia)  mitten  unter 

Surfen  unb  Reiben  unb  unter  ben  fjeftigften  geinben  Deinem 


949 

«ftamenS  leben  würbe,  fo  wollte  i$^£>1%  bod>  ofme  Sä)eube* 
rennen,  unb  e6  bt^  in  ben  £ob  für  meine  grßgte  (Epre  galten, 
auszurufen:  3$  bin  an  (Sljrift,  ein  Wiener  beS  breieinigen 
©otieä,  ein  (£igentl?um  3efu  (Sljrifti,  beS  (Mreusigten.  2lua) 
j'egt  will  ia)  mit  reiflicher  Ueberlegung  nnb  mit  bemütjngem 
i^er^en  meinen  £aufbunb  erneuern,  unb  von  nun  an  hi$  in 
(Ewigfeit  übergebe  io)  Dir  meinen  &ib ,  mein  £er3 ,  meine. 
Sinne,  meinen  löerftanb,  meinen  2Billen,  mein  ©ebäcfjtnig 
fammt  allen  meinen  Gräften,  all'  mein  Verlangen,  mein  Dichten 
unb  £raa)ten,  mein  9?eben  unb  £fnm,  mein  ©eben  unb  (Stehen, 
mein  (£ffen  unb  £rinfen,  mein  2Baa)en  unb  Schlafen,  fo  bag 
ia)  baS  Sitten  mit  Deiner  £ülfe  nia)t  anberS  anwenben  will, 
aU  ^u  Deiner  ^re  unb  $u  Deinem  Dtenft,  um  meinen  ©lauben 
an  Dia),  meine  l'iebe  unb  Hoffnung  Su  @^  wnb  meine  Sejm* 
fua)t  naa)  Dir  ^u  bezeugen*  3ö)  will  nia)l  me£r  mein  eigen 
fepn,  unb  will  von  Litern,  waö  ia)  J$tbe)  nia)t  wiffen,  bag  e$ 
mein  ift,  fonbern  mir  atlesett  vorftellen ;  bag  Z)uf  3efu>  z$  vnit 
Deinem  33lute  erfauft  paft ;  Dir  ftelle  ia)  mia)  bar  gu  einem 
Dvfer,  baS  lebenbig,  heilig  unb  Dir  wohlgefällig  feip!  £ier 
ift  mein  £erä!  Drücfe  in  bajfelbe  ba$  Siegel  Deiner  %i£bz, 
aU  Dein  (£igentbum,  unb  erfülle  eS  mit  Deinem  ^eiligen  ©eift, 
bamit  alle  ©ebanfen,  ©egierben,  2Borte  unb  Söerfe,  t>k  au$ 
bemfeloen  fommen,  von  Deiner  Zkbz  aeugen,  unb  bag  2llle, 
bie  mit  mir  umgeben,  fogleia)  erfennen  mögen,  bag  e$  mir  ßrrnjt 
ift  mit  .Deiner  $kbt.  Regiere,  o  Sefu,  mein  £era  naa)  Deinem 
^eiligen  2ßillen,  entferne  immerme^r  au3  bemfelben  t>it  <£rb* 
fünbe  unb  alle  fünblia)e  £uft,  fammt  2lllem,  m$  bir  auwiber 
ijt!  £ag  mir  SllleS,  toa^  bir  gefällt  unb  $ur  @i?re  Deinem 
tarnen**  bient,  eine  grettbe,  unb  Sllle^,  m$  Dir  entgegen  tff, 
ein  ©reuel  fetm !  Sag  mia)  aeitlebenS  Deinem  ^eiligen  3^at^ 
unb  Milien  bienen!  3um  Sa)lug  lege  ia)  mia;  fammt  SlOem, 
was  ia)  bin  unb  £abe,  Dir  au  gügen,  Du.  ^eiliger,  breieiniger 
@ott,  unb  fteile  2llle3  Deiner  gnäbigen,  väterlichen  Regierung 
an Jeim ,  mein  ©lücf  unb  mein  Unglütf ,  greube  unb  %tit>, 
Slrmutp  unb  ^eia)t^um,  tranfj?eit  unb  ©efunbljeit,  <££reunb 
Sa)maa),  2eben  unb  £ob,  unb  wünfcfje  unb  begepre  nia)t£ 
me^r,  als  bag  Dein  ^eiliger  SSille  an  mir,  in  mir  unb  bura) 
mia)  vollbracht  werben  möge.  Sßon  nun  an  fep  mein  &ejMn* 
biger  äßafrtfarua) :  De$  £errn  SBille  gefa)epe!  ^in 


950 

Jeiliger  233 i((e  fep  mein  i*io)i,  mein  *ftatp,  mein  £roft,  mein 
(&§&%,  mein  Vergnügen,  mein  ^ujm,  mein  einiges  3iel 
unb  mein  Sitten! 

Sa$,  tva^  wir  fctefjet  als  ein  ©efpräa)  ber  gläubigen 
(Seele  mit  ©Ott  sorgeftellt  Jaben,  grünbet  ft'a)  auf  »tele  %w& 
fprüä)e  ber  ^eiligen  Scanner  ©otte3 ,  tx>elö;e  uns  bie  <5a)rift 
alö  33eifptel  aufbewahrt  Jat  2iW  2ibrajam  ben  35efejl  »on 
@ott  erjnelt,  feinen  einzigen  @ojm  3faaf  au  opfern,  fo  wtber* 
fprao;  er  biefer  Jarten  3umuijwng  ntc^t  im  ©eringften,  fonbern 
Wwieg,  unb  machte  fta)  aläbalb  bereit,  fte  au^ufü^ren+  @benfo 
erwteberte  @rfi,  aU  ijm  bura)  ©amuel  serfünbigt  würbe, 
welcfjeS  Unglücf  ber  geregte  ©Ott  über  ifm  unb  fein  £au$ 
»errängt  Jabe,  blo$:  „<£$  ift  ber  £err,  dx  tjue, 
ti>a$  3Jm  wojlgefällt!"  —  2)a  £iob  fein  gan^  (gt 
gentium  unb  feine  $inber  verloren  potte,  fpraef)  er:  „£)er 
£err  Jat1£  gegeben,  ber  £err  tyaf$  genommen, 
ber  5lamc  be$  £errn  fep  gelobet!"  —  2iua)  Qax>it> 
fagte,  al$  er  wegen  be3  Hufrujr^,  ben  fein  @oJn  Slbfalon 
wtber  tpn  erregt  Jatte,  fite  Jen  mußte :  „ SBerbe  i$  ©nabe 
finben  t>or  bem  £errn,  fo  wirb  (£v  mid)  wieber 
£olen;  fpriajt  <£r  aber:  3*  Jabenia)t  £uft  au£>ir! 
<SieJe,  J>ter  bin  ia;!  (£r  ma^  mit  mir,  wie  eö  3Jm 
W o Hg ef dilti"  —  (Ben  biefer  $onig  Jat  un$  in  feinen 
55falmen  triele  anbere  Slu^fprüc^e  »on  feiner  ©ottergebenjeit 
Jmterlaffen;  p  33.  „3$  Joffe  auf  2)t<$,  £err,  unb 
fpredje:  £)u  bi fi  mein  ©Ott,  meine  3^it  ftejt  in 
Seinen  £änben!  —  3$  willfa)  weigen  unbmeinen 
5jflunbnttt)t  auftjun,  §m  wir  ff  3  wojl  machen! k." 
<£ine  äjnlta)e  ©eftnnung  Jatte  aua)  ber  2tpoftel  $aulu$ :  „  3  $ 
bin  bereit,  fagte  er  fura  vor  unferen  £erte3worten,  nifyt 
allein  mta)  binben  au  laffen,  fonbern  aua)  ^u 
jterben  um  be$  9lamen$3efu  willen/'  2ln  feine  tjeure 
©emeinbe  au  ^Jilippt  fo)rieb  er:  ,,3o)  Joffe,  bag,  wie 
fonjt  allezeit,  fo  aua)j[e£t(SJriftu£  Joä)gepriefen 
werbe  an  meinem  %sibt,  e$  fep  bur$  Zzbtn  ober 
Stob.  3$  f>abe  gelernt,  bei  wela)en  iü)  bin,  mir 
genügen  au  laffen;  ta)  fann  niebrig  unb  fann 
poa;  fe^n,  ia)  bin  in  allen  Singen  unb  bei  allen 
gefa)tcft,  unbfann25eibe£,  fattfe^n  unb  Jungem, 


951 


übrig  fj ab en  unb  Mangel  leiben;  id)»ermag2llle3 
b  u  r  a)  £)  e  n ,  ber  m  i  a)  mächtig  m  a  a)  t ,  @  £  r  t  ft  u &"  — 
£)a3  [fünfte  33ei(ptel  ber  ©elajfenlpeü  aber  gab  unfer  (Erlöfer. 
211$  (£r  beim  antritt  ©etneö  i'etbenö  benSMa),  bei*  3^m  bargeboten 
warb,  fo  bitter  fanb,  t>ag  3pm  ber  5lngfrfd)weig  barüber  w& 
bvad),  »erfügte  (£r  boa)  Sltteö  mit  bem  Sötöeu  Seines  Katers 
unb  fagte:  „Soll  ia)  ben  leid;  nia)t  trinken,  ben 
mir  mein  fBatet  gegebenl?at?  9J?etn  Später!  nta)t 
mein,  fonbern  £)etn  SÖtlle  ge f et) c^> e!7/ 

Raffet  uns  nun  ber  dlüfe  naa)  zeigen,  n>a^  $u  ber  wahren 
a)rtftlta)en  ©efaffenpett  gebore*  Sie  gfeia)t  einer  Äette  mit 
Stelen  ©elenfen ,  ober  einer  $3lume  mit  fielen  blättern. 
1)  Sie  beginnt  mit  bem  jjer^lidjen,.  finblia)en  23er* 
trauen  31t  ©Ott,  welkes  ber  (££njl  aus  Seinem  J?eiftgen 
SSort  unb  aus  ber  (Erfahrung  Seiner  Ziehe  gefa)o»ft  jmt 
Sie  wetg,  an  wen  fte  glaubt  unb  ift  »erfta)ert,  (£r  fonne  e£ 
nia)t  böfe  meinen,  aua)  nia)ts  ^um  23öfen  wenbem  Sie  weiß, 
bag  ©oiteS  Söege  auf  ©üte  unb  streue  hinauslaufen,  bag 
Sein  9tat£  $war  wunberbar  ift,  bag  (£r  ipn  aber  £errfia) 
Jrinauäfü^rt.  —  SÖenn  bte  Sftetfenben  »erfta)ert  finb,  bag  fte  einen 
guten  guprmann  fiaben,  fo  ftfcett  fte  rulng  im  SBagen,  ebenfo 
»erlagt  man  fta)  sur  See  gerne  auf  einen  erfahrnen  Steuer* 
mann.  Söarum  folite  fta)  alfo  ber  ©laubige  nia)t  auf  ©ott 
»on  ganzem  ^er^en  »erlaffen,  ba  er  Seiner  unbegreiflichen 
2öete£ett,  2lllmaa)t,  Zieht  unb  greue  in  Gtyrtjlo  »erfta)ert 
ift?  5Berfud)et  e3  einmal  unb  lajfet  ein  fleineS  $tnb  bura)  einen 
gremben  auf  ein  Scfuff  ober  in  einen  Sßagen  tragen ;  e3  wirb 
fa)reien  unb  fta)  gegen  ifm  ftrembem  2Bemt  es  aber  ber  25ater 
ober  bie  Butter  auf  bte  2lrme  nehmen,  fo  lagt  es  fta)  tragen, 
wofun  (Te  wollen.  SSenn  aua)  ber  SBagen  wanft,  ober  wenn 
fie  an  einen  bunfeln  fort  fommen,  fo  legt  e3  feine  Sinne  um 
$>en  £alS  ber  Ottern  unb  Ijält  fta)  an  fte  ;benn  fein  ^er^Jmngt 
an  ijjrer  Ziehe,  unb  ei  ift  »ergnügt  in  iljrer  ©egenwart  —  SöSetl 
alfo  ber  ©laubige  weig,  was  er  an  feinem  ©Ott  unb  feinem 
@rlöfer  \)<xt,  fo  »erlägt  er  fta)  auf  3Jm,  unb  wirb  fta)  nia)t 
weigern ,  aua)  bte  feltfamften  unt>  ftnfterften  SSege  mit  3£m 
einklagen.  Unb  wenn  ber  SBagen  mnft  unb  t>a$  Sa)ifflein 
»on  23inb  unb  Stellen  fnn  unb  {»ergeworfen  wirb,  fo  ruft 
er:  3a)  hin  Sein,  fr.ijf  mir! 


952 

Darauf  folgt  2)  bie  tägliche  Huf  Opferung  feiner 
felbft* — ©obalb  nemlia)  ber  fromme  »om  ©a)laf  erwägt, 
freut  er  fta)  barüber,  baß  ü)m  abermals  eine  3?ü  gegeben  ift, 
t>te  er  im  Dienfte  @otte£  unb  be$  9ldd;ften  unb  in  allerlei 
guten  Werfen  zubringen  fann»  ©ein  erfter  23licf  ift  auf  (3ott 
gerietet,  fein  erfter  ®&ank  ift  an  £ob  @otte£,  fein  erfter 
SBunfa),  baß  er  bura)  @otte$  gnäbige  gügung  »tele  ©elegen* 
tyit  pabtn  möge  @ute$  $u  fym  unb  ben  £ag  $um  greife 
©etneg  9lamen6  in  aller  ©ottfeltgfeit  »ollenben  tonne»  Dann 
wenbet  er  fta)  gum  ®tWh  unb  »ereinigt  fta)  mit  ben  $inbew 
©otte$  in  bem  23orfa£e,  ©einen  Tillen  freubig  $u  »ollbringen» 
Senn  er  aber  5U  @ott  fommt,  fo  trägt  er  gleiä)fam  fein  £er£ 
in  £änben  unb  legt  e3  au  ben  güßen  3efu  mit  ber  bemütfugen 
53itte  fmt,  bag  (£r  e3  mit  ©einem  33lute  befprengen,  bura; 
©einen  ©eift  ^eiligen ,  bura)  ©eine  @nabe  erneuern  unb  re* 
gieren  Wolfe,  bamit  e$  ein  @efäg  ©einer  33arnu)crgigfett  unb 
ein  2Ö3err>ug  ©etne$  ^eiligen  2Billen3  feö»  dx  nimmt  fta)  feft 
»or,  mit  SBijfen  unb  2ßtT£en;nia)t3  gu  tpun,  aU  m$  bem 
peiligen  2Bi(len  ©otte£  gemäß  ift»  (£r  will  btn  gangen  £ag 
nia)t  blo$  fta)  felbft  le^en ,  fonbern  Dem ,  »on  wela)em  (£r 
ba^  £eben  fyat.  <£x  Uttt  »on  bergen:  $Jlcin  IBater!  geheiligt 
Werbe  Dein  9came  aua)  in  mir  unb  bura)  mia)!  £ag  Dein 
9?eia)  aua)  gu  mir  fommen,  lag  mta)  in  Deiner  (£rfenntniß 
warfen,  lag  mia)  Dein  $cia)  beförbern  unb  be$  ©atan^  SRtify 
Serftören  Reifen»  £ag  Deinen  ^eiligen  SSillen  aua)  an  mir, 
in  mir  unb  bura)  mia)  gefa)ej?en !  (ix  wünfa)t  unb  Htm  nia)t$ 
eifriger,  al$  bag  er  in  allen  Dingen  ba£  SBSojrtgefallen  be$ 
{nmmlifa)en  23ater£  erfennen,  unb  eine  immer  größere  greube 
baran  f>aben  möge;  dx  roünfa)t,  bag  ipm  %Ut$f  wa$  ©ottcä 
peiügem  Sßillen  guwiber  ift,  gum  Ueberbruß  werbe,  unb  ta^ 
er  entweber  bura)  eine  ^rebigt,  ober  bura)  t>a$  £efen  tineö 
erbaulia)en  $ua)3 ,  ober  bura)  einen  guten  greunb,  ober  bura) 
ba$  ©ewijfen,  bura)  $reug  unb  Reiben  :c»  ba»on  abnahm 
werbe,  wenn  er  au£  Unwifjenjjeit  ober  menfa)lia)er  <&§xoQify 
tyit  ttm$  benfen,  reben  ober  tjmn  follte,  m$  bemfelben  entge* 
gen  wäre»  ^urg,  er  wünfa)t  »on  bergen,  bag  t>a$  Sort  ©otte$ 
ben  gangen £ag  „feinet  gußeä  Ztütytz,  unb  ein  £ia)t  auf 
feinem  SGBege  fep  möge."  Darum  feufgt  er  aua):  „£err, 
iepremia)ipunnaa)  Deinem  %8optQtfalUn;  benn 


953 

g)u  btjt  mein  ©Ott,  2)etn  guter  ©eifi  füpr e  mta) 
auf  ebener  23  a  b  n !"  —  2)aran  erinnert  fia)  ber  gromme 
beftänbig  unb  fein  gan$e$  2)ta)ten  unb  grasten  gebt  babin, 
wie  er  feine  £iefce  unb  2)anfbarfeit  gegen  ©Ott  bezeugen  unb 
bie  @bre  be£  £errn  überall  erbauen  unb  befördern  möge. 
£)a3  @ewia)t,  wela)e3  baö  ganje  Ubrwerf  feinet  täglia)en 
2öanfeel3  im  ©ange  erhält,  ift  ©ottetf  &\)xe,  ber  9ht£en  beS 
9Jäa)ften  unb  bie  33efferung  beffelben.  dx  wei$,  bag  er  mit 
©Ott  in  ber  innigften  SSerbinbung  ftept  unb  3bm  bei  feinem 
(Eintritt  in  bie  28elt  bura)  ben  £aufbunb  geheiligt  würbe. 
£)arum  fua)t  er  feinen  %eib  x>or  alter  fünblta)en  ^eflecfung 
3u  bewahren,  unb  3bm  in  retner  Siebe  unb  finblic^er  gura)t 
mit  lauterem  aufria)tigem  ^er^en  ju  bienen.  @r  ift  nia)t  auf 
eigene  (££re,  Suft  unb  -ftu^en,  ober  auf  bag  SBo^IgefaKen  unb 
ben  Beifall  ber  %Qett  betagt,  fonbern  ein3ig  unb  allein  auf 
bie  (Etyxe  ©otteö.  9to  ba$  ift  t'bm  angenehm,  wa$  ber  SBtlte 
be$  £öä)jkn  »erlangt,  e3  frp  angenehm  ober  befa)werlia), 
boa)  ober  niebrtg,  ber  2Belt  gefällig  ober  nia)t.  —  Qax>ib 
fagt:  „©eine  3eugniffe,  mein  ©Ott,  finb  meine 
Sftatlj  bleute.  2tuf  gletü)e  Söeife  tfyut  ber  gromme  ma)t£, 
er  babe  fia)  benn  jusor  mit  ©otteö  Söort,  mit  feinem  @e* 
wijfen  unb  mit  3efu£  bem  ©efreu^igten  beratpem  293a£  ntä)t 
»on  ber  Ziebe  sunt  £eilanb  geugt,  gefällt  tf?m  ma)t  unb  wenn 
e$  aua)  ba$  Slngene^mfte  wäre,  bag  die  2Belt  geben  f ann ;  wa£ 
aber  bamit  gewürzt  ift,  ba$  ergoßt  ijm,  wenn  e$  aua)  ber 
ganzen  %8ett  mißfallen  würbe.  —  £>a$  £er$  eineö  9ttenfa)en, 
ber  feinen  ©Ott  liebt,  ifi  gleia)fam  mit  bem  Warnen  3efu  be* 
getdmet;  mitbin  fmb  aua)  alle  feine  ©ebanfen,  Söorte  unb 
Söerfe  auf  bie  dfyxe  (ityxifti  gerietet  unb  in  ©einer  $iebe 
getjjan.  (£in  tyxtft  fann  mana)erlei  ©efa)äfte  l?aben>  beben* 
tenbe  unb  unbebeutenfce.  3ß  e$  tfift  aber  ßrrnf*  mit  feinem 
(^briftentbum,  fo  fua)t  er  2llle$,  m$  ex  t£ut,  in  ber  Siebe  unb 
in  ber  gura)t  ©otte$  au  t^un,  unb  feine  geringften  Sßerfe  mit 
bem  Flamen  3efu  p  beytifytiert  unb  babura)  anfejmlia)  gu 
maa)en.  2)emnaa)  »erlangen  fromme  Wiener  be£  2ßort£, 
mögen  fie  »iel  ober  wenig  ©aben  jmben,  gute  Regenten,  a)rif}* 
fia)e  £au&>äter,  ma)t$  £öbere£,  aU  ba$  ©Ott  bura)  ii?r 
gan^eg  Zfyun,  bura)  i^re  ^atbfajläge  unb  tytaneic.  gepriefen 
werte.  WM  tyxeWexfe  finb  ateifyamQeftemyett  wie  bie  Winsen, 


954 

unb  tragen  bat  33tfb  3efu  @l?rifti  be$  ©efreu^igten  mit  ber 
ttmfdjrift:  3nr  (£jjre  ©otte$  unb  sunt  allgemeinen 
9cu£en!  —  (£in  frommer  9?eä;t$gele£rter,  ber©ott  fürcf)tetA 
£at  bie  Seförberung  ber  ©ered?tigfeit,  ber  Stlligfeit,  ber  brü* 
beritten  Sieie  unb  be3  griebens  im  2luge ,  bamit  ber  geregte 
unb  ^eilige  ©Ott,  ber  ©Ott  beö  grtebenä  unb  ber  >jtebe  ba= 
burä)  geehrt  werbe*  —  din  gewiffentwfter  taufmann  f?anbelt, 
Ttüt,  fül^rt  $üd?er,  »tc  ein  anberer,  ber  blo3  n>eltltc^'e  ©e* 
(Innungen  £aty  nur  mit  bem  Unterfdneb,  bag  er  barnaa)  trachtet 
mit  feinem  Vermögen,  fo  ml  möglich,  ^ur  (Erhaltung  ber  aü% 
g: meinen  2öopIfa^rt  beizutragen,  bte  ©einigen  e£rftä)  ^u  tt* 
nähren  unb  gut  $u  ersieljen,  jum  heften  ber  Atrien  unb 
Spulen  betgujxeuem  unb  fo  bk  <E£re  feinet  ®ette4  au  beförbern .— - 
<£benfo  fynt  aufy  jeber  fremme  £anbwerfer,  Sauer  unb  £ag> 
lohnet  Me$,  m$  er  ifwt,  gleicbfam  sor  ©otteg  Slugen 
(£r  bükt  3jm  um  «Segen  unb  um  ba£  tägliche  Srob  für  ftrf 
unb  bie  ©einigen,  nidjt  blo£  um  3U  leben,  fonbern  um  aucf>  ber.; 
£errn  $u  leben»   <£r  gibt  fta)  9ftül?e  bie  ©einigen  $u  serforgen 
aber  nia)t  blo£,  weil  fte  bk  ©einigen  ftnb,  fonbern  aufy,  xcti 
fte  tinber  @otte$  unb  ein  Grtgentjmm  3efu  ftnb,  dt  wünfa)* 
kinber  su  er^iepen ,  nid)t  blo£  um  greube  an  ifmen  ,$u  erleben , 
unb  fte  aU  $ftaa)folger  feinet  ©efa)tea)t3  unb  (Erben  feiner 
©üter  5U  fef>en,  fonbern  aua)  um  fte  naa)  feinem  £oce  al 
©efäge  ber  (££re  ©otteS  |u  junierlajfen ,  in  ibnen  $u  leben. 
unb  ©Ott  bttra)  fte  ju  greifen,    ©elbft  bte  geringfte  Slrber 
eine£  $nea)t$,  einer  5D?agb,  eine3  Wirten  ift  ©Ott  wohlge- 
fällig, wenn  fte  im  ©lauben,  in  ber  £iebe  unb  in  fmblia)en:- 
@eI?orfam  gefdn'eljt,  unb   wenn  ©eine  (Sfytt  unb  ber  aflge 
meine  9cu|en    baburd;  beforbert  werben  foU*  —  ©ieta)wtV 
alle  ©eftt)ö>fe  ©otte6  nia)t  fowo^l  für  fta)  felbft,  alö  für 
anbere  ©efa)öpfe  ba,  ftnb  unb  juoorberft  bem  9ftenfa)en  bienen 
fo&en,  tck  ferner  bie  ©onne  nia)t  für  fta)  felbft  fa)eint,  fon* 
bern  für  bk  2ttenfa)en,  wie  bie  Duellen,  bte  serfd;tebenen 
@ewäa)fe  ber  (£rt>e,  Säume,  Slumen,  felbfi  bk  Metalle  $um 
9tu£en  ber  3ttenfä)en  t>a  ftnb  unb  folglia)  aua)  sum  93ret$  ber 
Mmad)t  unb  ©üte  be£  ©a)ö>fer3,  fo  fua)t  ber   ©laubige, 
atä  eine  neue  Kreatur  mit  ben  ©aben,  bie  er  empfangen  fyat, 
bem  9täa)ften  $u  bienen  unb  ©otteS  @!?re  $u  kförbenu  Aura, 
alle  Segterben,  Gräfte  unb  Slbfta)ten  beö  5SJ?enfc^en,  beffen 


955 


£er$  ba$  geuer  ^er  göttlichen  ©nabe  ent^ünbet  pat,  ftnb  auf 
©Ott  unb  Seinen  peiligen  Sollten  gerichtet ,  unb  wenn  er  fo 
»tele  3ungen  j^dtte ,  aU  ber  Saum  53ldtter  f>at,  fo  mürbe  er 
fte  m'4>t  anberä  gebrauchen,  al$  feinen  (Srtöfer  bamtt  3U  greifen 
unb  ben  9Ma)ften  su  erbauen.  — £)er  ©laubige  lann  in  btefem 
gatf  mit  einer  ^orndpre  verglichen  werben,  welche  guerjt  mep* 
rere  Blätter  pat,  (biefe  bebeuten  t>k  mancherlei  $8$mf$* 
gefcpdfte  be£  2ftenfa)eiO  bann  aber  in  einen  £atm  auffliegt, 
ber  bura)  etliche  knoten  unterfcpieben  tft  (3)iefe  setgen  bie 
©tufen  be3  (Spriftentpumö  an.)  (£nblia)  seigt  fia)  bie  2lepre 
auf  bemfetbeu,  welcpe  anfangt  £um  £immel  gerichtet  tft  unb 
aufrecht  ftept,  fiep  nacpper  aber,  wenn  fia)  bie  Corner  an* 
fc£en,  aur  (£rbe  neigt.  (£)ieg  bebeutet  bk  peilige  2lbfta)t 
ber  ©laubigen,  welcpe  auf  ©oit  unb  ben  -ftdcpften  gerietet 
ift,  unb  bie  Ueberfa)rift  fönnte  peigen:  ©Ott  unb  bem 
91  ä  a)  ft  e  nO  —  ©Ott  gebe,  bag  wir  fold)e  fcpöne  Silber,  beren 
e£  viele  in  ber  -jftatur  gibt,  nicpt  blo$  anfepen,  fonbern  un£ 
aua)  ^u  9ht£en  machen  mögen! 

33  gerner  tft  mit  ber  ©ottergebenpeit  aua)  bie  ©  e  l  b  ft  v  e  r* 
laugnung  verbunben.  2>enn  gleichwie  bie  irbifa)  ©eftnnten 
fo  viel  mit  fia)  felbft  unb  ber  Sßelt  3U  tpun  paben,  bag  fte 
©Ott  barüber  vergeffeu,  fo  pat  im  ©egenfpeil  eine  fromme 
(Seele  fo  viel  mit  ©Ott  $u  tpun ,  bag  fte  fia)  felbft  unb  bie 
28elt  willig  vergtgt.  ©leid?  wie  eine  23raut,  bie  dm  frieblia)e 
(£pe  verlangt,  fia)  früpseitig  in  ben  Sßitlen  ipre$  SrdutigamS 
fcpicten  lernt,  fo  ift  e3  eine  ber  vornepmften  unb  täglichen  He- 
bungen ber  glaubigen  @eele,  bag  fte  ipren  eigenen  Söitlen  bria)t 
unb  ben  Sitten  ipreS  £eilanbe3  £u  vollbringen  fua)t.  ©erne 
versiegtet  fte  auf  alle  tpre  greuben  unb  Sequemlia) feiten,  auf 
tpre  ©efellfa)aften,  auftpre(£preunbtpr2lnfepen,  nur  um  ©ott 
3u  greifen  unb  bem  9lda)ften  in  Ziehten  bienen.  ©erne  ent* 
fepliegt  fte  fta)  $u  waa)en ,  wenn  fte  einen  ^ranfen  eroutefen 
unb  ipm  bienen  fann*  ©erne  frieept  fte  in  eine  niebrige  @trop* 
^ixttc  ober  in  einen  bumvfen  JMer,  wenn  fte  weig,  bag  an 
bürftigeS  TOglieb  3efu  fia)  bort  befmbet ,  bem  fte  £roft  unb 
Erbauung  bringen  fanm  ©erne  lagt  fte  fta)  $?üpe,  junger, 
2)urft,  ©cpweig  unb  SWübigfeit  gefallen,  wenn  fte  nur  einiges 
&nk  aur  33erperrlio)ung  ©otteS  fepaffen  fann.  ©erne  gibt 
fte  naa),  fo  viel  fte  mit  gutem  ©ewiffen  tpun  fann,  verpdlt 


956 

fta)  fo)weigenb,  unb  lägt  tyxe  Meinung,  ja  tyx  0?ea)t  fahren, 
nur  bamit  griebe  unb  Eintracht  erhalten,  unb  ber  ©Ott  be$ 
grieben^  einmütig  geehrt  werbe»  —  ©ie  benft  nia)t:  SBtc? 
ta)  follte  ba3  »ort  btefem  leiben?  3$  &tn  ber  unb  berr  unb 
fottte  biefem  weia)en?  3a)  follte  mia)  ju  fo  geringen  beuten 
Jerablajfen  ?  £)a3  tt)äre  unter  meiner  28ürbe  k.  —  9letn, 
fte  fennt  ba$  3a)  nia)t  me|>r;  jte  weig,  bag  fte  auger  ©otte$ 
©nabe  etn  ©a)atten,  ja  -ftia)t$  ift,  unb  bag  jte  lerne  grögere 
<£l?re  J>aben  famt,  al$  wenn  fte  au$  £tebe  gu  ©Ott  leibet, 
nachgibt,  fa)weigt  unb  einem  Firmen  bient.  3etgt  fta)  aber 
eine  ©elegenfjeit,  bte  (£l)re  @otte£  gu  beförbern,  iyren  ©lauben 
gu  üben  unb  tf>r  £ia)t  leua)ten  gu  lajfen  oor  bm  beuten,  fo 
wetg  jte  nia)t,  ob  fte  eine  Königin  ober  35äurin,  eine  reia)e 
ober  arme  grau  ijt,  fonbern  jte  benft  nur  baran,  bag  jte  eine 
Ejjriftin,  unb  bag  gwifa)en  i£r  unb  ber  armen  $5erfon  fein  an* 
berer  Unterfa)ieb  fep,  al$  berjienige,  wela)en  ber  weife  ©Ott 
felbft  gemaa)t  J>at,  wä^renb  Mu  Einen  ©Ott  unb  SSater, 
Einen  Erlofer  unb  £röfter,  (Einerlei  Hoffnung  unb  Skrpetgung 
pabm.  —  £)er  SBerfajfer  ber  beutfa)en  £j>eologte  fpria)t 
barüber  fel?r  fa)ön:  „2)er  Stfenfa)  foll  olme  ade  ©elbftj?eit 
unb  3#ett  (oI?ne  Eigenwillen  unb  Eigenliebe)  fetm,  er  foll 
fta)  unb  ba$  ©einige  fo  wenig  fua)en,  bag  er  in  allen  fingen 
meint,  al$  ob  er  nia)t  wäre,  aua)  foll  er  fta)  felbft  fo  wenig 
empjtnben  unb  son  fta)  felbft  unb  bem  ©einigen  fo  wenig  galten 
unb  alte  Kreaturen  jta)  felbft  gu  gut,  fo  wenig  lieben,  al3  ob 
er  nia)t  wäre,  ©o  foll  man  alle  £)tnge  für  9fta)t$  galten, 
unb  ©Ott  allein  in  allen  fingen  fe^en,  ergreifen,  lieben, 
fua)en ,  aU  wenn  fonjt  9fäa)tg  wäre."  —  £)ieg  lägt  fta)  bura) 
ein  23eifpiel  beutlia)er  maa)en.  SSenn  nemlia)  ein  dprift  etwas 
©ute$  get^an  fyat,  wenn  er  Hm  eine  nü$lia)e  ©a)rift  »er* 
fagt,  eine  gute  Drbnung  $um  allgemeinen  heften  geftiftet  ober 
ein  reia)e$  2lllmofen  gegeben  I?at,  fo  foll  er  nia)t  benfen :  ba$ 
fyabz  ia)  get^an,  fonbern  e$  mug  tjmt  babei  fepn,  als 
lättt  e£  ein  Slnberer  getrau,  Er  foll  blo£  barauf  fe£en,  bag 
©ott  babura)  geehrt  unb  bem  -iftäa)fien  ein  2)ienjt  geleijtet 
werbe.  2)ieg  foll  feine  greube  fepn,  unb  weiter  barf  er  fta) 
ma)t3  batton  anmagen.  £)a£er  fagt  aua)  ber  £eilanb  au&* 
brücflia):  „wenn  bu  5lllmofen  gtbft,  fo  lag  betne 
Unfe  £anb  nta)t  wiffen,  xoa$  bte  rea)te  tput."  — 


957 

©leic^wie  eüt  23aum  nt$t$  bavon  wetg,  wenn  man  tm  SSinter 
feine  grüßte  geniegt;  wie  er  braugen  ftebt,  aller  3terbe  be* 
raubt,  als  £ätte  er  nie  grüßte  getragen,  bo$  aber  $ur  ge* 
porigen  3«*  mejjr  tragen  will,  fo  mug  au$  ber  @Drift  fepn, 
wenn  er  nod;  fo  t>tel  getrau  ober  gelitten  j?ah  (£r  will  nichts 
bavon  wtffen,  fonbern  ipiityt  mit  bem  ^l^ofieX :  „3$  »er* 
geffe,  wa$  bahnten  ift,  unb  ftrecf e  midj  nad)  bem, 
wa$  dornen  ift"  —  (£$  ner^ätt  ft$  mit  ben  grommen 
wie  mit  ben  33etrunfenen,  welche  oft  ztm$  verfcfyenfen ,  olme 
bag  fte  am  nctcbften  £age  ütoaß  bavon  wiffen*  Sie  ftnb  trunfen 
in  ber  ZkU  au  ©ott,  ftnb  voll  beS  Zeitigen  ©eijkS,  be$  griebeng 
unb  ber  greube,  bie  (£r  fdOaff^  Sarum  vergeffen  fte,  wa£ 
fte  ©ute$  getj?an  fjaben  unb  wijfen  ftct>  einzig  ber  ©nabe  be$ 
£errn  3efu  @£rifti,  ber  Ziehe  ©otteä  unb  ber  ©emeinföaft 
be$  Ijeiltgen  ©eifte£  fix  rühmen  unb  ^u  erinnern* 

4)  Spat  aber  ber  ©laubige  ft$  feinem  ©Ott  aufgeopfert, 
fo  wirb  er  3j?m  auü)  feine  seitlichen  ©üter  unb  Witt,  m$  er 
fyat,  in  Semutij  unb  Ergebung  $u  gügen  legen*  SDBaö  bie  erften 
(griffen  $u  3srufalem  traten ,  bie  ben  (£rlö$  au$  ifjren  ver* 
fauften  ©ütern  $u  ben  gügen  ber  Slpoftel  legten,  ba$  tjmn 
alle  fromme  ©eelen  no$  täglich  $at  ©ott  fte  mit  seitlichen 
©ütern  gefegnet,  fo  erfennen  fte  ftcf)  berfelben  unwürbig  unb 
fagen  von  fersen  mit  3afob:  ,,3$  bin  $u  gering  aller 
IBarmDer^igfeit  unb  Streue,  bie  Su,  o  ©Ott,  an 
Seinem  ^nedjte  (Seiner  $?agbj  getfjan  j>afi!"  6ie 
wunbern  ftd?  aufy  oft  barüber,  bag  ©ott  fte  in  bt'efem  gaff 
vor  vielen  Slnbern  au3gesei$net  £at  ©ie  vergleichen  i£r  ir* 
bifd^eö  ©lücf  öftere  mit  bem  (£lenb  t^rer  armen  9ftit$riften 
unb  fagen:  „Wlän  ©ott!  m$  paV  ity  Sir  meljr  gegeben,  äi# 
biefe,  unb  warum  empfing  ity  au$  Seiner  milben  £anb  fo 
mancherlei  ©aben,  ©üter  unb  ^Bequemlichkeiten,  wäfjrenb  ftcf> 
ein  Stnberer,  ber  vielleicht  bejfer  iß  vor  Seinen  klugen,  fo  füm* 
merli$  bereifen  mug  ?  Sodj  Su  £aft  meine  ©c$wacb(?eit  an? 
gefe^en,  unb  weil  Su  wugtefi,  bag  idt)  burdt)  2lrmutl?  unb  (£lenb 
gur  Ungebulb  unb  anbern  ©ünben  midt)  fyätte  verleiten  lajfen, 
fo  £ajt  Su  mir  me^r  von  ben  vergänglichen  ©ütern  3uget£eilt 

Jperr!  Sein  ©efdjenf  unb  Seine  ©ab' 
3ji  Seib'  unb  <5eei',  unb  waö  ity  tyaö* 
3n  tiefem  armen  ßeben, 


958 

jDajj  U^8  ^u  ©einem  Sobe  fott 
©ebraucfyen,  fcu  beS  ^acfyffcen  gßoftf. 
©tb  ©nabe  $u  bem  (Streben! 

5}  Darauf  folgt,  bag  feiere  ©eelen  t^re  ©üter  tn  ber 
gura)t  <15otte^  unb  in  ber  £)emut£  gebraueben.  6ie  ergeben 
fta)  nic^t  wegen  ij>rea  grögeren  ®ut$ ,  weil  fte  wifjen,  bag  fte 
aua)  eine  grögere  Verantwortung  auf  fta)  J>aben.  ©tc  wtffen 
wojrt,  bag  fte  nur  £au$!?alter  be$  £öa;ften  ftnb ;  barum  warten 
fte  immer  auf  ©einen  2Binf,  tok  dv  ©eine  ©üter  angewenbet 
£aben  Witt.  3jmen  ift  nicbtS  lieber,  atä  wenn  fte  einen  £ung* 
rigen  fpeifen,  einen  £>urfttgen  tremfen,  einen  9tadten  Reiben, 
einen  Äranfen  erqutefen  unb  einen  Slrmen  mit  einer  ©abe 
erfreuen  mögen.  QaUi  aber  feiert  fte  nia)t  fowolrt  auf  Un 
©nabenlojjn,  welchen  ber  £err  ben  2öerfen  ber  ^arm^er^ig^ 
feit  *>erfproa)en  fyat,  aU  auf  hk  Cü:f>re  Deffelben,  weit  fte  wojrt 
Wtffen,  bag  bie  Sptxftn  ber  Grlenben,  wenn  fte  auf  irgenb  eine 
Slrt  exquidt  unb  erfreut  werben,  mit  ©eufeen  unb  greuben* 
ifjränen  ©ort  greifen.  —  SSon  SIbraJjam  wirb  er£ä*)lt,  er  Ijabe 
25äume  gepflanzt  au  25erfaba,  b.  i.  er  pabe  einen  £)bftgarten 
angelegt,  ber  ii?m  £errtia;e  grüßte  trug.  2)ie  jubifa)en  2lu3* 
leger  fe#en  Inn^u:  er  $abe  in  bt'efem  ©arten  gewö^nria;  bie 
Sfeifenben  aufgenommen,  fte  im  ©a)atten  ber  53äume  Imixfytt 
unb  augleia;  von  bem  einigen,  wahren  ©ott,  bem  Schöpfer 
unb  (£rj?al~ter  aller  £>inge,  unterrichtet,  ber  fo  ttiele  eble  grütt)te 
ben  Siflenfcben  ^um  53eften  warfen  laffe,  unb  i£nen  fonft  fo 
x>kl  ©uteS  erzeige,  'oamit  fte  bie  ftummen  ©ö£en  ber  Reiben 
tterlaffen  unb  ben  wahren,  lebenbigen  ©ott  erfennen  unb  ejjren 
möchten.  -—  2)ieg  ifr  ein  trefflichem  SBetfpiel"  basen,  xok  bie 
ßinber  ©otteö  geftnnt  ftnb.  —  Sitten,  m$  fte  f>aben,  mug 
gur  (£l?re  ©ottetf  bienen.  Sßenn  fte  a\x$  jebem  23aum  eine 
lebenbige  (Säule  unb  au$  jeber  grua)t  einen  3*Wn  ober  eine 
3unge  machen  fönnten,  unt  ben  9?äa;ften  *>on  ber  ©üte,  2111* 
maa)t  unb  SSets^eit  ©otteS  au  überzeugen ,  fo  würben  fte  e$ 
mit  greuben  t£un.  2öenn  fte  einen  ©arten  ober  fonft  ein  ©ut 
fyabzn,  fo  fua)en  fte  ntcf)t  blo$  tl?r  Vergnügen  barm,  fonbern 
e$  ift  ilmen  bauptfäa)lia)  barum  au  tyun,  bag  fte  fta)  unb  2ln* 
bere  auf  allerlei  2Beife  babura)  $um  £obe  ©otteS  ermuntern 
mögen.  —  23on  ben  ^inbern  3frael3  wirb  er$äj>It,  bag  fte, 
als  ber  £err  befohlen  patte,  bie  (BtifttyiitU  $i  verfertigen, 


959 

©olb,  ©ilber,  GEr$,  ©eibejc*  unb  anbere  (Erforbermffe  £um 
23au  in  folget  Stenge  bargebraa)t  Ijaben,  bag  man  im  £ager 
aufrufen  laffen  mugte,  fte  fottten  ni$t£  mel)r  bringen,  (Ebenfo 
fammelte  ber  $önig  2)a*rib  einen  grogen  @a)a£,  in  ber  2lbft$t, 
um  feinem  ©Ott  einen  Tempel  bason  ^u  bauen,  2luf  gleite 
Söeife  paben  fromme  ©eelen  Wt$,  wa$  fte  £aben,  *>on  ijjrem 
©Ott  unb  für  tf>ren©ott,  unb  fte  glauben,  fein  ©elb  fep  beffer 
angelegt,  alä  wenn  fte  e3  sunt  3)ienfte  ©otteS  unb  beS  9ccta)ften 
oerwenben,  —  ©egen  fta)  felbft  ftnb  fte  aufteilen  farg,  unb 
machen  *>on  il?ren  ©ütern  nur  mit  2lengfHta)feit  ©ebraua), 
ba  fte  wiffen,  bag  fte  i£rem  £etbe  ^war  ben  notpbürftigften 
Unterhalt,  aber  feinen  tteberflug  fa)ulbig  ftnb*  ©ollen  fte  aber 
auf  bie  Unterftügung  eine$  taten,  ober  auf  bie  (£rqutcfung 
etneö  Traufen  ettr-aö  serwenben,  fo  tfyun  fte  naa)  ber  28eife 
©otteö  t£re  £anb  auf  mit  2öof?lgefallen.  ©ie  £aben  grögere 
ftreube  baran,  wenn  anbere,  äl$  wenn  fte  felbft  $>oni£rem©ut 
geniegem  ©ie  effen  manchmal  einen  guten  SHffen  mit  ©eufoen; 
aber  bem  Slrmen  fa)icfen  fte  feinen  Zptit  mit  willigem  ^er^em 
©ie  »erlangen  aua)  feine  foftbare  Aufwartung  unb  ftnbnia)t, 
wie  bie  SQSeltfinber,  bie  mit  fielen  ©erta)ten  fta)  bebienen  laffen, 
worunter  ijmen  boa)  oft  feinet  rea)t  ift  ©ie  erfennen  in  Allem 
Uc  ©üte  ©otte$,  unb  laffen  fta)  mit  Wenigem  unb  ©eringem 
genügen,  wenn  fte  nur  fo  »ietfjaben,  bag  ber  %eib  ^um  £)ienße 
©otte$  unb  be$  9cäa)j*en  tauglia)  bleibt 

6)  2lua)  fangen  fte  if?r  £er$  nia)t  an  bie  seitlichen  ©üter, 
fonbern  wie  fte  bereit  jtnb  iljr  £eben  %xt  (£f?re  ©otteS  %in%u* 
geben,  fo  geben  fte  noa)  williger  i£re  ©üter  {»in.  SSie  bie 
©ema^lin  beä  $erferfönig3  Gtyruö  t£m  bie  3uwelen,  bie  er 
ijjr  sum  ©efa)enf  gemacht  fyattt ,  mit  ben  ^Sorten  jurücfgab : 
er  Ijabe  nia)t  nötjng,  fte  mit  ©efa)enfen  $ur  ^iebe^u  t>erpflia)tett, 
fte  fe#e  oljmefun  bereit  unb  fa)ulbig  ifm  $u  efjren  unb  px  lieben, 
fo  §aben  hk  Seelen,  wela)e  ©Ott  lieben,  um  fo  mejjr  Urfaa;e 
a«  fagen: 

©ut  unb  SStut,  ßeft,  ©eer  unb  fceben 

Sjt  nicfyt  mein, 

©ott  allein 

Sffc  c§/  ber'ö  gegeben.  / 

SM  er'S  »tebec  §u  ftcfy  festen, 

Üftefym'  ec'ö  l)in, 

3cfy  will  tf>n 

£)ennoäj  fc6^>ttd>  efyren. 


960 

Sie  ftnb  mo)t  nur  im  Ueberflug,  fonbern  aua)  im  fanget 
ssergnügt;  fte  fonnen  niebrig  unb  £oa)  fep,  arm  unb  reia); 
jte  fyaten  /eber^ett  genug  an  bem  Betitgen  Tillen  unb  ber  fügen 
©nabe  t'ljreö  ©otte$,  fte  fonnen  aua)  tn  einem  trocfenen  53tffen 
33rob,  son  mitleibiger  £anb  gereicht,  unb  in  einem  geringen 
5£ranf  ©otteS  ©üte  fa)mecfen,  unb  babei  ©einen  Warnen  loben. 
2Benn  ijjnen  ©Ott  bie  seitlichen  ©üter  ent^t,  fo  befa)wercn 
fte  jta)  fo  wenig  barüber,  aU  wären  fte  an  einem  £>rte  ^u 
©afte  gelaben,  unb  ber  2ßirt£  liege  t>k  Xafel  aufgeben.  2Siel* 
meljr  banfen  fte  ^erglid)  unb  freuen  ftd),  bag  fte  jnnfort  ein 
grögere$  unb  lauteres  Vergnügen  in  ben  geijtfia)en  ©ütern 
ftnben,  unb  ben  jummlifa)en  2öein  o{me  3ufa§  ber  SSeltfreube 
trinfen  Werben.  —  SSotf  son  biefer  ©efümung  antwortete  etnß 
tin  frommer  armer  9ftann  auf  bie  grage :  wie  e$  tfmt  gej)e  — 
rea)t  woltf;-— benn  wir  jjaben  ba£  &ben  unb  solle  ©enüge.  — 
X>a £eigt  e&im  eigentlichen  @inne  be$  SOBortö :  „  £  e  r  r ,  wenn 
ta)  nur  2)ia)  fyabe,  fo  frage  ia)  nta)ts  naa)  £tm* 
m  e  1  u  n  b  (£  r  b  e."  — 

7)  2öie  aber  bk  ©laubigen  bei  aller  2lrmut£  unb  2)ürf* 
itgfett  vergnügt  ftnb,  fo  treffen  wir  fte  in  jebem  anbern  S^ 
jknbe,  in  wela)en  fte  naa)  ©otteö  Söillen  fommen.  £aben  jte 
aotel  £roft  tton  ©Ott,  unb  empftnben  fte  bie  £raft  be$  ©lau- 
benS  an  3efum  in  ijjrem  ^er^en  —  fo  banfen  fte  bem  £erw. 
leitet  aber  iljre  ©eele  an  geiftlia)er  2)ürre,  wie  bag  naa) 
Pflegen  fa)maä)tenbe  ßrrbreia),  ftnb  fte  soll  von  £raurtgfett, 
fo  ftnb  fte  bennoa)  vergnügt  unb  banfen  ©Ott  aua)  mit  ©eufeen.  — 
können  fte  fyexßa)  nnb  mit  2lnbaa)t  beten  —  fo  serbanfen  fte 
baö  bem  £öa)ften  unb  ergeben  fta)  beffen  ma)t.  Spat  aber  ijjr 
©ebet  feinen  rechten  gortgang,  unb  vertiert  fta)  t>k  füge  Sin* 
baa)t,  bag  fte  faum  noa)  feufeen  fonnen,  fo  ftnb  fte  aua)  ^u* 
frieben,  ba  fte  wtffen,  bag  ber  Qexx  aua)  fo!a)e  £)pfer  be* 
trübter  ^er^en  nia)t  $eraa)tet.  —  £aben  fte  irgenb  eine  gute 
§lbfta)t,  wobura)  fte  bie  (£j>re  ©otteS  unb  baS  allgemeine  SBefie 
beförbern  au  fonnen  glauben,  unb  ber  $exx  fegnet  iljr  $or* 
Ijaben,  bag  e£  gelingt,  fo  banfen  fte  3{mt  mit  greuben.  2ägt 
<£r  e$  aber  $u,  bag  eö  »om  Teufel  unb  ber  $8ett  »erfjinbert 
unb  rücf gängig  gemaa)t  wirb,  fo  ftnb  fte  aua)  aufrieben  unb  galten 
bafür,  bie  ^eit,  baö  ©ute  $u  ftiften,  fyabe  bem  £errn  nia)t 
gefallen,  ober  (£r  fyabe  e$  nta)t  bura)  $re  ^erfon  $u  ©tanbe  bringen 


961 

raffen  wollen,  Content  pabe  e$  einem  Slnbew  ttorbejmlten, 
ober  $aU  (£r  befonbere  2lbfta)ten  babeu  —  Sarum  £eigt 
e$:  £e$  £errn  %8iin  gefc^e^e!  —  60  entfa)Iog  fta; 
&aoib,  bem  £errn  ein  $au«  a«  tauen,  unb  gab  fta)  alle 
9ttü£e,  ba$  ftöt^ige  anaufa)affen*  Slt^er  aber  33efe£r  erhielt, 
bamtt  inne  p  galten,  weil  ber  £err  nia)t  wotte,  bag  er, 
fonbern  fem  ©o£n  ©alomo  ein  fo(a)eS  £au$  bauen  fofle,  fo 
überlteg  er  biefem  bat  SBerf  mit  greuben.  —  2Rtt$fo  tft  ben 
(griffen,  bie  fta)  i£rem  ©Ott  ergeben,  atteS  t>a$,  m$  bie 
2öelt  eine  Siberwärttgfeit ,  einen  £>rang  ber  Roth  tin  Un* 
gtütf,  eine  £rübfal  unb  bergt*  nennt,  m$tö  anbertf,  aU  eine 
@a)icfung  ober  ein  $atj>fa)lug  ©otte*.  —  ©n(i  befahl  ber 
£err  bem  $ropfceten  3eretma3,  er  fette  in  ba$  £au$  eines 
Stfpfer*  gepen,  um  feine  Arbeit  au  betrauten.  3U*  berfelbe 
nun  auf  ber  ©a)etbe  arbeitete,  unb  einen  £opf  au$  £pon 
maa)en  wolfte,  migrtetp  $m  bie  Arbeit  Steg  gefa)ap  aber,  wte 
bte  Umftänbe  aeigten,  nao)  ©otte$  6a)icfung.— -  S3on  $etru$ 
lefen  wir,  er  fyabc  mit  feinen  beuten  bie  ganae  fftaa)t  umfonß 
gearbeitet  unb  nia)t$  gefangen»  £er  Slu^gang  lehrte,  bag 
bieg  ebenfalls  nao;  ©otteö  $8iUm  gefa)eljen  fep,  bamtt  ba£ 
barauf  folgenbe  SSunber  Sefu  um  fo  £errlia)er  erfa)einen  unb 
um  fo  meljr  son  innert  bejeraigt  werben  möo)te*  2Benn  nun 
ben  gottergebenen  ©eelen  etwa£  2Ie£nlia)e£  begegnet,  wenn  t£nen 
etwaö  mtglingt,  fo  benfen  fte,  fo  fe^e  e$  be$  £errn  3ßttfe,. 
©ie  flagen  alfo  nia)t  su'el  barüber,  fonbern  ftnb  jtftt  in  i£rem 
©ott,  unb  erwarten  mit  ©ebulb,  wela)en  2lusfa)Iag  (Ex  ber 
©aa)e  geben ,  unb  xt>k  <£v  biefeibe  au  ©einer  (££re  gebrauten 
wofte.  Unb  wenn  fte  aua)  t>tn  alten  5Wenfa)en  ma)t  immer 
*>M(tg  beawingen  lonnen,  bag  er  fta)  nia)t  barüber  betrübt 
ober  beflagt,  fo  ftnb  fte  boa)  in  i^rem  ©etft  vergnügt.  ©ie 
ijjaben  zttoa$,  totö  alle  wibrigen  ©reigniffe  »erfügen  famt,  — 
näml'ia)  ben  2Men  if>re£  @otte&  —  £rttt  tjmen  ein  ©ottlofer 
$u  nafje,  wela)er  fte  läfiert  unb  oerläumbet,  fo  fagen  fte  mit 
Qvoibx  „£affet  tfjn  flua)en  unb  Uftern;  benn  ber 
£err  $<xV$  ifyn  gepeigen.  SSer  fann  nun  fagen; 
Söarum  tpufk  bu  alfo?"  trifft  fte  eine  ^ranfpeit,  fo 
wiffen.  fte ,  bag  e$  nia)t  oon  ungefähr  gefa)ie^t ,  unb  futben 
2öo|>IgefaUen  an  ber  $eimfutt)ung  tpreS  ©otte^;  ja  fte  freuen 
fia>  unb  ^ffen,  bag,  wenn  ber  äugerlia)e  SD?enfa)  »erwe^t,  ber 

®  c  v  i  0  e  u'$  ©ectenfd^a^.  6  j[ 


962 

innerliche  fta)  t>on  £ag  au  £ag  erneuert  —  Püffen  fte  fepen, 
tag  ipre  liefen  greunbe,  bte  irrten,  unb  auweilen  aua)  ber 
$tra)e  ©otte^  unb  bem  allgemeinen  $efien  fo  nü^ltc^  unb 
nötlng  ftnb,  tt)te  bag  2luge  unb  bte  £anb  bem  £etöe,  franf 
werben,  fo  galten  fte  eifrig  bei  ®ott  um  Verlängerung  tpre$ 
?eben$  an,  SM  aber  ba$  ©ebet  ntc^t  wtrfen,  unb  merfen 
fte,  bag  e$  anberö  befdjloffen  ifi,  fo  fprea)en  fte  son  £eraen: 
2>e$  £errn  SBtlle  gefa)ej>e!  3a  wenn  ber  £err  aua) 
alle  Slnbern  in  ber  2Belt  fcor  bem  Unglücf  wegraffte,  unb  fte 
mitten  unter  £ött>en  unb  £)raa>n  ft§en  liege,  fo  werben  fte 
gwar  i£r  Jer^ttc^eö  Vertagen,  bei  Ö^rifto  au  fep,  $or  ©ott 
beaeugen,  unb,  wie  fauler  fagt,  wenn  fte  gleta;  bte  £tmmel^ 
t£üre  offen  fänben  unb  t>k  Wlatyt  ijätten,  |uneinauge£en, 
würben  fte  e$  boa;  nidjt  tjmn  o|>ne  ©otteS  SStnf  unb  Tillen.  — 
Motten  fte  aber  enblia)  felbji  fterben,  fo  fmb  fte  *>on  £eraen 
vergnügt  mit  ber  ,3eit,  mit  ber  2lrt,  mit  bem  Ort,  wela)e 
©Ott  btftimmtfyaU  ©ie  fterben  ntdjt  unwillig,  fonbern  frttylia), 
unb  l?aben  jum  ^u^efiffen  ben  fügen  2Men  ©otte£,  aum23et* 
ftanb  im  £obe$fampfe  3efum,  ben  ©efreuaigten,  zum  Sabfal 
ben  £rofi  unb  ba$  SBort  be$  ^eiligen  ©elftem   2)a  peigt  e$ : 

SDtft  grteb'  unb  ^teub'  tdj  fa$re  $m 
*Kad)  ©otteö  SßWen. 
©etrojt  tft  mir  mein  S$ix%  unb  @tnn, 
©anft  unb  fülle  *c. 

2111er  gläubigen  ©eelen  Verlangen,  SBunfa;,  gleig,  QEifer, 
©eufaen  unb  ®tbtt  tft  alfo  in  ben  SSorten  enthalten :  £>  e  $ 
£errn  28Ulegefa;epe!  2Ba$©ottwtll!  2ßte©oti 
Will!  3öann  ©Ott  will!  — 

2öir  fonnten  nun  aur  Slnwenbung  biefer  £e£re  übergeben ; 
weil  wir  aber  wiffen,  m$  Ut  S3eifptele  in  frommen  ©eelen 
wirfen,  fo  wollen  wir  noa)  einige  anführen*  2)er  fromme 
fauler  fagt:  3a;  serlaffe  meinen  SBillen,  unb  falle  in  ben 
ÜBillen  ©otteS,  vok  unb  woau  (£r  mictj  fyabm  will,  unb  barin 
ift  mir  2llle$  gleia),  ^opeö  unb  fiebriges,  SkV  unb  Szib, 
Gr£re  unb  @a)maä)*  (£benbtefer  *>on  £utper  fo  poa)gefa)ägte 
£e£rer  eraäplt  ein  fa)öne$  ^öeifpiel  $on  einem  Spanne,  ber  lange 
3tit  ®ott  gebeten  fyaüz,  er  moa)te  t£m  ben  SBeg  ber  2Bapr* 
jjeit  seigen.  darauf  würbe  #m  bebeutet,  er  folle  *>or  bte 
$ira)e  hinausgehen,  fca  werbe  er  einen  Sttenf a)en  fwben,  ber 


963 

tl)m  ben  2Beg  weifen  würbe*  <£r  fanb  einen  armfeligen,  eleu* 
ben  9}?enfa)en,  unb  wünfa)te  if)m  einen  guten  Borgern  tiefer 
antwortete:  3$  fate  tue  einen  böfen  borgen  gehabt*  %mv 
fagte  barauf:  ©Ott  gebe  btr  ©lud:;  warum  antwortet  bu  mir 
fo  ?  —  £>er  9ttann  erwieberte :  3$  f>aoe  nie  Ungtüif  gehabt 
Sftun  »erfefcte  ber  ^rftc:  fo  maa)e  btä)  ber  £err  fettg ;  -V-  wie 
fommft  bu  mir  »orV  ©er  2lrme  entgegnete:  3$  war  nie 
unfeltg-  (£nblia)  fagte  ber  Slnbere:  fo  gebe  bir  ©Ott  $tiL— 
<5age  mir  boa),  tva$  t>u  meinft,  ia)  mfityt  bia)  nia)t.  —  <5e£r 
gern,  erwieberte  ber  Sittenfa)*  3$  patte  nie  einen  böfen  9ttor* 
gen;  benn  wenn  mia)  Jmngert,  fo  lobe  ia)  ©Ott;  friert  mia), 
fo  tobe  ia)  ©Ott;  bin  ta)  etenb  unb  seraa)tet,  fo  lobe  t4>  ©olt*. 
3a)  £abe  nie  Ungtütf  gehabt ;  benn  xvaö  mir  ©Ott  gab  ober  über 
mia)  »erhängte,  war  e$  %W  ober  £eib,  angenehm  ober  unan> 
genehm,  ba$  na£m  ia)  froljtia)  $>on  ©Ott  aU  ba$  löefie  am 
3a)  war  nie  unfetig;  benn  ia)  wollte  allezeit  nur  in  ®otte$ 
SSillen  fte£en,  unb  päbt  meinen  Söitten  fo  gan$  in  ©otteö  %8iUtn 
gegeben,  bag  ia)  Mt$  ba$  aua)  will,  was  ©ott  will.  —  @benfo 
fagte  ein(t  ein  frommer  3ttona) :  Sttir  ift  ma)t$  lieber,  beffer  unb 
jjeilfamer,  unb  ia)  wünfa)e  unb  begehre  aua)  nia)t$  anberä,  afö 
bag  mia)  ber  liebe  ©Ott  allezeit  $u  feinem  fettige«  SBitten  bereit  fm* 
ben  möge»  —  ^in  anberer  TOna)  er^ci^lt  *>on  fta)  fetbfi,  bag  er 
etneS  £age$  wegen  einiger  <5a)mä£reben  Utxixbt  in  feiner  3elte 
gefeffen  fcp  unb  einen  £unb  bemerft  £abe,  ber  einen  gugtap* 
pen  im  ^reu^gang  fmt  unb  Ijer  warf*  darüber  £abe  er  mit 
©euften  gefagt:  Sajirtta),  mein  £err,  wie  biefer  gugtappen, 
fo  bin  ia)  in  bem  3tfunbe  meiner  trüber;  wie  aber  biefer  mit  jta) 
maa)en  lägt,  wag  bag  ££ter  "will,  fo  will  ia)  e$  aua)maa)en; 
man  palte  mia)  für  £oa)  ober  niebrig,  man  Jjo{ine  ober 
»erfa)mä£e  mia),  ta)  will  e$  mir  gebulbig  gefallen  lajfen* 
darauf  pabt  er  ben  Wappen  aufgehoben  unb  aum  Slnbenfen 
in  feiner  3elle  verwahrt,  t£n  na#er  aua)  oft  wieber  mit 
3iufmerffamfeit  betrachtet*  —  SSon  ber  frommen  £anbgräftn 
<£ttfäbet£  wn  Springen  wirb  er^tt,  bag  fte,  aU  man  i£ren 
®ema£t  entfeelt  naa)  £aufe  braa)te,  gefagt  pah:  „£err,  2)u 
wetgt,  wie  fel)r  ia)  meinen  üttann  liebte !  ©ern  wollte  ta)  noa) 
jefct  mein  gan^eö  übriges  £eben  in  5frmutJ>  unb  <£tenb  jnn* 
bringen,  wenn  e$  £)ir  gefiele,  bag  ia)  ifm  wieber  ^atte !  9ton 
aber,  ^a  ia)  ©einen  ^eiligen  Tillen  erfannt  pabt,  moa)te  ta) 

61* 


964 

tyn  nia)t  mejjr  lebenbig  maa)en,  unb  wenn  ia)  t>a$  aua)  mit 
einem  emsigen  £aar  meinet  £aupte$  tfmn  fönnte ;  beim  Sem 
^eiliger  SBttte  gejt  mir  über  2ltte$."  —  Sie  fromme  ©räfm 
SBarbp,  bie  an  ber  ©a)winbfua)t  Iran!  lag,  Jörte  man  fagen: 
fte  wünfa)e  nia;t  $on  t  Jrer  $ranf  Jett  befreit  gu  fe^n ,  weil  fte 
fonft  ein  Söeltfinb  derben  unb  tjjren  ©Ott  sergejfen  möa)te. 
—  <£in  Ruberer  führte  fteiS  bie  SBorte  im  Sftunbe :  tt)ie  ©Ott 
Witt,  wann  ©Ott  Witt,  waö  ©Ott  Witt!  —  2£ie  betriebe  ©ott 
will,  fo  ifi  meitt3ieU  —  ©o  fragte  einft  ein  23eia)tt>ater  fein 
23eia)tfinb :  äöie  gejt  e$  ?  <£$  antwortete :  e$  gejt ,  wie  ta) 
Witt.  —  gr.t  3a,  toit  wtttft  bu  benn?  2lntw.:  2Bie  ©Ott 
Witt.  Ser  liebe  ©Ott  Witt  ie#t,  bag  ta)  franl  fepn  fott;  eben 
ba$  wttt  ia)  aua).  SSitt  (£r,  bag  ta)  langer  leben  fott,  fo 
tyitt  ia)  e$  aua) ;  e$  gefa)eje  -©ein  fBitte !  —  gerner  lernte  ta) 
eine  fromme  Sungfrau  fennen,  bie  oft  mit  fa)weren  Einfettungen 
in  tjrem  3nnern  $u  fämpfen  fyatte  unb  ber  fta)  namentlia) 
mana)e  fa)retfiia)e  gotte$läfterlia)e  ©ebanfen  aufbrangen.  211$ 
btefelbe  einft  an  einem  ©onntag  Wäjrenb  ber  Sttorgenprebigt 
franf  in  ijrem  33ette  lag  unb  bura)  äjnlia)e  ©ebanfen  fo 
betrübt  würbe,  bafj  fte  faum  mejr  atfjmen  fonnte,  tarn  bie 
9ttagb  in  bie  &tuht,  um  biefelbe  au  reinigen. '  3uerft  wufa) 
fte  ben  £tfa)  mit  £auge  ab  unb  fegte  ijn  bar  auf  mit  ©anb 
unb  2lfa)e.  28äjrenb  bem  fagte  bie  2ingefoa)tene  au  fto)  felbfb 
fte  Je,  fo  mao)t  e£  ber  liebe  ©Ott  mit  beinern  |)eraen.  (Ev 
lägt  baffelbe  gleia)fam  mit  $ot|> ,  ©anb  unb  2lfa)e  bewerfen, 
bamit  e$  rea)t  gereinigt  werbe.  Sieg  gab  tjr  £roft  unb  fte 
fagte  oft  na#er:  9hm,  mein  Vater,  fa)eure  immerhin  an 
meinem  fünblta)en  £>eraen,  lag  e£  fogar  unflätig  fe^n,  bamit 
e$  enblia)  rein  werbe!  3a)  will  Str  fitUe  galten  in  allen 
Singen  unb  mta)  Seinem  Jeiltgen  diafy  unb  Söttten  in  Ottern 
unterwerfen.  --  (£benfo  gelajfen  aeigte  fta)  einft  ein  gotte^ 
füra)tiger  ©tubent,  ber  auf  $erfa)iebene  Söeife  »erfolgt  würbe, 
unb  beffen  Sßeförberung  fta)  fo  »eqögerte,  bag  feine  Jreunbe 
barüber  beforgt  waren.  @r  äußerte  mit  »ieler  greubigfett : 
3a)  fyabt  mta)  meinem  ©ott  ganj  ergeben;  will  <£x  mir^htje 
unb  grteben  fa)affen,  meiner  gebenfen,  unb  mia)  aum  Jetligen 
Stenfte  feiner  $ira)e  berufen,  —  fo  will  iä)  e$  3Jnt  banfen,  unb 
3Jm  folgen.  SBitt  <£r  nia)t ,  fonbern  mia)  ferner  ber  Seit  aur 
3ielfa)eibe  ber  Verfolgung  maa)en,  fo  laffe  ia)  e$  mir  aua) 


965 

gefallen,  unb  will  es  ge~ne  reiben«  Sötff  <£r  mta)  $ti  einem 
©a)ulmetfter  unb  $üfkr  in  einem  £>örflein  machen,  fo  hin 
ta)  aufrieben,  unb  will  mia)  beftreben,  aua)  in  biefem  ©tanbe 
3!>m  bura)  Unterricht  ber  3ugenb  treu  unb  fröljltä)  $u  bienen« 
SBill  GEr  aua)  biej  nia)t,  unb  follte  e$  burä)  ©eine  ©a)icf  ung 
ba&üt  fommen,  bag  ia)  felbjt  ben  Darren  im  ©{abtgraben  3ief>en 
mügte,  fo  will  ia)  tß  tjmn,  unb  bennoa)  3jjm  als  meinen  @ott 
unb  $ater  m  C$rtfh>  3efu  el?ren  unb  greifen*  —  (£nblia)  fü£re 
ta)  noa)  bie  Söorte  eines  anbern  frommen  Wlanncö  an,  ate  von 
ber  bro£enben  $erpeerung  bura)  ben  ilrieg  gefvroa)en  würbe. 
@r  faßte :  „28aS  @ott  will,  M$  gefa)ej?e !  £at  Grr  in  ©einem 
Statut  befa)loffen,  bag  ia)  ade  meine  ©üter  vertieren  unb 
mein  33rob  vor  ben  Spüren  fua)en  foll,  fo  wirb  mir  ba$  23et* 
telbrob  mit  ©einem  Söillen  fo  gut  fa)meden,  att  je&t  mein 
befteS  GEffen.  2Bill  <£r,  tag  ia)  am  33eitelftab  auf  bem  fa)ma* 
len  SSege  wanbeln  foll,  ber  ^um  £tmmel  fü^rt,  warum  fottte 
ta)  mta)  weigern?  SD^ir  ift  e£  genug ,  wenn  ia)  feiig  werbe« 
2)te  2lrt  unb  SQSetfe  aber,  wie  mein  ©Ott  mia)  in  benannte« 
bringen  will,  £abe  ic)  3N  nia)t  vor5ufa)reiben ;  (£r  maa)e 
eS  wunberbar,  nur  feiig.  — 

SBir  tonnten  noa)  mana)e£  2lebnlia)e  anführen ;  aber  wir 
wollen  nun  $ur  2lnwenbung  biefer  £e£re  übergeben*  ©te 
bient  h  %ux  Prüfung  unfereS©taubenS  unb  (£pri* 
Pentium $♦  —  ©o  prüfet  eua)  alfo,  i£r  (griffen,  bie  tyx 
biefeS  jjöret  unb  lefet,  ob  ipr  bk  @elaffenl)eit  unb  ©otterge* 
ben^eitaua)  hti  eua)  finbet,  ober  ob  ibr  eua)  wenigftenS  fort* 
wä^renb  SDfcüjje  gebet,  biefe  Ätmft  m  lernen?  2luS  bem,  m$ 
wir  bi^er  über  biefe  eble  £ugenb  gefagt  Ijaben,  ift  flar,  bag 
fte  eine  unausbleibliche  grua)t  beS  ©laubenS  ift;  unb  weil 
SefuS  biefetbe  in  vollfommenem  ®rabe  befag,  fo  ift  hin  3weifel, 
bag  <£r  fte  ben  £er$en,  in  wela)en  (ix  bura)  ben  (§>iaubcn 
wojmt,  aua)  mitteilt,  gteia)wte  bie  9ftagnetnabel,  bie  von  bm 
Magnet  berührt  ift,  bie  $rafterl?ält  fta),  naa)  Sorben  ^u  wen* 

(ben.  2)ie  ^er^en  ber  ©ottlofen  ftub  eigenwillig,  wiberfpen* 
fltg,  ungebulbig,  mürrifa),  fte  wollen  $war  an  @£rif*um  gtau* 
ben  unb  ©eines  23erbienfie3  $ur  ©eligfeit  genießen,  aber  fte 
wollen  mit  ©einem  fanften  3oa)  nia)ts  $u  tjmn  l^aben,  fon^ 
bem  naa)  i^rem  ^igenbünfel  unb  naa)  i^ren  £üßen  wanbetn« 
©ie  ftnb  mit  ber  SBorfelmng  unb  Regierung  @otte^  feiten 


966 

aufrieben:  halb  matyt  &x  iljmen  biefeg,  balb  jene$  nityt  redjt, 
Unb  wenn  fte  e$  auo)  ge^en  laffen  muffen ,  tüte  eö  gebt,  fo 
gefa)ie£t  e$  mit  großem  Unwillen.  @te  folgen  ben  Sßegen, 
bk  fte  geführt  werben ,  aber  mit  Ungebulb  unb  anbaltenbem 
Wlumn  it.  — •  Ueberpaupt  glaube,  ia),  bag  bie  wenigfien 
<££riflett  unferer  £age  in  biefer  $robe  befkfjen  werben*  $Ran 
-Wirb  &iele  jtnben,  wela>  bte  2Borte:  ©elaffenjjett,  <£r* 
gebung  in  ©otteä  SÖSillen,  Uebereinftimmung 
t>e$  menfa)lta)en2Btllen3  mit  bem  göttlta;en,  nid?t 
r^er fiepen ,  unb  bte  noa)  nie  angefangen  paben ,  fta)  in  btefer 
£ugenb  p  üben»  £)  wte.'SBemge  gibt  e$,  bte  tjjr  £e*£  unb 
ü)ren  ^Bitten  täglia)  ©ott  opfern  unb  fta)  3]jm  mit  bem  fepen 
33orfa$  barflellen,  ©einen  Söttten  in  ftnb(ta)em  ©eporfam  p 
vollbringen!  2Bte  SBenige ,  bte  in  allen  Singen  bie  2lbfta)t 
Jaben,  ©otteö  Qrbre  p  beförbern,  bte  in  ipren  2lnfa)lägen, 
bei  i£ren  äßorten  unb  äöerfen  iprem  ptmmltfa)en  SBater  gleiä> 
fam  naa;  ben  klugen  fe£en  unb  ©einem  Sßtnfe  folgen !  —  2Bo 
fmbet  man  bte,  wela}e  gelernt  Jjaben,  fta)  felbft  p  verläugnen, 
ft#  iprer  @bre  ,  ij?re$  SRufcenS,  i £reS  Skrgnügenä,  t£rer  23e* 
quemltdtfetten  unb  if)re3  2Btlleng  p  begeben,  bannt  ©otteö 
SBtlle  gefa)ebe,  unb  ©eine  @:f>re  unb  ber  Saugen  be6  ^da;ften 
beforbert  werbe!  — '2Bte  SSentge  gibt  eg,  bte  von  ^er^en 
erFennen,  ba§  jte,  wa$  fte  baben,  von  ©ott  baben,  tag  (£r 
f[e  nur  p  .£augi)altern  gefegt,  unb  ipnen  feine  ©uter  auf 
fur^e  3ett  (für  bie  £>auer  btefer  pa)ttgen  gebend)  unb  auf 
sftecjmung  anvertraut  $atl  SBte  Sßenige  legen  ifjren  3?eta> 
tpum  täglia)  3efu  $u  gügen  unb  fua)en  bamtt,  ©einen  bebürf* 
ttgen  Slnbängern  mit  willigem  unb  lauterem  ^er^en  p 
bienen!  —  SÖSie  SSiele  bagegen  ftnb  fo  geftnnt,  wie  jener  $auf* 
mann,  von  weitem  ber  3efuit  £>rerei  erpblt,  bag  er  einen 
SSerlufi  von  8000  SJalern  erlitten  unb  geglaubt  babe,  einer 
fetner  Mitbürger  fep  ©a)ulb  baran.  2il$  nämlta)  an  ®äp 
liä)er  benfelben  über  biefen  SBerlujt  trbfien  wollte  unb  unter 
anberem  bie  bekannten  SBorte  von  $iob  anführte:  „2>er 
£err  fyat'ö  gegeben,  ber  £err  $at'$  genommen, 
ber  9t ante  be$  £erm  fe#  gelobt!"  antwortete  jener: 
&  ift  wabv,  ber  ^)err  $aV$  gegeben;  aber  etn  fa)elmifa;er 
^Betrüger  J>at*^  genommen!  —  D  wit  wenig  wirb  in  unfern 
Sagen  auf  ben  SSillen  unb  auf  bie  pgung  unb  Regierung 


■      m 

be$  allweifen  unb  allgewaltigen  ©otteS  gefe|>en!  Sie  Sflenfdjaz 
bebenfen  nia)t,  bag  ber  #o$ße  bte  £anb  allenthalben  mit  im 
Spiele  I)abe;  fte  wellen  fta)  felbß  vetteren  unb  *>erforgen,  fte 
wollen  e$  mit  il)rem  flugen  dtafy,  mit  fyxtt  grogen  2Bei$I)eit, 
mit  i£rer  Wlafyt  ausrichten,  unb  wenn  e$  il?nen  miglingt  unb 
m'cbt  naa)  iü>rem  Sinn  geljt,  fo  £ört  man  nid;tg  äl$  fluten, 
murren  unb    toben  jc*    3a ,    wenn  ber   £err  ben  irbifa) 
geftnnten    9ttenfd;en    ni#t   au   W   feige,     fo   würben   fte 
3jjm  manchmal  ba3  Spauö  (türmen,  unb  einen  $rteg  wiber 
3Jm  anfangen.  —  5lber  aua)  bei  ben  wiebergebornen  $inbern 
©ottes  ftnbet  ftdj  in  biefer  £mftd)t  groge  ©a)waa)Jeit.    <Ste 
lernen  oft  lange  an  ber  $riftli$en  Ergebenheit  unb  3ufrie* 
benjjeit,  unb  machen  wegen  t'ljreS  wiberfpenfh'gen,  fünblidjen 
gleifdjeä  boa)  wenig  ftortfdjritte.    Sfttemanb  ijt  fo  heilig,  ber 
ntdjt  ia$  SSiberftreben  gegen  ben  göttlichen  SSillen  zumüm  in 
jtd)  empfänbe*  Ein  3eber  §at  alle  £age  mit  ft$  felbfi  au  fäm* 
^fen,  fein  £era  ma$t  ipm  baS  Efjriftentfmm  fäjwer  unb  ba£ 
£eben  fauer.    £)er  ©eift  opfert  ft#  a^ar  täglidj  ©Ott  mit 
Willem,  wa$  er  i%  ijat  unb  vermag;   aber  baS  Sieifa)  gleist 
einem  unbänbigen  £l?iere,  ba3  fta)  nic^t  gern  aum  Dpferaltare 
führen    lägt,    fonbern    mit    allen    Gräften    wiberftrebt.  — 
£)er  £err  fpria)t:  „3$  will  bid)  mit  deinen  Slugen 
leiten/7  Er  Witt  unö  Tillen  gleic^fam  bt'e  Slugen  tterbinben, 
bag  wir  nia)t  wiffen  follen,  wo  wir  in'nfommen,  bte  wir  $>a* 
Inn  gelangt  ftnb,  wo  Er  un$  £aben  will,    allein  wir  möa> 
ten  boa)  gerne  bte  53inbe  ein  wenig  aurüdfdjteben  0^er  au^ 
fytbtn,  um  ^eimlid;  au  fe£en,  ob  wir  auo)  gut,  unb  wo£m 
wir  geführt  werben,  —  wa$  tin  ?3zmi$  t>on  ber  Unart  tft, 
welche  noa;  in  unferem  £eqen  ffcdt,  fo  bag  wir  un$  niä)t 
son  ganaer  Seele  auf  ©Ott,  auf  ©eine  ©üte,  2lllmaa;t  unb 
$8tifytit  serlaffem  —  5lua)  tft  unfere  2Jbft$t  in  bm  Sßerfen 
unfereä  33eruf3  nia)t  immer  lauter  unb  unserfälfdjt ;  erlauft 
immer  etw$  fcon  eigener  Eljre,  Eigenliebe,  Eigennug  unb 
Eigenwillen  mit  unter*  —  Unfer  £fmn  fmt,  wk  ber  Sein  in 
einem  unreinen  ©efäß,  einen  !ftaa;geftt)mad*  —  Ebenfo  iß  mana> 
mal  mit  bem  23ejt£  unb  ©ebraud)  ber  seitlichen  ©üter  gar  ttiel 
(selbjtfucfyt  unb  Eigenliebe  »erbunben*    E$  ge£t  un$  fcf>wer 
ein,  bag  wir  nur  Diener  unb  £au#alter,  unb  nia)t  Ferren 
über  ba$  Unfrige  fet;n  follen ;  bag  wir  im  23ejt£e  wn  ©ütern 


968 

unb  QFprenämtern  uns  rnc^t  ergeben,  un$  nic&i  bejfer  unb 
würbtger  bünfen  feilen ,  als  2lnbere,  bte  ©Ott  weniger  begabt 
%at;  bag  wir  uns  leinen  SBoqug  unb  fein  bejfereS  Sfe^t  au 
ben  ©aben  ©otteS  einbilben  feiten,  aU  bte  Hrmen  unb  @len* 
ben.    2Bie  oft  Jiort  man  ung  Hagen,  man  begegne  un£  nia)t 
na<$  ©ebü£r;  balb  tj*  unö  bte  SBojmung  nt^t  gut  genug, 
balb  fmben  wir  feine  35equemlia)feit  naa)  unferem  ©inn,  balb 
i(i  biefe  ober  jene  ©peife  uns  au  fd?le$t,  a«  füg  ober  au  fauer, 
&alb  tfl  man  uns  ba,  balb  bort  mit  2öorten  ober  mit  SBerfen 
gu  naje  getreten  u.  [♦  w»  —  ©o  lange  es  uns  woljl  geljt, 
unb  fo  lange  ber  £err  uns  reta)lia>  serforgt,  ift  uns?  bie  ©e* 
nügfamfeit  eine  leiste  ©acf;e ,  unb  wir  ftnb  woljl  aufrieben 
mit  ber  Regierung  unferem  ©otteS-   3Benn  @r  aber  anfangt, 
naa>  ©einem  ^eiligen  dlafy  uns  färglia)er  au  galten,  fo  meint 
fca$  unartige  £era,  bag  i£m  Unrea)t  gefö)e£e  unb  bog  e$  bil* 
(ig  beffer  Ijätte  be^anbelt  -werben  follen.  —  3efu$  forbert  son 
ben  ©einen,   fte  fotlen  ba$  $reu$,   ba3  ©Ott  ifjnen  auflegt, 
tmtltg  auf  ftd?  nehmen,  fta)  ifelbft  »erläugnen,   unb  fo  3£nt 
naa)folgen.    2lber  wir  gleiten  metfienS  bem  ©imon  son  (£9* 
rene,  ben  man  awingen  mugte,  3efu  baS  $reua  naa)autragem — 
SBefonberS  aber  aetgt  e$  ft$,  n>k  wenige  (^^rtften  gelernt  $a* 
fcen,  gelaffen  au  fepn,  wenn  fte  gerben  unb  baS  3«tlidje  t>er^ 
laffen  follen.    SSiele  fkrben  wtber  SSillen  unb  mit  £eimlia>m 
2Biber(treben ;  fa  fonnten  fte  ben  9?atpfa)lug  ©otteS  änbern, 
unb  baS  beftimmte  Ski  tpreö  Mens  weiter  frinauSrütfen,  fo 
würben  fte  tß  nidjt  unterlaffem  —  £)ie  grommen    werben 
überhaupt  bti  fleißiger  ©elbjtyrüfung  mef>r  $efjlerj>afte$  in 
fta>  ftnben,  als  td>  fagen  fann,  unb  ify  bin  überzeugt,  bag 
es  fein  Äinb  ©otteS  gibt,  baS  ma)t  täglia;  bie  2Biberfpenfltg* 
feit  feinet  Sptxpnä  beflagt,  unb  erfennt,  wk  f$wer  es  fep, 
feinen  Sßiüen  in  ©otteS  Sollten  soltig,  anljattenb  unbfreubig 
gu  ergeben»    ©0  laffet  uns  benn,  meine  lieben  !$ita)rißen, 
unfere  gepler  unb  Unoollfommen^eiten  aua)  in  biefem  gälte 
peralia)  bereuen,  unb  ©ott  um  an  füllet,  i£m  ergebenes,  ge* 
bulbiges  unb  geijorfameS  £era  tägfia)  unb  anbda)tig  bitten, 
unb  uns  in  biefer  $unf*  immerbar  üben!    303aö  fann  nü$li^ 
^er  unb  feiiger  fepn,  att  biefe^?  —  (£üte  foftlia)e  Sßlume  ifl 
m$t  beffer  »erwaprt,  alö  in  einem  fürftlidjen  ©arten,    <£in 
Äinb  rujrt  am  fta)erpen  in  t>m  Firmen  unb  im  ©a)oofc  ber 


969 

SDMter,  ebenfo  eine  gläubige  (Seele  m  ber  prforge ,  SRegie* 
rung  unb  2luffta)t  ©otteS.  2Ber  ifi  gütiger,  gnäbiger,  reifer 
unb  mächtiger,  als  ©Ott?  2Ser  meint  eS  peqlicber  unb  treuer 
mit  uns?  2Ber  weig'  beffer ,  was  uns  nü$lia)  unb  fetig  ift? 
2Ber  bat  größere  Wlatyt ,  uns  au  fcpfceu  unb  $ur  ©etigfeit 
au  bewahren,  als  <£r?  2öarum  wollten  wir  uns  alfo  nia)t 
fröplia)  unb  willig  in  ©eine  Regierung  unb  prforge  ergeben?— 
Söiltß  bu  wtffen,  o  Gprift,  mc  peralta)  gut  eS  @ott  mit  bir 
meint,  fo  lies  eS  in  bem  33ua)e  beS  Gebens,  —  von  bem  gefreu* 
aigten  @rlöfer.  2Bie  fann  Der,  wela)er  bir  feinen  eingebor* 
nen  ©ojm  gefa)enft  pat,  etwas  anberS,  als  bein  23efkS  wofc 
len?  £)ag@ott  jta)  beinen  SSater,  unb  bia)  ©ein  $inb  nennt, 
baS  beftefyt  nidjt  bloS  in  frönen  ^Sorten  ober  in  ber  dinbiU 
bung,  fonbern  eS  tjl  wirftiä)er  göttlicher  Grrnft.  (£r  liebt  tify 
mepr,  als  alle  fßätex  in  ber  2Beft  t{>re  $inber  lieben  fönnen, 
unb  palt  bia)  in  SBa^rpett  für  <Sän  tbeureS  $inb*  SBarum 
fotltefi  bu  53ebenfen  tragen,  bi§  einem  folgen  SSater  willig 
unb  freubig  gu  ergeben  unb  3{nn  in  Altern  au  folgen?  — 
53ebenfe  ferner  o  Clprift,  weta)  arme,  alberne  unb  tj)6ri$te 
$inber  wir  jmb,  wenn  wir  5ftenf0)en  uns  fclbfi  übertaffen 
jtnb,  unb  vok  wir,  wenn  ©Ott  bk  £anb  abatept,  ma)ts  tpun, 
als  bag  wir  uns  mit  aller  eingebilbeten  ^lugljeit  in'S  SSerber* 
ben  ftüraeni  Des  3ttenfc&en  Söille,  fagt  man  awar,  ijt  fein 
£immelreitt),  aber  nur  feiner  Qrinbitbung  naa;  j  bagegen  i(i  er 
in  ber  2Öirfltd)feii  feine  £ölle,  fein  ©ift  unb  £ob.  SSenn 
aud)  ber  £err  feine  ©etafienljeit  unb  Ergebung  von  un$ 
»erlangt  unb  uns  begwegen  bie  ^erpeigung  nta)t  gegeben  fyattt, 
bag  (Ex  uns  regieren,  verforgen  unb  führen  wolle,  fo  füllten 
wir  3£n  boa)  opne  Untertag  unb  in  Demutp  bitttn,  @r  möge 
fta)  unfer  annehmen,  möge  unfer  SSater,  ^orrnunb  unb  33er* 
forger  fepm  —  2öie  nun,  wollen  wir  arme  ©terblia)e  uns 
lange  bebenfen,  ©einem  ^eiligen  SRafy  unb  SSillen  uns  gan$ 
au  ergeben,  ba  @r  eS  nid;t  allein  befohlen,  fonbern  ©ia)  felbjt 
fo  poa)  unb  tpeuer  baju  erboten,  unb  bura)  ©eine  $er{>eigun* 
gen  verpflichtet  fyatt  Püffen  niä;t  alle  frommen  unb  peiligen 
Männer,  bie  (Ia)  je  ©otteS  väterlicher  2luf|ta;t  anvertraut 
tjaben,  befennen,  ©Ott  fjabe  fie  naa)  ©einem  diatf  awar  wun* 
berbar,  boa)  feiig  geführt,  unb  enbtid)  äußren  angenommen? 
—  2öenn  wir  uns  ©Ott  ergeben,  fo  bürfen  wir  nia)t  meinen, 


970 

(Er  Werbe  an  um?  bte  erfte  ^Jrobe  ©einer  gnäbigen  unb  fefö? 
gen  Regierung  magern  2la)  nein,  (ix  bat  von  je^er  alle 
©eine  lieben  ^inber  fo  geführt,  ba$  fte  Sjmtjewig  für  feine 
©ütc  banfen,  —  2)ieg  wirb  dx  aua)  unä  t^un»  —  da  gibt 
ferner  fein  beffereS  SDiittel,  fta)  ber  nagenben  (Sorgen  gu  ent* 
f plagen,  unb  fta)  ein  ruhiges  &ben  ^u  »erfa)affen ,  aU  t>ic 
$rtßlta)e  (Ergebenheit*  <£$  gibt  fein  fanftere$  ^u^efijfen  für 
unfer  tyaupt  unb  £era,  ölö  ben  ©nabenfa)oog  ©otteö.  — 
$ott>fwr  fe#te  3ofe#J>  $um  SSerwatter  feines  £aufe$ ,  unb 
überlieg  i{nn  alle  ©orge,  wetl  er  faj>,  bag  in  Slllem,  n)a^  biefer 
ft«i,  ber  ©egen  beS  £errn  war,  Stfun,  meine  Sieben,,  laffet 
un$  3efum  3umf;$erwalter  unferer  ©üter  unb  unfereö  gangen 
%tbcn$  fe$en,  unb  3£m  atteä  übergeben,  dx  fann  nichts 
anber£,  al£  ©nabe,  ©egen  unb  £eben  bringen,  (Er  wirb  unö 
nia)t$  »erberben.  Reffet  un$  für  yiifytö  forgen,  al$  ka$  wir 
3jm  lieben,  beten  unb  arbeiten  unb  baS  Uebrige  ij>m  getroft 
überlaffen;  (Er  wirb'3  wo£l  maa)em 

IL  2)iefe  2e£re  bient  aber  aua)  ^ur  Aufmunterung 
tn  ber  ©ottfeligfeit.  (Ein  rea)tfa)affener  (Sljrift  mug, 
tx>k  wir  fa)on  oft  bemerft  £aben,  feinem  ©ott  allezeit  gcljorfam 
fepn,  unb  fietö  ben  ernfHia)en  SSorfag  £aben,  benfelben  mit 
Sßijfen  unb  SBillen  nimmer  ^u  beleibtgen.  Üßte  bie  (Engel  im 
Fimmel  ftetS  fcor  ©Ott  fielen,  um  ©eine  2öinfe  unb  23efe£le 
au^uria)ten,  fo  pellt  fta)  ber  fromme  täglta)  unter  ben  ilinbern 
©otteg  bar  unb  erwartet  in  ä)rijHta)er  ©elaffen£ett  unb  2)e* 
mut£  ©eine  Sffitnfe.  dx  wünfa)t  rea)t  etgentlia)  fo  im  *8er* 
pältnig  mit  ©Ott  $u  fielen,  mt  feine  ©lieber  mit  ü)m,  bte 
fta)  bewegen  ober  ru£en,  je  naa)bem  er  will,  (ix  palt  ben 
£ag  für  »erloren,  an  wela)em  er  nia)t  eiwa$  $ur  dpxt  ©otteS 
unb  jum  2>ienfie  be£  9^äa)fien  tfntn,  unb  feinen  SBilten  x>tx* 
läugnen  fann,  bamit  ©otteö  Sßitfe  gefa)ej)e,  —  £>tx  wa£re 
ߣrift  wünfa)t  fta)  oit  gleite  ©rabfa)rift,  wela)e  bem  2)a\>ib 
tn  ber  ^eiligen  ©a)rift  mit  ten  SBorten  gefegt  ift:  „dx  fyat 
gu  fetner  3tit  bem  SOBillen  ©otte£  gebient."  (ix 
begehr*  nia)t,  jta)  felbft  au  leben,  fonbern  £)em,  ber  für  tyn 
geftorben  unb  auferfhnben  tfh  —  2Qer  fta)  barin  nia)t  übt, 
wer  im  @|>rifkntfmm  naa;  feinem  eigenen  ©inn  leben  unb  fta) 
nia)t  »on  ganzem  bergen  bem  2>tenfte  ©otte^  unb  be^  9Ma)ften 
ergeben  will,  ber  gleia)t  einem  $nea)te,  wela)er  von  feinem 


971 

£errn  @£re,  ©c!mg,  Unterhalt  unb  2ol?n  l>at,  aber  feine 
©ienfte  leißen,  unb  feinen  33efeljl  nia;t  achten  Witt.—  Mein  folgen 
eigenwilligen  $ne$ten  Reifet  man  gewö{mltä)  bie  £f?üre*  ©arum 
wollen  wir,  fo  oft  man  ung  (SJjrijkn,  ©otteä  $tnber,  <£x* 
lö$te  beg  £errn,  tfjeuer  erlaufte  (Seelen,  ©otteg  2lu$erwä£lte, 
£eiltge  unb  ©eltebte  nennt,  baran  benfen,  wa$  biefe  Tanten 
ntü  ft$  führen,  —  nämli$  ma)t  blo$  eine  (£l)re  unb  ©nabe, 
bte  ©Ott  un3  erzeigt,  fonbern  au$  eine  $flttt)t  unb  ©c^ulbtg* 
fett,  mit  welcher  wir  3N  für  alle  ©eine  ©üte  tterbunben 
ftnb.  —  Unfer  £aufbunb  fyat  eine  boppelte  ©ette*    2luf  ber 
einen  Witt  ©oft  unfer  23ater,  S^rforger,  @rlöfer  unb  Zxoftet 
feyn  unfer  L'ebenlang,   auf  ber  anbern  aber  follen  wir  ©eine 
gefwrfamen  $inber,  ©eine  neuen  Kreaturen,  ©eine  Wiener 
unb  SSerfyeuge  fe^n ,  um  ©einen  2Billen„  auf  (£rben  ebenfo 
freubtg  auszurichten,  wie  bie  (£ngel  im  £immel.  —  2Bie  ber  cm* 
fjerlidje  9ttenfa?  zwei  £änbe  fyat,  um  feine  ©efdjäfte  $u  tter* 
rieten,  fo  ift  aud?  ber  innerliche  3ftenfc$  glei^fam  mit  $wei 
£änben  verfemen.   £)ie  rechte  ift  ber  ©laube,  bie  linfe  bte 
Zieht.    Wt  Jener  nimmt  er,   m$  ©otteS  ©nabe  tpm  bar* 
reiebt,  mit  biefer  gibt  er  3(mt  2llle3  lieber,  toa^  er  ift,  fyat 
unb  vermag.  —  tiefer  £aufbunb  wirb  erneuert,  fo  oft  wir 
entweber  ©otte£  SÖBort  5>ören/  ober  beten,  ober  pm  £ifd;e 
be£  £errn  ge£em    £)enn  ber  fur$e  Snbegriff  aller  ^rebigten 
ift  ©otte$  ©iite  unb  unfere  ©anfbarfeit ,  ©otteö  Ziehe  unb 
unfere  ©egenliebe.    £)er  ©runb  be$  ®ebet$  ift  bag  finblic^e 
Vertrauen  auf  ©otteö  ©nabe  unb  ©üte,  ©eine  33ebingmtg 
ober  ber  ftnbli^e  ©eporfam;  betbeS  $at  unfer  £eilanb  baburc$ 
angebeutet,  ba$  @r  in  ©einem  drehet  ba$  SBori:   SSater 
ttoranfefcte.  —  ©e£r  wa!?r  fagte  ba£er  ein  alter  £e£rer :  2)er* 
jienige  muffe  ein  freier  unb  unüerfd?ämter  2Dtaf$  fepn,  welcher 
©Ott  feinen  Später  nennen  fonne ,  ofjne  bag  er  im  ©inne  £abe, 
haß  gu  t£un ,  m$  einem  $inbe  auflege*  —  2luf  gleiche  SBeife 
lägt  ftcfc  aua;  bie  Seljre  sont  ^eiligen  Slbenbmapl  in  bie  wenigen 
Sßorte  auf ammenf äffen:  3efu6  ift  mein,  unb  i^  Un  ©ein; 
ober:  3efu!  £>u  in  mir,  ic$  in  £>ir!  2)u  fdjenffi  2)ic$  mir 
felbjt,  -Deinen  ^eiligen  £eib  unb  ©ein  t^eureö  23lut  mit  att' 
©einem  SBerbienft,   ®ered)tigfeit,  Zehen  unb  ©elfgfctt;  tc$ 
bagegen  fdjenfe  ©ir  mein  ^)er^,  unb-»aö  ta)  bin,  5>abe  unb 
vermag.  —  3a  alle  ©efa)öpfe  um  un$  |>er,  bie  wir  tdglia) 


972 

$ur  Sftotfiiwrft  ober  gum  Vergnügen  gebrauten,  rufen  und 
gleta)fam mit  dincx  Stimme  a.u:  Sftenfa;!  nimm  unb  gib! 
Sfttnm  ©otteä  ©aben  unb  ©üter  j>in,  unb  gib  3pm  bdgegen 
5iebe,  £ob  unb  finblta)en  ©efwrfam.  Söenn  »fr  am  £tfa)e 
pgen  unb  effen,  foll'en  »ir  un$  baran  erinnern,  baß  ©ott 
un£  ben  £ifa)  täglia),  wie  ein  £au3oater  feinen  ^inbern  unb 
feinem  ©ejmbe,  belegen  bereiten  lägt,  bamit  »ir  ©eine 
greunbe  unb  Wiener  fepn  unb  ©eine  ©üte  greifen  follen.  — 
©leta)»te  vornehme  Ferren  t^re  ^Diener  begjwlb  befonber^ 
fleiben,  bamit  fte  von  Slnbern  erfannt  »erben  unb  ftepa)  felbß 
fietS  an  tfjren  fa)ulbtgen  ©ejorfam  erinnern  mögen,  fo  follten 
ttrir,  fo  oft  »ir  ein  SUeib  anaielpen,  ba$  unferem  ©tanbe  ge* 
mag  tjt,  fletä  babei  bebenfen,  »a$  »ir  ©ott,  von  2)em  »ir 
Mt$  £aben,  fa)ulbig  ftnb*  23er  bieg  nicbt  täglia)  t£ut  unb 
bemfelben  mit  allen  Gräften  naa)au£ommen  ftrebt,  »fe  barf 
ber  jia)  ben  Flamen  eine3  <5I?rijkn  anmaßen,  unb  fta)  be£ 
©Jaubens  rühmen?  — »  ds  ftnb  blo3  £eua)lcr  unb  ©d;ein* 
griffen,  »ela)e  bie  eble  ©abe  ©otteg,  3efum,  ben  ©efreu* 
gtgten,  mit  ©einem  SBerbienft,  ©einer  @erea)tiglat  unb  ©eliglett 
pinneimten  »ollen,  ojme  tj?r  £era  an  ©Ott  au  ergeben,  —  »ela;e 
i>k  ©üte  ©otteS  geniegen,  aber  ©einem  2öilfen  ni$t  btenen 
»ollen,  ©ie  tabelt  3efu3  mit  ben  Söorten:  „2öa3  $ti$tt 
tyx  5PHcf>  £err  £err!  unb  t^xxt  nia)t,  »a*  3a) 
eua)  fageV  (£3  »erben  nia)t  2llle,  bie  au  W™ 
fagen:  £err!  £err!  in  baö  £immelreia)  fommen, 
fonbern  bie  ben  Stilen  tbun  meine«  $ater$  im 
£>immel." 

III.  @nblia)  bient  biefe  -Cejre  a^m  Unterricht  unb 
£rof*  in  biefen  legten  bebenHia)en  3eiten,  »iber 
allerlei  2Biber»ärtigfeit  unb  £rübfal*  3a;  ge* 
j.el?e,  bag  fe$t  alleutbalben  bie  glühen  ber  £rübfal  £emn* 
brechen,  unb  bag  alle  Räuber,  »o  (griffen  »o£nen,  mit 
gjjränen,  ©entern  unb  Söefrflagen  erfüllt  ftnb.  2We  tönig* 
reia)e  unb  ?änber  pe^en  fo  tu  fagen  in  ©lut£  unb  flammen 
unb  ein  S5olf  roefct  baS  ©a)»ert  »iber  i>a$  anbete*  C®ie§ 
betätigte  fta)  im  30jäj>riaen  ßrteg  von  1618—16480  2ßet 
noa)  eine  Seile  naa)  ©otteS  bitten  leben  »ill,  batf  ma;t 
auf  gute  £age  »arten,  fonbern  mug  fta)  auf  OTotj»  unb  @tenb 
gefagt  maa)em    £)enn  e$  faun  nia)t  anbete  fepn,  naa)bem 


973 

baö  gotilofe  2Befen,  bte  £eua)elet,  bte  ©ia)er£ett,  bag  lieb* 
unb  frua)ttofe,  fatfa)e  <S£rtflent£um  attentpafben  überljanb  ge* 
nommen  £at,  unb  »öttiger  Unglaube  unb  ©otte^läugnung  fta> 
offentfia)  ^etgen  barf,  unb  namentlta)  bei  ben  $?äa)tigjtat  unb 
SSeifeßen  bei*  <£rbe  <B$u%  unb  23eiftanb  ftnbet,  naa)bem  bte 
Söelt  angefangen  \)<xt,  über  bag  2öort  ©otteg  unb  bte  Zeitigen 
©aframente,  über  3efum,  ben  ©efreu^igten,  über  ©eine 
£e£re  unb  ©ein  £eben  au  Rotten,  fo  wirb  fta)  ber  geregte 
unb  jjetftge  ©Ott  btefen  ©reuein  wtberfefcen  unb  £tmmel  unb 
dvbc  bagegen  bewegen»  (ürr  wirb  bte  Ungläubigen  unb  ©potter 
felbft  anetnanber  geraden  laffen,  bag  ftc  wie  $ftaubtf>iere  ein* 
anber  gerflfeifc^en*  Sie  grommen  fommen  freüia)  mit  m'S 
©ebränge  unb  erfahren  groge  £rübfaL  5lber  waö  für  einen 
£roft  £aben  fte  unb  wie  fotten  fte  fta)  unter  fötalen  Umftänben 
»erhalten?  ©ie  fönnen  wojrt  nia)tg  23effere£  t£un,  att  bag 
fte  fta)  mit  a)rtftlia)er  Ergebung,  mit  ©ebulb  unb  in  finblia)em 
©ejiorfam  in  ben  peiligen  Sitten  ©otteg  fügen,  ©eine  @e* 
ria)te  über  bte  ©ottlofen  mit  finblia)er  gura)t  anfepen,  unb 
fta)  auf  ©eine  ©nabe  unb  $>äierlia)e  ©üte  *>on  ganzem  £eraen 
tterlaffen.  Sluf  aeitlia)e  Singe  bürfen  fte  nta)t  redmen,  fonbern  fte 
fotten  fta)  naa)  benSQSorten  beg2lpo  jtelg  ria)ten,  wenn  er  fagt :  „b  i  e, 
fo  t>a  Söeiber  paben,  follen  fe^n,  aiä  pätten  fie 
feine;  tit  ba  weinen,  aU  weinten  fie  nta)t,  unb 
bte  fta)  freuen,  al$  freuten  fie  fta)  nta)t,  unb  bie 
bafaufen,  aH  befägen  fie  e$  nia)t,unbbte  biefer 
2öeit  braua)en,  bag  fie  btefelbe  nfa)t  mig* 
fcraxta)en."  —  2öer  in  tiefen  legten  3«ten  ©tauben  unb 
ein  guteg  ©ewiffen  behalten  fann,  ber  fyat  über  feinen  Söerluft 
gu  flogen,  unb  wer  fta)  bem  gnäbtgen  Söitten  ©otteg  getrofi 
ergeben,  unb  ©einer  x>äierlta)en  ©üte  unb  Regierung  fta)  unb 
t>k  ©einigen  mit  greubigfeit  überlaffen  rann,  beffen  Hoffnung 
wirb  nia)t  ^u  ©a)anben  werben.  —  Saä  rotpe  2fteer  fann 
9faemanb  alä  $parao  mit  feinem  gottlofen  Raufen  erfäufen; 
bem  SBolf  ©otteg  aber  mug  baffelbe  $ur  Stauer  bicnen,  unt>  e£ 
unbcfa)äbigt  bura)gej>en  laffen.  Sie  glamme  be£  geuerofenS 
fann  wo{>l  bte  Siener  ber  S^rannei  unb  $3o$£eit  wberben; 
an  ben  grommen  aber,  Ut  jta)  auf  ©ott  seriaffen,  »erseht 
fte  nur  bte  23anbe,  womit  fte  gebunben  ftnb.  äßenn  2ltte£ 
bura)einanber  ftürmt,  fo  Wibt  boa)  gewig,  bag  ber  £err  bk 


974  - 

©einigen  fennt,  unb  burö)  ©eine  Tlatyt  aur  ©eligfett  bewaprt* 
2ttag  bei:  ©atan  auf  ©otteg  SBerbängnig  noa)  fo  fe£r  Witten 
unb  Joben,  fo  fann  er  boc§  bte  ©laubigen  unb  Steerwäjjlten 
nia;t  au$  ber  £anb  3efu  retgen,  ober  t>on  ber  £iebe  ©otteS 
fa;etben.  —  ©er  23ifa)of  ^aulinuä  eraä^tt  t>on  einem  neube* 
festen  Gtljrifien ,  einem  fa)on  bejahrten  Spanne ,  bag  er  »or 
feiner  33efe£rung  gana  allein  in  einem  fTeinen  $af}x$xiQ>  bura) 
ben  ©türm  vom  £anbe  serfa)lagen,  unb  opne  ©egel,  o|me 
SKajmtng,  ojme  menfa)lta)e  £ülfe,  f$  waa;  *>or  Silier  unb 
©ajretfen,  brei  unb  a^an^tg  £age  lang  auf  bem  Sfteere  um* 
pergetrieben  korben  unb  von  ©Ott  unb  ©einen  heftigen  Engeln 
auf  eine  wunberbare  SBeife  befa;ü§t ,  tterforgt  unb  erhalten 
worben  fep.  2)a$  SBoot  würbe  $uerft  ber  Statt  dtorn  äuge* 
trieben,  unb  fa)on  fab  Sener  ben  £eua)ttl?urm  im  römifcben  £afen, 
aU  er  längä  @ampanien  naa)  Slfrifa  hinüber  *>erfcblagen,  x>o\\ 
fca  Wieber  fortgertjfen,  unb  eine  3eitlang  um  ©teilten  perum* 
getrieben  würbe ,  U$  er  enblta;  in  Sucanien  bem  £anbe  fo 
na£e  fam,  bag  ber  Sitte  einigen  gtfd&ern  prüfen  fonnte,  bte 
ijm  glücflitt)  an'£  €anb  brauten*  bitten  in  ber  @efa£r  würbe 
ba$  ©dn'fflem  von  ©otteS  £anb  regiert,  e$  blieb  wn  flippen 
unb  gelfen  aurücf,  unb  lief  nur  fort,  wo  t$  ftdjer  war*  Slua) 
behauptete  ber  Sllte,  ber  jia)  naa)per  taufen  lieg,  unb  einen 
<$rtftfia)en  SSanbel  führte,  @ngel  im  S3oote  erblttft  gu  £aben, 
welche  t>k  ©teile  ber  ©a)iffleute  »erfapen,  unb  G»£rifhmt  felbji 
im  £intertjjeil  beS  ©cbijfä  am  DSuber  jl£enb,  bem  er  fein 
$aupt  in  ben  ©a;oog  gelegt  Jjabe*  —  Sttöge  biefeö  merf  würbige 
€reignig  allen  a)riftlia)en  ©eelen  aum  Zxofo  bienen,  wenn 
aua)  i£r  ©a)iffiein  in  tiefen  legten  betrübten  3eiten  *>on  2Binb 
unb  Stellen  herumgetrieben  wirb ,  unb  fte  feinen  dlafy  wijfen, 
bag  fte  ben  Wlufy  nia)t  ftnfen  laffen,  fonbern  fta)  mit  pera* 
lia)er  3u»erfta)t  ber  Leitung  @otte$  unb  3efu  ergeben!  — 
D  ein  glücflicbeö  ©a)ifflein,  ba$  Sefum  aum  ©teuermann, 
bte  (£nget  a«  ©a)iffleuten  $at,  unb  mit  ber  ©nabe  unb©üte 
©otteS  auSgerüfiet  ijü  —  D  Wela)'  glücflia)er  Sttenfa),  ber 
fta)  ber  väterlichen  Regierung  ©otteä  gana  überlajfen  fyat  unb 
in  ©einer  ©nabe  unb  $kU  allein  a«  feben  unb  a«  Serben 
begehrt!  —  ^ag  bie  SBinbe  fiürmen,  lag  bie  SöeHen  Witten, 
lag  2Belt  unb  Teufel  toben,  unb,  wenn  fte  tonnen,  2llle$  vtev 
ben  Raufen  werfen,  fte  werben  ein  fola)e$  ©a)ifflein  nia)t  aer^ 
fo)eitern,  einen  folgen  5Wenfa;en  nio^t  »erfo)lingen  fönnen» 


975 

@o  raffet  unSnun,  liebe  TOtc&rifkn ,  r>or  9ttd)t$,  alä 
ttor  t>er  @ünbe  unö  furzten,  unb  Me$f  m$  uns  begegnet, 
in  bem  ^eiligen  unb  guten  28ilten  @otte£  betrauten  unb  fro£* 
lief)  annehmen!  £)ie  bitterfien  grüßte  werben  füge,  wenn  man 
jte  mit  3ucfer  einmacht,  unb  fo  wirb  aua)  bie  grögte  33itter* 
feit  ber  £rübfal  r-erfügt,  wenn  man  fte  in  bem  Sßillen  ©otteS 
annimmt*  £)em  Slbra&am  wäre  fcfjon  ber  ©ebanfe ,  feinen 
einzigen  lieben  ©olm  ^u  opfern,  unerträglia)  gewefen;  aber 
ber  äöifte  ©otteä  ma$te  tj?m  Me3  anne£mlia%  —  Paulus 
erlitt  oiel  £rübfal  *>or  Slnbern;  nta)t  genug,  bag  er  fo  oft 
gefangen  würbe,  in  £obe$gefal)r  geriet^,  <5a)iffbrua)  erlitt, 
£ag  unb  $$fyt  auf  ber  SfteereStiefe  3ubra$te,  *>on  Suben  unb 
Reiben  unb  fa(fa)en  SSrübern  atfentbalben  geängftet,  verfolgt 
unb  gefetyrbet  würbe  unb  fein  Wmt  in  Wltyt  unb  Arbeit,  unter 
vielem  2öacf;en,  in  junger  unb  2)urft,  in  gajtat,  in  grojt 
unb  23löge  »errichten  mugte,  —  er  würbe  auä)  r>on  be$  (SatanS 
(£itgel  mit  gäujien  gefdjlagen  unb  gequält.  £)oa)  adeS  bieg 
tonnte  er  in  bem  Sßitfen  ©otteö  überwinben,  unb  er  war  in 
ber  ©nabe  feinet  ©otfeö  vergnügt*  2)arum,  fpria)t  er, 
Mn  tc&  flu  te$3Wut&$t«t©#  Nasetten,  tnSa^madj, 
in  9cötl?en,  in  Verfolgungen,  in  Slengjten  um 
(S^rifti  willen.  —  3a  er  j>atte  2uft  unb  Vergnügen  an 
feinem  ^reus*  —  SBojjer  tarn  e$?  —  £)ie  ©nabe  unb  ber 
füge  SQSiKe  feinet  ©otteS  gaben  tym  greubigfeit  unter  allen 
Umjtänben*  —  ©elbft  unferem  (Erlöfer  würbe  ein  bitterer  $ela) 
gereift,  x>or  weitem  3N  ni$t  nur  graute,  fonbern  fogar  ber 
blutige  2lngftfd;weig  au3bra$*  (£r  verfügte  aber  benfelbenmit 
bem  Sitten  ©eines  SBaierS:  „SBater,  fpraa)  <£r,  ni$t 
mein,  fonbern  ©ein  S3ille  gefa)el)e!"  liefen  $or* 
gängern  laffet  un$  getroft  folgen,  unb  r>on  bergen  allezeit  unb 
allenthalben  fagen:  2öa3  ©Ott  will!  Sie  ©Ott  Will! 
Sann  ©Ott  will! 

SBaä  wiliji  bu  Md)  betrüben, 
0  meine  liebe  ©eef  ? 

£f)u  tyn  nur  tyer$lidj  liefen, 
@r  tjeif  t  Immanuel. 

Vertrau  btc^  Stjm  allein, 
@r  wirb  Qut  2Cüeö  machen  $ 

Unb  förbern  beine  ©acfyen, 
SBte  bfr'S  wirb  feite  ffy«- 


976 

©enn  ©Ott  oerlaffet  deinen, 
£>er  |u$  auf  3*>n  oerlagt, 

<2sr  bleibt  getreu  ben  ©einen, 
3Me  3$m  vertrauen  fejh 

©djeint'S  gleich  oft  wunberffcty , 
£af3  bu  bir  gar  ntc^t  grauen  5 
SÄtt  ^reuben  wirft  bu  f^aum, 

SBie  ©ott  wirb  retten  bic&! 

5De$  £errn  SOBiUe  gefa)epe!    ^nten« 


3on  bem  peiftgen  ^ t f er  in  ber  grflmmtgfett 
SS.  «.  Gor.  ii,  2.    3$  eifere  über  eu$  mit  g&ttlicfcm  ©ffer. 


6  i  n  j  a  n  3. 

3m  tarnen  Sefu!  Anteil, 

Putar$,  ein  berühmter  grie$ifa)er  ©efa)ia)tfa;rei&er,  £m* 
terlieg  unter  andern  eirje  ©a)rift  mit  ^m  Xitel  t  ©ajimajrt 
berfieben2öeifen,m  welcher  er  biefelben rebenb einführt* 
£)tefe  Seifen  be$  ^UtertjjumS  peilten  untern  anbern  t>ie  Jrage  auf : 
wela)e$  bie  befle  £au$£attung  fep?  £>er  <£ine  antwortete: 
„diejenige,  tn  weiter  fein  unre^teS ®ut au fmben ift, unb  wo 
bie  (£r£altung  be$  23ernu3gen3  fein  Sftigtrauen  unb  feine  gura)t, 
bie  Ausgabe  feine  Sfteue  *>erurfaa;t."  £>er  $nbere:  „2)ie* 
femge,  wo  ber  £au#err  ft$  fretwtttt'a  fo  »erhält,  nue  er 
öffentlich  bura)  bie  @efe£e  genötigt  ifh"  £)er  £>ritte :  „2)ie* 
jientge,  wo  man  ni$t$  UeberflüfftgeS  begehrt,  unb  am  9lotfa 
wenbigen  feinen  Mangel  jjat"  —  £)iefe  grage  lägt  fta)  aua) 
an  fromme  <5jn#en  maa;en,  unb  $>erfa)teben  beantworten.  Wlan 
fann  fagen:  bie  befie  ^auö^attung  fev  bie,  wo  ber  9ttamt, 
wie  bie  ©onne ,  btö  Söetb  ,  wie  ber  3ttonb ,  t>ie  Äinber  unb 
ba$  ©ejmbe,  wie  bie  ©terne,  in  ber  fa)önffen  £)rbnung  au 
einanber  fielen,  einanber  in  ber  £ugenb  unb  Siebt  begegnen 
unb  aua)  vor  Slnbern  tljr  2ia)t  leua)ten  laffen*  <£benbtefcg©feia;m§ 


977 

ftnben  wir  in  ber  petltgen  ©cprift,  in  bem  Traume  SofeppS, 
wo  fein  Söater,  feine  Butter,  unb  feine  trüber  burcp  (Sonne, 
2ftonb  unb  ©terne  vorgefteltt  werben*  —  ©epr  gut  ift  aua) 
eine  anbere  (£rfldrung  be£  berüpmten  Sefuiten  2)rerel:  Saä 
fep  bie  beße  #au£paltung,  wo  man  ok  »ergdnglicpen  ©ütev 
gwar  fucpe,  bocp  opne  barüber  ba$  £ünmfifa)e  unb  (£wige  p  ver* 
geffen  unb  311  verlieren.  —  <£in  anberer  fluger  2ttann  nannte 
biejenige  bie  befte  £>augpaltung,  wo  man  fo  ottt,  att  pelfe  feine 
Arbeit ,  unb  fo  arbeite ,  al£  pelfe  fein  ®tbtt.  —  2flan  f ann 
noa)  weitere  (£rffdrungen  ftnben,  3.  33.  bie  bejie  £au$paltung 
fep  okf  wo  Anfang,  9D?itte  unb  Ömbe  mit  wahrer  grömnug* 
feit  verbunben  fe^en,  ober :  wo  alle  £auSgenoffen  bemüht  fe^en, 
einen  gndbigen  ©Ott  im  £immel,  ein  guteö  ©ewiffen  im  £er$en 
unb  einen  guten  tarnen  oti  ber  eprbaren  2Belt  gu  bepalten; 
ober :  wo  ber  ©egen  ©otteä  für  bie  befte  @innapme,  unb  bie 
SMbtpätigfeit  gegen  bie  Firmen  für  oit  befte  2lu3gabe  ge* 
palten  werbe.  —  gerner  lägt  fta;  eine  gute  £au$paltung  mit 
einer  woplgefttmmten  £arfe  vergleia)en,  bte  von  einem  Äunft* 
verftänbigen  gefpielt  wirb.  £)enn  glcicpwie  auf  einer  £arfe 
vergebene  ©atten  ftnb ,  alfo  muffen  in  einer  £au$paltung 
viele  ^erfonen  fepn  ,  —  ber  Später  aU  £au£perr ,  bie  Butter 
al$  £au$frau,  hinter  >  ©efmbe  unb  bergl.;  aber  bie  ^er^en 
5111er  muffen  von  ©otteä  £anb  gleicpfam  gefh'mmt,  gerüprt 
unb  regiert  werben,  damit  jte  fämmtlia)  im  greife  ©otteS,  in 
ber  grömmigfeit,  griebfertigfeit,  ©anftmutp,  2)emutp,  Äeufa> 
pett,  2lufria)tigfeit,  greunblia)feit,  u.  f.  w.  einftimmig  erfunben 
werben,  (£nbfia)  tfi  eine  gute  £au$paltung  wk  ein  woplange* 
legter  ©arten,  barin  man  allerlei  nüfcltcpe  Kräuter,  liebliche 
Blumen,  eble  ©ewäcpfe,  frueptbare  23äume  unb  ©efiräuaje  pegt, 
ba$  Unfraut  aber  auäreigt,  bamit  e$  niept  überpanb  nepme 
unb  bie  anbern  ^fla^en  erliefe.  3eber  fromme  £au£vater  muß 
nämlicp  barauf  fepen,  bag  alle  feine  ^au^genoffen  mit  ipm 
fruchtbare  23äume  ber  ©ereeptigfeit  unb  ^flan^en  $um  greife 
be$  £errn  fepn  mögen.  @r  mug  begwegen  bie  ©emigen  bura) 
SMeprung  unb  33etfpiel  $um  ©uten  anpalten,  mug  waepen 
unb  wiber  ok  SoSpett  eifern,  mug  allem  2lergernig  unb  gott* 
lofen  Sößefen  mit  guter  3ucpt  unb  genauer  Slufftcpt  fteuern, 
unb  barf  bleibe  niept  überpanb  nepmen  laffen.  —  bleiben 
wir  nun  hü  biefem  legten  ©leicpnig  ftepen  unb  prüfen  barnaa) 

©criüer'*  ©eelcnftyafc.  62 


978 

bie  $aufyäitnn&en  unferer  £age,  fo  werten  fta>  nta;t  $u  »tefe 
fmben,  bienaa)bemfelbeneingert#tetunbbefMtftnb,  befonberS 
wenn  wir  bebenfen,  bag  ber  C^tfer  wtber  ba$  2lerger* 
nig  unb  ba$  gottfofe  2Sefen  eine  ber  £auptpflia)tett  eines 
frommen  $au$x>atex$  tft*  ©ewig  gibt  eö  3D?anä>n,  ber  in 
feinem  (S£ri|kntbum  nt<$t  ber  fajledjjtefte  fep  Witt,  unb  boa; 
ma;t  weig,  wa^  man  unter  einem  fola)en  fettigen  (£ifer  »er* 
fityL  £)ie  Reiften  wiffen  »on  feinem  anbern  (Eifer,  aU  »on 
bem  3»rneifer,  wenn  man  fta)  mana)mat  über  eine  geringe 
€aa)e  o{me  -iftotjj  unb  $ur  Unzeit  ereifert,  unb  babei  tüajtig 
flua;t,  fiürmt,  poltert,  fa)ift,  fä)mäf?t  unb  um  fttt)  fdjlägt.  — 
2Sie  aber  bie  ebelften  unb  bejien  ©ewäa)fe  ben  Reiften 
bem  Warnen  unb  ber  Straft  na$  unbefannt  ftnb,  fo  ift  e$  aua; 
mit  vielen  $flta;ten  unb  £ugenben  be$  (££riftent{?umg*  $?ana)e 
fogenannte  Triften  femten  fte  Weber  bem  Flamen  noa)  ber 
$raft  naa);  pe  achten  niä)t  barauf,  wenn  fte  aus  bem  SBorte 
©otteS  betrieben  unb  erflärt  werben,  unb  befümmern  fta) 
bajjer  aua)  nia)t  um  iljre  Ausübung*  £>ieg  iffc  i>auptfäc$Iia) 
ber  gatt  mit  tem  @ifer  in  ber  ©ottfettgfeit,  »on 
bem  ln'er  bie  9*ebe  i%  (Ex  gehört  unter  bie  ebenen  £ugen* 
ben  eines  ©laubigen,  unb  iji  eine  ber  fa)önjta  unb  nü£fia> 
pen  grüßte  beS  ©taubeng*  3a)  hin  aber  überzeugt,  bag 
9ttana;em  fä)on  ber  9tame  biefer  £ugenb  fremb ,  mityin  fte 
felbji  gan$  unbefannt  tji,  obgleia)  bie  gan^e  jjetfige  @d)rift 
»ott  »on  ©prüfen  unb  23eiftrie(en  iji,  welä)e  »on  ben  S3ug* 
fertigen  unb  ©laubigen  biefe  (£igenfa)aft  »erlangen ;  benn  wie 
e$  überhaupt  unmögfia)  ift,  bag  ber  ©laube  opne  Ziehe  ifl, 
fo  f  ann  anty  bie  Zieht  nid)t  ojjne  (Eifer  fe 9m  SBeilman 
aber  gerabe  in  biefer  £ugenb  balb  gu  wenig,  balb  $u  »tel 
tjun  unb  fte  fogar  in  einen  gejrfer  »erwanbetn  fann,  fo  ift 
*$  notjrig,  bag  wir  bie  $efä)affen|>ett  berfetben  genauer  un* 
terfua>n  unb  au  unferer  Erbauung  »orfietten*  —  ©Ott  gebe, 
bag  e$  mit ,9lu$en  gefd)ef>e,  bur$  3efum  (Spriftum!    5lmen* 

3l&£ant>tuttg+ 

S3ei  ben  Reiben  war  ber  ©ebraua),  bag  man  beim  din* 

tritt  in  ben  <££efianb  für  53raut  unb  Bräutigam  ein  B$® 

braa)te,  bamit  fte  eine  frieblicbe  unb  gefegnete  @f?e  Jaben  mo$* 

ien*   Sttan  napm  t>ahi  bem  Dpfertjriere  Ue  ©atte,  unb  »er* 


979 

fa)arrte  fte  bei  bem  Elitär  in  bte  @rbe,  um  bamtt  anzuzeigen, 
bag  t>on  bem  (Eljeftanb  alle  iötttevfett  entfernt  werben  muffe, 
unb  nur  bie  %kbt  barm  perrfa>n  folle*  —  Unfer  ©Ott  aber 
forbert  etn  wllßänbigeg  Opfer,  unb  will  ben  ganzen  Mb  mit 
allen  ©liebern,  baö  ganze  ^er^,  bte  ganze  ©eele  mit  alten 
Gräften,  alfo  barf  aua)  bie  ©alle  nicf)t  auSgefa^loffen wer* 
fcen.  2X  u  (Ex  will  bie  3ornfraft,  bie  bem  2ttenfä)en  *>on 
Statur  eingepflanzt  ijt,  nia)t  gan^  ausgerottet,  fonbern  geläu* 
tert  unb  gereinigt  l)abem  2)er  (£ifer  in  ber  grömmtg* 
feit  ift  eine  ber  ebelßen  ©aben,  hk  man  3&m  barbringen 
mug,  —  SSie  bie  Reffet,  eine  fonft  nta)t  beliebte  pflanze, 
in  gegriffen  $ranf!i>eiten  ju  einem  Ijeilfamen  Arzneimittel  ge* 
braucht  werben  fann,  fo  fann  aua)  bie  3orn!raft  be$  2tten* 
fa)en,  wenn  fte  i>om  ©elfte  I©otteS  verebelt,  gemägigt  unb 
geleitet  wirb,  zur  (£f)re  beö  £errn,  |um  tüQo^l  be$  9Md)ffat, 
unb  zu  unferem  eigenen  heften  gereichen.  —  2)awn  rebet  ber 
Sipofiel  in  unferem  £ert,  wenn  er  fagt:  „3$  eifere  über 
eua)  mit  göttli<^em  @:ifer."  @r  ttergleictyt  fta)  in  ben 
näa)jrfolgenben  Söorten  mit  einem  freier,  unb  bie  ©erneute 
ZU  ^orintl?  mit  einer  S3raut,  bie  er  aU  eine  reine  3ungfrau  3efu 
Zuführen  wolle*  <£$  Ratten  fta)  aber  Srrleljrer  (betrügerifa)e 
SSerber  be$  @atan£)  £eimlia)  bä  biefer  3ungfrau  eingefa)li* 
a)en,  bie  barauf  ausgingen,  i£re  @inne  bura)  <5a)meta)elet 
in  »errüden  unb  fte  t>on  ber  Einfalt  in  @ljrifto  abzuführen*  — 
Darüber  nun  eifert  ber  Slpofiet  aU  treuer  greunb  unb  £>ie* 
ner  feinet  (£rlöfer$  mit  göttlichem,  b,  i.  mit  einem  ^eiligen, 
lautern,  getftlia)en  (£ifer.  &$  tterbrog  tpn  ni$t,  bag  Rubere 
*>on  ben  ^orint^ern  beffer  befa)enft  unb  befmnbelt  würben,  al$ 
er,  weil  er  fta)  nicbt  an  ij>nen  zu  bereitem  fua)te  unb  feine 
fleifa)lia)e  2lbfta)t  fyatte.  Darüber  aber  eiferte  er,  ba$  bte 
3rrlej?rer  mit  ijner  33raf>lerei  unb  mit  ijren  fa)onen  Sorten 
bie  ©emeinbe  serfüjjrten,  unb  berfelben  Ut  Meinung  betbraa> 
ten,  aU  ob  fte  »on  i£nen  noa)  etwaö  33effere$  unb  ©rögereS 
erwarten  bürfte,  aU  fte  von  bem  Slpoftel  bereite  empfangen 
fyattz;  benn  babura)  würben  Jene  @£riften  t>on  ber  Einfalt 
be£  ©lauben^  unb  ber  reinen  kkbt  3efu  zur  6tt>;inl?eiligfeii 
unb  zum  SBorwifc  verleitet* 

£ierau$  fönnen  wir  fa)on  ziemlia)  fe£en,  wa$  ber  go tu 
Utyt,  jjeiltge  <£ifer  tinrt  ©laubigen  fey?   <£x  ift,  wie 

62* 


980 

gutDer  t{m  treffenb  nennt,  eine  erzürnte  £iebe,~(B  t'ß 
ein  *>ermifa)te$  Sßaffer,  wela)e$  ©üftgfett  unb  23ttterfeit  ent* 
{mit,  aber  (auter,  jjeilfam  unb  nüfclia)  iß,  tr-etl  e$  aus  einer 
guten,  reinen  unb  fettigen  Duette  fliegt*  Tlan  fann  fagen: 
e$  fep  eine  Ijeilige  unt>  ^efttge  Regierte,  ©ott 
gu  gefallen,  ©eine  @rl>re  unb  be$  9läa)ßen  2ßo£f 
gubeförbern;  ober  eine  fräftige  Bewegung  bet 
gottIiebenben©eefe  »ow  ^eiligen  ©eiß,  um  ba$ 
Sfteia)  ©otteö  in  t£r  unb  in  Anbern  gu  erjjaften 
unb  ju  erweitern,  unt>  Alles,  tvaö  bem  entgegen 
tß,  gu  öer^inbern,  gu  gerßoren  unbauSgurotten, 
Anbere  fagen :  ber  göttliche  @ifer  fep  eine  aufgeregte,  gürnenbe 
£iebe  gu  ©Ott,  wela)e  ßa)  Ottern  aufs  fräftigße  wiberfegt, 
wag  x>om  Teufel  unb  bofen  9ttenfa)en  £erfommt  unb  ber  @ljre 
©otteS  guwiber  ijfc  (Bin  rechter  ©ferer  iß  ein  getnb  ber 
geinbe  ©otteS,  unb  ein  treuer  greunb  3efu,  beffen  (££re  er 
attentljalben  mit  freubigem  Wlufyz  »ertbeibigt,  ein  ©treiter 
G£rißi,  ber  bereit  iß,  fein  £eben  unb  AtteS,  waä  er  %at,  für 
feinen  £erw  auf  bag  ©ptel  gu  fegest*  —  2)oa)  aus  bem  gol* 
genben  werben  wir  noa)  beutlia^er  fejjen ,  txa$  man  eigentlich 
unter  bem  göttlichen  (£ifer  »erßejjt,  unb  wie  berfelbe  befdjaf* 
fen  fetj.  —  (£l?e  wir  aber  me£r  barüber  fagen,  Wolfen  wir 
geigen ,  bag  fta)  ein  fola)er  ^eiliger  (£tfer  nidjjt  bloS  bei  bem 
©laubigen,  fonbern  aua;  bei  ©Ott  felbß  fmbet.  2)er  Aller* 
pöä)fte  nämlta)  eifert  als  bte  ewige  £tebe  über  bte  gettltc^e  unb 
ewige  Sßoljlfaprt  ber  Sttenfajem  £>a£er  3efata$  bemerft: 
„©oldjeS  wirb  tjun  ber  Gnfer  be$  £errn  3>tha* 
ot£!"  Aua)  unferem  «^eüanb  wirb  ein  gleicher  (Eifer  guge* 
fa)rieben,  wenn  t$  im  £ol)enlieb  tyißt :  „2)  t  e  2  i  e  b  e  i  ß  ß  a  r  f 
wie  ber  £ob,  unb  ber  (£ifer  iß  fefi  wie  bit  £ölle, 
ij?re©(ut5i(i feurig  unbeineglammebeS£erm*" 
dx  geigte  ßä)  befanntlia)  in  bem  333er!  ber  (£rlöfung  tt^k  ein 
Bräutigam,  bem  bie  33raut  *>on  Räubern  entführt  iß,  unb 
ber  entfdtfoffen  iß,  ße  mit  Aufopferung  feinet  £eben$  gu  ret* 
ten*  £)er  gange  SSanbel  unfereS  (£rlöfer$  geugt  gur  ©enüge 
»on  feiner  eifrigen ,  unvergleichlichen  £tebe ,  bie  (£r  gu  un$ 
3Jcenfa)en  gehabt  fyat,  unb  worüber  ßa)  alle  ^eiligen  <£ngel 
nia;t  genug  tterwunbern  tonnten*  —  Aua;  ber  petlige  ©eiß 
wirb  ein  ©eiß  ber  Cteöe  unb  ber  ©tärfe  genannt 


981 

weil  (£r  nebft  bem  $ater  unb  bem  Sopn  mit  eifriger  Siebe 
unfer  ^>etl  unb  imfere  ©eligfeit  fuc^t  unb  beförbert.  2D3te 
nun  ©ott  ift,  fö  bttbet  (£r  au$  bie  glaubigen  ©eelen,  bie 
3£m  ergeben  ftnb:  fte  derben  fetner  göttlichen  Sftatur 
t£eil£aftigunb  mit  aUerlei  ©o  tteöfüUeerf  üUt; 
mithin fann  e$  ilmen  aud)  an  bem  göttlichen  ßrifer  nidjt 
fehlen»  —  2lu3  bem  wahren  ©lauben  folgt  bie  Siebe;  bie 
Siebe  aber  ift  ein  Jn'mmlifctyeg  geuer,  welcfye^  immer  weiter 
um  ftcjj  greift,  ftc^>  sergrögert,  unb  $ule£t  eine  groge  Snbrunft 
wirb,  bie  man  bm  ^eiligen  unb  göttlichen  GEifer  nennt*  OJme 
benfelben  aber  gibt  eS  feine  aufrichtige,  rect)tfcr)ajfene  Zitht, 
tt)ie  bk  tägliche  Örrfaljrung  leljrt*  £>te  %itf*t  glimmt  im  £er* 
gen,  wie  ein  serfcbloffeneS  geuer*  SSenn  jtdjj  t£r  aber  eine 
Gelegenheit  barbietet,  wenn  bem  ©eliebten  eine  9cotlj  ober 
eine  SBiberwdrtigfeit  guftögt,  fo  bricht  fte  mit  einer  Slftadjt 
peroor,  bk  2llle3  in  Qirftaunen  fe^t*  (£ine  grau  liebt  ij>rett 
3J?ann,  fo  lange  er  gefunb  i|t  unb  e3  il?m  wobl  geljt,  wie 
eS  fd;eint  nur  auf  eine  gan$  gewöhnliche  SSeife ,  rebenfo  fyait 
man  bie  Zkte  einer  Butter  $u  tf?rem  $inb,  fo  lange  es  cm 
iprer  ©rujt  liegt,  ober  um  fte  £er  fpielt,  für  ni$t$  Slugeror* 
bentli$e£,  weil  man  e3  gewohnt  ijt;  allein  fobalb  ber  SDcann 
töbtlid)  erfranft,  ober  in  ©efajjr  unb  -ftotj)  fommt,  —  wenn 
ba$  $inb  gefci£>rli$  fallt,  ober  ettt>a  von  einem  £frier  ange^ 
fallen  wirb,  ba  entfaltet  ftdt>  bie  $kfo,  unb  tput  Sßunber;  ba 
ängjret  ftcb  bag  liebreiche  £er$,  ba  wirb  gewadjt  unb  gebetet, 
geweint  unb  gefeuf$t,  t>%  läuft  unb  rennt  bie  ©atttn  ober 
bie  dufter,  fud;t  nacfj  Gräften  ^u  Reifen  unb  ^u  retten,  $er* 
gigt  ftd)  felbft,  i£re  eigene  Pflege,  43equemlicf fett  unb  ©efunb* 
fyit,  ja  fte  ifi  bereit,  t£r  eigenes  Seben  für  btn  ©eliebten  auf* 
gu opfern*  —  SBenn  nun  bk^  ber  täglichen  (Erfahrung  gtt 
golge  bk  natürliche  Siebe  iput,  m$  follte  bie  göttliche  unb 
tyimmlifdje  Siebe  ^u  ©tanbe '  bringen  ?  2)ie  ©faubigen  wanbeln 
oft  in  fcfyltcbter  Einfalt  bafun,  unb  Weber  fte  nod?  2lnbere 
glauben,  bag  fte  einen  befonbern  Grifer  um  ©Ott  fyabm.  (So* 
balb  ft$  aber  eine  ©elegenfieit  geigt,  unb  wenn  fte  fe£en,  bag 
bie  Grjjre  ipreg  ©otteS  vom  <§atan  unb  ber  böfen  SOSelt  ange* 
fochten  wirb,  ober  wenn  z$  bie  9cot£burft  beS  9lää)ftm  erfor* 
bert,  fo  bricht  tpre  Zkte  mit  Wlafyt  £en>or,  unb  eifert  um 
©ott  unb  ben  9tä#en,  e$  mag  auty  fommen,  wa$  ba  wolle» 


982 

2)emnad)  folgt  ber  göttliche  @ifer  notpwenbig  au$  bem  ©lau* 
Bett,  ber  un$  mit  Gprtjio  vereinigt;  unb  n>te  eine  getreue  ©at* 
tut,  ober  eine  treue  Butter  eifrig  liefet,  fo  aua)  bie  ©eele 
ber  ©laubigen»  £>te  eine  $kbt  fommt  aug  ber  Statur,  bie 
anbere  au$  ber  ©nabe,  Unb  wie  eine  ©atttn,  bie  tpren  Oflamt, 
eine  Butter,  tit  tyx  $mb  ntc^t  pernio)  liebt  unb  im  gatl  ber 
SRotp  um  baffelbe  eifert,  für  feine  treue  (Gattin,  für  feine 
Qutt  SPfutter  an|ufe£en  iß;  fo  fann  man  aua)  bie  ©eele, 
wela)e  ©Ott  nt^t  pernio;  liebt,  unb  bei  ©elegenpeit  nicpt  für 
©eine  (£{>re  eifert,  nia)t  für  glaubig  unb  redptfdjaffen  galten,  — 
5Bir  wollen  nun  biefen  göttlichen  (£ifer  näper  erläutern,  ba* 
mit  wir  bejfer  einfepen  lernen,  wie  notjn'g  er  fep,  2)er  ©lau* 
btge  eifert  1)  für  ©Ott;  benn  er  weig  nicpt  allein  auö 
©otteg  2Bort,  fonbern  auä)  au$  eigener  @rfal)rung,  wielieb^ 
reicp,  gütig,  gnäbig  unb  barm!)er$ig  ber  £err  ift,  wie  (£r  e£ 
mit  ben  5ttenfa;en  fo  pernio;  meint ,  fte  liebt  unb  fo  treulia) 
für  ifjre  seitliche  unb  ewige  SBoplfapri  beforgt  tjh  dt  fennt 
35m  als  ein  peiligeö  unb  vollfommeneS  SSefen,  unb  weig, 
feag  alle  ©eine  ©ebote,  Slnorbnungen,  2Sege,  ©ericpte  unb 
SSofrttpaten  peilig,  gerecht  unb  gut  ftnb*  2)arum  fann  er  e$ 
nicpi  bulben,  baß  3f>tn  ttwtö  gutt>it>er  geftt)epe,  bag  man  Stint 
<£pre,  ober  i>it  gurdjt  unb  ZkU  gegen  3{jn  au£  ben  Singen 
fege,  ©eine  ©nabenwopltpaten  nia)t  ad^tc  ober  $u  bergen 
nefjme»  —  SBenn  er  nun  fefjen  mug,  bag  einigt  90tafa)en 
nod;  in  peibnifcfjer  23linbpeit  bapin  leben,  an  falfa)en  Qdötttcn 
Rängen,  bem  ©atan  bienen  unb  von  bem  wafjren  ©Ott  nidjtö 
wijfen,  fo  entbrennt  er  barüber  unb  wünfajet  fein  %iü)t  Slnbern 
mitsutpeilen,  unb  bie  @rfenntnig,  bie  er  von  ©Ott  Ijat,  in 
Sielen  taufenb  £>er$en  gu  verbreiten»  @$  tfwi  ipm  wepe,  W$ 
e$  Sttenfüjen  geben  fotle,  welche  ben  einigen,  wahren  ©ott, 
ben  ©a)öpfer  unb  (Erpalter  aller  £)inge,  ben  (Erlöfer  unb  £rö* 
per  be$  5JÄenfa)engefa)lea)t^  nid)t  erfennen  unb  gebüprenb  ver* 
epren*  — 

■Der  ©laubige  eifert  um  ©ott,  wenn  er  f>ört,  bag  neun* 
$efm  Steile  ber  (Erbe  von  Reiben,  fea)$  von  Sftupamebanero, 
unb  nur  fünf  von  Gtlmften  bewofmt  ftnb;  ^a  fkigen  ijmt  W 
Streuten  in  bie  klugen,  unb  er  wünfa)t  eine  ©timme  gu  paben, 
bie  bura)  alle  Selttpetle  erfa)allen,  ben  breieinigen  ©Ott  allentpal* 
ben  prebigen,  unb  2ltte6  mit  ©einer  feligmaa)enben  (Erf  enntnig 


; 


983 

erfüllen  fßmtte*  SSemt  er  aber  fonft  ntdjtö  t|)un  fann,  fo 
Met  er  wenigfteng  mit  (Eifer  unb  2lnba$t  für  t>ie  unglau* 
bigen  Reiben,  3uben  unb  dürfen,  tag  ©Ott  naä)  ©einer  gro* 
gen  ©üte  ©iä)  tfjrer  erbarmen ,  fte  t>on  ber  £errfd?aft  ber 
ginfternig  erretten  nnb  in  ba£  D^eia)  ©eineg  geliebten  ©ofj* 
ne$,  3efu  (Sprtffci,  tterfegen  wolle*  (£r  $äft  an  mit  gießen 
unb  IBeten,  bag  ber  -derr  naa)  ©einer  grogen  $kU  £ej?ret 
erweefen,  fte  mit  ©eift  unb  $raft  auSrüften,  unb  ^u  ben  Un* 
glaubigen  fenben  möge*  dv  sereprt  gtx>ar  t>k  2öege,  bie  ©Ott 
mit  folgen  Golfern  gebt,  unb  weig,  bag  biefelben  jjeilig  unb 
geregt  ftnb;  aber  er  fleljt  aua)  um  ©nabe  unb  SBarmfjeratg* 
hit  für  jte  unb  trauert  barüber,  bag  ber  ©a)ö:pfer  »on  fo  sie* 
Ken  5^enfa)en,  bie  ©eine  ©üte  tdgtia)  geniegen,  —  unb  bag 
ber  ©efreu^igte  von  fo  vielen  taufenb  ©eelen,  für  bie  (£r 
©ein  23lut  .vergog,  nia)t  erfannt,  geliebt  unb  angebetet  wer* 
ben  folf*  —  (£in  33eifpiel  von  biefem  ^eiligen  (Eifer  gibt  un3 
ber  Styofiel  $aulu3*  811$  er  wäjjrenb  feinet  Aufenthalts  gu  2ltt?en 
bie  (Einwojmer  fo  gan^  abgöttifä)  fanb,  ergrimmte  er  im  ©eifte 
barüber,  unb  fing  an  $u  prebigen  von  bem  wahren  ©Ott, 
bem  £errn  be£  £>immel$  unb  ber  GErbe,  unb  von  3efu  G>  jmfto, 
burä)  welken  ©Ott  ben  totö  be£  GEtbbobenS  rieten  werbe* 
£)a$  ^dmlia)e  lefen  wir  aua)  von  Hpotto,  einem  berebten  unb 
in  ber  ©ä)rift  erfahrnen  tarnte,  bag  er  mit  brünftigem  ©eifte 
geriet,  vom  Jperrn  eifrig  gelehrt,  unb  frei  in  ben  jübifa)en 
©a)ulen  geprebigt  Jjabe* 

2öenn  ber  ©laubige  ferner  fejjen  mug,  bag  bie  G^rijlen* 
Ijeit  in  fo  viele  Parteien  geseilt  tfi,  von  benen  einige  bie 
anbern  mit  bitterem  £affe  verfolgen;  wenn  er  feben  mug,  bag 
©otteS  2öort  entweber  au$  ben  klugen  gefegt,  unb  mit  9ften* 
feijenfagungen,  SSernünfteleten  unb  vorgeblichen  Offenbarungen 
verwea)felt,  ober  febetnblia)  verfemt  unb  naä)  2)?enfa)enjtnn 
gebeutet  wirb ;  —  wenn  er  feiert  mug,  ba§  man  bem  liebrei- 
chen, barmherzigen,  gütigen,  getreuen,  Ijeiltgen  unb  geregten 
©Ott  £)inge  auftreibt,  bie  nie  in  ©ein  £er$  gefommen  ftnb, 
woburc^  man  ©einen  ^ujmt  fdmtälert,  unb  ba$  $tx%  mit  vor* 
wiegen  unb  gottlofen  ©ebanfen  erfüllt ;  wenn  3efu^,  ber 
©efren^igte,  ber  einige  Mittler  awifa)en  ©Ott  unb  9ttenfcf)en, 
nia)t  lauter  unb  rein  geprebigt  wirb,  wenn  3pw  bloge  9$en* 
fa)en  an  bie  (Bäte  gefegt  werben,  mm  ttiz  $raft  <&tw$ 


984 

SBerbienfteS  in  3wetfel  öejogcn  unb  verbunfelt  wirb  ,  wenn 
Seinem  föntgliä)en  55urpurmantel  (Seiner  @erea)tigf  eit)  $cty* 
pen  (9ttenfa)enverbienft  unb  28erfe)  angeheftet  werben,  wenn 
Seine  &ebe  verringert,  Seine  ©nabe- verfügt,  Seine  Qb&t* 
liä)feü  geldugnet,  bk  ßraft  unb  SBirfung  Seiner  Sacramente 
verfeinert  unb  ungewiß  gemalt,  Wenn  Seine  gan^e  2ef)re 
naa)  beut  Eigenbünfel  ber  Vernunft  verbrejjt,  genteiftert  unb 
beflügelt  wirb,  — fo  fann  er  nia)t  anberS,  als  eifern,  flagen, 
beten,  fdmpfen,  wiberft>re$en,  unb  fta)  mit  aller  9ttacf)t  einem 
folgen  Unzeit  wiberfe§em  Er  fpridtf  mit  bem  ^ropfjeten : 
„£)bag  ify  mit  ben  £ecfen  unb2)ornen£rtegfü^ 
ren  fönnte,  fo  wollte  ia)  Jie  jerreigen  unb  fte 
auf  einem  Raufen  anaünben!"  Er  wünfa)t,  bag  alle 
Srrle^rer  ausgerottet,  bie  Verführten  $urücfgebraa)t,  bie  3r* 
renben  erleua)tet  unb  befejjrt  werben  möchten,  bag  allem  är* 
gerlia)en  gottlofen  ©e^dnfe,  aller  23ttterfeit  unb  Verfolgung, 
aller  Zerrüttung  ber  $ira)e,  allen  Parteien  unb  Selten,  welche 
fcte  Eljre  beS  göttlichen  üftamenS  laftem,  Sein  2öort  verfemen, 
unb  bie  Seelen  verführen,  bura)  ©otteS  ©eift  unb  $raft  ge* 
fieuert  werben  möge,  bamit  bie  E£rtftenf>eit  gleich  geftnnt  werbe 
mit  3efu,  einmütig  unb  mit  Einern  5D?unbe  ©Ott,  ben  $ater 
unfereS  £errn  3efu  Eljrifti,  greife*  Er  würbe  fta)  niä)t  wet* 
gern,  xoit  ein  3onaS  fta)  in'S  $?eer  werfen  ju  laffen,  wenn 
babura)  alles  Ungewitter  gefüllt  werben  fönnte;  er  würbe 
Willig  fein  23lut  vergießen ,  wenn  er  bamit  jebeS  geuer  ber 
3wietraa)t  in  ber  E£riftenj>eit  auSlöfa)en  fönnte.  2)emt  eS 
fa)mer$t  ifjn,  feiert  31t  muffen,  bag  baS  ^eilige  2öort  unb  bie 
Seljre  3efu  bura)  beS  Teufels  9tab  sunt  3anfapfcl  gemalt 
wirb,  unb  bag  bie,  wela)e  allefammt  bura)  baS  tpeure  $3lut 
beS  SoljneS  ©otteS  erlöst  finb,  unb  ©Ott  in  Einigfeit  beS 
©eijieS  unb  Jper^enS  bienen  follten,  ben  Ungläubigen  jum  2ln* 
flog,  unb  ben  Sa)waa)en  $um  Slergemig,  feinbfelig  gegen  ein* 
anber  finb*  —  din  33eifptel  bavon  gibt  uns  abermals  ber 
Sfyofiel  ?5auluS,  ber  fta)  ben  3rrle£rern,  wela)e  bie  Ejjriften* 
gemeinbe  verwirrten  unb  baS  Evangelium  verbreiten,  mit 
grogem  Eifer  wtberfefcte  unb  fpraa):  „SBenn  wir,  ober 
ein  Engel  vom  Fimmel  eua)  baS  Evangelium 
anberS  prebigen  würbe,  als  wir  eua)  geprebtgt 
Ijaben,  ber  fev  verflucht!  SBollte  ©Ott,  fte  wür* 
ben  ausgerottet,  bie  euä)  verjtörenl" 


985 

gerner  ift  nia)t  $u  Idugnen,  bag  ba$  voaprc  (£f>riftentt)tm 

unter  ben  giften  unferer  £age  fafi  erlogen  ift,  wie  urfer 

Jpetlanb  fagt:  „£>te  Ungerec^tigf eit  £at  überbaut)  m 

nommen  unb  bie  Zieht  ifiin  Stelen  £er$ett  erfalte." 

2)ie  wemgften  (Sfjrtjten  jinb  tljrem  £aufgelübbe  getreu  mb 

führen  ein  gottfeligeS  unb  fjetligeS  £eben,  unb  beweifen  ifreu 

©lauben  mit  guten  Serfen.  —  3Mc  ©djrift  ermahnt  utä: 

„wir  fotten  würbig  wanbeln  beut  £erm  unb  fettem 

ßrttangelium,  wie  aua)  unferem  Berufe,  bacitt 

wir  berufen  finb,  wir  feilen  unS  von  ber  Seit 

unbefletft  erhalten,   follen  al4  £ia)ter    in  ber 

SSelt   fa)etnen,    uub   unfern   ©Tauben    teuetem 

l  äff  er.  »or  ben  Seuten,   bannt   unfer  SSate  im 

£immel  gepriefen  werbe."    Wlan  muß  aber  eiber 

fajt  überall  ba$  ©egentljeil  unter  ben  (griffen  waljrnemen* 

©ie  f>aben  fa(i  nia)t3  trte^r  at$  ben  ©a)etn  eines    Ott* 

feiigen  SßefenS,  aber  t>te  traft  tterldugne-  fie* 

—  3m  ©eifiliäjen  l)errfa)t  £>eua)elei,  ©to!$  unb  drerltcfje 

3an!fuä)t,  ßaltfmn,  9tad)ldfftgfeit  unb  bergl.    3m2öelid)en: 

©otteäldugnung ,  Ungerea)ttgf  eit ,  Ueppigf  eit,  Unterbicfung 

ber  2lrmen,  £ügen,  betrug,  5!ftorb,  trteg,  33ejka)ung  |  (♦  w* 

3m  {wuSlia)en  Seben  £errfä)t  glua)en,  3anfen,  getnbfigf  eit, 

Sitterfeit,  £ag,  2Jttf}gun|i,  Unaua)t,  ©eta,  £offart,  SSitliebe, 

f[eifa){ia)er  ©inn.    £)ie  $ira)en*  unb  ©$ulaud)t  Ijaiabge* 

uommen,  bie  Sugenb  wirb  serfdumt,  wirb  feiten  at  ifjren 

£aufbunb  erinnert  unb  $ur  lebenbigen  (Erfenntnif?  (£j>rti  unb 

©einer  9?aa)foIge  hityt  redjt  angeleitet,  ©ie  wä$$t  innigen* 

ftnn,  im  SDhttJjwitten  unb  in  ber  23o3fjeit  auf,  lernt  soifönb* 

ijeit  an  bie  Cüriielf  eit  ber  Sßeft  J>oa)fa)d#en ;  aber  ben  (efreu* 

gigten  mit  ©einer  Ijeilfamen  Se^re  unb  ©einem  ^eiliger  2eben 

mi$  {Ie  nia)t  ju  fragen,    ©ie  fennt  bie  ©elbjtoerlägmmg 

uia)t,  lernt  i^ren  Stilen  nia)t  brechen,  ifjr  gleifa)  famtt  ben 

lüften  unb  25egterben  nia)t  freudigen,  unb  fta)  in  bergröm* 

migleit  nia)t  üben.    £)af)er  ftnbet  ber  ©laubige  bie  a)i(Hiä)e 

$trä>  serwilbert,  unb   mit  dornen  unb  £>ijMn  betrafen, 

unb  bie  ebeln  ©ewdö)fe  finb  unter  bem  biä)t  aufgefa)ffenen 

Unfraut  laum  au  erfennen. 2)amit  aber  ftiemanb  ueine, 

als  fage  man  au  tnel,  fo  bitte  ia)  alle  $rijHi$e  frebigr  unb 
anbere  fromme  Männer,  *>on  frü  &u  Seit  in  ben  @ä)ulen 


nct^fejjen,  wie  »tele  gejtttete  unb  wohlerwogene  $tnber  au 

fttben  feiert,  benen  man  bte  grömmigfeit  unb  ben  ©eporfam 

arftejjt.  ©ie  mögen  bie  ganae  ©emetnbe,  bte  tlmen  anvertraut  i% 

utterfucfyen,  wie  viele  werben  woltf  au  ftnben  feipn,  bie  einen 

d)*iftfid;en,  frommen  unb  gewiffenjwften  SSanbel  führen ?  ©ie 

rmgen  prüfen,  wie  viele  £aug£altungen  eS  gibt,  in  welö)en 

mcn  nic^t  jkcf)t  unb  fä)wört,  fonbern  fletfjtg  httet,  $inber  unb 

®(ftnbe  an  ifjren  £aufbunb  erinnert,  aunt  liefen  ber  ISibel 

anlält,  im  ^ate^ismuS  unterria)tet,  über  bie  gehörte  ^rebigt 

fra,t  unb  jte  über  t>k  Slnwenbung  berfelben  gehörig  betejjrt 

@it  mögen  bebenfett,  wie  viel  rea)tfa)affene  unb  gewtffen|>afte 

Gjttften  fte  ben  £äfterern  ber  ^trc^e  ©ottetf  entgegenjMen 

föntm,  wenn  biefe  naa;  ben  grüßten  tmfereS  (SfjrtftrntyumS 

unbbeS  geprebigten  2öort$  fragen?    2Sie  lötete  i?aben  fte 

etwe  in  ifjrett  ©emetnben,  au  benen  fte  mit  bem  2lpoftel  fagen 

föntn:  „3£r  fe#b  unfer  SBrief,  in  unfer  £era  ge* 

fc^reben,  ber  erfannt  unb  gelefen  wirb  von  al* 

lenD^enf^en?    SSer  ifl  unfere  Hoffnung,  unfere 

grebe,  ober  bie  $rone  unfereä  9tu£m£?    ©epb 

nid?  au$  if>r  e$  vor  unferem  £errn  3efu  @l?rifio 

bei5einer  3ufunft?    3a   if>r  fepb  unfere  @£re 

unbtnfere  greube/' —  gürwafjr  matta)er  ©eelforger  wirb 

eine  teuere  bebürfen  Ui  geltem  £age,  um  Triften  unter 

(£jfjrtfn  au  ftnben,  unb  mancher  wirb  M  fola)en  ©ebanfen 

me^raurigleit  afö  greube  fjabett-    @r  wirb  vielleicht  Ur* 

fa^efmbett,  mit  bem  ^ro^eten  Wlifya  au  fagen:  „51a)!  e$ 

gejnmir,   wie    einem,    ber  im  SBeinberge  nac^ 

Üe3,  ba  man  feine  Trauben  au  e f fett  finbet,  unb 

woltebod?gernbiebeftengrüü)te  f>aben!  £>iefrom* 

meni*eutefinb  weg  anä  biefem  i*anbe,  unb  bie  ®e* 

redjenfinb  nia)t  mei?r  unter  ben  beuten;  ber33effce 

utttcrifjtten  iß,  wie  ein  £)orn,  unb  ber  ^eblta)jk,  wie 

ein  e£e  cf  e."    Serben  ntctyt  $latta)e  mit  bem  frommen  £au* 

ler  fugen  muffen:  ,,2ia)  ^tnber!   wa$  tagt  ftö)  von  uuferer 

iöefelrung  fagen?  Ö*  iji  metfknö  Slttcö  nur  auf  ben  ©a)etn 

angetgt.   2)er  größte  gf>etl  unter  uttä  tf*,  wie  ber  verwünfä)te 

getgetbaum,  wir  tragen  Gatter,   aber  ofme  gruä)t;  unter 

Munterten  ifi  faum  ein  33efer;rter-au  ftnben/'  -  Dber  mit  Cu* 

tfjer :  „<£$  iji  ein  SBunber,  wenn  bu  nur  3^et  ftejijt,  bie  griffen 


987 

ftnb;  bie  SÖSelt  unb  bte  $?enge  WiU  Un^riften,  ob  fte  gfeiü) 
Sitte  getauft  jtnb,  unb  (griffen  Reifen;  bie  ßljrijkn  wofmen 
mit  auSeinanber."  — 

SQSie  fann  nun  ein  frommer  gläubiger  @£rift  anberS,  aU 
Wtber  ein  fola)eS  falfü)eS  ßljrtftentljum  unb  gottlofeS  Sefen, 
baS  fjeut^utage  unter  $rißlia)em<9tomen  getrieben  wirb,  ffret* 
ten,  fämpfen,  eifern,  f lagen  unb  beten?  (£r  weig,  tt>aö  bte 
(griffen  vor  allen  anbern  Sßölfern  auf  (£rben  iprem  ©Ott  be* 
fonberS  wegen  ber  tljeuren  ßrrlöfung  bura)  baS  33lut  ©eines 
©opneS,  wegen  ©eines  SBortS  unb  ©einer  IjeiL  ©acramente 
fa)ulbig  fittb.  <Ex  weig,  was  baS  Gtyrtftentlwm  forbert,  unb 
was  ber  £aufbunb  mit  fta)  bringt  @r  weig,  bag  bie  Pforte 
eng,  unb  ber  2ßeg  fa)mal  i(i,  ber  aum&benfüljrt;  weig,' bag 
@ott  über  bie  ©ünbe  eifert,  altem  gottlofen  2Befen  feinb  ift, 
aua)  baffetbe  um  fo  fa)ärfer  an  ben  Triften  ffraft,  wela)e  mit 
2kraa)tung  aller  i^nen  angebotenen  ©nabenmittel  bennoa)  in 
ber  Unbugfertigfett  beharren*  dt  weig,  wela)  zin  $leinob 
eine  unjkrblia)e  ©eele,  unb  toiz  ftt)recftiä)  es  ijt,  bag  fte  ewig 
verloren  gejjen  fott.  Darum  £eigt  eS  hzi  t£m:  „ber  @rifer 
um  Dein  £auS  S> a t  mi<S)  ^er^eprt*  3a)  gräme 
miä),  bag  mir  baS  £era  verfa)maä)tet,  ta)  hin 
entbrannt  über  bte  ©ottlofen,  bie  Dein  ©efe# 
verlaffen,  ta)  eifere  mia)  faß  %u  tobt,  bag  meine 
2öiberfaa)er  Deine  Sßorte  vergeffen,  ia)  felje 
bie  SBerda)ter,  unb  eS  t^ut  mir  we£e,  bag  fie 
Dein  SBort  nia)t  galten.  3a,  £err!  ia)  jjaffe,  bte 
Dia)  Raffen,  unb  eS  verbriegt  mia),  bag  fte  fia) 
Dir  wtberfegen;  ia)  ^ äffe  fie  mit  rea)tem  (£rnfte, 
barum  finb  fie  mir  feinb/' 

3n  biefem  ^eiligen  ßrifer  fott  ber  ©laubige  bisweilen  fo 
entbrennen,  bag  er  mit  feinem  (£rlöfer  gleia)fam  eine  ©eigel 
§ur  £anb  nimmt  unb  bie  JMufer  unb  $erfäufer  fammt  ^zn 
<B^aafzn  unb  £)a)fen  :c»  sur  ütra)e  trinauSjagt  (£r  fott 
mit  ^eljemiaS  ben  verwegenen  unb  mutbwitligen  Uebeltj?ätern 
ben  3^m  ©otteS  verfünbigen,  fott  mit  sJ5etro  einen  ©ottlofen 
alfo  anreben:  „bag  bu  verbammt  werbe):  mit  bei* 
nem  ©elbe!  Du  wirfl  leinen  £f>eilj>abenanbie* 
fem  SBort;  benn  bein  £er$  ijt  nia)t  rea)tfa)affen 
v  o  r  ©  o  1 *♦"  grwfott  enblia)  mit  $auluS  ^u  jenem  grevler  fagen : 
„D  bu£:inbb  es  Teufels,  voll  aller  £ifi  unb  <&$aW 


988  . 

$ett,  uubgetnb  atler  ©eredMtgfeü,  buporfi  nta)t 
auf  ab^uwenben  bie  r  eö>t e n  2öege  beS^errn!"— 
bisweilen  aber  fott  ber  ©laubige,  wenn  er  bie  tjjeuren  6ee* 
Ken  anfielt,  lieber  bitten  uub  flehen,  aU  fta)  einem  ^eiligen 
unb  gerechten  (£ifer  überlaffen.  @r  foft  mit  9D?ofe$  unb  $au* 
Iu$  wünfa)en,  aus  bem  23ua)e  beS  £ebenS  ausgetilgt  unb  »on 
C^prifto  »erbannt  ju  fepn,  nur  baß  »iele  5lnbere  gewonnen, 
erleuä)tet  unb  befeljrt  werben  mochten.  —  3wa*  wirb  es  2Be* 
nige  unter  ben  Gtlmfien  heutiges  £ageS  geben ,  welä)e  tiefen 
2£unfä)  auS  (£rfaljrung  fennen,  noa)  öiet  weniger  aber  fota)e, 
bie  i^n  *>on  £er$en  naa)f»reä)en.  £)enn  weil  wir  in  unfern 
£agen  »on  feiner  eifrigen  %kbt  etwas  wiffen,  fonbern  mei* 
ftenS  mit  bem  gcringften  ©rab  aufrieben  ftnb,  fo  fönnen  wir 
frei(ia)  niä)t  begreifen,  mc  fo!a)e  Männer  ©otteS  fta)  felbft 
ber  SBerbammniß  Jjaben  übergeben  mögen,  nur  um  Rubere 
fefig  3U  maa)en*  Sir  beurteilen  tyxt  feurige  ?iebe  naä)  un* 
ferem  faltfutnigen  ^er^eit,  unb  fa)ägen  ifjren  SReta)tfmm  naä) 
unferer  Sirmutfj,  unb  baper  fommt  eS  aua),  baß  btefe  Sßorte 
ber  beiben  IjeiL  Banner  »on  sielen  Auslegern  fc  (au  erftärt 
werben»  £)oa)  Ratten  3ene  bamalS  unftreitig  ben  Jj>öa)jtet 
©rab  ber  gottliä)en  unb  menfa)lia)en  %kbtf  ber  in  biefem  l*e* 
ben  erretä)t  werben  fann,  erreicht,  unb  fte  rebeten,  getrieben 
tton  einer  übermäßigen,  gewattigen  unb  feurigen  %uht.  3^te 
Meinung  war:  „wenn  eS  mögtia)  Ware,  baß  bura)  t^re  2to 
fa)Iießung  von  ber  ©eligfett  baS  §ei(  ber  S^raeHten  beforbert, 
unb  alfo  bie  dfyxt  ©otteS  »erbreitet  unb  vergrößert  werben 
fönnte,  fo  wollen  fte  fta)  nia)t  weigern,  ipre  ©eelen  $um  Döfer 
3u  bringen/'  Slußer  ber  $kbz  unb  bem  (£tfer  beS  £errn 
3efu  gibt  eS  woljl  in  ber  ©ä)rift  fein  ^ö^ereS  23eifpiel,  als? 
biefee.  —  Ha)  wir  arme  $inber,  bie  wir  uns  Jjeut^utage 
(griffen  nennen,  mt  fa)Iea)t  jlejjt  eS  in  biefem  gatte  mit  uns ! 
3Bie  Wenige  jtnbet  man  in  unferer  3?it,  bie  fta)  um  be£  -ftäa> 
pen  Witten  einige  2ftüJ>e  geben  wollen!  SOSie  203enige  geben 
mit  greubigfeit  einen  £paler  ^ur  (£I)re  ©oiieS  unb  sunt  2>tenfte 
beS  <ftäa)ften  per,  wctyrenb  jene  Männer  bereit  waren,  nia)t 
bloS  ^?eib  unb  lieben,  fonbern  fetbß:  tpre  ©eeten  ^um  Dpfer 
gu  bringen! 

/  2)  (Ein  ££riß:,  ber  feinen  ©Ott  lieht,  eifert  aber  aua) 
um  alle  göttliä)e  £inge>  @r  fann  eS  ni$t  bulben, 
baß  ber  fieifige  9tame  ©otteS  entheiligt,  baS  göttliche  Sort 


989 

verfe^rt  unb  mißbraucht,  ober  verfpottet  unb  veraltet,  baß 
ber  £ag  be$  Gerrit  entweiht,  bie  ©acramente  unaa)tfam  unb 
unwürbtg  beljanbelt,  unb  irgenb  etwas,  wa^  pm  ©otteSbienffc 
gehört,  gering  gefragt  werbe»  a)  (£r  verabfä)eut  allen  Spott 
ber  ©otteSläugner ,  wollte  lieber  ben  größten  ©a)im!pf  er* 
tragen,  ja  fein  £eben  laffen,  aU  baß  er  benfelben  nia)t  mit 
allem  (£rnß  wiberfpredjen  fottte.  <£x  |>aßt  alle  gotttofe  Gebens* 
arten,  wela)e  t>k  2öelt  aus  bem  SÖSort  ©otteS  ^ufammen  liest 
unb  auf  9Jhtt£willen  %k$L  (£r  würbe  lieber  ben  foftbarjten 
Diamant  auS  einem  Dringe  verlieren ,  als  bulben ,  baß  ein 
SBort  beS  £errn,  feinet  ©otteS,  auf  bie  <£rbe  fallen  foltte* 
(£r  weiß,  baß  bie  ©a)rift  an  £ia)t,  ein  ©a)a#,  eine  £roft* 
quelle,  unb  eine  traft  ©otteS  ijt,  feiig  au  maa)en  2ltle,  bte 
baran  glauben,  —  eine  traft,  bie  er  bei  feiner  eigenen  33 e* 
feljrung  empfunben  |>at,  unb  bie  er  gu  feinem  £roße  unb  ju 
feiner  Erbauung  täglia)  empftnbet*  £)arum  fann  er  eS  nic^t 
bulben,  wenn  biefelbe  bura;  beS  £eufelS  eintrieb  unljeilig  unb 
fpottifa;  klmnbelt  wirb»  —  2)ie  ^eilige  ©a)rift  ijt  gleicfyfam 
ein  2ußgarten;  vok  fönnte  er  eS  gelaffen  anfeljen,  baßberfelbe 
von  ©a)weinen  burajwüljrtt  werbe?  2)ie  ©a)rift  ijt  ifmt  wie 
ein  33rief,  worin  fein  f)immlifd)er  Sater  unb  3efuS  @jmfht$ 
©einen  ^eiligen  SSillen  geoffenbart,  unb  tyn  feinet  $tiU 
verfuhrt  tyat  Sie  follte  er  eS  fta)  gefallen  laffen,  baß  bie* 
felbe  von  ©ottlofen  mit  güßen  getreten  wirb?  2)te  |>eilige 
©a;rift  iß:  tym  ein  33itb,  worin  ipm  ber  ©efreu^igte,  an 
welchem  fein  £er$  £ängt,  vor  2iugen  gemalt  wirb»  2Q3ie  fann 
er  e$  leiben,  baß  bajfelbe  in  feiner  ©egenwart  von  fa)leö)ten 
2ttenfa)en  mit  totlj  beworfen  wirb  ?  —  b)  3n  ber  tira)e  ijt 
er  felbjt  anbda)tig  unb  ehrerbietig,  unb  witnfa)t,  baß  Slnbere 
e$  aua)  fepn  mögen;  unb  wenn  er  M  Sielen  bie  erlofa)ene 
5lnbaa)t  fel)en  muß,  fo  fann  er  eS  olwe  (£tfer,  olwe  ©eufter 
unb  £prcinen  nia)t  tjutu  <£r  wünfa)t,  baß  beim  ©otteSbienft 
2llleS  efirlta)  unb  orbentlia)  suge^e,  tt>k  eS  bem  majeftätifajett 
©ott  unb  ber  ^eiligen  ©emeinbe,  t>k  mit  bem  $lute  3efu  er* 
fauft  ift,  geziemt;  wo  eS  aber  anberS  äugelt,  ba  be$eugt  er 
feinen  Sßiberwilten  mit  einem  gottfeligen  (£ifer,  unb  xt>k  er 
fonß  fann»  —  c)  (£benfo  beträgt  er  fta)  aua;  in  feinem  £aufe» 
dx  weiß  wofjl,  baß  bie  Käufer  ber  @£rißen  nia)t  fepn  follen 
tt>k  bk  £bl>len  ber  Spiere,  balnn  fte  ijn*en  Staub  fa)lewen, 


990 

aua)  feine  £urenwinfel  ober  ©a)wemffötte,  fonbern  fettige 
unb  reine  SSofmungen,  bie  bem  £errn  geweift  fmb,  fleine 
^tra)en,  worin  j[eber  £auävater  vermöge  feinet  $riej*ertljum$ 
tägfta)  feinen  ©otteebienft  mit  ben  ©einigen  verrietet  £)a* 
rum  waä)t  er  ernjHitt)  über  jta)  felbß  unb  feine  £au$genoffen, 
unb  fyait  barauf,  bag  ba$  ®tUt  Borgens  unb  2lbenb$,  vor 
unb  naa;  £ifa),  unabfägig  unb  anbää)tig  »errietet  werbe* 
2)a$  g^u^en  un&  au^  gottfofe  SBefen  ifi  au$  feinem  £aufe 
verbannt»  Unb  ob  man  gfeia)  ben  grommen  fonf*  nid?t  leicht 
entrüjki  fe^en  wirb,  mit  er  bie  ©einigen  mit  ©anftmut£ 
unb  ©ebulb  unb  mit  naa)brMia)en  gottfeligen  Ermahnungen 
gu  Uittn  gewohnt  i%  fo  eifert  er  boa)  gegen  2ltte$,  tx>aö  bem 
wahren  E£rtjtottjmm  unb  bem  ^eiligen  Söttten  ©otteS  %uxoU 
ber  tffc.  Er  fann  fonfl  viel",  ja  5ltteö  leiben,  unb  mit  ©anfc 
mutjj  jfrafen  ober  überfein;  aber  m$  wiber  ©otteS  Efjre 
unb  bie  $flia)t  etneä  Ejjrtften  ifi,  ba$  fann  unb  Witt  er  nic^t 
bulbem  —  dj  Er  £ält  ben  £ag  be$  £errn  felbfi  peitig,  unb 
Witt  ijm  aua)  von  ben  ;!©eintgen  fettig  gehalten  wtffen*  Er 
weif?,  bag  ©ott  benfelben  geheiligt,  gefegnet  unb  mit 
einem  befonbern  SÖBorte :  ©ebenfe  b  e  $  ©abbat  fjtagöl 
beseia)net,  unb  ^u  ©einem  £)ienj*e  unb  $u  unferer  Erbauung 
unb  23efferung  verorbnet  $at.  Sarum  wäre  e$  if?m  leib, 
wenn  er  benfelben  anberä  att  in  ^eiliger  2!nbaa)t  unb  in 
Hebungen  ber  ©ottfeligfeit  ^bringen  fottte*  2Benn  bie  tfjfent* 
ftä)en  SSerfammlungen  ein  Enbe  jjaben,  fo  unterria)tet  er  bie 
©einigen  im  Ejmftent  jmm ,  erHärt  ijjnen  ben  Äatea)i$mu£, 
fragt  naa)  bem,  xoa$  fte  in  ber  $tra)e  gebort  unb  von  ber 
^rebigt  behalten  jjaben,  unterfua)t  iljren  SSanbel,  leitet  fte 
an  jum  ®^t,  3um  2obe  ©otte$,  a«  einem  d)rijkia;en  unb 
Zeitigen  £eben,  gur  ©uttpätigfeit  gegen  bie  Firmen,  unb  au 
atten  anbern  Werfen  ber  ©ottfeligfeit»  Er  erinnert  fte,  bag 
©Ott  biefen  &ag  begwegen  angeorbnet  1)tibt,  bag  wir  mitten 
unter  ben  irbifa)en  ©efa)dften,  bie  wir  an  anbern  £agen  ver* 
richten,  an  ba$  Ewige  unb  £ünmlifa;e  benfen,  mitttn  unter 
ber  Arbeit  naa)  ber  ewigen  9ht£e  traa)ten  fottem  Er  fann 
e£  nia)i  ojme  ©eufaen  mit  anfej>en,  i>ag  ber  £ag  be$  £errn 
von  bem  grögten  Xptil  ber  E£riflen  entheiligt ,  unb  in  Utp* 
pigfett,  £rtnfen,  ©vielen,  £anaen,  ©djeraen,  £aa)en  u*  a.  m. 
augebra^t  wirb*   Er  $ilft,  fo  viel  an  i£m  ifr  biefem  gottlofen 


991 

SSefen  jkuern  uttb  wiberfe£t  ftcfy  bemfelbett  mit  allem  (Ern|!e* 
(£r  bemüht  fta)  aber  aucfj  nad)  bem  $?aag'  ber  ©abe,  bte  er 
empfangen  j>at,  um  2lnbere  ^u  unterrichten,  für  bie  gute  Saa)e 
gu  gewinnen  unb  3U  gleichem  (£ifer  $u  bewegen«  —  e)  (£benfo 
»erhält  er  ftd)  in  allen  anbern  betligen  fingen,  er  Jjtöft  in& 
befonbere  baS  Zeitige  Slbenbmajl  für  eine£  ber  ebenen  $lem* 
obien  unb  grögten  £eiltgtljümer  ber  $irä)e,  unb  je  mejjr  er 
SBunber  ber  Zkbt  3efu  unb  göttliche  $raft  bartn  fmbet,  bejto 
mefjr  eifert  er  um  baffelbe,  wünfa;*,  bag  e$  »on  aßen  Gtfmftot 
mit  gebü^renber  2lnbaa)t,  peilig  unb  würbtg  genoffen  unb  ge* 

feiert  werbe, £)iefe$  Sitten  lägt  fttt)  Uityt  au$  ber  {»eiligen 

Sa)rift  naajweifen.  3efu^  unfer  £err  felbft  eifert  um  ba$  $a\x$ 
feinet  ln'mmltfa;en  fßattxü  unb  will  e3  nta)t  bulben,  bag  baf* 
felbe  bura>  weltlta)e  unb  unfertige  £)inge  entweiht  werbe.  — 
9*ej>emia3  lieg  am  Sabbat^  bte  £l>ore  ber  Stabt  fa)liegen  unb 
wollte  fein  weltlich  ©ewerbe  an  bemfelben  geftatten»-— $aulu$ 
ftraft  ben  SDftgbraua)  beS  ^eiligen  £lbenbmal?l$  unb  alle  ttn* 
orbnung  in  ber  ©emeinbe  gu  doxinfy  mit  grogem  Grrnjie*  — 
SSeraa)tet  ij>r,  fagt  er,  bte  ©emeinbe  @otteS2C.? 

3)  %u$  biefem  Eifer  um  ba$  @öttlia)e  überhaupt  folgt 
aua;  ber  Eifer  um  bie  (Seele  beS  9tä  elften,  unb  bte 
brüberlia)e  Erinnerung  unb  33eftrafung*  2Öei( 
bte  C^priftett,  welche  ©Ott  fcon  bergen  lieben,  wiffen,  wie  5oä> 
eine  Seele  t>on  bem  £errn  geartet  ift,  unb  weil  fte  eine  brün* 
jtige  %kbt  {mben  gu  allen  2#enfa>n,  unb  naa)  bem  ^ßeifpielc 
@otte$  wünfa)en,  bag  allen  Sttenfajen  geholfen  werbe, 
unb  bag  fte  sur  Erfenntntg  ber  SSa^r^eit  fommen,  fo  freut 
eS  fte ,  wenn  fte  fe^en ,  bag  i£r  9Ma;jier  mit  ilmen  auf  bem 
regten  2öege  wanbelt,  unb  in  ©ebulb  unb  guten  SSorten  naa> 
ber  Seligfeit  trautet*  Slber  e£  ^ttxnbt  fte  aua)  pernio),  wenn 
fte  feiert  muffen,  bag  er  Uc  9taa)folge  Ejjrijft  serlaffen,  unb 
i>k  Söelt  liebgewonnen  £at,  wenn  et  nia)t  würbigliä)  wanbelt 
naa;  bem  Gbangelio  unfereS  $mn  3efu  Eprijtt,  unb  mit  feinem 
fünblia)en  Seben  2lnbem  einen  $nßog  unb  2lergernig  gibt.  2öenn 
fte  nun  etwaö  fe£en  unb  poren,  n>a$  ein  Slergewiß,  eine  Ente 
Heiligung  ber  esangeltfa)en  £e?>re  ober  eine  6eelengefa£r  mit 
Anbringt,  fo  fonnen  fte  unmöglich  baau  fa)weigen.  6ie  ermahnen 
ben  Umftänben  gemdg  entweber  freunblia)  ober  jlrafen  mit 
jkengem  <£rnjt  entwebet  fogleia)  unb  auf  frifa)er  Xfyat,  wenn 


992 

e$  bie  9cotf>  unb  bie  SBtdjtigfeit  ber  Sao)e  erforbert,  ober 
fpäter  unb  insgeheim,  bamit  ber  3rrenbe  um  fo  e£er  gewonnen 
unb  aur  Erfenntnig  feinet  geijlerS  gekaut  werbe»  S^t^ten 
fte  aber  mit  einer  folgen  Ermafmung  nia)t$  auS,  fo  gießen  fte 
fta)  *>on  einem  folgen  9ttenfcf)en,  fo  lieb  er  ifmen  aua)  fonft  war, 
gurücf  unb  enthalten  ftcjj  jebe$  Umgangs  mittjmt,  bamit  er  fta) 
fa)äme;  übrigens  aber  beten  fte  für  ifjn  unb  Ratten  an,  bag  ©ort 
ijjm  bie  ©nabe  ber  23uge  geben,  unb  feine  Seele  aus  ben 
Schlingen  beS  Satans  erretten  möge«  —  2>iefe  £öa)ft  nötige 
unb  nü£licbe  Ef>riften:pflicf)t  ift  gwar  in  unfern  £agen  fej>r  in 
Abgang  gefommen;  allein  e$  ift  unmöglich,  bag  ber  rea> 
fdjaffene  E|>rijt  jte  {rintanfefcen  fann.  2)enn  er  ift  nichts  o|me 
t>k  ©emeinfcbaft  Ebrijti  unb  oljne  bie  Regierung  Seines 
©eifieS;  wo  aber  EJnrijtuS  unb  Sein  ©eift  ift,  ba  finbet  fta) 
aua)  eine  eifrige  $kU  unb  baS  Serlangen,  Seelen  ^u  erhalten 
unb  3u  gewinnen»  £)er  gromme  £at  im  Umgang  mit  feinem 
9Ma)jiett  ben  £aupt$wecf,  bag  er  p  feiner  Erbauung,  su  feiner 
23efferung  unb  ju  feinem  Sftu^en  beitragen  Witt»  Unb  tt>k  eS 
feine  Sdmlbigfeit  ift,  bag  er  t£m  in  leiblicher  9cotJ>  unb  ©efa£r 
naa)  Gräften  mit  diaty  unb  £|>at  beibringt,  fo  barf  er  ben* 
felben  t>ielmej>r  in  geiplia)er  Woty  nid)t  ttertaffen,  fonbern  mug 
baS  £etl  feiner  Seele  befflrbern,  fo  gut  er  f ann.  —  £)ie  brü* 
berlicbc  Erinnerung  unb  Seftrafung  ift  gleia)fam  ein  geißlicfjeS 
Sllmofen,  baS  wir  aucfj  benen  fä)ulbig  jmb,  welche  uns  nia)t 
barum  Uttcn.  Sitte  Ejmßen  finb  Äinber  Eines  23aterS  unb 
33lutSoerwanbte  in  E£rifio  3efu»  —  2Bie  follte  aber  ein  Vorüber 
ober  eine  Sa)wefkr  gleichgültig  sufe^en  fönnen,  bag  i^r  ©ruber 
tn'S  SQBaffer  falle?  SQ3ie  fottten.  jte  ftcf)  nicfjt  bemühen,  tlm  gu 
retten,  ober  wentgftenS  Rubere  um  £ülfe  ju  rufen?  £>aS 
(gprüajwort  fagt:  „baS  53Iut  friedet,  woeSnid)t  geben  fann»" 
2Äit£in  werben  bie,  welape  wn  Einem  23lute  abjiammen,  an* 
anber  nia)t  wo£l  laffen  fbnnen ,  fonbern  t£re  ZhU  naa)  Gräften 
offenbaren»  Um  ti)k  sietme|>r  mug  jtä)  bie  ZUU  %u  ©ott  unb 
baS  lölut  3efu  in  ben  ©laubigen  regen,  wenn  fte  eine  Seele 
tn  ©efa£r  unb  auf  bem  2öeg  aur  ^ölle  fepen  ?  2Bte  tonnen 
fte  anberS,  als  rufen  unb  warnen,  unb  yxxtfyt  Reifen,  fep 
eS  mit  greunblia)f eit  ober  mit  Eifer,  wie  eS  jtcb  am  beften 
ftyicft?  —  2)teg  verlangt  ©ott  in  Seinem  ^eiligen  SBort, 
unb  t>k  Scanner  ©otteS  befiätigen  eS  mit  #rem  ©eifpiel. 


993 

„2)u  follt  beinen  33ruber,  fyxityt  ber  £err,  ni$t 
Raffen  in  beinern  £eraen,  fonbern  t£n  ftrafen: 
b.  i  erinnern,  bantit  bu  nia)t  fetnetwegen  ©ä)ulb 
tragen  muffe jt,"  bamit  bu  bta)  nia)t  feiner  ©ünben  fytih 
Ijaftig  macfcejt,  unb  fammt  i£m  @otte$  Ungnabe  auf  bia; 
labefh  —  ©ünbigt  bein  trüber  an  bir,  ftma)t  bem 
@rlöfer,  fo  gej>e  £in,  unb  ftrafe  tjjn  $wifä)en  bir 
unb  t£m  allein;  jjört  er  bia),  fo  jjafi  bu  beinen 
23ruber  gewonnen.  2)ie  Sßorie  „fünbigen  an  bir" 
l>eaie^en  fttt)  nia)t  bloS  auf  bie  S3eleibtgungen ,  bie  un$  t>on 
Sinbem  wiberfajjren,  fonbern  auf  alle  ©ünben,  welche  bem 
©ewijfen  ^Inpog  geben,  unb  $u  unferer  tontmg  fommen,  fte 
mögen  nun  an  ©Ott,  ober  an  bem  ^äa^ften,  ober  an  uns 
felbfi  gefa)ef>en.  2>enn  awifa)en  @ott,  bem  9Ma)jlen  unb  uns, 
t>k  wir  Wz  ®otte$  jtnb,  Itfitfy  eine  fo  nafje  $erwanbtfa)aft, 
bag  &m$  ojme  ba$  Rubere  niä)t  beleibigt  werben  fann.  — 
$aulu$  fagt:  „hieben  trüber!  ermahnet  bie  Unge* 
aogenen,  bie  unorbentltä)  wanbeln*  @o3entanb 
unferem  Sßorte  nia)i  geporfam  ifi,  t>tn  geiget  an 
bura)  einen  53rief,  unb  fyabt  nitytö  mit  ifym  %u 
fä)affen,  auf  bag  er  f$aamrotfj  »erbe.  2)oa)^a^ 
ttt  t$>n  nia)t  aH  einen  geinb,  fonbern  ermahnet 
iljn  at$  einen  trüber."  2Jn  einer  anbern  ©teile  $>eigt 
e$:  „hieben  23rüber!  wenn  etwa  ein  SWenfä)  tton 
einem  geiler  übereilt  würbe,  fo  Reifet  i£m  wie* 
beraure^t  mit  fanftmütpigem  <$tifte,  bie  i^r 
getjilta)  fe^b*  Raffet  unö  unter  ei  nanber  un$  felbffc 
wa£rnel?men  mit  dici^en  %üx  t€ t e b e  unb  guten 
Werfen,  unb  untereinanber  ermahnen."—  <£benfo 
fpria)t  aua;  ber  SIpoftel  3uba$:  „dxbantt  eua)aufeu* 
ren  aller  £eiligften©lauben,  burd)  ben  £etl*@etf*, 
unb  betet,  unb  paltet  biefen  Unterfa)ieb,  t>a$ 
i$x  eua)  örtlicher  erbarmet  (fte  mit  greunblia)feit  unb 
©anftmut|>  erinnert,  wenn  fte  tttoa  au$  menfd?litt)er  @ä)waa> 
£ett  fehlen  unb  fünbigen,  unb  tljre  ©ünbe  nia)t  wrtpeibigen), 
(£tlia)e  aber  mit  gur$t  feiig  maä)et,  unb  rücfet 
fie  au$  bem  geuer,  £♦  i.  2)ie  mutwilligen  unb  £al£* 
parrigen  6ünber  fc&redet  mit  ber  SBorftellung  be$  göttlia)en 
3om$  unb  ber  ©efapr  ifjrer  ©eelen,  beträfet  fte  ewpa), 

©criüer'S  ©eelenfrfja^.  ß3 


994 

unb  wen&t  allen  gletg  cm,  fte  gu  befejjren  unb  bem  potttf^en 
geuer  |u  enireigen*  —  2)tc  ^eilige  ©c$rift  enthält  mehrere 
2}eifpiele  i>on  biefer  not^wenbigen  fflityt;  Wir  trotten  aber 
ttur  einige  batton  anführen.  2113  2lbra£am  fa£,  bag  ft$  ein 
3anf  awifc^en  feinen  unb  £otl?$  ^trten  erhoben  fyattc,  unb 
befürchtete,  £otj>  motzte  ftd>  feinet  ©eftnbe$  annehmen,  unb 
ber  äwtfi  mochte  auü)  unter  ben  Ferren  einreiben,  ermahnte 
er  tjm  freunblict) :  lieber!  £ag  nic$t  3ctnf  fe^n  %xoU 
f$en  mir  unb  bir,  unb  3Wifd)en  meinen  unb  bei* 
neu  £trten;  benn  Wir  finb  trüber/'  —  211$  -Bio* 
fe$  %mi  £ebräif$e  Männer  mitetnanber  £abern  fa£,  »erwies 
er  bem  einen  fein  Unrecht,  unb  fpracf):  „2ßarum  fc^lägft 
bu  beinen  9?  äfften?"  —  3onat£att,  ©aul$  frommer 
©o|m,  ftellte  feinem  Später  in  finbli$er  23efcr)etben£eit  fein 
Unrecht  gegen  £)a»tb  x>ox  mit  ben  Söorten:  „Q£$  t>er* 
fünbige  fic#  ber  $önig  nityt  an  feinem  $ne$t 
2)at>ib;  benn  er  $at  feine  ©ünbe  wtber  bt$ 
getrau,  unb  fein  ££un  tft  bir  fe£r  nü£e; 
warum  wtllfi  bu  bi$  an  unfc^ulbigem  lölut  »er* 
fünbigen,  bag  bu  2)asib  oljne  Urfa$e  tobttfi?" 
—  2>er  bugfertige  ©d)ä$er  ftrafte  feinen  SDfttgenoffen  wegen 
feiner  Weiterungen,  bie  er  gegen  Sefum  am  $reu^e  auSftieg, 
unbfagte:  „Unb  bu  fürc$teft  biet)  auö)  nt$t  *>or@ott, 
ber  bu  bo$  in  gleitet  SBerbammnig  biß?"—  tyau* 
lu$  wiberfpra$  bem  Styoftel  betrug,  bem  23arnaba£  unb  an* 
bem  jübifc^gejtnnten  Triften  öffentlich,  nadjbem  klagen  über 
fte  eingefommen  waren,  aU  er  faf>,  bag  fte  mdt>t  richtig  nadj 
ber  2öa£r£eit  be$  @*>angeltum$  wanbeltem  3efu$  felbft  war 
nic^t  bloS  unwillig  unb  Utxixbt  über  bie  serftoeften  £er$en 
©einer  geinbe,  fonbern  ftrafte  fte  mit  Gmtft.  dt  f$alt  ben 
Unglauben  ©einer  3ünger  unb  t>re$  £ersen£  #ärttgfeit  jc.  — 
$lu$  biefem  Slllem  erhellt,  bag  hk  brüberlidje  SBeftrafung  eine 
grucr)t  ber  eifrigen  £iebe  unb  eine  unerlägli^e  3P$t  eines 
jeben  recr)tf$affenen  <£jjriften  fe^*. 

4)  2)er  ©laubige  eifert -aber  nid&t  bloS  um  ©ott  unb 
btta  9cä$ften,  fonbern  au$  um  ftdj  felbft.  (Er  eifert 
ttriber  bie  ©ünbe,  bie  nod>  in  feinem  gleifd)  wofmt*  2)er 
gromme  liebt  $war  ftdj  felbft,  Ijauptfäcpc^  aber  um  feineö 
@rlöfer$  willen,  ber  ijm  fopoej)  geliebt  unb  mit  ©einem  |t£euren 


995 

S3lut  erfauft  1?aL  —  @leta)wie  eine  »erlobte  Sungfrau  um 
tyxc  <££re  unb  £ugenb  eifert,  nicbt  nur  weil  fte  bie  jungfräu* 
lityc  @£re  für  ein  u)eure3  $leinob  Ijält,  fonbertt  aud;  tt>ei( 
fte  t£ren  Bräutigam  ljoa)fa;ä£t,  unb  benfelben  nitt)t  beleibigen 
Witt,  ebettfo  eifert  ber  gromme  um  fta;  fclbjt  unb  wiber  feine 
fünblia)en  Neigungen,  dx  t^ut  ba$  nidjt  nur  aus  ?iebe  $ur 
£eiligfeit,  $on  ber  er  burd)  feine  Sßicbergeburt  befeelt  ijt,  fon* 
bern  pauptfä$lta)  aus  £iebe  au  feinem  Grrlöfer,  ben  er  auf 
feine  SBeife  betrüben  will,  dx  weig,  bag  fein  £>er$  eine  2So{>* 
nung  be3  £errn  3efu,  unb  fein  $äb  tin  Tempel  beS  Jeff» 
®eiße$  ijt,  barum  trachtet  er  mit  (£rnjt  barnaa),  bag  er  bette 
rein  unb  fjeifig  palten  möge*  ®o  entfte^t  ber  ©treit  3Wifa)en 
tem  gleifä)  unb  bem  ©eift  in  ben  ^er^en  ber  frommen,  mU 
$er  wafjrlta)  fein  teeret  ©piel,  fonbern  ein  ernftlia)er  gewal* 
tiger  $ampf  zweier  Parteien  ijt,  bie  um  Mb  unb  «Seele  fea> 
ten.  2)er  ©eift  eifert  gegen  baS  gleifa),  gegen  bk  £rägljett 
unb  natürliche  23o3l?ett  beffelbett.  £)er  gromme  eifert  alfo 
wiber  bk  galf$£eit,  £euä)elei,  23iberfpenjtigfeit  uub  bie  bö* 
fen  £ücfe  fernem  eigenen  $exftn$.  (£x  eifert  wiber  feine  Un* 
»olffommettpeitett  unb  @$waä)ljeiten ,  unb  fuajt  fta)  son  ben* 
felben  immer  mepr  frei  gu  machen.  —  Der  ©laube  gleicht 
einem  neuen  Sein,  ber  fortwäprenb  axhtittt,  t>amit  er  ade 
Unreintgfeit  wegfa)affen  uttb  eüt  lauterer,  ebler  Söein  werben 
möge.  —  $kbti  will  ia)  autt)  auf  ba$  33eifpiel  einer  frommen, 
alten  grau  aufmerffam  machen,  t>k  ifjren  Wlann  fej>r  liebte, 
aber,  weil  fte  em  fa)waä)e$  ©ebäa)tttig  Ijatte,  bisweilen  ttxoa$ 
ttergag,  m$  er  tljr  anbefohlen  fyattt.  Dbgleta)  nun  ijjr  2ftann 
mit  biefem  geiler  ©ebulb  tyaüz,  weil  er  son  t£rem  treuen 
£er;en  *>erfta)ert  war,  fo  war  fte  fta)  boa)  felbft  wegen  tprer 
©a)waa)f?eit  fo  feinb,  bag  fte  gar  J>auftg  begwegen  weinte.  — 
2)ieg  tjt  ein  treffenbe^  SBorbilb  ber  eifrig  liebenben  ©eele, 
welche  ipren  (£rlöfer  nia)t  im  ©eringfiett  beleibigen  möa)te. 
(Sie  ijt  nia)t  blo3  mit  3efa  ctuf  ba$  innigfie  tterbunben,  fon* 
bern  (ix  ift  gleia)fam  ij?r  ©piegel,  in  welkem  fte  i£r  £er$, 
tyx  £eben  unb  £{mn  täglia)  betrachtet,  ginbet  fte  immer  noa) 
^iete  ©o)waa)jjeiten  unb  geiler  an  fta),  fo  wirb  fte  benfelben 
pernio)  femb,  beflagt  ü)ren  ßaftftnn,  unb  ipre  S3Biberfpenj.ig* 
feit  mit  feigen  Streuten,  jrreitet  bagegen  mit  allen  Gräften, 
fceiet  unb  feuftt:  „D  tu  gottlofe^  falfa)e^  ^er^,  wann  wtü^ 

63* 


996 

bu  einmal  aufhören,  beuten  ©Ott  ^u  beleibtgen,  beinern  (£rlofer 
3u  Jjeua)eln  unb  ber  2Mt  anhängen?  2lc^  £err  3efu!  wie 
lange  toiftft  £u  bie  galfa)Ijeit  unb  £eua>lei  meinet  £eqen£ 
leiben  V  Peinige  e$  in  ber  <Sa)ule  beutet  ^reu^eS  unb  im  $euer 
ber  2lnfea;tung  son  aller  fünblidjen  Suft,  bamit  eS  bir  auf* 
richtig  unb  untterrücft  bienen  unb  anfangen  möge."  — 3a  t>it 
©laubigen  werten  i£rem  eigenen  geben  feinb,  unb  wünf$en 
naa)  ©otteg  SBitten  je  el?er  je  lieber  $u  jierben ,  bamit 
i>a$  fünblia;e  gleifdj  ju  ©taub  unb  ber  ©etfl:  son  bem  fa)we* 
ren  unb  fa;mer^ia;en  ©treit  erlogt  werbe*  2Bie  wir  an  $au* 
(u$  fefjen,  ber  sunt  £rojt  vieler  a>rif*li$en  ©eelen  über  biefeh 
©egenftanb  fo  fa)ön  getrieben  %at:  „3$  Ijabe  Sufi  an 
©otte$  ©efe£  naa>  bem  inwenbigen  50?enfa)em 
3$  fe^e  aber  ein  anbereg  ©efe£  in  meinen  ©lic* 
bem,  ba$  ta  wiberftrettet  bem  ©efe§  in  meinem 
®emütp,  unb  nimmt  midf)  gefangen  in  ber  ©ünbe 
©efe£,  wela)e$  ift  in  meinen  ©liebem.  Seelen* 
ber  SRenfa),  wer  wirb  mity  erlöfen  *>on  bem 
Eetbe  biefeh  £obe$?" 

^adjbem  wir  bisher  ben  gottfeligen  ßrifer  ber  frommen 
©eelen  naa;  Gräften  »orgeftellt  unb  babura;  benen,  bie  e$ 
mit  ifjrem  Ctprijkntjmm  ernfilia)  meinen,  SSeranlajfung  gege* 
ben  paben,  weiter  barüber  naa)gubenfen  unb  biefer  ebeln 
£ugenb  mit  größerem  Jletfj  nad^ujagen ,  fo  wollen  wir  $ur 
5lnwenbung  biefer  £el?re  übergeben* 

2ltttt>ettbuttg. 

!♦  3uerjt  ift  alfo  |?ier  t)k  allgemeine  ERegel  $u  beobachten : 
©er  ©laubige  fann  unb  barf  in  göttliajen  Singen  nta;t  lau 
unb  faltftnnig  ober  nacfjlägig,  fonbern  mug  eifrig  unb  emftg, 
fleigig  unb  unserbrojfen  fe^m  Sie  ber  (£rlöfer  fo  eifrig  war, 
aller  $?enfä)en  ©eltgfeit  felbft  bura)  Aufopferung  ©eineö  £ebe«$ 
$u  beförbern,  fo  foll  ber  @j)rift  mit  £mtanfe£ung  aller  weltlichen 
2lbfta;ten  eifrig  unb  freubig  fepn,  um  bie  (££re  £)ejfelben  $u  er* 
galten  unb  fortzupflanzen.  —  Sie  faltftnnigen  un^  lauen  ^er^en 
ftnb  unferem  ©Ott  fefjr  ^uwtber;  ba£er  lägt  ber  £err  in  ber 
Offenbarung  So^cmni^  bem  23ifa)of  *>on£aobtceafagen:  „3  a; 
wetg  beine  SBerfe,  baff  bu  weber  faltnoa;  warm 
fcift.  51  a),  bafjbu  tatt  ober  warm  wärefU  SBeil  ^u 


997 

aber  lau  biß,  unb  Weber  f alt  no$  warm,  tx> er t> e 
idt)  bity  autffpeten  au$  meinem  Tlunbe."  2)iefer 
23tfct?of  war  ein  f altfmniger  Qityxtft  unb  groger  £eu$(er ;  beim 
fatt  petgen  bie/enigen,  welche  $on  ber  f>immlifd)en  2Ba£rl?eit 
unb  wahren  ©ottfeligfeit  nod?  gana  entfernt  ftnb,  a*  23.  bie 
Ungläubigen,  bie  (Steuern,  bie  9?ud;lofen,  in  benen  feine  Södrme 
beä  ©lembeng  unb  ber  ^tebe  gu  finben  i%  Söarm  aber 
werben  biejenigen  genannt,  tt?elö)e  mit  3efu  im  ©lauben  oer* 
einigt,  ©eine3  ©eifte^  ipeityafttg ,  unb  in  ber  %kbe  au  3N 
brunftig  ftnb,  $au  bagegen  feigen  biejenigen,  welche  a war 
bie  (£rfenntnig  ber  2Ba£r£ett  ijaben,  aber  o|me  ©ottfeligfeit 
ftnb,  bie  auglei$  djrifto  unb  35ettat ,  ©Ott  unb  bem  9ftam* 
mon  anhängen  unb  bienen  wollen,  ©ie  l?aben  awar  ben  <Bü)än 
eine$  gottfeligen  SSefenS ;  aber  bk  ftraft  oerläugnen  fte.  <£$  ftnb 
fota)e,  welche  mit  i£rer  Grrfenntnig  oon  ©Ott  unb  (£fmfb  leicht  au^ 
frieben  ftnb,  aber  nia>t  barin  au  warfen  fu^en,  feinen  Girtfer  (jaben, 
Mt$  ge£en  laffen,  wie  e3  gejjt,  bk  (£i?re  unb  ba£  2Bort  3efu 
ntd>t  fortaupflangen  trauten,  gern  gute  £age  gediegen,  aber 
um  (jjjrifii  willen  feine  yjlüfyt  übernehmen  unb  ntc^tö  tetben 
wollen.  2)iefe  wollen  awar  i£rem  £erm  nachfolgen,  aber 
nur  fo  lange  ber  2$eg  tUn  unb  angenehm  tft.  2)ie  2Bett 
wollen  fte  nidjt  serlaffen;  fte  wollen  be£  guten  &ben$  genie* 
gen,  @£nftum  aber  blo£  für  ben  galt  ber  ;ftotj?  beibehalten, 
um  einft,  wenn  fte  biefe  %Qdt  mlaffen  muffen,  bur$  ©ein 
Serbien ft  bod)  aufy  no$  feiig  au  werben.  ©ol$e,  fagt  ber 
£err,  wolle  (^r  auofpeien  au$  ©einem  $?unbe,  b.  t.  augfdjlie* 
gen  oon  ©einer  ©emeinfe^aft;  baburd?  wirb  e$  je  länger  jie 
ärger  mit  ijmen,  unb  fte  geraden  enblity  in£  grögie  Berber* 
ben.  3u  ber  eben  angeführten  ©teile  au$  bem  neuen  £efta* 
ment  fönnen  wir  aufy  no$  eine  aus  bem  alten  £eftament 
pinaufügen;  „33erflu$t  f e 9 ,  fagt  3eremia£,  wer  be$ 
£errn  SBerf  lägig  treibt!/;  — 

5Boj?lan  benn,  meine  Triften,  fo  gellet  bemna$  eine 
Prüfung  eures  (SJmftentjntms  anl  Unterfuc^et  eure  £>craen, 
ob  fte  fult,  ober  warm,  ober  lau  fe^en  ?  ©e£et  auf  euer  %%\m, 
auf  euer  &htn,  euern  SBanbel,  euern  @otte£bienß,  ob  il?r 
einen  gottfetigen  @ifer  barin  ftnbetV  3J>*  rühmet  euefj  Mc 
be$  ©laubenö ;  allein  wo  ift  bie  erpgeborne  Zofyttx  be$  ©lau* 
Uno,   bk  eifrige  Zkte?  2Ba$  £abt  i£r  btöjjer  um  bie  (ür£re 


998 

(grifft  unb  um  6eine$  SBortS  Witten  getrau  unb  gelitten? 
ES  gibt  noa)  fo  viele  Ungläubige  in  ber  SBelt,  bte  ©Ott  in 
EJrijto  nia)t  J#4  erfennen,  bte  entfernt  fmb  von  bem  Ccben 
aus  ©Ott,  bereu  23erftanb  in  Unwtffen^eit  x>erftnpert  unb  be* 
reu  $&i  wxUfyxü  ift,  3a)  meine  t>k  Reiben,  bie  3uben  unb 
SÄufjamebaner»  2Bte  benfet  i£r  an  fi'e  ?  5D^tt  welkem  £eraen 
poret  if?r  von  ifmen?  Entbrennet  i£r  auc^  im  ©etfte,  wenn 
i&r  vernehmen  muffet,  bag  e$  noa)  »tele  taufenbmaltaufenb 
©eefen  auf  Erben  gibt,  bie  t>m  Erlofer  nia)t  fennen,  nia)t 
verehren  unb  anbeten  ?  $ufet  i£r  ©Ott  tägfia)  an ,  bag  Er 
fta)  iljrer  in  ©naben  erbarmen,  fteauö  ber  gtnßernig  an  baS 
£tä)t,  aus  bem  £obe  aum  Men  bringen  vx>t>l(e  ?  ©e^net  il)r 
eua)  wojrt  aua)  barnaa),  bag  i£r  felbft,  wenn  eS  möglia)  wäre, 
jenen  verblenbeten  Stoffen  t>a$  Evangelium  EJjrijti  prebigen 
mochtet,  wenn  f$c  aua)  begwegen  £lrmutl?,  Ungemaa),  @a)maa), 
Srübfal,  ja  felbft  ben  £ob  leiben  roüfjtet?  bittet  tyx  ©Ott, 
bag  Er  treue,  geiftreia)e  unb  eifrige  Männer  erwetfen,  ft'e  als 
2tyoftel  au  jenen  33ölfern  fenben,  unb  baS  ©nabenreia)  <5eineS 
SojmeS  unter  ijmen  pflanzen  unb  aufria)ten  möge  ?  £)  wie 
Söenige  werben  mit  Ernft  baran  benfen ,  unb  fta)  um  biefe 
9flenfa)en  belümmern!  3)te  E^>ripen  waren  von  \fytx  emjtg 
genug  bura)  ©a)tffai?rt,  |)anbel  unb  Söanbel  bie  £änber  ber 
Ungläubigen  gu  befugen,  unb  i£re  (Sa)ä$e  an  fta)  gu  bringen ; 
aber  baran  benfen  tk  SBenigften,  tok  fte  benfetben  bm  ©ee* 
lenfa)a#  beS  Evangeliums  vtfn  Ef>rijb  mitteilen  möchten. 
9fte|>rere  jmben  fogar  bura)  ipre  unerfättlia)e  £ab|'ua)t,  bura) 
i£re  ©raufamfett  unb  bura)  ifjre  grevettljaten  jenen  armen 
5ftenfa)en  ein  Slergernig  gegeben  unb  jte  von  E^rifto  abgefa)retft«. 
sjftefjrere  verläugneten  gar  ben  a)rifttia)en  %lamm  wd^renb 
ipreS  Aufenthalts  in  fola)en  Säubern ,  um  frei  barin  £anbeln 
unb  wanbeln  au  bürfen.  ©ie  bewiefen  alfo,  bag  eS  iljnen  nur 
um  ©ewüvn,  nia)t  aber  um  bie  «Seelen  au  tyun  war*  —  D 
meine  EJmjten,  erwäget  boa)  biefen  wia)tigen  ©egenftanb  für 
t>k  Sufunft  fleigiger,  unb  fprea)et  mit  me£r  3?aa)benfen  bie 
SÖßorte  unfereS  23ugtagSgebetS : 

„Sm  ©atan  woUji  35u  unter  unfre  güjje  treten, 
Streue  2Crbeiter  in  Seine  @rnte  fenben, 
deinen  ©ei$  unb  Äcaft  &um  SÖorte  geben, 
20ler  SKenf^en  Si^  erbarmen ! 
@rf)6r'  uni,  lieber  Jperre  ©ott !" 


999 

g3vüfet  euo)  ferner ,  wie  euer  £er$  befo)affen  fep  gegen 
3rrenbe  unb  Verführte,  weiche  bura)  falfa)e  ^e^rer  von  ber 
einfachen,  lautern  SOBafjrfjeit  in  @l?rifto  $ur  Abgötterei,  au 
$?enfo)entanb ,  ^um  felbfterwäfrtten  ©ottegbienji ,  sum  <£tgen* 
bünfel,  $u  falfa)er  Vernünftelet  unb  Klügelei  »erleitet  korben 
ftnb  ?  3Jf>r  fe^b  bura)  ©otteS  ©nabe  in  ber  evangelifa)en  $ira)e 
geboren,  auferlegen  in  ben  Porten  be£  ©laubenä  unb  ber 
guten  £e£re,  bei  welker  if>r  immerbar  gewefen  fe^b.  £>ie 
evangelifa)e  $ira)e  £at  eua),  tr-ie  eine  liebreiche  Butter  in  ber 
Bintytit  mit  ber  lautern^ila)  beS  feligmaa)enben  SBorteä  ®otte$ 
getränft  unb  gum  2Saa)et£um  gebraa)t;  i£r  lebet  in  einer 
$ira)e,  bie  feinen  Mangel  j?at  an  irgenb  einem  ®ut.  Sie 
beft£t  bat  lautere,  feligmaa)enbe  SBovt  ©ottetf,  Jängt  bemfetben 
feft  an,  unb  richtet  jta)  barnaa)  im  ©lauben,  £eben,  Reiben 
unb  «Sterben,  Sie  fyat  nia)t  auf  3ftenfä)enfa#ungen  unb  eigene 
ßrinbitbung  gebaut,  fonbern  auf  ben  bewährten  ©runb  unb 
(gdfkin  3efum  @j?riftmn,  ben  ^ittelpunft  unb  fern  ber  sanken 
<Sa)rift.  —  %u$  bem  SBorte  ©otte$  nun  lernt  unb  lefirt  fte, 
wie  ber  Sföenfa)  fta)  felbß  unb  fein  ßrlenb,  in  ba$  er  bura) 
tk  Sünbe  geraten  ijl/  erfennen,  bie  Ungnabe  ©otteS  fürchten, 
3u  (Setner  ©nabe  unb  33arm£erata,feit  in  3efu  ß^rijto  3u?ua)t 
nehmen,  bura)  ben  ©laitben  31t  ©einer  ©emeinfa)aft  gelangen, 
Vergebung  ber  Simben,  @erea)ttgfeit  unb  Seligfeit  bei  3<N 
ftnben,  unb  bura)  Sein  23lut,  bura)  Seinen  ©eift,  bura) 
©ein  Sßort  unb  Seine  ©nabe  wiebergeboren ,  erleua)tet,  be* 
feljrt  unb  erneuert  werben  muffe*  Sie  £ält  aua)  bie  3£ngen 
mit  aller  Streue  unb  frommem  Grifer  an  $ur  2>anfbarfeit,  gut 
$ebe  gegen  ®ott  unb  ben  ^aa)ften,  $u  einem  peittgen  £eben, 
gur  Sanftmut^,  £emutj?,  ©ebulb,  greunblta)fett,  3üa)tigfeit, 
«Wäjjigfeit,  2Mbe,  ©enügfamfett ,  2lufria)tigfeit  unb  2öa£r* 
pafttgfeit*  Sie  le£rt,  wie  man  anbda)tig  unb  £er^lia)  beten, 
ben  Vater  im  Fimmel  mit  finblia)em  Vertrauen  anrufen,  unb 
gnäbige  <£rf>örung  von  3j>m  erwarten  folle*  Sie  bringt  barauf, 
bag  wir  bte  reine  £e£re  mit  einem  reinen  unb  unfträf(ia)en 
Sßanbel  sieren,  ba$  $reu$  (Sjmfii  täglia)  auf  un£  nehmen, 
«nb  3£m  naa)foJgen  fotfen*  Sie  gibt  tröftlia)e  (£rflärungen 
über  ben  l'eibengweg  ber  JHnber  @otte$,  unb  über  t>k  bar* 
unter  verborgenen  ©p ^etmntffe  ber  iJiebe  be£  £öa)ften  ©ie 
gewährt  einen  äuverlägtgen  unb  reia)en  £roft,  verfügt  bie 


1000 

Sftüpfeltgfetten  bt'cfe^  Mm$  mh  ptlft  fte  überwintern  <Ste 
leprt  t>ie  Sößelt  unb  i^re  (£itelfeit  $erfa)mäpen,  naa)  ben  pimm* 
Xtf4>en  unb  ewigen  ©ütern  tracpten,  unb  bte  (£rfcpetnung  be$ 
£errtt  3efu  (Sprtjtf  verlangen  unb  lieb  paben.  6te  mac&t  un$ 
aum  £obfe  bereit,  willig  unb  fro^Itc^ ;  fte  leprt  ung,  wie  wir, 
naa)  be»  ^eifpiet  alter  grommen,  im  Vertrauen  auf  ba$  tpeure 
SSerbienft  €prifti,  soll  £rojt  beS  peiltgen  ©eifteä,  fanft  unb 
feiig  entfcplafen  fönnen.  — 

3ur  ©ememfcpaft  mit  einer  folgen  $tra)e,  meine  hieben, 

pat  eua)  ©Ott  berufen*    ^abt  ipr  nun  tiefe  ©nabe  ©otteS 

btöper  aua)  erfannt,  unb  3pm  für  folcpe  SBopftpaten  peralia) 

gebanft?  .ipabt  ipr  mit  gebüprenbem  @wfte  barnaa)  getrachtet, 

in  ber  ©emeinbe  ber  fettigen  gottfelig  au  (eben,  unb  bie  peil* 

fame  £epre  mit  einem  gewtjfenpaften  Sanbel  3U  gieren  ?  galtet 

tpr  bie  reine  2epre  für  du  tpeure  ^Beilage  unb  für  ein  un* 

fa)ä£bare$  Äleinob  eure3  £eraen£  ?    @epb  tpr  von  frommem 

<£ifer  befeelt,  fte  %u  bewahren,  fte  auf  eure  9taa)fommen  a« 

bringen  unb  auf  Rubere,  benen  fte  mangelt,  fortaupffonaen  ? 

2öo  ift  eure  33egtetbe,  Wlt§  mit  bem  <£oangelto  Qiprifti  au 

erfütfen?  2So  ift  euer  (ürifer  gegen  SltteS,  wa$  ber  pimtnltfdjen 

SBaprpett  entgegen  ift  ?  2&a3  pabt  ipr  bisher  getrau  unb  hzU 

getragen  ^ur  @rpaltung  be$  ©otteebienjteä?    SQSobura)  pabt 

ipr  eure  eifrige  ^tebe  $u  3efu,  ^u  ©einem  peiltgen  Söort  unb 

©einen  ©acramenten  beaeugt  ?  —  23ietteia)t  gibt  e£  33iete  unter 

eua),  bie  oon  bem  Widern  wenig  ober  gar  nia)t$  wiffen.  SßkU 

leia)t  pabt  ipr  ©Ott  noa)  nie  oon  £er$en  bafür  gebanft,  bag 

ipr  in  ber  ettangelifcpen  $ira)e  geboren  unb  erlogen  worben 

fe^b*   23ielleta)t  pabt  ipr  mit  bem  2Seltlia)en  fo  *>iel  au  tpun, 

bag  ipr  an  ha$  ©eijtttcpe  unb  £immfifa)e  nur  feiten  benfet* 

*BteU*eia)t  wäre  e$  eua)  gleia)gültig,  ob  ipr  ju  ben  ^atpolifen 

ober  ju  hm  Söiebertäufern  unb  anbern  Bdttn  gepöret,  ober 

ob  ipr  in  ber  ©ememfcpaft  mit  ber  esangelifcpen  $tira)e  lebet, 

wenn  ipr  nur  ©elb  genug  pabet,  euren  lüften  bienen  unb 

bie  Seit  geniegen  fönnet*    Siedeicpt  pabt  ipr  ©Ott  noa)  nie 

für  bie  3*renben  unb  SSerfüprten  gebeten,  bag  (£r  fte  erleucpten 

unb  auf  ben  rechten  2ßeg  bringen  möge*    SBielleicpt  pabt  ipr 

eu$  noa;  nie  bemüpt,  eine  irrenbe  @eele  auf  beffere  ©eftn^ 

nungen  au  bringen»  —  ©Ott  gebe,  bag  fta)  hü  biefer  Unter* 

fucpung  yiitmmh  getroffen  füple,  unb  bag  in  unferer  $ira)e 


1001 

SWemanb  gu  fmben  fet>,  ber  eine$  folgen  ^eic^tftnnö  befd)ulbigt 
werben  forme!  2Iber  leiber  jwt  mia)  bie  (£rfal)rung  geteert, 
ba§  £ojje  unb  fiebere  bem  2£ajm  ergeben  fmb,  aläljabeber 
DWigioneftreit  nic^t  viel  ^u  bebeuten,  unb  er  fep  nur  ein  un« 
nctr;ige$"  ©e$änfe  ber  ©elej?rten.  2öir,  fagen  fte,  glauben 
Sitte  an  (Einen  ©Ott,  ber  wirb  un£  SiUe  fetig  madjen,  SSiele 
Sßorne^me  fmb  aua)  t)eute  nofy  fo  gejtnnt ,  wie  bort  Pilatus, 
ber  3efum,  ben  treuen  3^ugen  ber  2Saj?r£eit  fragte :  was  ift 
2BaJ>rj)eit?  —  (gin  taltfmn,  weld)en  ber  ©atan  aU  fßoxht* 
reitungSmittet  gebraucht,  um  bie  bergen  ber  5D?enfa}en  $um 
völligen  Unglauben  gu  bringen.  (£$  i$  aber  nid)t  nötljig,  viel 
barüber  ^u  fagen,  weil  t>k  täglid;e  (£rfaljrung  tefjrt,  ba§  bie 
grommen  genug  jn  befeuften  unb  ^u  beflagen  fyabtn. 

3Darum,  meine  Gt^rtften,  bebenfet  aua)  wot)l  vor  ©Ott,  ber 
^er^en  unb  Vieren  prüft,  unb  oor  3efu  @f>rifto,  ber  fommen 
wirb  au  rta)ten  t>k  £ebenbigen  unb  bie  lobten,  —  tok  tj?r 
in  btefem  galle  gejtnnt  fe*;b?  2)ie  |ummfifd)e  2Bat)rj?eit  ift 
bto3  in  ©otteö  ^eiligem  2Borte  geoffenbart  unb  fann  nur  bei 
benen  jtct)  ftnben,  t>k  gan^  allein  an  ©otteg  2Bort  Rängen 
unb  i^ren  ©lauben  barauf  grünben.  6e^b  i£r  von  ber  evan* 
gelifa)en  SBat)rpett  au$  (Mottet  SKort  in  eurem  £er^en  über* 
$eugt,  fo  fbnnet  tj)r  mit  ber  £üge  unb  bem  3rrij?um  feine 
©emeinfajaft  ^aben,  unb  ifyc  bürfet  nia)t  glauben,  ba§  man 
fte  neben  ber  2Sa£ri?eit  bulben,  noa)  viel  weniger,  ba§  man 
mit  ber  galfd)j>eit  fo  gut  feiig  werben  fbmte,  vok  mit  ber 
2öa£rt)eit»  ©epb  i£r  -aber  ber  2Ba^rt)eit  in  eurem  £eraen 
noct)  nict)t  gewig,  fo  ift  bieg  ein  58zvoü$,  bag  i£r  tua)  Utyev 
in  ber  ^eiligen  ©a)rtft  wenig  umgefeljen,  unb  cuti)  mct)t  fef?r 
bemüjjt  fyabt,  ben  Söillen  ©otte$  $u  erfennen,  weld)e$  aber* 
mats  von  ber  ©idjerljeit  unb  bem  ^aftftnn  eureä  ^er^en^ 
geugt,  Sßäre  e$  gleichgültig,  mit  welcher  gartet  wir  e3  hielten, 
warum  fyätte  un£  ber  ©etjt  ©otte£  fo  ernfftia)  vor  falfa)en 
$ropt)eten  unb  vor  bem  ©auertaige  falfa)er  £ef>re  gewarnt, 
warum  t)diten  ftct)  fo  viele  fromme  Männer  von  je$>er  ben 
verfü£rerifa)en  Sehern  mit  allem  @tfer  wtberfe#t  ?  Dber  £aben 
jene  Männer  ©otte£,  Uz  täglia)  bereit  waren,  um  be$  9lamenä 
3efu  willen  su  fterben,  um  gleichgültige  £>inge  geftritten? 
3j*  e$  einerlei,  ob  ber  Sftenfa)  an  einem  £)rte  kht,  wo  bie 
£uft  gefunb,  ober  wo  fte  verpeftet  tfi?  3ft  ?$  gleut),  ob  eine 


1002 

$ffanae  in  einem  reinen,  guten  33oben,  ober  ob  fte  mitten  unter 
t>em  Unfraut  fiept  ?  28er  trinft  ma)t  lieber  aus  einem  frifa)»n 
unb  lautern  (Strömlein,  ba$  auö  einer  bewährten  unb  gefunden 
Duelle  entfpringt,  al$  au3  einem  trüben  unb  fa)lammigen 
SSaffer?  2Bir  fmb  t>orjta)tig  in  leiblichen  fingen,  warum 
feilten  wir  e$  ntcfjt  aua)  in  geiftltdjen  Dingen  fep?  Darum, 
meine  hieben,  verwahret  eua)  *>or  fa?fa)er  £epre !  23epaltet  baS 
2öort  (Sottet  in  euren  fersen,  bag  ipr  nia)t  in  gefährliche 
3rrtpümer  fallet»  galtet  fefl  an  ber  Einfalt  be£  Gbangeliumg, 
unb  laffet  eu^)  nia)t  blenben  bura)  falfa)en  (Bcpein,  Suchet  in 
ber  (£rfenntnig  @otte£  unb  3efu  (grifft  au  wad)fen  unb  bittet 
ben  £errn,  bag  (Er  eua)  immer  mepr  erleuchte,  befeftige,  hie 
$raft  ©eineJ  2Bort3  in  euren  ^cqen  entpjinben  lajfe,  unb 
fcie  2Bai?r|>eit  beffelben.bura)  ba$  3eugnig  <Stint$  ©eiped  in 
eua)  beftätige*  Raffet  eua)  9fremanb  berauben  bura)  lofe  $er* 
füprung  naa)  ber  3#enfa)en*£epre  unb  naa)  ber  2Selt*@a$ung 
unb  nia)t  naa)  (Sprifio.  <5ua)et  fo  x>iel  möglief)  unb  fo  mit 
t$  in  eurem  S3erufc  liegt,  bie  Verirrten  wieber  aurec^u* 
bringen,  unb  bittet  (Bott,  wie  e£  im  Söugtagggebet  petgt :  „  21  l  le 
Srrenbenunb  SS  er  führten  wollft  Du  wteberbrin* 
gen,  allen  Motten  unb  Slergerniffen  wejjren,  Dei* 
nen  ©et fi  unb  ^raft  a^m  SBorte  geben,  ic.  — 
Grrjjör'  un3  lieber  £erre  @ottl" 

Unterfua)et  ferner,  wie  eua)  au  Oftutp  ijt  bei  bem  Verfaß 
be3  ßpriftent|mm3  unferer  £age,  unb  Ui  bem  ärgerlichen  gott* 
lofen  SBefen  ber  2ßelt,  baS  je£t  überall  mit  5ftaa)t  einreibt? 
prüfet  euä)f  mit  welchem  frommen  (ürtfer  tj>r  bemfelben  2Btber* 
ftanb  geleistet  $aht(4  21a)!  e£  ijt  allenthalben  @ifer  genug  in 
ber  2£elt ;  aber  wo  ift  ber  gottfelige  unb  peilige  Eifer  ?  2Ba£ 
ifr  bie  Urfaa)e,  bag  bie  ©ottloftgfeit  bie  a)riftlia)en  Räuber 
n>\e  eine  ©ünbflutp  überfa)wemmt  ?  Unter  anbern  wopl  aua)  biefe, 
weil  ber  gottfelige  Eifer  in  alten  ©täuben  faft  erlofa)en,  unb  bie 
brüberlia)e  Erinnerung  unb  ^öejirafung  faft  in  Abgang  ge* 
fommentß,  weil  ferner  mana)e  ©ünbenaur  ©ewopnpeit  geworben 
fmb,  weil  man  t>ie  Sugenb  nia;t  mepr  gehörig  baxin  unter? 
ria)tet,  wela)'  ein  ©reuel  baä  SBöfe  in  ben  klugen  @otte$ 
fe9,  weil  bie  Äircpen*  unb  £augaua)t  verfallen  ijt  unb  man 
eö  allenthalben  gepen  lägt,  xoie  e$  gept.  —  £)  wie  siele 
trüber  mag  ber  23ifa)of  au  Saobieea,  von  welkem  oben  bie  D?ebe 


1003 

war,  in  allen  ©tdnben  $abm%  2öie  t>tete  ^rebiger  motzte 
man  ftnben,  welche  irbifcty  geftnnt  (Inb,  beren  23aucf>  t^r  ©Ott 
ifl,  meiere  ßumme  £unbe  ftnb,  bie  nicfyt  ftrafen  fönnen  ober 
wollen;  fte  jtnb  faul,  liegen  unb  fcfyfafen  gerne,  trögen  baS 
fQoit  nodj  in  feinem  Unglütf ,  ba§  fte  e$  gering  a$*en  f°ttcn/ 
unb  fagen  griebe,  griebe ;  unb  ift  boa;  ni$t  griebe*  @ie  ßeplen 
iprem  9cäa)ften  baS  2Bort  ©otteS,  tterf^weigen  eS  auS  £eu* 
#elei  unb  $?enfc$enfura)t,  unb  tragen  e£  ntc&t  mit  bem  ge* 
porigen  (Ernfte  oor;  fte  legen  ben  beuten  Riffen  unter  bte  2lrme 
unb  ©tüjtfe  unter  $>a$  #aupt ,  betbe  3nngen  unb  eilten ,  um 
fte  für  ft$  ^u  gewinnen;  fte  entheiligen  @ott  in  «Seinem  33olf, 
um  eine  £anb  soll  ©erften  unb  an  wenig  33rob,  —  um  eines 
geringen  SRugenS  Witten.  —  SSie  oiele  Regenten  möchte  man 
ftnben,  wel$e  ft$  um  bte  OMigton,  um  ben  wahren  ©otteS* 
bienft  unb  um  ein  re$ifcf)affeneS  @J?rifkntfmm  wenig  bekümmern, 
bte  aufrieben  jtnb,  mnn  fte  Untertanen  fjaben,  bie  ij?re  2lb* 
gaben  aajjlen ,  mögen  fte  nun  fromm  ober  gottlos  feipn !  2öie 
wenig  bbrigfeiten  gibt  eS,  wel$e  wiber  baS  allgemeine  ©itten* 
»erberben,  wiber  bie  geoge  UnwtfTenjjett  beS  @I?rtftettOolfS> 
wiber  baS  glühen,  Schwören,  wiber  bte  (Entheiligung  beS 
©onntagä ,  wiber  bie  £runfeni?eit ,  bie  $letberpra$t  u.  f.  w* 
gehörig  eifern,  unb  fw$  mit  aller  Wlatyt  bagegen  fe£en!  SÖBie 
SBenige  unterfingen  fromme  unt>  eifrige  ^rebiger  gegen  hit 
gottlofe  Sffielt,  tx>k  Wenige  merfen  auf  i£re  Sorfcfylcige  ^ur 
2Bieberaufri$tung  beS  oerfaftenen  @{mjknr£umS  mt>  fu^en 
fte  auszuführen!  —  (Eine  äpnlidje  £aupett  fmbet  ft$  aud>  im 
|>auSftanbe*  Söie  oiele  fßäkv  wirb  man  ftnben,  wela)e  voie 
(Eli ,  $u  bem  3D?ut£wi!len  i^rer  Ä'mber  unb  $reS  ©eftnbeS  ntc^t 
einmal  fauer  feljen ,  t>k  mit  ü)ren  titelten  unb  Sftägben  wo£l 
aufrieben  ftnb,  wenn  fte  t£re  Arbeit  fleißig  verrieten  unb  i£nen 
tm  3eitlt$en  nüßlid)  ftnb!  £arum  aber  befümmern  fte  ftd? 
ixifyt,  tck  eS  mit  ij?rem  ££riftentfwm  ftefrt,  ob  fte  t>m  ®a* 
iecfjiSmuS  fennen,  ob  fte  »on  ber  feltgmaa)enben  (£rfenntntg 
©otteS,  oom  ©lauben,  tton  ber  iMebe,  oon  ber  gremmigfett, 
*>on  ber  %a)folge  3efu  etwas  wiffen  ober  Mtißi  3$  fytöc 
gelefen,  ba£  felbft  dürfen,  welche  ^prijten  ^u  Stimm  paben, 
eS  gerne  fe^en ,  wenn  biefelben  oiel  beten ,  weil  fte  glauben, 
tic  £>älfie  biefeS  @eht$  fomme  i^nen  als  ben  Ferren  ^u  gut» 
^benfo  treiben  fte  auc|  ^iemanb  vor,  mö  \xnb  wk  er  beten 


1004 

fotC  unb  flöten  tyn  nia;t  in  feiner  %nba$L  2lcf),  wie  Wenige 
unter  ben  a)riftlid)en  Ferren  unt>  grauen  paben  gleiche  ©eftnnung ! 
2Öie  -HBenige  gibt  e$  noa),  bie  glauben,  ba$  @ebet  ijjre3  @e* 
ftnbeS  fcmme  ijmen  unb  ben  31?rigen  $u  Statten,  unb  bringe 
bem  ganzen  £aufe  £eil  unb  ©egen,  tok  wir  baS  an  bem 
S3eifpiel  beS  3afo6  unb  3ofep£  fepen!  Sßte  SBenige  palten 
tpre  2)ienftboten  felbft  ^um  ®tb?t  unb  $ur  grommtgfeit  an! 
Söerben  nia)t  jene  dürfen  am  großen  ©eria)t3tage  aufftepen, 
unb  bie  un$riftlta)en  @prijkn*>erbammen?  SSie  2flana;er  eifert, 
fiürmt  unb  poltert  in  feinem  £aufe  über  ein  geringes  23er* 
fepen  feiner  $mber  unb  feinet  ©eftnbeS,  aU  wollte  er  gang 
auger  fta)  fommen ,  unb  bringt  bura)  fein  ©efa)rei  unb  ©a)elten 
bie  gange  ^aa)barfa)aft  in  5iufrupr ,  —  eine  ©ünbe  aber,  tk 
wiber  ©Ott  unb  ba-3  ©ewijfen  ijt,  fann  er  leia)t  an  fyntn 
bulben!  9ftana)er  gürnt  unb  eifert  heftig  um  ein  $erbroa;ene$ 
@efä§,  um  einen  verlornen  ©rofa)en;  aber  um  eine  verlorne 
©eele  bef  ümmert  er  jta)  nia)t  Wlanfytv  fann  *>on  feinem  ©e* 
ftnbe  feine  SBiberrebe  leiben,  unb  fa)tcft  e£  fogleia)  fort,  wenn 
e$  nia)t  naa)  feinem  ©tun  ijt;  $<x$  e3  aber  in  UnbugfertigfeiJ 
bapin  gept,  ©Ott  mit  tylutfyxoiilm  unb  $8dtyät  wiberftrebf^ 
©einen  ^eiligen  tarnen  aum  glucken  migbraua)t,  ©ein  Söort 
»erachtet,  unb  t>on  bem  ©inne  3efu  nia)tS  mi$,  ba$  xtyxt 
ipn  ma)t  an,  —  ©o  ijt  e$  aufy  in  anbern  fingen.  2#ana)er 
Surnt  unb  eifert  peftig  über  ein  äöort,  mit  bem  ipm  fein  9?äa)fier 
etwa  au  na  Je  getreten  ift,  aber  um  einen  fa)recf  lid;en  glua;, 
ben  er  son  ifym  pört  ober  um  an  ärgerlichem,  anftögigeö  23ort 
fümmert  er  jtö)  ma>t,  2ftana)er  palt  biejenigen  für  feine  geinte, 
t>k  nidjt  naa)  feinem  Sßiüen  ftnb*  (£r  meibet  tk  ©efeßfa)aft 
bercr,  oon  benen  er  nur  im  minbefkn  beleibigt  $u  fepn  glaubt, 
er  mag  fte  nia)t  fepen  unb  pören,  grügt  fte  nia)t  unb  banft 
ipnen  ma)t.  Slber  eben  biefer  Sftenfa)  trägt  fein  33ebenfen, 
mit  geinben  ©otteS,  mit  rua)lofen,  jia)ern,  ber  ©a)wetgerei 
ergebenen  SSttenfdjen  gu  laa)en,  gu  fdjfrgen  unb  greunbfa)aft 
3U  palten»  2)cana)er  fann  eg  faltblütig  unb  mit  i*ä#eln  an* 
Jjören,  wenn  über  bk  peiligfien  £)inge  ber  Religion,  über 
©otteS  3Bort,  über  bie  ©acrameute,  über  tk  ©ottfeligfeit 
unb  bie  Unf*erblia)feit  ber  ©eele  gefpottet  wirb,  unb  er  be* 
benft  nia)t,  baß  er  jta)  bura;  ©tillfa)wcigen  ber  gleiten  ©ünben 
tyet'lpaftig  maa)t,  (^r  würbe  gewig  nia)tfa)weigen,  wenn  über 


1005 

einen  trbtfcfyen  Wlomxfytn  unb  feine  Regierung  fo  fc^mä^tic^ 
gefprodjen  würbe.  —  Sie  metften  (Sjmjkn  unferer  £age  fennen 
biebrüberlt$e33eftrafungma)t.  $?an  jjört  bei  £oa)$etten,  ©aft* 
malen,  ©efefff haften  mannen  glua)  unb  manche  ärgerliche  $ebe; 
aber  feiten  wirb  man  erfahren ,  bag  einer  folgen  ©ünbe  mit 
(£rnft  unts  (£ifer  wiberfproa>n ,  bag  ber  irrenbe  Sftäcfcjte  an 
feinen  gelter  erinnert  wirb,  din  3eber  achtet  5flenfa)engunjt 
\tytx,  aU  (Bottet  ©nabe.  33ir  ftnb  fafi  Sitte  lau  geworben 
m  göttlichen  unb  geijtliajen  fingen ;  man  lägt  e£  tetber  attent* 
fyatbm  ge^ien,  wie  e£  geljt.  —  (B  wirb  nta;t  nötpig  fepn, 
bieg  wetter  au^ufüpren,  unb  ia)  bitte  alle  a;rijHtä)e  ^eqen, 
bag  jte  nur  auf  ben  gewohnten  SBanbel  ber  Triften  fe|?en, 
babei  aber  fta)  felbft  nia)t  sergeffen  mögen;  bann  werben  jte 
ojme  3weifel  me|>r  jinben,  äl$  ijmen  lieb  femt  wirb.  —  Sfttöge 
ber  £err  alte  unfere  Mängel  serbejfern  unb  unfere  falten  £er$en 
brünftig,  feurig  unb  freubig  in  Seiner  $kbc,  unb  in  ©einem 
©e£orfam  maa)en!  Slftöge  (ix  uns  boa)  ben  £öa)jtfa;äbüa)en 
2öal?n  benehmen ,  bag  wir  uns  für  glaubige  Triften ,  für 
^inber  ©otteS  unb  für  ßrrben  be£  ewigen  Gebens  palten  bürfen,  fo 
lange  wir  bura)  9tt$tS  unfern  ©tauben  beweifen,  als  bura) 
^irctjengeljen ,  bur<#  $3titi)ttn,  bura)  ben  ©enug  beS  ^eiligen 
2lbenbmaj?tS ,  bura)  baS  £erfagen  tton  ©ebeten  unb  äpntiä)en 
äugerlia)en  fingen,  wela)e  aua)  bie  grögten  £eua;ler  t£un 
fönnen.  2ßa£rlia),  wo  fein  frommer  (£tfer,  wo  nur  -ftaa> 
tägigfett  unb  ^eia)t(tnn  t(t ,  ba  tjt  feine  i^iebe.  SSo  aber  feine 
$itbe  ifö  ba  tft  aua)  fein  ®lauhe,  unb  wo  fein  ©taube  ijt,  ba 
tji  fein  GtljirtjhtS,  feine  Vergebung  ber  <5ünben,  feine  ©erea> 
tigfett  unb  ©eligfeit.  —  ©uro)  baS  53iöpertge  wollte  ia)  einen 
Sebcn  an  feine  *Pflt$ten  erinnern,  unb  tl)n  $u  weiterem  9ta$* 
benfen  seranlaffen.  ©ott  gebe,  bag  eS  9ht#en  bringen  möge! 
II*  2Str  wollen  nun  aber  aua)  bm  @ifer  für  grommig* 
fett  felbjt  prüfen.  2)enn  ojme  3weifef  wirb  9ttana)er  fta)  bei 
jener  erften  Prüfung,  naa)  ber  SÖ3etfe  beö  menfa)tia)en  ^er^en^, 
fetbft  fa)mei$etn,  unb  fta;  ein  gutes  3eugnig  geben,  in  ber 
Meinung,  es  fefjte  tjmt  nia)t  an  (£tfer  für  ©otteS@aa)e, 
unb  er  oerbiene  biegfallS  feinen  Vorwurf.  &$  ifi  alfo  nöt£tg, 
bag  wir  bte  (£  i  g  e  n  f  a)  a  f  t  e  n  eines  frommen ,  wahren  unb 
Zeitigen  Eifers  ins  Sluge  faffetu  1}  (ix  mug  opne  galfa), 
ojme  £euc$etei,  lauter,  uneigennü^ig ,  o£ne  fleifa)lia)e  @imm* 


1006 

fa)ung  unb  bloS  auf  ©ott  genutet  fepm  (Ex  barf  nia)t  au* 
ber  Statut  jjerrüljren,  wie  man  mannen  ja^orntgen  2ftenfa)en 
trifft,  ber  fto)  aua)  wegen  göttlichen  fingen  gleia)  entrüftet, 
ober  mepr  barum,  bag  ifmt,  als  bag  ©ott  eiwaö  auwiber 
gefaxt;  fonbern  er  mug  aus  ber  ©nabe,  aus  bem  ©rauben, 
aus  einer  reuten  unb  feurigen  ftebe  ^u  ©Ott  unb  au$  ber 
$raft  beS  ijeth'gen  ©eifieS  fommem  (Ex  barf  md)t  feinen 
Sftu^en  unb  feinen  SRufym,  fonbern  folt  einzig  unb  allein  ©otteS 
(Efyxt  unb  beS  9tö#ften  53efTerung  fua>n.  —  Sejm  fagte  awar 
bort  au  Sonabab:  $omm  mit  mir  unb  fte£e  meinen  (Eifer 
um  ben  £errn.  (Ex  tpat  aua)  »iel  in  folgern  (£ifer,  er  *m 
tilgte  ba$  gottlofe  Spant  beS  HJjabs ,  erwürgte  bte  33aalS* 
35rießer  unb  $erjtörte  ben  ©ö$entempel;  aber  mit  er  ben 
föxlberbienft  beS  3erobeam  nia)t  abfa)ajfte,  fo  erpettte  barauS, 
bag  fett*  ßifer  nia)t  lauter  war»  Sa£er  {►eißt  e$  *>on  t&m : 
3e£u  pteft  nia)t,  bag  er  im  ©efe&  beS  £errn,  be$  ©otteS 
3fraelS  gewanbelt  fyätte  »on  ganzem  bergen,  unb  es  würbe 
tjwt  wegen  feines  äugerlta)en  GEiferS  nur  eine  aeitftaje  %8of>U 
tjjat  t>erfproa)en,  —  bag  ndmlia)  feine  $inber  auf  bem  ©tu^le 
SfraelS  ftgen  f  ollen  bi$  ins  vierte  ©lieb»  —  (Ein  tonaeiepen 
beS  lautern,  göttlichen  ßriferS  iß  bas,  wenn  ber  Sftenfa)  bei 
fto;  felbjl  anfängt,  gegen  (ta)  felbfi  unb  bie  ©einigen  in  Sin* 
gen,  bte  gegen  ©otteS  ^eiligen  SBitten  jtnb,  nia)t  nacfcftcptig 
ijt,  wenn  er  niept  nur  Ut  kixfyt  unb  bie  ©emeinbe  ©otteS, 
fonbern  aua)  fein  eigenes  £auS  unb  fein  £era  »on  Ottern, 
was  bem  (££rijkntpum  auwiber  ijt,  rein  unb  unbej&dt  au  er* 
galten  fua)t;  wenn  er  in  ©aa)en,  bie  feine  ^erfon  unb  feinen 
•ftufcen  angeben,  fanft*  unb  langmütig,  gebulbigunb  »ertrag* 
lia;,  in  göttlichen  Singen  aber  emftg  unb  ernfHicp  tfi;  wenn 
er  enblia)  feinen  ©a)aben  noa)  ©djtmpf,  feine  ©ä)maa)  noa> 
Verfolgung  ber  SBelt  fa)eut,  fonbern  Sitten  willig  über  fto) 
ergeben  lägt,  wenn  nur  ©otteS  (Etyxt  gerettet  unb  beförbert  wirb« 
2)  Ser  @ifer  mug  ferner  ftug,  $>orfttt)ttg  unb  beputfam 
feym  @r  lägt  fto)  ffö*  »on  ©otteS  ©eift  unb  SSort  regte* 
ren,  unb  fein  3wecf  ij*  neben  ber  @f>re  ©otteS,  (Seelen  au 
erhalten,  m$t  au  »erberben;  er  tji  nidjt  gegen  bie  ^erfonen, 
fonbern  gegen  t>it  ©ünbe  gerietet.  (Ex  urtpeilt  nicf;t  na$ 
bem  ©a)ein,  fonbern  naa)  ©otteS  2Bort  mit  lauterem  unb 
reinem  (Sinn.    Saper  wirb  tin  frommer  Eiferer  fto;  befletgt* 


1007 

gen ,  gleid)  ben  SMern  bte  ©olbbldtter  ber  üöa^rpett  befmt* 
fam  anaurüjjren  unb  aufzutragen;  *>♦  i,  er  wirb  feinem  9läa> 
jlen  bie  2Sa£r{>ett,  fo  tuet  möglia;,  mit  ©Tönung,  33efa)ei* 
benjjeit  unb  ©attftmutjj  »orfjaitett,  aber  er  wirb,  wie  man 
»Ott  beit  bersten  au  fagen  pflegt ,  bte  bittern  tyiUen  pergolben* 
£)teg  feigen  wir  an  bem  S3eifptcl  be£  ^ropfeien  9i-atfjatt,  ber 
beti  Auftrag  »on  ©Ott  ljatte/  beit  Zottig  £>a$ib  wegett  feinet 
@|>ebrua)£  mit  ber  53atlpfet>a  unb  feinet  9ttorb$  an  ijjrem 
©ema£I  Jjart  au  (trafen,  ©e£et,  wte  er  bieg  auf  Eingeben 
beS  £etf*  ©etfieS  ausgeführt  fyat.  (£r  er$äf>ft  iü>m  etn  ©feia> 
mg  »on  awei  Bannern  in  einer  ©tabt,  x>on  betten  ber  (£me 
reia),  ber  Sintere  arm  war*  2>er  ^eia^e,  fagte  er,  fjatte  fe£r 
mit  ©«(jaafe  unb  9?ittber,  aber  ber  SIrme  Ijatte  nid)t6  aU 
ein  eittaigeö,  Keinem  ©ipfleitt,  t>a$  er  gefauft  unb  aufgewogen 
fyattt,  bi$  eg  groß  war  bei  iljm,  e£  ag  *>on  feinem  Riffen  unb 
tranf  t>on  feinem  33ed?er  unb  f$Iief  in  feinem  ©a>og,  unb 
er  ^tett  e£,  wie  eine  £oa;ter*  3)a  aber  au  bem  9^eia^en  ein 
@aft  fam,  f#onte  er  feine  ©a)aafe  unb  ^tnber  uttb  na£m  ba$ 
©ajaaf  be$  armen  Statutes,  u«b  lieg  e$  auria)ten  für  ben 
S^amt,  ber  51t  tjwt  gefommett  war*  5ltö  ftd)  nun  ber  ®omg 
barüber  erzürnte,  unb  biefen  Ungerechten  für  eitten  Wlam  beS 
£obe$  erflärte,  fprad)  ber  tyxopfytt  $u  tym:  £)u  bift  ber 
9ttatttt,  bu  jjafi  ben  Uriag  erfragen  unb  |mfi  fem  2Seib  ge* 
nommen*  —  (^beitfo  »erfuhr  aua)  3efu$  mit  fernen  geinben* 
(Er  {rieft  irrten  t>k  2Saljrü>ett  oft  in  ©leicfmtffen  auf  eine  fo 
beutlidje  Slrt  wr,  bag  jle  fta>  getroffen  fügten,  unb  zweiten 
felbft  ein  Urteil  über  fia)  fpraa)en,  —  £)er  fromme  (Eifer 
nimmt  aua)  dlüd jta)t  auf  3tit  unb  ©efegett^ett,  auf  bte  2öta> 
tigfeit  ber  ©aa)e,  auf  bie  attwefettbett  ^erfonett  uttb  anbere 
UmjMnbe.  (Er  fudjt  ben  Mä)jfet  nia)t  au  erbittern,  fonbern 
&u  gewinnen  unb  au  beffern.  <£$  i$  nidjt  immer  t£unft$, 
feinen  ^ebenmenfa;en  auf  frifdjer  Zfyat,  fo  lange  er  im  auf* 
geregten  3uftonbe,  im  3orn,  itt  ber  Strunfett^ett  ift,  au  $ebe 
ju  ftettett,  unb  tyn  m©egenwart  anberer  ^erfotten  au  fabeln, 
befonberS  wettti  biefelbett  feine  Untergebenen  ftnb,  bie  tyn  aU 
2Sorgefe$ten  au  ad}tett  Jjaben*  2)entt  itt  biefem  gaU  wirb  bie 
Sftüge  eine  ^3efa>impfung ,  unb  ber  9lcia)fte  e^er  *>erf$(unmert, 
al^  gebeffert.  m  ijt  alfo  mana)ma(  ratsam,  an  fta)  au  £al* 
ten  unb  fein  SDftgfattett  bloö  bura)  dienen  unb  ©eberbett,  ober 


1008 

auf  anbete  SQBctfe,  wie  e$  ftc^  fcfncft,  au  beaeugen,  ben  £abel 
felbft  aber  auf  eine  bequeme  3«*  au  serfearen.  —  3$  pdrte 
von  einem  frommen  eifrigen  (griffen,  bafj  er,  fobalb  er  an 
feinen  2ttita)rij!en  etwa$  wahrgenommen  fyatte,  wa$  ber  ©Ott* 
fefigfeit  auwiber  war,  fte  m  foJgenben  borgen  entweber 
münbKtijj  ober  fd?riftli$  erinnerte»  —  (£r  fd^rieb  einffc  an 
eine  vornehme  ?5erfon,  welche  in  einer  ©efetlfäaft  leicht* 
finnig  gefroren  fyatte:  „Wlein  in  ^^rtpo  l)od?gee{jrter  unb 
geliebter  £err !  3$  aweifle  gar  ni$t,  bag  3£r,  C^urer  (Sijri* 
jlenpfu'cfjt  gufofge,  Ijeute,  epe  3£r  mit  ©Ott  gerebet,  eine 
genaue  Prüfung  über  ben  gejfrigen  £ag  vorgenommen  unb 
unter  Euren  gestern  auclj  ben  £o£en  ©$wur,  ben  %$x,  bei 
©otteä  ©träfe  unb  Eurer  ©eele,  o£ne  9?ot£  unb  wegen  einer 
gana  geringen  ©adje  getljan  fyabt,  gefunben,  Jjer^idj  bereut 
unb  bei  ©ott  abgebeten  Ijaben  werbet,  2)0$  bringt  mt$  mein 
©ewijfen  unb  bie  aufrichtige  Ziele  §u  Eu$,  bag  td>  Eu$ 
fjeraftd)  bitten  nnb  erinnern  mug,  t>a$  3£*  Junfort  erwägen 
möget,  i>a$  ntdjtö  fäxedlifyex  fep,  al$  @otte$  ©träfe,  ni$t$ 
teurer  äl$  unfere  ©eele,  unb  nichts  f$äblt$er  unb  unver* 
antwortIic$er,  aU  Slnbere  burd)  fein  33eifpiel  pr  gleichen 
©ünbe  3U  verleiten,  Sttöge  3efu$  Reifen,  bag  e$  bei  meinem 
poc$gee£rten  $exxn  btegfatfö  feine  Erinnerung  me£r  bebürfe, 
unb  t>a$  ex  biefe  mit  folgern  ^er^en  annehme,  wie  fte  ge* 

fdjrieben  tft  2c." E$  wirb  febo$  ni$t  notjug  fe^n,  ber 

eifrigen  Ziele  no#  meljr  Regeln  au  geben,  weil  fte  ft$  felbjl 
bie  befte  Siegel  f|K  ©laubige  unb  liebreiche  ©eelen,  bie  von 
Eljrifti  ©nabe  unb  ©eift  regiert  werben,  wtffen  wojjt  gu  un* 
terfcfjeibcn,  unb  einerfettö  bie  £euc$elei,  anbererfetts  bie  Unle* 
bac^tfamfett  au  meiben.  3öenn  ba$  ©#wert  be$  EtferS  mit 
bem  Del  ber  bebäd)ttt$en  Ziele  befeuchtet  i(i,  fo  wirb  e*  vor 
«Roß  C»or  ©ünbe)  lewalxt  SSenn  bie  Gerate  ein  verrenfteg 
©lieb  wieber  einrichten  wollen ,  fo  machen  fte  fo  fcfmett  alte 
mögu'd>,  um  nidjt  au  viele  unb  langwierige  ©d&meraen  au 
machen;  fönnen  fte  aber  btefeS  nidt)t  vermetben,  fo  fu$en  fte 
bo$  bem  Patienten  burd)  freunbttc^en  3ufpru$  bie  ©cfnner* 
jen  au  Ünbern.  2)ieß  forbert  au$  5>autu$  von  ben  Triften, 
wennerfagt:  „Siebe33rüber!  wenn  etwa  ein$ttenf# 
von  einem  geiler  übereüt  würbe,  fo  peffet  i$m 
wieber  aurea)t  mit   fanftmütjjigem  ©eijie,  bie 


1009 

t£r  getfHia)  fei?b."  —  2)ie  eifrige  ?tek  ber  ßpriftat  mu§ 
bem  Jeuer  gleid;en,  in  welo)e$  bte  bret  Männer  geworfen 
würben,  t>a$  nur  bte  33anbe  *>er$efjrte,  fonfl  aber  feinen  ©a)a* 
t>en  tpat.  (Sie  mug  fei;n  wie  ba6  Jeuer  eineö  ©olbfa)mib$, 
wela)e$  ba£  ©olb  nur  läutert,  ober:  wie  bie  ©eife  ber  2öäfa>r, 
t>ie  awar  fa)arf  ift,  boa)  nur  reinigt  unb  fäubert.  —  2)iefer 
aufrichtige  £iebe3eifer  aber  fann  befonberS  barauä  erfannt 
werben,  bag  er  jtd)  in  WlitUib  unb  £ülfe  tterwanbelt,  fobalb 
er  bei  bem  Sftädjften  einige  33efferung  bemerft.  ©Ott  felbjt, 
fo  fepr  dx  wiber  bte  ©ünbe  eifert,  palt  mit  ber  ©träfe  inne, 
wenn  (ix  fiept,  bag  ber  ÜÄcnfc^  burdj  wapre  33uge  wieber 
umfeprt,  wie  (ix  oon  ben  geaücpttgien  Sfraeltten,  bte  (£r  be* 
gnabigte ,  fpricpt :  ,,©ie  paben  awetfaa)  empfangen  tton  ber 
£anb  be$  fytxxn  um  aller  iprer  ©ünbe/'  —  $aulu$  eiferte  fepr 
wifcer  einen  23lutfcpänt>er*  2ll£  er  aber  erfuhr ,  bag  berfelbe 
"mit  peralicper  Söetrübnig  feinen  gall  erfannt  pabe,  bat  er  für 
ipn  bei  ber  ©emeine  unb  fcprieb :  „(£$  ift  genug,  bag  berfelbe 
*>on  fielen  fo  gefkaft  t|i  Vergebt  ipm  nun  befio  mepr  unb 
tröffet  ipn,  bamit  er  nicpt  in  atlaugroge  £raurigfeit  serftnfe*" 
3)  GEnbtidj  mug  ber  peitige  @ifer  unermübet,  anpaltenb 
unb  bejMnbtg  fe^n«  £>er  ßrifer  be3  £eua)ler£  tft  ein  ©trop* 
feuer,  ba$  pod)  aufflattert,  aber  balb>  erlofa)t.  2>er  <£ifer  be$ 
©taubigen  bagegen  gleicht  einem  geuer  von  gutem,  partem 
£ol£,  baö  nidjt  nacpläg t,  big  e$  baö  TOetaö  in  glug  gebracht 
pat,  Erlägt  ftcp  bura>  feine  Sftüpe,  feinen  SSerbrug  unb 
feine  2Biberwärtigfeit  abgalten ;  er  ift  rafiloS  tpätig ,  unb  e$ 
wäre  tym  leib,  wenn  ein  £ag  vorübergehen  follie,  an  wef* 
d?em  er  nicptg  $ur  ^re  ©otteg  unb  aum  9lu#en  beö  9töa)flen 
Wirfen  fönnte,  unb  m$  am  einen  £age  nicpt  gelingt,  pofft 
er  am  anbern  aueauricpietn  dx  gleicht  ben  ©cpiffleuten,  welche 
wiber  ben  ©trom  arbeiten  unb  bag  ©a)ijf  unter  bejMnbiger 
Arbeit  pmauftubringen  fuajen.  (ix  gleist  einem  33ilbpauer, 
ber  einen  garten  ©tetn  fo  lange  Ityaut,  wenn  tpm  audj  gun* 
fen  unb  ©taub  ing  @efia)t  fliegen,  hi$  er  ein  S3ilb  barauS 
madjt  — -  ©ollte  ber  gromme  aber  am  (£nbe  waprnepmen 
muffen,  bag  alle  feine  Sttüpe  »ergebend  ijl,  fo  wenbet  er  jta) 
3um  ®thäf  er  feufat  unb  flagt  es  ©Ott,  bittet  35«  um  33er? 
geipung,  wenn  er  etxoa  feiner  ${Iia;t  nia)t  ©enitge  geleiftet 
pabe,  unb  fiept  inftänbig,   bag  ber  £err  allen  Mangel  naa) 

©triyct'ö  <Seelenfri)rt^.  ß4 


1010 


i>em  9?et$t£um  Seiner  ©nabe  erfegen  wolle*  —  prüfet  nun, 
meine  Stehen,  euern  (£ifer  na$  tiefer  fu^en  <Sc()ilberung,  unb 
gebt  eudj  mifyt,  bag  berfelbe  »on  fktf$lt$en  2lbft$ten,  *>on 
Untterftonb  unb  £eu$elei  frei  bleiben  möge*  3a,  ©Ott  er* 
werfe,  ^eilige  unb  fegne  unfern  (Eifer  bur#  3efum  <££rifhtm. 
Sintern 


SSon  bem  »ertrauten  Umgang  mit  ©Ott» 

£.  l.  Sofj.  5,  14»    2)a$  tji  bte  gteubigfeit,   bte  wir  §aben  ju  3f)m 

(bem  ©o$ne  ©ottc§),  baj?,  fo  nur  etwas  bitten  nacfy  ©einem  SQSiUen,  fo 

t)bcet  Sc  uns. 


ß  i  tt  3  a  ti  g» 

3nt  Stauten  Sefu!  Waten* 

Q£$  tft  merfwürbig ,  bag  ber  2lpofiel  $aulu$  in  feinem 
33rief  an  bie  Körner  oon  einem  brcifadjjen  diufym  fprt$t* 
,/2Btr  rüpmen  un$,  fagt  er,  1)  ber  aufünftigen 
£errli$feit,  bie  ©ott  geben  foll/'  (£r  roill  fagen: 
na^bem  wir  mit  ©ott  bur$  @£rtjlum  »erföjmt  ftnb,  fo  Ja* 
ben  wir  ni$t  atlein  htn  $orf$matf  be$  ewigen  £eben$,  tm 
grieben  mit  ©ott  im  ^er^en,  fonbern  aud)  bie  am>erjtcf>tltcf)e 
Hoffnung,  bag  roir  ^u  feiner  Seit  au  ber  wttfommenen  £err* 
li^feit  ©otte$  im  Fimmel  gelangen  werben»  Unfere  tarnen 
ftnb  im  £immel  angetrieben,  unfere  <Btätte  ift  bereitet,  bte 
$rone  tji  un$  beigelegt,  wir  fyäben  aU  $mber  @otie$  ein 
unoergängltc&eä  unb  unoerwelfli#e$  (£rbe  im  SpimmtL  2Btr 
ftnb  Bürger  mit  t^en  ^eiligen  unb  ©otte$  £au$genoffen,  tt>ix 
werben  bur$  ©otte$  Wlatyt  bewajjrt  jur  @eligfett,  unb  ftnb 
gewig,  bag  un$  weber  £ob  nod?  Seben,  weber  <£ngel,  no# 
gürftentjjum,  no$  ©ewalt,  weber  ©egenwärtigeS  nocf>  3& 
fünftigeS,  weber  £ope$  no#  £tefe$,  no#  eine  anbere  toa* 


1011 

tur  föeiben  fann  tton  ber  Ctc^e  ©otteö ,  bie  üt  @£rtfio  3efu 
ifc  unferem  £errm  —  £ier  ifi  aber  aweterfei  $u  bewerfen: 
Einmal,  bag  bie  SBorte  „wir  rühmen  ung"  me£r  be* 
beuten,  a&  ein  bfofeö  ©aßen  ober  Sefennem  2)enn  bie 
ßinber  (Sottet  fagen  unb  benennen  nia)t  bfo$,  bag  fte  GErben 
beg  $immttt  unb  ber  ©eXtöfeit  fmb,  fonbern  fte  fagen  et  aud> 
mit  einem  gewtffen  ©tola/  mit  einer  ^eiligen  ^>offart,  mit  gro* 
ger  greubigfeit,  bem  Teufel  unb  ber  2Belt  aum  SBerbrug,  ©Ott 
ober  unb  ©einer  ©nabe  au  <££ren  unb  suw  $rei$  i£re$  tyxU 
ftent$um&  —  3ubem  fpri#t  ber  5lpoflel  ntd^t  öon  feiner 
$erfon  allein,  fonbern  im  Warnen  aller  ©laubigen,  wenn  er 
fagt:  2öir  Jjaben  grieben  mit  ©Ott,  wir  paben  einen  3ugang 
$u  ©einer  ©nabe,  wir  rühmen  un$  ber  £errlia)feit  ©otte$. 
—  2)arau$  folgt,  bag  ber  ©laube,  wenn  er  au  feiner  sollt* 
gen  Straft  gelangt  if*,  vintex  Ruberem  aua;  eine  greubigfeit 
$>eroor  bringt*  £)te  grommen  £aben  nia;t  immer  Urfaa)e,  ju 
fc&wetgen,  unb  ipren  Kummer  in  fta)  $u  brütfett;  fte  bürfen 
bei  ©elegenjjeit  aua;  reben,  jta;  rühmen,  unb  *>on  ber  Meto 
(Sottet  seugen,  Ue  ijmen  in  @£rtjio  3efu  wiberfa£ren  ifh  <£$ 
mug  bei  tynen  feigen :  „3$  wtltprebtgenbie@ere  djttg* 
feit  in  ber  großen  ©emeinbe*  ©iepel  i<£  wül 
mir  meinen  üttunb  nityt  (topfen  Iaffen;  £err! 
bat  weißt  2)u!  Steine  ©ere$tigfeit  (naa)  welker 
2)u  bie  bugfertigen  ©ünber  gerecht  fpria)fi,)  verberge  \§ 
nityt  in  meinem  £eraen;  von  £>einer  2Ba£r£ett 
unb  »on  ©einem  £eüe  rebe  i$,  t$  *tT$t$lt 
Seine  ©üte  unb  £reue  nia)t  vor  ber  grogen  ©e* 
meinbe."  —  55rajrtet  bie  2ßelt  mit  eitlem,  ungegrunbetem 
föuljme  wegen  wrgängTic$cr  ©üter;  warum  follten  bie  Äinber 
©otteS  nia;t  prangen  mit  ber  ©nabe  beö  $8$ften,  fcie  ijwen 
in  i£rem  £etlanb  gegeben  tfi  ?  SQBarum  fottte  ein  <$$rtß,  mU 
$er  ber  ©nabe  ©otteS  *>erftd)ert  tjt  unb  in  ber  ©ememföaft 
@£rt(it  lebt,  ber  ba$  3eugnig  be$  Zeitigen  ©eifieä  unb  ten 
33orfa)matf  be$  ewigen  £eben$  in  fta)  füfrtt,  ber  ein  gute* 
©ewijfen  $at  :c.  fta)  biefer  feiner  ©eligfeit  nia)t  rüfmten  wt* 
ber  ben  Teufel  unb  bie  SBett?  ©ola)er  SRujxn  ijt  (Sottet 
$u£m,  fpl$e  <££re  i$  ßprijti  <££re,  weil  Met,  beffen  fte  ftcfr 
rühmen,  auf  ßjmfti  ©nabe  unb  Söerbienfl  gegrünbet  ift.  Qto 
würbe  fogar  bem  Gt$>rißent£um  aur  Unehre  unb  aum  9toc&t&etf 

64* 


1012 

gereichen,  wenn  fta)  bie  ©laubigen  ffetnmut&tg  unb  »erlägt 
feigen  wofttem  —  SöopXan  benn ;  tyx  ©laubigen !  fo  fprec&et 
öon  bergen  mit  bem  StyofM:  „2ßtr  rühmen  un^  ber 
^) err ttc^fett,  bie  ©ott  geben  foH!"  235tr  rühmen 
un6  ber  ©n-abe  unb  ber  $inbfa)aft  ©otteS,  wir  türmen  un$ 
ber  ©emeinfdjaft  mit  @fm'f!o  3efu!  2Bir  rühmen  un$  berSn* 
Woijmung  be£  Seifigen  @eifie&  Der  Fimmel  ift  unfer  mit 
[einer  ganzen  (geligfeit  dityrw  bia),  o  28eU,  beiner  fronen 
unb  ©cepter,  beiner  <£jjre  unb  £errltd;feit,  beine^  3?eia)tlj>um£, 
beiner  Wlatyt  unb  $rad;t,  betner  SBollttft,  beiner  ®unjt  unb 
SBiffenf  djaft ,  beinee  $beitö,  unb  aUe3  Uebrtgen,  womit  man 
prangen  fann;  aber  wiffe,  ba§  bu  bic^  eineö  ©$atten£  rül?mft, 
unb  einer  IBI-ume,  bk  f>eute  blitzt  unb  morgen  wteber  verwelft, 
unb  nirgenb^  gu  ftnben  ift!  SQStr  bagegen  fabelt  eine  @{>re, 
einen  <8a)ai$,  eine  %&ä$fytit,  eine  |>errlia)feit  unb  ©eligfeit, 
bie  von  ©ott  fommt,  in  ©  Ott  befielt,  unb  in  ©ott 
ewig  wäjjrt,  Du  fjafi  bie  <£rbe,  wir  ben  §i  mmel,  Du 
ba$©olb,  wir  ©Ott,  Du  bteaeit  Itc^e^wir  bie  ewige 
greube,  Du  btn  ©chatten,  wir  ba$  SScfen,  Du 
bie  Blumen,  wir  bie  grüßte,  X>u  bie  ditelieit, 
Wir  bie  (£wigfeit,  ©Ott  fe$  Dan!  für  feine unau3fprea> 
lityt  ©nabe! 

■'-■'Sfttcjjt  adein  aber  ba$  fagt  ber  SlpojM,  fonbern  wir  rü> 
men  un3  aud)  ber  £rübfaL  Der  erße  9hu)m,  (bie£off* 
nung  einer  ^ufünftigen  £errlid)feit)  fommt  ber .  Sßelt  läd)er* 
lid)  vor,  mit  man  fid?  einer  @aa)e  rüjjmt,  bie  man  noa)  nidjt 
beftgt*  Da3  hingegen  Jjäft  fte  für  gan$  t^öri^t/  bag  man 
ftd;  aud)  ber  £rübfal  rühmen  Witt,  unter  welker  $autu$ 
jiebe  geijtlia)e  unb  leibliche,  cxufjerfid;e  unb  öffentliche  Sftotp, 
$ranffjeit,  Slrmutj?,  Verfolgung,  Verachtung,  2lnfea)tung,  j[ebe 
SBiberwärtigfeit  unb  attz$  ^er^eleib  verfte^t*  —  äßeil  bie 
geinbe  be$  @£riftent!nttng  bem  2lvofM  Ratten  erwiebern  ton* 
iten:  0  ipr  armen,  elenben  $lenfa)en,  i£r  23ett(er,  if>r  pung* 
rigen  unb  verachteten  $eute ,  wie  möget  $r  eua)  be$  $immel$ 
rühmen,  bk  tyx  faum  auf  (£rben  ba$  geben  fortbringen  fön? 
net,  wa$  faget  i{jr  von  einer  großen  fünftigen  £errlia)fett, 
ba  il)r  juer  fo  vielem  dtenb  unterworfen  fepb?  — fo  antwor- 
tet berfetbe  ^um  vorauf :  bie  ^rübfal  benimmt  unferem  9?ufjm 
nifytö,  fte  f$wä$t  aufy  unfere  Hoffnung  md)t,  vielmehr  ftärft 


1013 

unb  befefKgt  fte  btefelbe,  —  £>ie  £rübfal  tjl  ein  ©epeimmg 
beä  9?etci>€S  unb  ein  tonnen  ber  ttnber  ©otteä,  ein  £ei* 
lige£  unb  gefegneie^  Mittel  gegen  bie  Sünbe,  eine  @cfmle  ber 
©ebulb  unb  (£rfaf?rung,  eine  Söerfflätte  beö  ^eiligen  ©eifie^ 
—  <£$  gereift  bem  Sßeinftocf  ntc^t  sur  <Sa)anbe,  fonbern  jui 
@!?re,  ha$  er  angebunbeu  unb  gefc^nttten  wirb.  2)enn  e3  be* 
tt>et^t ,  ha$  bte  $tafa)en  i^n ,  um  feiner  fymM)M  grüßte 
Witten,  tjjrer  2lufftd;t  würbigem  £)a3  detail,  ba£  ^ur  ^Mn^e 
gefa)lagen  wirb,  wirb  gleia)fam  babura)  geehrt,  inbem  e3  haß 
35itb  be3  Regenten  erhält*  2ßie  fönnte  alfo  bte  £rübfat  ben 
©laubigen  $ur  @a;anbe  gereichen,  ba  fte  du  33ewei$  ber  ttcU 
terlia)en  2lufftcf;t  ©otte3  ift/  unb  biefelben  be3  33ttt>ef  3efu 
fäijig  maa)t*  SBarum  foUte  fta)  an  Wiener  nt$t  rühmen, 
wenn  er  gewürbigt  wirb,  an$  bem  35ea)er  feinet  Königs  ju 
trinken?  3?un  aber  trinfen  hk  Triften  mit  i£rem  Briefe*: 
au$  Einern  $reu$be$er;  wie  follte  ifmen  ba£  nia)t  gur  @I)re 
gereichen,  gumalbaftelauter^eilitnb^eben  bar cfu^ trinfen?  —  (So 
laffet  uns  benn,  meine  3nporer,  barauS  lernen,  \vk  wir  un3 
in  ber  £rübfal,  welche  un6  naa)  ©ottes?  ^eiligem  D?atp  unb 
Sollten  begegnet,  betragen  füllen.  —  £)er  Slpoftet  3afobu$ 
fagtbarüber:  „galtet  e3  für  tittl  greube,  wennitjr 
in  mancherlei  Anfechtungen  faftet.  —  Einige  @£ri* 
flen  tragen  gwar  bem  ^errn  baS  Ureu^  nad) ;  aber  xok  «Simon 
*>on  Gprene,  ben  man  ba^u  zwingen  mußte.  Sie  ijmn  e3 
mit  (Bcufam  unb  waren  bejfelben  je  e!?er  je  lieber  gerne  U$. 
Slnbere  tragen  e3  in  cbriftlicfjer  Ergebung  unb  ©ebulb  mit 
willigem  £>ergen  im  ^inblid  auf  ben  -jftugen,  hm  fte  für  il)re 
Seele  ba$on  Reffen*  ^lod)  Sintere  tragen  e£  mit  greuben, 
unb  banfen  ©Ott ,  ba§  (£r  fte  feinet  ^reu^eö  gewürbigt  ^at; 
fte  fe^en  bie  £rübfal  gleia)fam  aU  hk  garbe  3efu  an,  an 
welker  man  feine  Wiener  erfennt;  fte  galten  e$  für  eine 
<£|>re,  unb  fprecfjen  mit  faiünö :  „3 d)  tyahe  2B-o£lgef  al* 
len  an  6$  wackelten,  an  Sa)macf),  an3?ötl)en, 
an  Verfolgungen  unb  Slengften  um  €i>rijti  wi(* 
len»  —  2)er  %8eü  fci)eint  freilid)  bie  £rübfal  tin  tj?oria)te3 
unb  befc^werli^  ©ewanb,  aber  hen  ©laubigen  tft  es  lieb 
unb  angenehm ,  weil  hex  Warne  G>I?rijn'  in  baffelbe  gewirft 
ift ;  biefe  ftnb  bie  bc[tm ,  unb  wir  Sitte  muffen  na$ 
einer  folgen  «Stufe  ber  ©ebulb  ftreben,  bag  wir  unö  ber  ^rüb? 


fal  freuen  unb  rüpmen  fonnen,  unb  bag  wir,  n)te  £utper  faßt, 
„baä  täglia)  poper  fa)äfcen,  w?aö  bte  SSelt  unb  bie  Sernuuft 
Raffet.  SSir  muffen  nämlta)  *>on  £ag  $u  £«ö  ntepr  arm, 
franf,  *>eraa)tet,  £poren  unb  ©ünber  werben,  ja  $ulegt  ben 
£ob  für  bejfer,  al$  £eben,  £porpeit  für  teurer,  als  2Bei$* 
ipett,  ©a)maa)  für  cbler,  als  (£pre,  Slrmutp  für  feiiger,  als 
9teia)tpum,  diene  über  bte  ©ünbe  für  perrlia)er,  als  ©a)ein* 
fremmigfett  palten*  2)er  SöiHe  ©otteS  ifi  an  jta)  felbfi  alle* 
gett  gut,  lieblia)  unb  fcollfommen,  aber  er  wirb  nta)t  immer 
bafür  erfannt,  bte  (£rfaprung  aber  mug  pier  9tteijier  fepn; 
fte  prüft,  füprt,  ftnbet  unb  wirb's  gewapr,  bag  btefer  SBtlle 
gut  tjl  unb  e$  son  £er$en  gut  meinet»  2Ber  barin  beparrt 
unb  juntmmt,  ter  erfährt  aua),  bag  feiger  guter  2öille  lieb* 
fia)  unb  woplgefalftg  tft,  fo  bag  er  bafür  feiner  äöelt  <3ut 
näpme,  fonbern  in  2lrmutp,  ©a)maa)  unb  allerlei  Ungemaa) 
ärogere  2ujt  un^  greube  pat,  als  Semanb  bä  allem  9?eia> 
tpum  unb  <£pre  auf  (Erben  paben  fann,"  —  £)  £err!  gib 
uns  aua)  ein  fola)eS  £er$  unb  verleibe  uns  einen  folgen  ©inn ! 
£ilf,  bag  wir  2)ein  $reu$  lieb  paben,  unb  eS  für  unfern  $upm, 
für  unfere  (Spre  unb  greube  palten !  äBillfl:  2)u  uns  aua)  wunber* 
bar  führen,  fo  lag  uns  2)ir  bennoa)  fröplia)  unb  willig  folgen ! 
3)  (£nblia),  fagt35auluS,  rüpmen  wir  uns  aua)© o ttt £  b ur  $ 
unfern  £erm  3efum  @prtftum.  —  i*utper  erläutert 
bieg  fepr  fa)ön:  „2Sir  rüpmen  uns  ©otteS,  b*  u  bag  ©Ott 
unfer  fep,  unb  wir  ©ein  fe^en,  bag  wir  alte  ©üter  von  3pnt 
unb  mit  3pnt  gemetnfepaftlia)  paben,  in  aller  3u*>erfta)t*" 
2)enn  ber  ©inn  tfl:  opne  3weifel  biefer:  SSir  rüpmen  uns 
beffen,  bag  ©Ott  unfer  lieber  23ater,  unfer  wertpefter  greunb, 
unfer  ©a)u$perr  tfi,  bag  wir  freien  3ntxitt  au  3pm  paben, 
bag  wir  in  finblicper  3uwrfta)t  mit  3pnt  reben,  unfer  5lnlie* 
gen  3pnt  entbetfen,  unb  ©einer  £tffe  uns  getrogen  fonnem 
2Bir  wiffen  unb  rüpmen,  sag  bura)  ©eine  tiebreia)e  ^egie* 
rung  unb  säterlia)e  gürforge  uns  alle  Dinge  ^um  S3ef*en  bie* 
nen  muffen»  Wlit  einem  SÖBort:  2öir  rüpmen  un^  einer  gro* 
gen  S5ertraulia)feii  mit  ©ott,  unb  awar  bura)  un* 
fern  £errn  3^fum  ^prtfium,  ber  un$  nia)t  nur  freien  3vittitt 
ju  ©ott  »erfa)afft,  fonbern  uns  aua)  befohlen  $at,  bag  wir 
3{m  unfern  lieben  23ater  nennen,  unb  al$  liebe  Äinber,  Ja 
alö  vertraute  greunbe  anreben  unb  anrufen  foUen,  ^rfpria)t: 


1015 

wir  fe^en  ©eine  23rüber,  ©ein  fßatet  fep  unfer  SBater ,  unb 
©ein  @ott  fcp  unfer  ©ott*  2Beil  nun  bieg  ein  ©egenfianb 
i|*,  ber  fe£r  viel  £roft  unb  einen  grogen  9tu§en  enthält,  fo 
hotten  wir  benfefben  genauer  erwägen,  unb  biegmal  von  beut 
»ertrauten  Umgang  ber  ©laubigen  mit  ©Ott 
reben*  —  2)er  £err  gebe,  bag  e$  ju  ©einer  (£l)re  unb  $u 
unferer  Erbauung  gereichen  möge ! 

|fj  a  n  b  lu  «!♦ 

(£in  weifer  £eibe  ftettte  in  feinen  ©Triften  unter  anbern 
bie  grage  auf:  ob  3Wifa)en  ©ott  unb  ben  Sttenfdjen  eine 
eigentliche  greunbfa)aft  befielen  fönneV  (£r  verneint  btefelbe, 
wert  swif$en  tfmen  feine  ©feicj#eit ,  leine  ©unft  unb  3unef* 
gung,  unb  feine  93ertraufia)feit  flatt  ftnben  fönne;  benn  bieg 
gehöre  notfwenbig  $ur  wahren  greunbfa)aft.  Mein  er  ur* 
tytiltt  über  tiefe  grage,  wie  ber  53Iinbe  von ber  garbe;  an 
tym  bewährte  fta)  ber  2lu£fyrua)  be$  2tyoj&:  „2)a  ftc 
fta)  für  weife  gelten,  finb  fie  $u  Darren  gewor* 
ben,"  —  2Bir  wiffen  e$,  ©ottlob,  auö  bem  Sßorte  ©otte$ 
beffer;  wir  wiffen,  bag  mä)t  allein  burd)  bie  9ttenfä)werbung 
be$  ©o£ne$  ©otteö  eine  ©leiä)|>ett  $wtfä)en  ©Ott  unb  ben 
2ftenfd)en  entfianben,  fonbern  aua)  eine  unvergleichliche  greunb* 
fd)aft  unb  eine  per^Itc^e  SBertraulicfjfett  awifa)en  ifmen  gewor* 
ben  tjh  £>ieg  bezeugt  unfer  £ert  nebf*  vielen  anbern  ©prü* 
d)en  ber  ^eiligen  ©cfjrift,  bie  wir  mit  ©otteä  ^>ülfe  nao)per 
anführen  wollen* 

1)  Um  nun  über  biefen  fo  trö|Hic$en  ©egenjlanb  gejwrfcj 
ju  reben,  wollen  wir  ^uerji  ben  vertrauten  Umgang 
©otteä  mit  ber  ©eele  betrautem  2)enn  (£r,  ber  erpa* 
bene  unb  gnäbige  ©ott  gönnt  uns  Sftenfdjen  nidjt  bloS  bie 
greubigfeit  (von  welcher  ber  Styoftel  in  unferem  £erte  fpriä)Q, 
bag  wir  au  3£m  treten  unb  naefj  Söunfo)  unb  Sßillen  mit 
3N  reben  bürfen ;  fonbern ,  m$  noä)  me£r  $u  verwunbem 
tft,  (£r  felbft  gept  un$  nad),  ^etrad&tet  unb  bepanbelt  un$ 
als  ©eine  greunbe,  offenbart  vm$  ©ein  3nnere3,  fprid)t 
väterlich  unb  vertraulich  mit  un£,  gejjt  gerne  mit  un$  umf 
unb  fa)ämt  fta)  unfer  m'$t,  fonbern  bezeugt  vor  aller  $$$zlt, 
bag  (£r  un£  für  feine  hieben  unb  greunbe  £ält  2)ieg  erpellt 
au$  einigen  ©prüa)en  unb  33etfpielen  ber  ©ä)rift.    9ftofe$ 


1016 

j.  $♦  faßt:  „2Bo  tfl  ein  fo  jjerrlii&e*  fBott,  au  wel* 
$em  bie  (Mottet  fi$  fo  n ape  tljun,  al$  ber  £err, 
unfer  ©Ott,  fo  oft  wir  3M  anrufen?7'  2Benn  bie 
©laubigen  beten,  fo  achtet  ©Ott  nic&t  allein  barauf,  fonbern 
<£r  na£t  fid)  ifjnen  gletd?fam,  um  jte  befto  beffer  au  verneintem 
„(£r  neigt  ben  £immel,  unb  fä£rt£erab,"  dxtxitt 
neben  fte,  um  fte  au  fd?ü$en  unb  p  erretten,  unb  beaeugt  mit 
deiner  gnäbigen  £ilfe,  bag  (te  ©eine  greunbe  fütb  unb  3£m 
naf>e  angehören*  —  £)avtb  unb  ©alomo  fagen:  „£)a£  ©e* 
{jeimntg  be£  £errn  iß  bei  benen,  t>t e  3£n  für$* 
ien,  —  hti  ben  frommen/'  Unter  bem  ©e|>eimnig  be$ 
£errn  verfielen  jte  ojme  3weifel  (Seine  verborgene,  vetterte 
unb  j>eralt$e  %kfo,  Staue,  ©nabe  unb  gürforge,  womit  @r 
bie  ©einen  allenthalben  begleitet  £>teg  wirb  tin  ©el)eimmg 
genannt:  weil  bie  Söelt  xtitytö  bavon  weig,  fonbern  nur  bie 
grommen  e$  im  £er$en  unb  in  ber  Zfyat  emvftnben,  wiewo'pl 
au$  biefen  bie^Sßege  be£  £>errn  oft  fo  wunberbar,  unb  in 
fo  Viele  £)unfel£eiten  gefüllt  ftnb,  bag  fte  mit  SRttyt  tin  ©e* 
jjeimnig  genannt  werben  tonnen*  £>iefe  geheime  unb  vertraute 
%UU  ©ottetf  ift  M  ben  grommen,  fte  gemegen  biefelbe  unb 
erfahren ,  wie  freunblt$  ber  £err  ift  —  SSon  £eno$  unb 
9fa>af>I>eigte$:  „fte  feipen  mit  ©Ott  gewanbelt*"  2utJ)er 
uberfefcte  awar  biefe  Sßorte:  „@te  führten  ein  gött* 
lic^e^  ileben."  2)o^  f^eint  ber'SIu^brurf:  „mit  ©Ott 
w anbei n/'  mejjr  $u  bebeuten*  (£3  fott  woljl  hamit  gefagt 
fe^n :  biefe  ^eiligen  9)?änner  fonberten  ft$  von  bem  gott* 
lofen  Raufen  i£rer  S^it  ab ,  fyklttn  ftc&  an  ©Ott,  unb  Ratten 
3!m  gleic^fam  tum  ©efeltfdjafter  auf  tfjrer  ^tlgerreife  erforen. 
©te  fpra^en  mit  3pm  bur$'6  ®^htt  unb  anbere  ^eilige  33e* 
trac&tungen,  'coit  psti  greunbe,  welche  @inen  2Q3eg  mit  ein* 
anber  machen,  ober  xok  $coti  (£f)eleute,  bte  über  if)re  Singe* 
legen^eiten  vertraulich  mit  ein  anber  reben/  (£r  leitete  fte 
allenthalben  mit  ©einen  klugen,  unb  auc&  fte  fyattzn  3Jm  jtos 
vor  Slugen,  unb  beftrebten  jtd?  vor  ©einem  2fngeft$t  in  ipei* 
Kgfeit  au  wanbeln;  fte  waren  affo  mit  3N  gana  vertraut. — 
(£benfo  wirb  2lbral)am  ein  ©eiiebter  unb  greunb  ©otteö  ge* 
nannt;  bag  i^n  ber  aUmä^ttge  ©Ott  au^  fo  be^anbelte,  erjte^t 
man  barauö,  bag  dx  in  menfe^ri^er  ©ejialt  ^u  2lbraf>am  fam, 
e^e  Ut  ^tefott  ©obom  unb  ©omorr^a  aevjtort  würben»   ßr 


1017 

lieg  ftct)  att  greunb  oon  it)m  bewirken,  unb  fagte  it)m  freund 

lify  beim  Ibfdn'eb,  bag  er  über$  3a£r  von  ©arat;  einen  ©ot)n 

befommen  werbe*    Abraham  begfeitete  ben  £errn  unb  ©eine 

@efät)rten  eine  ©trecfe  2Seg3,   gleichwie  greunbe  einanber 

gu  begleiten  pflegen.    9hm  fpraa)  ber  £err:  „28  re  fann 

ict)   2lbrat)am  verbergen,  was  i#  tt)ue?  (£3  ift 

ein  ®efct)rei<ffu  ©obom  unb  ©omorrt)a,   ba$  tfi 

grog,  unb  it)re  ©ünbe  ift  fet)r  fcbwer;  barum 

will  ict)  i)inabfat)ren  unb  fet)en,  ob  fie  2Ule$  ge* 

tt)an  £aben  naa)  bem  ©efä)rei,  ba$  vor  mia)  ge* 

fommen  ift."    ©o  wollte  alfo  ber  leutfeftge  ©Ott  ©einem 

greunbe  ma)t  vorenthalten ,  m$  er  mit  ben  gottlpfen  ©täb* 

ten  vorhabe ,  barmt  2lbrar)am  lein  TOgirauen  in  ©eine  ©üte 

fegen  unb  ftemmütt)ig  werben  moa)te,   aber  aua)  tt)m  ©e* 

(egen^eit  $u  einer  i)errtia)en  ftüxMtte  su  geben.  —  StterfWür* 

big  ift  babei  noct),  bag  2lbrat)am  hä  bem  £errn  f*et)en  blieb, 

aU  bie  (£ngel  ftct)  fct)on  naa)  ©obom  gewenbet  t)atten,   unb 

fagte;  willft  £)u  benn  ben  @erect)ten  mit  bem  ©ottlofen  »er* 

berben;  e3  mochten  vielleicht  fünfzig  ®ereä)te  in  ber  ©labt 

feipn?  dx  veränbert  feine  33itte  fea)3mal;  ber  £>err  aber  t)ört 

it)m  nia)t  btoS  mit  groger  greubigleit  $u,  fonbern  erflärte  fta) 

aua)  geneigt,  bie  ©tabt  nia)t  su  verberben,  wenn  er  fo  viele 

gromme  haxin  ftnbe.    2Bie  grog  tf*  fuer  bie  £eutfetigfeit  un* 

fereö  ©otte$ ,  unb  wie  viel  lägt  <£r  ben  3)?enfct)en  $u ,  wie 

gerne  t)ört  (£r  fie  unb  willfahrt  it)nen!  —  @benfo  wirb  von 

2ttofe£  gefagt:  £er  £err  t)abe  mit  it)m  von  Slngeftct)t  au  2ln* 

gejtct)t  gefproo)en,   wie  3emanb  mit  feinem  greunbe  rebet* 

pofytx  galten  9tte£rere  bafür,  bag  ber  $err  aucl)  i^m  tu  an* 

genommener  9ftenfä)engeftaft  unb  mit  groger  2eutfeligfeit  er* 

fct)ienen  fep,  fo  bag  20vOfe3  im  grogten  Vertrauen  mit  feinem  ©ott 

reben  unb  fogar  verlangen  burfte ,   ©eine  £errlia)feit  unb 

©eine  SSttajeftät  olme  Mittle  ^u  fct)auen.    (£benfo  merlwürbig 

ij.,  bag  ber  £err  au  SD^ofe^  fagte,  alt  (Er,  über  bie  Abgötterei 

be£  23offe3  Sfrael  entrüftet  war:  3ct)  fet)e,  bag  e$  ein  $al& 

jfarrig  SSolf  tji,  unb  mm  tag  mia) ,  bag  mein  3orn  über  fte 

ergrimme  unb  fie  auffreffe,  fo  will  ict)  biet)  aum  grogen  fBolh 

maa)en.  —  D  ^eutfeligfeit  unb  teufet) enliebe  be$  grogen 

©otte^!   2)er  Sl(imda)tige  lägt  fta)  oon  einem  ohnmächtigen, 

Perbüct)en  9)?enfa;en  t)alten,  unb  Witt  ot)ne  feine  @inwittigung 


1018 

ni$t$  tpun!  —  2)amit  aber  9h'emanb  meine:  ©ott  gepebloS 
mit  fo  auSgeaetcfjnet  frommen  Bannern  vertraulich  um,  fo 
wollen  wir  cw$  nodj  anbere  ©teilen  ber  ©d;rtft  anführen, 
in  Wellen  von  allen  ©laubigen  bie  $ebe  tfh  £iob  unb  £>a* 
vtt>  fagen:  ©Ott  befuge  ben  ü)?enftt>n,  unb  befümmere  ft$ 
um  i£n,  tt)ie  tin  greunb,  ber  naa)  bem  23efutben  feinet  greuns 
beS  fragt,  ober  nne  ein  5Iqt  feine  ^ranfen  befugt  unb  t£nen 
£ülfe  föafft.  2>ieg  tagt  flcb  unter  anberem  aua)  aus  ber 
©ef<$id)te  erflctren,  wela;e  ft$  gtr-if(|en  3efu  unb  ©einen 
Süngern  am  galiläif4>en  ©ee  zutrug»  dx  fianb  eines  Wlox* 
genS  na$  (Seiner  Sluferfkjmng  am  Ufer  unb  fragte  fte  lieb* 
reid):  $tnber!  pabt  tyr  nichts  au  effen?  211S  jle  es  verneinten, 
£ieg  Cr  fte  baS  9te§  nochmals  auswerfen ,  worauf  fte  eine 
große  3??enge  gif$e  fingen,  23alb  fa£en  fte,  bag  ber  £err 
tjmen  auty  baS  grttyftiicf  Uxtxttt  Jwtte,  unb  eS  felbfi  vorlegte. 
£>ann  lieg  dx  ©ic$  mit  tjmen  in  ein  freunbltctyeS  ©efpräd? 
ein,  unb  fragte  Metrum  breimal,  ob  er  3{m  au$  lieb  fyäbt.  — 
SÖ3ir  bürfen  fa  ni$t  glauben,  als  ob  folcfce  23inge  uns  nichts 
angeben;  nein,  vielmehr  ift  in  folgen  Gegebenheiten  abgebilbet, 
wie  e$  ber  £err  mit  ©einen  greunben  bis  ans  Cnbe  ber  23elt 
galten  wolle*  —  2)ie  peilige  ©$rift,  befonberS  aber  bte  £e* 
benSgef$td?te  unfereS  CrloferS  ift  ein  groger,  geller  ©piegel, 
tt)orin  man  fe£en  fann,  toie  ©Ott  ©eine  greurtfce  beljanbelt. 
2Bir  bürfen  verft^ert  fepn,  bag  3efuS  no$  je$t  auf  bie  ©et* 
nigen  2lcj)t  J>at,  wenn  fte  an  ein  ©efdmft  gepen,  (ix  fte£t  ty* 
rer  Arbeit  au  —  fegnet  biefelbe,  unb  erfunbigt  ©t$,  ob  ©eine 
33erej>rer  etwas  gu  effen  £aben  ober  m$t?  dx  Uxäkt  unb 
fegnet  tljnen  bie  Wlaplftit,  fprid)t  t£nen  trof^lic^  unb  freund 
lid?  su,  erfefct  ifiren  Mangel,  ermuntert  fte  gur  ©ottfeligfeit, 
gibt  ifmen  peilfame  Slnfcbläge  ein  unb  fegnet  biefelben,  bamit 
pe  glücflicfy  von  Ratten  ge£en  :c.  3efuS  ift  ben  ©einigen  ebenfo 
liebreich  auget£an  unb  £ängt  an  ijmen,  wie  3afob  an  feinem 
©ojwe  Benjamin  ping*  (ix  fann  nia)t  anberS,  dx  mug  ftaS 
um  unS  unb  hä  uns  fepm  (ix  begleitet  uns  auf  allen  unfern 
2Begen,  wie  Cr  bie  3ünger,  t>k  nac$  CmmapuS  gingen,  begieß 
tele,  (ix  fk£t  mit  uns  auf,  unb  gept  mit  uns  au  35ette; 
wir  ge^en  ober  liegen ,  fo  ift  (ix  um  uns ,  ®x  voafyt ,  wenn 
wir  fcfylafen;  dx  gept  mit  uns  a«r  üirdje,  unb  pellt  jl(^  mit 
uns  ©einem  frimmlifc^en  SSater  bar;  dx  peiligt  unb  fegnet 


1019 

unfern  ©otteäbtenf*  imb  unfer  Gbttet,  unb  macf;!  e$  Seinem 
fßakx  angenehm;  @r  legt  Sein  SOBort  tn  unfer  £er$ 
unb  leitet  bte  Strome  ber  ©nabe  unb  be$  Jrimmltfdjen 
£rofk$  tn  baffelbe.  (ix  troftet  un$ ,  wenn  wir  betrübt  fmb, 
fiärft  un$,  wenn  wir  fa)wa$  fmb,  {mit  un$,  wenn  wir  firau* 
djeln,  unb  ptlft  un$  auf,  wenn  wir  fallen.  (£r  ßtbt  un$  SRafy, 
wenn  wir  im  %W$tl  fmb,  unb  ma$t  wieber  gut,  wa$  wir 
au$  ihwerßanb  unb  Unoorftc^tigfeit  serborben  paben.  <£r 
firaft  un$  mit  freunblicf>em  (£rnfi,  wenn  wir  fünbigen,  bittet 
für  un$  bei  feinem  23ater,  unb  le£rt  un$  burcty  Seinen  ©eiß 
»orftdjtiger  wanbeln.  $ur$,  (ix  fy\xi  Mz$,  tva$  ein  *>ertrau* 
ter  ^eqenöfreunb  tjmn  fotl,  ja,  dx  tyut  me£r,  aU  wir  mep* 
nen  ober  begreifen  fönnen.  —  3o(>anne$  nennt  ftcfc  mehrmals 
ben  jünger,  welken  3efu^  lieb  gehabt  fyabt,  ber  au$  bei  ber 
9ttaj)l$eit  an  Seiner  23ruft  gelegen  fep.  SÖSir  fonnen  au$ 
tag  ^ämlic^e  rühmen,  wir  werben  von  3efu  ebenfo  £er$licf> 
geliebt,  unb  bürfen  unfer  $awpt  im  Seben,  Setben  unb  Ster* 
ben  auf  ©eine  23ruft  legen,  unb  an  Seinem  bergen  rupen* 
dx  gibt  un£,  vok  Seinen  3üngern,  wenn  dx  fte  empfing,  ben 
Ru%  ber  £tebe,  fo  oft  wir  gtt  3fmt  fommen,  unb  bie  23erft$e* 
rung  Seiner  ©nabe.  —  (£r  nannte  ftc&  ben  Sftenfcfjenfoljn, 
um  an^ubeuten,  bag  (Er  in  (£wigfett  ein  2ttenf#enfreunb  blei* 
ben  wolle»  Seine  £uf*  ifl  bei  ben  2ftenfd)enfinbern. 
—  £ie£er  gehören  auä)  bie  SOSorte  unfereS  £eilanbe$;  „2öer 
Wliü)  liebt,  ber  wirb  »on  meinem  23a  ter  geliebt 
werben,  unb  3$  werbe  i£n  lieben,  unb  i£m  Wlify 
offenbaren;"  b.  t.,  wer  mit  $Jlix  im  ©lauben  greunbfd)aft 
fliegt,  unb  Wlix  mit  aufrichtiger  %kbz  anfängt,  bem  will  3$ 
freien  Zutritt  $u  deinem  SSater  unb  bte  SSerftdjerung  Seiner 
ewigen  ©nabe  unb  %kU  »erraffen;  3$  tx>iU  Steine  Zkbc 
burdj  ben  £etl.  ©eifl:  in  fein  £er$  ergiegen,  will  ifmt  $?etn 
ganzes  £er§  unb  Steine  $raft,  dtteine  gange  £errlt$feit  unb 
Seligfeit  offenbaren.  (ix  foll  inne  werben,  welcher  Sfteifyfyum, 
welche  £o{>eit  unb  Seligfeit  unter  deiner  $ned>tggeftolt,  SEftet* 
ner  Slrmutjj  unb  unter  deinem  $reu$e  verborgen  tft.  —  SBer 
ftejrt  ni$t,  bag  3efu$  fa  NefcR  2Borten  ttn  Seinigen  eine 
»ertraute  greunbfdjaft  »erzeigen  pat?  Unb  welker  wajjre 
Gjjrifi  »erßejrt  ä^nltc^e  Sprühe  nidjt  beffer  au£  eigener  (£r* 
faprung,  aU  au$  frember  (£rflärung?  —  ©leiten  Sinn  Ijat 


1020_ 

ber  SluSftruo):  „2Ber  SÄic^  Hebt,   ber  wirb  2D2etn 
2öort  palten,  unb  $cein  23ater  wirb  ijjn  liefen, 
unb  2Sir  werben  ju  i£m  fommen  unb  Boljnung 
bei  ipxn  mad>en."  —  £)  weld)  eine  groge  Sftenfdjenliebe 
unb  greunblidjfeit  unfereS  ©otteS,  baß  @r  uns  nia)t  bloS  er* 
laubt,  wir  bürfen  mit  finblidjer  3u&erft$t  oor  Sein  2lngeftd;t 
treten,  fo  oft  wir  wollen,  fonbern  au$  *>erfprid;t,  bag  dv  au 
uns  fommen,   uns  befugen,  freunbltdj  mit  uns  reben  unb  | 
SÖBoIjnung  bei  uns  machen  wotte^— 2ut£er  erflctrt  biefe  SBorte 
auf  folgenbe  SBBetfe:  „Qabei  fott  eS  nid;t  bleiben,  baß  3a)  unb 
ber  SBater  ben  lieb  paben,  ber  ffiify  liebt,  fonbern  2öir  motten 
gu  t£m  fommen  unb  Sößofmung  bei  tym  machen,  ba$  er  ntc^t 
allein  fta)er  fepn  fott  »or  bem  pfünftigen  3orn ,  $or  £ob,  I 
Teufel  unb  SpöUe,  unb  allem  Unglücf,   fonbern  er  fott  fd;on 
pier  auf  (£rben  UnS  bei  ipm  wohnen  fjaben,  unb  2Str  wollen 
täglich  feine  ©äjte,  ja  feine  £auS*  unb  £ifd)genoffen  fepn. 
£)aS  ^etgt  jar  retcfylid)  getröftet  unb  über  bie  %)laa$  £0$  ge*  i 
ef>rt;  benn  was  fann  eine  größere  (£f>re  genennet  werben,  als 
baß  wir  arme,  elenbe  2ttenf$en  auf  ßrrben,  eine  SSolmung  ;j 
ber  göttlichen  äftajieftät  fe$n  fotten?   Unb  was  tu  rebeft  unb  ij 
tlntjt,  fott  tym  gefallen,  unb  bura)  3{w  gerebet  unb  getrau  | 
feigen;  unb  wer  bir  Schaben  ober  Mb  tl?ut,  fott  eS  3bm  ge* 
tpan  baben,"  _ 

3u  biefer  ©üte  unb  greunblicftfeit  ©otteS  gehört  ferner, 
bag  (£r  baS  (Bebet  ber  ©laubigen  fo  f?ocJad;tct ,  unb  eS  fo 
gerne  jwrt,  wenn  fte  i£r  £>er$  ttor  3£nt  ausflutten,  £)a* 
rum  fagt  ber  £etlanb:  „bittet,  fo  wirb  eud)  gegeben, 
fucfyet,  fo  werbet  ipx  finben,  flopfet  an,  fo  wirb 
eua)  aufgetjjan.  2öa£rlt$,  id)  f age  eua),  fo  tf>r 
ben  Später  etwas  bitten  werbet  in  deinem  9la* 
men,  fo  wirb  @r'$  eudTgeben,  bittet,  fo  werbet 
ij>r  nehmen/'  „3$  fage  ntcr)t,  bag  iä)  ben  SBater  für  eufy 
bitten  will;  benn  (ix  felbft,  ber  SSater,  pat  eud)  UebJ'  — 
%Rit  biefen  2Borten  ermuntert  <£r  bte  Seinigen  pm  vertrau* 
ten  ©efpräd)  mit  ©Ott,  unb  reicht  ilmen  einen  golbenen  8a)lüf* 
fei  gur  £>tmmelStij>üre,  unb  51t  allen  S$ä#en  ©otteS*  (ix  oer* 
peigt  i^nen  freien  3^txitt  $u  ©Ott,  fo  oft  fte  3|mt  na£en  wollen, 
unb  x>erftc^ert  fte  ber  freunblicfyfien  2lufnaf)me.  —  Wlitpin  barf 
deiner  benfen,  wenn  er  in  fein  Kämmerlein  ge£e,  um  3U  beten, 


102 1_ 

I!  ber  £err  unfer  ©Ott  werbe  tyn  mdjt  fmben,  e$  fep  tpm  ntcljt 
i  gelegen,  ober  @r  fyaht  feinen  2Billen,  un6  $u  frören.  Sfettl 
I  (£r  tfl  au  jeber  3eü  unb  ©tunbe'  bereit,  un$  gu  poren,  wir 
5  mögen  be3  Morgens  ober  beö  SlbenbS,  $u  Wlitta$  ober  um 
>  Mitternacht  fommen,  e$  tfl  3N  ma)t  ungelegen»  2öir  über* 
1  laufen  3jw  manchmal,  unb  wenn  @r  uns  faum  erfi  abgefer* 
1  tigt  Jjat,  fo  Köpfen  wir  fcfyon  wieber  an ,  unb  biefeö  5lnf lop* 
^  fen  fyat  (£r  gern  unb  unfer  ©efpräa;  tß  3fw  angenehm*  — 
<  (£nbltd>  erhellt  bieg  au$  ben  beiben  ©teidmiffen  3efu,  bte  (£r 
f  ©einen  3üngern  eqäfrtte,  um  ifmen  greubigfeit  -jum  ®thtt 
1  emjuflfögen.  £>a$  eine  panbelt  von  einem  Spanne,  ber  feinen 
1 '  greunb  um  Mitternacht  um  33rob  gebeten  unb  e$  bura;  fein 
\  langet  Stallten  aua)  erlangt  fwt.  £>a$  anbere  tft  von  bem 
1  ungerechten  ^tic^ter,  welchen  eine  S&ittwe  bura;  ijjr  anhalten* 
be$  SBtttetfunb  gießen  bewog,  bag  er  i£r  £alf*  2)arin  er* 
blttfen  wir  bte  greunblia)feit  unfereö  ©otteS*  (£x  will  ntdjt 
nur,  bag  wir  Utten  follen,  fonbern  aua;,  bag  wir  im  <3eMe 
anhalten,  unb  uns  nia;t  abweifen  laffen  follen,  2ßir  follen 
nur  xetyt  anHopfen,  unb  nidjt  aufhören;  e£  fott  nia)t  nur 
nic^t  übel  aufgenommen  werben,  fonbern  wir  foCfert  aua)  enb* 
ti$  erlangen,  wa6  wir  begehren.  —  „D  wie  gerne,  faßt  ein 
alter  $ira)enlebrer,  Witt  derjenige  geben,  ber  e$  leiben  lann, 
bag  man  t(m  auf  folcfje  SSeife  beunruhigt  unb  aufweeft !  2Bte 
gern  Witt  2)er  bem  2lnftopfenben  auftjmn,  ber  fein  9taa)tlager 
felbjt  an  bte  ££üre  geftellt  j'ftf !  3öie  follte  2)er  etwas  verfa* 
gen,  ber  felbft  Mittel  an  bie  $anb  gibt,  wie  man  3f>m  ba$ 
23ege£rte  abbringen  foll!"  —  SBie  nalje  ift  ber  £>err  an  ber 
$$üre,  ber,  wenn  bie  Wiener  fa)lafen,  juerjl  unb  allein  ba$ 
2inflopfen  beS  9lotf>leibenben  f>ört! 

293ie  ber  fönig  2tya#oeru$  gegen  bie  (£j*per  ben  Zepter 
^um  Seiten  ber  ©nabe  auSrecfte,  aua;  wenn  fte  ungerufen 
vor  feinem  ££rone  erfa;ien,  wie  er  mehrmals  $u  tf>r  fagte: 
2öaS  bittejt  bu  ?  2Bäre  e£  aua;  bte  Hälfte  beS  fönigreiaH 
e$  foll  bir  gewährt  werben,  fo  $etgt  fta;  ber  groge  ©Ott  ge* 
gen  uns  arme  Menfa;em  SBenn  wir  ana)  ungerufen  $u  3£nt 
fommen,  fo  ift  ber  Szepter  ©einer  ©nabe  allezeit  gegen  un^ 
au^geredt;  ja  dx  fommt  un^  manchmal  auvor  unb  ermuntert 
unö  felbfl  aum  ©cbet  2Bie  häufig  empftnbet  an  ^inb  ©ot* 
M  tmn  tnnern  Wntxkh  unb  gleia;fam  etn  ^öt^tgen  aum 


<8tbtt  in  ftdj,  unb  es  if*  i&m,  als  vernähme  es  bte  ©timme  fei* 
neS  SßaterS:  $mbj  warum  betep  bu  ni$t,  warum  forberj* 
bu  nichts  von  mir?  U3ttte  bo$;  3*  wttt  t>tr  Sitten  geben,  wa^ 
beut  £era  wünfc&et  :c.  —  Pieper  gehört  au$  baS,  bag  ber 
liebreiche  ©Ott  bem  33etenben  gleidjtfam  tn  bie  «Webe  faßt,  unb 
epe  btefer  SllleS  vorgetragen  £at,  was  et  will,  erflärt  ftdj 
ber  £err  f$on  bereitwillig  tjnn  au  pelfen.  —  ©o  ma$te  eS 
3efuS  mit  bem  Hauptmann  au  ßapernaum,  ber  au  3£m  trat 
unb  fagte :  „£err!  mein  ßnec&t  liegt  au  £aufe,  unb  ifi  gi$t* 
brühig."  SKun  er|*  ^ätte  bte  33itte  folgen  follen :  erbarme 
2)i$  fetner  unb  maty  tyn  gefuttb.  Slber  3efuS  wartete  ni$t 
fo  lange,  fonbern  ftel  iif>m  in  bte  Sftebe  unb  erklärte:  „3$ 
will  fommen,  unbt^n  gefunb  magern"  ©e£et,  fo 
maty  (£r  eS  no$  fegt  mit  ben  ©einigen,  dx  Jn'lft  tjmen, 
wenn  (£r  e$  ©einer  (£j>re  unb  i£rem  23eßen  gemäß  fmbet,  oft 
eper,  als  jte  baran  benfen,  wie  bie  ©$riff  fagt:  „(5 Je  fie 
rufen,  will  3$  antworten,  wenn  fie  noefc  reben, 
will  3*  £oren;"  ober:  „2)er  £err  tfi  na£e  Slllen, 
bie  3M  anrufen;  <£r  t  £ut,  was  bie  ©otteSfürcfc* 
tigen  begehren,  Jjört  ipx  ©freien,  unb  $ilft  i$* 
nen."  — 

SBir  fönnten  noefc  »tele  ©teilen  ber  2lrt  anfuhren;  weil 
wir  aber  fpäter  noc$  einmal  (Gelegenheit  £aben  werben  über 
baS  ®thtt  au  reben,  fo  wollen  wir  nur  no$  bemerfen,  bag 
©Ott  uns  burd)  ©einen  ©o{m  erlaubt  unb  gepeigen  $at,  3Sm 
Später  ^u  nennen.  Sßer  bürfte  eS  wagen,  ben  majefiätiföen 
©Ott,  ben  bie  @ngel  mit  verbüßtem  2lngejtc$t  anbeten,  vor 
welchem  Fimmel  unb  (£rbe  eratttern,  SBater  au  nennen,  wenn 
(Sr  eS  uns  nidjt  felbfl  erlaubt  fyatttt  allein,  was  mag  ben  £eu* 
fei  unb  tk  2Belt  me£r  verbrtegen,  als  bag  ein  armfeliger, 
veralteter  9#enf$  vor  ©Ott  treten  unb  mit  3N  in  finblic^er 
3uverjtc$t  von  all  feinen  Angelegenheiten  reben  barf?  ©ewig 
eS  fonnte  bem  £aman  nidjt  fo  wejje  tjwn,  ba  er  von  bem 
Äönig  unvermutet  ben  S3efejl  erhielt,  bem  9ttarbo$ai,  beffen 
£obfetnb  er  war,  föntgli^e  <££re  #x  erweifen,  als  eS  t>tn 
©atan  verbrog,  ba  3efuS  ©einen  3tta8e™  bit  GFrlaubmg  unb 
ben  33efe£l  gab,  ©Ott  ipren  lieben  SSater  a«  nennen  unb  31m 
mit  finblicfcem  Vertrauen  anaurufen.  Unb  wenn  £eut  au  £age 
bie  Jöllifdjen  ©eifier  na#  i&rer  2lrt  Uc  SÖBelt  burdjatepen  unb 


1023 

fcoren  muffen,  wie  bie  hinter  ©otteS  allenthalben  feuften  unb 
gen  £immef  rufen:  lieber  ©Ott  unb  93ater,  fo motten 
fte  vor  3orn  vergeben*  — 

2)  2Ötr  fjaben  bitytv  gezeigt,  xtit  freunblicfc  ©u$  ©Ott 
gegen  ©eine  ©laubigen  bewet^t,  laffet  un$  nun  aucfy  für$lidj 
betrauten,  wie  biefe  jt$  gegen  3£n  bezeugen*  —  Sie  ©lau* 
btgen  wiffen  burdj  bie  ©nabe  be$  ^eiligen  ©eifteä  wo£l,  wa£ 
bie  £errlicftfett  ber  Äinbfcbaft  ©otteä  mit  ft$  bringt  unb  wa$ 
i£nen  von  ©Ott  gegeben  ift,  (te  wiffen  ft$  beffen  au$  gut  $u 
bebtenem  ©ie  e^ren  $war  ben  breieimgen  ©Ott  in  ftnbltc^er 
gurdjt  aU  i(jren  £errn,  wie  e$  deiner  SDtfafeftät  gebührt;  fte 
reben  aber  au$  auweilen  mit  3£m  in  5>er$li$er  %kht  unb  finb* 
lieber  3uverft$t,  nrie  mit  t£rem  lieben  Sßater,  unb  wie  (£r  e£ 
ilmen  in  ©einem  Söort  unb  in  ©einen  Verlegungen  fW  an 
bie  £anb  gibt.  —  211$  2lbraf>am,  ber  greunb  ©otteä,  für  bie 
(£inwoljner  in  ©obom  unb  ©omorr^a  hüten  wollte,  fpra$ 
er  in  tieffter  2)emut£:  „3$  fyabc  midj  unterwun* 
ben  au  reben  mit  bem  £errn,  wtewojjl  ify<5taub 
unb  2tf$e  bin."  £>oc£  burfte  er  au^fagen:  „SÖSilljt  2)u 
ben  ©eredjten  mit  bem  ©ottlofen  umbringen? 
2>a$  fc^  ferne  von  Sir,  ber  £>u  aller  SSelt  9lity 
ter  btj*,  2)u  wirft  fo  ni$t  rieten!"  ©eljet  alfo,  wit 
füjm  er  feinem  ©Ott  einreben  unb  3£n  an  ©eine  ©eredjtigfeit  er* 
innern  barf,  xt>k  ein  greunb  feinem  greunbe  SBorflellungen 
ma$t,  wenn  berfelbe  etwa$  ünGSrifer  tjmn  will.  (£benfo  burfte 
3a!ob,  al$  er  mit  ©Ott  rang,  e$  wagen  $u  fagen:  „i$ 
laffe  £>i#  ni$t,  2)u  fegnej*  mid>  benn."  Senn  2)u 
£aj*  mief)  erfcfjrecft ,  2)u  mugt  mi$  audj  wieber  erquiefen,  Du 
jwft  mi$  gef$wä$t,  £)u  mugt  mi$  au$  wieber  fiärfen,  2>u 
fommfi  ntdjt  lo$,  elje  td?  £abe,  wa$  tdj  WtCL  Sludj  $?ofe$ 
unter^anbelte  mit  ©Ott,  unb  wußte  3£m>  *&  ^  über  bie 
Abgötterei  ber  $inber  Sfwel  erzürnt  war,  fo  viele  bewegliche 
©rünbe  vorhalten,  bag  (£r  ©tdj  erbitten  lieg*  2)a£er  £>avib 
fagt:  9tfofe$,  ber  StuSerwctylte  ©otteS,  £ielt  ben  9ftg  auf — 
er  {teilte  ftdj  in  kk  Surfe,  wie  ftty  hü  einer  Belagerung  bie 
£apferjten  in  bie  2ücfe  jMen,  wenn  ber  Jeinb  über  bie 
niebergeriffene  Stauer  einbringen  will.  —  Sßelcfje  ftitynfyät, 
welche  SSertrauli^f eit  mit  ©Ott!  —  Ueber^aupt  $at  uns  Statik 
in  feinen  ^faimen  viele  33eweife  \>on  feinem  vertrauten  Um* 


1024 

gang  mit  bem  Hllerpöctyften  ptntertaffen.  „£err!  fagt  er, 
pore  metn2Ö3ort,  merfeauf  meine9?ebe,  vernimm 
mein  Scpreien,  mein  $öntg  unb  mein@ott;  benn 
fcp  will  vor  ©ir  beten!"  (£r  forbert  atfo  in  ber  9totp 
gleicpfam  mit  Ungeftümm  ©epor  von  feinem  ©ott.  %n  einer 
anbern  ©teile  fpriä)t  er:  neige  ©eine  Dpren  au  mir, 
b*  t.  pabe  genau  2lcpt  auf  meine  9?ebe,  2lmbt  fagt  barüber: 
„©iepe  ba6  tput  ber  ©laube,  ©ie  finblicpe  3uverjtcpt  unb 
bie  Ctebe  umfaßt  ben  £errn ,  unb  fättt  3pm  gleicpfam  um  ben 
$al$  unb  ruft:  21$  lieber  ©Ott!  ©u  mi$t  unb  fennf*  allein 
meine  üftotp;  ©ir  Witt  i$13  allem  i tagen  unb  peimlicp  tn'3£)pr 
fagen,  bamit  e$  bie  böfc  Seit  ni$t  pört,  fte  möcpte  fonji 
meiner  fpotten."  £auptfäa)lidj  aber  ergö^teicp  mt$  oft  im  ©elfte 
über  ben  ©runb,  wetzen  ©avib  anfährt,  warum  ©Ott  tpn 
pören  muffe  unb  auf  fein  ©freien  2l$t  paben  foll*  —  (ürr  fagt: 
id)  will  vor  Dir  beten;  wag  gerabe  fo  viel  ifi,  al£ 
wenn  ein  Untertpan  feinem  gürjien  nachriefe:  £err,  paltet  jütt 
unb  pöret  mtdj> ;  benn  iä)  pabe  tim$  au  bitten ;  ober  wenn 
ein  Settier  mit  ttngeftümm  an  eine  £pür  flopfte  unb  fagte: 
machet  bod)  auf;  benn  id)  pabe  etwas  auforbern,  ©aß  aber 
^k  ©laubigen  ftep  auf  ipr  ©ebet  fo  fepr  verlaffen  unb  mepnen, 
©Ott  fe^  f^ulbig,  e$  $u  J?ören,  ba$  fommt  von  Seinen  $er* 
Neigungen  unb  StebeSbeaeugungen  per,  ©abur(p  werben  fte 
fo  breift  gemadjt,  \va$  fte  auweilen  felbji  ju  verfiepen  geben, 
wie  eg  £.  33.  in  ben  ^falmen  peißt:  „£err!  pöre  meine 
Stimme,  wenn  ify  rufe;  fe$  mir  gnibig  unb  pöre 
mtd?.  Wein  £era  palt  ©ir  vor  &tin  2Sort:  3pr 
follt  mein  2lntli§  fuc^en!  ©arum  fuepe  tep  auep, 
$txx,  ©ein  2lntlt#;  verbirg  ©ein  Sintiig  niept 
vor  mir!"  gerner:  „£ilf  mir  auf,  neige  ©eine 
£)pren  au  mir  unb  pilf  mir,  —  ber  ©u  augefagt 
pafi,  mir  au  pelfen!"  —  ©amit  Witt  ber  ©laubige  fagen : 
£err,  mein  ©Ott,  ©u  wirft  e$  mir  nifyt  übel  nepmen,  baß 
tep  fo  ungeftümm  anflopfe;  ©u  paß  e$  miep  ja  felbft  gepeißetn 
33in  icp  breift,  fo  pafi  ©u  miep  burcp  ©ein  SSort  unb  ©eine 
©nabe  breif*  gemalt;  wag  tep  tpue,  ba6  tpue  ity  auf  ©ein 
SBort  unb  ©einen  S3efepl!  ^)tixtt  SSerpeifnmg  i(i  6cpulb;  ©u 
paß  mir  ^ugefagt ,  mir  au  pelfen,  wenn  tep  in  ber  9?otp  ©icp 
anrufen  würbe,  ©arauf  verlaffe  tä)  miep  unb  erwarte  ©eine 
£ülfe  i$. 


1025 

«Bisweilen  fomml  e<3  noc^  weiter.    £)ie  grommen  bürfen 
gleio)fam  mit  @ott  regten,  unb  3N  e«ten  SSor&alt  ma$en* 
,,2la)  ©Ott!  fpreäjen   fie,   tt)ie   lange  foll  berSöiber 
wärtige  fa)maj>en  unb  ber  geinb  deinen  Warnen 
.fogar    »erläftern?    SSarum    wenbejt  Du  Deine 
£anb  ab,  unb  fogar  ©eine  9?ea)te  t>on  Deinem 
<&  6)  o  o  g  ?"  SQSarum  ftetfft  Du  boa)  Deine  £anb  in  ben  23ufen, 
unb  fteljji  ber  geinbe  SÄutjjwitlen  in  ber  Stille  gu,  al$  ginge 
e$Dia)ma)t  an?2Barum  ftellfi  Du'Did?  aU  ein£elb, 
ber  »erjagt  tjl,  unb  al$  ein  9?iefe,  ber  nia)t  Jj-et* 
fen  fann?  2Öo  ift  nun  Dein  <£tfer,  Deine  5^aa)t? 
Deine  groge,  ffergli^e  33armJ?eraigf  ett  £äit  fiel) 
f>art  gegen  miay;  —  9?od;  j[e$t  gefo)iebt  e£  manchmal, 
bag  betrübte  Triften  mit  Wlaxia  fagen:  Wlän  ©Ott,  mein 
£err  3efu !  SBarum  fjafl:  Du  un$  ba£  getjjan  ?  Söarum  fa)itf  ji 
Du  un£  ein  fdjwere^  $reuj  über  ba£  anbere  gu?  SÖSarum 
muffen  wir  *>or  sielen  Zubern  fo  geäng fügt  unb  geplagt  fepn? 
6ie|?e  boa),  n?ie  elenb  unb  *>erlaffen  wir  ftnb  ?  Söir  glaubten, 
X)vi  getieft  bie  ordnen  ber  Deinigen  unb  aa)tcfi  auf  i£re 
©eufeer*    Söarum  muffen  wir  fo  lange  umfonft  weinen  unb 
feufeen  unbun$  täglia)  cingftigen?  Dein^Öortfagt  un£:  Deine 
23arml)eraigfeii  fei;  unbegreifli^  grog,  —  wie  fannft  X>u  im* 
ferer  9lotI;  fo  lange  aufejjen?  2&ir  fa)reien  gu  Dir,  £err, 
unb  unfer  (Bchtt  fommt  früpe  xrn  Di#*     äBarum  serftogeft 
^)nf  o  £err ,  unfere  @eele  unb  serbirgejl  Dein  2fntli£  x>ox 
uns?  SOBillft  bu  benn  feine  ©nabe  mef?r  erzeigen?  3f*  e$  benn 
gar  an$  mit  Deiner  ©üte  unb  Ijat  t>k  23er j>eigung  tty  @n&e  ? 
£aft  ^)u  benn  sergeffen  gnäbig  gu  fe^n  unb  Deine  33arm* 
jjeraigfeit  sor  3orn  *>erfa)loffen  V  —  hierauf  antwortet  ber 
£err  bisweilen  bura)  <&tin  Söort  unb  ©einen  ©etft  in  ifjrem 
£eraen:  „2ßa3  ift'S,  bag  tyt  fo  flagt  unb  feufjet*    SBtffct 
tyx  nia)t,  bag  bag^reu^  unter  bie  ©eijeimmffe  9tteine3 1fteia)$ 
unb  unter  bie  25ebingungen  deiner  -Rad)folge  gehört  ?  äöiffet 
itjr  nia)t,  bag  3a)  e$  £eralia)  gut  mit  eua)  meine,  unb  beffer 
*>erfte£e,   was  au  eurer  ©eligfeit  bienlici)  ift,  att  ibr?  2öif= 
fet  t£r  nicfjt,  bag  benen,  tk  sfflify  lieben,  alle  Dinge  jum 
heften  bienen  muffen  ?    äöarum  wirb  baö  ^rbreia)  mit  Um 
Pfluge  umgeriffen?  —  ^amit  &  gute  grüa)te  trage,  Sßarum 
wirb  baö  (£ifen  gedämmert?  —  Damit  e^  au  einem  guten  Serfc 

©criu et' 6  ©eefenfdjrtfc-  65 


1026 

Seuge  gebeilje*  2Barum  wirb  ba$@olb  itf$  geuer  gebraut? 
—  2)amit  e$  geläutert  unb  bewährt  werbe.  2&irum  wirb  ber 
<£belftein  gefä)liffen?  —  Um  fetter  31t  glänzen  unb  fdjoner  in 
garben  m  fyielen.  28arum  wirb  bte  ?Jerle  tmrc^bo^rt  ?  —  Um 
an  bie©a)nur  gereift,  unb  ^um  <5a)mutf  getragen  $u  werben  k. 
— #iej?er  gehören  enbliü)  bie  SSorte  be£  ^ro#?eten  3eremia3: 
„£err!  wenn  ia)  gfeta)  mit  2)ir  reä)ten  wollte, 
fo  bejjältjt  2)u  boa)  9?ec(jt,  b  ennocp  muß  iä>  *>on 
£fteä)t  mit  2)tr  reben*  Söarum  ge£t  e$  boo)  ben 
©ottlofen  fo  wofjl,  unb  bie  $Beräa)ter  fyaben  in 
etilem  bie  gülte?  Dber:  „pexxl  2)u  fjajt  midj  über* 
rebet,  unb  ia)  £abe  mia)  Überreben  laffen,  2)u 
Hft  mir  au  ftarf  gewefen  unb  Jjaft  gewonnen;  aber 
ta)  bin  bar  üb  er  $u@pottworben  täglia),  unb  3e* 
b ermann  *>  e  r  l  a  a)  t  mi a)."  (£3  laffen  fta)  überhaupt x>tele 
33etfpiele  son  ber  greubigfeit  unb  bem  »ertrauten  Umgang  mit 
@ott  anführen;  wir  wollen  aber  nur  auf  einige  au$  bem 
£eben  be$  grogen  @lauben3j>elben  Sutljer  aufmerffam  maa;en. 
tiefer  fdjrieb  einft  an  einen  lieben  greunb ,  ber  an  ber  (Sdjwinb* 
fua)t  franf  lag:  „3a;  bitte  unb  rufe  an  ben  £errn  3efum, 
unfer  £eben  unb  unfer  £eil,  bag  @r  nta;t  über  a(fe6  Rubere 
bieg  Unglücf  mir  begegnen  laffe,  bag  ia)  am  2eben  bleiben 
fottte ,  unb  fepe  (£ua)  unb  einige  Rubere  ber  Unfrigen  £mbura> 
reigen  bura)  ben  Sßorpang  in  bie  S^u^e,  fo  bag  3fw  fotftet  mir 
guöorfommen  unb  mta)  braugen  (inberSSelt)  unter  bengeu* 
fein  laffem  3$  ^itte,  bag  mia)  ber  £err  an  (£urer  <&tatt  franf 
werben,  unb  meine  $ütxe,  ben  abgemergelten  ^ct5 ,  abfegen 
laffe  kJ'  Unb  am  ©a)lug  fagt  er:  „©eljabt  (£ua;  wojrt,  lie* 
lex  grtebertä),  ber  £err  laffe  nidjt  $u,  bag  ia)  eure  £eimfaijrt 
bei  meinem  Seben  erfahre,  fonbern  laffe  (£ua)  langer  (eben, 
als  mia).  2>teg  bitte  ta),  bieg  Witt  ta),  unb  mein  SQßtlle  ge* 
fa)e£e,  Slmen;  mit  biefer  mein  2Me  bie  (££re  be$  gottlia)en 
SftamenS,  nia)t  meine  £ujt  unb  meinen  ^u|en  fua)t"  23alb 
barauf  würbe  3ener  wieber  gefunb  unb  befannte,  naa)bem  er 
2ut£er$  <Sa)reiben  gelefen,  jjabe  e$  ifmt  gefa)ienen,  als  Jjore 
er @ f>rifti ©timme :  £aaaru$!  fomm^erauS!  —  Erlebte  wirf* 
lia)  aua)  noä)  fea)S  3<$re  unb  ftarb  naa)  Cutter,  (£in  an* 
bereS  3eugnig  son  £utl)er$  groger  greubigfeit  unb  Vertrau* 
liä)feit  mit  ©Ott  ifl  folgenbeS:  „<Ei  ift  mir  einmal  geglüht, 


__1027_ 

fagt  fBeit  Dtetria) ,  bag  td)  £utf>er  beten  prte*  ö  ©Ott,  wela) 
ein  ©eiß,  weltt)  ein  ©laube  ift  in  feinen  Söorten !  (£r  hetet 
fo  anbää)tig,  wie  ßriner,  ber  mit  ©Ott—  mit  einer  fola)en 
Hoffnung  unb  einem  folgen  ©tauben,  wie  (£iner,  ber  mit 
feinem  SSater  rebet*"  3a;  weif ,  fprad>  er,  bagDuunfer 
lieber  ©Ott  unb  SSater  bift;  barum  hin  i§  gewig,  Du  wirft 
bte  Verfolger  Deiner  $ira)e  vertilgen;  t£uft  Du  eS  nia)t,  fo 
ift  bie  ©efapr  X)e\n  fowoljl,  als  unfer*  Die  ganje  <5aa)e 
tfiDein;  wa^  wir  getpan  paben,  oaS  jjaben  wir  tbun  muffen; 
barin  magftDu,  lieber  3Sater,  fte  befa)ü£en."  21(3  ia)  Sutljer 
folä)e  2Bortc  $on  ferne  mit  lauter  Stimme  fagen  fjorte,  brannte 
mir  baS  $er^  x>ov  großer  greube,  weil  iä)  fljm  fo  freunblia) 
unb  anbäa)ttg  mit  ©ott  rebenj)örte,  befonberS  aber,  mit  er 
auf  bie  SBerjjeigung  au$  ben  ^falmen  fo  eifrig  branß,  als  wäre 
er  gewig,  bag  SlKeö  gefa)e*?en  muffe,   xvaö  er  begehre*  — 

Die  ©laubigen  reben  aber  nia)t  bloS  in  Slngß:  unb  Vlofy 
fo  breift  unb  freubig  mit  tfjrem  ©Ott ,  fonbern  gef>en  aua)  im 
Söoljiftanb  gan$  finblia)  unb  t>ertraulta)  mit  3j?m  um*  ©ie 
Raufen  manchmal  bie  liebreichen  SBorte,  aU:  &a  gütiger, 
lieber,  gnäbiger,  getreuer  Später!  3D?ein  tjmterfter,  werteter 
fügejter  £err  Sefu!  28aS  foli  iä)  Dir  geben  unb  tfmn  für 
alle  Deine  £tebe  unb  £reue  ?  SÖSie  f ann  ia)  Dia)  genug  lieben 
unb  loben?  2Ba$  bewog  Diel;,  Du  ©ofm  ©otteS,  bag  ^)vi 
Deine  Siebe  an  ein  fo  fa)waa)e3  ftinb  gewenbet  ^ajt?  3a)  lobe 
unb  preife  Dia),  f#  häe  Dia)  an,  ia)  liebe  Dia),  t^euerfter 
3efu!  Du  ewiger  <Sa)a£  unb  £roft  meinet  ^er^enS!  Unter 
fola)en  äBorten  tji  ifnten,  ai$  faffen  fte  3?fu  güge  unb 
£cinbe,  baS£er$  wallt  tjmen,  S^ränen  fliegen,  —  fte  toi^en 
nia)t,  ob  fte  noa)  fti  berSSelt  fmb ,  ob  es  noa)  @ünbe,  9lot£ 
unb  £ob,  Teufel  ober  Spotte  gibt,  fo  fejjr  öergeffen  fte  2llle$ 
im  oertrauten  Umgang  mit  ijrcem  3efu*— Srbifa)  geftnnte  Tlen* 
fa)en  freilia)  galten  fola)e  2leugerungen  für  eine  Ztyovfyeit,  ba 
fte  boa)  nia)t£  anberä  fmb  al$  ber  Sluebrud:  einer  inbrunfiigen 
Ziehe  unb  einer  großen  23ertraulta)feit  mit  ©ott,  wotton  man 
in  ben  ^falmen  unb  bem  £ol)enlieb  s>iele  SBetfptete  fmbet,  — - 
Demnaa)  ift  alfo  ber  vertraute  Umgang  ber  ©eele  mit  ©ott 
eine  finblia)e  3^erft'a)t  unb  greubigf  eit,  wela)e  ber  peilige 
©eift  in  uns  erweeft*  Sie  l>at  tyren  ©runb  in  @j>rifto  3efu 
unb  ber  ©laubige  iß  babura)  nia)t  allein  ber  *>äterfia)en  Siebe 

65* 


1028_ 

feineS©btteS  verfta)ert,  fonbem  rebet  cm#  fül)n  unb  freund 
lio)  mit  3£m* 

Stttröenbuttg* 

L  £ajfet  unS  nun  auä)  f itr^tc^  geigen ,  wie  wir  biefe  i'ejjre 
§u  unferem  ^u^en  anwenben  fönnem    SÖStr  Ijaben  nämltcf)  vor 
allen  fingen  au  bemerfen,  wela)  nü£ltc$e  unb  nötige 
Stutz  bie  frommen  in  ber  2öeft  finb  unb  wie  fejr 
wir  fie  in  Gieren  au  galten  paben?  ~  SSeil  fte  in 
einem  folgen  vertrauten  Umgang  mit  ©Ott  jiefien,  unb  (Er 
fte  für  ©eine  liebften  ^inber  unb  greunbe  jjält,  fo  lägt  fta) 
Ieia)t  benfen,  wieviel  fie  mit  tyxtm®tbtt  bei  ©Ott  vermögen, 
unb  wieviel  ©uteS  bie  unbanfbare  Söelt  tbretwegen  $u  ge* 
ntegen  jjat    @ie  finb   bie  (Erftlinge  ber  Kreaturen  ©otteS, 
um  bererwillen  bk  anbtxn  erhalten ,   gefegnet  unb  bewahrt 
werben*    6ie  ftnb  in  ©otteS  klugen  wertlj  unb  treuer  unb 
a,ereia)en  bem  SDrte  aum  6egen ,  wo  fie  fia)  aufhalten*    6ie 
finb  bie  ©tü#en  ber  Regierung  unb  bie  eigentlichen  ©äuten 
eines  £anbeS,  barauf  beffen  2öo|>lfajjrt  beruht    ©ie  ftnb 
fruchtbare  unb  fa)attenreiä)e  33äume,  hk  SDfanctjen  in  ber  £>i£e 
unb  imllngewitter  erfreuen;  fte  gleiten  einer  lieblichen  Duelle, 
welche  bk  gan^e  Umgegenb  bew&jfert  unb  fruchtbar  maa)t* 
©ie  finb  bk  ©efegneten  beS  £>erm,  unb  ^ttanc^er  wirb,  olme 
bag    er    eS    meint,    von    iprem   ©egen    geftärft  unb   er* 
quidu  —  „28arum  glaubet  ijjr,  fagt  ber  fromme  £auler, 
erhalt  ©Ott  bie  fünbtgen  9ftenfa)en  unb  lägt  fte  leben?  Sofrt 
barum ,  weil  t>k  greunbe  ©otteS  gleia)fam  an  bm  SBunben 
3efu  jmngen  unb  ©nabe  bax<xu$  fä)ö>fen,  unb  bur$  bte  ©nabe 
wieber  au  ©Ott  fommen  unb  für  t>k  ©ünber  bitten.  —  28ie 
aber  t>k  ©nabe  bie  9ttenfc$en  mit  einem  fügen3wang  nötigt, 
bag  fte  bitten  müjfen,  alfo  nötjjigt  fte  ©Ott  gleia)fam,  bag  (Er 
fte  erhören  mug*    Unb  tck  t>k  ©nabe  jene  2ftenfa)en  abringt, 
bag  fie  tjjun  muffen,  was  ©Ott  will,  fo  atvingen  fte  ©ott, 
bag  (Er  tfmn  mug ,  was  fte  wollen/'    £)ieg  ftimmt  wirflia) 
aud)  mit  bem 2luSfpru$  2)avibS überein :  „£>er  £err  tljut, 
was  bie  ®otteSfüra)ttgen  begehren/'  fowie  mit  btn 
33eifm'elen,  naö)  welken  bk  greunbe  ©otteS  vor  ben  9ftg 
fianben,  unb  burd)  tj>r  eifriges  %tbtt  ©ott  aurütfjrielten,  bag 
(Er  feinen  3orn  nia)t  ausbrechen  lieg*    2)aS  @täbta)en  3oar 


1029 

$♦  $♦ ,  wofrin  ftd?  £otjj  t>on  ©obom  aus  begab ,  würbe  um 
feiner  prbitte  bitten  erhalten*  ManS  £au3  warb  gefegnet 
um  3acob3  Witten,  $oti$?ar$  £m3  um  Sofepp  Witten*  3o* 
ram,  ber  gottlofe  tönig  in  3$raeT,  würbe  fammt  feinem  gan* 
gen  trieg6!?eer  um  be$  frommen  tönig3  in  3uba  willen  ge* 
rettet  £)aj)er  fagt  ber  $ro$>et  TOa^: „<So  waljr  ber 
£err3ebaotf>  lebt,  *>or  bemi$fte£e,  wenni$ntd)t 
3ofappat,  bentönig$on3uba  anf epenwürbe,  fo 
wollte  tcö  £)i$  nidM  anfepen  nodj  a$ten."  &a$ 
Delfrüglein  ber  %Bittm  0,  dfcp&fy  würbe  gefegnet  um  (£tiaS 
Witten.  33efonber3  merfwürbig  aber  ift,  tx>a$  von  bem  Slpoftel 
$5aulu3  gefagt  wirb,  bafi  @ott  tjmi  auf  feiner  gefährlichen 
©eereife,  wo  man  nifytö'aU  bm  gob  *>or  klugen  faf>,  ba£ 
Seben  atter  berer ,  (275  an  ber  3abO  /  gefcfyenft  Ijabe ,  bie 
mit  t£m$u©4uffe  waren*  2)arumlaffetung  l)greunbf$aft  palten 
mit  ©otteögreunben,  unb  un3  forgfäftig  püten,  ba$  wir  bk* 
jienigen  ni$t  beleibigen  no$  betrüben,  bie  bei  bem  tönig  atter 
tönige  unb  bei  bem  #erm  atter  Ferren  fo  gut  angetrieben  ftnb. 
£)enn  fosnel  fte  mit  iprem  Jjer&licben  ©t\>tt  un$  nü^en,  fooiel 
fönnen  uns  aud;  ijjre  gpränen  unb  ©eufeer  fd)aben>  „£atte 
td)  einen  @briften,  ber  für  mid)  beten  würbe,  fagt  £utj>er,  fo  wollte 
ify  §ktä$?W$fy$  fepn,  unb  mty  vor  ^iemanb  fürchten;  f>ätte 
ify  aber  einen,  ber  wiber  mid;  betet,  fo  wollte  ify  lieber  ben 
türfifcpen  taifer  %um.  geinb-  Jjaben/'  (£m  £>au$,  baö  mit 
@otte3  ©$u£  unb  mit  bem  ©ebet  vieler  frommen  £eute  tfer* 
waprt  ijt,  jjat  parle  ©tilgen  unb  einen  feften  3ann,  burcp 
weisen  ber  Satan  mit  feinen  ©eplfen  nid;t  einbringen  fann; 
aber  ein  folcpeö,  wel$e6 von  ©Ott  »erraffen  ift,  unb  ^on 
fielen  greinen  unb  ©entern  ber  tinber  @otte£  beftürmt  wirb, 
mug  not^wenbig  jufammenftüraen ,  unb  wenneö  aufy  t>on  lau* 
ter  £iuaberfieinen  gehaut  wäre*  £>a$ib  fagt;  „3$  l^abe 
einen  ©ottlofen  gefeiten,  ber  war  trogig  itnfc 
breitete  ft$  au$  unb  grünte  xt>ic  ein  Lorbeer* 
bäum;  jfiia  man  aber  vorüberging,  fiepe,  ba  war 
er  baJHn,  3d>  fragte  na$  tpm,  ba  warb  er  ntr* 
genbä  gefunben,"  —  Sßaö  $at  biefen  grogen  unb  Warfen 
25aum  fo  fdmett  über  ben  Raufen  geworfen  ?  —  SÖSelcper  S3lig 
jmt  tjm  serfc^tnettert ,  weld;er  ©turmwinb  fmt  tyn  untgeriffen, 
ober  welche  %xt  %at  t'Jn  gefällt  ?  — Dpne  3weifel  bie©eufaer 


1030 

unb  &a3  %kt  ber  ©laubigen,  wela)e  gen  £immel  feigen* 
Wlanfyßx  Uebermütfrige  aa)tet  ^war  hk  ©eufter  eines  frommen 
55rebtgerS,  eines  einfältigen  Triften,  einer  frommen  SBittwe 
unb  t^rer  armen  2öaifen  nia)t*  dx  meint,  ein  $hmb  voll 
SSinb  unb  einige  Kröpfen  2BafferS  tonnen  ipm  nia)ts  fa)aben ; 
aber  er  bebenft  nia)t,  ba£  jle  greunbe  ©otteS  ftnb,  beren 
£Bort  im  Fimmel  |)oä)geaa)tet  ift,  unb  bag  baS,  was  von 
ber  @rbe  mit  ©a)waa)I?eit  aufftetgt,  vom  |>immcl  mit  $raft 
mxh  ©ewalt  wieber  ^urücffommt 

2)  Raffet  uns  ab.er  aua)  bie  Jreunbe  ©otteS,  wela)e  bie 
<5a)rift  (Banz  Serborgenen  nennt,  auffud;en,  unb  uns  mit 
tjjnen  befannt  maa)en  bura)  2llmofen,  bura)  SSoIjltJjaten,  bura) 
IBegeugung  unfereS  rea)tfa)affenen  ©laubenS  unb  unferer  xxn* 
gefärbten  %kU.  £)enn  fte  ftnb  gefegnete  Sttntt,  unb  eS  ge£t 
fte  alle  gewiffermagen  an,m$(3ott  3u2lbra#am  fagte:  „3$ 
will  fegnen,  bie  bia)  fegnen,  unb  verfluchen, 
bie  btä)  »er fluten/'  —  3$  glaube  nia)t  $u  viel  $u  fagen, 
Wenn  ia)  mit  bem  weifen  $bmg<Salomo  behaupte:  ©Ott  Ijabe 
ttn  ©egen  auf  baS  £aupt  r  in  ben  Tlunb  unb  in  tue  $anb 
beS  @ereä)ten  gelegt  Ottan  bebenfe  nur,  was  ber  £eilanb 
felbfi  au  feinen  Jüngern  fagte:  „2öenn  i!jrinein£auS 
ge^et,  fo  grüßet  baffelbe,  unb  wenn  es  biefeS 
£>auS  wertlj  ift,  wirb  euer  grtebe  (©egenswunfa)) 
a  u  f  f  i  e  f  o  m  m  e  n ;"  ober,  wk  <£x  in  einer  anbern  ©teile  fagt : 
„wenn  bafelbfi  ein  ®inb  beS  grtebenS  fepn  wirb, 
fo  wirb  euer  griebe  auf  i£m  rujien;  wo  nia)t, 
fo  wirb  fia)  euer  grtebe  wieber  31t  eua)  wenben/' 
—  $3er  alfo  mit  tm  ©efegneten  beS  £erw  umgebt ,  unb  fte 
IkU  unb  e£rt,  ber  wirb  aua)  ifjreS  ©egenS  tü>ei(£aftig,  2lua) 
le|>rt  t>k  ßrrfaljrung,  ba$  bie  33ejferung  berer  gut  von  &tatt. 
im  geljt,  wela)e  gern  mit  gottfeligen  unb  erfahrnen  Triften 
umgeben*  3a  felbft  in  äeitlia)en  fingen  £aben  eS  biej'emgen 
bisweilen  #x  genießen,  welchen  von  frommen  beuten  viel  ©es 
gen  unb  ©uteS  angewünfa)t  wirb»  3$  wenigfienS  will  lies 
ber  ben  ©egenSwunfa)  eines  ©laubigen  Ijoren,  wenn  er  aua) 
gleia)  in  wenigen  einfälttgerööorten  tefttft,  als  einen  weitläufigen 
unb  prunfvolien  ^obfprud)  von  einem  gottlofen  9ttenfa)en»  3«) 
bin  aua)  verfta)ert,  ba§  mir  ber  fa)lia)te  ©ottloljn'S 
von  einem  armen,   aber  frommen  9ttenfa)en  me|?r  nü#t,  als 


1031 

ein  £>u£enb  ZijaUv,  bte  ein  £eua)Ier  unb  geinb  ©otteS  mit 
anbieten  wollte*  @benfo  |)abe  ia)  me\)x  Vergnügen  unb  greube 
baran,  wenn  i$  ein  frommet  £er$  ftnbe,  bem  ta>  ewaS  mit* 
feilen  fann,  als  wenn  ia)  *>on  einem  £eua)ler  etwa$  nehmen 
mug,  ,aua)  wenn  eS  noa)  fo  grog  nnb  anfejmlia)  wate. 

3)  2a(fet  un$  ferner  barauf  fejjen,  baß  wir  in  unfern 
Käufern  unb  in  unferem  £)tenf*e,  fo$icl  möglia),  fromme  unb 
gottfelige  £eute  f>aben,  ober,  bag  wir  fte,  wenn  fte  nia)t  fromm 
ftnb,  unter  ©otte$  ©nabe  bura)  fleißigen  Unterria)t  unb  gute 
23eifpielc  gewinnen  unb  fromm  maa)en.  Sßaö  3acob  in  £a* 
bang,  SofepJ^  in  $oftpf>ar$  £aufe  war,  iß:  noa)  jfefct  ein  treues 
unb  gottfeltgeg  ©ejtnbe  in  einer  £augj?altung;  e$  richtet  mit 
feinem  ©ebet  tnejjr  au$,  aU  fünf  ©ottlofe  mit  t^rer  2lrbett, 
unb  wenn  aua)  ein  unbugfertiger  $nea)t  ober  eine  gottlofe 
3)iagb  noa)  fosiel  erwirbt  unb  9ht£en  fa)afft,  fo  fji  boä)  ge* 
wiß,  bag  an  folgern  ©ute  ber  gluä)  ©otteS  l;aftet,  unb  bag 
au£  folgern  9Zu^en  enblia)  lauter  Sa)aben  werben  mug. 

4)  Enblia)  (äffet  uns  aua;  ben  Eingang  frommer  unb 
gottfeliger  50?enfa)en  betrauern!  9?ia)t  umfonfi  rief  @lifa  bem 
35ropl?eten  (£lia£  naa),  hei  feiner  Himmelfahrt:  „$cein  $a* 
ter!  mein  $ater!  2Sagen  3$rael£  unb  feine  3leU 
ter!"  ~  greunbe  ©otteä  ftnb  freilia)  für  eine  Stabt,  für 
ein  i*anb  unb  eine  Regierung  beffer,  al£  tnele  Söagen  unb 
Leiter*  2)aö  £cinbeauf{jeben  be$  5ftofe3  vermag  mejjr  wtber 
bte  Slmaleftter,  <xU  3ofua13  Spieg  unb  Sa)wert.  £)ie  grom* 
men  fiepen  bei  ©Ott  »or  ben  9ftg,  wenn  ein  SBolf  fta)  tter* 
fünbigt,  galten  <Seine  Strafgerichte  surüä,  unb  serwanbeln 
manchmal  ben  3orn  in  Segen  unb  ©nabe.  2öenn  aber  ©Ott 
folä)e  ©Men  unb  Stufen,  fola)e  Sä)ilbe  unb  SQSagen,  fola)e 
gürbitter  wegnimmt,  fo  €ft  <£x  gemetniglta)  bereit,  ©eine  ®e* 
ria)te  über  bie  ©ottlofen  auszuführen,  unb  e$  iß  ma)t  ju  fa* 
gen,  xok  x>kt  eint  ©emeinbe  an  einem  gottfeligen,  eifrigen 
53rebiger ,  ober  an  einem  anbern  frommen  (griffen  verliert» 
(£$  folgen  ifmen  ma)t  nur  i£re  SBerfe  naa),  fonbern  fte  ne^ 
men  aua)  oft  'otelen  Segen  mit  an$  ber  SBett,  unb  wafjrlia), 
wer  einen  frommen  prbitter  verloren  jjat,  ber  $at  viel  vex* 
loren.  —  2)arum  taflet  un$  ©Ott  Utten ,  bag  <£x  fromme 
2ftenfa)en  erwec!en,  erhalten,  unb  mit  Segen  unb  ©nabe  frö* 
nen  wolle,  bamit  wir  e£  aua)  ju  geniegen  fyaben  mögen. 


1032         . 

II.  Sir  wollen  aber  aud)  fefjen,  wie  wir  bie  Seljre  von 
£>em  vertrauten  Umgang  ber  ©eelen  mit  ©Ott  gu  unferem 
£roft  anwenben,  unb  un$  ©einer  ©nabe  bebienen  foden»  — 
Mt  Vernünftige  Jaben  von  jie^er  ben  Iftatf?  gegeben,  bag  jtd? 
ber  Sttenft^,  welker  mit  vieler  Arbeit,  ©orge  unb  9Äu§e  be* 
laben  fe#,  einen  vertrauten  Jreunb  wählen  folle,  bem  er  fein 
5lntiegen  entbecfen  unb  babura)  fein  £er$  erleichtern  fönne. 
SÖSenn  Semanb  eine  Saft  einen  witm  2Beg  ailän  tragen  mug, 
fo  unterliegt  er  leicht ;  Ijat  er  aber  einen  freunblidjen  ©efc$r* 
ten,  ber  ipm  burc§  fein  @ef»rä$  bie  3 eit  verfügt,  unb  bie 
Saft  totalen  tragen  In'lft,  fo  fann  er  fortkommen»  (£benfo 
vergalt  eS  fta)  aucf)  mit  ber  ©orgenlaft;  Einern  £er^en  wirb 
fte  meiften^  gu  f$wer ;  wenn  man  fte  aber  in  fäti  verteilt, 
fo  ift  fte  leichter  $u  tragen.  —  9tun  aber  mochte  ein  tyxtfüU 
$e£  #er£  fragen:  wo  ft'nbet  man  einen  gan^  vertrauten,  treuen 
unb  frommen  greunb,  bem  man  fein  SnnerfteS  ojme  gur$t 
entbecfen  fann?  3$  antworte:  2)er  vertrautere  unb  treuefte 
greunb  i(i  ©ott,  beffen  ^enfcfcenltebe  unb  £Bertraultö)feit  ge* 
gen  <Bänt  ©laubigen  wir  oben  vorgefklTt  Ijaben.  (Exiftmiu 
leibig  unb  verwiegen;  (Ex  fann,  will  unb  mug  Ijelfen.  (Ex 
fann  Reifen,  benn  G£r  iji  allmächtig;  (Ex  will  Reifen,  benn  (Ex 
ijl  gnäbig  unb  barrntjer^ig;  (Ex  mug  Reifen,  benn  (Ex  ift  waf>r* 
Jiafiig;  (Ex  fann  nicf)t  anber3,  aU  galten,  wa$  (Ex  verfprbt^en 
$zt:  „3$  will  bid)  nifyt  verlaffen,  no$  verfäu* 
inen."  3$  fann  nie  fo  gtücflid)  fepn,  bag  i$  ©otteS  nifyt 
bebürfen  follte,  nie  fo  ungtücflidj,  bag  @r  mid)  jn'ntanfe^en 
unb  ni$t  für  ben  ©einigen  erfennen  follte.  SSenn  Wt$  c&* 
fällt  unb  untreu  wirb ,  fo  bleibt  (£r  treu  unb  unveränberltd), 
unb  wenn  bie  nä^ften  greunbe  un3  nifyt  fennen  wollen,  fo 
fennet  (Ex  unfere  ©eelen  in  ber  9*0$.  3$  ^abe  mid)  oft 
baran  ergö£t>  wenn  ity  baran  backte,  w>k  SefaS  fo  freunbli$ 
mit  ben  beiben  3üngem  nad)  (£mmalju£  ging*  2)iefe  waren 
fo  Mxnhtf  bag  fte  in  ber  ©tabt  nid)t  bleiben  f  nuten.  SSeil 
fte  aber  greunbe  3efu  waren,  fo  fonnte  (Ex  fte  md)t  ungetrö* 
fiel  laffen,  fonbern  gefeilte  fta)  $u  iljnen.  (Ex  begleitete  fte 
faft  anbertljalb  beutfcfyc  teilen,  fragte,  warum  fte  fo  traurig 
fepen,  unb  lieg  ni$t  nad),  hi$  fte  3ptn  ii)r  ganzes  £er$  ent* 
beeften.  hierauf  tröftete  unb  beruhigte  (Er  fte.  —  ©eljet  alfo, 
tljr  frommen  ©eelen,  einige  betrübte,  unb  Sefum  ben  vertrauten 


1033 

greunb,  in  if>rer  Mittel  3>nfet  aber  and)  baran,  bag  ba 
ber  £err  nia)t  ferne  iß,  tto  nur  einige  33efümmerte  ftnb,  bie 
an  ©einen  Wamm  glauben.  3a  wenn  nur  tin  gromtneö  an 
einem  £>rte  weint,  fo  iß  <£x  ba,  unb  fragt:  was  weineß  bu? 
—  Grr  maa)te  e3  j'a  fo  mit  Sparta  $?agbalena,  bk  an  ©ei* 
nem  leeren  ©rabe  weinte.  (£r  will  uns  nia)t  verlaffen,  noa) 
verfäumen,  unb  wenn  (£r  auti)  etlia)e  5D?ei(en  mit  uns  geljen 
mügte.  Unb  wenn  wir  un3  aua),  wie  jene  Sünger,  von  2tn* 
bern  abfonbew,  um  unfern  traurigen  ©ebanfen,  unfern  ©euf* 
3ern  unb  £j)ränen  ungefunbert  nad^ufjängen,  fo  tonnen  wir 
un£  boa)  3!?nt  nia)t  ent^ie^en.  Sgenbe  bia),  woljnn  bu  willß, 
betrübtet  #eq,  ge£e  tn'S  $elb,  in  einen  bia)ten  2Salb,  über 
£>tßeln  unb  Dornen,  bura)  geuer,  SBajfer  unb  ©ümpfe,  über 
S3erg  unb  £fjal,  fo  wirb  bir  3efu3  folgenA  unb  bir  gleia)fam 
rufen:  wo{un  willß  bu,  liebe  ©eele,  fle|>e,  3$  bin  M  bir, 
3a)  folge  bir  unb  will  bia)  nia)t  verlaffen  noa)  verfäumen» 
2öeld)e£  anliegen  jiafi  bu,  warum  feuftß  unb  weinft  bu,  unb 
bift  fo  traurig  ?  ©a)ülte  bein  £er$  au$  in  deinen  ©a)oo§ ; 
i>ier  ift  mein  treuem  £er$,  barin  fein  galfa)  VjkJ.  Du  wetgt 
j[a,  wie  bu  mit  Wx  baran  bifi,  eg  ift  niä)t  ba$  erße  50M,  bag 
bu  Steine  i^iebe  unb  £reue  erfäbrß.  SSittft  bu  beten,  3a) 
Witt  bia;  gerne  fjören,  willß  bu  Wx  bein  anliegen  entbecfen, 
fo  will  3*  Wtzinz  D£ren  ^u  bir  neigen.  3a)  m\%  $war  woljl, 
toa$  bia)  betrübt;  boa)  mochte  3a)  e^  gerne  au£  beinern  SDcunbe 
jwren,  bamit  bu  bein  Vertrauen  ^u  Wflix  an  ben  £ag  legen 
unb  erfahren  mögeft,  bag  3$  bein  Jreunb  bin.  — 

2öof?lan  alfo,  ijjr  (griffen,  fepb  getroß  unb  füra)tet  eua) 
nia)t!  SBerlajfet  euä)  vielmehr  mit  ganzem  ^er^en  auf  bie 
@nabe  eureö  @otte3,  unb  bezeuget  freubig  vor  aller  -Seit, 
wk  fe£r  ifjr  ©einer  @üte  unb  ih'ebe  vertrauet,  ©eine  unau$* 
fprea)lia)e  dmabe,  bte  (Ex  eua)  bi%r  erwiefen  £al,  fep  euer 
£roß,  mag  aua)  ber  Teufel  unb  bie  SBelt  toben  unb  wütfjen,. 
bamit  überall  lunb  werbe ,  rx>k  poa)  iijr  ©eine  33erJ>etgung, 
©einen  23eißanb,  ©eine  $aterliebe,  bie  @emeinfa)aft  3efu 
(grifft  unb  ben  groß  be$  ^eiligen  ®eiße£  fa)äget.  $abt 
tf)r  ein  anliegen  unb  einen  Kummer  im  fersen,  fo  traget  eua) 
nid)t  lange  bamit,  fonbern  eilet  in  linblia)er  3«verfta)t  $u  bem 
£erm,  unb  entbeaet  e3  3N*  ®«  3£nt  iß  eS  nia)t,  wie  bei 
$?enfa)en,   wo  man  oft  feinem  feine  9*otj>  Ilagen  barf.    (Er 


1034 

i$  etu  Vater  unb  ein  getreuer  ©ott.  (£r  miß  bte  9?otjj  aU 
Uv  ©einer  tinber  von  Anfang  an,  unb  fte  paUn  3fnn  nic^t^ 
vorenthalten  fönnen  ober  wollen,  roarum  wollet  t£r  benn  nta)t 
euer  £era  vor  31?m  auSfa)üüen?  @r  tft  fem  ©potter,  iftnia)t 
fa)abenfro£,  aua)  fem  barter  9flann,  fonbern  ein  barm^er^ 
geS,  ltebreia)eS  28efen>  3pr  fönnet  3N  au  jeber  3e»t  najjen; 
felbfi  in  ber  gmßerniß  ber  9Jaa)t  will  (£r  iu§  bienen,  unb 
bura)  3efum  (SJrijlum  Ijabt  i£r  freien  S^txitt  au  3fmt,  alle 
£age  unb  alle  ©tunben.  —  Vringet  euer  anliegen  vor,  fo 
gut  ij>r  fonnet,  auf  bie  SQSorte  fommt  es  ma)t  anf  aua)  fa)lia)te 
unb  einfaa)e  2öorte  gefaßten  3N/  unb  @a4  tfl  aufrieben,  wenn 
nur  euer  £era  soft  Vertrauens  auf  ©eine  ©üte,  unb  voll  eif* 
rigen  Verlangens  naa)  ©einer  ^>ütfe  ift.  SRo$  nie  mugte  ein 
$mb  in  bie  SRebnerfa^ute  gelten,  um  mit  feinem  Vater  fprea)en 
au  lernen,  fonbern  fobalb  eS  anfangt  gu  laden,  fann  eS  fo 
Viel,  um  fein  £era  a«  rühren  unb  au  bewegen*  —  3cr  bei  un- 
terem ©ott  reichen  felbft  ©eufaer  unb  ©eberben  pin.  Daljer 
fagte  einft  ein  frommer  5D?ann:  „3$  &in  »ä  meinem  ©ott 
naa)  ©einem  ^eiligen  SSort  bajn'n  übereingefommen ,  ba§  @r 
aua)  alle  meine  ©eberben  vcrfteljt.  äßenn  ia)  feine  3ät  j?abe, 
3£m  mein  Verlangen  mit  Sßorten  au  fcgeu,  fo  £ebe  ia) 
meine  Slugen  auf  gen  Fimmel,  falte  meine  £änbe,  fä)lage  an 
meine  23ruft,  feufac  unb  weine«  Denn  wer  gerne  £ört  unb 
jnlft,  bei  bem  barf  man  nia)t  viele  Söorte  maa)en."  —  SBemt 
eS  aber  anheilen  fa)eint ,  als  ob  ber  £err  auf  unfer  ©ebei 
nia)t  aa)ten  wollte,  fo  bürfen  wir  aua)  fü£n  mit  3£m  reben; 
dx  wftattet  eS,  beiß  wir  unS  unferer  Vertraulia)feit  bebienen 
unb  auf  <£r£örung  bringen.  (£r  erlaubt  uns  a«  fageu:  23ifl 
bu  nio)t  mein  ©ott  unb  Vater?  53in  ia)  nia)t  £)än  $inb? 
£aß  Du  mia)  nia)t  in  ber  £aufe  angenommen,  unb  mir  ©eine 
vciterlia)e  streue  auf  ewig  verfproa)en  ?  S3in  ia)  ma)i  mit  bem 
S3fute  Deines  ©o^neS  erlauft  ?  £ajt  2)u  mir  nia)t  baS  ©ie* 
$el  2)eineS  Ijeil.  ©eifteS  in  baS  £er$  gebrütf  t,  ber  barin  feufet : 
Slbba!  lieber  Vater!  SSo  fott  ia)  mit  meinem  anliegen  jjut, 
als  au  Dir,  mein  ©ott  unb  Vater?  — Du  fragfh  „3ft  aua) 
ein  ©ott  außer  3ttir?  <£*  tji  fein  £ort,  3a)  weig 
feinen."  —  £>£err,  ia)  miß  aua)  feinen.  2öeil  Du  benn 
allein  mein  ©Ott  bift,  fo  mugt  Du  mir  aua)  Reifen.  Wltin 
^era  y&lt  Dir  vor  X)c\n  SSort:  „S^ufe  mia)  an  in  ber 


1035         . 

9*oil;,  fo  will  3a)  bicb  erretten;  bittet,  fo  wirb 
euä)  gegeben,  fua)et,  fo  werbet  ifjr  finben,  flop* 
f et  an,  fo  wirb  eud>  aufgetjjan»"  £ieburä)  £a(t  £>u 
^)tc^  mir  tterbinblia)  gemalt,  unb  mugt  mir  alfo  Reifem  — 
2Baö  würbe  ber  gottlofe  £aufe  fagen,  wenn  ia;  unerhört  bliebe? 
SSürbe  eä  nia)t  feigen:  203 o  ijt  nun  bein  ©Ott?  3Bo 
ijt  beine  £ülfe,  bein  £rojt  unb  bein  ©a)u#,  beffen  bü  bia)  fo 
fejr  gerühmt  l?afi?  —  2öie  würbe  ber  (Satan  trogen,  wenn 
id)  mit  meinem  9?ujmt  ^u  6a)anben  würbe?  3$  laffc  biä) 
nta)t,  mein  ©Ott,  £)u  fegnejt  und)  benn;  ia)  laffe  ntc^t  ab  $u 
rufen,  bis  £>u  mir  §#fj£  3$  will  fo  lange  an  ©einer  ©na* 
bent^üre  weinen,  feufoen,  flopfen,  bi$  mir  aufget^an  wirb«— 
@ola)e  Äüjmpeit,  fola)e  ©ewalt  ifi:  ©Ott  angenehm,  wenn  fte  a\x$ 
einem  glaubigen  £er$en  fommt.  ©o  Raffet  un$  ©Ott  banfen, 
ber  folä)e  2J?aa)t  ben  9tofd;cn  gegeben  i?at,  laffet  uns  3£n 
Koben,  weil  wir  alle$  ©ute  son  3f>m  erwarten  bürfen*  ®e* 
^riefen  fe#  ©eine  ©nabe  unb  ©üte  immer  unb  ewiglia; !  Slmen«. 


Stebenje^tite    3P  r  e  fe  i  g  t. 

SBon  ber  £)emuti)* 

SDtattf).  11,  29.    Cwnrt  oon  STctr*  benn  tdj  bin  üon  £erjen  bemütf)ig. 


@  t  n  g.  a  n  g, 
Sm  Flamen  Sefu!  Witten* 
£)er  ^r^bifa)of  §Rubolp£  au  Sttagbeburg,  ber  »on  niebrt* 
ger  Slbf unft  war ,  unb  blo$  wegen  feiner  ©efa)itflia)fett  unb 
grömmigfeit  $u  biefer  £ofjen  SBürbe  erhoben  würbe,  seranftal* 
kk  einft  ein  ©aßmaltf.  dx  lieg  bai,u  ben  2lbel  feinet  £anbe$ 
emlaben,  augleia;  aber  aua;  feine  liebe  Butter,  welche  noa) 
am  geben  war»  £>ie (£belleute  meinten,  eö  fc^tefe  fta)  nia)t, 
H$  bie  gute  grau  in  tfjren  33auewfleibem  erfdjeine ,  unb 
überrebeten  fte,  einen  *>omel)men  ©djmucf  anzulegen*  211$  bie 
©äfte  in  ben  bereiteten  @aal  be$  @r$bifd)of$  eintraten,  wur* 
ben  fte  alle  son  bemfelben  aufs  freunblidjfte  empfangen,  aber 
an  feiner  SWutter  ging  er  vorbei,  unb  tyat,  als  ob  er  fte  nia)t 
fennete*  SKeß  tpat  i£r  ungemein  wel),  unb  weil  fta)  aua)  bie 
Slnbern  nia)t  barein  ftnben  fonnten,  fo  weinte  fte,  verließ  baö 


1036 

(Üematy  unb  sollte  gan$  bavon  eilen»  3)ie  dienet  jeboa) 
Ratten  ben  IBefe^t,  fte  nid)t  fort^ulaffem  ©te  mugte  nun  bett 
<Sä)tnud  ablegen  unb  i£re  gewol)nlid;en  bleibet  lieber  an* 
Stehen.  Unterbeffen  fragte  ber  23ifd>of :  wo  benn  feine  Butter 
fep?  5#an  antwortete  tym :  fte  fepe  ba,  wolle  aber  lieber 
fort  darauf  gab  er  ben  SBefebl,  fte  hereinzubringen,  unb  em* 
pftng  jte  fejjr  freunblt^)  unb  ejjrerbiettg.  2113  er  fte  fragte: 
warum  fte  fdjon  wieber  fortgeben  wolle,  erwieberte  fte;  mit 
bu  vorfnn-  an  mir  vorübergegangen  bift  unb  getfjan  £aft,  aU 
fennetejt  bu  mid>  nid?t,  fo  glaubte  ify,  bu  fdjämeß:  ti§  meiner 
in  beinern  j?o|)en  ©tanbe.  darauf  entgegnete  ber  S5tfd;of  W 
$elnb:  nein  Butter!  ia)  verachte  bify  nid)t,  aber  i6)  tarnte 
bidj  in  beiner  vorigen  Reibung  nid)t,  weil  id)  wugte,  baj? 
meine  Butter  nia)t  von^lbel  iji  3n  biefer  tteibung  hingegen 
fenne  ia)  bidj  wo£l,  unb  Witt  bir,  als  meiner  lieben  Butter, 
mit  @rf>rerbietung  begegnen. 

£)tefer  33ifd;of  ift  fe£r  ju  (oben,  bag  er  ftd?  feiner  nie* 
brtgen  Slbfunft  nic^t  fc§cimte ,  fonbern  bur$  biefen  Vorgang 
bie  @nabe  @otte$,  bie  ijjm  wiberfupr,  nur  no$  melpr  £er* 
vorgeben  wollte.  2)enn  gleichwie  man  ftd)  über  @otte3  2111* 
mafyt  unb  SBSei^eit  mejjr  wunbert,  wenn  man  i>a$  f^one  WoaU 
$enmej>l  mit  ber  fd?  warben  (£rbe  vergleicht,  au$  welcher  e£ 
^ervorfommt,  unb  bie  £errlid?en  Trauben  mit  bem  geringen 
unb  unfe^einbaren  $01%,  aus  welkem  jte  entftejjen,  fo  aetgt 
ftd)  ©otteS  ©nabe  unb  Sorfejmng  um  fo  j>errlia)er,  wenn 
man  einen  Wlenfäen,  ber  in  $o|>en  @£ren  fiept,  mit  feiner 
niebrigen  Stbfunft  vergleicht.  Leiber  aber  gibt  e$  Siele,  bie 
in  biefem  gall  anberer  Meinung  ftnb  unb  ftd?  ij?rer  armen 
Altern  fa)ämen.  Mein  bie$  ift  eben  fo  tyoxityt,  wie  wenn 
ba$  6ifber,  aus  welchem  bteipanb  beS^ünfilerS  einen  glän* 
genben  23ed?er  gemalt  tyat;  ft$  ber  (Erbe  fc&ämen  wollte,  in 
welcher  e$  von  ber  9iatur  bereitet  würbe;  benn  e£  ift  ja 
felbfi  nur  dxbe ,  obgleich  von  ber  Statur  etm$  bejfer  auSge* 
arbeitet  unb  mit  einigem  ©tana  gegiert.  SBenn-  ber  SDtofa) 
au$  geringem  ©tanbe  emporfommt,  fo  £övt  er  barum  ni$t 
auf,  ein  SDtefd)  au  fesm,  voie  bie  Blumen  in  einem  frönen 
£opf  nid;t  aufboren,  ©ewdc^fe  au  fepn,  bie  fyeute  Mü* 
fyen  unb  morgen  verwelfen.  ©o  $>o$  alfo  auaj  ein  Sttenfcfy 
erhoben  ift,  fo  barf  er  ftdjbod;  ber(£rbe  nicf)t  fc^ämen,  wel$e 
(&ivaü)  unfer  aller  Butter  nennt,  weil  fte  tim  netyrt  unb  er; 


1037 

jjäft  unb  ipn  auti)  aU  tyt  $inb  einjt  wieber  in  iljren  ©a)oo§ 
aufne^ntfu  unb  bi$  aum  jüngjkn  £ag  bewahren  n>trt>.  2Bie 
will  er  fta)  alfo  feiner  armen  unb  geringen  Altern  fa)ämen  ?  — 
SBafnrlia),  fo  mügte  2ille£,  tt)a^  £oa)  in  ber  SSelt  ift,  feine 
2lbfunft  serläugnen ,  weil  e$  feine  £o£eit  gibt,  bie  nic^t  auö 
ber  Sftiebrigfett  ftammt,  unt)  enblid)  wieber  $ur  üftiebrigfeit 
£erabftnfen  wirb*  din  fola)er  [toller  Sttenfa)  serläugnet  aber 
ma)t  Uo$  feine  geringen  Altern,  fonbern  er  serbunfelt  aua) 
ttt  ©nabe  ©otteg,  ba  er  es  nia)t  leiben  Witt,  bag  man  feine 
vorige  9^iebrigleit  mit  feiner  je^igen  ©röge  vergleicht,  wobnrd) 
boa)  ba$  Söunber  ber  ©üte  ©otteS  an  i£m  nur  um  fo  mel?r 
fta)tbar  wirb*  £>enn  wenn  ber  2lllerfjöa)fie  ben  ©eringen  au£ 
bem  (Staube  ergebt  unb  neben  bk  prften  ©eineä  2Mfe3  fegt, 
fo  be^wecft  (£r  hamit,  bag  man  ©eine  gnäbige  $orfej)ung  unb  Re- 
gierung um  fo  me£r  erfennen,  3£n  f ürd;ten  unb  auf3Dn  $>off en  foCL 
—  2)er  ©runb,  warum  ia)  eigentlia)  Jene  ©efcf)ia)te  anführte, 
ijt  aber  £auptfä$litf)  ber ,  weil  ia)  mia)  babei  an  t>k  2)ro|mng 
unfereS  £eilanbe£  erinnerte,  bag  (£r  etnft  £u  ben  ©ottlofen 
fagen  wolle:  „üöa^rlia)!  3$  fenne  euer  nia)t,  wo 
t£r  £er  fe^b,  3$  !>abe  tufy  noa)  nie  erfannt; 
weiset  von  33^tr,  t£r,UebeUJjäter!"  (£r  befahl  näm* 
lid)  btefen,  wela)e  (£r  für  feine  trüber  unb  ©$weftem  erfennen 
follte,  bag  jte  fta;  ber  9ftebrigfeit  unb  2)emut£  befleißen  follen* 
(£r  felbß  war  in  ©einem  ganzen  SSanbel  fo  bemütfng,  unb 
unterlieg  alten  Seinen  23ere|>rem  tin  23eifpiel,  ba$  jte  bi$ 
an  ben  jitmgften  £ag  nahmen  follen*  Slber  leiber  ift  baflelbe 
bei  ber  heutigen  fioljen  2Belt  »erachtet*  Sttan  {jolt  tdglia) 
neue  3$oben  unb  neue  <Bitttn  au$  fremben  Säubern;  allein 
Sfaemanb  will  t>k  alte  ^ftobe  be$  £erw  3efu  beibehalten ;  Sfte* 
manb  will  3pnt  in  ber  ^iebrigfeit  unb  £)emut&  nachfolgen. 
Sebermann  will  fjoa;,  prächtig ,  geehrt,  gefüra)tet  unb  gerühmt 
fepn;  -iftiemanb  aber  will  jta)  felbft  verläugnen,  unb  feine  £0* 
jeü  in  ber  ©elbßemiebrigung,  feine  (£{>re  in  ber  ©a)maa;  be£ 
^reuaeS  S^ripi  fua)en.  Ueberall  gibt  e$  ftol^e,  frea)e,  aufgebt 
fene  Zeutt  in  Stenge;  wo  fmb  aber  bie  ^emüt^igen,  t>k  ©auftaut* 
t  Jigen  unb  ©elinben  ?  ^ttn  e^  betrüge  fta)^temanb  mit  oergeblia)er 
Hoffnung.  Ser  ^)err  wirb  ^iemanb  für  ben  ©einen  erfennen, 
als  ben,  wela)er  im©ewanbe  ber^emut^  t>or3|Jm  erfa)eint. 
(5r  fprt^t:  „3<^  mag  b:en  nifyt,  ber  ftolae©eberben 


1038 

unb  einen  £o£en  ©inn  %at"  Sßer  alfo^rifto  gefallen 
will,  ber  befleiße  fta)  ber  £emutlj*  Semnaa)  betrauten  wir 
btegmal:  in  wiefern  £>ie  glaubige  ©eele  aua)  eine 
bemü^igefe^?  ®ott  aber,  ber  ben  £offärtigen  wiber* 
Mi,  unb  ben  2)emütj)igen  ©nabe  gibt,  fa)enf e  uns  bk ©nabe, 
bag  wir  tiefen  ©egenfianb  fo  beljanbeln  mögen,  bag  wir  Mt 
ben  £oa)mut{>  paffen,  unb  bie  2)emutp  liebgewinnen,  bura) 
3efum  Qtyrifhtm.    2lmen. 

älb^anbtung. 

2)er  $ira)enoater  Slugufiin  fagt:  „£)er  erfte  SSeg  $ur 
SQSajjrpeit  ijt  bie  ©emutJj,  ber  aweite  bie  £>emut£,  ber  brüte 
bk  2)emut£,  unb  fo  oft  man  mia)  barüber  fragen  würbe, 
xoufyk  ta)  nia)tS  anberS  $u  antworten ;  aber  nia)t  als  ob  uns 
fonft  feine  £ugenb  befohlen  wäre,  fonbem  weil  bura)  ©tolj 
unb  £oa)mutf?  SllleS  verloren  gef>t,  wenn  nia)t  bie  2)emutJ) 
Slliem,  was  wir  ©uieS   tjmn,    oorangept  unb  i£m  naa> 
folgt  je.    tiefer  groge  $ira)em>ater  faf>  atfo  woljl  ein,  bafj 
bk  £)emutf>  eine  ber  ^aupttugenben  beS  (££rif*entfmmS  unb 
nebft  ber  $kbz  unb  Hoffnung,  bie  liebliche  £oa)ter  beS  ©lau* 
benS  ijt.    Sftan  tonnte  fte  mit  9?ea)t  bte  Gcrnäjjrerin  unb  (£r^ 
palterin  ber  übrigen  £ugenben  nennen*    ©leia)  xok  bie  Ujjr 
bura)  baS  ©ewta)t,   baS  immer  naß)  unten  ge£t,  im  ©ang 
erhalten  wirb,  alfo  aua)  baS  (Sfjrijfcntfmm  bura)  baS  ®tbzt 
unb  bura)  bie  2)emut{>.    2>ie  2)emut{>  war  baS  $letb  3efu, 
baS  (£r  bei  ©einem  Eintritt  in  bk  SSelt  angelegt  unb  aua) 
getragen  pat  bis  an  ©ein  (£nbe,  unb  womit  (£r,  fo  gu 
fagen,  in  ber  SBelt  prangte,    ©ie  ijt  baS  etgentjnimtia)e  ©e* 
wanb,  in  wela)eS  Girr  bie  ©einigen  f leibet,    liefen  ©imt 
pflanzt  Grr  bura)  ©einen  ©eift  ilmen  allen  in'S  £er3,  wer  tiefen 
©inn  nta)t  f>at,   ber  ijt  nia)i  ©ein  unb  J)at  3J?n  noa)  nk 
rea)t  er! annt.  —  2Beil  aber  bie£emutl?  eine  <Sad)t  ij*,  bie  im* 
ferer  *>erberbten,  eigenliebigen  9tatur  fe£r  wiferffreifet,   bte 
man  alfo  nia)t  fo  fa)nell  serftept,  fo  verlangt  (£r,  bag  wir 
täglia)  bei  ipm  in  bie  ©a)ule  gepen  follen  unb  ruft  un$  ju: 
„kernet  $on  30Hr;  benn  iä)  bin  *>on  ßerjcn  be* 
müt{ng."    2tamtt  wir  uns  nun  aua)  son  biefer  ebeln  Zu* 
genb  baS  -ftotpige  einprägen,  fo  laffet  uns  1)  beben! en, 
baß  eine  glaubige  ©eele  not^wenbig  an^  bemü* 


1039 

t£tg  feyn  muffe,  —  3a)  will  nio)t  weitläufig  anführen, 
baß  ber  £err  tiefet  in  Seinem  2Bort  fo  empttc^  forbert,  wenn 
@r  3*  $♦  bura)  ben  $ro»f)eten  feto* *  ®$  ift >Dtr  gefagt, 
$fenfa)!  wa^  gut  ift,  unb  wag  ber  £>err  von  bir 
forbert,  nämlia)©otte$2[Bort  galten,  Sie^e  üben 
unb  bemüt^tg  fe^n  vor  beinern  ©Ott;  ober,  wenn 
bk  Slvojtel  fta)  barüber  au6fprea)en :  „£f>ut  nichts  bura) 
3anf  unb  eitleGTfjre,  fonbern  bura)Demutp.  3iz* 
|>et  an  |>er$lia)eg(£rbarmen,  greunblia)feit,  De* 
mut£  :c,  galtet  fejt  an  ber  Demütig  Demütjuget 
eua)  unter  bie  gewaltige  £anb@otieS,  bamit  dx 
euä)  erljöfje  $u  feiner  Seit  Ki"\,  fonbern  ia)  will  ijaupt* 
fädjlta)  baS  fagen,  bag  ber  ©laube  bie  Demull>  notpwenbtg 
mit  fta)  bringe.  Denn  er  eignet  <(ta)  £{>riftum  an ,  ber  von 
£er$en  bemütjrig  ift ,  unb  verbinbet  $>a$  £er£-  be£  2ftenfa)en 
mit  bem  £er£en  £j)rifti ,  ober ,  um  mit  ber  j©a)rift  $u  reben, 
weil  (SJmftuö  bura)  bm  ©lauben  im  £er$en  woljnt  unb  in 
ben  ©laubigen  lebt,  fte  aud)_  mit  ©einem  ©eiß  unb  Sinn  be* 
gabt,  fo  muffen  fte  bemütfug  fe^n,  unb  jta)  berDemut|>  be* 
fleifen;  benn  @1)riftu3  maa)t,  wie  wir  fa)on  oft  bemerft 
J>aben ,  bk  ©einigen  nia)t  nur  ©eine3  53lut3  unb  ©einer  ©e* 
rea)tigfeit,  fonbern  aua)  ©eineä  ©etfleä  unb  ©einer  Statur 
tjeil^afitg ,  unb  e3  ift  unmöglia) ,  bafj  3emani)  mit  Gtfmjio 
vereinigt  fepn,  unb  (Beim  ©ereä)ttgfett  vor  ©Ott  geniegen 
follte,  o^ne  sugleia)  ©eine  iHebe,  ©anftmutf*  unb  Demut!?  $u 
femten.  ©frenbaljer  fagt  ber  Sipofiel :  „®leia)wte  (Er  ift, 
fo  finb  aua)  wir  in  biefer  2Belt;  ober:  Daran, er* 
lennen  wir,  bag^r  in  unä  bleibt,— -an  bem@eift, 
ben  (£r  un6  gegeben  paU" 

©obaib  fta)  ber  ©laubige  in  bm  ©tanb^  ber  ©nabe  be* 
fmbet,  £at  er  aweterlei  im  2luge*  (ix  flejrt  auf  ba£,  m$ 
er  früher  gewefen  ift,  unb  auf  bat,  was  er  je^t  bura)  ©ot* 
te$  ©nabe  geworben  ift*  (£r  fte^t  auf  ,jta)  felbft,  auf  ©Ott 
unb3efum;  unb  fagt:£err!  wer  bin  ia),  unb  wer  biffc  Du? 
3a),  an  armer,  fünbfjafter  Sftenfa),  ein  nichtiger  2öurm, 
©taub  unb  2lfa)e,  voller  <£itelfeit,  9tfü£feligfeit  unb  ££or* 
tyittn,  eine  anfällige  23lume,  ein  pa)tiger  ©a)atten;  Du 
hingegen  bijt  ber  majieftätifa)e  ©Ott,  ein  ewigem,  allwetfe£, 
allwijfenbeS,  allgegenwärtiges,  unermeßlich,  reines,  ljeiligeS 


1040 

unb  unbeflecfteS  2Befen,  ein  geller  ©piegei  aller  gugenben, 
eine  Duelle  ber  ewigen  Siebe,  ein  lieblich  4?tc^t ,  eine  un* 
bef$reiblid)e  traft  nnb  eine  unbegreifliche  ©üte*  Du  bift  £err* 
lieber  unb  erhabener  aU  (£ngel  unb  2ftenfd?en  faffen  ober  ein 
$?unb  auSfyredjen  fann,  unb  bo$  naljeft  Du  Dic^  mir,  unb 
nimmft  Qify  meiner  fo  J>eralicj)  am  Du  Ijaft  mtcb  tit^t  nur 
gefc^aff en ,  unb  na$  Deiner  wunberbaren  2Bei$j?eit  fo  £errltc(> 
gebtlbet,  fonbem  J?ajt  mi$  au$  mit  bem  teuren  23lut  Deinem 
©olme$  erlöst,  mit  Deinem  ^eiligen  ©elfte  serftegelt,  unb 
mir  Deine  ewige  $kte  serpfänbet*  Du  paß  mir  bie  Sttenge 
meiner  ©ünben  au£  ©nabe  »ergeben,  midi)  aur  ©emeinfd)aft 
3efu  (Script  berufen,  micf)  au  Deinem  tinbe  angenommen, 
in  ba$  Ijimmlifcfye  28efen  $erfe£t,  unb  aur  ewigen  £errlid)feit 
benimmt*  %$  mein  ©Ott!  wer  hin  ity,  ba$  Du  micfy  bi$ 
£ie£er  gebraut  £ajt?  Sßie  fomme  i$  $rmer  a«  fo  groger 
(£j)re  unb  £errli$feit  ?  3$  bin  einfierblidjer,  fünbiger$cenfcf), 
unb  barf  midj  bo$  ein  tmb  ©otteä  unb  ©Ott  meinen  SSater 
nennen,  i$  barf  ben©ofm  ®otte£  meinen  trüber,  nud)  ©ei* 
neu  23ruber,  (©eine  ©$wefter,)  ben  ^eiligen  ©ei#  meinen 
Softer,  Pfleger  unb  23eiftanb,  unb  micf)  ©einen  Stempel 
nennen*  3$  empfmbe  e3  au$  in  ber  2öa|>rf>eit,  ba$  bk% 
nicf?t  bloS  inl?alt3lofe  SBorte  ft'nb,  fonbern  £f?at  unb  traft; 
benn  i$  Ijabe  ja  $>k  2krjtd;erung  ber  $kU  @otte£  unb  3efu 
fammt  bem  £roft  be3  Jjeiw  ©elftem  im  #eraen:  itf>  j?abe  au$ 
(£rfa£rung  fo  oiele  groben  ©einer  ödterlicben  $khc ,  brüber* 
liefen  £reue  unb  ©eineä  fräftigen  23eiftanb3  jc. 

Diefe  Betrachtung  bewegt  fobann  bie  ©eele  aur  Dan!* 
barfett,  xt>k  jenen  frommen ©amariter,  ber  auf  fein  2lngefid)t 
fiel,  unb  3efu  ^eralicf)  banfte,  aU  er  fa£,  ba§  er  bur$  bte 
traft  beS  £errn  »on  feinem  2iu3fa§  rein  geworben  war. 
@benfo  rief  ber  (£ra$ater  3acob  einji  soll  greube  über  ben 
leiblichen  ©egen,  ben  t£m  ©Ott  befeuert  jjatte,  au3:  „3* 
hin  au  gering,  o£err,  aller  S3arm£eraigfeit  unb 
£reue,  bteDu  an  mir  getljan  £aft!"Siefoatenicf)tau$ 
ber  ©laubige  »oll  greube  über  ben  geifhic^en  ©egen  in  jumm* 
Uferen  ©ütern  buref)  ßjmftum  *k$  #un  V  —  2Bie  mag  ber 
Königin  @jtyer  natt)  iljrer  unverhofften  @r£ojmng  au  $totl>e 
gewefen  fepn?  Sßie  oft  wirb  fiefief)  über  ©otteS  ©üte  gefreut, 
unb  über  feine  wunberbare Regierung  serwunbert  fyahtn?  äßie 


1041 

oft  wirb  jte3£m  auf  tfjren^nieen  gebanft  unb  gejagt  Jjaben: 
2la),  mein  @ott!  tt)te  wunberbar  fmb  ©eine  2ßerfe,  tvt'e 
grog  iji  ©eine  5ttaa)t,  wie  unbegreiflia)  unb  mannigfaltig  ift 
©eine  Giebel  ©u  wotfteft  aua)  mia)  ber  2Selt  aum  23eifpiel 
©einer  wunberbaren  ©üte  sorftellen !  3a)  war  eine  arme  $ater* 
unb  mutterlofe  2ßaife,  unb  ©u  ijaft  mia)  ^u  einer  großen 
Königin  gemacht  — ©ef?et,  meine  3u£örer,  an  tyx  £aben  wir 
ein  rea)te£  $orbilb  einer  gläubigen,  son  ©Ott  bura)  (Sjjrtftum 
ljoa)begnabigten  ©eele*  2lua)  biefe  freut  ftä)  ©einer  ©üte  unb 
preist  (Beinen  ^eiligen  tarnen  ojme  Unterlag,  jteboa)  in  tteffter 
(Ehrerbietung  unb  ©emutlj ,  weil  fte  wo£l  roeiß ,  ba$  fte  niä)t$ 
ftcr)  felbjt,  fonbern  2lllc£  nur  ber  lautern  ©nabe  unb  ©üte 
©otteS  auftreiben  fann*  ©ie  ©laubigen  überhaupt  gleiten 
»oöen  ©efäffen ,  t>k  $u  S3oben  fmfen ,  wcü?renb  tit  leeren  oben 
fa)wimmen;  unb  rote  fta)  softe  Sieben  am  meinen  #xx  (£rbe 
neigen,  fo  neigt  fta)  aua)  bie  am  meiften  begnabigte  ©eele 
ttor  bem  Serrm  if?rem  ©Ott.  —  3ubem  £at  fte  tfjren  Gnrtöfer 
ftets  *>or  5lugeu,  gibt  2la)t  auf  aW  <&än  gfmn  unb  Waffen  unb 
nimmt  fta)  *>or,  ©ein  33ilb  in  ©eftnnung,  Sßiften  unb  SBanbel 
naa)auaj)men.  SSeil  fte  nun  t>on  Anfang  bte  px  (£nbe  nia)t$ 
aU  ©emutjj  an  3$m  ftnbet,  fo  ift  fte  feft  entfa)loffen ,  3$m 
aua)  barin  $a  folgen,  unb  e$  ift  tyx,  aU  ob  fte  ftetS  bie 
liebliche  ©timme  if?re£  (£rlöfer3  Jjörte:  „kernet  »ort  Wlix; 
benn  ia)  bin  $on  ^er^en  bemütljig!"  ober  ba$  SBort 
beS  2lpoftel3 :  „(£tn3eglia)er  fe^gefinnet,  wie3efu$ 
Gttmftug  aua)  war,  welcher,  ob  dx  wojjl  in  gött* 
lia)er©eftalt  war,  eö  nta)t  für  einen  9fcaub-£telt, 
©ottgleia^aufe^n,  fonbern©ta)felbft  entäußerte, 
$nea)t$gejtalt  annahm  un  b©ia)  felbft  erniebrigte. 
—  ©ie  weilt  gerne  bei  i^rem  (Erlöfer,  unb  weil  fte  3*m  im 
©tall,  in  ber  Grippe,  in  $ nea)t£geftalt ,  in  ber  3tmmerwerf* 
ftätte,  in  freunblta)em  Umgang  mit  fa)lia)ten,  einfältigen  Seu* 
ten,  auf  bem  2lngefta)t  liegenb  in  blutigem  ©a)weig,  ober 
unter  5D?iffet£ätern  am  freute  ftnbet,  fo  begibt  fte  fta)  aua) 
in  ben  niebrigen  ©taub,  unb  begehrt  feine  anbere  £ojjeit,  als  baf? 
fte  mit  tj>rem  (Erlöfer  in  ©einer  -ftiebrtgfeit  ©emeinfa)aft  Jjaben 
möge*  ©ie  xctify  wo£l,  ba$  tyx  3D?eifter,  al£  @r  baS  SöerE 
ber  (£rlöfung  anfing,  ben  ©runb  in  bte  £iefe  legte,  unb  mit 
©einer  ©elbfterniebrigung  anfteng.  ©ie  erinnert  fta)  aua),  bag 

©  c  r  i  u  e  t  'S  ©eelenfcfyafc.  66 


1042 

tt>te  ber  @tol$  ber  Anfang  be3  ntenfä)ttä)en  $erberben£  — 
alfo  auä)  bie^emutl?  ber  Anfang  unfereS  $i\U  ift;  fte  u>eiff, 
bag  bte  ©tofaen  ein  ©üb  be$  geufetö,  bte  2)emm1?igen  aber 
9laa)folger  3efa  ftnb;  müfnn  fann  fte  nia)t  anberS,  afö  ftc^ 
felbft  ewtebrigen,  (^ben  baf>er  fommt  e$  aber  auä),  bag 
ade  wapre  Aber  ©oite$  wegen  t^rer  Detnut^  berühmt  ftnb» 
3e  jjbjjer  bie  ©onne ;■■  jiept,  befto  weniger  ©ä)atten  maä)t  fte, 
unb  j[e  groger  bte  ©nabe  ©otte£  an  ©einen  ^inbern  ift,  befto 
weniger  @rigenbünf  el  ftnbct  man  an  ifmen-  2lbraljam  jtejjt  $or 
©ottmitmebergefa)lagenen  klugen  unb  fagt:  ,,3ä)  jjabe  mta) 
unterwunben  ^u  reben  mit  bem  £errn,  wie  wol)* 
ia)  (£rbe  unb  21  f c^ e  bin/'  —  3atob,  ber  an  ber  ©pi$e 
$on  ^wet  beeren  jianb  unb  im  SBeftjj  groger  ©üter  war,  liegt 
auf  feinen  tnieen  unb  befennt:  „£>err!  iä)  bin  ju  gering 
aller  ©armjjersigfett  unb  £reue,  bit  £)u  an 
2)einem£nea)te  getpan  fraft!"  £)er  tbnig  2)at>ib  ruft 
au$:  „SS er  bin  ia),  £>  err  £>err!  unbnsa^  ift  mein 
,#au3,  bag  £)u  miä)  bi^  £ie£er  gebraut  |>aft?  — 
3of>anneö  ber  Käufer,  welchem 3efu<?  felbft  baö3eugnig  gab: 
unter  2tEen,  bk  von  Sßeibern  geboren  ftnb ,  fep  fein  ©rögerer 
aufgefommen,  aU  er,  geftebt  tfon  fta):  „(£r  fep  nta)t 
wertjj,  bag  er  bem  £errn3efu  bie^iemen  feiner 
<&tyutyt  auflöfe/'  —  3)ie  3«ugfrau  Sftaria,  wela)e  ber 
£err  ^ur  Mutier  ©etne6  ©o|me3  erforen  jwtte,  fa)reibt  nta)t£ 
fta;  felbft,  fonbern  Me6  ber  ©nabe  @otte$  $u,  unb  nennt 
fta)  eine  elenbe  SDfatgb*  —  £)er  Hauptmann  p  tapernaum, 
wefa)em  ber  #err  ba3  3eugnig  gab,  bag  (£r  einen  fota)en 
©tauben  in 3^rael  nia)t gefunben  fyabt,  fpraa)  *>on  fta) :  «5 er  r ! 
ia)binnta)t  wertb,  bag£)u  unier  meüt£>aa)  gej>e)ti 
fetruä  wirft  fta)  3efu  $u  pgen,  unb  ruft:  „£err!  gef>e 
son  mir  JHnau£,  ia)  bin  ein  fünbiger  9ttenfa)!" 
$aulu£ ,  baö  au3erwäi?tte  ^üft^eug  3efu ,  nennt  fta)  eine  um- 
seitige ©eburt  unb  ben  ©eringften  unter  ben  2lpofteftn  (£r 
belennt,  er  fcp  nia)t  wertl) ,  ein^poftet  p  feigen,  unb  fagt: 
„SSon  ©otte£  ©naben  bin  ia),  wa$  ta)  bin,  unb 
©eine©nabe  an  mir  ift  nia)tt)ergebttä)gewefen; 
ia)  jjabe  aber  me^r  gearbeitet,  aB  fie^ltte,  boä) 
niä)t  ia),  fonbern  ©otteS  ©nabe,  bte  in  mir  ift" 
ßbenfo  ftnben  wir  e$  aber  aua)  bei  ben  au^erwd^ten  Engeln 


1043 

unb  ©eligen  im  £immel;  fte  ^ebecEen  ifjr  $näefttt)t  ttor  ©Ott, 
al£  achten  fte  ftd)  ntd)t  n>ert^ ,  ©eine  £>errlid)feit  31t  fepen, 
legen  ijjre  fronen  nteber  unb  rufen:  £err,  Du  bift  wür* 
big  ^u  nehmen  $reig,  (EJjre  unb  $raft!  £etltg/ 
£eiligr£eiltg  ift©ott  ber£err,  ber2lllmda)tige, 
ber  bo  war,  ber  ba  ift  unb  ber  bafommt!''--2öaj?r* 
lia),  tiefe  33eifjpieXe ,  bie  i$  abfta)tlia)  ber  dlctyt  naa)  an* 
führte ,  muffen  un£  alle  pr  Demut£  erwecf en*  Darum  meine 
trüber  unb  ©a)wefiern!  fommet,  laffet  unö  anbeten,  fnieen 
unb  nieberfallen  *>or  bem  £errn ,  ber  un£  gemacht ,  erlöst  unb 
geheiligt  Jjat ,  lajfet  un6  mit  Altern ,  xoa$  wir  ftnb  unb  Ijaben, 
3f)m  ^u  güßen  legen  unb  von  £er^en  fprea)en:  £err!  Du 
biji  SllleS,  t$  Witytä,  Du  bift  ©Ott,  ia)  ein  armer  28urm; 
bura)  Deine  ©nabe  bin  id)  5XKe^ ,  wa£  ia)  bin ,  pon  mir  felbfl 
aber  9tia)t$;  Deinem  peiltgen  tarnen  fep  ewig  2ob! 

2)  2Bir  Wolfen  aber  aud)  fef)en,  tt>k  bie  Demütig  be* 
fa)affen  fep,  unb  wie  fia)  ber  ©laubige  barin  üben 
foll?  ^)k  DemutJ?  ift  eine  §rua)t  be£  ©laubeng, 
»om  Ijeil.  ©etfte  gewtrft,  wobei  fia)  ber  9ftenfa) 
ehrerbietig  unb  niebrig  gegen  ©ott,  befa)eiben 
gegen  fia)  felbft,  freunb(ia)  unb  btenftwillig  ge* 
gen  ben  9£da)ften  bezeugt,  unb  ^war  immer  mit 
aufrichtigem  bergen* 

a)  Der  ©laubige  fie|t  ^uerft  auf  ©Ott,  erfennt  ©eine 
^ajeftdt  unb  befennt ,  ba$  3£m  (£f;re  unb  $  reis  unb  Danf 
tton  allen  SSefen  gebühre,  weil  (Ex  tpr  ©d)6>fer,  (£r£alter 
unb  2SoJ?ltf>dter  ift.  ^)k  ©ottlofen  aber  ftnb  $erda)ter  ©ot* 
m;  benn  fte  ftnb  »on  3f>m  entfernt,  jjaben  feine  rea)te  <Ex* 
fenntnig  tton  %$n\,  wtffen  alfo  ©eine  Wlaftftät  nia)t  ^u  fa)d* 
gen  unb  aä)ten  ©eine  ©üte  nia)t>  (B  gept  ijmen  wie  ben 
Äinbern  ober  anbern  einfältigen  beuten,  wela)e  meinen:  bte 
©pnne  fe#  faum  fo  grog  wie  i£r  £ut,(  unb  ein  ©tern  fe# 
gleia)  einem  geringen  %\tyt,  beffen  fte  jta)  in  iprem  £aufe 
bebtenem  ©ie  benfen  alfo  gering  $on  tf?rem  ©Ott  unb  er* 
|>eben  bagegen  ftd)  felbft  unb  bie  ditähit  ber  203elt  fo  fef>r, 
bag  fte  barüber  be$  allmächtigen  ©a)ö>fer$  t>ergeffen+  DalSer 
fommt  ber@tol^,  tt>k  wir  an  bem  $önig  $|>arao  fe£en,  ber, 
aU  il)m  Sttofeg  im  tarnen  beö  ^)errn  <mf ünbigte ,  t>a$  er  ba^ 
SSolf  Sfvael  a^en  lajfen  folle,  antwortet:  „2Ber  ift  bev 

66  * 


1044  q 

Spetx,  beffett  ©timme  tdj  £oren  mug,  bag  iä;  3f* 
raef  stehen  laffen  folle?  Daijer  ber  Uebermutlj  berer, 
bteau|)tob  fagen:  „2Ber  tft  ber  2lHtträa;tige,  bag  wir 
3£m  btenen  follen,  ober  tt>a$  nü£t  es  ung,  wenn 
wir  3&n  anrufen?7'—  Die  grommen  bagegen,  bie  tprem 
©Ott  tm  ©lauben  näjjer  gefommen  ftnb,  unb  ©eine  Mmafy, 
2öet^eitr  ©üte  unb  £errtiä)f cit  au$  ©einem  2Sort  unb  au$ 
@rfaf>rung  fennen,  wtjfen  3j?n  nitt)t  bemütltfg  genug  ju  ver* 
eljren,  ©ie  benfen  beftänbig :  „2Ber  ift,  wie  ber  £err, 
unfer  ©Ott?  —  £err,  wie  finb  Deine  SSerfe  fo 
grog  unb  Deine  ©ebanfen  fo  tief!  (Ein  £f>öria> 
ter  glaubt  e£  nia)t,  unb  ein  9tarr  aa)tet  foIa)eS 
nta)t.  Der  £err  ift  ein  groger  ©Ott;  benn  in 
©einer  £anb  ift,  wag  bie^rbe  bringet  unb  bie 
£ö|jen  ber  23erge  finb  aua)  ©ein*  ©ein  tfi 
ba$  Sfleer,  unb  (£r  Ijat'ö  gemalt,  unb  ©eine 
£änbe  jjaben  ba3  grocfene  bereitet  Dir  £err 
ifi  Stiemanb  gleia);  Du  btft  groß  unb  Dein  Stfame 
ift  grog  unb  fannfi  e$  mit  ber  £ijat  beweis 
fem  2öer  foUte  Dicf>  nidjt  fürd)ten,  Du  tonig 
ber  Reiben?  Dir  folUe  man  ja  gefjora>en;  benn 
e$  ift  unter  allen  SBeifen  unb  in  äffen  töntg* 
reiben  beine^gleia)en  nia)t  jc*  tur$,  fte  vergeffen 
fia)  fefbft  über  ber  SWajeftöt  t£reö  ©otteö  unb  ftrecfcen  soff 
DemutJ:  ©ie£e,metne£age  ftnb  einer£anb  breit 
bei  Dir  unb  mein  %cbzn  ift  wie  nia)t$  vor  Dir/' 
©ie  ernennen  von  ^er^en,  bag  fte  in  ©Ott  (eben,  mbcn  unb 
ftnb ,  bag  fte  aus  ©einer  gütfe  Wit$  jwben ,  unb  auger  ©ei* 
ner  ©nabe  ma)t$  aU  ©Ratten  ftnb*  9lia)t^  ifi  in  tjjren  klugen 
grog,  af$  ©Ott  unb  ©eine  ©üte,  bie  @r  an  i^nen  erwei* 
jet*  SQBie  fte  2ltfe£  von  3N  Ijaben  unb  empfangen ,  fo  brin* 
gen  unb  opfern  fte  3£nt  Wt$  wieber*  ©ie  nennen  t£re  ®abm 
unb  ©üter  nia)t  t£r,  fonbern  ©otteS  (£igent£um;  fdjreiben 
e$  nia;t  fta)  fefbft  £u,  wenn  fte  etwaä  ©ute$  tpun,  unb  magen 
ftä)  bie  (££re  unb  ben  Sftufmt  barüber  niä)t  an,  eingeben!  ber 
SBorte:  „yiifyt  un£,  £err!  ni#t  un$,  fonbernDet* 
nem  tarnen  gib  (£j)re!"  ©e§t  tyntn  bie  2Beft  eine 
trone  auf,  fo  legen  fte  biefetbe  tjjrem  ©Ott  au  Pgen,  tteif 
fte  wiffen,  bag  fte  nur  SQSerfaeuge  ber  ©nabe  be$  £errn  ftnb 


1045 

unb  arme  ftfafte;  bie  ntc^tö  Jja&en,  als  tva^  fte  au$  ©einen 
©$d§en  nehmen,  2ßa6  fte  and)  Keiften  mögen  in  (Seinem 
2)ienfte,  ba$  bünft  ifmen  gering,  unb  fte  »erwunbern  fta)  oft 
barüber,  \x>k  ber  2lllerl?öa)fte  mit  einem  folgen  armfeligen  £ob, 
mit  einem  fo  fa)lea)ten  ©ebet,  mit  fo  wenig  ©euftern, 
unb  mit  einem  fo  geringen  SStllen ,  —  wefa)e$  alle£  au$ 
einem  fünblia)en  unb  elenben  ^er^en,  unb  x>on  fterbli* 
c^en  9ttenfa)en  ^errüjjrt,  aufrieben  fe$n  fönne?  ©ie  laffen 
fia)  mit  Altern  begnügen,  unb  erfüfmen  fta)  nia)t,  ben  Wmi* 
fen  in  ©einen  ©ertöten  unb  Segen  $u  meiftern,  tx>ett  fte 
woljl  wiffen,  baß  ©eine  2öei$f>eit  unb  £errlia)feit  über  Sitten 
ergaben  ift,  baß  ©eine  £Öege  gwar  verborgen  ftnb,  aber  nia)t 
böfe  feptt  fönnen,  unb  ba$  e3  bem  £j>on  mä)t  pf!efi>  mit 
bem  £öpfer,  bem  2öerf  niä)t,  mit  bem  Sfteifter  &n  fwbenu 
3{wen  ift  enblia)  nia)ts  31t  gering,  wenn  eS  nur  ^ur  (£f>re 
©otte£  gereicht;  fte  wollen  gerne  t>k  £j?üre  fyixttn  im  £aufe 
i^reö  ©otte£,  gerne  seraä)tet  unb  elenb  fetm,  wenn  nur  ©ott 
gepriefen  wirb,  ©ie  erwählen  freiwillig  bie  niebrigfte  ©teile. 
Wenn  fte  nur  in  berfelben  ©otie£  (£f>re  beförbern  f önnen ;  fte 
f  äffen  ftü)  tn13  tieffte  ©efängniß  werfen,  wenn  nur  ba$  SBerl 
be$  £>errn  *>on  (Btatttn  gept,  unb  <Bän  &an$  gebaut  wirb* 
b)  ©a)on  au£  bem  23ie$erigen  erhellt,  ba$  bk  ©laubigen 
fta)  fclbft  gering  fa)ä§en;  aber  wir  werben  noa)  weiter  fe£en, 
ba^  fte  fta)  aller  ©nabe  unb  ©aben  ©otteö  für  unwürbig 
galten,  unb  fta)  nid)t  haxän  gu  fmben  wiffen,  ba$  ijmen  ©ott  fo 
$iel  sor  manchem  Zubern  verleibt  ©ie  überleben  ffa)  aua) 
feiner  ©aben;  melmefjr  bünft  ijmen  alle  $unft,  %3tityät,  ©e* 
fa)icflia)feit,  (£j>re,  dläfyfyum,  33equemlia)feit,  Pflege,  viel  $u 
*>iel,  unb  maa)t  ity&m  me^r  gura)t,  af$  Hoffnung  ober  9^utlj, 
weil  fte  wijfen,  baß  man  befto  me£r  *>on  i^nen  forbert,  je  me£r 
ijmen  anvertraut  tf ,  unb  baß  auf  einem  großem  ©ute  aua) 
größere  Verantwortung  haftet  —  ©ie  fmb  mäßig  im  (£ffen 
unb  £rinfen,  unb  ftnb  anä)  mit  bem  ©eringften  aufrieben, 
wenn  nur  t£r  förper  feine  Gräfte  erhält,  um  ©ott  unb  bem 
9täa)ften  su  bienen*  ©ie  begehren  nia)t  »tele  unb  föftlia)e  ©e* 
ria)te,  fonbern  glauben,  fte  serbienen  nia)t  einmal  ba£  23rob, 
wela)e$  ©Ott  ifmen  barreia)t.  3j)re  Reibung  iß:  befa)eiben 
unb  gering,  unb  eS  ift  tlmen  2llle$  gut  genug,  ben  fünblia)en 
Ztti>  su  betfen,  ber  boa)  nur  (£rbe  unb  2ifa)e  ifh  —  (£rbe  ift 


1046 

(£rbe,  fpreä)en  fte,  mag  man  fie  mit  @ammt  ober  mit  einem 
©atf  bebetfen,  e$  ift  alfo  nic^t  nötljtg,  baß  man  bem  fünbli* 
$en  gleifa)e  x>id  Grjjre  antljut  2)aljer  fagt  Sanier:  „(£tn 
bemütfriger  9ttenfa)  fegt  fta)  nnter  ©oti  nnb  nnter  alle  frea* 
tnren,  5t^  nnter  ba£  geringfte  SMrmlein,  ba$  ©Ott  nie  fo  er? 
gürnt,  aber  aua)  nia)t  fo$iel  ©ute$  $on  Sjrnt  empfangen  Jftt/ 
alfer.  ^ober^emütlngeaucfjfepnmag,  wo  er  liegt  ober  ftgt, 
fiept  ober  gejrt,  ba  ^ält  er  fta)  aüe^ett  für  unwürbig ;  beim  er 
fä)reibt  fta)  niä)t  mej>r  au,  als  an  ij?m  tfi,  —  nämlia)  @ün* 
ben  unb  Mängel.  3a,  wenn  er  fta)  aua)  noa)  fo  fef?r  bemü* 
if>igt ,  fo  bünlt  es?  ifmi  immer  noa)  au  wenig —@:r  ift  bei  211* 
lern,  toa$  $u  feiner  9lotpbnrft  gehört,  mit  bem  geringen  £fjeil 
aufrieben,  anf  ben  fonft  9tfemanb  aa)tet.  28a3  -iftiemanb  fonft 
Wut,  nimmt  er  mit  greuben  an»  $fim  ift  nia)ts  ^n  fa)lea)t, 
unb  er  erfennt  fta)  aua)  beffen  für  unwürbig,  weil  er  baffelbe 
nia)t  an  ©Ott  tterbient  fyat,  noa)  Perbienen  fann."  ©o  mana> 
mal  ftgt  ein  ®otte3füra)tiger  feinem  ©tanbe  naa)  oben  an  ber 
£afel,  aber  in  feinem  ©emütjje  fegt  er  fta)  unten  an»  £>er 
ä)riftlia)e  £au$oater  ftgt  oft  mit  SBeib  unb  tinb  au  £ifo)e, 
unb  ift  überzeugt,  $>a$  $eine3  unter  Sitten  ber  ©aben  be3 
.£>erm  weniger  würbig  fe#,  al£  er,  weil  er  im  SBerfj&ltniß  au 
bem,  waö  i^m  gegeben,  ©Ott  am  wenigften  biene.  dx  läßt 
fta)  awar  $on  feinem  ©efinbe  bebienen ;  aber  er  aa)tet  baffelbe 
in  feinem  £eraen  pljer,  att  fta)  felbft,  unb  er  läßt  fta)  nur 

bienen,  redt  e£  fo  ber  SBiße  unb  ok  Slnorbnung  ©otteö  ift 

^ei  biefer  ©elegenfjeit  fann  ia)  einen  fa)5nen  3ug  »on 
einer  frommen  gürfiin  nia)t  unberührt  laffen,  weil  er  von 
wahrer  £)emutfj  ^eugt»  SDiefe  fajj  nämlia)  sur  3Bmter$jett 
buräy$  genfter,  wie  ok  dauern,  beren  @efta)t  t>on  ©uft  über* 
gogen  war ,  ^0X3  unb  torn  itfß  @a)loß  lieferten.  ,,2la) !  mein 
©Ott!  fpraa)  jte,  wa*3  Ijabe  ia)  2)ir  mel?r  gegeben,  al$  biefe 
armen  £eute  ?  SQBarum  muffen  jte  mir  unb  ben  Peinigen  auf 
fola)e  befa)werlia)e  Sßeife  bienen,  unb  wir  nia)t  ijmen?  — 
23lo$  weil  e$  2)ir  lükot  f>at,  un$  aur  £errfä)aft,  unb  fte  au 
$neo)ten  au  mao)en.  —  2Ba$  fann  ia)  25ir,  mein  ©Ott,  für 
tiefen  SSoraug  geben,  al$  baß  ia)  3)ir  um  fo  me£r  banfe? 
Unb  wa$  fann  ia)  tiefen  beuten  für  i£re  OTtfje  unb  Arbeit 
erftatten,  als  ^  ia)  fte  für  meine  TOtbrüber  in  ^prifio  er* 
fenne,  ijmen  gerne  t>km  unb  Jelfe,  wo  iä)  fann,  unb  für  fte 


1047 

Bete?  —  £>  3efu!  Jnlf  un6  zufammen  in  ben  $tntmel,  fo 
Witt  iä)  mia)  gerne  unter  Ute  dauern  unb  Bettler  mengen, 
unb  £)icf)  ewig  greifen  !"  —  23ei  tiefen  Porten  gingen  ipr 
bie  klugen  über*  — 

Um  aber  weiter  in  imferer  33efd)reibung  fortzufahren,  fo 
ftnb  bte  ©taubigen  hii  allen  i^ren  Verrichtungen,  welche  fte 
jur  (£pre  ©ottetf  unb  ^um  2)ienfte  be3  ^da)ften  tfmn ,  bem 
SBeinftocf  zu  vergleichen,  ber  feine  fd;önen  Trauben  mit  bia> 
tem,  breitem  §aub  verbedt,  ober  bem@eibenwurm,  ber  Mm 
(Spinnen  fid)  unter  feinem  SSerfe  verbirgt.  —  2)te  $inber 
©otte3  jutb  zwar  immer  tptig  im  ©utenv  boa)  fo  viel  mög* 
lia)  im  Verborgenen;  fte  Wolfen  bie  linfe  £)anb  nicf)t  wijfen 
laffen,  wa^  bie  recfjte  tfmt,  unb  benfen  oft  am  wenigften  an 
il;re  ©abeit  unh  guten  2Gerfe-  ©ie  gleiten  bem  SftofeS, 
welcher,  als  er  vom  25erge  fam,  wo  er  vierzig  £age  unb 
9Ma)te  mit  ©Ott  umgegangen  war,  nid?t  wußte,  bag  fein  %n* 
gefügt  glänzte,  unb  aU  tfm  Rubere  barauf  aufmerffam  maa> 
ten,  verhüllte  er  fein  2ütgeju&k  3a  mnn  man  manchmal  t>m 
©laubigen  tljre  SSo^lt^aten  |)erzä!)lt,  ober  ben  ^Jtu^en,  ben 
fte  fa)affen,  wenn  tlmen  Uämüm  tin  Danfbarer  ©otte£  reicf^ 
ltdje  Vergeltung  bafür  wünfa)t,  fo  gept  e3  ijjnen,  ix>k  etnft 
ber  Ataxia,  wela)e  über  t>k  Slnrebe  be3  Gmgelä  erfa)racf,  unb 
bei  fta)  baa)te:  wela)  ein  ©rüg  ift  $>a$%  —  21$,  benfen  fte, 
id)  armer  ©ünber,  wie  fomme  iä)  $u  folgern  ^ufmt?  2Ba$ 
Jwbe  ia)  getl;an,  ba£  fola)e3  Segens  unb  Qankö  wertj  tft? 
(Eben  biefe  ^enfart  aber  meint  and)  unfer  £>eilanb  in  ber 
©teile,  in  welcher  @r  fagt,  bag  bte  @erea)ien  am  grogen  ©e^ 
ria)t^tage,  wenn  (£r  if)re  QouttpätiQMt  rüfnne,  3|>m  antwor* 
ten  werben:  „^err!  wann  fjaben  wir  £)ta)  hungrig 
gefe^en,  unb  Ijaben  £)iä)  gefpeigt,  ober  burftig, 
unt>  £aben  £)ia)  getränft?"  2)iefe  guten  3ftenfa)en  wer* 
ben  fta)  z^ar  «*$  wo^  erinnern,  bag  fte  gurt>etlen  Firmen 
unb  ^cot^leibenben  ($utt$  traten;  aber  bag  lonnen  fte  fta) 
ma)t  vorteilen,  bag  fo  2Benige3  unb  @eringe3>  aW  fte  t^rer 
Meinung  naa)  traten,  von  gjm'fio  gerühmt  werbe,  al£  Jjätten 
fte  eS  3N  felbfi  erwiefen,  unb  bag  e£  am  ©eria)t$tage  etwa£ 
gelten  fotfe*  ©ie  fjaben  2llfe£ ,  m$  fie  traten ,  fo  petmlia) 
aU  moglia)  getrau,  unb  £aben  e$  felbft  für  gering  gehalten; 
mithin  fbnnen  fte  nta)t  begreifen,  bag  eö  im  Fimmel  fo  ^oa) 
angefa)tagen  fe^n  fott.  — 


1048 

(£nbli$  laffen  jtä)  tie  ©laubigen  gerne  erinnern  unb 
jlrafen,  tt>eil  fte  fefbft  in  2)emut!)  erlernten,  bag  fte  noa)  t>iele 
gejrter  unb  Mangel  an  fta)  j>aben+  — '  6te  erzürnen  fta)  aua) 
nia)t  leia)t  über  ein  Verfemen  be$  yiäfyftin  unb  wenn  er  tjfc 
nen  aua)  au  nal)e  tritt  mit  Sorten  unb  SBerfen,  3a  fte  laf* 
fen  fta)  gerne  *>eraa)ten,  unterbrütfen  unb  beleibigen;  benn 
erftlia)  benfen  fte,  wenn  e$  ijmen  aua)  noa)  fo  fä)limm  gef>e,  fo 
Ratten  fte  boa)  noa)  nte^r  aU  bieg  »erbient,  —  nämliä)  ewige 
©a)maa)  unb  $ein  in  ber  £olle*  gerner  wiffen  fte,  bag  fein 
©ift  fo  fa)äblia)  ift,  au$  bem  nia)t  eine  2lranei  bereitet  wer* 
ben  fann,  unb  bag  ben  gromnten  feine  ©a)maa),  feinUngtücf 
wiberfajjren  fann,  ba$  nia)t  ju  ijjrem  heften  bienen  mügie*  — 
Einige  Kräuter  waa)fen  am  beftot,  wenn  fte  zuweilen  nieber* 
getreten  werben,  unb  ba$  menfa)iia)e  £era  ift  nie  beffer  im 
@ Jriftentjmm ,  äi$  wenn  e$  bura)  ©ä)maa)  unb  Verfolgung 
barin  unterhatten  wirb*  2)arum  freuen  fta)  bemüi{nge  @ee= 
len,  wenn  fte  t>eraa)tet  unb  gefa)mä|?t  werben,  nia)t  nur,  mit 
ffe  e$  serbient $x  j>al>en  glauben,  fonbem  mit  ©Ott  iljnen 
babura)  ein  Mittel  aufa)itft,  tyx  fünbfta)e$  gleifa)  »or  (Stola 
unb  SSettliebe  au  bewahren,  unb  in  ber  £)emut£  a«  erhalten* 
—  Ueberbieg  feiert  fte  immer  auf  ©Ott  unb  feine1  Regierung. 
SÖenn  ein  ©imei  hinter  tjmen  I?er  flua)t  unb  fa)tlt,  fo  fprea)en 
fte:  „Saffet  i$n  fluten!  ber  £err  fyaVö  ij>n  ge£ei* 
gen  jc.  $ura !  fte  beweifen  fta)  aU  Wiener  ®otte£,  unb  aU 
gelaffene  Seelen  »od  £)emut£  in  £rübfalen,  in  üftotjjen,  in 
Slengften,  bura;  (£f>re  un'o  ©a)anbe,  bura)  bofe  unb  gute  @e* 
rüa)te. 

c)  3m  Umgang  mit  bem  9Ma)ften  aber  fiaben  bie  25e* 
mutagen  bie  23orfä)rift  be$  2l|>oftet£  $aulu£  ftet$  vox  klugen : 
„@tner  fomme  bem  2lnbern  mitßrjjrerbietung  %\u 
»or.  £raa)tet  nia)t  naa)  jjojjen  fingen,  fonbern 
galtet  eua)  herunter  auben  niebrigen»  2la)teeiner 
benSlnbern  f?ö£er,  aH  fia)  felbft  @in  Seber  fef>e 
nta)i  auf baS  ©eine,  fonbern  auf  ba$,  wa$  be$ 
5ln  b  e  r  n  i  ft  — aa)  ©egen  bie  £ö£ern  unb  $orgefe|ten  beaeugen 
fie  fitt)  untert^dnts,  geljorfam  unb  bienftwillig; 
benn  fte  ftnb  gerne  untertjan  aller  menfa)tia)en  Drbnung  um 
be£  £errn  willen,  unb  gej?ora)en  nia)t  mit  äßiberwillen  unb 
Durren,  fonbern  mit  fcfylUfcm,  willigem  £eraen,  mit  fte 


1049 

auf  ©Ott  fefjen,  ber  bem  ^dc^ften  ben  SBor^ug  wr  ifmett  ge* 
gönnt  £at,  unb  wiffen,  bag  eS  fixerer  ift,  ntebrig,  als 
£oci)  ^u  fep,  au  gel)ord)en,  als  $u  gebieten,  su  bleuen,  als 
ftä)  bleuen  $u  (äffen*  —  3ft  ber  33orgefe£te  auS  einem  ge* 
ringen  ©taube,  ift  er  feinem  2lmte  nia)t  »öltig  gewadjfen,  ober 
migbrauajt  er  feine  @r£o|mng,  fo  (äffen  fte  ftc^  babura;  nicfyt 
irre  machen,  weil  fte  Riffen,  bag  er  obne  ©otteS  2öillen  nid)t 
3u  feiner  2Bürbe  unb  di)xt  gefommen  ift  (2lud)  baS  (Mb 
fommt  ja  aus  ben  jtnftern  Klüften  bir  Grrbe  lje,wor  unb  wirb 
boa)  t>on  3ebermann  Jjoc$  gefaxt.)  3«igen  ft^>  geljler  frei 
tfjren  Dkm,  fo  bitten  fte  ©Ott  um  fo  mel?r,  bag  @r  ben; 
Mangel  berfelben  naa;  bem$Ma)tbum  ©einer  ©üte  erfe^en  unb 
altes  geljlerljafte  naa)  ©einer  unbegreiflichen  2BeiSj)eit  ^um 
heften  wenfcen  wolle.  3e  wunberlia)er  aber  tpre  Ferren  ffnb, 
bejto  me^r  (Gelegenheit  f?abenfte,  if>re@ebulb,  £)emutl?  unb 
©anftmutl?  &n  üben,  ©ie  gewönnen  fta)  naa)  unb  naa),  fo 
weit  eS  a)riftlia)  unb  rea)tltcf)  ift,  an  hk  £>enf*  unb  £anb* 
fungSweife  berfelben,  fua)en  fte  bura)  S03of?h>erfmlten  $u  ge* 
binnen  unb  bitten  ©Ott  für  fte  um  ©nabe; 

bbj  ©egen  i£reSg(eia)en  ftnb  fte  f  r  e  u  n  b  ( i  a)  unb  Ijer^ 
( i  fy.  ©ie  (äffen  alle  9ftenfä)en  ti?re  33itligfeit  unb  23ef$eiben* 
Jjett  füllen,  ©ie  grügen  unb  banfen  gerne;  fte  pören  3eben 
mit  ©anftmtttfj  unb  greunblia)fett  an,  unb  antworten  mit 
£tebe  unb  23efd?eibenj>eit,  (äffen  -ftiemanb  {>art  an,  fonbern 
reben  mit  Tillen ,  foiriel  mögliä) ,  wie  mit  SBrübern  unb  ©a)we* 
ftenu  TOiffen  fte  tabeln  unt>  ftrafen ,  fo  ftnb  i£re  ^eben  mit 
SöeiSlmt  gewürzt,  unb  bura)  bie  %kbt  gemägigt.  ©ie  geben 
im  Umgang  mit  bem  ^da)ften  überall  3u  ernennen,  bag  jte 
i^n  im  ^er^en  j)oa)aa)ten,  unb  als  einen  trüber  in  3efu 
lieben.  —  ©ie  befielen  aua)  nidjt  auf  i  j?rem  ©inne ,  unb  wol* 
len  nia)t  immer  ^ea)t  paben,  wie  bie  Stoljen  pflegen,  fon* 
bem  (äffen  fta)  gerne  belehren  unb  wiffen  nachzugeben,  fo  mit 
es  mit  gutem  ©ewiffen  fep  fann.  3&ver  9?äa)ften  gepler  unb 
Mangel  fe^en  fte  als  einen  ©piegel  iprer  eigenen  Mangel* 
Iwftigfeit  an,  unb  lernen  *>orjta)tig  unb  bejmtfam  fepn.  £>a£er 
*>eraa)ten  fte  aua;  -ftiemanb,  weil  fte  wo^l  wiffen,  bag  baS 
33öfe  ijmen  gleichfalls  im  $eraenftecft,  unb  bag  fi'e  ttor  feiner 
noa)  fo  grogen  ©ünbe  jtc^er  waren,  wenn  ©Ott  t>u  £anb 
$>on  i^nen  a^te^en  wollte.  —  Um  t)en  $orsug  unb  bie  oberfie 


1050 

©teile  ffretten  bte  Semütjngen  nia)t  täfyt  mit  Semanb ;  t>tm 
fte  achten, t^ren^d#en  £öf>er  im  «freien,  als  fta)  fetbfi,  unb 
gönnen  if>m  ba£er  ben  Vorrang  gerne*  ©te  wtffen  ja,  bag 
feine  ©teile  ben  9flenfa>n  beffer  nnb  angenehmer  *>or  ©ott 
maapt,  unb  ftreben  nur  barnaa),  ifjre  ©teile,  fte  fep  fo  ge* 
ring ,  als  fte  wolle ,  bura)  ©ottfeligfett  unb  £ugenb  au  gieren* 
©ie  laffen  fta),  tt>ic  jener 'fromme  prft  fagt,  gerne  hinter 
ben  Dfen  fe§en,  wenn  nur  (£twas  ©uteS  jur  C^Jrre  ©otteS 
unb  $um  allgemeinen  23eßen  baburtfc  bewirft  wirb.  —  3f>r 
eigenes  £ob  J>ören  fte  mit  28iberwi(len ,  baS  £ob  beS  9*äa)ften 
aber  mit  Suft;  unb  wenn  fte  su  beffen  Haltung  unb  23er^ 
meljrung  etwas  beitragen  fönnen ,  fo  tfmn  fte  eS  mit  freubigem 
£eraen.  dhm  fo  Reifen  fte  au$  feine  geiler  entfa)ulbigen, 
unb  becf en  fte  mit  bem  Hantel  ber  a)rtftlia)en  iHebe  au,  foweit 
eSbaS  ©ewijfen  anlägt»— 3ft  etwas  auSaufüfjren,  fo  übernehmen 
fte  gerne,  was  tk  meifte  Wtyt  foftet,  ben  wenigften  Dtupm 
unb  ben  geringften  £ojm  bringt»  ©ie  ftnb,  wie  bte  rechte 
£anb,  wela)e  bie  golbenen  ^inge  erwirbt,  unb  ber  Imfen 
bie  <£J?re  geftattet,  fte  au  tragen»  2>enn  fte  ftnb  serftajert, 
bag  baS,  was  in  ber  2Belt  am  wenigen  anerfannt  wirb, 
im  Fimmel  am  meiften  angefefjen  ift,  wenn  eS  a\i$  einem  glau* 
bigen,  gottergebenen  £erae;t  fommt» 

ccj  (£nblia)gelKn  bie£>emitt{>igen  mit  Qtuttn 
»on  geringerem  &tan$>t  liebreia)  um»  ©te  wiffen 
wojrt,  bag  in  ©ad)en  beS  (S£riftentjmmS  *>or  ©Ott  -ftiemanb 
einen  SSoraug  jmt.  «Sie  betrachten  ba^er  alle  i£re  Sftttdjriflen 
als  IBrüber  unb  ©c^weftern,  als  $ütber  (£tneS  SBaterS,  als 
©a)afe  (£ineS  Wirten  unb  ^iner  beerbe,  als  Sterben  ber 
©nabe  unb  ©eiigfeit»  —  ©ie  fönnen -ftiemanb  seraa)ten,  ben 
ber©o|m©otteS  fo  pofy  geachtet  $<xtf  bag@:r  tyn  mit  feinem 
23lut  erlöste,  ©epen  fte  einen  armen,  elenben,  verachteten 
3ftenfa)en,  fo  benfen  fte  an  t>k  2lrmutl?  unb  bte  üRtebrigfett 
tjjreS  (£rlöferS,  ber  naa)  ben  ^falmen  fpria)t:  „3$  bin 
ein  SSurm,  unb  fein  Sftenfa;,  ein  ©pott  ber  Sttutt 
unb  bie  $eraa)tung  beS  $olfS»"  ©ie  wiffen,  bag 
ber  £err  feine  $inber  auweilen  unter  Slrmutp  unb  (£lenb  »er? 
pullt,  xck  $>iz  Äaufleute  tyit  foftbarften  Sßaaren  in  groben 
£üa)ern  unb  hatten  au  verwahren  pflegen»  Slber  fte  erinnern 
fia;  aua) ,  bag  £aaaruS  aus  ber  2trmuti?  unb  bem  @lenb  aur 


1051 

{ummlifd)en  £errltü)feit  erhoben  würbe  unb  fiatt  ber  £unbe, 
bte  iimt  feine  ©efa)würe  käten,  ben  £>ieuft  ber  @:ngel,  fiatt 
be$  ©tro£e£  ,  auf  bem  er  lag ,  ben  ©a)oog  2lbrafjam3  er* 
langt  jwt  —  $ommt  ijmen  Seinanb  an  ©aben ,  (£injTa)t,  ©e* 
fa)itftia)feit,  (£J>re  unb  ©ütem  ntd)t  gleia) ,  fo  benfen  fte  baran, 
bag  fein  Unterfa)teb  ^wifajen  tjmen  tft,  aU  berjienige,  welchen 
©otte$  ^eiliger  S^atl?  unb  (Seine  ©nabe  gemattet  pat  ©ie 
benfen:  ©Ott  fyätte  2Ule$,  wa3  ta)  beftöe,  aua)  biefen  an* 
»ertrauen  tonnen,  unb  wer  weig,  ob  (£r  e$  nia)t  beffer  unb 
nü£lia)er  angelegt  pätte?  —  ©ie  begreifen  gar  wojjl,  bag 
bte  klugen,  fo  f>ell  unb  f>oa)  fte  aua;  ftnb,  boa)  bte  |>änbe 
unb  güge  nia)i  beraten  bürfen,  weil  fte  @ine3  i*etbe$  ©lie* 
ber  ftnb ,  unb  ben  ganzen  Körper  tragen  müffem  ©ie  wtffen, 
bagSftiemanb  bie  Ernten  unb  Grienben,  bte©eringen  unb  (£tn* 
faltigen  *>eraa)ten  unt>  beletbtgen  fann,  ofme  Sefum  augleia) 
3u  »erachten  unb  px  Irdnfen,  berjtä)  in  bie  klaffe  ber  Ernten 
unb  (£lenben  einfa)reiben  lieg*  —  ©ie  erinnern  fia)  aua)  alle* 
ytit  an  ij?re  ©terblta)!  eit ,  unb  wtffen,  bag  ber  ,  gob  Mz$ 
wieber  gleia)  maa)en  wirb,  wa£  @otte£  9Tat^  unb  ©a)ufung 
in  ber  Söelt  ungleia)  gemaa)t  {>at.  Unb  wenn  ba$  gleifa) 
#ol$  werben  Witt,  fo  galten  fte  jta)  paffenbe  ©teilen  ber  ©a)rift 
*>or,  wie  3.  33.  aus  bem  ©iraa):  „2Sa$  ergebt  fia)  bie 
arme  (£rbe  unb  2tfa)e?  3ft  ][a  boa;  ber^enfa)  nur 
ein  eitler,  fa)änblta)er  $otl),  fo  lang  er  lebt; 
wenn  er  aber  tobt  ift,  fo  freffen  tpn  bieSöürmer» 
Darum:  3e  fyffti&n  bift,  jie  meljr  Dia)  bem üt luge, 
{0  wirb  Dir  ber  £err  £olb  fepn!"  —  9toa)  ift  aber 
ju  bemerlen  übrig,  bag  bie  Demutfj  au$  einem  auf* 
richtigen,  lautern^eraen  fommen  mug*  Dajjer  fagt 
unfer  £eilaub:  G£x  fep  »on£er$en  bemütjjig,  nia)t  bloS 
naa)  bem  ©a)etn  ober  mit  SBorten.  dv  Ijatte  nia)t  notjng  ge* 
jjabt,  augug  in^ne^geftaltum^eraugejen,  bie  (£ngel  hätten 
3£n  auf  ben  Rauben  getragen ,  unb  (£r  fyätte  fta)  ftets  fo  in 
»oller  Sttajeftcit  jetgen  fönnen,  wie  bort  bü  ©einer  Perfid* 
rung*  (£r  l^dtte  nia)t  nötfng  gehabt,  bag  3£m  Slnbere  ttxoaö 
gegeben  Ratten,  (£r,  ber  £err  be$  £immelS  unb  ber  (£rbe, 
fyätte  ja  ben  Sollen  gebieten  fönnen,  bag  fte  2ftanna  regnen* 
(£r  Jjätte  ben  9?aben  ober  ben  Engeln  befehlen  fönnen,  t>a^ 
fte  ©peife  bringen  follten,  wie  e^emal^  bem  95rop£eten  SKa 


1052 

£>tegelfen  unb  Klüfte  ber@rbe  Ratten  fta)  eröffnet,  unb3j)m 
i!?re  Schafe  vor  bte  güfte  gelegt  :c*  (Ex  Ijätte  nia)t  nöt^ig 
gehabt,  fta)  gu  ermüben,  <£r  war  ja  bte  ewige  iftraft,  bte 
2WeS  trägt  mit  i£rem  fräftigen  2öorte,  unb  eS  ging  fo  viel 
ihraft  von  3|>m  auS,  bag  allerlei  Traufe  babura)  geftärft 
Würben*  (Ex  J>ätte  nia)t  nötjng  &e$abtf  von  ©einen  getnben 
etwas  31t  leiben;  benn  (£r  J>at  gezeigt,  was  er  vermochte,  als 
er  bort  im  ©arten  eine  gange  ©ä)aar  bewaffneter ,  bie  3{m 
gefangen  nehmen  wollten,  mit  (Einem  SSort  gu  JBoben  warf. 
3a,  al$  (£r  am  $reug  verfa)ieb,  gerrig  ber  SBorpang  im 
£empel,  bte(£rbe  erbebte  unb  bie  gelfen  gerfprangen  jc»  2)oa) 
@r  erniebrigte  jta)  freiwillig,  entäugerte  fta)  ©einer  £o|>eit, 
unb  wollte,  auger  ber  ©ünbe,  uns  fa)waa)en  ©terblia)en  in 
Slllem  gleta)  warben,  wie  (£r  benn  aua)  alles  (£lenb  unb  alle 
©a)waa)J?eiten  biefeS  traurigen  Gebens  aus  ^rfa^rung  fennen 
lernte,  (Ex  war  ber  eingebowe  ©o{m  ©otteS  unb  nannte  ©iä) 
boa)  meiftenS  beS  #enfa)en  ©ofm ,  als  fua)e  er  eine  (£i?re 
barin,  aus  £tebe  gu  ben  SDtofa)en  ein  Sttenfa)  geworben  gu 
fepn*  *£r ,  ber  ^eilige  unb  ©erea)te ,  lieg  fta)  fa)mä£en  unb 
iäftern;  (£r  war  voll  göttlicher  SBeiSfiett  unb  geigte  fta)  als 
einen  fa)lia)ten  Stoffen,  begab  ©ia)  aller  £errtta)feit,  unb 
erwählte  hie  fiebrig! ett ,  bte  ©ä)maa) ,  baS  $reug ,  ben  £ob, 
ofme  von  3emanb  gezwungen  kgu  werben,  fonbern  aus  j?erg* 
lta)er  23egterbe,  bie  2J?enfa)en  gu  erlöfen,  unb  auS  fretwil* 
liger  £emutj>,  um  ben  ©iolg  ber  s3ftenfa)en,  —  biefeS2Berf 
beS  ©atanS,  abgubügen.  i)arum  fonnte  (Ex  in  2Baf>r/?eit 
fagen:  (Ex  fep  von  bergen  bemüt^tg.—  (Eint  folö)e  £erg* 
Ua)e,  aufrichtige,  freiwillige  Denuttl?  wirb  nun  aua) 
von  uns  geforbert*  2Btr  follen  um  @£rtftt  willen  hie  fiebrig* 
feit  erwählen,  wenn  wir  aua)  £oj)ett  unb  £errlta;fett  fyaben 
fonnen,  follen  ntdjt  bloS  gum©a)ein,  fonbern  von©runb  beS 
£ergenS  bemüt^ig  fepn  unb  gwar  im  ©lue!  tt>ie  im  Unglücf, 
in  2lrmutJ>  unb  ^etc^tjmm,  in  greube  unh  %eio,  im  £eben  unb 
©terbem  —  33et  manchem  ^enfa)en  ftnbet  ft'a)  eine  unbeftänbige, 
falfa)eunb^offärtigei)emut^  9ttana)er  tft  bemütfng  vor  hen 
Renten;  aber  niä)t  vor  ©Ott  Wlantyex  ift  gebemüt^igt; 
aber  nia)t  bemüt^ig*  9ttana)em  fej>lt  es  nur  an  ©nt,  nia)t 
an  Wlufy ;  2ttana)er  verbirgt  unter  einem  gerriffenen  Meibe 
ein  ftolgeS  unb  frea)eS  £ers*    Wianfyen  3tofa)en  maa)t  baS 


1053 

Unglütf  unb  bte  2lrmut£  bemütpig,  nia)t  aber  GtyrtfK  ©etfl: 
unb  <5inn*  SStelfe  ftnb  bemütfjtg  gegen  £>of>e  unb  ©roge,  be* 
fonberg,  wenn  fte  aug  t£rer  ©unf*  9tu0en  au  stehen  wtffen; 
tl)re3gleia)en  aber ,  »on  benen  fte  niä)t$  au  jjoffen  paben,  be* 
fonberö  ©ertnge  unb  Slrme,  t>eraa)ten  fte*  33iete  ftnb  bemütyig, 
fo  lange  man  naa)  t£rem  (Sinne  lebt  unb  ipnen  fa)meia)elt; 
trttt  man  tljnen  aber  im  ©ertngften  au  nape,  fo  getQt  fta)  gar 
batb  ber  ©tola  ifjreS  £eraen$*  —  SBiele  enblia)  f*ellen  fta) 
blo$  bemütljtg,  weil  fte  wiffen,  bag  ber  <5tola  allenthalben 
»erjagt,  bie  Semutlj  bagegen  btikht  ifti  fte  brausen  alfo 
bie  eble  Semu$  als  5OTtttet ,  um  (£{>re  unb  Slnfepen  au  er* 
fd)letä)en*  —  £ui£er  fagt  barüber:  „9ttan  ftnbet  $iele,  bte 
Söaffer  in  ben  S3runnen  tragen ,  Cffe  motten  fta)  felbft  bemütfrig 
machen  unb  bafür  gehalten  fepiu)  Sag  ftnb,  bie  fta)  mit  ge* 
ringen  Kleibern,  ©eberben,  2Borten,@itten unb  bergt  fMen, 
boa)  nur  in  ber  Meinung,  bag  fte  babura)  x>ox  ben  £oljen, 
^eiajen,  ^eiligen,  j[a  aua)  »or  ©Ott  aU  fola)e  angefeljen 
werben,  bte  gerne  mit  geringen  Singen  umgeben*  Senn  wenn 
fte  witgten,  bag  man  nia)t$  batton  palten  wollte,  fo  würben 
fte  eS  wo pl  unterlagen*  Sag  ift  aber  eine  g  e  m  a  a)  t  e  Semutp ; 
benn  ipr  fa)alff>afte$  Sluge  fiept  nur  auf  ben  2opn  unb  bie 
golge  ber  Semutp;  ben  Sttunb,  t>\t  £anb,  bag  $letb  unb 
tk  ©eberben  galten  fte  in  geringen  Singen*  Sag  £era  aber 
ftept  über  fta)  au  popen  unb  grogen  Singen,  woau  eg  buro) 
ein  fo  beinütpigeg  33lenbwerf  au  kommen  gebenft  unb  fola)e 
9ftenfo)en  galten  fta)  felbft  für  bemütpige  unb  peilige  $cutt  jc* 
£)  eg  liegt  gar  groger  £oa)mutp  unter  ben  bemütpigen  $lci* 
bern,  SBorten  unb  ©eberben,  t>on  benen  bieSQSelt  \t§t  »oll  tjh 
Sie  fta)  felbjl  alfo  t>eraä)ten,  bag  fte  boa)  von  3ebermann 
um>eraa)tet  fe^n  wollen ,  welä)e  W  (£pre  fo  fliegen ,  bag  fte 
boa)  bawn  »erfolgt  fon  wollen,  wela)e  pope  Singe  meiben, 
bamit  man  fte  greife  unb  ipre  ©aa)e  nia)t  bie  geringfte  fe^n 
Haffe*  —  „Pieper  gehört  aua)  bag,  wag  ber  banaler  ©erfon 
»on  einer  grau  eraäplt,  bie  fta)  alg  23ügerin  in  eine  ftnftere 
3elle  einfperren  lieg,  um  für  ipre  ©ünben  genug  au  tpmu 
dinc  $?agb  reichte  ipr  *>on  3>tit  yx  3ett  buro)  ein  genfter  bte 
nötige  Speife.  SStele  %zvl\i  befua)ten  fte  tpeilg  aug  $orwtg, 
ipetlg  aug  2lnbaä)t,  tpeilg  aug  bleiben.  Unterbejfen  fag 
fte  in  tprer  3elle~  mit  ,niebergefa)lagenen  Slugen  unb  fagte  mit 


1054 

leifer  unb  fläglio)er  ©timme,  unter  6ä)luo)aen,  teuften  unb 
SBetnen:  fte  fep  eine  groge  ©ünberin  unb  nio)t  wert£  ba$ 
£age$lia)t  gu  feljen  :c*  Siegljorte  bie3D?agb  öftere  mit  an* 
%U  nun  einft  i*eute  lamen  unb  fragten ,  xva$  ijjre  grau  maa)e,  — 
antwortete  fte :  gegenwärtig  ru£e  fte  ein  wenig*  Sa  biefe  nun 
weiter  in  bie  Sftagb  orangen,  unb  $on  iljr  wiffen  wollten, 
xotö  benn  eigentlich  $on  ifjrer  grau  au  galten  fep ,  —  erwies 
berte  jene:  tprer  Meinung  naa)  fe^e  biefelbe  eine  »on  ben 
größten  ©ünberinnen,  bie  \t  auf  (£rben  gewefen  fepen.  Sie 
grau,  welche  biefem  ©efpräa)  aw&örte,  f  prang  wie  rafenb 
auf  unb  rief:  bn  lügft,  33eftie,  iä)  bin  ein  eprlid)e9,  fromme^ 
SBeib*  2lä),  fagte  bie  £tf  agb ,  ereifert  eua)  nia)t  fo  feljr,  ia) 
meinte,  e$  fepe  wa£r,  weil  3£r  ja  felbjt  fo  oft  x>on  euren  sielen 
©ünben  gefproa)en  fyaht"  ©omit  betätigte  (ia;,  w$  ber  fromme 
Sauler  fagt:  „(£$  gibt  Seute,  bie  fta)  felbjt  t>eraa)ten  unb 
x>or2lnbern  fagen,  fte  fe^en^unber;  aber  fte  würben  e$  fejjr 
übel  nehmen,  wenn  ein  Sinberer  bieg  *>on  ilmen  fagte,  unb 
barauS  ftejjt  man  leia)t,  bag  e$  palbe  £offart  tfh"  @ine 
fola)e  falfa)e ,  felbftgemaa)te  unb  jtolae  Semut£  aber  ift  fä)lim* 
mer,  al3  alle  öffentliche  £offart;  benn  biefe  getc^t  fta)  als 
frag,  was  fte  ift,  jene  bagegen  will  Semitt£  fepn,  unb  ift 
x>ox  ©Ott  um  fo  £äglia)er,  je  me£r  fte  fta)  $u  gieren  unb  au 
verbergen  fua)t*  Sie  waljre  Semutj?  jiammt  »om  Fimmel, 
»on  ©otteS  ©nabe  unb  ®etfi,  fte  fommt  auö  (Sfwifto  3efu, 
ber  son  bergen  bemütjng  ift ,  unb  t>k  (Seelen ,  in  welchen  Grr 
wo{mt,  bemütjig  maa)t*  ©ie  beginnt  im^eqen,  unb  erftrectt 
fta)  auf  bie  2Borte,  ©eberben,  SÖSerfe,  Reibung,  unb  wo 
e$  fonjt  notl?  ift*  ©ie  fann  üt  Söa^eit  fagen:  „£err! 
mein  £er$  ift  nia)t  j^offärtig,  unb  meine  klugen 
finb  nia)t  ft 0X5 ,  i^  wanble  nia)t  in  grogen  Sin* 
gen,  t>it  mir  $u  j>oa)  finb*"  — ©ie  bleibt  arm  mitten  im 
$eia)tlmm  unb  niebrig,  wenn  fte  erlf>ö£t  wirb,  ©ie  Ijält  nia)t$ 
x>on  fta)  felbft,  unb  wunbert  fta),  wenn  Rubere  fte  i>oa)fa)ä§en, 
al$  ob  ttm$  SSefonbereS  unb©roge$  an  tljr  wäre*  din  leeret 
©efäg  fa)wimmt  oben,  ein  sollet  aber  ftnft  auf  ben  $oben, 
aua)  wenn  ba$  2öaffer  noa)  fo  tief  ift*  (Ben  fo  tterfenft  fta) 
ein  bemütj>ige$  £era  in  fein  9tta)t$,  wenn  ba3  ©lud  aua) 
noa)  fo  grog  ijt*  (£3  Ijält  fta)  unter  allen  Umftänben  au  bm 
gügen  feines  bemütjn'gen  (£rlöfer£  unb  Hägt  ff$  bura)  Sieb' 


1055 

mtb  £eib,  bura)  £oben  unb  Säftern  nifyt  bavon  abbringen* 
(B  tft  vergnügter  in  ber  9ftebrtgfeit,  als  in  pojjem  2lnfeljen; 
unb  beftnbet  fta)  Keffer,  wenn  e$  veraltet,  al$  wenn  eg  {>er* 
vorgewogen  wirb.  Die  Demutlj  ölet*4>t  bem  2Iuge,  welä)e$ 
2llle$  ftefjt,  nur  fta)  felbft  nia)t.  Die  reä)te  Demutlj  wetg 
nic^t,  bag  fte  bemütl)tg  ift ;  benn  wenn  fte  e&  wügte,  fo  würbe 
fte  poX^  barauf  werben»  ©te  £ält  fl$  nur  ^geringen  Din* 
gen  unb  jjat  biefelbe  oljne  Unterlag  im  Sluge;  ebenbaper  fann 
fte  fta)  felbft  niä)t  feljen,  unb  e£  gefdjieljt  fo  jjäuftg,  bag  ijjr 
mtverfeJjens  @bre  wiberfäfwt.  ©te  wirb  .wtber  23ermut|?ett 
erf>o£t;  benn  fte  lägt  fta)  an  tljrem  geringen  Söefen  genügen, 
unb  benft  an  feine  ßrr^opung*  Die  fälfa)lia)  Demütigen 
aber  wunbem  ftct)  barüber,  bag  tyxt  ^öjung  fo  lange  auö* 
bleibt.  3£r  |>eimliä)er  falfa)er  £oä)mut£  tft  mit  bem  geringen 
SBefen  nta)t  aufrieben,  fonbern  benft  fta)  immer  po£er  unb  £bl)er* 

2lnwettt>ung> 

I.  2ötr  wenben  uns  nun  ^um  ©ebrauo)  biefer  &J>re  unb 
[teilen  naa)  berfelben  billig  eine  Prüfung  unfereö  ©laubenS 
unb  unfers  ganzen  ߣriftentjj>um$  an,  —  3£r  werbet,  meine 
Triften,  mt  ify  jioffe,  überzeugt  fe^n,  baß  ber  ©laubige,  ber 
in  ber  ©emeinfä)aft  mit  3^fu  ftel?t,  not$>Wenbig  bemütjng  fepn 
müge,  weil  ber  £eilanb,  ber  felbft  fo  bemitt|rig  war,  in  feinem 
flogen  ^er^en  wohnen  fann.  Wlitfyn  fönnet  i£r  barauö  leia)t 
ableiten,  ob  Gtyriftuä  in  eua),  unb  ob  euer  ©laube  unb  euer 
Gtyrtftentpum  rechter  5lrt  fep  ?  2So  man  fta)  ber  Demut£  nia)t 
befleißt,  unb  wo  man  in  fo  vielen  S^ren  von  feinem  (£rlo* 
fer  noa)  nia)t  gelernt  f>at;  fta)  gegen  ©Ott  unb  S#enfa)en  von 
bergen  bemütjug  31t  bezeugen,  ba  mug  eS  fa)lea)t  mit  bem 
(££rtjknt!mm  fielen,  ba  gept  eS  ojme  3wetfel  auf  |)eua)elet 
unb  ©ia)er|>ett  £mau£;  benn  wer  ߣrtjH  ©eift  unb  ©inn 
nia)t  fyat,  ber  ift  nia)t  ©ein*  Die  weltlichen  £errfa)er  friert 
auf  fwljen  Simonen,  p  welchen  man  einige  ©tufen  £inanfiei* 
gen  müg;  bem  ^önig  aller  Könige  aber  gefällt  ein  mebriger 
©i#,  —  ein  bemütjngeS  £era+  Die  ©nabengaben  ©otteS 
ftrömen  au3ber£ol)e  in  bte  £tefe,  unb  fua)en  —  wie  ba$  2öaf* 
fer  bie  £|>äler  —  niebrige  £eraen  unb  bemütljige  ©eelen*  — 
3efu$  ift  bie  SBeteljeit,  aber  nia)t  benen,  bie  fta)  felbft  weife 
bünfen,  unb  poprtig  ftnb  in  ifjrem  ©inn,  fonbern  benen,  bie 


1056 

aöe  $re  2Bei$£ett  tn  ©einer  <£rfenntntg,  in  ber  ©a)maä)  ©ei* 
ne$  $reu$e$  unb  £obe$  fua)em  —  dx  ijt  bte  ©erea)tigfeit, 
aber  nta)t  für  bie,  wela)e  fta)  felbft  ergeben  unb  für  fromm 
Ratten,  unb  Rubere  neben  fta)  »erachten,  fonbern  für  bie  bug* 
fertigen,  aerfa)lagenen  unb  bemütjngen  ^er^em  —  @r  ift  an 
©a)a§,  aber  nia)t  für  bte  9?eia)en,  fonbern  für  bte  Firmen  im 
©eifie*  —  @r  ift  eine  ©abe  @otte$,  bte  aüen  9ttenfa)en  $um 
$t\l  gefa)enft  ift;  boa)  nur  fola)e  geniegen  biefetbe,  mla)t  i^ 
ren  Mangel  in  2)emut|>  erfennen,  unb  auger  biefer  gütte  *>on  fei* 
nembejfern  9?eia)tjmm  etwaö  wijfen*  ßur^,  hk  £)emutlj  mug  2In* 
fang,  Wttcl  unb  (£nbe  be$  £{n:tfta{mm$  fep,  fonft  gleia)t 
fte  einer  SBhtme,  bie  me£r  Slnfepen  aU  ©erua)  unb  $raft  £at, 
unb  ^u  nia)t£  5lnberm  taucht,  aU  bag  fte  eine  3eitlang 
prangt  unb  naa)£er  wieber  »ergebt 

prüfet  eud)  alfo,  t£r  dpxiften,  aber  grünbtia)  unb  ber$Ka), 
ob  if>r  wirftiä)  bemütijig  fepb,  ober  ob  i£r  wenigftenS  täglia) 
$u  3efu  in  bte  Schüfe  gefrt,  um  eua)  in  ber  2)emut!?  $u  üben? 
graget  t\x^t  wie  ij?r  eua)  gegen  ©Ott,  gegen  eua;  felbft,  unb 
gegen  ben  9täa)ften  bezeuget?  Huf  wela)e  Sßeife  erfreutet  iljr 
»or  bem  atfmää)tigen  ©Ott  ?  2Sie  ift  euer  £er$  befa)affen,  wenn 
tyx  ©eine  Sftajeftät,  ©eine  £errliä)fett,  ©eine  2Wmaa)t,  2ßei^ 
l^ett,   £etftgfeit,   ©üte  unb  ©erea)tigfeit  betrachtet?    $äbt 
tyx  aua)  fa)on  in  ©einer  ©egenwart  einen  ^eiligen  ©a)au* 
ber  ber  (jjrfurcfct    empfunben?   $aht  ijr  aua;  fa)on  »or 
3pm  mit  aufrichtigem  £ersen  eure  9h'a)ttgfeit  befannt?  £)en* 
fet  tyx  mit  gura)t  unb  Sittexn  an  ©eine  £errlia)feit  unb  eure 
■iftia)tigfeit,  an  ©eine  2lttmaa)t  unb  eure  £)fwmaä)t,  an  ©eine 
!S3et^^ett  unb  eure  ££or£eit,   an  ©eine  23ottfommen£eit  unb 
eure  Untüa)tigfeitV   2Bie  bezeuget  i£r  eua)  im  &chtt  unb  bei 
^eiligen  £anblungen  *>or  bem  majeftättfa)en  ©Ott  ?  2öte  fiöret 
i£r  ®än  2Bort,  wie  aa)tet  euer  £er$  ©eine  ©ebote  ?  2öte  fü* 
get  tpr  eua)  in  ©eine  ©a)icfungen  unb  ©eria)te,  unb  wie  fepb 
tjr  mit  ©einen  unerforfa)Iia)en,  boa)  guten  unb  ^eiligen  2Be* 
gen  aufrieben  ?  3f*  euer  £er$  babei  Ieia)tftnnig  ober  anbäa)ttg, 
jta)er  unb  forgloS,  ober  fura)tfam  unb  »orjta)tig,  frea)  unb 
ungebulbig,  ober  ftiü,  gebulbig  unb  bemüt^ig  ?  —  2luf  wela)e 
SÖBeife  fraget  i£r  eua)  felb|i?  2öie  Reibet  i£r  eua),  xx>k  $aU 
Ut  tyx  e^  im  (JEjfen  unb  ^rinfen  unb  mit  ber  übrigen  SSer* 
Regung?  3f*  eua)  t>k  ^infaa)peit  unb  tk  ©emuttj  eureö  ^et^ 


1057 

ianm  lieber  att  bte  93raä)t  unb  <£itel£eit  ber  SBeft?  hattet 
tj>r  eua)  für  unwürbig  aller  23armf>ersigfeit,  aller  ©aben  unb 
©üter  ©otteS,  bte  il?r  tciglia)  gsnteget,  ober  fielet  il?r  in  ber 
Meinung,  Mt$,  m$  t|>r  jjabt  unb  gemeget,  fty  für  eure  $er* 
fon  angerichtet,  unb  tjjr  werbet  in  ber  2Belt  nia)t  naa)  Sür* 
ben  beljanbelt?  —  2öte  wenbet  i£r  bte  ©aben  beS  £öa)ften 
an,  bte  dv  eua)  yerlie^en  £at,  —  att  euer  ßrigentljmm,  ober  al$ 
©ein  von  3£m  eua)  anvertrautet  ®ui%  Sem  fa)reibet  iljr 
ben  ©ewinn  gu,  ben  t£r  bamit 'erwerbet?  £eget  if?r  benfelben 
eua)  felbft,  ober  eurem  ©ott  bei?  Sem  eignet  tpr  bie  (£I)re 
^u,  bie  ijjr  von  eurer  Seifert,  23erebtfamfett,  ®efa)icflia)fett 
fjäbt,  —  eua)  felbfi/ober  eurem  ©Ott?  —  Sie  betraget  i£r 
eua)  enblia)  gegen  eitern  ^täajften  ?  Sünfa)et  i£r,  bag  3eber* 
mann  eua)  untert^an  fep,  ober  wollet  il?r  lieber  bem  £erm 
3efu  unb  ©einen  ^eiligen  untertfjan  fe^n?  Sollet  tl?r  lieber 
bienen,  ober  eua)  bienen  Haffen  ?  2lä)tet  tljr  eua)  ljö{>er,  äi$ 
iUnbere,  ober  gelten  btefer  eua)  mef?r?  2öie  (äffet  ij)r  eua)  von 
euern  $orgefe£ten  regieren?  ©e^b  t£r  unterbau  mit  willigem 
bergen  um  be$  £errn  willen,  ober  wollet  ipr  lieber  alle  53anbe 
be$  ©eI?orfamS  $erreigen,  unb  lieber  £errfa)en,  al£  ge£ora)en  ? 
—  Sie  betraget  if>r  eua)  im  Umgang  mit  anbern  3ftenfa)en  ? 
©e^b  il>r  unfreunblia)  ober  freunblia),  freä)  ober  fanftmütfrig, 
Jjart  ober  gelinb  ?  C15ebet  i£r  gerne  naa),  wenn  eS  mit  gutem 
©ewijfen  gefa)ejen  fann,  ober  wollet  i£r  immer  9?eä)t  paben? 
©eratljet  ij?r  leia)t  in  3^rn,  wenn  bem  9täa)jkn  ein  Sort 
entfährt,  baS  nia)t  fo  böfe  gemeint  ifi,  ober  beutet  i^r  ipnt 
2llle$  gum  heften?—  Sie  be^anbelt  i£r  ben  ©ermgcrn,  t>m 
dürftigen  unb  Ernten?  teufet  tf)r  öftere  baran,  bag  aua) 
unter  einem  ^erriffenen  $leib,  unb  in  einem  fteä)en,  ungeftalte* 
ten  &ibz  eine  ©eele  verborgen  ift,  bk  ber  ©ojm  ©otte$  mit 
©einem  23lut  erlauft  f>at?  -  23etraa)tet  i£r  aua)  biestigen, 
wela)e  bte  veraa)ietfte  unb  fa)werfte  Arbeit  verrieten,  aU  $RiU 
genoffen  be£  SßerbienfteS  3efa  unb  als  Sterben  ber  ©eligfeit? 
— -  Siffet  i£r  euer  Slnfefjen  $u  behaupten,  oljne  bie  %khz  unb 
2)emutj>  ^u  vergeffen?  ®taubä  i£r,  bag  eine  geringe  50?agb 
bei  ©ott  oft  in  grogerer  ©nabe  ftejjt,  aU  eine  reta)e  grau? 
galtet  tf>r  bafür,  bag  in  ber  3ltra)e,  M  ber  verfammelten 
©emeinbe,  unter  ben  ©eringften  <£iner  fe^n  fann,  ber  t$  viel* 
feia)t  eua)  unb  vielen  anbern  im  ©lauben  unb  in  ber  ©Ott* 


1058 

feligfeit  auvortjui?  ©ebet  tyx  e£  su,  bag,  wenn  au$  elenbe 
unb  fünbige  Steffen  mit  eu#  junt  ^tifc^e  be£  £errn  ge£en, 
tj»r  boa)  vielleia)t  m  t>m  klugen  ®otte3  bie  Unwürbigften  imb 
©eringften  fe^b? 

D  «)ie  wenige  (Sjmjta  unferer  £age  werben  in  biefer 
Prüfung  ^epej^en !  2Öte  SBiele  rühmen  fta)  beg  23erbienße3 
3efu,  Ijören  <Sein  2Bort,  unb  geniegen  ©ein  $benbma|l;  aber 
fte  Ijaben  von  3j)m  noa)  ntc^t  gelernt,  K>a$  ba£  fjeige,  von 
#eraen  bemütjng  fe^n!  £>ie  je^ige  SBelt  weiß  faß  nia)t 
mepr,  tt)a^  £emutp  ift ;  baS  2öort  awar  fennet  fi'e ,  aber  t>k 
23ebeutung  bejfelben  t>erfte^t  unb  hmtiöt  fte  nta)t.  9ttan  ftn= 
het  überall  ftolae ,  aufgeblafene  unb  freäje  Stoffen ;  aber  wo 
ftnb  t>k  fiebrigen  unb  •Demütfn'gen  ?  £>a$  £erablaffenbe,  be* 
müßige  unb  einfache  $tben  3efu  wirb  von  fielen  x>erad^tet ; 
benn ,  m$  ma)t  prangen  unb  prallen  will  ober  fann ,  ba$ 
bient  ber  SBelt  aum  ©pott*  —  3efu3  ruft:  „kernet  von 
mir,  3a;  bin  von  £>er£en  bemütlHg;"  ber  ©atan 
aber  fagt :  lernet  von  mir,  i$  bin  von  £eqen  £offärtig*  Ur* 
tljetlet  nun  felbft,  meine  3n|>örer,  wem  t>k  SSelt  meljr  @e£or 
fa)enft,  unb  bei  wem  fte  am  fleigigften  in  bie©ä)ule  geljtV  — 
£>er  Teufel  Ijat  awar,  att  er  unfere  ©tammeltern  anm  Unge* 
£orfam  gegen  ©ott  verleitete,  biefen  hk  £ojfart,  aU  feine 
eigene  ifmt  befonber^  liebe  £ugenb  ins  £>era  gepflanzt,  baljer 
biefer  ©a)langenfaamcn  leiber  in  allen  £eraen  ftetft;  allein  au 
unfern  Seiten  fann  man  fagen,  bag  berfelbe  gana  nao;  feinem 
SSillen,  unge£tnbert  foi'twaajfe,  blitze  un\>  grüßte  trage,  weil 
M&  mit  ^rfua)t,  ?5raa)t,  Zkbc  unb  Ueppigfeit  erfüllt  ift 
—  IBebenfet  bajjer,  meine  ©fjrifien,  bag  nää)ft  bem  ©lauben 
bie  l>öä;fte  unb  nöt^tgfte  Uebung  be3  (SfmftentjjutnS  in  ber 
9taä)folge  (grifft,  unb  in  ber  2lejmlta)feit  unfereS  £eben$  mit 
©einem  ^eiligen  Seben  lt$t$L  ©ein  erfieS  ©ewanb  in  biefer 
Sßelt,  t>a$  (£r  aua)  U$  %u  ©einem  £obe  nia>t  ablegte,  war 
bie  £>emut^  SOßenn  wir  aber  in  unfern  £agen  rea)tfa)affene 
Gtijrtften  nampaft  maajen  foHten,  an  weisen  ber  lautere,  be* 
mütjjige  Sinn  iljreS  (£rlöferS  in  ©eberben,  Sorten,  Werfen, 
©Uten  unb  Reibung,  fura  in  ifjrem  ganaen  Sßanbel,  wa£rau* 
nehmen  fe^n  follte,  wie  viele  ber  5lrt  würben  wir  wo£l  fin* 
ben?  -*-  D  wk  gering  ift  ber  prete würbige  ©Ott  in  ben  Singen 
fcer  jefcigen  2Belt!  Sößte  wenig  betrautet  man  <®tm  unbegreif* 


1059 

lio)e  9#aa)t,  2Bet$£ett,  ©eret^ttgfett,  £ettigfeit  nnb  Allwiffen* 
^ett!  SHSte  Sßentge  fürchten  ©eine  3wngeri$te!  Wlit  $ttti)t 
fann  man  wm  tynm  fageiu  „©er  ©ottlofe  ift  fo  ftol$ 
unt>  ^ornig,  baß  er  naa)  -iftiemanb  fragt,  in  allen 
feinen  Süden  ijdlt  er  ©ott  für  3M#t&"  —  2öie 
leicfytfmnig  ift  man  Jjeutautage  bei  ^eiligen  £>anblungen,  beim 
©otteäbtenft,  in  ber  23eta)ie,  beim  ®tbct  :e.,  äl$  fyätk  man 
e$  nta)t  mit  bem  ma)(eftdtifa)en  ©ott  $u  tjmnl  ©ie  3ugenb 
wirb  nia)t  me£r  ernftlia)  aur  ©otteefura;t  angeleitet,  and)  nta)t 
me£r  mit  9?aä)brucf  r>on  ©einer  Attwiffenjjeit ,  Allgegenwart, 
£eüigfeit  unb  ©erea)tigfeit  belehrt;  bajjer  wiffen  bie  SSenig* 
ften,  wie  man  fta)  unter  ©otte£  gewaltige  #anb  bemütfrigen 
folL  ©er  roj>e  Raufen  lebt  in  ©ia)erl)eit  ba£in  unb  glaubt, 
©Ott  fepe  im  Fimmel  unb  befümmere  fta)  nia)t  xn'el  um  bte 
Angelegenheiten  ber  5ftenfa)en.  ©arau$  entfielt  t>k  58eraa> 
tung  ©otte$,  g*e#eit,  £oa)mut£  unb  gre$el;  Seber  will  fein 
eigener  £err,  unb  in  feinen  lüften  unbeftt)ränft  fep;  Seber 
will  fetber  grog  unb  £errlia),  geehrt  unb  gefüra)tet  fepn,  ofme 
bem  A(lerf>0a)ften  t>k  (£f?re  au  geben*  —  ©laubet  nia)t,  meine 
3uf>örer,  ba§  ta)  au  *riel  fage,  betraa)tet  nur  ba£  2Befen  ber 
/ewigen  SBelt,  unb  $ergleia)et  es  mit  bem  Söorte  ©otteö,  unb 
t£r  werbet  me^r  ft'nben,  aU  ij>r  meinet.  23etraa)tet  aber  aua) 
bie  große  lieppigfeit  unferer  3?ür  fa  welcher  t>a$  ©ia)ien  unb 
£racbten  ber  2D?enfa)en  nur  bajnn  gerietet  ift,  baß  fte  einen 
SSorjug  wx  Zubern  J)aben  mögen.  D  tvk  grog  bünft  fta) 
ein  3eber  in  feinem  ©mn,  unb  \vk  x>eräa)tlia)  blitft  er  gewöjn* 
lia)  auf  feinen  -ftdajften,  befonber^  auf  t)m  Armen  unb  ^ien= 
ben  f>erab !  ©a  muß  bie  Metbuna,,  bie  Söojmung,  $>tö  $au& 
gerade,  bte  SBebiemmg,  fura  Alles,  glänzen,  unb  follte  man 
an^  t>k  Soften  $on  ben  Unglütflia)cn  unb  Armen  erpreffen 
unb  bura)  taufenb  anbere  Mittel  aufbringen  muffen.  —  ©a 
ift  nia)ts,  aU  Unfreunblia)fett  unb  $eraa)tung,  3anf  unb 
Sötberfpruä),  Ungefjorfam  un'o  ^utywillen,  ©a)impfen  unb 
©gelten.  2>alb  §n$t  eS:  was  will  ber  ober  bte,  m$  frage 
ta)  naa)  einem  fola)en  $?enfa)en,  warum  follte  ta)  f|>m  weia)en  ?  ic. 
—  Ferren  unb  grauen  wiffen  ipr  ©efmbe  feiten  mit  greunb* 
lia)feit  unb  ©emutf>  au  regieren,  unb  hä  bem  geringen  2kr* 
geijen  wirft  man  mit  ©a)impfworten  aller  Art  um  fta) ,  mit 
©onner  unb  33li^    ©abur^i  aber  werben  t>k  £eraen  nia)t 

67* 


1060 

gebelfert,  fonbertt  erbittert,  ba$  ©efmbe  wirb  wiberfpenßig 
unb  serßocft*  — (£benfo  ift  bte  ttrdje  ©otteS  je#t  anrufe  Jen, 
fte  gleist  einem  fcerwttberten  2Icfer,  ber  mit  2)tßern  unb  £)or* 
nen  bewarfen  tf*.  Leiber  ftejt  man  überall  ba.$  SBtfb  be$ 
©atang :  ©tof$,  £offart,  <£Jrgei$,  einen  fredjen  unb  jjalößar* 
rigen  ©inn,  unb  man  fann  faum  über  bte  ©trage  gejen,  ojne 
bag  ttwa$  9le$nK$e$  »orfommt*  23on  bem  SBtfbe  beö  bemü* 
feigen  unb  fanftmütjigen  (£r(ofer$  aber  weig  faß  9tfemanb 
ttm$  au  fagen*  Tlan  Jjäft  bit  ßrrmajnung  be$  2lpoßet$: 
„Xxafyttitiityt  nad)Jo£en£)ingen,  fonbern  Jaf* 
ttt  tuä)  herunter  $u  ben  niebrtgen!"  für  eine  Zfyox* 
$tit;  unb  e^  wäre  ber  2Beft  leib,  wenn  fte  ftdj  siel  barum 
befümmem  mügte*  —  S3einaje  Jätt  man  bie  £offart  unb  bte 
(EJrfucJt  für  eine  £ugenb,  wenigßenS  iß  fte  fo  allgemein,  bag 
felbß  t>k  ©laubigen,  hie  ein  Jer^litje^  Verlangen  paben,  3efu 
nachfolgen,  ben  ©dtfangenfaamen  in  ß$  unb  in  Slnbern  nur 
mit  Wltye  erFennen  unb  ft$  x>cx  bemfelben  jmten  fönnen* 

2)arum,  meine  Sieben,  muffen  wir  ung  beßreben,  t>on  £er* 
gen  bemütjtg  gu  femt,  wenn  wir  ni$t  geßejen  motten,  bag 
wir  *xm  ber  wahren  ©emeinfejaft  mit  3efu  unb  <oon  ©einem 
Zeitigen  gottli^en  Sehen  no$  weit  entfernt  ßnb*  —  2Sa$  £ilft 
es,  bag  wir  un£  Q#rtßi  mit  bem  5)hmbe  rüjmten,  unb  3!m 
unfern  £erm  unb  heißer  nennen,  wenn  wir  yii$t$  t>on  3jmt 
lernen,  unb  3N  tu$t  nachfolgen  wollen?  2Ba£  Jtfft  e$,  ben 
bemütjigen  3efu£  im  SDhmbe,  in  SSücJern  unb  in  ©itbern, 
aber  ben  Teufel  im  £er$en  gu  Jaben?  2Ba$  nü£t  e$,  @f?rtß 
gu  Jeigen,  unb  x>on  djrißi  A?eben  unb  ©inn  9ttcbt$  gu  wijfen  ? 
<£in  ßo^er  (SJriß,  ein  weiger  5fto£r,  ein  acuter  SQSolf  unb 
ein  frommer  teufet  gehören  in  (£me  klaffe.  Unb  wer  an  fte* 
<$eS,  ßol$e$  unb  Joc^mütJigeS  £er$  $at,  unb  boef)  meint,  er 
fep  ein  guter  (SJriß,  weit  er  #ix  $trd?e  unb  $um  5lbenbmajl 
öefjt,  ber  betrügt  ß$  felbß,  unb  wirb,  wenn  er  mit  tiefer 
©eßnnung  ßtrbt,  einß  bie  SOSorte  »ernennten:  „3$  fyabe 
eud)  nocfynteerfaunt;  weichet  son  Wtix,  ijrllebek 
tjäter!  benn  wer  fi#  felbß  erfjöjjet,  ber  wirb  er* 
niebriget,  unt>  wer  ficj  felbß  erniebriget,  ber 
wirb  erjöjet  werben."  —  ©o  entfliege  ftd)  bem? 
na$  3eber  wr  ©Ott,  mit  wem  er  eS  in  3utaft  galten  will. 
Sluf  ber  einen  Seite  iß  3efu$  ber  SßeUJeilanb,  ber  ftd^>  bt^ 


1061 

3um  £ob  am  $reu$e  erniebrigt  f>at,  mit  bem  armfeltgett  unb 
bemütjn'gen  £äu(Tem  ©einer  ©laubigen*  (£r  legte  ben  ©runb 
3u  ©einem  peiltgen  $or!jaben  in  bie  £tefe,  unb  füj)rt  eS  bte 
in  bie£ö£e  be-S  £immet6  lmtau$*  —  Sluf  ber  anbern  ©eite  tji 
ber  £eufel  mit  feinen  jlotgen  >  eptfüajtigen ,  eigenlieoigen  unb 
aufgeblafenen  @otte^eräa)tem.  ©te  fmb,  wie  ber  D^aua), 
ber  bie  £öjje  fuc^t,  beim  ©tetgen  aber  wgefjt  unb  x>erfa;win* 
tch  Bit  bauen  auf  ©anb,  unb  wenn  ©Ott  fte  £eimfua)t,  fo 
ftür^t  %\it$  aufammen,  tyxt  (£j)re  wirb  au  ©a)anben,  unb  ijjr 
@nbe  ifi  bie  SSerbammnig.  —  2luf  ber  einen  ©eite  ift  ©otteS 
©nabe  unb  greunbfa)aft,  auf  ber  anbern  ©ein  3orn  unb  ©eine 
geinbfdjaft,  naty  bem  2lu3fpruä)  be$  2lpoftel£ :  „@  o  1 1  w  i  b  e  t* 
fteljt  ben  £offärtigen,  ttn  2)emütHgen  aber 
gibt  dx  ©nabe*"  Erbietet,  fo  au  fagen,  ©eine  ganje 
9ttaa)t  auf  wibsr  ben  fielen  unb  f>od;müt£igen  Raufen,  unb 
$at  allen  ©einen  ©efa)öpfen  ten  33efe£l  gegeben,  bag  fte  fta) 
ben  £offärtigen  unb  Uebermütjngen  wiberfegen  follen.  dage- 
gen gtegt  (£r  ©nabe,*  ©egen  unb  £eben  in  vollem  Sttaag  über 
bie  2>emütf>igen  au£,  befielt  ©einen  Engeln,  tljre  Wiener  su 
fep,  unb  fte  auf  ben  £änben  au  tragen*  dx  l?at  alten  ©e* 
fa)öpfen  geboten,  ijjre  Gräfte  unb  ©aben  t>m  fiebrigen  ju 
gügen  au  legen,  fo  bag  feine  ©nabe,  fein  wahrer  ©egen  unb 
fein  reä)te3  ©IM  au  ftnben  tjt,  auger  bei  ben  2)emütfugen.  - 
2$a3  wiltft  bu  alfo  fepn,  o  $?enfa)  ?  ©otteS  greunb  ober 
geinb?  SBiltjt  bu  ©nabe  ober  Ungnabe?  Söitlft  bu  noa)  tan* 
ger  ftola  unb  poprtig  fep  in  beinern  ©inn?  Soljlan,  fo 
begegne  bem  aüwenben  ©Ott,  ber  ©ict)  mit  alter  Wlatyt  wiber 
bia)  fe#t,  unb  nia)t  rufjen  wirb,  \>i$  dx  beuten  £od;mutt)  ge* 
bemüßigt,  unb  beine  @bre  in  ben  ©taub  gelegt  |jat!  D 
tn  armer  Surm,  bu  elenbeä  ©efa)opf,  wie  magft  tn  $>offär* 
tig  fepn  unb  tia)  ©Ott  wiberfegen?  <£ine  einzige  Wlixdt  ober 
eine  SBefpe  ift  j[a  im  ©tanbe,  bia)  au$  ber  gaffung  au  bringen 
ober  bir  §u  fa)aben,  wenn  ©ott  will*—  2113  SBetfpiet  mag  bie 
©efa)ia)te  son  jienem  rua)lofen  ©panier  bienen,  ber  faft  feine 
ganje  fyaabz  bura)  ba$  ©piel  verloren  fatt?.  2113  er  nun 
ben  legten  SBurf  tjmn  wollte,  M  er  ©Ott  um  ©lücf;  weil 
u)m  aber  baffelbe  nia)t  günftig  war,  fam  er  auger  fta)  *>or 
3orn,  rannte  naa)  £aufe,  legte  feine  2öaffen  an,  fe§te  fta;  au 
$ferb,  unb  eilte  auf  ben  Sttarftptaa*  £>ort  rief  er  am;  wer 


1062 

fortan  htyaupttn  wolle ,  bag  ein  ®M  fep,  ber  folle  eS  mit 
ipm  aufnehmen;  benn  er  gebenfe  e$  mit  bewaffneter  Sauft  aufc 
anfechten,  bag  fein  ©ort  fep*  —  3ur  33eftrafung  tiefet  £äfte* 
rer£  lieg  ber  £err  fein  geuer  vom  £tmmel  falten,  aucf>  gebot 
(£r  ber  (£rbe  nia)t,  ifm  ju  verklingen,  no^  fanbte  er  reigenbe 
£J>iere  über  ilm,  um  feinen  ©tola  -$u  bemütpigen,  fonbern  (£r 
bebtenie  \i§  bagu.nur  einer  $3efy>e,  welche  in  ben  £etm  be3 
Verwegenen  einbrang  unb  tyn  fo  in  bie  (£nge  trieb,  bag  er 
befennen  mugte :  es  fep  du  (Bett.  —  Wlevht  bieg,  fyx  [tollen 
$?enfa)enfmber,  unb  lernet  barauS,  »>te  f^nett  ber.Slttmäc^ttge 
mit  euef)  £>fmmctd)ttgen  fertig  wirb*  graget  m&)  aber  auef?, 
^ob  tpr  ferner  ber  £offart  nad^ängen  unb  euef)  ben  2l(lerj>öc^ 
pen  ^um  geinbe  machen  wollet?  teufet  an  bte  SBorte  ber 
©d)rift:  „©er  £err  wirb  bae  $au^  ber  £offärti* 
gen  aerbrec^en*  din  ft  o  l  a  e  3  £>  e  r  a  i  fl:  bem  £  e  r  r  n 
ein  ©reuel,  unb  e£  wirb  nid)t  ungeftraft  bleiben, 
wenn  fief)  gleid?  2llle  aneinanber  gangem  ©er 
Jperr  ijat  jeberaett  ben  £>oa;mut!?  au  ©Rauben 
gemacht,  unb  enblia)  geftürat/'— üfterf würbig  ift  no$, 
tag  ber  £err,  wenn  (£r  «Seinen  $ne$t  £tob  belehren  will, 
bag  er  tu  gering  fep,  3{m  in  ©einen  ©ertöten  unb  2Begen 
au  metftern,  unter  ©einen  perrtic^en  £f>aten  au$  biefe  aufführt : 
i,©ag  @r  ©ewalt  übe  mit  ©einem^lrm,  unb  aer* 
ftreue,  bie  1?  off  artig  finb  in  tljreä  £  er  aen$©inn*" 
<§*  fprid;t  au  £>iob :  „©treue  au$  beinen3orn,  fdjaue 
an  tic  ^oc^müt  Jigen,  wo  fie  finb,  unb^euge  fie, 
5Derf$arre  fie  miteinanber  in  bie^rbe,  unb  »er* 
fenfe  ijjre  $raä)t  in13  Verborgene!7'  ©ieg  befidttßt 
ft$  bura)  viele  33eifpiele  ber  ©cf)r ift:  an  33i?arao,  Sftebufab* 
neaar,  2lntioa)u£,  £erobe3  u»  a*  <£benfo  beaeugt  e$  bk  (£x* 
fajirung  aller  Seiten,  bag  bie  ©tolaen  unb  @{)rfüä)ttgen  am 
(£nbe  ©dmtaa)  unb  Verachtung  ^um  £ofm  Iwben ,  bie  ©emü> 
tfugen  bagegen,  bie  ifjre  eigene  (£f>re  ni$t  fuc^en,  oft  unver* 
{wfft  au  @l;ren  gelangen.— „2B  o  ©tola  ift/  fagt  ©atomo, 
t>a  ift  aud?  6^4"  £aman  wollte  immer  Jjöjjer  fteigen, 
unb  fanb  autelt  bie  J?öd?fie  ©tufe  feiner  @f?re ,  am  ©algen. 
3$  rebe  £ier  nid)t  einmal  von  ber  ewigen  ©#madj  unb  ©$anbe, 
t>k  aule^t  alle  ftolaen  £eraen  treffen  wirb ,  t>a  jteber  <&ä)xitt, 
ben  fie  in  bie  £öf>e  au  tjwn  meinen,  fte  tiefer  unb  tiefer  aur 
£ol(e  füjjrt* 


1063 

SOBeg  alfo  mit  allem  $w$mtify  l  Raffet  unä  sielmeljr  wil- 
lig unb  frof?liü)  bie  üftiebrtgfett  3efu  erwägen !  tetne  anbern 
©tufen  führen  ^u  ber  rechten  Sptyt,  aU  bte,  welche  3efuS  be* 
treten ,  unb  mit  (Seinem  33luti  be$eia)net  pÄt*  £>iefe  jtnb ♦ 
2irmutl?,  23eraa)tung ,  Selbftserläugnung,  $erfa)mäf?ung  ber 
eiteln  @f?re  ber  SBelt,  bie  ©nfalt,  $>&$  treu$,  ber  ©ejiorfam 
gegen  ©Ott,  bie  2)ienfiwilfigfeit  gegen  ben  ;iftebenmenfa)en* 
So  laffet  un3  nun  gerne  bemüijngen  unter  hk  gewaltige  #anb 
©otte£,  tamit  &x  uns?  erf?öfi>e  §u  (einer  3tit+  Raffet  un£  wie 
bie  33äume  tief  wuqeln,  in  ber  -üRiebrtgfeit  @prifti,  wenn  wir 
bie  red;ie  £of>eit  erreia)en  wollen*  Raffet  un$  mit  3efu,  in 
ber  Slrmutf),  in  ber  23erad)lung  unb  im  $reu$  aufrieben  fepn, 
weil  wir  wiffen,  bog  ber  2iu3gang  mit  3N  fr  ftyn  wirb, 
wie  ber  ©ngang  mit  3fwt  war»— ®(eia)wie  ba3  SBai^enfom 
feinen  fa)onen  £alm  txäUn  unb  fta)  gum  Fimmel  rieten 
fann,  wenn  e$  m'a)t  unter  Ut  Gtrbe  $erfa)arrt  wirb  unb  ftirbt, 
fo  fann  unfer  #er£  bem  2illerf>öa)ften  nia)t  gefallen,  wenn 
e£  nidjt  in  bie  Stfiebrigfeit  (grifft  serfenft  wirb,  unb  in  ty* 
gleia)fam  erftirbt* 

II.  23ei  biefer  Gelegenheit  fann  ia)  nia)t  um fyin  Ue 
£)emutf>  m§  in  £infta)t  auf  bie  Meibung  gu  empfehlen,  unb 
$or  übertriebener  $raa)t  unb  lleppigfeit  31t  warnen*  £)emt 
leiber  ift  e£  barin  in  unfern  gagen  faft  auf  bag  £oä)fte  ge* 
fommen,  unb  wenn  £ut£er  bie  tleibung  feiner  Seit  iauttv 
fa)recflia)e,  übernatürliche  SSunbe?  ber  legten, 
unfeligen  unb  böfen  2Belt  genannt  l?at,  fo  möa)te  ia) 
wiffen ,  wag  er  je#t  fagen  würbe ,  wenn  er  über  unfere  »er* 
fa)iebenen  Sftoben  urteilen  foltte  V  2D?an  barf  e£  unjireitig  un= 
ter  W  gerechten  ©eria)te  ©otteS  itykn,  welche  über  bie 
Unbanf  barfeit  ber  jegigen  SBelt  ergeben,  t>a$  e£  mit  i£r  ba* 
jrin  gefommen  tjl,  baff  fte  fta)  »on  einer  leta)tfmnigen  unb 
fa)lauen  Nation  (ben  gransofen)  fo  verleiten  laffet,  ba$  fte 
ein  -ftarrenfleib  naa)  bem  anbern  anlegt,  unb  einen  ^ug, 
ben  fte  x>ov  einigen  Monaten  für  fa)on  gehalten  jwt,  naa)f?er 
wieber  ablegt  unb  »erwirft*  pr  eiteln  Sa)mucf  gibt  Wlan* 
a)er  fein  Vermögen  J?in,  unb  btxauht  fta)  babura)  ber  $OTitteX, 
bie  @£re  ©otteä,  $>a$  allgemeine  SBefte  unb  bie  2Boljlfaj>rt 
ber  Seinigen  p  beförbem.  —  £)iefe  &i)orj?eit  £at  aber  noa) 
fa)limmere  golgen,  an  bie  ber  i?eia)tfinnige  nia)t  einmal  benft; 


1064    * 

bemt  wir  geben  baburo)  ben  geinten  bie  33anbe  in  bte  £änbe, 

mit  welken  fie  uns  in  bie  ©flaverei  bringen  tonnen*  —  Wlix 

tft  e$  unbegreifliä) ,  wie'  eine  folä)e  greube  an  ber  Eitel!  eit, 

eine  folä>  Regierte  ber  Sßelt  ju  gefallen  ,   eine  folä>e  Seit* 

ünb  ©elbverfa;wenbung  mit  bem  wagten  Efjriftentljum  befte* 

pen  fann*    3a)  fef)e  aua)  niä)t  ein,  wie  fta)  eine  fola)e  llep* 

Jngfeit  mit  bem  bemiitjngen  £eben  3efu,  ttttt  ber  ^reu^igung 

be3    gleifa)e$,    unb  mit  ber  ©elbfiverläugnung   vereinigen 

lägt,    233te  mag  man  biefe  $raa)tltebe  gegen  folgenbe  flare 

2tefprüa)e  in  ber  jjeil*  ©a)rift  vertijeibigen :  „Darum,  baf? 

bte  £öa)ter  3ion^  fo  ftols  ftnb,  fpria)t  ber  £>err, 

unb    gejjen  mit    aufgerichtetem  £alfe,    mit  ge* 

fa)minftem  2Ingefia)t,  treten  einfjer,  unb  wtffen 

nia)t,  wie  fie  fia)  vor  £oa)mut  jj  gieren  unb  geber* 

ben  follen,  unb  tragen  föftlia)e  @a)uf)e  an  i^ren 

güßen,  fo  wirb  ber#err  ben@a)eüel  ber£oa)ter 

3ion  fa£l  madjen,  unb  i£r  ©efä)meibe  wegnelj* 

nehmen*    Er  wirb  J?eimfua)en  Sille,  hie  ein  frem* 

be$$leib  tragen,"  (infremben£raa)lenunbnatt)  frember 

Sttobe  ge^en)*  „©teilet  euä)  nia)t  bief er  2Selt  gleia), 

fonbern  veränbert  eua)  bura)  Erneuerung  eure$ 

@inne3*    ÖHknn  tj>r  ja  eine  Skränberung  unb  Neuerung 

fyäbtn  wollet ,  fo  feipb  auf  Erneuerung  eures  £er£en3,  auf  2len* 

berung  eures  @inne3  bebaa)t    Denn  fo  oft  aua)  bie  2Gelt 

bie  Sftobe  dnbert,     bleibt  fie  boefj  immer  fteifa)lta)  geftnnt; 

fte  ift,   wie  ein  weifer  Wlcrnn  fagte^   ben  ©anlangen  gleia), 

wela)e  oft  bie  £aut  wea)feln,  unb  boa)  @a)iangen  bleiben*}" 

3iel?et  an  ben  £errn  3efum  E^rtftum  unb  war* 

tet  beäSeibeS,  boä)  alfo,  bafi  er  niä)t  geil  werbe* 

(Der  &ib  mug  ^war  feinen  not^wenbigen  Unterhalt  unb  feine 

Kleiber  £aben;  boa)  foll  man  in  allen  Dingen  Sttaag  galten 

unb  $lfe$  foll  naa)  ©otleS  SOBort  unb  Tillen  pr  23eförbe* 

rung  unb  mä)t  $ur  ^erbinberung  ber  wahren  ©ottfeligfeit  ge* 

fa)e£enO  DieSöeiber  f ollen  in  £ierlitt)em  (anftänbi? 

gern)  bleibe-  mit  ©a)aamuab3ua)t  fia)  fa; müden, 

ntä)t  mit  3 o!pf en  ober  ©olb,  ober  perlen,  ober 

föfilia)em  ©ewanb,  fonbern  wte  ftays  ^iemt  ben 

SOBeibern,  bte  ba  ©ottfeltgf  eit  hewtiU^  bura) 

gute  äßerfe.    Die  Leiber  follen  alfo  wanbeln, 


1065 

beiß  tue,  tue  ntd)t  glauben  an  ba$  28ort,  bura) 
ber2öetber2Banbeto|>ne2Sort  gewonnen  wer 
fcen."  25ie  SSeiber  foilen  alfo  bura)  tl?ren  feufa)en,  bemütfri* 
gen,  ehrbaren  nnb  gottseligen  Söanbet  von  bev  $raft  be$  ©tau* 
benä  sengen,  unb  wie  t5{e  Männer  bura)$  2öort,  fo  foilen  fte 
bura)  ein  fjeiligeS  £eben  t>k  Ungläubigen  unb  Unbufjfertigen 
gewinnen  Reifen*  3P*  <£a)mucf  foll  nia)t  au^wenbig 
fev;n  mit  £aar  fleä)ten,  ©olbumfjdngen  ober 
JHeiberanlegen,  fonbern  ber  verborgene  9ttenfa) 
be£  ^er^eng  unverrüdi  mit  fanftem  unb  jtiltem 
©eifU,  $>a$  ift  föfttia)  vor  © o 1 U  —  £>arau$  erhellt 
beuüiü),  ba$  aller  ©a)mucf,  ber  gur  £offart,  $ur  weltlichen 
$raa)t  mit  £intanfe£ung  ber  gura)t  ©otte£  unb  ber  Hebung 
ber  ©ottfeligfeit  $um  Slergernig  be3  -ftdajjten,  angelegt  wirb, 
»on  ©ott  emftlia)  verboten  fep*  9ftitfn'n  gehört  bie  groge 
Ueppigfeit  unb  ^teiber^raa)t  unferer  gage  unter  bte  Sßerfe 
be3  gleifd)e£,  ja  unter  bie  9&§e  be£  £eufel£,  in  benen  er 
manage  (Beete  gefangen  I?dlt>  2)iefe  ©ünbe  aber  ift  um  fo 
gefährlicher,  weil  fte  fo  allgemein  ift,  ba$  fte  faß  9?iemanb 
tnejjr  für  ©ünbe  £dlt.  3a,  bk  2)?etften  fi'nb  berfelben  fo  fepr 
ergeben,  ba$  fte  fta)  Weber  bura)  bie  wohlgemeinten  Sßarnun* 
gen  tjirer  £e£rer,  noa)  bura)  ba£  Verbot  ber  £>brigfeit,  noa) 
bura)  tjjren  eigenen,  unwieberbringtia)en  ©djaben  bavon  ab- 
galten tajfen»  —  2)iefe  ©imbe  ift  aber  bie  Butter  vieler  an* 
bern;  benn  e£  ft'nbet  fte?)  babti  23eraa)tung  ©otteä,  unb  ein 
ftot5er,  frea)er  Sinn,  ber  vor  bem  grogen,  ^eiligen  unb  gerea> 
im  ©ott ,  vor  welchem  ber  Sftenfa)  öftere  auf  feinem  Slmge* 
fia)t  liegen  follte,  ungefd;eut  prallen  unb  prangen  will.  2>er 
armfetige  3efu£  in  feiner  tiefen  (Erniebrigung  wirb  verfpottei, 
al$  (£mer,  ber  nia)t  gewugt  jjabe,  bk  äöelt  fta)  ^u  sJlu%tn 
3U  maa)en ;  ba£  fünbige  gletf^,  welä)e£  man  mit  feinen  lüften 
unb  SBegierben  freudigen  follte,  wirb  in  feiner  33o$j?eit  gefMrft, 
unb  sunt  £)ienfte  ©otte£  verbroffen  unb  untüchtig  gemacht 
SBiele  foftbare  Seit,  weta)e  man  $ur  Hebung  in  ber  ©ottfeltg* 
feit,  $ur  Prüfung  be$  ®ewiffen$,  $ur  23uge,  ^um  ®cbüf  ^um 
£obe  ©otteg  anwenben  follte,  wirb  unnü£  $ugebraa)t,  unb  von 
t>tn  ©ütern ,  t>k  un$  anvertraut  jtnb ,  von  benen  wir  etnft 
fa)were  ^ea)enfa)aft  abzulegen  J>aben,  wirb  SSiele^  ver.fa)wen* 
M   unb  übel  angelegt*    2)er  Sttenfa)  maa)t  fta)  felbft  aum 


1 06  6_ 

Abgott,  wirb  eigenliebig,  verachtet  neben  ftä)  tte  bürfitgen 
©lieber  (grifft,  unb  serfä)liegt  fein  £er$  gegen  ÜtftU 
ben*  @r  maa)t  fta)  fein  ©ewiffen  über  eine  Ungerea> 
tigfeit  unb  einen  unerlaubten  ©ewinn ,  wenn  er  nur  $)liu 
tel  £at,  feine  $raa)tliebe  fort$ufe£en.  üx  wirb  immer  tnefjr 
ffeifa)liä)  geftnnt,  gewinnt  bk  $StÜ  tfon  Sag  gu  Sag  lieber, 
unb  fyat  fosiel  mit  feiner  ©telfeit  su  tlntn,  bag  er  an  ben 
Fimmel  unb  an  tk  @wigfeit  nia)t  benfen  fann.  $ur§,  ber 
Ijfetötfbfg  ift  wie  ba£  @t>j>eu,  ba£  fia)  an  einen  SBaum  fjcmgt, 
unb  bemfelben  $raft  unb  ©aft  benimmt,  bag  er  r>erborren 
mug.— 3a)  Ijabe  nie  eine  $raft  be£  ©laubeng  unb  be$  i£rä 
ftentlmmS  Ui  üppigen  2Seltgö#en  gefunben,  unb  e$  ifi  aua) 
fein  äöunber;  benn  wo  ber  äugere  SDtafa)  fo  gut  gehalten 
wirb,  ba  tjt  ber  innere  Sftenfä)  meiftenS  in  einem  fa)fea)ten 
3uftanbe»  £Ber  ber  SSelt  gefallen  will,  fann  nia)t  aua)  bafür 
forgen,  \x>k  er  bem  £errn  gefalle;  w  ba£  gleifa)  j)errfä)t, 
ba  fann  ber  ©eift  nia)t  l?errfa)en,  unb  wo  ber  $raa)iteufel 
feinen  ©ig  fyat,  wie  fann  ba  ber  bemüt|)ige  3efuS  wopnen? 
2)a£er  fommt  eg  aua),  bag  in  unfern  Sagen  faft  nirgenb^ 
mefrr  bae  wajire  $ema)riftentimm  gu  ftnben  ift;  ben  ©a)ein 
£aben  bte  tote  wo£l,  aber  bie  $raft  »erlaugnen  jte.  $flan 
möa)te  ben  3ujlanb  unferer  ®ira)e  mit  einem  3Bai£en* 
acfer  vergleichen,  ber  mit  allerlei  bunten  Blumen  bewarfen 
ift,  aber  wenig  gute  grua)t  l)at  $Jlan  fte£t  $mx  bie  ßfjrijtot 
an  ©onn*  unbgejltagen  mit  allerlei  Jjofengarben  unb  ptäa> 
tigen  Kleibern  prangen;  aber  aä)  'cok  bünn  f*e£en  bie  rea)ten 
äBat$enäij>ren ,  bk  neuen  Kreaturen  in  (Ejmjto!  £)ie  2£elt 
meint  ^war,  biefeg  J>abe  nia)t  fo  siel  ^u  bebeuten,  unb  bk  $raa)t* 
liebe  fcp  ma)t  Innberlia)  am  wahren  @£riftentlmm ,  weg^alb 
jte  fia)  aua)  fe£r  barüber  wunbert,  wenn  treue  ^rebiger  ba* 
gegen  eifern,  weil  man  tjjrer  Meinung  naa)  jtä)  nun  einmal 
an  bk  ©aa)e  gewönnen  muffe ,  bk  fia)  boa)  nia)t  änbern  laffe. 
Mein  wir  wiffen,  bag  bk  23elt  in  geipa)en  fingen  eine 
part£eiifa)e  dlifytxixi  ift,  unb  fia)  in  tyxtn  <£itelfeiten  unb  fünb* 
Iitt)en  ©ewojn^eiten  gerne  frei  fpria)t.  ©ie  meint,  ©Ott  bürfe 
eS  nia)t  fo  genau  nehmen,  wenn  @r  9ftenftt)en  im  £immel 
Jjaben  wolle.  Sßtr  werben  aber  an  jenem  Sage  nia)t  naa) 
unferem  ©utbünfen,  fonbern  naa)  ©otteS  ^eiligem  2Bort  ge* 
xifykt  werben,  worin  un$ ©ein SSitte  geoffenbart  ift,    ©ewig 


1067 

■#  eö  boa),  bag  &'a)t  uttb  gtnfkrmg,  £)emutl)  unb  £offari, 
SBeftjum  unb  @j)riftuSftnn  nia)t  sugleia)  in  (Einem  £er$en  wol?* 
nen  fömten;  t>a6  &reu$  (grifft  nnb  bie  (Eitelfeit  ber  2Be(t 
vertragen  jta)  ma)t  miteinanber.  (5m  weftftä)  gefmnte3,  fiäJ## 
#er,$  ift  nia)t  tüa)tig,  ba3  ßreu$  (Eprijtt  31t  tragen,  unb  $ei* 
ner  fann  tmtev  bem  6a)u£e  beffetben  sunt  |nmmlija)en  3etu* 
fafem  eingeben,  ber  fein  unbugfertige$  unb  irbifa)gefmnie3  £er$ 
tti  foia)er  tyxatyt  unb  ttoptgfeit  an  hm  £ag  legt.  SQßaljrtia) 
mir  tf:  ber^fia)  bange,  bag  manche  tpeure  ©eele,  bie  fta)  in 
tiefen  W<t%tn  be3  ©aianä  wwricfelt  unb  fte  boa)  gering  aa)tet, 
bei  tprem  Eintritt  in  bk  (Ewigfeit  bk  Sßorte  wirb  pören 
muffen:  ,,3a)  fenne  euer  nia)t*"  —  SBetf  aber  wenig 
Hoffnung  tforpanben  ifr,  bag  biefem  Unheil  gan$  gejteuert 
werben  fann,  inbem  9)cana)e  fta)  mit  iprem  ©tanbe,  bie  Reiften 
aber  fta)  mit  ber  ©ewojmpeit  entfa)ulbigen  ober  fta)  felbft  auf 
bk  peilige  ©a)rift  berufen,  bk  in  einigen  ©Jeden  *>on  ^ier* 
lia)cn  Kleibern  ftma)i  unb  es?  an  einem  tugenbpaften  2Beit>e 
rüjjmt,  bag  fte  fia)  felbft  fcftbare  ©ewcinber  bereite,  fo  tft 
nötin'g,  bag  wir  baoon  noa)  netter  reben*  SSenn  wir  nam* 
Xtd>  aua)  ben  ^?eib  nta)t  öor  übermägtgem  ©a)mucf  bewahren 
fönnen,  fo  folten  wir  boa)  bie  £er$en,  fosiel  möglia) ,  x>on 
©totj  unb  ©telfeit  rein  erhalten. 

13  35or  allen  fingen  mug  ber  (Sprift  einfepen  lernen, 
bag  er  fia)  ntepr  um  ben  ©eelenfa)mud,  als  um 
ben  leiblichen  ©a)mud  bekümmern,  unb  mepr  an 
bie  (£n>igfeit  aH  an  bie  (£itelfett  beulen  muffe, 
2)enn  wa$  ptlft  eö,  wenn  berM>  aua)  noa)  fo  präa)tig  unb 
naa)  ber  neuejfcn  SUtobe  gefleibet  ijt  unb  bie  klugen  ber  2Belt 
auf  fta)  $te£t,  bie  ©eele  aber  in  iprer  33oöpeit  unb  Unbug* 
fertigfeit  ein  21bfa)eu  *>or  ©Ott  ift  ?  2Q3a3  nü£t  e3 ,  wenn  ber 
&ü>  mit  goibenen  Letten  prangt,  t>k  Seele  aber  in  ben 
33anben  ber  £blle  serftrtcft  ift?  Einige  ©a)langen  glänzen 
aua)  mit  ipren  fa)önen  garben ;  atiein  fte  finb  boa)  nifytö  an* 
berg  als  giftige  unb  nia)tswürbtge  Spiere*  £)ie  Äatferfrone 
ift  eint  präa)tige  unb  anfej?nlia)e  23lume,  aber  fte  fyat  einen 
Übeln  @erua);  fo  tft  mancher  $?enfa),  ber  in  fta)  felbft  $er* 
liebt  ift*  —  (5in  fa)one^  23eib  opne  3ua)t,  fagt  @a* 
lomo,  ift  wie  ein  ©a)wetn  mit  einem  goibenen 
£  a  f  $  b  a  n  &♦    £)aper  unterliegt  eö  feinem  Zweifel ,  bag  rea> 


1068 

fctwjfene  gfjrifien  weit  mefjr  barnaa)  traa)ten  derben ,  fta)  in 
d/mjio  3efu  mit  ©erea)ttgfeit  unb  ©ottfeligfeit  au  fa)mütfen, 
als  fta)  um  bie$raa)t  WSetW  au  befümmern.  3a  e$  wäre 
einer  a)riftlia)en  grau  Iett>  ^  wenn  fte  be£  Borgens  ntepr  3ett 
auf  ben  $5u§  i£re$  Set&eS,  als  auf  bat  @ebet  unb  bte  Hebung 
ber  ©ottfeligfeit  »erwenben  follte.  @te  weif,  bag  bte  3ett 
uns  nia)t  aur  (£itelfeit,  fonbem  aum  £)tenfk  ©otteS  unb  be$ 
9McJ#en  gegeben  tjh  Sie  liebt  biejienige  Sttobe,  bie  am  we* 
nigften  2>tit  unb  Wltyt  foftet,  unb  fte  konnte  e3  nia)t  über 
ba$  £era  bringen ,  wenn  jte  einige  ©tunben  t>or  bem  Spiegel 
flehen  unb  faum  eine  Dalbe  33tertelftunbe  fta)  mit  ©Ott  unb 
göttlia)en  Singen  befa)äftigen  folfte*  diejenigen  aber,  Welche 
bloS  mit  pa)ttger  2lnbaa)t  unb  f  altftnnigem  £>eraen  einen  Wlox* 
genfegen  lefen  unb  naa)per  ©tunbenlang  fta)  aufö-  (Eifrigfie 
pugen,  um  ber  28elt  au  gefallen,  fann  ia)  $erjta)ern,  baj?  jte 
$or  ©Ott  ein  ©reuel  ftnb,  unb  woj>l  eilen  bürfen,  um  fta) 
anberS  gu  betragen* 

23  gerner  i(t  au  bemerken,  ba$ Mt  Kleiber  an  unb  für 
fta;  ben  5D?enfa)en  Ui®ott  Weber  beliebt  noa)  serljafjt  maa)en, 
unb  nur  fe  naä)bem  baS^era  ift,  ftnb  fte  entweber  »erwerflio) 
ober  unfa)ciblio)*  $tan  fann  ein  prächtiges  tleib  tragen  unb 
babet  boa)  ein  bemütlriger -ftaa)folger  3efu  fe^n;  bagegen  fann 
2ftana)er  autt)  unter  %umpm  ein  ffrlaeS  £era  verbergen,  (£in 
bemütfrigeS  £era  unter  prächtigen  Kleibern  gleta)t  einer  fa)önen 
SBlume,  bie  iprer  ©a)önl)eit  (ta)  nia)t  bcwufjt  t#;  Tlanfyv 
frommen  ©eele  tft  freüia)  aller  ©a)mud  aur£aft,  unb  eS  gejrt 
t£nen  wie  ben  Keinen  £inbern ,  bk  nie  weniger  anfvieben  ftnb, 
als  wenn  man  fte  eingefa)nürt  $at.  —  <Bo  ftagte  es  etnjr  eine 
angefe^ene  fromme  grau  einem  guten  greunb  mit  £l?ränen, 
ba$  fte  fta)  ojme  tj?ren  SSißen  ftanbeSgemäf?  prää)tig  ffeiben 
muffe»  Wlifyin  fommt  frier  2ltteS  auf  baS  #era  an,  unb  an 
©laubiger,  ber  fta)  mit  Demutl?  oor  ®ott  im  ©eift  unb  in 
ber  2Ba£rlJeit  beugt,  Qzfyxt  unb  2infe£en  3fmt  an  güfjen  legt, 
tn  fmblio)er  gura)t  gottfelig  wanbelt,  bm  ©efreuaigten  in 
©einer  9tiebrigfeit  jeber  £o£eit  ber  Söelt  *>oraie£t,  unb  3fm 
in  feinen  bürfttgen  ©liebem  nio)t  *>erao)tet,  auo)  bereit  ift, 
naa)  ©otteS  Söttten  feine  prächtigen  Kleiber  mit  einem  33ett* 
lermantel  ober  mit  bem  6terbefittel  au  *>ertaufa)en ,  fann  naa) 
S3er^dlmig  feinet  ©tanbeS  an  fernes  unb  fcjibareS  ßleib 


_1069_ 

gar  wo|rt  o!?ne  Sünbe  trägem  —  Um  aber  ein  fofdjeS  £ers 
3u  errangen,  mug  man  fta)  fetbf*  oft  ttorftetfen,  tag  HfleS, 
was  wir  an  uns  Jjaben,  wie  prächtig  eS  aua)  fe#,  uns  um 
9tiä)tS  beffer  maa)e.  £)aS  tjjeuerfte^leib ,  t>er  t oftbarfte  @ö)mucf, 
f ann  unfern  £etö  t>on  fetner  $ranf|>eit ,  tttel  weniger  t*on  ber 
Sterbfirfjfeit  befreien.  £)en  ?etbr  ber  nia;tS  afS  Seibe  unb 
Sammt  getragen  |?at ,  werben  bie  28ürmer  ebenfo  ser^ren, 
tt)te  ben,  ber  zeitlebens  in  2umpen  gefüllt  war.  —  9ftug  man 
au$  StanbeS  unb  <£ijren  falber  einen  Scfjmucf  anlegen ,  fo  mug 
man  baS  #er$  etwa  bura)  folgenbe  ©ebanfen  »or  Stol^  bewahren  t 
„2>u  bift  nia)tS  me£r ,  aU  £)u  $or£in  warft ,  £>u  bleibjt  ein 
fa)waa)er  j*erbiiä)er  9ftenfa; ,  magft  £u  Qify  »ermummen  unb 
»erfteiben  tok  2)u  wttfft.  2BaS  wtfljt  2)u2)ia^  ergeben?  23tjt 
2)u  boa)  nichts,  als  5lfa)e  unb  Staub.  £>enfe  an  bte  3ett, 
wo£>u,  atteSSdmuufS  beraubt,  auf  bem  £obtenbette  Hegen 
wirft."  — 

<£S  wäre  $u  wünftf>en,  bag  man  ftdj  hä  Seiten  einen 
Sarg  maa)en  Hege,  um  baS  fünbige  Sieifa),  wenn  eS  fta) 
brüften  wollte,  bajn'n  gu  führen.  (£benfo  wäre  eS  gut,  bag 
Sitte,  bie  fo  gerne  mit  Kleibern  prangen,  in  iljrem  Leiber* 
fa)ranf  aua)  ityxm  Sterbrocf  »erwarten ,  um  fta;  i£rer  Sterb* 
Iia)feit  $u  erinnern,  fo  oft  fte  ein  $leib  herausnehmen.  —  Söeiter 
ift  nötptg,  bag  wir  ©Ott  aua)  um  ein  bemütljigeS  £er$  an* 
rufen,  wk  öon  $aifer  Dtto  bem  ©rogen  er^lt  wirb,  bag 
er,  fo  oft  er  feinen  faif  erliefen  Scfmuuf  anlegte,  ©ott  um 
ein  bemütfrigeS  £>er$  gebeten  fyabe,  hamit  er  fta)  feiner  £err* 
ftä)feit  mä)t  überlebe.  2öir  muffen  eS  maa)en  wk  bie  (Jji^er, 
wela)e  alfo  betete,  a(S  fte  ben  Fönigtia)en  @a)mucf  anlegen 
mugte:  £err!  &u  weigt,  bag  ta)  fetne^reube  £abe 
an  ber  ßrjjre,  bie  ta)  hti  ben  ©otttofen  J>a^e,  2)u 
weigt,  bag  ia)  eS  tf>un  mug,  unb  nia)t  aa)te  ben 
£errlia)en  Sa)mucf,  ben  ia)  auf  meinem  $auptt 
trage,  wenn  ia)  prangen  mug,  fonbern  fyaltt  eS 
wit  ein  unreines  £ua)  unb  trage  es  nia)t  auger 
bem©epränge*  —  Ebenfo  mug  man  mitten  in  ber$raa)t 
feine  £)emut£  unb  ^iebrigfeit  in  SBorten  unb  ©eberben  bliefen 
laffen,  ©eringen  mit  greunblia)feit  unb  Sanftmut^  begegnen, 
unb  auf  {ebe  2lrt  befugen ,  bag  baS  £era  x>on  btm  auger* 
Iia)en  ©a;mu(f  nia)tS  weig* 


1070 

3ene  fromme  ^rtnaefjtn  fagte,  wenn  fte  in  ifjrem  fa)ön* 
ften  @ä)mutf  prangen  muffe,  fo  erinnere  fte  fta)  ftetS  an  t>ie 
Königin  23ernice,  *>on  wela)er  eS  in  ber  $poftelgefa)ia)te  feeige: 
„fte  fc^  mit  grogem  ©epränge  aufgewogen/'  33ei  folgen  ©e* 
banfen  werbe  ifjr  Wt$  t>eräa)tliä),  n)aö  fte  anhabe  unb  fte 
fa)ä£e  eine  $üa)enmagb,  bie  in  ber  gurä)t  ©otte3  wanble, 
glMia)er  als  fta),  weil  jene  mit  fola)er  ©telfeit  wfa)ont  fe$* 

3)  (£nblia)  foll  ber  Demütjnge  fo  $iel  möglia)  ba$  ©e* 
ring  fte  erwarten,  unb  t>axin  e£er  gu  wenig,  aU  pt 
vkt  tpmn  dx  ifi  aufrieben,  wenn  er  eg  fo  gut  fjat,  als  3e* 
manb  feinet  ©leiten  unb  trankt  nia)t  naa)  fjöfjeren  Dingen* 
dx  |>afä)t  nia)t  naa)  neuen  Stoben,  unb  fteljt  niä)t  barnaa), 
wag  biefer  ober  3ener  anl?at  ,  unb  wenn  er  je  etwas  9?eueS 
bemerft ,  fo  »erlangt  er  eS  nia)t  aua)  gleia)  au  jjaben.  <£benfo 
ift  ber  Demütige  nia)t  unter  ben  (£rjlen ,  ^k  eine  neue  Sftobe 
mitmachen,  9telmel)r  fommt  er  ungern  %u  einer SSerdnberung, 
unb  wünfä)t  mit  3efu  lebenslang  dinen  dloä  au  tragen»  SSeil 
aber  bieg  nia)t  fe^n  fann,  fo  behalt  er  boa)  immer  ein£era, 
baS  bieSSelt  t>erfa)mäl?t.—  dx  liebt  hk  9M>en,  bie  wenig 
3eit  unb  9ttü|>e  fofien,  bie  ber  ©efunbfjeit  unb  ber  (£f>rbar* 
feit  am  angemeffenflen  ftnb.  dt  bHibt  gerne  ^u  #aufe  unb 
UM  bafelbjt  gana  einfaa);  er  fa)ä§t  fta)  glütflia)er  in  einem 
fa)lea)ten  Slnaug  wr  3efu  $u  fnieen,  als  bei  einer  £oa)acit 
in  feinem  fa)onften  6a)mu<fe  au  prangen*  9?amentlia)  enthalt 
er  fta)  beim  ©otteSbienft  alier  £offart,  weil  er  wetg,  bag 
gwifa)en  ben  weltlia)en  3ufatnmenfünften  unb  ber  SBerfamm* 
Jung  ber  ^eiligen  an  groger  Unterfa)ieb  i%  9ftana)e  weltlia) 
©eftnnte  unb  Un^erfiänbige  gejjen  freilia)  aur$ira)e  Wnb  aum 
2lbenbma$l,  wie  $u  einer  £oa)aeit  ober  aum  £ana,  unb 
fa)mü(fen  fta)  beim  ©otteSbtenß,  wk  bei  einem  ©aftmaijl* 
©Ott  wetg ,  was  biefe  flogen,  praa)tüebenben  9J?enfa)en  «t  ber 
$ira)e  fua)en;  ia)  wemgftenS  fann  nia)t  glauben,  bag  eS  ifmen 
um  3efum,   ben  ©efreuaigten ,   $u  t£un  ift« 

III.  2ßir  lommen  nun  an  ben  brüten  9ht|en  ber  2el?re  $on 
ber&emut£  unb  wollen  auf  bie  Mittel  aufmerffam  maa)en, 
wie  man  au  biefer  £ugenb  gelangen  fann— @S  iß  nia)t  fo  leia)t, 
fta)  wapre  2)emutf>  anaueignen,  benn  ber  ©atan,  t>k  Söelt 
unb  unfer  eigenes  £era  ftreiten  bagegem  Sitte  (£igenfa)aften, 
bie  ber  9tafa)  ijat ,  flehen  gewijf ermaßen  ber  2)emut^  im 


1071 

2ßege,  unb  fte  felbft  barf  fi'a)  nicljt  feiert  unb  fennen;  benn 
fobalb  fie  ft<^>  befa)aut,  wirb  ;fte  eigenliebig  unb  tterwanbelt 
jta)  in  £oa)mutlj*  20Benn  il)r  alfo,  meine  (griffen,  ein  $er* 
langen  pa^t,  naa)  bem  23etfpiel  3efu  von  £eraen  bemütljig  au 
fepn,  fo  gewinnet  eua)  a)  baran,  ©otte$  !D? a j[ e fi ä t  unb 
£errüa)feit  in  ©einem  heiligen  Sßort  unb  in  ©einen  ©e* 
richten,  Werfen  unb  203egen  ernjilia)  au  betrauten*  33ebenfet, 
bag  <£r  3ßte$  erraffen  T^at ,  Mt$  erhält ,  Met  wetSlia)  unb 
unbegretflta)  regiert,  bag  atter  ^enfd^en 3tit ,  ©lud  unb  Un* 
glüd,  lieben  unb  £ob  in  ©einen  £änben  ftejjt ,  bag  alle  (£ngel 
3jm  anbeten,  atte  Kreaturen  au  ©einem  2)ienffce  fteljen,  unb 
naa)  ©einem  SSinfe  fta)  rieten  :c*  —  Söitt  eua)  eure  2Bet$!jeit 
unb  ©elef>rfamf  eit  aum  ©tola  reiben,  fo  benfet  an  bie  uner* 
forfa)lta)en  ®eriä)te  unb  2ßege  ©otteS ,  an  bk  mana)erlet  un* 
ergrünblia)en  ©e^eimniffe  ber  ©a)rift  unb  ber  %iur*  25enfet 
baran,  wie  wenig  wir  wiffen,  wenn  wir  aua)  noa)  fo  x>kl 
wiffen,  —  (Eunomins,  ein  berühmter  3*rfe£rer,  ber  alten 
#rifHia)en  $ira)e,  rühmte  fta)  etnft,  bag  iljm  von  göttlia)en 
fingen  nia)t$  »erborgen  fep ,  unb  er  $aU  x>on  ©Ott  unb  fei* 
nem  Söefen  eine  ^enntnig,  xck  x>on  fta)  felbj*.  £>a  legte  ifmt 
ber  $ira)em>ater  33aftliu$  ber  ©roge  swan^ig  gragen  über  bie 
2lmeifen  $on  2113  er  aber  feine  $on  ibnen  grünblia)  beant* 
Worten  fonnte,  fo  fagte  ipm  biefer:  wk  magftXm  2)iä)rü> 
men,  bag  28efen  be$  unbegreiflichen  ®oite£  au  verfielen,  wenn 
£)u  nta)t  einmal  bie  Statur  biefer  geringen  ©efa)ö!pfe  erfor* 
fa)en  fannfl?  <£benfo  gab  fta)  an  Söeifer  beS  2tltertf»um3  58 
3af?re  lang  aUzWltyt,  bie  3?atur  unb  betreiben  unb  Xfyun 
ber  dienen  au  erforfa)en;  aber  eS  gelang  ipm  nia)t.  SSaS 
bilbet  fta)  alfo  ber  $ienfa)  auf  feine  Sßeigljeit  unb  tenntniffe 
zin,  unb  warum  will  er  fia)  begljalb  ergeben? 

SBitt  eua)  ferner  eure  9ftaa)t  unb  £errlia)fett  ftola  maa)en, 
fo  bebenfet ,  bag  bie  mää)tigften  20?enfa)en  gegen  ben  allmää> 
tigen  ©Ott  nia)t$  ftnb  als  elenbe  SSürmer.  @m  einziger  £on* 
nerftreia)  reicht  tyn,  alle  2D?aa)t  ber  90Ma)ttgen  au  sermo)ten; 
oj)ngeaa)tet  ber  2lllerljöa)fte  biefe  9ftaa)t  feiten  anwenbet,  um 
ben  £oa)mut£  ber  9^enfa)en  au  ftrafem  SStelmepr  lieg  (£r 
fa)on  ttebermüt^ige  in  3ammer  unb  Kummer  jierben  unb  x>om 
Ungeziefer  seraefnren,  um  ^u  aeigen,  wela)  eine  geringe  ©adje 
e^  für  tyn  fe^,  einen  2^äa)tigen  au  überwältigen»  —  ©e$b 


1072 

ipx  ftolj  auf  ein  fa;öne$  £au£  ober  auf  ein  ©a)log,^fo  Ute 
benfet,  bag  ©Ott  e$  bura)  einen  SBliffhro^l  in  Sföe  legen 
ober  bura;  ein  @rbbeben  über  ben  Raufen  werfen  famn  — 
Sptutt  nodj  gilt,  tt)a^  eittfl  ein  33ebienter  ^u  feinem  £errn 
fagte,  ber  ein  prda;ttge$  ©ebdube  mit  fielen  ©dulen  auf* 
geführt  Jjatte,  $03  ndmlia;  btefer  ijm  fragte,  m$  er  son  bie* 
fem  33au  $<x\tt,  führte  er  benfelben  ans  genfter,  ttutüt  gen 
£tmmel  unb  fagte:  2)a^  ^eige  ia)  einen  33aumei(ler ,  ber  feine 
©dulen  ^u  einem  folgen  unbegreiflichen  SBerfe  beburfte.  —  & 
wirb  fytbti  von  großem  Wu&n  fe^n,  wenn  man  fta)  an  einem 
tauglichen  Orte  mehrere  hierauf  jta)  be^iepenbe  ©teilen  ber 
©$rift  aufzeichnet;  $.$$♦  „2Ber  tft,  wie  ber£err  unfer 
©ott,  ber  ©ia;  fo  Ijoa)  gefegt  ipat,  unb  auf  ba$ 
fiebrige  fieljt?  ©ep  nia)t  ftol^,  fonbern  fürd)te 
fcia;!£)  wela;  eine£tefe  be$^eid?tj?um$beibeber 
28et$jjett  unb  Grrfenntnig  ®ottt$l  2Bie  gar  un* 
"begreiflich  finb  ©eine  ©ertöte,  unb  unerforfa> 
Ha)  ©eine  SSege!  ©Raffet,  bag  i£r  feiig  werbet 
mit  gura)t  unb3ittern.  2)emütfHget  eua;  unter 
fcte  gewaltige  £anb  ®otte$,  baß  ßrr  eua)  er£öj>e 
3U  feiner  3eit* 

2)  Caffet  eua;  t) te  £>emutl)  3efu  nie  aus  bem 
©tnne  fommen*  (Em  grögereS  SSunber  fyat  t>k  SSelt  nie 
gefe^en,  als  t>a  ber  ©ojm  ©otteS  in  angenommener  Sftenfajen* 
gepalt  auf  GErben  umherging,  unb  ©tdj  enblia)  hi$  sunt  £ob 
am  $reu$  erniebrigte.  SSill  nun  euer  £er$  fia;  ergeben,  fo 
fclidet  auf  3efum  unb  beben! et ,  \x>k  tief  (ix  au$  Sicht  $u  eua; 
©ia;  erniebrigt  $>at!  ©tejje  t>a  liegt  ber  ewige  ©ojm  @otte$ 
in  ber  Grippe,  pkx  wanbelt  er  in  tieffter  2)emutiS,  ©einen 
Leitern  gejiorfam,  mit  {mu$liä)en  arbeiten  befa)dftigt.  £ter 
fte£t  dx  mitten  unter  einfältigen  beuten,  unter  3ötfnern  unb 
©ünbern,  unb  -ftiemanb  tft  3fmt  %u  gering»  £ter  wafa;t  (ix 
©einen  3«ngern  t)k  güge,  liegt*  auf  ©einem  2lngefta)t  gur 
@rbe  unb  fritmmt  fta)  vor  Slngft  unb  ©a)retfen  wk  ein  2öurm, 
bag  3^m  ber  blutige  ©a)wetg  ausbricht.  £ier  wirb  (ix  ge* 
fangen  unb  gebunben,  mitgäufien  gefa)lagen,  geldwert,  t>er* 
i?ö{mt,  gegeigelt,  aum  ^obe  verurteilt,  awifa)en  awei  Uebel* 
Jätern  an'S  $reu$  gefa)lagen,  nn^  mug  in  btefer  ©a)maa) 
Perben,    Unb  bieg  Sitten,  o  Sttenfa),  nia)t  aus  9cot£,  fonbern 


1073 

aus  £iebe,  um  beinetwillen,  um  Seinen  £ott)mutp  a«  bügen 
unb  bura)  ©eine  ©nabe  unb  ©eifi  ein  bemütpigeS  £era  in 
bir  au  fa)affem  —  2öarum  voitXft  Jbu  bia)  alfo  erpeben,  bu 
armes  $mb?  2Sie  witlfi  bu  naa)  popen  Singen  ftreben, 
ba  bein  @rlöfer  fta)  fo  tief  erniebrigt  pat?  @a)ämfi  2)u  £>ia) 
suelleia)t,  fagt  ber  $ir$en»ater  2lugufh'n,  einem  bemütpigen 
Stoffen  au  folgen,  fo  folge  boa)  bem  bemütpigen  ©ott,  ber 
in  ©einer  9)?enfa)peit  tarn  unb  bemütpig  würbe* 

33  SBergeffet  eure©ünben  unbmana)erlet5Mn* 
gel  nia)t*  Skrgeffet  biejenigen  nia)t,  bie  ipr  früher  begieß 
get,  als  ipr,  *>om  ©atan  unb  ber  2Belt  »erleitet,  eurer  lü* 
fernen  3ugenb  ben  3ügel  lieget,  ben  53unb  ber  peil.  £aufe 
au$  ben  otogen  fegtet ,  unb  euren  peiligen ,  gütigen  unb  lieb* 
reiben  ©ott  fo  oft  beleibigtet*  £>  wie  fönnte  ber  arme  SBurm 
fta)  erpeben,  welcpen  bie  ©nabe  ©otteS  wie  einen  25ranb 
aus  bemgeuer  gerijfen,  unb  ber  eS  allein  ber  ©üte  unb Sang* 
mutp  feines  ©a)öpferS  au  banfen  pat,  bag  er  nia)t  längfi  in 
ber  £ölle  liegt!  S03arum  will  ber^enfa)  trogen  unb  praplen, 
ber  feinem  ©ott  auf  taufenb  nicpt  (£tneS  antworten  fann?  (Ein 
frommer  Wlann  fagte:  wenn  iä)  merfe,  bag  mein  £era  über 
eine©aa)e  flola  wirb,  fo  palte  ta)  tpm  eine  ber  größten  ©ün* 
hm  meiner  3ugenb  loor  unb  fage:  ©a)äme  bia),  eS  gereift 
bir  nta)t  aur  (Epre  fo  au  fprea)en,  fo  lann  iä)  eS  balb  Rillen* 
33ergeffet  aber  aua)  hie  gepler  ma)t,  bie  eua)  je£t  noa) 
aufleben,  unb  euren  täglicpenSßanbel,  wenn  man  ipn  auger 
ber  ©emeinfa)aft  dprifti  betrachtet,  päglia)  macpen.  2BaS 
wollen  boa;  wir  arme  9ftenfcpen  uns  t>iel  au  Öu*  #un,  ba 
wir  aua)  bie  peiligjkn  SSerfe,  bie  wir  ^u  »erria)ten  paben, 
nta)t  opne  ©ünben  »erria)ten  tonnen?  JBeten  wir,  fo  paben  wir 
alle  Urfacpe  am  ©a)lug  a«  bitten,  bag  ber  peilige  ©ott  mit 
unferer  f altftnnigen  2lnbaa)t ,  bei  wela)er  fo  siele  unb  mancperlet 
'  frembe  unb  fünblicpe  ©ebanf  en  mit  unterlaufen,  aufrieben  fepn 
unb  uns  2llleS  um  3efu  £prijft  willen  »eraeipen  wolle*  $ura, 
wir  mögen  in  ber  Hebung  ber  ©ottfeligfeit  tpun,  was  wir 
wollen ,  baS  2IlleS  riea)t  naa)  bem  ©efdg,  woraus  eS  fommt,  — 
naa)  bem  fünbigen  unb  »erberbten  £eraen*  SBarum  alfo  wollen 

wir  unnüge  $nea)te  »tel  praplen  unb  pocpmütptg  fe^n  ? 

Senf  et  aber  aua)  an  bie  ©ünben,  inwelä)ewir  gar  leicpt  fallen 
fönnten,  wenn  ©ott  bie  £anb  abaiepen  wollte*     2ßir  mn* 

@  c  r  i  »  t  r'  $  @ee(cnfd)a£.  ^g 


1074 

beftt  ja  täglich  unter  taufenberiet  biegen  beS  Satans  unb  unter 
man^erlet  2lergermffen  ber  gottlofen  %8zit,  wir  tragen  einen 
£eimli$en  geinb  im  23ufen,  unb  £aben  ben  33efe^(,  *>orft$* 
tifl  su  wanbeln,  unb  unfere  ©eltgfeit  mitgurdjt  unb3tttem 
gu  Raffen*  2Barum  alfo  motten  wir  prägen  unb  fW$  femt? 
2ldj,  2Ba$en  unb  IBeten,  Steinen  unb  gießen  ifi  beffer* 

4)  Erwäget  au$  ofterö,  H%  tyx  gan$  unb  gar  leine 
Urfac^e  £abt  au  prallen  unb  poXa  i«  ftP/  unb^war  a)  ni$t 
in  33eaiepung  auf  eu$  felbjt  £)emt  tt>a$  anberS  fepb 
i£r  auger  ber  ©nabe  ©otteS,  aU  ein  ©Ratten,  eine  23lume, 
ein  yiifytö.  3J?r  möget  in  ber  SSelt  fepn,  wag  iijr  wollet, 
tljr  möget  leben,  in  welkem  ©tanbe  tf?r  wollet,  fo  bleibt  tyx 
bo$  elenbe,  fünbige  unb  fierbli$e  Wlmfäm.  —  Grtn  treffenbeS 
25ilb  t>on  einem  $*enfd)en,  ber  (££renftellen  unb  ©üter  be* 
ftgt ,  gibt  ba$  3oj^anniöwitrm^en*  2)affelbe  iffc  son  ber  -iftatur 
mit  einem  pellleudjtenben  ©lan$  s>erfel)en,  mit  bem  e$  im 
ginftern  prangen,  tyn  aber  aud?  an  ft$  fiepen  unb  »erbergen 
!ann*  SÖSenn  man  e$  anfangs  ftejrt,  unb  nt$t  mi$,  wa$ 
e$  tfi,  fo  fönnte  man  meinen,  e$  fep  ein  ffraltfenber  Qia* 
mant  ober  fonfi  tim$  ^oftbareS*  ©obalb  man  c$  aber  an* 
tüljrt  unb  näfjer  unterfucf)t,  fo  tfl  e3  ein  Söurm  unb  nia)t$ 
weiter*  —  ©ejjet  ijjr  9ftenf$en ,  fo  i(i  eure  ©jjre  unb  £err* 
li^feit;  fte  fcerfdjwinbet  unb  ttergeljt,  unb  ipr  bleibet,  toa$ 
tjjr  gewefen  fepb,  —  2If$e  unb  @taub* 

b)  3£r  $aU  aber  auti)  feine  Urfa$e,  wegen  eurer  (Bähen 
ftolj  su  fe$n;  U  fe^en  nun  ©aben  beg  2etbe$  ober  ber<Seele, 
als  ©d>öm)eit ,  Stärfe,  ©eföicflidtfett,  33erebtfamfeit,  2öei^ 
f}tü,  gertigfeit  unb  berglei^en;  ober  be$  ©IM $,  —  als  dltify 
tljum,  (Epre  unb  2lnfelj>cn;  ober  beS  ©eifieS  unb  ber  ©naben,— 
att  eine  gute  @rfenntnig  unb  große  23efanntfd)aft  mit  gott* 
iiifytn  fingen,  eine  berebte  3««ge  unb  #errlic$e  ©aben  auf  ber 
^an^el,  2lnba$t  beim  (3ehü  unb  Mm  ©otteSbieml  u*  bergl-  SBon 
allen  tiefen  fagt  ber  2lpofW:  „2öaS  p a fi  bu,  9ttenf$, 
tag  bu  ntdjt  empfangen  ljättefl?  @o  bu  e$  aber 
empfangen  Ijafi,  wa$  rüljmefl:  bu  bi$  benn  atö 
ber  e^  ni#t  empfangen  ^<xtttV  —  3^r  fe^b ©efäge, 
wel^e  ©ott  mit  feinen  ©aben  gefüllt  J?at ;  £at  aber  hk  £anb, 
weld&e  fte  gegeben,  nicj)t  Wlatytf  fte  au$  wieber  ^u  nejmten? 
3Jr  (engtet  jie^t  wie  tin  Spiegel,  in  welken  bie^onne  i^re 


1075 

©trauten  wirft,  fo  bag  er  gleia)fam  aU  eine  teilte  ©onne 
auf  (£rben  anaufeijen  tfi  2Q3enn  aber  bie  ©onne  fta;  verbirgt, 
m$  t(i  al^bann  ber  ©Riegel?  3D*  gleitet  einem  9?ea)en* 
Pfennig,  welchen  ©Ott  Innlegen  fann,  wo  er  Witt*  @r  pat 
eua;  £ott)  hinauf  gelegt ,  fo  bag  il?r  taufenb  ober  sefmtaufenb 
geltet  @r  fann  eua)  aber  aua;  wieber  herunter  legen,  bag 
i£r  nur  ztyn  ober  nur  (£ürö  wertl)  fepb,  (£r  fann  eua;  gang 
wegwerfen,  bag  ijjr  nia)t  mejr  geltet*  —  2)ie  eilten  eraäljlen 
bavon  folgenbe$  ©leicfmig:  @ine  Sampe,  bie  voller  Del  war 
unb  pell  brannte,  bifbete  fta;  ein  unb  rühmte  fta;  auä),  bag 
fte  Jetter  leua;te  aU  bie  ©onne;  al$  aber  einSSinb  entftanb, 
föfa)te  fte  au&  diu  SDtafa;,  ber  fte  nötjjig  Jiatte,  anbete 
fte  wieber  an  unb  fpraä):  £eua)te  mir  o  £ampe  unb  fd)wetge; 
benn  um  biä;  ift  eS  leia)t  gefeiten,  aber  ha$  £ia)t  ber  ©onne 
verlofa)t  nia)t"  ©ott  £elfe ,  bag  wir  naa)  bm  SD^aag  ber 
©nabe,  bag  un$  gegeben  tfi,  3£m  au  @f>ren,  von  bem  wir 
Slto  Jaben,  unb  bem5Räa)ften  aum  £)tenft  leuchten,  aber  babei 
ftill  unb  bemütjng  fepen! 

5)  ©epet  aua)  gerne  mit  (£lenben,  Traufen, 
Firmen,  betrübten,  %  ngefoa)tenenunb©terbenben 
u  nu  £)enn  an  folä)en  £at  man  einen  ©Riegel  be$  menfa)lia)en 
<£lenb$,  unb  ta;  fann  e$  nta;t  genug  fagen,  wie  f  räftig  bie  £{jränen 
unb  bag  ©euften  ber  @lenben  unb  Slrmen,  bag  ©töjmen  ber 
Traufen  unb  ©terbenben  ftnb,  um  unfere  $tx%m  vor  £oa> 
mut£  $u  bewahren.  2>ie  üppigen  ©efellfa;aften ,  bag©a)eraen 
unb  £ad)en,  bag  £oben  unb  ©ä)meia)eln  berSBelt  maa)t  ung 
nur  frea)  unb  ftola,  unb  verurfaa)t,  bag  wir  uns  fe£r  viel 
embifbem  dagegen  jjätt  bag  @lenb  be$  menfa)lia)en  Gebens, 
wenn  eg  ung  unter  vielerlei  ©eftalten  vor  bie  5lugen  txxtt,  unfer 
poa)mittpigeg  £era  mit  ©ewalt  nieber*  —  3a;  fenne  fromme 
^rebiger,  wela)e  au  fagen  pflegen,  fte  reben  nie  frdftiger, 
alg  am  53ette  ber  5lngefoa)tenen ,  Traufen  unb  ©terbenben; 
benn  wenn  bag  SSort  algbalb  mit  einem  lebenbigen  33etfpiel 
befräftigt  werben  fann,  fo  bringt  eg  mit  um  fo  größerer  ^raft 
in  bie  £eraen.  — 

63  teufet  oft  baran,  wie  gefäjjrlia;  bie  £of* 
fart,  unb  wie  fia;er  unb  nü§lia>  bagegen  bie  eble 
2)emutH^9*  3$  Pa]&e  f$w  oben  bemerft,  bag  ©Ott  fta; 
mit  aller  9Haa)t  t>tn  £offdrtigen  wiberfe^e ,  unb  bag  9tieman& 

68  * 


1076 

£o$müt1ng  fe^n  tonne,  et:  müge  benn  aua)  etn  geinb  ©otteS 
fepn*  ©o)on  bieg  alkin  wäre  genug,  a)rtfilia>e  bergen  von 
allem  ©tol^e  abgalten;  bod^  tft  aua)  tiefet  wo£l  $u  erwä* 
gen,  Was  ein  alter  2e£rer  barüber  gefagt  fyat:  „<£tn  fitol^er 
üttenfa)  bebürfe  feinet  £eufel$,  ber  t{m  verfuä)e  unb  aur©ünbe 
verleite;  benn  er  felbft  fep  fein  eigener  £eufel ,  unb  er  tonne 
niä)t  anberS,  als  au$  einer  ©ünbe  in  bie  anbere  fallen,  dt 
gleia)e  Einern,  ber  auf  einem  Joljen  ££urme  fte£e,  benn  leta)t 
tonne  tyn  tin  ©a)wtnbel  übereilen  unb  er  fiürje  Jjerab.  SSer 
ftol$e6  £er$en$  ift,  ber  fyat  feine  ©emeinfcbaft  mit  bem  be* 
müßigen  £errn  3efu ,  er  ifi  von  ©Ott  ^erlaffen  unb  wirb 
von  bem  ^eiligen  ©ei(t  niä)t  regiert»  5D^i^^tn  fle^t  er  gan$ 
in  ber  ©ewalt  be$  £eufel£/'  —  £>ie  (Erfahrung  leljrt  £ur  ©e* 
nüge,  bag  f^olge  9J?enfä)en  manchmal  fa)recflia)e  2)inge  be* 
ge£en  unb  ftä)  befonberS  $u  greulichen  $corbtjjaten  verleiten 
laffen*  @benfo  ftnb  biefelben  gemeinigliä)  aua)  groge  Sporen, 
unb  meiftenS  jjaben  Diejenigen,  bie  in  2lberwi#  unb  Sfaferet 
verfallen,  eine  groge  @tnbilbung  von  fta)  unb  ftnb  $ur  £offart 
fe|>r  geneigt*  (Benbarum  ftnb  aua)  bte  ©tollen  ju  öffentlichen 
Remtern  wenig  .tauglitt),  unb  wenn  e$  fta)  um  ba$  gemeine 
33efte  panbelt,  fo  beharren  fte  fefi  auf  iljrer  vorgefagten  2flei* 
nung,  unb  wollen  fia)  von  9ttemanb  belehren  laffen,  weil  fte 
glauben,  Sftemanb  verfiele  bk  ©aä)e  beffer,  aU  fte*  @ie 
laffen  e$  gememigltä)  auf$  Sleugerfte  fommen,  unb  lieber 
2ltteS  barüber  zu  ©runbe  geljen,  e£e  fte  nachgeben*— ^ur^, 
bie  (Stoßen  ftnb  bie  bequemten  2Berf$euge  be$  ©atan$,  burä) 
welä)e  er  mano)mal  Mz$  in  geuer  unb  glammen  fe§t,  unb 
mit  ©lutj>  unb  33lut  erfüllt  2Bie  fdjrectlia)  aber  ift  für 
einen  Triften  nur  ber  ©ebanre,  bag  er  ein  äÖSerfyeug  be£ 
£eufel$  fe^n  fotle*  O  barum  lagt  un$  aller  £offart,  xt^k  bem 
Teufel  felbft,  von  £er$en  geinb  fe^n!  2öela)  eine  vortreff* 
liä)e  unb  eble  £ugenb  ift  bagegen  bk  2)emut£!  ©ie  ifi  ber 
fruchtbare  23oben,  in  wela)en  ©Ott  ©eine  ©nabengaben 
pflanzt,  fte  ift  ba$  golbene  $äf*lein,  baxin  @r  ©eine 
u)euerfkn  ^leinobien  bewahrt  ©ottwoj)ntinber£oj>e 
unb  in  bem  £eiligt£um,  unb  bei  benen,  fo  $er* 
fd)lagenem  unb  bemüt  jHgen©eifteS  finb.  dt  fyat 
©io)  awar  poa)  gefegt,  &x  fieljt  aber  auf  ba$ 
fiebrige  im  Fimmel  unb  auf  <£rben*  —  ©ott  fteljt 


1077 

«Rt$i$  über  ©ia) ;  benn  Wmatto  unb  9Ko)t$  iß  über  3Pt*V 
barnao)  @r  fepen  fönnte;  <£r  fte^t  aua)  nt^>t  um  &iä),  benn 
9?iemanb  ift  3pm  gleta) ;  (£r  ftept  aber  unter  ©ia) ,  —  auf 
bte  bemütpigen  £er$en,  vr-te  Sflaria  fpria)t:  <Ex  pat  bte 
9Uebrigfeit  ©einer  $lagb  angefepen;  fiepe  von 
nun  an  werben  mia)  feiig  greifen  alle  $tnbe$* 
finber.  — Die  Demütptgen  gleichen  ben  $eila)en  in  unfern 
©arten ,  bie  wegen  ipreä  angenehmen  ®erua)&  von  Sebermann 
geliebt  werben ,  unb  felbft  vornehme  ^erfonen  bü(f  en  fta)  gerne 
um  biefelben  im  grüplinge  $u  fua)en  unb  abOTptfen,  ®fe 
Demütpigen  ftnb  tit  beften  SBerf^euge  ©otteS,  weil  jte  mit 
einem  gelajfenen  £er$en  3pm  füll  palten,  unb  Seine  ©nabe 
allein  in  fia)  wirfen  lajfen,  „D er  £err  ift  ber  2111er* 
pöa)fte,  fagt  ©iraa),  unb  tput  boa)  große  Dinge 
bura)  bte  Demütptgen*  —  Die  Demütigen  ftnb  aua) 
in  bem  fta)erften  ©tanbe,  weil  fte  jta)  immer  $u  ben  güßen 
3efu  palten.  ©eprfa)önfagtbaper£auler:  „Die  Demütpigen 
fe^en  jta)  felbß  in  ben  ntebrigßen  ©tanb ,  barum  f ann  fte  9tie* 
manb  nieberftoßen,  ipnen  ift  ba3  5lufftepen  ndper  aU  baS 
gallen.  ©ie  ftnb  flein  in  ipren  2lugen,  barum  entgepen  fte 
mana)er  ftarfen  2lnfea)tung  leicpt,  tt>k  bte  f leinen  gtfa)e  bura) 
ba$!fte$  fommen,  wdprenb  bie  großen  gefangen  werben*"— 
Die  Demutp  ift  tvit  ein  mebriger  ©traua),  bem  bie  2öinbe 
nia)t$  anpaben  tonnen,  wela)e  bie  popen  23äume  Uömikn  nie* 
berreißen.  ©ie  maa)t  unfer  £era  ftttl  unb  rupig  in  Zkb  unb 
£eib  unb  in  allerlei  £5egebenpeiten*  ©ept  e$  ipr  wopl,  fo 
erfennt  jte  e£  mit  Danf  gegen  ©Ott;  boa)  bebient  fte  fia)  ber 
geitlta)en  ©lütffeligfeit  mit  gura)t  unb  3tttern ,  weil  jte  tx>ä$, 
i>a$  biefelbe  fta)  leta)t  seränbert  unb  etne  fa)were  SBerantwor* 
tung  naa)  fta)  5tej>t*  ©ie  palt  fta)  aller  ©aben  unb  SSopl* 
tpaten  ©otteö  für  unwürbtg  unb  »erwenbet  biefelben  blo$  in* 
fofern ,  als  eS  bie  (£pre  ©otteS  unb  ber  9lu%m  be6  9Ma)jtot 
erforbert»  —  ©epte$  ipr  aber  übel,  fo  glaubt  fte  nia)t,  i>a$  ipr 
Unrea)t  gefa)epe,  weil  fte  felbft  fa)on  gering  ijt  in  ipren  klugen 
unb  fta)  ber  äBopltpaten  ©otteS  für  unwürbig  palt.  ©ie  fcpämt  jta) 
be3$reu$eg,  ber  Slrmutp  unb  ber  ©a)maa)  be3  £erm3efu  nta)t, 
weil  fte  biefelbe  längfl  fa)on  ftatt  ber  (£pre  unb  £errlia)fett  ber 
SBelt  erf oren  pat*  ©te  fpria)t  in  jeber  £rübfal :  „Wl  e  i  n  e  ©  e  e  l  e 
iji  jttlle  $u  ©Ott,,  ber  mir  pilft;  benn@r  iji  mein£ort, 


1078 

metne£üffe,metn©a;u0,  bagmtajfeingaHjtüraen 
wirb,  wie  groß  er  tft  je*  —  (Erwäget  bieg,  meine  @f>rt* 
jtat,  unb  fua)et  tie  £)emutp  liebzugewinnen.  SBergeffet  aber 
aua)  7)  ba^  @efcet  nia;t,  fonbern  rufet  ©ott  an,  bag 
(£r  biefe  eble  £ugenb  in  euern  £eraen  pers>orbringe  unb  er* 
■palte;  benn  fte  iß  eine  £immlifa)e  ffianp,  $>k  $on  -iftatur 
nia)t  in  unferem  £er$en  w&fyßt ,  fonbew  unfer  £eifanb,  3efu$ 
(SjjriftuS,  ber  son^er^en  bemütpig  war,  mug  fte  bura)  ©ei* 
nen  ©eift  unb  bura)  ©eine  ®nabe  pflanzen  unb  bewahren. 
3e  meijr  affo  euer  £era  jur  £offart  geneigt  ift ,  befto  heftiger 
unb  eifriger  muffet  tjjr  @ott  um  wafjre  £)emut£  bitten.  — 
2)er  §txx  gebe  uns  Sitten  ein  bemüt£tge$£era  um3efu  (grifft 
willen;  3£m  attein  fe^  @f>re unb ?5reig  wn (Ewigfeit  au  @wig* 
feit!  $men. 

((Sietye  cmtt)  bte  ©ebete  um  watyte  £)emutf)  unb  wiber  bie  ^»offart 
*n  tfrnbt'ö  sparabieSgarttein.) 


21  $  t  }  e$  tt.t  e    ^teMgt 
S3onber€iebe5ubem^aa;jien. 

£.  1.  So$,  4,  11.    3$r  Sieben,  Ijat  uns  ©ott  alfo  geliebt,,  fo  foUen 
auä)  wir  uns  untereinanber  lieben. 


S  i  n  9  a  n  g, 

Sm  Tanten  ^efn!  Slmen. 

5ln  bem  fjerrlia)en  Tempel  be$  Äomg$  ©ufomo  war  fef>r 
viel  90?erf  würbiges ;  wir  wotten  bajjer  <£inige$  bat>on  anführen, 
was  im  (Eingang  biefer  ^rebtgt  gu  unferer  Erbauung  btenen 
fann.  —  1)  WS?  ©teine,  bte  gu  btefem  Jetligen  23au  gebraucht 
würben,  mugten ,  e!?e  fte  an  £)rt  unb  ©tette  famen,  fo  äuge* 
richtet  fet;n,  ba$  man  feinen  Jammer  ober  Seif,  noa)  irgenb 


1079 

ein  ßrifen  im  23auen  ^drte*  —  £>ieg  gefa)a?j  oJ»ne  3weifel 
nia)t  o£ne  ©runb.  deiner  Meinung  nao)  wollte  ber  £err 
babura)  3^ßen,  tag  (£r  in  ber  ©title  mit  einem  gelaffenen 
unb  geljorfamen  £er$en  geehrt  werben  wolle,  tt>ie  £)avtb  fagt : 
„@ott,  man  lobt  Dio)  in  ber  (Stillt  au  3ion."  — 
<£r  will  £eute  ljaben  au  ©einem  ^eiligen  2)ienfr,  bie  bura) 
ba$  2öort  unb  $reua  bereitet,  fta)  nao)  ©einem  ^eiligen  9?at£ 
unb  SBillen  gebrauten  laffen,  t>k  ji$  in  Sitten  fa)itfen  unb 
fta)  in  ©ebulb  unb  2)emut£  in  Wt§  fügen,  tt>a^  bem  £öa> 
fien  beliebt,  nur  bamit  ber  9fa$m  ©eines  aller  jjeiligften  9?a* 
mens  beförbert  unb  ausgebreitet  werbe.  —  ©Ott  will,  bag 
t>\t  ©einigen  mit  ftillem  Sßefen  arbeiten,  unb  ©ein  2Berf  mit 
ruhigem  ^eraen  treiben,  ©ie  follen  nia)t  fe^n  wie  baS  2öaf* 
fer ,  baS  fta)  bloS  mit  9?aufa)en ,  fonbern  wie  baS  Del ,  ba$ 
fta)  in  aller  ©tille  auSgtegen  läflet*  Unter  ben  (griffen  über* 
jaupt  unb  hä  bem  £)ienfte  beS  £errn  foll  fein  Wärmen,  fein 
Banfen,  fein  ©efa)rei  unb  feine  £äf*erung  vorfommen,  unb 
wer  £ufi  baran  jmt,  entheiligt  unb  verlnnbert  ben  23au  ©ot* 
teS  unb  wirb  fein  Urteil  bavon  tragen.  ©leia)wie  von  3efu 
gefagt  wirb:  (£r  werbe  nia)t  fa)reien,  noa)  rufen,  unb 
©eine  ©timme  werbe  man  nia)t  £ören  auf  ben  ©äffen ,  dv 
werbe  ittä)t  mürrifa)  noa)  erfa)reälia)  feipn ;  thn  fo  ift  e$ 
mit  ©einen  ©laubigen,  barum  werben  fte  aua)  bie  ©tillen 
im  £anbe  genannt.  —  %laä)  biefem  fann  fta)  nun  ein  3e* 
ber  leia)t  prüfen,  ob  er  au  ben  lebenbigen  ©teinen,  von  wel* 
tt)en  baS  geiftlia)e  £auS  ©otteS  aufgeführt  wirb,  gehöre  ober 
nia)t?  28er  noa)  unbehauen  unb  ungefa)liffen  ifi,  wer  einen 
ungebroa)enen,  wiberfrenjftgen  ©tun  fyat,  wer  fta)  Weber  gegen 
©Ott  in  ©ebulb,  noa)  gegen  ben  ^ä'a)ften  in  ^?tebe  unb  ©anft* 
mut|>  fa)i(fen  will,  wer  immer  aanft  unb  flua)t  unb  viel  2ler* 
gernig  unb  Unruhe  anria)tet,  ber  tft  ungefa)itft  aum  23au 
©otteS  unb  wirb  verworfen. 

2)  3ft  merfwürbig,  bag  aud)  \^k  ©runbfteine  jenes  £em* 
petS  behauen,  grog  unb  f  oftbar  fe^n  mugten,  xok  eS  in  ber 
©a)rift  |?eigt:  unb  ber  $omg  gebot,  bag  fte  groge  unb  fofc 
bare  ©teine  ausbrechen  follen,  nämlia)  gehauene  ©teinc  aum 
©runb  beS  £aufeS.  2öie  fommt  e£  aber,  bag  felbft  bie  ©runb* 
jieine,  wela)e  boa)  fo  tief  in  bie  (£rbe  gelegt  unb  nia)t  gefejien 
würben,  ben  anbern  an  ^oftbarfeit  unb  Aufarbeitung  gleia) 


1080 

fep  mußten  ?  Djme  Steife*  fotfen  n>ir  baburcfi  auf  bte  Seljre 
von  ber  Eauterfeit  imb  2lufric|)tigfeit  ber  fettigen  aufmerffam 
gemalt  werben*  Die  ©laubigen  fotten  nic$t  anber$  fcfyeinen 
als  fte  ti>ixtliü)  ftnb ;  fte  fotten  ni$t  bloS  $or  ben  beuten  xt$U 
Raffen  fe^n,  fonbern  au<i>  »or  ©Ott;  fte  fotten  nidjt  bto$  ben 
©cjjetn  etneö  gottfeligen  SBefeng  Reiben,  fonbern  au#  bie  $raft. 
3Sa$  tpr  ÜHunb  fpric^t ,  ba$  foK  tpr  «£>era  meinen ,  e$  mu§ 
bei  ijjnen  Wt$  gut,  rebttc^^  lauter  unb  aufrichtig  fespn,  £er$, 
Sfttunb  unb  £anb,  ©ererben,  SSorte  unb  SBerfe  muffen  über* 
einfttmmen  x>ox  ®ott  unb  ben  Sttenfcfyem  <£$  muß  2ltte£  mit 
ber  2lufrict?tigfeit  unb  bem  (gbtnbilbt  beö  £errn  3efu  über* 
einftimmen,  fowojrt,  tva$  im  ©runb  beS  £er$en$  verborgen 
tft,  wie  ba$,  wa$  ftdj  cutgerlicf)  Miefen  läffet  ©in  ©jjrift 
mu$  ft$  fo  betragen,  baß  3ebermann  ba$  3nnerfte  feinet  £er= 
3en$  unb  feine  ^bfic^t  in  alten  Dingen  feljen  bürfte,  wenn  eS 
©Ott  gefiele,  ba$  er  an  genfter  an  feiner  23ruft  £aben  fottte* 
©r  fott  nichts  £eimli$  benfen,  als  wa^  er  auf  Verlangen 
o|me  @c$eu  entbeefen  fönnte*  Darauf  begießen  ft«^>  bie  Sßorte 
beS  2tyoftelS,  wenn  er  fagt:  „Unfer  dlufym  tfi  ber,  näm* 
It$  ba$  3eugni§  unfereS  ©ewiffenS,  i>  a$  wir 
in  Einfalt  unb  göttlicher  Sauterfett,  nic^t  in 
f Xeifc^Ii^er  2Q3et$S>eit,  fonbern  in  ber  ©nabe 
©otteö  auf  ber  2öelt  gewanbelt  ljabem  2öir 
f  ejen  barauf,  baß  eS  reblidj  sugepe,  nifyt  allein 
*>or  bem  £errn,  fonbern  au<#  t>or  ben  3Wenf$etu" 
Die  £eu$ler  aber,  welcjje  bloS  ben  ©djein  ber  ©ottfeligfeit 
ljaben,  bie^raft  bagegen  serläugnen,  beren  äußerlicher  SÖSan* 
bei  glei^fam  behauen  unb  fein  zugerichtet,  ber  ©runb  aber 
xavfy  tft,  werben  tpr  Urteil  von  ©Ott  empfangen,  welcher 
einen  2lbfc§eu  $at  an  ben  blutgierigen  unb  galfdjem 

3)  ©nblid)  tft  merlwürbig,  wa^  ber Jübifc^e  ©efc^i$tfc^ret^ 
ber  3ofe#ju$  melbet,  t>a$  bie  fämmtli$en  aufgehauenen  ©teine 
be$  £empel$  fo  genau  unb  feft  mit  einanber  serbunben  waren, 
tag  man  feine  guge  an  bem  gangen  Söerl  fafj,  fo  baff  e$ 
fc^ien,  aU  fe$e  Mt$  r>on  SKatur  gufammen  gewacf)fen  unb  be* 
fiepe  gleic^fam  nur  aus  Einern  «Steine»  Diep  erinnert  un$ 
an  bie  brüberlicfje  %kbt  unb  ©tntraa)t,  welche  unter  ben  $m* 
bem  ©otteö  beftejen  fott,  welche  ber  £err  fo  »ereinigt  wiffen 
ttiü,  bag  fte  ©in  £era  unb  ©ine  @eete  werben,  wk  e^  bei 


1081 

ben  erften  @{mjkn  ber  gcttl  war*  Unter  ben  C^^rtpen  foßtc 
man  billig  *>on  fernem  3anf  unb  ©treit,  t>on  fernem  yitib 
unb  feiner  geinbfd)aft  etwas  Igoren,  ber  gan$e  23  au  in 
einanber  ge fügt  follte  warfen  au  einem  Jjeüi* 
gen£empel  in  bem£errm  ©leictywie  einige  9ftag* 
nete  eine  fol$e  große  $raft  £aben,  baß  fte  mehrere  fdjwere 
Sftnge,  wie  eine  ®ttte,  an  einanber  Rängen  unb  galten  fönnen, 
fo  follen  t>k  fersen  ber  (£l?rtßen  burdj  bie  i'iebe  in  Einern 
©etffc  unb  ©inn  mit  einanber  tterbunben  fepn,  —  3efu$  ifl 
gleicfyfam  ber  £immlif$e  Magnet,  ber  bur$  ©eine  ©nabe  unb 
Äraft  bte  frommen  (Seelen  fo  miteinanber  tterbmbet,  baß  fte 
ttue  (Eine  ^ette  an  einanber  fangen,  unb  ftdj  burd)  3tt>ietrac$t 
nidjt  trennen  laffen.  2)ie  alfo,  welche  (Slmftt  ©inn  £aben, 
jtnb  fleigig  au  galten  bie  <£inigfett  im  @ei(t  burc^  ba$  23anb 
beS  grtebenS*  2)a£er  wollen  wir  biegmal  t>  o  n  ber  2$  e  r* 
einigung  ber  ©laubigen  bur$  bie  brüberlidje 
Siebe  reben;  wir  feuften  aber  *>or£er: 

D  (üffe  fciebe!  fdjenf  uns  betne  ©unft, 
ßaj3  uns  empftnben  bei:  Siebe  SBrunft, 
Saf  wie  oon  ^>e^en  einanber  lieben, 
Unb  im  ^rieben  auf  @inem  <2tnne 
SSleiben.    &qm  ele^fon! 

M  l  $  a  n  b  l  vl  i  :$* 

@3  tft  befannt,  bog  ba$  Unfraut,  bat  unter  bem  gla$$ 
wäc^t  unb  unter  bem  tarnen  gla$$feibe  befannt  ffl>  feine 
befonbere  $raft  für  ft$  Jat,,  fonbern  *>on  ber  ^flanae, 
an  welche  eS  jic$  $ängt,  unb  aus  welker  e$  feine  9ta^ 
rung  aieljt.  2iugerbem  ift  baffelbe  hti  bem  weiblichen  ©e* 
fdjlecfjt  fe$r  »erjagt;  unb  bo$  fann  eS  fein  paffenbereS  SSorbitb 
geben  für  bie  gläubigen  ©eelen ,  t>k  an  @£rtj*o  bangen  unb 
©eines  ©etfte*  t^eiljaftig  jtnb,  2lu$  fte  Ijaben  feinen  eigenen, 
fonbern  grifft  ©inn*  ©ie  leben,  bo$  m$t  fte,  fonbern  tyxu 
ftuS  lebt  in  ilmem  SSeil  jte  allein  in  ber  ©nabe  unb  ßraft 
(grifft  befielen,  fo  nehmen  fte  au$  ©eine  5lrt  unb  ©eftnmmg 
an  jt^  ©ie  fmb,  wk  tyr  £eilanb,  brüberlicfj,  barnu)eraig, 
freunbticfj,  unb  weil  ipr  £era  bem  liebreichen  £eraen  3efu  fo 
najie  ift,  fo  wirb  e$  wn  bemfelben  immer  me|>r  entaünbet* 


1082 

V3ttcrfl  wollen  vt>tr  nun  seilen,   wie  notjjtg  tiefe 
br übe r It cf>e  € iehe  fep.    2)er  ©laubige  mug  not^wenbig 
aucb  liefet*  fe^n;  bieg  folgt  namentlich  1)  aus  unferem 
Zexte,  in  welkem  ber  Styoftel  bte  brüberlic^e  Ciete  aus  ber 
tte&e  ©otteS  ableitet  unt>  fagt;  „3J>r  Sieben,  }at  uns 
©Ott  alfo  &tlie1>t,  fo  follen  wir  uns  auc&  unter 
e  in  an b  er  liebend  —  Seil  ber  ewige  ©Ott  uns  arme 
SÄenf^en  aus  lauter  ©nabe  alfo  geliebt  pat,  bag  <£r  uns  fo 
Siel  ©uteS  getrau  unb  uns  ©einen  lieben  ©ofm  gefcfymft  pat, 
—  weil  uns  SefuS  fo  geliebt  pai,  baß  @r  ©i$  felbft  für  uns 
gegeben  unb  ©ein  Seben  für  uns  aufgeopfert  $at,  —  weil 
ber  $til  ©eift  uns  fo  geliebt  $at,  bag@r  ©icfj  mit  ber  Siebe 
©otteS  in  unfere  £er$en  ergießt,  unb  ©ia),  fo  lange  wir  le* 
ben,  um  uns  befümmert,   um  uns  aur  ewigen  ©eltgf  eit  au 
bringen,  warum  wollten  wir  uns  alfo  weigern,  einanber  au 
lieben?    $at  uns  ©Ott  fo  £o<$gea$tet ;  warum  wollten  wir 
einanber  gering  fragen?  £at-(£r  eS  fo  peralicj)  gut  mit  uns 
gemeint;  wie  fbnnen  wir  anbers  als  aus  Ijeralicfyer  Ziehe  für 
unfer  gegenfeitigeS  2öoJ>l  forgen?  fyat  uns  ber  Jummlifclje  93a* 
ter  ein  folcfyeS  33eiftriel  gegeben  unb  eine  fol$e  große  Ziehe 
eraeigt;   wie  fbnnen  wir  ©eine  ^inber  fepn,  wenn  wir  3jjm 
mc^t  nachfolgen,  fonbern  uns  unter  einanber  Raffen  wollen?  — 
3Dabei  ifi  audj  ni$t  aus  ber  2lctyt  ^n  lajfen,  bag  ber  (Evan* 
gelift  fagt,  wir  follen  uns  untereinanber  liebem  SSenn  wir  aber 
feine  SKorte  genau  nehmen,  fo  Witt  er  fagen:  tyx  Ziehen,  $at 
uns  ©Ott  alfo  geliebt,  fo  finb  wir  aueb  ftyulbig  uns 
unter  einanber  au  lieben.  2)a£er fpric^t auejj  f auluS ; 
,,©e$b  9ciemanb  nichts  fc^ulbig,  benn  bag  i£r 
euefy  unter  einanber  liebet/'  —  ©Ott  jjat  uns  burty 
©eine  unserbiente ,  groge  Ziehe  au  ©cbulbnern  gemacht ,  unb 
wir  fonnen  niebt  läugnen,   bag  wir  fcfmlbig  |mb,  3fm  *>on 
ganzem  £eraen,  *>on  ganaer  ©eele  unb  aus  allen  Gräften  wie* 
ber  au  liebem    9hm  aber  fwt  (Er  uns  ernffticj)  befohlen,  bag 
wir  unfern  9läc$j*en  lieben  follen;  ja  dx  Witt  son  uns  nic^t 
geliebt  fe$n,  aufy  unfere  Ziehe,  beren  wir  uns  rüjmten,  für 
9tfc()tS  achten,   wenn  wir  nic$t  aufy  unfern  9Mcbften  lieben, 
wie  So^anneS  an  einer  anbern  ©teile  fagt:  „Sieg  ©ebot 
ljaben  wir  *>on  3£m;   wer  ©Ott  liebet,  bag  ber 
auc^  feinen  trüber  liebe/'  —  ©o  bringt  nun  baS 


1083 

@prij*entpum  biefe  @d)ulbigfeit  mit  jt$ ,  beren  ftd^  temer  ent* 
Sieben  fann,  —  bag  wir  un*  um  ber  Siebe  ©otte*  willen 
untereinanber  li;ben  foltern    Unb  wer  biefe  ©$ulb  niä;t  su* 
geben  ober  abmatten  Witt,  ber  barf  jta)  von  feinem  Triften* 
t£um  feine  Hoffnung  madjem  —  2)  £)iefe  $fK$t  unb  ©#«P 
bigfeit  ben  ««d#e«p  lieben  erhellt  ferner  au*  ben  puftgen 
Geboten  ©otte*,  a*  53*  //©«  foUfi  beinen  «Räc&flcn 
Heben,  tvie  bic$  felbjh"  —  ©n  ©ebot,  wela)e*  3efu$ 
einigemal  wieberjtolt  unb  e*  ntcfjt  blo*  mit  bem  ©ebot  von 
ber  ^tede  ©otte*  verfnityft,  fonbern  au$  bemfelben  gleid)  maajt- 
—  Sßkiter  peigt  e*  in  ber  @c|>rtft:  „<£*  ijl  bir  gefaxt, 
Sttenfcb,  toa*  gut  t(l  unb  was  ber£err  von  bir  for* 
bert,  nämli$@otte*2Bort  galten,  Siebe  üben  unb 
bemütljig  fe^n  vor  beinern  ©Ott!"  —  Sutl)er  bemerft 
Jnebei fepr fc^on :  ba*  Jjeigt  glauben,  Heben,  letbem  — 
gerner  fmb  Ht  SGSorte  unfere*  £etlanb*  belannt:  (5 in  neu 
©ebot  gebe  i$  eua),  bag  i\)x  tufy  unter  einanber 
Hebet,   wie  3$  eu$  geliebet  Jabe,  aufbagaucfj 
ipx  einanber  lieh  fjabet/'    (£r  nennt  e*  tin  neue*©e* 
bot,  o{me  3weifel,  xck  bie  ©cfjrift  fagt,  bag  man  ©Ott  tin 
neue*  Sieb  fingen  fojf*   £>enn  xx>k  ©otte*©üte  alle  bor- 
gen neu  iji,  unb  xok  @r  un*  täglich  mit  folcfyer  Suffc  ®\xtz$ 
t|>ut,  wk  wenn  (£r  un*  nocf)  nie  etwa*  ®utc$  getrau  fyätte, 
fo  fott  auü)  unfer  Sob  unb  Sieb,  ba$  wir  ©ott  fingen,  un* 
täglid)  neu  fe^n*    2>te  23egierbe,  3£m  au  greifen,  bie  wir  l)a* 
ben,  barf  nimmer  alt  werben»  —  @o  laffen  ft$  au$  obige  SSorte 
von  3efu  erklären :  £>a*  ©ebot  ber  Siebe  fott  un*  immer  neu 
fep,  e*  fott  in  ©einer  $ir$e  nimmer  veralten  unb  nie  au* 
ber  2t$t  gelajjen  werben*  Unb  wenn  gleich  2itte*  in  ber  2Ö3elt 
veraltet  unb  anber*  wirb,  fo  fott  bo$  biefe*  ©ebot  atteaeit 
unvercmbert  bleiben;  wir  fotten  mit  folgern  gleige  trauten, 
e*  au  galten,  al*  pätk  e*  un*  ber  £err  täglidj  von  neuem 
gegeben,  al*  Ratten  wir  e*  no$  nie  geport,  vielweniger  baf* 
felbe  vollbracht,  —  £)ie  Siebe  in  unfern  £>eraen  fott  vok  eine 
frifö*  OueKe  fep,  welche  immer  frifcfje*  SBajfer  gibt,  unb 
wenn  aufy  if?r  ©irömlein  M$milm  getrübt  wirb,  fo  ver* 
fdjwemmt  fte  t>k  Unreinigfeit  unb  gibt  fogleidj  wieber  an 
neue*,  reine*  SBaffer*    ©lei^wie  bem  ©lauben  bie  3So£l* 
tyattn  be*  £errn  3efu  täglich  neu  fei;n  muffen,  tck  er  ju$ 


1084 

über  feinen  (grrlofer  fo  freuen  mug,  al$  Ware  (£r  fyute  gebo* 
ren,  Ijeute  am  $reua  geftorben,  feixte  auferfianben;  alfo  mü> 
fen  aua)  ber  Ziehe  bte  2öo£ltj>aten  gegen  ben  9Ma)ften  immer 
neu  fepn,  —  fte  foll  fta)  täglia)  mit  neuer  greube  unb  £ufi 
tarin  üben»  —  2)er  (£rlöfer  lieg  e$  aber ,  wie  fa)on  gefaßt, 
an  einem  UM  ma)t  genug  fe^n,  fonbern  GEr  fagte  e$  wieber* 
£olt:  2)a$  ift5ttein©ebot,  baß  iijr  eua)  unter  ein* 
anber  liebet,  gleia)wie  3a)  eua)  liebe,  2)a$  ge* 
I)iete3a)  eua),  baß  i£r  eua)  unter  einanber  liebet 
2)  ar  an  wirb  3eb  ermann  erfennen,  bagi£r3ttetne 
3ünger  fe^b,  fo  ipr  Ziehe  unter  einanber  fyabL" 
—  3u  tiefen  Söorten  bemerft  ein  berühmter  £e£rer:  „wer 
alfo  feine  Ziehe  gu  bem  9täa)fien  §<xt,  ber  ifi  fein  3«uger 
(grifft,  wenn  er  aua)  mit  noa)  fo  oortrefflta)en  ©aben  be$ 
£eil*  ©eifie$  gegiert  iji."  —  £araug  nun  lägt  fta)  jta)er  fc^Iie^ 
gen,  bafj  ber  fein  wahrer  9taa)folger  (grifft  ift  unb  feine  ©e* 
meinfa)aft  mit3N  $at,  in  beffen  £era,  2Äunb  unb  £anb,  in 
fceffen  £ebett  unb  SSanbel  fiatt  ber  brüberlia)en  Ziehe  lauter 
£aß,  geinbfeltgfett  unb  ©itterfett  au  ftnben  i%  —  21$,  lieb* 
per  £err  3efu,  wie  fommt  e$  benn,  baß  bie  Wieiften  beiner 
ßjjrifien  fo  aufrieben  ftnb  mit  i£rem  Suftanbe  unb  fta)  für 
gewiffe  @rben  ber  fünftigen  (Beltgfett  galten,  obgleta)  £)em 
$ennaeia)en,  —  bie£tebe,  bei  ijwen  m'a)t  anzutreffen  ift!  £> 
SBerblenbung ,  o  <£lenb!  Erbarme  2)ta)  ijjrer,  o  3efu,  unb 
gib,  baf  fte  wieber  loäfommen  au$  beS  £eufel£  €trttfen,  ber 
fte  gefangen  fyat  $u  feinem  2Men!  —  3)  $ua)  bie  {»eiligen 
Sipofiel  wieber£olten  biefeS  ©ebot  ber  £tebe  ffetgig,  unb  fua> 
*en  e$  ben  (griffen  emaufa)ärfen,  $aulu$  fagt:  „2ll(e  ©e* 
fcote®otte$  ftnb  in  bem  ©ebot  oon  ber  Ziehe  he* 
griffen,  unb  bieZieheift  be$@efe£e$ß:rfüllung* 
gerner:  SSenn  ia)  mit  3flenfß)en*  unb  mit  QztiQeU 
gungen  rebete  unb  fyätte  ber  Ziehe  nia)t,  fo  wäre 
ia)  ein  tönenb  @rrg  unb  eine  flingenbe@a)elle  :c>" 
3a)fannmia)aber  m'a)t genug wunbern ,  wo£er  eS  fommt,  baß 
tiefe  SSorte,  bie  man  boa)  alle  3<$re  in  feber  a)rifHia)en  @e* 
meinbe  liest  unb  erfldrt,  fo  wentg  beamtet  werben*  —  din 
3eber  wünfa)t  berebt,  gelehrt,  flug  unb  berühmt  au  fe$n,  unb, 
wenn  er  es  fo  mit  gebracht  fyat,  ift  er  aufrieben,  unb  Slnbere 
ftnb  mit  tym  aufrieben,  wenn  er  auä)  »on  ber  Ziehe  wenig 


1085 

ober  md>t£  weif,  fonbern  ftol$,  $anffü$tig,  neibifcfy  unb  £art 
gegen  feinen  ^Mdjflen  tfL  allein  (o  ifl  e$  einmal,  bie  2Beft 
|>at  ein  anbereö  (^rifientjmm  im  SSort  unb  in  ber  $ir$e, 
ein  anbetet  in  ber  Xfyat ,  auf  öffentlichen  plagen ,  auf  bem 
$lattyau$,  in  ber  ©$enfe  jc*  6ie  will  $war  ®otte$  2Bort 
£ören,  bocfj  nidjt  verpflichtet  fe^n  barnadj  au  tjjun*  Sag  e$ 
(Sott  erbarme!  —  Söeiter  faßt  $aulu$:  6trebet  na# 
berSiebe,  —  b.i*  verfolget  fte  unb  jaget  tljr  na$,  befiel 
giget  eu$  mit  allem  (Frnße,  betet  eifrig,  bag  tljr  eine  brunftige 
Stefce  im  £er$en  paben  moget*  2>ie  je$tge  2Mt  achtet  bie 
eble  Siebe  ni$t  für  würbtg,  bag  fte  begwegen  einen  gug  be* 
toegen  follte*  2)enn  wer  ringt  Wo£l  mit  ftd)  felbj*,  wer  betet 
eifrig  barum,  wer  bemüpt  ftdj  au£  allen  Gräften,  bag  er  eine 
aufrichtige,  per$Iic$e  Siebe  gegen  feinen  -flächen  Ijaben  möge  V  — 
gerner  fagt  er:  Saffei  2Ule$  in  ber  Siebe  gef$e* 
£en,  b*  £♦  bie  Siebe  fott  ba$  allgemeine  ©efe#  fe$n,  nac^ 
welkem  wir  un$  in  allen  unfern  ©efdjäften  richten  fotten* 
@te  fott  ba$St$t  fep,  barin  wirSItteä  t£un,  wtö  wir  tljun; 
bur#  fte  fotten  wir  alle  unfere  SQSorte  unb  2Berfe  angenehm 
machen,  $ur$,  fte  fott  ber  Anfang,  ba$  SffliMl  unb  ba$ 
(£nbe  aller  unferer  Verrichtungen  fepm  —  gjrebtgen  wir,  fo 
fott  man  aClent^alben  feljen,  bag  wir  unfere  3u£örer,  in  ber 
Siebe  3efu,  treuer  unb  wert!?  galten*  Regieren  wir,  fo  mug 
aller  ^rnft,  ber  gebraucht  wirb,  bur$  bte  Siebe  gemdgigt  fe$n* 
3m £anbel  unb SBanbet  mug bie Zitbt  bieUnterH11^**1* 
fe^n  awifdjen  uns  unb  bem9tä$f*en,  bie  dtlt ,  mit  welker 
wir  meffen,  ba$©ewtdjt,  mit  bem  wir  wagen,  bieltpr, 
nact)  ber  wir  uns  richten,  ber  $  ruf  fte  in  für  unfere  Sttünje, 
berOewinn,  ben  wir  fu$em  Wlifyin  tffc  bie  Siebe  fo  not#* 
wenbig  im  Seben,  bag^oljne  biefelbe  ni$t£  getrau  werben 
fott;  benn  m$  ojme  ben©lauben  unb  bte  Siebe  getrau  wirb, 

ba$|ift  ntc^tö ,  ia  t$  ift  <3ünbe  oor  @ott 

4)  Wlit  bem  2tyoftel  $aulu$  ftimmen  au$  bie  übrigen 
übereüu  5Bor  aUen2)tngen,  fagt$etru$,  fyabt  untere 
einanber  eine  brunftige  Zieht*  Unb3ofKmne$:  Söer 
ba  fagt:  er  fep  im  Si$t  unb  Raffet  feinen  S3ru* 
ber,  ber  i ft  no$  in  ber  gtnfternig,  2Bir  wiffen, 
bag  wir  au$  bem£obe  inSSeben  gefommen  finb; 
benn  wir  litbtn  bie  33rüber;  wer  aber  ben  33ru* 


/  1086 

bev  nid)t  Itebt,  ber  bleibet  im  £obe*  3£rSieben, 
laffet  un^  untereinanber  lieb  £aben;  bennbie 
Siebe  ifi  *>on  ©Ott.  2öer  lieb  £at,  ber  ifi  ^on 
©Ott  geboren  unb  fennet  ©Ott,  wer  niä)t  lieb 
$at,  ber  fennet  ©Ott  niä)t;  benn  ©Ott  iji  t>ic 
Xitbt.  —  Stefe  $ernfprüa)e  ftnb  fo  flar,  bofy  fte  feinerer* 
Jlärung  bebürfen;  fte  fagen  un$,  wo  feine  brüberlia)e  ZkU 
ffl,  ba  ifi  aua)  fein  ©laube,  fein  @jjriftentlmm,  feine  23er* 
gebung  ber  ©ünben,  fonbern  lauter  Ungnabe  unbSSerbammnig.  — 
SafobuS  nennt  t>k  Siebe  be$  9?ää)jkn  t>a$  fomglia)e  ©efe§, 
ba$  man  am  meinen  in  2la)t  nehmen  foll,  weil  ßjjrijhiS,  ber 
$önig  aller  Könige,  biefeS  ©ebot  ©ein  neu  ©ebot  nennt*  dx 
£eifit  uns  an  bemfelben  bie  geiftfia)en  Könige  unb  $rief*er  »or 
©Ott  erfennen*  $aj?  unb  geinbfeligfeit  ifi  baS  ©efeg  ber  $ök 
ftfä)en  ^rannen;  bie  Siebe  aber  ba3©efe£be$  ewigen,  £imm* 
lifa)en  IftmigS;  mithin  ftnb  Uc  Untertanen  beiber  Ferren 

Keia)t  ju  erfennen  unb  *>on  einanber  $u  unterfa)eiben. 

5)  gerner  lagt  jta)  bie  -iftotfjwenbigfett  ber  %kht  aus  ber 
23etraa)tung  beS  wahren  ©laubenS  unb  beffen  303irfung  er* 
weifen.  2)er  2tyojiel  fagt:  2)er  ©laube  muffe  burä) 
bie  %itlt  tfyatiQ  f e pn»  2Bo  nun  ber  ©laube  tfi,  t>a 
ntug  bie  $kU  not^wenbig  folgen  als  bk  erfte  gruä)t,  bura) 
wela)e  er  feine  innere  ^raft  aua)  äugerlia)  offenbart*  2)er 
©laube  i(l  wie  bie  ©eele,  wela)e  immer  wirft,  fo  lange  fte 
im  $äbt  wojmt.  ©eine  wrnejjmfie  unb  erfie  äußerliche  2Bir* 
fung  aber  ifi  in  ber  Siebe,  unb  wo  biefe  ma)t  iß,  t>a  i(i  aua) 
fein  tjjättger,  fonbern  ein  tobter  ©laube.  —  2)er  ©laube 
bringt  uns,  roh  wir  fa)on  öfters  gefagt  jjaben,  in  bie  ©e* 
jneütfä)aft  mit3efu  (Sprijio,  unferem  (£rlofer.  2Bomtn@£rifhtS  i% 
ba  muß  aua)  Siebe  fe^n,  benn  was  anberS  ifi  @r,  als  ber 
5lbgrunb  ber  göttlichen  ^.itUfi  $ann  aua)  3emanb  eine  glü* 
£enbe  $o$le  in  ber  £anb  tragen,  ojme  ftä)  $u  brennen;  ober 
fann  Semanb  3uder  in  benSJftunb  nehmen,  ojme  bte  ©ügtg* 
feit  batton  au  fdmtecfen?  SQßie  follte  alfo  GtyriftoS  mit  ©einer 
Siebe  in  unfern  £er$en  wohnen,  o£ne  bafjt  wir  *>on  ber  Siebe 
©otteS  unb  beS  SMcbften  etwas  wiffen  ?  60  wenig  wir  »on 
ber  ©onne  baS  Zifyt,  *>on  bem  geuer  bie  §\%t,  son  ber 
Eftofe  ben  angenehmen  ©erua;  trennen  fonnen,  eben  fo  wenig 
fönnen  wir  aua)  *>on  3efu  bie  ^kU  trennen;  ©ein  23lut  iffc 


1087 

soll  Siehe.  @etn  £era  ift  ein  2lbgrunb  von  Siehe,  <3em  ®e$ 
ift  ein  ©eiß:  ber  Siebe,  @ein  Söort  ifl  ein  @efe#  ber  Cfebe* 
SBenn  alfo  ©ein  £>era  unfer  £era  berührt,  fo  fann  eS  nta)t 
anberS  als  liebem  £)er  gefreuaigte  <£rlöfer  ifl  nia)t  bloS  ein 
23 u$  ber  Siebe,  barauS  wir  fte  lernen  fönnen,  fonbern 
aua)  eine  SSurael  ber  Siebe,  barauS  fte  in  unferem 
£eraen entfielt-  (£r  ift  aus  Siebe  geboren,  geworben  nnb  wie* 
ber  aufer  jknben  unb  gen  £immel  gefahren,  <£r  Witt  aus  Siebe, 
in  Siebe  unb  mit  Siebe  in  unferem  £er$en  wohnen*  —  @o 
lange  bie©eele  imSeibe  ift,  ftnbet  fta)  eine  natürliche Söärme, 
wobura)  2illeS  ün©ange  erhalten  wirb;  ift  fte  aber  entflogen, 
fo  tritt  ber  £ob  ein  unb  t>ie  ©lieber  erfiarren.  Grbenfo  ift 
eS  mit  SefuS :  fo  lange  tiefer  als  bie  ©eele  unferer  @eele 
unb  bie  traft  unfereS  Setbs  in  uns  wopnt,  mu£  bie  Siebe 
fta)  teilen,  bura;  welche  Sitten,  was  in  uns  ift,  gum  Sienfte 
beS  9Ma)jien  willig  gemacht  wirb*  —  33tSper  £aben  wir  nun 
bie  9fa>t£wenbigfett  ber  brüberlia)en  Siebe,  Mit  wir  poffen, 
gur  ©enüge  bewiefen,  unb  ia)  gefiele,  ba§  eS  bejfer  wäre, 
wenn  man  hei  ben  ߣrijlen  folä)er  Slflülje  überhoben  fe^n  fonnte; 
allein  weil  bie  Stebe  fajt  in  alter  ^er^en  erfaltet  ift,  ob  fte 
fta)  gleia;  für  gute  (^rijfat  galten,  fo  mug  man  fta)  bemü* 
£en,  fte  wcnigftenS  $on  ber  9?otljwenbigfeit  btefer  a)rijtfict)en 
£ugenb  §u  überzeugen,  tamit  fte  feine  (£ntfa)ulbigung  Ijaben, 
2öir  wollen  jefct  aber  aua) 

IL  aeigen,  wie  bef Raffen  bie  Siehe  fe^  —  2)te 
brüberlia)e  Siehe  ift  eine  £tmmlifct)e  traft,  *>om  $tU 
ligen@etji  in  ben^eelen  beglaubigen  erweeft, 
wobura;  biefelben  aus  Siebe  au©ott  unbSefu  ge* 
neigt, geaogen  unb  gleia)fam  geawungen  werben, 
bem  W&tyfttn  ©uteS  au  tpuxi  unb  feine  leitlifyt 
unb  ewige  303 o ^ l f a^r t  *>on  ganaem  £eraen  unb 
nao)  Gräften  a«  forberm  2)tefe  Siebe  ifl  aber  feine  blo$ 
natürliche  Zuneigung  ber  Sftwerwanbten ,  greunbe  unb  üftaa> 
barn  au  einanber,  was  man  aua)  bei  ben  Reiben  ftnbet,  fon* 
bem  fle  ift  fKiuptfä^lia)  eine  ©nabe  »on£)ben  unb  eine  traft 
beS  £erm  3efu  unb  ©eines  ©etjteS ,  welcher  aua)  barum  ein 
©etjt  ber  Siehe  genannt  wirb.  2)te  a)riftlic^e Siebe  ift  ein 
DtmmliföeS  geuer  »on  einer  gana  anbern  2lrt  als  baS  natura 
Ha)e ,  weil  fte  ojme  $ücf ft$t  auf  ftcf>  felbft  au$  biejienigen 


1088 

Xtebt,  bie  tjjr  auwiber  ftnb  unb  naö)  beut  Urzeit  ber  33er* 
nunft  me$r  $a$  als  ©unf*  »erbient  ftftten*  £)ie  natürliche 
£tefce  wirb  bei  ben  ©laubigen  ntcfit  bloS  geheiligt  unb  naa} 
beut  SSillen  ©otteS  gelenft,  fonbew  fte  wirb  aua;  »ergrofjert, 
gefldrft  unb  ausgebreitet,  baß  (te  mit  9?e^t  eine  g  lamme 
beS  ^>errn  genannt  werben  fann,  welche  Stele  SBaffer  nid)* 
auSlofa)en  noa)  bte  ©trome  erfdufen  mögen»  —  2)aS ,  was 
bte  ©laubigen  geneigt  maa)t  ben  9£ätt;fien  $u  lieben,  ifi  bie 
©üte  ©otteS  unb  3efu  mit  all  ©einer  £tebe  unb  Streue*  £er 
wa£re  (Sljrifi  fteijt  ben  9töa;ftat  an  als  ein  ©efa)bbf  ©otte^ 
unb  als  ein  $tnb  beS  £immlifa;en  JBaterS,  baS  (£r  fo  poa; 
geliebt  5^/  ^f*  (£r  ©einen  eingebornen  ©o*m  um  beffen* 
willen  in  ben  £ob  häfyin  gegeben  %aU  (£r  betrautet  tyn  als 
ein  ßrigentlmm  beS  ^)errn  3efu,  ben  <£r  nia)t  mit@olb  ober 
©ilber,  fonbern  mit  ©einem  tbeuren  23lut  erlauft  jwt,  — 
ebenfo  aua;  als  eine  SBofmung  beS  ljeil*  ©eijteS,  weldje  (£r 
fta)  aus  lauter  ©nabe  unb  ©üte  erf oren  Ijat*  —  <£r  fteljt  alle 
3ftita)rijien  an  alS33lutSfreunbe  in  3efu  @!?rif*o  unb  alSSWtt* 
erben  beS  ewigen  £ebenS;  alle  9)?enfa;en  aber  als  ©efctyöpfe 
©otteS,  für  welche  baS  $lut  <S£rijH  »ergoffen  unb  benen  bie 
©eligfeit  ebenfalls  erworben  unb  Itxtittt  worben  ifi:*  (£x 
wünfa)t  bemnaa;  Sitten  son  ©runb  beS  £eraenS  au  bienen  mit 
ber©abe,  bie  er  empfangen  Jwt,  unb  fte  m  bem3uftanbe  $u 
fe£en,  barin  (te  mit  ijm  ber  tjjeuren  (£rlöfung  bura)  @  jjrijhtm 
wirllia)  tlpeilbafttg  werben  mögen.— ©er  waffre  £jjrtji  aä)tet 
feinen  9täd$en  £oa),  weil  er  weif*,  wie  £oa)  eine  ©eele  sor 
©Ott  geartet  ifi»  <£r  fa)ämt  fta)  ma>t,  aua;  bem  ©eringfien 
$t  bienen,  weil  er  weiß,  baf  ber  ©ojm  ©otteS  in  t>it  2Belt 
gefommen  tji  unb  ÄnedjtSgejialt  angenommen  £at,  um  t>m 
Sftenfdjen  au  bienen*  gtnbet  er  baS  SBilb  feines  (£rloferS  in 
einem  £eraen,  fo  ejjrt  unb  liebt  er  eS  um  beffelben  willen; 
ftnbet  er  eS  nia)t  barin,  fo  wünfdjt  er  feneS  hineinzubringen, 
unb  fpart  Weber  Seit  noa)  üttü^e,  weil  eS  tym  %tx#i§  leib 
tyut,  fejjen  au  muffen,  baß  an  einem  9ttenfd>en  Uc  groge  ^tebe 
beS  £errn  3efu  unb  ©ein  tpeureS  S3lut  verloren  i|L  —  $ura, 
bie  ZkU  (SJjrijH  bringt  ben  ©laubigen  alfo,  bafj  er  immer 
wirfen,  ratzen,  pelfen,  troffen,  warnen,  lehren,  unterria> 
ten,  ©uteS  tjmn  unb  bie  zeitliche  unb  ewige  Sojjlfaljrt  beS 
9Ma;j!en  au  beförbern  fua)en  m\x%  —  SarauS  folgt  nun,  ba$ 


1089 

|ff  brübertia)e  Siebe  ber©taubigen  1)  freiwillig  tft.  ©ein 
£era  tft  ma)t  ttie  ein  Brunnen,  in  welchen  man  SSaffer 
tragen  muß,  fonbern  wie  eine  Duette,  bie  ipr  Söaffer  *>on 
fetbft  aus  ber  »erborgenften  giefe  gibt  <£$  tagt  fta)  nia)t 
lange  nötigen  unb  bitten,  wenn  e$  @uteS  ttmn  fott,  fonbern 
e$  tjl  feine  2uft  nnt>  greube ,  eS  fua)t  mit  Verlangen  ©ete* 
gen^eit  baau,  unb  wenn  e£  eine  fota)e  bekommt,  fo  achtet  e$ 
biefetbe  für  eine  ©nabe  QootUö  unb  nimmt  fie  fröljtta;  an.  -— 
$on  ©Ott  wirb  gefagt :  e$  fep  ©eine  Suft  @ute$  au  $wi, 
unb  (£r  tjme  e£  ireutiä),  son  ganzem  £eraen  unb  t>on  ganaer 
©eele;  barnaa)  ftreben  Seine  ^inber  aua)*  £)ie  fnmmltfä)e 
3ßei£jjeit,  unter  weta)er  man  3efum  werfte  Jen  fann,  fpria)t: 
Steine  Suft  iffc  bei  ben  5D?enfa)enlinbern/  Sieg 
ftef?t  man  aua)  beuttia)  auö  ©einem  SSanbeL  (£r  war  met* 
ftenö  mit  einer  Stenge  ZßolU  umgeben,  ba$  3£n  brcingte  unb 
allerlei  $ranfe  mit  fta)  führte.  <E$  waren  unter  tlmen  groge 
©ünber  unb  Wißbegierige  £eraen,  ober  Ratten  fie  anbere 
fa)were  anliegen*  Sitten  biefen  fam  ber  Ikht  #eitanb  mit 
dlafy,  £roft,  £ülfe  unb  Unterria)t  entgegen,  wie  fie  e£  nöt^ig 
Rattert*  Zweiten  begab  dx  ©ia)  mit  ©einen  Süngern  ixt 
bk  SBüfle,  um  bort  au$aurul)en;  wenn  dx  aber  fajj,  bag 
ba$  Vßotf  3N  naä)eitie,  fo  jammerte  %fyn  baffetbe,  unb  (£r 
maa)te  ©ia)  äUnbö  auf  unb  unterria)iete  diejenigen ,  wela)e 
au  3Jm  famen,  unb  J>atf  bitten,  Uc  ©einer  £ütfe  bebürftig 
waren,  —  2)a6  atfo  war  ©eine  greube  unb  ©eine  %u%  Mm 
au  bienen  unb  i£r  itixlifytü  unb  ewigem  SBoJrt  $u  beforbernf 
ja,  mm  &x  ber  $?enfä)en  £e'tf  bewirf en  fonnte,  fo  sergag 
@r  (£ffen  mb  grinfen,  ©d)taf  unb  S^u^e.  —  2)tefe  (^eftn- 
nung  nun  j?at  (£r  ©einen  ®lauM&m  eingepflanzt ,  batjer  fie 
mefjr  greube  barin  jtnben,  ©uU$  a«  *lttut,  aU  ®uti$  #x 
empfangen.  28enn  fte  am  borgen  il?r@ebet  *>erria)tet  jjaben, 
fo  gefjen  fie  au£  mit  bem  f>eratia)en  Verlangen ,  balb©etegen* 
i?ett  au  ftnben,  einen  betrübten  a«  tröfien,  einem  fRat jrtofen 
au  ratzen,  einen  hungrigen  zu  fpeifen,  einen  dürftigen  a« 
trdnfen,  einen  Traufen  an  erquitfen,  einen  ©ünber  a«  ermalj* 
neu  u,  bergt  ©ie  gteia)en  einer  fdugenben  Butter,  bk  naa) 
tjjrem  tinbe  fta)  fe^nt  ©ie  ftnb  wit  an  IBaum,  ber  »otter 
grita)te  Jängt  nnb  feine  3^eige  nieberbeugt,  att  wottte  er  jte 
ben  $lenfa)en  barreia)en.    ©ie  werben  icon®ott  getröftet  unb 

©  c  r  i  ü  e  r  'd  @eelenftf)a£,  69 


1090 

tröffen  Rubere  Steter  mit  beut  £rofte ,  bamit  fte  getröfiet  ftnb» 
Die  ^iebe  ©otteS  %  auSgegoffeh  in  iffre^er^en,  unb  biefelben 
fliegen  mit  greuben  über  unb  treffen  Snbern  mit,  waS  fte 
empfangen  jjabem  Daljer  fagt  ^aulu'S:  „©er  £err  *>er* 
mejjre  euo),  (erfege  euren  Mangel  na$  bem  9teicf)t|mm 
©einer  @üte)  unb  laffe  t>ie  Siebe  völlig  werben 
untereinanber  unb  gegenSebermann,  wie  benn 
aucf)  wir  ftnb  gegen  euty. 

23  Die  brüberlidje  Siebe  ifl  ferner  auty  Ijeraltä)  unb 
aufrichtig»  SSeil  3efuS  im  £eraen  wojwt  unb  baffelbe 
mit  ©einer  Siebe  unb  ©nabe  erfüllt ,  fo  fytüt  ftdj  aus  bem* 
felben ,  wie  aus  einer  laulern  Duelle ,  bie  %kfo  bem  ganzen 
9ttenfa)en  mit.  (Ein  wahrer  @l?rift  J?at  ein  liebreiches  £era, 
einen  troffreia)en  9#unb,  ein  mitleibigeS  5luge,  ein  offenes 
£)f>r,  eine  milbe£anb  unb  einen  allezeit  fertigen  guf^  Datton 
aeugen  mehrere  ©teilen  ber  peiligen  @a)rift,  3.  33*  „S  äff  et 
uns  rec^tf Raffen  fe^n  in  ber  Siebe,  gleichwie  ein 
re^tfd)affeneS  Sgefen  in(^prifio3efu  war/'  (Sajfet 
uns  bamaä)  trauten,  baß  unfere  Siebe  waljrfwftig  fe^,  gleich 
wie  audj  ©eine  Siebe  lauter  SÖSajjrjjeit  warO  Saffet  uns 
liehen  ni$t  mit  Porten,  nocf>  mit  ber3unge,  fon* 
bern  mit  ber  Zfyat  unb  mit  ber  3öa£r£ett.  —  Die 
Siebe  ber  @l?rtfien  fotl  nta)t  mit  Eigenliebe  unb  Eigennug  K>ex* 
mifc^t ,  fonbem  lauter  fcpn*  ©ie  feilen  ©uteS  t(mn,  wie  ijjr 
@ott  unb  SSater ,  treulich  wn  ganzem  £er$en  unb  *>on  ganzer 
©eele,  Die  Siebe,  welche  nur  im  ©ä)etn  befteljt,  ba  man 
einem  ^Betrübten  gute  SBorte  gibt ,  um  ben  Warnen  eines  miu 
leibigen  9)totfa)en  gu  erhalten,  ftä)  aber  feines  Anliegens  ni$t 
gehörig  annimmt ,  ift,  wie  ein  gemalteSgeuer,  baS  feine 
£t#e  gibt,  ober  wie  faules  £ola,  baS  awar  im  gtnftern 
fc^eint,  fonft  aber  9tta)tS  nügt* 

3)  ^>ie^ieU  mug  aua)  allgemein  unb  auSgebret* 
t et  fe#n*  Der  2lpoftel  beaeietynet  (ie  mit  einem  merfwürbi* 
gen  Sort,  wenn  er  fagt:  „£)  i£r  ^orintjHer,  unfer 
9ftunb  £at  fidj  au  e«$  aufgetjjan  unb  unfer  £era 
ift  getroffc  (ober  ausgebreitet)*  (£in£era,  baS  fta;  gegen  ©Ott 
unb  ben -Häuften  ausbreitet,  wie  eine  SBlume  gegen  bie©onne, 
nannte  man  M  ben  @bräem  ein  frö  £ltc$eS ,  liebreiches ,  gü* 
iigeS,  milbeS  £era,  baS  fta;  aus  2ieU  gegen  Sebemann  mit 


1091_ 

greuben  öffnet,  unb  $>a$  alle  bie,  wela;e  tym  begegnen,  gerne 
in  fta)  fcpegen  möa;te,    So  fagtDaotb:  „2öenn  Du  mein 
£era  trofteft,  fo  laufe  i$  ben2ÖegDetner©ebote*" 
D*.  i.  wenn  Du  baffelbe  erwetterft,  mit  ^?iebe,  griebe  unb 
greube  erfütteß,  fo  time  ia)  Deinen  bitten  mit  £u(L  (£benfo 
ritf?mt  Satomo:  ©Ott  pabe  ifmt  tin  xotiitü  £era  gegeben, 
wieSanb,  ber  am  Ufer  be£5!tteere3  liegt,  b*  u  einen  fo  perr* 
Hieben  unb  weiten  Sßerftanb  unb  ein  fo  freubigeg  £era,    bafj 
tfim  ^Rtcf>t^  gu  fa)wer  gewefen  fep ,  unb  bag  er  2llteS  £abe  et* 
forden  fomten.    3n  biefem  Sinne  fagt  aua)  ^autuä :  er  J>abe 
gegen  bie  $ortntjrier  einen  offenen  9!ftunb,  ber  alle  %kbt  fei* 
ne3  £eraeng  gern  in  ipr  £era  augfa)ütten  möa)te;  er  fep  be* 
reit,  ttertrautta),  unb  Iperatia)  mit  ijmen  p  reben  unb  ijjnen 
ba£  3nnerfte  feinet  ©emütf^  a«  entbeefen  unb  fte  Sllle  in  fei- 
nem £eraen  emaufo)tiegem  —  Der  fromme  ®tro)enoater  (5pr^ 
foftomuS  fagt  bei  biefen  Söorten:  „9lia)tS  war  wo£t  weiter 
at$  ba£  ipera  be$  2tyoftet$,    weites  alle  ©taubigen  in  jta) 
fa)log  unb  mit  groger  %kW  umfagte;  Ja  e$  war  aua)  gegen 
bie  Ungläubigen  an^hxdkt  unb  fa)tog  bie  ganae  SBelt  in 
fta)-"    ^r  rebete  l?ter  $on  bem  grogen  Verlangen,  bag^autuS 
tjatte,   alte  Seelen  in  Uz  ®emeinfä)aft  3efu  $x  führen,  — 
3$  füjjrte  bieg  barum  etwag  weiter  aus,  mit  e$  un$  bie 
5lrt  ber  brübertia)en  £tebe  treffenb  *>or  klugen  ftetlt  —  Die 
©taubigen  fwben  atfo  t^titt  fersen,  fte  lieben  nia)t  bto$ 
einige,   fonbern  alle  9ttenfa)en,   grembe   unb  @im)eimifa>, 
23efannte  unb  Unbelannte,  9*af?e  unb  Entfernte,  33ofe  unb 
©ute,  greunbe  unb  geinbe*    ©leia)wie  unfer  £ettanb  fta)  beä 
famarittfa)en  2BetbeS  fycvfiify  annahm  unb  niä)t  naa)tteg,  bte 
dx  fte  gewonnen  |>atte,  fo  ftnb  aua)  Seine  ©laubigen*  60* 
batb  fie  mit  einem  Sföenfä)en  pfammenfommen  ■  er  fep  ifmen 
belannt  ober  unbelannt,  fmnm  ober  gottlob,  fo  trauten  fte 
barnaa),  tyxn  tyx  liebreta)e3  £era  su  'setzen  unb  i£re  greunb* 
lia)hit  lunb  gu  tlnuu    QabtiaUx  fua)enfte  nia)t  iljren  Saugen 
ober  etteln  Sftufmt,  fonbern  blo£  bte  (£i)re  ©otte3  unb  be$ 
9täa)ften  <g>ei(  unb  (Setigleit»    SSenn  bemnaa)  ber  ©laubige 
eine  ©etegenfieit  wahrnimmt,  ©uteö  au  tjmn,  fo  fragt  er 
ma)t  lange,  wer  ber  tft,  ber  feiner  £ütfe  bebarf,  fonbern 
es  ift  i|?m  genug,  bag  e$  ein20?enfa)  tft,  ben  ©Ott  au  Seinem 
23itbe  erraffen  unb  S^fuö  mit  Seinem  teuren  $8lut  erlauft 

69  * 


1092 

$at  (£benbteg  wollte  unfer  fyilanb  mit  ©einem  ©leia)ntg 
von  bem  barmherzigen  Samariter  fagen*  —Der  @j)rtjt  fann 
3*var  nia)t  ade  9ttenfa)en  mit  feinen  ^anben  erreia;en;  aber 
er  gefrt  mit  feinem  Verlangen  burd)  bie  gan^e  2Belt*  dx  ft$t 
manchmal  an  feinem  £ifä)  unb  genießt  baS,  tt>a$  iljm  ©Ott 
befä)eert  Ijat ,  mit  einem  frof>lia)en  unb  vergnügten  ^er^en ; 
babet  aber  benft  er:  a^,  wie  viel  arme,  elenbe  unb  betrübte 
9ttenfä)en  gibt  e$  in  ber  2öelt,  t>k  vielleiajt  je|t  junger  lei* 
ben,  wäjjrenb  ia)  im  Ueberflug  ft$e!  £>  wie  mancher  2a$aru$ 
liegt  vor  ber  £fjüre  eines  barten ,  reiben  5£ftanne$  unb  begehrt 
fta;  von  ben  ^rofamen  $u  fättigen ,  bie  von  beffen  £if a)e 
fallen,  unb  91  temanb  reia)t  fte  il?m !  2lä),  mein  ©Ott,  was  ijabe 
ta;2)ir  meljr  gegeben  aU  fte?  5la),  wenn  iä;  fte  fpeifen,  trän* 
fen,  erquttfen,  trögen  unb  erfreuen  tonnte!  2öte  gerne  wollte 
ia;  meinen  33ijfen  mit  ipnen  tpeilen !  —  (£benfo  hxcitä  er  fein 
£er$  aus,  wenn  er  Um,  er  wollte  gerne  alle  5D?enfa)en  üt 
bajfelbe  fa)ltegen  unb  t'bre  -ftotj),  tpr  anliegen,  tj>re  ©elig* 
feit  bem  £erm,  feinem  ©Ott  vorftellen*  3a  >  wenn  bie  ©lau* 
bigen  nia;t  naa)  bem  23efel?l  t£reS  (£rlofer$  $r  (&tbtt  mcU 
fknS  in  iljrem  Kämmerlein  verrieten  würben ,  fo  fönnte  man 
fte  öftere  fagen  pören;  5la),  mein  ©Ott!  fep  mir,  meinem 
SBetb,  meinen  Kinbern  unb  £auSgenojfen,  biefer  ganzen  <Stavt 
unb  ©emeinbe,  meinen  greunben  unb  Jeinben,  allen  meinen 
5D^ita)riften,  (a  allen  9ttenfa)en  gnäbig  unb  barmjjer^ig!  £af? 
3)tr  unfern  2etb  unb  lieben,  unfere  ©efunbbeit,  unfere  33uf?e 
unb  unfern  ©lauben,  unfere  ©eele  unb  ©eligfeit  in  @l)rifto 
3efu  empfohlen  fep*  £röfie  alle  betrübte,  erquicfe  bie  Kran* 
fen,  ernähre,  verforge  unb  fa)ü$e  bie  Firmen,  bie  @lenben 
unb  Skrlaffenen,  bk  gremblinge,  Söittwen  unb  SBatfen*  (Ex* 
rette  bie  unfdmlbig  ©efangenen ,  fep  eine  3uflua)t  ber  2kr* 
folgten  unb  33ebrängten ,  bringe  bie  Srrenben  unb  SSerfüJrtett 
gurea;t,  befejjre  bie  ©ünber,  (Mrfe  tk  @ä)waa)en,  erbore 
t>a$  ©eufaen  ber  9totbleft>enben,  £ilf  eilten,  bie  au  Qix  rufen, 
nimm  bie  ©eelen  ber  ©terbenben  auf,  erbarme  Qity  2111er 
unb  pitf  il)nen,  wo,  vok  unb  wann  fte  Deine  £ülfe  kbürfen 
unb  begehren!,  — 3war  bat  bie  brüberlia)e  ZkU  ijSre  ©tufen, 
unb  wir  follen  billig  naa)  Anleitung  ber  ©a)rift  Einigen  meijr 
©üte  unb  greunblia)fett  erzeigen,  aU  Slnbern,  'cok  $aulu$ 
au^brü^lia)fagt;  Raffet  uns©ute$  t^unSebermann, 


1093 

aHermeift  aber  ben  ©Uuben^genoffen*"  —  Mt 
fotlen  für  atte  3ttenfä)en  Ulm,  befonberS  aber  für  bte  Könige 
unb  bte  Dbrigfeit ,  für  bie  ^rebtger  uub  Rubere ,  welche  bem 
gemeinen  SSefen  sorjlejjen.    2Bir  fotfen  bte  Unfrigen,  befon* 
ber$  unfere  £au$genof[en  tterforgen ,  boa)  fotfen  wir  bie  Firmen 
niä)t  vergeffen ,   fonbern  ijwen  btenen  naa)  Vermögen*    2Btr 
fotfen  unfere  $inber  eraiefjen  in  ber  3ua)t  unb  SSermaJjnung  aum 
#ernu    £)oa)  follen  wir  aua),  fo  siel  an  uns  ift,  für  bie 
Sugenb  beS  Dm,  in  bem  wir  (eben,  forden  unb  naa)  $räf* 
ten  ba^u  beitragen,  baß  attentjwlben  gute  £e£ranftaften  feiern 
3a,  wir  fetten  für  bie  3ugenb  ber  ganzen  @£rifteu)eit,  aU 
für  ben  ebenen  Xtyil  berfelben,  \vk  l*utf>er  fagt,  J>eralia) 
beten  unb  mögltä)fl  ©orge  tragen,  ba$  ber  93ffonagarten  ©otteS 
unb  ber  $ira)e  wolrt  *>erwa£rt ,  gut  ausgestattet  unb  {Teigig 
in  2la)t  genommen  werbe*  —  ©Ott  lief  im  alten  gejtament  nia)t 
bfo$  bie  ^riefter  au  ©einem  £eiltgtjwm  napen,  fonbern  aua) 
ba$  gemeine  S3oXf  unb  fefbft  bie£etbem  £e§tere  burften  awar 
nia)t  fo  na£e  hinauf ommen  wk  bie  Suben ;  boa)  waren  fte  x>on 
©einer  ©nabe  nia)t  auögefa)lo(fen,  unb  <£r  Heg  ©ia)  gnäbig 
ftnben,  wenn  fte  famen,  um  ©ein  £eilige$  2ingefta)t  %vi  fua)en* 
darauf  beutet  ojme  3weifet  ber  SIpoftel  j?in,  wenn  er  fagt: 
„©Ott  fep  ein£eüanb  aller  2ttenfa)en,  befonberS 
aber  ber  ©laubigen/'  —  Sluf  gleiche  SöSetfe  fyat  ber 
wajjre  (Sjmft  in  bem  3nnerfien  feines  £eraen$,  aU  in  bem 
SlKerJeiligften  ben  breieinigen  ©Ott,  wela)em  er  aua)  im  ©eifi 
unb  in  ber  2Ba|>rJ>eit  au  bienen  beftijfen  iß;  neben  biefem  $at 
@r  ©ein  ^era  ben  ©einigen,  feinen  £au$genoffen ,  SBerwanb* 
ten  unb  9taa)barn  unb  fämmtfta)en  ©laubenSgenojfen  aufge* 
tpan,  unb  fua)t  bte  aeitiia)e  unb  ewige  2Bo|rtfa£rt  berfelben 
naa)  Gräften  au  beforbern,  wenn  fte  aua)  feine  fteinbe  wären 
unb  feine  %kbc  nia)t  erlennten*   @3  ift  aber  aua)  noa)  9?aum 
Ui  tjmt  für  bie  3*renben  unb  58erfü£rten,  für  bie  ©ünber 
unb  ©ottlofen,  für  Reiben,  3uben  unb  dürfen,  naa)  beren 
33efeJ>rung  er  fia)  ljeralia)  felwt  unb  ©Ott  barum  Uttü,  unb 
fte  aua),  fo  x>kl  an  tjmt  ift,  au  beförbern  fua)t 

4)  (£nblio)  mug  bie  £tebe  unserbroffen  unb  fang* 
mütljig  f^u*  2)af?er  fagt  ^auluS :  „Die  Zieht  ift  fang* 
mütljig  unb  freunbüa),  fte  eifert  nia)t,  fte  fua)t 
nia)t  ba$  3£re,  fie  läffet  fia)  nia)t  erbittern,  fie 


1094 

erträgt  2llte$,  fie  glaubet  %Ue$f  fie  hoffet 
SllleS,  fic  bulbet  Sllled,  fie  wirb  nid?t  mübe*" 
2)ie  iMebe  ijt,  wie  fä)on  gefaxt  f  ein  £tmmltfci)ee  geuer*  <8k 
greift  2l(feä  an ,  unb  »aö  fte  ntc^t  entjünben  f  ann ,  ba£  f^me^t 
fte;  xoa$  fte  ni$t  f^mel^en  fann ,  ba$  zermalmt  fte  ober  fudjt 
e$  bodj  weid)  $u  ma$en;  wa$  nirf)t  brennen  ober  fliegen  ober 
xoeiti)  werben  Witt,  bag  fud)t  fte  wentgfienS  p  erlern  £>♦  £♦ 
bte  wa£re  Siebe  $erfud?t  i^re  $raft  an  allen,  aucfj  an  garten 
unb  feinbfeligen  ^er^en*  ©te  lägt  ft$  nt$t  fc^recfen,  wemt 
man  ijjr  mit  £ag,  3orn  unb  Unbanf  begegnet,  fte  lägt  ftdj 
nityt  bog  23ofe  überwinben ,  fonbern  überwinbet  ba$  IBöfe  mit 
©utenu  —  2)er  Slpoftel  fagt:  wir  fotten  bie  Ziehe  an$iel?en  als 
ein  täglutyeS  $leib  unb  barin  wanbeln.  9hm  aber  mug  ein 
fola)e$$leib  fo  befcjaffen  fep,  bag  man  barin  $ur  9lofy  audj 
einen  Warfen  ©turnt  unb  9?egen  aushalten  fann*  Guben  fo 
mug  audj  bte  Ziehe  bisweilen  Unban!  unb  geinbfc^aft  erbulben 
unb  boa)  um>erbroffen  bleiben*  3a  er  fagt  noa)  mef?r :  2)ie 
(Sfirtften  folfen  angetan  fe^n  mit  bem  $reb$  (£armfdO  be$ 
©lauben^  unb  ber  Ziehe  f  bamit  fte  ntc&t  allein  $or  ben  feu* 
rigen  Pfeilen  beS  23ofewid)tS ,  fonbern  au$  $or  ber  ©$ma$ 
unb  getnbfd)aft  ber  Unwiffenben  unb  Unbugfertigen  »erwa^rt 
fes^tt  mögen»  2)er  ©imt  ifh  ein  @j?rtjt  fofl  fein  £er$  fo  mit 
Ziehe  $erfe£en  ,  bag  ilm  bie  28iberwärtigfeit ,  bte  tym  etwa 
begegnet,  nid&t  alebalb  abfd^recft,  fonbern  bag  er  beffa  eifriger 
wirb,  feinem  -Kauften  &u  ratzen  unb  gu  Reifen,  je  mefjr  er  au$  fei* 
nem  betragen  wahrnimmt,  bag  berfelbe  e6  bebarf.  2lu$  bie  Ziehe 
einer  Butter  aetgt  ftd)  am  metften,  wenn  i^r^inb  in  Vloty  unb  @e* 
fafjr  i%  —Dte^rtftlic^e^tebe  gleist  bemgeuer  auf  ber  ©a)mib# 
effe,  beffen  #i§ebur$ba$^efprengenmit2Baffer  nur  nod)  *>er* 

nteljrt  wirb ,  fo  bag  eö  ba$  (Eifert  befto  ei?er  gliu)enb  maa;t 

Slttwettbung. 
SBityev  Ijaben  wir  nun  son  berfr'ebe  gegen  ben  Stapften 
fo  furj  unb  ^erpärtblic^  afg  möglid?  gefprod)en ,  unb  jmben, 
toie  wir  j?offen,  bewtefen,  bag  biefelbe  som  ^rtfient^um 
ni$t  getrennt  unb  son  ben  ^tnbern  ©otteä  nia)t  nafy  2Biu^ 
fiu)r  geübt  ober  unteriaffen  werben  bürfe,  fonbern  bag  fte  ein 
unerlägltc^er  Xfyeii  be$  ©anjen  fep*  2öir  £aben  bewiefen, 
bag  ba,  wo  feine  Ziehe  ijt,  aua)  fem  wa#re6  (J^rtftentjum 
fe^n  fönne.    2>enn  wo  bte  Ziehe  sunt  9täd)ften  nia)t  iji,  ba  ift 


1095 

and)  feine  Siebe  au  ©Ott,    feine  <£rfemttnig  Seffelben,  fein 
©taube,  fein  Gtyrifhtf,  feine  ©erea)tigfeit ,  feine  Vergebung 
ber  ©unten  unb  feine  ©efigfeit  £>aper  fagt3opanne£:  „Ser 
feinen  33ruber  Raffet,  ber  ift  in  ber  ginfterntg 
unbwanbelt  in  ber  ginfternig  nnt>  weig  nia)t, 
wo    er  pingept;    benn   t>i^  ginfterntg  pat   feine 
klugen  serblenbet*    28er  t>tn  trüber  nia)t  liebt, 
ber  bltibtt  im  £obe;   wer  feinen  trüber  paffet/ 
ber  ift  ein  £obtfa)läger,  unb  ipr  wiffet,  bag  ein 
£obtfa)läger  nia)t  pat  ba$  ewige  $tbtn  bei  tpm 
bleibend    ©obalb  ber  |>a$  unb  bie  geinbfeligfeit  im£er* 
3en  gu  perrfa)en  beginnt,   mug  (SjjrijhtS  ntit  ©einer  Siebe 
weitem  —  gerner:  „28  er  nia)t  Heb  pat,  ber  fennet 
©ottnta)t;  benn  ©Ott  ijt  bieSiebe*    2Ber  in  ber 
%itbt  bltibtt,  ber  bleibet  in® Ott  unb©ott  in  i$m+ 
„SÖSer  aber  in  £ag  unb  geinbfa)aft  lebt,  ber  bleibt  im  Teufel  unb 
ber  geufel  in  tfmt,  unb  fyat  feinen  £J?eil  an  ber  ©nabe  3efu  @  prifti, 
an  ber  %kbt  ©otteä  unb  bem  £rofi  be$  peiligen  ©eifteö*  — 
(£benfo  paben  wir  pinlänglia)  gejetgt,  Ml  &fc  a)riftlta)e  Siebe 
nia)t  barin  beftepe ,   bag  wir  blo£  t>k  tf  nfrigen,  frieblicpe  üftaa> 
barn  unb  Slnbere  lieben,  bie  naa)  unferem  ©mne  fmb*    SOSir 
paben  gegeigt,  bag  fte  nid)t  im  blogen  ©cpein,  nia)t  in  teeren 
SSorten,   aua)  nia)t  in  einigen  unbebeutenben  SSerfen  beftepe 
(fo  bag  man  Hm  einem  Slrmen  ein  älte$,  abgelegtes  ftkib 
ober  einen  33iffen  SBrob  $ibt,  wag  ja  aua)  bie  größten  #eua> 
ler  rpun),  fonbern  in  einem  ^er^It^en  Verlangen  unb  in  einem 
Wirfitcpen,  treuen  gteig,   be3  9?äa)ften  SBoplfaprt  aua)  mit 
unferem  ©a)aben  gu  beförbern,   gleta)wie  uns  unfer  ^)eifanb 
nia)t  naa)  ©einer  23eauemlia)f  eit ,   fonbern  mit  ©einem  33tut 
unb  Seben  in  ber  grögten  2lrmutp,  ©a)maa)  unb  2kraa)tung 
gebientpat   2)emnaa)  muffen  wir  nun  eine  genaue  $r  ü* 
fung  unferem  (£prijientpum$  aufteilen,  bamit   wir  unö 
nia)t  mit  einer  falfa)en  @inbilbung  betrügen  unb  mit  ber  £ojf * 
nung  beS  £tmmet$  gur  £ölle  wanbern*    9tun  aber  tji  e$  of* 
fenbar,  bag  eS  in  unfern  gagen  fo  mit  ben  Triften  fiept,  wie 
3efuS  son  ben  legten 3eiten  gefagt  pat:  „2S eil  bie  Unge* 
rea)tigfeit  überpanb  nepmen  wirb,  fo  wirb  bie 
Zitbt  in  liefen  erf alten;  ober35autu3:  3n  btnltfy 
ten£agen  werbengreulia)e   ^tittn  fommen;  benn 


1096 

t$  werben  5^enf^en  fe9.1t,  ■  bie  von  fi$ felbft 
jjalten  (ft$  felbft  lieben),  geiaig,  ruljmrebtg,  Ijof* 
färtig,  Säfleser,  ftörrtg  (olme  Siebe)  unv er foljn* 
*i$,  ©Räuber  (Skrläumberj,  unfeufä),  wilb,  un= 
gütig,  $errät&er,  grevler,  aufgeblafen  u* 
f.  w*"  —  2)ic  heutige  $ira)e  fann,  ix>ie  wir  fä)on  früher  ge* 
fagt  fjaben,  mit  9fca)t  mit  einem  fel)r  versilberten  ©arten 
verglichen  werben,  barin  e$  me|?r  2)ont£eäen  al$  5Beinfto<fe, 
me£r  unfruchtbare  als  fruchtbare  23äume,  me£r  £)ifteln,  als 
Blumen  unb  nü§lta)e  Kräuter  gibt*  Man  fann  fta)  faft  nir* 
genbS  Jnnwenben,  ojme  baß  man  in  ein  ©ewirr  gerätjj*  Unb 
wo  fotl  man  t>k  wafjre  a)riftlia)e  2khe  fuc§en?  —  3Ba$  bte 
55ro$?eten  Sefaiaö  unb  TOa)a  von  bem  gottlofen  Raufen  ty* 
xtx  3tit  fagten,  —  baß  fte  gleia)  fe^en  ben  in  einanber 
gewachsenen  ©efträuc$en  eines  bicfen  SöalbeS, 
unb  i>a$  ber^efte  unter  tfjnen  fep,  wie  etn£>orn, 
unb  ber  ffttbti c^fte,  wie  eine  ^)ecfe,  ba$  tonnen  wir 
vielmehr  von  unferer  böfen  SBeli  fagen*  £)ie  SBenigften  un* 
ter  uns  wiffen,  was  a)riftlid)e  unb  brüberltc^e  Zitbt  tft  3a, 
würbe  man  9flanä)en  fragen,  ber  ftd>  eben  ni$t  unter  ben 
<Sd)timmften  gu  fe^n  bünfet:  Uebft  bu  kify  aufy  in  ber  brü* 
berufen  Siebe?  £ätt jt  bu  fte  für  eine  unerläßliche  Aufgabe 
beineS  e^rtftentpum^ ?  2Bela)e  SSerfe  tjjuft  bu  in  ber  Siebe; 
fannft  bu  aua)  ttm$  leiben  unb  ertragen,  tkhfi  bu  gu$ 
beine  geinbe?  @e{>nt  fta)  beut  £era  3ebermann  $u  btenen, 
fegft  h\t  gerne  baS  Peinige  JHntan  um  beineö  -Wachen  Witten  ? 
£i)uft  bu  aua)  bie  SSerfe  beineS  23eruf3  in  ber  %kH,  bienft 
bu  allein  um  be£  Soimö  willen  ober  aua)  au3  Siebe  unb  bgL  ? 
—  ©ewifü  eS  würbe  ijwt  fremb  vorfommen,  unb  er  würbe 
tiefe  gragen  faum  verfielen,  Siber  aa)!  ba£  mi$  bie  heutige 
2Bett  gar  wo£l,  was  gtua)en,  3<*nfen,  Raffen,  sSeneiben,  33e* 
trüben,  3tea)ten,  Säftern  ift;  baS  aber,  wa$  %ux  a)rifttidf)en, 
brüderlichen  Siebe  gehört,  aa)tet  fte  nic$t,  unb  will  es  nityt 
wiffen*  —  D  man  fann  von  fielen  mit  9?ec$t  fagen ,  tva$ 
bort  $etru$  von  bem  3auberer  ©imon  fagt:  „£>u  bift  voll 
bitterer  ©alle  unb  verfnüpft  mit  Ungerea)ttg* 
feit»"  2Bte  wirb  3efu3  unb  6eine  ©laubigen  allenthalben 
mit  (£fftg  unb  ©alle  getränft,  wä^renb  bk  %mk  beten,  bäfy 
ten,  aum  fyit  5lbenbma^l  ge^en  unb  ftcj)  tyxiftm  ^u  fepnrü^ 


1097 

men  mit  einem  fetnbfeligen ,  fciftern  unb  boshaften  ®wpnl 
&  petgt  wopl  heutiges  gagS:  wer  ließt,  ber  Hegt, 
wer  reitet,  ber  reitet.  (£in  3eber  für  ftc§,  ©Ott 
für  uns  51  He;  wie  ber  SGBelt  ©prü^wort  lautet*  —  203te 
SBiele  tonnen  wir  in  unfern  ©emetnben  fmben ,  bie  jtd)  ber 
üftotpburft  ber  ^eiligen  perjltcfj  annehmen,  bie  mit  aufrieft* 
gern  £er$en  für  bie  (£lenben  unb  Firmen  forgen,  bie  ni$t  auf 
S>a$  Sprige  fe^en,  fonbern  auf  bat,  m$  beS  Slnbern  ijt,  hk 
ftcb  aud)  gegen  grembe  bienjtfertig  unb  freunblicfc  bezeugen, 
tpre  geinbe  lieben  unb  ben  garten  ©inn  berfelben  mit  ©anft* 
mutp,  bereu  23oSpett  mit  ©üte  $u  überwinben  trauten?  SOBie 
SBenige  gibt  eS,  welche  ftcb  gegen  Sebermann  liebreich,  freunb* 
l\§]  bcmütjng,  wülig,  aufrichtig,  treu  unb  reblicp  beweifen? 
2Bo  fmb  bie  in  Siebe  ausgebreiteten  ^er^en,  wo  bie  weinen* 
ben  klugen,  t>k  liebreichen  3ungen,  t>k  polbfeltgen  Sippen,  bte 
um>erfcblojfenen  DJren,  t>k  pülfreicpen  $änbe?  —  £)jme  Svoti* 
fei  ftnb  fte  nocb  allenthalben ,  wo  ©otteS  peiligeS  SBort  lau* 
ter  geprebigt  unb  bie  ©aframente  gebüprenb  verwaltet  werben; 
ber  £err  fennt  fte;  allein  fte  ftnb  feiten  unb  finb  unter  beut 
großen  Raufen  ber  lieblofen  unb  rucplofen  Triften  faum  ^u 
erfennen.  SSiele  Triften  betragen  ft$  nicbt  fo ,  als  pätten 
fte  Qiprifit  tpeureS  23lut,  baS  aus  Zkfo  »ergoffen  iji  unb  tton 
Siebe  wallet,  getrunfen  unb  ftcb  ©einen  ©eiffc  unb  ©inn  an* 
geeignet,  fonbern  als  wären  fte,  \x>k  hk  (Erbauer  9?omS, 
na$  ber  ©efcpicpte,  von  einer  2ßölftn  gefdugt  worbem  —  3n 
ber  $ir$e  fiept  man  23tele,  bie  baS  ©ebot  (Sprtfli  von  ber 
Siebe  pören,  unb  ©ein  beil.  Sftapl  gemegen;  aber  braugen 
fiept  man  leiber  aH^u  2Bemge,  bie  barnacp  tpun  unb  tpre  ©e* 
meinfcbaft  mit  3efu  burd>  $kbz  beweifen*  ©ie  gleichen  mei* 
f&nS  einem  blüpenben  ^)ornftraudt> ,  ber  feine  dornen  mit 
blättern  unb  Blumen  bebecfi,  aber  fte  wopl  füllen  lägt,  fo* 
balb  man  ipn  anrührt ;  —  ober  einem  bifjigen  £unb,  ber  ein 
fernes  £aisbanb  anpat,  aber  murrt  unb  betgt,  fobalb  man 
ipm  $u  nape  fommt.  —  2)aS  ©cplimmfte  bei  biefer  ©aepe  tfi 
übrigen^  baS,  bag  folcpe  Süttenfcpen  ftep  für  gute  Giprijl-en  pal* 
ten  unb  meinen,  hk  fünfttge  ©eligfeit  fönne  ipuen  niept  fehlen, 
ob  fte  gleicb  von  ber  brüberlicpen  $kbz  nichts  wiffen  unb  fiep 
um  bereu  Uebung  auep  nichts  bekümmern.  £>iefe  paben  noep 
nie  an  per^ltcpcS  Erbarmen  empfunben,  unb  wiffen  niept,  was 


1098 

greunblto)feit,  ^emutl?,  ©anftmutlj  unb  ©ebulb  tjl,  unb  boo) 
weinen  fte :  (Sjjrifiug,  ber  lauter  i*tebe,  greunblia)Feit  unb  ©anft* 
mut|>  tjt,  tt>o^ne  in  ijmen*  «Sie  l?aben  ein  partes,  *>erfa)lojfe* 
neg£era,  potgc  klugen,  oerjiopfteDpren,  fa)mäljfüd)tige  jungen 
unb  einen  3flunb,  welken  bie  ©tt)rtft  wegen  feiner  gottlcfen 
Dieben  mit  einem  offenen  ©rabe  $ergleia)t.  ©ie  Ijaben  £änbe,  bie 
gerne  nehmen,  aber  bag  ©eben  nia)t  gelernt  £aben,  unb  boa) 
wollen  fte  gute  (SJjriften  fe$n,  unb  man  foli  glauben ,  n>ie  fte, 
bag fte  beurlauben  £aben*  ©ie  meinen,  fte  wollen  i|jre'£age 
in  £ag  unb  geinbfeligfeit  abringen,  wollen  aanfen^  rechten, 
flua)en,  unb  bie  33og£eit  i£reg  £eraeng  bei  jeber  (Gelegenheit 
an  ben  £ag  legen;  fte  wollen  SBiele  beleibtgen,  beneiben,  be* 
trüben,  aber  üfttemanb  (&ute$  tjmn;  fte  wollen  immer  farameln, 
aber  üfttemanb  auäfyeiien.  2Benn  eg  enblia)  an  bag  »Sterben 
geljt,  glauben  jte,  fe$  eg  mit  ein  $aar  SSorten  ober  einigen 
©eufaew  abgemalt,  bann  werben  fte  fogleta)  im  Fimmel 
fep*  —  ©  i£r  £eua)ler,  o  i£r  una)rifilia)en  (£J?rifien !  £>  tn 
palgftorrtgeg ,  bittereg  unb  feinbfeligeg  SSolf!  £>  iljr  oerftocf* 
ten  unb  blinben  ^er^en,  wie  wirb  eg  eua)  anlegt  noa)  gejen? 
S03te  werbet  t£r  erfa)recfen,  wenn  ij>r  in  bie(£wigfeit  fommet 
unb  eua)  ber  ewige  £ob  begegnet,  unb  ipr  alebann  gu  fpdt 
einfeljet,  bag  t|>r  eua)  mit  eurem  eingebilbeten  ©lauben,  ber 
ma)t  bura)  bie  Siebe  t£ätig  war,  unb  alfo  mit  Gtfjrtfto  feine 
@ememfa)aft  J>atte,  fo  fa)änblta)  betrogen  $aht  !  —  2la),  noa) 
i(t  e^3eit!  33eftnnet  eua)  boa),  unb  maa)et  eua)  ein  neu  £er$ 
unb  einen  neuen  ©eift!  3eiget  bie  SQSerfe  ber  Ziehe  unb  ber 
23armj>eraigfett,  ober  Döret  auf,  eua;  beö  ©laubeng  ^u  xty* 
mm.  Raffet  ab  oon  ©ünben  unb  entfernet  alle  23itterfeit  unb 
getnbfeligf  eit ,  allen  £ag  unb  Weib  au$  eurem  £eraen,  ober 
laffet  ben  $exxn  3efum  mit  ©einem  ^eiligen  S3lut,  bag  für 
eua)  oergojfen  ift.  £|>ut,  wag  i£r  wollet,  betet,  finget,  gebet 
Sllmofen,  beiztet,  gejjt  aur  $iro)e  unb  aum  IjeiL  2lbenbma£l. 
SGBenn  i£r  überall  ptn  ein  partes,  lieblofeg,  feinbfeligeg  unb 
bo^afteS  £era  mitbringet,  fo  $ilft  eua)  »g  nia)tg-  2öag 
DÜft  e$  eua),  bag  i£r  ©otteg  SBort  pöret  unb  bag  £eil.  2tbenb 
ma£l  genieget,  wenn  ijjr  immer  bei  einem  ©inn  bleiben  unb 
tton  einer  £eralia)en,  aufrichtigen,  ^eiligen,  bringenben  Zieh 
beg  9tää)fien  nia)tg  wiffen  wollet  V  —  ©laubet  nia)t,  bag  ta) 
Suoiel  fage,  wenn  ta)  behaupte,  bag  ben  lieblofen  (griffen  t>a^ 


mm 

$tro)gef>en,  33eten,  23eto)ten  unb  ber  ©enug  beö  £etl*  Sibenb* 
matytt  mä)t$  nü$t,  fonbern,  feag  fte  bemojmgeao)tet  ben  gera* 
ben  SBeg  ^ur  £ölle  wanbern*  £)enfet  an  bte  2Q3orte  be$ 
2tyoftel3,  ber  son  fta)  felbft  fagt : , ,303 enn  er  mit  2ttenfa)en* 
unb  mit  (Engelaungen  rebete  unb  |>dtt  e  berCiebe 
nia)t,  fo  wäre  er  ein  tönenb  <£r$  *c  unb  wenn  er 
Weiffagen  fönnte  unb  wügte  alle  ©eljetmniffe, 
unb  jjätte  einen  ©tauben,  ber$3erge  *>erfe£te,  ja 
wenn  er  all1  feine  £abe  ben  Firmen  gäbe  unb 
liege  feinen  Seib  ($um  3eugmg  ber  2Ba£r£eit;)  »erbren* 
neu,  unb  Ijätte  b  erSiebe  nia)t,  fo  wäre  er  boa) 
ntä)t&"  2)ieg  tfl  boa)  wo£l  noa)  tnejjr/alä  wenn  ta)  fage, 
tag  bem  Steblofen  baS  33eien,  23eia)ten  u*  f.  w.  nia)t£  nüge* 
£)enn  obgleta)  biefe  2)inge  an  unb  für  jta)  einen  grogen  unb 
l?errlia)en  klugen  f?aben,  fo  i(i  boa)  ein  licblofer  SDtafa)  bef* 
felben  nia)t  fä£ig,  weil  bie  Slbwefenpeit  ber  Siebe  r-on  ber 
2lbwefen£ett  beS  ©taubenS  aeugt  Dljne  ©lauben  aber  fann 
ba$  33eten  unb  33eia)ten  son  feinem  9ht§en  fei^n*  —  —  9hm 
benn,  i#r  ©laubigen  unb  grommen,  bie  tyx  *>on  £er$en  begehrt, 
eurem  ^eiligen  33eruf  gemäg  su  leben ,  mit  eua)  mug  ta)  ^um 
SBefa)lug  noa)  ein  Sßort  rebem  3£r  wiffet,  bag  euer  ©ott 
jlatt  bem  einigen  TOar  im  alten  £effcament,  auf  welchem  ha$ 
ijetlige  geuer  brannte,  jta)  eure  ^er^en  pm  2iltar  erwählt 
$at  unb  will,  bag  in  benfelben  btö  geuer  ber  %kfo  brennen 
foll.  3jjr  fel?et  aua),  wie  wenig  £eraen  mej>r  »orpanben  ftnb, 
in  wela)en  biefeS  ber  gaff  tfh  Darum  laffet  boa)  wenigfienS 
bei  eua)  biefeS  ^eilige  geuer  nia)t  t>erlofa)en.  ©trebet  alfo 
naa)  ber  ZitU  unb  betet  um  fo  eifriger,  bag  ipr  nia)t  mit  ber 
2öelt  in  £eua)elei  unb  JMtflnn  verfallet*  2Btr  muffen  boa) 
aua)  etwas  tjwn  für  bte  groge  Siebe  unb  ©üte  unfereS  ©ot* 
teS,  bie  wir  täglia)  unb  mä)tia)  gemegen*  —  2BaS  anberS 
abrr  verlangt  (£r,  als  bag  wir  3£n  loben  unb  ben  3?äa)jlen 
lieben  follen?  (£r  forbert  ja  nta)ts  ©rogeS  unb  ®a)wereS  oon 
uns ,  feine  groge  $unjt  unb  2ßijfenfa)aft ,  überhaupt  nia)ts, 
was  über  unfer  Vermögen  geljt,  fonbern  will  bloS,  bag  wir  Ite* 
ben  follen.  SSaS  tjt  aber  lteblta)er,  als  bie  Siebe,  unb  was 
bringt  roejjr  D^ulje,  greube  unb  Vergnügen  mit  fta)?  Raffen, 
benetben,  aürnen  ift  fa)wer,  oerbrügtia)  unb  fa)äbltä),  eS  fa)wäa)t 
ben  Seib,  befa)wert  bie  ©ecle,  »erj)inbert  uns  am  ©otteStienfi 


1100 

unb  am  ©ebet,  ma$t  uns  ba$  geben  serbrüglidj,  fur$,  *3 
ntad&t  uns  bem  Teufel  äfmlicjj  unb  öffnet  i!?m  unfer  £er£*  — 
2Ba$  wollen  wir  alfo  tlnm?  Sßollen  wir  mit  ©Ott  unb  3efu 
lieben,  ober  mit  bem  Teufel  Raffen ?  —  21$  nein!  nidtf  fjafc 
fen,  fonbern  Hebern  —  ©aget  tljr:  a<#,  wer  oon  £er^en 
lieben  fömtte!  wk  gelangen  wir  ba&ut  fo  cmwovte  icfs:  *>on 
^er^en  wünf^en  gu  lieben  ifl:  f$on  ein  Anfang  ber  Siebe,  um 
bie  4?tebe  eifrig  beten  ifi  ber  $oxt$ans,  in  ber  Siebe  jtdj  üben 
ifi  ber  Sluggang,  ober  bk  %kfo  felbfl  —  33on  ben  Wtitteln 
gu  ber  Siebe  $u  gelangen,  will  i$  nicbt  triel  fagen,  (£ine$  foll 
für  alle  gelten:  lefet  fleißig  in  t>tm  33udj  ber  Siebe! 
IBetra^tet  öfters  3efum  Gtjjrijium,  ben  ©efreu|igten,  in  ©ei* 
ner  unoergletcltfidjen  %klt,  nähert  eure  £er$en  bem  ©einigen, 
fo  fann  eö  eu$  an  $khe  ni$t  fehlen.  —  £)  3efu!  lauter 
Siebe,  &kfy  unö  2)ir  na$,  fo  laufen  wir;  gib  un$  %itbz,  fo 
leben  wir!  Slrnen. 


0J  eitnj  e  $  n  t  e   ^  t  e  H  j  fc 

$Bonber23armperatgfettunb2tttlbe* 

£. ;  Äolofl;  3/  12.    @o  gü^et  nun  an  als  bte  2Cu§em>äf)lten  ©ottes, 
Jpeilige  unb  (geliebte  tyvtfitytä  ©Carmen. 


S  t  n  <j  a  tt  g* 
Sm  0lamen  3>*fu*  Sintern 

2öenn  man  $wet  Qtit|>ew  neben  einanber  auf  ben  £tfdj 
legt,  unb  auf  ber  einen  eine  (Saite  berührt,  fo  bewegt  ft$  auf 
ber  anbern  bie  gleite  <8aite,  wel$e  mit  ber  berührten  gleich 
ftimmig  ift ,  tck  wenn  fte  auty  berührt  worben  wäre»  £)ieg 
fann  man  beutli#  fe^en,  wenn  man  auf  bie  gleite  ©aite  ber 
anbern  ßii|>er,  ^k  ni$t  berührt  wirb,  ein  23lätt$en  Rapier 


1101 

legt,  welches,  fobalb  bte  gletajfKmmige  ©atte  auf  bem  anbern 
3nftrument  berührt  wirb,  herabfällt.  SDfan  £at  fta)  fe£r  siel 
3Hü£e  gegeben,  bie  Urfaa)e  baoon  fennen  au  lernen;  aber  tä) 
weiß  nia)t,  ob  eS  j[e  gelingen  Wirb,  bieg  genau  p  erforfdjen* 
Wlan  mug  ttielmeljr  erfemten,  bag  eS  aua)  in  ber  ^atur  siele 
©e^eimniffe  gibt,  wela)e  unfer  fünftägiger  Serftanb  ma)t  er* 
grünben  fanin  2Sir  wollen  oft  xuel  wtffen  unb  wagen  eS  bie 
©eljeimniffe  beS  £immelS  au  erforfo)en,  fönnen  aber  bte  ge* 
ringjien  Singe  auf  (£rben,  bie  uns  täglia;  »or  5lugen  liegen, 
nia)t  begreifen*  —  SKtr  gleichen  ben  $inbern,  wel$e  in  gro* 
gen  23ütt)ern  lefen  wollen,  ba  fte  boa)  in  ijjrer  gibel  noä) 
ma)t  fertig  lefen  fönnen,  2Q3ir  wollen  9ttetfter  ber  ©a)rift 
fep  unb  \>k  ©ejfeimniffe  beS  Sttityö  ber  ©nabe  ergrünben, 
unb  |iaben  boa;  im  f^etc^e  ber  Statur  noa)  nia;t  ausgelernt 
2)ie  gelef>rteften  Männer  £aben  $on  jejjer  augefianben ,  bag 
2l((eS,  was  fte  wtffen,  für  ntdjts  |u  aa)ten  fep,  gegen  baS, 
was  fte  ma)t  wiffen*  ©ie  fagen,  bie  ^atur  fep  ein  3rrgarten 
ber  Reifen,  unb  je  länger  fte  barin  ge^en,  befb  weniger  fön* 
neu  fte  fta>  jurea)t  fmben*  —  Sßoljl  bem,  ber  in  ber  ©a)ule 
ber  9latur,  wie  im  3?eia)  ber  ©nabe  allezeit  ein  bemütl?iger 
©cfmler  Mäht  unb  $on  £eraen  erfennt,  bag  unfer  Sßiffen 
©tücfwerf  ift ,  unb  bem  eS  me£r  um  baS  ©ewiffen ,  als  um 
baS  SBijfen,  meljr  um  ben  ©lauben,  bie  Zkht  unb  t>k  £off* 
nung,  als  um  ben  23orwi§  unb  bie  irbifa;e  SSetSpett  $u 
#im  ift! 

Sßir  paben  aber  baS  Dbige  begjjalb  berührt,  bamtt  eS 
uns  in  unferem(£j?riftentl?um  eine  gute  Erinnerung  geben  möa)te, 
weil  eS  uns  bte  ©emeinfctyaft  (S^riftt  unb  ©einer  ^eiligen  unb 
biefer  untereinanber  re$t  f4>ön  ttorftellt*  —  Unfer  £ei!anb,  ber 
aus  %kbz  au  ben  3ttenfo;en  9ttenf$  geworben  ift,  ftejt  nämlio) 
in  einer  folgen  innigen  SBeroinbung  mit  ©einen  ^eiligen,  bag 
unfer  £era  m$t$  berühren  fann ,  was  nia)t  augleta)  aua)  Sein 
£era  trifft*  SBenn  ben  ©einigen  (uer  etwas  begegnet,  fe^  eS 
gut  ober  böfe ,  fo  empftnbet  @r  eS ,  ob  (Ex  gleia)  aur  9fca)ten 
ber  SSttajeftät  im  Fimmel  fujt*  2Ber  ben  ©einigen  eine  SöSopl* 
tyat  erzeigt,  ber  W  eS  3N  felbfl  getjjan;  wer  fte  aber  *>er* 
folgt,  betrübt  unb  beleibigt,  ber  jwt  3fm  »erfolgt  unb  be* 
trübt*  Stauer  wirb  (£r  einft  am  grogen  @eria)tstage  fagen: 
„2BaS  i£r  getrau  jjabt  Einern  unter  biefen  mei* 


JL102 

neu  gertngften  ©rübern,  ba$  £abt  tljr  üJh'r 
getfian!"  @r  rief  fa  and)  bem  $ aulug  auf  feinem  2Bege 
au:  @auT,  ©aul,  u>a*  serfolgef*  t>u2Rt$?"  £iefcer 
gebort  auc|>  ber  2luSfpru<$  beä  $ropj)eten :  „2Ber  eu$  an* 
taftet,  ber  taftet  deinen  Augapfel  an,  wer  eu$ 
»erachtet,  ber  *>era$tet  Tiia);  wer  tuty  f>ö?et, 
ber  Hret  2)Hcf>."  —  ©agte  nid>t  ber  £err  felbft,  aU  einfl 
ba$  SBolf  3  £age  bei  3{mt  blieb  unb  mcfytg  au  effen  fyattt: 
%Riä)  jammert  beg  fßoltt,  wie  wenn  (£r  felbfl  benenn* 
ger  be$  fßtlU  mitempfunben  fyatte.  Hnb  bort,  als  dt  bte 
$&iuwz  au  SRain  weinen  faj> ,  jammerte  3fm  berfelben  unb  <£r 
fprad) :  weine  nicfjt.  $1$  (£r  bie  Stfaria  2ttagbalena  an  ©ei* 
nem@rabe  fo  traurig  fanb,  fpra$(£r:  2&etb,  was  wetneft 

t)uf  mn  fudjejt  bu?  ■ D ,  ba$  alte  Sttenfcijen  ft$  ftetS 

baran  erinnern  motten!  Wlan  $ätt  oft  bk  ebeln  ©lieber  Gtyrifti 
feljr  übel ,    man  veraltet  unb  hdäbigt  fte  o  jme  ©a)eu,  pregt 
ipnen  ££ränen  unb  ©eufaer  auS  unb  meint,  bag  pabe  nia)t3 
au  bebeuten.  SWein  wiffe  o  SÖSelt ,  t>a$  eben  biefe  einen  mäa> 
tigen  ©c^ugljerw  Jmben.    £u  fannß  fk  triebt  beletbtgen,  auger 
W  beleibigfi  @  j>rij*um.  <&ü)ilt$  bu  ben  grommen ,  fo  fa)tftft 
bu  Sefum,   beraubft  bu  i£n  pämlia)  ober  öffentlich  r  fo  paft 
bu  beuten  @rlöfer  beraubt    3war  f^eint  eS  eine  3«tlang,  aW 
ob  ©i$  ber  £err  ber  ©einigen  niä)t  annehmen  wolle;  aber 
(£r  tjmt  eS  blo3,  um  i£ren©lauben  au  prüfen,  i£re  ©ebulb 
au  bewähren  unb  fte  aum  ©ebet  au  ermuntern*    3eboa;  wenn 
er  *>eraie£t,  fo  ift©eine£ütfe  nacl$erum  fo  fräftiger  unb  t>k 
©träfe,  bie  (£r  an  unfern  geinben  nimmt,  um  fo  fjärter*  ©o  würbe 
a*  53.  jener  banaler  gewarnt,   feafj  er  tk  ^rebt'ger  m$t  fo 
»erfolgen  folle,   weil  ©Ott  gefagt  l^abe,  wer  fte  antafk,  ber 
tafte  feinen  Augapfel  an.  @r  antwortete  a^ar  fpöttifcf),  wenn 
ify  ©otteä  Augapfel  antäte,  fo  wirb  @r  und?  woI?t  auf  bie 
ginger  Hopfen;  allein  balb  na#er  würbe  er  $eroiert£eitt. — - 
£>ie  gleite  §Berwanbtf$aft  nun ,  t>k  awiftfjen  3efu  unb  ©ei* 
nen  ©laubigen  befielt,  fmbet  ftd)  auty  unter  biefen  felbft.  ©te 
ftnb  ©lieber  @  i  n  e  3  geiftli^en  MH$  unb  £aben  &  i  n  e  ©eele,  — 
££rifhttn3efum,  fwben(£in  £era  unb  (5 inen  ©inn,  mttjn'n 
fann  @tner  o|me  ben  Slnbern  nicfrt  berührt  werben,    (£iner 
fü£lt  bie  Vlofy  beö  5lnbern ;  fte  Jjaben  SWitleiben  mit  einanber ; 
fte  freuen  ft^  aber  wo)  gegenfeitig,  wenn  e^  i{»nen  wojlge^t, 


1103 

fte  ftnb  barmperstg  unb  guttpdtig  unb  bienen  etnanber  mit  ber©abe, 
bte  fie  empfangen  paben.  —  2Bie  e£  ben  Altern  pernio)  wepe 
tput,  wenn  e$  ipren  ^tnbern  tn  bergrembe  nia)t  wopl  gept, 
fo  t(i  baS  £era  beS  (E^viflen  manchmal  bekommen  unb  dngfft'gt 
fta),  opne  su  wijfen,  was  eigentlia)  bte  Urfaa)e  baoon  fe^. 
$?einer2D?einung  naö)!füplen  es  bte  Slnbern  in  tprem  ^er^en,  wenn 
zuweilen  bte  $ira)e  in  einer  ©egenb  bebrdngt  wirb  ober  fonfl 
eine  £rübfal  überpanb  nimmt,  bamit  fte  babura)  $um  33eten 
unb  ©euftcn  ermahnt  werben,  Grbenbarum  fann  man  aua) 
in  fola)er  23angtgfett  nichts  33effereS  tpun,  aU  ba$  man 
feine  eigene  Sftotp  tcit  bk  feiner  Angehörigen  unb  feiner  ©lau* 
benSgenoffen  bem  lieben  ©Ott  im  Gbttet  vorträgt  unb3pfl  um 
£rojt,  £ülfe  unb  Errettung  anruft.  —  SBenn  ein  ©Iteb  an 
unferm  Körper  leibet ,  f o  leiben  alle  mit ,  namentlia)  jtepen 
einige,  bte  gtemlia)  mit  von  einanber  entfernt  ftnb,  in  einer 
augenfa)einlia)en  SBecpfelwirfung ,  wit  ber  $opf  unb  bte  güge  :c. 
<£btn\o  ift  e$  aua)  mit  ben  ©liebern  beS  geifllidjen  $äbz$.  ©te 
paben  unter  fta)  eine  fola)e  @emeinfa)aft  in  (£priffo  3efu  bura) 
©einen  ©etjt,  baf?  man  fte  einem  irbifa)  geftnnten  £eqen 
nia)t  wopl  erfldren  lann.  9ttana)er  ndmlta)  fagt  naa)  bem 
$atea)t£muS:  „3$  glaube  eine  peil.  a)rifHia)e£tra)e, 
bie  ©emeinfcpaft  ber  heiligen,  unb  wet§  boa)  rtia)t, 
m$  er  glaubt  ober  fagt.  —  23on  ben  erfkn  (£priften  peigt 
e$:  „(Sie  blieben  aber  beftdnbig  in  ber  2lpojtel 
£epre  unb  in  ber  ©emetnfajaft  unb  im  23rob* 
brechen  unb  im  Gbcbct."  6ie  beteten  alfo  miteinanber, 
unb  freuten  fta)  gegenfeitig  über  ben  gortganß  beS  peil.  (£oange* 
liums.  <3ie  palfen  einanber  mit  dtatfy  unb  £pat  naa)  SBer* 
mögen  unb  patten  ein  perslia)eS  Sftitletben  mit  einanber,  wenn 
(£tnem  ober  bem  Anbcm  tim$  2BtbrtgeS  begegnete.  £)aper 
petgt  eö  aua)  ferner  von  jener  3^it:  „£>ie  Sftenge  ber 
©laubigen  war  din$txt  unb  (Eine  ©eele."  ©iefe 
©emeinfa)aft  beteiligen  befiept  noa),  obgleia)  bie^ira)e  fta) 
in  alle  SBelt  verbreitet  pat  unb  ipre  SBefenner  fepr  ^aplreia) 
geworben  ftnb.  £>enn  alle  rea)tfa)affene  ©lieber  berfelben  biet* 
ben  noa)  \t%t  beftdnbig  in  ber  Apojtel  £epre,  in  ber@emein? 
fa)aft  beS  ©laubenS,  ber  £tebe  unb  beS  <3ehti$.  —  3)ieg 
btent  gur  Sßarnung  für  bie  ©ottlofen,  aber  aua)  %um  Zxoft 
unbUnterricpt  für  bte  grommen.  2)te  ©ottlofen  muffen  wijfen, 


1104 

bag  atte  jjetltgen  ßinber  @otte3  aufarten  für  Otiten  Ttann  pe^en, 
bag  fte mtteinanber  glauben,  beten,  feuften,  deinen,  aberaua) 
fta)  gegenfettig  freuen  unb  fta)  unterftügen  nttt  ti)rem  gießen* 
2öer  @inen  betrübt,  ber  betrübt  ftc  Sitte*    2)ieg  oerftejrt  $war 
bie  2Selt  nia)t ,  fte  wirb  e£  aber  mana)mal  inne ,  bag  bte  ££rä* 
nen  ber  ©laubigen  ^um  gewaltigen  ©trom  unb  ij?re  ©cufter 
3um  ©turmwinbe  werben ,  wobura)  att  ipre  35ra$t  unb  £err* 
iia)feit,  t£r  £ro$  unb  t£r  greoel  über  ben  Raufen  geworfen, 
wirb»    £rbjUiä)  aber  i(i  e$  Hn  grommen,  ^u  wiffen,  bag 
fte  fo  oiele  gürbitter  jjaben,  aU  red)tfd;affene  &briften  auf 
<£rben  leben;  unb  wenn  i^nen  bünft,  i£r  ®sbzt  fe$  gar  $u 
f$waa),  eS  fönne  ma)t  tuel  au$ria)ten,  fo  bebenlen  fte,  ba§ 
fo  Ariele  taufenb  glaubige,  ©eelen  mit  ilinen  ^u  ©Ott  beten* 
SluS  Stelen  fleinen  SBaffern  entfielt  tin  grogeö,   unb  ba 
eineö  @erea)ten  ©ebet,  wenn  e$  ernfilia)  iß,  fo  triel  vermag, 
was  fottte  ma)t  bie  5D?enge  ber  ©laubigen  mit  all  ifjren  ©euf* 
3ern  ausrichten?  53ijt  bu  alfo  arm,  ^ertaffen ,  betrübt,  ange* 
foa;ten,  franf,  »erfolgt,  gefangen,  ja  wenn  beine  Ülotp  fo 
groß  wäre,  bag  bu  ma)t  beten  fönntejt,  fobebenfe,  bag  bie 
ganje  Stenge  ber  ©laubigen  täglta)  hüitt  für  bie  armen,  elen* 
ben,  serlaffenen  unb  angefoajtenen ^er^en*    Unb  biefeS  attge* 
meine  (Bebet  $at  feinen  großen  9ht#en  für  Sitte,  bte  in  ber 
©emeinfajaft  (Sprifii  flehen ,  ja  öftere  aua)  für  btejentgen,  He 
nia)t  brinnen  ftnb.  —  £>arau£  aber  fönnen  wir  i>k  £e£re  ab* 
leiten,  bag  atte  gläubigen  Seelen  mitleibig,  barmlperaig  unb 
guttpätig  feipn  muffen,  unb  biejenigen,  welaje  {jartjer^ig  finb 
unb  bie  iftotjj  tfjreS  9ldd)(!en  nia)t  achten,  bürfen  fta)  *>on  tp* 
rem  Gtyrijtentjmm  feine  aü>groge  Hoffnung  machen.    3Bir 
reben  alfo  biegmal  »on  ber  33  armierst  gleit  unb  (BnU 
tjjätigfeit  ber® laubigen.    ©Ott  gebe,  bageS  mit  w* 
lern  otogen  gefc^epe  bura;  Sefum  @{>riftum!    Slrnem 
Slt^atibtung* 
£)ie  ©drtner  behaupten,  wenn  man  einen  23aum  impfe 
unb  in  ben  ©palt  etwas  3tramtrin.be  ober  9Mgelein  lege ,  fo 
febmeefen  atte  grüßte  beffelben  naa)  biefem  ©ewüra*    (£benfo 
fotten  atte  Sfafen,  in  beren  ©toä  beim  3mpfen  Slmbra  ober 
23tfam  getrau  würbe,  ganj  barnaa)  rieben.  2>ieg  fommt  ba? 
Der,  bag  fta;  ber  Saft  beS  Raumes  mit  biefem  fremben  ©toff 
t>ermifa)t*    SBenben  wir  biefem  ©leia)nig  auf  bie  ©eelen  an, 


1105     ' 

tri  weisen  Gtfmfte  buvd)  ben  ©lauten  wofmt,  fo  fmben  wir, 
bag  btefelben,  n>e£I  fte  burä)  ben  ©lauben  gute  23äume  ge* 
werben  jmb,  nia)tg  anberg  aU  gute  grüßte  tragen  f  önnen,  wela)e 
ade  ijirem  Urfprung,  —  bem  £emt  3efu,  nacharten.  —  Mtö 
alfo,  was  ein  wahrer  Gtfmji  tfwt,  rebet,  benft  unb  vornimmt, 
trägt  bie  ©puren  tfon  ber  £tebe,  ©anftmutfj,  greunbltdtfeit, 
23arm|>eraigfeit  unb  ©üte  be$  #erm  3efu  an  (ta),  au$  beffen 
©eijl  unb  ©nabe  feine  ganje  traft  £errüf>rt,  2)teg  wollen 
wir  na$  Anleitung  unfere$  £erte£  weiter  ausführen,  unb 
$war  13 setgen,  baß  ber ©laubige  notp wenbig  bajm* 
|>ersig,  mübe  unb  guttfjätig  fe^n  muffe*  Unfere  23e* 
£auptung  lägt  fia>  au$  ben  £erteSworten  auf  zweierlei  2Irt 
erwetfen*  —  a)  £)er  Sipoftel  jjetgt  uns  nämlicr)  anfiel? en 
Ijeralia)e$  Erbarmen,  ©anftmutl),  greunbltdjfeit  *c.  —  Der 
9ttenfa)  fann  nacf>  bem  ©ünbenfall  wegen  feiner  Sölöge  bie 
Kleiber  nia)t  entbehren,  unb  wenn  er  jta)  ofme  btefefben  offene 
fta)  aeigen  wollte,  fo  würbe  er  für  wajmftnnig  gehalten  wer* 
ben*  ©o  tterjjält  e$  jta)  aua)  mit  bem  Meibe  ^  *>on  welkem 
ber  2lpojM  fprta)t:  £>er  @{>rifi  mug  bamit  angetan  fepn, 
ober  man  £ält  ijm  im  Fimmel  für  einen  $mtyUv,  fallen 
Triften,  ja  für  einen  Sporen,  weil  er  ft$  an  fitin'o  ©otteg 
unb  ein  ©lieb  <££rtjtf  nennen  Witt,  ba  er  boa;  *>on  (Sfjriftt 
©eifi  unb  ©inn  mä)t£  wetg,  2)emna$  wäre  gu  wünfa)en, 
bag  man  J>eut£utage  ben  gleia)en  gleig  barauf  serwenben  würbe, 
barm^eraig  unb  liebreta)  au  fe$n ,  wie  man  fta;  9ftül>e  gibt, 
bie  ££orf?eiten  ber  Söelt  natyauajjmem  (£inet  will  e$  bem  2ln* 
bem  an  $racr)t  autfortfmn,  unb  ein  3eber  will  baburdj  ange* 
fej)en  fe^in  2Bann  werben  wir  uns  aber  befleigtgen,  bag  tttix 
eS  einanber  an  ©anftmut!j,  greunblia)!eit  unb  ^arm^er^igfeit 
5M>ortjmn,  unb  bag  fia)  (Einer  vox  bem  5lnbern  bamit  MkU 
maa)t?  2öaS  l)ilft  e$,  wenn  wir  unfern  Oeib  tägfid)  fdmtütfen, 
wäfjrenb  hie  ©eele  beS  geifftitt)en  ©d&muifs  beraubt  unb  ein 
©a)eufal  $or  ©Ott  ift?  —  b)  SSeiter  ift  an  bemerfen,  ha^ 
ber  SiporM  fagt:  ,,©o  gießet  nun  an  £erali$eS  ®x* 
barmen  als  bte  2luSerwä£Uen  ©otteS,  ^eilige 
unb  ®eliehieJ'  (£r  Witt  fagen:  bie  tütber  *)ornej)mer 
Zente  pflegen  ftct>  foßbar  au  i leiben;  nun  aber  fepb  tyr  ©otteS 
au^erwäptte  tinber ,  mithin  müjfet  i^r  au§  tintn  gottlia)en 
unb  Jerrliv1)en  ©a;muc!  tragen ,  b.  u  ipr  muffet  atterlei  gött* 


1106 

lta)e  £ugenben  an  eua;  Ijaben,  muffet  f>arm|jer$tg  fepn,  wie 
euer  Söater  barmpersig  tft.  Skbenfet,  moa)ie  ber  2lpojtel  wet= 
ter  fagen,  euem  3uftanb,  barin  tf*r  eua;  jegt  bura)  bie  ©nabe 
3efu  @£rifti  beftnbet;  ©Ott  $at  eua)  geliebt  unb  erwägt  in 
<££rtfio,  el)e  ber  2öelt  ©runb  geleget  warb;  nia)t  um  ber  2öerfe 
willen,  bk  tyx  getrau  galtet,  fonbern  naa)  ©einer  33amu)er3ig* 
hit  fjat  (£r  eua)  fetig  gemalt  (£r  £at  eua)  »on  ber  SSelt  abge* 
fonbert  unb  ju  ber  ©emeinfa)aft  ©eines  lieben  ©ofmeS  beru* 
fem  3^r  wäret  weilanb  unrein,  unfelig  unb  verworfen,  tpr 
fe^b  aber  abgewafa)en,  .fe^b  geheiligt  unb  gerecht  worben  bura) 
ben  tarnen  be$  £errn  3efa  unb  fcmra)  ben  ©eifi  unferö  ©ot* 
'#$♦  3f>r  fepb  ^inber  be$  #oa)ften  geworben  unb  fepb  ein* 
gefa)loffen  in  ©eine  %kU,  ©nabe  unb  *>äterlia)e  prforge* 
2)iefeä  Mt$  tft  gefa)eljen  auö  lauter  sätertia)er  ©üte  unb 
23armfjer$tgf eit ,  ofcne  alT  euer  Serbien):  unb  Sßürbigfeit* 
3J>r  genieget  täglta)  ber  23armlfjersigfeit  eures  ©otteS  unb 
lebet  in  ©einer  Zieht  unb  ©üte,  tt>k  fönnet  t£r  alfo  an* 
berS  als  barmf>er$ig  unb  liebreta)  fepn?  3öie,  follte  hk  ©üte 

©otteS  eure  £er£en  nia)t  aua)  gütig  maa)enV 2)a$  ijt 

es  aua) ,  was  tä)  fo  oft  gefagt  £abe  unb  nie  genug  fagen  fann, 
t>a$  nämlia)  bie  ©nabe  ©otteS,  welche  uns  aus  bem  ©tanb 
ber  ©ünbe  in  ben  ©tanb  ber  @erea)tigfeit  fegt ,  nia)t  in  ber 
©eele  beS  3ttenfa)en  tft,  tik  t>k  ©teinc  im  2lrfer,  wela)e  nia)t 
waa)fen,  fonbern  wie  baS  ©aamenlorn,  baS  feimt,  grünt  unb 
grüa)te  tragt,  ©ie  ifl  nia)t  wie  ein  *>erborbene3  ©ewür$, 
ober  tok  ein  faulet  £ot$,  barin  feine  £>i#e  ifl,  fonbern  fte 
ift  lauter  $raft ,  lauter  ©etjt,  geuer  unb  £eben,  wobura)  baS 
£er$  beS  9ttenfa)en  öeränbert,  erneuert,  geftärft,  geheiligt 
unb  mit  grüa)ten  ber  @erea)ttgfeit  erfüllt  wirb.  GEine  glau* 
bige  ©eele,  bie  bura)  (grifft  SBerbtenft  gerea)t  worben  ijt,  ift 
ma)t  wie  ein  sergotbeteS  33itb  $on  £ol$  ober©tein,  ba$  uur 
äugerlia)  versiert  tft  unb  boa)  f>o!a  ober  ©tein  bkibt,  fonbern 
fte  ift,  wk  Sutjjer  fagt,  wie  ein  feiges  2öaffer  ober  ein  glü* 
jjenbeS  <£ifen,  weta)eS  $war  bleibt,  m$  t$  ifr,  aber  ^om  Jeuer 
fo  burd&brungen  ifi,  ba§  e£  bie  Äraft  be^  Jeuer^  angenommen 
$at  unb  gleia)fam  mit  bem  geuer  ©n  Sßefen  geworben  tft*  — 
2>iefe  ©leia)niffe  feilen  ba^u  bienen,  ba§  i^r  einfe^en  lernet, 
bag  bie  Söiebergeburt  unb  $ea;tfertigung  beö  ü^enfa)en  feine 
unfräftige  <Baä)t  fe^,  wie  bie  ©a)ein  *  unb^aula)rifienunferer 


1107 

£age  meinen,  fonbern  baß  fte  eine  gdnalia)e  SBerdnbermtg  be$ 
£eraen£  mit  fta)  bringe*  ©ie  maa)t  lebenbig,  t|>dtig,  feurig, 
barmjjeraig,  gütig,  freunblta),  mit  Einern  äBorte  rea)t  djriftltcfK 
SSie  @!)rifutg  ift,  fo  fmb  aua)  bie  ©einigen,  $war  nia)t  fo 
sollfommen,  bo$  aufrichtig  unb  redjtfcljaffen  aua)  in  ber 
©a)waa)£eit  ©ein  £era  aber  ift  soll  TOtleiben,  wenn  <£t 
einen  betrübten  50?enfa)en  ftejjt,  unb  (Ex  jnlft  gerne  Stilen,  bie 
©einer  £ülfe-bebürfen* — (Ex  nalmt  einft  für  ©i$  unb  ©eine 
jünger  einige  $robe  unb  gifa)e  mit  in  bie  ÜBüfte,  aU  (Ex 
aber  t>a$  hungrige  23olf  um  ©ta)  fap,  ttertjmlte  (Ex  ©einen 
SBorratlj  unter  baffelbe*  (Ex  fyattt  einen  23eutel,  in  Webern 
btö  aufbewahrt  würbe,  m$  fromme  ©eelen  3£m  au  ©einem 
Unterhalt  reichten;  aKetn  (Ex  tytilte  barauä  ben  Slrmen  mit, 
fo  oft  (Ex  (Megenjjieit  l^atte*  —  Doa)  toa$  bebarf  e$  vieler 
SSorte  ?  3efu3  $at  jia  Sitten  willig  für  un$  Eingegeben,  ©eine 
(E^xt,  ©eine  £errliä)feit,  ©eine  Gräfte,  ©ein  SBiut,  ©einen 
%äb  unb  ©ein  &ben.  (Ex  t^eilt  uns  ©ein  Sßerbienft  mit, 
©eine  @ered)tigfeit  unb  ©eligfeit '  203er  nun  unter  bie  ©ei* 
nigen  gebort,  ber  £at  ©einen  ©etft  unb©inn,  wer  mit  3f)m 
im  ©lauben  vereinigt  ifi,  ber  wirb  burä)  3£n  unb  in  3£m 
barmljeraig,  mitleibig,  liebreia),  gutt&dtig  unb  bienftfertig*  (Ex 
genießt  ©eine  $kbc  nia)t  allein  für  fta),  fonbern  trachtet  bar* 
naa),  aua)  Rubere  %u  erfreuen,  au  tröften,  gu  ftdrfen  unb  i^ 
nen  wo  möglitt)  #*  ^etfen*  Unb  wo  man  nia)t£  bawn  fpürt, 
t>a  ift  aua)  fein  rea)te3  @j?rijknti?unu 

23  SÖSir  wollen  aber  aua)  fe^en,  wie  bte  $armj>er= 
atgfett  befa)affen  fcp  unb  wa^  man  unter  tiefer 
gugenb  eigentlich  t>erftej>e?  —  Die  33armi?eratg* 
feit  ift  eine  mitleibtge  £iebe  unb  eine  ^erettwtf* 
Ugfeit  bem  9fdä)ften  mit  ffiatfy,  Zxoft  unb  £ülfe 
beiaufpringen,  wenn  er  in  yiotfy  gerdt£!  Die  %UU 
fua)t  btm  $c*enfa)en  im  allgemeinen  ®ute$  %u  erweifen;  bte 
33arm£eraigfeit  aber  ift  befonberS  tf>dtig,  wenn  fta)  ber  9lda)fte 
in  @lenb  unb  grübfal  befi'ttbet*  (Eint  Butter  IkU  t£r  $tnt) 
allezeit,  unb  begleitet  e$  mit  ipren  klugen  unb  mit  iljrem  $er* 
gen  allenthalben  j>in*  Sßirb  baffelbe  aber  franf,  fo  wirb  bie 
Siebe  gteid)fam  heftiger  unb  aetgt  fta)  auf  9oraüglta)e  SSeife* 
©ie  febt  unb  trägt  baffelbe,  pflegt  mb  wartet  fein,  jte  erquieft 
e$  unb  £ifft  i{>m,  wie  fte  f ann  unb  weij?,  unb  wünfa)t  *>on  £eraen 

70* 


1108 

ha$  e$  balb  ber  ©efaljr  entrtffen  werben  möge.  £)iefeS  alleS 
t^ut  fte  au$  innerem  antrieb  i£re$  #erae$,  wel$e£  bie  Sftotl? 
be$  $inbe$  empftnbet  unb  feine  6d)mer$en  mitfürt»  (£benfo 
ifi  e$  au$  mit  ber  c|)riftlid)en  hiebet  fte  ift  3t»ar  immer  auf 
ben  ^lädjfien  gerietet  unb  £ält  tl^tt  treuer  unb  tt>ert^ ;  wenn 
er  aber  in  ^ranffjett  unb  2lrmut|j,  in  Verfolgung  unb  ©e* 
fängnig,  in  Kummer  unb  9fa>ilj  fommt,  fo  wirb  fte  um  fo  ctf^ 
riger  unb  fu$t  if»m  auf  jebe  mögliche  Söeife  gu  Reifen,  unb 
wenn  fte  ni$t  Reifen  fann,  fo  Uttt  fte  für  tyn+  —  SSie  aber 
bie  yiotfy  be$  Vlätyfon  x>erfd;ieben  tß,  fo  fmbet  bk  Sartm)er* 
atgfeit  au$  immer  au  tjmn,  befonberg  in  btefen  legten,  fcfcweren 
unb  betrübten  3etten ,  in  welken  ber  wafjre  ßjriß:  nie  gan$ 
ru£ig  fepn  fann*  (£x  Jammert,  ijtlft,  ratzet  unb  tröffet,  weil 
überaß  md)t$  aU  2lrmutl>  unb  ßrlenb,  £rübfal,  llngfi  unb 
Sftot£  ifl*  Salb  begegnet  iljm  ein  armer  9flenf$,  ber  e$  mit 
feiner  täglichen,  garten  Arbeit  bod>  nid)t  Wetter  bringen  fann, 
ober  ein  fol$er,  ben  ^ranf Jetten  unb  anbere  Unfälle  gana  au^ 
gefogen  paben,  beffen  tinber  |wlb  nacft  gejjen  unb  um  Srob 
bitten*  2)a  fann  er  nt$t  anberä,  er  mufj  fte  fpetfen,  tränfen 
lleiben  unb  ba$  seraagte  £era  flärfen.  —  Salb  jmbet  ft$ 
eine  arme  SBittwe  mit  einem  Häuflein  tterlaffener  SSaifen; 
tiefe  mug  er  in  tfjrer  '£rübfal  befucr)en  unb  ftc$  iprer  treu 
unb  ttäterlict)  annehmen. —Salb  j>ort  er  von  einem  Sebräng* 
ten,  beffen  gürfpre^er  er  wirb  unb  ben  er  nacjj  Gräften  f$ü£t, 
»ert^eibigt  unb  errettet,  ober  t£n  wenigftenS  %u  tröften  fudtf* 

—  Salb  fagt  man  i pm  von  einem  $ranfen ,  ber  auf  feinem 
langwierigen  £ager  faß  lleinmüt^ig  unb  troftloS  werben  will; 
tiefen  befugt  er  unb  wirb  fein  5lr$t  (£r  bemüht  ft$  tjm  t>on 
feiner  ^ranfijett  gu  befreien,  ober  bo$  gehörig  au  verpflegen* 

—  Stewetlen  J?ört  er  von  einem  angefochtenen  unb  beängfHg* 
ten  ©ewiffen*  dx  erfunbigt  ftc§,  wk  biefem  au  Reifen  fep, 
unb  fyut  e$  mit  liebreichem  £eraen,  wo  ni$t,  fo  bitut  er  ©ott 
um  £rofi  unb  £ülfe*  —  £ört  er  von  ©olc^en,  bie  in  ©cla* 
t>eret  geraten  ftnb ,  fo  gebenft  er  ber  ©ebunbenen ,  als  ein 
Sftitgebunbener  unb  trägt  au  i^rer  Befreiung  gerne  bei,  m$ 
er  fann*  (ix  ruft  ©ott  an,  bag  (Ex  fte  im  ©lauben  erhalten 
unb  tattert  ©ebulb  geben  möge  U$  an  i£r  (£nbe*  —  ©agt 
twuf  i£m  enblidt)  von  einem  ©terbenben,  fo  gej?t  er  au  i£m 
unb  ftept  ij>m  gerne  M  mit  feinem  ®tbtt,  mit  £roft  unb 


1109 

Pflege;  unb  wenn  tiefer  geworben  iß,  fo  £tlft  er  naa)  *8erv 
mögen  ba^u,  baß  ber  £etb  a)rtftlia)  unb  ef>rlia)  $ur  (£rbe  be* 
jkttet  werbe  ic.  —  ©tefeö  Me3  aber  t^ut  ber  @j>rift  ma)t 
au£  33egierbe  naa)  (££re  unb  2lnfel?en  t>or  ber  2öelt,  aua) 
nia)t  mit  faltftnnigem  «£)er^en ,  fonbem  au$  reiner  ^eiet)e  $u 
©Ott  unb  bem  üftäcfyften,  mit  2lufria)tigfeit  unb  (Einfalt,  in 
2)emut!?  unb  SBerläugnung  feiner  felbft.  @r  ift  barin  fo  eifrig, 
ba§  er  ben  £ag  für  verloren  j)äTt,  an  wela)em  er  feine  ©e* 
legenljeit  ba$u  ftnbet.  (£r  wartet  aua)  nia)t,  bi$  man  tyn 
ba$u  aufforbert,  fonbem  fua)t  felbjt  Gelegenheit  au  Reifen, 
unb  wenn  i|>m  ein  3^ot^eibenber  begegnet,  fo  bebarf  e$  nia)t 
siel  33itten$,  SSeinenS  unb  glef>en£,  fonbern  er  ift  fogleia)  wiKig 
gu  Reifen.  (£r  fyat  ben  trefflia)en  prfprea)er  ber  Firmen 
ftetä  hä  fta),  ber  oft  ejjer  rebet,  aU  bie  (£lenben  felbß,  — 
@!?rijhtm  3efum,  ber  in  feinem  £er$en  wojmt,  beffen  %kU 
$n  bringt,  ®ute$  $u  tjmn,  unb  jta)  ber  SBerlaffenen  an^une^ 
men.  (£r  gibt  nia)t  fparfam  unb  färglia),  fonbern  mit  mit* 
ber  £anb,  wie  an  £anbmann,  ber  mit  softer  #anb  ben  <Baa* 
men  au^ftreut*  dt  übt  23armf>eräigfeit  mit  £uji,  unb  £at 
nia)t  allein  baä  Xfyun,  fonbern  aua)  ba$  Motten»  dx  läfjt 
fta)  aua)  son  bem  Unbanf  unb  ber  23o3£eit  ber  28elt  nia)t 
abmatten,  fonbern  freut  fta),  wenn  er,  naa)  bem  SBorbilbe  ©ot* 
te£,  regnen  laffen  fann  über  bie  ©erea)ten  unb  Ungerea)ten, 
wenn  er  aua)  benen  ®utt$  tpun  fann ,  t^k  e$  nia)t  erfennen*  (£r 
jtefjt  ftets  auf  ©Ott  unb  3efum  unb  fpria)t:  wie  »tel  ®uk$ 
tjmt  ber  £err  täglia)  an  ber  23elt  unb  wie  wenig  2)anf  j>at 
er  bafür  ?  2Öarum  foll  e$  mia)  alfo  befremben,  wenn  mir  bie 
Sßelt  für  ba$  ©eringe,  ba3  ia)  i£r  t|we,  aua)  geringen  £)anf 
weig  ?  SWein  SefuS  £at  ©ein  #eure$  33htt  für  alte  37?enfa)en 
sergoffen,  unb  boa)  aa)tet3!m  ber  grögte  ££eil  nia)t ;  warum 
will  ia)  mit  meinem  Pfennig  fo  ftoa)  geaa)tet  fepn?  —  2)ie 
^?iebe  boret  nimmer  auf.  <Sie  iß  nia)t  wie  ein  ^egenbaa), 
ber  au&rotfnet,  wenn  e£  am  ^eigeften  ift,  fonbern  wie  eine 
£luette,  wela)e  aus  ben  tiefen  Klüften  ber  (£rbe  ijersorfommt 
unb  aua)  in  ber  größten  £i£e  frifa)e$  Sßaffer  gibt.  —  X>k 
Uebung  ber  ©ottfeligfeit  unb  t>k  Söerfe  ber  %kU  ftnb  gleia> 
fam  ba$  £agewerf  be$  (Sfmften,  feine  Kleiber,  bie  er  tägtia) 
anlegt  unb  aua)  be3  5lbenb^  nia)t  au^ieljt.  2)enn,  wenn  er 
aua)  am  2lbenb  alle  anbern  Kleiber  ablegt,  fo  behält  er  boa) 


1110 

baS  eine,  $on  welkem  ber  Etyoftel  rebet,  £erzlia;eS  Erbarmen. 
(£r  benft,  wenn  er  ftd?  pr  $htfje  legt:  ftej>e,  ta)  lege  mia), 
©ottlob!  gefunb,  fatt,  fröfjlia)  unb  mit  ruhigem  £er$en  in 
mein  gutes  SBett.  $a),  tt)ie  *uete  gibt  eS  unter  meinen  5ttii= 
Triften,  bie  jtdj  mit  Kummer  unb  £eqeletb  nieberlegen, 
welä)e  ijjre  ©orgen,  t'Jjre  Einfettungen  unb  anbereS  Einliegen 
nidjt  fe^tafen  (äffet.  2Bie  Wlantyex  geljt  $u  S3ettc ,  fatt  »on 
£pränen ,  mübe  t>on  @euften  unb  fernerer  Slrbeit !  D,  ttne 
snele  ^ranfe  feuften  unb  ftojmen  auf  tyrem  ©iett)bette  unb 
Jjaben  *>or  ©a)merzen  unb  Elngft  feine  9fo$e!  31$  gnäbiger 
unb  barmherziger  ©Ott,  2)u  jteljeft  unb  fenneft  Sitte,  bie  in 
i^ren  %löt Jen  unb  Elengpen  $u  £>ir  febreien , , 2)u  jte^eft  tj»re 
ordnen,  2)u  fjöreft  i£r  23SemenA  (Seufzen  unb  klagen*  21$, 
Jag  eS  £>ia)  jiammern,  unb  jrilf  allen  benen,  bk  deiner  £ülfe 
fcebürftig  ftnb  u.  f.  w*  gürwafjr  e*n  re$tf$affener  djjriji, 
ber  ein  $5riefler  *>or  ©Ott  ift,  wirb  beS  Etbenbs  fein  £au:pt 
ntcf)t  nieberlegen,  epe  er  ©Ott  fein  Opfer  bargebraa)t  unb 
3Jmt  alle  feine  9ttttcf)riften  an  baS  £er$  gelegt  §at.  Unb 
Wenn  er  beS  ^ad)ts  ni$t  fä)lafen  fann,  fo  Ijängt  er  nia)t  un  - 
nügen  ©orgen  unb  eiteln  ©ebanfen  na$,  fonbern  benft  ttiel* 
mej>r  barüber  naä) ,  tt?ie  er  ©ott  unb  feinem  ^äa)ften  bienen 
unb  jt$  in  ber  23  arm^erztgf  eit  ubm  fönne* 

Qrnblt^  erftreeft  fia)  bie  23anm)erzigf  ett  beS  ©laubigen  au$ 
auf  bk  Spiere,  \x>k  ©alomo  fagt;  ,,£> er  ©erea)te  ift 
fcarm])erzig  gegen  fein  2$ie{>;  aber  baS  #erz  beS 
©ottlofen  iß  unbarmherzig."  —  2)er  @t>rift  legt  fei? 
nem  £Iner  zu  tnet  auf,  er  bepanbelt  feinet  graufam,  gibt 
jebem  fein  gutter  unb  gönnt  ü)m  feine  9tuj)e  gu  rechter  3eit. 
<5tef>t  er  ein  £{ner  serirren,  fo  bringt  er  eS  zurea)t,  will 
eineö  unter  feiner  £aft  erliegen,  fo  Inlft  er  ilmt  wieber  auf* 
5Der  @f>rift  zerftort  bie  Hefter  ber  SSogel  niä)t  unb  nimmt  bk 
Butter  nia)t  fammt  ben  Jungen ,  um  fte  rp  tobten.  28emt 
er  *>on  feinem  ?8k§  fdilaa)ten  laffen  mu§,  fo  labet  er  nia)t, 
baß  baffelbe  lang  gequält  werbe;  ja  er  wünf$t  oft  *>on  bem 
Selbe  biefeS  £obeS  erlöst  %u  fe^tt ,  bamit  er  feiner  folgen 
©peife  meljr  bebürfte!  £>iefe£  $at  ©oit,  ber  |)err  nid)t  bloS 
^efo^len,  fonbern  ^r  ge£t  uns  barin  aua)  mit  feinem  ^etfpiet 
ttoran;  benn  @r  In'lft  betben,  3}?enfa)en  unb  25ie{>,  ^r  lägt 
©raS  warfen  für  baS  fßity,    dx  gibt  ij>m  fein  gutter  unb 


Uli 

verforgt  aucrp  bie  jungen  haften,  bte  3£n  anrufen*  (£r  t£ut 
©eine£anb  auf  unb  fättiflet  Mt$,  wa$  ba  lebet,  mit  2Bol>l* 
gefallen*  3a  er  erbarmt  fia)  aud)  ber  Giriere ,  rote  dx  bort 
gu  3ona3  faste:  bid)  jammert  berKürbiß  unb  Wliü)  follte  ber 
großen  ©tabt  nittjt  jammern,  bann  fo  »tele  taufenb  unfcfyulbige 
Kinber  jtnb ,  baau  aua)  »tele  Xpim.  —  2)er  ©laubige  roeif, 
baß  bte  Spiere  unter  bie  Kreaturen  gehören,  von  welchen  ber 
Slpoftel  fagt ,  baß  fte  unter  bem  2)tenfte  ber  (£itelf eit  feufaen. 
@r  weiß,  baß  man  ft$  an  einem  unvernünftigen  ©eftyöpf  ver* 
fünbigt,  wenn  man  bajfelbe  in  un^eitigem  (üftfer  mtßf>anbelt, 
unb  baß  man  ftd)  gar  leicht  an  ^k  ©raufamfeit  unb  Unbarm* 
^er^igfeit  gewohnt  unb  fte  gar  gerne  auf  bie  -ftebenmenf^en 
übertragt  —  2)a|?er  fagt  ber  Kirchenvater  £ertußian  mit  dittyt, 
baß  ©Ott  beßwegen  ba$  ©ebot  von  ber  23arm£eraigfeit  gegen  t>k 
£{riere  gegeben  pabe,  bamit  ft$l  ber  $?enf$  in  ber  greunblidjfet't 
unb  ©üte  an  biefen  ©efcfyöpfen  gleidjfam  übe  unb  um  fo  leistet 
baaufomme,  bieß  audj  an  feinen  ^itbrübern  au  beweifen*— 2lu$ 
bte  Reiben  roaren  ber  Meinung,  baß  bie  Unbarmljeraigfeit  unb 
©raufamfeit  bem  3ftenf$en  übelanfteje*  £>arum  ftraften  fte  bk* 
felbe  aufteilen  fef)r  f>art.  ©o  würbe  in  Sitten  ein  ^atjj^err  aU  ein 
gottlofer  Wltn\ty  verurteilt  unb  gefiraft,  weil  er  einen  ©perling 
töbttiz ,  ber  ftd?  au$  gurd?t  vor  einem  £abt$t  in  feinen  33ufen  ge* 
pc^tet  Ijatte*  2)ieß  gefdjaf?  aber  nidjt  beßwegen ,  weil  er  bem 
armen  SBogel  baS  £eben  nalmt,  fonbern  weil  er  ein  fograufameS 
©etnütl?  blicten  ließ,  (£in  Knabe  ivurbe  fogar  aum  £obe  ver* 
urteilt,  weil  er  feine  guß  barin  fanb,  ben  Krähen  bie  klugen 
au$aufiec§en,  weil  man  barau£  fc^loß,  berfelbe  müße  ein.  außer* 
orbentli$  böfeö  ©emütl?  jjaben,  welct?e$  mit  ben  3aj?ren  aum 
Unglucf  vieler  Slnbern  gereichen  würbe*  —  2)er  #err  felbjt 
laßt  aber  au$'fol$e  grevelt^aten  nid?t  ungeftraft,  unb  fudtf 
bte  Uebertreter  feiner  ©ebote  bisweilen  auf  bie  fcfjredlic^e 

SBetfe  £einu &)t  wir  nun  au  ber  2lnwenbung  tiefer 

Sej?re  übergeben,  wollen  wir  ba$,  mö.Xüix  btöfjer  von  ber 
S3armj)eraigfeit  unb  ©üte  ber  ©laubigen  gefagt  fyabtn,  noclj 
mit  einigen  23eifpielen  au  erklären  fuc^en.  —  |)iob  fagt  von 
fid):  „3$  weinte  über  ben,  ber  f>arte£age  fiatte,  unb  meine 
©eele  MxixW  ft#  wegen  be£  2lrmen,"  gerner:  „3$  jjabe 
ben  dürftigen  ij?r  Verlangen  ni^t  verfagt  unb  t>k  verlajfenen 
Sßiitwen  nid)t  verf$mad?ten  laffem    3$  £abe  meinen  23ijfen 


1112 

tiifyt  allein  gegeffen,  fonbern  lieg  bte  SSaifen  mit  mir  effen; 
ia)  Jjabe  mity  »on  3ugenb  auf  gegen  attbere  betragen  wie  ein 
SBater,  unb  Ijabe  t>on  feper  gerne  getrottet"  (£r  würbe  alfo 
»on  frommen  Altern  fdjon  früpjeitig  pr  23armj>eraigfeit  an* 
gefettet  unb  ^^te  oon  iftnbeSbeinen  an  (Gelegenheit  ft$  baxin 
3u  Um.  &tm$  2le|mlta;e3  lefen  wir  »on  ber  Königin  Slnna 
in  (Spanien,  welche  ipren  beiben  ©ö^nen  in  tprer  früpeften 
Sugenb  Beutel  mit  ©olb  anfügte  unb  fte  gewöhnte,  baffelbe 
unter  bie  Firmen  #x  »erteilen*  —  (£benfo  najmt  eine  anbere 
Sftutter  jiebeSmal  einige  »on  ifjren  ^inbern  mit  ftcp,  fo  oft 
fte  bie  $ranfen  unb6terbenben  befugte,  unb  wteS  jebeS  ber* 
[elften  an ,  alle  £age  einem  gewiffen  Firmen  ®utt$  %u  tpun»  — 
D  wie  glüdlia)  iji  ein  $mb,  bag  fold&e  fromme  Altern  $at, 
unb  tprer  Anleitung  wittig  folgt !  2Bie  glücf lid?  ftnb  bie  Altern, 
bie  ifjre  $tnber  von  3ugenb  auf  ba^u  anpalten ,  bag  fte  ft$ 
<S$ä$e  im  Fimmel  fammeln!  —  Stterfwürbtg  ifi  auct),  tca# 
ft$  mit  einigen  barmherzigen  Timmen  in  ©amarien  antrug* 
211$  nämlicp  baS  fSolf  3uba  t>on  3frael  geftylagen  unb  eine 
Stenge  SSeiber  unb  ^inber  in  hk  @efangenf$aft  abgeführt 
worben  waren ,  ftrafte  nidjt  nur  ber  $rop!>et  £>babia  bie  fteg* 
reiä)en  3^raeliten,  fonbern  es  gingen  au$  Einige  *>on  ben 
Äinbern  (£ppraim  jnn ,  wiberfe^ten  ftdj ,  bag  man  bie  ©efan* 
genen  in  bie  ©tabt  bringen  follte,  unb  berebeten  ba$  SSolf, 
bag  man  fte  loa  gab»  (Sie  fleibeten  bie  Wadten,  gaben  ben 
hungrigen  gu  effen  unb  %u  trinfen  unb  falbten  fte*  Sitte  bte 
fa)waä)  waren,  festen  fte  auf  Gtfel  unb  brauten  fte  na$3en$o 
$u  tpren  trübem*  £)ie  tarnen  aller  biefer  Männer,  welche 
fta)  ber  (Gefangenen  fo  liebreich  angenommen  Ratten,  würben 
in  ber  peiligen  «Schrift  aufgeaeidjnet ,  unb  ber  £err  will  bamit 
geigen,  bag  <£r  ein  befonbereS  Slugenmerf  auf  bie  33armJ?er* 
gigen  $at,  ipre  SBopltpaten  nityt  »ergigt,  fonbern  ijjnen  rei$* 

lity  »ergelten  will  in  (£wigfeit. gerner  wirb  in  ber 

2tyoftelgeftt)i$te  »ort  ber  Xahza  au  Soppe  eraäplt,  bag  fte 
Sott  guter  2öerf  e  unb^llmofen  gewefen  fep,  unb  bag 
naa)  tprem  £obe  bie  SSittwen,  benen  fte  ®ute$  tyat,  beut 
betrug  mit  greinen  alles  $>a$  gezeigt  paben,  wa$  fte  »on 
berfelben  empfangen  Ijatten*  —  Bie  war  alfo  reid)  an  guten 
SSerfen*  9lun  aber  follte  man  meinen,  bag  man  burd)  »tel 
5llmofengeben  niä)t  reia) ,  fonbern  arm  unb  ausgeleert  werbe* 


1113 

2)er  £eil*  ©eifi  aber  leljrt,  bag  berjemge  rei$  fcp ,  ber  tnel 
weggegeben  £at ,  unb  bag  ber  »oll  fep ,  ber  am  meifien  mit* 
tljetlt  2öetl  2Ule$,  wa^  wix  ©ute$  tümn,  t>on  bem  Gerrit 
aufgeweitet  wirb,  unb  wir  wn  bem  £errn  eine  retcblicbe 
Vergeltung  bafür  $u  erwarten  j)aben,  fo  ift  ber  gewig  am 
reiften,  ber  son  feinem  ©ott  am  meiften  $u  erwarten  pat 
3ubem  werben  e$  bie  Firmen,  benen  wir  frier  ©ute£  getfjan 
ijwben  /  am  jEüngfien  £age  no$  rühmen,  gleichwie  Jene  ^Bittmn 
naä)  bem  £obe  ber  XaUa  öffentlich  rühmten ,  voa$  fte  wn  ijjr 
empfangen  fyatttn.  —  Wn  tiefe  Qrr$ä£lung  reijrt  ft#  fügli$ 
t>it  ©efc^icbte  son  ber  frommen  2lnna,  Sanbgräpn  #i  Reffen, 
geb.  ©räfm  $on  2)tepI?olb  an,  welche  gegen  bie  Firmen  fo 
gutt^ätig  war ,  bag  man  fte  bie  zweite  Ijeil.  (£lifabet£  nannte* 
<5te  würbe  fo  geliebt,  bag  ftd)  bie  Armen  *>om  ganzen 
£anbe  bei  tljrem  £etd>enbegängniffe  Cl.  <Bt$i*  1610)  in  fo 
groger  Siftenge  einfanben  unt>  ipr  unter  lautem  SSebflagen  bie 
legte  (££re  erwtefem  @twa6  ber  Art  fteijt  man  feiten  M  fürfl* 
liefen  Seiten ,  baljer  gingen  auä)  jebem  3ufdjauer  bte  Augen 
über*  —  Au$  ha$  33etfpiel  be3  rbmifc^en  Hauptmanns  (Sor* 
neliuS  $  beachtenswert!»,  weitem  ber  £errfagen  lägt:  „&eixt 
®tbct  unb  beine  Almofen  finb  pinauf  gefommen 
*>or  9)?icV  Auf  (Erben  wirb  bas  Almofen  gemeiniglich  gar 
balb  sergeffen;  aber  im  Fimmel  wirb  5löeö  J?ocb  angetrieben* 
©leic^wie  $on  £ubwig  XII,  $önig  $  on  granfreieb  er$äblt  wirb, 
bag  er  bte  tarnen  aller  berer  in  ein  33ucb  eintragen  lieg,  bie 
ftcb  um  iim  unb  fein  D^etcb  »erbient  gemacht  £aben ,  um  fte 
bei  ©elegenfjeit  bafür  au  belohnen,  —  vok  früher  am  faifer* 
lieben  £ofe  in ^onftantmopel  ein  Amt  war,  welches  man  baS 
Amt  beS  ©ebäci)tniffe3  nannte,  unb  welches  alle  treu 
geleiteten  2)tenfte  aufzeichnen  mugte,  fo  lägt  ©Ott,  wenn  icb 
auf  2D?enfcbenwetfe  reben  folf,  bie  tarnen  berer,  bie  3?m 
auf  (£rben  treulieb  bienen  unb  ftcfy  befonberS  ber  armen  ©lieber 
(£{jrijli  tyexßti)  annehmen,  gleictyfam  in6ein23ucb  eintragen,  bamit 
fte  mit  jeitlicbem  unb  ewigem  «Segen  belohnt  werben.— 2öela) 
eine  Aufmunterung  jum  ®chet  unb  $um  Almofen  mug  uns 
baS  geben!  2öer  moebte  m$t  gerne  feuften  unb  beten,  ba  er 
weig,  bag  ber  £err  uns  erkort,  wer  möchte  niebt  willig  ben 
Armen  geben,  ba  er  tterftebert  fepn  barf,  bag  ©Ott  au$  ba$ 
©eringfte  J)ocf)  anfeblägt,  unb  bag  fein  £runf  SSafferS,  ben 


1114 

Wir  ben  ©einigen  im  ©lauben  unb  in  ber  $klz  geben, 
unbelojmt  bleiben  wirb!  —  (£nblia)  rüjmtt  ^auluS  b;e  ®ut* 
^ättgfeit  mehrerer  ©emeinben  in  Sftacebonien,  unb  nennt 
eS  eine  befonbere  ©nabe  ©otteS,  wenn  man  ben  Sinnen 
mit  KiUiQtm  unb  frohem  £er$en  jrilft*  3g)  t£ue  eua) 
funb,  Heben  23rüber,  fagt  er,  bte  ©nabe  ©otteS, 
bie  in  ben  ©emeinben  in  9ftacebonien  gegeben 
tji;  benn  ijjre  greube  mar  ba  überfa)wenglta),  ba 
,fie  bura)  viel£rübfal  bewährt  würben,  unb  wie* 
woljl  fie  fe£r  arm  waren,  £aben  fie  boa)  reia)lia) 
gegeben  in  (£infalt  9*aa)  allem^ermögen,  bas 
fce^euge  \§,  unb  felbj*  über  Vermögen  waren  fie 
willig.  Sftanburfte  fte  alfo  nia)t  erft  ermahnen  unb  bitten, 
aua)  fa)ü£ten  fte  ipre  eigene  £5ürftigfett  nia)t  vor,  fonbern  fte 
gaben  faft  über  Vermögen,  aus  eigenem  antrieb  unb  mit 
frö|>litt)em  wittigem  £er$en*  —  Siefe  lieben  ©eelen  wugten 
wojtf,  bag  naa)  i>m  Porten  unfereS  £eilanbeS :  ©eben  bef* 
ferip,  aU  3?  e  f>  m  e  n*  6ie  wußten,  tok  £oa)  eS  ber  £crr 
anfa)lägt ,  wenn  man  ©eine  verlaffenen  $inber  mit  Zx$$  unb 
£ülfe  erfreut,  unb  $aben  uns  alfo  ein  25eifpiel  jnnterlaffen, 
tck  aua)  wir  mit  frö^liä)em£eraen©uteS  tjjun  unb  uns  bura) 
£rübfal  unb  eigene  SlranttJ?  nia)t  abgalten  laffen  follen* 

2lttwent)ung> 

I*  SSir  wenben  uns  nun  aum  ©ebraua)  tiefer  £ejjre  unb 
Weil  eS  unfere  £auptabfta)t  iß  bem  verfallenen  Gjmftentjmm 
nad)  Gräften  aufhelfen,  fo  ermahnen  wir  einen  3eben,  bag 
er  1)  nochmals  tint  genaue  Prüfung  mit  fta)  anpeilen  unb 
unterfua)en  folle,  ob  er  bisher  feinen  ©lauben  aua)  bura; 
SQSerfe  ber  %kU  gegen  ben  9täa)ften  bewiefen  J>abe?  —  3pr, 
meine  3u£orer,  fepb  olmeB^eifel  bavon  überzeugt,  bag  ber 
©laube  fta)  notfjwenbtg  aua)  bura)  bie  £tebe  aeigen  muffe,  unb 
bag  eS  nia)t  von  uns  abhänge ,  ob  wir  uns  beS  ^Dürftigen 
annehmen  wollen  ober  nia)t  Vielmehr  muffen  wir  es  tj?im, 
unb  awar  ^er^lia) ,  fröj?lta)  unb  willig ,  Wenn  wir  m'a)t  unter 
bie  £eua)ler  gejault  werben  unb  am  jüngfien  £age  bte  28orie 
pören  wollen:  ,,©e|)et  jun  i£r  Verfluchten  in  t>a6 
£öllifa)egeuer  :c*  3g)  bin  hungrig  gewefen  unb 
ifyx  fyabt  Wlid)  nia)t  gefielst  :e.  —  23abet  finb  aua) 


1115 

noo)  folgenbe  ©teilen  ber  ©ä)rift  ju  ewcigen:  v2Bet  feine 
£>jjren  *>erfto:pft  *>or  bem©o)reien  be$  Firmen,  ber 
wirb  awar  rufen, aber  nia)t  erpöret  Werbern  2Ber 
ben  Ernten  gibt,  bem  wirb  nia)t  mangeln;  wer 
aber  feine^lugen  abwenbet,  ber  wirb  tterberben 
(wirb  lauter  glua)  Jaben),  2Benn  3emanb  biefer 
SBelt  ©üter  jjat,  unb  fiepet  feinen  SBruber  bar* 
ben  unb  fä)liegt  fein  £era  vox  ifyrn  au;  wie  biet* 
bet  btei*iebe@otte$  hei  i£m?(£$  wirb  ein  unbarm* 
perjiä@eria)t  ergeben  über  ben,bernta)t  barm* 
£eratg  ift/'  —  ©o  prüfet  eua)  alfo  meine  9ttita)rtften,  ob 
tyx  ein  rea)t  mitleibigeö  unb  guttptige^  £era  in  eua)  ftnbet? 
prüfet  eua) ,  ob  eua)  ßet$  bie  3^otp  ber  23ebrängten  au  £eraen 
ging ,  fo  oft  ifyx  einen  folgen  Stoffen  fa£et  ober  son  ijjm 
portet?  prüfet  eua),  ob  t^r  eua)  pernio)  barnaä)  feintet  unb 
auä)  bemüht  wäret,  tjjra  S^fp  unb£ülfe  au  bringen  ?  prüfet 
eua),  ob  ipx  in  unferer  garten  3^tt,  ba  Ue  9*0$  mana)mal 
fo  groß  ift,  für  bie  Ernten  ©orge  traget,  für  fte  hetet  unb 
bereit  fe^b,  ilmen  nad)  Gräften  ju  Reifen?  £abt  ipr  @ott 
aud)  fa)on  barum  gebeten ,  bag  er  eua)  fromme  Firmen  $u* 
führen  unb  (Megenjjeit  geben  möa)te,  ifmen  befmlflia)  $x  femt? 
20?aa)t  e3  eua)  greube ,  Slnbern  au  bienen  ?  2Bie  betraget  tyx 
eua)  gegen  $&iümn  unb  Sßatfen,  gegen  arme  Traufe  unb 
SBebrängte?  23efud)et  tpr  fte  auä)  in  ijjrer  £rübfal,  trofiet, 
fä)ü£et  if>r  biefelben,  unb  pelfet  tpr  tpnen  nad)  eurem  SBermo* 
gen?  2ßo  ftnb  bie  hungrigen,  bie  iljr  gefpetet,  bie  £)ur* 
fttgen,  bie  tpr  getränft,  t>ie  STcacften,  bie  ipx  gefleibet,  bie 
@lenben,  bte  ifyx  befua)t  unb  mit  bem  Notlügen  serfeijen  $aU$— 
3jjr  rühmet  eua)  be3  £errn  3efu,  bag  tyx  ©ein  28ort  fjört 
unb  galtet  unb  ©ein  2lbenbmapl  genieget;  allem  wo  ifi  ba$ 
liebreia)e  £era  £)effetben ,  (Bein  troftreia)er  Wlunh ,  ©ein  mit* 
leibige^  2iuge  unb  ©eine  j>ülfreia)e  £anb?  3£r  rüfmtet  eua) 
be$  ©lauben^,  wo  ift  aber  bte  Siebe,  bie  33arm£er$igfeit  unb 
©uttfjätigfeii?  £)en  53aum.f^e  ia)  wo^l,  wo  ftnb  aber  bie 
grüa)ie?  SBo  ftnb  bie  greunbe,  bie  i£r  eua)  mit  bem  ungerea)ten 
Mammon  gemacht  £abt?  2Ba3  pabt  if?r  btefjer  von  euren  @ü* 
tern  auf  bte  Firmen  serwenbet ,  wie  siel  ffrtbet  fta)  in  eurem 
£au3bua)e,  —  D  td)  füra)te,  bie  3apreörea)nung  Vieler  möa)te 
lauten,  wie  bie  jene£  ^lofterbruber^ : 

i  v 


1116 


Sen  3lrmen  gegeben  ♦ 

;   3ff. -pf* 

£en  ©djülew  .    ♦    ♦ 

•  -ff.  10  pf. 

2)en  3öttttt)en  ♦    .    ♦ 

•    iff.-tf. 

jDen  SDfufffanten    .    . 

.    6ff.-pf. 

Sem  SMrfer     •    ♦    . 

.54ff. -pf. 

2)en  Vertriebenen  .    ♦ 

•  -ff*    4tf. 

Sern  S^tf^ter  ♦    .    . 

•  10 ff.  ~pf. 

2)er  ^äfdjerm     ♦    * 

♦    3  ff.  -pf. 

3n$gemein  ♦   ♦   ♦   ♦ 

•  18  fc  -Pf. 

Sluf  ©affmaple  verwenbet  68  ff.  —  pf. 
2)o#  wer  weig,  ob  Wlantyx  nur  fo  *>iel  anrennen  fönnie, 
wag  er  auf  2lrme ,  2Bittwen ,  Vertriebene  unb  andere  Unglück 
lidje  serwenbet  £a&e?  2)ie  $leiberprad)t  unb  Ueppigfeit,  ba$ 
(etfer^afte  Sttaul  unb  ba$  lüfferne  2luge  unb£er$  nimmt  bau 
2fleijie  jjin,  ba$  Uebrige  tterwa^rt  ber  ©et$  uub  ber  Teufel 
£at  ben  ©Rüffel  ba^u.  —  3$  erinnere  miü)  {riebet  an  jenen 
reiben  Bürger  einer  fä$fff$en^eid)gftabt,  ber  mit  feinen  Sfauj?* 
tarn  äugerlicfc  in  gutem  Vernehmen  ffanb.  (£inft  fam  (Einer 
»on  benfelben  in  bit  9totl?,  fc&nelt  eine  ©umme  ©elbeä  be* 
gaplen  $u  muffen,  bie  er  gerabe  nia)t  bei  ber  £anb  fiatte* 
(£r  ging  bajjer  ^u  jenem  unb  bat  tyn  bringenb  um£ülfe,  p* 
gleich  bot  er  ijmt  bk  nötige  ©icfyerjjett  an  unb  gab  i£m  baö 
Verfpredjen,  i|m  in  fur^er  3ät  lieber  au  beliebigen.  £)er 
Sttann  lieg  ffd)  enbli$  erbitten  unb  ging  an  feine  $affe,  worin 
er  ünz  groge  ©umme  liegen  jjatte.  VLU  er  aber  biefelbe  ge* 
öffnet  jjatte  unb  feine  lieben  ££aler  fap ,  f$log  er  wteber  ju 
unb  fagte:  9^(^bar,  i$  fann  eS  nicfyt  t £ u n.  —  tiefer 
bat  wieber^ott  nnb  ffellte  tpmwr,  bag  er  babü  in  gar  feine 
©efapr  f  omme ;  er  wolle  baS  ©elb,  wenn  e$  fespn  muffe,  in  we* 
nigen  £agen  wieber  auflegen,  er  fyätte  e$  leicht  anber^wo 
befommen  fonnen,  aber  er  Jjabe  geglaubt,  fein  lieber  -iftadjbar 
werbe  tyn  in  ber  üftotfj  ni$t  ftecfen  laffen.  £)er  Otetc^e  ging 
gum  zweitenmal  an  feine  ^ajfe;  allein  er  fam  wieber  $urücf 
unb  rief:  3$  fann  e$  ni<#t  tljun!  —  ©o  feft  war  fein 
£era  *>erf$loffen  unb  ber  Mammon  J>atte  eine  folcf?e  (Gewalt 
über  tiefen  elenben  2D?enf$en,  bag  er  tyn  nic&t  angreifen 

burfte. 21$,  er  mag  triele  ©rüber  unb  ©c^weftern  unter 

ben  heutigen  (griffen  ljaben!  2Bte  ber  Magnet  bag  (Eifert  an* 
Ste£t,  fo  faty  leiber  ba£  (Mb  bie  £er£en  ber  Steffen  an 
ff$.    Unb  wenn  ber  $ir$em>ater  Sluguffin  ft$  51t  feiner  3ät 


1117 

fo  feljr  barüber  wunberte,  als  er  fafj,  bag  ft$  bie  Nabeln 
nad)  ber  £anb  befielt  bewegten,  ber  einen  Magnet  unter  bem 
£ifd?e  {»in  unb  fier  ac>ö,  fo  £at  manie§t  wa|>rli$  no$  me£r 
Urfaa>,  ftcty  barüber  31t  wunbern,  bog  baS  ©elb  bie£er$en 
ber  Steffen  fo  fräftig  lenft,  part  unbweicfy  machen,  offnen 
unb  fliegen  fann*  £)ie  ©efdn^te  faßt:  bag  epemalS  Könige, 
wenn  fte  in  bte  £cmbe  iljrer  geinbe  gerieten,  mit  golbenen 
Letten  gebunben  worben  fepen;  aber  Ijeut^utage  fann  man 
behaupten ,  bag  bie  meinen  9ftenf$en  in  folgen  golbenen  unb 
ftlbemen  geffeln  gelten,  opne  bag  fte  eS  glauben*  —  2öte 
Stelen  Jjat  ber  «Satan  baS£er$,  bie  otogen,  bte  £cmbe  unb 
^k  pge  gefeffelt ,  bag  fte  i^rem  ^ä^fien  weber  £ülfe  leiten 
fönnen  noa)  wollen!  §Bon  wie  Steten  mug  man  annehmen, 
bag  fte  fein  £er£  im  $t\bt  #aben ,  ober  bag  eS  fo  part  fe$ 
als  ©taljl  unb  @tem,  weil  eS  t>k  Sinnen  unb  <£lenben,  bie 
Sßtttwen  unb  Sßatfen  mit  allen  t{>ren  tränen  mc^t  erweichen 
fönnen!  £)ie  meiften  S^enfctjen  gleichen  ben  @parbü$fen,  bte 
immer  nur  einnehmen,  aber  nt$tS  herausgeben,  3f>re  Mafien 
ftnb  wk  baS  tobte  3P?eer,  welkes  baS  Söaffer  beS  3orbanS 
verklingt  unb  verberbt  —  ©Ott  $at  feinen  $rebtt  me£r  bet 
berSßelt,  -ftiemanb  will  3pm  eine  Heine  Summe  anvertrauen, 
obwohl  (Ex  in  Sßajjrfjeit  verfpridjt,  fte  {mnbertfältig  wteber 
3u  erfegen,  £)aljer  liegt  Ea^aruS  allenthalben  vor  ber  ££üre, 
feufot,  weint  unb  flagt;  man  achtet  aber  feiner  mcljt.  £)te 
Unbarmljerst'gf  eit  ^t  j>et  £o|>en  unb  fiebern  überpanbgenom* 
men  unb  perrfd^t  in  Kriegs*  unb  grtebettS^eiten.  <Bf>  er^lte 
man  vor  mcj)t  gar  langer  3zü  t  bag  ein  ©eneral  gefagt  fyäbe, 
eS  fe$e  ijwt  lieb,  bag  er  von  9latur  ein  partes  £er$  |abe, 
weil  er  fo  im  ©tanbe  fep,  tm  23efeljl  feines  Königs  befio 
beffer  auszurichten  unb  ft$  über  baS  <5euften  ber  Untertanen 
wegzufegen.  —  £>ieg  beweist  aur  ©enüge ,  bag  ni$t  ber  lieb* 
reiche  £eilanb,  fonbern  ber  graufame  unb  fembfelige  @atan 
tn  ben  £er$en  ber  3D?enfcf>en  £errfa)t,  vor  welchem  ft$  alle 

(E^rifien  entfern  follten* SBojjlan  nun ,  meine  3u£örer ! 

3j?r  mügt  eu<$  jegt  abermals  entfdjeiben,  mit  wem  tyx  eS 
galten  wollet?  —  Wlit  eurem  (£rlöfer,  ober  mit  bem  Teufel, 
bem  unbarmherzigen  $tatfa)enfeinb  ?  £ier  jjtlft  fein  ©d)ein* 
tyriftentjmm,  fein  $ir<$engej>en ,  fein  23ei$ten,  fein  @enug 
beS  £etl.2lbenbma£is,fem  Sftu£m  beS  ®laubenS;  —  {ner  mug 


1118 

t>a$  £er£,  bte  |£J)at,  bte  grua)t  fe^n.  2öaljrfa)einHcf)  war 
ber  reiche  Sftann,  von  welkem  ber  £err  ftm'cjjt,  äufjerlia) 
ein  reajt  frommer  3ube,  ber  bte  ©pagoge  vec^t  fleißig  be* 
fua;te  unb  ein  e{)rbarlic$e$  ^?eben  führte;  allein  weil  bte  Un* 
barmljeraigfeit  fein  £er$  befaß,  fo  £alf  ifmt  ba$  21lle3  m<&t$/ 
fonbern  er  rannte  »oll  Hoffnung  be3£tmme(3  in  bie  £ölle.— 
£>a£er  fagt  £ut£er:  „2>u  barfft  ma)t  fragen,  wa^  bu  äußer* 
Ufy  tjmn  follft>  ffeje  auf  beuten  9M$ften,  ba  wirf*  bu  $u 
tpun  ftnben,  unb  wenn  beiner  taufenb  wären.  SBcrfüpre  feid^ 
nurfelbftnia;t,  benfe  nur  nia)t ,  baß  bu  mitteten  unb  $ira;en* 
geben,  mit  Stiftungen  ober  ©ebädjtniffen  in  btn  Fimmel 
fommen  wirft,  wenn  bu  an  beinern  9*äa)fkn  vorübergeht 
@e£ef*  bu  an  tpm  vorüber,  fo  Witt*  er  btr  bort  im  33ege 
liegen,  baß  bu  an  be£  $tmmeB  £jmre  vorübergehen  mußt, 
tok  ber  reia)e  Sföanm"  —  ©o  afepet  nun  an  aU  bk  2tu6er* 
wallten  ©otteä ,  ^eiligen  unb  (beliebten ,  Ijeralidje^  Erbarmen, 
©e^b  barm^er^ig,  wie  auä)  euer  23ater  barmper^ig  tfh  9te£* 
met  eua;  ber  9Jot|>burft  ber  ^eiligen  an»  @e$b  froliliä)  mit 
ben  grof>licf)en  unb  weinet  mit  ben  2Beinenben.  ©ebenfet  ber 
©ebunbenen  aU  bie  SMtgebunbenen  unb  berer,  bie  grübfaf 
leiben,  aU  tk  ipr  aua>  noa;  im  getbe  lebet*  gaffet  eu$ 
Jammern  bie  taufenbfadje  9tot£  unb  t>k  unerträgliche  2aft,  bar* 
unter  hk  heutige  Giimftenpeit  feufeet,  in  welcher  täglia)  im* 
gärige  £j?ränen  vergoffen  werben,  entfaltet  eua)  ber  greube 
ber  üppigen -SBctt,  unb  Reifet  euren  bebrängten  trübem  feuften 
unb  beten,  ob  ber  barmherzige  ®ott  niebt  .balb  allem  gott* 
lofen  Söefen  ein  (£nbe  machen  möge  bura)  bie  £errlia)e  dx* 
f$einung  unfere$  #erw  3efu  (SJrtfiu  3nbeffen  aber  ratpef, 
Reifet  unb^  tröftei ,  wo  ij>r  fönnet,  unb  galtet  t>m  £ag  für 
verloren,  an  weitem  iljr  nifyte  getrau  J>abt  sunt  £rojt  eurer 
$Hta)riften.  ginbet  tljr  etwa  ein  partes  £er$  in  eua),  baS 
bei  feinem  Ueberfluffe  fta)er  ift  unb  ftd)  um  ben  @a)aben  3ofep^ 
wenig  fümmert,  fo  erfa)recfet  bavor  unb  laffet  nta)t  naa),  %i$ 
tyv  baffelbe  bura)  Qdtbzt,  bura)  bie  befMnbige  Erinnerung  an 
@otte£  Tillen,  burd)  bie  Betrachtung  be£  mitleibigen  £er^en$ 
3efu,  bura)  beftänbige  Hebung  unb  fortwäfwenbe  Buße  erweichet 
unb  bem  ^er^en  eures  (£rlöfer$  ä{mli$  maa)eL 

IL  Befleißiget  ett$  aber  befonberg  ber  ©uttpätfgfeit  gegen 
bie  Ernten,  worauf  bie©ä)rift  fo  heftig  bringt    Paulus  er* 


111 9 

tffyitt   bag  er  fi$  mit  ben  brei  »ornefmtften  Ipoßeln  $etru$, 

3afobu$unb  3<$Mtte$  bajin  $erglia)en  Jäte,  bag  biefe  unter 

bk  3uben,  er  aber  unter  bie  Reiben  geljen  wolle;  boa)  ijaben 

fte  alle  baö  au^brücflic^  einbebungen ,  bag  fte  ber  Slrmen  ge* 

benfen  unb  benen  unter  ben  fytibtn  eine  33eifteuer  t>erfc^affen 

foltern    2lu$  mit  un£  |>at  ber  £err  glei^fam  einen  SBergleid) 

getroffen  unb  benfelben  mit  ©einem '23lut  betätigt,  bag  wir 

bur$  ben  (Mauben  an  3fw©erea)tigfcit,  Vergebung  ber@ün* 

ben  unb  bte  ewige  ©eligfeit  erlangen  foltern    £)o$  %at  (£r 

aua)  biefe£  mit  einbebungen,  bag  man  ber  Slrmen  unb  feiner 

bürftigen  ©lieber  anfärben  nia)t  sergeffen  folle,    Ueberjwupt 

ift  e$  für  bteSlrmen  fefjr  trößlta)  itnb  für  bie  9^eta)en  überaus 

merfwürbtg,  ba§  ©Ott  in  ©einem  @efe§  fo  tuet  ^um  heften 

fcerHrmen  befohlen  §aL  £Benn(£iner  *>on  beinen  33rü* 

bern,  fagter,  arm  ift  in  irgenb  einer  ©tabt  betneS 

l?anbeS,  ba$  bir  ber£err,  btin®ott  geben  wirb, 

fo  foüfi  bu  bein^erj  ntcbt  serljdrten,  noefj  beine 

£anb  auijalten  gegen  beinen  armen33ruber,fon* 

bern  foUft  fie  ifjm  auftpun,  unb  iljm  leiten,  naa> 

bem  er  e$  bebarf*  —  (£$  werben  allezeit  2irme 

fe^n  im  £anbe;  barum  gebiete  ia)  Dir  unb  fage, 

bag  bu  beine  $anb  auftfmft  beinern  trüber,  ber 

bebrdngt  unb  arm  i%  —  (£r  fjat  fogar  mehrere  bittet 

an  bk  #anb  gegeben ,    wie  man  bie  Firmen ,  ofjne  bag  man 

felbft  ml  aufopfere ,   unterp^en  fo(Ie>    3m  ftebenten  3a jjr 

>nämlta)  follte  ber  Mex  liegen  bleiben,  unb  ba$,  wa£  sott 

felbft  waä)fen  würbe,  follte  ben  Dürftigen  geboren*    3ur3^it 

ber  Qrrnbte  burfte  man  nia)t  2llle3  genau  abfefmeiben,  audj 

niä)t  SilleS  forgfältig  einfammeln;  ebenfo  follten  bk  28ein* 

berge  ni$t  genau  gelefen  werben ,  aud)  bürfte  man  ben  Delbaimt 

ntdjt  zweimal  fa)ütteln ,  unb  eine  ©  arbe ,  bk  auf  bp  gelbe 

»ergejfen  worben  war,  ni$t  Ijolen,  fonbern  man  mußte  atle£ 

bieg  ben  Hrmen,  2Btttwen,  Söatfen  unb  gremblingen  über* 

laffem    3a,  ber  £err    jjatte  befohlen,  bag  ©ein  58olf  alle 

3  Sa^re  einen  befonbern3^nben  wn  feinem  (£infommen  geben 

unb  benfelben  unter  bem££ore  ber  Dbrtgf  eit  überliefern  fotle* 

Diefer  Ertrag  follte  bentoiten  unb  allen  SBebürftigen  in  ber 

©tabt  übertaffen  werben*    SMefem  ©ebot  war  aber  noa)  bk 

befonbere  SSerljeigung  beigefügt:  auf  bagber£err  bia) 


1120 

f  egne  inallen2Berfen  betn erlaube,  bie  butjjujl." 
$tcfc$  wurbe  fpäter  bura;  bie  5>rop|jetett  mehrmals  wieber* 
polt,   fo  fagt  (Sfatctf  ^33,  „33ricb  bem£ungrigen  bein 
$3rob  unb  bte,  fo  tm(£lenb  finb,  füjjre  ins  £au$> 
fo  bu  einen  nacft  ftepejl,  fo  f reibe  i^n  unb  ent* 
aeua)  bia)  nia)t  £on  beinern  gleite.     SlHbann 
wirb  bein£ic$t  C@lücÖ!>er*>or&redjen  wie  bieSÖfor* 
genrötlje  unb  beine23efferung  Cbein Vermögen  in leib* 
li#en  unb  getfHicben  Singen)  wirb  fc^nell au  nehmen/' 
3cta)aria$  fagt:  „(£tn3eber  beweife  an  fetnem33ru* 
ber  @üte  unb  33armJ>eraigfeit,  unb  t ^u e  nia)t 
Unrecht  ben  Sßittwen, 2Baifen,gremb(ingen  unb 
Slrmen  jc*"  —  %m  9taen  £eftamente  forgte  unfer  £eilanb 
ebenfalte  für  bte  Ernten,  wenn  (£r  fagt:  „@tb  bem,  ber 
bia;  bittet, unbwenbe  bia;  nia)t  »onbem,ber  bir 
abborgeu-wttl*  $erfaufet,  wa$  ipr  jjabt  unb  ge* 
bet  Sillmofen;  machet  eu#  ©edel,  bt'e  nia)t  *>er* 
alten,  einen  <5$a$,  ber  nia)t  abfommt  im  £im* 
mel,  ba  fein  Qitb  aufommt  unb  ben  feine  5ttot* 
ten  freffem    SSenn  bu  ein  Sftajjl  maä)eft,  fo   labe 
bte  3lrmen,  bietrüppel,  bte  2a£men,  bte^Slinben, 
fo  bifi  bu  feiig;  benn  fie  fön  neu  es  bir  nia)t  »ergel* 
ten;  cä  wirb  bir  aber  vergolten  werben  in  ber 
Siuferjiejwng  ber  ©eredjten*    33efonberS  merfwür* 
big  iji  aber  berSluSf pruc&:„Slttaa)et  eudjgreunbe 
mit  bem  ungerechten  Mammon,  auf  bag,  wtnn 
t£r  nun  bar bet,  fie  eua)  aufnehmen  in  bte  ewigen 
Bütten/'    Sefuö  nennt  ben  9?eia)tjmm  ungerecht,  weil  ber 
(£tne  bie  seitlichen  (Mter  nicfyt  immer  auf  rechtmäßige  2Seife 
5ufammengebraa)t  $atf  unb  ber  Slnbere  fte  nia)t  allezeit  amn 
SSeßen  anwenbet*  —  SBenn  man  mel  ©elb  gä^ft,  fo  wirb 
man  fa)mugtg ,  ebenfo  läuft  meiftenS  in  @elbfaa)en  einige  Un* 
gere#tigfett  unb  Unbttligfeit  mitunter.    2öo  ml  ©elb  ift,  ba 
ijl  aua;  »tele  i^iebe  aur  2Belt ,  stel  ^offart ,  23eraa)tung  be$ 
SRäa)jien,  Ueppigfeit,  ©a;  weigeret,  Unaucjjt  unb  Unbarm£er* 
Sigfeit*     Sarum  will  unfer  £etlanb  fageh:  weil  eua)  fonfl 
ba$  @anje  wenig  nü$t  unb  euren  (Seelen  oft  fe£r  gefäfjrltä) 
wirb ,   fo  maä)et  euc|>  greunbe  mit  eurem  Mammon ,  txxmit 
tljr  boa;  wenigjienä  auf  irgenb  eine  SBeife  einen  klugen  ba^on 


1121 

Jjaben  moget*  —  Slnbere  überfegen:  machet  eu$  greunbe 
mit  bem  betrügli^en Mammon ,  weil  betfelbe  mc^t  allem 
»ergängli$  unb  ntcjjttg,  fonbern  au$  fepr  p$tig  imb  unbe* 
ftänbig  ijfc    SQStc  9^and;er  pat  in  ber  Sugenb  flon  feinen  (£1* 
fern  ein  groge£  ©ut  geerbt  nnb  mug  botf;  im  Alfter  9cotp  let* 
ben!  Unb  wenn  (£iner  fo  siele  ©üter  fyat,  aU  er  will,  fo 
weig  er  bodj  nie  gewig,  bag  er  biefelben  bi$  an  fein  (£nbe 
bepalten  werbe,  weil  fte mancherlei 3ufällen  unterworfen  fmb* 
yiamenttity  aber  jrilft  ber  9?ei$tt)um  in  ber  legten  9cotp  niti)t$f 
wie  fepr  man  ft$  au$  fonfl:  auf  ifm  tterlaffen  mag»    (£r  fann 
ber  betrübten  ©eele  feinen  £roft  nnb  bem  beängfiigten  ©e= 
wiffen  feine  Sftupe  »erraffen,  unb  wer  ft$  auf  t^tt  »erlägt, 
ber  tji  fdjänblid;  betrogen.    3a,  wenn  mancher  iftenfcty  all  fein 
©eib  au$  ber  2Mt  mitnehmen  tonnte,  fo  würbe  er  bod)  am 
@nbe  inne  werben,  bag  e£  in  jenem  Men  für  lauter  falfcfye 
9ttünae  gepalten   wirb.  —  3efu3  fagt  ferner:  eä  wirb  noc$ 
bie  3eü  fommen,  ta  ipr  barbet,  unb  *>on  Willem  oerlaffen 
unb  nadt  unb  blo£  wieber  au£  ber  SBclt  muffet,  vok  ipr  ixt 
biefelbe  gefommen  fe^b.    (£$  wirb  ma)  um  £roft  bange  fepn 
uub  ipr  werbet  ©orge  tragen,   wo  eure  arme  ©eele  bleiben 
foll*    ©o  leget  nun  eure  ©üter  alfo  an,  ba%  ipr  biefelben 
al^bann  geniegen  fonnet.    X$ut  ben  Firmen  (3ute$,  bieg  ift 
gleidjfam  ein  2Bed?fel  für  ben  |>immel ;  benn  ©Ott  nimmt  ba£, 
w$  ipr  an  ben  dürftigen  tfyut,   für  gute  3aplung  «n,  unb 
biefe  werben,  wenn    fte   eudj  überleben,    an  eurem  <£nbe 
für  tua)  beten ,  jtnb  fte  aber  fd?on  geworben  unb  tufy  alfo 
3M)orgefommen ,  fo  werben  fte  machen,  bag  ipr  aufgenommen 
werbet  in  t>k  ewigen  Spixttm.  —  £)ieg  ift  aber  ber  $au$U 
grunb,   warum  wir  ben  Firmen  ®utt$  tpun  unb  fte  uns  a« 
greunben  machen  follen,  weil  fte  fo  siel  vermögen,  bag  fte  un$ 
na$  biefem  &hm  in  bie  ewige  greube  unb  ©eligfeit  bringen 
fomtem  3m  eigentlichen  ©inne  fann  un£  freiließ  -ftiemanb  in 
ben  Fimmel  aufnehmen ,  al£  ber  £>err ,  weil  baS  ewige  £eben 
eine  ©nabengabe  ©otteö  ift;  allein  oon  ben  frommen  Firmen 
fann  bieg  bod)  aud)  infofern  gefagt  werben,  aU  fte  oon  t>m 
SBerfen  ber  %itbt  unbSBarmperaigfeit,  bie  wir  ipnen  erwiefen 
paben ,  x>ox  ©Ott  aeugen ,  unb  ipre  SBopltpäter  mit  greuben 
au  9)citgenoffen  ber  ewigen  £errlt$fett  annepmem  — -  2)ie§ 
lägt  ftdj  wopl  am  heften  burefy  ein  ©leic^nig  erflären»   din 

@ cciu er '5  ©eclcnfcfja^.  7J 


1122 

reifer  £err  ljatte  einen  treuen  Wiener  in  ein  frembe^  Sanb 
gefanbt;  totil  aber  He  £eute  bafelbft  bem  ©ei$,  ber  Unge* 
rec^ttgfeit  unb  ©otilojtgfeit  fefjr  ergeben  waren,  fo  würbe  er 
übel  bemäntelt  unb  um  baS  ©einige  betrogen,  unb  geriete 
aule^t  in  groge  üftotfj,  (B  war  aber  in  jener  ©egenb  ein 
frommer  $?ann ,  ber  leinen  ©efaflen  fanb  an  ber  Ungereä> 
tigfeit  feiner  Mitbürger,  tiefer  najnn  fta)  be$  t>erlaffenen 
Dienerg  treulitt)  an,  fpraa)  für  ijm  unb  fä)ü§te  ifyn  gegen 
feine  geinbe*  (£r  najjm  ij)n  aua)  in  fein£aug  auf,  serforgte 
ifm  mit  bem  ^otljwentigen,  gab  ij)m  einen  3^rpfennig  mit 
auf  ben  SSeg  unb  lieg  il?n  im  grieben  #efjen.  23ei  feiner  3u* 
rücffunft  eraä^lte  ber  Wiener  feinem  £erw  Mt$,  xi>a$  if>m 
wiberfajjren  war,  unb  hat  tyn,  bag  er  fetne£  SBoJrttfjäterS 
niä)t  »ergeffen  möge»  Da  nun  balb  barauf  bie;ftaa)ria)t  ein* 
lief,  bag  Jener  gute  $?ann  $on  ben  ©ottlofen  beraubt  unb 
um  ba$ ©einige  gebracht  worben  wäre,  fo  erjrielt  ber  Diener 
»on  feinem  £erw  ben  Sßefejil,  ben  Ung(üdlia)en  fommen  p 
f  äffen,  er  wotte  ijjn  in  fein  $au$  aufnehmen  unb  reiepä) 
»erforgen«.  $LU  biefer  l am ,  lief  ijjm  ber  Diener  mit  greuben 
entgegen,  ft'eC  ifjm  um  ben  $aU,  fügte  tj»n  unb  führte  il?n 
in  ba$  £au£  feinet  £erm ,  bamit  er  bejfen  |>errlia)£eit  mit 
tf m  geniegen  möd)te»  —  Die  (Erftärung  biefeg  ®Ieiä)nif[e3  ift 
Ietä)t:  ©Ott  ift  ber  £err,  wtt  ben  Firmen  serjjält  e£  jtä)  wie 
mit  bem  treuen  Diener,  ber  »on  bm  ^inbern  ber  2Be(t  fo 
fä)lett)t  bej>anbelt  wirb ,  bte  frommen  9?eia)en  jtnb  hk,  we(a)e 
fiä)  biefeS  Dienert  (ber  Ernten)  treuliä)  annehmen.  Diefe 
rüjjmen  fofdjeS  in  iijrem  ®&tt  $or  ©Ott,  fo  lange  fte  leben, 
unb  wenn  fte  geftorben  finb,  fo  bezeugen  fte  biefe  9D?Übe  t>or 
©einem  ^eiligen  2lngejtä)t*.  üöeit  ber  £err  aber  enbliä)  aua) 
bie  23arm|>er3tgen  j>on  biefer  SHMt  abforbert  unb  ilnten  ba$ 
ewige  Seben  au$  ©naben  fä)enft,  fo  tikn,  um  naa)  menfa> 
Iio)er  SBeife  $u  reben,  bie  ©eeten  ber  Firmen,  bie  im  |>im* 
met  jtnb,  ijjren 2öol?ltf>citern  entgegen  unb  führen  fte  mitgreu* 
ben  in  fcaö  Jimntltfc^e  3erufafem.  — 

203eil  alfo  bie  jKrmen  einen  fofdjen  mäa^tigen  ©a)u^erm 
im  Fimmel  jjaben  unb  in  ben  klugen  ©otteS  fo  poa)  geartet 
jtnb,  fo  f äffet  un$  tpnen  ©uteö  fyun  a)  mit  froj?lid)em,  wittU 
gern  £er$en  unb  nio)t  au$3tt>ang;  benn  einen  frören  ©eber 
%at  ©Ott  Keb*    Raffet  uns  nia)t  warten,  bte  fte  *>or  unfern 


1123 

Spüren  rufen,  (ia)  meine  jene  £au$artnen,  bte  ungerne  anö 
SSetteln  fommen)  fonbern  <ifwen  na$gef)en  unb  fte  in  tfjren 
Butten  aufführt,  wo  fte  in  i^rer  ytcfy  tyimtiü)  feuften  unb 
deinen,  —  Söojrt  bem ,  ber  ft#  be3  dürftigen  annimmt,  fagt 
£)at>ib*  Söo&I  bem,  ber  baran  benft,  wenn  er  einen  Firmen 
ftept,  ba§  tfm  ©Ott  eben  fo  leitet  fyättt  in  Slrmut^  geraden 
(äffen  lönnen,  wie  biefen,  unb  bag  bie  2lrmutf?  eine  fa>were 
Saft  fep,  befonberg  wenn  fte  mit  tranfl)eit  unb  23eraa)tung 
ber  2Mt  tterbunben  ift  28of>l  bem,  ber  bebenft,  baf  naa) 
©ctte^  ^at^fcfrtufi  5Irme  unb  ^eta)e  beifammen  fe^n  muffen, 
hamit  biefe  baburd?  Gelegenheit  bekommen ,  fyxt  Siebe  an  hm 
&ag  ^u  legen*  2$ojrt  bem,  bem  e£  greube  maa)t,  Irme  ju 
troften  unb  $u  erquicfen,  unb  ber,  wenn  fein  eigene^  2kr* 
mögen  nt^t  fn'nreiä)t ,  aud)  Rubere  $u  £ülfe  ruft,  unb  nia)t 

rufit,  biö  ber  9?ot£  gefteuert  tfh b)  gaffet  uns  aber 

aua)©ute£  tlmn  mit  mtlben  £>änben,  baf  e£  ein  ©e* 
gen  fep  unb  niä)t  ein  ©et$;  benn  wer  ba  färglia) 
fäet,  ber  wirb  aua)  fargli$  ernbten,  unb  wer 
ba  feiet  im  (Segen,  ber  wirb  ana)  ernbten  im@e* 
gen»  —  2)at>ib  fagt:  ber ©otte3fürd)tige  jtreuet  au£ 
unb  &ibt  benennen,  b,  u  ber  gromme  J>äli  feine 
£$aler  nia)t  immer  beifammen,  fonbern  sertpeilt  fte  sur3eit 
ber  3^otp  mit  ber  $anb+  —  @ef>r  fd;ön  fpria)t  bariiber  ber 
Jieil*  d£r9foftomug :  „2öenn  Qriner  ein  fruchtbar  Sanb  §at ,  fo 
fpart  er  ben  @aamen  nia)t,  unb  wenn  er  nia)t  genug  $orrat£ 
£at ,  fo  borgt  er  noa)  $>on  Slnbenu  %in  aber  fden  wir  (ütfm- 
ften  boä)  SUmofen  in  hm  Fimmel ,  ha  un#  leine  fa)(imme  Sfött* 
tenwg  bie  <&aat  'oerberben  !ann  unb  ha  wir  einer  retä)en  (Ernbte 
*>erfta)ert  jtnb ;  wer  ftefrt  alfo  nia)t ,  baß  man  mit  ©parfam* 
Uit  aerftreuen  imh  mit  2lu3fireuen  fammeln  fonneV  Sarum 
ftreue  au$,  baf?  bu  ba£  Seine  nid)t  serliereft,  fpare  nia)t, 
bamit  bu  reia)  werbet."  —  SOStr  bürfen  aber  nia)t  glauben, 
baß  man  enblia)  felbft  Mangel  leibet,  wenn  man  hm  Firmen 
willig  gibt  Senn  man  pat  fein  33eiforiel ,  bag  Semanb  bur$ 
llmofengeben  verarmt  wäre»  Sie  a)riftlia)e  %khe  ifs  feine  fo 
bofe  ^auö^dlterirt ,  ha$  fte  ifjren  eigenen  £errn  ^um  Bettler 
machte;  aua)  tft  ©Ott  nia)t  founbanfbar,  ba§  (£r  bag,  tt>a$ 
Unglauben  unb  in  ber  Siebe  auf  feine  tinber  »erwenbet  wirb, 
mcfyt  e^rlia)  be$a{>len  follte,  —  Ser  Stammvater  ber  3ftebiceifa)en 

71  * 


1124 

gamtlie  in  Stalten,  $o&nu3  SD^ebtce^,  ber  für $tr$enbauten 
unb  Almofen  me|>r  aU  föniglid)e  ©cbä£e  serwenbete,  pflegte 
5U  fagen,  er  {>a&e  nie  tn  feinen  Keimungen  ftnben  förinen, 
bag  ijmt  ©Ott  etwas  fäulbig  geblieben  fep*  3$  felbft  muß 
gefielen,  bag  mir  etnft,  aU  ify  einem  armen  9ttenf$en  xrier 
©rofäen  fctjenfte,  unt>erj?offt  fe$$,  ja  einmal  jel^en  £#aler 
wieber  gefcbenft  würben*  —  £>er  berühmte  ©otteSgele^rte  unb 
geiftlidjer  lieber  2)id>ter  3o£anneS  ©erwarb,  war  an  fo  auger* 
srbentlidjer  2ieb£aber  ber  Armen ,  bag  er  ni$t  nur  i£r  greunb, 
fonbern  im  eigentlichen  ©inne  be£  SßortS  i£r  SBater  war.  dv 
fpetete  bie  hungrigen,  fleibete  bkVladtm,  befugte  bie  $ran* 
fen,  fyracfy  ijmen  trbfHidj  5U  unb  *>erfajj  fte  mit  Arzneimitteln 
unb  allem  9cotf>wenbigem  Tlan  jjörte  tyn  oft  fagen:  er  wolle 
lieber  alle  feine  ©üter  ^ergeben ;  aU  irgenb  einen  armen  Wien* 
f$en  mit  leerer  £anb  x>on  ftcf>  laffen*  (B  war  tljm  au$  nic^t 
genug,  M  Zebtfitm  fo  ttiel  ©utes  $u  fym,  fonbern  er  be* 
backte  bk  Armen  aueb  reichte!)  in  feinem  £eftament.  liefen 
feinen  Wiener  wollte  ber  £err  auf  bie  $robe  fieltett ,  unb  lieg 
t$  au,  bag  bk  $rieggoölfer  fein  £au6  in  Afdje  legten,  unb 
tfim  feine  fämmtlic^e  £abe  nahmen.  (£r  ertrug  aber  Alle3  mit 
$riftlid)er  ©ebulb  unb  fcfjrieb  an  gute  greunbe:  2) er  £>err 
fyat  e$  gegeben,  ber#err  fyat  es  genommen,  ber 
üftame  besser rn  fep  gelobet!  ©Ott  gebe  ben  9? äu* 
fcem  unb  9ftorbbrennern  Suge,  mir  aber  ©e* 
bulb!  —  33alb  barauf  aber  erfegte  ifmt  ber  £ocf>fie  tiefen 
Serlujt  reicblid)  unb  fegnete  tyn  bergeftalt ,  bag  er  me£r  be* 
fam,  aW  er  früher  fyatte.  —  SQSie  waijr  ift  alfo,  m$  <Sa* 
lomofagt:  „(£iner  tf>eilt  au$  unb  $at  immer  me£r; 
etnAnberer  fargt,  ba  er  nid>t  foll,  unb  wirb 
bo$  ärmer*  £>a$  ®ut  ber  ©ottfeligen  gleist  bm  33run* 
nen ,  bie  immer  soll  fmb ,  ob  man  gleich  siel  2ßaffer  baxauö 
fd)b>ft,  weil  fte  ij?ve  Abern  unb  ©cinge  fyabtn,  bureb  welche 
ber  Abgang  erfegt  wirb*  (Jbenfo  erfegt  ber  Allgüttge  mit  $er* 
borgenem  ©egen,  m$  auf  bk  Armutl?  serwenbet  wirb»  de 
verhält  ftcij  mit  bem  Afmofengeben  xok  mit  bem  S3robbrea)en 
3efu,  aU  <£x  einft  5000  2D?amt  freiste*  @r  tpeilte  au$  unb 
|>atte  bo$  immer  me£r;  fo  gej>t  e£  aueb  benen,  bie  in  um 
gefärbter  $kbt  if>r  $3rob  brechen  unb  unter  bk  dürftigen  x>tx? 
feilen,  —  Paulus  nennt  ba^  Almofen  einen  ©egen,  weil  e^ 


1125 

tljeilS  ben  ©egen  ©otteS  reiojlid)  na#  ftd)  ^te|>t  r  tf>etlg  bte 
Ernten  felbft  veranlagt,  ifjren  S03of>ltf?cttem  ben  ©egen  be£ 
£tmmelS  an^uwünfttjen*  2)aljer  fagt  £riob:  „©er  Segen 
beß,  ber  »er Serben  follte,  (bei*  bem  Skrberben  nalje 
war)  tarn  über  mta),  ia)fpürteifm  in  metner  ganzen $au$* 
Haltung»  £)enn  fürwaljr ,  ber  <5egen£wunfa)  ber  ©ürftigen  — 
©ott  vergelte  e3, —  tft,  wenn  er  aus  reblidjem  £er$en 
fommt ,  mit  feiner  ©abe  ^u  oergleia)en  ,'  bie   wir  ijmen  rei* 

cf)em c)  Raffet  un£  ben  Firmen  ®utt$  tljun  mit  un* 

ermübetem  gleiß  unb  obne  c4uff>ören.  Raffet 
un£©ute3  tfjun  unb  nia)t  mübe  werben;  benn  #u 
feiner  Stil  werben  wir  and)  ernbten  oljne  %u^ 
§  ö  v  e  n»  —  <£$  ftnb  ber  Slrmen  oft  feljr  »iel ,  unb  wenn  ber 
(£ine  weggebt,  fo  fommt  ber  anbere-  (fbenfo  verbirgt  jtd)  aua) 
mancher  fd;limme  Sftenfa)  unter  bem  SBettl'ermantel  unb  man 
erfahrt  ^u  feinem  großen  SBerbruß,  ba§  man  feine  ©aben  ä* 
nem  Unwürbigen  gegeben  |wt  allein  babura)  bürfen  wir  un3 
nid)t  irre  machen  laffen ,  wir  fommen  ja  au#  täglia)  öftere 
X>ox  ©otteö  gfmre  unb  wenn  dx  un3  faum  eine  ®aU  gegeben 
]pat,  fo  fommen  wir  fcfyon  wteber  unb  Hopfen  an.  Unb  ba£ 
t|mn  nic^t  allein  wir,  fonbern  »tele  taufenb  ©eelen,  t>k  mit 
mt3  auf  3f>n  Jwffen  ,  unb  boa)  wirb  (*r  nid)t  mübe ,  ©uteS 
SU  tfmn,  ©eine  ©üte  ift  aile  borgen  neu  unb  währet  ewig* 
fia).  —  SJua)  ftnb  wir  beö  ©utcn  nia)i  wertfj,  baö  unö  tag? 
lia)  oon  unferem  ©Ott  $u  Ztyzii  wirb;  wir  muffen  geftefjen, 
ba%  dx  Me$  tlntt  au$  lauter  »äterlta)er  ©üte  unb  SSarm* 
Jjeqtgfeit ,  ofm  aW  unfer  SBerbienft  unb  28ürbigfett.  Söenn 
wir  alfo  aua)  pweilen  einem  böfen  3??cnf$en  ®ute£  tfmn,  fo 
(äffet  un$  bebenfen,  ba$  ©oft  no$  ntejjr  an  ipm  tfmt,  ber 
tyn  unter  ber  @onne  bulfcet  unb  burcf;  ©eine  ©üte  unb  £ang* 
nwt£  erhält,  Raffet  un$  bebenfen,  *>a$  3efuS  aua)  für  tyn 
<5än  SBfot  ttergoffen  fmt ,  nnh  baß  er  bura)  bie  ©nabe  ©otte£ 
noä)  oor  feinem  (£nbe  $ur  23uße  gelangen  famu  Unb  wenn 
W§  aua)  nia)t  gefa)ief)t,  wenn  ein  fola)er  Sftenfa)  in  feiner 
Unbußfertigfett  be^arrt  unb  verloren  ge^t,  fo  ift  bocf1  barum 
unfer  Sllmofen  nia)t  oerloretu  ©enn  wie  Ut  53rebigt  eine3 
frommen  Wlanneö  ijren  ©nabenlo^n  bei  ©Ott  fmbet,  ob  jte 
gleia)  bei  ben  wenigsten  3u^orern  ben  verlangten  9?u£en  bringt, 
alfo  wirb  au^  ba£2llmofen,  ba$  au^  4)riftlta)em  ^erpt  fommt, 


1126 

$on  ©Ott  vergolten ;  e$  mag  einem  guten  ober  einem  bofen 
9)?enfd)en  gegeben  Sorben  fe^m  —  3^ar  fte£t  eg  einem  3eben 
£u,  &ei  feinem  Sllmofengeben  *>orftd)ttg  p  fep;  benn  er  ift 
nur  ein  £au$|>alter  über  t>te  ©üter  ®otteg  unb  fyat  x>on  ber 
23ert£eilung  berfelben  ^ea)enfa)aft  abzulegen,  weil  e$  bem 
£errn  nid)t  gleich  gilt,  ob@uteober  33öfe  bamit  tterforgt  werben» 
25efonber3  aber  follen  wir  un£  Jniten,  ba$  mir  aum  £)ienfte 
be£  ©atan^  nid)t3  beitragen  unb  t>k  ©ottlofen  nia)t  barin  un* 
ierftüisen,  $>a$  fte  nooj  fixerer  werben  unb  il?ren  ©Ott  belei- 
bigem  2)arum  fagt  ja  ber  weife  @traa) :  „£jjue  bem  grom* 
men  ©uteg,  fo  wirb  e£  bir  reia)li$  vergolten, 
wo  nia)i  *>on  ipm,  fo  gefa)iel?t  e$  gewiglia)  $om 
#errn*  ®tb  bem  ©otte$füra)ttgen  unb  erbarme 
bia)  be3@ottlofen  nia)t.  Behalte  bein33rob  unb 
gib  i£m  nia)tg,  bag  er  baburd)  ntd)t  geftdrft 
werbe  unb  t>ity  untertrete,  bu  wirft  noa)  einmal 
fo  fliel  25o3f)eit  empfapen,  aU  bu  ifym  ©ute$ 
getfjan  £aft;  benn  ber  2lllerf>öa)fte  ijt  ber  ©Ott* 
lofen  getnb  unb  wirb  t>it  ©ottlofen  [trafen/'  — 
2)o$  biirfen  wir  über  ben  3#anb  be$  dürftigen  nia)t  all^u* 
genau  nad)forfa)en ,  fonbern  foßen ,  fo  lange  wir  nia)t  $>om 
@egentl?eil  überzeugt  fütb,  baS  üöefic  *>on  iljm  hoffen,  unb 
mnn  er  un$  im  tarnen  ©otteg  unb  3efu  (grifft  um  eine 
®abt  anftm'a)t,  fo  f  ollen  wir  ilmt  um  2)ejfenwillen  etm$ 
geben,  beffen  ^eiligen  ^lamtn  er  im  SDhtnbe  füljrt,  wenn  er 
gleia)  benfelben  nia)t  im  £er^en  fyat  —  gerner  ift  e3  bem 
(griffen  nid)t  ^u  verübeln,  mnn  er  einen  Unterfa)ieb  maa)t 
unb  benen  fdrglia)er  gibt,  tk  er  nia)t  fennt  unb  $on  bereu 
Sftea)tfa)affenf?eit  er  nid/t  $erfta)ert  ift,  reia)lia)er  aber  benen, 
weld)e  in  feiner  9MI>e  wofmen  unb  x>m  bereu  gutem  betragen 
er  genaue  tontm'ß  fyau  2lua)  wirb  eö  gut  fepn,  wenn  wir 
benen ,  tton  beren  unorbent(ia)em  Söanbel  wir  eine  ftarfe  S3er* 
mutl)ung  fmben ,  neben  bem  leiblichen  Sllmofen  aua)  ba$  geift* 
lid)ereia)en,  —  ndmlta)  eine  tjer^licpe  unb  naa)brüdlta)e  Söarnung, 
bagfte  bem  Müßiggang  ma)tnaa)f?ängen,  ben  tarnen  ©ottegnia)i 
mißbrauchen,  ft$m$t  mit  2ug  unb  grug  bereifen  unb  ben  reo) u 
fa)affenen  Firmen  $>a$  23rob  nia)t  x>ox  bem  Sftunbe  wegnehmen, 
aua)  in  i£rer  ©ottloftgfeit  nia)t  beharren  folten  bte  ang  ßrnbe  :c* 
d)  Raffet  ung  ferner  ben  Slrmen  ®ute$  tyun  aua)  v>on  unferem 


1127 

geringen  Vermögen ,  tt)te  ber  ^ropljet  fagt :   „23  r  t  a;  bem 

hungrigen  bein  23rob;"  ober  mie  unfer  £eilanb  felbß 

fagt:  „Sßerf  aufet,  tt>a$  i pr  |>abt,  unb  gebet  e$  ben 

51  r  m  e  n/'   28tr  f ollen  alfo  mit  bem  Ernten  t^etlen,  n>a^  wir 

#aben ,  unb  wenn  wir  nur  din  33rob  Ratten ,   fo  fallen  wir 

bem  hungrigen  baoon  geben*    Segwegen  rüljmt  ja  ber  £err 

bie@abe  ber  armen  2Bittrt>e  fo  fejjr,  bte  nur  ^wei  ©djerflein, 

aber  eben  bamit  i£ren  ^an^en  SBorratJj  ©Ott  aunt  Dpfer  bar* 

gebracht  Ijatte*  —  (Eben  bajier  lommt  wa£rfc()emliet)  auc^  ba$ 

alte  (Sprichwort:  wenn  ein  Dinner  bem  anbern  etwas  gibt 

mit  willigem  £eraen,  fo  freuen  ftcf)  bte  ßrngel  im  £immel  bar* 

über*    Ueberjiaupt  ift  9tiemanb  fo  arm,  bag  er  ntc^t  an  einem 

Zubern  ün  S3erf  ber  23arnu)eraigfeit  $im  fönnte.  —  (Ein  aU 

ter  $irä)enoater  eractjrtt  son  feiner  frommen  Butter ,  bag  fte 

fo  wo£ltl>ätig  gewefen  fep,  bag  fte  oft  an  fagen  pflegte :  wenn 

fte  es  t£un  bürfte,  fo  wollte  fte  felbft  ijjre  $inber  aU  <Scla* 

X>m  oerfaufen  unb  baö  (Mb  ben  Slrmen  geben,  (£benfo  wirb 

x>on  einem  frommen,  alten  (£inftebler,  $polloniuS,  berietet,  bafj 

er  eS  f£#  $m  Aufgabe  gemalt  fyahz,  täglich  tim$  £u  axMtm 

unb  für  ba$  ©elb,  ba$  er  bamit  »erbiente,  allerlei  Signeten 

unb  (£rfrifc§ungen  au  laufen,  unb  biefelben  armen  Traufen  au 

bringen.  —  £>  bic  d}riftlicf;e  $kU  ifi  alleaeit  retd&  unb  e$ 

mangelt  ij>r  nie  an  WlitUlnl  SSenn  fte  nichts  anber$  l?at,  fo 

Wirb  fte  bem  ^ranfen  wenigftenö  einen  fri|a)en  £runf  SSafferS 

reiben,  fte  wirb  au  tjmt  anS  33ett  gefien  unt>  ifmt  tröftlic^  au* 

fpreä)en,   ober  au  5lnbern  eilen,  unb  bort  t>it  gürfpre$erin 

mao)en*    SSie  f$bn  Rubelte  jene  arme  grau,   bic^  obgleich 

if>re  $inber  felbft  bas  33rob  oor  ben  Xfyüwx  fucf;ten,   einem 

franlen  unb  tterlajfenen  $ienfcben  täglidj  ein  (£9  *>on  i^ren 

£ü£nern  braute,  welche  jte  mit  ben  trotten  ernäprte,  bie  ifyx 

unb  i^ren^inbern  übrig  Mitten,   ©laubet  i£r  nt$t,  bag  bieg 

in  ben  klugen   ©otteS    ein  anfejmlidjeg  2ilmofen   gewefen 

fep? ej  (£nblicb  laffet  un$  ben  2lrmen@uteS  tfmn  mit 

SBergeffen^ett,  mit  einem  einfältigen  bemütlngen  £>er$en 
oljne  33egierbe  nafy  dtufynx.  2)enn  unfer  £eitanb  fagt :  „20  e  n  n 
bu  2Umofen  gibft,  fo  lag  beine  linfe  £anb  nic^t 
wiffen,  wa£  bi^  rechte  tjjut ,  auf  bag  bein  2Umo* 
Jen  verborgen  fe#,  unb  beinSBater,  beringter* 
burgene  fieH/  wirb  btr  e^  vergelten  öffentlich/' 


J128^ 

2)ie  Sllmofen  werben,  wie  fdjon  gefaßt ,  mü  bem  ©aamen 
tterglicben ;  tiefer  aber  barf  mcf)t  auf  ber  @rbe  liegen  bleiben, 
fonft  wirb  er  von  ben  Vögeln  gefrejfen*  (£r  mag  mit  (£rbe 
bebecft  werben,  wenn  er  grucfyt  bringen  fol^  —  £)er  Gtfjrifl: 
tft  aufrieben  bannt,  bag  er  weig,  jebe,  au#  Ue  geringfte  ®ahef 
mit  £tebe  gegeben,  werbe  ijjm  r-on  ©Ott  angerechnet*  (£r  er* 
lennt  aber  aud),  bag  er  bejfen  nicfyt  wertl?  fep  unb  bag  er  nocf) 
xriel  $u  wenig  t£ue*  3<*/  wenn  er  au$  Meß  getpan  Jcit,  wag 
er  tl?un  foll,  fo  bleibt  er  bennodj  ein  unnü|er  ^necfyt,  ber  ftd) 
ni$t$  aU  ber  ©nabe  ©otteg  in  @£rifto  rühmen  fanm  — 
©Ott  gebe  unö  ein  fol$e$  «&era  burc§  3efum  @£rijhmt,  in 
ber  $raft  be$  j>eü*  Qbeifteö  I  3jmt  fe#  £ob  unb  2)anf  in  (£wig* 
feit!  Slrnem 


23  on  ber  grtebfertigfeit  unb  SBerfojjnlidjfett. 

Z.  Äotoff.  3,  12.  13.    ©o  gießet  nun  an,  all  bie  2Cu§erwa^ten,  &\l\= 

gen  unb  ©eliebten,  fjergltd^sö  erbarmen,  greunbltdjfeit,  Semutf),  (Sanft* 

muti),  ®ebulb.    Vertrage  @tner  ben  2frtbem,  unb  »ergebet  euefy  unter  eins 

anber,  gleichwie  e^riftue  euc^  t-ergeben  fyat,  alfo  auefy  tyr. 


ß  i  tt  g  a  n  g* 

Sm  tarnen  S^fn*  intern 

2)attib  nennt  bie  $mber@otteS  bie  ©titten  im  Sanbe*  — 
D@iejmb  jHHe  im@lauben  unb  wijfenwoljl,  bagman 
in  ber  ©djule  be$  fjetl.  ©eifteS  nifyt  iriel  grübeln  unb  fragen, 
fonbern  fc^weigen  unb  glauben  foll.  £)arum  nehmen  fte  iljre 
Vernunft  gefangen  unter  ben  ©ejjorfam  tyxifti  unb  t>erwun- 
bem  ft$  meljr  über  bie  £iefe  ber  ©ejeimniffe  beö  3?eicf)e$ 
©otteS,  att  bag  fte  eS  wagen  follten,  biefelben  $u  ergrünben* 
SQSenn  ein  $inb  $ur  @cfmle  fommt  unb  ber  £ef>rer  fagt  tljm, 
biefer  33ucf)ftabe  Ijeigt  21,  ber  weite  33,  ber  brüte  (£,  fo  fragt 
baffelbe  ni$t,  warum  ber  erfte  21  unb  nidtf  23  Ijeige,  (bnbern 


1129 

eS  glaubt  feinem  £el)rer,  unb  lernt  fo  bte  23ud)jtaben  aümäp 
lig  fennen,  $ufammen  fegen  unb  lefen.  9ttit|rin  ftnb  bte  Grm* 
faltigen,  bte  Demürtngen  unb  ©tillen  in  ber  <3d;ule  ®otte$ 
bte  SBefien.  —  2113  Sfttfobemug  bet  9caä)t  ^u  unferem  £errn 
t am,  wagte  er  eg  anfänglich  3f>m  eingeben :  „203  i  e  f  a  n  n 
ein  ;3ttenfd)  *>on  neuem  geboren  werben,  wenn  er 
alt  tfi,  wie  mag  baö  augejjen?"  9taa)£er  aber  würbe 
er  ftilte  unb  pörte  bem  3^etfter  ^u  biö  an$  (£nbe,  unb  in  fol* 
djer  ©title  würbe  fein  £er$  ^um  ©tauben  berettet  unb  bura) 
bte  ^raft  be$  SBorteS  mit  j>immltfa)er  2£etg$>eit  erfüllt.  — 
(Glaube  alfo  ja  9ctemanb,  bag  er  son  göttlichen  Dingen  etwaö 
£üa)tige$  faffen  fönne,  fo  lange  er  feiner  Vernunft  erlaubt, 
ttorwigig  311  fetm  unb  bareitt  au  reben.  Diefe  mug  fa)weigen 
unb  erlernten,  bag  alle  t£re  SSet^eit  Zfyxtyit  ijt,  ober  fte 
wirb  nimmer  weife  werben.  —  3ener  ^erfer  gibt  einer  Winde, 
tie  um  ba$  %i$t  fliegt,  bte  gtüget  verbrennt  unb  fdjwetgt,  ben 
SSor^ug  sor  einer  9caa)ttgall,  obgfeia;  biefe  mit  parier  unb 
lieblicher  Stimme  bte  SttajiefMt  be3  <Sa)öpfer$  ^u  rühmen  x>et* 
jteljk  @r  meint  ncimlta)  bie  ^ujmrebigen,  bie  vorgeben,  als 
wiffen  fte  triel  x>on  ben  göttlichen  ©e^eimniffen,  wiffen  nifytö; 
wer  aber  etwaö  bason  erblicft  unb  erfahren  £abe,  ber  werbe 
fta)  mit  @tillfcf)Wetgen  barüber  wunbenu  —  tiefer  Ungläubige 
fyatte  fe^r  S^ec^t ;  benn  gewig  ift  berjenige  feiiger,  welcher  ft$ 
in  ber  Ziehe  unb  im  Dienjk  ©otteS  unb  be$  -Warften  *>er$eü>rt, 
als  ein  Ruberer,  ber  son  einer  grogen  Jlenntnig  göttlicher 
Dinge  fprta)t,  aber  fcon  ber  Ziehe  nicfytö  weig*  — 

23  ©ie  ftnb  aua)  ftille  in  ber  Ziehe*  3£re  £er$en 
ftnb  nidjt  wie  bie  $o£rbrunnen,  bie  mit  9?aufa;ett  i£r  Söafer 
geben,  fonbern  wie  eine  ltebtia)e  natürliche  Duelle,  bte  tj>r 
©trömlein  in  ber  (Stille  fliegen  läffet  ©ie  laffen  nia)t  sor 
f\fy  $er  pofaunen,  wenn  fte  eilmofen  geben,  fonbern  wünfe^en, 
bag  i£re  ttnfe  £anb  nia)t  wiffen  möge,  wa$  bie  rea)te  t£ut* 
©te  t]?un  @ute3  in  ber  ©title  o£ne  $ra|>leret;  biejenigen 
aber,  welche  gteta)  ben  $|>arifäern,  ftä)  babura)  sor  ber  SBelt 
ein  Slnfeljen  erwerben  wollen,  fyahen  ipren  £oj?n  bajrin. 

3)  ©teftnb  ftille  tmgeib  en,  unb  fpredjen,  wenn  e$ 
tjjnen  übel  gejjt,  mit  Dafltb:  „3$  will  fcfywetgen 
unb  meinen  SJttunb  nietjt  auftljun;  Du,  £err, 
wirpö  wo£l  machen.    Steine  (Beete  ift  (lille  $u 


1130 

©Ott,  ber  nur  fulft."  28enn  t^nen  and)  mano)mal  bte 
2Bege  beg  £errn  unbegretflia)  sorfommen,  fo  folgen  fte  3jmt 
in  fitller  ©ebulb  nao),  weil  fte  wiffen,  $>a$  fte  alle  auf  ©üte 
unb  £reue  l)inau3  laufen*  @ä  gibt  aua)  fein  beffereö  Mittel, 
bte  -iftotp  $u  überwinben,  aU  ein  gelaffeneö  £er,3*  Sie  ber 
JlBanberer,  trenn  tyn  unterwegs  ein  ©ewitter  überfallt,  jtä) 
in  feinen  Hantel  püflt  unb  fta)  ©Ott  befiehlt,  bt^  eS  vorüber 
tft,  fo  mag  e£  ber  @f>rift  aufy  maa)en*  dx  foll  nia)t  barnaa) 
trauten,  be$  $reu^e£  fa)nell  trieber  lo$  ^u  werben ,  fonbem 
foll  e£  mit  ©ebulb  an  fta)  arbeiten  laffen.  23alb  wirb  bann 
t>k  £aft  eine  %uft,  unb  bk  33itter£eit  wirb  in  ©ügtgfeit  tter* 
wanbelt*  —  Söenn  einer  eine  £ajt  an  einen  gewiffen  Drt  tra* 
gen  foll,  unb  fte  unterwegs  oft  mit  Ungebulb  abwerfen  will, 
fo  maa)t  er  fta)  boppeltSÄiipe,  unb  feine  $a{t  wirb  noa)  ein* 
mal  fo  f a)wer*  Keffer  t£ut  ber ,  welcher  in  ber  ©tille  fort* 
geljt,  wenn  er  aua)  zuweilen  £eimlia)  feuftt,  unb  fte  an  £)rt 
unb  «Stelle  bringt,  wo  er  fte  ablegen  unb  feinen  £oi?n  empfaljen 
foll.  £)ieg  ift  aua)  wirfliä)  bie  2lbfta)t  ©otte£,  wenn  <£x  un£ 
ein  $reu$  auflegt,  tt>k  Sutfjer  fagt:  „(£r  fa)ttft  unö  Reiben 
unb  Unfrteben  $u,  auf  bag  wir  lernen  griebe  l?aben*  (£r 
$etgi  fterben,  bag  <£v  lebenb  maa)e,  fo  lange,  bi$  ber  $?enfa) 
bura)geübt  unb  fo  fülle  wirb,  bag  er  fta)  nia)t  bewegt,  e$  gepe 
tjmt  woi?l  ober  übel,  er  Uhe  ober  fterbe,  er  werbe  geehrt  ober 
$eraa)tet.  £>a  wojmet  ©ort  felbft  allein,  ba  ijt  nimmer  Wim* 
fa)enwer?*" 

4)  (£nblia)  ftnb  bie  tinber  ©otie3  fHlle  in  iprem 
geben  unb  2BanbeL  6ie  leben  gerne  im  grteben,  $iel?en 
fta)  *>on  großen  ©efellfa)aften  jurürf,  traa)ten  nia)t  naa)  J>o£en 
fingen,  fonbem  barnaa),  bag  fte  mit  ftiilem  SÖefen  arbeiten 
unb  tyx  eigen  53rob  effen  mögen»  ®te  jtnb  fanftmüt^ig,  freunb* 
lia)  unb  gebulbig,  man  Ijört  fte  Weber  auf  ben  ©äffen  lärmen 
unb  fa)reien,  noa)  in  ipren  Käufern,  ©ie  begegnen  i£ren 
iRad)barn  mit  ^?iebe  unb  ftnb  gegen  Sebermann  bienftfertig ; 
fte  ftnb  allem  ©e^cmte  t>on  £er£en  feinb ,  unb  wenn  fte  aua) 
alle  Urfaa)e  ba^u  Ratten,  fo  benfen  fte  boa)  an  bie  Sßorte  ©a* 
lomoö:  „2öer  gebulbig  ift,  ber  iftcxn  fluger  $*enfa) 
unb  tyat  @£re  bax>on,  bag  er  ba£  33öfe  übergoren 
tavn.  GN  ift  bem  Ttanne  eine  <££re  v>om  £aber 
Subletbcn;  aber,  bie  gerne  £aberit,  finball^unial 


1131 

Darren*"  —  2>er  gromme  ijmtet  fta)  vor  3anf  wnb  ©treit, 
wie  vor  bem  Teufel,  unb  wenn  er  merft,  bag  ein  Ruberer 
£uft  ba^u  £at,  fo  eilt  er  in  feine  Kammer,  fallt  feinem  £erm 
gu  gügen  unb  bittet  3jm  um  ein  frieblio)e3  £er$  für  jt#  felbfi 
unb  um  Vergebung  ber  ©ünben  für  ben  9*da)ften*  dv  fuo)t 
grieben  unb  jagt  tfjm  naa)*  ©ein  $er^  liebt  ben  grieben, 
fein  Wlmxt>  rebet,  waö  sum  grieben  btent,  feine  Sinken  weinen 
$u  ®ott  um  grieben,  feine  £)£ren  Igoren  von  nia)t$  lieber,  als 
von  bem  grieoen,  feine  £dnbe  finb  bereit,  ben  grieben  $u  er* 
greifen,  unb  feine  güge  wanbeln  auf  bem  2öege  be£  griebenS* 
—  55on  biefer  grtebfertigfeit  nun  wollen  wir  bieg* 
mal  reben*  2)er  ©Ott  be£  grtebenS  fep  mit  un$  unb  fegne 
unfer  23or£aben  bura)  3efum  (S^riftum!    Slmen. 

ä  6  ^  a  n  b  I  u  tt  g* 

Unter  anbern  grüßten  beS  fldglia)en  ©ünbenfallS  ift  aua) 
bie  33tttex:feit  beS  menftt)litt)en  £eraen$,  von  wela)er  bie  l?eif* 
©c^rift  öftere  rebet*  SSeil  ber  ©atan  ein  feinbfeligeS  unb 
&o$£afte$  2Befen  ift  unb  fia)  M  bem  gall  in  bie  «&er^en  ber 
SSttenfcfyen  eingeftt)lia)en  £at,  fo  £at  er  biefelben  gleia)fam  aua) 
mit  feiner  ©alle  erfüllt*  Die  fersen  ber  9^enfa)en  ftnb  tok 
bie  Duelle  au  3erio)o,  beren  SBaffer  biütx  unb  fa)dblia)  war, 
fcte  ber,$ro:p{>et  (£ltfa  ©al$  hineinwarf  unb  e£  bura)  ba$ 
Sßort  ©otteS  gefunb  unb  trinlbar  maa)te*  —  -iftun  fyatGbott 
aber  ©einen  Ikhn  ©olm,  ben  rechten  grogen  ^rojpfjeten  m 
t>k  %ßdt  gefanbt,  um  baö  menfa)lia)e  petz  au  anbern;  biefer 
reinigt  es  bura)  ©ein  33lut  unb  bura)  ©einen  ^eiligen  ©eift, 
bamit  2llte3,  was  au$  bemfelben  lommt,  jjetlfam ,  lieblia),  füg 
unt>  anmutfug  werben  möge*  hieraus  folgt  nun,  bag  berje* 
nige,  welker  in  ber  @emeinftt)aft  mit  ©Ott  unb  (j^rifto  fiejrt, 
aua)  fanftmütjng,  freunblia),  friebfertig,  gebulbig  unb  verfolm* 
fta)  fet;n  muffe,  was -wir  nun  weiter  ausführen  woEem  — 
2Btr  fyoitmx  fyiti  auf  brei  £auptpunfte  au  feben;  einmal,  bag 
ber  ©laubige  fo  frieblia)  unb  fanftmütpig  ift,  bag  er  fta)  mit 
allem  gleig  vor  3anf  unb  ©treit  fyüttt  unb  benfelben  freunb* 
litt)  ablehnt,  wenn  ber  9lda)fte  ijmt  etwa  Slnlag  baju  gibt* 
gerner  folt  fta)  ber  wa£re  @!)rift  bennoa)  Itebreia),  freunblio) 
unb  gebulbig  bezeugen,  wenn  er  gleitt)  3entanb  wiber  feinen 
Sßtlien  aum  geinbe  j?aben  mug*    Gntblta)  foll  er  aur  $erfö> 


1132 

ttung  geneigt  fepn  unb  bem  »on  $tx$n  »ergeben ,   ber  tyn 
beleibigt  tyat. 

1)  £)ie  ©laubigen  muffen  alfo  $unä$fi  friebliebenb  unb 
allem  ©treit  x>on  £>eqen  feinb  fepn,  unb  fta)  mit  allem 
gleig  bawr  pten.  2Beil  fte  ©otteS  2lu3erwä£lte  fmb ,  t>k 
fta)  3efu^  bura)  ©ein  S3lut  aum  ©igentjmm  erfauft,  *>on  ber 
2Belt  abgefonbert  unb  mit  bem  ©etft  ber  2kU  erfüllt  Ijat,  fo 
muffen  fte  notJ>wenbig  anberä  fepn  aU  bk  ^inber  ber  2Belt. 
3Q3eil  fte  mit  bem  SSater  ber  $kbt  unb  mit  ttnferem  £etlanb, 
3efu  GHjrifto,  tterbunben  fmb,  fo  fönnen  fte  feine  feinbfelige 
unb  Utkxt  £er^en  f>aben;  benn  bie  @emeinfa)aft  mit  djmffo 
bringt  eine  feiige  SBeränberung  mit  fta).  Unb  trenn  ein  ffetV 
ne$  Pfropfreis  einen  fola)en  Hinflug  auf  ben  33aum  jjat,  bag 
er  gan$  anbere  grüßte  trägt,  als  ausor,  wie  follte  nia)t  ber 
fanfimütljige  GErlöfer  ein  £era  fo  änbern  fonnen,  bag  ber 
SDtafa)  in  feinen  ©eberben,  ^Sorten  nn'o  3öer!en  nia)t3  anberS 
als  ©üte,  greunblia)feit  unb  Sanftmut^  bli^en  liege?  dv  ift 
ber  SBeinjtocf,  wir  jtnb  bie  9?eben,  wie  nun  aus  einem  2öein* 
ftod:  fein  £>ornjtraua)  warfen  fann;,  fo  ift  es  aua)  unmöglta), 
bag  ein  Sflenfa)  auö  ©Ott  in  GEjjrifto  neu  geboren  wäre,  fo 
lange  er  noa)  £ag  unb  23itterfeit,  glua)en  unb  ©a)elten 
für  feine  £uft  £ält*  —  ©obalb  3efu^  auf  Arbeit  fam,  würbe 
ber  griebe  bura)  £immlifa)e  £>erolbe  serfünbigt;  benn  QEr  ift 
barum  erfa)ienen ,  bag  (£r  tk  2Berfe  beS  £eufel3  aerftore  unb 
griebe  maa)e  im  Fimmel  unb  auf  ßrrben  bura)  ©ein  23lut«. 
<£r  fa)log  ^liemanb  $on  ©einer  %kU  au$,  fonbern  bot  fte 
Sitten,  Sfteta)en  unb  Firmen,  £o£en  unb  Gebern,  gremben 
unb  @inl)eimifa)en  an,  auf  bag  fte  Sitte  @in$  würben  in  3N 
unb  als  ifinber  ©otteS  in  ©einem  3?eia)e  unter  3N  leben 
unb  3N  mit  einmütigem  ©etft  bleuen  motteten  in  rea)tfa)af* 
fener  ®erea)tigfeit  unb  ^eiltgfeit  Dajjer  betete  dx  fo  tyxfr 
lia):  ,,3a)  Utk  nia)t  allein  für  fte  (meine  Slpoftef),  fonbern 
au6)  für  diejenigen  f  fo  bura)  tpr  äBort  an  2ftia)  glauben 
werben ,  auf  bag  fte  alle  Guinea  fepen ,  gleichwie  2)u ,  Sßater, 
in  mir  unb  ia)  in  2)tr,  bag  fte  aber  aua)  in  unS@inS  fe^en, 
auf  bag  bie  SSBelt  glaube,  bu  pabejt  mia)  gefanbt  unb  ia)  jiabe 
tynen  gegeben  bie  £errlia)feit ,  Ue  £)u  mir  gegeben  {mft  tu 
3o^  17,  20.  —  2Ber  alfo  mit  feinem  ^äa^ften,  mit©ott  unb 
3efu  nia)t  (£in$  fepn  will,  ber  $at  feinen  £j>etl  an  feinem 


1133 

©rföfer  unb  serlnnbert  ana)  noa),  baß  berfelbe  nia)t  tton  ber 
Söelt  erfannt  unb  angenommen  wirb*  —  (Simfiuä  jjät  ferner 
ade  ©eine  ©laubigen  gteiä)  gemacht  unb  in  allem  bem,  was 
$ur  ©ereä)ttgfeit  unb  ©eligfett  gehört,  feinem  einen  23or$ug 
gegeben,  3m  3eitlta)en  ijt  swar  ein  Unterfa)ieb  unter  ben 
9ftenfa)en,  ber  ©ine  ift  reia),  ber  Slnbere  arm,  ber  ©ine 
fte£t  in  fjofjen  ©l?ren,  ber  Rubere  tjt  »eraa)tet,  aber  tn  geift* 
lta)en  unb  Jnmmlifa)en  fingen  ifl  eS  nia)t  fo,  fonbern  wir 
Sitte  finb  berufen  auf  einerfet$)offnung  unfereS 
33eruf£,  j>aben  ©inen  £errn,  ©tuen  ©tauben, 
(Eine  gaufe,  Otiten @ott  unb  SBater  unfer  Sitter, 
ber  ba  ifi  über  un$  Sitte  unb  bura)  unSSllte  unb 
in  unö  Sitten,  Der  £err,  unfer  ©Ott,  erhört  ben  töniß 
wie  ben  Bettler,  wenn  Mbc  ifm  mit  bußfertigem  £er$en  im 
tarnen  3efu  anrufen*  2&ir  Sitte  empfangen  im  £etl.  Slbenb* 
ma£t  ©inen  Selb  unb  diu  23tut  unb  bie  ©nabe  ©otteS  waltet 
über  un$  Sitte ,  wirft  bura)  uns  Sitte  unb  wofmt  in  un$  Sitten, 
tylittyn  fotten  wir  Sitte  einanber  aU  liebe  ^inber  ©ineS  lieben 
SSaterS  f  als  Araber  unb  <5ü)weffern  in  @f>rijto  unb  al£  ©tie* 
ber  ©ine£  i*eibe3  mit  greunblia)feit  unb  Sanftmut^  beljanbetn, 
aU  bie  son  ©inem  ©elfte  befeelt  jt'nb,  2öer  bieg  mä)t  tljut,  fon* 
t>cvn  in  £a§  unb  geinbfetigfeit  lebt,  bejfen  ©otteSbienft  ifl 
eitel,  fein  ©Jrfftentjmm  ift  ein  ©chatten,  ein  leerer  £raunu 
2öir  wollen  aber  aua)  be^igen,  wortnetgentlia)  bie 
griebfertigfeit  bejteje  unb  wie  fia)  ber®laubigc 
bar  in  übe,  Die  griebfertigfeit  tji  einzeiliger©** 
f  er  unb  ein  er  n  ft  l  i  a)ergteifjietne0©prtjien  bie  ©in  tg* 
feit  im  ©elfte  bura)  baä  23anb  beö  griebenS  mit 
bem^äcbften  ^u  bewahren  unb  alte  Uneinig  feit 
3u  tterfjüten,  Der  wa^re  @£rij*  nimmt  jta)  täglia)  $>or, 
feinem  -ftäa)j*en  hü  jeber  ©elegen£ett  mit  33efa)eiben{>eit  unb 
greunbtia)fett  au  begegnen  unb  mit  SBiffen  unb  ^Bitten  9iit* 
manb  $u  beleibigen!  3ener  £eibe  fagte:  er  gepe  nia)t  gerne 
*>om  Sttarfte,  wo  bie  öffenttia)en  3ufammenfünfte  gehalten 
würben ,  naa)  £aufe ,  wenn  er  jta)  nia)t  einen  neuen  greunb 
gemacht  fyate.  ©benfo  traa)tet  ber  waljre  Giprift  barnaa),  jta) 
wenigftenö  feinen  neuen  geinb  $u  maä)en,  wenn  er  jta)  aua) 
feinen  neuen  greunb  erwerben  famu  ©r  faßt  am  borgen 
ben  33orfa§ ,    jta)  ben  Sag  über  gegen  Sebermann  fo  au 


1134 

betragen,  bag  ftcf>  am  2lbenb  9h'emanb  mitdlttyt  über  ifnt  be* 
feieren  fann*  Senn  er  auffielt,  fo  ift  er  guerjl  um  ben 
grieben  mit  ©Ott  befümmert ,  erneuert  mit  frommer  2lnbacr)t 
feinen  £auffcunb  unb  verpflichtet  ftd?  bem  £erw  ^u  beftänbi* 
gern  ©e|>orfam,  £)ann  iji  er  barauf  fcebac^t ,  wie  er  feinem 
^äc^ften  in  ber  £tebe  begegnen  unb  fein  i*id)t  allenthalben 
leuchten  laffen  möge*  (Er  verfpridjjt  ©Ott ,  bag  er  um  ©ei* 
nettvitlen  Sebermann  gerne  bleuen  unb  befmlflia;  fepn  wolle. 
(Er  bükt  aber  au$  um  ben  35eifianb  be3  ^eiligen  ©etße£,  bag 
er  mit  allen.  3#enfd?en  im  grieben  leben  möge*  ©o  geijt  er 
nun  im  tarnen  ©otteä  an  feine  Arbeit ,  bie  ©anftmutl)  feinet 
@rlofer£  leuchtet  ifmt  au$  hcn  klugen,  unb  alle  feine  SKeben 
fommen  m$  einem  aufrichtigen  unb  liebreichen  $>tx$n.  (ix 
benft  allezeit  an  bieSSorte  be$  2tpoftel3 :  „(Eure  9?ebe  fep 
lieblict)  unb  mit  ©al$  gemurrt,  bag  tljr  tviffet, 
wie  tpr  etnemSeben  antworten  follet."— £)iegur$t 
©otteS  aber  ift  bie  Duelle  aller  $Bä$$zit  unb  ba$  rechte  ©al$, 
ba3  ung  vor  ©ünben  bewahrt;  biefe  foll  un$  leiten  im  Um= 
gang  mit  unferem  9Md?|kn,  bann  werben  wir  ^iemanb  Ur* 
fac^e  au3an!  unb  28ibertt>illen  geben*  2)al>er  fagte  anty  un* 
fer£eilanb:  „£  ab  t©al$  bei  euc^  unbgrteben  unter* 
einanber!"  —  £errecr)tf$affene(£{mft  grügt  unb|banft gerne 
unb  fommt  feinem  ^dc^ften  mit  (Ehrerbietung  $uvor.  ®e£t 
er  irgenb  wol)in,  um  mit  bemfelben  gu  reben,  fo  überlegt 
er  ^uvor,  m$  wafn^aftig  >  wag  ehrbar,  m$  geregt,  xoa$ 
feuf$,  wag  lieblich  iß  unb  wag  wolrt  tankt.  (ix  ftrebt  bem 
na$,  wag  ^um  grieben  unb  $ur  23efferung  bleut,  (Er  be* 
jleigt  ft$ ,  feinem  9M$ften  p  gefallen  unb  fyat  nidjf  ©ift 
unb  ©alle ,  fonbern  £onig  unb  Wlilfy  unter  ber  3unge.  — 
3ft  t>k  ©ac$e,  t>k  er  vorzunehmen  $at,  angenehm,  fo  verbtt* 
tert  er  fte  nifyt  burd)  einen  unfreundlichen  Vortrag;  tjl  fte 
aber  unangenehm  unb  t!?m  in  feiner  ?eibenfc^aft  pwiber,  fo 
fu$t  er  fte  bo$  bur$  greunblict;feit  p  verfügen  unb  fo  viel 
als  möglich ,  angenehm  gu  machen*  (ix  trägt  Ut  Salbei* 
auf  bie  gelinbefte  SOSetfe  vor,  bamit  er  nia;t  anflöge  nnb  nidjt 
e£er  erbittere,  benn  gut  macbe.  (ix  weig  wo£l,  bag  man  bk 
©alten  eineg  Snjfrumenteg  niebt  auf  einmal,  fonbern  nur  naa) 
unb  naa)  an^e^en  unb  fttmmen  barf,  barum  wagt  er  eg  m$t, 
feinen  ^dc^jien  mit  Ungeftüm  auf  eine  anbere  Meinung  $u 


1135 

bringen,  fonbern  mit  greunblia)feit  unb  3)emutl)*  —  ©el)t  e$ 
tj)m  aua)  nio)t  immer  naa)  äöunfa)  unb  2Bitlen,  unb  begegnet 
u)m  fein  9Ma)fter  btött)eilen  fe£r  fjart  unb  unfreunblia),  fo 
fommt  if>m  t>a$  nia)t  ganj  unerwartet*  (ix  ift  bar  auf  gefaßt 
unb  wie  ein  Söanberer  mit  einem  gut  gefütterten  S0?ante(  »er* 
fejjen  ift ,  barauf  ein  [tarier  Sftegen  ablaufen  fann ,  fo  ift  fein 
£erj  ftetö  »oll  ©anftmutjj  unb  ©ebulb  unb  fann  aua)  $>a$ 
£>ärteft£  ertragen*  (£r  benft  an  hk  SBorte  2)a$ib3:  „dx* 
$üme  bia)  nta)t  über  bie  35öfen,  erzürne  btä) 
n  i  a)  t ,  bamit  bu  n  t  a)  t  aua)  U  e  b  e  l  $  t  £  u ft"  —  2öie 
t>a$  Del  in  einem  ©efäß  mit  SBaffer  immer  oben  fa)wimmt 
unb  allezeit  wieber  Ijemrfommt ,  wenn  man  e$  aua)  f$(tttet 
unb  rüttelt,  fo  behält  bie  greunblia)fett  unb  griebfertigfeit  bei 
bem  Triften  bie  Dberfanb*  28emt  gleiä)  ber  ^Mcfjfle  Urfaa)e 
3um  (Streit  gibt,  fo  fua)t  er  bemfelben  au$auweia)en  unb  ben 
grieben  au  erhalten,  wie  ber  2l:pojM  fagt:  „2)er  grtebe 
©otteS  regiere  in  euren  £>eraen*"  —  ßvoax  Fann 
aua)  ber  gromme  bura)  wibrige  Begegnung  aufgebracht  wer* 
ben;  aber  er  befmnt  fta)  bura)  ©otteg  ©nabe  boa)  balb  wk* 
ber  unb  überwinbet  Mt$  mit  ©ebulb.  Unb  wie  bie  $?ag* 
netnabel  mitten  unter  SBinb  unb  Söellen  nur  naa)  dina 
©egenb  fta)  richtet ,  fo  richten  ftc^>  hk  ©ebanfen  be$  (griffen 
aua)  unter  ber  größten  Veranlagung  p  3cmf  unb  (Streit 
unb  mittm  unter  bem  2Sortwea)fel  auf  ben  grieben*  (ix  wetg 
woljt,  bag  er  feiner  $jlia)t  nia)t  ©enüge  geleiftet  pat ,  wena  er 
blo6  freunblia)  ift  gegen  biejenigcn,  bie  e^  gegen  tfm  ftnb, 
wela)e3  aua)  bie  Ungläubigen  tfmn,  fonbern  er  fommt  felbfi  t>m 
3Bunberltä)en  unb  garten,  Uc  tjjn  nia)t  naa)  ©ebüljr  beljan* 
beln,  mit  $kte  entgegen*  (ix  xctify,  baj?  man  ben  grieben 
fud)en  unb  i£m  naä)jagen  foll,  wenn  er  aua)  bura)  ba#  unfreunb* 
Hic^e  betragen  be3  9cäa)j*en  vertrieben  wirb*  £)aljer  gibt  er 
naa),  fa)weigt,  Ijort  unb  jte£t  nia)t  2llle3,  antwortet  nia)t 
auf  Meg  unb  fua)t  Mz$,  fo  »tel  möglta)  aum  heften 
gu  beuten*  dx  benft  jietS  baran,  m$  ber  Slpoftel  fagt:  „3  ji$ 
mögUa),  fo  viel  an  eua)  ift,  fo  Jrabt  mit  allen 
$?enfa)en  grieben*"  (£r  mi^f  bag  uw$  $lle$  moglia) 
ift  bura)  @l?riftum  unb  (Seinen  ©eilt,  bie  un$  mää)tig  maä)en, 
xoti%  bag  wir  nia)t  ©otteg^mber  fepn,  fein  ru&igeö  ©ewif* 
fen  paben,  feinen  ©otteSbienfi  nü£lia)  verrieten,  nia)t  anbäa)tig 


1136 

unb  erf>orli$  Mm  unb  feine  Hoffnung  beS  £immel$  ljaben 
fonnen,  wenn  wir  nidjt  in  ber  Siek  wanbeln  unb  uns  ber  <£in* 
traä)t  befleißigen.  Saturn  intet  er  lieber  Unreal,  als  baß  er 
ben  grteben  ftört  unb  wiber  bie  brüberlia;e  Siebe  ljanbelt*  — 
£>emopngea$tet  aber  fann  er  feinen  3wtd  nio)t  immer  erret* 
$en,  fonbern  muß  oft  mit£)a*rib  fragen:  ,,3a)  jjalte  grte* 
ben,  aber  wenn  ity  rebe,  fo  fangen  fie  $rieg  an; 
btemi$  opneUrfaa)e  paffen,  ber  er  i(i  mepraHi^ 

£aare  auf  meinem  Raupte  pabe^  jc*" Zafttt 

un$  baper  23  fejjen,  wie  jtä)  ber  ßprif*  betragen  muffe, 
wenn  er  unoerfa)ulbeter  Sßeife  angefembet  unb  beleibigt 
wirb?  £er  Slpojiel  Witt,  baß  wir  (Sanftmut!?  unb  ®ebulb  an* 
gießen,  unb  baß  dinzt  ben  Zubern  »ertragen  fett  in  ber  $itbt. 
Unfer  £eilanb  fagt:  „Siebet  eure  geinbe,  fegnet,  bie 
cuä;  fluten,  tfyut  ^wopl  benen,  bie  eua)  beleibt'* 
gen  jc*"  Unb  ?JauluS  fagt  abermals:  „^äcjjet  [tufy  felbfi 
ntdjt,  fonbern  gebet  ^aum  bem  3orn  ©otteS;  benn 
eSfteljt  gef$rteben:  bie*ftaa)e  i(l  mein,  3ä)  will 
vergelten*  ©o  nun  beinen  geinb  hungert,  fo  fpetfe 
ipn  k.  fo  wtrji  bu  feurige  Kopien  auf  fein  $au$t 
fammeln;  laß  biep  nia)t  t>a$  33öfe  überwinben, 
fonbern  überwinbe  baS23öfe  mit  ©utem/'^emna^ 
ftej>t  ber  @Smft  feine  SMeibiger  m'$t  als  geinbe,  fonbern  als 
trrenbe  SBrüber  am  ÜBte  aber  bie  Siebe  um  fo  großer  wirb, 
wenn  fte  bte  9totij  unb  Slrmutfj  beS  9Ma;f}ett  wahrnimmt,  fo 
wirb  ber  ©laubige  um  fo  mepr  eilen  unb  allen  gleiß  anwen* 
ben,  feinen  Vorüber  gu  retten,  wenn  er  te^m  ©eele  in  ©efapr 
fiept  unb  bemerft,  baß  er  in  bk  !Rege  beS  @atanS,  beS  Urlje* 
berS  alles  UnfriebenS  gefallen  tfL  SBer  Jjat  niä)t  TOtleiben 
mit  einem  fieberfranfen  9ttenfa)en,  ber  in  ber  #i§e  rafet? 
©tejjen  nidjt  feine  greunbe  unb  -ftadjbarn  um  fein  23ette  mit 
Streuten  in  ben  2lugen,  unb  fua)en  beiautragen,  was  fte  nur 
fonnen,  bamit  tjjm  geholfen  werbe,  wenn  au$  ber  ^ranfe  %u* 
weilen  na$  ipnen  f erlägt,  jte  f<|ilt  unb  fte  für  geinbe  erflärt 
SBie  follte  alfo  ber  (££rijl  ntept  mit  aller  %kU  einem  9ttenfa;en 
begegnen,  ber  im  3<>rn  nitt)t  weiß,  was  er  t^ut,  unb  $om  <5a* 
tan  fo  ganj  verblenbet  iß?  —  2)a£er  betet  er  aua)  um  fo 


1137 

eifriger  unb  um  fo  fleißiger  für  feine  getnbe  aU  für  feine 
greunbe,  weit  jene  es  auo)  ammeijta  bebürfem  (Ex  benft 
babei  an  ba$  33eifpiel  feinet  @rlöfer$,  ber  unter  ben  größten 
Dualen  am  $reu£e  für  feine  geinbe  Wteti:  „Sßater,  vergifc 
ifjnen,  fie  wiffennidjt,  waSfietfjun/'I  tiefem 33etfvtef 
folgte  ber  erjte  33tutaeuge  ©teppamtS  naa),  ber  fterbenb  au&* 
rief:  „£err,  begatte  iljnen  biefe  ©ünbe  nidjt!"  Stua; 
ber  fromme  £up  ftet  in  ber  SBerfammtung  ber  23ifa;öfe,  bie 
tjm  aum  £obe  verbammten,  auf  feine  ^tntee  nieber  unb  Utttt: 
„$err  3efu!  Sergio  meinen  geinben,  von  roelo;en  ia),  wie  2)u 
mi$t,  fälfa)tta;  angesagt  Sorben  bin,  vergib  irrten r  o  £err, 
um  deiner  großen  33armf>eraigfeit  rotten  I"  ©o  maa)en  eS  bie 
itinber  ©otteS,  fte  laffen  jta)  bura;  bie  Soweit  ifjrer  geinbe 
nia)t  erbittern,  fonbern  galten  bafür,  baß  i^nen  ©ott  babura) 
Gelegenheit  gegeben  £abe,  t^re  aufrichtige  $kU  au  3!?m  unb 
bem  ^ää)ften  befto  mejjr  $u  beweifen*  3e  meljr  bie  a)rifttta;e 
%itfo  2Öiberftanb  ftnbet,  befto  mepr  wirb  fie  bewährt,  getan* 
tert  unb  vor  ©Ott  angenehm  gemacht*  äöenn  e$  brauß  en  bon* 
nert  unb  bittet,  fo  Uten  bie  grommen,  baß  ©Ott  fte  fa)ü£en  unb 
ba$  2Better  ojme  ©a;abcn  vorübergehen  laffen  möge*  (£benfo 
machen  fte  e£,  wenn  ein  2krfolgungSwetter  über  fte  fommt, 
wenn  ij)re  geinbe  wüifjen  unb  toben,  unb  oft  mit  Bonner  unb 
23ti#  um  fta;  werfen.  2)a  feuften  fte  au  ©Ott  unb  Utttn  um 
£roft  unb  ©a)ug,  aber  aufy  um  Vergebung  für  ifjre  geinbe* 
©ie  machen  e$,  wie  Paulus  von  fta;  unb  feinen  Slttitapofieltt 
fagt:  „Wlan  fa;itt  un£,  fo  fegnen  wir,  man  verfolgt 
un$,  fobutbenwir'3,  man  läftert  un$,  fo  flehen 
Mix."  —  3n  folgen  gälten  geben  fta;  bk  wahren  Triften 
aber  aua)  alle  $ftu)e,  fromm  unb  rea)tfa)affen  au  (eben,  bamit 
ber  gute  ©Ott  i^nen  ben  verlornen  grieben  wieber  verfa;affen 
möge,  wie  ©atomo  fagt :  „Söenn  3emanb$  2Öege  bem 
£errn  Wohlgefallen,  fo  maetjt  (£r  aua;  feine  geinbe 
mittönt  aufrieben*"  —  ©ie  jmtenftcf),  tjmen  irgenb  eine 
Urfao)e  aur  Scijkrung  au  geben,  fuo)en  fte  bura;  einen  guten 
SÖSanbet  au  gewinnen  unb  fte  von  i^rem  begangenen  Unrecht 
2u  überaeugen*  ©ie  reben  Iti  j[eber  ©etegenjjett  ©ute$  von 
i£nen,  unb  fcfyreiben  bie  Uneinigfeit  meljr  ber  menfo;tia)en 
Scnöer'S  6eeUttfcf>afc.  72 


1138 

6$tta$$ett  at$  Soweit  pju  60  machte  tt  jetter  fromme 
Wlatrn,  ber  »on  fernem  9frt$bar  auf  öffentlicher  ©trage  ange* 
griffen  Worten  war.  211$  er  nämli$  in  einer  ©efellfäaft  ge* 
fragt  würbe,  wie  er  mit  feinem  9tac$bar  ftejje,  man  £abe  erfafj* 
ren,  bafü  biefer  tljn  neulich  fe^r  Jjart  angelaffen  J>abe,  antwor* 
tttt  er:  icf)  jjabe  gegen  tjm  fem  feinbfeltgeS  £era,  wir  ftnb 
9ttenf$en  unb  fonnen  *>on  einem  geiler  übereilt  werben.  Wltin 
9latf;bar  ifi  fonp  an  guter  9ttann,  nur  Jmt  er  ben  geiler,  bag 
er  ftc§  auweilen  som  3orn  bemeiftern  lajfet;  wer  ift  aber  opne 
genfer?  (£r  fyat  biefen  unb  ify  fyabt  wo£l  einen  anbern  geljler* 
2ßir  ftnb  (griffen  unter  einanber  unb  trüber,  wir  muffen  uns 
»ertragen,  i$  £offe,  ba$  e$  meinem  Sfcacpar  leib  ift,  unb  baf? 
er  t$  ©ott  fdjon  abgebeten  fjat,  icf>  wünf^e  if)m  von  £eraen 
alleä  ®ntt,  unb  Hn  bereit,  if?m  unb  ben  ©einigen,  wk  vorder, 
gu  bienem  2)iefe$  würbe  »on  Einigen,  bk  e£  hörten,  jenem 
Sttanne  jjinterbrac^t,  ber  babur$  fo  gerührt  würbe,  bag  er  ft$ 
ber  Streuten  ntdjt  enthalten  fonnte  unb  ftc$  notf;  am  gleiten 
£age  mit  feinem  -Iftac^bar  serfofmte !  ©oldje  gottfelige  Sfteben 
itebftbem  ©ebet  ftnb  tt>k  bie  £arfe  2)atnb$,  woburd)  ber  böfe 
©eiß,  ber  ben  (Baut  unruhig  machte,  vertrieben  unb  aller  Un* 

mutp  gefußt  würbe* 

<£nbli$  »erfäumen  bk  ©laubigen  auej)  hine  ©elegenpeit, 
tljr  *>erfö£nlic$e$  £era  gegen  bie  geinbe  überall  au  bezeugen. 
SZBenn  fte  erfahren,  bag  ber,  welker  fte  Ijagt,  6$aben  gelitten 
fytt,  fo  eilen  fte  i^m  willig  au  £ülfe*  ©erätfj  er  in  Hrmutjj, 
fo  unterßügen  fte  ipn;  wirb  er  franf,  fo  erquicken  fte  i£m  $ur£ 
fte  flauten  ft$  nic^t,  ijjm  alle  möglichen  SiebeSbienfk  au  tyun 
unb  bie  SSerfopnung  anzubieten,  wenn  fte  glet$  fcf>wer  belei* 
btgt  ftnb*  —  3<f>  füljre  au  bem  (£nbe  einen  merf  würbigen  SSor* 
fall  an,  ber  ftdj  a^W^n  awei  berühmten  f)etbnifct)en  Männern 
ptrug*  2lrif*typu$  unb  Slefc^tneö  nämltclj  Ratten  ftc$  tnt^mitf 
ba  ging  $rtftippu$  %u  biefem  unb  fagte:  Collen  wir  un$  ni$t, 
je  eper  je  lieber,  mit  einanber  serföjmen,  ober  wollen  wir  fer* 
ner  eine  ££or|>eit  begeben  unb  warten,  M$  wir  bem  gemeinen 
«Wann  bei  feinen  3ed>en  aum  ©elfter  werben?  $ef4>ine$ 
antwortete:  ic$  Un  aur  SBerföpnung  bereit  ®ut,  fagte  ber 
Slnbere,  aber  erinnere  bi#  au$  baran,  bag  ify  bir,  ob  t$ 


1139 

gletdjber  heftete  ttn,  bod)  $uvorfanu  2tefc|me$  erwteberte: 
3$  geftelje,  baf*  bu  e$  mir  an  £ugenb  weit  auvortjmj*;  ity 
pabe  ben  Anfang  gum  <Strett  gemalt,  bu  aber  ben  Anfang  jur 
SBerföjmung*  — -  £aben  baS  Reiben  getljan,  was  f  ollen  @j)rt* 
Pen  tjntn,  in  weldjen  3efuS  mit  bem  ©eifi  ber  Siebe  unb  ber 
©anftmutjj  wofmt?  ©ie  fonnen  ntdjt  ruljen,  el?e  fte,  foviel  an 
tljnen  i%  ben  Rieben  gefugt  unb  gefunben  pabem  —  SSon  bem 
berühmten  33ifdjof  3o^anneö  au  ^onjkntmopel  wirb  eraäplt, 
tag  er  eütft  mit  einem  vornehmen  Siftann,  9liceta$,  in  faxten 
2ßortwecf)fel  geraden  fc^*  (Er  Jatte  awar  nu$t  Unrecht,  als 
aber  ber  £ag  au  (£nbe  ge^en  wollte  unb  er  ftd)  ber  Sorte  erm* 
nerte:  „3ürnet unb  fünbigetnic^t,  (äffet  autf)  bie 
©onne  über  eurem  3om  nidjt  untergeben;"  fo  fanbtc 
er  (£inen  von  feinen  @eijtli$en  au  9tfcetaS  unb  lieg  tym  fagen: 
£err,  bie  (Sonne  will  untergeben!  ^Ztceta^ merfte  balb, 
was  ber  ^atrtardj)  fagen  wollte,  eilte  au  tfmt  unb  ^erfo^nte  ft# 
willig  unb  frߣlt<$  mit  iljnn  Qk$  ift  bie  SBeife  ber  frommen, 
aber  von  ben  ®ottlofen  fagt  bie6$rift:  „Sie  f  Olafen 
nidjt,  fieljjabenbennübelgetljan,  unbruljen  nityt, 
fie  Ijaben  benn  @$aben  getljan*"  — 

3)  £)ieff  füprt  uns  auf  ben  brüten  $unft,  woma$  ber 
@priffc  feinem  SBeleibiger  von£eraen  veraeijjen  unb  tyn  nad$er 
wie  vorper  brunftig  lieben  foll,  2)teß  verlangt  ber  2tyo|iel, 
wenn  er  fagt:  „Vergebet  eu$  unter  etnanber,  fo  3e* 
manb^lage  fjat  wiber  ben  Hnbern,  gletdjwie  (EfyxU 
jluS  eu$  vergeben  Ijat,  alfo  au$  iljr*"  £)ie  ©trettig* 
feiten  fonnen  awar  ni$t  immer  vermieben  werben,  ba  man  e$ 
oft  mit  acmffü($tigen  unb  gewiffenlofen  SJttenfcfjen  au  tputt 
Jwt,  au$  fommt  eS  bei  ben  befkn  SDtafcfjen  vor,  baf?  j?e  fd^nell 
in  3*>rn  geraden  nnb  über  tjjren  unaeitigen  (£ifer  ni$t  immer 
heißer  werben  fonnen,  was  fte  oft  mit  feigen  freuten  befla* 
gen.  3ubem  ift  ber  ©atan  ftetS  gefdwfttg,  t£ren  ©eelenfrieben 
au  pren  unb  fu$t  immer  Uneinigfeiten  au  ftiften,  weil  er  aus 
einem  fletnen  gunfen  manchmal  tin  großes  geuer  anblafen 
fann.  £)aj>er  fagt  ber  nämliche  Styofiel:  3f*S  möglidj,  fo 
viel  an  eu$  ift,  fo  |> ab t  mit  allen  9D?enf$en  grte* 
ben*"  —  <£s  fejjlt  mithin  ben  ©laubigen  manchmal  am  grie* 


1140 

ben ;  aber  t$  fofl  tpnen  nt$t  an  CteJe  unb  grtebfertigf  ett  feiern 
2)ie  SDtognetnabel  fann  burc$  eine  ftarfe  Bewegung  von  i£rem 
5^orbflern  verrücft  werben;  aber  fte  wenbet  jt^  balb  wieber 
bäfyin  unb  wirb  rujrig*    @o  fi'nben  bie  grommen  t^re  Dfalje 
nur  im  grteben  mit  ©Ott  unb  mit  bem  Soften,  unb  wenn  jle 
gleich  bisweilen  burdjj  ben  (Satan,  bieSöelt,  ober  bur$  ifjr  eige* 
ne$,  fünbltc^eS  gleifcf)  befjelben  beraubt  werben,  fo  fepnen  fte 
ftcf>  bod)  barna$  unb  nehmen  jebe  (Gelegenheit  wafjr,  wieber 
ba$u  $u  gelangen»  —  2)ie  %kU  ©otteS  unb  unfereä  £eifanbe£ 
3efu  (£prtfti  ift  ba$  geuer,  welches  ipre  £eqen  erweist,  baß 
fte  vergeben  unb  vergeffen  lernen,  i^k  J?o$  fte  au$  beleibtgt 
jtnb»    2)arum  fpric^t  ber  2lpofkl:  „Vergebet,  gleichwie 
ßpriftuä  eu$  vergeben  J)at"  2)enfet  an  bie  vielen  unb 
großen  ©ünben,  welche  bur$  ba3  33lut  3efu  getilgt  ftnb,  bann 
werbet  t£r  eucf>  nidpt  weigern,  eurem  Vlätyftm  gerne  $u  ver* 
geben,  wenn  ipr  um  $lage  wiber  t^n  Ijabt  3f>r  werbet  ilnn 
»ergeben,  eingeben?  ber  SOßorte  eure$  (£rlofer$:  ,,©o  ijjr  ben 
9tt enf  et) en  i£re  ge$>ler  vergebet,  fo  wirb  euej)  euer 
pimmlifcj>er  SBa t er  aud)  vergeben;  fo  i£r  aber  ben 
9ttenfc$en  t^re  genfer  nic$t  vergebet,  wirb  eu$ 
eu*rS3ater  eure  gelter  auefj  ni$t  vergeben/'  — 
3a,  wenn  uns  bie  $erföpnli$f  eit  au$  no$  fo  fc^wer  faßt,  fo 
wirb  fte  unö  leicht,  fo  balb  wir  uns  an  bie  groge  $khe  be$ 
©efreu$igten  erinnern*  2)a  jjeißt  e6:  21$  ja,  liebfter  (£rlöfer! 
£ir  $ur  Gfyxt  unb  um  £)evnetwt(len  will  i$  gerne  vergeben 
unb  vergeffem  £u  ljaft  weit  mejjr  um  miö)  verbient,  unb  t$ 
bin  um  deinetwillen  mit  mejjr  $u  tjjun  unb  ju  leiben  fdjulbig«. 
3(1  e$  wojjl  etwas  ©rogeS,  bag  i$  armer,  fünbljafter  $?enfc$, 
ber  i$  ber  Vergebung  ber  ©ünben  täglidj) ,  ja  ftünblidj  bebarf, 
meinem  9ttit$rifkn  na$  deinem  33efe£l  ver$ei£e,  ba  i$  f$ul* 
big  bin,  mein  £eben  für  £)idj  $u  laffen?  —  2)ie  größte  ©nabe, 
bie  uns  ©Ott  erzeigt  $at,  ift  bie,  bag  @r  uns  unfere  großen, 
fäweren  unb  vielfachen  ©ünben  vergibt;  tok  foflte  nun  ber, 
bem  tiefe  ©nabe  wiberfaljren  ift,  feine  SBeränberung  an  feinem 
£er$en  empfmben?  Siefollte  berjenige3orn  galten  unb  unver* 
fitynltdj  fepn  fönnen  gegen  ben  Stapften,  gegen  welchen  ber 
große  ©Ott  allen  3orn  fahren  lieg  unb  ber  bur$  Un  Stob  ©eine* 


1141 

©ojmeS  mit  tym  tterföfjnt  tft?  —  gürwapr,  alle  biejemgen, 
weldje  glauben,  man  fönne  woljl  Jjart  unb  feinbfelig  gegen  ben 
9M#en  fepn  unb  benno$  ©nabe  unb  Vergebung  ber  ©ünben 
bei  ©Ott  Ijaben,  bte  wiffen  ni$t,  wa$  ©otteS  ©nabe  i|t  unb 
£aben  bte  füßeßtaft  berfelben  uoc$  nie  empfunben,  fonbern 
betrügen  fidj  felbft  mit  falfcfjer  Hoffnung,  2ßenn  wir  bei  ©Ott 
©nabe  I?aben  unb  bo$  unferem  9tä4)ften  jürnen  Wolfen,  fo  i(l 
e$  ebenfo,  wie  wenn  3emanb  mit  bem  Vater  in  greunbfcfaft 

leben  aber  feinen  $inbern  atte$  $u  £eib  tfmn  wollte. gerner 

fann  uns  nebft  bem  innern  3^ugnig  be$  Zeitigen  ©etfteS  nichts 
*>on  ber  Vergebung  ber  ©ünben,  *>on  ber  ^inbfc^aft  ©otteä 
unb  ber  ©emeinfdwft  3efu  (grifft  meljr  tterft$ern,  aU  eben  bie 
Verfö£nli$feit  mit  bem  9M$ften*  SQSer  feinem  -ftä^ften  gern 
unb  wittig  vergibt,  ber  tterbient  $war  bamit  bie  Vergebung  ber 
©ünben  md;t,  bo$  $at  er  eine  treffliche  2ln$etge,  baß  3efu^ 
mit  ©einem  ^eiligen  ©eift  in  feinem  £eqen  wopnt,  in  welchem 
er  ber  Vergebung  feiner  ©ünben  *>erjtc?)ert  tjt  2)ieß  fdjrieb 
Gtarl  L  ^önig  in  ©roßbrittanien  aus  feinem  ©efängmß  an 
feinen  ©o£n  mit  fefjr  nad)benfli$en  Sorten:  „Mc$,  fagt  er, 
tva$  man  mi$  behalten  lieg  unb  ify  no$  pabe,  ift  bie  3tta$t, 
benen  ^u  vergeben,  i>k  mir  $tte£  genommen  paben,  unb  ify 
banfe  ©Ott,  baß  i$  ba$  £er$  unb  ben  Sitten  |>abe,  foltf;e£  %ü 
ijmiu  3$  freue  mt$  aucfj  fo  fepr  übet  bie  ©nabe,  bie  mir 
©ott  gegeben  l?at,  als  über  SltteS,  wa$  id)  Körper  befeffen  unb 
genoffen  jjabe;  benn  ba$  ift  ein  größerer  23ewei$  ber  göttlichen 
%UU  gegen  mi$ ,  als  fonft  irgenb  ein  ©lütf  fe^n  fann."  — 
dim  fönigtic^e  $rone,  große  %Raä)tf  ^eic^tfmm  unb  £errlicfj* 
ttit  fann  au<$  ein  gottlofer  ^enfc^  jjaben,  aber  ein  tferföjmli* 
$e$  unb  liebreiches  $tx$  gegen  bie  geinbe  unb  einen  geneigten 
Sitten,  ijmen  ofjne  £eud)elei  unb  ofme  ©efud;  eitler  @$re  um 
(££rifti  Witten  $u  bienen,  lann  Sftiemanb  J)aben  als  tin  $inb 
©otteS,  baS  im  ©taube  ber  ©nabe  ift  unb  tton  Gtjmfti  ©eift' 
getrieben  wirb.  —  ©o  Utiht  eS  alfo  babei  unb  bieg  ifi  ber 
fuqe  3n£alt  *>on  bem,  was  wir  biSper  burctygegangen  Ijaben, 
baß  ber  ©laubige  notpwenbig  au$  friebltebenb  unb  fanftmü* 
t^ig  fep  muffe.  (£r  fliegt  atten  ©treit,  ift  ftttt  unb  gebulbig 
in  Siberwärtigfeit  unb  Verfolgung,  unb  befleißt  ftc$  au$,  feine 


1142 

geinbe  mit  £tek  $u  gewinnen,  dv  Ijat  ein  *>erföl)nfta;e$  £er$ 
unb  wttt  Sitten  »ergeben  unb  ttergeffen,  wa^  tjjm  $u  £eib  getrau 
werben  ift.  —  21a)  2)u  liebreicher  unb  fanftmütjjiger  £err  3efu, 
Qtb  allen  benen,  bk  fta)  £>eineS  peiligen  Samens  rüjmten,  ein 
fofa).e$  £er$ !  £>enn  son  2)ir  allein-  mug  e£  fommen,  gletfa; 
unb  53Iut  fann  e$  nic$t  geben;  gib  e$  uns  um  deiner  peiligen 
Söunben  willen!  — 

Sinroenbung* 

I.  £affetun$nunfe|>en,  wie  wir  unSbiefe£e|)re  von  bergrieb* 
fertigfeit  unb  2krföpnlicf>fei*3u  9htgen  machen  fbnnen?— i)  3«* 
erji  ift  nötpig,  bag  wir  uns  in  btefer  wichtigen  ©aa;e  abermals 
genau  prüfen;  benn  bie  £aupttugenben  ber  wahren  ©ottfeltg* 
Uit  werben  uns  barum  vorgehalten,  bafi  tx>ir  unterfua)en 
feilen,  ob  wir  fte  ana)  bei  uns  fmben,  ober  niebt?  9?un  wirb 
üfttemanb,  ber  bk  jjeutige  Seit  mit  einigem  9Zaa)ben!en  be* 
txafykt,  in  2tbrebe  aiepen,  b<x%  e$  in  biefem  galle  mit  bem  (Xpri* 
ßentjwm  überaus  fa)leä)t  jiepe.  2)aper  mug  ia)  abermals 
fagen,  baß  bte  $ira;e  unferer  £age  einem  tiefer  gleite,  ber 
mit  dornen  unb  £)tfteln  bewarfen  ift,  barunter  man  feiten  ein 
fteblia)eg  331ümlein  unb  ein  petlfameS  SMutlein  [ftnbet*  (B 
i[t  Carmen  in  allen  ©trafen,  bie  ©rojkn  unb  Gewaltigen  ber 
(Erbe  jfreiten  miteinanber  unb  erfüllen  5llleS  mit  ©lutp  unb 
531ut.  (3ur  Mt  be$  breigigjäprtgen  $rieg$0  SBte  iffe  e$ 
moglia)  ^u  glauben,  ba$  bk,  wela)e  ein  fo  graufameS  ©piel 
opne  9totjj  anfangen,  nod)  einen  a)rtftlia;en  Blutstropfen  im 
^er^en  paben.  3n  ben  ©eriajtSftuben  unb  auf  ben  9?atpjjäu* 
fern  follteman  ber  Uneinigfeit  unb  bem  Streit  abhelfen;  allein 
man  läffet  oft  ber  23oSfjeit  ifjren  SBitlem  2ftan  fann  mit  bem 
^roppeten  fagen;  „StoS  dittyt  ift  in  Sßermutp  verfeprt  unb  bie 
©erea)ttgf  eit  ift  %n  23oben  geftofen,  unb  ix>a$  ber  Uneinigfeit 
wefjren  follte,  ba$  näpret  fte/'  —  3m  geiftlia)en  ©tanbe  ift 
eö  leiber  foweit  gefommen,  ba$  baS  £er$  blutet,  wenn  man 
nur  baran  benft  £)ie  Boten  be$  griebenS  prebigen  vom  grie* 
ben,  mit  ber  Zfyat  aber  lepren  fte  ben  Unfriebem  %Jlan  ftnbet 
oft  faum  ein  $aar  ^rebiger  an  einer  $ira)e,  bte  mit  einmütpi* 
ßem  ©eifte  ba$  Söerf  beö  £errn  treiben  unb  einanber  mit 


1143 

gxeunblicpfett,  ©anftmutp  unb  £)emut£  Gelegnem    <B  tfl  ein 
©lud,  wenn  e$  nur  bei  peimtta)em  9teib  Het^t,  unb  md)t  $u 

öffentlichem,  ärgerlichem  3cmf  ausbricht* 

3m  £ctu0jknbe  tft  fooiel  53ttterfett  unb  Unoerfölmlic^feit, 
footet£aber  unb  Streit,  unb  man  ftnbet  fetten  noa)  eine£au$* 
pattung,  bann  bie  brübertidje  (Eintracht  perrfajt*  2)ie  (Aftern 
leben  entweber  unter  ftdt)  felbft  ober  mit  tpren  Sinoerwanbten 
unb  9tact)barn  m  Jetnbfajaft  unb  pflanzen  tiefe  bittere  2öur$el 
in  iprer  $inber  £er$em  Sflancpem  ftüfo  wirb  fa)on  tn  tylwt* 
tertetb  nichts  at$  ©tft  unb  ©alte  eingepflanzt,  unb  e$  gibt  feine 
33o3fjeit  ^u  erfennen,  wenn  e3  faum  rec^t  auf  ber  SQBett  ifL 
£)arin  wa$&t  e3  auc§  auf,  unb  man  wirb  fetten  erfahren,  baf* 
bie  Sugenb  angepalten  wirb,  ipren  Sollten  #x  brechen,  gefa;wetge 
benn  bag  man  jte  \vix  greunblia)feit,  $ur  griebferttgfeit,  aur 
(Sanftmut)?  unb  ©ebutb  anhält*'  Die  meinen  $tnber  pabett 
eine  £uft  caran,  anbere  ^u  beteibigen  unb  palten  e£  für  eine 
groge  Grpre,  wenn  jte  biefetben  überwältigen  fonnem  Söoper 
i ommt  es  ?  —  2öte  bie  Sitten  fingen,  awitfdjern  au<$  bte  3un* 
gern  3f*  es  ein  Söunber,  baf?  bie  Sugenb  fjeut  $u  £age  fo 
3anffüa)ttg  ift,  baj?  faft  fein  $nea)t  unb  feine  Sftagb  fiö)  mit 
einanber  vertragen  fann,  ba$  unter  £anbwerf$burfa;en, 
©otbaten,  (Stubenten  ntct)t$  als  Laufereien  unb  Raubet  t>or* 
fommen,  ba  tpnen  teiber  fepon  mit  ber  Sttuttermita)  fotdt)e  $Bo$* 
$t\i  eingeflößt  worben  tft?  (£ben  bajjer  fommt  es  aua),  bafü 
man  son  ber  geinbesttebe  nidt)t$  mepr  wiffen  will,  man  x>tx* 
gilt  gtua)  mitglua;,  Scheltwort  mit  ©Zeitwort,  unb  fua;t 
dlafyt,  tote  unb  wo  man  tarnt*  %$itk  jtimmen  jjeut  ^u  £age 
noct)  mit  bem  berüchtigten  5D?arfa)alt  oon  granfreia)  (2Mac) 
überein,  welcher  öffentlich  erflärte,  es  wäre  ipm  lieb,  wenn  er 
alle  Teufel  wiber  feine  geinbe  aufbieten  fönnte*  SBtele  folgen 
bem  Gtarbanus,  ber  tn  einem  befonbern  53uc^e  ben  SRaty  gab: 
man  muffe  aua;  eine  geringe  SMeibigung  ftreng  rächen,  bo^ 
fo,  bag  man  niept  merlen  laffe,  was  man  im  (Sinne  pabe, 
man  müf  e  fta)  gegen  feinen  geinb  freunbtic^  ftelten ,  unb  tym 
fogar  einige  £)ienfte  erWeifen,  um  babura)  eine  beffere  ©etegenpeit 
gur  9?acpe  $u  befommen,  ja  man  muffe  feinen  geinb  ni$t 
eper  wiffen  taffen,  ba$  man  ij>m  feinb  fep,  aU  ti$  man  ©ete* 


1144 

genpett  gefunden  $töt,  $$  an  iljm  $u  rächen,  —  80  tx$tyi 
man,  bag  Swti  auf  einem  ©a)iffe  gewefen  fepen,  bte  einanber 
feinb  waren*  %U  nun  baS  @ä)iff  tn  ©efajjr  fam  unb  ber  (Eine 
auf  bem  23orbertfjeil,  ber  Rubere  auf  bem  £intcrtfiei(  beffelben 
bei  bem  ©teuermann  fa§,  fragte  er  benfefben,  wela)er  £{jert 
be3  @a)iffe3  £uerf*  untergeben  würbe?  £)a  btefer  antwortete: 
ba$  $orbere,  fujjr  Jener  fort:  nun  ja,  ft  will  ia)  Q^n  ertrinfen, 
wenn  ia)  nur  meinen  Jeinb  ^uerft  untergeben  fef>e*  —  Seilet, 
wie  oerftocft  ba3  menfa)lia)e  £era  werben  fann,  wenn  e$  bem 
©atan  D^aum  gibt!  —  9hm,  meine  Triften,  fel)et  wofjt  $u, 
tt>k  euer  £er$  befa)affen  fep,  unb  in  welkem  3«ftanb  ijjr  eua) 
befmbet,  ob  ijjr,  wie.euer  (ürrtöfer,  fanftmütljig,  freunblta),  ge* 
bulbig,  friebfertig  unb  serfolmtia)  fe^b,  ober  ob  i£r  in  £aber 
unb  ©treit  lebet  unb  bem  ©atan  bienet?  2Ia)tet  ja  ein  $anf* 
füa)tige$,  bittere^  $er^  nia)t  gering,  weil  bie  <Sa)rift  3wits 
iraa)t  unb  £afj  unter  bie  2Berfe  be£  gteifa)e3  rennet  unb  au&* 
fcrücflia)  fagt,  biejenigcn,  wela)e  fofa)e$  tjun,  werben  ba$  SRtify 
®ottt$  nia)t  ererben*  —  ©er  ftebreia)e  £eitanb  unb  ber  ©a* 
tan  fonnen  nia)t  sugfeia)  in  Einern  |)cqen  wofmen,  ebenfo  wenig 
fann  ber  wapre  ©taube  neben  ber  Unserföj)ntia)feit  beftepen* 
3a;  felje  aua)  nia)t  ein,  wie  fia)  ein  ^anffüdjtiger  Sttenfa)  £off* 
«ung  $ur  ©etigfeit  maa)en  frmn,  er  betäubt  fta)  ja  feloft  aller 
Qtttttel,  ba^u  ^u  gelangen*  —  SM  er  fta)  feiner  £aufe  trtfßen, 
fo  fyat  ja  ber  £aufbunb  unter  anbern  aua)  bielBebingung,  bafj 
wir  bem  Teufel  unb  allen  feinen  2Ser!en  unb  2Befen  abfageu* 
9hm  gehört  aber  ju  ben  Werfen  be6  £eufef$  and;  bie  geinb* 
feltgfeit  unb  ein  mtoerfoi)nfid)er  ©t'mt*  28a6  £ttft  es,  baß  ein 
(Stamm  früher  mit  einem  eblen  9?etß  befe£t  war,  ba£  nun 
fclngf.  «oerborrt  tft  unb  wilben  Reifem  $la0  gemaa)t  fyat?  2Sa$ 
ptTft  e$,  wenn  ber  9#enfa)  swar  auf  d^riftum  getauft,  naa)j)er 
aber  son  Gjmfto  abtrünnig  geworben  ift  unb  3fm  bura)  mutlj* 
Willige  ©ünben  aus  bem  £er$en  geftoßen  fwt?  bleibet  in 
Sftir,  fagt  ber  ^err1,  unb  3a)  in  eua);  wer  nia)t  in  93?ir 
bleibet,  ber  wirb  weggeworfen  wie  eine  ^ebe  unb 
^erborret,  unb  man  fammelt  fie  unb  wirft  fie  in$ 
geuer,  unb  muß  brennen*  —  Sötll  fta)  ber  Ihwerfofmf  ia)e 
auf  fein  (Bebet  serfaffen,  fo  wiffe  er,  bafj  unfer  £etlanb  fagte: 


1145 

SBenn  ipt  pe^et  unb  betet,  fo  »ergebet,  wenn  tjr, 
etwas  wiber3emanb  $abt,  aufbagaucl)  euer  %a* 
ter  im  £tmmef  eu$  »ergebe  :c.  9ttitljin  bleibt  ber  £im* 
tuet  benen  »erfdtfoffen ,  bte  tf)r£er$  gegen  ben  9M#en  »er* 
fölteßem  —  SM  ein  6otcber  ©otteS  Söori  $ftqt  ober  lefen 
unb£roj*  barauS  fcf)ö>fen,  fo  vt>trt>  t£m  entgegenkamen:  3 um 
©otHofenfprt<$t©ott,  was  »erfünbigft  bu  meine 
*Kea;teunb  ntmmj*  deinen  ©unb  in  beinen$?unb, 
fo  bu  bod)  3ud)t  paffeft  unb  wirfft  Steine  Sporte 
pinterbi^?  deinen  Sttunb  Iäffefl  bu©öfeS  reben 
unb  beine  3unge  txtiht  galfc$peit,  hu  ftfcefi  unb 
rebeft  wiber  beinen  ©ruber  unb  beiner  Butter 
@opn  »erläumbef*  bu?  ©otteS  äöort  Jat  feinen  £roft, 
att  für  bte  ©unfertigen/  —  2M  ber  £ar$er$tge  beteten,  fo 
ftept  i£m  btö  2Bort3efu  entgegen:  „2Benn  bu  beine  &aht 
auf  bem  SlUar  opferft  unb  wirft  allba  eingebenf, 
baf}betn©ruber  etwaSgegenbiä)!)  ah  e,  fo  lag  all* 
ba  »or  bemSUtar  beine@abeunb  ge|>e  ^u»or  Ijin 
unb  »erfö^ne  t>ify  mit  beinern  ©ruber  k."  —  2öitC 
er  $um  jjeiL  Stbenbm'aijt  gejjen,  fo  bebenfe  er,  ba$  Paulus  atfe 
bie  für  unwürbtg  erflärt,  welche  mit  $eracf)tung  if>reS  -ftädj* 
fien  unb  in  Uneintgfett  fn'n^ugeben,  —  SBtft  er  jt$  cnbltcf)  beS 
Zotet  3efu  getröften,  fo  ift  offenbar,  baff  3efuS  am  $reu$e 
nod)  für  ©eine  geinbe  gebeten  unb  6eme  2Ume  auSgeftretft 
£at,  um  uns  2lße  in  6etne  Ziehe  etn$ufc$fteffem    2öer  nun 
J>ie$u  feine  Suji  fwt,  fonbern  mun»erfo£nti<#em  £ag  gegen  feine 
sjflttdjrtften  lebt,  wie  fann  ber  ftdj  feinet  <£rlöferg  tröften? 
2Bte  fann  baS  ©lut  beS  SofjneS  ©oiteS,  baS  aus  %khc  »er* 
goffen  würbe,  einem  tteblofen  £er$en  ^u  gut  fommen?  —  gür* 
wa£r  ein  ttebfofeS  $tx$  ift  eine  Söojwung  beS  SatanS,  eine 
»ergiftete  Duette,  bte  atfeS  unfru^tbar  ma$t,  unb  wer  mit 
bem  «Satan  in  ©emetnfd;aft  Uhm  MiU,  ber  mug  bie  ©emetnf^aft 
beS  £erm  3efu  fahren  raffen  unb  fjat  nichts  als  bie  Ungnabe 
©otteS  $u  erwarten* 

23  £>arum  meine  hieben  ^te^et  an  als  bie  2lu$erwältftett 
©otteS  greunblt^feit,  2)emut£,  6anftmutjj,  ©ebulb,  raffet  ben 
^rieben  ©otteö  in  euren  £er$en  regieren  unb  faffet  bie  Sorte 


1146 

eures  (£rlofer$  meljr  gelten  aU  be$  Satans Söort*  3efuS  ruft: 
„kernet  vonüftir,  bennS^binfanftmütljtg  unb von 
^er^en  bemütlHg*  Qitltt  tuty  untereinander;  ver* 
gebet,  fo  wirb  eua)  vergeben!"  2)iefer  aber:  Raffet eua), 
$anfet  eua),  rda)et  eua)!  —  ©leia)wie  3ofe$j  feinen  trübem 
fagte,  ttU  er  jte  entlieg:  Saufet  nta)t  ;,iteinanber  auf 
beut  SBege;  —  alfo  auä)  unfer  £err+  £>ieff  müpfelige  unb 
betrübte  £eben  £at  cfmepin  fo  viel  9Rot£,   (Etenb,  ©orgen 
unb  Wltyc,  baß  wir  uns  baffelbe  nia)t  noa)  mepr  verbittern 
fotften.  (£in  3eber  £at  feine  Cafi;  biefe  laffet  uns  einanber  tragen 
Reifen,  laffet  uns  einanber  forthelfen  nnb  niä)t  betrüben*  2Bir 
Sltfe  ftnb  ^inber  (£ineS  $aterS,  ftnb  treuer  erlauft  unb  jjaben 
(Einerlei  Hoffnung;  barum  laffet  uns,  fo  lange  wir  noa)  auf 
bemSBege  ftnb,  einig  fe^n,  ben  grieben  fna)en  unb  il?m  naa)jia* 
gen.    Raffet  uns  einmütpig  mit  Einern  Sttnnbe  lo* 
ben©ottunbben23aterunferS£errn3efuGtlJrtfti 
unb  uns  untereinanber  aufnehmen,  C^iner  begegne 
bem  Slnbern  mit  greunblia)feit  unb  ©anftmutp,  (£mer  fa)ließe 
ben  2lnbern  in  fein  Qbtbtt,  ja  in  fein  ^er^  tin,  diim  tjabe  mit 
bem  5lnbern  ©ebulb)  gleichwie  (££riftuS  uns  aufge* 
nommem  pat  ju  ©otteS  £ob. 

IL  äöeil  eS  aber  nnferem  gTeifä)  unb  23lnt  fo  fa)Wer 
anfommt,  bem  ^rieben  naa^ujagen,  befonberS  wenn  ber  9^äa;fte 
anberS  geftnnt  tft,  unb  eine  SSeranlaffung  nm  bk  anbere  ^ur 
Uneinigfeit  gibt,  fo  wollen  wir  einige  Mittel  angeben,  wela)e 
unfere  $er^en  im  ^rieben  bewahren  fönnen.  a)  3uerft  ifi  eS 
von  großem  9ht#en,  t>a$  ber  9ttenfo)  auf  fta)  felbft  fteijng2ia)t  fyabe, 
ob  er  pm  3orn  geneigt  fep  ober  nia)t,  bamit  er  biefen  gejjler 
mit  Derbem  ®ehet  beftreiten  unb  fta)  mit  erneuertem  93or* 
fa§  bagegen  waffnen  möge,  2)enn  wo  Ue  geftung  am  fa)wda> 
ften  ift,  unb  wo  man  glaubt,  baf?  ber  Jeinb  ben  (Mrfften  2ln* 
griff  maä)en  werbe,  ba  muß  man  am  fleißigften  waa)en  unb  fta) 
^ur  ©egenweljr  anfa)icfen*  Stiele  jjdtten  fdjon  Idngjl  ipren 
3d^orn  überwunben,  wenn  jte  ijjn  für  eine  @ünbe  gepalten 
unb  fta)  in  ftetem  $ampf  bagegen  gefegt  Ratten.  Willem  Uc 
Reiften  meinen,  weil  fte  unb  i>k  3£rigen  feS  fa)on  gewohnt 
fepen,  fo  muffe  eS  ©Ott  aua)  gewohnt  fe^n>  mit  tpnen  bie 


1147 

3£rigen  ober  auö;  grembe  tljreS  ©tanbeS  ober  Vermögens 
wegen  Sitten  $u  gut  Ratten,  fo  muffe  eS  ber  £oa)f*e  aua)  tljmu 
©abura)  werben  fte  ftcber  unb  adjten  nid;t  barauf,  ob  fte  glet# 
|>äuftg  ffaa)en  unb  freiten.  —  3Q3illft  bu  alfo  ben  Anfang  auf 
©anftmutl)  unb  greunblid;fett  machen,  fo  mugt  bu  ben  Sfy* 
30m  für  ©ünbe  Ratten  unb  bia;  bemfelben  mit  allem  Gmtft  xoU 
berfegen*  —  bj  gerner  ift  nötljig,  bag  man  ntä)t  a^tet 
auf  ft 4>  felbft  Ijalte,  aud)  fta;  nta)t  felbfl:  in  allen  2Mngen 
9?ed)t,  bem  9?d#en  aber  Unrea)t  gebe»  ©ar  viel  3cmf  unb 
(streit  fommt  bafjer,  bag  mancher  2ttenfd;  glaubt,  Rubere  müf* 
fen  wojrt  etwas  »on  if?m  leiben,  er  aber  bürfe  ftd)  nia)tS  gefall 
len  (äffen*  2ötr  glauben  feine  <Sa)ulb  au  paben,  wenn  wir  mit 
3emanb  uneinS  werben,  fonberit  fä)teben  alles  auf  anbere  %tutt. 
£>iefe  jtnb  in  unfern  Hugen  wunberltd;,  ^anfifa),  feinbfelig  unb 
laben  bieg  unb  jenes  getrau*  51a; !  fagen  wir,  wir  würben  fein 
$tnb  beleibigen,  wenn  man  uns  nur  aufrieben  liege  :c*  —  2)ief5 
ift  eine  gefährliche  <&ad)t,  ;bie  mtö  (£igennu§  unb  £od?mutlj 
fjerrüprt  unb  nichts  als  <3ic$er£eit  unb  ttoerfol?nlta;feit  naa) 
fta;  aiejrt*  —  £er  wa£re  (£{>rift  muß  in  feiner  eigenen  @aa)e 
lieber  wiber  ffd)  als  für  fta;  fpredjen  unb  W  Urfadje  beS 
<&txät$  nia)t  fowojjl  M  5lnbern  als  in  feinem  eigenen  tterberb* 
ten  £eraen  fua)em  2öenn  ein  Söaffer  f  tax  ift,  f  0  f  ann  man  eS  lange 
fdjütteln,  e|>e  eS  trübe  wirb;  J)qt  eS  aber  *>iel  ©a)lamm  auf  bem 
©runb,  fo  madjt  bie  geringfte  Bewegung  baffelbe  trübe*  Eben* 
fo  ift  es  mit  unferem  £er$en;  wäre  eS  lauter  in  ber  %kU  3e* 
fu,  fo  würbe  eS  fta;  nia;t  fo  leia;t  aufbringen  laffen,  weil  eS 
aber  $oll  Eigenliebe,  £offart  unb  33oSj)eit  ift,  fo  fann  man  eS 
leia)t  erregen*  ©agen  wir :  wir  würben  fein  $inb  beleibigen, 
wenn  man  uns  im  ^rieben  liege,  fo  Ijetgt  ba,S  eben  fomel,  als 
wenn  wir  fagten:  wir  wollten  gerne  gebulbig  fepn,  wenn  uns 
©ott  nur  fein  $reua  aufa)icfte,  wir  wollten  gerne  vergnügt 
fep,  wenn  wir  nur  btn  53eutel,  ben  23oben  unb  Heller  »oll 
Ratten*  —  £)ie  a;riftlid;e  ©anftmutfj  aber  ift  nia)t  au  erfennen, 
wenn  man  fte  aufrieben  läffet,  fonbern  erft  bann  wenn  fte  ge* 
reiat  wirb  unb  fta;  boa)  nia)t  aufbringen  läffet*  —  2öenn  tt>ix 
beS  9laa)tS  mübe  ftnb  unb  bie  5lugen  anfangen  bunfel  au  wer* 
ben,  fo  aeigt  fta)  um  baS  £ia)t  an  gewiffer  $retS,  ber  jebett 


1148 

2lugenblt<f  ftärfer  wirb*  SRan^er  möchte  nun  barauf  f($wö* 
ren:  3Me  £)unfelfmt  unb  ber  $rei£  fep  hm  ßic§t  unb  nt^t  m 
feinen  2Iugen,  wc^renb  bo$  bloS  ba$  Regiere  ber  gatl  tft  60 
ge^t  e$  un$  oft,  wenn  wir  mit  unferem  9lätyfon  in  3wietrac$t 
geraden,  e$  bünft  uns  immer,  hit  ©cfmlb  liege  ni$t  an  un$, 
fonbern  an  unferem  Sftätfjften,  wäjjrenb  bie  Eigenliebe  madjt, 
tag  wir  unrichtig  urteilen*  —  3$  !?abe  gefe|>en,  ba£  ein 
£unb  fein  eigenes  33ilb  im  ©pieget  anbellte,  unb  baff  felbft  ein 
33oget,  ber  im  Stmmcv  herumflog,  jt$  jträubte,  wenn  er  an 
t>tn  ©piegel  f  am ,  aU  wollte  er  mit  bem  anbern  ftreiten, 
ber  ftdj  haxin  fe^en  lief»  ©0  gef)t  e$  uns  armen  9ttenfd;en 
manchmal  au<$,  wir  erzürnen  uns  unb  meinen,  5lnbere  geben 
im$  re^tmägigeUrfac^eba^u,  babo$  wir  felbß©$ulb  baran  ftnb, 
mit  wir  unferem  Eigenftnn  $u  siel  nad;j)ängen*  —  2Ber  jtd) 
alfo  ©anftmutj?  unb  grieb  fertigfeit  aneignen  Witt,  ber  fange 
Sei  fuf  felbjt  an,  unb  traute  barna^,  bafj  er  burd)  ©otteä 
©nabe  fein  eigen  #er$  bedingen  möge*  —  2Benn  er  ft$  felbft 
überwunben  l)at,  fo  wirb  er  alles  anbere  überwinben  fönnen; 
trenn  unfer  £er$  weiß,  baß  eS  bä  uns  feinen  ©d)u£  ftnbet,  fo 
wirb  es  ftdj  um  fo  ejjer  $ur  ©anftmutf)  bequemen  unb  grieben 
galten,  c)  Ein  weiteres?  Mittel  aur  griebferttgfeit  $u  getane 
gen  ift,  b  a  ß  w  ir  ur^  3 u e rft  bei  unfern  £> a  u $ g e n of* 
fen  unb  Untergebenen  in  ber  ©auf tmut£  üben,  ba* 
mit  wir  ftc  bei  gremben  unb  ©leicf)geftellten  um  fo  leidjter  in 
Slnwenbung  bringen  mögen.  SBenn  uns  oon  unferem  Efje* 
chatten,  *>on  unfern  ^inbern  ober  »on  unferem  ©eftnbe  etwas 
SBibrigeS  begegnet,  fo  fetten  wir  unfern  3orn  nicf)t  an  ijjnen 
auslasen,  fonbern  bebenfen,  baß  ber  (£j?rift  allenthalben  unb 
bei  Tillen,  au  £anfe  wie  braußen  fanfimütjjig ,  freunbli^  unb 
gebulbig  fep  muffe,  er  fann  $war  ftrafen,  was  Unrecht  i%  aber 
oljne  au  ftürmen,  ju  fluchen  unb  ^u  freiten»  2)aburc$  gibt  er 
hen  ©einigen  ein  gutes  SBeifpiet  unb  rietet  oft  mit  ernften 
aber  bur$  Ziebe  gemäßigten  Ermahnungen  mej>r  aus ,  als  ein 
Slnberer  bur$  ttiel  glucken  unb  ©gelten;  ferner  gewöhnt  er  ft$ 
baran,  bergteidjenaud)  bei  Slnbern  jutjuuu  — d)  53 ei  g^rtn* 
gen  fingen  muß  man  anfangen  feine  ©anftmut£ 
$  u  b  e  w  e  i  f  e  n :  SBenn  man  $♦  $3*  allein  ift  unb  tint  geber  ober 


1149 

trgenb  ein  2Berf$eug  ift  ni<$t  na$  unferem  Sinn,  fo  fetten  wir 
vm$  ni$t  gleitf  barüber  ärgern,  fonbern  bie<5a$e  mit  (Maf* 
fenjjeit  ändern  ober  serbeffern*  23eftetten  wix  irgenb  etroa^  in 
unferem  £aufe  unb  e$  wirb  sergeffen,  geben  wix  3emanb  eia 
©laöjum  Peinigen,  unb  e3  wirb  verflogen,  fojfen  wix  fonji 
etwas  tfmn,  unb  eS  wirb  serborben,  fo  muffen  nur  an  unfere 
(Sfjrtftenpfltc^t  benfett  unb  bei  folgen  (Megenl)eitert  lernen, 
wie  wir  uns  in  anbern  fingen  betragen  fotten,  bie  »on  großem 
rer  SBtcfytigfeit  ftnb.  —  <&o  wirb  t>on  95£tftpp  II.  töm'g  *>on 
©ganten  eqajjlt,  ba$  er  einft  bt6  fpät  in  bie  Sftadjt  einen 
wichtigen  Srtef  an  ben  $abft  getrieben  babe»  21(3  er  bamit 
fertig  war,  gab  er  ijm  feinem  ©efretär  ^um  ©iegelm  tiefer 
wottte  tpn  sor^er  mit  @anb  beftreuen,  ergriff  aber  in  feiner 
©dtfäfrigfeit  ba$  Tintenfaß  unb  »erberbte  bamit  ben  ganzen 
S3rtef*  2)er  ©efreiär  würbe  leichenblaß  x>ox  2lngft,  ber  $önt<$ 
aber  fagte  ojjne  irgenb  einen  3orn:  gib  mir  ein  anbereä  Rapier, 
bann  fegte  er  ftcr;  wieber  £in  unb  fdjrieb  aufä  neue*  —  9te* 
ben  biefem  33etfptel  uon  einem  tylonaxfym  mag  au$  no$  $>a$ 
t>on  einem  unangefe  Jenen  alten  Spanne  flehen*  33orbeffen£au$ 
nämli$  Ratten  ^inber  ijjren  ©pielplag  unb  trieben  ijjren 
Wlüfywittzn.  (Ein  33efannter  gab  bem  Eliten  t>m  diafy:  er 
fotte  biefen  Unfug  abfd;affen*  (ix  aber  antwortete :  wenn  idj 
tiefe  33ef$werbe  t>on  ^inbern  ntcf)t  bulben  wiU,  wk  werbe  t$ 
größere  £>rangfale  leiben  lönnen?  —  —  e)©obalb  ftcr) 
ber3ombeiunögeigenwin,  müffenwirbemfelben 
mit  aller  ^raft  wiberftefjen.  2ötrb  unö  in  einer  ©e* 
fettf^aft  2tnlaß  jum  3orn  gegeben,  fo  ift  ratjjfam,  baß  wir 
fdjmett  weggeben,  um  S^it  unb  D^aum  ^u  gewinnen,  $u  ©Ott  $u 
feuften,  jtet;  $u  befmnen  unb  einen  guten  2Sorfag  p  faffen.  — 
2)er  SBcItwetfe  Sltpenobor  gab  bem  $aifer  Huguftuö  Ui  fei* 
nem  5lbfc^ieb  ben  SRatlj:  wenn  er  ftcr;  über  (Etwaä  erzürne,  fo 
fotte  er  fo  lange  ntct)tS  fagen  ober  tjwn,  hi$  er  ftcf  3^it  genom* 
men  £abe,  bie  24  25uct)ftaben  be$  2llpljabet$  Jjequfagen,  bann 
werbe  er  ftc^  nia)t  ttom3orn  übermannen  laffen,  fonbern  ftd) 
um  fo  beffer  beftnnen  lönnen.  GEbenfo  gab  ein  $trct;em>ater 
fcen  ^atjj:  wenn  ein  Gtljrift  ftcr;  erzürne,  fo  fotte  er  e£er  nichts 
»ernennten,  aU  M$  er  t>tö  SBater  Unfer  gebetet  pabe*   Q£$  ift 


1150 

aber  aud)  gut,  wenn  man  fta)  atebalb  an  tte  Siebe  unb  £ang* 
mutp  ®otte$  erinnert  unb  au  fta)  felbft  fagt:  warum  willft  tot 
bt^  über  einen  fo  geringen  ©egenftanb  erzürnen,  ba  bir  Mn 
®ott  x>kl  größere  unb  wichtigere  Vorfälle  au  gut  jjält  unb  bia)  mit 
fo  *>iel©a)onung  beijanbelt?  £>  warum  wollen  wir  arme  3tten* 
fä)en  mel  mit  einanber  pabern  unb  acuten,  £)er  im  Fimmel 
woljnt  unb  £>em  wir,  wenn  dx  mit  unö  rechten  wollte  auf  tau* 
fenb  tttc^t  @ine£  antworten  fönnten,  ber  fyätte  Urfaa)e  au  aür* 
neu*  —  gerner  muß  man  fein  £era  fogleia)  auf  Sefum,  ben 
©elreuaigten  richten  unb  fta)  baran  erinnern,  mit  welcher  @e* 
bulb  (£r  bie  23o3f>ett  ©einer  geinbe  erlitten  unb  unter  ben  £o* 
be$fa)meraen  noa)  für  fte  gebetet  jjat  SSenn  uns  tiefer  rea)t 
im  £eraen  tft,  fo  mu$  aller  Born  unb  $a$  alSbalb  oerfa)win* 
ben!  —  2)a$,  wa$  uns  auwiber  gefo)tefjt,  muffen  wir  nia)t 
lange,  wk  eine  bittere  fiüc  im  SDhmbe  —  in  ©ebanfen  —  be* 
Ratten,  fonbern  wir  follen  e3  un$  fobalb  aU  möglia)  au£  bem 
©inne  fä)lagen  unb  un$  anbern  ©ebanfen  Eingeben*  9J?an  mufj 
ma)t  fagen:  fotlte  ta)  mir  ba$  oon  einem  fo  fd)tea)ten^enfa)en 
gefallen  Haffen  :c* ,  follte  ia)  fola)e  ©tia)reben  unb  ©tt)mctl)utt* 
gen  nur  fo  Ji>inne{jmen  ?  Sftein,  wir  folltcn  ttielmeljr  bei  uns 
felbfi  fprea)en:  wollen  wir  um  einer  fola)en  Urfaa)e  willen  bte 
*ftu|>e  unferer  ©eele  ftören,  ober  um  eineg  wiberlia)en  Sßorteö 
willen  bem  ©atan  unfer  £era  öffnen?  $at  nia)t  unfer  (Erlöfer 
mit  mejjr  leiben  muffen  unb  bennoa)  für  ©eine  geinbe  gebe* 
tet  :c*?  —  25or  Willem  aber  muf  man  barnaa)  trauten,  bafj 
ber  3wn  feinen  Sftaum  in  unferem  £eraen  ftnbe ,  fonbern  fo* 
gleio)  wieber  au$  bemfelben  entfernt  werbe*  £aff  et  bie  ©on* 
n  e  ni  a)  t  üb  er  eurem  3  orn  untergeben;  fagt  ber  2tyofiel* 
2Der3orn  ij*  tok  ein  geinb,  ber  eine  ©tabt  überrumpelt  tjat, 
unb  fta)  um  fo  mejir  barin  feftfe^t,  je  mejjr  er  Stit  baau  l)at* 
£afjer  ift  nid)ts  beffer,  al$  bag  man  benfelben  fofort  wieber 
barauS  »ertreibe* 

III.  Saffet  un$  nun  aua)  lernen,  warum  wir  ttit 
geinbe  lieben  unb  i^ren  ^Beleibigungen  mit 
©anftmut^  begegnen  folten?  2Ötr  fiaben  früper  fa)on 
auf  bie  Sorte  unfereS  ^eilanbe^  aufmerffam  gemad)t:  „Sie* 
frei  eure  getnbe,  fegnet,  bie  eua)  flua)en2c*"  2Ber 


1151 

olfo  cm  wahrer  9to$fofger  be$  £errn  \%  ber  wirb  tiefen  au$* 
brütfftc^en  23efe|>f  ntdjt  *>era$ten,  tt)te  bte  metften  (£fmften 
unferer  £age,  bte  ftdj  fo  wenig  baratt  feiert,  afö  fe^en  biefe 
SOßorte  gar  nidjt  sorljanben,  ober  aU  jjätten  fte  einen  greibrief 
ermatten,  guttun,  was  fte  soften,  £)iefe  benfen  nicf>t  baran, 
bag  SefuS  ©eine  33ergprebigt,  in  weiter  bie  geinbeSliebe  oor* 
fommt,  atfo  fcpefit'  „SSer  biefe  9fteine  9$ebe  pört  unb 
tput  fie,  ben  »er gleich e  idj  mit  einem  Hu  gen  $?an* 
ne,  ber  fein  £ciu$  anfeinen  gelfen  baute  kJ'-  £)ber: 
wer  Steine  ©ebote  pat  unb  £ alt  fie,  ber  tft%  ber 
?Wi^  tiefet/'  —  SSeil  aber  au$  bieg  nnferem  gfetf$  unb 
IBtut  anwiber  %%  fo  wollen  tt)ir  abermals  einige  Mittel  angeben, 
wie  man  ba^u  gelangen  fönne*  1)  55ebenfet,  bageu$9Memanb 
oJjne©otte$l?eit.$at!?unb^inenbeleibigenfann*2)ieg 
erfannte  %  23*  2)aoib  m%  üU  ©imei  i£m  flutte.  Raffet  ifm 
fluten,  fagte  er,  ber  £err  ))M  tfm  ge^eiffen,  ber  £err  f>at 
bieg  über  m§  »errängt,  dx  jjat  e£  augelaffen,  baf?  auefj  biefe 
Prüfung  über  mtdj  ergeben  fotfte*  3n  einer  anbern  ©teile  fagt 
2)aoib:  „3$  wiü  fdjweigen  unb  meinen  9D?unb  nt$t 
auftljun;  benn£)u  JjajH  getljan*  3$  muß  ba$  fei* 
ben;  bie  rechte  £anb  beä  £errn  lann  %IU$  an* 
bem"  —  Unfer  £etlanb  fefbf!  fprtdjt:  „SSerfauftman 
nicfjt  fünf  ©perftnge  umawei  Pfennige?  Unb  bodj 
tfl$or©ott  fetner  berfetben  »ergeffeiu  2lucf)  bie 
£aare  auf  eurem  Raupte  finb  g e a ä ^ r 1 2c."  Unb  au 
ber  ©$aar,  bte  gefommen  war,  3|n  gefangen  iu  nehmen,  fagte 
&i  „3$  bin  täglich  bei  euef)  im  £empef  gewefen 
unb  tfjr  Jabt  feine  p an b  an  50? ify  gelegt;  aber  bt'ej? 
tfteure©tunbe  unb  bit  Wlafyt  ber  ginfternif?*"  — 
jDemnacl)  gef$ief>t  eS  atfo  ntc^t  son  Ungefähr,  wenn  ber  grom* 
me  t>on  böfen  Sfftenfdjen  angetaftet,  hztvübt  unb  gefcjmtdfjt  unb 
getäftert  wirb.  £)enn  ber  £err  faßt  ben  ©ottlofen  dm  3ett* 
fang  ifjren  Sötllen,  bamit  baS  £er$  ©einer  ©laubigen  offenbar, 
t^re  6anftmut£  unb  ©ebulb  bewährt  unb  if?r  Vertrauen  an3fmt 
geftärft  werben  möge*  £>arum  muffen  wir  nic^t  fowojjt  auf 
bie  Stoffen  fe£en,  bie  uns  befeibigen,  aU  oielmefjr  auf  ©ott, 
ber  e$  jugef  äffen  $at;  wir  follen  ni$t  fowoljl  t>k  23o$£eit  ber 


1152 

'  geinbe  aU  ttielmepr  bte  SBaterliebe  ©otteS  au  £er$en  nehmen, 
Ut  barunter  verborgen  ift  unb  nidjtS  att  unfer  53epeö  fuc$t  — 
Söenn  ber  2lqt  einem  Traufen  eine  h'ttere  Hqnei  serorbnet, 
fo  lägt  e$  ftd)  tiefer  gefallen,  weif  er  wetfi,  bag  baburcfj  feine 
Oefunbpctt  lieber  fjergeftetft  werben  fotf;  ebenfo  jjat  ©Ott 
eine  gute  2lbftd)t  babei,  wenn  er  ung  in  geinbeg  £änbe  ge* 
tatpen  (äffet,  unb  wir  werben  ei  am  (£nbe  erfahren,  bag  be* 
nen,  bte  ©ott  lieben,  atte  Singe  $um  heften  bienen  müffem  — 
Sie  geinbe  ftnb  unö  öftere  mef  nü£li$er  als  bie  greunbe, 
2)enn  biefe  rebenmeiftenS,  wag  wir  gerne  pren,  serpinbern  un£ 
Ine  unb  ba  an  ber  Uebung  ber  ©ottfeltgfeit,  pe^ten  uns  man* 
dje  gute  ©tunbe  unb  verleiten  un6  p  weltlicher  greube*  Unfere 
getnbe  aber  reben,  wag  wir  ni$t  gerne  pören,  fagen  un$  oft 
bie  3Q5aü>rfmt,  werfen  un3  unfere  geiler  vox,  bie  wir  an 
un3  felbft  nt$t  wahrgenommen  jjaben  unb  bie  uns  au$  fonfi 
9tfemanb  entbecft  $äüt+  ©ie  jjabcn  genau  2l$t  auf  unfern 
Sßanbef,  lehren  un3  *>orftc|)tig  unb  befmtfam  fepn,  ja  fte  treiben 
un$  ^u  ©Ott,  machen  uns  bk  SBelt  Htter  unb  ben  Fimmel 
füge*  ©te  nötigen  un£  ^um  ©ekt,  machen  un$  ba$  2Bort 
©otteö  rec$t  lie^  unb  weitp  unb  beförbem  alfo  wiber  SBtffen 
unbSÖBitfen  unfere  3 eitlicfye  unb  ewige  SSojrtfaprt*  —  21$,  wie  oft 
würben  wir  an  ber  2Mt  unb  i^rer  SKkife  ©efatten  jtnben, 
Wenn  un$  biefelbe  ni$t  na$  ©otteö  SBiKen  manchen  jjerben 
Siffen  barbieten  unb  i£re  £ücf e  an  un3  beweif en  würbe !  <£$ 
^  für  ben  Gtjmften  siel  (teuerer  mit  ber  feinbfeligen,  aU  mit 
$er  freunbli^en  2öeft  $u  serfeprem  Selig  ijt  ber,  welkem  t>k 
2Belt:|tcf>felbfi verleibet !  — 2Benn  bie  @c()tff(eute  guten  SBrnb  Jja* 
$en  unb  son  feiner  ©efajjr  etwas  wiffen,  fo  fc^eqen,  lachen  unb 
fpielen$e;  ift  aber  ba$  5EReer  ungeftümm,  unb  fommen  fte  in 
©efapr <©#tff&ru$  $u  leiben,  fo  feuften  unb  beten  fte»  ©0  ge* 
Jet  £$  mit  unö  Triften  au$,  wenn  bie  2öelt  un$  fcpmeidjeft, 
fo  (äffen  «wir  un$  ejjer  verleiten  unfere  £<mftenpflic$t  $u  tter* 
fäumeny  >a&  wenn  fte  uns  fc^tlt  unb  fcfmtäljek  — @$  fann  fem- 
$>o(5  ober  unbehauener  (Stein  jum  ^ierlic^en  ^öilbe  unb  fein 
<3tücf  ©Über  3U  einem  ^erli^en  $ofal  werben,  wenn  e$  ni^t 
gedämmert,  gefeilt  unb  zugerichtet  wirb*  ^benfo  fann  aufy 
ji«f«er  g(eif$  unb  &lut  nic^t  beffer  3um  ©e^orfam  ^rifii 


1153 

gebraut  werben,  aU  wenn  unö  ©Ott  burcp  feinbfelige  9ttenfcpen 
Gearbeitet  unb  naa)  feinem  SBillen  geftaltet—  SQBenn  wir  nun  211* 
le£  biefü  wopl  erwägen  unbunferegeinbefitrSGSer^euge  bergncU 
bigen  SBorfepung  palten,  woburcp  ft e  unfer  23efte3  beförbert; 
warum  wollten  wir  biefelben  nia)t  lieben,  fte  fernen,  ipnen  ©u* 
ieä  tpun  unb  für  tpre  ^eitlicpe  unb  ewige  SBoplfaprt  beten?  — 
2)  2)enfet  ferner  an  eud)  felbft,  meine  hieben,  unb  wie 
fepr  ipr  verpflichtet  fepb,  euren  geinben  mit  2öopltpun  $u  be* 
gegnen  unb  ipren  £aß  mit  ZkU  ju  erwieberm  2llg  unfer  £et* 
lanb  un$  befapl  bie  geinbe  $u  lieben,  fe^te  (£r  pin^u:  %  uf  bag 
ipr  $tnber  fe^b  eures  &ater$  im  Fimmel;  b*  u 
bag  tpr  folcpeg  mit  ber  £pat  beweifet,  unb  bag  dv  felbjt  eua> 
für  ©eine  geporfamen^inber  erlernten  möge*  2Ber  nun  ein  finb 
©otteö  fepn  will,  ber  muß  aucp  feine  geinbe  liebem  2113  bort 
bie  beiben  3ünger  über  bie  Samariter  geuer  vom  £immel 
fallen  laffen  wollten,  fagte  3efu3  au  ipnen:  „SSiffet  ipr 
nia)t,weffen©eijte$$inber  t p f  f  e t; t> ? "  3^rfepb  mc§t 
berufen,  bie  ^ttenfcpen  $u  verberben,  fonbern  töre  Seligfeit  ju 
beförbern,  barum  ftept  eS  eua)  ntcpt  p,  fte  burcp  geuer  aufeu* 
reiben.  2öenn  ipr  mit  allen  benen,  ^k  eucp  nicpt  nacp  2ßunfcp 
unb  Söillen  begegnen,  fo  ftreng  verfahren  wollet,  an  wem  wok 
(et  ipr  ^?tebe  unb  Sanftmutp  beweifen,  unb  wem  wollet  ipr 
burcp  Steine  2epre  ^ur  Seligfett  verhelfen  ?— 2ln  biefeg  f ollen  wir 
un$  billig  erinnern,  fo  oft  wir  merfen,  bag  ftcp  3orn,  £af?  unb 
unb  geinbfcpaft  in  uns  regen  will*  2Öenn  wir  ben  peiligen 
©eift,  ber  an  ©eift  ber  %hU  unb  Sanftmutp  ift,  in  ber  peilt* 
gen  £aufe  empfangen  paben,  warum  follten  wir  uns  burcp  ben 
©eijt  ber  Sftacpe  unb  beS  3orn3  leiten  laffen?  —  2)te  Scprift 
verlangt,  $>a$  wir  würbigltcp  wanbeln  f  ollen  bem  £erw,  unb 
unferem  33eruf.  Demnaa;  mug  ber  @prtft,  fobalb  ipm  ©elegen* 
\)t\t  jum  3orn  gegeben  wirb,  jtcp  beftnnen,  toa$  ipm,  aU  H* 
nem$inbe©otte3  gezieme  unb  m$  fein  £aufbunb,  fein  ©laube, 
feine  %kU  unb  feine  Hoffnung  erforberm  SQ3ir  rüpmen  uns 
©otteS,  rüpmen  un$,  baf  wir  unter  allen  Golfern  auf  (Erben 
von  ©ott  $u  Seinem  (Eigentpum  erforen,  von  biefer  SSelt 
abgefonbert  unb  $ur  ewigen  £errlicpf  eit  beftimmt  fmb;  barum 
muffen  wir  aua)  mit  ber  £pat  beweifen,  ba§  unfer  $upro 


1154 

niifyt  eitel,  fontern  waljrjjaftig  fepj  Ui  un$  mufjfta)  aber  mtyx 
©6ttlia;e$  unb  £eilige$  ftnben  aU  M  ben  Ungläubigen,  ftnb 
wir  aber  eben  fo  boöfjaft,  fo  fctnbfeltg  unb  raa)füa)tig  tvte  fte, 
was  tft  bann  unfer  £l)riftent!?um?  2)aper  fagt  3efu$:  „20  enn 
t£r  liebet,  bie  eua;  Heben,  xoa$  2)anf$p ab t  i£r  i>a* 
von?  2)enn  bie  ©ünber  Heben  auüji  ijjre  Sieblja* 
ber  k."  ©o  Hebet  eure  geinbe,  tfyut  wol?f  unb 
letzet,  ba  t£r  nichts  bafür  hoffet,  f  o  wirb  euer 
Coljn  groß  unb  i£r  werbet  ^inber  be32llleri(joa> 
(ien  fe^m  —  2lua;  baS  unvernünftige  £ljier  liebt  biejt'enigen, 
welche  ifmt  ©uteg  tfmn;  m$  ift  e£  alfo,  wenn  ber  Gtyrtfi  nur 
fanftmütfrig  unb  gütig  gegen  biejienigen  fepn  follte,  wela)e  tfmt 
SOSüf»lt^atett  erzeigen  ober  wenigften£  nia)t  ^uwiber  ft'nb  ?  Unfer 
33or$ug  vor  allen  anbern  9ttenfa)en  ift  ber,  ba$  wir  in  allen 
2)ingen  in  bem  beiligen  SBttten  ©otteS  vergnügt  feipn  ftmnen, 
baß  wir  in  ber  ©a;anbe  (£f>re,  in  ber  2lrmut{>  ^eidjtjjum,  in 
ber  Einfalt  SQßei^peit,  in  ber  ©a)wacpeit  ©tärfe,  unb  in  bem 
£obe  ba$  &Un  ftnben,  bag  wir  un6  felbft  überwinben,  unfere 
geinbe  lieben,  für  unfere  Cdfterer  beten  unb  ba$  $reu$  unfe* 
reo  £eilanbe$  mit  greuben  tragen  tonnen*  (£in  guter  ©teuer* 
mann  wirb  im  ©türm  unb  ein  guter  Gtfmjt  in  ber  Verfolgung 
unb  SQSiberwärtigf eit  erftmnt*  —  lauter  fagt :  „man  t önne  jta) 
unter  anberem  aua)  baran  prüfen,  ob  an  rea)tf$affene$  Gtljri* 
ftentpum  in  un$  fet;,  wenn  man  alle  ©dmtaa)  um  ©otteäwillen 
fro^lia)  auf  fta)  neunte  unb  biefelbe  mit  triebe  unb  greunbfa)aft 
gu  erwiebern  fua;e/'  (Ebenfo  Stomas  von  Kempen:  „2Bte  tu* 
genbjjaft  ein  (Sfu'tft  fep,  Wirb  erfannt  an  feinet  ^dc&jten 
®ebrea)em"   lauter  2lu3fprüa;e,  bie  mit  benen  unfereS  $ti* 

Ianbeö  unb  ber  2lpojtel  genau  überemfHmmen. 3)  33e* 

benfet  ferner,  weta)en  9ht$en  es  £at,  wenn  man  feinen  geinbett 
mit  ©anftmutp  unb  %kU  begegnet  unb  welchen  9?aa)tf?eif  e£ 
mit  fta)  bringt,  wenn  man  fta)  von  bem  SBöfen  überwinben  läf* 
fet  unb©a)eltworte  mit  ©a)eltworten,  £ag  mittag  vergilt  — 
$ie  ©anftmütf>igen  gleiten  bem  ftillen  SSaffer,  barin  bie  ©on* 
ne  fta)  lieblia)  unb  flar  abbilbet,  b.  u  in  ipxtn  ©eelen  ift  baS 
erneuerte  <£benbtlb  ©otteS  am  beutlia)ften  $u  fepem  3e  m*£r 
We  2öeU  fte  Jagt  unb  Utxmf  befto  mepr  troftet  unb  erfreuet 


1155 

fte  ©Ott  von  innen*  @tc  ftnben  tn  bem  tnnerttctjen  3eugm'f5 
beS  tjeitgen  ©eifteS  von  tfjrer  $tnbfa;aft  unb  tn  bem  grtebett 
tjjreS  ©ewiffenS  fo  viel  ©üfjtgfett,  baß  alter  2Mt  33itter* 
fett  nichts  bargen  vermag»  2öenn  ijmen  t>k  Söeft  aua)  noa) 
fo  fe£r  $ufe$t,  fo  fprec^en fte:  „Steine  6eete  tjat  bennoa; 
©ott  $ttm  £roft,  wer  nur  reinem  ^er^enS  tji"  2)a$ 
SSort  ©otteS  ift  tpnen  Utility,  tyx  ©ekt  ijt  feurig  unb  Mftig, 
tjjre  5lnbad?t  ungelnnbert  unb  je  weiter  bie  SQSett  fte  von  ftdj 
treibt,  befto  neu)  er  fommen  fte  pt  3efu.  3e  mel?r  bte  SScIt  fte 
£afjt  unb  anfeinbet,  befto  rnejr  wäa)3t  bte  ^iebe  31t  t£rem  £erm, 
fo  baf  fte  mit  Sftttyt  ben  2Q3aJ>Xfpru(^  führen  fönnen:  3e  mefit 
£afj,  befto  meljr  Siebe,  jiegrögerbie  geinbfa;aft, 
befto  größer  bie  greunbfa;aft!  ö  wie  fetig  tft  ber,  ben 
bie  SBelt  verfolgt,  unb  ©Ott  aufnimmt,  ben  bie  SÖett  betrübt 
unb  ©Ott  tröjtet,  ben  bie  2Belt  Jajjt  unb  SefuS  liebt !  — -  Unfer 
£eilanb  fagt:  „Setig  finb  bte  Sanftmütigen;  benn 
fte  werben  baä.dxbxtity  befi^en!"  5D?ana)e  glauben, 
fte  fönnen  bzö  3£rtge  nur  mit 3ctnf  unb  Streit  ermatten*  £)ie(£r* 
fafjrung  aber  tef>rt,  bag  btejienigen  am  wenigften  tjaben,  welche  am 
meifkn  um  bas  gettfi^e  (breiten*  dagegen  ftettt  fta;  M  ben  grom* 
men  hiömikn  ein  befonberer  Segen,  Sa;u£  unb  ©nabe  be$ 
£erm  tinf  wobura;  fte  baS  3^rtge  entweber  frieblia;  bejtgen 
ober  ftölßty  vergeben  unb  anber^wo  mejjr  erlangen,  iU  fte 
verloren  j)abem  9?iemanb  ijt  glücflia)er,  feine  geinbe  $u  über* 
winben,  aU  t>k  griebfertigen  unb  (Sanftmütigen;  benn  fte 
tjaben  ©ott  auf  if?rer  Seite  unb  ba  fte  fta;  mit  23eten,  Vlaty* 
geben,  Sa;wetgen,  Seiben  unb  £offen  vertjjeibigen,  fo  gelingt  e$ 
tjmen,  baß  entweber  ü;regeinbe  falten  ober  baf?  biefetben  in  i£rem 
£er$en  überzeugt  unb  tjjnen  enbtta)  gewogen  werben*  —  £te£et 
gehört  fotgenbe3  ©teicfmiß:  2)ie  ©onne  unb  ber  Sftorbwinb 
matten  einfi  eine  %£ttk,  wer  von  ijmen  einem  SBanberer  $u* 
erjt  ben  Hantel  vom  $tibz  bringen  fönne?  £)er  ^orbwinb 
glaubte,  e$  fönne  tym  nityt  festen  unb  ftng  an  fa)arf  unb  falt 
auf  ben  9teifenben  to^uftürmen;  biefer  aber  wiefette  fta;  nur 
noty  mcl)r  in  ben  kantet,  um  fta)  vor  bem  SSinbe  au  fo)ü§em 
9tun  fing  bie  Sonne  an  fejjr  warm  au  fa)einen,  fo  ba$  e$  bem 
Söanberer  xttyi  petg  würbe  unb  er  feinen  kantet  gerne  fahren 

73* 


1156 

—————  U 

lief.  —  $flifyin  ric&iet  bte  ©ebufb  unb  ©anftmuty  oft  me!jt 
au$,  al$atfe$  ©türmen.—  2luffoW)e2Seife  rettete  j!$  etttjl  ein 
tteapolttanifäer  gürft  im  gelobten  £anbe  vor  bem  Untergang. 
@r  f<$  nämlid)  in  ber  gerne  eine  groge  %n^X  feinbftcfjer  2lra* 
fcer  auf  ftd)  sufommen,  unb  ba  er  merfte,  bag  er  mit  ben  ©et* 
«igen  ju  fä)wadj  fep,  um  biefer  räuberifct)en  £orbe  SBiber* 
ftonb  $u  leiten,  tief  er  feine  %tutt  in  ber.  (Eilt  abjt^en  unb  eine 
Wlafäät  bereiten.  Gnnjtweilen  ging  er  ben  2lnfommenben  ent* 
gegen,  grügte  fte  fejjr  freunbficfj  unb  fagte :  (£rfel?e,  bag  fte 
eble  Männer  feiert  unb  er  fe#  barum  in  i£r  £anb  gefommen, 
um  von  t£nen  ju  lernen,  er  bitte  fte  alfo  an  (einer  Sftal^eit 
££eif  $u  nehmen,  bamitftenocb  weiter  miteinanber  reben  ton* 
nen.  £)iefe  wunberten  ft$  über  feine  greunbltc^feit  unb  liegen 
ftc§  erbitten,  yiaty  ber  %fta%ät  verehrte  er  i^nen  einige  SSafc 
fen  unb  £rinfgefcf)irre,  unb  bewirfte  baburt^,  bag  fte  ijjn  lieb* 
gewannen  unb  tyn  auf  feiner  D^eife  begleiteten,  tamit  i£m  mc^t^ 
wiberfa^ren  mochte.  —  ©ebet,  meine  hieben,  wiefidjein  wtlbeä 
Söolf,  ba$  ft$  nur  vom  Sftaube  nci^rt,  burcty  f?reunbltc^fett  unb 
£tebe  überwinben  lieg!  (Ebenfo  fann  nod)  \t%t  ©anftmutjj  unb 
©ebutb  burd>  ©otte$  ©nabe  baS  ausrichten,  xotö  feine  unge* 
fttimme  SDcadjt,  fein  3orn  unb  feine  Ungebulb  vermag.  — 
Ueber^aupt  fann  uns  nia)t$  me£r  ©ct)aben  bringen,  aU  3^nf 
unb  ©treit  unb  geinbfeligfeit.  —  (£in  ^ünftler  bttbete  einft  bie 
fftafyt  xtfyt  fd)ön  ab,  inbem  er  einen  3gel  mit  au^gerecften 
©tackeln  malte,  auf  welken  eine  gauji  mit  allen  Gräften  fo$* 
föfägf.  Oben  war  getrieben:  £)u  fd)abefl  bir.  —  £)en 
3orn  vergleicht  ber  weife  ©alomo  mit  einem  Söaffer,  ba$ 
ben  Damm  burdt)broc^en  f»at  unb  Me#  überfc^wemmt.  D  wie 
mancher  3ornige  bringt  ein  grogeö  Unglücf  über  ftcf)  unb  bie 
©einigen,  ba$  er  atf$ufpät  beflagt!  diu  Damm  ij*  balb  aufge* 
riffen  unb  ber  erjle  2)urc()brudj  be$  2öaffer$  ift  gering,  er  nimmt 
aber  mit  2Kac$t  $u  unb  läffet  fiel)  nic$t  fobalb  wieber  verfb* 
pfen,  aU  er  gemalt  ift.  3$  Witt  aber  von  bem  seitlichen  ©cf>a* 
ben,  ber  bura;  geinbfeltgfett  entfielt,  nid?t  einmal  etmö  fagen, 
fonbern  nur  von  bem  geiplicf)ett  unb  ewigen  reben.  —  ©e£r 
treffenb  fpridjt  ft$  Cutter  barüber  au$:  „@reia)wie  bie  Hebe 
ein  $itt>  @otte$  ijl,  affo  ift  £ag  unb  fteib  ein  S3ilb  be$  £eu* 


1157 

fel$,  ja  nia;t  menfdjlia),  no^>  teufltfa),  fontern  ber  Teufel  fettfc 
ber  ntajtg  i|t,  al$  ein  ewiger  33ranb  von  £ag  unb  9?eib  wiber 
©Ott  unb  alle  ©eine  Kreaturen/7  2Ber  alfo  ben  3ow  in  fei* 
nem  £eqen  wohnen  Iäffet,  ber  barf  verftajert  fepn,  bafj  er  ben 
SEeufel  felbft  beherbergt  —  2ßer  33öfe$  mit  33öfem  vergilt, 
ber  verlägt  bie  9*aa)folge  Gtjmfti  unb  betrübt  ben  ^eiligen  ©eifK 
dx  ftört  feine  2lnbaa)t,  reißt  fein  gcm$e$  (£f>rif*entfmm  nieber 
unb  fann  fta;  feine  Hoffnung  $ur  ©eligfett  machen»  2)enn  wenn 
biejenigen  ©otte$  $inber  ftnb,  welaje  t^re  geinbe  lieben,  für 
fte  beten,  fte  fegnen  unb  ifjnen  ©uteS  tl?un,  fo  ftnb  biejenigen 
$inber  beg  £eufel£,  weldje  ijjren,  geinben  fa)limm  begegnen 

unb  33og£eit  mit  ^oe^eit  erwieberm 2ßetl  fta)  aber  ber 

£a§  vor  allen  anbern  kapern  ^u  befa)onigen  pflegt  unb  $anf* 
füa)tige  ^enfa^en  afferlei  Qrtnwenbungen  unb  SluSreben  £aben, 
fo  wollen  wir  einige  berfelben  ber^eijje  naa)  anführen  unb  $u 
wiberlegen  fua)en,  $?ana)er  2D?enfa)  benft  bei  fta),  wenn  er 
£ört,  tag  ber  ^einbfeltge  fein  gau$e$  ^^rijtentpum  ^erfröre  :c.  : 
£)££or£ett!  3  a)  bleibe  boa)  iinMfyxtfa  ia)  gejje 
gleia)woj?ltnbie$ira)e,  jjöre  ©otteö  SBort,  gepe 
3ut  33eia)te  unb  ^um  ^eiligen  Slbenbma^t,  ia)  tröfte 
mia)  @f?rijti  unb  ©etneeSöerbienfte^,  ia)  bete  mei* 
nen  borgen*  unb  5lbenb  fegen,  mein  SSaterUnfer 
unb  anbere  fa)öne  (&zlttt,  warum  f o Ute  alfo  mein 
Qtljriftentljum  verwerfliä)  fe#n?  —  ©o  geljt  e$,  meine 
3uj>örer,  ©otteö  ernftltaje  ©ebote  ftnb  ber  SÖelt  eine  £I?or* 
$ät,  unb  fte  mi$  e£  beffer,  al£  i>ic  treuen  Diener  ©otteg,  fte 
fennt  anbere  2öege  ^um  Fimmel,  aU  ben  einzigen,  engen  unb 
formalen  2Öeg,  ben  ber  £err  un$  mit  ©einer  ?el?re  unb  ©ei* 
nem  £eben  gezeigt  £at  —  allein  bebenfet  boa),  meine  Gtljriften, 
wa$  Safobug  fagt:  ,,©o  fia)  3emanb  unter  eua)  Iäffet 
bünfen,  er  biene  ©Ott  unb  Ijält  feine  3unge  nta)t 
tm3«um,  fonbern  verführet  fein  £era  Ctnit  allerlei 
(£inbilbungen),  beffen©otteöbienftift  e i t e l"  bebenfet, 
baff  ber  £err  von  feinem  Dienft,  von  feinem  Dpfer  unb  von 
feinem  ©ebet  etwas  roiffen  will,  el)e  wir  un$  mit  unferem 
9Ma)ften  verfofmt  unb  alle  geinbfeligfett  au$  unferem  £er$en 
entfernt  ^aben.  £)afjer  fagt  (£r  felbft,  wie  wir  oben  anfuhr* 


1158 

tau  „SBenn bubeine  ©abe  auf  bemSUtar  opferfhc. 
Söenn  ifjrjtepetunbbetet,  fo  »ergebet,  wenn  tjjr 
e  t  >t>  a  ^  wiber  3emanb  ^aM,  aufbag  au$euer$a* 
ter  im£immel  eudj  vergebe,  wenn  iljr  aber  ben 
9ftenf$en  ij?re  genfer  nidjt  vergebet,  fo  wirb  eudj 
euer  SBater  eure  geiler  aucfj  ntc^t  vergeben."  — 
Slucf)  im  alten  £eßament  fagt  ber  £err:  SÖSenn  iljr  fcjjon 
eure  £ctnbe  ausbreitet,  fo  verberge  3$  bocf)  Stteine 
^ugensoreu  c(j,  unbobi|>rfc[>  onsiel  betet,  fo£öre 
3$  eu$  bocf)  nid;t,  benn  eure£änbe  finb  soll  2MutS. 
Ob  ipxTlix  gleicj)-33ranbopfer  unb  ©peifeopfer 
Dpfert,  fo  Ij ab e  3$  bocf>  fe  in  en©ef  allen  bar  an  unb 
mag  aucf;  eure  fetten  Da.nfopfer  nidjt  anfef  en*"  — 
daraus  crpellt  beutlid),  baf*  aller  ©otteSbienft,  alles  <3tUt, 
unb  m$  ber  Wlm\fy  fonji  £öblid)e3  t|mt,  bem  £crm  ein  ©reuel 
fe$,  fo  lange  ein  um>erfo|mlic§e$,  fcinbfeligeS  unb  gottlofeS 
^eq  babei  tfL  Cutter  fagt  Ui  bem  obenangefüjjrten  Sluefprudj 
unfereS  £eilanbeS  t>on  bem  Dpfer:  „Wlil  biefen  Porten  trifft 
ber  £err  bie  ©ebanfen  ber  ^parifder  gar  fem,  Uc  meinten, 
fie  wollen  ©Ott  mit  ifjrem  23ranbopfer  einen  dtaufy  oor  bie 
Slugen  machen,  bag  (£r  tjjren  £ag  unb  9tob  gegen  ben  9lätf)* 
flcn  nifyt  fefjen  follte  unb  anbere  £eute  jte  für  fromm  gälten 
möchten»  9?ein,  ba$  tfjutS  nte^t,  bu  tdufc^eft  bt$  felbji  ©Ott 
fieljt  $uerffc  auf  bein  £eq,  wie  eS  gegen  ben  9töc$jien  fteftf,  ftn* 
t>tt  (Er  eS  in  ^äf  unb  ^eib,  fo  benfe  nur  nict)t,  bag  (£r  einen 
(Gefallen  an  beinern  ©otteSbtenft  |>abe*  Sötlljl  bu  ©Ott  btenen, 
fo  biene  ijmt  mit  folgern  ^er^en,  baS  beinern  Sftä^ftot  ni$t 
feinb  ift,  ober  wijfe,  i>a$  bem  £>ienft  x>ox  ©Ott  ein  ©reuel  fep/' 
—  3$  fagte ,  ein  feinbfeliger  Sftenfcb  fonne  Uin  $ater  Unfer 
Beten,  unb  fage  es  nodj;  benn  eS  iß  ntd&t  genug,  wenn  wir 
bloS  t>k  SBorte  Ijerfagen,  ba$  #er$  muff  aucf)  babei  fepru  Wlan 
muß  baS  SSater  Unfer  beten  als  ein  gel?orfame3  £inb  mit  einem 
liebreichen  unb  gütigen  «£>er$en,  man  muß  feinen  9M$ften  mit 
einbiegen,  wenn  er  uns  gleict)  beleibigt  {jat*  £)ieg  tarnt  frei* 
Hfy  ber  unoerföjmlid;e  Wltn\d)  mc()t,  entweber  muß  er  ba$  ©e* 
i>tt  beS  £errn  ojjne  2inbadjt  unb  SBerpanb  Verplappern,  ober 
er  muj?  Wiber  ftc|>  felbft  beten,  tag  ijmt  ©Ott  nifyt  Serben 


1159 

fotte,  gleichwie  er  auty  feinem  9ld^Pen  mc^t  »erjet^e.    Itob 

wer  alfo  Utü,  ber  fpottet  be6  großen  ©otteä,  weit  er  e$ 
wagt,  3f>m  mit  einem  folgen  £eqen  »or  klugen  $u  fommen. 
£)af?er  machen  e£  $iele,  wie  jene  mwerföjjmltd;en  Männer,  bie 
gefragt  würben:  wie  fte  benn  unter  folgen  Umßänben  ba$ 
@ekt  be$  Jperrn  Jerfagen  fönnen?  2)er  @ine  antwortete: 
Sttan  Jak  ja  neben  bem  SSater  Unfer  no$  »tele  anbere  ©e* 
bete,  bie  man  gebraud;en  fönne*  £)er  5lnbere:  dx  taffe  eben 
bie  fünfte  33itte  gur  Hälfte  weg»  —  2lber  e$  5>e£gt :  3rret 
eud)  ni^t,  ©Ott  lctffet@i$  ntc$t  fpotten*  —  Unb 
Wenn  gleicp  an  folajer  Üüttenfa)  ©otte3  2öort  mit  foldjer  2ln* 
baa)t  Jöret,  baß  t^m  bte  ordnen  barüber  in  bte  klugen  fom* 
men,  wenn  er  meint,  er  empfmbe  ba»on  großen  £rojt  in  feinem 
£er$en,  wenn  er  au$  mit  foldjer  93erfta)erung  beichtet  unb  $um 
Jjeiligen  2lbenbmal?l  gept,  mc  wenn  er  fd;on  im  $immet  wäre, 
fo  pilft  bod)  alle3  bieg  nid;t$,  fo  lange  eine  geinbfd;aft  wiber 
ben  9Ma)ften  im  ^er^en  WtiU,  unb  man  möchte  fagen,  ber 
©atan  f>abe  in  folgen  $?enfd)en  btefe  2lnbaa)t  £eTOrgebraa;t, 
um  fte  befto  fixerer  su  madjetu  —  Sßte  fann  enblia?  ein  folctyer 
Sflenfcf)  fta)  be3  $erbienfte3  3efu  tröften,  ber  felbjl  einj!  gefagt 
pat:  $at er,  »ergib  ijjnen,  fie  wiffen  ni$t,  wa$  fie 
tl?  un!?  2ßa3  für  ©emeinfdjaft  |>at  ba$  liebreiche  £er$  @fmjH 
mit  ben  feinbfeligen  £er$en  ber  $?enfd)en?  ©oll  ber  liebreiche 
@rlöfer  unb  ber  bo$J?afte  ©atan  in  (Einern  £er$en  wohnen? 
—  2Beld;en  2)anf  würbe  ber  »erbienen,  ber  mit  einer  Butter, 
bie  ipren  ©äugltng  im  ©cfioofe  fyat,  freunblta)  reben,  ba$  $inb 
aber  tn$  2lngeftd;t  fragen  wollte?  Unb  wie  fann  ft$  3e* 
manb  einbilben,  er  wolle  feinen  £eilanb  lieben  unb  fta)  beffelben 
getroften,  wenn  er  baneben  feine  trüber  fct)mä^t,  paßt,  unb 
»on  fta)  flößt?  — ©o  fann  e$  alfo  ni$t  anberS  feipn,  o  Sttenfa;, 
bu  mußt  entweber  Qtjmftum  mit  ©einem  SBerbienft  ober  bie 

geinbfeligfeit  beineS  ^eqen^  fahren  laffem (£9,  fpridjt 

mancher  Sföenfa)  weiter,  ify  fann  mir  nifyt  einbilben,  baß  bieg 
fo  siel  su  bebeuten  $aU+  3$  bin  ein  S^enfa),  l?abe  gleifc^  unb 
23lut,  x^it  fann  ify  bod)  meinen  geinb  lieben,  ben  fegnen,  ber 
mir  flucht,  unb  bem  ©uteg  tpun,  ber  midj  fo  feljr  beleibigt  $at? 
<£$  iß  mir  unmöglia),  follte  ©Ott  mia)  beßwegen  »erbammen? 


1160 

i—  3$  antworte:  unb  td)  fann  mir  nid)t  einbilben,  baf*  bir 
@ott  etwa$  9?eue£  machen  ober  ©ein  Söort  um  beinetwillen  an* 
bem  wirb*  —  ©er  ©atan  fpiegelte  unfern  erften  (Altern  vor, 
e$  jjabe  nia)t$  auf  ftif ,  wenn  fte  aud)  von  ber  verbotenen  $rud)t 
foften  würben;  allein  fte  würben  bura)  tfjren  eigenen  ©a)aben 
tnne,  welcbe  folgen  e£  |>atte*  Sie  fann  ein  Gtfmjt  fagen:  er 
glaube  nid)t,  ba§  baS  viel  gu  feebeuten  jjabe,  wa^  bod)  ©ott  fo 
ernftlid)  verlangt?  $ann  ba$  etm$  ©eringes  fe^n,  wovon 
ber  ©ewtnn  ober  SBerlujt  ber  ©eligfett  abfängt?  2Öar  benn 
ber  2lpoftel  nid)t  beiftd),  al$  er  bort  fd)rieb:  £aber,  *fteib, 
3om,  3anf,  3«>ietrac^t  unb  £>aß  gehören  unter  bie  Serfe  be$ 
gleifd)eS  unb  biejenigen,  weld)e  fold)e$  tjjun,  werben  ba$  D^eid) 
©otteS  nia)t  ererben?  £>  eS  ijt  eine  fd)recfltd)e  SSerblenbung 
be£  ©atang,  bag  er  bk  ©ebote  beS  großen  ©otteä  flein  unb 
gering  in  unfern  klugen  maa)t  unb  uns  überreben  Witt,  ©ott 
werbe  uns  bod)  feiig  mad)en,  wir  mögen  biefelben  befolgen 

ober  m'd)t! £)u  U[t  ferner  nid)t  allein  ein  9$enfd),  fon* 

bern  aud)  an  Gtfjrift;  ©Ott  f>at  meljr  an  bir  getljan,  al$  an 
vielen  anbern  $?enfd)em  (£r  tljut  bir  ©einen  Sitten  funb  unb 
Will  bir  burd)  ©einen  ^eiligen  ©eijt  t>k  $raft  geben,  bemfelben 
3U  folgen,  wenn  bu  eS  nur  ernftltd)  meinft  unb  M  3£ni  an* 
fud)ji  gleifd)  unb  33lut  fommt  eS  freilitt)  fd)wer  an,  mitten 
unter  ben  23eletbigungen  ber  gembe  eingüttgeö,  freunblid)e$ 
unb  gebulbigeS  £era  $u  behalten,  glüd)e  $u  empfangen  unb 
©egen  gurüd^ugebem  allein  wir  muffen  aua;  wiffen,  baf* 
gleifd)  unb  23lut  bas  Oteia)  ©otte3  nid)t  ererben  fann,  fo  lange 
e$  nid)t  erneuert  wirb*  (Eijrifti  gleifd)  unb  33lut  mug  unfer 
gleifd)  unb  23lut  befjerrfd)en,  aua)  bürfen  wir  in  göttlid)en 
fingen  niö)t  mit  gleifd)  unb  23lut  ^u  dtafyt  geljen;  benn  wir 
Jaben  feinen  größeren  geinb  al3  baffelbe*  —  Sir  fagen:  e$ 
fe^  unmöglid) ;  @lmftug  aber  fprid)t:  „Stile  £>tnge  ft'nb 
möglitt)  bem,  berbaglaubet;  unb  fauluS:  ia)  „vermag 
Sllleä  burd)  ben,  ber  mid)  tütt)tig  mad)t,  d^riftu^" 
—  (£$  war  ja  bod)  bem  ©teppanuS  unb  fo  vielen  anbern  (££rt* 
ften  ntd)t  unmöglid)*  —  (£tnjt  gerietjj  ein  alter,  frommer  Gtfm'ft 
in  einem  2lufruljr  in  Slleranbria  unter  einen  Raufen  gottlofer 
itofdjen,  weld)e  tyn  auf  alle  möglio)e  Seife  ausfeilten  unb 


1161 

tfm  unter  anberem  fpöttifa;  fragten :  was  für  28unber  benn 

fem  @£rijhtS  getfjan  l?abe?  dx  antwortete:  unter  melen  wofrt 

aud)  biefes,  baj?  (£r  mia)  bura)  ©eine  ©nabe  fo  ^bereitet  fyat, 

baß  ta)  alle  53oö^ett,  bie  tpr  an  mir  m$&Ut,  mit  ©anftmut£ 

unb  ©ebulb  ertragen  fanm  —  23on  ber  frommen  (£lifabet£, 

Üanbgräfm  m  ££üringen,  wirb  er$äljlt,  ba§  fte  ©Ott  per^tt^ 

anzurufen  pflegte,  dv  möge  ipren  gemben  für  jebe  33eletbtgung 

eine  befonbere  2Bol?ltl)at  aus  ©naben  wiberfa{>ren  laffen.  — 

2)ieg  fmb  boa;  aua)  2ttenfa)en  gewefen,  unb  paben  gleifa;  unb 

S3tut  gehabt,  trte  wir,  unb  boa)  war  es  ijjnen  möglia),  tpre 

geinbe  $u  lieben  unb  ijjre  53eleibtgungen  mit  ©ebulb  $u  ertra* 

gen»  —  SBet'l  aber  9ftana)e  meinen ,  ©Ott.  werbe  uns  barura 

nia)t  »erbammen,  fo  erinnere  ia;  an  baS  2öort  (££rtjli:  „23  er 

*tia)t  glaubet,  ber  wirb  »erb am mt  werbe n."   203er 

aber  nia)t  liebt,  ber  glaubt  nidjt,  wer  ein  feinbfeligeS  £er$ 

gegen  ben  9läa;ften  fyat,  ber  liebt  mtyt  Grbenfo  .  tjt  ber  2luS* 

fprua)  $auli  flar,  ben  wir  fa)on  öfters  angeführt  £aben,  baf* 

t>te  feinbfeligen  ^er^en  nt$t  in'S  9?eia)  ©otteS  gelangen  wer* 

*>en;  ober,  wie  3oj?anneS  fagt:  „2Ber  ben  33rubernia)t 

iitlt,  ber  bleibet  im  £obe*"  —  Sllfo  o  Sttenfa),  mufjt  bu 

bia)  erklären,  was  bu  tfmn  wtllji  (£ntfa;ulbtge  bia),  fo  lange 

bu  willft,  eS  wirb  nta)t  anberS,  bu  mußt  naa)  biefer  Siegel  ein* 

Ijergefjen,  ober  bu  mußt  gefteljen,  baß  bu  nia)t  auf  bem  2Bege 

jur  ©eligfeit  bifL    lieber  ein  ^ornigeS  unb  radjgierigeS  £er$ 

bleibet  ©otteS  3orn  unb  9?aä)e,  unb  es  pat  nichts  $u  erwar* 

*en,  wenn  eS  ftcr)  nia)t  befeprt,  als  Ungnabe,  £rübfal  unb 

SlngfL gerner  berufen  fta)  Einige  auf  baS  Seifpiel  ber 

^eiligen  in  ber  ©a)rift,  welaje  wiber  bie  geinbe  gebetet  unb 
t^nen  ©otteS  3orn  unb  ©träfe  angewünfdjt  jjaben,  wie  in  ben 
*Pfatfmen  unb  in  einigen  ^ropljeten  sorfommt  —  £>teß  ift  $war 
richtig;  allein  jene  Banner  j?aben  baS  entweber  auS  propre* 
tifa>em  ©eifte  getrau,  ober  aus  ^eiligem,  lauterem  (Eifer  um 
©otteS  <£j>re*  Sie  Utxafytütn  biefelben  als  203erf$euge  be$ 
©atanS  unb  fünbtgten  alfo  nia)t  fowoltf  iljren,  als  ttiefmeljr 
©otteS  geinben  bie  ©trafen  an,  bie  ifmen  beflorftanben*  „(£S 
gejjt  J>ter  alfo  $u,  fagt  £utl?er,  bag  gluajen  wiber  glua)en  ge* 
fa)ie^,  ©otteS  glua)  wiber  bes  Teufels  glua)«  2)enn  wo  ber 


1162 

teufet  bur$  bie  ©einen  ©otteS  SQSort  wehret  ober  pinberi,  t>a 
wirb  bem  Segen  @ottea  gewefjret,  ber  bura)S  2Bort  fommt, 
ba  ift  es  3ett,  bag  ber  ©taube  £eroorbred>e  unb  wünfa)e,  bag 
fota;e$  £inbernig  aufhöre,  auf bag  bem  (gegen  ©otteg  Otaunt 
^letbe.  2)teg  SBeten  wtber  bie  geinbe  iß  ein  2öerf  be$  ^etü'gen 
®eifte$,  ba$  attein  ©Ott  bienet,  unb  ift  im  erjkn  ©ebot  gebo* 
ten  n.  f.  w*"  liefern  ftimmt  au$  ber  fromme  2(rnbt  bei,  tvel* 
0er  fagt:  „2)a$  ©ebet  wiber  bie  gembe  fott  nia)t  aus  8?aa> 
gier  fommen,  bag  wir  fte  serwünfa)en  um  unfere^  (ürtgemutijeS 
Witten,  unb  n)eil  fte  uns  beleibigt  jjaben;  ha$  tann  nur  gefdje* 
pen  um  ©otteg  <£jjre  Witten,  unb  wenn  fte  abgefaßte  geinbe 
@£rifti  ftnb*  ©olteä  (£i?re  fott  un3  aüvöät  lieber  fepn,  alö 
unfere  eigene  Cü^re,  unb  wa$  uns  fetbft  anbelangt,  fo  fotten 
ttrir  2ltte£  gebulbig  leiben,  wenn  wir  beteibigt  werben,  ja  wenn 
un$  aua)  ba$  ZtUn  genommen  würbe,  fo  fotten  wir  unfern 
geinben  sergebem  3n  ^eitlia)en  fingen  tft  ber  gtua;  wiber 
bie  geinbe,  ber  J)in  unb  wieber  in  t>en  $f  atmen  sorfommt, 
t>urä)au$  nta)t  erlaubt"  2Öitt  man  ja  wiber  bie  geinbe  beten, 
fo  fott  bag  ®thtt  nia;t  fowo£t  wiber  t^re  ^erfon,  aU  wiber 
tljre  ©ünbe  gerietet  fe^n,  bag  ijmen  ©Ott  biefetbe  $u  erfen* 
nen  geben,  fie  befebren  unb  un£  wiber  fte  fa)ü$en  möge»  ©laubt 
man  aber,  boa)  aua)  son  ©ott  hüten  $u  mügen,  bag  (£r  unfere 
33eteibiger  bemütpige,  fo  mug  man  wof?t  ^ufepen,  bag  baä  £er$ 
lauter  unb  rein  fep  $on  atter  gdnbfetigfeit,  oon  altem  (£!?rgei$ 
unb  son  9taa)e*  3)?an  mug  ©Ott  2ttte3  anfmmfietten  unb  3jjm 
nt$t$  ttorfa)reiben,  mc  dv  e$  mit  unfern  geinben  galten  fott*  - 
SBeit  aber  bieg  febr  fa)wer  ift,  fo  bürfte  rät£tta)er  fe^n,  bag 
man  in  feiner  eigenen  <Sad)e  ej?er  für  bk  geinbe  aU  wiber  bie* 

fetben  litt. -  Gntbtiä)  ift  nötjng,  au  erinnern,  wxtxoix 

unfere33eteibigeranfef>en  fotten,  unb  wa3un$  bewegen 
fott,  ijjnen  mit  Sanftmut!?  in  begegnen*  —  Sßorerft  müjfen  wir  un$ 
erinnern,  bag  fte  Gtjmften  fepen,  bie  mit  bem  23tut  be$  £errn 
be$eia)net  ftnb*  Unb  wenn  fte  fa)on  für  ben  2tugenbltcf  einem 
Sftofenbufa)  im  SBinter  gteia)en,  ber  softer  ©taa)eln  unb  £)or* 
nen  ift,  fo  muffen  wir  boa)  bebenfen,  bag  fte  bura)  ©otte^ 
©nabe  anfy  wieber  9tofen  ber  %kht  unb  greunbtia)feit  tragen 
fönnem  —  SBenn  man  einen  2^enfa)en  lieb  |>at,  fo  fann  man 


1163 

tnel  wn  tfjm  ertragen;  vermag  nun  ba$  bte  natürliche  Siefce, 
warum  füllte  c$  bie  a)rijllia)e  £iebe  ntcf)t  noä)  weit  mefjr  tter* 
mögen  ?  £äft  man  lieben  $inbem  manchen  gel)ler  ju  gut,  wa* 
rum  betrauten  wir  nia)t  unfern  9cäa)ften  aB  ein  ßinb  ©otteS, 
als  unfern  Vorüber  in  (£jm(b  unb  unfern  TOtgenoffen  ber 
fünftigen  ©eligfeit?  Söerfünbigt  er  fta)  aua)  an  uns,  fo  pört 
er  barum  nia)t  auf,  an  (£jjnfi  ^u  fepn,  für  welchen  baS  23lut 
3efu  ttergoffen  würbe,  unb  ber  bemnaa)  unferer  erbarmenben 
?tebe  wertp  tjfc  —  Um  aber  bieg  noa)  weiter  au^ufüfjren,  fo 
fann  bein  9caa)jkr,  o  d^rift,  erftenS  betrachtet  werben:  at$ 
<£iner,  ber  au$  Unwiff  enjjeit  ober  ©a)waa)l)eit 
fünbtgt,  unb  bia)  o£ne  23orfa§  beleibigt*  <£$  ift  (a 
ma)tg  Ungewöfmlia)e3,  baß  ein  9Kenfa)  fünbigt,  fe£lt  unb  irrt 
ginbeft  bu  e$  nun  fo,  warum  wiKft  bu  bta)  erzürnen  unb  33öfe$ 
mit  Sofern  vergelten?  —  £a§  bir  t>ietme|»r  beineS  23ruber$ 
gejjler  $ur  Sarnung  bienen  unb  erinnere  bia)  babet  an  beine 
eigene  ©a)waa)j)eit  Qtutt  fätXt  er  unb  bebarf  beiner  ©ebulb 
unb  £ülfe,  morgen  feittft  bu  *nelleia)t  unb  bebarfft  baS  ©leia)e* 
2)u  ge|?jt  auf  bem  nämlichen  fa)lüpfrigen  SBege,  barauf  er  ge* 
faden  ijt,  er  bebarf  £ülfe,  um  wieber  aufeujkjjen,  bu  ebenfo, 
ba$  bu  nia)t  falleft;  23eibe$  fte£t  in  dintx  £anb,  —  in  ber  be£ 
langmütigen,  gnäbigen  unb  barmherzigen  ©otteS*  —  $kx 
muß  man  nun  an  bte  pfleget  be$  £>errn  3efu  benfen,  ber  gefagt 
i£at:  „2llleS,  wa$  ifjr  wollet,  ba$  eua)  bie£eute  t£utt 
f ollen,  baS  tjjut  tljr  ijjnen  aua);"  ober  an  bie  be$2lpo* 
,ßel$:  „Ziehe  trüber,  wenn  ein$?enfa)  ttvoa  *>on 
einem  geiler  übereilt  würbe,  fo  pelfet  i£mwie* 
[ber3urea)tmitfanftmütpigem©ei(t,  bie  iljr  geifc 
lic$  fe 9b,  unb  fiepe  auf  bic^elb ft,  baj?  bunta)taua) 
»erfua)t  werbet"  •—  5ftan  fann  aber  einem  Srrenben 
nia)t  beffer  $urea)  Reifen,  als  wenn  man  ü)m  Seit  gönnt,  fta) 
3u  beftnnen  unb  ©Ott  anruft,  baß  (£r  i£m  ©nabe  ba^u  wleijje, 
inbeffen  aber  tyn  mit  «Sanftmut!)  bejwnbelt  —  3$  erinnere 
mia)  J>te6et  an  einen  merfwürbtgen  Vorfall,  ben  ta)  nia)t  unbe* 
rüj)rt  laffen  fanm  (ü:inft  ging  eine  arme  fromme  Sßittwe  ju 
einem  reichen  Spanne,  ber  fta)  fonfl  fein  ^rijtent^um  fe^r  un* 
gelegen  fe^n  lieg,  unb  fpraa)  i£n  um£ülfe  an.    6ie  würbe 


1164 

«ber  von  bemfetben  fe£r  Ijart  angetaffen,  unb  in  t^rer  £ratw 
rtgfeit  nodj  meljr  betrübt,  Die  2öitm>e  wunberte  ftdj  über  bie* 
fe$£arte  betragen  um  fo  tnefir,  ha  biefer  $cann  fonfi  gan$  an* 
berS  war,  unb  fonnte  ftcf)  bie  ©aa;e  ntc^t  anber$  erttären,  a(S 
bag  i£m  fonft  etmö  Unangenehme^  begegnet  fep.  ©te  fap  ijjn 
beg  wegen  mit  weinenben  5lugen  an,  fa)wieg  unb  ging  fort. 
53alb  nac^er  befann  fta;  btefer  Sttamt ;  benn  bte  2ötttroe  mit 
f£rem  traurigen  53ticf  jfonb  i£m  immer  x>ox  2Iugem  (£r  be* 
bauerte  fe£r,  bag  er  fte  nfa)t  getröftet,  fonbern  nur  nocfj 
mepr  betrübt  jjabe,  unb  bat  ©Ott  jjer^ia;  um  SBeqetjimng,  bann 
eilte  er  fjin  $u  ij)r,  bat  aua)  fte  um  SSeqei^ung,  unb  gab  tf>r 
tnej>r,  al$  fte  twrj? er  verlangt  ^atte*  —  ©e£et,  wa^  leiben, 
fc^weigen  unb  ©ebutb  l)aben  ausrichten  fann !  $ättt  biefe  grau 
$art  geantwortet,  fo  fyättt  fte,  tr-ie  man  $u  fagen  pflegt,  £)el 
fn$  geuer  gegojfen  unb  ba3  erregte  ©emüt£  nur  noa)  me£r 
entrüjtet,  ber  SDcann  aber  fyättt  feinen  geiler  nid;t  fo  halb  er* 
fannt  unb  fta)  gebeffert  —  23ebenfet  ferner,  bag  e$  ©Ott 
ntandjmaf  autägt,  bag  wir  9ttenfd)en  von  einem  geiler  übereilt 
werben,  bamtt  wir  felbjt  in  ber  Demutlj  ermatten  unb  gegen 
ben  jlrauajelnben  9Ma)|ten  ma;t  |?art  unb  unbarmherzig  wer* 
ben,  tck  and),  bamit  bte  ©ebulb  beS  9?äd)ften  geprüft,  bie  brü* 
ber(ia)e  £tebe  bejfer  erfannt  unb  befto  mefjr  untereinanber  be* 
fefttgt  werbe,  —  SSerfünbigt  fta)  nun  beut  -ftäc^frer  an  bir,  o 
djmft,  fo  benfe,  bag  ü)n  ©Ott  bemütfjigen,  bttr)  aber  prüfen  wotte. 
—  Durd)beS9?äa)ften  geiler  wirb  bte  brüberlia)e  %töt  geftärft 
itnb  eifriger  gemalt.  Dieg  erfannte  jene  fromme  grau  in  2Ue* 
ranbrien,  bie  von  bem  bortigen  33ifa)of  eine  arme  Sßittwe  *>er* 
langte,  welche  (teinö^auö  nehmen  unb  verpflegen  wolle,  %U  er 
ij?r  nun  eine  rea)tfa)affene  $erfon  überlieg,  bie  ifjrer  Söojrttpä* 
terin  atte  £age  ^erjlia;  banfte,  fo  befürchtete  jene  grau,  fte 
möchte  bura)  biefe  Iwuftgen  Danffagungen  ftot$  werben  unb  r>er* 
langte  eine  anbere  Sittwe,  Der  33tfct)of  fc^icfte  ü)r  nun  eine 
ftreitfüa)tige  ^erfon  ^u,  ber  man  nta)tS  rca)t  machen  lonnte, 
Welche  ifjre  SÖoJrttjjäterin  fa)att  unb  felbft  naa;  ü)r  fa)(ug,  — 
DiefeS  aber  erbulbete  bie  fromme  grau  mit  greuben  unb  banfte 
©ott,  ber  ü)r  eine  fola)e  <Sa)uIe  ber  ©ebulb  eröffnet  unb  @e* 
tegenj>eit  gegeben  £abe,  ©ute$  $u  t$mn  unb  53ofe^  bafür$u 


1165 

leiben.  —  Diefe  wuffte  recfjt  gut,  wie  man  bte  33lumen  mit 
dornen  verwahren  unb  bura)  be$  üftäajften  3orn  unb  £aß 
feine  ?iebe  unb  ©ebulb  f$ärfen  unb  erhalten  muffe.  Raffet  un$ 
tpr  barin  nachfolgen. 

Unfer  Sttitbruber  fann  uns  aber  audj  au£  23oS£ett 
beleibigen,  weil  er  311m  3anf  unb  ©treit  geneigt  iß,  unb 
feine  ££ri|knpflia;t  m$t  re$t  verfielt  ober  in  %$t  nimmt 
3n  einem  folgen  gall  aber  lägt  ftd)  ber  wapre  Gtprift  nifyt 
$um  3^rn  reiben,  fonbern  befleißt  fiel)  um  fo  meljr,  $kbc 
unb  ©arm^eqigfeit  an  feinem  trüber  $u.  beweif  en.  Denn 
er  Betrachtet  t^n  aU  (£inen,  ber  in  eine  ©rufte  gefallen  iß  unb 
in  groger  Lebensgefahr  fa)webt.  3e  größer  bie  23oSf>eit  unb 
je  größer  bie  ©efajjr,  beßo  größer  muß  aua)  bie  tiefte  fe^n. 
Darum  fagt  3afobuö:  „2öer  ben  ©ünber  bef  eljret  von. 
bem  3 trtlj um  feinet  SBege^  ber  l?at  einer  ©eele 
vom  £obe  geholfen  unb  wirb  bebet! en  ber  ©ünbett 
Uttenge."  3e  größer  ber  $amvf  ijt,  befto  heftiger  muß  baS 
©ebet  fep  unb  befto  me£r  muß  man  jt<$  bemühen,  baS  23öfe 
mit  ©utem  ^u  überwmben.  3n  einem  feinbfeligen  5D?enfc§en 
wojmt  ber  ©atan,  aber  in  einem  fanftmütptgen  unb  gebulbigett 
wo£nt  3efc$  mit  ©einer  ©nabe  unb  fr'ebe.  SOSollen  wir  uns 
nun  baS  33öfc  überwinben  laffen,  wollen  wir  augeben,  baß  3^ 
fu$  mit  ©einer  %kht  au$  unferem  £er^en  vertrieben  unb  btefeS 
mit  £aß  unb  geinbfcljaft  erfüllt  werbe?  —  Das  fep  ferne!  — 
Raffet  unö  vielmehr  barnaa)  trachten,  baß  wir  in  ber  $raft 
3efu  bie  8oö£eti  be$  ^cic^ßen  mit  ©üte,  feinen  3orn  mit  %kbt 
unb  feine  geinbfeligf eit  mit  ©ebulb  überwinben.  Raffet  i^nburc^ 
unfer  ®ehH  wie  aua;  bur$  (£rmajmen,  bitten,  glepen  unb 
SSopltpun  gewinnen,  baß  wir  ben  ©atan  vertreiben  unb  baä 
£eq  bem  £errn  3efa  überliefern, 

IV.  Raffet  un$  enblic^  aud)  lernen,  wk  wir  t>on  £er* 
$en  vergeben  unb  t>ie  23eleibtgungen  vergeffe« 
follen.  Raffet  un$  willfährig  fe^n  gegen  unfere  2£ibecfaa)er 
unb  ©elegenljeit  fudjen  $ur  SBerföjmung  ju  gelangen,  fte  aber 
aua)  begierig  annehmen,  wenn  wir  fte  Ijaben  tonnen.  Denn  t$ 
tj*  nic^t  $u  befajreiben,  wie  fa)äblic^  eö  tjl,  wenn  man  tk  Un* 
emigfeit  lange  erhält.  3e  länger  baS  geuer  brennt,  bejto  me£r 


1166 

greift  e$  mit  Wlatyt  um  {!$♦  3e  länger  bie  3^tetra^t  unter 
ben  d^ripen  Ad#^  btfto  mejjr  ljöttifc^e  ©eifter  t>erfatnntetn 
jtd)  unb  wenben  aßen  gleif  an,  biefetbe  $u  erhalten  unb  31t  tter* 
großem*  £)a  bringen  fte  alle  £){)renbläfer  unb  Lügenmäuler 
auf,  Welche  e£  ftdj  jum  ©ef Reifte  machen,  i£re  5D?itmenf$en 
immer  mejjr  gegen  emanber  aufzureihen*  2)a  fott  ber  üftäd&fle 
bieg  ober  baS  gerebet  ober  getljan  l?aben,  ba  tragen  fte  bem  (Ei* 
tten  $u,  wa$  ber  2lnbere  im  Vertrauen  gefagt  jjat  unb  sergro* 
fern  e3  no$*  £>a  feuchten  fte  jebe$  Sort  mit  ©ift  unb  ©alle 
an  unb  jteften  ft$,  aU  ob  ba$  Unreal  t,  ba$  einem  £jjeil  wiber* 
fahren  tft,  ijjnen  feljr  $u  £er$en  gienge,  —  2öa$,  fagen  fte, 
fottte  biefer  bir  fo  begegnen?  Sotfteft  bu  ba$  fo  fnnne^men 
unb  bulben?  —  -ftimmermepr  fannft  bu  ipm  bag  ^u  gut  Jalten* 
—  2)tefj  fdjeirtt  £tebe  unb  greunbfcjwft  $u  fe^n,  t(i  aber  in  ber 
£f>at  ni$t$  aU  geinbf^aft  —  £)ocf)  mü  id)  e$  gugeben,  baf? 
fote^e  üflenfcf)en  eine  greunbfe^aft  tjjun,  aber  nitf)t  ijirem  9läfy* 
Pen,  fonbern  bem  £eufel*  2)enn  biefem  gef$ie£t  ein  groger 
2)ienfi  bamit,  wenn  man  unter  ben  Triften  Uneinigfeit  $u  ftif* 

ten,  gu  »erme^ren  unb  gu  erhalten  fu^t £>a£er  laffet 

un£  3itr  23erfö£nung  witfig  fei;n,  unb  nid)t  fo  fe£r  auf  unfe* 
rem  £fte$t  befielen,  Taffet  unö  ben  grieben  fud)en,  trenn  wir 
Qltiö)  ben  Anfang  gum  ©treit  nid)t  gemacht  jjaben.  2BaS  nun 
1)  ben  bete  ib  igten  SC  Jett  betrifft,  bem  ein  Unrecht  wtber* 
fahren  ifi,  fo  mug  biefer  wobf  erwägen,  ob  er  nirijt  felbft  burclj 
eine  untforft^tige  9?ebe  ober  burefy  eine  ^weibeuttge  £anbtung 
o#ne  feinen  SBitfen  2Maß  ^um  Sani  gegeben  £abe?  (ürr  mug 
ttoj?t  überlegen,  ob  er  ben  ©treu  nid)t  vermehrt,.,  unb  burdj 
feinbfetigen  äötberfiirudp  sergrögert  pabe?  £)enn  9ttand)er  wirb 
$war$uerft  beletbigt;  aber  er  lägtftcf)  balbbaraufmit  bemSMei* 
biger  fo  ein,  bag  e$  gu  grogem  Slergermg  wirb*  ^ttandjer  wirb 
mit  einem  ©Zeitwort  angegriffen,  unb  gibt  itfm  flimmere 
gurücf*  Unb  wenn  bann  son  ber33erfo£mtng  bieSftebeifi,  fo  bil* 
Ut  er  ftd>  bo$  ein,  bag  er  ber  beletbigte  Zfytil  fep  unb  feine 
Urfa^e  Jwbe,  ben  Anfang  $u  machen.  —  Unter  folgen  UmfMn* 
ben  aber  fott  ftc$  ber  @jmft  m$t  lange  bebenfen,  fonbern  eilen, 
um  feine  unb  be$  ^äc^f^en  (Seele  $u  rettem  dx  fott  ©ott  lit* 
ten,  bag  er  ijmen  gnäbig  fe^n  unb  ba$  gegebene  Slergernig 


1167 

mä)t  aureo)nen  wolle, <£$  fann  aber  aua)  gefa)epen,  baf? 

ein  (£prift  opne  alle  ©a)ulb  beleibigt  wirb,  baf?  er  feinem  geittb 
mit  ©anftmutp  begegnete,  nnb  ben  ^rieben  [o  viel  möglia)  ^u 
erpalten  futyii*  SBenn  nun  Jener  in  feiner  geinbfa)aft  beparrt, 
fo  tjt  nötptg,  su  erwägen,  was  er  alSbann  tpun  folle?  — 
9ttana)er  lägt  fta)  in  einem  folgen  galle  von  feinem  glfifa) 
unb  33lut  überwinben,  unb  beult:  Sßill  meingetnb  |f|^ 
nen  unb  paffen,  fo  tpue  er  e$  immerhin,  ta)  pabe 
tpm  feine  Urfaa)eba$u  gegeben,  ta)  pabe  ipn  nia)t 
beleibigt,  fonbern  er  mia),  ia)  will  c£  ©Ott  befep* 
Jen;  er  mag  fauer  fepen,  fo  lange  er  will,  tt>a$ 
gept  e$  mtä)  an?  —  ^tfein  baS  peigt  nia)t  nad)  ber  £tebe 
gepanbelt,  unb  wenn  bu  bia)  in  ber  gura)t  ©otte$  beftnnft,  fo 
wirft  bu  gan^  anberö  reben*  (£$  ijt  $war  nia)t  Unrea)t,  wen« 
wir  unfere  6aa)e  ©Ott  befehlen,  aber  e3  muf  mit  einem  lieb* 
reiben  £er$en  gefa)eptm  —  60  fagt  mancher  Sttenfa),  ia)  will 
bie  @ad)e  @ott  befehlen;  aber  er  tput  e3  mit  einem  bittern 
unb  raa)gierigen  £er$etu  @x  meint,  ©Ott  fode  baä  auäfüprett, 
was  er  in  feinem  feinbfeligen  £eqen  wünfa)t*  £>teß  peigt: 
©Ott  im  5D?unbe,  ben  Teufel  aber  im  £eqen  pabem  —  Darum, 
o  Gtprift,  wenn  bu  ©Ott  bie  ©aa)e  befehlen  witfjt,  fo  beftepl 
3pm  aua)  gleia)  bie  $erfon  unb  bie  getttic^e  unb  ewige  2öopl* 
faprt  Deines  irrenben  5^da;ftem  #abe  2lä)t-  auf  bein  eigenes, 
verberbteg  £er$,  baß  e6  ben  tarnen  ©otteä  niept  311m  Detfef 
feiner  23o$peit  maä)e  unb  bem  ©atan  nia)t  $aum  gebe,  inbem 

e$  fta)  auf  ben  £erm  beruft ©age  aua)  nia)t:  2Sa$ 

gept  e$  mta)  an,  bag  mein  ^dd)fter  ^ürnt,  ermag 
pingepen,  fo  lange  er  wilticA  —  2ta)!  gept  eS  bia) 
niept  an,  wenn  bein  9?äa)fter  in  ©ünben  lebt  unb  vom  ©ata« 
verblenbet,  in  ©efapr  feiner  ©eele  ftept?  Du  wirft  boa)  nia)t 
fo  geftnnt  feipn,  wie  bie  Jpopenpriefier  ^u  3erufalem,  wela)e, 
aU  ipnen  ber  23errcitper  3uba£  feine  ©ewiffen^^ngft  entbetfte, 
fagten:  2Ba$  geptunS  ba3  an,  ba  fiepe  bu  ^u!  $at 
©Ott  nia)t  einem  jieben  unter  uns  feinen  sJtöa)ften  anbefoplen? 
©inb  wir  nia)t  fa)ulbig,  tpm  in  allen  anliegen  su  ratpen  unb 
$u  pelfen  naa)  Gräften?  ©epen  uns  bie  2öorte  ber  ©a)rtft  nia)t 
aua)  an,  baß  wir  un$  unteretnanber  felbft  wapr* 


1168 

nehmen  fetten  mit  9?et$en  zuxSith?  unb$u  guten 
2Berfen,baß  wir  barauf  fe£en,  tag  nia)t  3emanb 
©otteS  ©nabe  oerfaume,  bag  feine  bittere 
Söuraet  aufwaa)fe  unb  Unfrieben  anriete  unb 
Söiete  bura)  btefetbe  verunreinigt  werben,  —  £)a* 
rum,  o  d^rtft,  jjatte  eS  ma)t  altem  für  beine  $ftia)t,  fonbern  aua> 
für  eine  große  Grljre,  wenn  bu  beinern  -Kauften  mit  Sßevföjmtia)* 
feit  unb  Siebe  auoorfommfi  Spat  bejn  33ruber  ben  Anfang 
gemalt  jum  ©treit,  fo  madjebu  ben  Anfang  ^umgneben,  bann 
wirft  bu  (£f>re  baoon  paben  vor  ©ott,  vor  ben  Engeln  unb 
alten  frommen  £eqen.  Söotten  wir,  un^  beffen  fa)ctmenr  wa£ 
imfer  ©Ott  fetbft  tjjut?  2öir  ^abert  3Jm  burd;  viele  unb  grofte 
€>ünben  fe£r  beteibtgt  unb  boa)  hkiü  er  uns  bte  23erföj?nung; 
an*  <£x  hittü  un$,  baf?  wir  ung  Jjetfen  unb  ratzen  tajfen  fol^ 
len,  wie 3^f aia^  tm  tarnen  ©otteg  fagt:  ,,3a)  rede  meine 
£änbe  auä  ben  ganzen  £ag  au  einem  ungej?orfa* 
men  SBotf,  ba$  feinen  ©ebanfen  naa)wanbett*"  £)a* 
per  fyria)i  aua)  $autu£:  „©ott  war  in  £j?rifto  unb  ver* 
följnte  bieSöett  mit  fia)  fetbjl  unb  rechnete  ipnen 
t£re  ©ünbe  nid)t  ju  unb  pat  unter  uns  aufge rietet 
ba$2öort  von  ber  5Berfö£nung*  ©o  finb  wir  nun 
23otfa)after  an  dprtftt  Btatu  2)enn  ©ott  ermahnet 
bura)  un$,  fo  hitten  wir  nun  an  Gtj>rijH  @tatt:  £af* 
fet  euä)  verfolgen  mit  ©ottJ"  —  — 

2)arau$  ift  nun  kiö)t  au  erfefjen,  wa$  ber  Otyrtfl  tjum 
tnuf,  ber  ben  grieben  tiebt  unb  ijjm  naa)ftreben  mit  —  Wlan 
tnu§  ben  Anfang  machen  mit  einem  anbäa)tigen  &thü  unb  mit 
©Ott  ttxoa  auf  fotgenbe  SSetfe  reben:  ©netbiger  ©ott  unb  23a* 
ier,  ber  £)u  £er$en  unb  Vieren  prüfefr,  2)u  weift,  ba§  ta)  x$U 
fcer  SBermut^en  unb  wiber  meinen  SBitten  mit  meinem  Vläfyftm 
in  Undnigfeit  geraden  bin,  &$  ijl  mir  £eratia)  Uib,  wenn  iä) 
wiber  mein  Söiffen  Urfaa)e  baau  gegeben  fyaU  unb  mein  £>er$ 
ttia)t  fo  von  3orn  unb  £afü  rein  Ratten  fonnte,  vok  e3  (ta)  ge* 
jtemt  Y<xtii.  £)u  weigt,  tieber  2kter,  xca$  für  fa)waa)e  ©e* 
fa)övfe  wir  ftnb;  barum  f>abe  ©ebutb  mit  mir  unb  meinem 
tftaa)jten  unb  veraet^e  uns  gnäbig  alte  fünblia)en  ©ebanfen, 
Sorte  unb  SSerfe,  bie  Ui  biefem  3&nf  vorgefommen  (tnb. 


©tb  mir  unb  iljm  ein  liebreichem ,  fanftmütl?igem ,  freunblirijetf, 
friebliebenbem  imb  »erföl?nlia)em  £er^  ©tb,  bag  wir  einan* 
ber  »on  £er$en  vergeben,  gteia)t»ie  2)u  unm  »ergeben  l^aft 
unb  noa)  täglitt)  »ergibft  in  Gtjmfto.  3$  Witt  naa)  deinem 
33efe£l  meinem  9Md;ften  bie  23erfötjnung  anbieten  unb  tym  Wlit* 
td  ^um  grieben  unb  gur  ©ntraajt  »orfa)lagen;  erweiche  2)u, 
o  ©Ott ,  fein  £er$ ,  ber  £)u  aller  Sftenfdjen  ^er^en  in  £>ti* 
ner  £anb  Iwft  unb  ft'e  leiten  fannft  wie  bie  2öafferbäa)e,  bag 
er  biefelben  annehme  unb  fta)  gewinnen  laffe.  —  hierauf  i m* 
neu  wir  naa)  ber2lnt»eifung3efu:  „©ünbtget  beinSBru* 
ber  an  bir,  fo  ge£e  j?in  unb  ftrafe  (überzeuge)  tljn 
5Wtfa)en  i  Ijm  unb  bir  allein/'  mit  unferem  23elei* 
biger  münblid)  ober  fa)rtfttitt)  unter (?anbe!u;  em  mug  aber  Willem, 
t»am  wir  tjmt  »erhalten,  mit  2tebe  unb  gteunbtia^ett  gefajeben* 
2Öir  muffen  em  maa)en  voie  Abraham,  ber  ^u  £ot|>  fagte: 
„5D? ein  lieber,  lag  nia)t  3  an!  f^9«  ^wif  a)en  mir 
unb  bir  unb  3Wtfa)en  meinen  unb  b  ein  en£irten; 
benn  wir  ftnb  Vorüber*"  23ei  unm  mug  em  feigen:  £te# 
ber  trüber,  lag  nia)t3anf  ^wifajen  un?  fe^n;  benn  wir  finb 
Triften ,  bie  ^um  grieben  berufen  ftnb  unb  bie  man  att-  ber 
%kU  erfennen  folL  2Sir  £aben  (Einen  ©ott,  (Einen  ©a)öpfer, 
Malier,  (Ertöfer  unb  gröfter,  (Eine  gaufe,  diu 2ibenbmaf?l, 
(Einen  ©tauben  unb  (Eine  Hoffnung,  fo  wollen  mv  aua)  (Einer- 
lei ^iebe  unb  (Ein  £er$  l?aben.  Hßarum  wollen  wir  unä  untere 
einanber  betrüben  unb  Raffen ,  warum  bie^ultf  unf er  er  Seele 
ftören,  unfer  ®cUt  »erjrinbern  unb  unm  felbft  ben  Fimmel 
»erfa)liegen?  SBarum  wollen  wir  bem@atan  einegreube  ma* 
$en,  unm  feibft  aber  grübfal  unb  Unanne£mtia)feit  bereiten  unb 
unfern  3JHtä)rtften  ein 2lergemig  geben?  ©iel?e,  In'er  ift  meine 
£anb  unb  mein  £>er$,  ia)  bin  bereit,  Willem  ju  »ergeben  unb  ^u 
»ergeffen,  wa$  »orgegangen  ift,  ttua)  2Wem  ^u  tfnm,  wa$ 
3um  grieben  bienet  :c+  —  ©lauben  wir  aber,  bag  ber  3ä£* 
aorn  unferem  Sftitbruberm  em  nia)t  sulaffe,  auf  foldje  SSeife 
mt  tym  au  reben,  fo  ift  nia)t  unbienlia),  bag  wir  il?m  fol* 
$em  entweber  fa)riftlia)  »orfteilen,  ober  anbere  friebliebenbe 
^perfonen,  benen  er  Vertrauen  fajenft,  mit  t{jm  fprea)en  laffen, 
unb  wenn  er  almbann  noa)  einen  $riftlia)cn  Blutstropfen  im 
^er^en  fyat ,  fo  wirb  er  bereitwillig  fep  ^ur  SBerföfmung  unb 
em  an  nia)tm  fehlen  laffen ,  wam  sum  grieben  bienet.  —  — 

@  c  c  i  d  c  x  '<?  ©eelenfctjaö-  74 


1170 

3a)  jjoffe  nio)t,  bag  ein  wahrer  @£rtft  in  einem  folgen  galle 
naa;  ber  28etfe  kr  äßeft  fagen  tx>irb :  28  aS  p a &e  ia)  no* 
i£ig  einem  intern,  be r  mia>  beleibigt  5>at  unb 
bcxnifyt  Keffer  ift,  als  ia),  au  gügen  au  fallen? 
2)enn  ob  e3  gleia)  befjer  ijl  auf  ben  ^nieen  in  tm  £immel 
3U  frieden  ,  aU  mit  einem  fielen  £eraen  in  bie  £ölle  au 
rennen,  fo  wirb  bo$  aud)  ba$  ra>a)  baau  erforbert,  bag  bu 
beinern  9cäa)ften  gu  pfjen  fäUft*  &  fteeft  eine  £eufel3tijl 
baln'nier,  t>a$  man  mit  älmlia)en  2Borten  eine  ©aa)e  »erbrüg* 
lic^  machen  will ,  bie  unferem  (Sfmftentijmm  fo  angemeffen  ijh  — 
2)ie  ©a)rift  verlangt,  bag  bu  al$  ein  2lugerwäj?lter  ©otte6 
©anftmutjj ,  £)emutj>  unb  ©ebulb  anaie^eft  unb  beinen  ®lau* 
ben  in  ber  $kte  beweifeft,  Sßenn  bu  alfo  beinern  9cäa;ften  bte 
23erfol)ttung  aus  a)riftlia)em  £eraen  anUzttft,  fo  ijl  bir  ba$ 
nitt)t  fa)impflia;,  fonbern  J?ött)ß  rüfmtliä;  »or  ©Ott  unb  ©et* 
neu  ^eiligen  Engeln.  —  (£in  Ruberer  möchte  fagen:  ©oll 
ity  benn  meinem  ^äcfjften  »ergeben,  e£e  er  mia) 
bittet  unb  fetnengel?ler  erfennt?  Unfer  <£rlöfer  felbjl 
fagt  ja:  iä)  folle  meinem  trüber,  ber  fiebenmaU 
be££age$  an  mir  fünbigt,  »eraeiljen;  aber  dx  fefct 
|mtau,  —  wenn  er  au  wir  fomme  unb  fpreä)e:  eö 
r  e  u  e  t  m  i  $ !  —  SSoJtf,  allein  wir  muffen  einenUnterfdu'eb  machen 
awifdjen  ber  geheimen  Skraeilnmg,  wela)e  ber  @!?rift  im 
®eUt  unb  in  feinem  £eraen  vor  ©Ott  erteilt ,  von  welker  3efu$ 
fagt:  wenn  iljr  fielet  unb  hetet,  fo  »ergebet,  wenn  tpv  ettoaö 
wiber  3emanb  l^abt ,  —  unb  awifa)en  ber  öffentlichen, 
ba  man  fta)  gegen  t>m  9?äa;ften  erlldrt ,  bag  man  2llle3  »er* 
geben  unb  »ergeffen  wolle*  —  2luf  bie  erfte  SBeife  muffen  wir 
bem^äd)ften  »ergeben,  e£e  bie  «Sonne  untergeht,  unb  Ui  bem 
erften  ©ebei,  ba£  wir  a«  ©Ott  richten*  2)ieg  pat  Sofeplj 
getrau,  ber  au  feinen  Erobern  fagte,  noa)  ejje  fte  tyn  um 
SBeraeipung  baten: „befümmert  eua)  nio)t,  unb  benfet 
nt$t,  bag  ia)  barum  aürne,  bag  ifyx  mid)  fyiefyex 
»erfauft  j>abt+"  ©o  mad)te  eS  aufy  unfer  £eilanb  unb 
©ein  erfter  23Iutaeuge  ©tepljanuS ,  welche  beibe  für  i£re  geinbe 
laten,  nott)  ej>e  btefe  i^re  ©ünben  erfanntem  ©ie  gaben  eben 
bamit  au  ernennen ,  ba§  fte  in  iijren  |>eraen  fo)on  2llle$  »er* 
geben  Ratten.  2)ie  %mitt  35eraei^ung  aber ,  welche  ben  5^ätt)* 
Pen  unfereö  »erfö|mten  ^eraen^  »erfta)ert,  folgt  bem  (^rfenntnig 


1171 

ber  (Simbe  unb  ber  W>biüt  naa%  £)oa)  barf  uns  ba$  IBe^ 
tragen  be£  iftäajften,  —  er  mag  feine  geiler  erfennen  ober 
ni$t ,  oon  unferer  @l)riftenpflid?t  ni$t  abgalten ,  fonbern  wir 
follen,  wie  f#ott  gefaxt,  tym  al^balb  x>or@ott  t>er$eij>en,  unb 
nia)t  unterlagen ,  ijjm  bie  Verformung  anzubieten  unb  un$  $u 
ber  öffentlichen  Verjüng  bereit  ^u  erflären* 

2)  Sßir  wetten  aber  aua)  ben33eletbiger  betrachtend 
ber  feinem  ■ftctrijften  Unrecht  get^an  fyaL  33ei  biefem  fmben 
fta)  jjäuftg  groge  Mängel*  £)a$  £er$  be$2D?enf$en  ift  £0$* 
mütjng  unb  will  nia)t  geirrt  ober  Unrecht  getrau  Ijaben ,  e$ 
ift  meljr  geneigt,  feine  ©ünben  ^u  entfdmlbigen ,  aU  gu  er* 
fennen»  £)af>er  ift  2Eftand)er,  ber  feinen  9Md)ften  fa)wer  be* 
leibigt  Ijat,  aua)  am  fa)werften  ^ur  Verföjmung  ^u  bringen, 
befonber^  wenn  er  e$  mit  3emanb  $u  tjmn  ^öX,  ber  ijmt  an 
2lnfe£en  unb  ©ittern  niajt  gleia)  ift.  Da  benft  9ftana)er  unb 
fagt  e£  aua);  2Sa$  frag1  ia)  naa)  3enem,  er  muß  e3  wofrt 
leiben  unb  jnnnelmten,  ity  will  einen  3?ea;t3ftreit  mit  ifmt  an* 
fangen  unb  ijjn  gewig  mübe  machen.  Unter  fola)en  Umftänben 
müjfen  biegrommen,  bie  ©titten  im  £anbe,  bte  fta)  oor  3anf 
unb  ©treit  fürchten,  hk  Firmen,  bie  SSittwen  unb  SBaifen 
siel  leiben,  ba  mug,  tote  e£  in  ben ^falmen  Ijeigt ,  ber  £ro# 
ber  ©ottlofen  föftlia)  £i,ng  fe^n  unb  ijjr  greoel 
mug  wo£l  getrau  Reifen,  i£re  $erfon  brüftet 
fia),  unbfiet^un,  wag  ijnen  beliebt  <5ie  oer* 
nta)i£n  2llle3  unb  reben  übel  baoon,  fie  reben 
unb  läftern  boa)  f>er,unb  w<x$  fie  reben, baö  mug 
oom  £immel  fjerabgerebe  t  fe^n,  wa$  fie  fagen, 
$><x$  mug  gelten  auf  darben."  —  ©o  Rittet  eu$  woljl, 
meine  Triften,  bag  tyx  nicf)t  auä)  in  biefes  sJlt%  fallet,  (£$ 
gibt  feine  grögere  <&ünbt  aU  bk ,  welche  fia)  bur$  allerlei 
mögliche  Gnttfdmlbtgungen  gur  ©ereajtigfeit  machen  tviU.  (£3 
gibt  feinen  größeren  ©reuel  oor  ©Ott,  ai$  einen  trogigen 
©ünber,  oer  auf  feiner  53o^eit  beftefjt  unb  nid)t  Unrecht 
twben  will.  $aU  i^r  eu$  nun  in  ber  £runfen£eit  ober  au$ 
5lnftiften  2lnberer,  ober  burd)  Verleitung  euretf  fi'mblidjen 
gleifcbe^  an  eurem  9Ma)ften  ^erfünbigt,  fo  erfennet  eö  oor  (&ott 
unb  9)?enfa)en  mit  einem  bemüt^igen  ^er^en.  Verlaffet  euo> 
md)t  auf  Unrea)t  unb  greoel,  oerlaffet  eua;  nic^t  auf  euern 
<5tanb,  nic^t  auf  eure  ^ac^t  ober  ®üter,  oerlaffet  eua;  nic^t 

74  * 


1172 

auf  eure  geläufige  3«ttge  ober  auf  eure  33o$5ett*  Denfet  otelme^r, 
ba§  ein  ^o^er  Ritter  tjt  über  ben  £o£en  unb  ein  £öljerer 
über  33eibe.  teufet ,  bag  bei  ©ott  fein  ^Infe^ett  ber  $erfon 
gilt,  unb  bag  Silber  unb  ©olb  -iftiemanb  erretten  fann  am 
£age  beS  @erid)i3»  Denfet,  bag  baS,  m$  Ijoä)  tfi  »or 
ber  2Belt,  $or  ©Ott  ein  ©reuel  tft,  unb  $>a$  t>a$,  wa$  bie 
Seit  »erachtet,  manchmal  an  ti?eure3  JHetnob  bei  ©Ott  tft  — 
23ebenfer,  t>a$  bie  Firmen  unb  Grlenben  einen  mächtigen  ©c&ug* 
Jerrn  tjaben,  unb  wenn  fte  gleich  fein  ®db,  feine  greunbe 
unb  feine  Wlafyt  befugen,  um  eu$  $ur  (^rfenntniß  eures  Un* 
re$tS  £u  bringen,  fo  £aben  fte  bodj  Streuten  unb  ©eufoer, 
unb  tTagen  ©Ott  Uc  ifmen  zugefügte  23eleibigung*  Erinnert 
eud)  5um  23efd?lug  an £iobS 2öorte :  „£abe  t<§  »erachtet 
baS  Sftecfjt  meinet  $ne$t$  ober  meiner  $?agb, 
wenn  fte  eine  ©adjje  wiber  mi$  Ratten?  (3a)  backte 
nt$t,  wenn  tc|>  tfmen  an  na^e  getreten  war,  eS  tft  bloS  beut 
$ned)t  ober  beute  Sttagb,  bk  muffen  eS  leiben,  fonbern  baS 
dltfyt  unb  t>k  ^ilu'gfett  betrog  mtcjj ,  an  tfmen  $u  tfmn,  tt>a$ 
ft$  gekernt)  Denn  wa$  fol He  ity  tljun,  wenn  ©ott 
ftd)  aufmalte  Cunb  ft$  bieferl^erfonen  annähme?}  Unb 
was  würbe  t$  antworten,  wenn  (£r  ntidE)  jjetm* 
fuc£te?£at  ber|>err  nt$t  fte,  wie  mt$  er f Raffen, 
unr>  uns  2llle  tnS33  af  e^n  gerufen?  £at  nid?t  QtljriftuS, 
fe§en  wir  j)tn$u,  uns  WXt  mit  (Seinem  $eue.nt  33lut  erlöst  ?  £aben 
wir  ntd;t  Wt  einerlet^offnung  beS  £immelS  unb  ber@eligfett  ?— 
Damit  woEen  wir  nun  bie  2e£re  »oh  ber  griebferttgfeit  unb 
23erfö  jmlid;fesi  [fliegen ;  weil  t$  aber  wünfebe,  ba$  ifyx  äm$ 
Ijaben  moget,  woran  ifyx  cud)  ftets  erinnern  fönnet,  fo  füge 
tefj  nod)  folgenben  merfwürbigen  £raum  tyn%u+  (£üt  frommer 
Wlann  fyatte  einen  fepr  ^anffü^ttgen  unb  unoerfojmu'cfien  9?ad>* 
bar  unb  mugte  siel  oon  tlnn  leiben*  211$  er  nun  einft  mitten 
in  ber  -Iftadjt  erwarte  unb  für  .feinen  -ifta^bar  Utät,  feftfief 
er  barüber  ein  unb  eS  fam  t£m  im  £raum  »or,  als  fä£e  er  in 
bas  £auS  feinet  geinbeS  einen  @ngel  mit  einem  offenen  33u# 
pinetn  gej)en,  barauS  btefer  tjmt  etwas  »orlaS.  @r  porte  ha* 
»on  nod?  bie  Söorte :  „$lfo  tvix$>  euef;  mein  l^tmmltf^er 
Söater  auejj  t^un,  wenn  ii^r  ntc^t  »ergebet  t>on 
^er^en,  etnSegli^er  feinem  trüber  feine  Je^ 
ler/'    5lb  biefer  @ngel  »erf^wanb,  fa^e  er  mm  anbern  au 


_il73_ 

feinem  Wafybax  gefiem  dx  trug  einen  $orb  soll  ljerrlicf)et 
lölumen  unb  grüßte,  bie  er  tym  anbot,  tiefer  aber  wanbte 
fein  @eftcf?t  bason  ab  unb  begehrte  fte  nia)t  red)t  an^ufe^en* 
9ta  fatn  ber  britte  (Engel,  welker  in  ber  einen  £anb  tint 
diutfyt  unb  in  ber  anbern  eine  ©eigel  fyatte ,  mit  ber  er  bem 
böfen  $?anne  trotte*  Diefer  jeboa;  befümmertc  fta)  nichts 
barutn,  fonbern  blieb  Ui  feinem  unfreunblidjen  SBefem  Wun 
erfa)ien  3efuS  felbft  mit  ber  2)ornenfrcne  auf  bem  fyaupt  unb 
mit  ©einen  offenen  SBunben*  $tt§  aber  aua;  biefer  ni$t  ge* 
aa)tet  würbe,  fo  fam  %uk%t  ber  gob,  unb  mit  ijmt  ber  6a* 
tan ;  barüber  erf^ract-  ber  fromme  3Jtoroi  fo,  ba$  er  erwarte*  — 
2Bcu)renb  er  barüber  naa)baa)te,  waä  biefer  £raum  ju  beben* 
ien  jjaben  möge,  ijörte  er  an  feiner  £jmre  ftarf  anflogen. 
(£r  lieg  öffnen ,  unb  eine  $erfon  trat  herein ,  bie  il?n  etlenbg 
gu  feinem  sJtaa)bar  rief,  welcher ,  tote  e£  fa)eine ,  vom  ©a)laa, 
getroffen  korben  wäre.  @r  eilte  fo  fa)netl  als  möglia)  baljin, 
fanb  tyn  aber  bereite  tobt  —  33alb  barauf  oat  er  einen  *>er* 
ftänbigen  $rebiger,  baj?  er  tjmt  boa)  feinen  £raum  erklären 
möchte*  tiefer  fagte;  @ott  warne  unb  ermahne  ben  unbug* 
fertigen  ©ünber  auf  $erfcf)iebene  Söeife*  (Er  tyut  biefeö  %u* 
näü)ft  burdj)  ©ein  SBort  unb  ba3  ^rebigtamt,  m$  bura;  ben 
erften  (Engel  mit  bem  offenen  ^Buci)  angebeutet  fei;,  gerner 
pflege  er  anfy  einen  folgen  Stoffen  mit  fielen  28opltjjaten 
§u  überfa;ütten,  um  fein  $zx%  babura}  au  erweichen,  m$  ber 
@ngel  mit  bm  Blumen  unb  grüdjten  angezeigt  fyahe.  2Bemt 
aber  biefe£  nifytö  nü£e,  fo  neunte  ber  £err  t>k  dlutyz  be$ 
$reuae$  sur  £anb,  wie  ber  (£ngel  mit  ber  dlufyt  unb  ©etget 
le£re;  unb  aua)  3efu^  ftelle  ft#  bem  ©ünber  im  Jett.  Stbenb* 
mafrt  unb  fonji  noa)  in  ©einem  Seiben  bar,  um  t$m  £ur  25uge 
gu  locfen.  Senn  aber  Mt$  sergebemS  fe^,  unb  ber  $?enfa) 
in  feiner  23o#eit  beharre,  fo  gefc^e^e  if?m  ni$t  Unrecht,  wenn 
tjm  ®otte3  ®erid)t  übereile  unb  er  bem  Reiniger  übergeben 
werbe*  ~  ©Ott  gebe  un3  Tillen  ein  bußfertigem  unb  serföjm* 
lia)e$  £>er$  bura)  3efum  (Elprijkm,  welchem  fammt  bem  f>eiL 
@eift  m,  fxät  unb  £)anf  gefagt  fep  \t%t  unv  in  @wtgfeit! 
kirnen* 


1174 

@inunfestt>att&igfte    $5  v  t  h  i  g  t. 

£on  ber  £eufa)£eit. 

3:.  1.  SS.  3Ö?of.  39/  9.  SB«  feilte  td)  ein  (o  gro^ee  Uebel  ti)im  unb  reibet 
meinen  ©Ott  funbigen? 


(5  t  n  g  a  n  g*    , 

^m  Flamen  %eful  2lmen, 

©Ott  fe^  gebanft,  fagt  $aulu£,  ber  un$  allezeit 
©feg  gibt  in  £j?rifto  uttb  offenbaret  ben  ©erua) 
©einer  (£rfenntntj?  bura)  uns  an  allen  Drten; 
benn  wir  f in b  ©ott  ein  guter  ©erud;  0riftu 
2)er  2lpoftel  will  fagen,  bag  er  famm-t  feinen  Mitarbeitern 
am  2Bort  ber  ©nabe  $war  ml  2Btberfprua)  vom  Teufel  nnb 
ber  2Belt  erfahren  müjfe,  aber  ©Ott  Jjelfe  tfmen  boa)  burd) 
©eine  wunberbare  ©üte  unb  verborgene  $raft  fo  gnäbig  Inn* 
bura),  bag  fte  nia)t  allein  ben  Steg  behalten,  fonbern  aud) 
triumplnren,  b*  L  bem  £errn  banfen  unb  bem  ©atan  £ro§ 
bieten  f  önnen.  Unb  ob  fte  gteia)  von  fielen  verachtet  werben, 
fo  feiert  fte  boa)  liefen  Zubern  burd>  @otte$  ©nabe  toie  eine 
liebliche  33tume,  bura)  wela)e  dx  ©eine  Grrfenntmß  aller  Dr* 
ten  ausbreite,  bag  viele  ©eelen  babura)  erquieft  unb  ber  9came 
be£  £errn  3efu  allenthalben  l)oa)gepriefen  werbe*  —  £)biger 
2lu$fprud)  be$  2lpoftel£  aber  ift  wegen  be$  j>errlia>h  ^httjenS, 
ber  befonber^  für  Uc  ^rebiger,  wie  für  alle  Qtyrifien  in^ge* 
mein  barin  enthalten  iftf  nod)  einer  weiteren  (Erörterung  wertj?. 
SBir  fwben  nämlta)  zweierlei  babä  au  erwägen,  1)  ben  b  e* 
jHnbigcn  ©ieg,  unb  2)  ben  guten  ©erua;  Cgute 
33etfpiele)  ber  ßlmften,  bamit  fte  Sitten  erfüllen* 

1)  ©Ott  fc^  gebanft,  ber  un$  allezeit  ©ieg 
gibt  in  Qtjmfto!  —  X)a$  Zehen  ber  frommen  ift  ein  int* 
merwajjrenber  $ampf,  t^k  fdjon  £tob  geflagt  jwt:  ,fflu$ 
nid)t  ber  2ttenfd>  immer  im  ©tretl  fe^n  Iner  auf 
<£rben?"Unb?5aulu3  faßt:  „2)u®otteg  Sttenfa),  fam* 
pfe  ben  guten^ampf  beß  ©tauben^,  ergreife  t>a$ 
ewige  lieben,   ba$u  bu  aua)  berufen  bift!  —  £>a3 


1175 

SQSort  ©otteS  fjat  aber  aud)  nia)t  wrfäjwiegen,  mit  welken 
gefaben  fte  au  ftreiten  £aben,  ob  eg  glet$  bie  Grrfafjrung 
fd)on  aur  Genüge  leprt:  „2Bir  Ijaben  ni$t  mit  gteifdj 
unb  33.1  ut  Cattefa)  au  fämpfen,  fonbern  (aud?)  mit 
gitrften  unb  ©ewalttgen,  nämlid?  mit  ben  £er* 
ven  bev  Seit,  bie  tu  ber  gtnftemig  biefer  SBelt 
jjerrfcj>en,  mit  ben  bofen  ©eifern  unter  bem£im* 
mel*  £)er  Teufel  gejjt  umper  wie  ein  brütlenber 
Sott)  e."  2)e3  ©atan£  ©c£itlfen  ftnb  bie  SSelt  unb  unfer 
gleifa),  barin  Ut  ©ünbe  wohnet  SBiber  biefe  geinbe  nun 
mug  ber  Qpxtft  immer  waa)en,  beten,  fämpfen;  feine  äßajfen 
ftnb  ba3  SSort  ©otteg,  ber  (Glaubt,  bte  Hoffnung,  $>a$  QbtUt, 
bie  £J?ränen,  bie  ©eufaer,  ber  tägltä)  erneuerte  SBorfag  it+ 
©eine  ©efmtfen  ftnb  3efu$  unb  ber  £etf*  ©eift,  welche  t^m 
ntcfyt  blo3  Gräfte,  Süftutf?  unb  greubtgf  eit  geben  aum  ©treit, 
fonbern  tjrat  awfy  wirflia)  beifte^en  unb  ben  ©ieg  x>erfa)affen. 
£>mn  oh  e$  gleich  manchmal  ba£  2lnfel?en  Jjat,  befonber£  in 
biefen  legten  Seiten,  als  ob  bie  $riftli$en  ^rebiger  nia)tg 
ausrichteten,  fo  t>tftu&t  bo$  bagegen  manchmal  t>ih  Glrrfaljrung, 
bag  fte  timn  ©ieg  naä)  bem  anbern  erhalten  unb  beS  ©atanS 
diäti)  tun  unb  wieber  2lbbrua)  t!?un,  bag  er  immerhin  Gtyrifto 
unter  ben  gügen  liegen  mug>  Unb  obgteia)  t>k  grommen  oft 
folgen  Söiberftanb  in  fta)  felbjt  unt>  wn  ber  SBett  ftnben,  bag 
fte  meinen,  fte  überwinben  nia)t,  fonbern  verlieren,  wie  e$  in 
jenem  SSerfe  tjeigt: 

3$  felbjt  mufs  ftreiten  mit  ©ünben  unb  ©Bulben 
Unb  mufj  meine  geinbe  im  SSufen  erbulben, 
Scfy  ftrette  unb  fampfe,  fann  feiten  f)kv  ftegen, 
Sftufj  Xeiber  1  mit  £er§eleib  oft  unterliegen  i 

fo  $eta,t  eS  fta)  boa),  bag  fte  ben  ©ieg  in  £änben  £aben,  wä> 
renb  fte  wegen  beffetben  befümmert  unb  in  ftetem  ^atnpf  be* 
griffen  ftnb.  £)enn  an  $fab  ©otteS  ijt  nia)t  überwunben,  fo 
lange  es  noa)  fdmpft,  unb  wenn  e$  fa)on  bem  Beugern  naa) 
bem  ©atan  unb  ber  2Mt  unter  t>m  gügen  läge,  fo  liegt  e3 
boä)  bem  ©eifte  naa)  in  dpxifto,  fo  lange  fla)  nur  noa)  tin 
©eufaer  naa;  ©Ott  unb  3efu  fejmt  unb  um  ©nabe  unb  £ülfe 
Utttt  2>teg  betätigen  folgenbc  $u£ft>rüa)e;  „3n  bie  fem 
Willem  (tu  £rübfal,  5lngft  unb  Verfolgung)  überwinben 
wir  weit  um£)effen  toiilen,  ber  uns  geliebet  $aU 


1176 

—  2UteS,  was  $on  ©Ott  geboren  ift,  überwindet 
bte  2BeIt  unb  unfer  ©taube  tft  ber  ©ieg,  ber  bie 
Söelt  überwunben  j> a-t*"  —  Steg  gibt  aften  a)ri)tlia)en 
©eelen  eine  troftreia)e  Ermunterung,  bag  fte  tn  btefem  getft* 
lia)en  tampf  nia)t  mübe  werben  unb  fta)  nta)t  fä)recfen  laffen 
fotten,  wenn  tlmen  gtäa)  manchmal  bünfet,  bag  fte  me]?t  über* 
Wunben  werben,  als  überwmben*  Senn  eben  bieg  ift  eine 
2m$etge  beS  ©iegs,  bag  fte  ifre  ©a)waa)£ett  erfennen,  $u  ©Ott 
um  $ülfe  rufen,  beS  ©tegeS  3efu  fi'a)  tröften  unb  in  bem  cm* 
gefangenen  tampf  immer  fortfahren*  SBerbtn  fte  aua)  ben 
£ag  über  $on  einem  genfer  übereilt,  fo  benfen  fte  boa),  ejje 
fte  fta)  ^ur  SRutyt  begeben,  über  i^ren  3uftanb  naa),  beftagen 
i^ren  galt  mit  (Beulen  unb  ftdrfen  unb  ermannen  fta)  mit 
bem  neuen,  ^eiligen  $orfa#,  lünfttg  mit  mej>r  (Eifer  unb  2>or* 
ftä)t  in  ber  traft  3efc  (£f>rtfti  $u  fämpfem  —  (Benfo  »erhält 
i$  fta)  aua)  mit  ber  £rübfat,  wela)e  tjmen  som  ©atan  unb 
ber  SQ3elt  angetan  wirb,  SSenn  biefe  meinen ,  es  fet)e  nun 
um  t>k  grommen  gefa)ej?en,  fte  J?aben  ©tauben,  Hoffnung  unb 
MeS  verloren,  fo  ftärft  fte  ©Ott  mit  neuer  traft  aus  ber, 
#öf>e,  bag  fte  boa)  befielen  unb  ftegen*  —  3n  geifttiä)en  2in* 
fea)tungen  enblia)  Uäbt  tfmen  oft  niä)tS  meljr  übrig,  als  ein 
#etmlia)eS  ©eufeen,  baS  ©otteS  ©eift  in  i^nen  wirft,  unb 
bieg  ift  genug,  um  fte  in  ber  ©emeinfä)aft  (Sjmfti  ^u  ermatten, 
unb  2tfteS,  was  wiber  fte  ift,  gu  überwtnbem  2>a£er  fagt 
$auluS:  Sßir  £aben  allenthalben  £rübfat,  aber 
wtr  ängften  uns  nta)t,  uns  ift  bange,  aber  wir 
»erjagen  nia)t,  wir  leibender  fo  Ig  ung,  aber  wir 
werben  nid)t  »ertaffen,  wir  werben  unterbrücft, 
aber  wir  fommen  nia)t  um» —  Sarum,  meine  Ejmften, 
laffet  unö  freubig  fe^n  in  allem  tampf  unb  ©trett  naa)  bem 
SKorte  unfereS  £eifanbeS:  7,©e9b  getroft,  ta)  t?abe  bie 
SBelt  überwunben!"  —  ©ott  fep  £>anf,  ber  uns  aüe^ett 
©teg  gibt  in  Gtjnufto! 

2)  Sie  ß giften  erfüllen  aber  aua)  2lt(eS  mit  einem 
guten  ©erua)*  —  ©ott  offenbaret  bura)  uns,  fagt 
ber  2lpoftet,  ben@erua)©einer(£rfenntnig  an  allen 
£)rtem  $♦  u  ofme  25tfb;  2Bir  ftnb  ^riefter,  mlä)c  ©ott 
tüa)tig  gemaa)t  fjat,  au  führen  baS  2lmt  beS  9£.  geftoments, 
wetä)e  Er  aua)  mit  mancherlei  ©aben  ©eines  fw'l.  ©eifteS 


' 


1177 

uttb  befonberS  mit  Der  lebenbigen  Grrfenntnifj  «Seiner  unb  (Set* 
ne£  lieben  Sopneö  3efu  ßprifti  aTfo  ausgerüstet  pat,  tag  wir, 
wo  wir  uns  aucp  pmwenben,  lauter  $raft,  ©etft  unb  Men 
*>on  un6  geben  unb  mit  bem  (£\>angelio  tton  ber  ©nabe  ©ot* 
ie$  tttele  «Seelen  an  uns  z^™  unb  fte  bem  £erm  3efu  gu^ 
führen.  —  £)arau$  fotten  *>or  allen  £>ingen  bie^rebiger  ler* 
neu,  tx>ie  fte  befepaffen  fepn  muffen,  wenn  fte  bie  feltgmacpenbe 
(£rfenntni§  ©otteö  unb  (Sprifti  glücflicp  fortpflanzen  wollen* 
<Sie  muffen  barnaä)  trauten,  bag  ipr  ganzer  SSanbel  peiltg, 
ipre  £epre  tröfHiip  unb  erbaultcp  unb  ipr  Sßanbel  unfträflia) 
fep*  «Sie  muffen  mit  bem  ^Blute  3efu  %uv  ©erea)tigfett  unb 
mit  bem  Del  ©eines  peil*  ©eifteS  3«?  Heiligung  befprengt 
fe^n,  adentpalben  ben  ®erud>  ber  @rfennini$  ©otteS  offen- 
baren unb  ba$  wapre  (£priftentpum  fortpflanzen.  (Sie  muffen 
burcp  ipre  peilfame  £epre  unb  bura)  tpr  peiligee  Men  bie 
Slugen  unb  Kerzen  ber  3^örer  auf  jtep  wenben  unb  fte  bem 
#erotjufüpren*  Sie  follen  hk  dErfenntniß  ©ottes  niept  blo3 
in  ber  tirepe,  fonbern  aucp  in  ben  Käufern  unb  in  ©efell* 
fa)aften  fortpflanzen,  Iura  überall,  wo  fte  mit  ipren  3upörern 
ober  mit  5lnbern  znfammenfommen*  —  £)  wie  übel  fiept  e3 
um  t>k  ttrepe  unb  wie  manche  Seele  wirb  s>on  ben  Sßegen 
(Sprifti  verleitet,  wenn  bie  ^rebiger  burcp  ärgerliche  Sieben, 
burcp Scperzeunb  hoffen,  bura)  £runfenpeit  unb  anbere  fcpcinb* 
lia)e  £)inge  fta)  bei  ipren  3upörem  in  Übeln  ^uf  bringen  unb 
iprem  peiligen  2lmte  bä  ber  SSelt  einen  Vorwurf  machen! 
darüber  werben  fte  gewiß  einft  eine  fcpwere  Verantwortung  ab* 

legen  muffen* 2Iber  aua)  bie(£priften  inSgefammt  fönnen 

barauS  lernen,  waöiynm  obliegt*  Sie  follen  aU  reepte  fxit* 
fter  be3  91*  £eftamentS  mit  bem  £)el  be£  peil*  ©etßeS  gefalbt 
fe^n  unb  fta)  befleißigen ,  an  allen  Drten  t>cn  ©eruep  ber  (£v* 
fenntnig  (£prifti  su  ofenbaren  unb  burcp  einen  peiligen  feufepen 
SÖBanbel  fta)  fo  zu  betragen,  ba$  fte  nirgenbö  ein  2lergerniß 
geben,  fonbern  überall,  wo  fte  pinlommen,  einen  guten  -fta* 
men,  tin  guteö  23eifpiel  unb  »tele  gute  Lepren  unb  (£rmne* 
rungen  zurüdlaffen*  —  Siracp  sergleitpt  bie  JHnber  ©otteS  mit 
ben  Sftofen  unb  Milien,  unb  fagt:  „©eporepet  mir,  tpr 
peiligen  ^inber,  unb  waepfet  toit  bie  9*ofen  an 
ben  23&cpletn  gepflanzt  unb  gebet  fügen  ©eruep 
$on  euep,  wie  2öeipraucp,  unb  blüpet  toie  bie 


11*78 

«tuen."  Die driften  folfen  alfo  u>te 9?ofen  unb Eilten  fepn, 
bte  überall  put einen  guten  ©erwf)  verbreiten,  fte  foilen  tfjren 
dlvfym  fu$en  in  einem  ^eiligen,  recbtfdjaffenen  betragen  ©ott 
$ur  (££re  unb  beut  Stachen  ^ur  SBeffenmg*  @o  wie  e$  nun 
fein  Saftet  gibt,  ba$  ben  2!ftenftt)en  »er ©Ott  unb  ber  SBett 
verächtlicher  macfyt,  al$  bte  Unfeuf(§$ett,  fo  gibt  eS  audj 
feine  gugenb,  bte  bem  Triften  me£r  anfleht  att  bk  $euf#* 
|>  e  i  t.  ©te  »errafft  tljm  bag  SBoltfgefallen  ©otteg  unb  einen 
guten  3htf  bei  2!tfen*  gaffet  uns  von  tiefer  ebeln  £ugenb  ber 
©laubigen  noci)  weiter  reben,  vor  allen  Dingen  aber  ©ott 
bitten.,  bag  (ix  un$  ein  feufdjeg  £er$  geben  unb  unfere  Arbeit 
fegnen  möge  burd?  3efum  gjjriftunu  Sintern 
2lb£anblung* 
Sofepfj,  ber  ftebfte  ©ol)n  be3  @r$vaterö  3afob,  beffen 
SBorte  wir  für  biegmal  ^um  Xtxt  erwählt  jmben ,  ift  ein  fpredjen* 
be3  23eifptel  ber  wunberbaren,  boa;  Väterltdjen  Regierung 
@otte£ ,  an  welkem  man  gewiffermaffen  verfteben  lernt,  m$ 
2lffap|>  fagt:  „Du  feiteft  mic$,  o  ©Ott,  nad>  Deinem 
fRatfy  unb  nimmf*  mi$  enbli$  unteren  an;  ober 
wie 3efaia$ fagt:  Deg^errn^atJ)  i$  wunberbar  unb 
(ix  führet  e$  j?errli$  f>inau&"  %uü)  Suttjer fpric^t  ftd? 
auf  gleite  SSeife  au$:  „2Sen  ©Ott  fromm  machen  will,  bm 
mafytdx  gu  einem  verzweifelten  ©ünber,  wen  dx  ffag  machen 
will,  t>m  meu^t  (ix  Jutii Darren,  mn  (ix  ftavf  maa)en  will, 
ben  mad;t  dx  f$wad),  mh  dx  lebenbig  machen  will,  ben 
lägt  dx  in  £obe$gefa£r  f ommen ,  mn  (ix  gen  Fimmel  führen 
«ritt,  ben  fenfet  @r  in  ben  2ibgrunb  ber  £ölle  unb  fo  fort, 
wen  (ix  31t  @£ren,  £ur  ©eligfett,  gur  £errfd>aft,  £0$  unb 
groß  bringen  will,  t>m  matyt  (ix  au  ©djanfcen,  $um  $ne$t, 
niebrig  unb  flein."  —  ©ott  fagte  bemSofep^  tm  £raume  vor- 
der, bag  dx  tyn  $u  f»of»en  dfyxm  bringen  wolle,  führte  üjn 
aber  bura)  lauter  (£rniebrtgung  enblia)  {mtauf,  bag  man  mit 
SRztyt  fagen  t ann :  bie;  ©tufen ,  burd?  welche  bag  feufd)e 
^>ers  gu  bem  @£rent!?ron  fnnaufgefttegen  ift,  fepen  nidjtS 
als  grübfal,  Jhted&tfc&aft ,  ©ä)maa)  unb  dteni>  gewefen*  2Bte 
nun  biefeS  allen  grommen,  welche  ©ott  pu\  gleichen  SBegen 
fü£rt,  überaus  tröftlia)  ift  unb  fte  erinnert,  bag  fte  nic^t  auf 
ben  Eingang,  fonbero  auf  ben  Ausgang  fefjen  follen,  fo  ift 
ibnen  aua)  bag ,  m$  unfere  £ertcsworte  von  bem  Sofepl? 


1179 

erwähnen,  fejsr  mitlitt)  unb  erbaulief)*  £)enn  er  ertrug  mc^t 
allein  bk  grübfat,  bk  nad?  ©otteS  Stilen  über  ipn  lam,  ge* 
bulbig,  fonbern  wtberftanb  aua)  ber  fctymettyefaben  Solfuft, 
gu  wela)er  ifm  ber©atan  bura)  etn  leicfjtfmnigsS  Sffieib  ^u  ver* 
leiten  fudjte,  mit  unbeweglichem  SJhttb,  fo  bag  er  mit  Stecht 
als  ein  2ftufier  ber  $eufa)l;eit  allen  frommen  ©eelen  biö  anS 
<£nbe  ber  £age  vorgefteltt  wirb.  Sir  lernenden  ifmt  1)  ba$ 
berjenige,  welcher  ©Ott  liebt,  notpwenbtg  aua) 
feufa)  fe^n  muffe*  £)enn  er  palt  bie  Unfeufa)peit  für  nn 
grogeS  Hebel  unb  für  eine  fd)rectlic^e  ©ünbe ,  bie  einem  $inbe 
©otteS  gan$  fremb  unb  ein  ©reuet  fepn  mug*  £)ie  Lebensart, 
Deren  er  fia)  bebient,  t?at  einen  ftarfen9taa)brucf;  gerabe  als 
wenn  wir  fagen  wou'ten :  Sie  feilte  ify  ba%u  f ommen,  wie  würbe 
ia)  bas  verantworten  fönnen;  ober  xvk  $autuS  fagt:  Sie 
feilten  wir  in  ber  ©ünbe  leben  wollen,  ber  voix 
abgeworben  ftnb?  £)er  ©inn  ber  Sorte  SofeppS  tft  alfo: 
3a)  erfenne  bk  väterliche  prforge  meinet  ©otteS  beutlia): 
(£r  t)at  mia)  ^war  naa)  ©einem  fälligen  dlatp  in  £)ienftbar* 
feit  geraten  laffen,  aber  (£r  lieg  mia)  bo$  niept  aus  ber 
2lä)t,  fonbern  pat  baS  fya%  meines  £>erw  gu  mir  gewenbet, 
bag  biefer  mia)  über  fein  ganzes  £auS  gefegt  unb  mir  MeS 
anvertraut  pat  Sie  foltte  ta)  nun  fo  gottlob  fe^n  unb  baS 
Vertrauen  meines  £errn  mit  Untreue ,  bic  ©üte  meinet  @ot* 
ieS  aber  mit  23oSf>eit  erwiebern?  3ubem  gehöre  ta)  einem 
SBolfe  an,  baS  fta)  ©Ott  au  ©einem  SSoff  erforen  pat  unb 
ftepe  buref)  bk  SBefcfmeibung  im  ©unbe  mit  3pm;  tt>k  follte 
td?  benn  tixxe  fot$e  groge  ©ünbe  begeben?  —  ©o  foll  aua) 
ber  wapre  d^rtft  fvrea)en,  wenn  ifmt  ber  Teufel,  bie  Seit 
unb  fein  eigenes  gleifcf)  etwas  ©ünbtia)eS  aumutpen,  Will,  (ix 
foll  fagen :  ta)  weig ,  bag  bie  ^urerei  unb  Unreinigfeit  unter 
bk  Serie  beS  gteifcf>eS  gehören,  von  welken  ber  2tyojM  fagt, 
bag,  bie  folc$eS  tpun,  baS  Sltify  ©otteS  nicfjt  ererben  wer* 
ben*  (3ott  fyat  mity  ©eine  groge  ©üte  bisper  fo  reid>lic|)  er* 
fahren  laffen*  <£r  pat  mia)  in  ber  £aufe  %u  ©einem  $mb 
angenommen  unb  mia)  meines  £aufbunbeS  feitper  geniegen 
laffen.  dx  pat  fo  groge  ^atmperaigleit,  £angmutp  unb  ©e* 
butb  an  mir  bewtefen ,  bag  ia)  3N  in  (£wigfett  nia)t  genug 
banfen  fann*  dx  tyxt  mia)  bura)  baS  S3tut  ©eines  lieben 
©opneS  tpeuer  erlauft  unb  in  bemfelben  von  ^itnben  gereinigt* 


1180 

dx  lk$  mtä)  Seine  2tebe  fa)tnecfen  unb  %at  mia;  ©einer  mU 
gen  ©nabe  verfuhrt*  dv  $at  meinem  i^er^en  fo  mannen  £roft 
eingeigt  unbSia?  meiner  in  aller -ftotjj  Ijerjlia)  angenommen. 
(£r  lägt  Seine  ©nabe  täglich  über  mir  xcalten  unb  befcltgt 
mta)  alle  borgen  mit  neuer  ©üte.  @rr  hat  mir  bt>  (Urlaub* 
nig  gegeben,,  mit  3£m  ^u  reben,  wie  ein  $inb  mit  feinem 
lieben  $ater,  3$  merfe  e$  beutlia),  wie  (£r  mia)  mit  Sei* 
nen  klugen  leitet,  mia)  fa)ü$t,  verforgt  unb  erhält  28ie 
füllte  ia)  nun  ein  fo  grogeS  Uebel  t£un  unb  wiber  meinen  ©Ott 
fimbtgen?  Sollte  ta)  3^m  ®ute$  mit  23öfem  vergelten  unb 
3!>m  für  fo  mannigfache  2öoj>lt£aten  folgen  Dan!  geben? 
Sollte  ia)  meinen  £aufbunb  fo  fa)änblia)  verleben ,  mein 
$tx%,  ba3  mit  bem  teuren  SSlut  beS  Sohnes  ©otte£  von 
Sünben  gereinigt  iß,  mutwillig  verunreinigen,  ben  ^eiligen 
©eift  betrüben,  bk  S?u^e  meiner  Seele  frören  unb  um  fa)no* 
ber  £uft  willen  mir  eine  ewige  Unluft  augiejjen  ?  —  Da3  fet) 
ferne!  —  Die  Qlaubi^t  Seele  mi$  wofil,  bag  fte  mit  iljrem 
#errn  »erlobt  ijt,  fo  nun  eine  3ungfrau  fta)  ber  $eufa)|>eit 
in  ©ebanlen,  Porten  unb2öerfen  befleigigt,  befonberS  wenn 
fte  mit  einem  Spanne  verlobt  i$;  xt)k  follte  niä)t  tk  Seele 
im  £inbli(f  auf  i^ren  £tmmlifa)en  Bräutigam  fta)  befleigigen 
tin  reinem  unb  feufa)e3  £er$  $u  bewahren,  einem  gellen  Spie* 
gel  gleich,  barin  nic^t^  al$  fein  eble£33ilb  au  fmben  iß?  Die 
Bereinigung  mit  Qtl?rijb  ijt  ber  {>oa)fk  ^roffc  aller  berer ,  bte 
©Ott  lieben,  unb  {xt  jjaben  leine  größere  2krfta)erung  i£reS 
§äU  m  ba$  SQSort  3efu:  „3£*  in  Sftir  unb  3*  in 
e  u  a) !"  Sie  rühmen  fta)  wiber  ben  Teufel  unb  t>k  SSelt,  bag 
3nnfa)en  ijnen  unb  iljrem  (Möfer  eine  genauere  öerbinbung 
fep  al6  3Wtfa)en  bem  Öeib  unb  ber  Seele.  Sie  fagen  mit  $au* 
luöx  „Sßirwiffen,  bag  niä)t3  Berbammlia)e$  ift 
an  benen,  t>ic  in  (Sljrifto  3efu  ftnb.  2Beber£ob 
noa)2eben,  weber(£ngel  noa)  gürftentfjum,  noa) 
©ewalt,weber@egenwärtige3  no$3ufünfttge.$, 
Weber  £o£e3  noa)  £iefe$,  noa)  irgenb  eine  an* 
bere^reatur  mag  uns  fa)eiben  von  ber  $itbe  ©ot* 
ie$,  bie  in£prifto3efu  tjt,  unfer  em£errn/'  — 2Bie 
folltenfte  if>re£o£eit  unb  £errliä)feit  fo  leia)tftnnig  verfemen, 
fta)  bura)  fdjnobe  gleifa)eelufl:  von  ber  ©emeinfa)aft  ij>re$ 
(£rlöfer$  lo^reigen  unb  fta)  mit  bem  Satan  verbinben  ?  9?eüt, 


1181 

e£  £etfät  vielmehr  bei  ifmen:  „<5oHten  wir  feie  ©Heber 
i  <££rijH  nehmen  unb£  uv  eng  Heb  er  bar  au  Omaren? 
.  £>a$  fep  ferne!  ©olftenwir  unfer£>tra,  bae  an  bem  £er* 
i  gen  3efu  fwngt,  aketgen  unb  einer  Sudlerin  Eingeben  ?  ©oft- 
tcn  wir  nnfere  klugen ,  au$   welchen  bte  Siebe  3efn  lenkten 
fjoÄ,  burcfy  fd)dnblid^e  Siebe  verunreinigen  ober  unfern  SXftunb 
unb  unfere  Sippen,  bte  ber  £err  mit  ©einem  Mb  unb  23Iut 
i  geheiligt  unb  $u  ©einem  Sob  eröffnet  £at,  bur$   fd?cmbfid)e 
i^ßorte  entheiligen?  ©Otiten  wir  unfere  £änbe,  bte  wir  täglicfy 
■in  £eittger  2lnba$t  ju  ©Ott  aufgeben,  mit  Unreinigfeit  befu* 
beln?  —  SDaä,  0  ©Ott,  lag  ferne  von  uns  fe^n!  —  2)er 
'©laubige  weig  ferner,  baß  fein  &ib  ein  Tempel  be$  £eiL 
'©eiftee  unb  ein©efäg  ber  $Bawu)eraigf  ett  unb  berßrfjre  ©otteS 
!  ift  2)af)er  fyütct  er  ftcf),  tiefen  jjeütgen  Tempel  nicj)t  a«  ent* 
;  ^eiligen  unb  ba£  ©efäg  ber  (£fjre  ntcfjt  au  ©Rauben  au  machen, 
'eingeben!  ber  SSorte  be£  ^Ipofieie:  „SS  i  ff  et  ifir  nt$t, 
baß  i£r  ©otteS  Tempel  fe^b  unb  ber  ©eift  ©ot* 
U$  in  eu$  wojjtu*?  ©oSewanb  ben£empel  ©ot* 
teS  v erb e rbt,  ben  wirb  ©Ott  aud)  verberben:  benn 
ber£empeI®otteS  ift  heilig, ber  fe$b  t£r»2öiffet 
tljr  ni$t,  t>a$  euer  ^?e i  b  ein  Tempel  be$  l?eU» 
©eifte£  ift,  ber  in  eu$  iß,  welken  tjjr  ijjabt  *>on 
©ott,  unb  fe#b  ntd?t  euer  felbfb;  benn  ipr  fe^b 
treuer  erlauft,    2)arum  fo  preifet@ott  an  eurem 
Zeiht  uilb  in  eurem  ©eifte,    weiche  finb   ®otte& 
gerner:  £>ie  £urer  unb@:i?ebred)er  n>irb©ott  ri$- 
ten,  fie  werben  $>a$  0let$®otte3  ni$t  ererben/' 
2)  Saffet  un3  nun  au$  fejen ,  wa3  man  unter  ber  fömfä* 
fytit  verfiele,  unb  wa$  eigentlich  ba^u  erforbert  werbe?  2)ie  $eufd)* 
jßeit  a!3  eine  £ugenb  beä  Gtfjriften  betrautet,  wirb  von  bem 
©lauben  unb  ber  $kbe  erzeugt,   unb  wer  ft$  biefelbe  ange* 
eignet  jjat,  beftrebt  ftd),  £era,  SDfunb  unb  £anb,  j[a  ben  ganzen 
%tib  von  aller  verbotenen  fkif$lid)en  Suft  unbefleeft  au  erhal- 
ten, um  feinem  <£rröfer  ju  gefaflen  unb  3£m  in  £etligfeit  unb 
©erecf)tigfeit  au  bienen.  —  3$  fage  t>k  teuf#eii  fep  eine 
£oä)ter  be$  ©laubeng  unb  ber  %kbzf  unb  bt#tyt  mify  babet 
auf  baS,  m$  iü)  weiter  oben  barüber  bemerft  fyabe.    2)er 
©laube  wetg  unb  erfennt,  m#  er  an  3efu  pat  unb  bag  er 
in  bemfelben  bte  ©nabe  ©otte^ ,  ^k  Vergebung  ber  ©ünben, 


1182 

fcie  ©eredjtigfeit  unb  Seligfeit  beft^t  £)arau£  entpe^t  eine 
brünftige  Siebe ,  welche  btefe^  unvergängliche  Itemob  über$u*e£ 
fd)d£t  unb  ftd;  an  ber  ©nabe  ij?re$  @xlofer$  tdgtia)  ergoßt. 
£)te  i*tebe  aber  tyat  geuer^fraft  in  ftd),  vertilgt  in  bemfelben 
atfe  verbotenen  fleifd?tia)en  Süfie,  unb  ma$t  e$  voll  fettiger 
©ebanfen,  reiner  33egierben  unb  ijimmlifd)en  SBerlangen^ 
£)ieß  ift  um  fo  nötiger;  benn  wenn  Uc  Duette  nta)t  rein 
ift,  wie  iann  ba$  Strömtein  ein  lautere^  2Öaff er  führen? 
£)a6  £er$  i|t  bie  2Bo{mung  beö  breieintgen  ®otte£;  barum 
muß  e3  vor  Ottern  rein  gehalten  werben;  eö  ift  ber  Spiegel, 
barin  ftd)  bie  Marpeit  be£  £errn  ^eigt  2Bie  .aber  ein  Spie- 
gel von  jtebem£>aud)beflecft  werben  fann,  fo  aud)  bag  £er$  von 
fa)änb(ia)en  unb  unreinen  ©ebanfen*  £)arum  bemüht  ftd)  ber 
©laubige,  fein  £er$  mit  einem  jiets  erneuerten  fjettigen  $orfa£, 
tvie  mit  einem  $or£ang,  ju  bewahren,  Grr  weig  wojrt,  baß 
bie  böfen  unh  lüfternen  ©ebanfen  bie  erfre  grudjjt  ber  (£rb* 
fünbe  ftnb;  barum  trad)tet  er  barnaa),  biefelben  £u  untere 
brüten,  fobalb  fte  aufzeigen,  bamit  jte  fein  £era  nid)t  ver* 
unreinig*m  <£v  gleia)t  einer  feufdjen  3ungfrau,  weld)e  nia)t 
bfo$  errötet,  wenn  fte  etwag  Sa)dnbtia)e3  f)ort,  fonbern 
aud),  wenn  ein  unreiner  ©ebanfe  in  if)r  aufzeigt  —  (£m  gtau* 
bige£  £ers  mußfe^n  wk  ba£  ijimmttfdje  3erufatem;  an  be|fen 
££oren  @ngei  alSS8da)ter  freien,  baß  nia)t$  Unreine^  £inein* 
gejje*  £>te  @ngel,  welche  ba3  £er£  bewadjen,  ftnb  ©raube, 
^iebe,  gurd)t  ©otteö,  ®tUt,  fromme  ^Betrachtungen ,  $or* 
ftdjt,  Zeitiger  (Eifer  u>  bergt*  2)ie  £i)ore  aber  flnb  otogen, 
£>£mt  unb  anbere  Sinne*  —  £>aper  benft  ber  dfmft  ftet£ 
an  bie  SOBorte  be$  weifen  Salomo:  „23e|>üte  bein  £erj 
mit  aüemgletß;  benn  baxauö  ge£t  ba$£eben  unb 
alle  grüßte  beg  $eibe$  unb  ber  Seele  wie  au$  einer  Oue#e* 
SSenn  aber  biefeS  vergiftet  unb  mit  fünbttd)er  Cufi  angefüllt 
ift,  wie  tonnen  bie  ©ebanfen,  bie©eberben,  Sporte  unb2Berfe 
f>eitfam  unb  Jettig  fep  ?  —  2)er  wafjre  9^ad)folger  Sefu  erin* 
nert  ftd)  baran,  baß  fein  £err  fetbjt  gefegt  Jjat:  „Selig 
finb,  bie  reinem  £er$en$  ftnb,  fte  werben  ©ott 
flauen",  unb  befleißigt  fta)  3bm  aUtftit  mit  einem  reinen 
^er^en  entgegenkommen*  —  gewer  fua)t  er  aua)  feinen  Wlunb 
von  atten  fa)dnblia)en  SSorten  rein  au  erhalten  naa)  bem  %u& 
fprud;  be^5lpo(te^:„^urerei  unbUnreinigfeit  (äffet 


1183 

nta)t  tton  eud)  gefagt  werben,  wie  ben  fettigen 
aufteilt,  auo)  fa)anbbare2öorte  unb  9?arrent(?ei* 
bung  ober  @#er$,  wela)e  euc§  nidjt  Riemen,  fon* 
bern  ttielmepr  2)  auf  fagung/'  Sein  9D?unb  unb  feine 
3unge  ftnb  ©efdge  be3  £eiligtl;um3 ,  welche  $um  täglichen 
Dpfer  ©otteö  Cjum  2ob  unb  $rei3  ©eine£  Xantens),  $um 
@ebet  unb  jur  Erbauung  unb  SBefferung  be3  1ftda)ften  gebraust 
werben.  2D3te  fottte  e£  nun  eine  feufcbe  ©eele  über  ftd?  ge* 
binnen  tonnen ,  biefelben  ^um  2)ienj*e  be$  ©atanS  an^uwen* 
ben,  befonberö  wenn  fte  fta>  erinnert,  wie  e3  bem  33elfa^ar 
erging,  ber  einfi  bie  goibenen  ©efdffe,  bie  au3  bem  Tempel 
3U  Serufalem  geraubt  waren,  ^erbringen  lieg  unb  fte  ent* 
heiligte?  dinc  £anb  ttom  Fimmel  fa;rieb  afäbalb  fein  Ur* 
tjjeil  an  bie  Söanb  unb  er  würbe  balb  barauf  feinen  geinben 
übergeben.  ©o  wirb  e£  alten  benen  gej)en ,  weta)e  iljre  3unge 
3ur  2krgerni§  be$  -Iftddjfien  mißbrauchen.  £>enn  wenn7  ber 
2Sttenfa)  am  jiüngjten  £age  3?ea)enfa)aft  geben  foll  tton  allen 
umtügen  ^Borten,  wk  wirb  eS  benen  gepen,  beren  Sorte 
nia)t  nur  unnü§  unb  sergeblia),  fonbem  fdjdnblief),  f#4bß$ 
unb  ^öa)ft  drgerlid)  gewefen  ftnb?  —  Leiter  waa)t  ber  ©lau* 
bige  aua)  über  feine  £dnbe  unb  alle  ©lieber  feinet  %tibt$, 
bag  biefelben  nia)t  entheiligt  unb  mt  ©Ott  ein  ©reuel  werben. 
2)enn  ba$  <£ine  2Bort  begStyoftele:  „Sollte  ity  bie  ©He* 
ber  QtjjrifH  nehmen  unb  J^urenglteber  barauf 
machen?  reicht  jn'n,  um  ifm  von  allen  unreinen  SOerfen  ah* 
galten.,  28etm  er  #on  ben  Husf d? weif un gen  fieöt,  bie  etnjl 
unter  ben  Reiben  sorfamen,  fo  erfä)ri(ft  er  unb  feuftt:  §1$, 
«£)err  3efu,  lag  boct)  folc^e  ©reuel  nia)t  unter  beinen  QEfmften 
erfunben  werben  l  —  S5er  (£!)rtft  fletbet  fta;  täglich  mit  ©a)aam 
unb  3u$t  unb  lagt  nie  bie  nötige  *8orft$t  au$  tm  %n* 
gen.  fauler  fagt:  „Der  2iflenfd)  weig  wojjt,  bag  er  niemals 
allein  ift,  aumal  ©Ott  unb  ©eine  ^eiligen  (Engel  jktö  um 
tyn  ftnb,  unb  wenn  er  fd>on  allein  fet;n  fönnte,  fo  würbe  er 
fta)  bod)  $or  fta)  felbft  fti)ämen  unb  fta)  nia)t  anberS  geigen, 
al3  e$  einer  gotte3füra;tigen  unb  gewiffenf>aften,  feufdjen  ©eele 
gesternt/'  £)ie  ©a)laffammern  ber  ©laubigen  ftnb  aua;  tpre 
23etfammern,  barin  fte  fta;  manchmal  in  ber  9?aa;t,  wenn 
Meg  ftitle  ift,  mit  ijrem  (£rlbfer  freunblidj  unterreben.  Unb 
mit  fte  wiffen ,  bag  bie  Ijeil.  (£ngel  um  ifjr  33ette  \vaa)en, 


1184 

fo  Daten  fte  baffelbe  aua)  für  £eiltg+  Darum  bitten  fte  ©Ott, 
wenn  fte  fta)  %ux  9tu£e  legen ,  bajjj  (£r  aua)  tyren  ©a)laf  £ei* 
Itgen  unb  fte  vor  fünblta)en  träumen,  wie  vor  aller  23eftecfung 
beS  gleifa)e£  unb  be6  ©eif*e£  bewahren  wolle,  3u  bem  Grube 
Ritten  fte  fta)  aua),  bag  fte  nta)t  mit  un^etltgen  ©ebanfen  ein* 
fa)lafen,  unb  wenn  etwa  bei  einer  @efe(lfa)aft  ober  fonft  wo 
ettoaä  vorgefallen  ift,  wobura)  tj?r  £>er$  beflecft  worben  fep 
mba)te,  fo  räumen  fte  bajfelbe  weg  bura)  waljre  33uge,  unb 
Waffen  feinen  unreinen  ©ebanfen  hü  fta)  übernachten» 

SBisjjer  £aben  wir  von  ber  verbotenen  unb  unreinen  £uft 
gefproa)en,  wir  wollen  aber  nun  aua)  bau  Sftotfnge  über  ben 
<£l?efianb  fagen,   ben  ©Ott  felbft  eingefe^t  unb  gefegnet  jwt 
23ei  ber  (Schöpfung  würbe  in  bem  3ttenfa)en  baS  geuer  einer 
^eiligen  £tebe  unb  reinen  SBegterbe  31t  (Seinesgleichen  ent^ün* 
büf  bamit  (£ine3  Ui  bem  2lnbern  mit  greube  wohnen  möchte* 
(£3  war  babei  nichts  <5tyünbtitf)e$  unb  ©ünblia)eS;  benn  bk 
(Seele  beS  9)?enfa)en  war  mit  bem  (ürbenbilbe  ©otteS  befletbet, 
ber  &ib  aber  mit  ^eufc^^ett  unb  ^einigt eit  gefa)müd t  Die  erften 
3ftenfa)en  wußten  von  feiner  fünbfia)en£uft,  fonbern  waren  wie 
fta)tbare@ngel;  barum  burften  fte  fta)  aua)  nia)t  fa)ämem  Willem 
ber  <Satan  J>at  tiefet  fettige  geuer  verborben  unb  allerlei  un* 
orbentlia)e  Söegierben  bamit  vermengt,   2öie  nun  M  ben  ©lau* 
bigen  bura)  bie  ©nabe  unb  ben  ©eijt  beS  £errn  3efu  ba$ 
(£benbilb  ©otteS  in  anberngdllen  erneuert  wirb,  fo  wirb  aua) 
in  biefem  gälte  i£r  ^erg  fammt  feinen  Neigungen  unb  25e* 
gferben  geheiligt.    3efu3  wofmt  aua)  hti  feufa)en  ^eleuten 
unb  fa)afft ,  bafy  bk  (£!?e  erlitt)  gehalten  wirb  unb  ba$  üfa 
Itit  unbeflecft   (£r  Ijeiligt  ba$  geuer  ber  %kbz,  bag  in  ijjren 
#er$en  brennt,  unb  maa)t  es  ^u  einem  Mittel,  fta)  gegenfeitig 
immer  mel?r  $u  verbinben  unb  in  ber  £reue  ^u  erhalten.  — 
jQ  wie  glüdlia)  ftnb  bk  (£l)elcute,   wela)e  bie  ^orfefmng  zu* 
fammenbringt,  bk  ©nabe  beS  £errn  3efu  vereinigt  unb  ^ur 
feufa)en,  getreuen  %kU  verbinbet,  San  @ei{t  regiert,  <Stin 
SÖßort  tröget,  ©eine  £anb  befa)ütst,  bebeeft,   leitet  unb  feg* 
net !  23ei  biefen  wirb  baS  gleifa)  mit  feinen  fünblta)en  lüften 
j[e  meljr  unb  mel?r  gefa)wäa)t ;  fte  erinnern  fta)  baran,  ba$  t$ 
ben  (griffen  gekernt,  i^r  ga£  ^u  behalten  in  Heiligung  unb 
@{jren,  nia)t  in  ber£uftfeua)e,  w>k  bk  Reiben,  bk  von  ©Ott 
nichts  wiffen,  unb  ba$  bk,  fo  Seiber  |?aben,  fep  muffen, 


1185 

att  fyättm  fte  feine,  bie  fta)  freuen,  alt  freueten  fte  fto) 
nia)t,  unb  bte  biefer  2öelt  brausen,  tjjrer  jieboa)  ma)t  miß* 
brausen*  SSir  Riffen,  baß  man  fta)  aua)  in  feinem  eigenen 
2Sein  trunfen  maa)en  fann,  unb  baß  man  in  aßen  fingen 
SOfaaß  galten  fouV  —  2)emnaa)  fua)t  bie  gläubige  Seele,  aua) 
wenn  fte  oerepa)t  ift,  ibre  $euf#eit  p  bewahren,  unb 
trautet  barnaa),  baß  fte  an  ber  ej>elia)ea  Verbinbung  fein 
£inberniß,  fonbern  eine  (Erinnerung  an  t^re  geiftige  Vermag 
lung  mitSefuJaben  möge*  Solange  fte  awar  noa)  tmgleifa)e 
UU,  muß  fte  mit  bem  2tyofiel  Hagen:  „3$  w  eiß  ,  b  aß  in 
mir,  b.  i.  in  meinemgleifa)e  nia)t$  ©ute$  wofmt; 
Sßollen  Ijabe  ia)  woljl/  ober  ba^Vollbrtngen  be$ 
©utenfinbeta)  nta)t*"  2)oa)  ift  i^r  $orfa§  lauter  unb 
rein,  unb  fte  will  fta)  unter  bem  33eiftanb  be$  Ijeil*  ©eijteö 
$on  aller  23efWung  rein  ^u  galten  fua)en*  (ES  fann  gefa)el?en, 
baß  fta)  bei  ben  Verführungen  ber  2Selt  unb  hti  ben  manntg* 
faltigen  Rodungen  beS  gleifa)e$  bie  böfe  £uft  in  ü)r  regt 
unb  i^ren ^eiligen  $orfa#  vereitelt;  allein  fte  fennt  bk  Wlitttt 
bem  23öfen  §u  «überfielen ,  unb  gebraucht  fte  mit  gleiß  unb 
Sorgfalt* 

Slnwenbung* 
L  Raffet  un$  nun  naa)  bem  33t'31)erigen  eine  Prüfung  un* 
fereS  @lauben$  unb  28anbel3  aufteilen ,  bamit  wir  erfennen, 
obbiefelben  rea)ifa)affen  fe9enin<SJ>rtfto3efu,  i>ber  nia)t?  2Btr 
Jaben  oben  gefagt,  baß  bk  $eufa)l?ett  hü  bem  Triften  notjj* 
wenbtg  au3  bem  ©lauben  folge  unb  baß  fte  von  ben  $inbern 
©otteS  bä  Verluft  iljrer  Seligfett  al£  eine  grua)t  be£  ©eifieS 
erlangt  werbe,  weil  ber  |>err  un$  nia)t  berufen  |>at  gur  Un* 
reinigfeit,  fonbern  aur  Heiligung*  (Ebenfo  erhellt  beutlia)  aug  ben 
2Borten:„2)a$  ift  ber2Btlle®otte$,  eure£eiligung, 
bag  ipr  meibet  b ie Hurerei  unb  ein3egli$ er  unter 
tu6)  wiffe  feingaß  gu  behalten  in^>eiligung  unb 
d  j>  r e  n  jc/' — baß  ber  jenige  feine$£eibe££err  iß ,  ber  ilm  in  $iu 
Itgung  unb  ©?ren  au  behalten  miß.  2)enn  wo  Unaua)t  ljerrfa)t, 
baljat  ber  Teufel  ben  £etb  im  33eft£  unb  gebraust  tyn  naa)  fei* 
nem  SöSillen*  S3efonber3  beraerfenSwertl?  ift  aber,  baß  bie 
$euf#eit ,  von  bem  2ipoftel  bie  Grjjre  genannt  wirb,  wie 
aua)  wir  £)eutfa)e  fte  oor  allen  anbern  gugenberi  mit  bem 
tarnen  (E£re  au  belegen  pflegen,  weil  fte  nämlta)  wr  ©Ott 


1186 

imt>  $?enfo)en  fo  fyoä)  geao)tet  wirb  unb  berfenige  fta)  feiner 
@f>re  rühmen-  fann,  ber  feine  $eufä)j)eit  verloren  pat  —  ©o 
prüfet  euo)  nun,  meine  3u{jorer,  unb  fordet  fleißig  nad)  eu- 
rem 3ufianb ,  ob  if?r  euo)  bi£|er  eines  reinen ,  jjeiligen  unb 
f  eufo)en  2öanbel3  befltffen  unb  eua)  aller  Unreinigfeit  mit  gleig 
enthalten  babt  ?  prüfet  eua),  i|>r  Jünglinge  unb  Sungfrauen, 
ob  ii?r  befliffen  fepb  mit  feufd)em  £eraen  ©Ott  au  bienen?  $rü* 
fet  eua),  il?r  (£jjeleute,  ob  i£r  aufy  in  reiner  %kU  M  einem* 
ber  wolniet,  eure  23egierben  mit  ber  guro)t  ©otteS  mäßiget 
unb  euer (£f)ebette  unbeflecft  galtet?  prüfet  eua),  t£r  2Bittwer 
unb  SBittwen,  ob  i£r  aua)  eure  €infamfeit  mit  3efu  aubrin* 
&et  unb  eua)  angetegen  fe^n  lajfet,  euren  $cib  in  Heiligung 
unb  @ fjren  au  bewahren  ?  prüfet  eua)  2llle,  ob  i pr  mit  3ofepf> 
bie Hurerei,  ben  G^ebrua)  unb  alle Unreinigf eit  für  ein  großem 
Uebel  jjaltet,  barauS  ^eitlft^er  unb  ewiger  ©a)aben  be$  &tbeö  unb 
ber  ©eele  entftefrt,  unb  ob  ijjr  aua)  entfa)loffen  fepb,  lieber 
SllleS  a«  leiben,  als  wiber  ben  £erm,  euren  ©Ott  au  fünbigen  ? 
prüfet  euo),  ob  euer  £era  rein,  euer  Sftunb  feufd),  eure  £ctnbe 
Zeitig,  eure  Slugen  aüdjttg,  eure  £)j>ren  verfd)loffen,  unb  alle 
eure  ©lieber  bem  £errn  3efu  ergeben  fepen?  —  £ier  muß 
ta)  abermals  befüra)ten,  baßSOSenige  biefe  $robe  beftepen  unb 
fta)  einer  regten  $eufd)|?eit  rühmen  tonnen*  2)enn  man  muß 
leiber  mit  £J?ränen  fragen,  baß  bie  tefd^eit  eine  feltene 
23lume  geworben  unb  in  wenigen  £>eraen£gärten  meljr  an  ftn* 
ben  iji  Die  28elt  ift  faft  tin  ©oborn  unb  ©omorrjSa  gewor* 
ben,  bereu  ©reuet  hi&  an  ben  £immel  reichen.  2ln  vielen 
Drten  jjält  man  bie  ©ünben  wiber  ba$  fechte  ©ebot  faft  für 
feine  ©ünben  mejjr,  man  txüU  feinen  Sföutjjttntten  ^amit  unb 
rüjjmt  fta)  feiner  ©ajanbtljaten*  <$$  ift  bafnn  gefommen,  t>a$ 
man  ben  grommen,  ber  fta)  eines  guten  ©ewiffenS  befleißigt, 
unb  bie  ©elegenljett  aur  ©ünbe,  wk  bie  £ölle  fliept,  veraa> 
tet,  ba  man  fta)  boa)  vielmehr  über  feine  $eufa)f>eit  wunbern 
unb  (£m  barin  naa)eifern  follte*  2)a£  fa)recflta)e  £ajler  ber 
Hurerei,  ba$  unter  ben  driften  etwas  Unerhörtes  fe^n  follte, 
pat  fid)  fo  ausgebreitet,  bag  man  (eiber  bavon  allauvtel  an  fa* 
gen  m\%  bie  $eufa)£ett  aber  nur  wenig  me£r  fennt,  ©a)on 
bte  Sugenb  ift  fa)aamloS  in  Borten  unb  SBerfen*  D  tck 
viele  ©dmlen  ftnb  mit  Jeimlia)en  ©reuein  erfüllt  unb  tt^k  man* 
#er  gute  SJttenfa)  wirb  barin  aur  ©ünbe  unb  ©o)anbe  verleib 


1187     . 

\ti,  bag  er  aettfefcenS  ein  böfeg  ©ewtjfen  mit  fta)  perumtragen 
mug!  2öie  wenig  ©ejtnbe  ft'nbet  man  fieutautage,  ba$  wie 
3ofepfj  geftnnt  ift,  baS  md>t  @!>re  unb  ©ewiffen  aufopfert 
unb  fta)  ber  Unreinigfeit  Eingibt!  SQSte  viele  3ünglinge  unb 
3ungfrauen  gibt  e$ ,  bie  ifjre  (££re  unb  i£ren  guten  tarnen 
auf  S  ©piel  gefegt  l^aben,  unb  wie  siel  Eheleute  (eben  in  ber 
£uftfeuä)e  wie  t>k  Reiben,  vergeffen  ifjre  55fli(^ten  unb  fa)lei* 
cfjen  in  ben  £urenwinfeln  untrer!  —  2öie  allgemein  ftnb  jjeut* 
3Utage  bei  £oa)aeiten ,  ^inbtaufen  unb  ©aftmaljten  ärgerliche 
@cfyerae,  unaücfytige  ^eben  unb  f<f)änbtiä)e  ®efpräa)e!  9Jcan 
meint,  man  fe^e  nia)t  Reiter  gewefen,  wenn  man  feine  3unge 
nia)t  von  allen  33anben  ber  gura)t  ©otteä  toägemaa)t  unb  tj?r 
erlaubt  Ijat,  2llleS  au  reben,  m$  ba£  gottlofe  £era  auSgebrü* 
\tt  unb  vom  ©atan  empfangen  Jjat  2)ie  unflätigen  Sieber, 
welche  harter  mit  9?ea)t  bie  ©efänge  be£  £eufel$  genannt 
Ijat,  ftnb  fo  htlkbt,  baß  felbft  bie  talentvollen  Männer  fta) 
baau  ^ergeben,  etliä)e  au  bia)ten,  unb  wenige  3ünglinge  gefun* 
ben  werben,  wela)e  biefelben  nia)t  bei  fta)  tragen.  —  £>amit 
aber  Ja  bie  Unfeufa)£eit  allenthalben  im  ©a)wange  bleibe,  fo 
jwt  man  an  mehreren  £)rten  öffentliche  Jpäufer  errietet,  in 
welchen  bie  Unaua)t  aur  <Scf)maa)  unb  ©a)anbe  be$  a)riftlia)en 
9camen£  ungefa)eut  getrieben  wirb.  £)aß.  fa)on  bie  Reiben 
bieg  getjmn  fmben,  ift  nia)t  a«  verwunbern,  mit  fte,  wie  ber 
2lpoftel  fagt,  von  ©ott  nia)t£  wußten*  Daß  e$  aber  t>k  tyxi* 
ften  t{wn,  nnb  bag  in  a)riftlia)en  ©täbten  bie  Hurerei  ijjren 
öffentlichen  Tempel  pat,  ba$  ift  erfa)reäticf>  unb  ein  ©reuel, 
ber  woljl  mit  9ci$t3  au  vergleichen  tfh  —  D  bag  an  allen 
biefen  Käufern  be$  £eufelS  33itb  aufgehängt  würbe,  bamit 
alte  bie,  wela)e  blinbtingS  hineingehen,  wüßten,  wem  ber  Ort 
geheiligt  ift !  D  wenn  e£  bo$  überall  gehalten  würbe,  wk  bei 
ben  Egpptiern,  welche  vor  folgen  Käufern  bie  ©arge  für  bie 
lobten  au  verlaufen  pflegten!  33ielleitt)t  fönnte  bocty  ber  Eine 
ober  ber  Vlnbere  burcj)  einen  folgen  Slnblicf  unb  bür$  bie 
Erinnerung  an  feinen  £ob  von  ber  Unaua)t  abgehalten  wer* 

ben. %n  anbern  £)rten,    wo  man  fola)e  SDforbgruben 

unb  £eufel$tempel  nic^t  £at,  ift  man  boa)  gegen  bie  2lu$f$wei* 
fungen  ber  Söolluft  fo  naa)ft$tig ,  bag  man  wofif  ftept,  t>a^ 
fte  ben  beuten  nia)t  fe£r  auwiber  ftnb»  E3  gibt  wenige  Dbrig* 
leiten,  bie  barin  einen  rechten  $riftti$en  Eifer  an  ben  £ag 

75  * 


1188_ 

legen*  Unb  m$  He  tira)enaua)t  betrifft,  tvel^e  tiefem  Un* 
wefen  am  bepen  [teuren  tonnte,  fo  tffe  biefelbe  fo  gefa)wää)t, 
bag  t>on  i£r  faft  ma)t$  mefjr  als  ber  leere  9lame  übrig  geblie* 
Ben  tffc.  Sttitjm  %at  bte  Sßelt  fo  gang. unb  gar  i£ren  freien, 
fünblia)en  äBttten,  fte  ergibt  fta)  ber  @a)welgerei  unb  £run= 
fenjjeit  unb  wartet  beS  £etbe£  wopl,  fte  ift  ausgelaufen  unb 
fröplia)  bei  tfjren  3ea)en,  unb  eilt  x>on  ba  in  bie  £urenwin* 
fei,  um  bort  ben  8a)lafmmf  gu  polen.  —  £)  wie  fa)aamlo$ 
tjt  baS  2Beibemlf  geworben,  baS  fta)  $or  eiligen  3apren 
nia)t  freute,  mit  entblößten  Prüften  einher  au  geljen  unb  bieg 
für  eine  neue  unb  beliebte  3ttobe  £ielt!  2BaS  war  bieg  aber 
anberS,  als  eine  @rftnbung  beg  @atanS  unb  ein  (Spiegel  eines 
leitötfinntgen  unb  fa)aamlofen  £eraenS?  3um  ©lütf  bauerte 
biefe  $lobe  niä)t  lange;  aber  fiatt  biefer  fam  mana)e  anbere 
ebenfo  fa)änblta)e  auf,  fo  bag  man  wojil  ftept,  bag  bie  2Belt 
bie  alte,  leia)tfmttige,  lüberlia)e  unb  närrifa)e  SBelt  bleibt*  — 
9ttan  fann  ferner  aua)  barauS  fejjen,  roie  leia)t  man  es  in 
unfern  Sagen  mit  ber  Unaua)t  nimmt,  bag  man  fo  wenige 
kirnen  rea)tfä)affene  33uge  t|mn  ftejjt  Söir  wiffen  aus  ber 
e£angettfa)en  ©efa)ia)te,  vbag  Jene  ©ünberin  fta)  bem  £errn 
3efu  au  pgen  warf  unb  biefelben  mit  ipren  freuten  ne^te; 
aber  wo  finb  jjeut^utage  fola)e  23ügerinnen?  3a)  pabe  leiber 
Stiele,  t>k  jener  in  ber  Sünbe  gleia)  waren,  sor  mir  gehabt 
unb  fte  2lmtSljalber  ernftlia)  unb  Jjeralia)  ermahnt;  allein  iä) 
JjabeSSemge  gefejjen,  bie  if>r  in  beringe  naa)folgten  unb  ijjre 
<5ünben  mit  ££ränen  besagten.  £>ie  Reiften  ftnb  frea),  fta)er 
unb  fagen:  ia)  bin  tti^t  bie  @rfte,  ta)  werbe  aua)  bie  £e£te 
nta)t  fepn  u*  f*  w.  ©ie  meinen,  weil  bie  SSelt  biefe  ©ünben 
niä)t  mepr  £oa)  anfa)lägt,  fo  J>abe  e$  aua)  bamit  im  Fimmel 
nia)t  gar  x>iel  au  bebeuten* 

IL  9lun,  meine  lieben 3u|)örer,  laffet  (£ua)  biefe  'bttxubtt 
$lage,  bie  man  über  ben  3ufianb  ber  heutigen  Gijjrtftenjjeit 
führen  mug,  fo  a«  £eraen  gejjen,  bag  i£r  eua)  um  fo  mepr 
in  2ia)t  nehmet,  i>mit  tyx  aua)  in  biefem  gall  feine  ©entern* 
fa)aft  paben  moget  mit  bem  gottlofen  £aufen+  gliejjet  t>k 
£urerei  unb  alle  Unreinigf  eit ,  fo  lieb  eua)  ©otteS  ©nabe, 
Ut  ®erea)tig!eit  3efu  (Sjmftt,  ber  £roft  beS  JjeiL  ©elftes  unb 
eure  fünftige  ©eligfeit  ift  Denn  eS  ift  unmöglia),  bag  ein 
lüberlia)er  Sttenfa),  ber  feine  greube  in  ber  Unaua)t  fuä)t,  in 


1189 

ba$  £eiligtjjum  gepen  ober  mit  bem  Gerrit  3efu  ©emeinfd&aft 
f>aben  farnu  2Ber  an  bei:  £ure  pauset,  fagt  $aulu3,  ber  tjt 
<£in  ?eib  mit  if?r ;  t>k  £ure  aber  {fängt  an  bem  £eufeL  2Ber 
alfo  an  berfelben  Ränget,  ber  £at  @emeinfd;aft  mit  ber  £>ötle, 
unb  muß,  wenn  er  fta)  in  ber  $tit  ber  ©nabe  niä)t  noa)  be* 
fe$>rt,  in  berfelben  bleiben  in  @wigfeit  —  dhm  biefer  5Xpo= 
ftel  nennt  bie  fünblia)en  ^egierben  be$  gteifa)e£  eine  23runjt, 
wenn  er  fpria)t:  cö  i§  beffer  freien,  al$  Brunft  leiben;  weil 
biefelbe,  als  eingeuer  von  ber  £öüe  entaünbet,  alles  @ute  in 
bem  £eraen  vertilgt  unb  wie  ein  Jnfcigeä  gieber  bie  Gräfte 
be$  $eif>t$  unb  ber  ©eele  *>er^f>rt.  —  £ureret,  SBtin 
unb  3^oftmaa)en  toll,  faßt  ber  $ropi?et,  ober  wie  er  in 
feiner  <5praa)e  rebet,  —  rauben  ha$  £era,  nehmen  bem  9üto* 
fa)en  feinen  SBetftanb,  berauben  i#n  feiner  ©inne ,  verblenben 
feine  klugen,  bag  er  mutwillig  in  fein  aeitlia)eö  unb  ewigem 
Serberben  rennt  2)ie  @efa)ia)tfa)reiber  eraäf?len,  bag  bie 
dienen  in  einigen  ©egenben,  wo  viele  giftige  trauter  waa> 
fen,  giftigen  £onig  fammeln,  ber  ^war  aua)  füge  fe$,  aber 
fcalb  äBaJmfmn  unb  bann  bm  £ob  verurfaa)e*  <Bo  tx$tyt 
ber  @efa)ia)tfa)reiber  ©trabo,  bag  3  Kompagnien  ©olbalen 
be£  romifa)en  gelbfjerm  55ompej(u3  bura)  einen  folgen  £omg 
tj>rer  ©inne  Uxanbt  unb  na#er  von  tfjren  getnben  nieberge* 
maa)t  worben  fe^en.  ©elbft  ber  berühmte  2lrat  @alenu$  be* 
richtet,  bag  hä  feinen  Sebaetten  a*vei  Heqte  an  einem  fola)en 
£onig  geftorben  fepen*  —  £)ieg  ift  ein  trefftia)e$  23ilb  von 
ber  gletfa)e31uft,  wela)e  jWar  für  ben  äugerfia)en  $?enfa)en 
eine  ©ügigfeii,  unter  berfelben  aber  geiftlia)e  33Iinbpeit,  Un* 
verftanb  unb  ^m  Zo$>  mit  fta)  füj>rt,  ober  xok  tyttxuö  fagt, 
wiber  tk  <5eele  ftrettet*  —  Die  fletfa)lia)e  £uft,  fagt  ber  fromme 
Slrnbt,  ift  gleia)fam  ba$  £obbett  ber  6eele,  barauf  fte  franf 
liegt,  (allmäplig  ij>rer  Kräfte  beraubt  wirb)  unb  beS  ewigen 
£obeS  ftirbt*  —  2Benn  ber  #ang  aur  2Q3oßuft  ba£  £era  be$ 
$?enfa)en  eingenommen  $>at ,  fo  ift  e$  meiftenS  um  feine  aeit* 
lia)e  un'o  ewige  2Boj>lfa£rt  gefa)ef>en,  e$  fe#  benn,  bag  er  bura) 
wapre  23uge  erneuert  unb  bura)  G>£rifti  Sßfut  unb  @eift  er- 
palten werbe*  Wlan  fann  bieg  mit  vielen  23eifpielen*  belegen 
unb  eS  wirb  wofjl  fa)werlia)  3emanb  gefunben  werben,  ber, 
wenn  er  aua)  nur  25  ober  30  3a£re  in  ber  SBelt  gelebt  fjal, 
nia)t  erfahren  |>ätte,  wela)'  flägUa)e^  (£nbe  t$  mit  benen  au 


1190 

nehmen  pflegt,  bie  auf  foldjen  fc^änbltcfjen  2Begen  wanbeln* 
Vor  2lttem  ober  (äffet  uns  an  bte  Strafgerichte  benfen,  bte 
über  bte  erfle  SGSelt  bur$  bte  (Sünbflutl?  unb  fpäter  über  bte 
©täbte  ©obom  unb  ©omorrfia  ergangen  ftnb,  unb  baß  etnft 
»tele  taufenb  Sfraeliten  in  ber  2öüjte  tpre  Uttjucjt  mit  bem 
£obe  büßen  mußten*  —  yitymtt  bieg  ^u  £er$en,  meine  3u* 
£örer,  unb  flieget  bie  Hurerei,  fanget  feinen  fcpnbücfyen  @e* 
banfen  nad)  unb  gebet  tjmen  feinen  Sftaum  in  euren  £er$en* 
@ntj?altet  eu$  aller  fdjaamlofen  SSorte  unb  jiebeS  ärgernden 
<Btytvft$+  ©laubet  nicbt,  bag  ftcf;  bieg  bamtt  entfcfmtbigen 
iaffe,  wenn  man  swrgibt,  ba6  £er$  wiffe  nichts  ba»on  unb 
bleibe  feufdj ,  wenn  au$  ber  -Dfunb  bisweilen  ttm$  Verfang* 
Z"iä)e£  rebe.  3efuS  felbft  fagte  j[a:  „2Beffen  ba$  fyzx% 
»oll  ift,  ba»on  ge£et  ber  Wlunb  über/A  2Ber  alfo 
unjüc&iige  Dieben  füljrt,  ber  entbecft  ebenbamtt  fein  gottlofeS 
unb  untüchtiges  £er^  —  fyiitet  eua),  bag  tjjr  ^iemanb  etn 
SÄergernig  gebet,  eingeben!  ber  Sporte:  „2Bepebem  9tten* 
fc^en,  burci)  welchen  2lergernig  fommt,  bem  wäre 
beffer,  bag  ein  9ttüj>iflein  an  feinen  £alS  ge* 
Ijängt  unb  er  erfäuft  würbe  im  9!tteer,  i>  a  e$  am 
tiefften  tjh"  21$,  xck  33iele  jjaben  tyxt  TOtmenfc^en  bur# 
un^ücjjtige  Sieben,  burd;  »erberblid?e  23üd;er,  bura)  f$änbft$e 
©emätbe  jum  53öfen  »erleitet  unb  ftnb  ©a;ulb  an  t£rem  23er* 
berben !  2Bie  wetten  biefe  befteljen  am  £age  beS  ©ertd)tS,  wenn 
(Lottes  3^rn  »om.  Rummel  offenbaret  werben  fott  über  altes 
gottlofe  SOBefen  unb  über  bte  Ungerec^tigfeit  ber  SD'Jenfc^en, 
welche  wtber  t£r  ©ewiffen  bie  ©ünbe  beforbern  ^e(fen  ?  — 
Reibet  auefo  atte  wirf(ic|e  Unreimgfeit  unb  erinnert  eu$  M 
ben  Verführungen  ber  $&tlt an 3ofcpJ>^  Sßorte :  „2öte  foltte 
t$  fot$  grogeS  Uebel"  t£un  unb  wiber  meinen 
©Ott  fünbigenV"  Von  einer  frommen  Jungfrau  wirb  er? 
Säjrtt,  bag  fte  mit  einem  jungen  tarnte  »erlobt  gewefen  fep, 
aU  tyx  Vater  baS  Unglücf  gehabt  Ijabe,  bag  tjmt  fein  fc^öneS 
SanbtjauS,  worin  fein  ganzes  Vermögen  fteefte,  wegbrannte* 
2)a  nun  3emanb  fte  fpötttfd)  fragte :  wa$  fte  fefct  ijjrem  23räu* 
tigam  betbringen  wolle,  antwortete  biefetbe :  einen  feufc^en  $tih 
unb  ein  liebreidjeS,  treues  £er$.  —  bringet  alfo  aud>  if>r, 
meine  (Sfjriften,  eurem  {ummlifdjen  ^Bräutigam  allezeit  einen 
unbeflecften  Mb  unb  ün  feufd)e^ ,  reines  £>eq,  baS  wirb  3£m 
lieber  fep,  aU  bie  ©cOäfce  ber  ganzen  $ßctt.  — 


1191 

Um  aber  nun  ata  benen  bie  ®a$e  leidet  $u  madjen, 
wela)e  von  ganzem  £er$en  wünfajen,  bem  ^eiligen  ©Ott  in 
tefajpeit  §u  bleuen ,  motten  wir  einige  Mittel  angeben ,  wie 
man  au  biefer  ebeln  £ugenb  gelangen  unb  ftd>  barin  erhalten 
fönne* 

1)  Püffen  wir  un$  ade  borgen  mit  guten 
SSorfägen  gegen  bie  Unfeufcfjfjeit  verwahren, 
befonberg  wenn  wir  merfen,  baß  unfer  fünbtt* 
cfyetfgleifa)  ba^u  geneigt  ift.  Söir  muffen  unfern  £auf* 
bunb  erneuern,  unb  mt  £iob  fagt,  mit  unfern  klugen  einen 
33unb  maa)en,  ba§  fte  nta)t  lüftern  um£erfa)weifen*  2Bir 
muffen  bem  £erm  3efu  unfer  £eq  in  einem  glaubigen  ©ebet 
anbefehlen;  <£$  ift  nia;t  $u  bef^reiben,  welken  9cu£en  e$ 
bringt ,  wenn  fta)  ber  üttenfa)  mit  einem  Seifigen ,  feften  ®nt* 
fa)lug  wtber  eine  ©ünbe  fegt  unb  ©Ott,  ber  ba3  Collen  ge* 
geben  fyat ,  um  ba$  Vollbringen  eifrig  anruft  Gwi  fold;er 
@ntfa)lug  gefällt  t>m  £öa)ften  wopl,  weil  er  aus  per^er 
Xkbt  su  3{mt  unb  in  finbtia;em  Vertrauen  auf  ©eine  ©nabe 
entftanben  ift,  unb  (£r  verfagt  betnfelben  ©eine  £>ülfe  nie* 
Hin  foldjer  SSorfag  ift  tt^k  ein  £arnifa),  bamit  jta;  bie 
©eele  waffnet  unb  wiber  alle  feurige  Pfeile  be6  33efewid)t$ 
bebedt  —  2)erfelbe  foll  aber  ma)t  faltfümig,  nia)t  $weifel* 
l^aft  unb  wanfenb,  fonbern  eifrig,  gewig  unb  unbeweglich 
fepm  Sßandje  verfpred;en  ^war,  wenn  fte  be$  9!Jcorgen$ 
beten,  bag  fte  fta;  vor  allen  wiffentlia)en  ©ünben  fyixtm 
wollen;  allein  ba£  verberbte  £er$  behalt  jtcf;  bk  (£nt* 
fa)ulbigung  von  ber  menfa)lia)en  ©a)wacl)l?eit ,  von  ber  Un* 
mögtia)feit  M?$  red)t  3U  maa)en  unb  von  ber  ^Barmpergigfeit 
©otte$  u*  f*  w*  vor*  @3  möa)te  wo|>l  ©ott  bienen,  boa;  aua) 
noaj  feinen  eigenen  Tillen  babei  fmben,  e3  wi(l  ma)t  ftreiten, 
noa)  fäntpfen,  fonbern  ftdj  bei  ber  erften  ©elcgen{>eit  gefangen 
geben*  ®$  fagt  ber  ©ünbe  vor  ©ott  ab ,  aber  mc  utt3üa;tige 
jiunge  Seute ,  bk  in  ©egenwart  ijrer  Altern  ober  iprer  Ferren 
unb  grauen  fta)  miteinanber  ^anfen,  inbeffen  aber  einanber 
mit  ben  Singen  würfen  unb  fta)  fmmftd)  wojjl  verfielen,  ©aper 
fagt  ber  poppet  mit  9ftea)t:  „£)e$  $cenfa)en  £ers  tft 
etntrogige^,  (tüdifa)eg,  arglif%3,  f  alfa)eC)  £  i  n  g.  33ei 
fola)en  SDtafajen  ftnben  bie  SSorte  2)avib£  ifjre  Slnwenbung, 
wenn  er  von  bem  töraefitifa)en  23olfe  fagt :  „©  te  fytutyttun 


1192 

©Ott  mit  iprem  ÜJhtttbe  unb  logen  3N  mit 
"  tpren  3H"ÖenJ  öoer  ip*  £er$  war  ntd)t  feft  an 
3£m,  unb  f t e  hielten  nia)t  treulia)  an  ©einem 
33  u  übe/'  £)er  $orfa§  eine$  rec^tfc^affenen  griffen  mug 
treu  unb  waprpaftig  fepn,  oon  bem  er  mit  @otte£  £ülfe  nta)t 
weichen  will  ,  eö  f  ojte  aua) ,  ma^  e£  motte,  (ix  mag  fta)  auf 
bie  Einfettungen  $orper  gefaxt  machen  unb  fta)  im  £inblicf 
auf  3efum  entfa)ltegen ,  benfelben  allen  SBiberftanb  $u  letften* 
Sflir  fällt  Riebet  jiener  fromme  (£belmann  ein,  ben  man  in 
feinem  £eben  nie  trunfen  fajj*  2113  ^er^og  ©eorg  oon  ©aa)fen 
ijn  einft  beraufa)en  wollte  unb  Weber  Sdittt  noa)  (£ntfa)ulbi* 
gung  J>ajf>  würbe  er  enbh'a)  eifrig  unb  fagte:  Sftun,  fo  will 
ia>  boa)  über  mein  Vermögen  nia)t  trinfen,  unb  wenn  gleia) 
brei  'dürften  auf  einanber  fägen;  benn  ba  fiept  ®otte£  ©e^ 
bot :  ©aufet  eua;  niä)t  »oll  2BeinS !  —  ©o  mug  ber  $orfa§ 
eines  Triften  fe^n,  e£  mu§  feigen:  „2öeia)et  oon  mir, 
ijr  23o$f>aften,  itf>  will  palten  bie  ©ebote  mei* 
ne$@otte  3  ^'.lieber  2llle£  leiben  unb  lajfen,  ja  lieber  per* 
ben  aU  fünbtgen!  din  fola)er  <£ntfa)luf?  aber  foll  fta)  nta)t 
auf  un$  felbft  unb  auf  unfere  Jtraft ,  fonbern  auf  hk  ©nabe 
@otte£  unb  ben  33eiftanb  be$  petL  ©elftem  grimben ,  tt>k  bie 
$riftlia)e  $irä)e  fingt: 

3$  lieg  im  ©treit,  unb  wiberfireb, 

£ilf  o  £err  mir  @d}tt>ad)en ! 

2£n  Seiner  ©nab  allein  id)  IW , 

£)u  lannjt  mify  jtarfer  madjen. 

Äommt  nun  2Cnfed)tuna,,-4?err,  fo  mfy? 

£)aj$  fte  micfy  ntc^t  umfiojk, 

£)u  lannjt  maffen, 

2)a£   mirö  ni$t  bringt  ©efaljr, 

3)u  nnrjr  miä)  ntctjt  oerlajfen» 
2)  2)arf  ein  feufd)e$  £>er$  feinen  gottlofcn 
©ebanf en  naa)pängen  nnb  e£  foll  ber  fünblia)en 
£uft,  wenn  fte  ftd;  regen  will,  feine  3ei*  laffen, 
fonbern  fie  aläbalb  erfüllen»  £>er  ©atan  fua)t  auf 
fa)laue  2öeife  an  unfer  £er£  ^u  fommen.  (£r  fua)t  ^k  guten 
$orfä£e,  bte  wir  gefagt  paben,  nia)t  im  Slugenblid  ^u  oeret* 
teln,  fonbern  nur  uaa)  unb  uaa)  feinen  3wetf  ö**  erreichen* 
@r  bringt  un$  bie  fünblia)en  2Bege  ber  3u3?nb  ober  irgenb 
einen  ^weibeutigen  ©a)er^,  ben  wir  früher  gehört  paben,  ein 


1193 

untüchtiges  Sieb  ober  eine  fd;aamlofe  ©efc^tc^te  wieber  in  dt* 
tmterung,  unt>  wenn  wir  nia)t  rea)t  auf  unferer  $ut  ftnb  unb 
folgen  ©ebanfen  folgen,  fo  lernten  wir  leitet  ganj  herleitet 
unb  bti  Gelegenheit  $u  groger  ©ünbe  »eranlagt  werben*  — 
3m>örberfl  .pflegt  ber  geinb  bie  5ftorgenftunbe  in  2la)t  31t  ne^ 
men,  wenn  ber  2D?enfa)  $>om  ©tt)laf  erwaä)t  unb  noa)  eine 
2Bei(e  im  23ett  Udht  £)a  fua)t  er  oei  Eröffnung  ber  ££ore 
biegeftung  p  überrumpeln,  ober  o^ne  23ilb  gefagt,  bti  bem 
,  erflen  Genien  fünblia)e  ©ebanlen  ins  £er$  £u  bringen  unb  eS 
feinem  SBillen  geneigt  ^u  maa)en,  2)a£er  ift  alten  frommen 
^u  raipen,  t>a$  fte  auf  biefen  2lnfa)lag  2la)t  £abett,  fobalb  fte 
bie  klugen  öffnen,  bag  fte  i£re  ©ebanfen  auf  ©Ott  richten  unb 
gu  3^m  feuften*  gerner  follen  fte,  wenn  ^>k  &&  Zfim  6ä)laf 
vorüber  ifl,  fta)  nia)t  lange  im  33ett  jjerum  wälzen,  fonbern 
alSbalb  auffielen  unb  ^um  ©thä  unb  ^u  if?rer  Berufsarbeit 
ft'ü)  fa)iäm  £>ie  böfen  £üfte  aber,  t>k  fta)  zuweilen  regen, 
mug  man  bura)  baS  Slnbenlen  an  ben  ©efreu^igten ,  an  baS 
jüngfie  ©eria)i,  unb  t^k  Mc$  »ergeltenbe  (£wigfeit  unterbrü* 
den  unb  ©Ott  um  ein  reinem  £er^  anrufen  ic. 

3)  ^ugmanalle@elegen|>eitsur©ünbeme^ 
,ben,  wie3ofe$?  t£at.  3Ber  bem  geuer  #x  nalje  lommt,  lann 
fta)  leia)t  brennen,  wer  am  Ufer  eines  gluffeS  fptelen  will, 
lann  leia)t  hineinfallen  unb  ertrinlen,  QEin  Vogel,  ber  nid)t 
in  bie  £änbe  beS  Sogelfängers  geraten  will,  mug  aua)  bef* 
fen  £eerb  unb  Körner,  £od$öget  unb  ^Jlege  fliegen.  2)te  lu* 
ftigen  ©efellfa)aften  ftnb  meiftenS  nia)tS  anberS,  als  £ocft>ögel 
beS  ©atanS,  unb  wer  an  benfelben  fein  Vergnügen  ft'nbet,  ber 
lann  leia)t  in  feine  üfte#e  geraten.  Wlan  fagt  t)on  ben  £au* 
ben,  baff  fte  ben  £)xt  »erlaffen,  wo  eine  geber  t>on  einem  $a* 
bia)t  Eingelegt  worben  ift,  unb  ia)  felbft  mad)te  eine  ä{mlia)e 
(Erfahrung,  als  eine  (£ule  Ui  3?aa)t  auf  baS  £aubem)auS 
fanu  ©0  muffen  bie  frommen  (Seelen  aua)  fe^n,  fte  muffen 
2WeS,  was  $ur  ©ünbe  herleiten  lann,  voit  eine  ©anlange 
fliegen»  —  2ltle  eitle  unb  unnüge  @efpräa)e  ftnb  nta)ts  anberS 
alS.gunlen,  um  ben  3«nber  ber  böfen  £ufl,  ber  in  unferem 
£er£en  ift,  ^u  ent^ünben*  £)emt  aud)  bie  $üa)tigflen  §er$en 
lönnen  *>on  gottlofen  ©efellfa)aften  gan^  serborben  werben* 
2)arum  ift  eS  am  beften,  wenn  ber  gromme  hk  GFinfamlett 
liebt,  an  bem  £erm  (eine  £uft  fyat,  im  ©efpräa)  mit  3fjm  fta) 


.        1194 

ergogt,  jt$  mit  guten  ©ebanfen  bie  3*ü  ttertrei&t  unb  mit 
ber  iporidjten  greube  ber  2Mt  fo  x>kl  möglich  tu$t$  p  fcpaf? 
fen  paben  tt)t^  —  $te  ^äume,  welcpe  am  Sßege  fiepen,  fmb 
gar  bieten  Unfällen  au£gefe§t,  wdprenb  bte,  welcpe  in  einem 
»erfcploffenen  ©arten  fiepen,  fieper  fmb.  (£benfo  bleiben  bie* 
jenigen,  weldpe  bie  (Einfamfeit  lieben  nnb  iprem  23eruf  in  ber 
Stille  abwarten,  *>or  fielen  Einfettungen  geft^ert,  welken 
bie  Slnbern,  bie  ipre  greube  an  weltlicpen  ©efe(lfd?aften  fi'nben, 
nicpt  wopl  entgegen  fonnen* 

4)  (Ein  feufdjeg  £erä  muß  ferner  bemSIMgtg? 
gang  feinb  fe^n  nnb  feinem33eruf  immer  fleigig 
nacpfommen*  233er  bieg  tput,  ber  pat  feine  3eii,  ben  &ixi> 
pfterungen  be£  Satans  ©epor  ^u  fcpenfen*  din  ftepenbes 
2Baffer  wirb  leidjt  faul,  wdprenb  ein  fliegenbe£  SBaffer  rein 
unb  lauter  bleibt  (£benfo  wirb  ber  OTgiggdnger  leicht  ^ur 
Itn^ucpt  verleitet,  tfon  ber  fttf>  ber  gletgige  mit  @otte3  £ülfe 
feister  entpalten  fann.  2Benn  man  in  ein  ftttfftepenbeS  2öaf? 
fer  nur  einen  fleinen  Stein  wirft,  fo  entftept  ein  $rei$  au$ 
bem  anbern ,  wag  im  fliegenben  m$i,  ber  galt  ift ,  weil  baf? 
felbe,  tcie  fcpon  Senefa  fagt,  burcp  feinen  £auf  alle  Greife ' 
^erfrört.  SBenn  alfo  ber  <6atan  ftd;  einer  mügigen,  woltüfti? 
gen  Seele  ndpert,'  unb  ipr  einen  böfen  ©ebanfen  einpfurt, . 
fo  ftnbet  berfelbe  nicpt  nur  Sfaum,  fonbern  bte  SBegierben  »er? 
mepren  jtcp  au$  balb  fo,  bag  immer  eine  fünbtidjer  wirb,  äl$ 
bie  anbere ,  bi$  e$  gur  £pat  fommt*  2Ber  aber  fortwäprenb 
in  guter  Arbeit  begriffen  ift,  ber  macpt  bie  Slnfcpldge  beS  Sa? 
tans  £u  nicpte,  bag  er  mit  Scpimpf  unb  Staube  ahfotyn 
mug.  3$  pörte  fleigige  unb  fiuge  £au$mütter  ^u  ipren  £o#? 
lern  unb  tagten  fagen:  (£ine  grauensSperfon  bürfe  nie  mit? 
ßiggepen,  unb  wenn  fte  aucp  fonft  nicptö  ^u  tpun  pabe,  fo  folle 
fie  wenigften^  einen  £appen  von  einem  bleibe  abfcpneiben  unb 
ipn  wieber  barauf  fe£en.  £)ieg  fc^tcft  ftcp  aucp  für  gottliebenbe 
Seelen,  welcpe  immer  mit  guten  Werfen  befcpdftigt  fe^n  müf? 
fen,  bamit  fte  feine  3zü  paben,  an  bie  böfen  pi  benfen.  3$ 
lernte  gotteefürcptige  ^enfcpen  fennen,  weld;e  gute  SBücper, 
bie  fte  wopl  pdtten  faufen  fönnen,  gan$  abtrieben,  tpeilg,  ba? 
mit  fte  befto  beffer  mit  benfelben  befannt  würben,  tpeifö  um 
ni$t  mügig  gefunben  $u  werben,  —  (£ine  fromme  (£belfrau 
war  im  Spinnen  unb^dpen  fo  emftg  unb  bemüpte  ft'cp,  barinn 


fo  siel  ^u  tfmn,  äl$  t^re  5D?aßbe.  2113  nun  einft  GEine  son 
biefen  jagte,  fte  unb  Stele  21nbere  wunbern  fta)  barüber,  ba§ 
bie  grau  bei  biefer  2lrbeit  fo  fleißig  fepe,  unb  9)cantt)e  galten 
fte  für  geizig,  antwortete  fte :  foll  ta;  ma)t  au$  tt?ie  jebe  2ln* 
bere  mit  meinen  £änben  arbeiten,  bamit  iü)  mein  23rob  nicfjt 
mit  ©ünben  effe  unb  fyabt  ju  geben  ben  dürftigen,  befonberS 
aber  um  nia)t  burä)  9#ü§tggang  in  ©ünben  gu  falten?  — 

5)  SBeiter  mu§  ein  feufa)e3£ersmäfngfe9n  im 
(£ffen  unb£rinfen,  e$  mug  o  a  3  fünbliaje  gtetf# 
bisweilen  bura)  gaften  be^ä^men  unb  bie£run* 
f e njpei t  al$  ben  nää)ften28eg  aur  Un$ua)t  metben* 
2D?an  barf  ftdjtmttäutage  nia)t  wunbern ,  bafi  bie  Un£ud;t  allent* 
falben  überbanbgenommen  j?at,  weil  bie  £runf  enf;eit ,  bie50htt* 
ter  alter  ©üncen,  faft  für  feine  ©ünbe  mef>r  gehalten  wirb* 
3^tct>tö  ift  ber  Jleufa){>eit  gefährlicher  aU  ein  unmäßige^,  un* 
orbentlia;e£  &bm.  ©letcfywte  ba3  $orn ,  ba3  ali^ustel  Pflegen 
befommt,  fta)  ntebertegt  unb  mit  Unfraut  bura)waa)St,  fo  wer* 
ben  alle  gute  ©ebanfen  be$  9ttenfa)en  unterbrücft,  wenn  er 
fia)  ber  lotteret  ergibt,  ba£  £er$  wirb  befa)wert  unb  bie 
böfen  lüften  bemeiftern  fta)  ber  (Seele*  —  G^rpfoftomug  sergleta)t 
t>k  £runfenl?ett  mit  ber  @efa{>r  auf  bem  9J?eere*  £)enn  gleia)wie 
fta)  bort,  fagt  er,  bieSöelfen  ergeben  unb  manchmal  über  ba$ 
©a)iff  f>erfa)lagen ,  fo  wirb  bei  einem  trunfenen  5D?enfa)en  bie 
@eefe  mit  sielen  sollen  trügen  übergoffen  unb  gleia)fam  über* 
fa)wemmt*  Unb  xt>k  ba£  ©a)iff  som  SSinbe  untergetrieben 
unb  balb  ba,  balb  bortlnn  geworfen  wirb,  fo  werben  t>k 
trunfenen  som  2öein  erregt  unb  geraden  son  einer  £f)orjjeit 
3ur  anbern*  —  SÖSie  ferner  bie  ©ä)iffieute  in  ber  ©efafjr  aua) 
ba£  23efte  in$  $?eer  511  werfen  pflegen,  fo  sergeffen  bie  23e* 
trunfenen  aller  3nd)t  unb  (£J)rbarfeit,  alter  23efa)eiben£eit  unb 
(9otteefura)t  unb  aller  settlta)en  unb  ewigen  SSofjffaJrt*  Unb 
wie  enbtia)  Diejenigen,  welche  in  fota)er  @efa£r  waren,  $ule£t 
nia)t$  aU  8a)aben  bason  tragen ,  fo  gejrt  e$  auö)  mit  ^tn 
SBetrunfenen,  fte  {wben  lauter  ©a)aben  beS  £etbe$  uub  ber 
(Seele  unb  wenn  fte  fta)  nia)t  in  ber  ©naben^eit  befefjren,  fo 
ift  ijmen  nia)13  gewtffer,  <xU  baß  fte  naa)  bem2lu£fprua)55ault 
ba£  C^veia)  @otte£  nia)t  ererben  werben*  —  3^anneS  fpria)t 
fe^r  naa)brücftia)  über  biefen  £after,  benn  er  fagt:  „33etbe, 
^riefter  unb  $  rodeten  finb  toll  vom  ftarfen©e* 


1196 

txänfe  unb  finb  im  SQSein  erfoffen,"  b.  i.  vom  2Bein 
verfa)lungem  (Sonji  fagt  man:  bie  (Sa)welger  verfa)lingen 
ben  SBem;  ^ter  aber  Jjeigteö,  ber  2Bein  verfa)linge  bte  <Säu* 
fer,  b.  i.  jte  bringen  fta)  bura)  t£re  £runfenljeit  um  ijjre  ftiu 
litye  unb  ew>tge  Söoplfaprt,  berSBetn  soerfc^Xingt  if?r  ©ut,  tj>re 
©efunb^eit,  iljre  Greifte,  i£r  ©ewtffen,  tpre  ©ottesfura)t  unb 
ftüxft  fte  von  einem  Sajkr  in  bag  anbere.  — 

(£itt  fa)recf  lia)e3  ^etfptel  von  ben  golgen  ber  £runfen£ett  $at 
uns  bte  ©efa)ia)te  von  bem  griea)ifa)en  $aifer  3cno  aufbe* 
wajjrt.  —  tiefer  pflegte  fta)  nemlia)  fo  »Ott  %u  trinfen,  bag 
er  fetner  (Sinne  gan^  Uxaubt  war  unb  jeben  £ag  tx>&  tobt 
auf  fein  Säger  gefa)le»pt  werben  mugte.  liefen  3#anb  be* 
nügte  feine  ©ernannt  2lriabne,  bie  feiner  gerne  Io$  gewefen  wäre, 
unb  lieg  um,  t>a  er  fta)  wieber  beraufa)t  fyättt,  in  ein  ©rab 
tragen  unb  fola)e£  mit  einem  fa)weren  (Stein  wo!#  verwahren. 
$LU  er  enblia)  wieber  $u  fta)  fam  unb  fal? ,  wopin  er  in  feiner 
grunfenfjett  gelommen  war,  fa)rie  er  entfeglia)  unb  hat,  man 
möä)te  i£n  boa)  £erau3laffen.  ©eine  graufame  ©ernannt  aber 
bulbete  e3  nia)t,  unb  er  mugte  in  biefem  ©rab  unter  ftäglia)em 
©efa)rei  enblia)  feinen  ©eijt  aufgeben.  —  £)  xt^k  9D?ana)em 
wtberfä^rt  etwa$  SlejmlicfyeSl  Sffite  S!)2ana)er  wirb  in  fetner 
£runfen!?eit  bura)  einen  fa)netten  £ob  ^mweggerafft,  er  wirb, 
el?e  er  fta)  beftnnen,  e^e  er  an  ©Ott,  an  feinen  (Erlofer,  an 
feine  23uge,  an  £tmmel  unb  £otte  benfen  fann,  ^u  ©rabe 
getragen  unb  in  ben  2ibgrunb  geworfen,  wo  er  mit  bem  reia)en 
SWann  fein  3ammerlteb :  ia)  (etbe  tytin  in  biefer  glamme,  an* 
fttmmen  unb  um  einen  £ro$fen  2öaffer3,  feine  3unge  ^u  füllen, 
ewig  betteln  mag*  —  28er  alfo  fein  ©ewtffen  von  allem  gott* 
lofen  SSefen,  befonberä  aber  von  Hurerei  unb  Unreinigfett 
rein  besaiten  will,  ber  meibe  bte  £runfenbeit  unb  fü^re  einen 
mäßigen  SßBanbeL 

6)  Subita)  mug  eine  (Seele,  bte  if?re  $eufa)j?ett  bewahren 
Witt,  biefelbe  bem  Fimmel  anvertrauen;  b.  i.  jte 
mug  ©Ott  eifrig  anrufen,  bag  dx  ibr  in  biefem  fa)weren  ^antyf 
beiftejjen  unb  ben  (Sieg  »erleiden  wolle.  £)enn  vom  Fimmel 
muß  ber  £J?au  f ommen,  ber  bie  £t£e  unfereS  fünblia)en  gleifa)e$ 
abfüllt  unb  vom  £tmmel  mug  baS  23anb  fommen,  womit 
unfere  denben  umgürtet  unb  in  t>m  2öegen  @otte$  erhalten 
werben.  —  2)ie  2Belt  ifi  nunmehr  fo  verborben,  bag  W 


1197 

G$rt(!en,  welche  ftc§  rein  unb  unbeflecft  erhalten  wollen,  beS 
©eiftanbeS  »on  Oben  gar  fe{»r  bebürfen ,  ben  man  aber  nur 
bura)  ein  anbäc^tiQeö ,  eifriges  (Met  erlangen  fanm  —  21a; 
£etr  3efu,  2)u  #etfigfter  unb  Unfcimlbigfier ,  gie§e  bo$  in 
unfere  unreinen ,  oon  ber  £>ötle  enl^ünbeten  ^er^en  ben  eblen 
©trom  deiner  ©nabe  unb  beteiligen  ©eifteS  unb  töffyt  barin 
alle  böfen  Süjie  aus»  —  £err,  (Sott,  $ater  unb  £err  meinet 
SebenS  >  behüte  mia)  $or  untüchtigem  @eft$te,  unb  wenbe  $on 
mir  alle  böfe  £üfte,  faß  mia)  nia)t  in  ®a)lemmen  unb  Un* 
feufct$ett  geraden  unb  befmte  und)  $or  um>erfd?ämtem  £eraen, 
um  deines  ©o|meS,  3efu  @i?rifii  Witten!  kirnen. 


58on  ber  @en  ügf  amfeit  unb  3ufrtebenpeü* 

£.  1.  Simotf).  6/6—8.  @ö  tjr  ein  grofetr  Gewinn,  wer  gott£ 
fettg  ijt  unb  taffet  ftcfy :  genügen .  2)enn  wir  fyaben  ni$ts  in  bie  Sßett  ge* 
bracht;  barum  offenbar  ijt,  wir  werben  aud)  nidjte  i)inau$bringen,  Sßenn 
wir  aber  Sprung  unb  Reibung  !)aben,  fo  lajfet  unö  genügen. 


(£  x  n  cj  a  n  (?♦ 
$m  tarnen  Sefu!  mittlen. 

£>te  fjeilige  @ä;rift  I?at  unS  naa)  ®otteS  Tillen  bie  ®e= 
fa)ic?)te  oon  einem  franfen  $tnbe  aufbewahrt,  »on  welchem 
(2-  $♦  b,  Äfltu  4,  18.)  eS  Jrigt:  ,A£)aS  tinb  ging  f>inau$ 
gu  feinem  SSater,  $u  ben  Schnittern,  unb  fpraa)  ^n  feinem  Söater : 
£)  mein  £>aupt,  mein  £aupt!  2)er  SBater  fpraa)  $u  feinem 
$nea)t:  bringe  eS  au  feiner  Butter,  unb  btefer  napm  eS  nnt) 
brachte  eS  $u  feiner  Butter,  unb  fte  legte  eS  auf  ijjren  @a)oog 
bis  an  ben  S^tttag ,  t>a  |krb  eS+"  —  Einern  trbifa)geftnnten 
£er$en  mochte  eS  nun  faft  läa)erliä)  ttorfommen,  bag  eine 
fola)e  $mbergef$icfyte  fo  finbltcf)  unb  einfältig  er^ä^tt  wirb, 
unb  eS  möchte  beulen,  was  uns  »tri  baran  liegen  fönne,  bag 
wir  wiffen,  an  ^inb  fep  au  feinem  SSater  auf  baS  gelb  ge* 


1198 

gangen,  fmk  über  feinen $opf  geflagt^  feg na$  £aufe gekaut 
worbenunb  auf  feiner  :£tfuttei©a;ooggeftorbem  5l((etn  bie^ernunft 
urteilt  blo$,  tvk  ftc  eö  .x>erftc^t,  fte  fte£t  nur  bie  rau^e  ©djaale 
nnb  weig  ben  fügen  tern  nid)t  su  ftnben,  ©leia;wie  e$  bem 
felbftftänbigen ,  ewigen  SSort  be£  S3ater^  ging,  als  es  Anette* 
geftalt  annahm  unb  ©tcfy  in  2lrmutfj  unb  (£lenb  füllte,  bag 
SSiele  ftd§>  an  bem  ärmlichen  2lu3fej>en  beffelben  ftiegen  nnb  auf 
bte  plle  ber  ®t>ttfdt  nifyt  arteten,  i)k  in  3j?m  wohnte,  fo 
gej?t  e$  aua)  bem  gefa^riebenen  SBorte,  barin  unö  ©Ott  @ei* 
nen  ^eiligen  Sitten  geoffenbart  paU  <£$  ftogen  ftd?  gar  IBiele 
an  ber  (Einfalt  beffelben  unb  geben  nia)t  2ta)t  auf  bte  groge 

traft  unb  SBetäjjett,  wela)e  barunter  »erborgen  tft* 

Sßag  aber  biefe  $inbergefa)itt)te  betrifft,  fo  ift  awar  Jjier  son 
einem  merfwürbigen  $inbe  t>it  Sftebe,  weil  baffelbe  auf  ba$ 
©ebet  be$  $rop£eten  @lifa  {un  *>on  einer  früher  unfruchtbaren 
Butter  geboren  unb  naa)  feinem  2lb)terben  von  bemfelben  lie- 
ber tng  &Un  prücf  gebracht  würbe,  unb  ift  alfo  beg^alb  wolrt 
wertfc,  bag  feiner  in  ber  23ibel  gebaut  werbe;  weil  j'eboa) 
au$  feine  ©euf$er  erwähnt  werben,  bie  baffelbe  wäljrenb 
feiner  furzen  tranfjjeit  augftieg  unb  noa;  einige  anbere 
Umftänbe  HM  sorfommen ,  fo  ma^e  ia;  barauf  aufmetffam, 
bag  in  ber  genannten  (£r$äjrtung  t>erfc(?iebene  Seljren  enthalten 
jtnb,  wela)e  xxnö  $ur  Erbauung  bienen  fonnen.  1)  £)ie  erfte 
bason  tfh  2)  a$  2eben  b  erSungen  wie  ber  Sllten  ift 
»ielen  Söeränberungen  unterworfen,  bie  fi$ 
oft  untterm'utjjet  einftellen»  23alb  ftnb  wir  gefunb, 
balb  franf,  balb  tobt,  wie  es  in  bem  befannten  Zitl)  ber 
Ät'rcje  ijeigt: 

£eut  ftnb  mv  frifd),  gefunb  unh  ftarE, 

borgen  tobt  unb  liegen  im  ©arg, 

£eut  blühen  wir  tüte  eine  SKofe  rotf) , 

SSatb  ft'nb  wir  Iran?  unb  tobt, 

tftfenttyctiben  ift  Sföti&e  unb  SRoty. 

2)a3  $inb  befanb  ji'a;  fo  wofrt,  bag  e$  mit  Einwilligung 
feiner  Butter  $u  feinem  SSater  aufö  gelb  pinauöge|jen  fonnte. 
Salb  aber  überfiel  e$  ein  ftarfeS  $opfwe£  unb  eine  töbtlia)e 
tranfljeit ,  bag  e$  son  einem  $nea)t  na$  £,aufe  gebracht  werben 
mugte,  wo  e$  in  wenigen  ©tunben  auf  ber  Butter  ©a;oog 
eine  l*ei$e  war,    6o  gel?t  e$  mit  uns  2Wen,  wir  wtffen  be$ 


1199 

Borgens*  nutyt,  tt)ie  e$  am  Wlitta$  ober  auf  ben  2lbenb  mit 
uns  fte^en  werbe ,  wir  ftnb  tt)te  bie  S31umen ,  bie  eine  3ete 
lang  Mitten,  bann  aber  verwelfen,  ober  wie  ein  (Statten, 
ber  balb  ba  ift ,  balb  verfa)winbet ,  baß  man  nicfyt  weif ,  wo 
er  bleibt  Daherging  etnft  emSSeifer,  als  er  gefragt  würbe, 
was  ba£  menfä)lia)e  £eben  fe#,  —  einigemal  auf  unb  ab  unb 
verbarg  fta;  nad$er  gefa;wmb ,  um  an^ubeuten ,  baß  wir  eine 
3eülang  in  berieft  fepen,  Janbein,  wanbeln,  arbeiten  unb 
laufen,  balb  aber  bavon  muffen,  2)ie§  erinnert  unö  an  ben 
Sluefprua)  be£  $onig$  ©alomo :  „^üDmebidbnidjtbeS 
morgenben  £age3;  benn  bu  weißeft  nta)t,  w>a$ 
fia)  Jeute  begeben  ma  g/'  2)ief?  gibt  aber  aua)  ben  Altern 
W  £e£re ,  baß  fte  ipre  ^tnber  nia)t  aü>  fejjtr  lieben  noa)  ijir 
^>er5  gan$  an  fte  Rängen  follen,  Wlan  muß  eine  331ume  ai$ 
eine  verweif  lia)e  ^flan^e,  ein  ©las  aU  ein  $erbrea;lia)e$ 
©efcig  unb  ein  $tnb  al$  einen  fterbliäjen  $?enfa)ett  liebem 
9ftan  muß  bebenfen,  baߣer,  welker  fte  ung  gegeben,  @ia; 
vorbehalten  lf>at,  fte  wieber  31t  nehmen,  unb  wir  fotten  fte 
billig  ebenfo  willig  unb  frö Jliä)  fahren  laffen ,  aU  wir  fte  em^ 
pfangen  jwben,  weil  23eibe3  naa)  bem  Tillen  be£  £erw  ge= 
fa)ief>t,  wiber  beffen  ^erorbnung  wir  nichts  au  fprea;en  jjaben* 
23  Die  zweite  l'efire  tft:  ©Ott  fte^t  nid;t  allein 
aufba££au3  im  allgemeinen  unb  nia)t  blo$  auf 
bte  211ten  unb  bie  wia)ttgen©efa)dfte  berfelben, 
fonbern  au a;  auf  bteÄtnber  unb  £at2ta)t  auf  ba$ 
SBeinen,  ©euf^en  unb  klagen  berfelben*  @r  Ijö* 
ret  ba$  ©efajret  ber  jungen  Sftaben ,  wenn  fte  31m  anrufen; 
<Ex  J>at  5la)t  auf  bie  Sperlinge,  baff  beren  nid)t  einer  o|me 
©einen  SBillen  auf  bie  @rbe  fällt  unb  umfemmt*  SSarum 
follte  @r  ma)t  2lcf)t  paben  auf  bie  fleinen  tinber  unb  <5äug* 
iinge,  wenn  fte  in  ©efajjren  ttnb  $ranf  feiten  $u  3jmt  feuften  V  — 
2Bir  fönnten,  wenn  e$  bie  Seit  gemattete,  t£eiiS  au$  ber 
ljeil*  ©a;rift ,  tiefte  au$  ber  täglichen  (Srfafjrung  viele  IBet^ 
fptele  anführen,  baß  ber  große  @ott  für  bie  fleinen  linber 
forgt ,  baß  ij>r  latlenbeö  (3eM  vor  3Dnt  eine  Wl  a  a;  t  t  ft , 
ben  geinb  $u  tilgen,  baß  3fw  tjjr  £obopfer  wo^lge^- 
fätlt,  unb  baß  (£r  (£ngel  beftellt  Ijat  p  tfjrem  Sdm§e;  wir 
wollen  aber  nur  baran  erinnern,  baß  wir  unö  Ritten  muffen,  fei* 
ne$  von  biefen  kleinen  $u  veralten ,  weil  wir  wtffen,  toie  poa) 


1200 

fte  x>tt  ©Ott  geaa)tet  fmb!  —  SKkr  alfo  ©otteS  greunb  fep 
will,  ber  fe^  aua)  ein  ^inberfreunb  unb  beflei§ige  fta)  ilmen 
allenthalben  unb  allezeit  förberliä)  unb  bejmlflia)  au  fep  unb 
fte  buro)  Slergemig  ober  anbere  2Meibigmtgen  nie  gu  betrüben. 
3)  @nblia)  lernen  wir  aus  biefer  ©efa)ia)te,  wie  fta) 
ber  ©laubige  in  allem^lnliegen  an©ott  wenbet 
unb  wie  fiä)  ber£err  gegen  tljn  bezeugt  @x  weig, 
wie  ein  franfeSlftnb,  nirgenbS  pin  als  ^u  bem  @a)ooge  fet^ 
neS  f>immlifa)en  fBater^ ,  unb  biefer  nimmt  tyn  aua)  gnäbig 
auf,  dx  erbarmt  Sia)  feiner,  wie  fta)  ein  SBater  über  $in* 
ber  erbarmt,  unb  tröftet  ijjn,  tt>k  eine  Butter  tyv  $inb  trö* 
jiet  unb  fpria)t:  füra)te  bia)  ma)t,  bu  liebet  $inb;  griebe 
fep  mit  bir!  ©ep  getroft,  ia)  wißt  bia;  nta)t  serlaffen  noa) 
»erfäumen!  güra)te  bia)  nia)t,  ia)  bin  mit  bir,  weia)e 
nia)t,  benn  3a)  bin  bein  ©ott,  3a)  fMrfe  bia),  3a)  £elfe  biv 
aua) ,  3a)  erhalte  bia)  bura)  bte  rea)te  £anb  deiner  ©erea> 
tigfeit!  —  ©er  (Slmft  fpria)t:  D  mein  SBater,  ia)  wetg  nir* 
genbS  jnn  mit  meinem  forgenoollen  £aupt  unb  mit  meinem 
betrübten  ^er^en  aU  auDir.  DerSöeltfönnte  ia)S  tt>ojf>lentberfen; 
aber  fteiftfalfa)  unb  treulos,  fte  wirbmia)  ejjer  serfpotten,  aU  mia) 
betragen  unb  tröften*  Du  fyria)ft,  o  £err :  „3  ft  n  o  a)  e  i  n  ©  o  1 1 
auger  $lir?  (£ö  ift  fein£>or  t,  3a)  wet$  ja  feinen/' 
SBenn  \>u  benn  feinen  anbern  xotifyt,  fo  wet§  ia)  e$  »tel  we* 
niger,  ia)  will  aua)  son  feinem  anbern  wijfen,  mir  genüget 
an  Dir,  mein  &ater*  SÖSenn  ta)  nur  Dta)  jjabe,  fo  frage  ia) 
ni$t£  naa)  Fimmel  unb  Qrrbe,  unb  wenn  mir  gleia)  ^ei^  unb 
(Seele  ^erfa)maa)tet ,  fo  bift  Du  boa),  ©Ott,  allezeit  meinet 
<£>eraen$  £roß:  unb  mein  ££etf! 

Steige  beinern  ttanfen  Äinbe, 
£)aS  auf  fcfyroadjen  güfen  ffcel)t, 
©eine  ©naben&anb  gefdjnunbe, 
SStö  bie  2£ng$  vorübergeht 
S3Ste  bie  Sugenb  gängle  mid), 
2)afj  ber  geinb  nidjt  rufyme  ftcfy: 
@r  fyap  fold)  ein  £er§  gefallet, 
£)a$  auf  £)td)  bie  Hoffnung  ffcellet. 

Darauf  folgt  nun  bte  ©eelenrufje  unb  a)rtftlia)e  Bufrte* 
benjjett,  fo  baß  ber  ©laubige  gleia)fam  £aupt  unb  £er$  in 
ben  <Sa)oofü  ber  göttlia)en  ©üte  legt,   unb  bereit   ift,   in 


1261 

bemfelben  Me$  au  überwtnben,  Mt#  $i  leiben,  a«  fcfan  unb 
gu  fterben*  3n  biefem  3uftanb  tft  er  auä)  fo  vergnügt,  baß  er 
@ä)anbe  für  <££re,  Sfamtt}  für  9?eia)tl)um,  ßranf  jjeit  für  ©e* 
funbpeit  ja  ben  £ob  für  2eben  palt  2)atton  motten  wir  bieg* 
mal  weiter  rebenunb  bte  ©enügfamfett  ber  gläubigen 
©eele  betrautem  —  ©ott  gebe,  baß  e$  mit  yiu§tn  gefä)e£en 
möge  bura)  Sefum  Gtjmftum !  Sintern 

Slbjjanblung* 

,  Sötr  lefen  in  ber  23ifeel,  ba$  bte  gottlofc  Königin  3efeBet 
bem  tyxcpfyeten  dtia  naä)  bem  2eben  trachtete  unb  ifjm  fagen 
lief,  baß  fte  nia)t  rufen  wolle,  U$  fte  ijm  aua)  fo  getöbtet  ljä> 
te,  wie  er  bte  23aal0pfaffen  töbtete»  Sarauf  flolj  (£lia$  in  bic 
Sßüjte,  featc  fto)  unter  einen  2ßaa)f>olberbaum  unb  fprao)  au 
©ott:  „(£e  tft  genug!  ©o  nimm  nun  £err,  meine 
(Seele,  iä)  bin  ntc^t  beff er,  aU  meine93äter!"£)antt 
legte  er  ftä)  nieber  unb  fa)lief  ein*  —  2Bir  fepen  barauS,  ba$ 
auä)  bte  großen  ^eiligen  ijjre  <Sä)waä)l?etten  J?aben,  tnbem  fte 
ftä)  manchmal  felbft  ba3  3iel  t|»re^  £eben$  unb  tljrer  Reiben 
fe£en  wollen,  m$  boä)  ©ott  atiein  auflegt*  £)oä)  wünfä)e  tä), 
bag  ade  ©ottesft'nber  ftä)  bte  Sßorte:  @$  tfi  genug,  ify 
£abe  genug!  amn  Sßaljlfyrua)  wählen  motten,  ben  fte 
atteaett  im  5D?unbe  unb  im  £er$en  jmbem  3ä)  wünfä)e,  bafj 
alle  fo  gejtnnt  wären,  wie  jener  fromme,  obgleiä)  bettelarme 
SEftann,  tton  welkem  £erberger  eraäjjlt,  bag  er  ijmt  jlet$,  fo 
oft  er  tyn  befuä)t  ober  t£n  fonft  wo  angetroffen,  auf  bte^rage: 
tok  e$  t|m  mit  ben  ©einigen  gefje  —  geantwortet  Jjabe:  2Öir 
fjaben  ba$  Men  unb  solle  ©enüge*  2)amit  beutete  er  o£ne 
3wetfel  auf  bte  2$orte  3efu  ptn:  3a)  bin  gefommen,  baff 
Steine  ©ä)aafeba$£eben  unb  solle  ©enüge  paben 
f  ollem  Unb  mt  wir  von  bem  (£lta$  lefen ,  bag  er  mitten  in 
ber  ©efa|>r  ruljtg  gefä)lafen  jjabe,  fo  lefen  wir  e$  auti)  son  2ln* 
berm  SonaS  fd)lief  auf  bem  Speere,  wäprenb  bat  <5ä)iff 
untergeben  wollte*  betrug  fä)ltef  fejl  gwif^en  %wti  ©olbaten 
im  ©efängmg  in  ber  Sftaä)t  sorjier,  epe  er  Eingerichtet  werben 
foflte.  2luä)  3efuS  felbft  ru|>te  fanft  auf  einem  Riffen,  wäljrenb 
ftä)  auf  bem  9tfeer  tin  fola)er  6turm  erpob,  fbag  aua)  ba$ 


1262 

€$tfffe{n  mit  Seilen  bewerft  würbe,  ©o  ge£t  e$  aua;  ben  Win- 
tern ©otteg,  wenn  ber  ©atan  unb  bte  Söelt  noa)  fo  siel  $3o* 
feö  fltften,  fo  ru£en  fte  t>o<^  in  ber  ©nabe  unb  in  bem  ^eiligen 
SBillen  ©otte$,  (te  ftnb  allezeit  aufrieben  unb  vergnügt,  weit 
fte  fta)  allezeit  auf  bte  ©üte  bee  £errn  unb  auf  ©eine  2krJ>ei* 
jungen  serlaffen  fönnen, 

2ßir  rebert  alfo  1)  baoon,  baß  ber  wapre  (£{jrtft  aua;  rupta, 
unb  aufrieben  fe^n  muffe,  Der  Slpoftel  felbft  beutet  in  unferem 
Zcxtt  barauf  fnn,  inbem  er  bie  ©ottfeligfeit  mit  ber  ©enüg* 
famfeit  serbinbet,  unb  bamit  fagen  Witt,  bag  eine  of?ne  bie  an* 
bere  nia)t  befielen  fönne.  ©ie  ftnb  gleta)fam  ^wei  33lumen 
auä  (£tner  SBuqet,  ober  jwet  £öd;ter  oon  einer  Butter,  fte 
flammen  beibe  $on  bem  ©lauben  ab;  unb  wie  e$ unmöglta) 
tft,  einen  ©laubigen  ^u  ftnben,  ber  nid;t  gotteöfürdjtig  ift,  fo 
fann-aua;  feiner  gefunben  werben,  ber  ma)t  in  ©ott  vergnügt 
wäre,  33etbee  rüfjrt,  vok  wir  naa)fjier  fejjen  werben,  au3  ber 
©emeinfd;aft  3efu  djjrtfit  per,  —  ?5auluö  gibt  aber  aua;  noa; 
anbere  ©rünbe  anf  warum  ber  ©laubige  fia;  gerne  genügen 
(äffe,  weil  er  nämlta)  wopl  wiffe,  bag  er  nia)t$  in  bie  2öeti 
gebraa)t  pabe  unb  aua)  nia)t$  aus  berfelben  mitnehmen  werbe, 
weil  er  fta)  täglia)  erinnere,  bag  er  ijier  nur  ein  Pilger  fep 
unb  alfo  nta)t$  mepr  begehren  fönne,  al$  ba3  nötige  3ejjr* 
gelb ,  unb  fomt't  gerne  jufrieben  fep,  wenn  er  gleia)  mit  feinem 
Ueberflug  serfepen  wäre,  —  Sßir  wollen  aber  bie  ©aa)e  noa) 
etwas  genauer  erflären,  —  £)ie  ttor3Üglia)fte  SStrfung  beä 
©laubenS  ift  bag  er  bie  ©eele  in  bie  ®emeinfa)aft  3efu  (grifft 
unb  be$  breieintgen@otte3  fegt,  mcvoix  früher  fa)on  öftere  ge* 
fagt  paben,  Grrmaajtfte  nia)t  allein  be3  SßerbienfteS  OHmfit, 
fonbern  aua)  ber$inbfa)aft@otteS  unb  be3£roftc3  beS  p  eiligen 
©eifteä  tpeitpaftig,  2)iefe  ©emeinfa)aft  aber  ift  nia)t  ojmeßraft 
unb  SQSirf ung,  fonbern  xoit  ©Ott  ©ia)  ber  ©eele offenbaret  unb 
©eine  £tebe  fammt  bem  peiligen  ©eift  in  ipr  £er$  ausgießt, 
alfo  weig  bie  glaubige  ©eele  aua)  bura)  baS  innere  £ia)t,  ba$ 
fte  tton  ©ott  f>at  unb  au$  ber  (hfaprung,  in  welchen  3ufknb 
fte  son  ©ott  gefegt  ift,  ©ie  weiß,  bag  fte  in  £j?rtfto  lebt  unb  @r 
in  ü)r,  fte  weig,  bag  fte  an  ber  £errlia)feit  ber  Iinbfa)aft  ©ot* 
te$  erhoben  ifi.    ©ie  weig,  bag  fte  mit  bem  ©opne  ©otteö 


1263 

cmf$  tnnigfie  verbunben  unb  ©ein  treuer  erfaufteS  Grtgenfpum 
tft,  fte  tt)etg,  tag  fte  ein  £empel  t^i  peiligen  ©elftem  ift  unb 
baß  fte  Vergebung  ber  ©ünben,  ©erea)tigfeit,  £eben  unb  ©e* 
Itgfeit  pat  £>arau$  entfielt  nun  griebe  unb  greube  tn  beut 
Ijeiligen  ©eiß  unb  folglich  bie  ©enügfamfeit  ©leia)wie 
ein  $inb  an  feiner  Butter  33ruft,  ober  in  feinet  33ater6  ZitU, 
eine  33raut  in  bem  23eft{3  atter  ©üter  unb  (£pre  ipreg  23räuti* 
gamS  vergnügt  ift,  foiftauajbie  glaubige  ©ecfe  vergnügt  in  ber 
2iebe  ©otteö,  in  ber  ©nabe  beS  £errn  3efu  gprijti  unb  in 
ber  ©emeinfa)aft  be$  peiligen  ©eifteä*  —  Einern  Steige  am 
23aum,  einer  Otebe  am  SÖeinftocf  genüget  an  bem  ©aft,  t»elcr)e 
fte  von  iprem  ©tamm  ober  iprer  28ur$el  pakm  ©in  $inb, 
ba$  an  feiner  Butter  33ruft  liegt,  fepnt  fta)  nia)t  naa)  einem  anbern 
beffern  ©etränfe,  unb  wenn  e£  etwaö  erwaa)fen  ift,  fo  befüm* 
mert  e$  fta)  nia)t  barum,  ob  fein  2Sater  viel  ober  wenig  ©etb 
pat  unb  wünfa)t  aua)  nia)t  mit  sollen  ©äden  verfepen  ^u  fepn, 
fonbern  eg  genügt  ipm,  baß  eS  tägfia)  feine  ^otpburft  au$  be$ 
*Bater3  lieben  £änben  emvfape,  Unb  voit  follte  fta)  ^  33*  bie 
Grftper  um  einige  alte  Kleiber  befümmert  paben,  aU  fte  au$ 
be$  Königs  Kammer  mit  toniglia)em  ©ä)mud  verfepen  würbe, 
wie  foüte  fte  ba3  groß  geaa)tet  paben,  wag  fte  M  bem  $?ar* 
boa)ai  3urücflaffen  mußte  ?  (ürbenfo  ift  eg  aua)  mit  ber  glaubt* 
gen  ©eefe,  fte  ift  bem  £erm  3efu,  aU  eine  9?ebe  bem  Sßeinftocf, 
einverleibt,  fte  ift  ein  3weig,  ber  an  3pm  afö  bem  23aum  be$ 
£eben$  paftet,  fte  lebt  in  3£m  unb  (£r  in  tj»r,  wie  ein  $inb  in 
bem  i*etbe  feiner  Butter*  ©ie  näprt  fta)  bura)  ben  ©lauben 
aug  ©einen  peiligen  Sßunben,  fte  weiß,  baß  fte  in  bie  väterlia)e 
^tebe  ü)re3  ©oitee  eingefa) (offen  unb  in  bie  ©emeinfa)aft  3cfij 
£f)riftiunb  aller  ©einer  £errtta)feit  eingefe^t  ift  SBarum  folltc 
fie  nia)t  vergnügt  fet;n,  unb  warum  füllte  fte  fta)  fepr  um  bie  ver* 
gänglia)en  ©üter  biefer  2Belt  belümmern?  2Ba3  follte  biejie* 
nige  weiter  begepren,  bie  ©Ott,  ©eine  ©nabe  unb  ben£immet 
pat;  waä  foüte  biej'enige  viel  forgen,  wela)e  fo  gut  verforgt 
ift?  ©ie  fann  awar  bag  3*bifa)e  wegen  ifjree  bürftigen  ZtiUä 
nia)t  gan$  entbehren;  aber  fte  verläßt  fta)  auf  bie  ©nabe, 
Zitit  unb  £reue  ipreS  ©otteö  unb  auf  feine  väterlia)e  gür* 
forge*    ©ie  erinnert  fta)  an  ©eine  SBerpeißung:  ,,3a)  will 

76* 


1264 

bia)  nto)t  »erlaffen  noa)  »erfäumenjc*  £raa)(et 
am  erpen  naa)  beut  3?eia)  ©otteö  unb  na  a)  Seiner 
©erea)tigfeit,  fo  wirb  eua)  ba^  übrige  5ille$  ^u* 
fallen/'   Unb  btejW  $8cxt  tyxeö  @otte£  ift  ifjr  lieber  als! 
Mz$  in  ber  SBelt;  bajjer  fagt  fte  ^äuftg;  „©  ott  Jiat  ©etneö 
eigenen©o£ne$  nia)t  tterfa)ont,  fonbern  3j?nfür 
uns  2Ule  bapingegeben,    ttue  follte  @r  un$  nvtt 
3Jjm  nta)t  2ille$  fa)enlen?"  $at  mia)  3efuS  mit  ©ei* 
nem  innren  23lut  erlauft  unb  mit  ©einem  ©eift,  als  bem  $fanb 
©einer  £iefce,  befeltgt,  reit  feilte  @r  e$  mir  an  £eibe^9?aiSrung 
unb  ^Tlot^burft  fehlen  laffen  ?  —  TOug  fte  aber  aud;  erfahren,  bafj 
mit  ber  grömmigfeit  gemeintglia)  ^>k  Hrmutjj  serbunben  ift, 
mug  fte  mit  tyxem  (£rlöfer  fagen:  „Ticin  Dieia)  ift  nia)t 
»on  biefer  2öelt;  ober  mit  bem  Styofiel:  ©über  unb 
©olb  $ahe  ta)  niä)t,"  fo  mi$  fte  boa),  bag  aua)  barunter 
bie  Ziehe  ©ottee  verborgen  iß,  baß(£r  bie  5eitlia)en  Dinge  naa) 
©einem  weifen  SHatlj  ausgeteilt  |>at,  tt)ie  (£r  e£  $u  unferer 
©eligfeit  für  gut  gefunben  f>at  Darum  ftejjt  fte  ©otteS  ©na* 
be  eben  fo  gut  in  einem  Riffen  33rob,  aU  in  einem  föftlia)en 
©eria)t,  fte  fa)mecft  ©eine  Ziehe  fo  gut  in  einem  £runf  2Q3af=* 
ferS,  als  in  bem  ebelften  SBein*    ©ie  weig,  baß  bie  2lrmutij 
bura)  3efym  @fmftum,  ben  £etlanb  ber  2Belt,  geehrt  unb  ge* 
heiligt  Sorben  ift,  unb  roeip,  baß  man  auf  einem  fa)malen  $3ege 
bergan  nia)t  beffer  fortfommen  fann,  als  wenn  man  nia)t  fejjr 
beläjh'gt  ift    Söarum  follte  fte  alfo  nia)t  aufrieben  fepn  mit  ijj* 
rem  befa)eibenen  £J?etl  unb  ifjrem  ßrrlöfer  aua)  in  ber  2trmutj> 
fröfrtia)  unb  willig  folgen?  Unb  wenn  gleia)  ij)r  fünblia)e$ 
gleifa)  fia)  zuweilen  befa)weren  will  über  feine  Dürfttgfeit,  fo 
weiß  fte  ifmt  mit  $orf>altung  ber  geiftlia)en  unb  £tmmlifa)en 
Dinge  $u  begegnen*   ©pria)t  eS:  id)  fyahe  fein  ©elb,  fo 
antwortet  fte:  Du  J?aft  boa)  ©Ott  ©pria)t  eS:  tä)£abe 
leine  Kleiber  naa)  meinem  ©tanb  unbSÖunfa),  fo 
antwortet fie :  ta)  freue  mia)  imQexxn  nnt>  hin  fro^lia) 
in  meinem  ©Ott    Denn  dx  l)at  mia)  angezogen 
mit  ben  Kleibern  beS  £etlS  unb  bef  leib  et  mit  bem 
Sftocf  ber  ©erea)tigfeit  ©pria)t  eS:  ia)  pa^e  fein 


1265 

eigen  $au$,  fo  antwortet  fte:  Der  £tmmel  ift  mein 
£  au  3,  —  bie  SBoJnung  ber  ©ereifern 

Slugerbem  betrachtet  fte  manchmal  bie  Qrttetfeit,  bte  yiify 
tigfeit  unb  ©efäprlidjfett  ber  seitlichen  ©üter,  unb  ttetß  wojjt, 
baj?  es  if>r  ntd)t^  nügt,  wenn  fte  auefy  viele  von  benfelben  be* 
ftjjt,  ©tc  wetg,  ba§  ba$  vergängliche  Silber  unb  ©oft  tt?ren 
rechten  <B§a%  nta)t  vermehren  fann,  unb  bag  fte  burd)  ©otte$ 
©nabe  in  eine  fotd)e  SÖSürbe  gtfeljt  worben  ift,  bag  bie  ver* 
gctngttd;en  Dinge  ifjv  ntc^t^  biegen  fönnem  Dafjer  patte  jener 
fromme  $cann  fc§r  recfyt,  welcher  fagte :  „e$  fep  xtifyt  im  eigentft* 
djen  Sinne  ^u  nehmen,  wenn  man  fage ,  ein  5D?enfc^,  ber  nad> 
weltlicher  <£#re,   £errtid;feit  unb  Reihum  ftrebe,   trachte 
nad)  pojen  Dingen,  mit  bie  ^öc^ftett  Dinge  ber  SBelt  mit 
unter   ber  $ortrefflid)fett   ber  Seele  fepen,    ja  no$   viel 
weiter  unter  bem  3uftanb  unb  ber  2öürbe  ber  $tnber  ©ot* 
te$*"  2öer  atfo  feine  Seele  bem  3rbtfd)ett  unterwürfig  ma$t, 
ber  trachtet  ntc^t  naa)  Jn>pen,  fonbern  nad)  niebrigen  Dingern 
Denn  auf  Grrben  ift  mc$t$  aU  9ciebrige&.    2ßie  nun  berjenige, 
welcher  an  ©otb  unb  (Silber  Ueberflug  I)at,  woijl  aufrieben 
fe^n  fann,  wenn  er  aud)  feine  Rechenpfennige  beft^t,  mit  wel* 
djen  bie  $inber  $u  fptelen  pflegen,  fo  wirb  e$  bie  gläubige 
Seele  nic^t  fepr  ju  £eqen  nehmen,  wenn  fte  von  ^eüftdjen 
©ütern  faum  §at,  m$  fte  braucht,  weit  fte  mit  getftfidjen  unb 
pimmlic^en  ©ütern  retcp$  verfemen  ift.  —  3$  fa^  an  einem 
£>rte  ben  tarnen  3efu3  mit  gotbenen  33uc^ftaben  gematt  mit 
ber  Unterfdjrift:  —  £r ijt  e*  gar  (®x  ift  un$  Wirt).  Q& 
burd)  wirb  bie  Meinung  ber  gläubigen  Seele  paffenb  vorge* 
ftellt;  benn  3efu3  ift  i£r  3teid;t£um,  tpr  ©etb  unb  ©ut  unb 
Sltfe^  —  £)k$  lägt  ftd)  au$  burd)  fotgenbe**  ©leidjniß  beut* 
tief)  machen:    (£ine  gürftentodjter,  welche  mit  einem  mctd)ti* 
gen  £errn  verlobt  war,  reifte  mit  ipren  beuten  unb  Sd)ä£en 
burd)  einen  SÖatb ,  tjjrem  Bräutigam  entgegen*   Sie  trug  fein 
23itbnif?  auf  bem  £er$en  unb  fefmte  ft$  fetjr,  batb  bei  tj)m 
ju  fe^n*  %&ät  biefer  aber  viele  geinbe  fyattt,  fo  lauerten  biefe 
tn  bem  2Batb  auf  feine  23raut,  ft'eten  fte  an  unb  raubten  i£r 
alte  Kleiber  unb  Sd)ä£e,  baf  fte  faft  nic^tö  meljr  behielt,  aU 
ba$  33ifb  auf  i^rer  33ruft,  wetcfyeg  bie  Räuber  metyt  gefe^en 


1286 

Ratten,  %U  fle  nun  ^u  (Einigen  tyxtx  £eute  tarn ,  welche  über 
ben  großen  $erluft  fragten  >  fagte  fte ,  auf  ba$  lötlb  beutenb : 
ta)  pabe  nia)tS  verloren,  fo  lange  ia)  biefen  Iwbe*  2ötrflia)  fam 
aua)  tpr  ^Bräutigam ,  fobalb  er  ipren  Unfall  erfuhr ,  napm  fte 
mit  fta)  unt>  fa)enfte  iljr  me|)r,  *al£  fte  verloren  fjatte.  —  Unter 
ber  gürjlentoa)ter  fönnen  wir  bie  gläubige  Seele  »erpepen, 
welche  ba$  33ilb  S^fu,  beg  ©efreu^igten  auf,  ober  vielmehr  in 
tljrem  ^er^en  trägt  2öenn  e$  nun  aua;  naa)  ©otte6  ^eiligem 
dtaty  unb  Söillen  bisweilen  geftfriept,  baß  fte  in  2lrmut!>  unb 
2>urfttgf  eit  verfällt,  unb  bura)  Irteg,  33ranb,  $ranf!)eit  ober 
anbere  Unglücksfälle  ber  gettltc^ert  ©üter  beraubt  tt>trb,  fo  tjt 
fte  boa)  aufrieben  mit  iljrem  (Erlöfer  unbf»ria)t:  3$  Ijabe 
nia)t$  verloren,  fo  lange  ia)  liefen  behalte.— 
S5on  einer  frommen  %ßittm,  bie  mit  fa)limmen  ©tteffinbern 
feilen  muffte,  unb  von  benfelben  fefjr  übervorteilt  mürbe,  wirb 
eqäljlt,  baß  fte  naa)  ber  £fmlung  in  ijjre  Kammer  geeilt  unb 
vor  einem  ßru^iftr  ntebergefallen  fe^  unb  unter  x>kkn  Ztyvä* 
nen  gefagt  pabe:  3a)  Ijabe  genug,  metn^err,  wenn  ta)  nur 
2)ia)  fyahe,  2)u  bift  mein  Qout  unb  mein  £{?ctl,  ba3  £oo$  ijt  * 
mir  gefallen  aufs  lieblia)fte,  mir  ift  ein  fa)öne6  Grrbtpetl  ge* 
worben!  —  Unb  biefe  Sötitroe  würbe  nacfjper  von  ©Ott  fo 
gefegnet,  baß  fte  ^u  großen  (Mtern  fam,  wäjjrenb  ifore  unge* 
rea)ten  Sterben  alle  verarmten.  —  3$  füjjre  fola)e  begeben? 
f>ätm  abfta)tlia)  j?ier  an,  weil  fte  un£  bie  Sufriebenpeit  ber 
glaubigen  ©eelen  trefflia)  vor  5lugen  ftellen  unb  in  bem  fa)wa* 

djen,  menfa)lta)en  ©eba^|tm|  am  bejten  paftem (Enblia) 

weiß  ber  wapre  (£j)rift  wopl,  baß  er  nur  ein  ©a(t  in  biefer 
Sßelt  ijt,  fein  wapreS  SSaterlanb  aber  im  $immel  pat.  (Er 
weiß,  wie  aua)  ber  2lvojtel  fagt,  t>a$  er  nia)t$  in  bie  Söelt  ge* 
fcraa)t  Jwt  unb  alfo  aua)  ma)t$  mitnehmen  wirb;  barum  läßt 
er  fta)  an  -iftaprung  unb  Kleibern  gerne  genügen,  unb  legt  fei* 
«en  allpgrogen  9Bert^  auf  ba$,  was  ipm  im  £obe  nia)t  ben 
geringften  £rojt  geben  fann  unb  iljm  aua)  nia)t  in  bie  (Ewig* 
feit  folgen  Wirb.  (Er  weif,  baß  feine  $cea)enfa)aft  um  fo  größer 
fe^n  wirb,  je  meljr  er  @üter  gehabt  fwt;  barum  iß:  er  ver* 
gnügt,  wenn  er  gleia)  nia)t  meljr  al$  ba$  -ftotpwenbtge  fjat. 
(Er  fammelt  $war  auf  einen  fünftigen  9cot£fall;   boa)  nur 


1267 

0etfHtd)e  ©dj%.  (£r  trautet  von  £a$  $u  £ag  im  ©tauben 
xtify  ^u  werben,  tt)te  an  2ßof>tt£aten  unb  guten  SSerfen,  auf 
tag  er,  wenn  er  nun  barben  wirb,  greunbe  |wben  möge,  bte 
iljn  aufnehmen  in  bte  ewigen  &ütttn+  3m  Uebrtgen  fpridjt  er 
mit£tob:  „3$  bin  nacft  tton  meiner  Butter  £e ih  ge* 
fo  muten,  nacft  werbe  i$  «lieber  batjin  fahren;  b er 
£err  $aV$  gegeben,  b er  £err  £at1$  genommen,  ber 
9tamebe$£errnfe9  getobet/' 

2)  Sßotten  wir  geigen,  wa$  biefe  ©enügfamfett  fe$, 
unb  worin  fie  eigentlich  befiele*  ©ie  ijt,  um  e$  fur$ 
gu  fagen,  eine  gruc^t  beg  ©etfteS  in  ben  ^tnbern 
©otteg,  woburc^  fie  mit  bem  äußeren  3uj!anb,  in 
Wellen  fie  ©Ott  gefegt  £at,  wo|>f  aufrieben  finb* 
Die  $tnber  ©otteg  fönnen  alfo  fjo$  unb  niebrig,  fatt  unb 
hungrig  fet;n,  fte  fönnen  übrig  Ijaben  unb  Mangel  leiben»  ©te 
ftnb  einerlei  ©inneg  im  ©tücf  unb  Ungtücf ,  in  Strmutj?  unb 
sfteidjtfmm,  unb  begehren  ni$t$  mef>r,  aU  bafj  (ie'©ott  allezeit 
gu  ©einem  atterpeittgjten  Söttten  geneigt  unb  fröfrtid)  ftnben 
möge.  —  2)ie  Jpauptwur^et  ober  ber  Anfang  ber  3ufriebenf?eit 
i(i  ber  ©taube,  ber  feinen  9?etc$t£um  in  G>l?rifto  3efu,  bem 
©efreu^tgten,  in  ber  ©nabe  ©otteg  unb  in  ber  ©emeinfctyaft 
beg  Zeitigen  ©etfte£  fu$t  unb  ftnbet  2)abur$  wirb  bie  ©eefe, 
wetcf>e  tterfta)ert  ijt,  bajü  fte  bet  ©Ott,  atg  ein  ticbeä  $inb,  in 
©naben  ftejjt,  sott  freubigen  SSertrauenö,  fo  bag  fte  ji$  3{w 
unb  ©einer  weifen  Regierung  gän^ti^  ühexi&$t,  ifjrem  eigenen 
SBitten  abfagt  unb  in  ©otte£  fettigem  Sitten  ru£t  —  £)arau$ 
fotgt  ferner,  bag  fte  bie  Jn'mmttfctjen  £>inge  l)o$,  t>k  irbifc^en 
bagegen  gering  afyttt  unb  atfo  feicfyt  aufrieben  ift,  wenn  fie  mit 
jenen  tterfejjen  ift  unb  biefe  entbehren  mug*  —  2)amit  ift  aufy 
bte  £emut!)  serbunben  unb  ber  ©taubtge  ift  um  fo  meljr  *>er* 
gnügt,  at$  er  jt'cf  atter  ©aben  unb  ©üter  für  unwürbig  {mit, 
in  ©ebutb  unb  Hoffnung  ftd)  ber  fünftigen  ©etigfett  getröftet, 
unb  atfo  rei$  wirb  in  ber  Hrmutfj,  rufrig  in  ber  Unruhe,  be* 

mütfng  in  ber  £o£eit,  unb  f)ocf)  in  ber  s#tebrtgfeit 2Bir 

wotten  aber  biefe  wichtige  £ef>re  no$  ztm$  genauer  erörtern» 
— -  3$  fwbe  gefagt:  bie  ©enügfamfeit  fepeinegruc^tbeS 
©eijieS,  waö  mc£t  bto$  barauS  erpettt,  baß  ber  Styojkl  bie 


1268 

greube,  ben  grieben,  bte  ©ebutb  unb  btn  ©lauben  ben  gtüdj* 
tenbeg  ©etfteS  beiääfjtt,  fonbern  au$  weiter  fpricfjt:  „3$ 
£abe  gelernt,  bei  benett,  Bei  weisen  i$  bin,  mir 
genügen  au  laf fem  3c|  fann  niebrig  fe^nunb  fann 
£0$  fe#n,  idj  bin  in  alten  fingen  unb  bei  alten 
getieft  3$  vermag  etiles  burtf)2)en,  ber  mic^ 
mächtig  macljt,  Gt£rtjlu$/'  —  3$  £abe  gelernt,  fagt  $au* 
Iu$,  aU  jjcitte  er  auf  bte  Sßorte  dfjrifti  Anbeuten  wollen:  2er* 
net  wn  Sfltr*  3«  ber  (Schule  be$  fettigen  ©etfteg  ift  mir  btefe 
£ugenb  beigebracht,  gteifa)  unb  $8lnt  ^at  fte  mir  nidjt  geoffen* 
baret,  fonbern  id)  {mbe  fte  *>on  3efu  gelernt  unb  burd)  ©eine 
$raft  unb  ©nabe  micf)  bisher  barin  geübt  —  (£$  ift  eine  dU 
genfc^aft  unferer  serberbten  Statur  unb  eine  Unart  nnfereS 
fünbticpen  £eqen6 ,  baj?  e$  mit  feiner  £age  faß  nie  aufrieben 
iß,  fo  lange  e$  ftc^  fef&ß  überlaffen  bleibt  (£$  will  immer 
meljr  %abm,  al$  ipm  gegeben  tft,  tritt  immer  mef)r  unb  größer 
fepn,  att  e$  ift,  will  immer  feinen  Sitten  paben,  in  (£fjren, 
©ütern,  Ueberftuß  unb  2Öottüften  leben»  dagegen  ift  e$  altem 
$reu$,  alier  Strmutl?,  jiebem  fanget  unb  jieber  (£rniebrtgung 
feinb  unb  mag  nichts  baoon  poren;  unb  wenn  ifjm  etwas 
ber  2trt  begegnet,  fo  jlräubt  e3  jtd?;  wiberftrebt  bem  pettigen 
SBttten  ©otteS,  murrt,  wirb  ungebutbtg,  l (einmütig  unb  »er* 
$agt  2)iefe3  Wkt$>  rüprt  *>on  ber  angebornen  23tiubl)eit,  Un= 
wiffenfjeit,  Eigenliebe  unb  £offart  per,  mit  welcher  es  na$ 
bem  ©ünbenfatt  erfüllt  worben  ift,  fo  baß  e3  fein  33efte3  ntept 
»erftept,  unb  mepr  tton  ft$  fetbft  pettt,  aU  e3  palten  fottte* 
2)arum  i(i  bie  ebte  ©enügfamfeit  eine  pimmtifepe  unb  fettene 
23tume,  bie  man  niept  in  alten  ©arten  G&eqen)  fmbet  3a, 
man  wirb  fte  ha  niept  ftnben,  wo  fte  3efu3  d^riftu^  niept  pin* 
^flan^t,  unb  wo  fte  ©ein  ©eijt  niept  befeuchtet  unb  fortbringt 
—  gerner  pabe  tep  gefagt,  baß  bie  £inber  ©ottes  burcp  biefe 
£ugenb  mit  iprem  äußeren  3uftanb  wopt  aufrieben  fepen*  £)ie* 
fer  aber  ift  entweber  gtücflicp  ober  ungtücfticp*  33atb  gept  eS 
tpnen  wopt,  fte  werben  geeprt  unb  geliebt,  ftnb  fatt  unb  reiep, 
paben  Ueberfluß  unb  gute  £age,  grieben  unb  3?upe*  23atb 
gept  e$  ipnen  übel,  fte  werben  gefepmetpt,  gepaßt,  unterbrücft, 
geraden  in  Mangel  unb  £)ürftigfeit  unb  paben  tin  Ungtüä 


1269 

über  tag  anbete,  —  3n  Betben  geilten  ijt  ber  ©laubige  *>er* 
gnügt  unb  fügt  ft$  gerne  in  ©otteä  petltgen  Sftatjj'unb  Söitlem 
—  3ut  ©lud  nun  feilte  man  freilid;  meinen,  fepe  eS  eine  leiste 
@a$e,  aufrieben  $u  fepn,  unb  wenn  man  in  (£l)ren  unb  SGSür* 
ben  jtge,  gute  £age  unb  mct)t  btog  fein  2tu$fommen,  fonbern 
audj  nod;  übrig  jmbe,  wenn  man  ntct)t  blo£  feinen  junger  unb 
2)urfi  füllen,  fonbern  ftd;  auc$  no$  manche  (ürrgö£ltd)feit  be* 
reiten  fönne,  wenn  man  nid;t  bloS  Grin  $teib  pabe,  um  feinen 
£etb  $u  beden,  fonbern  auep  mehrere  beftge,  um  benfelben  $u 
fdjmüden,  fo  gebore  ntct)t  r>iel  ba$u,  um  vergnügt  $u  fe^m  %U 
hin,  wenn  man  bie  <&<xd)t  reept  bebenft,  fo  gebort  fajl  no$  eine 
größere  ©nabe  unb  meljr  ®raft  be£  Zeitigen  ©etjteg  ba$u,  baß 
man  hti  einem  folgen  SOSopIjtanb  fein  £er$  in  ber  ©enügfam* 
feit,  in  ber  Demutp,  im  ©eporfam  gegen  ©Ott  unb  unter  beut 
fanften  3o$  (grifft  erpalte,  unb  man  muß  bie  $unft:  gute 
£age  opne  ©ünben  ^u  burcfyleben,  ebenfowopl  in  ber  ©cfyule 
be$  £errn  3efa  unb  @eüte$  ©eifteg  lernen,  al£  bie  ©ebulb 
unb  Sufriebenjjett  in  böfen  Sagen,  --  SSir  wollen  aber  füq* 
lia)  angeben,  wag  ber  ©laubige  im  ©lud  ^u  beobachten  jjabe* 
(£r  nimmt  a)  ben  @egen  ©otteg  unb  ben  Ueberfluß,  ber  tpm 
befeuert  wirb,  mit  einem  bemütpigen  ^er^en  an,  erfennt,  baß 
2l(leS,  wag  er  $at,  *>on  ber  £anb  beg  £errn  fommt,  unb  baß 
er  nia)t$  §at,  aU  wag  aug  (Botteö  @c$ä($en  genommen  tfL  (Ex 
tft  vergnügt  in  biefer  £age,  boer)  nid)t  beßwegen,  weil  er  (ürpre, 
Unfefjen,  23equemlid;feit  unb  @rgö£li$feit  beft£t,  fonbern  mit 
©Ott  tfjn  fo  reidjlicf)  auggeftattet  $au  (ix  tft  nid;t  im  23ejt|$ 
£eitlid)er  ©üter  vergnügt,  fonbern  in  bem  peiligen  dlatl)  unb 
SQSiffen  ©otteg,  burd)  welken  er  fte  jmt*  @r  mi$f  t>a$  ber 
Sfteidjtfwm  ein  «Segen  beg  #errn  genannt  wirb,  unb  baß  <Sa* 
lemo  fagt:  „2)en2öetfen  ift  ipr  ^eteptpum  eine^rone, 
weil  fte  benfelben  gut  anwenben,  ©otteg  @j)re  baburc^  beför* 
bern,  ben  Firmen  bamit  unterfingen,  an  guten  Werfen  retd) 
werben,  ft$  felbft  bemütpig  unb  mäßig  haM  bezeugen,  unb 
alfo  buret)  ipr  33etfptel  lepren,  baß  berfelbe  an  ftc$  nia)t  böfo 
fonbern  eine  eble  (^aU  ©otteg  ift;  bie  £jjorJ>eit  ber  9?ar^ 
ren  aber  'bUiht  ^fjorpett,"  2)enn  wenn  fte  au$  ©olb 
unb  Silber  im  Ueberfluß  paben,  fo  geigen  fte  bodj  turcr)  ben 


I 


1270 

ÜRigbraua)  tljrer  ©üter  unb  bura)  t^re  Äarg&eft  unb  Unbarm* 
£eqtgf  eit,  tag  fte  Sporen,  nämlta)  ©Ott  mtgfällige  unb  untüa> 
ttge  9)?enfa)en  ftnb.  —  £)emnaa)  freut  fta)  ber  @brift  über  ben 
©egen,  ben  er  beftgt,  boa)  nia)t  forooljl  um  feinet*,  al£  um 
©otte£  roiüm  Grr  freut  fta)  nia)t,  voeil  er  ©elb,  ©üter,  <£j>re 
unb  alles  5D2ogItc^e  ju  fetner  SSequemlidtfeit  beft£t,  fonbern, 
weil  er  Mittel  £at  für  ©Ott,  unb  fte  ^u  Setner  (£l?re  anroen* 
ben  fann.  @x  jjält  e£  für  Gritelfeit,  roenn  man  oon  tj?m  fagt: 
©tejje,  rote  reia)  btefer  ift,  rote  geljt  e3  ijjm  boa)  fo  gut!  £>a$ 
aber  gereift  ij?m  $um  Vergnügen,  roenn  man  fagt:  ©e£et,  rote 
gnäbtg,  rote  roetfe  unb  mäa)tig  ber£err,  unfer  ©ott,  ift,  ber 
ben  Firmen  äu$  bem  (Btauht  ergebt!  SBte  leta;t  ift  e$  3{?m, 
einen  £fteia)en  arm,  unb  einen  Ernten  reia)  $u  maa)en!  —  @r 
freut  fta)"barüber,  bag  ©ott  an  i£>m  ein  23etfpiel  ©einer  toun* 
berbaren  unb  gnäbigen  Regierung  gegeben  unb  ijjn  5lnbern  $u 
(Beinern  greife  oorgefteHt  J)at  (Er  freut  fta),  roie  eine  33raut 
fta)  über  ein  ©efa)enf  oon  iprem  Bräutigam  nia)t  belegen 
freut,  roeil  eS  fo  f  oftbar  unb  $terlta)  ijt,  fonbern  roeil  e£  iljr 
&on  einer  lieben  £anb  $ufam,  unb  roeil  fte  eS  tbrem  33rauttV 
gam  $u  (£j?ren  trägt  —  ©eroig,  fo  roaren  bte  Jpeiltgen  ©otteS 
geftnnt,  oon  roela)en*bie  ©a)rift  fagt,  bag  fte  groge  ^eittjtljüs 
mer  befeffen  jmben.  D  roie  roirb  fTct)  2lbraf?am  mana)mal  ge* 
freut  Ipaben  über  bie  ©üte  feinet  ©otteS,  ber  ipn  ^voar  au$ 
feinem  23aterlanbe  fiepen  jjieg,  boa)  if?n  in  ber  grembe  fo  feg* 
nete,  tag  fta)  bk  Grütwojjner  be3  £anbeS  felbft  barüber  roun* 
berten,  unb i^n einen  gürften  ©otteS  unter  fta)  genannt  ^a* 
ben!  Grbenfo  freute  fta)  3afob  geroig  nia)t  bloS  über  fein  gro* 
fe^  Vermögen,  ba$  er  fta)  in  9ttefopotamten  erworben  ljatte, 
fonbern  ^uoörberjt  über  ©otteS  ©üte  unb  über  ben  ©egen  be$ 
£erm,  beripn,  roela)er  nur  mit  einem  ©tabe  feinet  23aterä  £au£ 
serlajfen  $aüt,  mit  2  beeren  bereichert,  roieber  $urücfbraa)te, 
©o  roar  aua)  3ofe^,  £)aoib,  SDtabo^ai,  Daniel  :c.  geftnnt, 
roela)e  ber  £öa)jte  au$  iljrer  9tfcbrigfeit  erhoben  jwtte,  fo  bag 

fte  iljre  £uft  an  ©einer  ©nabe  fe£en  fonnten. b)  gerner 

gibt  fta)  ber  ©laubige  alle  9ttü£e,  ben  ©egen  beS  £oa)fren 
nia)t  gu  vergeuben,  fonbern  gehörig  $u  ^at^  au  Patten*  ^r 
fyiitet  fta),  bag  er  fta)  unb  bie  ©einigen  nia)t  bura)  eigene 


1271 

Schuft  tri  2lrmut£  ftür^t,  unb  ©Ott  nio)t  r>erfuö)t;  bag  er  fta) 
ma)t  untüchtig  maa)t,  ben  ©otteöbienft  $u  beförbern,  bag  ge* 
weine  53e|te  $u  erhalten,  unb  ben  Dürftigen  |u  unterjtü^en.  (£r 
tf*  ^war  allezeit  bereit,  naa)  ©ottes  Sitten  feinen  Ueberflug 
mit  bem  Mangel,  unb  feine  fofibaren  Kleiber  mit  bem  23ettler* 
mantel  $u  tterwea)feln,  2Itteg  willig  unb  mit  Jreubcn  ju  x>erlaf^ 
fen  unb  natft  unb  blog  au$  ber  203 elt  $u  f Reiben;  allein  er  weig 
aua),  bag  fein  (£rlöfer  befohlen  £at,  bie  übrigen  33rocfen  auf* 
gupeben,  bag  ein  3^ber  bie  ©einigen  naa)  Vermögen  »erforgen 
unb  ben  ©egen  ©otteg  nia)t  oon  fta)  fbgen  ober  migbraua)en 
folL  —  Die  a)rijtlia)e  ©enügfamfeit  ftrettet  alfo  nia)t  mit  ber 
©parfamfeit,  mit  bem  gleiß  unb  mit  ber  «Sorgfalt,  bie  wir  für 
tk  Unfrigen  Ijaben  fotten,  fonbern  mit  bem  @ei^,  ber  au£  all* 
gugroger  Zieht  jum  3rbifa)en,  unb  aus  Mißtrauen  gegen  ©Ott 
entfielt*  SQSte  nun  ber  wapre  ßlmft  mit  bem  aufrieben  ift,  tva$ 
ber  £err  tym  angeheilt  £at,  fo  t>erfa)wenbet  er  aua)  ba£  nia)i 
bura)  2Dftgbraua)  unb  Unaa)tfamfeit,  wag  tl)m  gegeben  tjt,  fon* 
bern  er  bewahrt  es  als  einen  ©egen  ©otteS  unb  aU  ein  Wlit* 
iel,  fta)  unb  bie  ©einigen  $u  ermatten  unb  ©ott  unb  bem  -iftcta> 
ften  bamit  $u  bienem  —  c)  Der  ©laubige  weig  ferner  woj?l, 
bag  tt?n  ber  53eft'ö  3eitlta)er  ©üter  *>or  ©ott  nta)t  beffer  maa)t, 
unb  erinnert  fta)  ftetS  an  bie  Sorte  beg  GrrlöferS :  „  VI  i  t* 
manb  lebtbaoon,  bag  ex  v tele  ©üter  Ijat:  ober: 
2Öa3j?üifeeSbem3ttenfa)en,  wenn  er  bie  g  an  $  e 
SÖelt  gewänne,  unb  nebmeboa)  ©a)aben  an  fetner 
©  e  ele  jc*?"  Darum  Uäht  er  tn  ber  Demutl?  unb  gura)t 
©otteS,  gebraud)t  fein  Vermögen  mit  9)cagigfett,  $eraa)tet 
9ciemanb,  ber  weniger  j?at,  aU  er,  unb  £itft  gerne  bem,  ber 
£ülfe  bebarf ,  um  bereinft  als  an  treuer  £augf?alter  über  bie 
©üter  ©otteg  wojjl  befielen  $u  fönnetv  Grr  jjätt  eg  aber  aua) 
für  eine  ©nabe  beg  £errn,  wenn  fta)  *>onJ3eit  p  &tt  $reu$ 
unb  £rübfal  bei  ü)m  einftellt,  unb  fein  fünblia)e£  gleifa)  fo  tn 
££citigfeit  erhält,  bag  eg  fta)  feinet  2öo|>Iftartbeö  wegen  nia)t 
überlebt  $ur3,  ber  ©laubige  ift  im  Sojjlftanb  xoit  eine  231u* 
me,  bie  in  einem  fetten  23oben  fteljt  unb  fta)  boa)  gegen  btc 
©onne  unb  ben  £tmmel  ausbreitet  dx  gleia)t  einer  2Baag* 
fa)ale,  wela)e  fta)  um  fo  tiefer  £erablägt,  je  me£r  man  £tneüt< 


1272 

legt;  er  ift,  wie  ein  frommes  $inb,  welches  feine  Grftern  um 
fo  mel)r  liebt  unb  efjrt,  j[e  beffer  eS  $on  t^nen  bepanbett  wirb. 
(£r  Wunbert  ftrfj  oft,  warum  ©Ott  ijjn  x>ox  vielen  2Inbern  fo 
m$li$  autfgeftattet  fwt,  unb  wei$  nicfjt,  wie  er  ©einer  unoer* 
bientcn  ©üte  bafür  banfen  fotL  £>a  §ei$t  e$  immer:  203 1  e 
foHi$bem£errn  vergelten  alle  ©eine2SoJ?ltl?at, 
t>  i  e  Gr  r  an  mir  tjjut?  Sffierbintdj,  £err,  £err,  unbwaS 
ijt  mein  £au$,  bajj  ?)u  nuä)  Bi^  piep  er  gebracht 
5 aft?  3d)  bin  ^u  gering  aUer  SBarmjjeratgf'eit  unb 
Streue,  bie  2)u  an  deinem  $nea)t  ©einer  9ttagb) 
getjjan  j)aft! 

3n  biefem£eben  aber  $ei$t  es  bei  gar  fielen:  £eute 
reicf>  unb  morgen  arm,  wie  wir  an  £tob  unb  mannen 
5Inbern  fepen  fonnen*  Einige  werben  fcfjon  arm  geboren,  unb 
muffen  ^eitlebenö  arm  unb  niebrig  Metten,  wenn  fte  es  ft$ 
auc^  noctj  fo  fauer  werben  laffem  ©ie  ftnb  wie  bie  ©terne, 
bie  gegen  Mitternacht  ftepen  unb  m$t  über  unfern  ©ejtcptg* 
fret^  perauffommen,  ober  vielmehr  wie  bie  ^riec^pflan^en,  bie 
ftd)  immer  an  einen  $fa|rt  ober  33aum  Rängen ,  unb  von  ft$ 
fetbß  ni$t  auffommen  fönnen*  (ürbenfo  mu{?  mancher  fromme 
(£l)rift  nadj  ©otteö  $3ttfen  fein  2ebenlang  r»on  ber  ©nabe  an* 
berer  £eute  leben,  unb  tjjnen  in  bie  £cmbe  fejjem  QEine  fofctye 
£age  ijt  fepr  bef^werttc^ ;  t>ocI)  erleichtert  fte  bisweilen  bie  ©e* 
wojjnfmt,  befonber^  wenn  nocf)  bie  ©ottfeligfett  ba^u  fommt. 
3)enen  aber,  welche  im  Ueberflug  geboren  unb  erlogen  worben 
finb,  unb  von  feinem  Mangel  etwas  wußten,  fällt  bie  2lrmut£ 
X>iet  fc^werer*  —  2)od)  bem  fep,  wie  if>m  Witt;  ber  ©laubige 
ijt  in  Slffem  mit  bem  petltgen  Sßttfen  feinet  fnmmiifcf)en  SBaterS 
3ufrieben,  unb  wetg,  baß  fein  3uftanb  allezeit  fo  befctyaffen  ift, 
wie  ifm  ©Ott  nacfj  ©einem  fettigen  diaty  verorbnet  $at  <£x 
jtept  bie  2lrmutj?  nicpt  mit  trbifdjcn  klugen  anf  wie  bie  SBelt, 
fonbern  im  ©lauben  unb  in  ber  Ziele  beS  £errn  3efu*  dx 
weif,  baf  burcf)  beffen  2lrmutjj  feine  Slrmutfj  gepeiligt  unb  ge* 
fegnet  ijt,  unb  fjält  ftc^>  für  glücflicf),  bag  er  in  ber  (Haffe  berer 
fe$m  barf ,  bereu  £aupt  unb  Jüfjrer  ber  ©o|m  ©otteS  felbft  in 
ben  £agen  ©emeS  gletfc^eS  gewefen  ift  (£r  wei$,  baf?  %a%a* 
vu$  burdj    Slrmutp  unb  £rübfal  in  ben  £immel,  ber  reiche 


1273 

Wlann  aber  bura)  SQSoflufl  unb  Ueberflug  in  bie£ol(e  gefommen 
ifL  (ürr  füpXt  e$  tctglio),  ba  er  nia)t  viel  pat>  baß  er  aua)  nia)i 
viel  bebarf,  unb  baß  ba$  ©vrüa)wort  wafjr  tfh  SD^it  Vielem 
palt  man  £auS,  mit  SBem'getn  fommt  man  aua)  au6*  —  (£r  mi$ 
enblia)  aua),  baß  bte  getttic^en  ©üter  große  ©efapr  unb  fa)were 
Verantwortung  mit  fta)  bringen*  Darum  tjt  er  manchmal 
fröl)lia)er  in  feiner  5lrmutp ,  aU  mancher  Sfteia)e  Ui  feinem 
großen  ©ut  dt  fejmt  fta)  nia)t  naa)  9fteia)tfmm  unb  trautet 
nia)t  barnaa),  benfelben  bura)  unerlaubte  Mittel  gu  erwerben* 
(£r  ift  bem  ©ei$  unb  aller  Ungerea)tigfeit  von  ^er^en  feinb, 
unb  ipciXt  ben  Pfennig  für  verflucht,  ber  bura)  £ift  unb  betrug 
erf?afa)t  wirb»  Die  seitlichen  ©üter  ft'nb  t>£eX  3U  gering  in  fei* 
neu  klugen,  als  baß  er  ihretwegen  fein  ©ewiffen  befdjwerett 
unb  ber  £tebe  ©otteä  unb  beS  91cia)ften  £uwiber  {wnbeln  fotlte* 
<£v  banft  feinem  ©Ott  von  £er$en  für  ba$  SSenige,  ba$  dv 
tym  gibt,  unb  fingt  manchmal  fn>ljlia)er  bei  feinem  Sßaffer,  als 
ein  reicher  <3zi$aU  bei  feinem  2öeim  Gut  weiß,  baß  er  bet 
feiner  geringen  Sttajjfyett,  in  feinem  (Henb,  in  feiner  armfelt* 
gen  fynttt,  auf  feinem  fa)lea)ten  £ager  :c*,  ben  £errn  Sefum, 
al^  feinen  treuften  greunb  immer  Ui  fta)  fyat,  unb  baß  er  nie 
fo  glüdlta)  fepn  fann,  baß  erDeffelben  entbehren  fonnte,  äbtv 
aua)  nie  fo  elenb ,  baß  Derfelbe  tjm  verachten  ober  verlaffeit 
würbe»  Gurr  tjt  bemnaa)  attqeit  getroft  unb  verläßt  fta)  auf 
@otteS  ©üte  immer  unb  ewiglia)*  —  Der  waftre  £fm|t  tji 
nia)t  neibifa)  über  baS  ©lud  Ruberer,  weil  er  weiß,  baß  e$ 
von  ber  Vorfejung  ©otteS  abfängt,  fonbern  er  ijt,  wte  ein 
Äinb,  beffen  9teta)tf)um  in  bes  Vaters  £er$,  5lugen  unb  £än* 
ben  befielt*  (£r  ftnbet  in  ©Ott  unb  ©einer  ©nabe,  in  ber  ©e* 
meinfa)aft  beS  #erm  3efu,  in  bem  £roft  be3  Jjetligen  (&ttftt$, 
unb  in  ber  gewiffen  Hoffnung  beg  ewigen  £eben3  fo  viele  greu* 
be,  baß  er  barüber  2ltlee  vergißt,  tt>a$  ifnn  £er$eleib  maa)en 

fönnte» 3u  näherer  Erläuterung  wollen  wir  noa)  einige 

23eifptele  anfübren*  —  Von  t>tn  ^eiligen  (Untätern  fagt  bie 
<5a)rift,  baß  fte  grembltnge  gewefen  fepen  in  bem  verheißenen 
£anbe,  unb  in  Bütten  gewohnt  tjaben,  baß  fie  geftorben  fe*;en 
im  ©lauben  unb  £aben  bie  Verheißung' nia)t  empfangen,  fon* 
btxn  von  gerne  gefejjen  unb  fta)  berfelben  getröftet,  unb  Wo£l 


1274 

begnügen  laffen  unb  befannt,  bafj  fte  ®äf!e  unb  gremblütge 
<mf  @rben  wären»  —  SBon  bem  Slbraljam  befonbcrä  lefen  wir, 
baß  er  ber  ©üte  ©otteä  »ertraut  f>abe  unb  auf  beffen  23efe £1  au£ 
feinem  SBaterlanb  in  bte  grembe  gebogen  fep ,  unb  fein  ganzer 
Ißorratfj  fepe  ©ottes  ©nabe,  <£a)u£  unb  »äterlia)e  gürforge 
gewefem  —  ßrbenfo  £aben  wir  aua)  an  Safob  ein  35eifpiel  ber 
©enügfamfeit,  wenn  man  betrachtet,  wie  er  au$  feines  23ater$ 
£aus  nichts  mitnahm,  als  einen  <&tab,  unb  fta),  al$  tpn  bie 
Stockt  überfiel,  unter  freiem  £immel  ^ur  ^ufje  nieberlegte,  unb 
wie  er,  ba  ij)tn  ©Ott  im  ©efid;t  eine  l)errlia)e  SBerjmfuna,  gab, 
t>on  &emfelben  für  feine  DSetfe  nia)tö  weiter  begehrte,  al3  baß 
(£r  mit  ifym  feipn,  ijm  behüten,  il)m  33rob  unb  £{eiber  geben,  unb 
tjm  enbtia)  wieber  mit  grieben  ^u  feinem  $ater  bringen  wolle* 
—  —  £iob  fpria)t  fefbft  »on  feiner  ©enügfamfeit  in  guten  unb 
fcöfen£agen*  S3on feinem SoJIftanb fagt  er:  „(ürrlwbebagöelb 
ttia)t  $u  feiner  3u»erfta)t  gemattet  unb  $u  bem  ©olbflumpen 
nia)t  gefagt:  5Q2em  Profit!  (ü:r  |>abe  fia;  nid;t  gefreut, 
baß  er  grog©utunb  bag  feine  £anb  allerlei  er* 
w or b en  £abe*  (£r  Ijabe  ka$  £ia)t  nia)t  angefef>en, 
wenn  e$  p  elX  leuchtete  unb  ben  2Eftonb  nt'd)t,  wenn 
er  »oll  ging,"  (@r  fepe  nia)t  in  £offart  unb  tleppigfeit 
verfallen,  als  fein  ©lud  in  »ollem  £ia)te  ftanbO  —  SÖSte  er 
fia)  aber  im  Unglücf  »erhielt,  baS  tyn  naa)  @otte$  Söillen  über* 
fiel,  ift  baraug  erftdjtlia) ,  m$  wir  weiter  oben  fa)on  anfuhr* 
ten,  baf  er,  naa)bem  er  SllfeS  »erloren  f>atte,  auerief:  „3$ 
binnadt»onnteiner  Mutterleib  gekommen,  naclt 
werbe  ta)  wieber  ba^in  fahren,  ber£err  $at$  ge* 
geben,  ber  £err  $at$  genommen,  ber  -Jcame  be$ 
£erm  fep  gelobet!"  —  —  2lua;  £)a»ib  geigte  (ta)  im 
©lud  unb  Unglüd  aufrieben,  Sßie  traurig  mag  feine  £age  ge* 
wefen  fe^n,  aU  er  »or  bem  ßonig  ©aul  fliegen  mußte,  unb  in 
fteter  £obe$gefa|)r  war*  £)ennoa)  war  er  in  ber  ©nabe  feinet 
©otteä  »ergnügt,  totö  aus  bem  $falm  erhellt,  ben  er  auf  fei* 
ner  glua;t  machte,  wäfjrenb  man  um  ijm  l?er  mit  ber  Gmtbte 
unb  Sßeinlefe  befa)äftigt  war.  2)u,  o  ©Ott,  fagte  er,  er* 
freueft  mein  £er$,  ob  3ene  gleia)  »iel  Sßein  unb 
$orn£abem  3$  liege  unb  fa)lafe  gan$  mit  grte* 


1275 

t>em  —  2lucp  tm  ©lücf  unb  SBopljknb  vergag  er  ben  £errn 
nia)t,  unb  war  nur  in  fernem  ©Ott  vergnügt,  wie  wir  beut* 
Itcpauä  ben  Porten  fepen:  ,,3a)  will  fatt  werben,  wenn 
ta)  erwäge  nacp  ©einem  23ilbe*"  (£$  feplte  ipm  ^wat 
nuptan  SWeicptpum  unb  Cürpre;  allein  biefeS  Stiles  fonnte  feine 
©eele  nia)t  fättigen,  bie  fta)  naa)  bem  2lnfa)auen  be$  «!pcd;ften 
feinte»  ©elbft  aU  tyn  mitten  in  feinem  ©lud  ein  großes  Un* 
glüd  übereilte,  als  er  vor  feinem  ©opn  Slbfalou  fliegen  mußte, 
bezeugte  er  pinlänglicp,  baß  er  bereit  wäre  in  feinen  frühem 
©tanb  als  £irte  gurüd^ufepren,  wenn  eS  ©Ott  gefiele*  £)a* 
per  rief  er  auf  feiner  gluajt  aus :  „  2ß  e  r  b  e  t  a)  ©  n  a  b  e  f  i  n* 
ben  vor  bem  £erm,  fo  wirb  dx  miep  wieber  polen; 
fprta)t(£r  aber,  3<P  pabe  nia)t  £uft  $u  bir,  fiepe, 
pier  bin  ia),  @r  maa)e  eS  mit  mir,  wie  eS  3pw  ge* 

fällt!" 33efonberS  merf  würbig  aber  tjt  baS  33eifviel 

beS  $auluS,  Welcper,  xok  oben  erwäpnt  wurbe>  fagte:  „3d? 
pabe  gelernt  hti  b.enen,  hei  welcpen  icp  bin,  mir 
genügen  $u  laffen,  icp  fann  niebrig  unb  pocpi 
fepnjc,  —  &$  fepeint,  als  pabe  ©Ott  biefen  2lpoftel  vor 
Slnbern  mit  mana)erlei  UnglüdSfällen  peimfua)en  wollen, 
33tSweilen  gieng  eS  ipm  ^war  wopl,  befonberS  wenn  er  bei 
feinen  banfbaren  3uporern  war,  bie  ipn  als  einen  Grngel  ©ot* 
teS  aufnapmen  unb  ipm  aua)  ©elb  $ufanbten,  wenn  er  anberS* 
wo  feinem  23eruf  naepging,  fo  baß  er  bamit  bie  Firmen  un* 
terftü^en  fonnte;  bisweilen  ajber  gerietp  er  au$  in  fanget 
unb  Slrmutp ,  baß  feine  £anbarbeit  ipn  nia)t  mepr  ernäprte 
unb  baß  er  5^otp  unb  junger  leiben  mußte*  ©aper  fonnte 
er  mit  dttfyt  von  jtep  fagen:  „23tS  auf  biefe  ©tunbe  let* 
ben  wir  junger  unb£)urft,  unb  finb  nadt,  unb 
werben  gefa) lagen,  unb  p ah en  feine  gewiffe  ©tat* 

:  te,  unb  arbeiten  unb  wirfen  mit  unfern  eigenen 
£änbenjc*  23ei  Willem  aber  war  er  gutes  StfutpS*  ©tn^ 
eS  ipm  wopl  unb  würbe  er  geeprt,  geliebt  unb  verpflegt,  f$ 

i  war  er  niept  jtolj,  unb  man  fap  ipn  bef  wegen  ntcr)t  fröplia;er; 
ging  eS  ipm  übel,  würbe  er  gefa)mäpt,  verfolgt  unb  verlaffen 

(  unb  ins  ©efängniß  gefegt,  fo  fap  man  ipn  beßwegen  nia)t  trau* 
riger,     dx  war  allezeit  vergnügt  in  ©ott  unb  ©einer  ©nabe^ 


1276 

in  ber  ■©cmctnf^aft  3efu  d^rtpi  unb  in  bem  STrop  be$  ^eiligen 
©eifteS,  »tc  er  felbft  fagt:  „3$  büt  guten  Slflutijs  in 
©aywa$£eiten,  in  6$ma$,  irr  üft'otpen,  in  SB  er* 
folgungen,  in  2lengften,  um  Ctpn|H  willen."--  — 
$or  Mm  jebo'a;  ift  jene  eble  £ugenb  Bei  unferem  (Möfer  int 
poppen  ©rabe  $u  ftnben,  welcher,  ob  <£r  wo!?l  retd)  mar,  bo# 
arm  warb  um  unfertwillen.  35ei  ©einem  (Eintritt  in  bie  Seit 
biente  3£nt  ein  ©tall  unb  eine  Grippe  aur  Verberge,  ©eine 
Altern  waren  arm,  unb  Crr  braa)te  ©eine  3ugenb  in  Hrmutlj 
unb  Dürftigfeit  $u.  SBäprenb  ©eines  ^epr^mtg  fyattt  dt 
nitytä,  ate  wa$  fromme  $?enfd)en  3£m  gaben.  Qoty  feinte 
(£r  fta;  in  ©einer  Slrmutjj  nta;t  nad)  ^eitlidjen  ©ütern,  unb* 
war  aufrieben,  ob  Q£v  gleta)  tu  2ßaf>rl)eit  fagen  fonnte:  „Die 
güa)fe  auf  bem  gelbe  l?aben  ©ruben,  bie  $ögef 
unter  bem  Fimmel  Ijaben  -ftejter,  aber  be$  Wien* 
fd)en©oljnJ>at  nid)t,  wo  (ix  Bein  $anpt  Einlegen 
fonnte."  <£r  fudjie  feine  @$re  unb  feinen  Ueberflug,  fd;eute 
leine  ©a)mad)  unb  feinen  Mangel,  fonbern  ©ein  einiges 
Vergnügen  beftanb  bartn,  ben  SÖtllen  ©eineg  l)immlifa;ett  33a* 
terö  5U  vollbringen  unb  ber  ^enfajen  ©eligfeit  $u  beförbern. — - 
5Inn>enbung. 
I.  Raffet  ung  nun  aud)  in  biefem  galle  eine  Prüfung  un* 
fereö  ©laubeng  aufteilen,  ba  e£  nid)t  genug  ift,  bag  wir  von 
ber  ©enügfamfett  blog  reben  f>ören,  fonbern  aud;  wiffen  müf* 
fen,  ob  biefe  eble  £ugenb  Iti  \\n$  $u  ftnben  fei;  ober  nta)t, 
bamit  wir  ung  mit  ©otteg  £>ülfe  and)  ferner  barin  üben,  ober 
unfern  Mangel  erfenhen  unb  if>r  nachtrabten  mögen.  Denn 
ta;  Jioffe,  bag  t£r  burd;  t>a$  SSor^ergepenbe  überzeugt  worben 
fcpb,  ba£  eä  unmöglia;  fep,  ein  Qijmft,  unb  boa;  un^ufrieben, 
trbifd;  geftnnt,  geizig,  ungebulbtg,  üvvig,  unb  Ijocbmütlng  $u 
fcpn.  —  Doa)  mag  es  S3iele  geben,  welche  Weber  von  ber  ©e* 
nügfamfeit  nod;  von  anbern  a;rifilia;en  £ugenben  ztm$  wif* 
fen.  ©ie  |>aben  auf  bte  wapre  ©ottfeligfeit  unb  bag  red;t* 
fa)affene  SBefen  in  d^rtfto  nod;  nie  befonberö  geartet,  fonbern 
t£r  £eq  nur  an  bag  3ettlta;e  unb  3rbifa)e  gelangt;  baf>er  ftnb 
ijmen  fola)e  £ugenben  \ok  frembe  ^flan^en,  bie  fte  nta;t  fen* 
nen,  unb  beren  traft  fte  nia)t  verfteben.  3a)  machte  £aujtg  bie 


(Erfahrung ,  t>ag  bie  irbifc^gefumten  |>er£en  nid)t£  bavon  faffen, 
wenn  man  fte  aua)  von  bem  wahren  @|>riftetttfmm ,  von  ber 
%xt  unb  von  ber  $raft  beg  ©laubenS,  von  ben  grüßten  be$ 
©etfieei,  von  einer  ober  ber  anbern  gugenb  noa)  fobeutfia)  belehrt* 
5D?an  prebigt  fte  entweber  in  ben  @$Iaf,  ober  fommt  iümen 
bte  <5aa)e  vor ,  tvte  wenn  Semanb.  ein  ^ut>  in  frember  <Spraa)e 
vorgefungen  wirb ,  bag  er  wegen  feiner  frönen  Gelobte  ^war 
gerne  £ort,  aber  von  bejfen  Snjwlt  er  nia;t$  verfielt*  SSenn 
man  auggeprebigt  $at,  fo  f>aben  jene  Unit  aua)  auggejjort 
unb  jte  meinen,  fte  £aben  fe^r  viel  getrau  unb  e$  muffe  ijjnen 
fogar  am  jüngften  £age  vergolten  werben ,  baß  fie  bem  tyxt* 
biger  eine  ©tunbe  fleißig  suge^öri  fwben,  ob  fte  glei$  ba$ 
©e^örte  nta)t  gu  £er$ett  nehmen  unb  nie  ben  Söitten  £aben, 
baffelbe  im  geben  auszuführen*  3a  man  ftnbet  in  ber  £eu= 
tigen  gottlofen  $&ttt  SSiele,  welche  noa)  fegt  (Sffrijtum  in  fe£= 
nen Wienern  vertagen,  wenn  biefe  von  ber ©enügfamfeit  unb 
von  ber  $erftt)mdfmng  ^eitliajer  (Mter  reben ,  xoit  e£  bort  von 
ben  ^^arifdem  f>eißt:  fte  hörten,  m$  ber£err  von  bem  un* 
geregten  Mammon  unb  beffen  rechten  ©ebraua)  fagte,  mit 
fte  aber  geizig  waren  r  fo  verfpotteten  fte  3£n*  (Sie  bauten 
bei  fta):  tx>a$  Witt  ber  Bettler  vom  Dfatajtlwm  reben,  ben  er 
niä)t  $at,  er  weiß  niä)t,  xt>it  nü§lia)  bag  (Mb  ift  —  3>ie 
heutige  $Btit  ift  vom  ©etg  fo  gän^lia)  eingenommen,  baß  fte 
faft  nimmer  weiß,  wag  ©enügfamf eit  ift  Bit  ljdlt  bie  $er* 
fäjmdjmng  ber  trbtfa)en  ©üter  für  eine  £j>or£eit,  £at  ben 
SBaua)  ju  i{>rem®ott  gemaa)t  unb  baS  (Mb  $u  ttjremgrofi; 
aua)  wirb  ben  ®inbern  von  Sngenb  auf  nia)tS  fo  fel?r  beige* 
braa)t,  als  bie  ^tebe  $u  ben  äeitlia)en  ©ütern*  2ßer  biefe 
|>at,  ber  wirb  für  gtücflia)  gehalten,  geliebt,  geehrt  unb  vorge* 
jogen,  mag  er  aua)  ein  (MteSldugner,  ein  ©pötter  ober  fonjt 
rein  gottlofer  ^enfa)  fepm,  $öer  aber  feine  irbifa)e  <5a)dge 
beftfct,  ben^ält  man  für  ungtücflia);  verladt,  verfa)mä£t  tyn 
unb  fe£t  tl)tt  surütf,  ^emt  er  aua)  ein  rea)tfa)affener  Gijjrtft 
unb  ein  getreuer  9laa)f olger  be$'£errn  3efu  ift  — 2)a$(Mb 
ift  gleia)fam  bie  ©onne  ber  feigen  2Belt,  i£re  @£re,  t£r 
Sfofe&ett,  i£re  greube,  tj>r  £roft,  t^r  3üle$.  ;2)a£er  fagte 
einft  ein  frommer  sJ3rebiger  einer  großen  Btabt :  unfere  <Stabt 
£at  feinen  ©Ott,  aU  bag  (Mb*  —  Wlan  fann  bk§  >\t%t  von 
ber  ganzen  2Bett  fagen.     Bit  litbt,  fte  efjrt,  fte  bient,  fte 

©ctiuer'e  @eclenfd)aö.  77 

/ 


1218 

fudjt  ben  Mammon  meljr  aU  ben  lebenbigen  ©Ott.  —  20?erf* 
würbtg  ift,  tt)a^  ung  in  biefer  SSeaiejwng  bie  9?eifebefa;reiber 
$on  ben  Ureinwohnern  ber  neuen  2öelt  (2lmerifa)  eraäfjlen. 
SQSeit  bie  ©panier ,  welä)e  bafrin  gefommen  waren,  ba£  ©efb 
fo  begierig  fugten,  fo  famen  3ene  auf  ben  ©ebanfen,  i>a$ 
©elb  fe^  ber  ©ott  ber  ©panier  unb  füllten  einft  ein  täftlein 
mit  ©olb  unb  fagten:  2)ieg  ift  ber  Triften  ©ott,  fommt, 
lagt  un^3^n  mit  ganaen  (bieg  ift  bie  2lrt  ij?re$  ©oite$bienfte$) 
ejjren,  bamit  dv  tyntn  gebiete,  bag  fte  uns  nia)t  mef>r  be* 
leibigem  darauf  fprangen  fte  um  ba$  ^äftlein  fo  lange,  bte 
tlmenfaft  ber£)bem  ausging,  weil  fte  e$  aber  nia)t  für  rat^ 
fam  gelten,  tiefen  ©Ott  bei  ft'd)  ^u  behalten,  fo  tterfenften 
fte  ben  23eJ>älter  in  ben  nda)ften  «Strom*  —  Slnbere  beriä)ten, 
ba$  jiene  3«bianer  einft  ein  ©tücf  ©olb  in  ben  Rauben  ge* 
galten  unb  aufgerufen  ijaben:  ©e£et,  bieg  ift  ber  Gtfmften 
©ott,  um  beffenwillen  fte  au  un£  £erübergefommen  ft'nb,  un$ 
bebrängt  unb  unterworfen  £aben,  um  bejfenwitten  führen  fte 
$rieg  untereinanber ,  um  beffenwillen  ermorben  fte  einanber, 
ganf en ,  flua)en  unb  ftefrten  :c. !  ©o  würben  alfo  jiene  ungeft> 
teten,  einfältigen  9)lenftt)en  bura)  bte  fa)änbliä;e  £abfud)t  berGtfjri* 
ften  geärgert,  unb  fo  muffen  wir  au  unferer  grogten  ©o)anbe 
jagen ,  was  fta)  wirtTta)  fo  befmbet,  —  bag  »iele  irbifa)geftnnte 
@f>rifien  au$  bem  ©olb  einen  ©ott  gemaa)t  jjaben  unb  um 
beffenwillen  leiben  unbtfmn,  m$  fte  fta)  um  be3  wahren  ©otteö 
willen  nimmer  gefallen  laffen  würben*  D  wie  wafjr  ijt  alfo, 
m$  fetter  fromme  9D?ann  fagte,  bag  baS  golbene  Mb  noä) 
j[e£t  in  aller  SBelt  angebetet  werbe,  wegljalb  man  aua)  in  un* 
fercr  &ircf)e  fingt: 

2Mef?  2Cl(e§  ijt  »erborgen 
3n  ber  ©otttofen  ©inn, 
2)aS  ftefyt  man  alle  Stegen 
,  ^        «Sie  tauft  bk  Sßett  bafn'n, 

2>ap  fte  nur  friegt  btö  seitltd}  ®uti 
S)aS  ewig  fte  ö.ergejfen  tfyut, 
£)aran  witt  Stiemanb  beulen , 
Sfyut  £cib  unb  ©eel'  oerfenüen, 
Sföand)'  (Sfyrtften  tyut  eö  Irdnlen. 

Sßetl  nun  bie  aettlia)en  ©üter  fo  poa)  geartet  ftnb  unb 
mit  folgern  (£ifer  gefua)t  werben,  fo  glaubt  ein  3eber,  ber  fte 
befüjt,  ba$  grögte  $ea)t  au  £aben,  ftd)  begwegen  au  ergeben 


1219 

unb  bie    Slvmen  au  wraa)tem    Da  ift  ntä)t£  al$  £>oa)mut{>, 
Uepptgf ett ,  $raf>len  unb  prangen,  ba  tft  man  niä)t  m  ©Ott 
unb  ©einer  ©üte  vergnügt,  fonbern  m  ben  vergänglichen  ©ütern, 
ba  |>eigt   e£:  „iJ^^^  ©eele,   bu  £aft  einen  großen 
$orratf>  auf  viele  3a£re,  ljabe  nun  9?u1k,    i£i, 
trinf  unb  fjabe  guten  9ttut£."    @3  gibt  Söenige,  bte 
von  einem  anbern  23orrat£  etwaö  wtffen,  aU  von  bem,  ben 
I  fte  in  i^ren  Giften  unb  Säften  fyaben ,  —  SOSenige ,  bie  fta) 
©a)ä£e  im  £immel  fammeln  unb  reta)  werben  an  guten  Werfen» 
Die  Reiften  Rängen  tl?r  £era  an  t>a$  3eitiifyz  unb  jwben  fo  viel 
bamit  au  tfmn,   baß  fte  an  ©Ott,  ba$  l>öa)fte  ©ut  gar  nia)t 
benfen  fönnen*    3a,  bei  ben  Reiften  muß  ber  liebe  ©ott  er* 
fahren ,  baß  (£r  fta)  mit  ©einem  eigenen  ©etbe  lauter  geinbe 
erlauft  £at*    Tlan  tt)eig  von  feinem  größeren  SSerluft,  al$ 
wenn  man  bie  irbifa)en  ©itter  verlieren  foll,  gej>en  tiefe  ver* 
Toren,   fo  gefjt  ein  <&tM  vom  £eraen,   ja  wojjf  ba$  gan^e 
£era  mit  verloren.  —  Die  2lrmutf>  f>ä(t  man  für  baö  fa)werfte 
$reu$,  unb  e£  £aben  feiber  9ttel?rere  ok  gleite  ©eftnnung, 
wie  jiene  grau  in  granfett,  wela)e?  aU  fte  im  $rieg  Sitten 
verloren  Ijatte,  aufrief,  fte  wolle  Heber  verbammt  fe#n,  aW 
bie  2lrmutl?  ertragen,  unb  fta)  barauf  fetbft  entleibte*  —  Dajjer 
fommt  beim  fanget  bie  große  Ungebulb,  baj?er  fommen  bie 
unnü£en  ©orgen  unb  bie  Ungerea)tigf  ett ,  welche  gu  unerlaubt 
ten  Mitteln  greift  unb  fta)  bura)  ©otttojtgfeit  au  bereitem 
trao)tet    2Bitl  e$  nio)t  gelingen,  fo  läßt  man  allen  tylufy 
ftnfen ,  vergißt  bie  grommigfeit  unb  will  ©Ott  nimmer  bienen, 
weit  (£r  vom  3eitlitt)en  nia)t  fo  x>teX  geben  will,  al$  man 
wünfa)t*    Deßwegen  gibt  e£  unter  ben  Firmen  fo  viele  gott* 
lofe  5D?enfa)en,  fo,  baß  ber  gjmfi  oft  nia)t  mi$,  wit  er  fein 
Sllmofen  gut  anlegen  foü\  —  Unb  bei  einem  folgen  3uftanbe 
will  man  fia)  boa)  be$  ©tauben^  unb  beS  @£riftent  jmm$  rühmen 
unb  meint,  man  fönne  ©Ott  unb  bem  Mammon  augleia)  bienen,  e$ 
fep  nia)t  fo  fa)wer,  t>a$  ein  3teta)er  in£  3?eta)  ©otteS  fomme,  wk 
bte  ^rebiger  behaupten.    9ttan  gei?t  beg  ©onntagö  unb  aua) 
in  ber  28oa)e  einmal  in  bie  $ira)e ,  getjt  be$  3a£r$  pei  ober 
breimal  aum  £ifa)e  beg  £errn,  lieöt  bisweilen  ein  ®tbtt  unb 
bergt    Damit  ift  man  aufrieben  unb  mao)t  fta)  wegen  be$ 
£immel£  feine  befonbere  ©orgen,  biefer  wirb  fta)einft,  glaubt 
man,  von  felbft  pnben,  mnn  man  J>ier  lange  genug  aufm«* 

77  * 


1220 

mengef$arrt,  gegeigt  unb  gefammelt  f>at  —  —  Garant,  meine 
Triften,  prüfet  euä)  woftf,  wie  e$  um  eu$  ftef>e,  ob  ifjr  mit 
33aufu£  gelernt  fmbt,  eua)  genügen  gu  (äffen,  ob  tyx  fatt  fe^n 
unb  jungem,  übrig  j>aben  unb  Mangel  leiben  fömtet?  prüfet 
euty,  ob  iljr  eua)  gerne  genügen  tajfet,  wenn  tjjr  9?al)rung 
unb  Kleiber  fyabt,  ober  ob  ijjr  mit  unruhigem  ©emütf>  naa> 
Ueberflug  txatytet  ?  prüfet  eua) ,  ob  tfjr  bie  ©ottfefigfeit  mit 
ber  ©enügfamfeit  für  einen  großen  (gewinn,  ober  mit  ber 
SBett  für  £lj>or{>eit  unb  @ä)aben  fyaltü  ?  —  Sernet  boa)  noa), 
m$  ijr  bt^er  nia)t  gelernt  j>abt  unb  galtet  von  bergen  bafür, 
tag  bie  3ufrieben£ett  eine  Wpttugenb  beg  @f>riftentl?umg 
fep  unb  bag  ber  ©taube  mit  ber  Unaufrieben^eit  unb  bem  ®et£ 
unmöglich  befielen  famn  23ebenfet,  bag  e$  mc^t  mögtia)  fe^, 
bem  ,3eitlttt)en  fein  Sebenfang  naa)auj[agen  unb  aus  bemfefben 
einen  Abgott  au  maa)en,  naä)i?er  aber,  wenn  man  ftä)  genug 
abgemüht  j>at  unb  fein  £eben  enbigen  mug,  ftt)nett  in  bm 
£immef  ju  fommen.  £)er  breite  unb  gewohnte  2ßeg  ber  Belt 
füprt  jur  $erbammnig  unb  e$  ift  unmög(iä),  bag  3efu$  unb 
ber  ©eiateufet  augfoä)  in  einem  bergen  wohnen.  £)at>er  bittet 
©Ott  um  ein  oergnügteS  £>era,  lernet  mit  bem  2tyoftelin  alten 
fingen,  in  «£>opeit  unb  9liebrigfeit,  im  fanget  unb  Ueber* 
ftug,  im  ©lücf  unb  Unglüd,  in  $kh  unb  2eib  aufrieben  fetptu 
kernet  bie  aeittiä)en  ©üter  für  %liä)t$,  3efum  Gtjmjtat  aber 
für  euren  £öa)fien  ©ewinn  unb  für  Sitten  Ratten» 

IL  beulet  alfo  oft  baran,  bag  alt  unfer  ©lücf  unb  Un* 
gftuf,  $rmutlj  unb  ^eta^um  wn  ©otteS  SSorfe Jung  abfangt, 
£)enn  wenn  $auiug  fatt  war  unb  übrig  tyatte,  fo  gefa)aj>  e$ 
naä)  ©otte£  diaty  unb  Silten*  £)er  #err  erweckte  ijjm  £eraen, 
bie  fta)  feiner  annahmen  unb  ifm  oerforgten*  Saugte  er  aber 
tuebrig  fepn  unb  im  Mangel  leben ,  fo  gefd)a{>  e$  aua)  naa) 
©otteS  dlaty  unb  2Btltem  (£benfo  gefa)aj>  e$  nia)t  ojme  bie 
3utaffung  be$  £öä)ften,  bag  3ofep|>  »erlauft,  a^m  ©claoen 
gemalt ,  fälfa)lia)  angesagt  unb  mg  ©efdngnig  geworfen  würbe; 
eg  gefa)aj  nia)t  o|me  ©otteS  gndbige  Regierung ,  bag  berfelbe 
enbtiä)  a«  po^eit  (£fjren  unb  bieten  ©ütern  getaugte.  @o  ging 
e$  mit  £tob ,  2)at>ib  unb  triefen  2lnbern ,  fo  gel?t  e$  i?eut  au 
£age  noa)  mit  uns  Httem— -£)er£err  mao)et  arm  unbmaa)et 
reiä),  (£r  erniebrigt  unb  erfjityet*  2)aj?er  fagt  ©atomo:  ,,3ä) 
merfte,  bag  %\U*\  wa$  ©Ott  t£ut,  baö  befte^et 


1221 

immer,  man  fann  niä)t$  ba^u  nod)  baoon  'tfyun, 
unb  fold)e3  tf>ut  ©Ott,  bag  man  3£>n  fürcljten  foll 
(bag  man  Sltfe$  in  ©einer  gura)t  anfangen  unb  oon  3£m  ©et* 
neu  ©egen  erbeten  foll).  3c^fa|>e,n)tee^  unter  ber 
(Sonne  gugefjt,  bag  jumSaufen  nta)t  fnlft  fd)neU 
fe^n,  3um©treit  nia)t  jMlft  ft a r f  fepn,  aur  9caliM 
rung  nia)t  f>ilft  gef c^ t cf t  fepn,  a«m  9lettt)tfmm 
nia)t  IHlft  flugfepn;  bag  (£iner  angenehm  fef, 
JHlft  nid;t,  baß  er  einging  wojil  lönne,  fonbern 
%l\t$  liegt  an  ber  3ett  (bte  ©ott  beftimmt  |>at)  unb  am 
©lud  (baS  ber  £err  in  ©einen  Rauben  j>at).  —  Dbgleia) 
ber  £err  Wlafyt  fyat,  %%t$  $u  orbnen  unb  $u  lenfen  nad)  ©ei* 
nem  2Bol;lgefa(len  unb  3f?m  ^ctemanb  ttm$  ttorfcfyreiben  fann, 
aud)  91iemanb  3fmt  nm$  vorgegeben  jjat,  ba$  <£r  i|nn 
wieber  sergelten  müßte ,  fo  wiffen  wir  boa)  au$  ©einem  2ßort, 
bag  @r  babei  mit  2Betefjeit,  ©erea)tigfeit ,  %kht  unb  ©üte 
verfahrt,  3)enn  ©eine  Söege  ftnb  ättl  ©üte  unb  2öal?rJ?eit, 
unb  wag  @r  orbnet  unb  fd)afft,  ba£  Sltfeg  tji  löblid)  unb 
tyerrltd).  (£r  wirb  un$  nxfyt  blo£  alg  ein  £err  betrieben, 
ber  in  ©einem  £aufe  naa)  2Boj>lgefallen  panbelt,  fonbern  au$ 
aU  tin  SBater,  ber  für  ©eine  ^inber  mit  groger  %kht  unb 
£reue  forgt.  2öarum  wollten  wir  alfo  ni$t  aufrieben  fe^n 
mit  bem  <BtanW,  in  welchen  (£r  unö  gefegt  pat?  SQSoKen  wir 
wiber  ©Ott  murren  unb  3£w  wiberfpre&en ;  xx>a$  wirb  e$ 
fjelfen?  Söerben  wir  nid;t  <Bänt  llngnabe  unb  ©einen  3om 
auf  un$  laben?  2Bollen  wir  un3  unterffej>en ,  3!>nt  in  ©einer 
weifen  Regierung  ein^ureben?  ©inb  wir  flüger  äl$  dx;  *>er* 
fielen  wir  beffer,  wa$  un$  unb  Zubern  bleut,  ober  fonnen 
wir  ung  fet&jl  beffer  oerforgen  all  dx  ?  —  Söenn  wir  £Wtfa)en 
©lud  unb  tlnglücf,  $wifa)en  Sftetd&tjmm  unb  2lrmutjj,  swifd)en 
Ueberflug  unb  Mangel  wäjrten  bürften ,  fo  feilten  wir  bieg 
aU  ge^orfame  ^inber  billig  unferem^ater  überlaffen  unb  35» 
Uttcn,  bag  (ix  für  un$  wählen  möd;te,  wenn  wir  unfer  ei* 
geneg  23efte$  nid)t  serfteljen  unb  ben  21uggang  ntd)t  wiffen«. 
SB  eil  (£r  aber  bereite  für  un£  gewagt  unb  biefeg  ©lücf  ober 
Unglücf,  barin  wir  un$  beftnben,  unc>  3ugefd)icft  fyat,  fo  tji 
gewig,  bag  e^  $u  unferem heften  bienen  mug;  warum  woll^ 
Un  wir  alfo  mit  ©einer  SBabl  nia)t  aufrieben  fe^n? 

gerner  foffet  un^  bebenfen,  bag  ©Ott  un$  mit  Qtiftüfym 


1222 

itnb  In'mmlifa)en  ©ütern  m  3efu  @£rifto  fo  reio)lio)  gefegnet 
unb  in  betreff  beg  Srbtfc^en  folo)e  Fertigungen  gegeben  £at, 
barauf  wir  unö  verlaffen  unb  alfo  vergnügt  leben  fönnen. 
dx  §at  un$  ©einen  Heben  ©o|m  mit  aller  ©einer  ©nabe  unb 
mit  ber  2lnwartfa)aft  be3  unvergänglichen,  ewigen  &xbz$  ge* 
geben ;  warum  wollten  wir  unö  fo  fe^r  um  baß  Vergängliche 
befummern,  baS  unferer  ©eele  boa)  nia)t$  Reifen  fann  ?  ©oltte 
ber  ©  o  1 1 ,  welcher  un$  ©einen  ©ofm ,  ©ein  £er$  unb  ©ei* 
nen  Fimmel  gefa)enft  j>at,  uns  tttc^t  mit  notdürftigem  Un* 
terljalt  in  ber  SQBeXt  verfemen,  ober  fönnen  wir  ofme 
UeberjTug  an  aeittia)en  ©ütern  nicfyt  gtücflicf)  fepn?  können 
ttwa  biefe  ©üter  unfere  ©eltgfeit ,  t>k  wir  in  @prifto  Ijaben, 
verbeffern  ?  —  2öarum  Verla  jfen  wir  un$  nia)t  vielmehr  auf 
©otteä  väterliche  Fertigungen,  von  benen  t>k  ©d;rift  voll 
ijt?  2ßa3  ©Ott  etnßsu  Safob  fagte,  als  er  naa)  9J?efopo* 
tamien  30g:  ,,3ä)  bin  mit  bir  unb  will  bta)  behüten 
wo  bu  jjtnaieljft  unb  will  biet)  nia)t  laffen,"  ba$  be- 
3tef)t  ber  Styoftel  auf  alle  $inber  ©otteS ,  wenn  er  fagt :  D  e  r 
2Banbel  fe$  of>ne  ©eis,  unb  laffet  eua)  genügen 
an  bem,  wa$  ba  ift;  benn@r  £at  gefagt:  3a)  will 
bta)  nta)t  verlaffen  noa)  verfäumem  —  ^»te^er  ge* 
pören  aua)  bie  tröfttia)en  2lu3fürüa)e  in  ben  $falmen :  „£  ab e 
beine  £uft  an  bem  £erm,  ber  wirb  bir  geben, 
waö  betn  £>er$  wünfa)et  23efief>l  bem  £errn 
beine  Söege  :c.  £)a3  Sßenige  ba3  ein  ©erea)ter 
ljat,  ift  beffer,  aB  bag  groge  Qdut  vieler  ©Ott* 
lofen  (weif  eS  mit  gutem  ©ewiffen  bura)  ©otteö  ©egen  er* 
worben  worben  ift,  weil  ed  bie  ©nabe  ©otteS  $um  £auptgut 
ji>at  unb  im  (Slfriftentjmm  feine  fola)e  £inberniffe  maa)t,  al£ 
ein  grogeä  ®ut,  aua)  feine  fola)e  fa)were  Verantwortung  mit 
fta)  bringt)»  (üEbenfo  ift  jner  ju  be^er^igen,  voa$  3efataö  im 
tarnen  ©otteS  fagt:  „$ann  aua)  einSQSeib  i£re$  ®in* 
be£  vergeffen  :c*  unb  ob  fie  beffelb  en  vergäge,  fo 
wtU  3$  ko$  beinnia)t  vergeffen.  —  $üra)te  bia) 
nta)t,  bu2Öürmlein3afobK+  3*  fjelfe  bir,  fpria)t 
ber£err,  fürä)te  bia)  nia)t,3$  Jcibe  bia)  erföät* 
3a)f>abe  bia)  bei  beinern  tarnen  gerufen,  bu  bift 
SD? ein  :c*  £>auptfäa)lia)  aber  gehören  t>k  tröftlia)en  2öorte 
unfereS #eilanbe3  ln'ef>er:  „©orget  nia)t  für  ener£eben, 


IIP 

wa$  i£r  effen  unb  tritt! en  werbet,  aud)  nicfyt  für 
eitern  i*eib,  wa^  tljr  an^ieljen  werbet!  —  ©aget 
n  i  a)  t ,  wa$  werben  wir  effen,  w  a  3  werben  wir 
trinfen?  Waty  folgern  Aftern  trauten  bie  £ei* 
ben;  benn  ener  jummtifctjer  SBater  weig,  bag 
t£r  bieg  %IU$  bebürfet"  2Beim  ber  gromme  biefe 
©teile  Wtatfy.  6,  25*  31.  320  fltt  Slufmerffamfeit  bura> 
lie^t,  fo  wirb  er  ftnben,  bag  ber  (£rlöfer  einen  33eweg* 
grunb  mit  bent  anbern  vzxUnbtt,  um  unfer  £)er$  jur  3u* 
friebenjjeit  unb  ^um  Vertrauen  auf  ©ottes?  $ätertia)e  ©üte 
£u  bewegen*  2öarum  wollten  wir  un$  benn  nia)t  auf  @em 
SBort  »crlaffcn  unb  unfer  ©a)icffat  ber  weifen  £eitung  be$ 
Sittgütigen  anpetmfteKen  ?  »  SBarutn  wollten  wir  ba$  nia)t 
gerne  tfmn,  ba  bie  (£rfaf)rung  aller  3eiteu  un$  r>erjta)ert, 
bag  bie  Verlegungen  feine  leere  .äßorte,  fonbern  lauter 
SQßatjrljeit ,  $raft  unb  Seben  ftnb,  wela)e  wir  an  fo  oielen 
taufenb  ©eeten,  bte  $or  vm$  heimgegangen  jmb,  reta)Üa) 
erfüllt  fi'nben ?  SBtr  f önnen  ][a  mit  ©iraa)  fagen :  ©  e  f>  e  t  bie 
33eifpiete  ber  eilten  an  unb  merlet  fie;  wer  iji 
jiemaH  au©a)anben  worben,  ber  auf  ©Ott  ge* 
hoffet  £a't?2Bet  ift  jemals  *>erta  ff  en  worben,  ber 
in  ber  gura)t  ©otte  £  geb lieben  iji?"  —  2öir  wollen 
übrigen^  bk  23eifpiele  au$  ber  ^eiligen  ©a)rift  nia)t  ber  £Reif>e 
naa)  anführen,  ba  fie  allen  ©laubigen  Jrinlängtia)  befannt 
fepn  muffen  unb  Seber  weig,  bag  ©ott  einft  ©ein  Solf  mit 
33rob  oom  Fimmel  fpetete  unb  xnergig  3a£re  lang  in  ber 
SBüfte  erhielt ,  bag  (Ex  ferner  ben  fvovfydm  (ürliaö  auf  wun^ 
berbare  äBeife  erhielt  unb  baß  £)elf rüglein  Jener  S&ittwe  fo 
fegnete,  bag  fte  nta)t  bloö  ipre  ©cbulben  besagen  fonnte,  fon* 
bern  aua)  mit  ij)ren  ©bjmen  genug  -ftalmmg  I?atte+  —  2öir 
laffen  ferner  jene  ®efä)iä)te  bajnn  geftellt  fep,  naa)  welcher 
ein  (£infiebter  60  3al?re  lang  x>on*  einem  dtaUn  gefpeiet  wor^ 
bm  fetm  fott  unb  ge^en  auf  ba3  über,  xoaö  jtd)im3a£r  1555 
in  (£nglanb  zugetragen  $at.  —  £)ort  war  nämlia)  eine  groge 
£unger3nott> ,  unb  wä&renb  berfelben  lieg  ber  £err  auf  eüt^ 
mal  in  ber  $rosin$  ©uffolf  gan^  nafje  an  ber  ©eefüfte,  auf 
flippen,  wo  fonjl  niä)t$  wäa)3t,  eine  groge  Stenge  (£rbfen 
auf  feinten  unb  reifen,  fo,  bag  babura)  bte  grua)tpreife 
bebeutenb  fielen  unb  fielen  Firmen  ba$  2eben  gerettet  würbe.  — 


ÜBetter  lefen  wir,  bag  in  einer  @tabt  fäti  ©cbweftern  ge* 
wojmt  Ijaben,  oon  wetzen  bie  eine  befonberä  gutt^ätig  gegen 
bie  Slrmen  war ,  ob  fte  gtetc^  felbft  feinen  grogen  Ueberflug 
fyattt.  darüber  maa)te  ij>r  bk  Slnbere  bisweilen  Vorwürfe 
unb  fagte:  fte  fotte  boa)  aua)  barauf  fefjen,  bag  ee  i£r  felbjt 
unb  ben  SJrigen  nta)t  am  (£nbe  noa)  fe^Ie*  Jene  aber  ant* 
wertete ftetS  mit  bm SSorten  2lbrafjam$ : „2) er  £  e  r  r  w  i  r  b  £ 
»erfefjen!"  2Ü3  nun  wirflta)  eine  £j)eurung  fam  unb  bie 
Weil)  fo  grog  war,  bag  bie  2öof>Itl)äterin  M  ifjrer @a)wefter 
£ütfe  fua)en  mugte,  erhielt  fte  aur  Antwort:  fte  fepe  oft  ge* 
warnt  worben,  bag  fte  ba$  3!>rige  nia;t  fo  jnngeben  fotfe; 
xck  e$  beim  ber  £>err  je#t  oerfe^en  fyätW?  —  £>iefe  füllte 
ben  Forwurf,  erwieberte  aber  mit  £fjränen  in  bm  Singen: 
3d; bleibe boa; babei,  ber£err  wi  rb$  oerfejjen,  Qjrrwirb 
mia>  nia)t  oerlaffen ,  —  unb  ging  fort.  2lf£  fte  nun  in  bie 
9tä£e  i£re$  £aufe$  fam,  liefen  ifjre  $inber  tyx  entgegen  unb 
fagten:  e£  fe^  an  unbefannter  Wlann  ba  gewefen  unb  f>abe 
einen  @acf  3J?eJl  gebracht.  9tun  fef?rte  fte  oott  greube  wieber 
um  unb  rief  i^rer  ®a)wefter  ^u:  2) er  £err  $at$  oer* 
fejjen  unb  meinSSertrauen  auf3£n  $at  mia;  nt$t 
betrogen.  —  £ut£er  fagt  in  feinen  £if$reben:  „bag  tim 
fromme  grau  mit  iljren  beiben  $inbern  in  einer  ££eurung  x>kt 
gelitten  Ijabe*  ?ll$  fte  nun  einft  an  ben  IBrunnen  gegangen  fep, 
um  Sößajfer  $u  £olen,  unb  unterwegs  %n  ©Ott  gefeuftt  fyahz, 
bag  (Ex  fie  in  biefer  £f?eurung  ermatten  möge,  fep  i£r  ein 
2fftann  begegnet ,  bet  mit  ifir  gefproa)en  unb  fte  unter  Slnberem 
gefragt  ljabe:  ob  fte  oom  äßaffer  be$  23runnen3  aua)  effen 
wolle?  2)ann  fyabz  fte  geantwortet:  ja,  warum  ni$t;  kenn 
@ott  ift  SilleS  mbgfid),  unb  <£r,  welcber  baS  Folf  3^rael 
40  3^re  in  ber  SBüfte  mit  Sftanna  f »eiste,  wirb  aua)  mia) 
burd?  SBaffertrinfen  erhalten  fönnen.  2113  fte  nun  feft  babei 
geblieben  fey ,  tyabe  ber  Wlann  $u  if>r  gefagt :  @e£e  £eim, 
bu  wirft  3  Steffel  Wlttyl  fmben,  —  m$  aua)  wirflia)  fo 
war/'  —  2)oa),  was  führen  wir  frembe  SBetfoiele  an,  bte  fta) 
früher  ereigneten,  ba  man  täglia)  genug  oor  klugen  bat?  — 
<3ott  befräftigt  noa)  immer  ©eine  Fertigungen  mit  ber  Ztyat 
unb  btmiöt  anleinen  ^inbern,  bag(5r  treu  unb  wa^t^afttg 
fep,  unb  bag  e^  benen,  hit  auf  3!w  ^cn,  an  feinem 
wahren  ©ute  mangle.  Raffet  un£  ^urüi  benfen  unb  un^  fragen, 


1225 

woljer  ber  $orrat|j  gefommen  fep,  ben  wir  bisper  $u  unferem 
Unterhalt  gehabt  jjaben?  O  tt)tc  23iele  gibt  eö  aua;  unter  unS, 
tte  anfangs  nia)t  auf  einen  falben  £ag  Lebensmittel  gehabt 
Ijaben,  unb  boa)  lieg  fte  ®ott  bisher  feinen  fanget  leiben! 
$3ie  SSiele  gibt  eS,  bie  nid)t  begreifen  tonnen,  wit  fte  mit  ben 
Sjjrigen  fo  lange  ermatten  würben,  unb  tt>o|?er  fte  Sitten  ge* 
nommen  jjaben,  xctö  fte  beburften!  2öie  viele  33eifpiele  ]>at 
man  in  allen  (Stauben  von  folgen  3}?enfa)en,  bie  von  armen 
Altern  geboren  unb  f ümmerlia)  erlogen  würben ,  nunmehr  aber 
@üter  unb  @r£renftellen  bejtgen !  —  ©o  er^ä^lt  an  angefeljener 
Lehrer  unferer  &ira)e  x>cn  fta),  bag  er  nur  einen  ©rofa)en 
gehabt  fmbe,  als  er  auf  bie  bol;e©a)ule  gefommen  fep*  So 
war  ba,  fagt  er  weiter,  mein  Magister  unb  Doctor,  wo  waren 
bk  fielen  fa)önen  Ma)er  unb  guten  Mittel,  bie  ia)  naä)jjer 
befam  ?  —  £)!  er  j)at  viele  33rüber  unb  ©a)wejlern,  bie,  xt>k  er, 
aus  ©otteS  verborgenen  ©(Jagen  2ltleS  genommen  paben !  — 
SBenn  wir  nun  biefeS  rea)l  be^er^tgen ,  warum  wollten  wir 
nia)t  reä)t  vergnügt  \e^n  in  ©otteS  @üte?  Söarum  ftnb  wir 
nia)t  wie  bie  $inber,  welche,  ob  fte  gleia)  beS  Katers  $er* 
mögen  nia)t  f  ernten,  fta)  boa)  barüber  freuen,  bag  er  tpr 
SSater  ift,  unb  fte  unterbejfen  treulia)  verforgt  £at?  £)ie 
legten  $inber  muffen  ttana)mat  beforgen,  bag  bie  erften  baS 
33efte  unb  3>?eifl:e  fjimteljmen  naa)  bem  ©prüa)wort :  2)aS  erfte 
£utm  fammelt  bie  grögtm  Körner,  allein  wir  wiffen,  bag  ber 
S3orratf>  unfereS  jummliffyen  Katers  nia)t  erfa)öpft  wirb;  @r 
£at  bie  verforgt,  wela)e  vor  uns  waren,  (£r  wirb  aua)  uns 
verforgen* 

2C$  ©ott,  £>u  Ölt  noä)  £eut  fo  reiö) 

SBte  ©u  jtetö  bifx  gewefen, 

5Ü£em  Vertrauen  -jkfyt  gan^  §u  ©tu, 

SOJad)  midj  an  meüet:  (Seele  reiö), 

©o  fyab'  tä)  gnug  §*  unb  bort  ettngttd? ! 

Raffet  uns  ferner  bebenfet,  wie  befa)affen  wir  arme  Sföen* 
fa)en  fepen?  28ir  ftnb  ©otteS  $efa)opfe  unb  ein  2ßerf  ©einer 
£änbe,  wir  ftnb  vor  %$m,  wie  ber  ££on  vor  feinem  £opfer; 
warum  wollten  wir  uns  wiber  tyn  auflehnen,  ober  eS  wagen, 
3fm  in  ©einen  Werfen  $u  meiftern?  ©er  Töpfer  maa)t  ver* 
fa)iebene  ©efäffe,  anfel)ntta)e  urb  unanfefmtia)e ;  ebenfo  lägt 
ber  £err  einige  3)?enfa)en  reia),    anbere  arm,    einige  poa), 


1226 

anbete  aber  mebttg  »erben*   3ene  follen  ba$  in  £)emut|>  erfen* 
nen,  Wir  fte  bod?  ftetö  3erbreä)litt)e  ©efäffe  unbjierbli$e9)?en* 
fd)en  bleiben.    £)iefe  aber  tonnen  fta;  mit  9?ea)t  nidjt  über 
3fm  befa)»eren,  »eil  (Er  ifmen  unb  ijjren  Altern  nia)t3  fa)ul* 
big  gercefen  ift,  unb  fte  follen  aua)  ba£  SBenige,  bag  fte  fwben, 
aU  ein  umoerbiente^  ©nabengefajenf  au$  Seiner  SBaterjjanb 
annehmen.  —  2öarum  wollten  wir  aber  murren  unb  ungebul* 
big  fepn,  fpria)t  aua)  ber  £Jon  $u  feinem  Töpfer :  2öa3  maa)ft 
bu?   ®$  ift  wtf  beffer,   baß  wir  unö  in  2l0em  bte  göttliche 
Regierung  gefallen  laffen,  unfere  Unwürbigfeit  ernennen,  in 
2)emut{?  unb  in  ber  gura)t  be$  |>errn  wandeln;  bann  bürfen 
wir  boa)  unfere  klugen  ftet3  frb{>lta)  gum  Fimmel  ergeben, 
©Ott  unfern  lieben  SSater  nennen  unb  un»  ©einer  gürforge 
unb  immer  wäjjrenben  ©üte   »erfuhrt  haften.  —  2Benn  ein 
$inb,  ba$  wn  feinen  Altern  fctrgliü)  geilten  wirb,  mit  %U 
lern  sorlieb  nimmt,  wa$  fte  i{mt  geben,  fo  befommt  e3  bocf) 
mana)mal  wiber  $ermutjjen  einen  guten  Riffen  unb  ift  tpnen 
baneben  lieb  unb  wertlj.    SBenn  e£  aber  ma)t  effcn  ober  trin* 
len  will,  )x>a$  man  t£m  wrfefct,  wenn  e$  allerlei  mit  Unge* 
jtümm  unb  GEigenftnn  forbert ,  fo  befotmtt  e$  nia)t  nur  nia)t6, 
fonbern  aua)  bie  diufyt  ba$u*  —  (£ben/o  befa)eert  ©ott  bem, 
welcher  mit  eitlem  aufrieben  if.,  mano)mcl  ein  un*>er£offte3  @lütf, 
unb  lägt  ijn  ©einen  ©egen  unb  (Bern  ©nabe  reiajlia;  em* 
pfmbetu   Ober,  wenn  er  bieg  thtn  nia)t  erlangt,  »eil  e$  ber 
£err  $u  feiner  ©eligfeit  nid)t  für  gut  ftnbet,   fo  fyat  er  boa> 
tu  feiner  Slrmutj)  reia)en  £roft  *>on  3Nr  Mb  ber  £err  gibt 
i£m  ein  fvöptifycö  £era,  bag  er  jlaj  in  feiner  £)ürftigfet't  bef* 
fer  befi'nbet ,   at$  zin  Ruberer  hü  feinem  großen  ®ut.    S3er 
fta)  aber  bem  ^eiligen  $tafy  ®otti$  mit  Ungebulb  unb  üDhtr* 
ren  wiberfe§t,   ber  pat  nia)t$  cl$  Ungnabe  gum  £ojm  unb 
erlangt  boa)  nia)tg  meljr  bamit,  fonbern  muß  in  bem  ©tanbe 
bleiben,  in  welchen  tjm  ber  £err  gefegt  Jjat*   Dber  wenn  er. 
feinem  ©Ott  j[e  etwaö  abpoa)t,  fo  gef?t  e$  ifmt,  »ie  bort  bem 
ifraelitifa)en  SBolf,   wela)e$  mit  ©ewalt  gleifa)  ejfen  wollte, 
es  würbe  ijmen  aber  fo  »erfa^en,   bag  $iele  »on  tjmen  ben 
£ob  baran  agen,  ober  »ie  btm  verlornen  ©o{>n,  ber  feinem 
SSater  fein  dxUptii  abforberte,  »ela)eö  i^m  aber  gur  6ünbe 

unb  aum  Sßerberben  gereia)te. ^nblia)  bürfen  »ir  nie 

t>ergeffen,  bag  wir  fterblia>  ^enfd;en  ftnb   unb  I?ier  feine 


1227 

Metbenbe  ©tcüte  fjaben,  fonbem  bie  £uf  ünftige  fucfjen  muffen»  2Bir 
ftnb  Dfeifenbe,  bte  viel  Ungemaa)  erbufoen  nnb  gegen  manchen 
Wibrigen  2öint>  [teuren  muffen.  —  kommen  nun  bie  ©faubi* 
gen  an  einen  Ort,  wo  fte  gut  fcermrtj?et  werben,  fo  nehmen 
fte  e3  mit  Danf  an;  femmen  (ie  aber  an  einen  anbern,  wo 
e$  ijmen  übet  geljt,  fo  ftnb  fte  aua)  aufrieben  unb  benfen,  ba- 
£eim  werbe  eS  befer  werben.  —  ®o  wollen  wir  e$  aud)  ma* 
a)en+  —  £aben  wir  baä  ©lud  von  ©Ott ,  baß  wir  auf  ber 
Steife  bura)  tiefet  Seien  mit  einem  reichen  3c^tpfenm'g  ver* 
fe£en  ftnb  unb  wof>l  gehalten  werben,  fo  laffet  e$  un£  aU 
eine  ©nabe  ©otteä  erfennen,  unb  ©eine  ©üte  mit  £)anf  unb 
2)emut£  erwiebern*  Püffen  wir  aber  mit  leerem  beutet  fort* 
wanbern,  werben  wir  fa)lea)t  gehalten  unb  fönnen  wir  faum 
ba$  liebe  S3rob  erwerben  ober  erbetteln,  fo  laffet  un$  aufrie* 
ben  fevn  unb  benfen ,  baß  e3  eine  f leine  Seit  wäjre,  unb  ba§ 
in  Äußern  unfer  Mangel  in  Ueberfluß,  unfere  SIrmutlj  in  9?eia> 
tlmm,  unb  unfer  $eit>  in  ewige  ftreube  verwanbelt  werben  wer* 
be.  —  2Benn  aua)  unfer  @:lenb  noa)  ein  3a£r  ober  langer  wahren 
follte,  fo  geljt  aua)  tiefe  3zü  ba£in,  an  £ag,  ein  9J?onat,  eilt 
3ajr  folgt  bem  anbern ,  t>i$  wir  enblia)  ba$  3tel  erreichen, 
baäumS  ber£err  gefegt  tyat  unb  ^ur  ewigen  D^uje  gelangen* 
—  2)enfe  aurücf,  o  (Sf>rift,  wie  viele  3af>re  bu  fa)on  in  bei* 
ner  £)ürfttgfeit  Eingebracht  £aft  ?  Der  gute  unb  getreue  ©Ott, 
ber  bir  bie  vorigen  überwinben  £alf,  wirb  bir  aua)  bie  übrt* 
gen  überwinben  Reifen.  #aben  wir  etnp:  ba$  (£nbe  erreicht, 
fo  werben  wir  fejen,  ba$  ber  9?eia)e  fo  viel  von  irbifa)en  @ü* 
tern  mitnimmt ,  als  ber  Sinne,  er  ge£t  ebenfo  naeft  unb  bto$ 
von  Rinnen,  aU  wir;  eö  fejjlt  t£m  aber  manchmal  an  bem, 
m$  wir  £aben,  —  an  ©ottes  ©nabe  unb  einem  guten  ©e* 
wtffen.  dx  fa)eibet  mit  Unmuts ,  gura)t  unb  3ittern,  wegen 
ber  fa)weren  9^ea)enfa)aft ,  tk  er  von  feinem  anvertrauten, 
großen  ©ute  abzulegen  fyat;  wir  aber  entfa)lafen  fröf>lia)  in 
ßljrifto  3efu,  ber  unfer  ^eiajtjwm  unb  2Itle$  ifi  —  So  fep 
nun  aufrieben,  o  Gtfjrijt,  ig  mit  ©ebulb  bein  ££ränenbrob  unb 
trinfe  ben  2eiben$bea)er,  wela)en  bir  bein  ©Ott  eingefa)enft  $<xt, 
vollenbö  aus;  e$  ift  noa)  um  ein  £fetne$  3U  tpun,  fo  biß  bu 
Jn'nburd)  unb  wirft  i>a$  33rob  be$  £eben$  am  £ifa)e  betneS 
@rtöfer$  in  ©einem  2veta)e  effen  unb  mit  2ßolluft  getränfet 
werben,  mt  mit  einem  ©trom. 


1228 

HL  2Bir  wollen  nun  aber  aua)  geigen,  wie  vt> ir  un3 
in  fca$  3eitlia)e@lü<f  rea)t  fa)icfen  unb  gute£age 
oj?ne©ünbe  zubringen  follen.  a)  3u»örber(t  ift  ^u 
bebenfen;  tt)a^  ®otte£  SSort  unb  bte  täglia)e  (Erfahrung  be* 
geugt,  bag  ba$  irbifa)e  ©litcf  mit  groger  ©efafjr 
»erbunben  tjt  Dafjer  fagt  unfer  £eilanb  felbjh  „(£$ 
ijt  leichter,  bag  ein  tameel  bura)  ein  kabelöjjr 
gefce,  al$  bag  ein  9?eiä)er  in  ba$  Sfteia)  ©otteä 
f  omme."  <&tatt  eine$  Grindigen,  ber  bura)  llnglittf  in  33er* 
^weiflung  unb  tn$  SBerberben  gertetjj,  fann  man  wojjl  ba$ 
33eifpiel  »on  £aufenben  anführen,  bie  bura)  t>a$  ©lud  untere 
gegangen  ftnb*  33ei  gutem  SBetter,  fagt  jener  ©otte^geleljrte 
laufen  me£r  6a)iffe  auf  bie  flippen  nnb  gefa)ef>en  meljr  ©a)tff* 
brücke,  aU  im  größten  Sturm*  3m  Unglücf  wirb  ber  $?enfä) 
bemütljig,  sunt  ®ebtt ,  pxx  @otte£fura)t  unb  ^ur  $orfta)t  er* 
muntert;  im  ©IM  aber  ergebt  er  fta),  wirb  trunfen  unb  fommt 
gar  »on  ©innen,  bag  er  ©oite$,  feiner  felbfi  unb  ber  6elig* 
feit  »ergtgt.  3n  ber  $älte  wirb  bte  £i£e  be3  geuer3  me^r 
auf  £men  ^unft  getrieben  unb  babura)  »erftärft,  ebenfo  wirb 
aua)  bura)  ben  28inb  feine  glamme  »ergrögert ;  im  ©onnen* 
fa)em  bagegen  »erflattert  feine  $raft  unb  bieglamme  erlifa)t. 
2llfo  wirb  ba$  geuer  be3  ©laubeng  bura)  W  £rübfal  geftärft 
unb  erhalten,  erltfa)t  bagegen  fo  jjäuftg  in  guten  £agem  —  Unter 
ben  Königen  in  3uba  waren  wenige  fromm  unb  biefe  gerieten 
bura)  seitlia)e3  ©lücf  in  ©efajjr  unb  ©ünben.  Den  ©alomo 
purste  ber  D?eia)t!)um  unb  fein  woltüfttge3  £eben  pxU%t  in  Ab- 
götterei. SSon  bem  ^onig  Ufta  f)ei§t  e£:  ba  er  mda)ttg  wor* 
ben  war,  erljob  fta)  fein  £er5  $u  feinem  SBerberben*  Sßon 
bem  $tö%a  lefen  wir:  ber  £err  fyabt  tym  p  2D?aa)t,  (£l)re 
unb  2lnfe|)en  geholfen,  naa)l?er  aber  wirb  l^in^ugefe^t:  £tefta 
»ergalt  nia)t,  \vk  il?m  gegeben  war;  benn  fein  £er^  er  Job 
fta).  Ebenfo  ging  t$  aua)  bem  3ofta,  ber  -fta)  auf  feine  £ee* 
re£maä)t  »erlieg  unb  olme  Urfaa)e  gegen  ben  £öntg  »on  (£gpp* 
ten  30g,  fo  bag  er  um  ba3  %&zn  fam.  —  £»tej>er  gehört  aua), 
xctö  3D?ofe3  »on  3ftael  fagte:  „Da  er  aber  fatt  warb, 
lieg  er  ben  ©Ott  fajren,  ber  t£n  erfa)affen  $at, 
unb  aa)tete  ben  geig  feinet  £eit3  gering;"  ober 
wa£  ber  ^ropbet  ^ea)tel  »on  ben  ©obomitern  fä)ret'bt :  „8  i  e  h  e, 
baö  war  beincr  ©a)wefter,  ©obom,  3^iffet  Jat, 


1229 

$offart  unb  SUfeS  »oll  auf,  unb  guter  griebe, 
ben  f t e  unb  ipreSoajter  Ratten»  2iber  ben  Ernten 
unb  dürftigen  Ralfen  fie  nicpt,  fonbern  waren 
ftola  unb  traten  ©reuet  »or  9ttir/'  —  2)arau3  er* 
pellt  ^ur  ©enüge,  baß  ber  (£prifi  im  ©lud!  fepr  »orfttt)tig  fepn 
unb  bem  guten  Söetter  niajt  $u  x>itl  trauen  fette*  (£r  pat 
feine  Urfaa)e  jtep  beßpalb  ^u  ergeben,  fonbern  fott  ftd)  befto 
mepr  »or  ©ott  bemütpt'gen  unb  um  ©nabe  bitten,  ba§  er  t>it 
guten  Sage  opne  ©ünbe  ^bringen  möge»  —  (£$  ijt  eines  »on 
ben  fa)werfkn  ®eria)ten  ©otteS,  wenn  (£r  e$  einem  ©otttofen 
wopl  gepen  (äffet,   fo  bajj  biefer  gleidtfam  trunfen,  fröplia) 

unb  fta)er  in  bit  $öUt  rennt. b)  gerner  tji  $u  beben* 

fen,  baf?  bie  seitUtt)en  ©üter  ben  3ufta nb  be$ 
9ftenfa;en  an  fiep  felbjt  unb  »or  ©Ott  nia)t  »er* 
beffernfönnem  —  3m  $?orgentanbe  tragen  bie  ftamtth 
befanntlicp  »tele  ^oftbarfeiten  unb  bei  un3  werben  in  gebir* 
gigten  ©egenben  bte  SCtfaultpiere  au  gtetepem  2)ienft  »erwenbet, 
fte  paben  aber  nifytä  ba»on,  aU  ipr  gutter  unb  bleiben  unser* 
nünfttge  Spiere.  (Benfo  iß:  e£  auep  mit  ben  3?eia)en,  bie 
gottlob  ftnb.  ©ie  paben  tcicptS  »on  ipren  großen  ©ütern, 
ai$  -tftaprung  unb  Kleiber,  nebft  Vitien  Sorgen  unb  SSefcpwer* 
ben ;  *>or  ©Ott  aber  (eben  fte  in  ben  Sag  pinein  wie  bie  Spiere, 
unb  wenn  ber  2lbenb  tpreS  £eben3  fommt,  fo  wirb  ipnen  211* 
IeS  abgenommen  unb  fte  werben  in  bte  £ölle  »erwiefen.  $3emt 
auep  bie  Slmeife  an  einem  popen  33aum  ptnauflauft  unb  ben 
poppen  3^etg  erreicht,  fo  tfl  unb  bleibt  fte  boa)  ba$  elenbe 
3nfeft,  ba$  fte  war,  aU  fte  auf  ber  (£rbe  froa).  £)ie  23fu* 
men  in  präeptigen  Söpfen  »erweif en  tbtn  fo  gut,  Yoit  btejient* 
gen,  welcpe  an  einem  gewöpnliä)en  Drte  ober  unter  einem 
£)ornftrauä)  waa)fen*  2iJfo  hitiU  ber  Sttenfcp  ein  fünblicper, 
elenber,  fterblicper  Söurm ,  er  mag  fo  poa)  unb  fo  reiep  fe^n, 
aU  er  Witt.  —  £aman  unb  ber  reia)e  9ttann  im  (Soangetium 
Heiben  ein  ©reuet  »or  ©Ott,  ob  fte  gleia)  in  popen  (£pren 
unb  großen  ©ütern  lebten.  3uba3  trug  ben  33eutel  be$  #errn; 
aber  er  war  beßwegen  niept  beffer  aU  bie  Zubern,  tnetmepr 
braa)te  ipm  betreibe  burcp  feine  eigene  ©cpulb  Sßerberben  unb 
Untergang.  33etracpten  wir  bie  ©aepe  genau,  fo  tjt  $wifd?en 
bem  Sfteicpen,  ber  tin  eigene^,  gut  eingerichtete^  £auS  bejt&t, 
unb  bem  Firmen,  ber  feinet  fat,  auä)  wopl  gar  wie  £a$aru$, 


vor  fetner  £{>üre  Hegt,  ber  nämttcpe  Unterfajieb,  tt)ie  ^ifc^en 
ben  zeigen  unb  fd)waraen  ©ajnecfen,  von  benen  bte  einen  tyx 
£au$  allenthalben  mit  fta)  tragen,  bte  anfcern  aber  feinet  l?a* 
ben,  S3etbe  aber  ftnb  unb  bleiben  6a)necfen  unb  Söürmer, 
unb  bie  90?enftt)en  fterblia)e  9ttenfa)em  —  SSaS  für  eine  £j?or* 
tyii  ift  e$  alfo,  bag  fta)  ber  Sflenfa)  feines  Dfaic&tlmm^,  feiner 
@I?re  unb  £errliä)feit  wegen  erpeben  will,  ba  tl?m  bieg  2llte$ 
nia)t$  nü£t?  «Silber  unb  ©olb  fann  t^n  nid)t  erretten  am 
£age  be$  3ont$,  feine  J£)o^ett  Wirb  ifyn  von  ber  gewaltigen 
£anb  ©otteä  ma)t  erretten,  feine  £errlia)feit  wirb  ibm  nia)t 
nachfolgen  unb  ifmt  vor  bem  SRid?terftultf  ®otte$  nia)t  a« 
(Statten  fommen*  —  Darum  foll  ber  Gtprtft  bie  aeitlidjen  Dinge 
fyabm,   aU  fyatt?  er  fte  nia)t,   er  foll  fein  £era  nidjt  baran 

Rängen  noa;  fte  aur  Uepptgfett  mißbrauchen» c)  2öir 

ftnb  nur  #au$j)atter  über  ©otteö  ©üter,  unb 
fe  mejjr  un$  anvertraut  ift,  befto  mepr  wirb  von 
un$  geforbert  werben»  3ft  e3  alfo  niajt  eine  groge 
£j>orljeit,  wenn  wir  un$  mit  bem  brüften  wollen,  toa$  nid)t 
unfer  tjt,  unb  ba$  migbraua)en,  xoa$  uns  anvertraut  ift,  ©ott 
unb  bem  9Mtt)ften  gu  btenen  ?  23ietfeia;t  fann  cö  nod)  in  bie* 
fer ©tunbe hei un$ feigen :  „gpueC^ec^nungvonb  einer 
£au$£altung;  benn  bu  fannft  pinfortnia)tmeJjr 
£au$palter  fepn."  —  £ajfet  ung  baran  benfett,  wenn 
wir  unfere  ©üter  geniegen :  wie  lange  wirbs  währen,  fo  wirb 
mein  <5tupt  am  £ifa;e  leer  femt,  man  wirb  mir  von  aßen 
meinen  Kleibern  ein  etn^ige^,  —  ten  ©terberoef,  mitgeben,  ia) 
werbe  anftatt  alter  meiner  Säften  nur  einen  einigen  bekommen, 
in  welchen  man  meinen  £etb  legt,  id)  werbe  mein  £au$  unb 
meine  ©üter  verlaffen  müjf en  unb  ein  2lnberer  wirb  fte  beftgen, 
mir  wirb  von  Ottern  nichts  Mähen ,  aU  bie  fa)were  Reepen* 
fdjaft,  bie  id)  vor  bem  ^eiligen  unb  gerechten  ©Ott  abzulegen 
bähe.  —  Söarum  willft  bu  bia)  alfo  erpeben,  bu  arme  (£rbe 
unb  5lfa)e,  unb  was  wiltft  bu  viel  prajjlen,  bu  elenber  üttenfa)? 
6iepe,  e$  tjt  um  eine  £anbbrett  au  tjuttt,  fo  paft  bu  nia)t$, 
unb  btft  nichts,  als  m$  bu  in  (Sprifto  bijt  unb  ' 

SßSeg  benn  mit  allen  @d)d|en, 
£)u  nur  bijt  mtin  @rg6§en, 
D  SefU/  meine  ßuft! 
SBeg  ifyr  titeln  eijrtn, 
3d)  mag  eud)  niä)t  f)6ren 
SSteibt  mir  unbewußt 


1231 

<3j  SSir  muffen  bie  $titlitytn  ©üter  nid)t  fo 
»opl  %u  sermejjren,  als  *>ielmef>r  gut  anau»en* 
ben  fua)en*  löct  SBtelen  ift  baS  aeitft^e  ©ut  n>te  basier* 
»affer,  »efajeS  ben  2)urj*  nidjt  ftittt,  fonbern  sermel?rt+  <££ 
£eigt  M  ijwen,  »ie  im  @prüä)»ort:  je  me£r  fte  f>aben,  j[e 
mei?r  fte  »ollem  ®ie  galten  fleifig  £au$,  leben  färglia)  unb 
fparfam,  oerfäumen  leine  Gelegenheit,  fta)  einen  SBortljetf  ^u 
»erraffen,  unb  freuen  begl?alb  feine  9Mf>e;  allein  um  ba$ 
@eiftlia)e  unb  £immltfa)e  befümmern  fte  fta)  »enig.  —  £>a* 
rum,  meine  Triften,  fe£et  au,  bag  ijjr  9ttaag  gartet  im  SäU 
lia)en  unb  nia)t  ^u  »iel  tl?ut,  im  ©eiftfia)en  aber  eifrig  unb 
fleigig  fe^b*  arbeitet,  fammelt  unb  fparet,  boa;  in  ber  gurcftf 
©otteS  unb  olme  23erle£ung  eures  ©e»iffen3,  bag  i£r  paben 
möget  ^u  geben  ben  dürftigen*  23erfctumet  feine  Gelegenheit 
®utt$  %\t  tyun,  trautet  barnaa),  bag  eure  Sllmofen  oft  *>or 
©Ott  fommen  mögen*  galtet  baS  für  euren  größten  ©e»inn, 
»a$  tf>r  M  ben  Ernten,  ma)t  »af  iljr  im  Mafien  Ijabt,  »ie 
jene  fromme  £er$ogin  t>on  Württemberg  an  ijjrem  (£nbe  fagte : 
fte  laffe  feinen  beffern  ®a)ag  aurücf,  als  ben,  »ela)en  ffe  bei 
ben  5lrmen  unb  hä  »o&lt>erbtenten  beuten  hinterlegt  fytibt. 

e)  9D?an  muß  nia;t  glauben,  bag  alSbann  un* 
fere  $inber  »o£t  »erforgt  fepen,  »enn  »ir  iM 
nen  groge  ©üter  Ijinterlaffetu  $tuge  Altern  raffen 
biefelben  gar  ntä)t  »iffen,  bag  fte  Vermögen  jjaben,  »enn  fte 
bieg  aber  m'd)t  gana  tter^inbem  f önnen,  fo  bulben  fte  e$  »enigjtenS 
nia)t,  bag  Jene  ftä)  barauf  serlaffem  @ie  ge»ojmen  t^re  $in* 
ber  *>on  Sugenb  auf  baran,  bag  fte  bie  flergänglia)en  SMnge 
gering,  bie  unvergänglichen  aber  boa)  fa)ägen,  unb  ftc$  auf 
t\id)t$ ,  als  auf  ©otteS  ©nabe  unb  @egen  serlaffen.  SBie 
übel  aber  bie  tinber  tterforgt  ftnb,  »enn  fte  nia)tS  als  aeitlia)e 
©üter  J)aben,  bezeugt  bie  @rfal)rung,  inbem  bie  $inber  reicher 
£eute  manchmal  »erarmen,  »äfjrenb  arme  $inber,  bie  nia)tS 
als  ©otteS  gürforge  Ratten,  auffommen.  —  2lelmlia)e  33et* 
fpiele  fann  man  täglia)  fe£en,  bag  naa)  ber  Altern  glutfj  (3u* 
»aä)S  an©ütern(ber$tnber  @bbe,)  2lbnajmte  berfelben)  folgt. 
—  rotjn'n  paben  bie  Altern  feine  Urfacfje,  um  iljrer  $inber 
»iden  au  geijen  unb  mit  Ungered)tigfeit  au  fammeln,  fte  paben 
feine  llrfacfye,  fta;  auf  baö  ©efammelte  £u  verlaffen/  ober  i^re 
Äinber  in  TOgiggang  unb  Söo^lteben  au  eraiepem    $ie(me|jr 


1232 

foilen  jte  mitbenfetbenin  ber  Qemuty  unb  ftuxfyt  ©otteswan* 
belli,  unb  tfmett  fagen,  bag  an  ©oiteS  (Segen  2llleS  gelegen  fep* 

f)  Gntbtta)  mug  man  mitten  lim  ^etajtjjum  arm 
bleiben  unb  fia)  mit  21  Hern,  was  man  ifi  unbjjat, 
feinem  ©ott  tägtia)  au  gügen  legen*  Wlan  mu§  mit 
Safofc  fagen:  „3$  bin  $u  gering  aller 53arm^er^i^ 
f  ettunb  £reue,  bie  £>u  an  Deinem  $nea>t  CDetner 
sjftagb)  getrau  ljafL"  2flan  mug  fta)  oft  an  baS  menfa> 
liä)e  @tenb  erinnern,  weta)eS  uns  aufy  im  Ueberflug  noa)  an* 
pängt  2Str  muffen  bebenfen,  wie  unbeftänbig  unfer  ©lücf 
fep,  wie  leia)t  unfere  Grfjre,  unfer  Slnfepen  unb  SBojjlftanb  *>er* 
fa)winbe,  wie  fcfmell  uns  eine  ^ranfjjeit  treffen  tonne,  bie  uns 
alle  £errüa)feit  xauht,  wie  unnü£  baS  größte  ®ut  auger  ber 
©nabe  ©otteS,  n>te  nia)tig  alle  (£{>re  auger  ber  ©emeinfa)aft 
3efu  (grifft  fe#,  wie  alles  ©olb  unb  ©über  ber  9Ö3elt  bem 
betrübten  ^er^en  feinen  Zxoft,  noa)  tm  angefochtenen  &xc\uU 
cfung  tterf$affen  fönne,  wie  2llleS,  waS  bie  2öett  ^oftbareS 
unb  2ieblta)eS  Jat,  in  ber  £obeSangjl:  nta)t  baS  ©eringjie  »er* 
möge  u*  f*  w*  —  Daljer  i\t  nöting,,  bag  wir  bie  »erfdn'e* 
benen  Unglücksfälle  unb  Söeränberungen  beS  £ebenS,  welä)e 
fta)  tägtia)  ereignen,  wojrt  belegen,  unb  uns  nta)t  fa)euen 
mit  armen,  franfen  unb  angefochtenen  5^enfa)en  um^uge^en. 
(£S  ij*  nöt|n'g,  bag  wir  $on  ber  (£itelfeit  beS  3? bifa)en  gerne  re* 
ben,  oft  an  unfern  £ob  benfen,  uns  ftünbtid)  bereit  Ratten,  %h 
leS  su  sertaffen,  was  wir  f?aben,  unb  unfern  $eta)tf?um  unb 
unfere  £errlia)feit  mit  bem  ©ierbefteib  unb  bem  @arge  gu 
x>erwea)fetn. 

IV*  Raffet  uns  enblia)  biefe  §e£re  $ur  Söarnung  bienen,  bag 
wir  unS  sor  bem  @et£  unb  $or  alter  Ungerea)ttgfeit  Ritten* 
Der  2t>ojM  jagt:  ber  ®et$  fe$>  eine  ^Sur^el  alles  UebelS; 
benn  eS  entfielen  barauS  x>kU  fa)were  6ünben*  Der  ©einige 
iji  3«.  33*  abgottifa),  weit  er  bie  £tebe  unb  t>aS  Vertrauen, 
baS  er  ©Ott  fcfmtbig  ift ,  bem  ©elb  auwenbet ,  unb  fein  £er$ 
an  baS  3eitlia)e  £ängt  (ix  fa)eut  ft'a)  nia)t  wiber  ©Ott,  wiber 
fein  ©ewtffen  unb  htn  9M$ften  au  Janbetn,  wenn  er  nur 
©ewinn  bat>on  fmk  dx  fd;wört  fogar  teiä)tftnnig  unb  falfa) 
um  beS  ©elbeS  willen,  fefct  (£ib  unb  $flitt)t  aus  ben  klugen, 
wie  man  teiber  in  tiefen  fa)limmen  3eiien  jwuftg  wahrnimmt 
Dem  ©einigen  ijt  ein£ag  xok  ber  anbere,  wenn  er  nur  ©elb 


1233 

erwerben  fann;  feine  jjeiligften  £age  fmb  bie  9)?arfttage,  an 
welken  er  ba£  meifte  ©elb  lö$t  unb  er  £at  feine  Seit  am£ag 
beg  Gerrit  an  göttliche  Singe  su  benfen.  $cuß  er  j[e  ©j>ren 
kalter  in  ber  ftircfje  fe^n,  fo  lägt  er  ba$  £era  au  £au$  bei 
feinen  Otegifiern  unb  Säften,  unb  wenn  ifmt  au$  ein  ober  ba$ 
anbere  $örnlein  be£  göttlichen  ©aamen£  in' 3  £era  faßt,  fo 
fällt  eö  bod)  mitten  unter  bie  dornen,  ©orgen  unb  irbtfdjen 
©ebanfen,  baß  e$  fofort  erfticfen  muß*  —  (£ine$  £ag$  ging 
ein  (Seliger  aur  23eicl)te ,  am  folgenben  aber  faß  er  friu)  bei 
feinen  Briefen  unb  »ertiefte  ft'cty  fo  barin,  baß  er  bie  $ir$e 
unb  ba$  ^eilige  Hbenbmaljl  barüber  »ergaß.  —  Ser  ©einige 
fe£t  ferner  alle  Sichtung ,  bie  er  feinen  $orgefe£ten  fdntlbig  tfi, 
auö  ben  klugen  unb  madjt  ftd)  fein  ©ewiffen  barauä,  feine 
Dbrigfeit,  feinerem  unb  befkngreunbe  3U  betrugen,  wenn 
er  nur  einen  9cu£en  baraug  jiejen  fanm  Ser  @ei^  enbfta) 
ma$t  manchen  2flenf$en  pm  $cörber  unb  Zauber  unb  gum 
SBerrät^er ,  er  unterbringt  bie  Firmen,  befeibigt  Söittwen  unb 
Söaifen,  beugt  bag  dletyt  unb  nimmt  ©eföenfe  über  beutln? 
fdmlbigen,  er  fctyämt  fttt)  feiner  £üge,  feiner  galf$£eit  unb 
feinet  23etrug£ ,  wenn  e$  nur9lu#en  bringt,  unb  ift  unbarm? 
fov%i$  gegen  alle  Süftenfc^en,  $ura,  ber©et'aige  ift  ein  wahrer 
©claoe  be$  £eufel£,,  ber  fein  £era  im  33efi£  $at,  unb  tljn 

in  golbenen  23anben  gefangen  |>ält,  nad?  feinem  äöillen. r 

Siefe3  £after  ifi  leiber  peutautage  fo  allgemein,  baß  man 
wenig  Käufer  unb  £eraen  ftnbet,  barin  e$  ntd>t  eingefetteten 
tft  unb  jjeimlid)  ober  öffentlich  £errf$t.  Unb  bodj  gefielt  e$ 
•ftiemanb,  ba$  er  geizig  ift,  unb  an  3eber  £ält  e$  für  eine 
©a)anbe ,  wenn  man  ifyn  fo  nennt.  Senn  ber  ©eia  J?at  mancherlei 
Sorwänbe,  mit  benen  er  fid?  a«  befdjönigen  fuetyt  ^canfagt; 
man  fep  nicfyt  geizig,  fonbern  £alte  blo$  ba$  ©einige  a« 
dtafy ,  man  muffe,  ftd?  bod)  um  fein  2lu3fommen  bewerben» 
Sftan  beruft  ft$  auf  Uc  fdjweven  Betten ,  in  benen  man  jtdj 
alle  SDcülje  geben  muffe,  wenn  man  ftdj  mit  ten  ©einigen 
ej?rli$  burej)  bie  $3elt  bringen  wolle,  man  muffe  feinen 
SSort^eii  fucfyen,  xt>k  man  fönne,  wer  bie  Singen  mc§t  auf? 
*jmn  wolle,  ber  muffe  ben  Beutel  auftlmn  :c.  Unb  wer  fann 
2ltie$  aufaäjlen ,  xva$  bie  Stoffen  »orgeben ,  um  ben  ©et$ 
3u  bemänteln?  Sarin  ftnb  fie  gewöljnlidj  fo  »erblenbet,  t>a$ 
fie,  wenn  fie  au$  au$  bem  Sorte  ©otteS  £ören:   ber  ©et'a 


1234 

fe#  eine  £obfünbe,  eine  Abgötterei  *<v,  bodj  nidjt  emfilia) 
bei  fto)  $aa)frage  galten  Wolfen,  ob  fte  etwa  tiefem  Saper 
aua)  ergeben  feiern  <5te  galten  ft$  aum  %oxau$  für  frei  ba* 
»on;  ba£er  rebet  ber  ApofM  au^brücflidj  »on  bem  £>e<fmantel 
be£@eiae&—  (£g  verberge  jtä)  aber  biefeggafter,  wie  e3  will, 
fo  ifi  e$  boä?  leia)t  %u  erlernten,  wenn  wir  nur  bie  Augen 
offnen  unb  ^un£  nia)i  felbft  betrügen  ober  gern  betrogen  .fepn 
wollen*  Wlan  erfennt  e£  3unäa)fi  au  bem  Erwerben  unb 
6u$en  ber  a^itnc^en  @üter*  2£er  benfelben  fo  eifrig  unb 
mwerbroffen  nachtrabtet,  bag  er  t>k  gura)t  @otte3 ,  bie  £tebe 
beS  yiäfyftm,  ba$  ($ewiffen  unb  feine  (Seele  barüber  ser* 
gigt,  wer  um  be£  ©ewinn$  willen  leia)tftnnig  fa)w$rt,  ben  @ot* 
ieSbtenfi  serfäumt,  ba£  ®thtt  ofme  Anbaä)t  »errietet  unb 
äffe  wettere  Hebung  ber  ©ottfeligfeit  tfemacfrtägigt,  ber  barf 
nia)t  lange  fragen,  wo  ber  ©ei^teufel  wo£ne?  —  SDte  @ott* 
feligfeit  Ijanbelt  unb  wanbelt ,  fauft  unb  serfauft  auty ,  fte 
axMkt  unb  ift  tjätig ;  aber  fte  t|mt  e3  in  ber  gurdjt  @otte£, 
begehrt  ijjre  2Baare  unb  nia)t  i^re  @eele  gu  »erljanbeln*  ©ie 
füJjrHIjre  |>au$ljaltung  in  ber  ©ttüe,  man  fwrt  barin  hin 
©efdjrei,  Uin  glucken  unb  ©gelten,  wenn  e$  nicjjt  naa) 
Söunfa)  unb  Tillen  gefrt  unb  ba$©efmbe'e$  nia)t  rea)t  maä)t*  — 
9ttan  erlennt  jteneg  Safier  ferner  anbent33eft#  u  n  b  ©  e* 
braua).  £)a$  ©elb  be$  ©einigen  ifi  nia)t  in  feiner  Wlatyt, 
er  £at  awar  ben  Mafien ,  t>axin  ber  ©c$a#  ift ;  aber  ber  <&atan 
£at  ben  @d)lüffel^baau*  (£r  fann  unh  mag  ni$t$  ausgeben, 
e$  fe$  benn ,  X>a$  er  %lu%en  baxauö  p  ate^en  jwfft*  @oll  er 
etwas  auf  t>m  ©otteSbienjl  ober  auf  bie  Armen  serwenben, 
fo  weiß  er  allerpanb  (£ntfa)ulbigungen*  (£r  murrt,  fo  oft  er 
ttm$  ^ergeben  folt,  lägt  fta)  tage  mahnen  unb  be£aj?lt  un* 
gerne.  —  (£nblia>  erfennt  man  ben  ©einigen  an  t>tm 
Verlieren  unb  SBerlaffen«  SSenn  er  im  ©evingßen 
©cfjaben  leiben  mug,  fo  ifi  e3  tjmt,  aU  wenn  iljm  ein  ©tücf 
*>om  bergen  geriffen  würbe»  (Ex  will  fto)  nia)t  tröften  laffen, 
wenn  iljm  ein  Unglücf  wiberfd^rt,  Ijat  biefeS  Seben  lieb  unb 
Reibet  ungerne  auö  ber  30elt+  —  (B  gibt  23eifpiele,  ba$  fta) 
fola)e  3^enf$en  ben  ©a)lüp  au  ifjrem  @o)a§  auf  bemtran^ 
fenbette  an  bm  $aU  fangen  liegen  unb  ernftlia)  befahlen, 
man  folle  i^nen  benfelben  nia)t  wegnehmen,  U$  fte  tobt  waren* 
Anbere  liegen  ft#  eine  ©umme  @elbe^  auf  i>a$  $3ttt  geben 


1235 

uttb  fptelten  bamtt,  M$  ifmen  ber  Dbem  ausging*  ^  9&<$  2ln* 
bere  erfunbigien  ft'a)  naa)  bem  £anbel ,  naa)  biefer  ober  Jener 
äöaare  u»  bergl, ,  wenn  ijmen  ber  Stob  fa)on  auf  ben  £ippen 
fag  k*  u.    £>aj)er  prüfe  ftä)  ein  3eber  genau ,  bag  er  btefe 
@a)lange  nia)t  auä)  verborgener  Söeife  im  23ufen  Ijege,   @  e  £  e  t 
3U,  meine  hieben,  bag  eure  ^er^en  nia)t  befa)weret 
werben  mit©ei$  unb©orgen  ber  9ca£rung*  ©eljet 
au,  wenn  if>r  reta)  werben  wolltet,  bag  ipr  nia)t  fal* 
Ut  in  bie  33erfua)ung  unb  ©triefe  be$  ©atanä 
unb  in  viel  t£öria)te  unb  fä)äblia)e  i*üfte,  wela)e 
bie  9ttenfa)en  verfenfen  tn$  SSerberben  unbSSer^ 
bammnig.   —  $ütet  eua)  vor  ungerechtem  ©ewinn   unb 
wäget  nia)t  allein  bas  @olb,  um  $u  wiffen,  ob  eö  vollwichtig 
fep ,  fonbern  prüfet  es  aua),  ob  e$  ntdjt  vielleicht  $u  fa>wer 
fe^  von  ©euftern ,  von  ben  £I)ränen  unb  bem  ©$weig  ber 
Ernten,  benen  e£  abgepreßt  unb  abgenommen  würbe?  $ixtet 
eua)  vor  unerlaubten  ©efcfyenfen,  welche  wir  2)eutfd)e  nic&t 
umfonft  ®ift  unb  @a ben  ^u  nennen  pflegen;  benn  fte  ftnb 
ein  ©ift .,  baS  bie  ©eele  verberbt  unb  bem  ewigen  £obe  über* 
liefert*  $ixM  eua)  vor  fa)led)ter  SBaare,  vor  falfa)em  Wlaaß 
unb  ®ewia)t,  welcbeö  bem  £errn  ein  ©rettel  tfL    Jpütet  eua> 
auä)  vor  ber  Unterbrüdung  ber  Firmen,  vor  ber  Uebervor* 
tpeilung  be$  Einfältigen  unb  vor  allem  betrug  ber  heutigen 
Söeft;  benn  am  Enbe  ^eigt  e£  ftcf),  bag  ein  gewinnfüa)tiger 
Betrüger  9ftemanb  me|)r  als  ftä)  felbft  betrogen  pat,  weil  feine 
©eligfeit  barüber  verloren  ging,  —  2llle  geizigen,  ungerechten 
unb  gottlofen  2)?enfa)en  werben  $ule£t  boa)  noa)  Bettler,  wenn 
fte  aud)  noa)  fo  viele  ©üter  ^ufammengefa)arrt  fjaben*    £)enn 
2D?ana)er  von  tfmen  verarmt,  fo  lange  er  noa)  lebt,  2D?ana)er 
Uitüt  in  feinen  ^inbern  unb  9caa)f  ommen ,  wela)en  ba3  un* 
gerecht  erworbene  ®ut  ben  glua)  unb  bie  Slrmutfj  bringt.  Sitte 
aber  werben  enblia)  mit  bem  reichen  3Ö?ann  in  ber  £>otle  um 
einen  tropfen  2Saffer3  betteln,  bamit  fte ijjre 3unge  füjrten.  — 
Unfer  £eilanb,  3efu3  (SjmftuS ,  bewahre  un$  bavor,  unb  gebe 
uns  aus  ©naben  ein  vergnügtet  £er$!  3pm  fammt  ©einem 
Jnmmlifa)en  SSater  unb  bem  Zeitigen  ©eifi  fe^Cob,  gJrei^  unb 
£)anf  in  Ewigfeit!  2lmen* 


78  * 


1236 

Sßonbcx  5luf xifytia, ttü, £auterf ettunb Söa^rpet U 

£.  2.  (5or.  1,  12.  Unfer  Sfrutjm  ift  ber,  namiidj  tag  3euani£  unfereg 
©ewiftenS,  ba$  wir  in  Einfalt  unb  g&ttüdjer  Sauterfeit,  nidjt  in  fleifält« 
d?er  SÖetö^eit,  fonbern  in  ber  ©nabe  ©otteS  auf  ber  SBrtt  gewanbelt  f)aben. 


Eingang, 

Sm  SJfomen  ^efu!  2Hmetn 

£)aS  ^>er^  fffe  ein  tro^ig  unb  »erjagt  2>ing ;  wer  fann 
eS  ergrünben?  —  2ut£er  fagt  barüber:  „SSenn  eS  tjjm  übel 
gept,  fo  '{#  eS  txttl  SBeraagen,  wenn  eS  tf)m  aber  wolrt  ge£t, 
fo  fann  eS  9tiemanb  zwingen,  nodj  galten  in  feinem  tyfluty* 
Witten*  &  weif?  ft#  auSaubrej>en  unb  %u  fc^mücfem  <£S  ift 
ein  »eraweifeft  bofeS  £)ing  um  baS  £era*"  Slnbere  überfein 
bie  Söorte:  baS  ^>era  i(i  argliftig  ober  trügerifcl)  über  Wie*, 
unheilbar  unb  bis  in  ben  £ob  »erberbt  £)ag  aber  baffelbe, 
fo  lange  eS  in  feinem  natürlichen  3uftanbe  auger  ber  ©nabe 
Mtibt,  wixUity  fo  bef Raffen  fep,  ift  leicht  au  erweifem  —  & 
tfi  trügerifdj)  1)  gegen  uns  felbft;  benn  baS  &itf)ten  unb 
£ra$ten  beS  menfcfrtidjen  £eraenS  tfi  nur  böfe  immerbar.  @s 
gept  mit  lauter  dürfen  um;  benn  i^m  ift  unter  anberem  au# 
tiefet  »om  ©atan  beigebracht  worben,  baß  eS  feine  33oS£eit 
unter  einem  frönen  ©cfyein  verbergen  unb  feinen  fünblic^en 
Süften  jjeimftc$  na$£ängen  lann,  wäjjrenb  eS  ft$  fromm  feUt. 
SaS  £er$  überrebet  uns  manchmal ,  als  ob  bieg  ober  jieneS 
gut  fep,  was  bo#  unfer  pc^fter  Schabe  ifi  unb  uns  um  un* 
fere  seitliche  unb  ewige  Sßofjlfaljrt  bringen  fann.  2öir  hüben 
uns  manchmal  ein:  unfer  £era  fep  nun  gana  fromm,  bie  fünb* 
ft$e  Sufl:  fc^  gebämpft  unb  wir  jjaben  uns  ber  2öelt  gänalic^ 
endogen;  epe  wir  eS  aber  »ermutigen,  »erleitet  uns  unfer 
£erj  wieber  unb  fü£rt  uns  junem  in  bie  @ünbe,  ba§  wir 
fcalb  ni$t  wiffen,  wo  wir  wieber  IjmauS  fotten*  —  £>ft  f$on 
wunberte  i$  mity  barüber,  baß  $äfer,  wenn  man  ftc  *>on 
ben  Räumen  Rüttelt,  gana  ftitte  liegen  bleiben,  ars  wären  ftc 
tobt;  faum  aber  tfl:  man  bawn  gegangen,  fo  machen  ftc  ftc& 


1237 

ttneber  auf  unb  tljun  meljr  ©c()aben,  aU  ttorljer*  Sarin  er* 
Jamtte  ia)  beutltd^  bie  Unart  unfern  trügerifdjen  £er$en£, 
wela)e3  fta)  bisweilen,  befonberö  wenn  ung  (Dott  mit  £rübfal 
f>eimfua)t,  fromm  ftetft,  aU  wäre  e$  ber  3SeIt  unb  ber  ©ünbe 
gan^  abgeworben ;  baib  aber  fängt  e£  lieber  ba  an ,  wo  e$ 
aufgehört  $at.  —  Darum  erftärt  es  aua)  bte  fjetL  ©djrift  für 
eine  fä)were  ©träfe  ©otteg,  wenn  (£r  bie  Sftenfajen  Eingibt 
in  ij>re$  £eraenS  iDünfel,  bag  fte  naa)  beffen 
SRatJ),  unb  ©inn  wanbetm  £>af>er  warnt  biefelbe  aua) 
mit  ben  ^Borten :  bewahre  betn^erj  mit  aHemgletg, 
betraute  e3  ai$  einen  fallen  greunb  unb  traue  tj?m  nia)t  $u 
*>ieL  —  3ener  fromme  SDtonn  fagte:  aa)  £err!  ia)  ^abe  %U 
leö  serlaffen,  bewahre  mia)  *>or  meinem  eigenen  £er£en !  Unb 
2utt)er,  ber  ©lauben^^elb,  (priest :  ,,3a)  furzte  mia)  mejjr  »or 
meinem  £er£en,  aU  $or  bem  $abf}  unb  äffen  darbinäten." 
din  anberer  £ef>rer  enblia)  fegt  ^in^u :  „Xraue  beinern  eige* 
nen  $ttpn  nia)t  (xU^wokt,  fonbern  bebenfe  jiete ,  bag  bu  e$ 
mit  einem  grogen  Betrüger  unb  HBerrätper  $u  tjmn  fmbefL 
9tf  emanb  fann  genug  über  unb  wiber  fein  eigene^  #er$  eifern, 
Uttn  unb  wad)en." 

2)  Unfer  £er^  ift  aber  aua)  trügerifä)  gegenbeniftäa> 
fi  e  n.  —  2i(£  ber  ©atan  mit  ber  ©&a  rebete ,  jiettte  er  jta), 
aU  fua)e  er  iijr  33efte3 ;  er  fyattt  aber  lauter  £ücfe  im  ©tmu 
Siefe  böfe  2lrt  f>at  er  bem  menfa)lia)en  $tx#n  eingepflanzt; 
bajjer  ftnbet  man  fo  wenig  aufria)tige  unb  treue  |>eraen,  bie 
e$  mit  bem  9^äa)ften  reblia)  meinem  — 2öie  ber  ©Ratten 
im  SBaffer  ift  gegen  ba$  2ingefta)t,  fagt  ©alomo, 
affo  ift  etne£  9ttenfa)en  £er£  gegen  ba$  anbere» 
£>♦  i.  Wie  £ut£er  e£  erflärt,  tok  ber  ©chatten  im  SSaffer  fta) 
bewegt  unb  ungewig  ift,  alfo  fmb  aua)  t>k  ^er^en,  e£  jjeigt: 
£  r  a  u  e  n  i  a)  t  SERantt)er  $?enfa)  f^elft  fta) ,  aU  wäre  er 
mein  anbere$  3a),  als  wäre  er  mein  (£benbüb,  ba$  ma)t$  an* 
berö  fua)t,  a(3  mir  in  Widern  $u  bienen  Unb  gefättig  au  feipm 
2ittein  mt  ber  ©chatten  im  SBaffer,  ob  er  gfeia)  unfer  ©ejta)t 
?ea)t  gut  ttorfiettt,  fta)  »erliert,  fobalb  baffefbe  fta)  ein  wenig 
bewegt,  fo  ift  e3  mit  fota)er  greunbfa)aft*  £>a$  JDera  mana)e^ 
3^enfa)en  g(eid)t  einem  (£iä;apfel  C®a((apfeO/  ber  t)on  äugen 
fa)on  gelb  unb  rotp  au^fiept,  fobalb  man  tyn  aber  öffnet,  ftn* 
bet  man  einen  2öurm  barinn.  —  ^Bmn  unfer  $er^  ^od 


1238 

SBitterfeit,  geinbfeligf  eit  unb  90c%unjt  ift,  fo  urteilen  wir 
übel  »on  bem  9cäa)ften  unb  glauben  nia)t,  bag  wir,  fonbern 
t>ag.  er  Unrecht  £abe.  Unfer  £era  ergebt  unb  fa)meia)elt  fta) 
felbft  unb  fa)ilt  2inbere,  e$  ftnbet  an  bem  9cäa)ften  immer  sie 
^  tabeln  unb  »ergigt  (i*  felbft,  e£  gefällt  jta)  wofjl  unb  %at 
an  allen  Inbern  SÄtßfattetu  Darum  jwben  wir  alle  Urfa^e, 
un$  felbft  niajt  aut>iel  au  trauen  unb  ung  wol)l  %u  prüfen,  n>ie 
wir  bi$Jer  gegen  unfern  9Ma)ften  gefront  waren,  ben  wir  lie* 
ben  follen,  wie  unä  felbft 

3)  (£nbft$  ift  baö  £era  aua)  trügerifa)  gegen  ©ott* 
@3  j>at  nia)t  genug  baran,  bag  e3  9)Jenfa)en  betrügt,  e$  Witt 
aua)  ©Ott  betrügen»  2)a£er  fagt  ber  £err:  „£>teg  Söolf 
napt  au  9ttir  mit  bem  aftunbe  unb  e£ret  Wiity  mit 
feinen  Zippen,  boa)  fein£era  ift  ferne  sonDJcir*" 
Unb  *>on  bem  ifraelitifa)en  SSolf e  fagt  bie  ©a)rift :  „<S  i  e  £  a* 
ben  3j?m  ge£eu$eft  mit  bem  Sftunbe  unb  3f?m 
gelogen  mit  ijjrer  3unge;  «ber  ifjr  £e?a  tvax 
ni$t  feft  anS^munb  fie  £aben  nta)t  treulia)  ge* 
Jj  alten  an  (Seinem  SBunbe."  2)ieg  fann  man  leiber  in 
unfern  £agen  fepr  Ijäuftg  feljen*  2la)  me  oft  geben  bie  Zeute 
bem  lieben  ©Ott  rca)t  gute  303 orte,  wenn  jte  anr  33eio)te  unb 
jurn  f>eiL  2lbenbroa{>l  ge^en!  Da  jjcigt  e$:  Steine  6ünben 
ftnb  mir  $on  £eraen  leib,  ia;  bitte  um  ©nabe,  ia)  will  mia) 
gerne  beffern;  allein  bie  gofge  be^eug^t  e$,  bag  eS  nur  leere 
SBorte  waren,  weil  jte  naa)£er  Weber  (ürmft  nod)  (£ifer  geigen, 
ijjren  6ünbenau  wiberfteljen  unb  fto)  $or  benfelben  au  Jmten.  — 
Die  ^inber  ©otteö  £aben  über  bie  galfa)|>eit  if?re3  £eraen$ 
au  feufaen  unb  ^u  flagen  bte  in  ben  £ob*  SSenn  jte  fto)  aua) 
vorgenommen  Jaben,  mit  j>eralia)er  2lnbaa)t  au  beten  unb  wenn 
eä  tljnen  gelungen  tft,  ijjre  !>erumfa)weifenben,  po)ttgen  ©eban* 
fen  au  fammeln  unb  fie  am  ben  irbifa)en  @efa)äften  unb 
©orgen  £erau£aubringen ,  wenn  jte  2Billen$  jtnb,  ijjr  £era 
©Ott  in  wahrer  33uge  unb  mit  einem  reinen,  lautern  ©lauben 
barauftellen,  fo  nehmen  jte  boa)  mit  8a)meraen  wafjr,  bag  e£ 
fta)  un»ermutj>et  bavon  gemaa)t  £at,  unb  wenn  fie  meinen,  e$ 
fe9  im  £immeJ  unb  rebe  mit  ©Ott,  fo  fa)weift  e^  wieber  um^ 
f>er  unb  ge^t  feinen  ©ebanfen  unb  lüften  naa;.  ^)ören  wir 
in  ber  £irä)e.  eine  getfireic^e  unb  eifrige  f  rebigt,  ober  genie* 
gen  wir  bat  peil  2ibenbma£l,  fo  bünfet  un^,  baö  £er$  fe^e 


1239 

sooft  ©laubenS,  »oll  $nbacf)t,  £tek  unb  (£ifer;  allem  wenn 
nur  lieber  in  hk  2öelt  fomnten,  fo  verliert  ftcf)  Wt$  fcalb. 
—  $Bi$mikn  nafjen  wir  un£  unferem  ©ott  unb  meinen,  tt>ie 
jener  *pi?arifäer,  feine  Urfadje  $u  fwben,  etwa3  $on  3bm  gu 
erflehen,  ober  3  (rat  etwa£  abzubitten,  fonbem  nur  3fmt  gu 
banfen.  2öir  fönnen  m$  ni$t  barein  ftnben,  wenn  ©ott  ei* 
nen  ^Infprud)  an  un$  ma$i>  ha  wir  un$  fo  gerne  etnbifben, 
wir  Ijaben  Me$  getrau,  toa$  wir  p  tfwn  fc^utbig  fepen.  — 
£)ieß  tji  nun  bie  ^öefc^affenpeit  be3  menfdjlicben  #er$en$,  fo 
lange  e£  ft$  felbft  überlaffen  bleibt,  ©o  Mb  e£  aber  bur$ 
(Slmftum  erneuert  unb  bur$  ben  (Glauben  mit  3£w  vereinigt 
wirb,  fo  fängt  e3  an,  au$  allen  Gräften  nacfj  2lufri$ttgfett 
unb  £auterfeit  $u  ffreben  unb  ftcf)  ber  SBa^ctt  gegen  ftcf» 
felbft,  gegen  ©ott  unb  hm  Steiften  3«  befleißigen.  2öir  re* 
fcen  baj>er  naclj  Anleitung  unferer  £erte3worte  von  b  e  r  21  u  f* 
ricbtigfeit  unb  £auterfeit  ber  ©laubigen.  ©Ott 
gebe,  ba$  t$  mit  großem  9ht§en  gefc§ef>e,  burdj  Sefum  G$ri* 
jlum!    kirnen. 

2lbf>anblung* 
Unter  anberji  (£igenfcf)aften ,  mit  Welchen  bie  ©eele  be$ 
Wltnfäm  x>ox  bem  ©ünbenfalt  von  ©ott  begabt  war ,  war 
aucb  biefe,  ha$  fte  in  allen  ©tüclen  lauter  unb  ojme  galfct) 
erfunben  würbe.  ©ie  war,  wie  wir  im  Anfang  btefe3  2Ber* 
leö  fagten ,  gleicbfam  an  geller  ©piegel ,  barin  ba£  ewige 
§icf>t  in  feinem  reinen  ®tan$  Wieb  er  prallte,  ©ie  gliedj  einem 
tetnen  SBaffet,  in  welchem  fein  ffmblicf)er  ©$lamm  unb  fein 
glecf en  p  ftnben  war.  M>k  <E>ünht  aber  trübte  biefe£  äBaffer, 
beflecfte  htn  ©piegel,  b.  u  bie  ©eele  £#t  neben  ijjren  anbern 
Xugenben  aud?  bie%autexfeit  unb£Ba£r£eit  serlorem 
&k  erften  ^enfdjen  $erfkcften  fiel),  fobalb  fte  gefallen  waren, 
unter  bie  Zäunte  im  ©arten,  ©ie  wollten  ftclj  verbergen  $or  hm 
2mgeficf)t  Neffen,  bemnid)t^  verborgen  ift.  ©ie  fingen  an,  ftdj 
§u  entfdmlbigen  unb  hk  ©cljulb  aufeinanber  su  Rieben ;  ja 
fte  pätten,  wenn  e£  möglich  gewefen  wäre,  bte©cfmlb  gerne 
auf  ©ott  fel6ft  gebracht,  £a£er  fagte  Slbam:  2)a3  2Beib, 
ba6£>umir  $uge  feilt  p a ji ,  gab  mir*>onbetn$3aum 
unb  i$  aß.y/  ©eitbem  ift  ba$  menftflic^e  ^>era  %u  £ug  unb 
£rug  geneigt,  t$  ift  fcolt  galf#ett,  gefrt  mit  bbfen  £ücfen 
um,  unb  möchte  ®ott  unb  Sftenfcben  tänf^en.  —  liefern  $er* 


_  1240 

berben  tt>trt>  ebenfalte  bura)  bie©nabe3efu  Gtyrifti  abgeholfen, 
ba$  £era  wirb  geläutert  unb  bura)  ©einen  ©eift  von  böfen 
Surfen  gereinigt*  Sie  glaubigen  ©eelen,  welche  in  ber  @e* 
metnfa)aft  (Sljrtfti  fielen,  erneuern  fia)  täglich  im©eift 
t£re£  ©emüt£$  unb  aie^en  ben  neuen  $?enfd)en 
an,  ber  naa)@ott  gefa)affen  ift  in  rea)tfa)affener 
©erea)tigfeit  unb£eiligfeit.  ©ie  legen  bie  £ü* 
gen  ab  unb  rebenbieSSafjrjjeit*  £)emnaa)  Ijaben  wir 
l)aubebenfen,  bag  ber@laubige  niä)t  anber$  f  önne, 
oU  fia)  ber2Ba£rf>eit  unb2lufria)tigfeit  von£er* 
gen  ^u  befleißigen*  £)ie  ©nabe  maa)t  alle  |>eraen,  bie 
fte  be|>errfd)t ,  aufrichtig  unj)  läutert  fte  von  aller  galf#eit 
unb  von  £ügen.  ©uro)  ben  ©lauben  fommen  wir  in  bie  @e* 
meinfa)aft  be$  breieinigen  ©otte$;  baf>er  fagt  ber  jjeil.  ©eift 
ofterö  von  ben  ©laubigen,  bag  fte  m  1 1  ©  o  1 1 ,  n  a  a)  ©  o  1 1,  i  o  r 
©Ott  wanbeln,  bag  (£r  in  tyntn  wojme,  bag  fte  i  n  (£  J>  r  i  ft  o 
unbßfjriftuö  in  tjjnenfet),  baß dx in ü)nen lebe,  rebeunb 
wirfe*  9lun  aber  ift  unfer®ott  an  wahrhaftiger  unb  treuer 
©Ott,  wie  viele  ©teilen  ber  ©a)rift  fagen;  ©ein  Söort  ifi 
lauter  unb  gewig,  ©eine  SSege  finb  eitel  ©üte  unb  Söaljr* 
jjjeit  unb  voa$  <£r  tfmi,  ba3  fyut  dx  treulia)  von  ganzem  £er* 
aen  unb  von  ganzer  ©eele,  alle  ©eine  Fertigungen  finb  3a 
unb  kirnen  in  ££rifto*  —  Unb  von  unferem  (£rlöfer  felbft  fagt 
ber  fromme  2lrnbt:  „2Benn  bu  ben  ©efreu^igten  rea)t  anfa)auen 
wirft ,  fo  wirft  t>u  niä)t$  als  eitel  reine ,  vollfommene  unb  un* 
au3fprea)li$e  $khe  in  3{>m  fejjen  unb  dx  wirb  bir  ©ein  #er$ 
geigen  unb  fvreojen:  ©ie^e  in  biefem  £eraen  ift  fein  betrug, 
feine  Süge,  fonbern  t)it  j)öa)fte  £reue  unb  2SaJ>rf>euY  ^eige 
beut  £au:pt  £er  unb  rujje  auf  deinem  £eraen,  reia)e  beuten 
SDtob  £er  unb  trinfe  aus  deinen  2Bunben  bie  allerfügefte  %kbe, 
bie  au$  meinet  23ater£  £eraen  oura)  TOa)  entfprütgt."  —  2)eg* 
£alb  fagt  aua)  9Jetru$:  „3«  SefuSEftunbe  f ep  lein  33e* 
trug  erfunben  worben."  Unb  wenn  unfer  £eilanb  ©iä) 
ber  SQSorte  bebient:  2öa£rlta),  waljrlia),  3a)  fage 
eua),  fo  will  G£r  t>amit  anaeigen,  bag  dürr  von  ©runb  ber 
©eele  mit  un£  rebe  unb  un£  ben  Sßitten  ®otte$  &ux  ©elig* 
Uit  treu  unb  £eralta)  offenbare,  ©benfo  gebrauchen  aua)  bie 
Slpoflel  jene  2Borte  einigemal,  3.  55. :  ba$  ift  gewiglia)  wapr, 
eS  ift  ein  treuer  weru)e$  SSort  jc.  biefe  Sporte  ji'nb  wa£r^ 


1241 

Jmfttg  unb  gewig  :c.— 3efu$  wirb  »ort  tftien  ber  treue  unb 
'  tt>a^r^afttg.c  3  enge  genannt,  wie  benn  aua)  ©ein  gan* 
ge3  £eben,  ©cine^eljre,  ©eine2Berfe,  ©einreiben  unb  ©ter* 
ben  von  ber  Sfofricfyttgfett ,  £reue  unb  Söaprlmt  zeugen.  — 
@r  J>atte  feine  9M>enabftd;ten ,  fonbern  fu$te  mit  einfältigem, 
lauterem  ^er^en  bie  dl)xt  Seinem  Katers  unb  bte  ©ettgfeit 
ber  9ftenfa)en.  <£r  Heg  ©eine  ©ette  öffnen,  bag  wir  gleid)fam 
in  Btin  £er$  feljen  unb  ©eine  treue,  unverfälschte  %kbt  er* 
fennen  motten,  dv  $at  ft$  ben  Sl^oftcln  unb  befonberS  bem 
Stomas  nacf)  ©einer  2luferftefmng  lebenbig  bargefletlt  unb  tfmt 
erlaubt,  bag  er  bte  ginger  in  ©eine  28unben  unb  bte£änbe 
tn  ©eine  ©ette  legen  burfte.  Unb  bieg  Mt$  tljat  (£v  au$ 
treuer  £tebe,  um  fte  unb  un$  von  ©einem  neuen  Sehen  %u 
verftcfyem.  — -  $ur$,  @r  ift  voll  ©nabe  unb  2öafjrf>eit  unb 
ein  bewährter  ©tein,  ber  tr>ol?l  gegrünbet  tft,  ben  alte  |>ei* 
ligen  Hinber  @otte3  von  fefyex  treu,'feft  unb  unbeweglich  ge* 
funben  |>aben.  @benfo  ift  aua)  ber  @eiji  be$£errn,  ben  @r 
felbfi  mej>rmal3  ben  ©eijt  ber  2öaf?rj>eit  nennt;  nidjt 
bloS  barum,  weit  biefer  bt'e  felbftfMnbige  2öa£r£eit  ijt,  fon* 
bem  au$ ,  weil  (ix  e$  treulich  mit  un$  meint  unb  unS  mit 
lauter  Siebt  in  alle  Söajjrjiett  leitet  £)te®eifl:er  ber 
£ölle  ftnb  £ügengeifter ,  welche  bie  SDtfenfajen  in  gefährliche 
Srrtlntmer  seriellen,  liefen  nnberjlejjt  ber  ©et'jt  ber  2öal?r* 
ptit,  bevoafyxt  unö  vor  3rrtf?um  unb  lefjrt  un$  in  ber  2öa£r* 
tyit  wanbetn  unb  mit  aufrichtigem  ^eqen  ©Ott  unb  bem  9Ma> 
ften  begegnen.  —  SÖenn  alfo  ber  breieinige  ©Ott  bie  3öaj>r* 
fyeit  ift  unb  liebt,  fo  ift  leicht  $u  erachten,  bag  bie  ©eelen, 
bie  mit  3!?m  im  ®tauhen  vereinigt  ftnb,  mc$t£  anberä  al£  bie 
2Ba£r fyeit  lieben  fönnen.  3ßie  tjjr  @rtöfer  ift,  fo  ftnb  fte  aua), 
aufrichtig,  einfältig,  treu,  tvafwljaftig,  beftänbtg.  2ßie  ber 
^Bater  ift,  fo  ftnb  bie  ®inber,  xoie  ber  ©eift  ift,  ber  fte  fei* 
tet  unb  regiert,  fo  ftnb  fte  aua).  —  2)a£  SBort,  ba£  fte  £ören, 
unb  ba£  bei  ifynm  in  $raft  übergebt,  ift  gewig  unb  unbetrüg* 
lief) ,  wie  nun  ber  ©aame  ift ,  fo  iji  aua>  bte  §Tua)t.  —  Die 
©laubigen  leben  in  beftänbiger  ©emeinfe^aft  mit  i£rem  <£r* 
löfer ,  mithin  muffen  fte  aua)  aufrichtig ,  treu  unb  wa^rfmftia, 
fepn,  befonberS  ba  fte  wijfen,  bag  ©Ott  aller  galfa)£eit  vott 
£er$en  feinb  ift.  ©etbft  bie  Zeppitye  an  ber  ©tiftäjmtte  beS 
51.  £eftament$  mugten  auf  beiben  ©eiten  einerlei  ©eftalt  £aben, 


1242_ 

um  ausbeuten,  bag  be£  £err  9h'emanb  ben  3utn'tt  $u  ©ei* 
nem  i^eifigtjmm  &t\tattt  unb  für  ben  ©einigen  erfenne,  atö 
wer  $on  innen  iji  n)te  son  äugen,  wer  ein  aufrichtige^,  reb* 
ft$e$#er$  5«*  unö  f"&  übt,  ein  gutes  @etr>iff en gu  Ijaben.  beibe 
gegen  ©Ott  unb  bie  9ftenfd;em  —  £)arum  werben  auct>  i>k 
©laubigen  fo  oft  in  ber  ©$rift  aur  5lufria)tig!eit  unb  £auter* 
fett  ermahnt  unb  wegen  biefer  £ugenb  gerühmt*  —  3u  $&ra* 
£am  fyrta)t  ©ott:  „28anble  voxWliv  unb  fev  fromm. 
Söon  ©afomo  »erlangt  ber  £err,  bag  er  t»or  3jjm  wanbefn 
fofte,  wie  fein  SBater  £>ax>i$>f  mit  red^fc^affenem  unb  aufrich- 
tigem £eraem  gerner  wirb  benen,  bk  o{me  SBanbel  einher* 
gelten,  rea)tt|mn  unb  bie  SBafjrbeit  son^er^en  reben,  welche 
unfd)ulbige  £dnbe  unb  ein  reinem  £er$  £aben,  »erzeigen,  bag 
jte  auf  be£  £erm  23erg  geben  unb  an  ©einer  ^eiligen  Stätte 
fielen  fotten*  2)em  ©ereajten,  fagt  &ax>ip,  mug  ba3  £ia)t 
immer  wieber  aufgepen  unb  greube  bem  frommen  -perlen,  t>k 
aber  abweichen  auf  ij>re  frummen  2Sege  Oin  ijjre  $er?ej>rt* 
fyzit,  galfd$eit  unb  betrug),  wirb  ber  £err  wegtreiben  mit 
ben  Uebelt^ätern  :c*  Unfer£eüanb  forbert  t>on  ben  ©einigen, 
bag  fte  reineö  |)er^enö  fe#n  folten,  flug  xx>k  bie  ©anlangen, 
boä;  ojme  galfa;  ix>k  bk  Sauben*  dt  wiberfegte  fta)  9*ie* 
manb  mepr  at$  ben  ££ua)Iern ,  welche  ©Ott  unb  bie  Sttenfcfjen 
mit  falfa)em  ©ä)etn  $u  täufa)en  fua)en*  5luä)  t>k  Sipojtö  er* 
innern  öftere  baran ,  t>a^  wir  in  ber  25a!?r£eit  wanbefn  unb 
rea)tfct?affen  fe$n  foKen  in  ber  ^tebe  unb  wiffen ,  bag  in  gjjrifto 
3efu  ein  rea)tf$affene£  SBefen  (bkMafyfyk)  tfh  2Bir  fotten 
ben  neuen  Stoffen  an^iejen,  ber  naa)©ott  gefajaffen  iji  in 
recfjtfcfjaffener  (wahrhaftiger)  ©erecfjiigfeit  unb  £eiligfeit*  2öir 
foflen  lauter  unb  unanftögig  fep  Mä  auf  ben  Sag  gjjriftu 
©ie  wünfcfjen,  bag  ber  ©Ott  be3  griebenS  uns  burc^  unb 
burefj  fertige,  unb  bagunfer  ©eiß  gan^  Qin  a((en©tü<fen)  fammt 
©eele  unb  i^eib  imfMflia)  behalten  werbe  auf  bk  3ufunft  im* 

fereS  £errn  3efu  (SJrtjiu (£benfo  fmben  wir  in  ber 

$eir.  ©a)rift  x>iele  Söeifpiele  son  frommen  3ftenfa)en,  t>k  ftcf) 
oJme  Unterlag  eineö  aufrichtigen  ^er^en^  gegen  ©Ott  unb  bm 
9M6)jien  befiiffen  jmben.  —  SSon  Vloafy  wirb  er$ä£ft,  t>z$  er 
ein  frommer  SDtomt  unb  oljne  ^öanbel  gewefen  fe^,  ber  ein 
göttlich  ?eben  geführt  pabe.  £)em£iob  gibt  beri)err  ferbji 
ba^  3eugnig,  bag  er  fa)(ec§t  unb  redjt  gewefen  fe^,  gotteö^ 


1243 

fürcjtig  unb  ben  ©ünben  feinb*  Sa6  92emficje  fagt  ber  £err 
aud)  von  Satnb  unb  btefer  rebet  ben  Merijöcljften  alfo  an: 
„3$  weiß,  metn  ©Ott,  baß  2)  u  ba£  £>era  prüfefi 
unb2lufrta)ttgl:eit  tflSir  angene Jm;  barunt  ^abe 
ta)bieß2llte3,  Cwaö  ia)  ^um  £empelbau  fammelte)  a  u  $ 
aufriä)tigemf>eraen  unb  frein>t'ntg  gegeben.  Set 
$onig  £t£fia$  lonnte  fta)  in  feiner  tranf  Jett  barauf  berufen, 
ba$  er  m  ber  Söabrjeit  unb  mit  lauterem  £er$en  $or  ©Ott 
gewanbelt  unb  getjan  fytöz ,  wa$  bem  #errn  wohlgefällig 
gewefen  fep*  —  Siefe  £ugenb  wirb  auc^  an  ben  beiben  (gfcievi* 
ten  —  3^^aria^  unb  (£lifabe£j  geräumt,  unb  aua;  ber^lpofkl 
5)aulu£  war  eifrig  bemüht,  jit$  biefelbe  anzueignen;  bajer 
fonnte  er  *>on  ji$  fagen:  „3$  übe  mid)  ^u  Jaben  ein 
unterlegt  ©ewiffen  :c."  ober  wie  e£  in  unferem  Ztxtt 
tyifytx  „Unfer  9?uljm  tfl  ber,  ndmlia)  ba£  3eugniß  unfere£ 
©ewiffen^,  baß  wir  in  (Einfalt  unb  göttlicher  ?auterfeit  auf 
ber  SBelt  gewanbelt  fyabm"  —  ©o  ftnb  aber  aucj  fegt  noc§ 
ade  glaubigen  Ätnber  ©otteg  befcfmffen,  fte  fönnen  nia)t  an* 
ber$,  aU  ftä)  ber  2lufria)tigfeit  unb  2BaJrJeit  befleißigen. 

2)  2öir  muffen  aber  aua)  aeigen,  i®a$  tue  cJrifUia)e 
2lufria)tigfeit  unb  £auterfeit  fep!  — @ie  ift  eine 
Uebereinftimmung  be$  £eraeng,  be$  3ftunt>e$ 
unb  ber  £dnbe  ber  ©laubigen  in  ber  £tebe  unb 
i  m  2)  i  e  nfte  b  e  £  9^ d $  ft  e n.  ©ie  wirb  in  ben  £eraen  ber 
grommen  bura)  ben  Jett,  ©eijt  eraeugt,  baß  fte  fta;  beftreben, 
©Ott  ,unb  bem  9Ma)ften  ojne  galfa)  unb  aus  allen  Gräften 
au  bienen  unb  ftet£  ein  gute3  ©ewiffen  au  bewahren,  ©leicjwte 
auf  einem  3njtamente  mehrere  (Saiten  ftnb ,  welche  bur$  bie 
£anb  be^  ©pielenben  au  einer  iiebtia)en  SMobie  vereinigt 
werben ,  fo  ftnb  in  bem  3ftenfo)en  mancherlei  trdfte,  Regier* 
ben,  Sinne  unb  ©ebanlen,  welche  jta)  burcj  t>m  ^Beiffanb 
be$  Jett,  ®etfie£,  aur  (£Jre@otte£  unb  aum^ugen  be$  9Mo> 
ften  vereinigen.— Sie  @eele  ber  ©laubigen  muß  a^ar  &GÄ 
wetten  tjre  ©ebanfen  unb  Gräfte  auf  mancherlei  ©efcjdfte 
richten;  btefelben  lommen  aber  alle  in  bem  €  inen  aufam* 
mmf  baß  fte  ©Ott  gefallen  unb  3Jm  ojne  £eua)elei  bienen 
mögen.  Sie  ©laubigen  betragen  fta)  nia)t  anbertf  vor  t>m 
beuten,  unb  anber$  im  Verborgenen,  wenn  fein  Sftenfa;  ijr 
Zfyun  beobachten  fann,  fte  ftnb  uia)t  anber^  in  Söorten  unb 


1244 

©eberben  unb  anberä  im  ^er^en;  fonbern  fte  bleiben  fta) 
überall  gleia)  unb  wünfa)en  ntä)t3  mejjr,  aU  baß  ©Ott  fte 
bei  bem  Otiten  erhalten  wolle ,  bag  fte  ©emen  tarnen  füra)ten* 
&)enn  wie  ^3aulu^  ft<$  auf  baS  B^gnig  feinet  ©ewijfenS  be* 
rufen  fonnte,  bag  er  in  feinem  2imt  in  Einfalt  unb  £auter* 
leit  gewanbelt  unb  feine  anbere  2lbftä)t  gehabt  fyahc,  aU  $>k 
gejire  beS  £erw  3efu  ausbreiten  unb  3£nt  Ariele  ©eelen 
3u$ufül)rett,  fo  traa)ten  ade  wabre  @£rif*en  barnaa),  bag  fte 
x>ov  ©ott  unb  ben  SDtofajen  aufrichtig ,  treu ,  wa brljaftig  unb 
nü£lia)  erfunben  werben  mögen*  3war  war  ber  2lpofkl  mit 
entfernt,  fta)  für  »ollfommen  unb  gan$  rein  gu  galten;  Cer 
bef annte  ja  in  einer  anbern  (Stelle ,  bag  aua)  bte  (Sünbe  noa) 
in  feinem  gleifö)e  wojme,)  aber  er  fonnte  $on  fta)  rühmen, 
bag  er  fta)  in  ©einem  Simte  treu  unb  reblia)  betragen  unb 
nia)t$  anberö  begehrt  Ijabe,  aU  bag3efu3,  ber  2öelt£etlanb 
allenthalben  erfannt,  geliebt  unb  gepuefen  würbe*  —  (£me 
gleite  ©eftnnung  l?aben  alle  ©laubigen ,  fte  fa)euen  ba$  £ia)t 
nia)t  mit  iljrem  £jmn,  fonbern  laffen  e£  getroft  s>on  ©ott 
unb$?enfa)enunterfua)en,  wie  unfer £eilanb  fagt:  „SS er  bic 
SBajjrpett  i^ut,  ber  fommt  an  ba$£ia)t,bag  feine 
SBerfe  offenbar  werben;  benn  fte  finb  in  ©Ott 
getrau;  ober  mt £)a*rib  fpria)t:  (£rforfa)e  mta),  ©ott, 
unb  erfahre  Cunterfua;e)mein  ^er^,  prüfe  mia)  unb 
erfahre,  wit  ta)£  meine."  —  28erbenfte,  wie93etru$, 
»on  3efu  gefragt:  ob  fte  3£n  tob  |>aben,  —  fo  antworten 
fte  mit  finblia)em  |)eraen:  3a  £err,  £>u  weigeft  alle 
£>inge,&)u  weißt,  bag  ia)£>ia)  lieb  ijabe,  ober  boa) 
tton  £>eraen  begehre ,  £>ta)  *>on  £ag  au  ^ag  lieber  $u  gewtn* 
nen.  33eten  fte,  fo  fua)en  fte  nia)t  x>on  ben  beuten  gefeiten  $u 
fepn ,  ober  fta)  bura)  t^re  5lnbaa)t  einen  tarnen  £u  »erfa)affen ; 
fte  btttn  nia)t,  bag  man  fte  auf  ^m  ©äffen  &öre  unb  bag 
man  fte  begwegen  für  fromm  unb  jjeiltg  palte.  6ie  prallen 
nia)t  mit  Söorten ,  fonbern  reben  mit  ©Ott  in  ber  Stille 
unb  in  finblia)er  Einfalt  wie  mit  tprem  lieben  Söater.  (Sie 
fa)ütten  i£r  £er$  sor  3£nt  au£  unb  es  iß  ifmen  nia)t  fowopl 
um  bie  2Borte,  al£  um  bie  innere  5lnbaa)t  ^u  tpun.  2)aper 
fagt  £>atrib,  als  er  sor  bem  £errn  betete:  „£>err,  wa$ 
foll  ia)  meljr  reben  öor2>ir?j£)u  erfenneft2)einen 
$nea)t."    2).  i.  m$  bebarf  e$  vieler  SSorte  gwtfa)en  mir 


1245_ 

unb£)ir,  o©ott,  id)  Jjabe  an£)ir  einen  gndbigen,  Itebreiä)erc 
©Ott  unb  S5ater  unb  2>u  £aft  an  mir  einen  treuen  Wiener 
unb  an  geborfame^  $tnb.  —  2}?ana)ma{  »ertieft  fta)  ber  @j?rift 
fo  fefjr  in  feiner  2lnbaa)t  unb  im  Verlangen  naa)  bem  Jperrn, 
bag  er  niä)t  wetg,  bag  er  Mtt.  ©eine  ©ebanFen  finb  gan§ 
unb  gar  auf  ®ott  gerichtet  unb  er  ergäbt  fta)  etngig  unb  attetn 
tm©efprda)  mit  feinem  lieben,  Jn'mmltfa)en  23ater*  £)aS£erg 
gleicht  in  folajen  gdtten  bem  2luge,  wefa)e$  $>a$  £ia)t  Unb 
im  £ia)t  Mtö  wahrnimmt,  fta)  fefbß  aber  nia)t  fielet»  ©feiä> 
tt)ie  man  feinen  ©chatten  nia)t  fteljt,  wenn  man  baö  ©e* 
fta)t  gerabe  gegen  bie  ©onne  riä)tet,  alfo  $at  bag  £er$ 
ber  ©laubigen ,  wenn  e$  gu  ©Ott  betet ,  feine  frembe  2lbfta)t 
unb  Witt  t>on  9lia)t$  wiffen,  aU  von  ©Ott  unb  ©einer  ©nabe 
tn  ßlmfto  3efu*  —  3war  erregt  ber  ©atan  aua)  in  ben  front* 
men  C^^rtften  fünblia)e  ©ebanFen,  unb  gerabe  wenn  fte  rea)t 
eifrig  gebetet  jjaben,  fua)t  er  i^nen  bura)  ©a)meia)elei  beigu* 
fommen*  (E$  ift,  aU  obSemanb  gu  tlmen  fprda)e:  o  wie  an* 
bda)tig!  J>abt  if?r  jejt  gebetet,  wie  tyut  ü)r  e£  fo  vielen  intern 
guvor,  biefer  unb  jener  $at  nia)t  fo  gebetet  unb  f ann  e3  aua)  nia)t» 
Mein  fte  unterbrücfen  fola)e  ©ebanFen  unb  wiffen  wo£l,  bag 
unfer  QdtUt  ofme  bie  ©nabe  @otte3,  offne  bie  %mhxttt  3efu 
@f?rifti  unb  bie  Sftitwirfung  be$  jjeiL  @eifte3  mä)t$  taugt 
unb  bag  alfo  ma)t  un$,  fonbern  ©Ott  bie  (£f>re  gebühre,  wenn 
wir  anbda)tig"  gebetet  fyabm.  —  (Ebenfo  lauter  bezeugen  fta) 
bie  ©laubigen  aua)  in  änbern  Dingen»  ©inb  fte  in  ber  tträ)e, 
fo  fua)en  fte  lein  2lnfef>en  vor  bm  beuten,  fonbern  wollen  fla) 
©Ott  barftellen  gu  einem  Opfer,  baS  ba  lebenbig,  jjeilig  unb 
3£m  wohlgefällig  ift»  —  beugen  fte  tf>re  $tnüt,  fo  beugen  fte 
aua)  ben  ©um  unb  legen  ii)r  ^era  in  £)emut£  bem  ©erreit* 
gigten  gu  gügen,  —  3tia)ten  fte  ipre  Slugen  gutn  Fimmel,  fo 
rta)ten  fte  gugleta)  aua)  ü)r  £erg  bajjüu  ©eufgen  fte,  fo  gejjt 
e3  von  £ergenegrunb.  ©ingen  fte,  fo  fingen  unb  fpielen  jle 
bem  £errn  in  if?rem  bergen»  £oren  fte  eine  §5rebigt,  fo  traa> 
ten  fte  barnaa),  baS  SSort  in  einem  feinen  Caufria)tigen)  £er* 
gen  aufgunefmten  unb  gu  bewahren»  ©ie  ergoßen  fta)  nia)t 
fcloö  an  bem  ©a)all  ber  2Borte,  nia)t  an  ber  Sßerebtfamfeit 
unb  bem  Vortrag  be£  ^rebiger^,  fonbern  begehren  bk  ftxaft 
be$  Sortä  unb  bie  Bewegung  beS  j>eiL  ©eijte$  an  unb  in 
t^ren  bergen  gu  empftnben,  3^re  einzige  2lbjtä)t  t>ahi  ift  t-te^ 


1246 

immer  iveifer,  bejfer  unb  frömmer  au  werben,   unb  ©ott  tn 
^etltßfeit  unb  ©erecbttgfeit  au  bienen*  —  ©eben  fte  Silmofen, 
fo  lajfen  fte,  nacf>  <5^rifit  ©ebot,  bie  linfe  £anb  ni$t  tvijjen, 
*va$  bte  rea)te  tlntt,  unb  ernennen  e£,  t>a$  tarnen  bafür  feine 
anbere  @*f>re  gebüfjrt,  aU  bte,  «?eld>e  einem  Wiener  aufommt, 
ber  boö  Vermögen  feinet  £errn  verwaltet  unb  auf  beffen  23e* 
fepl  einem  Hrmen  ettva$  gibt   6ie  geben  einfältig  unb  fua)en 
feinen  £ftufmt  t>or  ber  2Selt,  fte  fefjen  nidjt  £0$  auf  bie  Firmen 
perab,  fonbern  fe^en  auf  be£  üftätt)ften  %lofy  unb  ©otte£  ©e* 
bot*  —  (£benfo  jtnb  bie  ©laubigen  aua)  in  i£rem  33eruf  unb 
©tanb*   $at  ber  $txx  fte  aum  $rebigtamt  berufen,  fo  bejtre^ 
ben  fte  jta)  naa)  bem  ^eifpiel  be£  2tyojiel3  burd)  ©otte$  ©nabe 
Wlt$  in  Einfalt  unb  £auterfeit  ^\x  verrichten*   ©ie  verfäffa)en 
baS  (Evangelium  nia)t  mit  Sftenfc^entanb ,   ffeifa>lia)em  ©inn 
unb  weltlicher  2Bei$£eit,  fonbern  tragen  e$  tn  £auterfeit  vor. 
@ie  reben  aU  aus  ©ott  unb  für  ©Ott  in  dfmfto.    2öa$  fte 
von  bem  ©eijt  ©otteg  gelernt,  au3  ©otteS  2Bort  gefammelt, 
au$  hm  SBunben  tyxifti  genommen  unb  bura)  bie  (Erfahrung 
fta)  angeeignet  £aben ,   ba$  flögen  fte  mit  eifriger  iHebe  ben 
£>eraen  tprer  3u£örer  etn.    2)abei  aber  fua)en  fte  nia)t  i£re 
(£!jre ,  nt$t  t^ren  9ht£en ,  nia)t  baö  £ob  ber  2Belt ,  fonbern 
bie  <£j>re  ©otte$  unb  bie  ©eligfett  berer,  bte  ijmen  anvertraut 
ftnb,   wie  fauluS  fagt:  „2Btr  f  ollen  nia)t  ©efallen 
an  uns  felber  £aben,   fonbern  ein  3eglta)er  un* 
ter  unS  flelle  fia)  alfo,   bag  er  feinem  D?ää)fien 
gefalle  aum  ©uten  unt>  aur  23efferung/'  —  2luf 
gleiche  2Betfe  fte£t  eine  a^ri(tlia;e  £>brigfett  nio)t  auf  tpre  et* 
gene  @J?re,  9Äac$t,  S?eta)t^um  unb  33eauemlia)feit,  fonbern 
auvörberjt  auf  ©otte$  (£f>re  unb  ba$  allgemeine  23e(!e*    ©ie 
weij?  wopl,  ba§  fte  alle  <£l?re  unb  3}?aa)t  von  ©ott  unb  für 
©Ott  |>at,  unb  bafj  ijjr  feine  Wlafyt  aum  (Begaben  unb  25er* 
berben  gegeben  ijt,   fonbern  um  ^u  beffern  unb  au  erhalten* 
<Sie  ftefrt  bie  Untertanen  niä)t  mit  ©tola  unb  2kraa)tung, 
fonbern  mit  einem  väterlichen,  liebreia)en  £>eraen  an,  unb  be* 
fleigt  fta),  biefelben  mit  aller  breite  unb  Sorgfalt  ^u  regieren» 
—  $tbt  ber  ©laubige  im  niebrigen  ©tanb ,  fo  fua)t  er  au^ 
barin   aufrichtig  vor  ©ott  au  tvanbeln  unb  3N  au  bienen 
mit  lauterm  ©nuv—  3n  einem  ©arten  gibt  e$  nia)t  blo^ 
|>o^e  ^äume,  fonbern  aua)  niebrigen  ©e(iräu$,  nic^t  WoS  an^ 


1247 

fefjnttcfje,  fonbern  and)  unanfef>nlic|e  Blumen ;  eine  febe  35jlcm$e 
aber  wirb  nia)t  blo3  nati)  tyxtm  Beugern  öefd;d^t  ,  fonbern 
nacfy  ijiren  grüßten  unb  Gräften*  2)er  ^ofenßocf  wirb  ba* 
rum  nidjt  $eradf)tet,  weil  er  niebrig  unb  soll  dornen  tff,  fon* 
bern  um  feiner  5>errti$en  Blumen  willen  geliebt  unb  felbjt 
ba£  fletne  SSetl^en  wirb  wegen  feinet  lieblichen  ©eru$eg  $on 
Sebermann  in  (£f)ren  gehalten*  Hlfo  werben  auc^  biejenigen, 
welche  im  niebrigen  ©tanbe  leben,  wn  ©ott  £0$  geartet, 
ob  fte  gleich  in  fielen  ©orgen  ftecfen  unb  x>on  ber  SBelt  $er* 
achtet  werben,  wenn  fte  nur  in  ber  gur$t  be$  Herrn  unb  in 
aufrichtiger  ?iebe  gegen  ben  yiätyfim  wanbeln*  —  £ebt  ber 
©laubige  im  Gürljejknb,  fo  trachtet  er  s>or  allen  fingen  bar* 
nad),  bag  er  fein  ^rieftertjwm  in  feinem  Haufe  re$t  führen, 
fein  ®ebet  im  ©eift  unb  in  ber  SBa^r^eit  rec^t  t>errid?ten,  in 
wahrer  grommigf  eit  leben,  unb  bie  ©einigen  au  htm  recf)tf$af* 
fenen  SBefen  in  (Sprifb  anhalten  möge*  £>a$  t)oweJ)mjie  ©e^ 
fdjjäft  in  ber  Haushaltung  ift  bie  $mberaud)t  tiefer  wibmet 
fidj  ber  wa^re  glmft  mit  2lufrid?tigfett  unb  Sauterfeit  (£r 
wünfcf)t  gerabe  nia)t,  bag  feine  i^inber  »ornejmi,  retc^  unb 
mächtig  in  ber  SBelt,  fonbern  $>auptfä$tid),  bag  fte  fromm 
unb  gottfelig,  SBerfaeuge  ber  ^re  be$  Herrn  unb  ©efäffe 
©einer  Ißarm^er^iflFeit  werben  mögen,  —  2Bie  f$on  fpra$  ha* 
£er  jener  SSater ,  al£  er  jjörte ,  bag  fein  ©ojm  einen  fähigen 
$o:pf  sum  fernen  fyabzi  „$ann  mein  ©ofm  an  Doftor  wer* 
ben,  fo  gönne  ia)  e$  fym  gerne,  wenn  e$  nur  aur  (££re  ©oi* 
ttö,  aum  2)ienft  be£  9M$ften,  aur  Erbauung  ber  tirtfje  unb 
o|me  Skrlnnberung  feiner  ©eligfeit  gefdnept;  bo$  hin  ia)  aufy 
aufrieben ,  wenn  er  nur  an  Lüfter,  ein  Hcmbwerfer  ober  an 
SBauer  wirb,  wenn  eS  meinem  ©Ott  fo  gefallt  unb  wenn  e£ 
gu  feiner  grogern  (üEijre  gereichen  famu" 

Stößer  fyabm  wir  gefcfjen,  me  ber  ©laubige  in  51  uf* 
rid)tigfett  unb  Sauterfett  *>or  ©Ott  wanbelt; 
laffet  un$  nun  and)  geigen,  wie  er  fjty  in  biefer  33eaie{mng 
gegen  ben  9*äd}jUn  unb  gegen  fid)  felbft  betragt? 
Der  wajre  dfyxift  %at  gegen  3ebermann  ein  rebli$e£,  treues 
unb  liebreichem  §tx%,  einen  wahrhaftigen,  *>erfcj>wiegenen  tylunh 
unb  eine  fnlfretd;e  $anb.  2)ieg  verlangt  bie  ©$rtft,  wenn 
ftefagt;  „wir  follen  rectjtf Raffen  fe^n inber£tebe» 
£affetun$  nidM  lieben  mit  Porten  nocf>  mit  ber 


1248 

Bunge,  fonbern  mit  btxZfyat  unb  mit  berBaljr* 
£ett.  ©e^b  freunblia),  J?eralia)  unb  brüberlio) 
gegen  einanber;  leget  bie  £ügen  ab  unb  rebet 
bte$3a£rljeit,  etn3egliä)er  mit  feinem  ^ärt)ften, 
ria)tet  nia)t  unb  maa)et  grieben  in  euren^poren, 
atnb  benfe  deiner  2lrge$  in  feinem  £er$en  wtber 
feinen  üftäc&jieru  (Eure  ERebe  fep ,  ja,  ja,  nein, 
n  e  i  n*"— 2Ba$  alfo  bei  ben  Gf  giften  berSttunb  rebet,  ba$  meint  ba$ 
£erj,  baS  sollbringt  bte  #anb;  £ug  unb  £rug  ijt  ifmt  tin 
©reuet,  dx  ift  befMnbig  unb  aufrichtig,  ijl  feinen  greunben 
treu  in  greub  unb  &ib,  in  9loty  unb  £ob,  lobt,  tt>aö  lobend* 
wertf>,  unb  (traft  mit  23efa)eibenfjeit  unb  greunblidtfeit,  wa$ 
31t  betrafen  ifi*  $ur$,  n>ie  er  (ta)  feinem  ;?cäa)ften  *>or  Slugen 
fttUt,  fo  ijt  er  aua)  hinter  feinem  ^ücfen»  ©ein  £er$  fitmmt 
mit  ber  3unge  überein,  unb  3ufagen  unb  galten  ift  hü  tynx 
beifammem  2Benn  baljer  bie  Eliten  einen  treuen  9ttenfa)en 
abbilben  wollten,  fo  malten  fte  einen  ^ftrfta)  mit  einem  33latt, 
weil  ber  $ftr(ta)  bie  ©eftalt  beS  £eraem3,  ba$  $aub  aber  bie 

ber  3unge  l?at. Söeiter  ift  ber  ©laubige  aller  SSerläum* 

bung  fetnb  unb  wirb  fta)  nie  ba$u  ^ergeben,  feinem  9cäa)fien 
etm$  23öfe£  naa)jufagen,  $ielmeji>r  bedt  er  bk  ©a)utb  beffel* 
ben  fo  *uel  möglia)  au,  unb  beutet  Me$  gum  33efien*  @r  er* 
innert  fta)  jtetö  an  bie  Tarnung  unfereS  ©otteS:  „deinen 
SHunt)  läffeft  bu  SöfeS  reben  unb  beine  3unge 
treibetgalfa)f>ett,  bu  fi&efl  unb  rebeft  wiber  bei* 
nen  SSruber,  beiner  Butter  6o£n  serläumbejt 
bu*  Saö  tljuft  bu,  unb  3$  fa)weige,  t>a  mcinft 
bu,  3a)  werbe  fepn  gleichwie  bu;  aber  3$  will 
bta)  (trafen  unb  will  birS  unter  Singen  ßellen." 
—  2)er  wajjre  (Sfm'jt  gibt  aber  aua)  bem  SSerlaumber  fein 
©e£ör,  weil  er  weif?,  bag  23eibe,  ber  2krläumber,  xoic  berje* 
nige,  welcher  i£m  aui)ort,  bem  &atan  bienen*  (ix  weig,  ba$ 
ber  2ttenfa)  feinen  SBerjknb  unb  feine  3unge  nicbt  begwegen 
£at,  um  ben  3?äa)jkn  au  beleibigen  unb  au  betrüben,  fonbern 
umijmau  ttertjjetbigen ,  sutröften,  ju  erbauen  unb  au  beffern. 
2)a£er  ^üüt  er  fta)  *>or  allen  ©tia)reben  unb  nimmt  fta)  in 
2la)t,  bag  i£m  aua)  im  ©a)era  lein  unüberlegte^  SSort  ent* 
wifa)e+  £>enn  babura)  würbe  fa)on  9ittana)er  bctxixht  unb  bei 
Slnbern  3um  ©efyotte,  babura)  bereiten  wir  bem  Teufel  eine 


1249 

greube,  uns  felbft  aber  bie  grögte  Verantwortung  *>or  ©Ott* 
tura,  m$  ber  2tyoftel  son  feinem  2lmte  fagi,  —  tag  er  ni$tä 
reben  bürfe,  ate  m$  @£riftuS  bur$  ijw  wirfe,  ba$  beoba$* 
tet  ber  ©laubige  in  feinem  @tanb  unb  25eruf*    (Ex  befleißt 
ft$  wie  fein  @rlöfer  nur  9tü$tf<&e$,  £rojtti$e$  unb  €rbaute 
tyeö  au  reben,  unb  wenn  er  etwa$  3weii>euti$e$  fagen  witf, 
fo  benft  er  aläbalb  bei  ft'cfy  felbft:  jinb  biefe  2Borte  auc$  mei* 
nem  (Sjjriftentlwm  gemäg  unb  fyat  fte  ber  ©eift  ©otteS  in  mir 
gewirft,  ftnb  fte  au$  erbauli$,  beffernb,  wa£rf>afttg  unb  fann 
ic$  fte  einft  *>or  bem  Wterfh^l  grifft  »erantworten?  — 
2)ieg  Me$  ftimmt  mit  ben  ^Borten  £)aoib£  übereüu  ,/JJrüfe 
mi$,£err,  unb  serfudjemtd?,  läutere  meine9Ue* 
ren  unb  metn£era;  benn£)eine  ©üte  ifi  t>or  mei* 
nen  klugem"    (3$  betraute  oft,  voie  gut  2>u  e$  mit  un$ 
^enfd)en  meinf*  unb  »erabf^eue  bemnacf)  alle  galf^jjeit).  3$ 
wanble  in  Seiner SSafjrljeit,  fi#e  ni#t  bei  ben  et* 
teln  beuten,  fyabe  feine@emeinfdjaft  mit  bengafc 
f$en',  unb  waf^e  meine^dnbe  inllnfcjjulb*  (Söenn 
ify  beä  Borgens  aufgeftanben  bin  unb  muf)  wafdje,  fo  neunte 
i$  mir  jjeraltdj  fcor,  ben  Sag  über  in  Unf^ulb,  in  Slufricfc 
tigfet  unb  ©ottfeligfeit  *>or  2)ir  au  wanbelnO  —  5lber  auc$ 
in  ben  Briefen  §3ault  ftnb  mehrere  2lu£fprüd?e  enthalten,  bte 
inejer  gehören:  „QieQiebe  f e ^  ni$t  falf$,  bie  bxu? 
beruhe  Siebe  unter  einanber  fe#  £erali$,  £abt 
einerlei  ©tun  unter  einanber,  befletgiget  euty 
ber(£J>rbarfeit  gegenSebermann.   (Erfüllet  meine 
greube,  bag  iljr  (£ine$  Sinnet  fe^b,  gleiche  £iebe 
fyabei ,  einmütig  unb  einfältig  fepb*  diu  3egH* 
$er  fe^e  ntcfyt  auf  ba$  ©eine,  fonbern  auf  ba$, 
waö  be$  5lnbern  ift,  auf  bag  i£r  o^ne  Säbel  fe^b 
unb  lauter  unb  ©otte^ftnber,   unßräflt$  mitten 
unter  bem  »erfejjrten  @ef$le$t/   unter  welchem 
tyx  fd?etnct,  wie  bie  Siebter  in  ber  SBelf.  —  Zieht 
23rüber,  wa$  waljrjjaftig  ift,   was  ehrbar,   n>a$ 
geregt,  ti>a$  feufd?,  was  lieblich,  xoaöwofyllauttt, 
tft  etwa  eine  £ugenb,  ift  etwa  ein  £*>&,  bem  ben* 
tet  nac§/' 

(Enblity  t(t  ber  ©laubige  aud)  aufrichtig  gegen  fi<$ 
felbft*    (£r  Jwt  bur$  ©otteS  ©nabe  erfannt,  baß  son  ber 


1250 

Eigenliebe  SBerblenbung ;  ©tc^erpeit  unb  Unbugferttöfett  fyx* 
xtyxt,  barum  fa)ont  er  ft$  nt$t,  unterfaßt  fein  ^er§  mit 
$ufri$ttgfeit  unb  prüft  fein  £fmn  unb  Waffen,  feine  Neigungen 
unb  23egierben  naa;  bem  SBorte  ©otteS,  welcfjeS  gleidjfam  ein 
Riegel  iß:,  ber  ipm  feine  glecfen  unb  hänget  entbecft  23e* 
merft  er  etwas,  tt>ag  bem  @£riftentfmm  nicfjt  gemäß  ijt,  fo 
entfa)utbigt  er  es  nidjt ,  fonbern  befennt  eS  offenherzig  »or 
©Ott,  unb  wenn  eS  t>k  tyfiityt  erforbert,  aua)  t>or  ben 
Stfenfdjem  3jl  er  mit  bem  Mfyftm  in  ©treit  gera* 
tym,  fo  muß  fein  ©ewtffen  ben  SluSfarua;  barüber  tljun,  ber 
gemeiniglich  wtber  tyn  lautet:  benn  er  traut  feinem  eigenen 
£eraen  nia)t,  weil  er  tt)eig ,  baß  er  feinen  großem  geinb  fyat 
als  biefeS*  3)aljer  befdjämt  er  fta)  felbft  el?er,  als  Rubere, 
naa)  ber  (Ermahnung  unfereS  <£rlöferS:  „2Ser  9ttir  naa> 
folgen  will,  ber  fcerläugne  fia;  felbft/'  ober  naa; 
ben  oben  angeführten  SSorten  beS  SlpoftelS:  28  ir  f ollen 
ni$t  ©efallen  an  uns  felber  paben,  gleichwie 
(SpriftuS  an  fia;  felbjt  feinen  ©efallen  fyattt, 
fonbern  ein3eglia;er  follfia)  alfo  bezeugen,  baß 
tx  feinem  -iftäcfyßen  gefalle  %um  ©uten  unb  $ur 
33ef  ferung/' 

Slnwenbung* 
I.  60  Uttz  unb  ermahne  tä)  eua)  nun  aUefammt  in  bem 
£errn  3efu ,  ber  eua)  geliebt  unb  ©tä)  felbft  für  eua;  gegeben 
l)at,  baß  i£r  baS,  was  mir  bisher  gefagt  J?aben,  ^u  ^e^en 
nehmen  unb  nia)t  meinen  wollet,  als  Ratten  wir  etwas  lieber 
flüffigeS  vorgetragen.  Vielmehr  glaubet,  ha^  bie  2lufrta)tig* 
feit,  Sauterfeit  unb  203 a^r^eit  eine  grua)t  beS@eifteS  i%  wela)e 
not^wenbtg  aus  bem  (Glauben  folgt  unb  ojme  welche  9tiemanb 
©Ott  gefallen  fanm  2)enn  fo  wal?r  eS  ijt,  was  £)aoib  fagt: 
,,3a)  weiß,  mein  ©Ott,  baß  £u  baS  £er$  ^>r üfeft 
unb  2lafria)tigfeit  i(i  2)ir  angenehm,  ebenfo  wa£r 
tft  eS  aua),  baß  bie  galfa)j?eit  3£m  suwiber  i%  £>er  £err 
jat  Suft  aur  SSaJrpeit,  bie  im  Verborgenen  liegt,  (£r  forbert 
*>on  uns  eine  aufrichtige  ©efmnung,  eine  fjer^liaje  9?eue  unb 
ein  aufrichtiges  SBefenntniß  unferer  ©ünben,  einen  rec^tfcfmfc 
fenen  ©lauben  unb  ben  ern(ttia)en  $orfa#  in  <Btimn  SSegen 
ju  wanbeln*  Raffet  uns  bteß  bebenfen  unb  uns  sugleia)  an 
fcie  SBorte  95etri  erinnern:  „alle  biejienigen,  bereu  £era  nia)t 


1251 

reo)tfö)affen  ift  wr  ©Ott,  Ijaben  weber  £l?etl  noä)  2lnfpruä) 
auf  ba$  2öort  be$  £ebenS ,  bann  wirb  eS  fta)  batb  geigen,  ob 
t$  m$  (£rnft  ift/  aufrichtig  x>or  ©ott  unb  ben  9Jcenfä)en 
gu  fepn  ober  nio)t.  —  SDieß  tft  um  fo  meljr  nötfrig,  weit 
bie  £euo)elei,  bie  galfo)£eit  unb  £ügen  fta)  fo  in  ber  2Belt 
verbreitet  paben ,  bag  man  fte  faft  für  feine  ©ünbe  meljr  £ält. 
3a,  man  jwlt  eä  fogar  für  eine  $unft  unb  befonbere  3Q3ei$* 
l^eit,  wenn  man  fta)  anber3  ftellt,  al3  e$  Einern  um  ba$  £er$ 
tft,  wenn  man  anber$  benft,  anberö  rebet,  anberS  tyuu  £)ie 
meiften  (griffen  unferer  £age  paben  ben  ©a)ein  eines  gott* 
feiigen  2Befen3  unb  serläugnen  feine  $raft*  ©ie  ftnb  £eua)ter 
unb  e$  ift  ifmcn  fein  rea)ter  (£rnft  mit  ijjrem  ßprtftentjmnu 
©ie  gelten  ^ur  $ira)e,  pören  ©otteS  2öort,  beten,  beiä)ten, 
gefien  ^um  ^eiligen  2lbenbma£t  unb  wollen  für  feine  Unä)riften 
gehalten  fepn ;  boa)  Mäht  baS  £er$  ungeänbertT,  fte  »erharren 
in  ipren  fünblia)en  ©ewofmfietten  unb  wollen  gute  (Spriften 
fep  M  einem  una)riftlia)en ,  gottlofen  2öefem  $on  iljrer 
23uge  fann  man  wo£l  fagen ,  m#  ber  ©eift  ©otteS  $on  bem 
iübifa)en  3Solf  fagte:  „2)ie  t)erftocfte  3uba  befeprei 
fta)  nia)t  ^u  mir  oon  ganzem  #er$en,  fonbern 
peua)eU  nur  alfo;  ober  xoit  e$  in  ben  ^falmen  Ijetgt: 
©te  l)eua)elten  bem  £errn  mit  ijjrem  Sttunbe  unb 
logen  3{jm  mit  i£rer  3unge;  aber  i&r  £era  war 
nia)t  feft  an3£m  unb  fie  hielten  nia)t  treulia)  an 
©einem  33  unb  e*  ©ie  x>erfpraa)en  ©ott,  tf>r  £eben  ^u  bef? 
fern,  unb  bemühten  fta)  bod)  nie  mit  (ürmfi ,  biefem  $erfpreä)en 
naa)3uf  ommen,  —  (£benfo  beia)ten  j?eut$utage  SBiele  ojme  33uge, 
glauben  ojne  ©lauben,  ftnb  Gtyrtjlen  ojme  Cfjriftentjmm,  ftnb 
^inber  ©otteS  ojme  finblia)en  ©eporfam,  rühmen  fta)  (grifft 
mnb  begehren  3£m  boa)  nia)t  ^u  folgen,  tröften  fta)  ©eines 
ttergofjenen  IBlutö  unb  wollen  boa)  *>on  ©einem  ©etfr  unb 
©inn  nia)tg  wiffen*  3^  &ben  ift  soll  £eua)elet  unblinbug* 
fertigfeit  ©ie  ftnb  in  ber  $ira)e  wie  ein  £amm,  im  £aufe 
unb  auf  ber  ©trage  aber  wie  ein  £owe  ober  $Bäx.  ©ie  wollen 
©ott  unb  bem  ©atan  bienen,  wollen  (£l?rijto  anhängen,  aber 

aua)  bie  ©ünbe  nia)t  verladen, SSenn  fta)  aber  bie  $>eu* 

tige  %8ttt  nia)t  fa)eut,  ©ott  $u  täufa)en,  um  wie  vielmehr 
wirb  fte  e$  bei  ben  9ttenfa)en  t  jmn  ?  Leiber  ift  t>k  galfa)f>eit, 
i'ug  unb  £rug  fo  allgemein  geworben,  bag,  wenn  man  bie^ 

79  * 


1252 

felben  wn  bem  legigen  £jntn  unb  treiben  trennen  wollte, 
wenig  ober  gar  mtytß  überbleiben  würbe»  3n  unferen  &agen 
tfi  ba#  betrügen  gar  feine  @4>anbe  me&r ,  wojil  aber  fta> 
über  bem  betrug  ertappen  gu  raffen.  £>te  ^eif^en  befleißen 
fi$,  ntdjt  gerabe  ein  unfi:räflia)e£,  fonbern  ein  oerfteäteö  Mm 
3n  führen.  Unb  gleichwie  jta>  ba£  ©epräge  m  einer  5ttünae 
immer  beutlia)er  j>erau$ftellt ,  j[c  länger  fte  im  Umlauf  ijVvWäi)* 
renb  i£r  ©epalt  abnimmt,  alfo,  fagt  ein  berühmter  SJftann, 
werben  bie  Steffen  awar  immer  Hüger  unb  (iftiger,  aber  mit 
SSerluji  ber  wahren  gugenb ,  ber  &reue  unb  £fteblia)fett.  — 
Höte  t$hü  ben  ©rogen  unb  ©ewatligen  angejrt,  i$  befannt, 
unb  man  mug  faft  täglia)  mit  ©euften  wa£rne£men,  wie  fte 
bei  i£ren  Verträgen  unb  IMnbniffen  nur  i£ren  eigenen  $ort£eil 
im  2luge  £aben  unb  M  $ren  fa)onften  $erfta)erungen  sbo^ 
nur  fdjeinbar  gut  fmb.  £)abura),  i?auptfäa)lici)  aber  bur$ 
W  mancherlei  £äufa)ungen,  bte  in  ^e^fireitigfeiten  unb  fonft 
tm£anbel  unb  SSanbet  unter  allen  ©tdnben  üblia)fmb,  iji  e$ 
bafyin  gefommen,  ba$  man  bte  alte  beutfaje  9?eblia)f  eit ,  bte 
fromme  Einfalt  unb  5lufria)tigf eit  für  eine  ££orljei£ ,  ober  gar 
für  dn  SSergeljen  £ätt.  3a  in  einigen  ©egenben  unb  £änbem 
fagt  man ,  mnn  man  tintn  Darren  ober  einen  albernen  3tten* 
f$en  betreiben  will:  er  fep  ein  guter  @j>rijh  So  gilt 
in  Stalten,  namentlia)  am  römifa)en  £ofe  t>a$  <Sprüa)wort: 
unguter  teljrtfl:  unb  ein  tüchtiger  ©otte£gele|>rter  ift ein fa)lea)ter 
55abjL  —  dagegen  Ijat  man  t>k  teuflifa;e  galfa)jjett  auf  bte 
j)öa)fte  Stufe  ber  GEJre  erhoben,  unb  wenn  man3emanb  ein 
au3geaeia)nete$  £ob  beilegen  will,  fo  fagt  man  il)mr  er  fep 
ein  fluger  Weltmann ,  ober,  bag  wir  e£  re$t  fagen,  an  taug* 
(ia)eS  SBerf^eug  beS  Satans,  ein  »erfajlagener  Wlann,  um 
5lnbere  $n  betrügen  unb  au  betrüben*  --  £)ie  @a)rtft  enthält 
barüber  merfwürbige  2lu3fprüa;e  unb  tlagen*  Sei  3efaia$ 
3>23*  fpredjen  bie  ©ottlofen:  „2Bir  fyahtn  bit  trügen  ju 
unferer  3nflud)t  unb  \>ic  £eua)elei  a«  unferem 
<5a)trm  gemacht."  —  SBenbet  man  W$  auf  unfere  3ätm 
an,  fo  Wirbel  feine  ootte pßeftättgung  fmben*  $at  3emanb  eine 
f djlimme  Saa>,  einen  ungerechten  £anbel,  will  er  feinen 
9läd?ften  ni$t  beaafrten  ober  tym  fonft  f$aben,  fo  nimmt  er 
ebenfalte  au  2%k  feine  3u$ua)t*  <£r  {mit  jia)  an  einen  gewanbten 
$e$tegele!jrtett;  welker  bie@aa)e  fo  a«  tottütn  unb  au  bre- 


1253 

£eu  unb  fo  fein  fKttcw^uatdjen  miß ,  t>a$  fein  ©egner  *>on 
bem  £anbel  je  efjer  je  lieber  lo^ufommen  wünfa)t,  unb2lüe£ 
barum  gäbe,  ^W  er  iijn  nur  nia)t  angefangen  £dtte*  — 
2$on  folgen  Anwälten  aber  fann  man  mit  ^ea)t  fagen,  m$ 
(£üa$  von  bemSljjafc  fagt:  baß  fie  serfauft  fe^en,  um 
U  e  b  e  l  £  3  u  t  j?  u  n  $  o  r  b  e  m  -9  e  r  r  n»  3jjre f a)lauen £dnbei 
$$  ein  berühmter  ^ea)t3lei?rer  felbft  fe£r  gut, — wgolbete  £ügen 
genannt ,  wela)e ,  tok  bie  Rillen  ber  Herzte  ben  %tio,  fo  ben 
IBeuiel  auffegen,  bag  Wlanfytx  barüber  um  fein  ganzes  SBer* 
mögen  fommt  (£benfo  flagt  ein  ®tr$enleljrer  nia;t  o|me@runb 
barüber ,  ba$  bk  unenblia)en  3^ea)t3ftreittgfeiten  unb  t>a$  lange 
$imu$%id)m  betfelben  tin  wahrer  6a)anbfled:  be$  G^riften* 
tfnmtg  fe^en,  wdjjrenb  bei  ben  Sfta^omebanern  $♦  $♦  alle  ©trei* 
tigfeiten  ojme  SBevjug  unb  in  gan$  f ur|er  3ctt  abgemalt  wer* 
ben.  —  £)ocf>ta)  fejjre  ^u  ben  klagen  aurücf ,  wela)e  bk  £eff. 
<Sa)rift  über  bie  33o3f>eit  unb  galfd$ett  ber  3ftenfä)en  füljrt* 
$Bei3eremta$ftm'$t©ott:  „50?  an  finbet  unter  deinem 
23olf@ottlofe,  wela)e  ben  beuten  fallen  pellen, 
fie  $u  fangen,  unb  tjjre  £>dufer  finb  »oll  £ütfe, 
bajer  werben  jte  gewaltig  unb  reia),  jte  ge$>en  mit  böfen  ©in* 
gen  um  unb  galten  lein  $*ea)t,  jte  förbern  ber  SBaifen  <5aa)e 
nid)t ,  noa)  Reifen  jte  bem  Ernten  au  feinem  fRttyt.  gerner 
i?eigte3inben$falmen:  „Bit  fagen  mit  ij>ren.3ungen 
eitel  £ügen  unb  feine  2Ba£rl?ett,  unb  ge£en  »on 
einerlBo^^eit  aur  anbern,  unb  aa)ten$Nd)  nifyt. 
(£in  Seber  Intte  fia)  $or  feinemgreunb  unb  traue 
aua)  feinem  trüber  nia)t;  benn  ein  trüber  uu* 
terbrüdet  ben  anbern,  unb  ein  greunb  $errdt£ 
benanberm  dintx  täu^ttbtn  Hnbern  unb  rebet 
fein  wahres  SB  ort.  ©ie  befleißen  fia)  barauf, 
wie  (Siner  ben^lnbern  betrüge,  unb  e$  tji  i^nen 
leib,  bag  fie  e3  nia)t  arger  maa)en  fönnen/  <£$ 
ijl  allenthalben  eitel  betrug  unter  tyntnunb 
tot  lauter  33mug  wollen  fie  Wliä)  nia)t  fennen, 
fpridjt  ber£err/'  — @benfo  fagt£>a*>ib  *>on  einigen  gott* 
lofen  ©tdbten ,  bag£aber  unb  gresel£ag  unbftaa)* 
auf  i$>ren  dauern  umgeben,  baf  9Mpe  un'b-  Sir* 
Seit  barin  fep  unbSug  unb&rug  nia)t  t>on  i£ren 
©äffen  raffe;  unb »on  ben  falfa)en beuten  fagt  er;  <£tne* 


1254 

tebet  mit  bem^lnbern  unnü§e2)inge,  fie  Jjeudjeln 
mit  t£ren  £ip£en  unb  reben  au$  uneinigem  (bop* 
!}jelfmnigen)£>er3ett.  ©ie  befletgen  fia)  betrügen  unb 
geben  gute  SSorte,  aber  im  £er$en  fluten  fie; 
fie  finb  fü£n  mit  iljren  böfen  2lnfa)lägen  unb  fa* 
gen,  wie  fie  ©triefe  legen  wollen  unb  fprea)en, 
wer  fann  fie  fejjen?  tu"  —  2)ocb,  wa^  fahren  wir  fort, 
alte  biefe  ©teilen  an$ufü£ren,  ba  äl?nltd)e  fta)  allenthalben 
ftnbem  2ötr  bemerfen  nur  noa),  bag  faft  überall,  wo  bie 
©a)rift  fola)e  klagen  über  bie  galfa)f)eit  ber  9ftenfa)en  füfjrt, 
aua)  eine  2>ro^ung  Jmt$ugefügt  ift.  —  ©o  I?eigt  e$  bei  3ere* 
mia$  wetter:  „©ollte  ia)  biefeS  nt$t  jjetmfua;en, 
fotlte  3*  $H$  nia)t  rächen  an  einem  SSolfe,  wie 
tiefet  t|t?  Unb  bei  £ofea  lefen  wir :  „(£S  ift  feine£reue, 
feine  %itbzt  fein  2Bort  ©otte$  im  £anbe,  fonbern 
©otte$läfterung,£üge,9ttorb,  2)iebfia£l  unb(££e* 
brua)  $>$4  überjjanb  genommen,  barum  wirb  ba$ 
£anb  jämmerlich  fielen  unb  allen  <£ut wo jmerit 

wirb  e£  übel  gelten." £)bgleia),  wie  wir  gefeljen 

jjaben,  bie  galfa)f>eit  ber  Sflenfeben  untereinanber  in  unfern 
Sagen  feljr  grog  iji ,  fo  ift  boct)  auf  ber  anbern  <&titt  fein 
betrug  allgemeiner,  al$  ber  6  elbft  betrug,  unb  bie  ©ott* 
lofen  beweifen  gegen  9ftemanb  mef>r  galfd$ett,  aU  gegen  fta) 
felbft*  3)enn  bei  ber  großen  &otyüt  ber  2J?enf$en  fmb  bo$ 
2IUe  »oll  ©td)erl?eit  unb  Unbugfertigfeit ,  einem  Seben  gefallt 
feine Sßeife  wofjl,  unb  wenn  fte  nur  ©elb  bringt,  fo  pat  er 
fonjl  feine  ©orge.  SSenn  gleia)  ba3  2Öort  ®otfe$  unb  ©eine 
Wiener  wiber  bie  galfd$eit  unb  £eua)elei  eifern,  fo  überrebet 
boa)  einen  Seben  fein  £er$,  bag  i£n  t>a$  nta)t  angebe*  £)a 
tji  feine  ©ewiffensfyrüfung ,  feine  Unterfua)ung  bes  &bm$  unb 
2Banbel$,  feine  gura)t  ®otte£,  feine  Sefferung  unb  ©inne^ 
emberung*  Snbeffen  t>erfyrict)t  man  fta)  felbji  ben  Fimmel  unb 
meint,  berfelbe  fönne  nia)t  fehlen,  ob  man  gleia)  seitlebenS 
naö)  ber  Jpölle  gerungen  unb  nie  ein  aufrichtige^  £eq  gegen 
©Ott  unb  ben  9*da)ften  gehabt  f)at.  —  £)  3efu,  2)u  treuer 
(£rlöfer,  bewahre  uns  ooa),  bag  wir  nia)t  aua;  »on  bem 
gottlofen  SOSefen  ber  2ßelt  fortgeriffen  werben ! 

SSo^lan,  meine  (Sljrtfien,  fo  fepb  nia)t  bamit  aufrieben, 
bag  #r  biefen  ^ßeria)t  unb  biefe  traurige  klagen   gehört  unb 


1255 

gelefen  ijabt,   fonbern  fe^b  um  fo  eifriger  uttb  fleißiger  in 
ber  Prüfung  euer  felbft*    2)ie  galfd^dt  j?at  ftd)  überall  au$* 
gebreitet,  »telleia)t  iji  aua)  euer  £er$  bereite  bason  etnge* 
nommen?  23iellei$t  ift  au$  eure  23u§e,  euer  ©laube,  eure 
2lnbaa)t ,  euer  @ekt  uub  euer  ©otteebienft  lauter  ^>euc^elet 
unb  wirb  im  ©eria)t  ©otte$  ntcfet  befielen?  $ielleta)t  jjabt 
t£r  nur  ben  ©a>in  ber  ©ottfeligfeit  unb  nia)t  bie  $raft? 
§8ielletd;t  fe^b  i£r  ber  unfruchtbare  geigenbaum,  ber  $war 
Blätter  (unb  2lnfef>en}  genug,  aber  feine  geigen  jjat.  — 
(Srpftall  unb  ®i$  J?aben  eine  grofe  2lejmlid)feit  miteinanber, 
unb  man  lann  oft  ba6  (£ine  »on  bem  5lnbern  laum  unter* 
fa)eiben;  allein  wenn  hu  «Sonne  unb  bat  geuer  bapfornrnt, 
fo  fa)milat  ba$  <£t$,  ber  (Sr^ftall  .aber  bleibt,    @benfo  ift  e$ 
mit  bem  wahren  unb  falfdjen  (Sjmftentlmm ,  mit   ber  ©Ott* 
feltgfeit  unb  @a)em£eiltgfeit    3n  biefer  Söelt  unb  »or  ben 
klugen  ber  9ttenfa)en  Ijaben  fie  groge  2leljnlid)fett  unb  fönnen 
oft  faum  »on  etnanber  unterfa)ieben  werben;  aber  »or@otte$ 
©eriajt  wirb  e$  offenbar,  wer  ein  rea)tfa)ajfener  (Sjjrtffc  gewefett 
Obermaat?— 9ftand)e  benfen  j[e|t  nia)t  baran,  ba§  il)r  ©otteS* 
bienft,  ja  tpr  gan^eä  (Sprijtentfwm  #eucf)elei  fep  unb  (äffen  jta) 
»on  feinem  ^rebiger,  wie  nadjbrücflia)  er  fte  aua;  baju  »er* 
anlagt,    £ur  Prüfung  unb   ©inne^änberung  bewegen*    <5ie 
galten  fta)  für  gute  Triften  unb  meinen,  feiig  ju  werben,  mit 
jte  tjmn,  was  anbere  Q^riften  aufy  tjmn,  mit  !fte  in  bit 
$ira)e  unb  £um  21benbmajjl  gef>en,  fingen,  beten  u*  bergf. 
2lllein  fte  mögen  bebenfen ,  wa3  unfer  lieber  £eilanb  ^ur  42Bar* 
nung  barüber  gefagt  |>at ,  mt  auffallenb  e£  SDtandjen  »orfommen 
Werbe,  wenn@ie  am  jiüngpen^age  $>on6emem9?eia)  au£gefa)loffett 
werben  follen.     @$  werben  ^iele,  |>ria)t@:r,  an  j[enem 
£age  %uWlix  fagen:  i^aben  wir  nta)t  in  2)eittem9ta* 
mtn  geweiffagt?  £aben  wir  nia)t  in  deinem  -ifta* 
men  Teufel  aufgetrieben  jc*?  £)ann  werbe  3a) 
tpnen  befennen:  3a)  fjabe  eua;  noa)  nie  erfannt, 
xotifytt  2Ule  ü>on  mir,  tjr  Uebelt^äter!"  Sin  einer 
anbern   ©teile  fagt  (£r:  Sßiele  werben,  wenn  bte  ££üre  »er* 
fa)lojfen  fe^,  br außen  fte$>en,  anflogen  unb  fagen:  „£err, 
£err,  tpue  unö  auf;  unk  (£r   werbe   t£nen  ant* 
Worten,  3$  fenne  eua)  nio)t,  wo  t£r  £er  fe^b* 
2)ann  werbet  if>r,  fügt(£r  Ijinau,  anfangen  $u  fagen: 


1256 

2ötr  paben  vor  £)tr  ^eg ef fett  unb  getrunfen  unb 
auf  ben  ©äffen  paft  £>u  uns  gelehrt,  unb  @r  wirb 
antworten:  3$  fage  eucp,  (unb  bleibe  babei)  3$  fenne 
euer  nicpt,  wo  ipr  ^ er  fe#b,  wetcpet  2ille  von 
Stttr,  ipr  Ue  beitrat  er  !"  Gfrbenfo  werben  SStete  unter  uns 
an  jenem  großen  gage  fagen :  £err ,  wir  ft'nb  ja  $u  deinem 
peiligen  £ifcp  gegangen  unb  paben  deinen  petttgen  %äb  unb 
231ut  genoffen ,  £)u  paft  uns  in  $ircpen  unb  @cpulen  geleprt, 
warum  follen  wir  baS  nicpt  gu  geniegen  paben  ?  ©öden  wir 
vorn  Fimmel  auSgefcploffen  fe^n,  ben  wir  uns  fo  feft  etnge* 
btlbet  paben :c.  ?  —  $ber  acp!  icp  fürdjte,  es  wirb  aucp  feigen: 
3<P  pabe  eucp  nie  erfannt,  weicpet  von  30?ir,  ipr  Uebeltpäter ! 
£)  xck  fcprecflicp  wirb  aucp  ipnen  atSbann  btefeö  unverhoffte 
Urteil  fep!  Sie  fepr  werben  fte  erfcprecfen,.  wenn  fte  inne 
werben ,  bag  fte  beS  rechten  28egS  verfemt  paben  unb  ftcp  vor 
ben  offenen  £poren  ber  Spotte  bejtnben!  —  3$  mug  geftepen, 
baß  mir,  inbem  icp  biefes  fepreibe,  *>ie  £aut  fepaubert,  unb 
mtin  £er^  im  ^etbe  ftcp  ängftigt ,  weil  icp  ben  grogen  Gfrnft 
unfereS  GürtöferS  in  i>m  angeführten  SBorten  füple  unb  leiber 
bei  unö  nt(§t^  als  SMtfmn,  Sftacptägigfeit  unb  ©ieperpeit 
ftnbe*  2lcp,  wir  forgen  für  mcptS  weniger,  als  für  unfere  ©e* 
iigfett!  —  2öir  paben  gebort,  baß  wir  aus  lauter  ©nabe 
burcp  baS  tpeure  $erbienft  3efu  @prifti,  im  ©tauben  ergriffen, 
gereept  unb  feiig  werben*  2)abei  aber  laffen  wir  es  bewenben 
unb  forden  nicpt  weiter,  wetepe  ^er^en  ben  wahren  ©lauben 
paben  unb  beS  231uteS  Sefu  Gtprifti  fdpig  fepen  ?  28tr  fragen 
nitpt  lange ,  welcpeS  bie  eigentlichen  ^emt^eiepen  beS  ©laubenS 
fe^en,  nnb  wie  ftd?  berfelbe  im  täglichen  ftampf  mit  bem 
©atan ,  ber  SQSelt  unb  unferem  fünblicpen  gleifcp  bezeuge  ?  — 
2)er  £etlanb  fagt:  „£put  IBuge  unb  glaubet  an  baS 
<£vangeliunn"  2Bir  aber  überhören  baS  (£rfte,  als  ginge 
sS  uns  ntcptS  an,  unb  baS  #nbere  benügen  wir  mit  einem 
ftepern,  unbugfertigen  £etaen*  2Bir  magen  uns  bie  3ttacpt 
an,  aus  ber  Drbnung  ©otteS  Einiges  gu  erwarten,  was  uns 
3ufagt,  baS  5lnbere  aber "  px  verwerfen*  —  -28er  alfo  um  feine 
©eltgfeit  ernftlia)  bemüht  i%  ber  wirb  mir  pierin  beifttmmen, 
bag  eine  genaue  Prüfung  unfereS  ^priftentpumS  pöcpft  nötpig 
fety,  unb  wirb  biefelbe  aua>  niept  länger  auffepieben*  ^)amit 
{eboep  biefelbe  bejiö  ergiebiger  fep  unt>  ben  ©runb  unferes  im* 


1257 

befMnbigen  #er$en$  Berühren  möge ,  wollen  wir  noa;  (Einiget 
anführen ,  woran  man  bie  2lufrid)tigfeit  ty$  $vc$v0  ttor  ©Ott 
wie  bie  #eutt)elei  erfennen  unt>  »on  einander  unterfdjeiben 
fann*  —  Unftreitig  £at  bie  £eucbelet  fe£r  siel  mit  ber  wahren 
©ottfeligfeü  gemein,  unb  ein  ©$etna)rift  bringt  e$  bisweilen 
in  einigen  fingen,  bie  ^um  @I?riftent{wm  gehören,  fo  mit, 
bag  (£r  felbft  unb  Rubere  feinen  2lugenblicf  baran  zweifeln, 
bag  fta)  ein  re$tfd)affene3  Söefen  in  (££rifto  bei  ifjm  ftnbe* 
(Ex  fann  $♦  $8+  ben  SBeg  ber  2öal?rf>eit  unb  ($erett)ttgfeit  er* 
fannt  l)aben  unb  fta)  öffentlich  pr  $irtt)e  ©otteg  benennen, 
toie  6tmon,  ber  3^uberer  unb  »tele  Sl.nbcre»  @benfo  fann 
eß  g?fa)el?en,  bag  er  @otte£  SSort  mit  befonberer  2lnbaa)t 
anhört,  bag  er  baoon  in  feinem  Snnern  gerührt,  getroftet, 
erfreut,  ~betxüU,  ober  erfä)recft  wirb*  £)al?er  fagt  unfer  dx* 
Idfer  *>on  Einigen,  bagfte  ba3  Söort  mit  greuben  auf* 
nehmen,  boa)  nur  e  ine  3 ei t  lang  glauben  unb  ^ut 
3eit  ber  3lnfea)tung  abfallen.—  ©o  legte  aua)  ber 
$omg  2lfmb  einen  <5act  an,  faftete  unb  betete,  alä  #m  ber 
$ropJet  (£lia$  bie  ©trafen  ©otteg  anfünbigte,  unb  ber  romifa)e 
Sanbpfleger  gelir  erfajrad  fef>r  barüber,  aU  er  ben  2tyojM 
$au(u£  *>on  ber  ©erea)tigfeit ,  $on  ber  $eufcf$eit  unb  bem 
gufünftigen  ®eria)t  reben  j?örte*  Slber  fte  waren  unb  blieben 
£eu$ler*  —  gerner  lann  ber  (Scheinheilige  bapin  gebracht 
werben,  bag  er  geftejjen  mug,  fein  $ex%  fe^  *>on  ber  2öa£r* 
Jett  überzeugt  unb  er  wolle  berfelben  folgen,  xt>ie  $on  bem 
$öntg  Igrippa  eqä^lt  wirb,  ba$  er  auf  bie  Siebe  $auli  ty& 
gefagt  fyahet  e$  fef)Ie  niä)t  öiel,  fo  Überrebe  ifm  ber  2lpofteI, 
bag  er  ein  (£I)nft  werbe*  din  @a)riftgele^rter  fpraä)  ^u  3efu : 
„heißer,  i$  will  £)ir  folgen,  wo  3)u  Jj  tnßejjjh" 
(£in  Ruberer  fpraa)  ju 3£m :  „©uter  $?eifter,  tx>a$  mug 
io)  t£un,  bag  ta)  bag  ewige  lieben  jjaben  möge?" 
211$  tfjm  aber  ber  £err  befahl,  er  folte  Me$  serlaffen  unb 
3Jmt  folgen,  Ijatte  er  feinen  SMcf^um  lieber  unb  ging  ba* 
$om-— SBeiter  ^atmanSBeifpiele,  bag  £eua)ler  ©otte£  2Bort  unb 
©eine  Wiener  mit  vielem  Vergnügen  gehört,  biefen  in  »ielen  £)in* 
gen  ge|>ora)t  unb  fla)  eineg  ehrbaren  28anbelg  bejfrffen  I?aben„  — 
£>a£er  fpria)t  ber  #err  von  ben  3uj?örern  be£  93ropljeten 
^ea)iel:  „(Einer  f»ria)t  ^u  bem  Slnbern,  fommei 
unb  (äffet  une  Jören,  wa^  ber  ^err  fagt,  unb 


1258 

fte  werben  31t  bir  fommen  in  bit  Söerfammlung 
unb  x>or  btr  ft£en,  aH  3ttein  SS of f ,  unb  werben 
bcine  2öorte  £ören,  aber  nia)t  barnaa)  t|>un,  fie 
werben  btr  Beifall  zurufen  (wie  bie  3u£orer  tn  ber 
erften  a)rifttiä)en  $ira)e  $u  tfmn  Regten)  unbgleta)wo£l 
fortleben  naa)  t£rem@et$*"  8fof gleiche  Söetfe  wirb  *>on 
ben  ^anbsteuten  be£  £errn  3efu  gefagt ,  bag  fte  fta)  über  bie  Jjotb* 
feiigen  2Borte  tterwunbert  l?aben  ,  bie  ait$  <&änzm  Wlmbt  gingen ; 
unb  boa)  wollten  fte  3!m  gleich  Darauf  oon  ber  £öi?e  be£  33er* 
ge3  Jrinabftüräen ,  auf  wela)etn  t'jjre  <StaU  .lag*  —  SSon  bem 
£erobe$  lefen  wir  ebenfalls,  baßer  3oDamte3,  ben  Käufer 
gerne  g^ört,  i$jn,  weil  er  ein  frommer  unb  ^eiliger  Tlann 
war ,  gefüra)tet  unb  ipm  in  fielen  fingen  ge£ora)t  f>abe ;  — 
bennoa)  lieg  er  tjm  fpdter  enthaupten*  —  2lua)  ftnbet  man 
£eua)ler,  bie  fta)  bem  ®ehct  frommer  3Wenfd)en  empfehlen, 
i^re  ©ünben  ernennen  unb  um  ^erseijmng  Uttmf  wie  £*  33* 
$j>arao,  weldjer  au  SDfofetf  unb  Slaron  fagte:  „3$  £abe 
mia)  serfünbigt  an  bem  £errn,  eurem  @ott  unb 
an  eua),  vergebet  mir  meine©ünbe  biegmal  unb 
fctttet  ben  £>errn,  euern  ©ott  für  mia)*"  (Simon, 
ber  3<iuberer,  fpraa)  $u  $etru3  unb  Statutes:  33tttet  boa) 
ben  £errn  für  mia),  bag  bereu  feinet  über  mia)  fomme,  ba* 
son  ij?r  gefagt  |>abt*  —  (£nblia)  fann  e£  gefajepen,  baß  bk 
#eua)ler  ^iemlia)  *nel  auf  ben  ©otte^bienp  unb  t>k  Firmen  wx* 
wenben,  wie  ©Ott  felbß:  au  ©einem  $olfe,  ba$  boa)  in  gro* 
ger  £euä)elet  lebte,  fpria)t:  „£)eine£  £>pfer£  falber 
ftrafe  3$  bia)  niä)t,  finb  boa)  beine  33ranbopfer 
fonft  immer  t>or  Sfltr*"  Unb  an  einer  anbern  ©teile: 
2Ba$  foll  SOlt r  bie  ^enge  eurer  Opfer?  3a)  bin 
fatt  ber  33ranbopfer  *>on$3ibbern  unb  beögetteS 
$on  gemäjleten  gfHeren  unb  fyabc  feine  l*uft  an 
bem  331  ut  ber  garren,  ber  Lämmer  unb  33otfe." 
SBon  ben  $£arifäern  namentlia)  iß:  befannt,  bag  fte  reia)lta) 
Sllmofen  gaben,  bag  fte  biefelben  in  ben  ©a)ulen  unb  auf  t>m 
©tragen  auötjjeilten  unb  bie  Firmen  mit  einer  $ofaune  ba^u 
tterfammeln  liegen*  ©ie  waren  aber  bemo{mgeaa)tet  bie  grog* 
ten  £eua)ter ,  x>on  wela)en  ber  £>err  fagte ;  fte  f>aben  i£ren 
£o£n  bajmu 

£>emnaa)  bürfen  wir  wolrt  auf  unferer  £ut  fe^n  unb  es 


1259 

mit  ber  Prüfung  unfereö  Elmftentfmmä  xäfy  fo  leicht  nepmen; 
wir  bürfen  im3  nid)t  bamit  begnügen,  wenn  wir  etwa^  2lejm* 
Iia)e3  kt  un£  ftnben  ,  noa)  t>iet  weniger  un3  begwegen  ber 
©eligfeit  *>erfta)ert  galten*  £>enn  wir  paben  fo  eben  sernom* 
men,  bag  auö)  bte  £eua)ter  pi$  gum  ^vip^en  tarnen  unb 
regten  ©otte^btenft  befennen,  t>on  fta)  felbft  unb  son  Slnbern 
für  gläubig  gehalten  werben,  bag  fte  ft#  in  ber  $tra)e  unb 
in  anbern  d)riftlia)en  SBerfammlungen  einfmben,  bag  ifjre  £er* 
gen  manchmal  bura)  ba£  2Sort  überzeugt,  gerührt  unb  bewegt 
werben,  bag  fte  äugerlia)  einen  ehrbaren  2öanbe(  führen,  fa* 
ften,  beten,  Stfmofen  geben,  fta)  x>cv  groben  ©ünben  Ritten  unb 
bergL  SIKein  bieg  ift  ba3  wa£re  @I)riftottl?um  noa)  lange 
nia)t,  unb  bamit  ift  bei  Sßeitem  noa)  nia)t  Sitten  getrau*  ©e* 
wig,  e$  fmb  ^>tele  gaufenbe  in  ber  $büt  unb  rufen  ewig  2la) 
unb  SSel)  über  ii?re  arme  Seelen,  oic  biefe3  2ltte£  unb  *>ietteia)t 
noa;  mejr  getrau  fjaben.  £)arum,  meine  Gtjmjien,  ift  e$  $>öa)jt 
nötfng,  bag  wir  noa;  oxt  eigentlichen  $enngeia)en 
angeben,  wobura)  man  bie£eua)elei  *>on  ber  waj^ 
ren  gromnugfeit  unterfa)eiben  fann* 

a)  (Ein  waj?rer(££rift  ift  vor  anen£)tngen  um 
fein  £erg  unb  bie  Erneuerung  beffelben  befüm* 
mert*  ©eine  meifle  ©orge  ift  auf  ba$  3nnere  gerietet,  ob 
er  fta)  gleia)  aua)  befleigt,  äugerlia),  t>or  ben  beuten,  fromm 
unb  *>orfia)tig  gn  wanbelm  Er  wünfa)t  mä)t£  me£r,  aU  fei* 
nem  ©ott,  ber  £ergen  unb  Vieren  prüft,  mit  aufrichtiger  ©ee(e, 
x>on  gangem  bergen  unb  au$  aflen  Gräften  gu  bienen*— 2)er 
^>eua)ter  bagegen  ftefit  nur  auf  ba£  5teugere  unb  fyat  fei* 
ne$  innern  3uftanbe3  wegen  wenig  ©orge,  vok  wir  an  jenem 
$j?arifäer  fel?en,  ben  un$  3efu£  ttorfiettte  unb  ber  fta)  nur  in 
feinem  äugeren  SSanbel  betrachtete ,  aber  auf  bie  £tfinbpett 
feinet  £ergeng,  auf  feine  £off art,  ©ia)erl)eit  unb  bergL  ma)t 
2Ia)t  Jjatte*  2)er  wajjre  ©iaube  heiligt  ben  E&rijlen  bura) 
unb  bura);  ok  Qmfytki  bagegen  ift  mit  bem  ©a)ein  gufrie* 
ben  unb  gleicht  einem  23tfbe,  ba$  von  £olg  ober  einem  anbern 
©toff  otxtittt  unb  übergolbet  iji.  — 

b)  ©er  waljre  Eljrift  £at  ferner  ben  feftett 
unb  beftänbtgen  23orfag,  nie  wiber  ©Ott,  wtber 
feinen  £aufbunb  unb  wiber  fein  ©ewtffen  gu 
panbein*  Er  erneuert  benfelben  täglta)  unb  ift  feft  entfa)lof* 


1268 

fett,  fta)  attentf>atben  unb  alleaeit  al$  einen  Wiener  ©otte$  unb 
9taa)folger  3efu  (grifft  a«  beugen ,  e$  fe?  ber  SBett  lieb 
ober  leib,  es  bringe Jfjm  ©unft  ober  Verbrug ,  9htgen  ober 
©a)aben,  <&)xt  ober  ©a)anbe*  Unb  ob  er  awar  wol)l  weig, 
tag  er  noa)  im  gleite  lebt  unb  aifo  ben  Verfügungen  be£ 
©atanS  unb  ber  Söelt  unterworfen  ifi,  fo  litttt  er  feinen  ©Ott 
boa)  täglia) ,  bag  (£r  ixt  £anb  nia)t  $on  tfjm  afyitym  unb ; 
toenn  eine  2lnfea)tung  fommt,  biefelbe  aifo  mägtgen  wolle,  bag 
er  boa)  enbXtc^>  gewinne  unb  ben  @teg  behalte*  3pm  wäre 
nia)t£  unerträglicher  unb  fa)retflia)er,  aU  wenn  er  in  wiffent* 
Iia)e  unb  $orfä$lia)e  ©ünben  geraten  foHte.  2)a£er  Uta 
er  täglia)  bagegen  mit  me^r  (Eifer ,  als  wiber  alles  Slnbere, 
wa$  ij?m  naa)  ©otteS  28illen  begegnen  mag*  (Er  5at  feine 
greube  meljr  an  ber  ©ünbe  unb  behält  fta)  feine  $or,  wenn 
er  berfelben  aua)  noa)  fo  fe£v  gewohnt  wäre,  ober  wenn  fte 
tym  tk  Neigung  feto  gleifa)eS  aua)  noa)  fo  poa)  angreifen 
würbe,  fonbern  er  will  Mt$,  ojme  2lu3nafmte,  unter  ben  ©e* 
$orfam  @l)rt(H  unb  unter  fein  fanfteS  3oa)  beugen*  —  2) er 
£eua)ler  bagegen  i)at  einen  faltjtnnigen  unb  unbepänbigen 
*3orfa§  unb  binbet  fta)  ma)t  fo  gerabe  an  bie  ©ebote  .feinet 
©otteS,  bag  er  nia)t  aufteilen  ber  2Belt  uub  feinem  gfeifa) 
gulieb  ttm$  tnitmaajen  follte*  (Er  meint,  baS  bürfe  man  nia)t 
fo  genau  nehmen  unb  eS  $aht  aua)  niä)t  fo  siel  au  bebeuten; 
er  rennet  bie  *>orfäglta)ett  ©ünben  unter  bte  menfa)tia)en 
@a)wad$eiten  unb  {muft  unter  biefem  Vorwanb  ©ünbe  auf 
&ixnbt.  2BCH  er  feiner  ©ewojmpeit  naa)  sum  Ijeil*  Slbenbmalji 
ge|>en,  fo  nimmt  er  fta;  hk  2Boa)e  über  etwas  in  2ta)t,  IteSt 
einige  ®ibetc  meljr,  fingt  einige  23uglteber  unb  %k$t  ftd^  x>on 
ber  ©efellfa)aft  aurüa\  (Er  maa)t  fta)  fogar  ein  ©ewijfen  bar* 
über,  wenn  er  fta)  an  bem  £age,  an  wela)em  er  baS  Jeil. 
2lbenbma£l  geniegt,  betrinfen  ober  in  eine  ©efellfa)aft  gej)en 
würbe;  naa)£er  aber  fyat  es  nia)ts  mejjr  au  bebeuten,  ba  maa)t 
er  eS  wieber,  wie  oorijer,  unb  glaubt  niä)t,  bag  er  auf  irgenb 
eine  Seife  ber  33efferung  bebürfe* 

c)  SSeiter  ift  ber  wa£re  Qfyxift  begierig  naa) 
ber  lautern  9JHla)  beS  SBorteS  ©otteS*  (ix  fe£nt 
fta)  *>on  einer  3«t  pr  anbern,  baffelbe  au  £oren  unb  fta)  bar  * 
aus  au  erbauen*  (Er  berettet  fta)  aur  Sln^örung  ber  $rebig* 
ten  mit  einem  anbäfyti&m,  fyazlifyn  ($tiet,  utti  bittet  ©ott 


1261 

um  bte  ©nabe,  Sein  2Bort  mit  -iftugen  ^u  £ören*  dt  bringt 
ein  leeret  £>era  mit  ^ur  $ira)e ;  lagt  feine  f>äu3lia)en  Sorgen  unt> 
anbere  irbifa)e  ©ebanfen,  fo  otel  möglia)  surücf,  fagt  jtä)  am 
£age  be$  £errn  t>on  allen  irbifa)en  ©efa)äften  lo$,  um  ben 
f>immltfa)ett  befto  beffer  abwarten  ^u  tonnen*  G£r  ig:  bei  bem 
©otte^bienft  ehrerbietig,  füll  unb  anbäa)tig,  weit  er  fteig,  bag 
er  oor  ©Ott  ffce£t,  unb  fta)  mit  bem  befa)äftigen  fotf,  roa$ 
bag  £eil  feiner  Seele  unb  feine  Seligfett  betrifft*  3?ad^  2ln* 
Körting  be$  göttlichen  Sorten  beult  er  ernjHta)  barüber  naä), 
fa)ärft  fta;  bie  ©ebote  be£  #erw  ein,  prüft  fta)  felbß,  ob  fein 
SBanbel  unb  fein  ©laube  auä)  mit  bem  ©ehrten  übereinftimme, 
unb  tt>ünfa)t  nia)t3  meljr,  als  bag  er  ba3  2Bort  ©otte$  in 
einem  feinen,  guten  ^er^en  bewahren  unb  auf  fein  Seben  über* 
tragen  möge*  —  £)er  £>eua)ler  bagegen  jjat  feinen  befon* 
btxn  junger  naa)  ©otteS  Bort.  (£r  fleibet  fta)  feiner  ©e* 
vooj?n£ett  naä)  am  Sonntag  fmbfä)  an  unb  bringt  bie  grub«» 
(toben  mit  feinem  $5u§  p,  ober  ge^t  in  bie  Sä)enfe ,  trinfi, 
fa)er^t  unb  laa)t*  $ommt  enblia)  bie  Stunbe,  fo  gefit  er  in 
bk  $irä)e,  bort  bafelbjt  bem  ^rebiger  ^u,  toenn  i!?n  nid)t  eilt 
fanfter  Sä)laf  amvanbeli,  ien  er  nta)t  oerfäumen  mag*  33ig* 
weilen  fa)weifen  feine  klugen  aua)  umljer  unb  feigen  naä)  ber 
<£itelfeit,  er  benft  aua)  feinen  2$olTü#en  unb  feinem  ©ei$e 
naa)  unb  eS  tf*  M  t*>m  feine  befonbere  (Ehrerbietung  unb 
2lnbaä)t,  bisweilen  rebet  er  mit  feinem  9ka)bar  aua)  in  ber 
^ira)e  oon  seitlichen  fingen,  wie  in  ber  Sa)enfe*  3ji  ber 
©otteSbienft  vorüber,  fo  eilt  er  naa)  £aufe*  ©ept  er  aber 
3um  f>etl*  IbenSmafrt,  fo  ftel?t  er  ber  2lu3t£eilung  be£  £etl, 
&M  unb  33lut3  (grifft  mit  feinem  befonbern  91aa)benfen  %u, 
geniegt  e$  niä)t  im  ©lauben,  banft  feinem  ßrrlöfer  nia)t  für 
(Sein  Seiben  unb  Sterben ,  unb  büet  niä)t  für  feine  WttyvU 
ften,  bk  mit  ii)m  jum  J>eil*  2lbenbmaj?l  gepen,  weil  er  baffelbe 
für  eine  geringe  Saä)e  jjäft,  bie  er  unb  Slnbere  gar  wofrt  oer* 
rid)ten  fönnen*  @r  benft  bem  ©ehrten  nia)t  naa),  fonbern 
glaubt,  erlabe  feinem  @£riftent{mm  ©enüge  geleitet,  mit 
er  in  ber  ^ira)e  gewefen  fep,  unb  ig  nur  barauf  bebaa)t,  roie 
er  naa)  bem  ^clttagejfen  bie  übrige  ßeit  beS  peil*  £ageg  in 
allerlei  Sugbarfeit  Einbringen  möge* 

d)  £)er  wa£re   G£rifi  wetg  wo?)l/  t>ag  baö 
apriftentpum  unb  ber  ©laabe  ein  befianbiger 


1262 

$ampf  unb  ©trett  fe?,  unb  bag  man  feinem  @rlöfer 
mit  SBerfcJjmäJmng  ber  SQSelt,  mit  SBerldugnung  feinet  felbft 
unb  mit  wittiger  Siufneljmung  feinet  $reu$e£  täglich  mtyoh 
gen  muffe,  £)arum  lagt  er  ftd)  feine  3D?iu)e  tterbrtegen,  faftet, 
Mtt,  ringt  unb  fdmpft  tdgli$,  er  lagt  feine  23equemli$feit 
gerne  fahren  unb  übernimmt  allerlei  23efcf)Werben ,  um  ©Ott 
unb  feinem  -Wachen  p  bienen  unb  baö  28erf  ber  ©eligfeit 
au  treiben.—  £)er£eu$ler  aber  ifl  ein  geinb  be$  $reu* 
ge$  (grifft,  er  n>etg  ttid&t,  waSeg  jjetge,  bte  SBelt  ju^erfc^md^en, 
ft$  felbft  au  serldugnen  unb  ba$  $reu$  @£rtftt  auf  ftcfj  zu 
nefjmen.  @?r  weig  x>on  feiner  53eadJ>mung  feinet  MU$,  unb 
e$  fdme  ifjm  ungelegen ,  wenn  er  feinen  ©$laf  brechen  unb 
einige  ©tunben  ber  SRactyt  auf  ba£  ®ebet  unb  anbere  Uebun* 
gen  ber  ©ottfeligfeit  tferwenben,  gef$weige  benn,  bag  er  we* 
gen  beS  @jmftentfmmg  einige  SBtberwdrtigfeit ,  Unrujje  unb 
£rübfal  erbulben  fottte.  (£r  Witt  mit  23equemli$feit,  o|nte  203a* 
d)en,  gaften,  33eten,  fingen  unb  dampfen  in  ben  £imme]f 
fommen,  e$  fott  ijwt  nicfjt  fauer  werben,  unb  er  mag  ni$t  ein* 
mal  ttiel  barüber  naa)benfen ,  warum  unfer  £eilanb  gefagt 
|?at:  „finget  barnac^,  bag  ipr  eingebet  burcty  bie 
enge  Pforte;"  unb  ?Jaulu$:  „©Raffet,  bag  t£r  fe* 
Hg  werbet  mit  gurtet  unb  3ittern;"  ober:  „2)u 
©otte33ftenf$,  jage  nad)  ber  ©ere$tigfett,  ber 
©ottfeligfeit,  bem  ©tauben,  ber  Zitht,  ber  ©e* 
bulb  unb  Sanftmut!?*  Kampfe  ben  guten  ^amipf 
be3©lauben$  unb  ergreifet>a£  ewigeSeben,  ba^u 
bu  au$  berufen  bift." 

e)  (Ein  wahrer  ߣ rift  iß  bemütjMg  unb  gering 
in  feinen  klugen,  dv  glaub*  tttc^t,  bag  er  t$  einem  2ln* 
bern  guwrt^ue,  unb  er  ftejjt  all  fein  £{mn  gletdrfam  bur$ 
ein  uingefe£rte£  gernglaS  an,  btö  atte  ©egenjMnbe  verfeinert, 
©e^t  er  mit  Slnbern  sum  £ett.  2ibenbma|>l ,  fo  glaubt  er  feß, 
bag  9tiemanb  unwürbiger  fep,  al$  er.  @r  lagt  e$  ft$  gefall 
len,  wenn  Slnbere  i£n  veralten,  weil  er  M  ft$  felbft  verjtdjert 
ift,  bag  er  ni$t  blo$  biefe£,  fonbern  fogar  bie  SSerfiogung 
von  ®otte$  2lngejt$t  wojjl  »erbient  $<xttt,  wenn  ber  £err 
nadj  ©einer  ©erec&tigfeit  mit  $m  verfahren  wollte.  (£r  lägt 
ftd>  aua)  gerne  [trafen  unb  erinnern ,  wenn  er  irgenbwo  ge* 
fejjft  W,  unb  berjenige,  welker  ijjn  brüberlta;  ftraft,  ij*  ipm 


1263 

lieber,  aU  ber,  welker  tfjm  fd)meiä)elt.  Gurr  Wiht  gerne  im 
mebrigen  ©tanbe,  unb  ljält  fta)  ber  (£f)re  für  unwürbig ;  wenn 
er  aber  wiber  Vermuten  f>en>orgefua)t  unb  son  frommen 
$totfa)en  geeljrt,  gettebt  unb  wertlj  gehalten  wirb,  fo  benft 
er  bei  fta):  31$,  tl?r  lieben  ?D?tta)rtften,  tyx  f  erntet  mia)  niä)t, 
iljr  fachet  in  unb  an  mir  meljr,  att  in  unb  an  mir  tft!  <£r 
leimt  aua)  ade  (££renbeaeugungen  fo  »iel  möglia)  ab  unb  legt 
fte  mit  Willem,  m$  er  tft  unb  j?at,  3efit,  bem  (Mreuaigten, 
täglia)  a«  5ö§cn*  —  ©er  £euo)ler  bagegen  tft  soll  @in* 
bilbung  von  fta)  felbft,  er  tf*  f?oc$mtütjng ,  f>ält  tn'el  »on  fta) 
unb  wenig  $on  Stnbew*  <£$  gefällt  tpm  nia)t,  wenn  er  erin* 
nert  unb  geffraft  wirb;  er  will  nta)t  geirrt  jjaben  unb  meint, 
e$  fep  eine  33efä)im!pfuttg,  wenn  man  tl?m  feine  ftejjler  t>or Swtt«. 
@r  trautet  naä)  Ijoljen  fingen  unb  glaubt,  er  fep  »or  Sielen 
ober  allen  5lnbern  au  ben  wiä)ttgfien  Verrichtungen  tüo)ttg,. 
(£r  ifi  gleia)fam  in  fta)  felbft  verliebt  unb  ergoßt  fta)  an  fet^ 
nen  eigenen  ©aben.  (£$  »erbriegt  tyn,  wenn  Slnbere  nid)t 
fo  stel  $on  t^m  {»alten  wollen,  aU  er  x>on  fta)  felbft  fjalt,  er 
wunbert  fta),  wenn  bie  @l?re  lange  auöbteibt,  unb  wenn  fte 
ifmt  au  £J>eil  wirb,  meint  er,  er  pabt  längft  noo)  mepr  x>tx* 
Utnt 

f)©er  waljreGtlmft  £at  ferner  fo  x>itt  mit  fia) 
felbft  unb  mit  feinem  wtberfpenfh'gen  £eraen  au 
tjitn,  la$  er  weber  3ctt  noo)  £ujt  fyat,  Slnbere 
au  richten,  wenn  er  e3  nio)t2lmt£=  unb©ewiff  en&< 
falber  t^un  mu£.  —  ©er  £eua)ler  aber  ttergtfjt  fta) 
felbft ,  unb  befümmert  fta)  opne  Urfaa)e  unb  33eruf  um  2in* 
bere,  er  wüfy  an  jenen  siel,'  an  fta)  felbft  aber  nia)t3  au 
tabeln.  ©enn  er  meint ,  wenn  alle  9tafa)en  fo  wären,  mc 
er,  fo  gäbe  e3  lauter  ^eilige  in  ber  Sßelt. 

g)  ©er  wal)re  Gtljrtfi:  tft  freunblia)  unb  gefM 
gerne  mit  Firmen  unb  Elenben  um»  (£r  *>eraa)tet 
bie  Einfältigen  nta)t  unb  aua)  geringe  Seute  ftnb  i|nn  lieb  unb 
wert)?,  wenn  er  nur.@lauben  unb  %kbt  bti  ipnen  ftnbet.  dv 
ftejjt  nia)t  auf  t£re  tleibung ,  Vermögen ,  ®tfa)idliü)fät,  fon= 
bem  auf  t^re  ©ottfeligfeth— ©er  £eua)ler  aber  £ält  fta) 
für  au  £oa),  als  bag  er  mit  armen  9ttenfa)en  umgeben  follte, 
aua)  wenn  fte  2lnijänger  be6  £erm  3efu  ftnb»  Söenn  er  ^m 
©ürftigen  ein  $lmofen  reia)en  läffet ,  fo  gefa)iel?t  es  mit  33er* 


1264 

adjtung ;  er  felbß  mag  ni$t  siel  mit  ben  Bettlern  reben  unb 
e$  wäre  tl?m  Uib ,  wenn  fte  ifmt  fcte  £änbe  berühren  fottten. 
<£r  beben!*  nt$t ,  baß  @ott  feine  Itebßen  ^tnber  in  (£tenb, 
SBeracbtung  u*  f.  w.  $u  serfkcfen  pflegt ,  gerabe  wie  bie^auf* 
Unit  i£re  foftbaren  SBaaren  in  hatten  unb  anbete  Umfrage 
einladen. 

K)  Der  waj>re  Gt^riß:  lebt  in  täglicher  *Bug e, 
£rüft  ft$  täglicf)  unb  forfc^t  feinem  SSanbel  na$*  (ix  erfennt 
feine  gejtfer  mit  j>ersli$er  3?eue,  ergreift  täglich  baö  $reua, 
feinet  (£rlöfer£  unb  hittü  um  bie  23efprengung  feinet  ^eiligen 
$8lvit$.  dx  erneuert  feinen  guten  $orfa§  immerbar  unb  päXt 
nicfjtbafür,  bag  er  e£  fd^on  ergriffen  jjabe,  ober  baß  er  fdjon 
soottfommen  fep,  fonbern  er  benft  immer  weiter  su  fommen, 
»ergigt,  m$  bahnten  ifl,  (wag  er  btöljer  in  feinem  Gtjmften* 
tlntm,  5lmt  unb  23eruf  getrau)  unb  jkecft  ftdj  $u  bem,  m$ 
fernen  ift,  (wa$  ijjm  no$  $u  t$>un  obliegt,  unb  wa$  ifmt  no$ 
fejrtt).  —  2)  er  £  euerer  aber  ift  fidper  unb  meint,  er  be* 
bürfe  ber  23uge  ni$t,  auger  wenn  er  $ur  23et$te  gept*  (ix 
achtet  auä)  nicf?t  befonberg  auf  feine  gelter  unb  Mangel,  bag 
er  auf  33efferung  bebaut  fepn  fcmnte;  fonbern  er  fyält  eö  für 
pinrei^enb ,  wenn  er  biefelben  im  allgemeinen  befennt*  (ix 
glaubt  aua)  ni$t ,  bag  er  ft$  ttiet  um  feine  23efferung  befüm* 
mern  bürfe,  weil  er  benft ,  er  fep  f$on  fo  gut,  aU  not Jig  ift. 

ij  Gmbltd)  Witt  ber  recbtfä)affene  @j>rifl:  tägH# 
um  ein  feUge£(£nbe;  er  £at£uft  abjufcbeiben  unb 
bei  (E^riflo  au  fe$n.  @r  ift  ber  SBel't  gefreuaigt,  unb 
bie  2Mt  ijmt,  er  furztet  ben  £ob  ni$t,  fonbern  lität  ijm 
aU  eine  £!?üre ,  bie  tyn  au£  ber  ditelhit  in  bie  GEwigfeit, 
aus  ber  ©ünbe  in  bie  ©ere^tigfeit ,  aus  bem  ©treit  in  bm. 
grieben,  au£  bem  £ob  in  ba$  £eben,  au$  bem(£lenb  in  t>k 
£errtt$feit  füjjrt.  —  2)  er  £  euerer  wünfdjt  aud&,  bag  er 
be$  £obe$  ber  ®ere$ten  fterben  unb  gur  ©eligfeit  gelangen 
möge,  jebocfy  fo  fpät,  als  immer  möglich,  wie  jener  $auf* 
mann  au  einem  Firmen  fagte,  welker  ipm  für  ein  2Hmofen 
ben  £immef  anwünfetyte*  (ix  Dort  ni$t  gerne  x>om  £obe 
reben,  benlt,  m$  icb  ^ier  ipabe,  ba$  ifi  mir  gewig,  m$  t# 

aber  bort  erlangen  werbe,  baS  jtejjet  ba^in. 2)urc$ 

btö  SM^erige  l^abe  ic^euc^,  meine  ^itc^riften,  eine  einfache, 
bo$  wohlgemeinte  ^Inweifung  gegeben,  mt  ij)r  t^k  SSa^r^eit 


1265 

*>on  ber  Süge  unb  bag  rec&tfcbaffene  Söefen  in  @t)riflo 
*>on  ber  £eu$elei  unierfdjeiben  fönnet*  £)bgleicf>  noct)  met)r 
barüber  gefaxt  werben  formte ,  fo  zweifle  ict)  bocl)  nic^t  baran, 
bag  biejt'entgen,  wela)e  bte  genannten  Äennaeicpen  rea)t  be* 
Jjeqigen,  unb  it)r  £er$  unb  tt)ren  Söanbel  bawaa)  prüfen,  balb 
einfepen  werben,  ob  fte  unter  bte  3afji  ber  wahren  @t)riften 
ober  ber  £eua;ler  gehören?  £)at)er  will  ity  nur  noa;  baran 
erinnern,  bag  jia  -iftiemanb  in  biefer  wichtigen  ©aa)e  jtcfyer 
fep,  unb  e$  deiner  gleichgültig  aufnehmen  möge,  $u  welcher 
klaffe  man  tfnt  aäjjle*  £)enn  e$  betrifft  unfer  ewigeö  £eil 
unb  unfere  ©eligfeit,  m$  fann  e£  2Ö3ia;tigere$  geben?  — 
2)a$  ift  gewig,  bag  berjenige  unter  ben  Raufen  ber  ftcjern 
£eu$ler  get)ört ,  welcher  folct)e  SSorfteffungen  aus  ©otteS  SBort 
verachten  unb  ojme  weitere^  9caa)benfen  vorüber  laffen  famn 
2BaS  nü£t  e$  ii)n,  wenn  er  auti)  wöchentlich  ftfyn  ^vebtgten 
pört,  unb  jäprlia)  aepnmal  pm  £ifa)e  beS  £errn  gei)t?  SMej'e* 
«igen  aber,  welche  einen  gewiffen  Scprecfen  in  fta)  empfmben 
unb  benfen:  2la)©ott!  auf  fofct)e  2Beife  jtnb  wir  2llle  £eu$ler 
unb  werben  nie  feiig  l  —  biefe  banfen  ©ott,  bagGEripre^er^en 
gerührt  unb  eine  fola)e  «Sorgfalt  in  itmen  erwecft  t)at*  (£$ 
wirb  ilmen  bajubienen,  bagfteoor©ta)ert;eit  bewahrt  werben 
unb  fte  werben  befto  eifriger  um  ein  aufrichtige^  £er$  beten*  ©ie 
werben  um  fo  ttorftcbtiger  wanbeln,  um  fo  frömmer  leben  unb  fta) 
mit  befto  reinerem  Vertrauen  allein  auf  ©otte3  ©nabe  in  ßprtfto 
3efu  serlaffen* 

2öir  t)aben  tnbeffen  wn  ber  2lufria)ttgfeit  ttor  ©Ott  ge* 
fyroctyen,  nun  wollen  wir  un$  aua)  wegen  ber  21  ufna)tigfeit 
gegen  ben  9cäa)ften  prüfen.  3t)r  wiffet,  bag  ©Ott 
bag  ©ebot  *>on  ber  $kU  be3  9cäa)r1en  mit  bem  serbunben 
ljat,  wela)e$  *>on  ber  Zkbe  zu  3jmt  panbelt,  uub  bag  dx  jenes 
biefem  gleta)  fe£t.  2öie  nun  ber  £err  will,  bag  wir  auf* 
richtig  gegen  3$n  fep  follen,  fo  muffen  wir  e$  aua;  gegen 
ben  9cäct)jten  fep;  wk  3t)m  bie  £eua)ler  auwiber  ftnb, 
fo  ftnb  es  aua)  bk  galfa)en.  (£s  ift  überhaupt  unmöglich 
bag  berjienige  aufrichtig  gegen  feinen  ©ott  fep  fann,  welcher 
gegen  feinen  9cä#en  falfa)  ift  2öer  feinen  trüber  ntct)t 
liebt,  (unb  ifmtntct)t  treu  ift)  ben  er  fiepet,  wte  fann  er 
©ott  lieben,  (unb tymtxm fep,)  ben  er  nia)t  fiepet? 
2ßer  ba^tinb  beleibigt,  belügt  unb  betrügt,  ber  tt)ut  e$  auct) 

©crioer'S  @eelenfc()fl(j.  QQ 


1266 

bem  Sater*  £al?er  tf*  es  umfonft ,  bagSemanb  ft$  f&  einen 
aufrichtigen  greunb  ©otteS  ausgeben  will,  wenn  et*  gegen 
feinen  9tä<$jfcn  untreu  unb  faXfc^  tjt  60  prüfet  cu$  wo£l, 
ob  tpr  ntd&t  etwa  audfj  mit  ber  heutigen  2Belt  in  tljrer  galfä* 
£ett,  in  tpren  Sügen,  in  ifcren  leeren  £ofli<$fettSbeaeugungen 
unb  anbern  @ünben  ©emetnfcfjaft  Ijabet,  unb  wie  if?r  über* 
fyaupt  mit  eurem  ^äcf)ften  um^uge^en  pfleget?  prüfet  eua;,  ob 
tyx  freunbltd)  mit  il?m  rebet  unb  eS  boclj  nid)t  £er$lt<$ 
meint,  ob  tijr  eudf)  anberS  oor  klugen,  anberS  hinter 
feinem  ^ucfen  beaeuget?  prüfet  eu$,  ob  ijjr  otel  oer* 
fpredjjet  unb  wenig  ober  ni$i$  fjaltet,  ob  i£r  bie  £ügen  au 
eurer  3ujlu^t  unb  bie  galfd$ett  ju  eurem  ©d?:rm  gemalt, 
unb  euc$  biSjjer  mit  betrug  bereifen  unb  ernährt  l^abt?  prüfet 
eu<$,  obtfjr  audjgewolmtfe^b,  euren  Städten  lieblos  gu  richten, 
tpn  su  oerläumben  unb  buref)  galf#eit  unb^ügen  in©$impf 
unb  <5cf>aben  au  bringen?  3pr  fonnet  eu(§  leicht  benfen,  bag 
eS  unmöglich  ifi,  @ott  in  einem  folgen  3uftanbe  ^u  gefallen, 
bag  3efuS,  ber  t>k  Wienern  fo  treu  unb  Jeralidj)  liebt,  in 
einem  folgen  £eraen  nityt  wohnen,  aucf>  eine  falfcbe  <5eele 
nic§t  ££eil  paben  famt  an  ©einem  ^eietje.  —  2öenn  euc^  alfo 
©otteS  ©nabe,  bie  ©emeinfdijaft  @{mftt  unb  eure  ©eligfeit 
lieb  ifi,  fo  meibet  t>k  gaffd^eit  23ebenfet,  bag  t>k  falfd&en 
9ttenf$en  j[egt  in  ber^Selt  baS  ftnb,  was  ber  Teufel  ehemals 
im  *)3arabieS  gewefen  tft ,  als  er  unfere  erften  Altern  tnS  $er* 
berben  füprte»  25amalS  rebete  ber  ©atan  burc£  bie  ©djlange, 
j[e§t  ftridjt  er  burc^  eile  falfc§e  unb  lügenhafte  fauler,  beren 
Gmbe  bie  SBerbammnig  fep  wirb,  ©ie  werben  au  fpät  inne 
werben,  bag  fte^teman'o  mel?r  betrogen  £aben  als  ftd>  felbft. 
prüfet  eueb  enbtidf)  aueb  wegen  beS  ©elbft  betrug  S, 
unb  fordet  fleißig  na$,  ob  ij>r  au$  oon  Eigenliebe  einge* 
nommen  fepb?  (£S  ift  befannt,  bag  wir  $cenfd?en  in  unferer 
eigenen  ©ad&e  feljr  partetifc^  ftnb;  benn  wir  benfen  gar  au 
gut  oon  uns  felbf*  unb  mögen  nietjt  gerne  Unrecht  fytibm.  2Sir 
9Dtaf$en  fe&en  oon^catur  immer  auf  uns  felbft,  fmb  oerliebt 
in  uns  felbfi  unb  was  wir  t£un  unb  oorpaben ,  ba  ftnb  (£  i* 
genliebe,  eigene  (£J)re  unb  (£igennu§  unfere 
fcefUn  Sftatljgeber,  £)a£er  fommt  es,  bag  wir  unfer 
*fte#t,  unfern  ^tantf  unb  unfere  (££re  gehörig  beobachtet 
wijfen  wollen;  Slnbere  aber  muffen,  na$  unferer  3^einung/ 


1267 

aufrieben  fe^n ,  wenn  man  t>a$  3j>rige  m'c^t  fo  fepr  in  %$t 
nimmt*    2Btr  flauen  leicht  unt>  päuftg  ül>er  2lnbere ,  feiten  aber 
ober  nie  über  uns  felbft.    2öa$  wir  Sinteren  ^u  ©efallen  tjjun, 
bae  fa;lagen  wir  poa)  an  unb  wollen  x>iel  £)anf  bafür  paben ; 
voaä  uns  aber  *>on  2lnbern  wiberfäbrt ,   ba$  palten  wir  für 
eine  ßteinigfeit.    <£ntftel?t  ein@treit,  fo  ftnb  wir  nia)t  ©a)ulb 
baran,  fonbern  alleaeit  bie  Slnbern;  wir  fagen,  wir  würben 
fein  $inb  beleibigen ,  man  folte  un$  nur  aufrieben  (äffen,  — 
2Benn  un$  aber  *>on  bem  9Ma)ften  2lnlag  aum  ©treit  gegeben 
wirb,  fo  glauben  wir  ba3  größte  dlea)t  au  paben,    2l(leg  ^u 
tyun,  m$  unfer  fünblia;e$  £era  für   gut  fmbet.    £)ieg  ift 
ber  ©runb,  warum  wir  fo  leta)t  mit  unferer  33uge ,  mit  un* 
ferem  ©tauben,  mit  unferer ©ottfetigfeit  unb  unferem  ©ebet 
aufrieben  ftnb  unb  uns  fetbft  für  fo  fromm  palten,   bag  wir 
feiner  23efferung  bebürfen.    Sabura;  werben  wir  fta;er  unb 
nehmen  feine  ©trafprebtgten  au  £eraen;   benn  unfer  trüge* 
rifa)ee£era  überrebet  un£,  biefelben  gepen  unö  nia)t$  an.— - 
&$  gibt  ©ola)e ,  wela)e ,  wenn  fte  einen  iprer  Sinne  verloren 
fyabm ,  fta)  nia)t  sorftellen  fönnen ,  bag  bem  fo  fe#.  ©o  flagte 
einft  ein  33ltnber  barüber,  er  fönne  nia)t  begreifen,  warum 
e$  fo  finfter  im  £aufe  wäre,  unb  ein  5lnberer  wunberte  fiel; 
im  @rnft  barüber,  bag  *nele  ber  ©terne  nia)t  mepr  ba  fe^en, 
Ut  er  boa;  in  feiner  3ugenb  gefepen  fyato.    (Ein  Zauber  be* 
flagte  fta;  über  ^>k  tpöria)te  SSeife ,  bag  ^>ie  2eute  auf  einmal 
fo   leife   reben  u.   f.  w.    Heber  ä!?ntia)e  2Ieugerungen  pflegt 
man  gewötmlia)  au  lachen;  allein  wir  foltten  ba$  nityt  tpun, 
fonbern  bie  menfd)(ia)e  £f)orpeit  überhaupt  barin   erfennen, 
wela)e  fa;lea;terbingg  nta)t  Unrecht  paben  will.     2öir  maa;en 
ie6  nidbt  beffer,  wir  ft'nben  an  ung  feinen  Mangel  unb  feine 
gepler,  fonbern  nur  an  Slnbern.   28ir  ftnb  wie  jene  föwfleute, 
weta)e  ipre Slbnepmer  betrügen,  inbem  fte  ein  anbereS ©ewta)t 
paben,  wenn  fte  für  fta;  felbft  wägen,  ein  anbere$,  wenn  fte  au$* 
wägen*    $ura,  wir  ftnb  gana  anberä  geftnnt,  wenn  bie  ©aa;e 
un$  felbft ,  als  wenn  fte  einen  Slnbern  angept.    yiifyö  ift  aber 
bem  Qtprtftentfwm,  welä)e$  bie  SBerläugnung  unferer  felbft  fo 
ernfilia)  forbert,  mepr  auwiber,  als  biefeg.  Senn  ein  5ttenfa), 
ber  fta;  felbft  fleifa)lia)  liebt,  maa)t  fta;  aunt  ©Ott,  unb  e$ 
ift  unmöglia; ,  bag  er  bem  Hllerpöcpfien  oon  ganzem  fersen 
unb  oon  ganaer  ©eele  bienen  fann.    dt  fann  aber  ana^  leine 

80  * 


-1268 

©emeinfo;aft  mit  feinem  Erlofer  fjaben  unb  m  3£m  leben,  fo 
lange  er  jta)  felbfi  nia)t  abgeftorben  tft—  SSenn  ein  geimpfter 
©tamm  auSfd)lcigt  unb  feinen  @aft  unb  $raft  auf  feine 
eigenen  Silben  Reifer  verwenbet ,  fo  mug  baS  Pfropfreis  ver* 
borren;  alfo  mug  baS  ebie  £efcen  beS  #errn  3efu  in  bem 
Steffen  verlöfa)en,  wenn  er  fta;  felbft  liebt,  bem  Dünfel 
feines  £eraenS  naa;wanbelt  unb  in  allen  fingen  feinen  eigenen 
otogen ,  feine  Efjre  unb  feinen  9tu£m  fua)t.  ©e£r  fa)ön  fagt 
ber  fromme  Slrnbt  barüber:  //2>ie  Eigenliebe  maa)t  verfemte 
Urteile,  verbunfelt  bie  Vernunft,  verftnftert  ben  SBerftanb, 
verführt  ben  Tillen,  befletft  baS  ©ewiffen  unb  fö)liegt  bie 
Pforten  beS  Gebens  au*  ©ie  erfennt  ©ott  unb  ben  ^äcbften 
nia;t,  vertreibt  alte  £ugenb,  trautet  naa;  Ebre,  ^cia)t^um 
unb  SSolluft,  unb  liefrt  bkäöelt  mefi>r  als  ben£immel.  &i* 
gene,  unorbentlta;e  43iebe  ift  eine  Sßur^el  ber  Unbttgferttgfeit 
unb  beS  ewigen  SSerberbenS."  Der  Slpopel  fegt  t>ic  Eigen? 
Hiebe  in  bem  ©imbenregifter  ber  legten  Sßelt  voran,  als  eine 
Butter  aller  anbern;  benn  fte  maa)t  ben  3ftenfa;en  geisig, 
rufmtrebig,  Joffärtig,  verläumberifa; ,  unbanftor,  ungeiftlia), 
prrtg,  unverfö  ljmlia;  :c+  Unb  was  bie£auptfa$eift,[jtemaa)i 
ben  9ftenfa)en  unbugfertig  unb  fta)er,  weil  er  von  feinem  eigenen 
£eraen  überrebet  ifi ,  bag  er  ber  33uge  nia)t  bebürfe»  —  Darum 
meine  Triften,  Witt  ©Ott  jjeralia;,  bag  er  eua)  vor  eu# 
felbft  bewahre  unb  eua)  vor  Eigenliebe  befutte*  23e* 
teufet  es,  wenn  euer  £eilanb  fagt:  „$ixttt  eua)  vor  i>en 
9fttenfa)en,"  bagi^r  M eua; felbfl  t>m Anfang  maa)en  muffet; 
benn  i£r  fe#b  aua)  3}?enfa)em  Erinnert  eua;  ftets  an  ©eine 
SXÖorte:  „2Ber$Mr  naa)folgen  will,  ber  verläugne 
fia)  felbft,  nepme  fein  $reu$  auf  fta)  unb  folge 
SDcir*  ®o  Semanb  au  Wliv  fommt  unb  {jagt  nia)t 
©einen  SSater,  Butter,  2öetb,  ^inb,  trüber, 
<5a)wejter  unb  aua)  fein  eigenes  £eben  ba$u,  ber 
lann  niä)t  9ttein3ünger  fe^n  unb  wer  nia)t  fein 
$reua  trägt  unb  Sttir  nachfolgt,  ber  fann  nia)t 
üttein  3ünger  fep*  DiefeS  $reua  aber,  baS  wir  bem 
£erm  naa)tragen  fetten ,  i(i  nia)t  nur  allerlei  £rübfal  unb 
llngemaa) ,  baS  uns  von  bem  Satan  unb  ber  Sßelt  wegen  beS 
EfcriftentpumS  augefügt  wirb,  fonbern  aua)  bie  Entfernung 
ber  Eigenliebe,  bie  Äreuaigung  beSgleifa)eS  fammt  ben  Soften 


3 


1269 

unb  IBegterben ,  bie  Rettung  be£  alten  3D?enfd)ett  unb  bie 
Skrläugnung  unferer  felbji,  barin  ber  rea)tfa)affene  (Sprij*  jtd) 
täglia)  üben  mug*  — 

2ßtr  fönnten  pier  f fließen,  allein  wir  glauben ,  bag  eS 
eua)  angenehm  fepn  werbe,  wenn  wir  noä)  einige Mittel  an* 
geben,  wob  uro)  wir  3ur2Iufri$iigf  ett  be^er^enS 
gelangen  fönnen* 

13  präget  e3  eudj  redjt  tief  ein,  bag  ©Ott  eure  Kleiber, 
euer  Vermögen,  euren  @tanb,  eure©efd?tcfltd)feit,  eure  ©aben, 
euer  Slnfepen  u*  bergL  nic^t  anfielt ,  fonbern  euer  £er$*  (£r 
fiept  niept  fowopl  barauf ,  bag  ipr  $ur  ^irepe  gepet ,  (&än 
SSort  pöret,  baS  peil*  2lbenbmapl  genieget,  finget,  betä, 
Sllmofen  gebet  unb  bergL,  aU  sielmepr ,  mit  welkem  «freien 
ipr  bieg  tput*  ginbet  dx  euer  £>er$  aufriajttg  unb  opne  galfa) 
tUiber  23uge,  im  ©lauben,  in  ber  Zieht  unb  in  ber  Hebung 
ber  ©ottfeligfeit  —  fo  ift  3pm  Mt$  angenehm ,  waö  ipr  tput, 
unb  wenn  tpr  gu  deiner  (£pre  aua)  nur  einen  ©troppalm  von 
ber  ß:rbe  aufgeben,  ober  eure  Slugen  $um  Fimmel  erpeben, 
ober  %mi  ©a)erflein  in  ben  ©oite^faßen  legen  ober  einem 
Firmen  einen  £runf  28 affer  barr eicfjen  würbet  £)ieg  erpellt 
unter  Slnberem  au£  folgenben  Porten  unfereS  £>eilanbe£: 
„2>a3  5luge  ift  be$  $eibc$  £ta)t,  wenn  bein 
5luge  einfältig  \i\t,  fo  wirb  bein  ganzer  £eib 
Sicpt  fe^m  Senn  aber  bein  Sluge  ein  <5a)alf  tji, 
fo  wirb  bein  ganzer  £eib  finjier  fepn.  —  Unter 
bem  Sluge  t-erftept  ber  Sptxx  baS  §txi,  ben  SBerftonb, 
ben  Sitten  unb  bie  Slbftcpt  beS  S^enfcpem  3ß  biefeS  bura) 
©otte$  ©nabe  unb  ©etft  erneuert  unb  gezeitigt,  fo  ift  all  fein 
^ornepmen  unb  £pun  liepte,  gut  unb  ©ott  gefällig;  ift  aber 
ba$  £era  ein  8a)alf,  fteeft  e$  x>ot(  Rempelei,  fo  ift  alle£  fin* 
fter  unb  serwerflia)*  2)aper  fagte  unfer  ^eilanb  aua)  $u  ben 
^parifäern:  „3^r  fepb'e^,  bie  ipr  euc^  felbfi  re^t^ 
fertiget  $or  ben  90?ettfcpen.(ipr  pellet  euep  fromm  unb 
anbäa)tig  unb  fa)reibet  euep  eine  groge  £etltgf  eit  au,)  aber 
©Ott  ! e n n t  (unb  beurteilt)  eure  £  e  r  a  e «♦"  (£ben bieg 
leprt  (£r  aua)  in  bem  ©leicpnig  tton  bem  93parifäer  unb  3ölk 
ner*  3ener  war  wn  äugen  peilig  unb  fromm  unb  man  pätte 
glauben  follen,  er  fep  eine£  öon  ben  liebten  tinbern  ©otteS 
gewefen;  biefer  aber  war  bem  äugern  3^anl>  naa)  gottlob 


1270 

mit  vieler  Ungerea)tigfeit  unb  ©ünben  belaben.  ©Ott,  ber 
£er$en  unb  Vieren  prüft,  richtete  fte23eibe  naa)  tjjrem  £ergen* 
Der  $l)arifäer  war  soft  $eua)elei,  Unbugfertigfett,  Unglauben, 
©ia)er£ett  unb  £offart ;  barum  war  er  mit  allem  ©a)ein  *>or 
©Ott  ein  ©reuel;  ber  3bttner  aber  war  sott  $eue  unb  i*eib  über 
feine  ©ünben,  soll  Verlangen  naa)  ©nabe,  soll  Demütig  unb 
guten  SSorfageS,  barum  war  er  bem  £errn  gefältig  unb  an* 
geneljnu  —  SBeil  i£r  nun  fola)e6  wiffet,  meine  hieben,  fo  fan* 
get  r>on  Jeute  an,  naa)  ber  2lufrta)ttgfeit  be$  Sptx$tn$  von 
ganzer  «Seele  unb  au$  allen  Gräften  $u  traa)ten.  SBergejfet 
nia)t,  wenn  tbr  $ur  £tra)e  ge£et,  wenn  iljr  beten,  beizten  unb 
fonjt  eine  Uebung  ber  ©ottfeligfeit  sorneJnnen  wollet,  aua) 
euer  ^>er^  mitzunehmen.  Raffet  bieg  alle  borgen  unb  in  aU 
Ken  Dingen  euer  erfte3  Opfer  fe$n,  bag  i$v  eS  ©ott  barbrin* 
get.  Peiniget  e£  aber  ^u^örberft  m  bem  33lute  3efu  (grifft 
von  aller  23os  j)eit,  unb  bittet  ©ott,  bag  ßrr  mit  euren  Sehern 
©ebutb  £aben  unb  eure  Mängel  naa)  bem  ^eiajtjmm  ©einer 
@üte  erfe£en  wolle.  (£rfennet  mit  Demutj),  bag  euer  £er$ 
soll  £eua)elei  unb  gatfa)beit  ftedft,  unb  bittet  ©Ott,  bag  dx  e£ 
bura)  Seine  ©nabe  embern,  erneuern  unb  ^eiligen  wolle,  ©pre* 
$et  öftere  mitDar>ib:  ,,©a)affe  in  mir,  ©Ott,  ein  rei* 
ne$£erä  unb  gibmireinenneuen  gewiffen  ©eifi" 
2)  Denfet  ferner  öftere  baran,  bag  ber  attwiffenbe, 
gerea)te  unb  ^eilige  ©ott  £er$en  unb  Vieren 
prüft,  bag  2llle$  bloS  unb  entbeef t  ift  ^oor  ©ei- 
nen 2lugen>  2öa^  für  eine  Xfyox foit  ift  e£  atfo,  bag  wir 
ben  ©runb  unfereS  ^er^en^  »or  3{>m  Serbien  wollen  ?  2ßaS 
pitft  es,  wenn  wir  fo  liftig  unb  oerfa)tagen  ftnb,  bag  wir  3^ 
bermann  betrügen  fönnen,  t>a  boa)  ber  aliwiffenbe  unb  gerea)te 
©Ott  Mt$  fte£t  unb  weig  unb  bereinjt  ben  3tatf  ber  £er$en 
offenbaren  wirb?  Raffet  uns  boa)  aU  an$  ©ott  unb  für 
©Ott  reben  unb  ljanbeln  in  @£rifto.  Zafltt  w$  ba* 
ran  benfen,  wenn  wir  mit  unferem  9Ma)fkn  umgeben,  bag 
ber  aliwiffenbe  ©ott  allenthalben  unb  m  Sltlem  ^tnat,  2luf* 
feper  unb  Diopter  fe^  Raffet  un$  in  ^infdltigfeit 
unb  göttlicher  i*auterfeit,  nia)t  in  fleifa)lia)er 
yStitytit,  fonbern  in  ber  ©nabe  ©otteS  auf 
ber  2ßelt  wanbeln.  Raffet  mz  unferem  9?äa)ften  begeg* 
nen,  xcit  wir  wollen,  bag  er  uns  begegnen  (ott.    Raffet  uns 


1271 

an  unfern  £ob  benfen,  ber  aUe  £euä)fer  entpütfen  unb  einen 
3eben  wx  ©Ott  barftelfen  wirb,  wie  er  ift*  —  3n  Sitten  Fa* 
men  einft  »tele  grauen  gefd)minft  $u  einem  ©afhnaljt,  unb 
nur  eine,  roel^e  oon  9latur  fe^r  fa)ön  war,  unterlieg  biefen 
55ug.  2tf3  fte  nad)  eingenommenen  Raffle  31t  fpielen  anfingen, 
unb  ber  SRetye  naa)  t>a$  33e  fehlen  an  ba3  fä)öne  2ßeib 
fam,  lieg  fte  ein  Seelen  mit  2Baffer  bringen,  wufä)  fia)  ba£ 
©efta)t  unb  befahl  ben  übrigen,  bag  füg  ftä)  aua)  wafa)en  fot* 
lern  £>iefe  traten  e$  fel?r  ungerne ;  benn  ijjre  garbe  ging  Weg 
unb  ber  betrug  würbe  entbeeft.  ©o  fa^minft  unb  fa)mücfi 
ftd)  $?anä)er  in  biefem  £eben  mit  ©d)-un£ei(igfeit ,  i?ug  unb 
£rug;  wenn  aber  ber  falte  £obe$fd(>wetg  baS  ©ep#l  3u  wa* 
fä)en  beginnt,  wenn  ber  2Ingftfd)weig  !eor  ©otteS  ®eria)t  an$* 
brechen  wirb,  t>a  wirb  Silier  offenbar  unb  ein  3eber  wirb 
gerietet  werben  nia)t  naä)  bem  äugern  ©cbein,  fonbern  na$ 
bem  innerften  ©runb  feines  ^er^enS. 

3)  Erinnert  eua)  öftere  an  3efum  dljriftum,  ben  ©efreu^g* 
Jen,  ber  eine  fofä)e  aufria)tige£iebe  nni>  ein  fola)  getreuem  £er$  p 
?unS  $}enfä)en  gehabt  fyat,  bag  GEr  ©ein  t£eure$  33lut  tmb 
ebleS  £eben  an  uns  wagte,  aua)  ©eine  Seiten  öffnen  lieg, 
bag  wir  Beine  Ziele  feigen  unb  biefelbe  ewigliä)  genfegen 
möchten.  3n  ©einem  SÄunbe  würbe  nie  ein  betrug  erfun* 
ben,  (£r  war  softer  ©nabe  unb  2BaijrJ>eit,  unb  ©ein  ganzer 
SÖanbef  war  ein  lauteres,  red)tfä)affene$  SBefen*  dv  &at  uns 
WLe$  geoffenbart ,  m$  (£r  auf  ©einem  ^er^en  fyatte  unb  $u 
unferer  ©eligf  eit  biente*  Um  31m  t(i  bie  gan^e  2In$afrt  ber  getreuen 
unb  aufrichtigen  ©eelen,  welche  3£m  mit  einem  tiebretäjen  unb  ge* 
treuen ^er^en,  ober,  wieder  Wßpfat  fagt,  mitgebe  *>on  reinem 
£er$en,  mit  gutem  ©ewiffen  unb  ungefärbtem  ©lauben  nad&fofg* 
ten.  —  23etrad)tet  auf  ber  anbern  <Seite  ben  großen  Raufen 
ber#etttt)fer,  ©ä)em*unb  ^aulä)riften  unb  treulofen,  fa(fä)en 
9ftenfä)en,  beren  $nfüi?rer  ber  Teufel  tjh  %U  bort  bie  J5f>a* 
rifäer  Eingegangen  waren  unb  einen  9tatf>  wiber  SefumTgeJwl* 
ten  Ratten,  wie  fte  3Jm  fangen  fönnten  in  ©einer  Sftebe,  war 
ber  Teufel  mitten  unter  ifmen  unb  unterftü|te  fte  ütbemftjte 
gen  2lnfd)tag*  Unb  fo  ift  ber  ©atan  fyeute  no#  überaß  guge? 
gen,  wo  treulofe  9ttenfä)en  ijr  gottlofeS  ©piel  treiben*  Sßir 
wiffen  ja,  was  ber^tyofiel  fagt,  bag  ber  gürjl  berSSeU 
feinBerf  fyabe  in  ben  ^inbern  beS  Unglaubens. 


1272 

—  £)ciram  meine  3uporer,  überleget  e$  wopl,  mit  wem  tpr  e$ 
palten  wollet,  ob  ipr  euep  an  ben  treuen  (£rlöfer  unb  ©eine 
©laubigen  ober  an  ben  Teufel  unb  an  ben  fallen,  betrogen 
nen  Raufen  anfliegen  wollet  ?  2)iefe  Betracptung  allein  feilte 
Jnnreidjen,  unä  oon  aller  galfeppett  abaufepreefen.  — 

4)  Bebenfet  ferner,  bag  ©ott  unb  Oftenfcpen  allen  falfcpen 
£eraen  feinb  ftnb*  2)er  £err  pat  ©reuel,  fpriept  £)a* 
*rib,  an  ben  Blutgierigen  unb  galfepem  Unb  aber* 
mafö:  „3pr$?unb  ift  glatter,  aB  Butter,  unb  fie 
paben  boep  $rieg  im  ©inn,  ipre  2Borte  finb  ge* 
iinber,  alSDel,  unb  ftnb  boep  bloge  ©cpwerbter. 
SIber  ©Ott,  2)u  wirf*  fie  pinunterftogen  in  bie 
tiefen  ©ruben,  bie  Blutgierigen  unb  galfepen 
Werben  tprgeben  niept  aur£älfte  bringend  2lucp 
©alomo  fagt:  „Gnn  oerfeprt  £>era  finbet  ntcptd  @u* 
te$,  Ce£  wirb  feinen  ©egen  unb  ©lue!  paben,  ob  e$  gleich 
mit  allerlei  hänfen  umgeptj  unb  wer  eint  serfeprte 
Cfalfcpe)  3unge  pat,  wirb  in  Unglüct  fallen/'  ^Bei 
£tob  peigt  e$:  „©Ott  maept  §u  nickte  bie  2lnfcpläge 
ber  Steigen,  bag  e$  ipre  £anb  niept  auäfüpren 
fann,  er  fangt  bie  Reifen  in  iprer£tft  unb  ftürat 
ber  33er lehrten  Sftatp,  bag  fie  bei  £ag  in  ber 
gtnfternig  laufen,  unb  tappen  am  Mittag,  wie 
in  ber  9cacpt/'  —  (£benfo  ift  wopl  au  merfen,  bag  unfer 
#eilanb  fca$  2Ößepe  gerufen  pat  über  alle  £eucpler,  welcpe  ©Ott 
unb  9flenfcpen  mit  falfcpem  ©epein  au  betrügen  traepten* 

.  53  SSenn  tpr  euep  ein  aufrichtige^  £era  aneignen  wollet, 
fo  paltet  euep  au  ben  Slufrtcptigen,  gepet  gerne  mit  ijmen 
um  unb  paltet  euep  ferne  *>on  ber  SQSelt,  welcpe  »oll  galfeppeit 
ift.  2)enn  wer  fiep  mit  ber  Söelt  einlägt ,  ber  wirb  entweber 
son  ipr  betrogen  unb  in  ©efapr  unb9*otp  geftürat,  ober  eig* 
net  er  ftep  ipre  SSeife  fo  an,  bag  er,  wenn  er  eine  3«tlang 
ein  ©cpüler  berfelben  gewefen  ift ,  sule^t  SJceifter  im  Betrug 
wirb  unb  gänalia)  in  Ue  ©emeinfepaft  be$  ©atanö  gerettp*  — 
2)arum  bleibet  au  £aufe,  ergebet  euep  an  ber  (£infacpf?eit  unb 
SBaprpeit  be3  göttlicpen  2Borte3,  unb  fepaffet  euep  gute,  geift* 
reiepe  Bücper  an,  welcpe  eure  beften,  aufrieptigften  unb  getreue* 
ften  Sftatpgeber  fütb*  SBäplet  euep  einige  gute  greunbe,  fepet 
aber  barauf,  bag  ber/enige,  welcper  euer  greunb  fep  will, 


1273 

äuoörberft  ©otteS  greunb  fep  mag.  ©eftattet  bemfefben,  bag 
er  ojme  @a)meia;etei  mit  eud>  reben,  euä)  an  eure  geilet 
erinnern,  unb  att  euer  Zfyun  gehörig  prüfen  barf*  —  2)u  aber, 
o  3efu,  Du  treuefter  greunb  ber  9ttenfa)en,  fa)affe  in  uns  ein 
-aufria)tigeS  £ers,  einen  lautem  Sinn  unb  einen  gettuffen  <3ctftl 
®ib,  n>a3  2)u  befohlen  ljajt,  unb  befiel,  nxusDu  tr-ülft!  Dir 
fep  £ob  unb  2)anf  in  ade  (£nngfeit!  2Imen* 


33  o  n  bem  SBa^^t^um  im  ©tauben  unb  in  ber 
©ottfeli  gf  eit. 

SS.  1.  Sfjeffal.  4/  1.  SBetter,  lieben  SSruber,  bitten  wir  eud)  unb  ermafc* 

nen  in  bem  £errn  Sefu,  nadjbem  iijr  oon  uns  empfangen  $abt ,  wie  ü)r 

wanbtfn  follt  unb  ©Ott  gefallen,  baf  tyt  immer  völliger  werbet. 


ß  i  n  g  a  n  g* 

S»t  Planten  Sefii !  Slmett. 

3ö£anne$,  ber  Käufer,  fagte  einjt  $u  feinen  Süngem,  bie 
gu  i£m  f amen  unb  eqäftften,  ba§  3efu6,  ron  bem  er  gefagt  jjabe, 
(Ex  fc^  @otte3  £amm,  ba3  ber  Seit  ©ünben  trage ,  nunmehr 
auä)  taufe,  ober  rielmefjr  burd)  ©eine  3önger  ttxu^tn  laffe 
unb  bafjt  Jebermann  gu  3£nt  fomme,  —  biefer  mug  vrac&fen, 
ia)  aber  muß  abnehmen.  Leiter  feßt  er  Inn^u,  e$  muffe  atfo 
gejjen;  benn  er  £abe  ijwett  ja  oft  gefagt,  ba$  er  nia)t  G££rtftu3 
fep,  fonbern  nur  beffen  SSorldufer,  er  fep  nid)t  ber  Bräutigam, 
fonbern  nur  ein  greunb  beffetben»  (£r  ijore  alfo  mit  greuben, 
t>a$  3efu3  Sein  2lmt  angetreten  jjabe,  er  wotte  3*nn  gerne 
n>eia)en,  trenn  nur  ber  £err  je  me£r  unb  meljr  befannt  unb 
tton  3ebermann  aU  ber  £eitanb  ber  Seit  angenommen  werbe,— 
©ott  I?at  mir,  Witt  er  fagen,  niajt  um  meiner  felbjt  Witten  an 
§Infel)en  gegeben,  baß  ba3  Sßolf  mir  ^uftrömen  fottte,  fonbern 
bamit  mein  3^g«t§  son  bem  £erm  3efu  befto  größeren  9la& 
bruef  Htk+    Seil  nun  btefe$  r-on  Stelen  angenommen  wirb 


1274 

unb  bte  Stoffen  anfangen,  ben  £eilanb  bei*  SSeft  felbft  31t 
ipbren  unb  ju  erlernten,  fo  fann  ttt)  eS  mir  woltf  gefallen  laf* 
fen ,  baß  (ie  mia)  oergeffen.  2)enn  gleiche  ber  @lan$  U^  3>jor- 
genftern£,  ber  vor  ber  ©onne  ü>ergel)t,  atlmäljrttg  abnimmt,  'j[c 
nä&er  t>k  ©onne  bem  Aufgang  f ommt,  unb  enblia) ,  wenn  jte  völlig 
aufgegangen  \%  gan$  verfa)winbet,  fo  weicht  mein  @(anj  berÄfor* 
Ijeit  ber©onne  ber@erea)tigfeit,  welä)e  ift3efu3@£riftu$  u.f.  w*— 
60  rebete  %ofyannt$  unb  feine  SBorte  famen  aus  einem  großen 
Glauben,  am  brunftiger  £tebe  unb  ^erjlic^em  Verfangen,  bie 
<£i)re  feinet  $txxn  ^u  beförbenu  2llfo  muffen  aber  au$  ljatte 
rea)tfa)affenen  ^rebiger  reben;  benn  in  ifjrem  bergen  foU 
ma)t6  anber^  l)errfa)ett  aU  eine  eifrige  23egierbe,  bk  (££re 
be$  £errn  fortzupflanzen  unb  ade  9ttenfa;ett  mit  ©einer  feiig* 
matt)enben  Örrfenntniß  $u  erfüllen*    ©ie  muffen  tx>te  bie  2ia> 
ter  fia)  felbjt  ver^ren,  nur  um  Inbern  %u  leuchten  unb  biefe 
bem  £errn3efu  zuzuführen*   ©ie  bürfen  feinen  Abgang  i^rer 
Gräfte,  fein  Ungemaa)  unb  feine  9ftü£e  fa)euen,  fte  foKen 
iijre  @üter,  ipr  5lnfe^en,  ja  felbft  tj>r  £efcen  baran  fegen,  ba* 
mit  bie  feligmaa)enbe  @rfennmiß  be$  £errn3efu  fortgewankt 
unb  ©ein  9lame  ^oajgepriefen  werbe*  —  £)er  £err  nennt  fte 
btö&cüb  ber(£rbe;  mit  aber 'ba^  &al%  aerfc^mil^t,  inbem  e3 
gebraust  wirb,  fo  muffen  aua)  tk  Wiener  be$  2öort$  al(e 
iljre  Gräfte  gerne  baran  wettben  unb  gfeid;fam  vergeben,  um 
ipx  2lmt  reblicb  zu  »errieten   unb  bem  £errn  rea)t  viele 
©eelen  ju  gewinnen*    ©ie   muffen  gefilmt  fep  wie  Jener 
fromme  Märtyrer,   welcher,  aU  er  $um  geuer  verbammt 
würbe,  fagte :  er  wolle  fia)  gerne  »erbrennen  (äffen ,   wenn 
nur  au$  feiner  2lfa)e  an  Slümlein  waa)fen  würbe,  zur  (Efyxe 
©otteS  unb  feinet  (£rlöfer£*     2llle   ibre  2QSiffenfa)aft ,  i£re 
$unfi  unb  ©ele^rfamfett  muffen  fte  3efu  gu  gügen  legen, 
xt>k  $>k  3ünger  ibre  Leiber  vor  3£nt  auebreiteten*   ©ie  fotten 
ftd>  nia)t  oafür  galten,  baß  fte  ttm$  wiffen,  ofme  allein  3efum 
(Sjjrifium,  ben  ©efreuzigten*  ©ie  feilen  gerne  Sltteö  vergeffen, 
nur  um  3fm  im  @ebäa)tnig  unb  im  £erzen  gu  £aben*  — 
@mj*  fam  ein  ^rebiger  vom  £anbe ,  ber  noa)  ^iemlia)  irbifa) 
gejtnnt  war,  in  bte  ©tabt,  um  einen  berühmten  $5rofeffor, 
ben  er  auf  ber  £oJ?en  ©a)ule  fennen  gelernt  f?atte ,  prebtgen 
gu  Jjören ;  aU  er  aber  vernahm,  bag  biefer  gana  einfaa),  boa) 
eifrig  bie  £e£re  von  ber  neuen  Ireatur  in  ^pripo  vortrug 


1275 

unb  bura)  einige  ternfprüa)e  ber  @o)rift  erliste  ?c*,  faßte 
er:  <£i,  wie  Jat  fta)  biefer  Wlaxm  geänbert,  fo  einfältig  pxt* 
bigte  er  früher  ntc^t !  £)a  3ener  bieg  erfuhr,  freute  er  fta) 
febr  barüber  unb  fagtc :  SÄec&t  fo ,  d^rijtu^  muß  warfen, 
ta)  aber  muff  abnehmen,  ia)  begehre  feinen  größeren  9?uj)m, 
aU  baß  ia)  einfältig  unb  erbaulia)  geprebigt  f>abe !  —  (£benfo 
ereignet  e$  fta)  Uiwtilm,  bag,  wenn  ein  getreuer  ©eelforger 
eine  3eitlang  fein  Statt  an  einem  Drte  mit  ^ufjm  unb  yiut&m 
geführt  I?at,  bag  ein  oberer  aua)  ba{)in  berufen  wirb,  ber 
mit  meijr  ©eif*  unb  ©aben  »on  ©Ott  auggerüjiet,  bie  3«* 
£örer  an  jtä)  ^tc^t*  3n  einem  folgen  gafle  aber  barf  ber 
(öftere  nta)t  neibifa)  fepn,  fonbern  er  mug  mit  3oljanneS 
fagen:  „(Sljrißug  mug  warfen,  ia)  aber  mug  ab* 
nehmen;"  ober  mü$aulu$:  „2)em  mag  fe#n,  wie  i^m 
teilt,  wenn  nur  £|>rijtu3  serfünbigt  wirb  auf 
allerlei  Söeife  (wenn  hur  @£rtjht$  ben  beuten  üt£  |)er$ 
gciprebigt  wirb),  e£  gefa)efje  bura)  mia)  ober  bura) 
einen  2tnbern,  fo  freue  ia)  mia)  boa)  barin  unb 
will  mia)  aua)  freuen,"  —  SBenn  enblia)  a)rijtlia)e 
^rebiger  t>it  SBelt  serlcffen  follen,  fo  muffen  fte  e$  willig 
unb  mit  greuben  tfmn  unb  nur  wünfa)en,  bag  tfmen  ©Ott 
9?aa)felger  im  2lmt  geben  wolle,  Ue  mit  reiferem  ©eift, 
mit  größeren  ©aben,  mit  mepr  @ifer  unb  9ht£en  <&än  2öort 
tterfünbigen  mögen  jc.  —  £iej?er  gehört  ba$  33eifpiel  beS 
$alerüt3,  23ifa)of  t>on  £ip!po  in  2ifrifa,  £>iefer  war  ein 
©riea)e  *>on  ©eburt  unb  ber  lateütifa)en  (Spraa)e  ma)t  mää> 
tig,  aua)  nia)t  befonberö  gelehrt,  fo  bag  er  feine  ©emembe 
nia)t  befonberg  erbauen  fonnte.  £)a£er  entfa)log  er  fta),  ben 
Slugufiin,  ber  in  feiner  -ftäpe  war,  aufbetten  unb  i£m  bie 
(£rlaubnig  yx  geben,  öffentlta)  £u  prebigem  £)iefe£  würbe 
$war  son  ben  benaa)barten  23tfa)öfen  übel  gebeutet ,  weil  e£ 
in  Slfrifa  noa)  nie  üorgefommen  war;  allein  er  lieg  fla)nia)t 
irre  maa)en,  fonbern  freute  jta)  fe^r  barüber,  bag  er  unter 
feinen  ^rieftem  einen  Wlann  gefunben  tyattt,  ber  bag  leiftett 
fonnte,  xoa$  bem  23ifa)of  nia)t  gegeben  war,  £)a$  £etgt; 
(£f>rtftu3  mug  waa)fen,  ia)  aber  mug  abnehmen;  bag  fjeigt; 
t>k  (£i?re  (grifft  mit  £intanfegung  eigener  (£{n:e  unb  eigenen 
dlutymö  gefua)t.  —  £)  bag  alle  $rebiger  fo  geftnnt  waren, 
bag  alle  willig  abnehmen  motten,  bamit  nur  Gtjmfto  $a* 


1276 

neunte!  $ber,  ad)  letber !  man  mochte  fegt  faft  mit  $aulu$ 
fagen:  ,,©ie  fachen  alle  baS  3^re,  nifytbaä,  waö 
EjJrifH  3efu  ijt."  ©ie  fu$en  ifjre  eigene  E£re,  ifjren 
9to$en,  tjjre  23equemltc$f  eii ,  fte  wollen  wegen  tfjrer  ©ele£r* 
famfett  unb  33erebtfamfeit  gerühmt  nnb  angefe|>en  fepn,  eö 
mag  bann  gefjen ,  wie  e$  will*  £>at>er  wirb  *>on  fielen  ein 
fold>  eitteö  2Befen  anf  t>en  tändeln  getrieben,  ba$  ber  ©efreu* 
#gte,  bie  Einfalt,  t>ic  2)emutlj,  bie  ©ottfeligf  eit ,  bie  Er* 
fcauung  nnb  33efferung  barüber  faß  gan§  »ergejfen  wirb*  — 
©Ott  »erbeffere  alle  hänget  feiner  $ird>e  in  ©naben  nm  3efu 
(grifft  Witten! 

23  2tu$  alle  re$tf$affene  (^^rtften  muffen  fo  gefront 
fc^tt  unb  reben  wie  3»^anne^*  £)emt  in  jenen  ^Sorten  ift 
bk  gan^e  8ef4)affenjeit  be£  wahren  Ef>riftentlmm$  enthalten* 
—  3«  einem  wiebergebornen  $?enftt)en  ift  $weter'lei,  ber' 
altt  unb  ber  neue  Teufel),  baS  gleif$  unb  ber 
©eift,  bie  fünblic^e  »erberbte  -ftatur  unb  3efu$  mit  ©einem 
neuen  £eben  unb  ©einer  ©nabe*  £>a  mu§  ftä)  nun  ber  wajjre 
E£rtfi  ftetö  befleißigen,  bag  ber  neue  SEftenfcf),  ber  ©eift  unb 
3efu3  in  tfmt  lebe,  J)errfc$e,  wactyfe;  ber  alte  Sttenfcij  aber, 
ba$  gfeif$  unb  bie  9tatur  abnehme*  —  SSir  muffen  täglich 
abnehmen  an  ber  Eigenliebe,  Eigenere,  an  bem  Eigennug 
unb  Eigenwillen,  unb  warfen  in  ber  £tebe  ©otte$,  in  ber 
2)emutjj,  in  ber  Sßerf^mctyung  ber  Eitelfeit  unb  in  ber  $er* 
läugnung  unferer  felbft  ES  muß  in  unö  abnehmen  bie  fleif$* 
Kd)e  unb  irbifcfye  2Bei%it,  bie  gtnftermg  unb  23lmb£ett  un* 
fere$  Qexftnß ;  bagegen  mu§  in  un$  warfen  3efu$,  t>k  Irimm* 
Iif$e  2Set^ fytit,  mit  ©einem  $iä)i  unb  ©einer  feligmacfyenben 
Erfenntnig,  mit  ©einer  göttlichen  $raft,  mit  ©einer  ©ered^ 
tigfeit,  #eifigfeit  unb  grommigfeit  —  2Bir  follen  gufrieben 
fe^n,  wenn  unfer  9hu)ra  unb  Slnfepen  ttor  ber  Söelt  abnimmt, 
wenn  wir  nur  t>k  E£re  t>or  ©Ott  unb  bie  £errltd)feit  ©einer 
$ütbfc§aft  behalten,  SBir  follen  gerne  leiben,  baß  unfer 
crugerltc^er  2D?enf$  »erwefet  (burety  allerlei  Xxübfat 
unb  SBiberwartigfeit  gefdjwäcfjt  wirb),  wenn  nur  ber 
innerliche  *>on  £ag  ^u  £ag  erneuert  (im  QolauUn, 
in  ber  $izU  unb  Hoffnung  geftärft)  wirb»  —  2)etnna$  ift 
ber  fur$e3n£alt  unferer  ^rebigt  inben  Porten  Scannte  entljal* 
tmt  El)rijtu3mu§wac!)fen;  ieijaber  mug  abnehmen. 


1277 

Setter,  tt)te  3uf>örer  follten  fid;  btefe  Sorte  aum  Denffprucf? 
erwcüjlen;  Ijeute  aber  btent  er  un$  ba^u,  baß  wir  reben  von 
bem  SadjStljum  beö  @I)rijien  im  ©lauben  unb 
tn  ber  ©ottfeligfeit  —  ©Ott  gebe,  bag  e$  mit  9ht£en 
gefa)ej?e,  bur$  Sefum  @£rijfttm!  2lmen« 

Slbfjanblung* 

3m  ©prücfjwort  jjeigt  e6 ;  „9ttan  famt  nicljt  auslernen, 
fo  lange  man  lebt",  unb  weil  tiefet  bura)au$  aU  wajjr  ange* 
nommen  wirb,  fo  fmb  wir  bura;  unfere  eigenen  Sorte  über* 
fü£rt,  bag  wir  fejjr  tpria)t  Ijanbeln  würben,  wenn  wir  glau* 
Un  wollten,  wir  Ijaben  genug  gelernt  unb  bebürfen  feines 
fernem  glet£e$  ober  Unterrttt)t3,  —  3uvörberfi  aber  ijl  i>a$ 
genannte  ©prücfjwort  wa£r  in  göttlichen  fingen;  benn  bic 
be|ten  Triften  fyahen  gefunben,  t>a$  ij>r  Sijfen  ©tücfwerf 
unb  t£r  £fmn  unvollfommen  fe#*  Dajjer  trachteten  jte  y&t* 
lebend  naa>  bem  Sacf?£tfjum  in  ber  ©ottfeligfeit* 

Sir  reben  alfo  1)  bavon,  ba$  ber  @I?rift  fletgig, 
eifrig  unb  begierig  fe^n  muffe,  ntc&t  allein  in 
GtJ)rifto  ju  fe^n  unb  au  bleiben,  fonbern  auo)  in 
3£m  au  warfen*  Der  wa^re  (Sijrtft  Witt  in  feiner  @r? 
fenntnig,  im  ©lauben,  in  ber  Ziehe,  in  ber  Hoffnung,  in  ber 
©ebulb,  in  ber  Sinbaa)t  unb  in  alten  anbern  £ugenben  immer 
gunej?men,  er  verlangt  von  £er$en  immer  weifer,  feliger,  front* 
mer  unb  ©Ott  gefälliger  $u  werben»  Denn  a)  ber  ©laube 
wirft  ma)t  bfoS  ein*  ober  aweimal  unb  bann  nia)t  meijr,  etwa 
wie  wenn  man  ein  £ua)  mit  ftarfen  unb  frdftigen  Saffern 
anfeuchtet  unt>  e3  um  hie  ^ul^abern  an  ber  $anb  legt,  — 
weta;e3  allmä^lig  troefen  unb  fraftloö  wirb»  @r  ijl  vielmehr 
wie  ba$  £er$  im  Zeiht,  wela)e$  fief)  ftetS  bewegt,  immerbar 
neue  2eben3fräfte  für  ben  ganzen  Zeih  hexeitet  unb  biefelben 
in  alle  ©lieber  verteilt,  bamit  er,  fo  lange  er  e$  bebarf, 
waa)f e  unb  ^une^me  unb  naa)£er ,  wenn  er  gu  feinem  voll* 
fommenen  Filter  gefommen  ift,  in  feiner  natürlichen  ©röße 
unb  traft  erhalten  werbe*  Der  ©laube  ift  $>a$  Zehen  be$ 
neuen  2Dtafa)en  unb  fein  £er$,  burdj  welches  @£rifto$  in  ijmt 
wo^nt;  bajjer  ift  er  in  fteter  Sirfung,  er  fa)öpft  immer  neue 
traft,  neue  ©nabe,  neuen  £rojt  au$  bem  .Sperren  unb  ben 
Sunben  be$  £errn  3efu,  au$  (Seinem  Sort  unb  deinen 


1278 

Ijeifigen  ©aframenten  unb  verseift  btefefben  in  alte  ©lieber 
unt>  in  alle  Gräfte  be$  geibeö  unb  ber  ©eefe,  bamit  alfo  ber 
neue  !D?enfd^  warfen  unb  au  bem  3Ö£aag  be$  vofffom* 
ntenen  2lfter$  ßlmfti  gelangen  möge,    b)  £>iefe$  W 
ber  ©taube  aus  ©Ott,  an  welchem  er  £ängt  unb  burä)  wet* 
djen  er  tft,  tva^  er  tjh    Wlein  $ater  wtrfet  bi^er, 
fagt  unfer  £eilanb,  unb  3a)  w>irfe  aua).    ©♦  t.  Obwopt 
mein  SSater  von  bem  2öerfe  ber  ©a)b>fung  ruljt ,  fo  wirft 
<£r  boa)  immerbar,  tnbem  <£x  bie  Kreaturen  erhält,  ernährt 
unb  fortyffanat,  t>k  @rbe,  bat  Wleev,  bie  9ftenfa)en  unb  £{uere 
fegnet  unb  fruä)tbar  maa)t,  Ue  ©eftirne  unb  bie  ganje  Sßelt 
regiert.    ©o  mug  aua)  3$  in  meinem  2lmte  immer  etwa$ 
2u  tjmn  Ijaben,  3$  muß  immer  teuren,  tröffen,  Reifen,  ratjjen, 
warnen,  2Bof>ftl?aten  erzeigen  unb  ber  $?enfa)en  $z\l  unb 
©efigfeit  beförberm  —  3öie  nun  bamaf£  unfer  (£rföfer  war, 
fo  ifi  <£r  noa),  ba  (£r  in  ben  |>eraen  ©einer  ©taubigen  wojmt 
(£r  aU  febenbigeS,  fräfttgeö  SBefen  fann  nia)t  ftitte  fepn,  <£r 
wirft  immerbar,  treibt  t>k  ©einigen  bura)  ©einen  petL  ©eifi 
3u  altem  ©uien,  maa)t  i£ren  ©tauben  bura)  bie  4?iebe  t^dttß,* 
unb  fa)afft  in  t  jmen  ein  bejMnbigeg  Verfangen  in  ber  dxhnnu 
nig  ©otte£,  in  ber  ^iebe  unb  in  ber  ©ottf  efigfeit  au  warfen 
unb  immer  vofffommener  au  werben,    c)  2)ie  ©nabe  unb  bte 
Siebe  ©otteg ,  wefdje  bura)  ben  petf*  ©ei.fi  in  bie  £eraen  ber 
©taubigen  au^gegoffen  wirb,  bringt  ein  groge3,  £immfifa)e$ 
Vergnügen  mit  fta),  unb  wer  btefe$  einmal  gefä)mecft  jjat, 
ben  pungert  unb  bürftet  immer  barnaa),    QFr  fagt  mit  mejn: 
(gxnfi  unb  2lnbaa)t,  aU  bort  tk  3uben  ^n  3efu:  „|>err, 
gib  UX10  atteaett  fofe?)  S3rob/y  —  £>ie  ©nabe  unb 
Siebe  ©otteS  iji  wie  ein  füger  2Bem,   an  wefa)em  man  fta) 
nia)t  fatt  trinfen  fann,  xt>k  bk  füge  9ftuttermtfä) ,  baran  fta) 
ba3  $inb  ofme  Untertag  ergoßt;  fte  ift  an  ©a)a&,  von  wef 
<$em  man  immer  mejir  fyafon  wtö.    Unb  wenn  bie  vergeing* 
Ka)en  irbifa)en  2ßiffenfa)aften  fo  vief  Vergnügen  geben,  bag 
biejenigen,  weia)e  fta)  mit  gteig  barauf  fegen,  bi^weifen  (£ffen 
unb  £rinfen  barüber  vergeffen,    ifjren  ©a)faf  brea)en  unb 
alte  anbere  23efuftigungen  entbehren,  m$  mug  nta)t  bie  (fe 
fenntnig  ©otteS  unb  bie  Dffenbarung  ber  göttfia)en  ©eljetm* 
xtiffe  bei  ben  ©faubigen  au  ©taube  bringen?    SBenn  bie 
(£ngef  im  £immef  ipre  greube  fyaUn  an  ber  mannigfaltigen 


1279 

$5ei#eit  ©otteS  unb  wenn  fte  gelüftet,   bte  ©efjetmniffe  be# 
©nabenreta)3  au  flauen,  warum  fottten  nia)t  bie  lieben  tinber 
©otteS  tjjregreube  ftnben  an  benSÖunbern  ©einer  @üte  unb 
»on  £eraen  begehren,  btefelben  j[e  mel)r  unb  mepr  au  betrach- 
ten ?  Von  einem  tugenbfamen  SOSeibe  unb  einer  fleißigen  £au$* 
mutier  fagt  ©alomo :  ,,©ie  merft,   wie  if>r  £anbel 
9lu#en  bringt,  barum  verlöfä)t  be$  9lacbt$  ijjre 
£ampe  nia)t"  Cfte  fe#t  iljre  Arbeit  bei  £ag  unb  9taa)t  um 
fo  emftger  fort)*     ©efcfyiefjt  nun  baS  in  seitlichen  fingen, 
wa$  follte  ber  ©laubige  nia)t  in  geift(ia)en  tfmn,  wenn  er  bie 
©üßigfeit  berfelben  fä)mecft  unb  merft,   wie  gut  eS  fep,  wenn 
man  jta)  au  ®  Ott  fwlt,  mit  3!>m  in  ©ememfa;aft  lebt,  unb 
3!>m  von  £>eraen  naa)Wanbett  ?  — •  d)  £)ie  ©taubigen  werben 
in  ber  ©ebrift  mit  ben  neugebornen  Jh'nbero  verglichen  unb 
ermahnt,  baß  fte  begierig  fepnfotten  naa)  ber  Vernunft U 
gen,  lautem  Wlilfy,  auf  ba$  fie  burd)  biefelbe 
junebmen  mögen.    9cun  mi$  man,  t>a$  biestern  awar 
große  Wlvfyt  unb  viele  ©orge  mit  ben  tinbern  f)aben ,  benn 
fte  muffen  btefelben  Pflegen,  Ijeben  unb  tragen ;  befonber^  barf 
bie  Butter  feine  TO^feligf  eit ,  feine  fä)laftofe  9Ma)te  unb 
anbere  53efdjwerben  freuen  n.    allein  bieg  2llle$  gefa)tej)t  au 
bem  @nbe,  baß  ba$  tinb  annehmen,  warfen  unb  bte  greube 
ber  ©einigen  werben  möge*    3e  langer  bte  ttnber  unter  ber 
liebreichen  Pflege  ber  Altern  ftnb,  befto  me£r  beginnen  fte  an 
%ab  unb  ©eele  ausweinten,     ©ie  lernen  naa)  unb  naa)  bie 
Altern  lernten,  lächeln  tjmen  freunblicb  au,  unb  fcfmtiegen  jlo) 
an  btefelben   mit  ftnblicber  £olbfeltgfett  an.    Unb  wie  bie 
©orgfalt  ber  Altern  nia)t  aufbort ,    wenn  aueb  bte  hinter 
jj?eranwaa)fen,  fo  nehmen  biefe  unter  tjm*  Verpflegung  immer 
me£r  au,  ef>ren,  lieben  unb  fürchten  bie  Altern,  bte  fte  enblid) 
au  völligen  Gräften  fommen.  —  (£benfo  verjält  e$  fta)  aua) 
mit  ben  tinbern  ©oiteS*  ©er  £err  $at  ebenfalls  viele  Wltyt 
mit  t&nen,  @r  gibt  tlmen  ©ein  SOSort,  pflegt,  foU  unb  trägt 
fte  mit  Sangmutl?  unb  ©ebulb,  verforgt  fte  reia)lia)  mit  bem, 
was  t£r©etft  unb  Körper  bebarf,  fa)ü§t  jte  bura)  ©eine^caebt 
unb  ©nabe,  tynt  aus  lauter  ZkU  mejjr  an  ilmen,  aU  alle 
Altern  an  iJ)ren  Äbern  tfmn  fbnnen,  bamit  fte  3jm  im* 
mer  me|>r  erfennen,  efjren,   fürchten  unb  lieben  mögen.  *~ 
e)  2>ie  (griffen  werben  in  ber  ©a)rift  Verlobte  be$  #erw 


1280 

genannt,  mit  welken  (£r  ©ic§  im  ©tauten ,  in  ber  ©nabe 
unb  33armper3igfeit  tterbunben  pat*  233ie  nun  gottfelige  unb 
tugenbj)afte  (££eleute  ftcf)  täglich  me£r  Iteben,  unb  wie  eine 
iugenb^afte  33raut  t£ren  Bräutigam  immer  lieber  gewinnt, 
je  me£r  jte  feinet  treuen  unb  liebrei^en  £er$en$  *>er* 
ft$ert  wirb,  wie  fte  jt$  befleigt,  i£m  in  Willem  gefällig 
gu  fe^n,  fo  ma$t  e3  bie  gläubige  Seele  auti)>  3e  mefjr 
©t^  3efu^  t£r  offenbart,  je  meljr  ©ute$  jte  au3  ©ei* 
ner  ^eiligen  ©emeinfcfyaft  empfängt,  befto  mepr  liebt  fte 
3fjn ,  bejio  großer  wirb  i£r  Verlangen  unb  tpr  gleig  3f>m 
gu  bienen  unb  na$  (Seinem  Jjeiligen  SBillen  gu  leben.  — 
f)  £)a$  ©nabenwerf  ber  23efe£rung  beS  Wlenföen  wirb  in 
ber  ©tfjrift  mit  einem  Slcferwerf  *>ergli$en;  ba£er  fagt  tyau* 
fu6:  ,3ir  finb  ©otteS  @e£ü*fett  unb  t£r  fe$b 
©otte$  2lcferwert\"  2öie  wir  aber  son  unfern  gelbern 
unb  ©arten,  *>on  unfern  Räumen  unb  anbern  ©ewädjfen,  bie 
wir  fleigtg  beforgen  unb  in2l$t  nehmen,  von  3a£r  gu  3aj?r 
mejjr  grüßte  erwarten,  fo  »erlangt  ©Ott,  ber  fu$  unferer  ©ee* 
len  fo  per$li#  angenommen  unb  biefetben  au$  einem  serwil* 
berten  Slcfer  31t  ©einem  £uftgarten  gemaebt  $at,  bag  wir  *>on 
£ag  ju  £ag  warfen  unb  annehmen*  3«  biefem  ©inn  fagt 
unfer  £eilanb :  „5ftein$ater  wirb  einen  jieben Sieben 
an  Tlix,   ber  grucfyt  bringet,  reinigen,  ba%  er 

me|>r  gru$t  bringe/' g)  £auptfä$li$  aber  ift  oie 

$fli$tbe6@jjrijtot:im©taubenunbinber©ottfeligfeit 
gu  warfen  unb  barnaej)  gu  ftreben,  täglt$  weifer  unb  beffer 
gu  werben,  in  mehreren  ©teilen  ber  £eil.  ©$rift  entsaften* 
Unter  biefen  fe£en  wir  mit  9?eebt  unfere  £erte$worte  soran, 
in  wetzen  ber^lpoftel  fagt:  „£iebe  33rüber,  wir  bitten 
unb  ermahnen  eud)  in  bem  pexxn  3efu,  na$bem 
tl)r  empfangen  fyabt,  wie  ifyx  wanbeln  unb  ©Ott 
gefallen  follt,  bag  i£r  immer  sollfommener 
werbet"  (£r  willfagen:  i£r  wiffet,  meine  hieben,  bag  ©Ott 
eudj  bteljer  burty  um  2lpofM  oie  groge  ©nabe  erwiefen  fot, 
bag  t£r  im  wahren  G>  jmftent£um  beutlicfc  unb  fleigig  untere 
rietet  würbet  unb  alfo  wiffet,  wie  ibr  im  ©lauben  unb  in 
ber  $iebe  wanbeln  unb  bem  £errn  gefallen  follet  9?un  müfc 
fet  tpr  euef)  aber  äl$  fleißige  unb  fähige  ©cjmler  bezeugen  unb 
e$  nityt  beim  bloßen  SBijfen,  wfy  nicfyt  bei  bem  Anfang  unb 


1281 


ben  Erftlingen  ber  größte  beS  ©eijletf  bewenben  taffen,  fon» 
bern  tyx  muffet  barna$  trauten,  »ort  £ag  ^u  £ag  wtffom* 
mener,  peitiger  unb  mit  allen  grüßten  ber  ©erecfyttgfeit 
erfüllt  gu  Werbern  —  £)iefe  Ermahnung  war  Hi  ben  £jjef* 
faloniepern  Wirfltd)  x>on  großem  otogen;  baper  rebet  sJ5autuS 
biefelben  in  feinem  3  weiten  ©rief  alfo  an:  „253  ir  follen 
©Ott  banden  allezeit  um  euep,  Hebe  trüber,  wie 
e$  billig  tji,  benn  euer  ©laube  wäcpfet  fepr  unb 
bte  Siebe  tim$  Seben  unter  eu$  Otiten  nimmt  $u 
gegen  einanber,  alfo,  baß  wir  un$  euer  rühmen 
unter  ben  ©emeinben  @otie£/'  £5  vok  glücflid)  fmb 
Uc  Seprer,  welche  fol$e3  $on  ipren  3uprern  rühmen  fön* 
nen,  wie  gtütffelig  bie  3^örer,  bie  x>$n  ipren  Seprem  tin 
folcpeS  3^ugnig  erpalten!  —  5lepnlicpe  Ermahnungen  fmbet 
man  in  anbern  ©riefen  jenes  großen  2lpoftel3:  „Wl  tintlhbtn 
©rüber,  fagt  er  ju  ben  ^orintpiern,  fe^b  fefi  unb  un* 
beweglich  unb  nehmet  immer  §u  im  2Berfe  be£ 
£errn,  [internal  tpr  wiffet,  baß  eure  Arbeit 
nid)t  $ergebli$  iji  in  bem  £errn/'  gerner:  „2)ie* 
weil  wir  nun  folc^e  SBerpeißung  ljaben,  (baß 
©Ott  unfer  $ater  fejn  will  unb  wir  6eine  (Böpne  unb 
£ö$tern  fep  follen),  fo  laffet  un$  son  aller  ©e* 
flecfung  Hß%U\\fyp4  unb@dfte0un£  reinigen  unb 
fortfahren  mit  ber  Heiligung  in  ber  %nxä)t 
©otte$.  3u  ben  Eppefern  fpriept  er:  ©Ott,  ber 
#err,  fyabz  ba$  ^rebigtamt  in  ber  llbftcpt  eingefegt,  „baß 
baburej)  ber  ?eib  SfrifM  erbauet  werbe,  bi^  baß 
wir  $lle  pinanlommen,  su  Einerlei  ©tauben  unb 
(£rf  enntniß  beS  @of>ne£  ©otteg  unb  ^in  votU 
fommener  S^ann  werben,  ber  ba  fe$  in  bem 
2D?aaß  be£  soUfonunenen  2tl£er$  Eprifti,  auf  baß 
wir  niept  meljr  $inber  fe^en  unb  un£  wagen  unb 
wiegen  faffen  tton  allerlei  25inb  ber  £el)re* 
Raffet  un£  aber  recl;tf cr)affen  fe^n  in  ber  Siebe 
unb  warfen  in  aUen  8tücfen  an  2)em,  ber  ba£ 
£aupt  ift,*  @jmftu&"  Ebenfo  f treibt  er  an  bte  tyfa 
lipper:  „Q  arum  bitte  icp  felbft  für  eu$ ,  baß  eure 
Siebe  je  meljr  unb  mepr  rei$  werbe  in  allerlei 
Erfenntntß  unb  Erfahrung/'    —  $etru$  befd&tiegt 

©evit?  et'S  5«lwfclj«£.  81 


1282 


feinen  swetten  ©rief  mit  ben  Porten :  „23aa)fet  in  ber 
©nabe  unb  (£rfenntnif?  unfereS  £errn  unb£ei* 
*anbe£  3efu  £f)riftu/;  tiefem  fttmmt  aua)  3uba$  kt, 
wenn  er  fägt:  „3!>r  Sieben,  erbauet  eua)  auf  euren 
allerljeiltgften  ©laufen  (fejjet  ^u,  bag  tyx  barm 
immer ftärfer werbet)  burd)  ben  fieit*  ©eijt,  unb  htttu 
—  2lud)  in  bem  alten  geftament  ftnben  fta)  ä|mlia)e  2lu£* 
fprüd)e,  3*  SB*  wenn  2)a*nb  *>on  hm  grommen  faßt,  baß 
fte  einen  ©ieg  nad)  bem  anbern  erhalten,  sott 
$raft  gu  $raft  unb  wn  £ugenb  au  £ugenb  fortfo)reiten 
werben,  ober:  „£)er  ©erea)te  wirb  grünen  toic  txr\ 
53almbaum,  er  wirb  warfen  i^ie  bte  Gebern  auf 
Libanon;  t>ic  gepflanzt  finb  in  bem  £aufe  beS 
#errn  werben  in  ben  &or£öfen  unfereS  ©otteä 
grünen,  unb  wenn  fie  gleia)  alt  werben,  werben 
fte  bennoa)  blühen,  fruchtbar  unb  frifd)  fe^tu" 
SSenn  atfo  aud)  bei  ben  Reiften  bte  natürlichen  Gräfte  bura) 
baS  Ijolje  Sitter  gefa)wäd)t  werben,  fo  werben  boa)  bte  gei* 
fligen  Gräfte  nia)t3  befto  weniger  in  softem  2öa$$t£unt  er* 
galten*  £iej)er  gehören  aua)  bieSöSorte  be3  $önig3  ©alomo : 
£>er  ©ered)ten  $fab  glänzt  'ioh  ein  £id)t,  ba$ 
ta  fortgebt  (annimmt)  unb  leua)tet  biSauf  ben  sollen 
Z  a  g/'  $u$  alten  biefen  ©teilen  erhellt  beutttd) ,  baf?  bie 
©laubigen  niä)t  allezeit  ^inber  bleiben,  fonbern  soltfommene 
Männer  werben  folien,  naa)  Wm  Wlaa$  be3  sollfornmenen 
2Itter3  (Üfrtftu  ©te  folien  nia)t  immer  ein  gltmmenber 
2)oa)t  fe^n,  fonbern  aua)  barnad)  traa)ten,  baß  fte  burd) 
©otteS  ©nabe  teua)ten  unb  fa)einen  mögen  wie  bie  £id)ter 
in  ber  2Belt  6ie  folien  nia)t  bloS  al£  jiunge  Säume  bie 
(£rfttinge  bringen,  fonbern  barnaa)  ftreben,  ka$  ffemitgrüd> 
ten  ber  ©ered)tigfeit  erfüllt  werben  bura)  Sefum  (E^riftum 
gur  Gr^re  unb  jum  Sobe  ©otte£*  ©ie  folien  nia)t  immer 
ijre  ©a)wad)i?eiten  sorfa)ü§en ,  fonbern  ftd)  aua)  befleißigen, 
ba$  fte  mit  $autu$  fagen  twtnen:  ,,3d)  vermag  2illeS 
burd)  ben,  ber  mid)  mäa)tig  mad)t,  —  ß^riftuS." 
2)  2Öir  wollen  nun  aber  aua)  fe^en,  wie  befd)affen  ba$ 
2ßad)$tf>um  beS  ©laubigen  fep  unb  wie  e$  babei 
guge^e?  3ttw  liege  fta)  btefeg  leid)t  auS<  bem  SSt^erigen 
ableiten;  allein  wir  wollen  ber  Einfältigen  (Ungeübten)  wegen 


1283 


bk  ©ao)e  noo)  etwas  weiter  ausführen.    Soor  allen  fingen 
ijt  nämlia)  &u  merfen,  bag  ba3  2öaa)$tj?um  beS  ©laubigen 
£auptfdä)lid)  auf  zweierlei  ©egeuftdnbe  gerietet  ifl,  — 
auf  bie  (£rfenntnig  ©otte3  unb  auf  ^tn  Dtcnfl 
beffelben  ober  auf  ba6  SBiffen  unb  SEJjun,  auf  ben 
©laufen   unb  bte   ©ottfeli  gleit,    wie    aus    Stelen 
©teilen  ber  ©dmft  erteilt    2Bir  bitten  ^on  ©Ott,  fagt  ^3au* 
fug  3u  ben $oloffern,  bag  tpr  erfüllt  werbet  mit  (£r* 
fenntnig  ©eines  SÖtHenä  in  allerlei  getjtlid)er 
3Sei$£eit  unb  SSerftanb,  bag  tjjr  würbiglia)  wan* 
beft  bem  £errn  ^u  gefallen  unb  fruchtbar  fe^b 
in  allen  guten  Werfen  unb  waa)fei  in   ber  (£r* 
fenrftnig  ©otteg   unb  geftärft  werbet  mit  aller 
$raft  naa)  ©einer  #errli$en  Wlafyt  in  aller  ©e* 
bulb  unb  öangmutl?  mit  greuben.     2)a3  @leia)e 
fagt  er  in  anbern  (Stellen,   Uc   wir  fur$   $m>or   angefügt 
yt&txu  —  a)  Sag  nun  ba£  @tfte.  Betrifft,   fo  ift  $wär  un# 
läugbar,  bag  eS  nid;t  alle  Triften  in  ber  (Memttnig  ©olleS 
gleid)  weit  Bringen  fömten ,   weil  jtdj  bei  ben  3#örern  wie 
bei  ben  £ef?rern  mancherlei  ©aben  be£  ©eifteS  fmbetu    5lua) 
liegt  auger  3weifel,  bag  %vt  bem  23efen  beö  ©laubeng  feine 
groge  2£iffenfa)aft  erforbert  wirb,   weil  fta)   manchmal  ba$ 
ganje  ausgebreitete  äßiffen  ber  ©eleprlen  in  ber  21nfeä)tung 
unb  befonberS  in  ber  legten  -^0$  in  tin  fur^eö  23efenntnig, 
in  einige  ^ernfprüd)e  ber  ©a)rift  ober  etliche  ^er^en^feufter 
gufammen^ie^t.     allein  bemo{mgead)tet  Ijahm  alle  djriften 
bie$flia)t,  mit  gleig  bamaä)  au  trad)ten,  bag  fte  nid)t  blog 
ij?ren  $ated)i3muS  gut  inne  Ijaben  unb  rea)t  •oerfte^en ,  fon* 
bern  bag  fte  wo  möglia)  aud)  noa)  mepr  »on  ber  d)riftlid)en 
€ejre  faffen  unb  begreifen  mögen*  £)emt  fürwapr  ber  ewige, 
gütige,  allmächtige  unb  allweife  ©Ott,   ber  fta)  un3  armen 
Wm\fym,  naa)  ©einem  2ßefen  unb  Tillen,  fo  gndbig  geofc 
fenbaret  i?at,  iji  e£  boä)  wopl  wertj),  bag  wir  3jm  mit  be* 
müßigem  ©eifte  gu  ernennen  trad)ten,  unb  un$  an  ©einer 
|>errlid)en  SSttajeftdt,   an  ©einer  unenblia)en  £tebe  unb  an 
bm  Sßunbern  ©einer  Wlafyt  unb  ©üte  ergoßen.   —  2Sir 
loben  ben  Sßorwiö  ber  popen  ©elfter  nia)t,  wela)e  auger  bem  28ort 
grübeln  unb  meljr  wiffen  wollen,  aU  fte  wiffen  follen,  fonbern 
reben  nur  wn  bem  gleig ,  welchen  bie  2)emütJ>igen  unh 

81* 


1284 


©otte£füro)ttgen  anwenben  follen,  um  tjjren  ©ott  unb  $a* 
ter  fammt  ©einem  lieben  ©ojme  3efu  Gtjjrifto  unb 
beut  fieit  ©etft  red/t  au  erfennen  imb  fta)  über  ©eine 
©üte  8u  freuen*  —  &bm  fo  fmb  bie  ©epeinrniffe 
be$  3?eia;e3  <25otte^,  wela)e  felbft  bie  ßmget  au  burd)f d;cwen 
wünfdjen,  e$  woljl  wert!?,  baß  wir  fleißig  über  fte  nao)benfen, 
fte  mit  9ftaria  in  unferem  £er$en  überlegen,  un$  im  ©eift 
barüber  freuen  unb  un$  felbft  baburd)  au  größerer  $kU 
©otte3  aufmuntern  laffen.  Unb  wenn  ber  Sttenfa)  fo  x>kl 
3ett,:3ttü£e  unb Soften  aufwenbet,  um  i>k  ftitlifyen  unb  *>er* 
gänglicfyen  2)~inge  f  ernten  au  lernen,  warum  follte  er  fta> 
rodjt  mit  allem  (£ifer  bemühen,  ftd)  audj  Ut  lnmmlifd)en  unb 
unvergänglichen  anaueignen?  Unb  weil  unfer  £er$  olptie^m 
tton  "Statur  fo  wißbegierig  ift,  warum  wollten  wir  ifmt  biefe 
(enteren  nia)t  vorlegen,  baß  e3  ftd)  barin  mit  fmblid)er  $urd;t 
unb  £)emutl>  gegen  ©Ott  übe  unb  fein  Verlangen  ftttfe? 
(£nblid)  jjat  un£  ber  £err  ja  ©ein  Jjeiliges?  Söort  beßwegen 
gegeben ,  ba$  wir  barin  forfdjen  unb  bie  i#mmlifa)e  2öei3* 
{Seil  barauS  lernen  follen.  (£r  laßt  ben^ann  feiig  greifen, 
ber  feine  £uft  an  ©einem  @efe#  £at  unb  baoon  rebet  £ag 
unb  ^ad)t,  unb  vergleicht  ipn  mit  einem  23aum,  ber  an  bm 
2ßafferbää)en  gepflanaet  ift,  ber  ftet£  grünt,  blm)t  unb  grüdjte 
bringt.  @$  gefd)iejjt  aud;  nia)t  von  Ungefähr,  baß  wir 
in  unfern  £agen  $>a$  2ßort©otte$  fo  reid)lid)  befreit,  inbem 
bte  jjeif*  ©d)rift  in  fielen  ©prägen  gebrudt  wirb  unb  um 
einen  billigen  $rei$  p  $täw  ift*  2)e*  £err  ^ill  au$ 
großer  ©üte  ba$  @vangelium  allen  Triften  vorlegen  laffen, 
txxmxt  e$  t^nen  nia)t  an  Wliwln  fejjle,  ftd)  vor  ber  ©ünbe 
au  bewahren ,  bamit  fte  aber  aua; ,  wenn  fte  biefelben  ver* 
achten,  feine  (£ntfd)ulbigung  £aben  an  jienem  großen  £age* 
—  Ueberbieß  follte  jieber  ©?rift  au$  ©otte$  SBort  fo  tötet 
Wtffen,  baß  er  bemjenigen,  ber  ©runb  forbert  von  ber  £off* 
nung,  bie  in  ijmt  ift,  bte  gehörige  Antwort  geben  fönnte* 
(£r  folle  alfo  gerüftet  fep,  um  ben  SSerfü^rem  au  wiberftejjen 
unb  fto)  nid;t  vok  ein  ©a)iff  ojme  Kompaß,  ojme  ©teuerruber 
unb  dinier,  von  allerlei  SSinb  ber  £ef)re,  welche  bie  ©a)alf* 
tyit  unb  £ctufa)ung  ber  ^enfdjen  auf  bie  Sßafyn  bringt,  um* 

Vertreiben  laffen. £)emnad)  foll  ber   ©laubige  nid)t 

allein  auf  bk  ^rebigten  fleißig  2ld;t  $oüm  unb  barauS  ler* 


1285 


nen,  fonbern  er  fott  bie  <Sd)rift  fett{l  öftcrd  lefeu ,  jta)  mit 
ben  *>oraügli#en  $ernfprüd)en  befannt  maa)en  unb  biefelben 
bei  £ag  unb  9lad)t  fleißig  überlegen*  <£r  foil  biefelben  au 
bem  (£nbe  nid)t  blo3  in  fetner  IBibet  untertreiben,  fonbern 
ftd)  tin  eigene^  @prud)bud)  anlegen,  in  welä)e3  er  Sitten 
einträgt,  was  $itr  (£rfenntnijj  ©otteö,  sur  ©tärfung  unb 
23efeftigung  be£  ©laubenS,  £ur  Sermejjrung  ber  2lnbad;t, 
ber  2)emutj?  unb  Siebe,  ^ur  wahren  ©ottfeligfeit ,  jum  fraf* 
tigen  £roft,  $ur  2krfd)mäfnmg  ber  Seit  unb  ^um  Verlangen 
nad)  bem  £immtf  bienlid)  ift*  Rann  er  babei  nifyt  auredjt 
fommen,  fo  foll  er  ftd;  be3  9^at^^  eines  frommen  23eia)t= 
saterS  bebienen*  $ud)  aft  nötfng,  ha$  er  ein  befonbere£ 
33ua)  beftge,  worum  Uc  ^auptjlüde  ber  $rtftlt$en  Seigre 
enthalten,  erflärt,  unb  wiber  alte  Gmtwenbungen  ber  33er^ 
fü^rer  *>ertf)eibigt  ftnb ;  boa)  foll  er  aud)  in  biefem  $alle  einen 
erfahrnen  6eelforger  um  3?atJ  fragen.  —  SDfanajer,  ber  biefeS 
Ke$t,  wirb  $wax  M  ftd)  felbji  fagen:  3a)  bleibe  hü  meiner 
(Einfalt  unb  bei  bem,  was  ia)  in  meiner  Sugenb  5oon  mei* 
nen  Altern  ober  in  ber  @d;ule  gelernt  $abe,  wo  follte  ia) 
fo  snel  Seit  Jjeruelmten,  um  fo  ttiel  \\x  lefen  unb  $u  fd)ref* 
Un  u.  f.  w*?  —  Iber,  o  (Sprift,  baS  2Bort  Einfalt  Jat 
mehrere  IBebeutungen;  bisweilen  ift  e£  fo  »tel  aU  21  uf* 
rid)tigfeit  beS  «"per^enS  unb  wirb  ber  £eud)elei  ettt^ 
gegengefe^t  bisweilen  ift  e6  fo  x>iü,  aU  £)emutl),  ©e* 
nügfamleit  unb  aufrid)tige  greube  beS  ©lau* 
benS  an  bem,  wa^  uns  @ott  in  Seinem  2öort  geoffeu* 
bart  j?at,  unb  wirb  bem  SSorwig  unb  bem  fleifa)lia)en  @inn 
ber  Vernunft  entgegen  gefegt*  33t$weften  aber  bebeutet  e£  eine 
2llbernfjeit,  eine  groft e  *>orf  ä£litt)e  ttnwiffen* 
Ijett,  einen  Unserftanb  unb  wirb  ber  2ßei31?eit  unb 
&tii$sü  entgegen  gefegt*  3n  ber  erftep  unb  ^weiten  33e* 
beutung  foll  ber  Qtj)rift  Ut  Einfalt  lieben  unb  haM  bleiben, 
aber  in  ber  brüten  ift  biefelbe  ftrafbar  unb  fa)icft  ftd)  nia)t 
für  baS  djjriftentlmm,  wela)e3,  \vk  $auluS  fagt,  tint  'igt* 
fenntnijjj  ber  Söa^r^eit  unb  ©ottfeligfeit ,  in  ber  Hoffnung 
beS  ewigen  £eben3  ift  2)a|>er  verlangt  ber  Sfyojkl  aua> 
son  ben  djjriften  allerlei  geiftlid;e  2Bei3I)eit  unb  ^erftanb*  — 
3a)  weif;  $wav  woj?l,  baff  ein  SDfenfd)  *>on  Statur  einfältiger 
iß,  als  ber  anbere;  ia)  eifere  aber  gegen  bie  ttorfäglictye  unb 


1286 


angenommene  Einfalt,  burd)  wela)e  ber  SWenfö  feine  9latt)taßig* 
feit  in  getjHia)enSmgen  au  entf dmlbigen  fua)t.  £>  »te  »tel  gleiß 
wenbet  bie  fogenannte  Einfalt  oft  auf  eitle  Singe,  wie 
fdmetf  lernt  fte  biefelBen  serftepen  unb  wie  sotel  vermag  fte 
bason  au  faffen,  wäj)renb  fte  ftd)  um  göttliche  unb  geifttiäje 
Singe,  t>k  ba$  $tit  ber  Seele  betreffen ,  niä)t  Bemühen 
Will!  3|i  e$  nia)t  au  Befragen,  b&$  wir  fo  Begierig  ftnb, 
3eitlid)e  unb  unnüöe  Singe  au  fioren  unb  au  lefen,  foBalb 
wir  un£  aBcr  in  jn'mmlifa)en  unb  ewigen  unterrichten  faffen 

follen,  wollen  wir  Bei  unferer  Einfalt  Metten? 2öa3 

aber  bie  &it  Betrifft,  mit  welcher  bu  bid),  o  Sttenfa),  gleia> 
falte  entfd)ulbigen  toiUft,  fo  wenbe  biejenige  baau  an,  wela)e 
©Ott  felBj!  baau  Beftimmt  £at,  —  ndmlia)  bm  Sonntag! 
2ld)!  wenn  bie  ^txt,  bie  am  £age  be3  £erm  fo  Ijäuftg 
im  Müßiggang,  mit  £rtnfen,  Spielen  unb  £anaen,  mit 
$u§  unb  anberer  tteppigfeit  f>ingeBrad)t  wirb,  aum  £efen  in 
ber  JjeiL  Sd)rifi,  aum  £erau£fo)reiBen  BiBlifojer  Sprüd)e, 
aum  9fad)benfen  üBer  baS,  was  wir  in  ber  $ira)e  gehört 
JmBen,  au  anbern  gottfeltgen  23etrad)tungen,  aum  S3eten  unb 
Singen  angewenbet  würbe,  wie  würben  wir  Balb  eine  er* 
wünfd)te  SBerdnberung  in  ber  faft  serwilberten  Gtfmftem)eit 
waj)meljmen!  —  Sanier  fage  id)  l)ier  aBermalS  mit  $ea)t: 
„3rret  eud)  ntd)t,  ©Ott  läßt  (Bio)  nid)t  flotten!" 
28em  e£  an  <Exn[t  ift  mit  ber  UeBung  in  ber  ©ottfeligfeit,  ber 
wirb  gewiß  3zit  baau  ftnben.  —  $at  aBer  dincv  unter  eud) 
fd)on  früher  t>tn  gehörigen  gleiß  angewenbet,  um  au  ber 
geiftfitt)en  2Sei£j)eit  au  gelangen  unb  barin  au  warfen,  ober 
läßt  er  ftd)  burd)  biefe  ^rebigt,  ober  burd)  einen  anbern 
llmffanb  baau  aufmuntern,  fo  fef)e  er  ja  barauf,  baß  ba$ 
Sßiffen  ijm  nid)t  aufBlafe,  nia)t  ftola  ober  fta)er  mao)e. 
Senn  letber  muffen  wir  Bei  fielen  bie  (ürrfajjrung  mad)en, 
ba$  fte  üBer  bem  Sötffen  ba3  ©ewiffen  serfäumen  unb  bie 
©ottfeltgfeit  au3  ben  klugen  fegen.  Sajer  foKen  wir  nia)t 
in  ber  Sa)rift  lefen  unb  un6  Bemühen  in  ber  (£rfenntmß  be£ 
ßljriftentfwmg  immer  weiter  au  kommen,  um  e$  BloS  a« 
wtffen  ober  uns  sor  anbern  bamit  fejjen  au  laffen,  fonbern 
ba$  SBiffen  muß  aud)  auf  ba3  ®wiftm  wirfem  SSaS 
wir  au£  ©otteS  Sffiort  faffen,  ba$  foll  nia)t  Bios  im  ©ebäd> 
niß  BleiBen,  unb  unfern  £erj*anb  Bereitem,  fonbern  e$  muß 


1287 


aufy  ba*S  £erj  einnehmen,  ben  Tillen  regieren  unb  alle  im* 
fere  Sinne  unb  Gräfte  jjetltgen.  ©otte£  SBort  foliC  bei  un$ 
tudjt  wie  ein  Stein  im  2lcfer  fep,  fonbern  wie  ein  Saa* 
menforn,  e3  muß  üt$  £eben  übergeben  ,1  e$  muß  ^ur  ££at 
unb  Hebung  fommen*  2111  unfer  £ören,  2efen,  ©treiben 
unb  9?a$forfc£)en  in  geiftli^en  £)ütgen  ntuf  hk  2lbfttf>t  jja&en, 
ba§  wir  ©Ott  immer  mejjr  erlernten,  inniger  lieben,  fürchten, 
e^ren,  3pm  befto  fefter  vertrauen,  unb  williger  bienen» 
2öir  muffen  nifyt  tttö  in  (Seiner  (Erfenntnig,  fonbern  aud) 
in  ©einer  Jurdjt  unb  Ziehe  warfen;  benn  fonji  würbe  un3 
unfer  SBiffen  ni$t  nur  nichts  nü£en,  fonbern  fogar  f^äblidj 
fepn,  wie  unfer  £eilanb  fagt:  din  Rnefyt,  ber  feinet 
£errn  Sßillen  voeify,  unb  Jjat  fi<$  nic^t  berettet, 
aud)  nic^t  nacf»  feinem  SSillen  getrau,  ber  wirb 
siel  ©treibe  leihen  muffen;  t>enn  wem  *uel  ge* 
geben  tft,  $on  bem  wirb  man  siel  forbern. 

b)  2Bir  fommen  aber  nun  $u  bem  28ad)£tfj>um  in  ber 
©ottfeligf  eit,  unb  wollen  aud)  barüber  ba3  9?ötjrige  angeben» 
(£3  ift  befannt,  bag  auefy  ber  SStebergeborne  mit  feinem 
fünbli^en  gletfct)  U$  ans  ©rab  ^u  fämpfen  ijjat,  wie 
ber  2tyoftel  fagt:  „£>a$  gleifdj  gelüftet  wiber  ben 
©etjl  unb  ben©eift  wiber  ba3  gleifd?,  biefelben 
finb  immer  wiber  einanber."  £)a£er  befleißigt  ftdj 
ber  ©laubige,  baß  er  in  biefem  (Streit  nid)t  bloS  wiberfte|»en, 
fonbern  aud}'  einen  Sieg  um  ben  anbern  ba^on  tragen  möge. 
(£r  t^ut_  bem  fünblicfyen  gleifdj  täglich  me£r  3wang  an, 
Ireu^igt  feine  lüften  unb  23egievben,  unb  fuc^t  jtc  allmäljlig 
unter  ba3  fanfte  3od)  (grifft  ^u  bringen*  Gnr  tjt  ein  $ei$U 
ger  Sanier  in  ber  Sdmle  be£  Ijeil*  ©eijle£,  unb  nht  ftcfi 
täglich  weiter  ^u  fcmtmem  dv  l;ai  ba$33ilb  feinet  @:rlöf er £ 
immer  »or  klugen,  unb  gibt  ftdj  alle  9ftüj)e,  baffelbe  immer 
beffer  unb  sollfommener  in  ftd)  baquftellem  3n  biefem 
Sinn  fagt  $etru3:  „glieljet  bie  ttergäuglidjen  £üjte 
ber  Sßelt,  unt>  wenbet  allen  gleig  baran,  unb 
reichet  bar  in  eurem  ©lauben  Sugenb  unbjn  ber 
£ugenb  33ef Reiben Jjett  (^lugpeit,  t>a$  Me$  $u  rechter 
Seit  unb  am  gehörigen  Ort  gefc^ejje)  unb  in  ber  2$ e* 
f^eiben^eit  SDfäfHgfett,  unb  in  ber  %flä$i&ftit 
©ebulb,  unb  tu  ber  ©ebulb  ©ottfeligfett,  unb 


1288 


in  ber  ©ottf elf i^ feit  brüberlic^e  Siebe,  unk  m 
ber  brüberlidjert  Cte^e  allgemeine  £iefee.  —  — 
2)er  ©laubige  fud;t  femer  nia;t  bloS  eine  Untugenb  um 
bie  anbere  abzulegen,  fonbern  ü^t  jtd)  immer  in  ber  ©Ott* 
feligfett*  $at  er  fo  eben  erft  ein  gute£  2£erf  ju  ©otteä 
@{jre  tferriajtet,  fo  ift  er  fa)on  lieber  auf  ein  anbereS  be*, 
baa)t,  weil  er  weif?,  baß  wir  ®uk$  tjmn  muffen,  fo  lange 
wir  3^tt  £afeen.  —  ©leiajwie  t>k  Zitronen  unb  ^omeran^en* 
bäume  allezeit  unfertige  unb  zeitige  grüßte  neben  einanber 
$töm,  unb  wie  unfcre  Dfeftbäume  alle  3af)re  neue  @:proffen 
treiben,  um  immer  meljr  neue  5rüd)te  tragen  $u  fönnen,  fo 
tterljält  e$  fta;  aua)  mit  rea)tfd;affenen  unb  eifrigen  Triften» 
(Sie  finb  £u  j[eber  3eü  barauf  bebaä)t,  frömmer, 
peiliger,  wopltpfiger  unb  liefernder  au  werben.  Unb 
tt>k  bie  33äume  $nogpen  auf  t>a$  nää)fte  3af>r  geugen, 
fo  trägt  |ebe  2Q3of>ltfjat,  bie  fte  Zubern  erweifen,  fä)on  in  ftdj 
ein  fe£nlic(je3  Verlangen  naa)  einer  neuen*  <5te  warten 
begierig  auf  eine  Gelegenheit,  aua)*  ferner  tf?ren  ©lauben 
unb  ipre  $kU  au  ©Ott  au  beweifen  unb  ftnb  gleid;fam  son 
einem  peti-  ©etabefeelt,  baß  fte  reia)  werben  wollen  in  guten  SSer* 
!en  unb  ©a)ä§e  fammeln,  jta)  felfeft  einen  guten  ©runb  auf$3u* 
fünftige»  ©ie  wollen  nid)t  bloS  immermeljr  ^une^men  im 
©uten,  fonbern  wünfa;en  barin  eine  geftigfeit  au  erlangen; 
es  liegt  iljnen  baran,  We$  $on  £ag  au  £ag  williger,  frö  jrtia;er  unb 
wttfommener  au  #mu  2)enn  wk  ber  $nafee  burd)  beftän* 
bigeS  £efen  unb  ©abreiben  enblia)  ba^in  fommt,  ba$  er 
nia)t  bloS  gertigfeit  barinn  Jwt,  fonbern,  baß  e$ 
tym  aud)  greube  xnafyt,  alfo  gelangen  bie  rea)tf  offenen 
(Seelen  bur$  perali^eS  ©ebet  unb  feeftänbtg,e  Uefeung  enb* 
lid)  baptn,  baß  ijmen  t>k  ©ottfeligfeit  m$t  fa)wer  unb  *>er= 
brüßlia),  fonbern  eine  wafire  Suft  ijl  unb  e$  wäre  i^nen 
nitt)t  re$t ,  wenn  fte  t>axin  etm$  serfäumen  fotften.  — 
anfangs  fann  e$  swar  «oorfommen,  'baß  fte  irgenb  eine  Zu* 
genb,  weldjc  etwa  bem  fünblid)en  gleifa)  sor  anbern  auwtber 
tft,  mit  einigem  SBiberftreben  beffelfeen  ausüben;  allein  fte  be* 
tm  fo  lange  unb  f ämpfen  in  ber  $raft  3efu  mit  ij)rer  fünb* 
Kojen  9?atur,  bte  biefe  ftd)  willig  ba^u  aetgt  —  <Bo  waren 
S-  lö.  man^e  fromme  $?enfä)en  an  bie  @efelifd)aften  unb 
greuben  ber  SSelt  gans  gewöjmt,  weil  jte  aber  bura)  @otte$ 


1289 


©nabe  einfallen,  baß  biefetben  tfjrem  Qtfmftentfjum  fe£r  f4>äb* 
({$  waren,  fo  nahmen  fte  ftd?  »or,  biefetben  au  metben  unb 
ifjre  eitigtge  £uft  an  bem  Sptxxn  jjft  paben*  £)iefer  (£n$d)tup 
unb  bie  gcinatidje  Bwütfgeaogenpeit  fommt  awar  il?rem  $teifd? 
»erbrüglidj  »or ,  e3  »erlangt  immer  wieber  feine  alten  Sege 
au  gef>en,  will  gerne  fptelett,  trittfett,  fd;eraen,  lachen  nnb 
luftig  fepm  Altern  wenn  ber  (£ljrijt  burd)  ©otte^traft  auf 
feinem  gottfettgeu  S3orfa§  Mtefyt  unb  bem  gteifd)  anftatt 
ber  früheren  Sßefttuft,  ben  £ob,  bas  ©eridjt  unb  bte  Dual 
ber  $oUt  »orjjäft ,  fo  ergibt  e3  ftd)  nad;.  unb  na$  in  ben 
©ejjorfam  (grifft.  SSemt  er  aber  baffelbe  nod)  an  bie  $flid?t 
ber  %kU  ©otteS  unb  unfereS  ^eitartbeS  erinnert,  unb  t#m 
ben  großen  üftu^en  wrfiäft,  ben  man  bason  (ja*,  wenn  man 
ftcf)  »Ott  ber  Söeft  ab^ettf'  unb  au  ©Ott  $><Ht,  fo  wirb'  eS  »on 
£ag  $tt  £ag  wittiger  unb  ftnbet  autelt  meljr  greube  an  ber 
©nfamfeit  aU  an  ber  luftigen  ©efettfdjaft.  ©o  gefit  eS  au$ 
mit  anbern  Dingen ;  fur$  bie  glaubige  @eete  txad)tü  bar* 
nadj,  ©Ott  unb  bem  ^äcfyften  mit&tftau  bietten,  fte  fudjt  immer 
»oulommener  au  werben  unb  ftdjfelbft  »on3a!)rau3a{>rauüber* 
treffen,  <5ie  beljarrt  in  iprem  Steig,  fo  lange  fte  in  biefem 
fterbficfyen  2eibe  wofjnt ;  tenn  tyx  ganaeS  £eben  ift  eine  be* 
ftänbige  23ufie,  eilte  immevwd^irenbe  Uebuttg  beö  ©taubeuS, 
ber  Siebe,  ber  Hoffnung  unb  ©ebutb,  W  fte  entließ  aut 
»ottigett  £eitigfeit  unb  ©eticjfeit  gelangt 

33et  tiefem  ift  jieboc^  wo!?!  au  merfen,  baf  eS 
ber  Qtfjrift  in  biefem  Seben  hti  alter  Hnftrengung  nie  #x 
einer  gematteten  unb  uttmangelfjafien  SSottfommen^eit  bringen 
fatttu  Sie  unfer  SÖtjfen  @tücfwerf  ift  unb  'voie  wir  t)k 
»ottfommene  (^rfenntnig  ©otte$  erft  im  Spimmti  erwarten, 
wo  wir  3j)n  erfennen  werben,  gleichwie  wir  »on  3^m  er* 
lannt  ftnb,  alfo  W\U  aud)  unfere  grömmigfeit  ein  <Stü& 
wer!*  SDfttf&t  befielt ba3  Saufen  im  (^riftentjmm  mejjr  meinem 
errtftXtcr)en  Sotten  unfc  fleißigen  Heben,  aU  in  gemattetem  fßott* 
bringen  unb  SBottenten*  —  Der  weife  <Sixaa)  fagt:  „din 
^enfd),  wenn  er  gtei$  fein  23efte3  getf>an  Ijat, 
fo  tjl$  faum  angefangen,  unb  wenn  er  meint,  er 
£abe  e3  »ottenbet^  fo  feljü  er  no$  weit  Qenn 
wa$  ift  ber  5^ento,  unb  woau  tau^t  er?"  —  „& 
ift  eine  SBottfommenMt ,  fagt  Stuguftüt,  wenn  man  feine 


1290 


Unwtffotttmen^ett  erfennt/'   Unb  Cutter:   „StfefeS  &ben  ij* 
ein  fo!d)er   SBanbet,  barin  man   immerbar  fortfährt    *>om 
©tauben  in  ©tauben,   tton  £tefce  in  %kU ,   $on  ©ebutb  in 
©ebutb,  ttom  $reua  jum  $reu^    (B  ifl  nia)t  ©erea)tigfeit, 
fonbern  Rechtfertigung,  (nia)t  £eitigfeit,  fonbern  Heiligung), 
wir  fütb  noa)  nta)t  gekommen,   balun   wir  fotlen,  wir   ftnb 
aber  Sitte  auf  ber  23ajm  unb  auf  bem  2Öege,  barauf  ftnb  (£t* 
lia)e  weiter  unb  weiter,  ©oit  iji  aufrieben,  baß  (£r  un3  fm* 
bet  in  ber  Arbeit  (in  ber  Hebung  im  gleiß)   unb  SBorfag*" 
—  3war  wollen  wir  nia)t  in  $brebe  3te£en,  ba$  $>k  @a)rift 
aua)   *>on  einer  2Sottfommenj)eit  biefeS  &Un$  fpria)t  unb 
baß  ftc  t>k  $inber  @otte^  sollfommen  nennt.    Mein  e$ 
tft  flar,   baß   bieg  nia)t  *>on  einer  gängltc^en  unb  x>ox  ©Ott 
untabeljjaften  SMfommenpeit  $u  $erftej>en  fep,   xotii  $aulu6 
felbft,  ber  e$  Mty  fo  weit  gebracht  ^attc   im  @f)riftentjjum, 
über  bie  ©ünbe,  "ok  noa)  in  feinem  gleifa)e  wo§ne,  fo  f>er^ 
lify  ftagt*    2lua)  fagt  ja  tk  «Schrift  au^brücftia),  baß  fein 
SJftenfa)  lebe,   ofjne  $u  fünbigen  unb  baß  fein  £e* 
benbiger  *>or  ©Ott  gerecht  fep,  uni>  *><*#  9Memanb 
$or    3^m   befielen    fönne,   wenn  (Ex  ©ünbe  ju* 
rennen  wolle*  —  2Me ©laubigen werben au$ tterfä)iebenen 
©rünben  sollfommen  genannt  £auptfä$lia)  Reißen  fte  sott* 
fommen  in  Gtjmfto,  weil  fte  mit  3Jm  bereinigt  unb  in  bie  ©e* 
meinfa)aft  ©einer  sotlfommenen  @erea)tigfeit  gefegt  finb,  fo  baß 
anilmennitt)t$23erbammlia)e$ifi  gerner  führen  fte  biefen  tarnen' 
wegen  ifjre£  beftänbigen  £raa)ren£  nad)  einer  red)tfa)affenen 
£eiltgfeit  unb   grömmigfeit,    wooon   wir   oben   gefprod)en 
£aben.    £>aburd)   erlangen  fte  eine  gä^igfeit  unb  SBottfom* 
tnenjjett  im  ©uten,  fo  ba$  fte  in  $ergteia)ung  mit  2lnbew, 
in  wela)en  ba$  2Serf  ber  23efef>rung  erft  anfängt,  —  mit  benen, 
welche  fta)  ber  £eud)elet  Eingeben,  ober  mit  benen,  wela)e 
noa)  $on  feiner  23uße  wiffen,  sotlfommen  Reißen.    SQSet^ 
ter  fann  man  fte  wegen  ber  2tufrid)tigf  eit  unb  2auterfeit  ijfjreS 
^er^eng  fo  nennen,  woson  in  ber  i>or£ergef>enben  ^rebigt 
t>k  Rebe  war;  enblttt)  aber  wegen  btr  ©otte^fülte,  bie 
in  iljnen  ift,  weil  ©Ott  burd)  feine  ©nabe,  unb  bura)  ©einen  ©eijl 
Wt$  in  ijjnen  gewirft  ^t,  m$  awm  wahren  djjriftentljum  ge* 
5>ört,  ob  fte  gleia)  bie  ljött)fte  ©tufe  tarin  noa)  nitt)t  erreicht 
£aben.  —  3n  ben  ©taubigen  fmbet  ft$  atfo2ltte$,  wa$  man 


1291 


»on  einem  6£rijlen  forbern  fann,  atsSBuge,  ©tauften,  £febe, 
Hoffnung,  ©ebutb,  ©ebet,  ©ottfettgfeit,  2)emutt;,  @anftmutf>, 
$eufd)t)eit  unb  bergt.  $Iber  fte  fmb  noa)  nia)t  in  bem  <5tanb, 
in  welchem  fte  fep  tonnten ,  ber  .©taube  i[t  noa)  mit 
©a)waa)l)eit  tterbunben,  bie  £icbe  I)at  mit  ber  Eigenliebe 
unb  $Qetttiehe  su  f  ämpfen ,  bie  £ugenb  mit  ber  £>ojfart 
u*  f*  w*  £)enn  cbgtetc^  ein  $tnb  bie  nämtia)en  ©tieber 
l)at,  wie  ein  5D?ann,  fo  jjaben  biefetben  bod)  nid)t  bie  gteia)e 
©roge,  ©tärfe  unb  gerttgfeit  wie  hei  jenem*  Eben  fo  iffc 
ein  junger  35aum  an  ftd)  fetbjt  fd)on  ein  wttfommener  23aum, 
er  £at  SBur^etn,  ©tamm,  ©aft,  3wetge,  ©proffen,  Sötätter 
unb  grüd)te;  bod)  t|>ut  eö  bemfetben  ein  groger  23aum,  ber 
fa)on  vieTCe  Sajjre  gejtaben  ift,  weit  ^uoor* 
Stnwenbung* 
I)  (B  ift  aber  nun  3eit ,  baß  wir  aud)  ben  9lu£en 
ber  £ej)re  tton  bem  SSaa)3tj)um  ber  $inber  ©otteS  im  ©tau* 
ben  unb  in  ber  ©ottfetigfeit  fur$  angeben.  —  £)iefetbe 
forbert  uns  x>ox  atten  fingen  jur  Prüfung  auf,  ob 
unfer  @j)riftettt£um  rea)ter  2trt  fep,  ober  ob  e£  bto£  in  \aU 
fa)em  6d)ein  bepe^e  ?  3a)  ljoffe  ^war,  ba$  ia)  au£  ber  f?eit*  6a)rifi 
In'ntängtia)  bewiefen  fyabef  ba$  ba3  wajjre  @j)rtj?entj?um  einen 
ernftfid)en  $lei$  unb  ein  aufrid)tige$  SSertangen  im  ©tau* 
ben,  in  ber  Ziehe  unb  in  ber  ©ottfetigfeit  $u  wad)fen  mit 
ftd)  bringe*  5tud)  mödjte  ia)  »on^er^en  wünfa)en,  baß  man 
tjeutgutage  "  son  atten  d)rifttid)en  ©emeinben  t>a$  ©teitt)e 
rühmen  tonnte,  m$  in  ber  2fyofMgefa)ia)te  von  ber  ©e* 
meinbe  im  jübifa)en  2anbe  gefagt  wirb:  ,,©o  Ijatte  nun 
bie  ©emeinbe  ^rieben  burd)  gan$  3ubäa,  (Santa* 
ria  unb  (Galiläa  unb  baute  fia)  unb  wanbette 
in  ber  5u*d)i-  beö  £errn  unb  warb  erfüttt  mit 
bem  £roft  be3  ^ et r.  ©eifte^"  mit  aber  93autu3 
feine  ®orint£ter,  bie  ftd)  auf  ifnre  $otttommenf)eit  fo  viel  ein* 
bitbeten,  mit  ben  SBorten  tabette:  „3{jr  fe#b  fa)on  fatt, 
il)r  fe^b  fd)on  reia)  geworben,  ifjr  j?errfa)et  2ötr 
finb  Sporen  um  (Sljriftt  Witten,  ijjr  aber  fepb 
Iftug  in  Ejmjlo,  wir  finb  fa)wad),  tijr  aber  ftarf, 
itljr  if)errtia),  wir  aber  *>erad)tet;"  —  xoeil  ferner 
ber  £err  fetbft  bem  23tfa)of  31t  Saobtcea  fd)reiben  tieg:  „2)u 
fifprtdjfVta)  hin  reia)  unb  ljabe  gar  fatt  unb  fcebarf 


129-2 


ni$l$,  unb  weifi  efi  nict)t,  bag  bu  etenb,  jämmer* 
lia),  arm,  bttnb  unb  bloS  bift,"  —  fo  Jjaben  wir  alte 
Urfaa)e,  unfern  ffeifa;tt$en  (£ütbitbungen  nia;t  zu  met  zu 
trauen.  Sßeil  enbtid)  ber  Ipoftet  un£  Sitte  $or  ©ia)er{>eit 
warnt,  wenn  er  fagt:  „2£enn  Semanb  fic^  t äffet 
bünfen,  er  wiffe  etwa$,  ber  weiß  nod)  nid)t3,  wie 
er  wi ff  en  fott;"  —  f o  bürfen  wir  un$  woljt  genau  prüfen, 
ob  ein  fotd)e6  Verlangen,  immer  weiter  zufommen,  fid)  aud)  bei 
un^fmbe,  ob  wir  in  ber  (Menntniß  ©otie£  unb  3efu,  wie  in  ber 
wahren  grömmigf  eit  zugenommen  |>aben  ober  nia)t?  —  2)u  J>ajt, 
$>(£f)rift,  fa)on  fosiete^ajjrebie  bittet  zur©etigfeit  gehabt  unb 
gebraucht,  bu  Jjaft  fo  stete  gute  $rebtgten  unb  f>errtia;e  (£rmafmun* 
gen  geprt,  Jjafi  mand)en  beutlid)en  Unterricht  in  ber  d)rifttict)en 
£ej)re  empfangen,  bift  fo  oft  fa)on  in  bie  $ird?e  gegangen,  Ijaft 
gebetet,  gefungen,  gebeichtet,  ba6  jjeik  2lbenbma|)t  genoffen  unb 
SBefferung  beutet  £eben£  $erfprod)en;  fo  prüfe  bia)boct),  ob  biet) 
biefe$  Mc$  bi^er  etm$  genügt  |wbe?  $rüfe  bid),  ob  bu  in  aüm 
©tücfen  be$  @£riftenu;um£  wirflia)  zugenommen  t?abeft,  unb 
ob  bein  2Öacb3u)um  $on  bir  fetbft  unb  $on  Slnbern  erfannt 
werbe  ?  —  2Bie  ftej)t  e$  um  beute  (£rf  enntniß ,  ift  biefetk 
reicher  geworben,  ober  nidjt?  3ft  bein  ©taube  an  Ut  jrimm* 
ftfd)e  SQSapr^eit  inbeffen  fej?er,  ftärfer  unb  inniger  geworben, 
aU  er  t>or  einigen  3al?ren  war?  @ud;teft  t>u  hitytx  in  ber 
©c^rift  zu  forden,  unb  bir  nod)  mehrere  ^ernfprüd)e  an* 
gueignen,  weta)e  zum  ©tauben,  zur  ^ietse  r  zur  ©otifetigfeit, 
Zur  ©ebutb  unb  zur  Hoffnung  bientia)  fmb?  £aft  bu  jiegt 
mejjr  ©ewißjjett  $on  beinern  ©Ott,  t>on  ©einem  |>eiligen 
SSefen  unb  ^Sitten,  x>on  beinern  (£rtöfer,  son  ©einer  $erfon, 
©einem  Sunt  unb  ©einen  2Sotrtu;aten,  wn  bem  l)t\L  ©eift 
unb  beffen  Regierung?  —  2Bie  ftetjt  e£  um  beinen  ©tauben, 
um  beffen  3m>erfta)t  unb  greubigf  eit?  Söie  ift  beute  $kfo 
Zu  ©Ott  unb  3efu  befa)afen,  $at  fte  inbeffen  ah  ober  zu* 
genommen?  33eteft  bu  je|t  fleißiger  unb  anbädjtiger  aU  p\* 
ttor?  ©ef?ft  bu  mit  mefjr  Uebertegung,  23uße,  ©tauben  unb 
2uibad)t  zum  JeiL  Stbenbmaltf  at6  früher?  £aft  bu  geternt 
bura)  beftcutbigen  $ampf  beinern  gteifd)  unb  Blut  mit  größerem 
(Ernft  zu  wiberfte|en,  beinen  Sitten  zu  brechen,  beute  23e* 
gierben  zu  bezwingen  unb  im  3uume  zu  jjatten?  Söettbeft 
bu  aufy  mtyx  $Ui$  auf  bein  @j)ri#entj)um  unb  auf  U$ 


1293 


Hebung  in  ber  ©ottfefigfeit?  —  Senfe  ferner  anbeineSün* 
:  ben,  wcldjen  bu  $or  mehreren  Sauren  tt)te  $or  to^em  nod) 
nadjpingft,    unb  frage  bid),  tt)ie  fiept  e£  jieijt  um  biefelben? 
©mb  fte  etwa  abgelegt,  bereut  unb  in  lauter  £ugenben  ser* 
wanbelt   ober    rdd)t?     3SteKeid;t   |ift  bu  ein   g(ud)er  ober 
ein    £runfenbo!b     ober     ein    Vereinter     be£     ©onntag$ 
gewefen  ?    33ietfeid)t  fanbeft    bu  tin  SSoftfgefatfen  an  rud> 
fofen    unb     üppigen     @efetffd)aften ,     an    unnü^em    ©e* 
fd)wä§,    an  grobem  unb   fünblid)em  ©cfyer^,   an  SSerfäum* 
bungen,   am   fiebfofen   9?id)ten   beineä   yiMrfUn?   Vielleicht 
mad)teft  bu  bir  fein  ©ewiffen  über  bie  Ungered)tigfeit,  über 
unrechtmäßigen  ©ewinn  unb  Vemrtbeilung  beutet  ^cic^ften  ? 
Vielleicht  warft  bu  ber  Unf  eufd)l;ett ,  beut  ©et'3  unb  anbern 
äfmlidjen  ©ünben  ergeben?   Vielleicht  jjatteft  bu  ein  nnbU 
fd)e3,  feinbfeligeg  $&j  gegen  beinen  -Düften  unb  ifebteft  in 
£aß  unb  throerfötmlid)feit?  Söie  fteljt  e3  j[e§t  um  bid),  Jjaß: 
bu  nunmehr  angefangen,  bagegen  ^u  fämpfen  unb  erjmltft  bu 
'  einen  (Sieg  um  ben  anbern?   £aft  bu  tiefe  «Sünben  f>er£lid) 
bereut,  im  Warnen  3efu  (£f>rifti  Vergebung   berfelben  bei 
@ott  gefud)t  unb  bir  feß  vorgenommen,  biefelben  mit  ©otte£ 
|  £ülfe  fünftig  ^u  meiben?    £>aft  bu   biefen   peiligen  Vorfa£ 
j  noa) ,    fua)teft    bu    tyn    aua)    bi^er    au^ufüljren ,     ober 
!  fyabm  bie  genannten  ©ünbennod)  bie  £errf$aft  über  btd),  unb 
I  fmb  bir  ^ur  täglidjen  ©ewofmpeit  geworben,   fo  baff  bei  bir 
;  noa)   von  feiner  Veränberung  unb  33efferung  bie  9?ebe  i\t^ 
—  Vielleicht  gepft  bu  nod)j[e^t,  wie  früher,  mit  faltftnmgem, 
•  unbußferttgem  unb  ftd)erem  ^er^en  in   bie  $ird)e  unb   au$ 
j1  berfelben?  Vielleicht  fyat  bein  Sßdfytm  unb  bein  2lbenbmaj?l* 
i  gepen  bi^er  nichts  bei  bir  gewirft  unb  bu  fjaft  alle  beine 
I  fünblidjen  ©ewojimpeiten  un^eränbert  beibehalten?  Vielleicht 
|!  bift  bu  ber  23aum,  ber  fd)on  fo  mele  3al)re  in  bem  ©arten 
i  ber  ^ird)e  ©otteS  geftanben  i\t,  ben  ber  £>err  mit  fo  großer 
;  ?angmut|j  unb   ©ebulb  bepanbelt,  ben  dx   mit  fo   fielen 
I  ©nabemnitteln   gefegnet,   auf  beffen  grüa)te   dx  fo  lange 
1  fd)on   gewartet,   ber  aber  bisher  immer  nur  SBlätter  unb. 
1  feine  grüd)te  getragen  pat  unb  bem  nunmehr  bie  %xt  an 
;  bte  SSur^el  gelegt  unb  ba£  Verbrennen  nape  tft?  — -  Viel* 
1  teid)t  paft  bu  ba$,  wag  bu  in  beiner  3ugenb  ®utt$  lernteft, 
1  wieber  vergeffen  ober  bemfelben  ntd)t3  beigefügt,  unb  bid) 


1294 


um  ben  regten  ©ebrau$  befreiten  nicfjt  tefammert?  $8kU 
Uifyt  matifik  bu  bir  im  3^tltc|en  fo  x>id  $u  tfnm,  baß  bu 
an  ba«  ©eiftlid^e  gar  nidjt  benfen  fannft?  5BteKetd;t  gepörft 
bu  ^u  bem  rojjen  unb  freiem  Raufen  berer,  bte  feine  33uße, 
feine  Söefrermtg,  fein  2ßad)3tl?um  im  ©uten  ^u  tebürfett 
flauten?  23tetCet(^t  ^ajl  bu  beuten  ©Ott  bisher  nie  f)tT$ify 
angerufen,  ba$  dx  bir  bie  ©nabe  ber  IBefrerung  unb  ber 
täglichen  Erneuerung  »erteilen  unb  bid)  immer  peiliger  unb 
frommer  machen  möge?  2Bir  fingen  ^war:  £aß  un«  in  beiner 
Siebe  unb  Grrfenntniß  nehmen  $u,  ertobt  un«  burc^  beine 
©üte,  erwerf  uns  buref)  beine  ©nab,  ben  alten  SDtafcpen 
f  raufe,  baß  ber  neu,  leben  mag;  —  aber  sietteiept  paft  bu 
ba«  noefy  nie  ^u  i^er^en  genommen  unb   bitf)  nod?  nie   nad) 

bem  gefeint,  wa$  biefe  SSorte  fagen? SBoplan  alfo, 

meine  £j?riften,  erwäget  t>k  <5aa)t  in  ber  gurd)t  ©otte«; 
benn  t£r  werbet,  wie  t$  poffe,  $on  iprer  großen  SSicpttgfeit 
überzeugt  fepn*  W~$  ijt  ja  ntyfö  gefährlicher ,  al$  wenn  ber 
Sftenfd)  fo  siele  Sapre  nad>  einanber  bie  Mittel  gur  (Selig* 
feit  pat,  ftcf)  berfelben  bebient  unb  bod)  feine  SSeränberung  unb 
feine  25efrerung  an  ftd)  wahrnimmt  2ßenn  ein  $inb  an  ber 
Butter  Sßruft  liegt  unb  bie  9Md)  überpfrig  Jjat,  biefelbe  aber 
nid)t  trinfen  will,  ober  wenn  e«  biefelbe  trinft  uub  bo$  nic^t  $u* 
nimmt,  fonbern  fd;wa$  unb  elenb  bleibt,  fo  muße«  ofjne3weifel 
tin  innerlichem  ©ebred^en  paben,  (Ebenfo  muß  e«  einem?(£f?rt* 
pen,  welker  bur$  bie  ®nat>t  be«  Spofyftm  W  Mittel  ^ur 
©ottfeligfeit  fyat,  ©otte*  SSort  öfter«  pört,  baö  Jeff*  Siebe«* 
mapl  be«  £errn  genießt  unb  bod>  ni$t  beffer  wirb,  an  einem 
wahren,  lebenbigen  ©lauben  fehlen*  2öa£  nügt  e«  einen 
SBaum,  baß  er  neben  anbern  im  ©arten  ftept  unb  ben  Zfyau  unb 
Pflegen  «oom  Fimmel  genießt,  wenn  er  nid;t  wää)$t,  unb 
feine  grüßte  bringt?  Sßirb  nid?t  ber '  £au$oater  $on  tym 
fagen:  paue  ü)n  ab,  was  pinbert  er  ba«  £anb?  —  2ßa$ 
jjtfft  eS  alfo,  baß  tin  üftenfd)  »tele  ^rebigten  pört,  Mtyttt 
unb  sum  peil*  2lbenbma|)l  gept,  unb  jt$  auef;  fonft  äußer* 
(ic^  aU  tin  (Sjjrtji  bezeugt,  wenn  er  feine  redjtfdjaffenen 
grüßte  ber  ©ered)tigfeit  bringt,  im  ©uten  mdjt  gu  unb  im 
33öfen  nid;t  abnimmt,  fonbern  in  geifilidjen  fingen  immer 
forgloS  unb  freier  Utxbt^  —  31$,  e$  ift  ni$t  ^u  befeprei* 
ben,  welken  6d)aben  bie  Eiubilbmtg :  3$  bin  ein  guter 


1295 


C^rtft,  Hn  fa>n  fo  fromm,  aW  ft§  werben  fann  ic,  in  ber 
^trc^e  ©otteS  ftiftet!  £)te  9tteifkn  benfen:  wir  Ipaben  bie 
reine  £e!jre,  baS  SSort  ©otteS  wirb  unS  lauter  unb  rein 
geprebigt,  unfere  $inber  werben  getauft,  bte  (£rwad)fenen 
gepen  $ur  23eia;te  unb  ^um  peil.  5lbenbmafrt,  waö  will  man 
mepr?  Sßenn  aber  biefeS  f$on  genug  wäre,  fo  wären  alle 
btejiemgen,  welche  fola)eS  paben,  feltg,  wäprenb  bod;  ojme 
3weifel  gar  »tele  berfelben  verloren  werben  unb  ba$  3?eta) 
©otteS  nia)t  ererben*  ©ic  paben  gwav  (Sottet  SQßort  unb 
bie  peil*  ©aframente  gehabt,  aber  btefelben  nta)t  rea)t  gebraust 
©ie  paben  bie  $raft  biefer  ©nabemnittel  bura)  ipre  Unbug* 
ferttgfeit  unb  tpren  Unglauben  fcerjnnbett,  unb  fte  £um  £)cfc 
mantel  iprer  ©ottloftgf  eit  gernaa)*.  —  2Jn  jenem  &age  wirb 
nid)t  barnaa)  gefragt  werben,  ob  wir  bie  Mittel  £ur  ©elig* 
hit  reia)lia)  gehabt  paben;  benn  baS  ift  befannt  unb 
auger  allem3weifel*  Slber-  barnaa)  wirb  gefragt  werben,  mt 
wir  fte  gebraust  unb  wa$  fte  M  uns  genügt  l^aben?  — 
SBemt  fta)  bie  fta)ern  £eua)ler  auf  biefe  SQSeife  ber  ©eligfeit 
serfta)ert  galten  wollen,  fo  ift  eS,  als  wenn  ein  unfruajt* 
barer  23aum  in  einem  ©arten,  wenn  er  abgepauen  werben 
follte,  fagen  würbe:  warum  foll  ia)  abgehauen  werben,  ta) 
ftejje  boa)  pier  im  ©arten  unb  befleibe  meine  ©teile  fo  gut 
als  ein  anberer  33aum,  iä)  werbe  eben  fo  ttom  9?egen  unb 
£j?au  befeua^tet  unb  grüne  wte  an  anberer?  Dber  eS  ijl, 
als  ob  ein  ungetreuer  Wiener,  bem  fein  2lmt  genommen 
werben  foll,  fagen  wollte :  SBie  gept  baS  31t,  ia)  Ijabt  ja  ten 
Ztfd)  meinet  £errn  fleißig  befugt,  unb  hin  gefommen,  fo 
oft  er  mia)  rufen  lieg?  —  2£irb  man  biefem  uia)t  mit9?ea)t 
antworten:  tUn  barum  Jjajt  bu  bördelte  ©träfe  oerbient,  baß 
bu  bia)  ^war  beim  £ifa;e  beineS  £erm  eingefunben  unb  biet) 
äugerlia;  als  feinen  Wiener  gezeigt,  ifmt  aber  peimlid) 
baS  ©einige  entwenbet  paß  unb  auf  fajlimmen  2öegen  ge* 
gangen  bift.  —  Unb  $u  bem  S3aum  fönnte  man  fagen: 
eben  barum  gepörft  bu  in1S  geuer,  weil  bu  neben  anbertt 
ben  53lai$  im  ©arten  einnimmft  unb  bte  SBopltpaten  beS 
Fimmels  fa)on  fo  lange  geniegefl,  aber  bisher  feine  grüßte 
getragen  paft  —  gürwapr  an  jenem  £cge  wirb  ber  @prtjt, 
welcher  t>k  Mittel  §ur  ©eligfeit  fo  lange  gehabt  unb  bem* 
opngeaa)tet  in  £eua)elet  unb  ©ia)erpeit  bätyin  gelebt  pat,  ftd) 


1296 


mit  biefem  $orwanb  e|)erbefdutlbigen  aU  entfdpulbtgen ;  bernt 
e$  wirb,  wie  wir  fa>n  früher  gezeigt  Jjaben,  einem  Reiben 
unb  dürfen  erträglicher  ergeben  ät$  i£nu  —  dagegen  wirb 
nun  90?and)er  einwenben:  (£3  leben  bod)  faft  alleEeute 
wie  i^,  unb  td)  fenne  Wenige,  bie  fiel)  anberS 
betragen  ijaben,  als  ify,  ja  ify  hin  wof>l  noa) 
frömmer  unb  beffer  als  oiele  Rubere*  ©ollen 
nun  biefe  2llle  verloren  fe^n,  welche  fo  leben,  fo 
wetfi  id)  nic^t,  wer  in  ben  Fimmel  fommen  wirb? 
—  £)  ©)rtft,  benfe  bod)  aud)  barüber  nad),  was  bu  fpric^jt 
unb  erinnere  bicf)  an  bie  Sorte  unfereS  #eilanbe3:  „©er 
Seg  ijt  breit,  ber  £ur  SSerbammnifi  führet,  unb 
tjjrer  ftnbSSiele  bie  bar«auf  wanbeln;  unbberSeg 
tft  fd)mal,  ber  aum2eben  führet,  unb  Senige  finb 
i^rer,  bit  tjjn  finben*  SStele  finb  berufen  unb 
Wenige  finb  auSerwäJjlt*"  —  Sir  bürfen  alfo  son 
bem  Sege  ber  ©eligfett  nia)t  naa)  unferem  Qünhn  ober 
nad)  bem  6inn  ber  SSelt  urteilen,  fonbern  nad;  ©otteS 
Sort*  £)as  foll  uns  nia)t  fta>er  machen,  baß  eS  in  biefen 
legten  3eiten  fo  S3iele  gibt,  welche  ftd;  in  fingen,  bie  tpr 
©eelentyeil  angeben,  fo  leicr)t  beruhigen  unb  hü  ifjrer  alten 
böfen  ©ewojjnjjeit  bleiben»  Seewegen '  bürfen  wir  eS  nia)t 
aud)  fo  mad)en,  weil  ftd;  bei  einer  grofen  5D?enge  unter  ben 
ßljriften  feine  23efferung  unb  hin  S03aa)3tf)um  im  <3uttn 
geigen  will,  weil  fo  gar  SBiele  in  (SJrtfio  fepn  unb  burd; 
fein  $erbienft  feiig  werben  wollen,  bemoljngeaa)iet  aber  nia)t 
in  3^m  leben  unb  wad;fen,  fonbern  auf  ©ünbenwegen  in 
ben  £immel  ge^en*  —  £)iefe3  ©runbtferberben  unferer  £age 
feilte  unS  ttielmefjr  $orftd;tiger  machen,  baf?  wir  mit  meljr 
ßrrnft  unb  gleifj  auf  unfer  (£j?riftentl)um  2la)t  Ijaben* 

gerner  möd;te  Semanb  einwenben:  „Sir  fönnen 
bod)  in  biefem  Zthtn  nid;t  öollfommen  fe^n, 
warum  follten  wir  unS  alfo  x>ict  mit  geiftlia)en 
fingen  bemühen?  @ott  wirb  mit  unferer  ©d)wad> 
Jjeit  ®ebulb  fabelt  u*  f;  w*  —  allein  biefer  Einwurf 
geugt  tton  groger  Unwiffenjeit.  3d;  gebe  $u,  baff  wir  in 
biefem  Zthtn  nifyt  wlffommen  fei?n  tonnen,  in  fo  fern  $on 
einer  unmangelj?aften  SSolllommen^eit  bie  9?ebe  ift  —  Sir 
^htn  aber  oben  aus  ber  <Sd)rift  beutlid)  bewiefen,  i>a$  fte 


1297 


wn  einer  anbern  SMfommenpett  fpricpt,  aua)  un£  päuftg 
ba$u  aufmuntert.  2)iefe  bepept  nämlia)  in  waprem©lauben, 
aufrichtiger  tiefte  unb  fleißiger  Hebung  in  ber  ©ottfeligfeti. 
2öer  nun  barin  naa)lägig  i(t,  wer  fta)  um  bie  lebenbige  (£r* 
fenntnif  ©otte£  unb  feinet  GrrlöferS,  jum  bie  wafjre  Jröm* 
migfeit  u*  f*  w.  nia)t  befümmert,  fonbern  nur  naä)  feinem 
©utbünfen  leben  Witt,  wer  in  geiftliä)en  fingen  trag  unb 
ftd;er,  in  weltlichen  aber  waa)fam,  fleißig  unb  unserbroffen 
tft,  wie  ftept  e$  um  beffen  (££rif*entljum?  ©Ott  will  $war 
ntä)t,  bap  wir  bie  pimmlifa)e  23ollfommem)eit  auf  biefer  (£rbe 
fcfyon  paben  foHen;  aberßrr  »erlangt  x>on  un$,  i>a$  wir  naa; 
ber  SBollfommenpeit  traa)ten,  uns  in  ber  grommigfeit  üben 
unb  in  folgen  wichtigen  fingen  nia)t  forgloS  fepn  feilen»  — 
2öenn  wir  fagent  wir  f muten  in  biefem  Seben  nta)t  »oll* 
lommen  fe^n,  barum  wollen  wir  im  Gtjjriftentpum  liebe* 
nichts  mit  (£rnjt  tpun,  'fa  ift  ^  eben,  als  wenn  ein  £agr 
löjwer  fagte:  ta)  werbe  bocl;  hin  $omg  werben;  barum 
will  ia)  nic^t  arbeiten,  fonbern  müfiggepen,  trinlen  unbfpielem 
203er  fiept  nia)t  tin,  xcit  ungereimt  bieg  ift?  —  £)ergnäbige 
unb  barmherzige  ©Ott  $at  $mi  ©ebulb  mit  unferer 
©ä)wad$eit;  aber  dx  pat  nirgenbS  »erf:proa)en,  baf?  dt 
mutwillige  ^aajlägigfeit,  Sicberpeit  unb  ©ottloftgfeit,  unge* 
ffcaft  laffen  will.  Sßenn  ein  tnabe  fta)  Wtyt  gibt,  ba$ 
auszuführen,  m$  tpm  befohlen  ijt,  unb  t>aM  einen  geiler 
maa)t,  fo  $at  man  ©ebulb  mit  tjmu  SBenn  er  aber  Stiles 
liegen  lägt,  mit  5lnbern  auf  ber  ©äffe  perumläuft  unb 
einem  $httl)witlen  naa)gept,  fo  wirb  bte  3tutpe  niept  gefpart 
werben* 

Sßeiter  mochte  Semanb  fagen:  3ä)  banfe  ©Ott,  t>a$ 
ta)  eine  SSeränberung  an  mir  waprnepme,  unb 
baff  eS  fia)  mit  meinem  dprijtentpum  um  25ieleS 
gebeffert  §at,  ia)  gepe  nia)t  mepr  fo  oft  in  ©e* 
fellfcfyaften  wit  früher,  ta)  afytc  biz  ^itelfett 
ber  2öelt  ntd)t  mepr  unb  faan  j[e#t  »iel  ertragen, 
waö  iä)  fonfl:  niept  ertragen  fyüttt  u*  f*  w*  —  allein 
wiffe,  o  (Spriffc,  bag  mä)t  jiebe  SBeränberung  eines  2ERenfa)en 
eine  33efferung  tft,  hk  ©Ott  gefällt,  unb  i>a$  ni$t  jebe  2lb* 

©  c  r  iö  e  t'3  ©etUnfcf?a£.  82 


1298 


nafmte  ber  ©ünbe  gutn  SSadjStjjmn  in  ber  ©ottfeligfeü 
füprt,  2)enn  bei  SSteXen  ffellt  ftdj  2llterSf?alber,  wegen  2lr* 
mut|>,  ober  wegen  anderer  Urfadjen  eine  Söercmberung  ein, 
welche  aber  bei  ©Ott  feinen  SSertj)  Jjat,  weil  fte  ojjne  redjt* 
fctjaffene  23uße,  oljne  wahren  ©lauben  unb  ojme  Siebe  aur 
©ottfeligfeit  tfL  3$  »erweife  belegen  auf  ba$,  wa$  id) 
in  bem  feiten  £{>eil  biefeö  2Betf$  in  ber  britten  ^rebigt 
Seite  300  unb  flg*  über  biefen  ©egenftanb  gefaßt  ljabe, 
£)er  furje  Snßalt  ba»on  ijh'bafj  bie  SBeränberung  nidjt 
fcloö  äußerlich,  fonbern  aud)  innerlich,  ntdjt  gelungen,  fon* 
bern  freiwillig  fepn  muffe*  ©ie  muß  m$  einem  bugfertigen/ 
gläubigen  unb  frommen  £er$en  fommem  6ie  muß  ferner 
aufrichtig  unb  ojme  galf$  fe^n,  man  barf  ft$  leine  ©ünbe 
vorbehalten ,  fonbern  muß  allem  33öfen  »on  £er$en  feinb 
fe$n*  %Ran  muß  bie  ©ünben  feinet  früheren  MenS  ijer^ 
liä)  bereuen  unb  bama$  ixafyttn,  baß  man  in  ber  Äraft 
be$  £errn  3efu,  ber  un$  mächtig  mafy,  ben  frü£erm  ^anöcj 
bur#  ©ottfeligfett  erfege* 

(£nblt$  fönnie  (Einer  einwenben:  bie  ^rebtger  for* 
bernju»telunbwollcn2nie$  ebenmac^en*  Söeldjer 
ßljrijt  fann  fi$  in  alten  fingen  fo  betragen,  wie 
jene  e$  »erlangen?  —  allein  wenn  wir  $rebiger  »on 
unfern  3u£örern  etwas  anber$  »erlangen  würben,  als  wo* 
©otteS  SSort  »orf$reibt>  wenn  wir  bie  ©ewiffen  opne  9cot£ 
ju  befeueren  fugten,  wenn  wir  unerträgliche  Mafien  %v* 
fammenbänben  unb  fte  ben  fDtenfdjjen  auf  ben  £al$  legen 
würben,  wäprenb  wir  felbffc  jte  mit  feinem  Singer  anrühren 
wollten,  fo  fönnte  man  ft$  mit  fRtfy  über  un$  beflagen» 
2Bir  gepen  aber  ni$t  weiter,  aU  ©otteS  2Bort  un$  anweist, 
wir  f orbern  nichts,  als  m$  ©Ott  unb  3efuS  forbert,  wir 
bringen  barauf,  baß  ber  @Drift  nic$t  nacbläßtg,  jtc^er  unb 
forgloS  feiptt  folle  in  bem,  m$  feine  ©eligfeit  betrifft.  SBir 
fagen:  er  bürfe  nicfyt  meinen,  $a$  er  e$  fdjon  ergriffen  fjabe, 
Cbie  <£rfenntniß  ©otteS  in  @£riftoJ  ober,  baß  er  fc^on  »oll* 
fommen  fep  Cm  ber  Zitbt  unb  in  ber  ©ottfeligfett);  fonbern 
wenn  er  e$  au$  fo  mit  gebraut  $aU  als  Paulus,  fo  muffe 
er  boct)  immer  weiter  benfen  unb  in  allen  fingen  $u  warfen 


1299 


teuren,  w>te feer 5lpofleI fagt :  „$?etne SBruber,  t$fci)d§e 
mity^ühfxnofynifyt,  bagicl)  e£  ergriffen  IjabejCürineö 
aber  fage  ia),  iä)  sergeffe,  wa$  bahnten  tji  unb 
ftrede  mia)  au  bem,  waä  ba  dornen  tft  unb  jage 
naa)  bem  vov geftedten  3teL/y    (£r  fegt  jrinau:   „SQSie 
SBiele  nun  *>on  un$  sottfontmen  finb  (in  2lnfe{mng 
2lnberer,   bte  erffc  anfangen  (griffen  au  fet;n}  bte  foilen 
alfo  gefinnt  fe^n,"  ba$  wir  nämftdj  in  ber  (Erfenntnifi 
nnb  Siebe  ©otte$,  wie  in  alier  ©ottfeltgfeit  immer  weiter  p 
fommen  fua)en.  —  Ueber  tiefen  wichtigen  ©egenftonb  §abm 
aua)   anbere  fromme  unb  auSgeaetdjnete  £eprer  fejr  fa)5n 
gefüjrieben.     <5o    fagt  ber  $trd>enttater  Sluguftin:    „&<xU 
Sttif  fallen  an  bir  felbft  in  bem,  xca$  bu  f$on  bijt,   wenn 
bu  ju  bem  gelangen  willß,  m$  bu  nod)  niäjt  bifi    £)enn 
fobatb  bu  anfangt,  bir  fefbft  au  gefallen,  fo  bleibft  bu  $u* 
rücf,  (auf  bem  SQSege  ber  ©ottfeltgfeit)  wenn  t>n  aber  fprid)jt: 
e$  ijl  genug,   (i$  ^a^e  e$  mit  genug  gebracht)  fo  btft  bu 
tterloren*    £fjue  immer  ttm$  junau  Qur  ©ottfeltgf  eit),  gef?e 
immer  weiter,  nimm  immer  ju,  bleib  nia)t  auf  falbem  28ege 
ßepen,  fe^re  niä)t  jurüd  unb  weiche  aua)  nia)t  aur  (Seiten 
ob.    2>er  bleibet  ftefjen,  ber  nia)t  zunimmt,   ber  bleibet  au* 
rücf,  ber  ju  bem,  was  er  serfaffen  fiat,    (aum  gottlofen 
SSefen)  wieberfejjrt,   ber  weichet  aur  <&tittn  ab,  ber  abfällt 
Ober  abtrünnig  wirb/'    £)jer  ^eilige  23ernf?arb  fpriä)t:  2öer 
auf  ben  Söegen  ©otteS  nid)t  fortgebt,  ber  gefjt  aurücf  unb 
ber  ift  mä)t  fromm,    ber    nia)t  immer  beffer  au  werben 
trautet,  unb  wenn  t>u  aufijörft  barnaä)  au  ftreben,  ba$  bu 
bejfer  werbeft,  fo  Ijaft  bu  aufgebort,   fromm  au  \tyn"  — 
3)iefe  SSorte  fuprt  tin  berühmter  £ej)rer  unferer  $trd)e  an 
unb  fügt  jjinau:  „£)er  neue  ©e^orfam  in  einem  (wieberge* 
bornen}   5D?enfd)en  mu$  immerwäj)renb  fe#n  unb  barf  nia)t 
aufhören;  benn  ba$  peifit  in  ber  Heiligung  fortfahren,  Cober 
Beteiligung  sollenben)*    Db  wir  gteia)  in  biefemSeben  eine 
ganalia)e  SBollfommenJjeit  niajt  erlangen  fönnen,   fo  muffen 
wir  boa)  barnaa)  ffreben,  tok  benn  gefagt  wirb,  wir  foilen 
in  einem  neuen  Seben    wanbetn  ober  fortgeben  unb  foilen 
ttollfommen  fep*     3war  wirb  eine  foia)e  33ollfommenpeit 

82* 


1300 


nia)t  gemeint,  bie  in  Mm  genau  unb  gänalid^  mit  ©ottee 
©efe#  übereinkommt,  wie  jte  in  bem  Wltn\a)m  $or  bem  gatt 
gewefen  ift;  fonbew  eine  foldje,  bie  ftd)  befleißt,  nadj  allen 
Geboten  ©otteö  an  leben,  fo  x>\d  burdj.  be$  j>eil.  ©eifteö 
SBeijtab  in  biefer  <5ä>mä)feit  möglidj  ifi ,  unb  Jjier  muß 
man  hü  bem  (Erften  unb  Sweiten  ni$t  fülle  flehen,  fonbern 
man  muß  täglid)  weiter  fommen  kJ1  $vnbt  fagt :  „2öir 
muffen  in  unferem  (£jmftent£um  fe^n  wie  ein  jiunge$  ^Salrn* 
bäumlein,  .baS  immer  grünt,  fortwärt  unb  größer  wirb* 
Sllfo  muffen,  wir  aufy  warfen  unb  annehmen  in  GHmfto." 
©o  ml  wäcbfet  aber  ein  SD^enfc^  in  Gtjrifto,  fo  *riel  er  am 
©tauten,  an  £ugenben  unb  am  d)rifiltd?en  %tbm  zunimmt 
unb  ftd;  täglid)  beffert  unb  fo  $iet  Gtj)rij!u£  in  tj)m  lebt. 
9to$  ein  anberer  £el;rer  fagt:  „£>a$  Sßad^tjmm  unb  baö 
3une^men  in  ber  (Erfenntniß  ©otteS  unb  ber  reinen  Religion 
tjl  lein  9ttittelbing,  fonbern  für  un$  Gtljriften  allefammt, 
(weltlich  unb  geiftlid),  gelehrt  unb  ungeleprt,  9tiemanb  au£* 
genommen,)  mx  f?o$nöt£ige$  ©tütf  — ;  tin  £f)eil  unferer 
geiftli^en  Erneuerung,  baß  wir  au$  hierin  bem  verlornen 
<£benbilb  ©otteS  netyer  fommen,  unb  *>on  einer  $larl?eit  aur 
anbern  mftäxt  werben/' 

II.  SHkil  wir  aber  md)t  zweifeln,  baß  SSiete  bie -ftotljwenbigfeit 
biefer  ©ad;e  einfefjen  unb  ft^nadj  einemfold)en  getfili^en  %8aa)& 
tlmm  fernen  werben,  fo  wollen  wirnod)  einige  Mittel  angeben,  xx>k 
man  baau  gelangen  fonne*  —  a)  2)enfet  baran,  baß  e3  ein  Sßerl 
©otteS  unb  (Seiner  ©nabe  ifi,  ba$  geijHicfye,  göttliche  Seben 
in  uns  anzufangen  unb  au  wllenben*  £)arum  nennt  e$  ber 
StyofM  ein  2Ba$$tf>um  ©otte$  unb  fudjt  eS  a^.örbcrji  in 
einem  f>eraltcf)en  ©ebet  bei  ®$ti,  fowoljl  für  ftd)  aU  für 
Slnbere.  3$  gebenfe  euer  in  meinem  ®tltt,  f^reibt 
er  an  bie  (£p£efer,,  i>a$  ber  ©Ott  unfereö  £erm 
3efu  (Sjjrtfti,  berSSater  ber£errlicj>feit  tnä)  gebe 
ben  ©eift  ber  2B  eisfmt  unbDffenbarung  an  <StU 
ner  (£rfenntntß  unb  erleu$tete2lugen  eureSSBer* 
ftanbeö  :e.  3$  beuge  meine  $niee  gegen  t>tn  $8a* 
ter  unfer$£erm3efu  GfjrtfH,  ba$  dx  tna)  ßraft 
gebe,  nad>  bem  ^eidjt^um  ©einer  £errltd)feit, 


1301 


ftarf  $u  werben  burd)  ©einen  ©etji  an  bem  in* 
wenbigen '9tt enfctyem  Sin  bk  tyfyitiffltx  ftijwiU  ev: 
Darum  bete  icf>,  baff  eure  Siebe  jie  meljr  unt> 
meljr  rei$  werbe  in  allerlei  GErfenntnig  unb 
Srfa^r-ung/'  — •  Daljer  fud;et  ba£  SBacbfen  unb  3«* 
nehmen  im  (SJjriffentfium  bei  ©Ott,  an  Neffen  ©nabe  unb  ©egen. 
in  leiblichen  unb  getftlicfyen  fingen  Slfleä  gelegen  ijl*  ©ud)et 
e&.aber  nicfyt  mit  faliftmugem  £er$en,  ober  blo3  bann,  wenn 
ijjr  etwa  burd)  eine  gute  ^rebigt  ba^u  aufgemuntert  Würben 
f^jibi  fonbern  fuc^et  baffelbe  fleißig,  eifrig  unb  bejMnbig* 
galtet  auf  eure  $niee  nieber  *>or  bem  £erm,  feuftet  unb 
fleljet,  bittet  3{m  mit  Streuten  um  ©tarfung  unb  SSerme^ 
rung  eureö  ©lauben$,  um  ba$  3une|mten  in  bej  Ziehe  unb 
in  ber  ©ottfeligf  eit ,  um  völlige  SMefjrung,  (£meurmtg  unb 
Erleuchtung ,  um  rec^tfebaffene  grüßte  be3  ©etffceö*  —  §aU 
tet  an  im  ®zM ,  unb  tyut  e3  mit  folgern  Ernji  unb  gleig, 
\>a$  euer  jnmmlifd)er  SSater  Ut  2luf rid;tigfeit  eures  £er$en$ 
ftef>t,  bann  wirb  e$  nic^t  umfonjl  fep*  .  Denn  gleichwie 
ber  ^ftenfd)  ntcfytä  nehmen  fann,  eS  werbe  ifym 
benn  $om  Fimmel  gegeben,  alfo  will  aud)  ©Ott  be* 
nen,  bie  3{m  im  Flamen  3efu  mit  einem  treuen  £er$en 
anrufen ,  nic^tg  fcerfagen  nadj  ber  SSerpeif ung  unfereS  $ti* 
lanbeS:  „bittet,  fo  wirb  eueb  gegeben,  fucfyet,  fo 
werbet  i£r  finben,  flopfet  an,  fo  wirb  eu$  auf* 
getfian*  Der  $,ater  im  £tmmel  fourb  ben  f>eiL 
©ei)t  geben  benen,  bie  3j?n  barum  bitten/' 

b)  galtet  bie  ©nabemmttel  in  <£f)ren,  welche  be?  £err 
un$  ^ur  ßrrweefung,  Haltung  unb  iBerme^rung  be$ 
©laubenS  unb  ber  ©ottfeligfeit  gegeben  §at ,  nämli$  ba$ 
SSort  unb  baS  peiL  2lbenbmai?l*  ©ebraud)et  biefelben,  fo 
oft  aU  möglich  unb  $war  mit  bem  f>eralicl>en  Verlangen, 
baß  iljr  baburety  am  ©etjt  ^une^men  wollet  £>öret  ba£ 
SSort  in  ber  $irdje,  aU  wäret  tpr  e$  allein,  mit  benen  ber 
^rebiger  im  Flamen  ©otteS  $u  reben  fyättt.  bringet  $um 
£ift$e  be$  £errn  an  3erfnirfd;te$ ,  reuesotle^,  bemütlnge£, 
hungriges  unb  bürftenbeS  £er^  33eidjtet  fo,  bag  man 
tuä)  anfielt ,  tj?r  wollet  eure  ©ünben  ni$i  bloö  auf  einige 


1302 


£age  au£fe§en,  fonbern  fte  in  bie  £tefe  be3  S^eer^  gewor* 
feit  Ziffern  beulet  baran,  fo  oft  ij>r  tiefet  tlutt,  bag  ipr 
euren  £aufbunb  mit  ©Ott  erneuret,  mit  3efu  eud)  aufs 
9?eue  verbinbet,  unb  eurem  litten,  inrnmlifttjen  SSater  neuen 
©e|?orfam  »erfprec^et*  (£ntfd;fießet  eud;  wenigften^  fo  oiel 
gu  galten,  aU  ipr  galten  würbet,  wenn  ijjr  einem  greunbe 
ober  einem  vornehmen  Spmn  etwas  oerfprod;en  fyätttt;  nejj* 
met  ntc^t  Wo!  bcuS  gu  £er$en,  toa$  eudjjber  ^rebiger  gum 
£rojt  fagt,  fonbern  aua)  baS ,  wa3  eud)  £ur  23efferung  unb 
3um  2Bad)Stjmm  ber  ©ottfeligfett  vorgehalten  wirb. 

c)  Genüget  ljauptfdd;lia;  ten  (Sonntag  $u  ^eiligen  unb 
göttlichen  Dingen;  benn  biefen  %at  ber  £err  ba$u  oerorbnet, 
i>a$  wir  an  bemfelben  beobachten  unb  fud)en  fbllen?,  m$  $u 
deiner  2kref>rung  unb  gu  unferer  Erbauung  bient.  Denfet 
fleißig  barüber  nad),  m$  ipr  in  ber  $ird)e  {joret,  unb  te* 
galtet  t$  in  eurem  £er£en,  fud)et  in  ber  (Schrift  unb  ftellet 
Zeitige  Betrachtungen  an.  Cefet  gute,  geiftreiaje  unb  erbau* 
K$e  23üä)er ,  finget  unb  betet  fleißig,  unb  wiffet,  i>a$  ber 
gange  £ag  heilig  [tjl  unb  ©Ott  unb  eurer  (Seele  angehöret. 
Denn  leiber  wirb  in  unfern  £agen  mit  vielen  93rebigten  fe^r 
wenig  ausgerichtet,  was  befonberS  aud)  baljer  fommt,  ba$ 
bit  5ftenfd)en  ten  £ag  beS  £errn  fo  übel  anwenben  unb  an 
bemfelben  nid)t  ©otteS,  fonbern  beS  £eufel3  SBerfe  verrid> 
ten.  SÖie  fann  baS  SBort  tei  ijmen  grudjt  bringen,  wenn 
ber  Teufel  e3  wieber  von  i^ren  bergen  nimmt,  fobafb  fte 
eS  geprt  jjaben,  unb  wenn  fte  baffelbe  bura)  allerlei  fünb* 
ftdjeS  SSefen,  bura)  grejfen,  (Saufen,  (Spielen  unb  ganzen 
erfftden?  25ie  Unn  aus  einem  glimmenben  Doa)t  ein 
brennenbeS  £tc$t  werben,  wenn  man  es  nag  ntaä)t  ober  mit 
einem  Dedel  unterbrüdt* 

d}  galtet  baö  vollfommene  23ilb  aller  £ugenben, 
Sefum  £f)riftum,  ben  (Mreugigten,  in  euren  bergen,  benfet 
immer  an  @eine  %kte,  Demutl),  (Sanftmut!?,  Jreunblidjfeit 
unb  ©ebulb.  SJ?ad)et  (Sein  ganzes  £eilige$  £eben  gu  einem 
SSorbilb,  auf  baS  tyx  immer  |nnfeJ)et.  Denn  je  nte£r  wir 
auf  3ef um,  ben  (Mreugigten,  mit  einem  bugfertigen  unb 
gläubigen  £er3ea  £mfejen,  tepo  mtyx  $i$t  erpäft  unfere 


1303 


6eefe,  3e  mejjr  man  3£n  betrachtet,  befto  ferclid^er  er? 
fctyeint  (£r  un$,  @r  entaünbet  unfer  £er$  unb  Qt^t  unferem 
©tauben  neue  $raft  bte  2öeXt  ^u  überwinben  unb  fortaufajj* 
ren  in  ber  Heiligung.  —  £>a$  $tnb  trtnf t  nie  an  ber  Slflutterbruft, 
ol)ne  baß  e$  baburdj  geflärft  wirb,  unb  unfere  <5eefe  fann 
ft$  nie  an  ben  SSunben  3efu  ergoßen,  oJ»ne  baburdj  auf3 
9teue  angetrieben  gu  werben ,  ©Ott  unb  bem  ^ädjjtot  ttrittig 
gu  bienen,  unb  bte  ©ünbe  ^u  Raffen  unb  ju  (äffen*  —  2)ie 
©nabe  ©otteS  unb  <Setn  f>eit*  28ort  ift  wie  ber  Dfagen,  ber  unfere 
£er$en  befeuchtet;  aber  ber  ©efreu^igte  ift  bie  <5onne,  welche 
e$  erwärmt  unb  burd)  ijjren  kräftigen  Hinflug  im  >$Qa$& 
ijmm  erljäffc  2)ieß  gefc^tejjt  jieboc^  !jauptfä$ft3>  baburdj,  bafj 
wir  3efum  nic^t  Uq$  aU  unfern  SSerföpner  betrauten,  fon* 
bem  au$  aU  unfer  SBorbifb.  <£$  gefctyieljt,  wenn  wir  uns 
©einer  nia)t  btoS  wiber  bie  ©ünbe  getröfien,  fonbern  audj 
»on  fersen  begehren  burty  3&n  bie  ©ünbe  $u  überwinben 
unb  3fcm  nacl^ufofgem 

e)  ©epet  gerne  mit  frommen  9ttenfc§en  um,  bte  e£ 
ft<$  angelegen  fe#n  (äffen,  in  ber  <£rfenntm#  unb  in  ber 
©ottfeligfett  au  warfen.  £oret  bie/enigen  $ewe,  Ui  we(* 
$en  ein  aufrichtiger,  lauterer  ©tmt,,  ein  frommet  Gftfer 
unb  ein  wapreä  Gi£rijlent£um  $u  ftnben  tfh  Unterrebet  unb 
beratet  eu$  mit  tyntn,  wie  t£r  gum  2Bad)$tfmm  im  ©tau* 
fcen  gelangen  fonnet.  Grrgö#et  eu#  an  fjrem  erbaulichen 
©efpräcij,  fraget  fte  fleißig  unb  fc^ämet  eua)  nia)t.  Denn 
ia)  fann  eud)  nia)t  genug  fagen,  totltif  großen  9fa§en  eine 
fromme  ©efettfc^aft  bringt;  unb  wie  eine  gtiu)enbe  $o|tfe  bie 
anbere,  fo  ent$ünbet  ein  £er$  ba$  anbere*  din  fot$er 
Unterricht  nü$t  oft  me£r,  aU  wenn  man  %wei  ober  brei 
gute  ^rebigten  Ijört  ober  einige  @tunben  lte$t.  Unb  wie 
ein  $inb  von  anbern  $tnbern  ba$  S3eten  am  fd)nettften 
lernt,  wenn  e$  aufmerffam  iji,  fo  nfifct,  wie  bie  (Erfahrung 
leljrt,  bie  Unterrebung  mit  einem  frommen  dejjrer  ober  einem 
anbern  erfahrnen  Gtyrifien  manchmal  ungemein  viel. 

f)  Unterfudjet  euer  ^riftent^um  oft,  unb  fepb  wie  ein 
Kaufmann,  ber  auf  feine  (£tnnajjmen  unb  ausgaben  bejiänbig 
2l#*  fcot»    @$mei#eft  eu$  fefbfl  nieft,  fonber«  erforfc&et, 


1304 


wo£  twfy  fejjlt.  Steintet  eu$  tägltdj  *>or,  nad)  ber  SM* 
fommenpett  gu  ftreben,  gel)et  nic$t  aurüc?  auf  bem  2öege  ber 
©ottfeligfeit,  unb  fiepet  au$  mcfyt  ftille  auf  bemfelben ,  fon* 
bern  fucfet  immer  weiter  ju  frmtmen*  — (£$  »erhält  ft$  mit 
unferem  (££rijlen#um  wie  mit  einem  Schiff,  mit  welkem 
tie  Sc^iffleute  gegen  einen  jfarfen  Strom  jkuern  wollen. 
Sobalb  jte  au  rubern  nachäffen,  wirb  e$  *>on  bem  Strom 
wieber  aurücfgetrteben  unb  ft'e  £aben  bereite  9ttü£e.  2Ber 
in  ber  Hebung  ber  ©ottfeligfeit  unabläftg  fortfährt,  bem 
wirb  biefe  peilfame  Arbeit  enblt$  aur  fügen  ©ewojmpeit, 
tag  er  fify  fe£r  wof>l  babet  beftnbet;  wer  aber  guweilen 
nac^läfj t,  ber  Söelt  unb  ipren  Cüften  nac$gept  unb  ba$  (Met 
»erfäumt,  ber  j)at  bereite  2flüpe,  unb  barf  ft$  nidjt  wun* 
bern>  wenn  er  e$  nieftf  weiter  bringen  famu  —  2Beil  wir 
aber  wijfen,  baf?  wir  bem  2fticbterjht|?l  ©otte^  atfe  £age  um 
eine  Stufe  näj)er  fommen,  mxum  wollten  wir  uns  ni$t  alle 
Jage  mit  großem  gleiß  um  bie  SSerbefferung  unferer  Wlän* 
gel  unb  um  baS  SBacfjgtjjum  in  ber  ©ottfeligfeit  bekümmern? 
g)  SOßenn  if?r  na$  Slnprung  be$  göttlichen  2Borte£, 
naefy  bem  ®enuf)  be£  f>eiL  2Ibenbmal?l$,  na$  bem  (StUt, 
ober  naety  einem  gottfeligen  ©efyräd?  mit  einem  eurer  5P^tt^ 
menfd&en  eine  9ftu)rung  in  eurem  Snnern  entpfmbet,  fo  ben* 
fet  baran,  ba$  tin  gunfe  be$  pimmlifc|en  geuerS  in  euer 
$tx$  gefallen  ift.  SBerfäumet  unb  $erac$tet  benfelben  ni$t, 
fonbern  rufet  ben  #errn  Sefum  an,  bag  (£r  tpn  bur<$  Sei* 
neu  Oeijl  au  einem  geuer  anfachen  möge, 

h)  £5emnadj  meibet  etiles,  wa£  eud)  im  @uten  pinbern  fönnte, 
enthaltet  euefj  son  ber  2öelt,  liebet  t>k  Stille  unb  bie  (£in* 
famfeit,  Jwnget  feinen  fünblicfen  ©ebanfen  na$  unb  flieget 
al(eö  unnü|e  ©efpretc^  2>enn  wenn  3emanb  eine  geiftreic^e 
$rebigt  gehört  ober  in  einem  erbaulichen  23u$e  gelefen  |wt, 
unb  finbet,  baff  fein  £era  som  £tmmel  befeuchtet  unb  *>on 
ber  (Sonne  ber  ©ere^tigfeit  beftrafjlt  ift,  unb  baf?  t>k  (Baal 
ber  peil*  ©ebanfen,  ber  Seufaer,  be$  $erlangen£,  ber  peilt* 
gen  ^ntfc^lüffe  aufaugepen  beginnt,  unb  er  fuetyt  wieber  böfe, 
ober  wie  bie  Sßelt  fagt,  lujtfge  @efellfc$aften  auf,  betrinft 
flcf>,  ftrielt  unb  ft$era*,  unb  mafyt  Mtt  mit,  fo  i(J  e$  wk 


1305 

wenn  man  einen  grünen  5Ic£er  burd;  @d;aafe  abweisen  liege, 
ober  wie  wenn  ber  Partner  ben  3aun  oon  feinem  ©arten 
wegnehmen  unb  tfm  bem  $iej>  $rei$  geben  würbe*  —  @3 
Ijeift  in  ber  (Schrift:  28er  ba  $at,  bem  wirb  gegeben 
werben,  unb  er  wirb  bie  gülte  j>aben*  2öer  aber 
nt$t  j>at,  bem  wirb  au$  ba$  genommen  werben, 
wa£  er  jjat* 

IIL  3um  ©d?tufj  wollen  wir  nocl)  einige  £rojlgrünbe 
für  biejtenigen  anführen,  welche  e$  mit  ijjrem  ©Ott  awar 
reblid?  meinen ,  i£rem  (£rtöfer  mit  inniger  %kU  anhängen, 
ber  ©nabenmittel  ftd)  fleißig  bebienen  unb  ten  £errn  oon 
g  anaer  Seele  au  furzten  begehren,  aber  t$,  tf?rer  Meinung 
na$,  bo$  ntdjt  weiter  bringen  fönnen*  Sie  glauben  feine 
befonbere  3«na|jme  im  ©uten  M  ftd)  $x  ftnben  unb  ängjto 
unb  Utxübtn  ft$  mand;mat  fejjr  barüber*  £>tefe  mögen  be* 
benfen,  bag,  mt  wix  f$on  öftere  gefagt  fyabm ,  hü  ©Ott 
ba$  eifrige  203 ollen  unbSßerlangen  fürbte£J>a* 
angenommen  wirb*  2tu$  ijl  §u  bemerfen,  ba£  53aulu$  btejieni* 
gen  x>  o  l Ü  o  m  m  e  n  nennt,  welche  ^war  bie  £ßpe  beS  £t|rii 
flentfjumg  nodj  nidjt  erreicht  paben,  jebod)  im  9?a$]iagen  unb 
Sftadjftreben  begriffen  fmb*  £)enn,  nac^bem  er  x>on  ftcj)  felbji 
gefagt  l?at:  „3$  fc^äge  midj  no$  nt$t,  va$  i§  e£  er* 
griffen  £abe  :c;  i<f  jage  aber  na$  bem  *>orgeftetf* 
ten  3iel,  unb  sergeffe,  v$a$  bahnten  if,  fe#t  er  fo* 
gleich  pin^u:  wie  tuet  nun  unter  unSooltfommen  finb, 
bie  f ollen  alfo  gefinnt  fe^n  :c/'  —  £>ieg  fommt  bafjer, 
mit  t>k  frommen  (Beeten  burd)  biefen  gleift  unb  burd?  biefeö 
Verlangen  immer  sollfommener  werben;  gleichwie  ein  $nabe, 
ber  ft$  fleißig  im  Schreiben  ixbt,  burd)  biefe  Hebung  immer 
beffer  unb  fertiger  fd)reiben  lernt  £aben  jene  Zeitigen  Regier* 
ben  einmal  bie  £)ber£anb  im  #er$en,  fo  fann  bie  Sünbe  nifyt 
mefjr  oaxin  fjerrfdjen,  ber  alte  Sftenfdj  mug  täglidj  abnehmen, 
aber  ber  neue  wirb  aunepmen  unb  geftärlt  werben*  —  gerner 
ijt  m$t  auf  er  M)t  au  taffen,  ba%  wir  x>cn  ten  ^flan^en 
nidjt  fagen  fönnen:  wir  feljen  fie  wad;fen,  fonbernbloS 
fte  fe^en  gewadjfen*  (£benfo  ijt  e£  aufy  im  Gtimfientjntm; 
tk  frommen  «Seelen  meinen  oft,  wenn  fte  ft$  prüfen,  fte  blei* 


1306 

Seit  immer,  tvk  fte  fe^en,  unb  fie  nehmen  im  ©fauben  unb  dt 
ber  ©ottfettßfett  ni$t  gu*  Ottern  bie  Bett  unb  t>te  (£rfal)run& 
Jejjrt  e£  bo$  £äuftg,  tag  ijjre  jj eiligen  Uebungen  nidjt  o£ne9ht* 
§en  ftnb*  (£g  »erhält  ftclj  bamit,  wie  mit  bem  ©egen  ©otteS 
im  3eitfi$etu  2)ief er  wirft  oft  in  einem  £aufe  gana  tterbor* 
gen,  unb  mac&t  bo$  ben  £au6ttater  aflmäfrtig  reicf>,  e£e  er  e£ 
»ermüdet  —  Unb  wie  bie  Zäunte  tfjren  SSinter  Jjaben,  in 
Welchem  ft<$  ber  @aft  in  bie  SSuqetn  %ityt,  weswegen  bk 
Blätter  abfallen  nnb  ba$  2ßacf)$tj?um  ftttte  fleijt,  wäljrenb  e$ 
tpnen  boef)  nicjjt  an  $no$pen  au  neuen  blättern,  23lütf)en  unfc 
grüßten  für  i>a$  ndc^fle  3afjr  fejrtt,  alfo  jjaben  auefy  bie  «Seelen 
ber  ©laubigen  manchmal  i£ren  SBinter,  tjjre  Anfechtungen,  tpre 
£mbermjfe  »cm  (Satan  unb  ber  2öelt,  tj>re  ©efc|>äfte,  tk  fte 
gur  (Eitelfeit  jrinatejjen,  welche  fte  boc^  nic$t  liegen  laffen  fön* 
nen  jc*  —  3n  einem  folgen  3«^nb  füllen  fte  awar  tjjr  2öac|)&* 
tjmm  nt(^t;  ]iebo$  fejjlt  e$  i£nen  nie  an  bem  fettigen  Verlan* 
gen,  ©Ott  \t  mej?r  unb  mepr  au  erfennen,  au  liefen,  ju  fürdjten 
unb  au  btenem  @ben  tiefet  aber  ifi  ein  53ewei^  be$  geiftlic^en 
unb  göttlichen  SebenS  in  tyntn,  welches  ficf>  auc$  au  feiner  3«t 
tmmermeljr  aeigt,  unb  sott  bem  gnäbigen  nnb  barmljeraigen 

©Ott  für  eine  ?8  ollf  onmenb  ett  angefejjen  wirb* 

©arumfeipbgetrofi,  tpr  grotnmen,unb  f  e#b  beff  en  in  guter 
3uA>erficf)t,  baߣ>erin  euc$  angefangen  patbaS  gute 
äßerf,  ber  wirb  e$  aufy  t>ollfüfjren  bt$  auf  ben  £ag 
3efu  GtijrifH,  Cbafj  wir  biefen  großen  £ag  mit  greubigfeit 
erwarten  unb  an  bemfelben  u>ol)l  befielen  fönnenO  3) er  ©Ott 
aUer©nabe,  ber  nnß  berufen  $at  au  ©einer  ewi* 
gen  £errltcljf  eit  in  (£jjrijlo  3efu,  berfelbige  wirb 
euc$,  bieipr  eine  fleine3eit  Reibet,  Cunb  fämpfet) 
»ollbereiten,  ftärfen,  fraftigen,  grünben,  bem* 
felben  fe#  (£j)re  unb  Wlafyt  x>on  (£wigf  eit  au  (Ewig* 
fcitl  5lmem 


1307 

&  o  n  ber  petUgenSBorftc^t. 

£.  Offenbar.  3o$-  3,  12.    @te#e,  3$  fomme  batb;  blatte, 
tt>a3  bu  $afl,  fcaf  9liemant>  betne  trotte  raube  l 


Eingang» 
5m  Flamen  Sefu!  2*men» 
£)er  Stpoßel  3ojjanne$  fap  im  ^tmmei  tfor  t»em  ©tupf 
©otte^  4  £piere  mit  6  glügeln,  unt>  pinten  unb  dornen  »ott 
Stugen*  2)ie  ©eleprten  Jjaben  barüber  vergebene  SEfteimm* 
gen,  wir  wollen  biefelben  ntctyt  unterfucpen,  fonbern  nur  anfüf)* 
ren,  wa$  ^ur  («Erbauung  bient*  3öir  tonnen  bemnacp  biefe 
Stetere  aU  ein  Bilb  gottfeliger,  eifriger  unb  wacpfamer  Seprer 
betrachten,  wetc^e  2We$,  wag  jte  ijjun,  als  au$  ©Ott  unb 
für  ©ottin^prifto  tjjun*  @te  muffen  auf  ft$fel&fl 
unb  auf  bie  gan^e  beerbe  fleißig  51$ t  paben,  <5ie 
muffen  bereit  fep,  ben  Söitten  ©otte$  gu  »erringen,  bürfen 
audj  niept  irbifcp  gefi'nnt  fe#n,  fonbern  follen  ft<$  immer  mit 
einem  peiligen  Verlangen  unb  mit  gottfeligen  ©ebanfen  ^um 
Fimmel  emporfepwingen.  —  2)tefe  £piere  fonnen  un£  auep  ben 
3ufianb  ber  ©eltgen  im  $immt  tyorbilben*  ©ie  fmb  t>or  bem 
(Btupl  ©otteö  ewiglicp,  unb  bienen  3pm  £ag  unb  9tocpt,  jte 
(eben  unb  fcpweben  in  ber  £errlic$f  eit  ©otieS,  jte  flauen  ben 
#errn  »on  Slngeftdjjt  au  5lngefi$t,  unb  fmb  atlentpalben  von 
6einer  ©nabe  unb  Siebe  umgeben»  <£$  tjt  alfo  nicptS  an  ipnen, 
baä  niept  soll  göttlichen  SicpteS  wäre»  —  ©olebe  Betrachtungen 
ber  £immel$bilber  follen  in  uns  ein  Verlangen  nad)  bem  £>im* 
mel  erwedem  5Cuf  (Erben  leben  wir  in  ber  GFitelfett,  unb  glei* 
epen  ben  Schwalben,  welche,  ob  jte  gleicp  ben  ganzen  £ag  fyin 
unb  per  fliegen,  boefj  nicfjtS  ba^on  paben,  aU  baf?  fte  fo  viele 
WlMen  erpafepen,  al$  $u  tprer  9taprung  notpt'g  tjt  ©o  laufen 
auefj  wir  in  ber  S83eXt  pin  unb  per,  machen  un£  oiel  vergebliche 
Unrupe,  unb  paben  am  (£nbe  nieptä  bavon,  als  ba$  2öe* 
nige,  womit  wir  unfern  Ztib  bebeefen  unb  erpaltem  -—  Unfere 
©eele  gleicht  einem  SBogel,  bereingefperrtift,  unb  ftcpnicptnacfr 
Belieben  bewegen  fann;  aber  naep  unferem  feiigen  £obe  werben 


1308 

wir  ber  greijmt  bev  $inber  ©otteS  geniegen  immer  unb  ewtglto;. 
3n  bieferSQSelt  jmbenwir  nur  2  klugen,  bort  aber  werben  wir  attent* 
palben  »ott  klugen  fe^n,  —  wir  werben  bte  ©emeinftt)aft  mit  ©Ott 
»ottfommen  genießen»  #ter  werben  un£  bie  klugen  gehalten,  bag 
fte  bie^errlta)fett©otte3  mfyt  fe£en  fönnen,  fte  werben  aua;  oft 
»on  ££ränen  alfo  geblenbet,  baß  fte  wenig  greube  in  ber  2Öelt 
paben;  bort  aber  wirb  ©ott  abwifa)en  atte  ordnen  »on  unfern 
2Iugen,  unb  wir  werben  unfere  £uft  an  ©einer  ©nabe  fepen«. 
(So  lange  wir  im  gleite  leben  ftnb  bte  klugen  unfereS  ©emütj>6 
toit  mit  einem  Giebel  umbogen,  ba$  wir  ia$,  wa$  auf  Grrben 
tjl,  nia)t  red)t  erlernten  fonnen;  im  £tmmel  aber  werben  wir 
erleuchtete  klugen  J?aben,  um  ben  9^eia)tpum  unfere^  ^erriia;en 
(£xU$  %u  fe|>en,  unb  bte  $larf?eit  beS  £errn  wirb  fta)  mit  auf* 
gebecftem  2lngeftd)t  in  uns  fpiegeln*  2)aj?  iä)  e$  fur$  fage: 
gleichwie  Uc  £errlia)fett  ©oiie$  fo  grop  fepnwirb,  baß  fte 
uns  allenthalben  umgibt,  alfo  werben  wir  biefelk  aua)  fe{?en 
unb  fte  »ottig  unb  ewig  genießen*  —  3£r  merfet  wo£l,  meine 
Qtjmften,  baf?  in  biefen  Silbern  me|>r  enthalten  ijt,  aU  iä)  au^ 
fyrea;en  fann,  fo  laffet  ung  benn  *>on  £er$en  fagen:  „Steine 
©eele  bürjiet  naa)  ©Ott,  naa)  bem  lebenbigen@ott! 
SSannwerbeid)  b a$ in  fommen,  baß  ta)©o ttt$  51  n* 
geficfjtfcfjaue?" 

SBcg  ©üier,  weg  G^re,  weg  kt>tf$e  Süjle!  21$,  baf  i$  no# 
1)t\\ti  pm  £ümnel  einmüfiei  £>  f)immU\$z$  Stteinobl  D  ewige  gteu* 
ben!  21$,  fa#  miefc,  mein  3efu,  t>on  I;innen  fco#  (Reiben!  D  $wuks 
lff$e  Äfar^eitl  £)  ewigem  Seben!  SBann  wirft  fcu  bod)  enblt$  mity 
Slrmen  umgeben?  2la)  3efu!  rok  lange?  wie  lange,  o  ©onnel  Stfufl 
i#  entbehren  ber  ^immlif^en  Sßonne? 

SSir  fonnen  aber  aua)  an  biefen  23tlbern  t>k  95flid)t  ber 
©laubigen  fepen,  bte  noa)  in  biefer  3eitlia)feit  leben.  £)iefe 
fotten  immer  »or©ottunbmit©ott  wanbelm  Sie  fotten 
nid)ta  tfjun,  al$  m$  fte  tfmn  würben,  wenn  ©Ott  ©ia;  fta)tbar^ 
litt)  offenbaren  würbe,  ©ie  muffen  mit  ijjrem  ©ebet  immer 
»or  ©otte3  £j?ron  fepn,  unb  ©einen  tarnen  o|me  Unterlag 
greifen,  ©ie  fotten  aua;  allezeit  bereit  fe^n  ^u  ©einem  Sienfte, 
unb  mit  frommer  $orjtö)i  in  biefer  Söelt  wanbeln*  2Beil  ber 
(Batan  ipnen  mancherlei  3^e|e  legt,  unb  weil  baf  Siergernifi 
immer  gröger  wirb,  fo  tft  p5#  nöt^ig,  ba$  fte  ma)t  fieser  wer- 


1309 

ben,  fonbern  »otjt^tig  ftnb,  bamit  fte  tljren  6cf>at3,  ber 
iljnen  m  (^prifto  gef  d;enft,  unb  bte  trotte,  bie  tpnen  beigelegt 
i$,  nidjt  vertieren  mögen.  —  23  on  bief er  £  eiligen  $3or= 
f £ <j^ t  beglaubigen  motten  wir  nadj  Einleitung  unfereS 
£erte$  weiter  rebett;  ©Ott  fegne  unfere  Arbeit  burcf>  bie 
@nabe  ©eineö  ©etfteS  um  Gprifti  Witten! 
$1  i  J  a  tt  H  u  n  g» 
(B  tjt  merf  würbig,  ba§  unfer  £eilanb  t)k  £erte6 Worte: 
„55 e|> alte,  wa$  bu  pajt,  baf  9Memanb  b eine  trone 
nepme,  a»  *tty  frommen  33tfd)of  au  $f>itabet»fna  fagt,  wel* 
d)em  (£r  früher  ba$  Beugmfi  gibt,  bctf  er  ©ein  Soor*  gehalten 
unb  ©einen  Tanten  nid)t  verläugnet  fjabe,  bem  (£r  aucp  tter* 
fpri$t,  ba$  etliche  von  bengetnben©otte£  fommen  unb  if?n  an* 
beten  fotten  au  feinen  güfjem  2)arauö  erpellt,  baß  fetbft  bie* 
jienigen,  wetdje  eS  in  iprem  (^^rijterttjmm  mit  gebracht,  unb 
mehrere  groben  t^re^  ©taubenS  abgelegt,  aucp  öffentliche 
3eugniffe$onber£tebe®otteg  unb  von  ber  inwojmenben  traft 
be$  Zeitigen  ©eifteö  empfangen  jmben,  nicpt  fieser  werben  bür* 
fen,  fonbern  wad;en,  beten,  fämpfen  unb  ttorftcfjtig  wanbetn 
follen,  bamit  fte  behalten,  m$  fte  paben,  unb  tpre  trone  ntdjjt 
»edieren*  5tud)  ift  nid;t  au  überfein,  ba$  ber  £err  jenem 
frommen  tarnte  awar  verfpridjt,  (£r  wolle  tyn  vor  ber  ©tunbe  ber 
33erfud;ung  bewahren,  iljn  aber  bod)  ermahnt,  er  fotle  UfyaU 
ten,  m$  er  fmbe*  daraus  folgt,  baf?  wir  ©ottc$  ®nabe  allein 
für  ben  Anfang,  ba$  Wlitttt  unb  Grnbe  unferer  33efel?rung  unb 
Erinnerung  erfennen ,  bemtodj  aber  tk  #änbe  ntept  in  hm 
©$oo§  legen  fetten*  2Bir  follen  i>k  ©nabenmittel  Weber  *>er* 
fäumen,  nod;  »erachten,  füllen  nid)t  nacpläßig  fe^n,  fonbern 
mit  gur^t  unb  3ittern  fdjaffeu,  ba$  wir  feiig  werben*  —  WliU 
put  ift  bie  2Bacpfamfeit  unb  SSorftc^t  eine  poepft  nötige  £ugenb, 
unb  ba$  wapre  (Sprtftentpum  fann  opne  biefelbe  niept  beftepem 
2)enn  tt>k  unfer  £etfanb  in  unferem  Zcxtt  einen  geübten  unb 
bewehrten  Triften  ha^u  ermahnt,  fo  fmben  ftd;  von  3pm  no$ 
mehrere  äpnticpe  ©teilen  in  ber  peiligen  ©eprift,  a*  23*:  „Sfttn* 
get  barnad;,  baf  ipr  eingebet  burd;  bte  enge  Pforte. 
SGßacpetunbbetet,  bag  ipr  nicpHn$nfe$tung  fal* 
f et  :c*    Raffet  eure£enben  umgürtet  fep  unb  eure 


1310 

Sidjter  Brennens"  5Tu$  gjautuö  fagt :  „SBiffet  ifyx 
nifyt,  tag  Me,  fo  in  ben  @$ranfen  Kaufeit,  bte  lau* 
ftnßlUf  aBer  (£iner  erlangtbaS  ßleinob*  kaufet 
nun  alfo,  bagijjr  eg  ergreifet  Söerbametnt,  er 
ßejje,  berfejje  wojilau,  baß  er  nidjt  falle*  ©e£et 
gu,  wie  tfjr  ^orftc^tig  wanbelnc*  ©Riefet  euc^  in 
i>ie  3^tt;  benn  es  ift  Böfe  3ett  ((£rfaufet  bie  Seit, 
©uteg  $u  t^utt,  unb  Bringet  lieber  ein,  wa$  ipr  ausor  *>er* 
fäumtjjaBt)  2öir  finb  ni$t  son  ;ber  Wafyt,  nodjson 
ber  ginfterntß,  f o  (äffet  un$  nun  nt$t  fcjjlafen,  wie 
bieSlnbern,  fonbern  laffet  unswa^en  unb  nüdj* 
tern  fe^n."  gerner,  tt>a$  er  an  feinen  ©cpler  gimotfjeuS 
fdjreiBt:  „23ewal)re,  tt)aö  bir  sertrauetift,  Ijalte  an 
bem  SBorBilb  ber  jjeilfamen  2ßorte  »ont  ©tauten 
unb  son  ber  Siebe  in  (£jmfto3efu  :c/'  2)amit  ßim* 
tuen  aucf)  bie  Beiben  5tyof!el  $etru$  unb  Sojjanneä  üBerein: 
//3pv,  meine  SieBen,  x>  er  wahret  eud),  baß  ijjr  nt$t 
bur$  Srrtljum  ber  ru^lofen  £eute  fammt  tljnen 
verfüprt  werbet,  unb  entfallet  au$  eurer  eigenen 
geftung*  —  finbletn,  laffet  eu$  ni^t  serfü^rem" 

2)er  ©etft  ©otte$  toarnt  un$  alfo  in  allen  biefen  @tel* 

len  mit  großem  (£rnfl  fcor  fftadtfäßigfett  unb  <5i<$er£eit  (£r 
$atau$  alleürfa^e  baau;  benn  e$  ifi  Befannt,  wie  Betrüg* 
iic§,  wie  leidjtfmnig  unb  unBejtönbtg  unfer  £er$  ifi,  unb  wie 
f$nell  e$  jt$  gum  33öfen  verleiten  läffet,  $u  welkem  e$  tton 
Statur  o£nepinfo  geneigt  ift  333  tr  wiffen,  fagt  ^auluS, 
baß  in  un$,  b.  L  in  unferem  gletfdje  ni$t$  ®ute$, 
fonbern  bie  ©ünbe  wojjnet;  bajjer  fann  ftdj  lei<$t  eine 
(Gelegenheit  jetgen,  woburdj  ftc^  ba$  verberBte  £er$  Bewegen 
läßt,  baß  e$  in  bie  ©ünbe  willigt  unb  ben  Süften  be$  gletfd?e$ 
folgt  —  (£Benfo  ßept  au$  in  ©otteä  2Bort  t>k  Söarnung, 
wel$e  *>on  ber  ßrrfaprung  pinlänglid?  Betätigt  wirb,  ba$  ber 
(Satan  nic$t  BloS  gleidj  einem  Brüllenben  %ömn  um£ergejje 
unb  fu$e,  wen  er  »erklingen  möge,  fonbern  baß  er  ftcjj  au$ 
zuweilen  in  einen  (£ngel  be$  $iti)t$  serftette  unb  e$  unter  bem 
(Bfytin  ber  SieBe  unb  greunbfdjaft  *>erfu$e,  unö  von  bm  2Bege 
ber  ©ottfeligfeit  aBauBringem    $)teau  pilfi  aufy  feine  treue 


1311 

SMenertn,  —  bie  SBelt,  nao;  Gräften*  €ie  f$mä£t  unb  »er* 
folgt  bie  grommen  nidjt  attqett,  fonbern  fdjmeidjelt  ijmen  oft 
imb  preist  ijmen  ben  breiten  2öeg  bergeftott  an,  bag  jte  tiefe 
©{eignem  nur  bur$  ben  33eiftanb  be£  jjeiligen  ©eifteg  erfen* 
nen  unb  veralten  lernen*  2)emnac()  Ijat  ber  ©laubige  Ue 
SBacjjfamf ext  unb  S3orftdjt  fej?r  nöt^ig,  unb  gerabe  t>ie  heften 
Triften  £aben  am  wenigen  Urfa^e,  ftc^er  au  fe^n,  mit  ber 
(Satan  ifmen  am  metfkn  na#ettt  unb  feine  größte  greube  ba* 
ran  fmbet,  wenn  er  biejenigen  in  fein  9te#  bringen  fann,  welche 
ftdj  im  £lj>rtjknt{>um  auSgeaeicJmet  £aben*  —  3ubem  bringt 
au$  f$on  bte  9tatur  beS  ©tauben^  eine  J)eiftge  $lug£eit  mit 
fidj,  unb  wenn  ba$  £fjriftent|>um  re^tfe^affen  tj*,  fo  fmbet 
man  e$  ntc^t  oljne  biefelbe*  2)enn  ber  ©laubige  erinnert  jtdjj 
atteaeit  baran ,  in  welcfj  fläglidjen  Sujtab  er  bur$  t>ie  @ünbe 
gefommen  war,  er  Jjat  ©otte$  Ungnabe,  ©ewiffenöangft  unb 
<&ä)ttdm  empfunben,  unb  würbe  bauen  bur$  ©otteS  ©üte, 
burdj  baä  t|)eure  SSerbienfi  3efu,  unb  bur$  t>en  £roft  be£ 
fettigen  ©eifteS  lieber  befreit*  ©otfte  er  ft$  nun  nidjt  zettle* 
ben$  »or  foI$er  23etrübnig  freuen,  unb  *>orft$tig  wanbem, 
um  bie  ©fücffefigfett,  mtfyt  ex  in  ber  ©emeinfe^aft  be$£errn 
3efu  gefunben  Jjat,  nü$t  wteber  $u  »erftfersen?  ©ottte  wopl 
berjenige,  Weberin  ber  £otte  gewesen,  au$  berfefben  aber 
errettet,  unb  in  ben  £imme*  \>erfe§t  worbeiWfl,  fo  lei^tftnntg 
feyn,  H$  ex  @ine$  wie  ba$  Slnbere  achtet?  —  ©ewig,  wer 
53eibe$  foerfud&t  $at,  wer  bie  $raft  unb  ba$  ©ift  ber  Sünbe 
in  feinem  ©ewiffen  empfunben,  unb  bie  füge  ©nabeSefu  (££rt* 
fti  im  $ex%en  gefdjmecft  jjat,  bem  wirb  e$  nu$t  in  ben  <Stnn 
fommen ,  jtdj  burd)  mutpwtttige  ©ünben  ber  ©emeinfe^aft  fei? 
ne$  GErloferä  »erlufh'g  au  mafyen*  dx  würbe  lieber,  wenn  e$ 
tnögtt$  wäre,  ben  bitterften  £ob  taufenbmaf  erbufben,  aU  fi$ 
bur#  »orfct§fic$e  S3o#eit  au$  bem  <Stanb  ber  ©nabe  brüt* 
gen*  Sarum  wa$t,  betet  unb  fämpft  ertägftdj,  unb  traut 
Weber  feinem  gleifdj,  nod)  ber  SÖSelt,  no$  bem  <5atan,  wenn 
jte  ftdj  audj  noefj  fo  freunblicfc  (Letten*  —  2)er  ©laubige  ift  ein 
ßinb  ©otteS,  beffen  Seben,  grieben,  greube  unb  Me$  auf  ©et* 
ner  *äterlid)en  gürforge  beruht  SBarum  fottte  er  ni$t  mit 
attem  gleig  barnaa)  trauten,  ben  SBitten  feinet  Heien  $ater$ 


1312 

$u  vollbringen  unb  3|m  md)t  im  Oertngpett  $u  befeib'tgen  ?  (Ex 
weif ,  baß  er  allentpalben  unb  allezeit  vor  ©einen  petttgen 
klugen  wanbelt,  warum  follte  er  niä)t  beputfam  unb  vorftä)tig 
fep?  SOStc  baö  5iuge  be£  ©a)ifferg  auf  ben  Kompaß  gerietet 
tjt,  unb  ba$  2luge  be£  tinbeg  auf  bes  SSater^  2lngeftä)t,  fo  ftej?t 
ber  £prift,  welä)er  ©Ott  liebt,  auf  beffen  Bort  unb  Stilen* 
(£r  weif  oft  nitt)t,  mit  wie  fielen  Porten,  unb  mit  wettt)1  gro* 
fem  (£ifer  er  ba£  (Eine  von  3J»m  erbitten  foll,  baß  (Ex  ipn  in 
(Seiner  gurü)t  bewahren  unb  vor  ©ünben  behüten  möge,  wie 
wir  beutlitt)  aus  bem  119  55fatm  fepen  fönnen,  beffen  fur^er 
Snfjalt  tfh  „SBeifemir,  £err,  ©einen  2Beg,  baß  iö) 
wanble  in  ©einer  28afjrj?eit!  ßrrpalte  metn^ers 
fceibem  ©inen,  baß  iä)  ©einen  tarnen  furo) te!"  — 
©er  ©laubige  ftnbet  feine  größte  greube  an  3efu  @f)rijlo ,  ja 
er  ftnbet  in  ©einer  ©emeinfdjaft  ben  £immel  auf  ßrrbem  (£r 
Jjat  inSpm  grieben,  greube,  9?uj?e,  9?eiä)tjntm,  @{?re,  ©erett> 
tigfeit  unb  ©eligfeit  Söarum  follte  er  ftä)  niä)t  aus  allen  £räf* 
ten  bemühen,  feinem  (Mofer  $u  gefallen  unb  fo  vorftä)tig  ju 
wanbeln,  ba$  er  ©en,  welcher  ipn  fo  poä)geliebt  fyat,  nia)t  be* 
leibige,  noa)  ©einer  fetigen  ©emeinfa)aft  vertufft'g  werbe? 
<Btin  #er$  ift  ein  Tempel  be3  ^eiligen  ©eijtes,  unb  er  mi$ 
wopt,  wa£  Paulus  allen  (Sprtjkn  gur  SSamung  gefä)rieben 
Ijat:  „Biffet  tf>r  ntä)t,  baß  tj)r  ©otteS  £empel  fe#b 
unb  ber  ©eift  ©otteg  in  euä)  wohnet?  ©oS^manb 
ben  gempel  ©otteg  verberbt,  ben  wirb  ©ott  au ö; 
verberben;  ber£em:pel©otte6ifl  j? eilig,  ber  fe^b 
£$?♦"  28ie  nun  ber  Tempel  im  alten  £eftoment  von  eigenen 
53erfonen  mit  großem  gletß  bewaä)t  würbe,  bamit  niä)tg  Un* 
reinem  in  benfelben  fommen  möa)te,  fo  voafyt  ber  wajjre  Gtprijl 
mit  allem  gleiß  über  ftä)  felbft  unb  über  fein  £era,  bamit  biefer 
geiftige  Tempel  ntä)t  entheiligt  werbe*  —  ©od)  wag  bemühe 
itt)  mitt)  lange  $u  getgen,  baß  bie  peilige  $orftä)t  eine  gruä)t 
be£  ©lauben^  fep  unb  ^um  wahren  Gtfm'fkntpum  notpwenbig 
gehöre,  ba  fein  reä)tftt)affener  (Efyvtft  bieß  läugnen  wirb  unb 
aud)  bie  gefunbe  Vernunft  fagt:  e£  gebore  gleia)  vielb^  au,  bat 
Erworbene  gu  erpalten,  wie  etwag  $u  erwerben*  $ein  9?etä), 
feine  Regierung,  feine  ©tabt,  ja  felbß:  fein  $au$  fann  opne 
fluge  33orfid)t  unb  eifrige  SÜ3aä)famfeit  befkpem    2Bie  follte 


1313 

ftct)  alfo  ber  ©taube  bem  teufet  unb  ber  SOSett  mit  alfer  $?a$t 
entgegenfegen  formen,  wenn  er  nict)t  bie  gehörige  .SBor|t$i  an* 
wenbet? 

2)  SQSir  motten  aber  aucij  fet)en,  m$  man  unter  btefer 
peittgen  SBorftctjt werftet; e*  —  Ste  tft  eine  gruc^tbeS  ©ei* 
ftt$  unb  eine  Äraft  ber  gtaubtgen  Seefe,  wobur$ 
fie  fia)  beftrebt,  eine  gute  bitter fct)aft  au  üben,  it> 
rett@Iaubenunbeingute3®ewiffenaubewai)ren 
big  an 3  ßrnbe*  —  53ei  erfahrenen  (£t)rtften  wirb  bieg  fetner 
weitläufigen  (£rf(ärung  met)r  bebürfem  —3$  fage,  bie  23or  fict)t 
ber  ©laubigen  fep  eine  gructjt  be3  ©eifteS ;  benn  baS  menfct)* 
(ict)e  $era  ijt  an  unb  für  ftct)  ftct)er  unb  leictjtftnnig  unb  um  nict)t$ 
weniger  befümmert  aU  um  geifttidje  Dinge,  bie  feine  Selig* 
feit  angeben*  Dief?  ftetjt  man  täglict)  *>or  klugen;  benn  bie 
$inber  biefer  2öelt,  welche  in  zeitlichen  Dingen  fo  ttorfiajtig 
ftnb,  unb  ein  geringes. ©ut  mcfyt  leicht  Semanb  anvertrauen, 
tternact)täjngen  boct)  bie  Sorge  für  tt)re  Seligfeit  fo  päuftg* 
Diej?  ijt  ber  bofe  Saame,  mtyw  ber  Satan  in  bk  £er$en 
ber  $?enfd)en  gefeiet  Jjat*  Unb  wenn  e£  auef)  bisweilen  fct)eint, 
als  ob  fte  mit  (£rnft  nact)  tt)rer  Seligfeit  trauten  wollen,  fo 
reift  fte  bo$  bk  ©ewofmljeit  ber  Sünben  unb  $>a$  5lergernig 
ber  SÖeft  aU  ein  gewaltiger  Strom  balb  wieber  bafnn,  bafj  fte 

um  nichts  weniger  als  um  ü)r  Seelenheil  bemüt)t  ftnb* 

ferner  t)abe  i$  mify  ber  28orte  beS  2lpoftelS  bebient,  ber  fei* 
neu  Schüler  £tmott)euS  ermahnet,  baf?  er  eine  gute  bitter* 
fc§aft  ixhm  folle*  Denn  gleichwie  ein  Krieger  ttorftcfjttg  unb 
wact)fam  fep  muff,  wk  er  Jfeine  Arbeit,  feine  SD?«pe  unb 
feine  @efat)r  freuen  barf,  tok  er  mit  $httt)  auf  feinen  getnb 
losgehen,  feinem  getbperm  get)or$en,  gute  Drbnung  palten, 
unb  feinen  £)rt  m$t  serlaffen  foll,  um  enblict)  ben  Sieg  bavon 
$u  tragen,  fo  barf  ber  £t)rtft  nicf>t  meinen,  ba$  man  im  £eicf)t* 
jtnn  unb  mit  Sct)erz  unb  Spiel  in  ben  £immet  fomme,  fonbern 
er  muß  wtffen,  bafj  er  zeitlebens  mit  mächtigen  unb  liftigen 
geinben  au  fämpfen  t)at>  Darum  muß  er  wact)en,  beten,  nüdj* 
tern  unb  mäßig  fe^n,  er  barf  feine  Arbeit,  feine  SMpe,  feine 
©efajjr  unb  feine  iftott;  freuen  unb  foll  ftcf)  bur$  9tict)ts  ab* 
wenbtg  machen  raffen,  feinem  £eilanb  Willig  au  btenen,  tt$  er 


1314 

enbltc§  ben  (sieg  erhalt  unb  ber  ©eefen  ©ettgfeit  bavon  trägt* 
— Unter  b  e  m  ©  f  a  u  b  e  n  aber  verfielt  $autuS  pter  nia;t  bloS  bte 
feftgmatt)enbe£ef>re,  welche  uns  in  ben  ©Triften  ber  $rovf)eten 
unb2lpofteIgeoffenbaretift,  fcnbern  aud;  ben  gerea)tmaa;enben 
©laufen,  ber  burdjS  2Bort  im  ^er^en  erwedt  wirb*  liefen  fott  eüt 
3eber  als  feinen  beften@a)itb  bura)  ©otteS  ©nabebis  ans  (£nbe 
gu  erhalten  fua;en*  gerner  verfielt  er  unter  bem  guten©  ewtfc 
f  e  n  einen  unfträflid;en  SEßcmbet,  beffenfta;  "ok  ^rebtger  befonberS, 
unb  alle  dljrtften  insgemein  befleißigen  fotfen,  bamit  fte  in  feinem 
<Stücf  wiber  tpr  ®  ewiffen  jjanbelm  —  üSJHt^in  muß  ber  ©laubige 
fowopt  wegen  ber  reinen  evangelifdjen  M)xc,  als  aua)  wegen 
eines  ^eiligen  unb  göttlichen  MenS  wad;fam  unb  vorftajtig 
fei;n,  bamit  er  in  btken  ©tücfen  Bio  an?  (Enbe  knarren  möge,. 
dx  muf?  bie  ©eifter  prüfen,  ob  fte  aus  ©Ott  ftnb,  weit,  wie 
3o£anneS  fagt,  viele  fatfdje  35rop£  eten  ausgegangen  ftnb  in  hk 
2öeft  unb  in  ben  legten  3eiten  ®tli$t  vom  ©tauben  abtreten, 
unb  ben  verfüfmfajen  ©eiftern  unb  £ej?ren  beS  Teufels  an* 
Rängen  werben*  2)er  ©laubige  muß  an  bem  SBorbtfb  ber  tyih 
famen  SOßorte  fyolitw,  bie  wir  in  ber  ©a;rift  |mben,  unb  er  barf 
jta;  bura)  feine  füge  Sßorte  ober  ^rdc^ttge  Dteben,  burd;  feine 
2)rofmng  ober  SSer^etfung  bavon  abwenbig  machen  faffen* 
£)enn  bie  falfaje  £ef>re  ifi  ein  ©eetengift,  woraus  ebenfo,  xck 
aus  bem  gotttofen  $zhtn,  ber  ewige  £ob  entftepen  fann,  unb 
wenn  baS  £er$,  als  bie  Duette  beS£ebenS  bamit  verunreinigt 
ijt,  tok  ijt  eS  mogtia),  ba$  aus  bemfetben  ein  red)tfa)affeneS 
£jjun  entftepen  fann?  —  gerner  muß  ber  (SUntt^e  aua)  fein 
©ewijfen  in  5la)t  nehmen,  unb  naa)  ber  reinen  £e£re  ein  rei* 
neS  unb  Zeitiges  %?Un  führen*  £)enn  was  futft  eS,  wenn  3e- 
manb  baS  2ia)t  fyat,  unb  bod)  bie  ginftermg  liebt?  2öaS  julft 
eS,  wenn  wir  uns  beS  ©taubenS  rühmen,  unb  von  feinen  gulen 
grüa)tenbeS  ©laubenS  wiffen?  <&txoi%  wirb  berjentge,  welcher 
in  ber  reinen  £ef)re  erlogen  worben  ift,  unb  bodj  einen  ärger* 
liefen  SSanbel  geführt  J?at,  einft  an  jenem  großen  £age  feinen 
SSor^ug  fjaben  vor  2lnbern,  als  ben,  ba$  er  mejjr  Streiche  wirb 

reiben  muffen* gerner  geprt  au  ber  jmtigen  $orfta)t, 

von  weld;er  wir  reben,  aud)  eine  finbfia)e  gur  a)t  ©otteS, 
mtyt bk  foili&t  ©$rift  aUer  23eisj)ett  Anfang  nennt 


1315 

gurrte  ben  #errn,  fagt  Salomon,  unb  weiche  som 
23ofen*  £)ein£er£  folge  ntdjt  benSünbern,  fonbern 
fe#  täglich  in  ber  gurcf)t  betf  $errtt.  £a#t  un^btc 
£auptfumme  aller  2el)ren  Jjören:  gurrte  ©Ott 
unb  jjalte  feine  ©eoote;  benn  ba£  gehört  allen 
9ttenfcf)en  $u*  Unfer  #etlanb  fagt;  „gurrtet  eud)  nictjt 
$orbenen,bieben2eio  tobten  unb  bie  «Seele  nidjjt 
tobten  fonnen;  fürchtet  eucfj  afcer  *>or£)em,  bet 
£eifc  unb  Seele  $erber£en  mag  in  bte  £ölle*  — 
2ßa3  man  afcr  eigentlich  unter  ber  gurd;t  ©ofte$  su  tterftefjen 
Ijafce,  i(i  au£  ben  Porten  be3  alten  £ooia$  an  feinen  Solm 
^u  erfeljen:  „£)ein  £efcenlarig  ljal>e©ott  x>ox  klugen 
unb  im  £er$en,  unb  {jüte  bitf),  baf?  t>u  in  feine 
Sünbe  wtlligeft,  nodj  t£uf!  wiber©otte$  ©efcoie*" 
©Ott  fefljft  fagt  ja  au  2ll>ra{mm:  „3$  fctn  ber  aUmädM 
tige  ©ott  wamble  x>ox  5D?tr  unb  fe^  fromm."  Setter 
gebort  ba^u  tin  fjeiligeg  SSJMgtrauen  tfyciU  gegen 
unSfeloft  unb  unfer  eigene^  £er$,  tfjeiiS  gegen 
bte  Seit  —  2öa3  3a!o^  *>on  ber  3unge  beS  $?enfcf)ett 
fagt,  i»x$  lann  man  ttielmej)r  *>on  bem  $er<$en  fagen,  bag  e$ 
eineSöelt  9o(l  Ungerechtigkeit  fe^  28emt  wir  bajjer 
fo  oft  $or  ber  SÖelt  gewarnt  werben,  fo  muffen  wir  biefelfce 
mcft  allein  auger  un$,  (frei  anbern  ^enfc^en,)  fonbern  jjaupt* 
fddtficf)  in  un3  felfcft  fud;em  2Bir  muffen,  fofcalb  wir  e$  mit 
unferem  ^er^en  ^u  tfmn  |)aBen,  ung  r>orftelfen,  ba$  wir  einen 
großen  Betrüger  unb  Lügner  x>cx  uns  |ml>em  £)arum  bürfen 
wir  mit  bemfelBen  nidjt  mepr  %x$ftc|)t  Jmfcen,  aU  mit  tinzm 
lad) tfütnigen  Wiener,  welchem  man  nidjt  weiter  txautf  aU  maxi 
tyn  \ityt,  beffen  SBerfyrecljmngen  unb  Schwüre  man  mct)t  a$* 
itt,  fonbern  ifjm  fo  ml  möglich  alle  ©elegenpett  Benimmt,  feine 
33o£|)ett  anö&uübtn  unb  tl)n  ftet3  ftreng  |>ält  —  Unfer  #er$  $er* 
(priest  manchmal  aud;  j?od)  unb  treuer,  ba$  e3  mit  ber  fcofen  SBelt 
leine  ©emeinfe^aft  me^r  fjakn  wolle,  fcefonberä  wenn  eS  burdj 
©otteS  ©eridjte  unb  bie  gurc^t  ber  #olle  in  Sctyrecfen 
gefegt  ift;  fcfmtb  e$  afcer  ft$  fel&ft  üfcrlaffen  ift,  unb  wenn 
t£m  ber  Satan  unb  W  2Mt  wieber  fc^meief  elt,  fo  lägt  t$ 
fid)  al^alb  wieber  mit  ifmen  m  unb  wgigt  fein  SSerfpre^en» 

83* 


1316 

—  3Meje$  wiffen  bte  ©laubigen  m%  barum  trauen  fle  nity, 
fonbern  tterwapren  £fmr  unb  £fjor.  ©ie  Jjaben  2la;t  auf 
tyxt  2lugen,  DJjren  unb  anbete  ©Heber  unb  bewahren  jte  in 
fcer  gur^t  ©otteS,  bamtt  ba$  £er$  baburdj  nia;t  verleitet 
werbe.  —  ÜBtr  fotten  aber  aua;,  wie  fa;on  gefaxt,  gegen  bte 
Söclt  tttigtrauifc^  fe^n,  mit  welker  ber  Umgang  am  gefäpr* 
fi^pett  ift,  wenn  fte  fta;  freunblid)  jMt,  unb  bie  am  ärgfkn 
ifl,  wenn  fte  grofe  grommtgf  eit  annimmt  SMe  SBelt  ift  bie 
re$te  £>eltla,  bie  manchen  ©imfon  einfajläfert  unb  in  bie  ©e* 
Walt  ber  geinbe  liefert;  bie  SBeltfmber  fmb  gteiajfam  bk  Socf* 
tfogel  be$  ©atanef,  fte  fmb  »erführt  unb  Jetrogen  unb  taffen 
ft<£  ba$u  gebrauten,  aua;  Rubere  au  »erführen*  Sößtß  ber  @a* 
tan  bte  frommen  £er$en  berücfen,  fo  fa)icft  er  t£nen  bie  Söelt* 
ftnber  $u,  wela;e  fta)  nia;t  einbttben,  ba§  fte  Jei  tjjrem  @ün* 
benbtenft  i£rer  ©eele  wegen  ©efafiir  laufen*  £)tefe  muffen  ijj* 
tun  bie  fünblia)en  £üfte  unb  baS  wottüftige  £eben  biefer  25elt 
angreifen,  fte  muffen  ijjmen  gute  2Borte  geben,  muffen  fte  fta;er 
machen  unb  barnaa)  trauten,  jte  t>on  ben  2ßegen  ber  ©ottfelig* 
fett  abaubringem  **»  3n  folgen  gätfen  nun,  bürfen  bie  ©tau* 
btgen  nta;t  trauen,  fonbern  jte  fotfen  biefe  2lbgefanbte  be£ 
£eufet$  fennen  lernen  unb  fte  fliegen  unb  metbem  @ie  fotfen 
aflejctt  bebenfen,  wa$  SacobuS  fagt:  „Söiffet  tpr  nta)t, 
baß  ber  Süßelt  greunbfa;aft  ©otteS  getnbfa)aft  ift? 
2Ber  be?  28ett  greunb  fe^n  will,  ber  wirb  ©Ott e$ 
getnb  feyn,"  ober  3o|?anne$:  „£abt  ntcfjt  Heb  bte 
SGBelt,  no#  wa*  in  ber  2Bett  ifl;  fo3emanb  bte  Seit 
lieb  £at,  tnbem  ift  nifyt  bte  Siebe  beS  $ater&"  — 
<£nblt$  gehört  au  ber  petligen  $orfta)t  auo)  ber  fejU 
58orf ag,  H$  man  fta;  leine  5D?üpe  noä)  Arbeit,  fein  Sefen, 
fein  33eten,  fein  9tad)fragen  unb  Sftacfjforfcben  »erbrtefen  taf* 
fen  wolle*  9ttan  barf  jia)  Weber  bura;  @a)meta)eln,  noa)  bur$ 
2)ro£en  ber  Söelt  irre  maa)en  taffen,  fonbern  mufj  in  ©ebulb 
unb  guten  SBerfen  naä;  bem  ewigen  Seben  trauten  unb  feinem 
Gfrtöfer  getreu  bleiben ;  man  muß  ben  ©tauben  unb  ein  gutes 
©ewtffen  bewahren,  e$  fofte,  was  eS  wotfe*  —  Söennber 
©laubige  fe£en  muß,  baß  in  biefen  testen  3«ten  fo  viele  $?en* 
f$en  in  groger  <5ta)er£ett  leben,  tjiren  ©lauben  verläugnen 


1317 

unb  *>on  ber  9?aä;folge  3efu  (grifft*  ntdjtä  wtffen  wollen,  fo 
erfdjretfen  fte  unb  eifern  befb  me£r  um  bte  (££re  t^rc^ 
<£rtofer&  3ußteic^  entf4> liegen  fte  ftä),  weit  nur  fo  Söentge 
e$  treulitt)  mit  3j?m  meinen,  ft'tt)  befto  fefler  an  3£n  an^uf^tie* 
gen  unb  ft$  bura)  nid;tg  son  3N  abwenbig  machen  gu  laffen. 
©ie  fMen  fta)  sor,  als  ob  3efu$  au  ^nen  faSte:  ©$**>  bte 
SSelt  pat  9Jh'$  x>er raffen ,  fte  »erlaugnet  ben  ©tauben,  tnbem 
fte  fttt)  beffelben  rüj?mt,  fte  troftet  fi($  ÜRetneö  SBerbienfleä  unb 
»erfagt  2tfir  bod>  i£r  £er$,  fte  Witt  bura)  OTa)  feiig  werben 
unb  Witt  Sttir  bo$  m'djt  nachfolgen;  wottt  ifjr  bemt  aua;  weg* 
gelten,  wottt  tjjr  Sttia)  aua)  sertajfen?  Unb  fte  antworten: 
„Sld^err,  wofjin  folten  wir  gefjen,  2>u  ljaftSBorte 
be$  ewigen  £eben£,  unb  wir  £aben  geglaubt  unb 
erfannt,  ba$  £)u  bift£l)riftu$,  ber  6o£n  be$  leben* 
bigen  ©otte$+"  3!>r  Senffpruä)  iftt  deinen  3efum 
laß  ia;  nitt)t;  unb  ifjr  beftänbtger  ©eufeer: 

Saf  mta)  fein  Suft,  no#  gurtet  tton  ©fr 
3n  biefer  SBett  ab  Wettben, 
Seftänbig  fe$n  ans  (£nb  gib  mit 
£)u,  £err,  #aft  es  in  £änben. 
3d)  lieg  im  ©ttett  unb  tr-ibetftteb 
f)ilf,  o  f)err  Gtyrtfl  mir  @ä)tta#en, 
2ln  ©einer  ©nab  atfetn  (tt)  Heb, 
£)u  fannft  mta)  fiarfer  machen  :c. 

St  it  tt>  e  n  b  tt  tt  $♦ 

L  2öir  $obm  bisher  geljort,  wie  fta)  wa#re  (griffen  %u 
tragen  muffen,  unb  wie  nötpig  e$  fep,  baf?  fte  *)orftä)ttg  wan* 
betn  als  t>k  ^Seifen  unb  ntc^t  aU  bie  Unweifen*  60  laffet  un$ 
bemnaa)  unfer  <££riftent$ttnt  betrauten  unb  fepen,  ob  wir  mit 
ben  ^inbern  ©otteö  in  ^eiliger  gura)t,  ober  mit  ben  $inbern 
biefer  Söett  in  ©ta)erf)eit  wanbefn?  Raffet  un$  fepen,  ob  wir 
nia)t  bfoS  im  3rbtfä)en  waa)fam,  eifrig  unb  vorfta)tig  ftnb, 
wcüjrenb  wir  in  pimmliftt)en  fingen  $iefleta)t  fa)täfrig,  naä> 
läfftg  unb  teia)tftnnig  waren?  —  £)er  pettige  ©eift  ermahnet 
uns,  xok  wir  oben  gehört  j)aben,  fo  oft  $ur  2Batt)famfeit  unb 
ruft  un$£u:  „$üttt  eua),  waa)et,  betet,  fämpfetunb 
bepaltet,  was  tyx  j)abt:c,"    SÖSie  fwben  wir  aber  biefe 


1318 

GFrmopnung  biSper  angenommen?  Ratten  wir  aucp  bafür,  baß 
bte  ©efapr  fo  groß  fep,  als  fte  uns  in  ©otteS  2ßort  befcprie* 
ben  wirb?  —  prüfet  eucp,  meine  3up#ver,  ob  ipr  aucp  für 
eure  ©eligfeit  peqlicp  beforgt  fe^b  unb  ob  ipr  Bieter  baran 
gearbeitet  pabt  mit  gttrcpl  unb  3tttern?  23etet  ipr  aucp  eifrig, 
t>af  euep  ©Ott  mit  ©einen  klugen  leiten,  burcp  ©einen  peitigen 
©eift  regieren,  vor  ben  Stegen  beS  (Satans  unb  vor  ber  SIerger* 
ntg  ber  Söeft  behüten,  in  aller  ©efapr  fcpügen  unb  burcp  Beine 

Sttaept  ^ur  ©eligfeit  bewahren  möge? Sie  fcpäget  ipr 

bie  tpeure  Beilage  ber  e^angettfe^en  £epre?  3ft  fte  euep  lieber 
als  ©olb  unb  ©über  unb  pabt  tpr  euep  aucp  befliffen,  fte 
burcp  einen  reeptfepaffenen  £ebenSwanbel  au  gteren?  —  WleU 
bet  ipr  jebe  Gelegenheit  $ur  ©ünbe,  paltet  ipr  euep  ferne  von 
ber  SSelt  unb  erneuert  tpr  täglicp  ben  SBorfag,  baß  tpr 
euep  üben  wollet,  ein  gutes  ©ewiffen  ^u  bewahren,  beibe  gegen 
©Ott  unb  hie  2P?enfcpen?  £)enfet  ipr  oft,  namentlich  beS  Sftor* 
genS,  an  euren  £auffcunb,  unb  beftrebet  ipr  euep,  naep  bemfefc 
fcen  ein  peiligeSSeben  su  füpren  unb  barin  biSanSGatbeau  ver* 
parren?  ©epet  ipr  aucp  mit  bem  23orfa^  in  hie  lirepe :  @ot* 
ieS  SÖort  au  pören  unb  geniest  ipr  $u  bem  Gntbe  baS  peilige 
Slbenbmapl  mit  bußfertigem  £eqen,  baß  ipr  baburcp  je  mepr 
unb  mepr  geftärft,  in  ber  ©emetnfepaft  3efu  Qtprifti  erpalten 
unb  tn  3pm  unb  ©einer  ©nabe  hiß  in  ben  £ob  verbleiben 
tnöget?  ©epnet  ipr  euep  barum  naep  einem  feltgen  Cfube,  $>a$ 
ipr  nimmer  fünbigen,  fonbern  von  bem  £etbe  biefeS  £obeS  unb 
au$  aller  ©efapr  errettet  eurem  ©Ott  mit  reiner  ©eele  hienen 
ntöget  von  (£wigfeit  ^u  (£wigfeit?  —  2lcp  wie  wenig  wirb  bic* 
feS  bei  bem  größten  £peif  ber  peutigen  dpriften  tn  2lcf;t  ge* 
nommen,  wie  wenig  ©otteSfurcpt,  gleiß,  Sacpfamfeit  unb  $)ox* 
fiept  fmbet  ftep !  £>  wie  große  Urfacpe  paben  wir,  mit  Qmh  au$$u* 
rufen:  „21  cp,  toie  gar  nicptS  finb  boep  alle  Sttenfcpen, 
bie  boep  fo  fieper  leben/'  —  3n  SfteligtonSfacpen  ift  man 
tn  unfern  £agen  fo  leicptftnnig,  unb  meint  eine  £epre  ober  ein 
©otteSbienfi:  fep  fo  gut  t^ie  ber  anbere*  Ticin  nimmt  ftep  hie 
Wltye  niept,  in  ber  ©cpvift  fleißig  $u  forfepen,  unb  hie  £epre, 
bie  einen  ©epein  für  ftep  pat,  barnaep  gu  prüfen.  Tlan  ijt  fall* 
finnig  in  göttlicpen  fingen;  bemt  hie  Sttenfcpen  paben  mit  hex 


1319 

spolttif ,  mit  ibrem  ©elb,  mit  ifjrem  £anbel  unb  2öanbel>  mit- 
tlrer SBoflufl  unb  Ucppt'gfeit  unb  anbern  fingen  fo  viel  ju 
tfntn,  baß  fte  ftd>  feine  3eit  nehmen,  ba$  spfaffenge^cinfe  über 
bie  Religion,  wie  fte  fagen,  p  beleuchten  unb  31t  erörtern. 
Unb  boa)  urteilen  ftebarüber;  abernaa;  ifjremfleifd)  lt$en  ©inn 
unb  naa)  bem  ©utbünfen  ber  Vernunft  2)aJ>er  p alten  fte  bte/entge 
Religion  für  t>k  befte,  welche  bem  gfeifd;  bie  meifte  greifjett  gibt, 
wefdje  $or  ber  SSelt  prangt  unb  mit  ben  ©d)tüffen  ber  Vernunft 
am  metften  übereinfttmmt  £)al?er  machen  fte  fta;  aber  aua;  fein 
©ewiffen  barauä,  t£ren  ©tauben  31t  anbern  unb  bie  (£&angetffc$e 
Sßapr^eit  31t  tterlaffen,  wenn  fte  nur  auf  ber  anbern  ©ette  meljr 
@£re,  ©elb,  @>ut,  Söoflufi  unb  fieifä)Ita)e3  Vergnügen  ftnben* 
©ie  Moiffen  bte  9catur  unb  bie  ©nabe,  bie  Vernunft  unb  ben 
(Glauben,  t>a$  3?eta;  ber  2B.ett  unb  baS  ^eidj  @fmftt,  ben  äuße* 
ren  ©a)ein  unb  ba3  red)tfa)affene  SÖefen  nta)t  ^u  unterfebetben. 
2)ie  £ef?re  3efu  *>on  ber  33uß  e,  r>om  ©lauben,  $on  ber  Gmteu* 
rung,  swn  ber  $erlctugnung  feiner  felbft,  von  ber  SBerfc^ma* 
pung  ber  SQSelt,  »on  ©einer  9caa)fofge,  son  ©einem  $reu$ 
u+  f*  w*  tft  ifmeu  eine  £(?orf>eik  £>ajjer  fommen  tit  unfern 
£agen  bte  fd;(tmmen  23üd)er  über  bk  natürliche  unb  allgemeine 
Religion,  in  wetzen  man  ber  ©a)rift  wiberfyricbt  unb  eine 
Religion  naa)  eigenem  ©utbünfen  aufftettt*  2)aljer  nefjmen 
aua)  btejemgen  immer  me^r  über^anb ,  wela)e  ba$  ©afe^n 
©otte3  leugnen,  unb  bie  $cenfd)en  werben  immer  letdjtfmni* 

ger,  fixerer  unb  gottfofer* 2Ba3  aber  ben  2eben3wanbef 

betrifft,  fo  ftel)t  t$  aua)  mit  biefem  jtemlia)  fcf)Xecr)t*  ©er  größte 
SE^etf  begnügt  fta)  mit  bem  äußeren  ©cttesbienft,  gept  $ur 
$irö)e,  beia)tet,  genießt  ba£  ^eilige  2lbenbmajrt,  unb  füjjrt  an 
efjrbareS  £eben,  um  nia)t  gegen  bie  ©efe£e  ber  £>brigfeit  p 
»erftoßen.  £ann  Ijat  man  feine  ©orge,  ift  fta)er  unb  vergnügt, 
unb  meint,  ba$  gepe  un3  nia)t3  an,  wa$  bie  ©a)rift  $on  ber 
$orfta)t  unb  28aa)famfeit,  $on  bem  $ampf,  ßrifer,  gleiß  unb 
anbern  £ugeuben  fagi  (£3  feplt  an  ber  redeten  Prüfung  un* 
fereg  £eqen3,  an  bem  ^eiligen  Mißtrauen  unb  an  ber  2lbfon* 
berung  son  ber  2BeIt*  $can  liebt  wefatejjr  bieSÖelt,  lebt  nad; 
bem  ©inne  ber  28elt,  unb  tfwt,  m$  fte  Jmben  Witt*  Tlan 
sermutpet  feinen  betrug,  weiß  wn  feiner  ©efapv  unb  glaubt 


1320 

nicf)t,  bag  ber  teufet  fta;  manchmal  unter  ben  beßen  greunben 
verbirgt,  unb  u-nter  ber  SSMujl,  ben  (Gütern,  ben  (£jjrenftellen 
unb  C^rgö^Xt^fetten  biefeg  £eben3  fein  9ce#  verftecft  Jjat 
Sföan  glaubt,  ber  ©atan  bürfe  fta;  benen,  bie  getauft  fei;en, 
nia;t  naljen,  unb  fo  werben  bie  Ü^enfc^en  Ijeut^utag  fia)er  eqo* 

gen,  leben  fia)er,  unb  fterben  fieser* 9hm,  meine  lieben 

9ttitd;riften,  beftnnet  eua)  wopl  in  biefer  wichtigen  Angelegen* 
tyit,  unb  unterfudjet  euren  3uftanb  mit  gleig»  prüfet  eu$, 
tt)ie  e$  um  euer  £eq  ftept,  unb  roie  fta;  baffelbe  bei  biefen  ge* 
redjten  klagen  ber  Wiener  ©otteS  anlaffet?  könnet  tfjr  ba$ 
33igjjerige  ojjme  befonbere  9?ü£rung,  oljne  gura;t,  ol?ne  9?aä;* 
beulen  unb  o|me  SBetrübnig  pren  unb  lefen ,  wijfet  tjjr  von 
feiner  ©orge  in  eurem  üjmftentjmm,  von  feinen  Anfechtungen, 
von  feinem  $ampf  beö  ®lauben3,  von  feiner  ©efajjr,  von  .fei* 
nem  Aergernig,  von  feinen  -fte^en  be£  ©atang  unb  von  feinem 
betrug  ber  2ßelt,  fo  ftept  e£  ofime  3^etfel  fepr  gefdfjrlia;  um 
euefj,  unb  ipr  fe^b  blinb  mit  fepenben  Augen,  fe^b  eingefdjläfert 
unb  lebet  in  ©id;erjjeit,  wela)e  bie  rechte  ©trage  in$  SBerberben 
ifL  —  £>arum  tvaa;et  auf,  bie  ifyx  fa)lafei  unb  fte* 
pet  auf  von  ben£obten,  fo  wirb  eua;  ££rijtu3  er* 
leuchten!  ganget  Ijeute  an  ba£  SDSerf  eurer  ©eligfeit  mit 
mepr  gura;*,  2ßaa)famfeit  unb  $orftd;t  ^u  treiben,  als  i£r  bte* 
Jer  gefj?an  fmbt  23ebenfet,  wa£  t J»  r  fe^b,  nämlia;:  fünb? 
5 a f t e  $?enfd)en,  bereu  £er$  ^u  allem  33öfen  geneigt,  tu* 
cfifa;,  leia)tfinnig  unb  trügerifa)  i[t  —  S3ebenfet,  wo  ifyx  fe^b 
unb  lebet,  —  nämlia;  in  berSÖelt,  in  bem  D^etdje  beö 
£eufel$,  mitten  unter  Sttörbern,  Räubern  unb  $errätj>ernt 
S3o  ipr  euren  gug  pinfe|et,  ba  fe^et  ij)r  tfm  mitten  unter  t>k 
©triefe  be$  ©atanS,  wo  iljr  eud)  ijinwenben  möget,  ta  fa)leia)t 
euä)  ber  geinb  nad)  unb  fudjt  ©elegenpeit,  eua)  in  ba$  seitliche 
unb  ewige  Sßerberben  ^u  fiüqem  dnxe  beften  greunbe  nad;  bem 
gleifa)  fi'nb  jiäuftg  eure  ärgften  geinbe  naa)  bem  ©eift  ;fte  ftnb 
vom  Teufel  verführt;  ^amit  fte  aua;  eua)  verführen*  —  23e* 
benfet  aud),  wie  lange  ipr  pier  fepb,  —  nämlia;  eine 
f  urg  e  3  eit,  auf  welc$ebie<£wigfeit  folgt.  SÖenn  bie  beftimmte 
3eit  eure£  £eben£  bajnn  ift,  unb  wenn  ij?r  biefelbe  fa)lea)t 
angewenbet  ^abt,  fo  ift  e$  m^  nia)t  me£r  möglia),  btö  ©efa)e* 


1321 

pene  ungefa)el?en  $u  maa)en  ober  auty  nur  $u  tterbejferm  S5on 
ben  Pforten  ber  £ötfe  ftnbet  hin  SGßteberfe^ren  ftatt  unb  in 
ben  £anbel  um  eure  ©eligfeit  fönnet  tfjr  feinen  Sfteufauf  ge* 
ben,  um  benfelben  von  feuern  anzufangen*  ■— 2)  enf  et  an  bte 
Sporte  eureg  £eilanbe$:  „2Bag  fann  ber  SJJenfa)  geben, 
bamit  er  feine  ©eele  wieber  löfe?"  üDenfet  an  ba$ 
®leu$nij5  ber  tj)örta)ten  3ungfrauen,  wela)e  bie  Slnfunft  be$ 
SBräutigamg  serfäumt  Ratten,  naä)j>er  aber  bie  Spüren  t>erfa)lof* 
fen  fanben  unb  pören  muffen:  „SÖajjrlia;,  3$  fage  eu$, 
3a)lenneeua)  nia)t*"— Söetcnfet,  wie  siele  fa)on  gefallen 
unb  in  bie  5^e^e  be$  ©atan£  geraden  fmb,  wela)e  ben  ©lau* 
ben  unb  ein  gute$  ©ewiffen  *>on  fta)  gesoffen  unb  ©c^ifbrua) 
gelitten,  wela)e  £jmftum  serlajfen  unb  bie  Seit  liebgewonnen 
paben,  wela;e  aus  ber  2Sal)rü>eit  in  bie  £üge  unt>  au$  ber  Uebung 
ber  ©ottfeligfeit  in  ein  rua)lofeS,  fia)ere£  SBefen  verfallen  ftnb* 
—  2)enlet  enblia)  baran,  bag  unter  ber  großen  SCRenge  berer, 
wela)e  ©otteö  SOSort  Ijören,  nur  SOßenige  ftnb,  bie  aua)  gute 
grüßte  bringen,  unb  ba£  ber  ßrrlöfer  auf  t>ic  grage :  „Dh  dv 
meine,  baßSßenige  feiig  wer  ben?-— antwortete:  S^in* 
get  barnac^,  bag  ijjr  bura)  bie  enge  Pforte  einge* 
f>et,  bennSBtele  werben  barnaa;  traa)ten,  bag  fie 
p  in  ein  fommen  unb  werben  eönia)ttpun  fönnem" 
(£benfo  fagte  er  bei  einer  anbern  (Gelegenheit,  baß  $tele 
aufbembreitenSßegewanbetn,  ber  $ur  SBerbamm* 
nigfü^rebaf  aber  ben  fa)malen2Beg,  ber  yam  £e* 

ben  füijre,  nur  Söenige  finbem £)arum  fage  ta) 

noa)  einmal,  waa)et  unb  Uttt,  £ütet  eua)  unb  wanbelt  *>orfta> 
iig,  ijjr  a;riftlia)en  ©eelen!  Senbet  allen  gletj?  an,  baß 
ifyx  euren  SSeruf  unb  eure  (£rwä£lung  fejt  maclfet, 
bag  ip r  behalten  moget,  wa$  tpr  ljabt,  baß  yiit* 
manb  eure  trotte  raube!  53ewal)ret  bie  tf? eure  Beilage 
ber  ettangelifa)en  £e]j>re  unb  laffet  eua)  bura)  -ftiemanb  ba$ 
3iel  serrüclen,  ber  naa)  eigener  Söapl  einher  gej?t  unb  aufge* 
blafen  ift  in  feinem  fleifa) liefen  <Simt,  ber  einen  @d)ein  x>on 
Sßet^eit  f>at  bura)  felbffc  erwählte  5lnbaa)t  unb  2)emu#*  2ßic 
i^rben§erm3efum  angenommen  Ja^t,  fo  wanbelt  in3D«tunb 
fcyb  gewurzelt  unb  erbauet  in  3N*  ©££&  fep  im  ©lauben, 


1322 

wie  i{>r  belehrt  fe$b  unb  fe^b  in  b.emfelben  reiajlio;  banfbar.  — - 
Sepet  ja,  baß  eucf)  9ftemanb  Beraube  burcfj  lofe  35erfü£rung 
naä)  ber  S0?enfd;en  2eljre,  nad)  ben  Sa^ungen  ber  2Selt  unb 
ttia)t  nad)  (^prxfto*  Raffet  eud)  nicbt  bura;  ben  Setfalt  ber  5D?en* 
fa)en,  nia;t  bura)  dfyxe  unb  Hnfejjen,  nia)t  burd;  irbifdje  ©üter 
unb  bura)  bie  £errlia)feit  ber  Sßeft,  nia)t  bura)  ben  @cpem 
ober  bura)  2Sewunftfa)lüffe  son  ber  (Einfalt  unb  2Baf>rl?eit  ber 
mngelifa)en  ^epre  abwenbig  machen»  33ebenfet,  baß  uns  bte 
falfa)e  Iira)e  in  ber  Dffenbarung  SopanniS  unter  einem  Sßetöe 
sorgeftellt  wirb,  bie  in  Purpur  unb  ©olb  gefleibet  ift  unb  tU 
neu  golbenen  23ea)er  in  ber  #anb  Ipat,  welche?  x>ot3C  ift  t>on  ben 
©räueln  i^rer  Unfauberfett  £)arum  vergaffet  eudj  nia)t  an 
intern  äußeren,  prächtigen  2lnfel?en  unb  laffet  eua)  bura)  ben 
golbenen  23ea)er  nia)t  fo  an^te^en,  baß  man  eua)  überreben 
fonnte,  ©ift  barauS  ^u  trinfem  —  S3ebenfet,  i>a$  bte  waljre 
$ira)e  allezeit  armfelig,  einfaa),  niebrig,  $eraa)tet  unb  gebrüht 
gewefen  ift  wie  ifjr  Stifter;  fte  J)at  manchmal  feinen  gläfer* 
iten  ober  zinnernen  23 ea) er;  aber  fte  fa)enft  barauS  bie  ?tebe 
©otteS,  baS  reine  23lut  beS  §errn  unb  hm  reinen,  uw>erfätfa)* 
ten  £roft  beS  {^eiligen  ©elftes  ein.  —  ©laubet  nia)t,  baß  eine 
SMigionfep  wie  bie  anbere,  unb  baß  e£  nia)ts  31t  fcebeuten 
paBe,  wenn  man  fta)  um  ^eitlid;er  ^re  willen  $on  ber  SÖafn** 
Ijeit  ^u  ber  Süge  wenbet*  SBarum  ermahnte  uns  benn  ber£err, 
baß  wir  uns  $orfef)en  füllen  $er  ben  falfa)en  $ropJeten,  wel* 
$e  in  @a)aaf3feibern  gu  unS  fontmen,  inwenbig  aber  reißenbe 
SÖölfefmb?  Sarum  fagen  bie  2lpoftel,  wir  feilen  nia)t  einem 
j[eglia)en  ©eift  glauben,  fonbern  bie  ©elfter  prüfen,  ob  fte  au$ 
©Ott  ftnb,  weil  siele  falfa)e  ^ropjeten  ausgegangen  ftnb  in  bie 
SBelt.  Söarum  fagen  fte :  2Bir  follen  uns  nia)t  wägen  unb 
wiegen  laffen  *>on  allerlei  2öinb  ber  2epre,  bura)  ber  9Jcenfa)en 
<5d;ain)eit  unb  £äufa)erei;  wir  feilen  tm$  serwapren,  baß 
Wir  nia)t  bura)  Svrtlwm  ber  rud)lofen  %eute  fammt  ipnen  »er* 
fü^rt  werben  unb  auS  unferer  Seftung  fallen?  Sollte  benn  baö 
nia)tS  gu  bebeuten  l^aben,  wenn  man  bte  qöüM)?  Söabrpeit 
ioerläugnet  unb  ben  £ügen  Beifall  gibt,  wenn  man  wiber  fein 
©ewiffen  panbelt  unb  um  seitlichen  ©ewinneS  Witten  ba$  &m* 
ge|)mtanjegt?  Sollte  e^  $tifytfxitib  fepn,  H$  wir  burdj  unfern 


1323 

Abfall  bte  <Sa)waa)en  ün  ©lauten  argem,  bie  3rrenben  aber 
in  ifjrem  3rrtJntm  bcftärfen  unb  fia)er  mad;?n?  —  3war  p$& 
genbieSeic^tfmnigeneinauwenben:  injeber^ircpefönne  man  fe= 
lig  werben,  e£  fe^e  alfo  gleia)siel,  $u  wela)er  man  fta)  offene 
lia)  befenne,  unb  man  bürfe  um  erheblicher  Ürfaa)en  willen  gar 
Wo£l  x>on  einer  $ira)e  ^ur  anbern  übergeben  jc*  Mein  bteg 
fagen  blo3  biejienigen,  wela)e  bte  SBelt,  unb  bte  28olluft  lieber 
l)aben  al£  ©Ott,  unb  meinen,  bie©ottfeligfeit  fe$  ein  ©ewerbe* 
2)ie  erpeblia)en  Urfaa)en,  bie  fte  »orwenben,  ftnb  alle  $on  ber 
28elt  unb  bem  gleifa)  genommen,  fte  laffen  fta)  aber  sor  ©ot* 
te3  ©eriä)t  nia)t  entfä)ulbtgen*  —  r2Ba3  aber  Un  Einwurf 
felbjt  betrifft,  fo  J?at  er  gar  feinen  ©runb*  SÖir  wollen  bief* 
bura)  folgenbe^  ©leia)nifj  beutlia)er  $u  maa)en  fuä)em  SBemt 
bie  $eft  an  einem  £)rte  £errfa)t  unb  bie  2uft  allenthalben  $er* 
giftet  ift,  fo  werben  boa)  bisweilen  (Einige,  bie  mit  ben  ©ter^ 
benben  in  einem  £aufe  ftnb,  erpalten»  2Ber  will  aber  barauS 
fa)liefjen,  baf?  e3  feine  ©efaljr  jjabe,  wenn  man  fta)  an  einen. 
£)rt  ht^iU,  wo  biefe  @eua)e  £errfa)t?  —  (B  ift  aua)  ein  gro? 
ger  Unterfa)ieb  unter  benen,  wela)e  in  einer  falfa)en  £el)re  ge* 
boren  unb  erlogen  worben  ftnb,  unb  ^wifa)en  Slnbern,  wela)e 
biefelbe  aug  @otte£  2öort  erfannt  Jmben  unb  immerbar  barintt 
unterrichtet  worben  ftnb*  SSenn  biefe  um  tfitlifym  92u|$en& 
willen  bie  28a£rj)eit  serlaffen  unb  tpren  ©lauben  »erläugnen, 
fo  geben  fte  ben  ©a)waa)en  ein  gro§e3  Stogerniß  unb  laben 
auf  t>m  £ag  be3  ©eria)t£  eine  fa)were  Verantwortung  auf 
fta)*  —  Unb  wenn  e£  hm  £eia)tftnnigen  gleia)$iel  ^u  fepn 
fa)etut,  in  wela)er  $ira)e  unb  welä)em  33efenntntß  fte  fta)  be? 
ftnben,  fo  muß  e$  ilmen  aua)  einerlei  fepn,  ob  man  fte  mit  gu* 
Ux  ober  fa)lea)ter  ^cün^e  au^aple,  ob  man  eine  eble  $flan^e 
in  einen  gut  bebauten  ©arten  ober  in  einen  tferwilberten 
tiefer  fe£e*  £5enn  eben ber  Unterfdneb,  ber  ^wifd;en  einer  gu? 
ten  unb  falfajen  SD^ün^e,  einem  woplbebauten  ©arten  unb  »er? 
Wilberten  SXcfer  ift,  ber  ift  aua)  ^wifa)en  ber  reinen,  e^angeli? 
.fa)en  £epre  unb  berjenigen,  wela)e  mit  $?enfd)enfa£ungett  aller 
2lrt  r-erfälf a)t  ift  £)a!?er fageia)  nod)mal3:  „hz galtet,  wa$ 
tpr  fjabt,  bamit^iemanb  eure^rone  raube, "unb  be* 
tenf  et  allezeit  m$  ber  Slpoftelfagt:  „3  xx  et  eua)  nitt)t,©ott 


1324 

laß t<Biü)  Xiifyt  fpotten/'  2lfjmetba323eiftrie!jiene$ frommen 
Cannes  nac|>,  ber  an  einem  föniglic^en  £ofe  m  großem  2ln* 
feljen  ftanb*  liefern  fegten  ©eullic^e  unb  2ÖettK$e  12  3a£re 
lang  unaufhörlich  ^u,  baß  er  son  ber  eoangelifcf>en  SBapr^ett 
abfallen  folle*  3n  feinen  garten  Einfettungen  fam  er  feufeenb 
3U  feinem  23eia)tsater  unb  fagte:  „$5tttet  für  mifyl  21$  ©Ott, 
l?ilf  mir  au$  biefer  2tngft*  3$  fürchte  mify  twr  ben  traurigen 
SBeifpielen,  t>te  t^>  an  fo  sielen  fömglic^en^ofleuten,  welche  son 
ber  ernannten  2öal?r£eit  abgewichen  ftnb,  erlebt  unb  mit  größtem 
Sflitletben  erfahren  |mbe*  3£r  fcfjltmmeS  Gntbe  f^retft  midj 
ab;  atf),  Utet,  bap  t$  tiefen  ©türm  überwinbe*  20c an  fegt 
mir  heftig  $u;  aber  ©Ott  wirb  mir  überwmben  Reifen/'  —  — 
So  fet;b  benn  wad;fam  unb  sorftdjitg  auty  in  folgen  fingen, 
welche  3u  einem  gottfeligen  unb  {»eiligen  £eben  geboren,  ba$ 
tpr  m$t  unsermutljet  son  bem  <Batan,  son  ber  SÖSelt  ober 
tton  eurem  eigenen  £eqen  $ur  ©ünbe  verleitet  werbet*  —  2)ie 
£ollifcf)ett  ©eifter  umgeben  un$  überall  unb  fua;en  uns  {eben 
Slugenblicf  in  ipr  9?eg  $u  gießen.  3ofep$  ^  $3*  ging  in  ba$ 
$an$  feinet  £errn,  um  feine  ©efepfte  gu  »errieten,  unb  ftef)e, 
ber  ©atan  päf  i£m  bort  ein  9teg  gelegt,  welchem  er  fannx  ent* 
fliegen  fonnte*  £)aoibging  auf  bem£)ad)e  feinet  £aufe$  fpagie* 
ren  unb  ber  ©atan  bereitete  ij)m  einen  ferneren  gaüV  Sßemt 
©Ott  ijm  ni$t  burdj  ben  $ropl)eten  -ftatfjan  aufgerichtet  fjättt, 
fo  Ware  e£  um  feine  ©eligfeit  gefc^e^en  gewefem  6alomon  war 
ein  weifer  Regent  unb  *>on  ©ott  mit  sielen  perrlia)en  ©aben 
unb  großen  ©ütern  serfepen;  aber  er  würbe  bodj  $ur  2Ibgot* 
terei  unb  $u  oielem  gottlofem  2Befen  verleitet  betrug  folgte 
feinem  gefangenen  Spexxn  au$  %khc  nadjj  hi$  in  ben  $alaji 
beg£o£enpriefter£;  aber  ejje  er  e$  ftd?  serfafj,  war  er  in  i>m 
Pflegen  beg  ©atanS  unb  serläugnete  3efum.  3uba3,  ber 
gum  ©ei^  geneigt  war,  unb  hizmiUn  ctrt>a$  aug  bem  23eu* 
tel  feinet  £errn  entwenbet  fjatte,  würbe  som  Teufel  fo  ser* 
blenbet,  baß  er  3efum  um  breißig  ©ilberlinge  serrietf)  unb 
beßwegen  in  Verzweiflung  unb  in$  ewige  Verberben  fteL 
$lud;  in  unfern  £agen  ift  ber  ©atan  auf  folc^e SQSetfe  no$  fy'i* 
%  unb  bie  gottlofe  2Öelt  unterftügt  tyn  barin  treulief)*  Unfer 
eigene$£e^  ift  lei^tfinniß  unb  unbeftänbig,  fo  Sa$  e$  ben 


1325 

gefnb  nifyt  \>fel  $?i$e  fofkt,  e$  nao)  feinem  SESttfen  ^u  teufen* 
£)arum,  meine  djjriflen,  waa)et,  Itttt,  fampfet  unb  ringet« 
galtet,  wag  ipr  pabt,  baß  Sftiemanb  eure  ®rone  raube! 

IL  Um  aber  benen ,  wefdjen  e$  um  ijjre  ©efigfeit  ernfl* 
Jia)  $u  tjmn  ij$,  an  t>te  £anb  $u  ge^ett,  Wolfen  wir  noa)  einige 
yjlitttl  sorfä)  tagen,  wie  wir  $ur  Seifigen  $orjta)t  gefangen, 
©tauben  unb  ein  guteä  ©ewiffen  Bewahren,  unb  in  peiffamer 
£efjre  unb  ^eiligem  &Un  U$  an£  (£nbe  beharren  mögen« 
1)  £raa)tet  suerft  naä)  ber  ewigen  ©efigfeit,  unb  achtet  bte* 
fefbe  über  Uffok  Ziehet  nia)t3  fo  fejjr  in  ber  SBcft,  baß  tljr 
ba$  ^)eit  eurer  ©eefe  bariiber  sergeffen  tonntet*  £abet  fleißig 
2ta)t  auf  baS,  m$  eua)  befohlen  ift,  t>erria)tet  äffe  eure  ©e* 
fa)äfte  mit  gfetß,  fe^b  waa)fam  unb  emjtg  in  äffen  fingen, 
feget  aber  ba6  *g>ett  eurer  ©eefe  nia)t  jnnan,  fonbern  f  äffet 
baffefbe  nebft  ber  <£l)xt  ©otteg,  be£  2D?orgen3  euern  erften  unb 
beS  tybtvH  euern  legten  ©ebanfen  feipn*  Muntert  eua)  fefbjl 
mana)maf  auf,  unb  erinnert  eua)  unter  einanber  an  fofgenbe 
unb  äfmfia)e  ©prüa)e:  „2Sa£  £äffee£  bem  9Äenfa)ett# 
wennerbie  gan^e  Söelfc  gewänne  jc!  finget  bar* 
na$,bafHl)reittgeljetbura)bieenge$forte!©a)af* 
fet,  baß  i£r  feit 9  werbet,  mit  gura)t  unb  3itternJ 
2)u  ©otteg*3ftenfa)  ffiefje  ben  © e 1 3  unb  anberc 
©ünben,  jiage  aber  naa)  ber  ©erea)ttgfeit,  ber 
©ottf  efigfeit  u*  f*  w*  kämpfe  ben  guten  $ampfbe$ 
©faubenS,  unb  ergreif  ebag  ewige?  eben!©  ei;  ge* 
treu,  fo  Witt  3a)  btr  bte  $rone  be£  EebenS  geben/' 
£ier  $ettfia),  bort  ewig*  £)arnaa)  richte  bia)  u*  f*  w,  2)  2öen* 
bet  eua)  ^u  ©Ott,  unb  rufet  gjtt  tägfia)  mit  2lnbaa)t  unb  (Eifer 
an,  baß  (Er  eua)  mit  ©einen  klugen  feiten,  mit  ©einem  ©eijt 
regieren,  in  äffe  2öaf>r£  eit  feiten,  $or  ber  SBerfüprung  ber 
Söett  unb  be£  ©atang,  x>or  Unglauben,  ©ia)erpeit,  33finb?jeit 
unb  anbern  ©ünben  bewahren,  ©eine  £anb  nia)t  oon  eua) 
ab$iel)en,  ©eine  ©nabe  nia)t  wn  eua)  wenben,  unb  aua)  eures 
£eqen6  2)ünfef  nia)t  überfaffen  möge*  ^Bittet  3fm,  baß  (Er 
ba$  gute  2Berf,  ba$  (£r  in  eua)  angefangen  jjat,  ttolfenben  unb 
eua),  bie  (£r  in  3efu  (£fmjto  ju  ©einer  ewigen  £errfta)feit  be* 
rufen  pat,  »off  bereiten,  jiärfen,  Mftigen,  grünoen  unb  bura> 


1326 

©eine  50?ao)t  ^ur  ©eltgfeti  bewahren  woße*  Denn  ojme  Oeftic 
©nabe  unb  £ülfe  ift  afte  uufere  Set$?5ett  ttur  £{jor£eit,  unfere 
9ftaa)t  nur  £>fjnmaä)t,  unfere  $orjt'd)t,  2Saä)famfeit  unb  %x* 
Jett  nur  ein  r>ergebfia)eg  kaufen  unb  fingen*  Der'£erv 
aber  gibt  W&zitytit,  unb  an$  ©einem  2D?unbe  fommt 
(Ext enntntp  unb  SSetftanb,  (£r  faßt  e3  ben  2lufrta> 
tigeu  gelingen,  befa)irmet  bie  frommen,  hrfixtct 
b  te,  foba  rea)tt£un,  unb  ^ewa^ret  bettSÖegfei* 
ner^eüigetn  SQßer  nic^t  mit  3f>m  fammelt,  ber  ^erftreuet, 
wx  nia)i  in  ©einer  Iraft  fämpft,  ber  fteget  nia)t,  wen  ernia)i 
leitet,  ber  gercttjj  auf  3mr>ege,  wen  er  nia)tfüj>rt,  ber  wirb 
verführt  Darum  gewönnet  eua),  neben  eurem  borgen-  unb 
2lbenbgebet,  ba3  ^aitptfäcr)Itcr)  auf  getfitia)e  Dinge  gerichtet 
fepn  muß,  nod)  an  fotgenbe  ©eitler:  Verwirf  mia)  nia)t 
von  deinem  2lngefia)t,  unb  nimm  deinen  ^eiligen 
©eift  ttia)t  von  mix \  SÖenbe  meine  klugen  ab,  baf 
fie  nia)tfe£en  naa)  unnützer  ?e£re!  (naa)  ber  (EittU 
fett  ber  SBeltO  3$  bin  Dein,  frUf  mir!  Se^re  mta) 
t^un  naa)  deinem  SJÖojjIgefaUen,  benn  2)u  biji 
mein  ®ott,  Weingüter  ©eiftfü^remia)  auf  ebener 
33af)tt!"  —  £)  3efu,  *a§  bein  btttere^  Reiben  unb  ©terben 
an  mir  armen  ©ünber  nia)t  verloren  fe^n!  Dein  tf>eure$  23Iut, 
$omm  mir  ^u  gut,  2)ein  Reiben  unb  ©terben,  9ttaa)  mia)  £um 
<£rbeu,  3u  Deinem  Steter),  Deinen  Engeln  gleia)!  tyflix  §at  bie 
Sßeft  trüglia)  geria)t,  5D?tt  öligen  unb  mit  falfa)em  ©ebta)t, 
SBiet  Weisen  unb  l)eimlia)en  ©triefen;  £err,  nimm  mein  wajjr, 
3n  biefer  ©efa^r,  S3el)üt  mia)  *>or  falfa)en  £ücfen*  £>err,  mei* 
neu  ©etjt  befe^l  ia)  Dir,  fÜ?etn  ©Ott,  meitt  ©Ott,  weia)  nia)i 
von  mir,  9h'mm  mia)  in  Deine  #änbe  je* ! 

3)  So  i£r  aud)  fe^b,  unb  wa^  ijr  tjjut,  rebet  unb  ben* 
fet,  fo  erinnert  eua)  fiet$  baran,  bajü  ij?r  eua)  ttor  ben  aflfeben* 
bett  2lugeu  ©otte£  ttia)t  verberge«,  unb  eua)  ©einer  2lufjta)t 
nia)t  ent^iejen  ftmnet*  £lmt  atte£,  xoa$  ^um  Dienfte  ©otteS 
unb  be£  -ftäa)jktt  unb  $u  eurem  ewigen  Spät  gehört,  mit  fot* 
a)em  gteif ,  wie  tpr  e£  tjjutt  würbet,  wenn  3efa3  immer  in 
fta)tbarer  ©eftaft  bei  eua)  wäre.  4)  _3£r  fotft  m  2Bort©ot* 
ieö  nia)t  atfeiit  pernio)  liebett,  ffeigig  pöven  unb  lefen,  fonbera 


1327 

aucfj  barnacjj  trauten  ,  bag  ü;r  feine  Äraft  im  $er^en  empftn* 
tet,  ba£  innere  3eugnig  beS  fettigen  ©eifte3  unb  einegreubig* 
feit  im  ©lauften  unb  in  ber  ©ottfeligfeit  erlangen  moget*  Da* 
rum  fotet  aua)  oj)ne  Unterlag  unb  fpre^et  mit  Dasib:  „%a$ 
deinen  tnecf;t  Qein  28ort  feftiglid)  für  Dein  SSort 
galten,  baj?  idj  2)id;  für c^te;"  ober  mit  ber  c^riftlic^eit 
förd;e: 

£a£  uns  tu  ©einer  Siebe  ttnb  (£rfenntnif*  nehmen  ja,  £)a#  wir 
im  ©fanben  bleiben,  Unb  bienen  £)tr  im  ©eifle  fo,  £>af  wir  ^ter 
mögen  fdjmecfen,  ©eine  ©üpigfeit  im  £>er$en,  ttnfc  fciirflen  fletS 
na#  X)ixl 

■Qznn  e3  fann  nidjt  Betrieben  werben,  tt)ie  fräftig  ba3 
£er$  in  allen  Einfettungen  geftärft  wirb,  wenn  va$  2Sort  ©et* 
ie3  mit  bem  ©lauben  serbunben  unb  ber  gan^e  SD^enfc^  sott 
ber  $raft  bejfelben  burc^brungen  i%  wenn  er  bie  lefcenbige  dv* 
fenntniß  ©otte3  bura)  va$  2Bort  gefaßt,  unb  t>k  $kU  unt> 
©üte  be3  $ü$ften,  welche  un3  bag  2öort  vorträgt,  im  $eqen 
gefdmtecft  $at  5)  ©eftattet  e3  euren  (Regatten,  £au£genofc 
fett,  greunben,  euren  £e{jrern,  frommen  ^a^barn  u,  berglv 
ja  bittet  unb  ermahnet  fte,  baj?  fte  euef)  eure  geiler  mit  £iefce 
unb  2lufWa;tigfett  fagen,  unb  euet)  eure  Sünben  schalten  mö* 
gen*  (Bt\tatUt  iljnen,  baß  fte  eud)  ojme  (Schmeichelei  begegnen, 
unb  wie  ein  «Spiegel  fepen,  ber  euer  2lngefta)t  nic^t  beffer  ^eigt, 
&U  e$  ftd;  tpm  barftellt  Denn  hk  Stimme  folc^er  frommen 
unb  gewiffenfiaften  greunbe  ift  ©otte£  Stimme,  unb  wer  auf 
bem  formalen  SSege ,  ber  ^um  £eben  fü|?rt,  bleiben  will,  ber 
muß  e6  ftet)  gefallen  laffen,  ba$  man  tyn  erinnert,  wenn  er  irrt 
unb  if?m  mit  Sanftmut!)  wieber  ^uredjt  Inlft  —  Dagegen  flie* 
Jet  alle  falfd;en  unb  weltlia)  geftnnten  greunbe ,  hä  welchen 
fein  wa!)re3  <5{mftentj?um,  feine  äfytt  ©ottfeligfeit,  fein  from* 
mer  (£ifer,  fein  Verlangen,  ftet)  unb  Rubere  $u  txHucn,  $u  fm* 
ben  ift.  Raffet  euc^  weber  buref)  ijjren  Spott  noefy  bura)  tj?re 
Schmeichelei  unb  greunbliajfeit  $on  ben  Segen  be3  Gerrit 
aSwenbtg  maa)en*  Raffet  e$  eu$  nia;t  irren,  wenn  fte  fagen  t 
Äomm  trüber,  wir  wollen  rea)t  munter  fepn!  £öret  nifyt  auf 
fte,  wenn  fte  fpred;en:  Sef?et,  tiefer  will  ttxcaä  fcefonbereS 
fe^nl  galtet  9ielmei)r  bie  Dj?ren  §u  unb  feufeet  $u  ©Ott,  ba$ 


1328 

Qx  fte  erleuchten  unb  befepren  wUe.  6)  Reibet  cnbttc^  ble 
f (einen  ©ünben  ebenfo,  ttriebte  grofen;  benn  au$  Stelen  9?e* 
öentro^fen  entfielt  ein  großes  SÖSaffer,  aus  fielen  f leinen  gä* 
ten  ein  bicfeS  Sdjipfeil,  auS  einer  Heuten  Verlegung  eine 
töbtlic^e  SSunbe  unb  unheilbarer,  ©cfjabem  3dj  mi$,  baß  eüt 
Sremfen*  ober  33ienenftic$  unfägticfye  @$mer$en,  ja  einen  lajj* 
nten  5lrm  tterurfac$t,  unb  ein  -Kabel*  ober  2)ornjh'c$  eine  un* 
peilbare  Söunbe ,  unb  fogar  ben  £ob  $ur  golge  geljabt  Jjat* 
SBotfet  tpr  eudjf  affo  ttor  ben  großen  ©ünben  jmten,  welche 
mit  bem  (Stauben  unb  einem  guten  ©ewifjen  niebt  bejkpen 
fönnen,  fo  tvidt^et  auä)  nifyt  in  bk  f  leinen,  welche  bk  Sßelt 
meijtenä  für  feine  <5ünbe  peilt,  7)  (£nbti$  flergeffet  eS  nicfyt, 
euer  (Sewtffen,  wo  möglich  alle  £age,  ober  botf)  gewiß  in  jeber 
2Bod;e  einmal,  befonberS  am  Sonntag,  $u  prüfen,  eure  Sßege 
ju  betrachten,  unb  euer£er$  fammt  atten  feinen  Neigungen 
unb  ©ewo|mj?citen  $u  erforfc^en,  bamit  ipr,  wie  wir  fd^ott 
oben  gefagt  £aben,  eure  geiler  erfennen,  unb  in  beftänbiger 
33uße  unb  33efferung  leben  möget,  fotange  ber  £>err  .wilt*  — 
3um  33efcf>fuß  laffet  un£  beten : 

Saf  mi#  £)etn  fe^n  unb  Metten,  £>  treuer  @ott  unb  £errl  SSon 
3Mr  taf  tnt$  m#t$  treiben,  $ait  mic^  frei  reiner  2e$r.  3tn  ©lau- 
fen laf  mt#  nt#t  wanfen,  @tb  mir  23efiänbigf nt,  £>afür  Witt  i# 
£)ir  banfen,  3«  ßtfe  <£ttngfettl  Slmen!  3n  3efu  tarnen l  Stmen« 


Deacidified  using  the  Bookkeeper  process. 
Neutralizing  agent:  Magnesium  Oxide 
Treatment  Date:  Nov.  2005 

PreservationTechnologies 

A  WORLD  LEADER  IN  PAPER  PRESERVATION 
111  Thomson  Park  Drive 
Cranberry  Township,  PA  16066 


TH 


\Y  BE  KEPT